Indiana Tribüne, Volume 20, Number 280, Indianapolis, Marion County, 27 June 1897 — Page 7
Der Harem dcsKo'nigs von Zlttm. Von Gruft v. Hesfe-WarteAZ. Seine Majestät Tschulalongkorn, der gegenwärtig Europa bereist, ist ein großer König. Sein Volk bringt ihm die größteVerehrung entgegen und sein Lob ist in den jüngsten Tagen in den Blättern zur Genüge gesungen worden. Der Glanz seines Namens verdunkelt jrtun der Königin, die er vor der Abreise von Bangkok zur Negentin gesalbt hat; er verdunkelt auch jenen der Hunderte von blühenden Mädche?. die in dem König ihren Herrn und GeinarjJ verehren. Und das ist nicht recht, deim die holde Damenwelt spielt in Swin eine gersde so große Rolle, wie Ui uns. DaZ ferne hintermdische Köerzreich ist ei Land der Vielweiberei, ebenso wie Japan und Chim, und Zwas der Weiblichkeit inSiam cm QuaZlität abgehen mag. wird durch Quan'tität reichlicher ersetzt, als in den meisten andesn Ländern Seit undenklichen Zeiten verlang!? 'es .xipanestsche Sitte, tafe die Großen es Landes desto mclr Frauen hatten, t höher ihr Rang ist, und dementsprechend ist auch der Ham des Königs am reichsten mit Schonn? ausgestattet. Wiewiele Frauen deregierende nig w der verschlossenen, jedem Europäer .nzugänglichrn .'Haremsstadt, fc sich Linter dem feenhaften königlichen PaWe ausdehiU, besitzt, ist nicht zk ergründen. Mein man kann feint Schlüsse ziehen, D-r Vater des nirß, der berühntteMnig Montut.'befa: deren achthundert, und war In txzi 64. Jahre, nls er starb, der MSfi&e Vater vrn siebzig bis achtzig Erbenden Kindern. Sein gegenwä.rtrger Nachfolger, König TschulaloTnzkvrn, ich heute erst 44'Jahre alt UAd 'hal'es bereits auf etwn 150 Kinder gebracht. Man wird aM'kaum fehl gehen, -wenn man die Zahl 'seiner Nang-Haim.. h. verbotenen ode? verschleierten Frauen, euf wenigstens dieselbe Zahl .schätzt, wie jene fernes Vorgängers In Wirklichkeit Aiogen gerade so mitunter 'diesem auch unter dem regierenden Kö--nig einige Tnusend Frauen rm 'Harem 'wohnen, die '.Tanten. Schwestern und 'Töchter mr! -ihren zahllosen Sklavin:nen Inbegriffen. Ich habe.iir während nre'ineö'AusentHaltes in Bangkok alle Wüt gegeben, um Nät eres über die gegenwärtigen Verhälwisse zu erfahren, aber tro 'des liebenswürdigsten und gästfreiesten Entgegenkommens seitens Hes. Königs Wie seiner Brüder darüber .nichts Bestimmtes erfahren können. Die Zahl . thut indessen nicht viel zur 'Sache. Auf 'hundert mehr oder weniger ko.'nmt. es dabei gar nicht an, denn sie sind ja. ilicht wirkliche Königinnen. Don diesen darf d?r König nur eine ier zwei -haben, die Königin der rechten'und die Königin ter linken Hand. Sie allein werden crekrönt, sie allein -rnüssen köAigliches Blut in ihren Adem .haben. Da es aber in ganz Indien .kein selbst-
standiges'Königshaus mehr gibt, so ist der Könnz gezwungen, seine .Königinnen aus ier eigenen Familie .u wählen. Bee sind in der That ''seine Schwestern, von demselben Vater, aber von verschiedenen Müttern. Die erste Königin har es m vieler Hinsicht essec. als die Lcntt,esmütter in anderm Ländern, wo Harems bestehen. Während dort die Fürstinnen den Auge-.l ihrer Landeslindcr und der Fremden . entzogen bleiben, braucht sich die Königin von Siam -nicht zu verschleiern; sie erscheint bei vlen officiellen Güegenheiten an derSeite ihres Gemahls, und kommen rnstinguirte Fremde m das Land des 'NTrsßen Elerchanten, 3 o werd sie. -nachdem die Vorstellung beim iSuig vorüber, -auch der Königin vorgestellt. Ihre Majestät erscheint dabei stets in ler pikanien Landestracht, die glücklicherweise für die Licbhaber des Eigenthümlichen und Frem artigen in (Stern -noch beibehalten worden ist. In Jfcpan Hai inan bei der Eröffnung deö Landes für die eupaischc Cu'lwr nicht dasselbe weise Maß eingehalten wie in Siam. uni die Damen des japanischen Hofes erscheinen heute -mir mehr in Miedern und modernen Schleppkleidern. Ach. wenn die zierlichen., iputzigen, drolligen Musmis -nur wüß--ien, wie abschreckend sie in diesen mo'dernen abendländischen Trachtm aussehen! Dir weise König von Smm, ein Frauenkenner'CttNlin il saut, hat 'das eingesehen; er hat wohl Telegraphen. Eisenbahnen und elektrisches Licht in seinem großen .Reiche eingeführt, aber 'die altanaestancmte Frauentracht beiEhalten. Einwandere würde die hübschm, kleinen, prallen, Siamesinnen nrcht nur schlecht kleiden, in den heißen Tropen wäre sie auch g?r nicht gut möglich. So sind denn Mieder. Unrerrö'cke. SÄleppNeider, Federhüte und dercfieichen bei den Siamesen noch unbekannte Dinge. Die Frauen des Volkrs tragen nur in von den Lenden bis z den Knieen fallendes Hüftentuch, fos zwischen 'den Beinen durchgezogen wird, und ein zweites Tuch zieht sich wie eine Schärpe von der linken Schalter zur rechten Hüfte. Das genügt wohl nicht- um allerhand BlöHen zu bedecken, aber es ist wenigstens luftig und leicht. Aehnlich zeigt sich auch Ihre Majestät die Königin, die bei Audienzen gewöhnlich ohne Hofdamen oder irgend welche weibliche Begleitung erscheint. Das Costüm ist reichlicher als das des unteren Volkes und dabei so pikant und malerisch, daß es von manchen Damen, welche die Lesckreibuna desselben lesen, beim nächsten Eostumseste gewiß adoptirt werden dürfte. An Stelle der Schärpe trägt die Konigw int Art europäischer Damen blouse aus dem prachtvollstem Goldbrocat, bis zunt Hals geschlossen und mit Perlenstickneim besäet; die bauschigen Aermel sind an den Schultern mit Straußenfedern geschmückt, und von der linken .Schulter zur . rechten
Hüste schlingen sich dieBänder der ici schiedenen siamesischen Ordens-Groß kreuze. Um die Hüften liegt das Lmdentuch. Panu?g genannt, ein etwa zwei Meter langes, zweidrittel Meter breites Stück herrlichen Goldbrocats. Es wird angelegt, indem man es mit der Mitte rückwärts an jenen Theil des Körpers legt, wo der Rücken auf hört; dann, werden die beiden Enden nach vorne genommen, zwischen den Beinen durchgezogen und hinten an der Taille befestigt. Es sind keine Hosen, es ist kein Kleid, aber es bedeckt doch den Körper bis etwa an die Kniee. Die Waden werden von feinen, durchbrochenen Seidenstrümpsen bedeckt und an den kleienFllßchen stecken juwelenbedeckte Goldbrocatschuhe. Danenhüte sind in Siam unbekannt, ebenso auch Haarfrisuren, weil die Siamesinnen ihr Haar bis auf die Länze eines klewen Fingers abschneides lassen. Da stets rabenschwarze üppige Haar steht dann allerdings bo?stcnartig vm Kopfe ab, dos macht Qber nichts, a im Gegentheil, die Damn setzen ee gewisse Koketterie da?in, das Har mit allerhand Geheim?nittelchen r?cht steif zu machen. Ich !habe während meines Aufenthaltes in 'Siam Huni erte von ihnen gesehen un!d fand diese .Haartracht Zanz anspr?chend. Aehnlich wie Ihre Majestät. Ne natürlich bei festlichen Gelegenheiten mit den öcostbarsten Collirrs und Aimbändern geschmückt ist. sind auch 'die anderen Damen des KiÄZgs gekleivet. ja in ihren Hareinsgemächern ist Äiese Kleidung noch einfach, und du vielen jungen Mädchen tragen bis zum Alter iihrer Reife, etwu zehn bis.zwölf Iah??, überbau niW Anderes, als ein goldenes, zint .'Edelsteinen geschmucktes Blätrchen 'in Herzform, das mit meinem goldenen .Kettlein .um die Hüf:en befesti-zt .ist. Dazu 'kommen wob! massenhaft Arm- und Fußspangen. prächtige Halsketten, aber nicht dat geringste Stückchen Stoff. Die Mädchen sind OUsfck0ießlich .fti Metall gel leidet. Das gilt ?.?ichl'nrr von t en Mädch:n des könrglichen Harems, sondern a'uch von allen anderen in Siam, nur d&fe in den unteren Volksschichten an Stelle von ßold tzix silterne oder iupferne Ferzenblätter verwendet werd:n. Ich habe in den Straßen und c:uf den zahllosen Canälen von Bangkok, diesem hintu indischen Venedig, zahllose MÄ)chm in solch' einfacher Tracht gesetcn. .Dafür, daß die Klei
sÄung auch M.'KLnlgspalcki'te keine reichere ist, btt?gtvaj Wort nnes Bealei--ters des Herzog von .enthivres. 'Dieser frcmzösische Prinz besuchte den siamesischen Königshof.-zioeiJahre vor der ThronÄsteigung des jetzigen Königs. und dessen Äater.. König Monkut. war m einer schwachen Stunde so I gnädig, dem 'Prinzen !iinv seinem BeZ gleiter seinen Ha?em , zu zeigen. Er Z sagt in seiner Reise um die Welt" , Folgendes darüber: Gruppen uon fünfzehn bis zwanzig Frauen, überrascht von diesem unerwarteten Besuche, warfen sich sofort auf die farbigen Matten nieder, welche den Boden bedeckten;. auf den Knieen und Ellbogen Nirgend., schienen sie sehr erschrocken; ndere. wohl hundertsechszig an der Zahl, flohen bei unserem Anblick aus die Treppen, die Balköne und in die Seitenkioske; wieder andere verschwanden .wie der Blitz zwischen den schattiern Alleen deöGartens, und die Ritzen du -nicht . geschlossenen Thüren zeigten eine Menge schwarzer, funkelnder, neugiTriger .Auzenpaare. Die Einen, alte Matronen tAU runzeliger Haut und veirwelkten Reizen, drückten sich zur Seite; Andere, zarte, chocolatfarbige Nymphen, .junge, schmachtende Sultaninnen, mit emem handbreiten Band als einzige .Bekleidung des Oberkörpers, einem kurzen blauen Röckchen. Diamanten auf dem Halse, den Armen und Beinen, schmiegten sich überrascht aneinander. Der , König lenkte seine Schritte zunächst zu einer Gruppe überreifer Königinnen, und eine von ihnen bei der Hand fassend, zog er die vor Schreck Zitternde vor uns hin. Mit seiner Rechten die Königin beim Arm haltend, mit der Linkcn eine unsere: Hände ergreifend, 'legte er sie in die Hand der Königin. Ich will nicht unehrerbietig sein, aber 'diese antike Huri würde in jedem an'deren Lande der Welt als ein Affen.Weibchen taxirt werden. Gutes Weib," sagte der König, in'tem er sie nach diesem unfreiwilligen .Händedruck wieder fortschickte, sie hat mir drei Kinder gegeben.'" Dann ging er, um eine zweite, ebenso häßliche zu holen; derselbe liakoliand mit Madame No. 2: Sehr gutes Weib," suhr der König fort, sie hat mir zehn Kinder gegeben." So stellt man Prinzessinnen in Siam vor! Da alle Begleiter des Kömgs jedesmal, wenn sie zu sprechen begannen, eine Phrase hersagten, deren fortwährende Wiederholung von so vielen Lippen uns schließlich auffiel, erklärte uns Pater Larnaudie (ein in Siam ansässiger Missionar), daß jede Anrede und Antwort im Verkehr mit dem König mit folgender geheiligten Formel beginnen müsse: Jcy tzrvenwurm, ich Staub deiner Zehen, ich Haar, bezeuge meine Ehrfurcht vor dem Herrn der Weltr Während einer Stunde setzten wir unseren unbeschreiblichen Rundgang durch den Harem fort: Lebende Bilder. Gärten und Bäder, Kioske und Schlafräume geben diesem Flügel des Palastes gleichzeitig einen poetischen Charakter! Es gibt dort mehr als achthundert Frauen, unter verschiedene Titel gruppirt, unter denen der König Rangerhöhungen oder Degradationen vornimmt. Authentisch ist die Zahl seiner Kinder: dreiundsiebzig! Wie viele nebenbei noch gestorben sind, das konnte ich nicht erfahren. Jeden Neujahrstag trägt der König das Budget des Ertrages, gegenwartig oder zu-
Günstig, in eln großes Buch ein, das Studbook der Huris!" Die Angaben des Franzosen wurden mir in Bangkok von älteren Europäern, welche den König Monkut gekannt haben, bestätigt. Aber in einer Hinsicht scheint sich der Begleiter des Herzogs von Pcnthiövres doch geirrt zu haben: Er spricht von einer Amazonengarde von über hundert Mann", mit Lanzen und Schwertern bewaffnet, welche den Dienst im Harem wie im ganzen Palaste versehen haben sollen. Ja er behauptet, sie selbst gesehen zu haben. Ich habe mich eifrigst danach erkundigt, aber ihre Existenz wurde von allen Seiten in Abrede ge stellt. Die Amazonengarde besteht weder jetzt, noch hat sie unterKönig Monkut bestcmden. Dagegen ist die Unmenge von Haremsfrauen bis auf den heutigen Tag geblieben, und es wird von Niemandem bestritten, daß ihre Zahl in dr: verschleierten Stadt" mehrere Tausende erreichen muß. Bei den Hoffestlichkeiten bekommt man allerdings davon nur das Balletcorps des Königs zu sehen, Hunderte öon jungen Mädchen., welche vor den erstaunten Europäern ihre ebenso eigenthümlichen wie reizvollen Tänze auffübren. Ueber das Leden und Treiben m diesem größten Harem de Erde gibt auch eine Europöeri? inteTessante Aufschlüsse. Mrs. Leonownes. die Jahre lang als ErKcherin im Harem des Königs Montot beschädigt war und auch den gegenwäriiaen König zu ihrem Schültt hatte. Sie sagt vou seineru Vater volaendes: Der Konlg will sich von seinen Re gierungsgeschästen ein wenig ausru hen. Er nimmt zuvrr ein Bad, be dient von fernen Frauen, die seiner. Körvrr parfümiren und ihn ankleiden. Dann begibt xx sich in einen Salon seines Palastes. Es ist Abend, und die vsx der 3)idz hängenden Kandelaber verbreiten em magisches Licht rings umher. Etwa zwanzig junge Mädchen, an5 das .Reichste mit Juwelen .geschmückt, liegen ans den Kniee?, swx ibtsni .Herrn, bereit, seine leesten Wünsche zu erfüllen. Eine andere Mädchengruppe, mit Musikinstrumenttn. spielt leise siamesische Weisen. 'Etwa zwölf Mädchen kommen hinter .einem Vorhang hervor, mit Zroßen, luwelcnbeseten Straußenfächern, um dem . König Kühlung zu bereiten, dann erscheinen zwei Reihen Tänzerinnen und fübren einen mimischen Tanz auf, .bei welchem jede Bewegung, jed?'Stellung :'ein Gedicht von Anmuth und Leidenschaft ist. und er, derHc, bleibt .unbeweglich und kalt, wie eine BronzeStatue. Er 'hat kein Lächeln ..für all' diefe 'friscke Jugend, diese Reize, diese .Harmonie .der Töne, der Farben und Zmen! Die Tänzerinnen .sind erschöpft und halten inne. Er erhebt -sichund stumm, nie er gekommen, ver.simninkit er 5" Woher stammen alle viele Mädchens Weiden sie gekauft, geraubt, als Säuglinge im Harem selbst aufgezogen? Ich fand in dem siamesischen Staatskalender für das Jahr 1888, also zur Regierungszeit des gcgenwärtien Königs, folgende, von einem siamesifchen Verfasser stammende Erklärirng: Wünscht. der König eine Ncmg-ham Haremsmädchcn). so sendet nicht tttva eine Gesandtschaft zu einem Fürst üon gleichem Rang, um ahre Hand zu begehren: noch heirathet tx sie formell und läßt eine Wohnung für sie errichten. Manchmal erblickt u m Mädchen, das ihm gefällt, odex .einer seiner Agenten berichtet ihm von einem schönen Mädchen, dessen Eltern von edler Abstammung sind. Dann sendet der König einen Boten zu ihnen und sucht sie um die Erlaubniß, die Tochter in seinem Paläste zu erziehen und dann unter dLZang-ham einreihen zu dürfen. Diese 'Erlaubniß wird natürlich niemals verweigert. Die Aussicht, den König zn einer Art Schwiegersohn zu haben und aus dieser Verbindung allen möglichen Nutzen zu ziehen, veranlaßt häufig Familien, ihre schönste Tochter oder Enkelin oder Nichte dem König für die ehrenvolle Stellung einer königlichen Concubine anzubieten. Das ist eine ganz gewöhnliche Art. auf welche der König seine vielen Frauen bekommt. Noch eine andere ergiebige Quelle für den königlichen Harem ist der altangestammte Gebrauch, daß bei der Thronbesteigung eines Königs alle seine Edelleute, bis herunter zu den Kuns und Muns (die niedrigsten Adelsklassen) ihm ihre schönste Tochter oder Nichte zum Geschenk machen. In Folge dieser Sitte waren die Concubinen' der Könige von Siam zu allen leiten sebr zahlreich, und jeder besaß deren mehrere Hundert, a sogar über Tausend." Als eine Art Entschuldigung fügt der siamesische Verfasser diesen Aufklärungen Folgendes bei: Die allgemeine Sitte für Siamesen von irgend welchem Rang, selbst wenn sie nicht Prinzen sind, ist es, viele Frauen zu haben. Kann Jemand einKönig od:r auch nur ein Edelmann sein, und nicht eine Menge an Concubinen besitzen?" Dann sagt er weiter: Die Töchter von Edelleuten, welche dem König geschenkt werden, sind stets in sehr jugendlichem Alter. Im königlichen Palaste werden sie unter die vom König ernannten Gouvernanten und Matronen gestellt, deren heiligste Pflicht es ist, sie zu unterrichten und für die hohe Stellung, zu der sie bestimmt sind, vorzubereiten, bis sie ihreReife erreicht haben. Unter früheren Königen sind nur sehr wenige dieser Mädchen nicht königliche Concubinen geworden. Aber unter der gegenwärtigen Regierung beliebte eS dem König, nur eine kleine Minorität auf solche Weise zu ehren. Der Rest wird für den Haremsdienst verwendet, mit dem Recht, in ihr Elternhaus zurückzukehren, wenn sie es wünschen sollten." ..
Sehr intcrssant sind die Aufschlüsse. welche über die Auswahl von wirklichen Königinnen und über dieVermählung mit dem König ertheilt werden: Wünscht der Herrscher, eine Dame zur Königin zu erheben, so ist es Gebrauch, eine Prinzessin vom allerhöchsten Rang unter den dem Königshause entstammenden Familien auszuwählen; und auch dann ist sie ihrer Ernennung nicht sicher, bis sie nicht eine Zeit lang mit dem König gelebt hat und erfolgreich genug war, einen hinlänglich großen Platz im königlichen Herzen zu gewinnen. Ist dies der Fall, so bestimmt der König einen Tag für ihre Weihe als Königin, aber die damit verbundenen Ceremonien sind keine öffentlichen, weshalb es schwer war. bestimmte Mittheilungen zu erlangen." Der siamesische Geschichtsschreiber führt nun aus, wie zunächst die höchsten Hofchargen, Minister, Aeltesten der Prinzen und des Adels, dann vierzig bis fünfzig buddhistische Hohepriester, die höchsten Brahminen und die königlichen Astrologen in den Palast entboten werden. Die ersten beiden Tage werden mit der Weihe des BadeWassers für Ihre zukünftige Majestät verbracht, während die wevlichenWürdenträger dem Tcmpeldienst. Gebeten und Festgelagen beiwohnen. Vrahminen und Buddhistenpriester sammeln Zweige von Bäumen und Sträuchern, die besonders segensreiche Eigenschafien für den menschlichen Körper haben sollen, legen diese Zweige in reines Wasser und nehmen allerhand Beschwörungen vor So entsteht das Nam mong k'on, d. h. Wasser des Se ?gens". Für das Bad wird im könig lichen Harem ein Aufbau von etwa zwei Metern Höhe errichtet, zu welchem Stufen emporführen. Auf diese Platsorm wird ein goldener Thron gestellt und über den letzteren eine Art ThronHimmel aus weißun, mit Blumen reich gesticktem Mousselin errichtet. Der Wasserbehälter wird so gestellt, daß durch das Drehen eines Hahns das Wasser durch den Mousselinhimmel regenartig auf die den Thron einnehmende Dame läuft. De: Morgen des dritten Tages veracht mit .Festgelagen und der feierlichen Ueberreichung von Geschenken an die teilnehmenden Priester. . hauptsächlich .gelbe Priestergewänder' Fächer, Ceremonienschirme u. s. w. Am Nachmittage wird die zukünftige Königin, ganz m Weiß gekleidet, zu den: Thron geführt. Die Buddhistenpriester liegen an den Wänden entlang und beten; die Brahminen sind auf ihren Posten für die Wassertaufe, während außerhalb die Musikcorps des Palastes aufgestellt sind. Auf ein Zeichen des Königs wird der Wasserregen über die Prinzessin gelassen und während des etwa fünf Minuten dauernden Bades spielen die Musikcorps mit altsiamesischen Instrumenten bestimmte Weisen. Schwestern des Königs führen dann die Prinzessin, durch eineffSchirm dem Anblick der Anwesenden entzogen, m ein Gemach, wo sie ihre Vadegewänder mit dem königlichen Ornat vertauscht. Mit den kostbarsten Juwelen bedeckt, erscheint .sie dann vor dem versammelten Hofe und empfängt die Huldigung Qller Anwesenden. Nicht Nur die Königin, Qich die Schwestern des Königs und lönigliche Prinzessinnen überhaupt erscheinen bei Festlichleiten, wie dem Verbrennen königlicher Leichen, den Ceremonien des Haarschneidens königlicher Prinzen u. s. w. Allein eö ist ihnen verboten, zu heirathen. Da eine Prinzessin nur einen Mann von ihrem Range ehelichen dürste, so würden d!e Kinder derselben auf diese Weise von väterlicher wie mütterlicher Seite königlichen Geblüts sein und dadurch möglicherweise den Königsthron für sich in Anspruch nehmen wollen. Durch das Eheverbot wird dieser Gefahr vorgebeugt. Man darf nicht glauben, daß die Tausende von weiblichen Wesen, die den königlichen Harem bevölkern, ihr Leben in ähnlicher Unthätigkeit verbringen, wie etwa die Haremsdamen mohamedanischer Fürsten nur die Geschwister und Tanten des Königs haben ihre eigene Hofhaltung und brauchen nicht zu arbeiten. Ihr Leben vergeht mit Lectüre. Ausfahrten zu Wasser und zu Lande, oer Pflege von Blumen und Singvögeln und vor Allem mit dem Spiel. Wie alle Siamesen, so sind auch die Damen des Hoses leidenschaftlich: Spieler und ungeheure Summen wechseln fortwahrend die Besitzer. Während die Männer dabei eingefleischte Raucher sind, nehmen die Damen nur höchst selten Cigaretten zwischen ihre Lippen, aber dafür huldigen sie einer anderen Unsitte. Von der Königin abwärts bis zuien Sklavinnen sind alle Siamesinnen, auch jene des Hofes, Betelkauer. Fortwährend ist das Betelprimchen im Munde, und Prinzessinnen werden stets von Dienern begleitet, welche den gewöhnlich goldenen, mit Edelsteinen besetzten Spucknapf, eine Schale mit Betelnüssen und kalkbestrichcnen Pfefferblättern. sowie das scharlachrothe Taschentuch nachtragen scharlachroth deshalb.weil der Betelsaft blutroth ist. Mit der Zeit färbt er das Zahnfleisch dunkel, die Zähne aber ganz schwarz. Es wird erzählt, daß gewisse vornehme Herren in Bangkok zweierlei falsche Gebisse haben. Gehen sie in siamesische Gesellschaft, fo legen sie das fchwarze Gebiß an, in europäischer Gesellschaft tragen sie das weiße Gebiß. Die jungen Mädchen im königlichen Harem werden nicht nur in Musik, Tanz und Declamation unterrichtet, sondern sie lernen auch nützlichere Dinge, vor Allem die englische Sprache, welche die Verkehrssprache des siamesischen Hofes, ebenso wie 'des chinesischen, japanischen und der vielen indischen Hofe mit den Europäern ist. Die Annahme,. daß dort französisch gesvrochen wird, ist irrig. . Französisch
ist nur bis an das Rothe Meer die vorherrschende Hof- und Diplomatenspräche. Jenseits des Rothen Meeres durch ganz Asien bis nach Amerika ist es ausschließlich das Englische, selbstverständlich sind dabei die französischen Colonien nicht mit inbegriffen. Eine große Zahl der Geschenke, die der König bei verschiedenen Gelegenheiten den Hofleuten. Priestern und Europäern macht, werden im königlichen Harem von geschickten FrauenHänden angefertigt. Dort werden die Blumensträuße und Guirlanden zur Ausschmückung der Festräume gebunden. die Sandelholz - Zweige für königliche' Leichenverbrennungen geschnitzt, die Gewänder für die Priester wie für dieHaremsdamen selbst genäht. Ceremonienschirme gemacht. Stickereien. Reparaturen aller Art ausgeführt, so daß die für den Haremsunterhalt erforderlichen großen Summen auf der anderen Seite wieder eingebracht werden. Eine große Zahl von weiblichen Wesen hat auch die Wartung und Erziehung der königlichen Kinder unter sich, von denen heute, wie eingangs erwähnt, etwa hundertfünfzig vorhanden sind! Aus dem Ljcimweg. (Münchener Gerichtsscene). Der fünfzigjährige Uhrmacher Josef Z. von München stand unter der Anklage, am 30. April nach Mitternacht auf dem Wege von der Dingsbräuerei nach seiner Behausung in ?iner äußeren Vorstadtstraße den Commis Ferdinand Y. und den Buchhalter Georg X. ohne Anlaß, und wie die Anklageschrift behauptet, vorsätzlich und rechtswidrig körperlich mißhandelt zu haben'. Der Angeklagte, ein Mann weit über mittelgroß, dessen martialisches Ausfehen durch einen bis auf die Brust wallenden grauen Vollbart bedeutend vermehrt wird, betrachtete mitleidig die beiden alsZeugen erschienenen Damnifikaten, während ein Gendarm als weiterer Thatzeuge kaum ein Lacheln zu unterdrücken vermochte, als der Angeklagte äußerte: Säh, Herr Stadtrichte? ! da hamer 's Rechte derrath'n; der Schandarm is mir der Liaber. der hat bei der Kamedie an letzten Auszug g'sehg'n. und g'freut hat's eahm aa! Nachdem die Zeugen wieder abgetreten waren, begann das Verhör. Richter: Sie sind bereits fünfzig Jahre alt. Herr Z. und machen gleichwohl noch derartige Geschichten? Angekl.: Jawohl, Herr Stadtrichter! 's hat bereits g'schnackelt! An Fufzger hamer, aber no' guet san mer; dös werden Sie kaum mehrer leisten nen. wenn's bei Eahna um diese Zeit a mal is. I moan g'rad, daß i besser bin wie frühender, seitdem i 's Schwabenalter überstand' hab. Wissen S'. Zwoa fan allcweil Zwoa. und a Jeder hat a hübsch dick's Stecker! dabei aber in der Hitz'n da kimmt's vor. daß mer so an Bürschei d' Flöi'n nimmt und spielt eahm selber was damit auf! Den Wurf, wo i no' drinnet hab, dös is einzig, d Straß'n wär bald net breit gnua für solchene windige Fretter überanand! Ricbter: Am 30. April Früh 1 Uhr sind Sie, wie ich annehmen will, ziemlich angeheitert durch die Lindwurmstraße nach Ihrer Behausung g:ga::gen und haben etwas laut vor sich hingesprochen. Angekl.: Angeheitert? angeheitert? Warum denn angeheitert? Mir kann's recht sein, wenn Sie's annehmen, aber sag kalt: a wngl anua hab i g'habt! tfe richtige Bettschwer'n, an kloan Walkler, an Sud, oder wia mer sagt, aber heiter dos kenn i net. Die Zeiien san net darnach, daß mer g'rad recht heiter sein kunnt. D' Griechen und V Türken rampf'n mitanander. weil ihnen d' Noth koan Ruah laßt: d' Franzosen san scho bald a Vierteljahrhundert ganz derloabelt. d' Spanier und d' Italiener kriegen überall Scbläa' wo's nur binlangen. die Engländer, unsere Vorstadtkrämer, haben koa Schneid vor lauter auswärtige Ungelegenheiten und dene Amerikaner drent geht's so guat, daß bald bei uns einwandern mochten. Neulings is Oana vom Lechl hoam kemma aus Afrika, der hat a Hand voll Diamanden oder wenigstens a Sackerl voll Goldnockerl finden wollen, derweil hat er nizn als a Streusandlager entdeckt. Da wenn's mi' net auslassen liabcr dahoam bleib'n, und sich röthlich näh ren! Richter: Ich meine nur. daß Sie etwas über Durst getrunken hatten! Angekl.: G'wiß net, Herr Stadtlichter! I mög schon a kloans Lackerl, und der Durst is bei mir a ganz au6gebildete guate Eigenschaft. So mitter war's halt, wia Jemand mit fünf Maßerln fein thuat um Mitternacht, da wenn Oaner g'sagt hätt: Ja was iS denn dös, der.Peppi is, die alte Loamgruab'n, geh feiern mer dein Leichentrunk, nacha kannst stetb'n, wenn d' magst!" Sie da wären's noch leicht a zwoa Maßerln worden. Richter: Gut! wie kam nun die Sache weiter? . Angekl.: Also jetz'n nehmen mer an, Eahner Tisch dader wär der Brunnen am Sendlingerthor und springet recht sakrisch. Sie schaug'n die G'schicht an und es g'fallt Eahne. auf a mal draht sich der ganze Brunna um Eahna 'mm und bei Eahna draht sich ebenfalls Alles. Moan 'S daß Eahna dabei besser wird? Richter: Lassen Sie gefälligst mich aus dem Spiel und erzählen Sie l:diglich, was zur Sache gehört. Angekl.: Also Sie mögen net mitthuen, weil 'S die Sachen schon kennen! also dreht's bei mir alloanig. I schaug, daß i weiter kimm, und sing
halblaut a, alt's Liadl: Stod, stad! daß dl' net draht, hat dl' erst gestern draht, draht di' heut aa.- Jetzn kemma Zwoa. die a wenal mehrer Bier a'habt
ham oder a Haserl weniger versragen können. Der Oane sagt: Herrjemersch nee, mein dheierster Gotthold, wenn se Eener mit mir anbinden möchten dhäte, der begämme ecklichte Haue. Siehste das heeßt eene Quarte und das iö so cene Dhärze Dabei fuchtelt der Mensch mit sein Stecka umanand, und i denk mir: Universitätsfechtmeister wirst net Spezi! Der Andere sagt: Eich nee nee Karl August, hörstewohl. ich kann Dir nischt vorfechten. aber wenn ich je eenmal in Wuth gerathe. da fetzt es Haue un nich von der schlechtesten Herkunft. In Leipzig sag ich Dir Aufgeschaugt"! sag i, wenn's fechten wollt's, nacher geht's außa auf's Sendlingeroberfeld oder auf'n Kugelfang nunter. Der Erste wo no' a mal umanander fuchtelt, wird beutelt wia a Jagdhund! vsrstand'n?" Na. betrachte mal dies olle Schindludersch dheuerster Gotthold", sagt der Zwoate, aber net in der betreffenden Wuath. wo mer Haue krieg'n kunt. Nee nee, aber da fchteht ja die Pleiße still und wird zu Wasser! Sie oller Landmann zur See, wie meenen Se denn eezentlich, wenn mir se gar nich ufpassen dhun würden und dhäten Jhnen een paar Hinterflecke ufsohlen, damit Se en kleen wenig manierlicher werden dhäten?" Dabei legt der Grasteufel sein Stecka aus und zählt eins, zwei aber grad vor dreie hab i eahm in der Mitt'n, an Wirbl. an Lupfer, dann an Flug und weg war er. Der Andere schaugt wia im Traum, i wett d'rauf. der is' im Geist aa schon davon g'wen. Aber die halbetcn Tagschichten waren seiner Lebtag net nach mein G'schmH.ck: Säh Herr Landsmann!" suachen's Eahnern Freund, sunst müaßen's eahm morgen unter die verlorene Gegenständ in die Neuesten einrücken lassen!" Mit dene Wort hab i an Andern g'faßt. aufg'hoben. bin dreimal mit eahm draht, dann hab i dös Mannsbild auslassen, und über d' Straß'n is er 'nüber wia a Windsbraut. Zwoa Stecka. a halbeter Zwicker und zwoa HLet fan am Kriegsschauplatz z'ruckblieb'n. I schaug und war besorgt um dös Schicksal von meine zwoa Luftschiffer, da seh' i auf a mal vier. Personen. Tuifi! kann denn die freiwillige Sanitätscompagnie schon da sein, oder Habens die Malefizkerl no' z'erst telephonisch b'stellt? Hcutzutag gibts ja Alles! Derweil kemma die Zwoa hinkend wieder herüber, und die andern waren a paar Schandarm. Der erste Schandarm hat meineFreund in Obacht g'nommen, und der zwoate fragt nach mein Familienstand, schreibt sich Alles sauber auf. und i hab eahm dazua mit Schwedische g'leuchtet. Nachher sagt er zu die Verwundeten: Ihr habt Euer Lag und gebt hoam da hinein, sag' i, und dös glei', und Sie Herr Nachbar da 'naus, 's Andere kimmt nach." I geh weil i auf a Ordnung was halten thua; da moant der oane Schandarm: I denk, Sie braucha Jhna net z'ferchten, wenn S' bei der Nacht wo Hinkomma, wo 's net bekannt san!" Dank der Nachfrag. Herr Stationsscherschant! a Bröckl was leisten mer no'. aber so is nimmer, wia 's war. Umanand geht's halt no',.ob 's anhält?" Jetz'n haben 's den ganzen Kaffee. Nach Vernehmung der Zeugen, die ihre klägliche Rolle auch heute weiter spielten, wurde der Angeklagte freigesprvchen. Vor dem Abgang bemerkte er noch gegen die Zeugen: Net wahr! Dös war a Rest von dem Wirblwind Schwab'n? So a Wetter haust, sag i Eahna! 's nächste Mal gehen 's besser aus 'n Weg, sonst is' wied?r g'fehlt. Für eine etwaige umarbeitung seines Romans Die Könige im Exil" hätte Alphonse Daudet sehr dankenswerthen Stoff durch den eben erfolgten Tod einer spanischen Jnfantin in Paris erhalten. Sie lebte zwar nicht in der Verbannung, gehörte aber ganz der depossedirten Gesellschaft an. die uns Daudet so unterhaltend schildert. Es handelt sich um die Jnfantin Jsabella von Bourbon, Schwester des Königs Franz von Assisi. der seit sechsundzwanzig Jahren Epinay bewohnt, während seine Gemahlin, die Ex-Königin Jsabella. in dem Palais de Casiille der Avenue Kleber zu Paris haust. In ihrer Jugend ward die Infantin von dem polnischen Grafen Gurowski entführt, einem der schönsten Männer seiner Zeit; aber ihre Eh: war sehr unglücklich; sie trennten sich. Ebenso unglücklich war die Heirath ihrer Tochter mit dem Vicomte de Trancoso; die zweite verehelichte sich angeblich mit einem Polen. Sie selbst sagte sich von ihrer Familie los und lebte in einem gewöhnlichen Gasthof der Cite d'Antin. Dort zeichnete sie sich durch große Fülle im Essen und Trinken aus. besaß schon im Anfang jedes Monats keinen Heller mehr, obgleich ihr Bruder. - der König, ihr monatlich 5000 Francs zukommen ließ. Angeblich verschleuderte sie ihrGeld an Hilfsbedürftia:. D e r M i n i st e r d e s Innern Barthou hat viele der Personen, die sich beim Rettungswerke bei dem Bazarbrande in Paris ausgezeichnet haben, empfangen und ihnen, nachdem er eine Ansprache an sie gehalten. Denkmünzen verschiedener Kategorien überreicht. An der Spitze der Liste stand der Polizeicommissär Mouquie. der zum zweiten Male die goldene Rettungsmedaille erster Klasse erhielt; diese wurde, auch dem Stallknecht Eduard Trosch und dem Turnlehrer Weber ertheilt. Die golden? Rettungsmedaille zweiter Klasse erhielten acht Personen, vier Männer und vier Frauen, unter den letzteren die Gattin des Bankiers Jules Porges, welche ihre Wohnung als Ambulanz eingerichtet hatte. Außerdem wurden 70 silberne Medaillen größtentheils an Arbeiter und Dienstboten vertheilt. Auch eine barmherzige Schwester befand sich unter den so Belohnten. Dem Kutscher Eugene Georges ist das Ritterkreuz der Ehrenlegion verliehen worden.
Zroicslngcn. Als Friedrich II. von Preußen noch mit seinem Hofcapellmeister Quan und dem braven Stichelmann in seinen Mußestunden Arien und Schäferspiele in Musik setzte, war für die Swgvö-
gel". besonders aber für die italienischen Kehlen, eine schöne Zeit. Man bezahlte sie gut, aber das Probesingen vor dem kunstsinnigen Könige war nicht so wcht. Das hatte auch die berühmte PrimadonnaGiovanna Astrua, der Liebling der Turiner, an sich erfahren müssen, über deren Probegesana. am preußischen Hofe Folgendes erzählt wird: Die gefeierte Schöne trug sich bereits mit demGedanken, die Residenz des Preußcnkönigs, der sie nach mehrercn Tagen noch immer nicht zu'sich befohlen hatte, zu verlassen als sie plötzlich die Aufforderung erhielt, am nächsten Abend im Schlosse die große Coloraturarie aus dem Schäferliede il R6 pastorc eines ungenannten Comvonisten zu singen. Eine Weile zögerte die Giovanni mit der Antwort und wollte Heiserkeit vorschützen, dann aber besann sie sich eines Besseren und fragte Quantz, ob sie den Componisien des 116 pastore sehen würde, und woran sie ihn erkennen könne. An seinen merkwürdigen Augen," lautete die Antwort. Schon waren im Musiksaale des Potsdamer Schlosses die G:ladenen und Orchestermitglieder zur Probe versammelt, als die reizvolle Künstlerin den Saal betrat. Anfangs bebten die Töne der jugendlichen Primadonna leise, bald aber schwand das seltsam beklemmende Gefühl, und die Stimme entfaltete sich zur sonnigen Helle. Mit. berückender Grazie und Kühnheit nahm sie alle -"ernisse der Coloraturen. doch nach rauch unterdrückten die Anwesenden eden lauten Beifall, und während kdieAstrua noch nach dem Vorhang schaute, hinter welchem sie den König vermuthete, da löste sich aus einer Gruppe, die um den. kostbaren Flügel postirt war.eine kaum mittelgroße, schlanke Gestalt, welche dieAstrua für den Componisten hielt. dcQ sie mit stolzen Blicken maß. Gut gesungen. Signora. aber einige Aendc--rungen gemacht, die mir nicht gefallen sonst bin ich zufrieden!" fagte der vermeintliche Graun. Die Sängerin warf ihm ihren hochmüthigen Blick zu und meinte: Ihr seid zufrieden, mein Herr Notenschreiber, ich aber nicht, ich, dieGiovanni Astrua. di: ich bei solchen Coloraturen über Stock und Stein springen muß. Wenn ich der Könige wäre, duldete ich nicht, daß Ihr ncü weiter für die armen italienischenSängerinnen Arien in Musik setzt, datz Ihr " Er sagte kein Wort, ließ ih ren Zornesausbruch ruhig über sich: ergehen, aber seine Augen hefteten sichfest und unverwandt auf ihr glühen-' des, reizendes Gesicht. Und was fürAugen waren das! Blau wie der: Himmel eines Herbsttages, wie dunkelschimmernder Stahl mit einem Blick, scharf wie eine Damascener Klinge. Die Giovanna Astrua wußte nicht, wie ihr geschah. Ohne den Blick von ihrem Gegenüber lassen zu können, verneigte sie sich immer tiefer und tiefer bis sie zuletzt vor ihm aufdie Kniee sank und in Ohnmacht siel Nun neigte sich der Componist über sie ein warmer Schimmer brach aus seinen Augen er streckte seine Hände aus und sagte mit schönem, stolzem Lächeln: Filia rnia, wenn Ihr nach Deutschland kommt, so müßt Ihr singen, was deutsche Componisten niederschreiben. Und was den König angeht, so wird er bald eine neue Arie für die Astrua componiren, die schwerer sein dürfte, als Itf pastore. Künftighin wird keine Note ohne feine besondere Erlaubniß geändert, das sage ich der König!" Nach dieser Begebenheit war der fremländische Singvogel einige Tage krank, dann aber erholte er sich wieder und verblieb 10 Jahre lang am preußischen Hofe Sängerin, bis er, von einem unheilbaren Brustleiden ergriffen, mit einer hohen Vension auf Nimmerwiedersehen heimkehrte. Zuversicht. Ecorg Vötticher. Du junger Dichter, singe frei Was immer Dich bewegt: Von Lenz und Hoffen, Lieb und Treu Keck, wie der Vogel schlägt. Ob froh, ob trüb wenn nur Dem Sang Aus vollem Herzen klingt Dann sei Du sicher, daß sein Klang Zu andern Herzen dringt. Und was Du singst: Des Maien Lust. Der Liebe Leid und Glück Ein Echo weckt's in mancher Brust Und tönt zu Dir zurück. Ja. Deine Lieder eh' Du's meinst Und hoffest glaube mir: Du sangst sie Deinem Volke einst Einst singt Dein Volk sie Dir!" EinharterVater. Bob: Papa hat mich heute erwischt, wie ich mir eine von seinen Cigavren ansteckte.Tom: Hat er Dich dafür gekeilt?Vob: .No schlimmer!" Tom: Na was denn da?" Bob: Hat mich gezwungen die Stindadores auszurauchen." Auf d e m,f eimwege von der Kneipe. Süffel: Brn Bruder, jetzt sind wir im Mittel pu Punkt der Welt!" Biermayer: Wa warum denn?" Süffel: Siehst Du denn nicht, wie sich A Alles um uns dreht?" Triftiger Grund. Varon: Und zu welcbekn Zinsfuß leiben Sie Geld?" Wucherer: Im Winter zu zwanzig, im Sommer zu dreißig Procent." Baron: Warum dieser Unterschied?" Wucherer: Nu. im Sommer sind die Taceviel länger
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