Indiana Tribüne, Volume 20, Number 280, Indianapolis, Marion County, 27 June 1897 — Page 6

Königin VZctoria. 60 Jahre sind verflossen seit dem 'Tage, an welchem die greise Königin Victoria äls Nachfolgerin ihres Oheims Wilhelm IV. den englischen "Thron bestiegen hat. und dieses Jubelfesi ist in London unter Entfaltung von noch großartigerem Pomp als ihr fünfzigjährigesJubiläum gefeiert worden. Die Aufgabe, ein junges Mädchen als Herrscherin übe: ein Reich zu sehen das mit der Grobe des alten Rom den Vergleich herausfordert, war einer deutschen Mutter beschicken. Georg. ZU.. König von England, endete im Wahnsinn. Sein Sohn, der Prinzregent. seit 1820 König von England, Georg IV. blieb kinderlos und auch Wilhelm IV., sein Nachfolg. 7 aus. dem Thron, hatte keine Erben. So heiraihete denn Georg's III. vierter Sohn, der Herzog von Kent, in vorgerückten Jahren die Prinzessin von Koburg. die verwittwete Fürstin von Lciningen, und ihnen ward am 24. Mai 1819 die Tochter. Prinzessin Victoria, im Palast zu Kensington geboren. Sie war kein Jahr alt. als der Vater starb. Die Mutter lebte in tiefer Zurückgezogenheii einzig dem Wohl ihrer Tochter. Die erste Erzieherin der Prinzessin war eine Teutsche. Fräulein Lehzen, 'der sie treue Anhänglichkeit bewahrte, und Teutsch blieb zeitlebens für sie

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Königin Victoria. nnj die Ihrigen eine Muttersprache. Selten erinnerte Wilhelm IV. seine Nichte an die Zukunft, denn er gab die Hoffnung auf eigene Nachkommenschaft nicht auf. Unter der Leitung vorzüglicher Lehrer wuchs die Prinzessin hercn und am 20. Juni 1837, drei Wochen nachdem sie großjährig geworden, wurde sie Nachts von ihrer Mutter aus dem Schlummer geweckt mit der Nachricht, sie sei Königin von England. lZrst am 23. Juni 1833. wurde sie in der alten Westminster - Abtei gekrönt. Im zweiten Jahre ihrer Regierung, am 10. Februar 1840, vermählte sich die junge Königin mit ihrem etwas jüngerem Vetter. Prinz Albert von Sachsen-Coburg, und vier Söhne und fünf Töchter 'entsprossen dieser Ehe. Am 14. December 1861 starb der Prinz - Gemahl an einem typhöschen Fieber, und auch eine Tochter Alice, Großherzogin von Hessen, sowie ein Sohn, Prinz Leopold. Herzog von Albany, wurden ihr durch den Tod geraubt; von ihren fünf Schwiegersöhnen sind drei nicht mehr am Leben. Ihr voraussichtlicher Nachfolger, Albert Eduard, Prinz von Wales, wurde am 9. November 1841 geboren, und ist seit dem 10. März 1896 mit einer dänischen Prinzessin vermählt. Königin Victoria, die im Jahre 1878 den Titel einer Kaiserin von Indien annahm, hat den Necord" als Regentin schon am 23. September 1896 gebrochen, denn damals regierte sie bereits länger als irgend ein englicher Monach vor ihr: nämlich 59 '. Im Krönungscostüm. Jahre 3 Monate und 5 Tage, und damit war die bisher längste Regierungsdauer, die ihres Großvaters König Georgs des Dritten, um einen Tag übertreffen. Von anderen europäischen' Herrscher hat nur einer diesen Record geschlagen, nämlich Louis XIV., der von 1643 1715 auf dem Throne der Bourbonen saß. Während die Königin aber von Anfang an die Pflichten und Verantwortlichkeiten ihrer Stellung selbstständig übernahm, stand Louis XIV. als König lange unter Vormundschaft, und dasselbe gilt von ndern englischen Herrschen, wie Hein?ich dem Dritten, Edward dem Dritten und Heinrich dem Sechsten, die außergewöhnlich lange Zeit auf dem Throne ihrer Väter saßen. Die Durchschnittsdauer der Regieruna englischer Herrscher seit 1066 war 23 Jahre ; die Königin aber hat nicht nur alle Herrscher, die sie 1837 auf dem Throne fand, sondern auch alle, die während der nächsten 11 Jahre den Thron bestiegen, überlebt. Während sie regierte fyit Preußen fünf Herrscher gehabt. Rußland. Dänemark, Spanien und Portugal je vier, Schweden und Holland je drei, und Oesterreich und Belgien je zwei. Es ist nur natürlich, daß diese lange Regierung auch die größten Fortschritte und Veränderungen sah. welche die Geschichte Großbritanniens kennt. Der mächtige Aufschwung der englischen Industrie vollzog sich während der Regierungszeit der Königin Victoria und es war auch in dieser Periode, daß durch Einführung der

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Eisenbahnen sich die großartige Umge staltung des Verkehrswesens vollzog. Hand in Hand damit ging die politische Entwicklung des Volkes, dessen Rechte sich erweiterten und das in höherem Maße als früher die Gestaltung

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Prinzgemahl Albert. der Verhältnisse zu beeinflussen begann. Auch seine Gesittung hob sich, obwohl in den breiten Massen des englischen Volkes noch heute mehr Rohheit zu finden ist, als in den gleichen Schichten der mitteleuropäischen Länder. Königin Victoria hat auch eine beträchtliche Erweiterung des englischen Colonialbesitzes gesehen. Aber derselbe ist nur durch zahlreiche blutige Kriege erworben und erhalten worden. Es ist ganz interessant, einmal die Kriege herzuzählen, welche die an der Spitze der Friedensbewegung stehendcn Engländer in diesem Zeitraum geführt haben. Im Jahre 1833 begann der erste afghanische Krieg, nach dessen Beendigung im Jahre 1841 der erste Krieg gegen China anhob. Dann folgten in geringen Zwischenräumen der Sikh-Krieg, der Kafsernkrieg, der zweite Krieg gegen China, der zweite Krieg gegen die Afghanen, ein neuer Sikh-Krieg. ein Kampf gegen die Virmanen, dem nach einem neuen Kaffernkriege schnell ein zweiter folgte. Das sind die kriegerischen Unternehmungen Englands bis zum Ausbruch desKrimkriegs. Nach diesem gab es wieder einen Krieg mit China, während dessen der Aufstand in Indien ausbrach. Nach kurzer Pause folgte der Krieg gegen die Maeri, der fast gleichzeitig mit einem neuen Feldzug gegen China stattfand, dann folgte ein neuer Krieg gegen die Maori, einer gegen die Aschanti. die Campagne in Vhutan, der abessynische Feldzug, während dessen eine Expedition gegen die Basuti unternommen wurde, und der von eiPrinz und Prinzessin von Wales. nem dritten Maorikrieg gefolgt wurde. Dann wurden wieder einmal die Aschanti bekriegt, ein Zug gegen die Kaffern. ein anderer gegen die Zulus unternommen und selbst gleichzeitig das Kriegsbeil gegen die Afghanen geschwungen. Noch ehe diese Unternehmungen beendet waren, brach der Krieg in Basuteland aus, gleichzeitig mit diesem der Krieg gegen Transvaal ; nach dessen Beendigung kam der egyptische Feldzug. dann der im Sudan; diesem folgte eine neue Unternehmung gegen Birma, dann Kriege in Sansibar und Indien. Nach mehrjähriger Pause wurde der Stock - Exchange - Krieg gegen die Matabele arrangirt und endlich haben die Engländer eine Campagne in Tschitral, sowie den Ärieg gegen Prempeh, König der Aschanti, geführt und den zweiten Sudanfeldzug unternommen. Wenn man sich diese Liste von Feldzügen betrachtet, so begreift man schon, warum die Friedensbestrebungen in diesem Lande eine so begeisterte Förderung gefunden haben. Kein Volk hat im Laufe des letzten halben Jahrhunderts so viel Blut vergössen, wie die Engländer. Enfant terrible. Nichte: Aber Tante. Du läßt ja Deinen Kaffee kalt werden!" Tante: Schadet nichts, vom kalten Kaffee wird man schön!" Nichte: Dann hast Du ihn wohl noch nie kalt getrunken?" D e r Schmerz i st kurz. Klara: Was soll ich Ihnen vorsingen, Jack?" Jack: Haben Sie vielleicht ein Lied mit einem Refrain?'' Klara: Jawohl!" Jack: Ach, dann singen Sie. bitte, den Refrain!" Modern. Mama (am Bettchen ihres kleinen Töchterchens): Sag einmal, Ethel, mir ist es aufgefallen, daß Du in Deinem Abendgebet bei Angabe der Personen, für welche Du Gott um Schutz anflehst, schon seit einiger Zeit die Großmama gar nicht mehr erwähnst? Wie komt das?" Die kleine Ethel: Ach, Mamachen, die Großmama fährt ja nicht Rad.-

Wiritär-Vadsaßrcr. In allen Armeen sind Versuche un ternommen worden, das Fahrrad den militärischen Zwecken dienstbar zu machen; den Japanesen hat es im Krieg gegen China gute Dienste geleistet. Radfahrer haben sich bei den deutsch 'n Manövern nicht blos zum Meldungsund Aufklärungsdienst, sondern auch als kämpfende Truppe als vollkommen geeignet bewährt. Aber es stellte sich heraus, daß das Fahrrad vermöge der durch seine Construction bedingten

Auf dem Marsch. Unbrauchbarkent in schwierigem Terrain sich nur in beschränktem Maße als gefechtsmäßiges Communicationsmitte! eignet. Die Militär-Radfahrer die vorzugsweise dort auftauchen sollen, wo ihr Erscheinen am wenigsten erwartet wird und eben aus diesem Grunde den Feind überrascht und irreführt. stoßen jedoch, sobald sie von den Straßen und Stegen abweichen, auf Terrainhindernisse der verschiedensten Art, die sie mit den gewöhnlichen Fahrrädern entweder gar nicht oder nur langsam und mit äußerster, ihre Kräf!e erschöpfender Anstrengung nehmen" können. Das Schieben und das Tragen des Fahrrads im unfahrbaren Terrain ist nicht nur zeitraubend und überaus ermüdend, sondern wird auch durch die Natur des Hindernisses Dickicht, Gestrüpp, schmalc Felsensteige u. s. w. ungemein erschwert und unmöglich aemacht. Das vollkommen entsprechende MilitärUebersetzeneinesGrabens. fahrrad muß derart construirt sein, daß es der Radfahrer ohne allzu große Mühe überall dorthin zu bringen vermag, wohin er selbst zu gelangen im Stande ist. Fahrräder dieser Art wurden bei den Kaisermanövern bei Csakathurn in Südungarn erprobt und haben sich ausgezeichnet bewährt. Der Erfinder dieses patentirten Modells ist der k. u. k. Oberlieutenant Czeipek, Fecht- und Turnlehrer der Grazer Cadettenschule. Sein Fahrrad ist derart zusammenklappbar, daß es mittels Traggurte bequem in jedem Terrain stundenlang auf den Schul tern getragen werden kann. Das Zusammenklappen wie das Geraderichien der Maschine wird durch einen Handgriff in 30 Sekunden bewirkt. Die Maschine hat sammt den Traggurten ein Gewicht von 14 Kilogramm und ist. trotz der Klappconstruction. ebenso fest und leistungsfähig wie ein Rad gewöhnlicher Construction. Eine feldmäßig ausgerüstete mit Klapprädern versehene, von OberlieutenantCzeipek befehligte, von ihm in einem viermonatigen Cursus systematisch ausgebildete Abtheilung von 24 F e u e r g e f e ch t. Militär - Radfahrern wurde auf 33: fehl des KriegsministeriuHkls zur selb mäßigen Erprobung bei den KaiserManövern der 12. Jnfanteriebrigade und zeitweilig der aufklärenden Cavalerie zugetheilt sowie auch mit selbstständigen Aufgaben als kämpfende Truppe verwendet. Bei den Versuchen stellte sich die zweifellose Ueberlegenh?it der Klappräder vor den gewöhnlichen Fahrrädern, namentlich im schwierigen Terrain, heraus, da die Weiterschaffung der erstem selbst unter solchen Verhältnissen anstandslos erfolgte, unter denen sich die letztern als unverwendbar und untransportabel erwiesen. Unsere Abbildungen stellen die Benutzung des Klapprades im Terrain und seine Verwendung in ' verF e u e r g e f e ch t. schiedenen Gefechtsverhältnissen dar. Man erkennt aus ihnen auf den ersten Blick die aus der Anpassungsfähigkeit sich ergebenede außerordentliche Leistungsfähigkeit des Klapprades im Terrain und für das Gefecht. Die gefechtsmäßige Verwendbarkeit der Radfahrerabtheilung zeigte sich ganz besonders bei einem Manöver in der Nähe von Radkersburg, wo sie einer Dragoner Escadron beigegeben war. die zum Schutz des rechten FlügelS des 3. Corps entsendet worden

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war. Das Detachement wurde plotz lich von dritthalb Escadrons Ulanen angegriffen; das unvermuthete Feuer der abgesessenen Radfahrer erschütterte den Feind jedoch derart, daß er den Rückzug antreten mußte. An demselbcn Tage gelang es den Radfahrern, sich querfeldein auf schwierigen Wegen durch die gegnerischen Vorposten zu schleichen und as Lager von Wien zu alarmiren. indem sie von einer Anhöhe aus den Artilleriepark des Gegners unter Feuer nahmen. Bei dem Herannahen feindlicher Truppen brachte sie das flinke Rad rasch außer Schußweite. Auch beim Aufklärungsdienst in Verbindung mitCavallerie und Infanterie, ber der Deckung von Rückzügen, durch rasche Besetzung und Be-

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mm mtymr S'-! Hinter Deckungen. hauptung vorgeschobener Positionen und Flankendeckungen, wobei sie den durch ihr unvermuthetes Erscheinen überraschten Gegner in Verwirrung brachten, leistete die Radfahrerabtheilung vorzügliche Dienste, die im Corpsbefehl anerkennend hervorgehoben wurden. Im Ganzen wurden In der sechswöchigen Manöverzeit gegen 2800 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt, wobei sich keine einzige Havarie, weder an den Maschinen noch an den Pneumatics erqab, obschon die masscnhaft ausgefallenen Schuhnägel der marschirenden Truppen eine permanente Gefahr für die Reifen bildeten. Brahms' Geburtshaus. Den Bemühungen der Hamburger ist es geglückt, das halbverschollene Geburtshaus ihres jüngst in Wien verstorbenen Ehrenbürgers Johannes Brahms wiederzufinden. Es ist eine baufällioe. sckmutzige Miethskaserne im Hofe des Speckgangs, eines jener Häuser, in denen die Choleraepidemie des Jahres 1892 den günstigstenNährboden und die meisten Opfer fand. Dort hat der berühmte Tondichter, am Front des Hauses. 7. Mai 1833 als Sohn des Contrabassisten Brahms vom Hamburger Stadttheater das Licht der Welt erblickt und in dieser ärmlichen Umgebung hat er seine ersten Lebensjahre zugebracht. Voraussichtlich wird das allen -MnifchenAnfctdenmaen spottende Haus nicht mehr lange stehen. DerKaffee-Kenner. Fremder: Donnerwetter, schmeckt das Zeug nach Cichorie!" Wirth: Dadervor is Sie's ja ooch Gaffee!" Kaumglaublich. Bemoostes Haupt: ... 's Studieren krieg' ich halt nicht fertig; mir fehlt das Sitzfleisch!" Kasernen Hofblüthe. Hauptmann (auf einen' ungeschickten Rekruten zeigend): Unteroffizier, wie heißt jenes Schöpfungsversehen?" Indirekt. Du willst plötzlich alle Deine Schulden bezahlen?" Graf: Ja!" Wie willst Du das aber machen?" Graf: Werde das reiche Fräulein Müller in den Grafenstand erheben!" NachtheilderBerühmtheit. A.: . . . .Du bist ja nun auf dem besten Wege, bekannt zu werden!" Junger Autor: Luder! Meine Gläubiger finden jetzt schon meine Adresse im Literaturkalender!"

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Tlc deutsche Schutztmppe. Mit dem Amtsantritt des neuen Gouverneurs von Deutsch - Ostafrika, Oberst Liebert, der seinen Sitz in Dar-es-Salaam hat, ist eine einheitlichere Verwaltung des gesammten Schutzgebietes inaugurirt worden. Auch das Commando der Schutztruppe ist auf den Gouverneur übergegangen. Diese Schutztruppe hat längs der Küste von Deutsch - Ostafrika etwa fünfzehn Stationen besetzt, von denen die größten die Hafenorte Dar-es-Salaam, Vagamoyo und Pangani sind. Die Truppe umfaßt 117 weiße und 9 farbige Officiere. 99 Unterofficiere, 1380 reguläre und 189 irreguläre Gemeine. Außerdem besteht noch eine Polizeitruppe mit 11 europäischen Unterofficieren, 340 regulären und 50 irregulären Askaris. Sämmtliche Gemeine der Schutztruppe, der größte Theil der Unterofficiere und eine Anzahl Officiere sind Schwarze, während die übrigen Officiere und Unterofficiere aus Deutschland hincommandirt sind und früher dem deutschen Heere angehört haben. In den Stationen ist auch der Wachtdienst nach deutschen Muster organisirt. und an dem Hauptthor befindet sich jedesmal die Wache. Unser Bild stellt diese Wache in Dar-es-Sa-laam dar. Sie zieht jedesmal Abends um halb sechs Uhr. also kurz vor Eindruch der Dunkelheit, auf und stellt auch Nachts die Posten für die Wälle. Die Mannschaft bleibt vierundzwan-

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Wache in Dar-es-Salaam. zig Stunden auf Wache, desgleichen der dienstthuende Officier, der in den größeren Stationen täglich auf vierundzwanzig Stunden zum inneren Dienst und zur Ueberwachung aller Dienstobliegenheiten commandirt wird. In kleineren Stationen thut ein weißer Unterofficier diesen Dienst; dort aber, wo mehr als eine Compagnie liegt, werden ein weißer Officier und ein weißerUnterofficier zum Aufsichtsdienst commandirt. während der Conmandeur der Wache meist ein schwarzer Unterofficier von den Sudanesen, mitunter auch ein schwarzer Officier ist. Als Uniform für die Unterofficiere. und Mannschaften dient ein gelber Khakeydrellrock mit Umlegekragen von demselben Stoff als Feldrock. Außerdem tragen sie Jacken, welche wie die deutschen Drillichjacken aussehen, und weiße Kniehosen. Die Unterschenke! umwickelt der Negersoldat zum Schutz gegen Dornen mit einer Binde aus Wollenstoff, die ungefähr 80 Zoll lang und 4 Zoll breit ist. Die Füße werden mit derben Lederschnürschuhen bekleidet. Auf den Kopf fetzt der Negersoldat den rothen Fes. der mit einem Stück gelben Wollenstoffes, dessen Ende als Nackenschirm auf den Rücken fällt, turbanartig umwickelt wird. Ein kurzes Seitengewehr und das Jnfanteriegewehr Modell 71 bilden die Bewaffnung der Soldaten. Stilles Vergnügen. Commercienrath (neu geadelt, zu seiner Frau): Geh', Luise, thu' mer den Gefallen und sag' zu mir immer, wenn mer sind allein: Herr Graf!" Immer Geschäftsmann. Salomon: Nu, ist meine Tochter nich' ä reizendes Mädchen?" Kohn: Und mit wie viel Tausend haben Sie se ausgezeichnet?" Altklug. Mutter (aus Schiller vorlesend): Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar." Elschen: Wenn sie aber unglücklich lieben. Mama?" Fatal. Karlchen ist mit seiner ältesten Schwester auf Visite; die Rede kommt auf das Alter der Anwesenden. Gastgeber: Nun, Karlchen, sag', mal. wie alt ist denn Schwester Minna?" Karlchen: 28 Jahre." Gastgeber: Aber Karlchen, bei jungen Damen sagt man ihnen zu Gefallen stets ein paar Jahre weniger." Karlchen: Das habe ich schon gethan."

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Tcr cinbcinZgc Bettler. Humoreske von M. Teicke.

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.Es muß der Mensch erfind'risch sein! Steck' ich in dieses Loch ein Bein, Hält man für einen Krüppel mich." So denkt der Bruder Lüderlich. Einbeinig steht er da und wähnt Die List schon von Erfolg gekrönt Da noch im letzten Augenblick Verdirbt den Plan ein Mißgeschick. Denn plötzlich beißt der Faßan arg Ihm in das Bein, das er derbarg. Er schreit und humpelt schnell davon. Verstellung bracht' ihm Hundelohn. Hcrzenbrcchcr. Der Lieutenant. Der Dichter. Der Tenor. .EdleresGefühl. In einer Lcsestunde kommt derAusdruck edleres Gefühl" vor. Als ein Schüler, befragt, ob er ein edleres Gefühl" kenne, keine Antwort gibt, fragt der Lehrer: Nun, ist zum Beispiel Hunger ein edleres Gefühl?" Schüler: Nein aber Durst!" Im Pensionat. Fräulein Emma, was wissen Sie. von der Turteltaube?" Daß man in der Ehe so lebt wie sie!" Verlockend. Vater der Braut (zum angehenden Schwiegersöhn: Kochen muß meine Tochter allerdings erst lernen.dafür hat sie aber mehrere Semester Medizin studirt und kann Sie somit wenn Sie sich an den von ihr bereiteten Speisen den Magen verdorben haben euch wieder jettst kurir."

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Sinnsprüchc. ' Von Ludwig Fulda. Hoffe nicht, du könnest schildern. Was du nicht erlebt. Wenn es auch in reichen Bildern Dir vorüberschwebt. Nur wer als beglückter Freier In das Herz ihr schaut. Dem entwirkt sich aus dem Schleier Die verschämte Braut. Dem Thiere ward ein dumpfes Sem; Nachdenken kann der Mensch allein, Nachdenken hebt ihn hoch empor Doch meistens denkt ein andrer vor. Kann Unverfrorenheit Die lastende Dämmerung zerstreuen? Schamröthe der alten Zeit Ist noch nicht Morgenröthe der neuen. Nachdem die Lakaien und Domestiken Im Kutscherstüblein unter sich

Die Herrschaft benörgelt mit scharfen Kritiken, Katzbuckeln sie doppelt meisterlich. Natürlichkeit? Natürlich ist der.Hauch Der Elemente, die da Leben wecken; Natürlich ist das seichte Bächlein auch, Das nah der Quelle bleibt im Sande stecken. Willst du erschauen der Welt Gestalten, Thu auf die Augen und blick' in's Klare! Doch willst du sehen das Unsichtbare, Mußt du sie fest geschlossen halten. Zuröckgcblicbcnc Kinder. Es ist wohl eine weise Einrichtung der Natur, daß die meisten Eltern Musterkinder zu besitzen vermeinen, aber oft, macht die Liebe blind und erst, wenn ihre Lieblinge das schulpflichtige Alter erreicht haben, wird es ihnen zur traurigen Gewißheit, was die Mutter bei ihren vorbereitenden Unterrichtsversuchen zwar dunkel ahnte, sich jedoch nicht einzugestehen vermochte. Das Kind steht in geistiger EntWickelung hinter seinen Altersgenossen zurück, es erweist sich nach Aussage des Lehrers als unfähig, cm einem planmäßigen Klassenunterricht mit Erfolg theilnehmen zu können. Dem geschärften Blicke des Lehrers erscheinen dieselben Eigenschaften, in denen die Eltern Vorzüge ihrer Kinder erkennen, nicht selten in ganz anderem Lichte. Für den rücksichtsvollen Erzieher ist es aber eine peinliche und oft undankbare Aufgabe, den EUern gegenüber sich über den geistigen Zustand ihrer oft sehr verwöhnten Lieblinge zu. äußern. Es ist die um so schwerer, als die Grade der Intelligenz und der geistigen Schwäche die mannigfaltigste Abstufung zeigen. Wo es sich um ausgeprägten Blödsinn und unverkennbaren Idiotismus handelt, da kann sich das Uebel auch den Blicken der Eltern nicht verbergen; schwieriger ist es dagegen, die niederen Grade deS Schwachsinns zu erkennen und richtig zu bezeichnen.' Nicht immer findet der Schwachsinn in abnormen körperlichen Erscheinungen seine Andeutung und -Ausprägung. Es kommt vor, daß hochgradig idiotische Kinder einen durchaus sympathischen Eindruck ma chen und sich bezüglich ihrer körperlichen Entwickelung vorteilhaft auszeichnen vor ihren normalbegabten Altersgenossen. Bei reger Eßlust und gesundem Schlafe nehmen dieselben zwar zu an Umfang und Gewicht, jedoch nicht an Weisheit und Verstand; bei ibnen scheint vielmehr alle geistige Thätigkeit sich in Fleisch und Blut umzusetzen. Unerschütterliche Ruhe und ein Uebermaß von Phlegma bezeichnet das Wesen dieser Kinder. In den meisten Fällen ist jedoch das Uebl von äußerlich wahrnehmbaren Erscheinungen begleitet; die geistige Schwerfälligkeit findet ihren Ausdruck in allgemeiner Unbeholfenheit. Der Mangel an Intelligenz ist diesen Kindern gleichsam auf die Stirn geschrieben. Ihr Blick ist blöde, unstät und flüchtia, dem meist geöffneten Munde entfließt Speichel, die Gesichtszllge sind welk und ausdruckslos. Körperlich dürftig entwickelt, lernen diese Kinder meist spät gehen, ihr Gang bleibt schleppend und schwerfällig. In ernsteren Fällen erweist sich das Schamgefühl als mangelhaft entwickelt, auch fehlt meist dem kleinen, schwachsinnigen Geschöpfe die kindliche Schüchternheit. es ist überall zu Hause" und erweist sich unverträglich im Kreise seiner Gespielen. Das untrüglichste Merkmal des Schwachsinns ist jedoch die mangelhafte Sprache, wie man sie fast immer bei geistig zurückgebliebenen Menschen findet. Diese Andeutlichkeit hat ihren Grund darin, daß das Kind einzelne Sprachlaute und Lautverbindüngen nicht zu bilden vermag. Wenn sich aus den' bezeichneten Kindern auch nicht Gelehrte machen lassen, so ist doch ihr geistiger Zustand kein durchaus hoffnungsloser, denn bei richtiger Behandlung wird in den meisten Fällen eine mäßige Elementarbildung zu erwerben möglich sein. Da aber das die Schule besuchende, schwachsinnige Kind meist müßia. sitzt, da es ferner nicht selten den Neckereie seiner glückkicheren Mitschüler und damit der Gefahr ausgesetzt ist. nocb weiter geistig zu verkümmern, so empfiehlt es sich, möglichst bald anderweitige BildungsWege für dasselbe aufzusuchen. Oft bleibt natürlich den Eltern nichts anderes übrig, als sich auf kürzere ode? längere Zeit von ihrem Kinde zu tren nen und es bewährten Händen anzuvertrauen. So schwer dies auch den Eltern werden mag, so bietet dieser Weg doch die sicherste Garantie fift das Wohl des Lieblings. Schon nach kurzer Zeit wird der gewissenhafte Pädagoge den Eltern Auskunft ben können. ob sich das Kind als bildungsfahig erweist und ob es sich lohnt, die Ur.t:ii:-i::::rsuc fortzusein.