Indiana Tribüne, Volume 20, Number 280, Indianapolis, Marion County, 27 June 1897 — Page 3

Arme Thea! Berliner Roman von Ziudorxy Stratz. (2. Fortsetzung.) Dann trat er zur Thüre, um nach dem Burschen zu klingeln und auf die Bahn zu gehen. Die Sporen kürrten leise auf den Teppich. Er blieb stehen und stieß ein ttiloes Lachen aus. Die Uniform! das hatte er ja dermessen.... .die Uniform war ihm ja von jetzt ab versagt! Morgen schon konnte er, wenn er als Offizier verkleidet auf der Strafte erschien, mit dem Strafgesetz in Konflikt kommen. Der verschnürte Blauroö, die Bärenmütze mit dem Kalpak, der klirrende Säbel, den Hunderte von einfachenBMrnburschen und Taqelöhnern drüben in der Kaserne trugen und zur Urlauszeit voll Stolz im Heimathsdorfe prunken ließen, das alles war ihm. dem vornehmen Mann, von jetzt ab ein unerreichbares Ehrenkleid! Also fort mit Schaden! In die Ecke mit dem lSäbel.... aufs Sofa den Attila, irgendwo unters Bett die zierlichrn gekbgeströmten Schaftstiefel, daß nur endlich einmal dies verwünschte tückische Spore?tlirren aufhört.... fort damit.... sort!.... Bequemer sahen ja der hechtgraue Bummclanzug und die leichten Lackstiefeletten und freier athmete man unt:r der roth- und .weißgestreiften Hemdbrust. Georg Teztor wurde ruhiger. während er sich vor dem Spiegel die buntseidene Kravatte knüpfte und den blaubebänderten Strohhut zurecht rückte. Da hatten sich nun die letzten Stücke seines bisherigen Daseins, glänzende greifbare Stücke, von ihm gelöst. Nun stand er ganz frei da, als ein Mann, der nichts mehr auf der Welt zu verlieren und alles zu gcwinnen hat! Das ist ein guter 'Standpunkt. Da braucht man nickt zu verzweifeln. Zum ersten Mal lächelte er wieder verwegen vor sich hin. und rief dem Burschen. Packe den Koffer!" befahl er.... ....Alles Zivil, was ich heute von der Keife mitgebracht hab', hinein! Sonst nichts! Ja einer halben 'Stunde bist Du damit am Bahnhof! Ich geh' voraus! Ab!" Er lachte, als er dem Burschen nachsah. Das war sein letzter Befehl geWesen. Nun noch den seidengefütterten Somme?paletot über den Arm.... eine Zigarette angezündet.... und los! Die knarrende Holztreppe des alten Bürgerhauses hinunter und hinaus auf die Straße! Dröhnend schlug das Hausthor hinter ihm zu. Bor ihm lag die finstere, nur in der Ferne von ein paar unsicher glitzernden Lichtpunkten belebte Gasse, leinen Augenblick blieb er noch wie traumverloren stehen. Dann wanderte er, den Kopf zurückwerfend und mit dem Spazierstöckchen wippend, getrost in das Ungewisse Dunkel hinaus. III. Natürlich war der Bursche mit dem Kasse? erst im letztön Augenblick gekommen, als schon der V-Zug leise und vorsichtig in die Bahnhofshalle glitt. Eine Minute Aufenthalt gönnte sich der eilige Zug nur. Georg hatte gerade noch Zeit, sich sein Gepäck in den Wagen reichen zu lassen. Dann schnitt das wiederbeginnende Rasseln der Näder ihm das Wort vom Munde ab. Wozu auch dem Burschen viel sagen! Der Lümmel und die andere Mannschift der Schwadron erfuhr es zeitig genug, daß der Leutnant Teztor seinen Abschied genommen habe. Da stand er nun in dem engen Gang des Rauchwagens erster Klae. Natürlich erster Klasse! Hauptsache war es von vornherein, sich die Le-ben-haltung im großen Stil zu betoahren und dadurch vor der Proletacisiruna zu schüken! Wie immer in nächtlichen I)-Zügen waren alle Eouvs dicht verhängt und die Lampen verhüllt. Er stieß auf GetaDrarakjl das nächste Abtheil auf. Die eine Seite des dämmernden Raumes war leer. Auf der andern lag ein undeutliches, in Tücher und Decken gewickeltes. tiefathmendes Etwas. Es schien eine Dame zu sein. Und jedinfalls eine alte. Denn ein einzelnes junges Mädchen konnte man nicht wohl im Nauchcoupe erster Klasse vermuthen. Um sie nicht zu stören, löste er sich draußen auf dem Gang die Platzkarte. Dann ließ er sich am Fenster nieder. Nacht ringsumher. Am Himmel die Sterne. Borüberflitzen.de Lichtpunkte auf der Erde. Und eintönig, unermüdlich das Rasseln des Zuqes. Rattata.... Rattata.... immer wieder man konnte alle möglichen Worte unv Melodien dem taktmäßiqen Geräusche unterlegen, die dann in ewiger Wiener holunc, einschläfern-o und gedankenlos ans Ohr drangen. . Da fuhr er nach Berlin.... Wie wllrde er es verlassen? Die Nacht draußen sagte ihm nichts unid stumpfsinnig stampften die Räder. Vielleicht als ein großer Mann, den Kammerdiener drüben in der zweiten Klasse, neben sich den Sekretär, mit dem er in der Muße der nächtlichen 'fsahrt die wichtigsten Telegramme und Schriftstücke erledigt? Oder als ein geschlagener Mann, der wie ein wundes Wild sich nur noch ir gendwohin in öie Einsamkeit flüchtet, um dort ungestört zu verbluten? Oder gar nicht? Von Berlin gcr malmt.... aufgefressen spurlos ver, schluckt? Das war wohl das Schicksal 'der Meisten. Aber ich gehöre nicht zu den ,Meisien'.." dachte der kleine Sportsmann -tiefsinnig denn die Meisten sind Esel und ich glaube doch übe? eine ge wisse Gerissenheit zu verfügen.' Neugierig bin ich jedenfalls, wie das nun vird!L jlnd befriedigt lehnte t stch zurück,

während draußen schon in raschem Grauen der frühe Sommermorgen tagte. Es wurde zusehends Heller. Schon sah man die Lerchen sich über -den Stoppeläckern wiegen und auf den hohzn Getreidemieten in der Ferne lag schon ein Widerschein der in röthlichem Dunst am Himmel aufsteigenden Sonne. Er blickte neugierig auf das schwer athmende Kleiderbündel ihm gegenüber. Einen gesegneten Schlaf hatte dies weibliche Wesen.... mochte es nun jung oder alt sein. Um so besser! Wenn sie erwachte, brauchte sie wahrscheinlich tausend Dinge und noch ein paar dazu! Er mußte dem Kellner wegen des Frühstücks klingeln, dem Kondukteur mittheilen, daß das Rundreifeheft vorläufig nicht zu finiöen sei. den Plaidriemen zuschnallen, im Hendfchel nach den Anschlüssen suchen . . nein . . schlafe Du nur immer gu! Da fuhr sie plötzlich mit einem Ruck empor und starrte fassungslos und erschrocken um sich, als begriffe sie ga? nicht, wie sie eigentlich in diesen 1-Zuz gerathen. Donnerwetter, wie hübsch! Er hatte Mühe, seinen gleichgiltigen Gesichtsausdruck zu . bewahren. Nein . . nicht hüblck! Schön! . . Freilich alles andere, nur keine langweilige, regelmäßige Schönheit. Dunkles, vom Schlaf verwirrtes Lockenhaar um ein schmakes, maltgetöntes Gesicht. Ein schwermüthiges Zi-geunerin-Gesicht mit großen.verträumten Augen und rothgewölbten Lippen, .... eine schlanke, mittelgroße Gestalt in tadellosem Reisekleid, lange zierliche Hände und Füße . . und über dem Ganzen die schwer zu bestimmende, unmöglich nachzuahmende kühle Vornchmheit der großen Welt. Eine Dame .der guten Gesellschaft! Er lüftete mit einer Verbeugng seine Reisemütze. Sie nickte kurz, fast ohne ihn anzusehen. Dabei unterdrückte sie ein Gähnen. Dann dehnte sie sich, die Ellbogen fest an'den.Leib gepreßt und die Unterarme ausstreckend, mit hochgezogenen Schultern wie eine verschlafene Katze und stieß einen müden Seufzer aus. Ihre Blicke glitten auf kurze Zeit durchs Fenster, als wollte sie sehen, an welchem Punkt des deutschen Vaterlandes nun eigentlich sei. und blieben dann in kühler Frage an ihm haften. Das hieß: Sie könnten ich jetzt eine Weile allein lassen, damit ich mein Haar ordnen, meine sieben Sachen zusammenpacken und meine Hausschuhe mit iden oben im Gepäcknetz blinkenden Stiefelchen vertauschen kann. X Er stand auf und ging hinaus. Auf dem Gang war es ganz leer. Er lehnte sich ans Fenster und schaute, wie draußen auf den Aeckern die Hasen im Frühlicht ihre Kapriolen trieben. Komisch, wie fidel einen doch gleich der Anblick eines hübschen Mädels stimmt! Georg fühlte sich jetzt beben tend besserer Dinge ... . . . Das heitert einen richtigen Kerl auf! d:r sagt sich: Solang: so was noch ungeküßt auf der Welt herumläuft, liegt gar kein vernünftiger Grund vor. sich todtzuschießen!" Hoffentlich fuhr sie bis Berlin! Sicherllch! Wohin denn sonst? Dablieb man noch ein paar Stunden zusammen. Das konnte sehr amüsant werden! Er schob die Glasthüre etwas zurück. Darf ich eintreten?" Bitte!" erwiderte sie qelassen und wandte, wie um den Versuch eines Gesprüchs abzuschneiden, den Kopf zum Fenster. Er sah nur mehr die schwarzgelockten, seidenschimmernden Haarsträhne, die kurzgeschnitten den Nacken umspielten. Nein. Jetzt sah er auch wieder ihr Profil. Schöne, festaeschwungene Linien . . . viel Energie darin . . . und doch auch Weichheit . . . etwas Verlangendes etwas Schmachtendes. Sie hatte die Lippen fest zusammengepreßt, während sie hinausschaute. Ob in Angst oder Trotz oder gespannter ErWartung, das ließ sich nicht erkennen. Aber irgend etwas ging in ihr vor und beschäftigte unausgesetzt ihr Inneres. Das zeigte auch idas schadenfrohe Lächeln, das von Zeit zu Zeit verstohlen über die schönen Züge lief. Sie seufzte wieder, nestelte ihre iwinzige Uhr los und zog. si: anblickend, ungeduldig die Augenbrauen hoch. Zu dumm! Erst fünf Uhr Morgens!" konnte man auf ihrem Gesichte ablesen. Sie schien es sehr eilig zu haben, weiterzukommen. Ein Königreich für einen passenden Gesprächsstoff! Leicht war der nicht zu finden und mit einer einmal!gen kühlen Ablchnuna wahrfcheinlich das Schweigen für den Rest der Fahrt besiegelt. . Da sah sie schon wieder auf 'die Uhr! Der Zug lief in einer großen BahnHofshall: ein. Acht Minuten Aufenthalt!" rief .unten der Schaffner. Die blasierten I)-Zuafahrer rührten sich nicht, um auszusteigen. Sie ha!l?n ja Alles in ihren Wägen. Aber auf deren Gang entstand eine Bewegung. Eine Thür nach der anderen wurde von einem rasch näher kommenden Mann: aufgemacht und eine Stimme rief eine monotone Frage hinein, die, wie es schien, stets mit schweigendem Kopsschütteln beantwortet wurde. Jetzt ging ihre Thüre auf. Ein Beamter stand da. ein Blatt Papier in der Rechten. Depesche für Fräulein von Hoffäcker" sagte er in fragendem Tone. ' Die junge Dame richtete sich auf. Geben Sie her!" sprach st: gleich giltig unÄ streckte die fi'and aus . . , . . . Ich bin Freiin Thea von Hoffäcker . . ." setzte sie, als der Telegraphenbote einen Augenblick zögerte, hinzu . . . ... Sie sehen ja da oben auf meinem Hanidtäschchen das T. unÄ H. mit der Krön'' Darauf erhielt 'sie die Depesche. .Hier!" rief sie, als sich der Mann schon wieder entfernen wollte, gab ihm eine Mark Trinkaeld und öffneke. ohne auf

seinen Dank zu achten, das Papier. ' Ihr Reisegefährte beobachtete sie dabei. Merkwürdig, wie kampflustig sie aussah! Die feinen Nasenflügel blähten sich und um die Lippen spielte ein Trotz, der jetzt, nachdem sie den Inhalt gelesen, in ein spöttisches Lächeln überging. Sie zuckte die schmalen Schultern, las die Depesche noch einmal durch und begann sie dann, mit offenbarem Behagen, in winzige Stückchen zu zervflücken. In diese Beschäftigung vertieft, merkte sie gar nicht, daß ein älterer, hochgewachsener Herr, der vom Bahnhos aus suchend durch den Gang ge schritten war. bei tfcem Anblick stehen blieb und, den Cylinderhut abnehmend, eintrat. Run . . . Gott sei Dank!" sagte er und hüstelte, wie um eine Verlegenheit zu verbergen ... m. . . . Da sind Sie ia!" Oh . . . Her? Regierungsrath!" Thea erhob sich und streckte dem steifleinenen Herrn die Hanid hin . . . '. . ... (So früh schon auf? . . . Doch hoffentlich nicbt um meinetwillen? . . . Oder hat Ihnen mein Onkel am Ende wirklich telegraphirt?" Gewiß hat er das!" erwiderte der Bureaukrat ... . . . . Da er aus Ihrem hinterlassenen Schreiben wußte, daß Sie sich in diesem Zug befanden . . . doch davon später . ; ." er gab seinem hageren Leibe einen straffen Ruck ... . ... vor Allem steigen Sie jetzt aus. Fra'ulein Thea, und begleiten Sie mich zu meiner Frau!" 3ch? . . .aussteigen?" Thea schien verwundert . . . Ja ... ich fahre dock nach Berlin!" Der Fremoe machte eine ungeduldige Handbewegung. Liebes Kind . ." sagte er . . . ... Sie fahren nicht nach Berlin und nicht zu Ihrem Vater, sondern solgen den Leuten, die es woh! mit Johnen meinen, nach . . ." Sie setzte sich hin und lehnte träumerisch den Kopf in die Ecke. Ich folge nicht . . ." sprach sie gleichmüthig . . . . . . Ich denke nicht daran . . ." ' Jetzt nahm der Regierungsrath seine starre Amtsmiene an: Sie wer'den überhaupt nicht gefragt, Fräulein von Hoffäcker . . ." Oho!" sie fubr auf und sah mit blitzenden Augen zu ihm empor . . . . . . Sondern zu Ihrem eigenen Besten vor der Fortsetzung Äieser Reife bewahrt . . ." Eine feine Zornröthe begann sich über ihre fchönen Züge zu breiten. Wollen .Sie mich etwa aus dem Wagen heraustragen lassen, Herr Regierungsrath?" Sie nicht! . . . Aber Ihr, Gepäck!" erwiderte der alte Herr kaltblütig . . . Ich hole meinen Diener vom Perron! Auf Widersehen!" . Er ging. Sie sah ihm einen Augenblick ganz fassungslos nach. Das ist . . . aber . . . doch . . ." murmelte sie verstört, und plötzlich gowann der Zorn in ihr wieder die Oberhand. Sie stand auf. Mein Gepäck gehört doch mir . . ." rief sie entrüstet ... . . Das brauch' ich mir doch nicht gefallen zu lassen! So ein Gesetz gibt es doch nicht, dafe man Plötzlich von fremden Leuten aus dem Zug gerissen wird . ." Kein Schatten!" der Ex-Hu.sar sprang kampflustig empor ... . . . wehren Sie sich, meine Gnädigste! Wehren Sie sich, der alte Herr hat bitter Unrecht!" iSiz wandte den Kopf zu ihm, ohne eigentliches Erstaunen über seine EinMischung. Da kommt er mit dem Diener urück!" sagte sie beklommen. Der Diener, dieser würdige Tapergreis, wird niedergeboxt . . ." Georg streifte mechanisch die Manschetten etwas zurück ... . . . Wenn er auch k?ur von ferne mit Ihrer Bagage liebäugelt!" Sie wehrte ihm ab. Um Gotteswillen keine Scene, solange es irgend geht! ES genügt schon, wenn ich nur irgettd ein Rückhalt hinter mir hab' . ." damit trat sie dem alten Herrn entgegen. Also nun Scherz beiseite!" sagte sie freundlich lächelnd . . ich steige nicht aus, gebe mein Gepäck nicht her und vertheidige mich mit allen Mitteln! Die Beamten und die Mitreisenden " ihr flüchtiges Auge streifte Georg werden mich schon schützen!" Das ging dem alten Herrn denn doch über den Spaß. Er warf einen zweifelnden Blick auf den gichtörüchigen Diener, der wehmüthig den Grauköpf schüttelte. Reden wir vernünftig. liebes Kind!" sagte er . . . Sie wissen ... ich bin ein alter Freun'd Ihrer Familie . . . ich mein' es gut . . also seien Sie offen: was wollen Sie denn nur eigentlich in Berlin?" Was ich will?" Sie machte große Augen ....... Zu meinem Papa will ich! . . . das ist doch mein natürliches Recht! Meinen lieben, dicken, alten Papa lass' ich mir nicht nehmen!" Der Regierungsratb seu,fzte. Su haben doch auf seinen ausdrücklichen Wunsch vor anderthalb Jahren fein Haus in Rhena verlassen!" . . . . Und mich in Posen beinahe zu Tode gelangweilt! Kennen Sie Posen? Nein? Seien Sie sroh! Aber meinen Onkel kennen Sie und die Seinen! Nun denken Sie mich in der Mitte dieser biederen Familie! Oh . . es war furchtbar!" Und doch hat Ihr Vater Sie stets gebeten, dort zu bleiben!" wiederholte der alte Herr hartnäckig. Sie seufzte: Freilich . . . solange er auf Reisen war ... das ganze Jahr . . . Aber jetzt ist er in Berlin. Jetzt such' ich ihn heim, er mag wollen oder nicht! Es war doch immer so lustig bei Papa! Denken Sie nur an all' die fidelen Menschen in unserem Hause in Rhena ... und die schönen Pferde und das ewige Getümmel . . . das heißt doch noch leben . . . hingegen toit . . ." Der Bureaukrat wiegte traurig sein Haupt. Alfa idas zieht Sie zu Ihrem Bater?" fragte er leise. . Sie lachte hell auf: Ich will leben'" rief s Ich kann doch nichts

dafür, vafe die Natur oq tmn Springinsselld aus mir gemacht hat . . Sehen Sie mich doch nur an ... . wiederholte sie flehend ... . . . und dann sagen Sie ..." Ich sehe Sie ja an!" der alte Herr schien halb ärgerlich, halb belustigt . . so unangenehm ist das ja nicht . . . . . Und dann sagen Sie mir . ." fuhr Thea unbeirrt fort: ob ich zu einer Hauptmannsfrau in einer kleinen preußischen Garnison passe? Nein . . widersprechen Sie nicht . . . Heirathen sollt' ich in Posen! . . . Heirathen um jeden Preis! Deswegen wurde ich hingesckickt! Onkel und Tante waren darin um ersten un'd letzten Mal in ihrem Leben einig, daß ich vor Ablauf des Jahres unter die Haube müßte! . . . Gott . . . Anträge hatt' ich genug . . . sogar von einer Excellenz . . Und Ihr Bräutigam?" fragte der Regierungsrath ernst. Sie fuhr zornig auf. Ich bin nicht verlobt! Der Hauptmann Klein hat mick beschworen, ich sollte wenigstens nicht gleich Nein" sagen. Gut. Den Gefallen that ich ihm,' sagte nicht ja und nein ... und er sollte sich in vier Wochen die Antwort holen. Aus reiner Gutmüthigkeit gab ich ihm die Galgenfrist, um ihn zu schonen! Und daraus machen Onkel und Tante eine Virlobung! Nur um mich zu zwingen! Aber das hat dem ffaf; den Bo'den ausgeschlagen. Eines schönen Abends bas Kofferchen gepackt, ein Paar Abschiedsseilen . . . und nie voilM" Sie lehnte sich in dem Sitze zurück und sah ihren Gegner triumphirend mit gekreuzten Armen an. Und warum sollt' ich den Hauptmann Klein heirathen?" fuhr sie fort weil er eine Menge Geld hat. Lieber Gott ... ich bin doch auch 'ne gute Partie! Und Frau Klein! Ueberlegen Sie mal: ich soll Zfrau Klein heißen . . . und Hauptmannsfrau werden ... mit 'ner Stube voll Kinder un'd dem Aerger mit 'dem polackischen Burschen und alle vier Wochen den Regimentskaffee ... in der Mitte vom Sofa die Kommandeuse, rechts davon die Etatsmäkiae. links die älteste Majorin . . und ich bescheiden auf dem Strohstühlchen davor und warte, ob die Vogelscheuchen vom Avancement oder von den Dienstboten zu reden anfangen . . ." ste lachte hell auf, mit einem fröhlichen sorglosen Kinderlachen ... . . . Nein, mein gutes Onkelchen . . . wissen Sie, als kleiner Knirps hab' rch Sie immer so genannt, wenn ich auf Ihren Knieen saß und aus Ihrem Schmirrbart Zöpfchen flacht . . . nein . . . Onkelchen . . . man mu$ die Menschen nehmen, wie sie stnd. Wer Rasse im Leib hat, der geht in dieser lauwarmen Wohlerzogenheit dort zu Grunde, und ich wehr' mich mit Händen und Füßen dagegen." Ihre Worte schienen doch einigen Eindruck auf den alten Herrn gemacht zu haben. Mein liebes ctir.fr !" sagte er . . . . . . ich bitte Sie, nur um eins: sahcen Si: mit dem nächsten Zuge weiter! Schenken Sie mir ein paar Stunden. Ich werde Ihnen dann . . . dann etwas erzählen, was ich Ihnen nicht so ohne Weiteres sagen kann . . . 'Sie hätten es vielleicht schon früher wissen sollen! . . . Nun . . . daS stand nicht bei mir! Jetzt aber ..." Sie schüttelte lächelnd das Haupt: Den Kniff mit dem Aussteigen kenn' ich. Onk?lchen! Aus den paar Stunden werden ein paar Tage, inzwischen kommt der Major aus Posen an . . . ich werde eingeheimst und die alte Misere beginnt von neuem . . . Nein . . . so leicht fangen Sie mich nicht. Ich fahre weiter . . . nach Berlin . . . zu Papa. Ich hab' ihm telegraphirt. Er erwartet mich jedenfalls am Bahnhof!" Draußen ertönte .das Abfahrtszeichen. Der Schaffner trat mahnend heran. Mit ihm Georg, der diskret das Coup6 verlassen, aber draußen auf dem Gana doch iedes Wort des erregten Gesprächs gehört hatte. Der alte Herr drinnen hatte beide Hände auf die Schultern des jungen Mädchens gelegt und sah ihr traurig in das leichtfertig lächelnde Gesicht. lrme Tbea!" Mt er leise . . . , Arme Thea! . . . Sie wissen nicht. wohin Sie fahren! Mög' es nen so gut wie möglich ergöhen! Es thut mir von Herzen leid, fraß ich Sie nicht zurückhalten darf!" Sie lachte muthwillig aus. Sehen Sie ... da scheiden wir froch als gute Freunde' . . . Und nun . . ." sie nestelte an den Knöpfen seines Rockes und sah mit strahlenden Augen zu ihm empor . . . r. . . nun gesteben Sie mir zum Abschied: Sie danken ja innerlich Ihrem Schöpfer, daß Sie mich Hurlebusch nicht in Haus bekommen haben mit all' dem Aerger drum und dran . ." Ein leises Zucken ging durch den Zug. Mein Herr ... ich muß frringend bitten . . ." der Schaffner öffnete die Wagenthür und ließ den alten Herrn sammt dem wackeligen Diener hinaussteigen. Thea schob das Fenster herunter. Ich schreib' Ihnen einmal aus Ber!in. wie mir's geht!" rief sie . . . . und meinem Onke? sagen 'Sie, die Flucht wäre mir bis jetzt ganz ausgezeichnet bekommen!" Der Zug glitt aus der Halle. Sie mußte den Kopf hereinziehen. Sich in dem Sessel zurückwerfend, schaute sie ihr Geaen'über an, und Beide lachten unwillkürlich hell auf. Sind noch mehr Garnisonen unterwegs alarmirt. mein gnadiges Fräulein?" scherzte der Er-Husar. Möglich wär's schon!" seufzte sie empört ... . . . Das nennt man eine Reise mit Hindernissen!" Schneidig genommene Hindernisse! Und im Nothsalle steh' ich im Hintergründ. Wenn eine unbefugte Dienersaust Ihre Koffer anrührt . . . Tritt vor fren Leib! Ab nach Kassel! .. ." .Der Kellner servierte den Kaffee.

Ich habe m?r nämlich erlaubt, ieich zwei Portionen zu bestellen!" bemerkte der kleine Sportsman bescheiden . . ;.

. . . nach all' den Aufregungen . . . Danke. Ja. führte ver gnügt die Tasse zum Munfr. Das heißt" ... ihr Gesicht wurde ernster, als sie die Schale wieder absetzte . . . . . . Ich bin Ihnen froch eigentlich wohl eine Ausklärumg schuldig . . . Sie haben da plöblich einen Einblick in meine Familie und meine Angelegenheiten gewonnen . . ." Er hielt es an frer, Zeit sich vorzustellen und reichte ihr, sich erhebend, mit schweigender Verbouung feine Visitenkarte. Auf der stand freilich auch noch seine militärische Würde verzeichnet. Aber .darauf kam es ja auch in diesem Augenblicke nicht an. Sie warf einen flüchtigen Blick auf das Blatt und gab es ihm wieder. Sie müssen ja allerhand denken, Herr L?utnack", sagtt sie un'd es berührte ihn, während er sich setzte, nanz eigen, noch einmal, zum letzten Mal. aerade von diesen rothtnLippen alsLeutnant angeredet zu werden aber eigentlich ist die Geschichte ganz einfach. Ich war jetzt ein Jahr bei Verwandten in Posen und fahre, allerdings gegen deren Willen, zu meinem Vater, dem Kammerherrn unfr Ritlerguisbesitzer Freiherrn von Hoffäcker zurück . . ." Er verbeugte sich nochmals, um für ihre Vorstellung zu danken, und goß ihr fras Kasfeetäßchen halbvoll. Das .heißt . . . eigentlich . . ." fuhr sie fort .' . . . . . das Rittergut hat er verkauft ... vor einem ahr. Das war auch besser bei der jetzigen Nothläge der Landwirthschaft." Er lächelte über den heiligen Ernst, mit dem sie das groke Schlagwort des Tages aussprach. Geiwiß." sagte er . . . ein Kammerherr hat ja in Berlin auch zu Zeiten seinen Dienst!" 'Sie schüttelte den Kopf. Nein. Preußischer Kammerherr ist Papa nicht. In Rhena ... bei dem alten Herzog! Es ist ja eine kleine Residenz . . . so lustig wir auch da gelebt haben . . . Papa ist schon lange verwitdwet . . wissen Sie . . . und da ging es oft ein bißchen bunt bei uns zu . . . nun . . und der Herzog ist recht kränklich geWorfren. Da entschloß sich Papa, Rheua zu verlassen, qina erst auf Reisen und lebt jetzt in Berlin." Ich gehe jetzt auch auf einige Zeit nach Berlin!" sagte Georg. ' Sie lachte. Das brauchen Sie mir nicht erst zu sagen! Das hab' ich Ihnen auf fren ersten Blick angesehen, dak Sie ein Kavallerieleutnant sind, der nach Berlin bummeln fährt . . ." Also so unsolide sche ich immer noch aus?" fragte der kleine Sportsman bekümmert. Sie prüfte ihn und nickte dann. Ehrlich gesagt: Ja. Recht unsolide! Aber was macht denn das? Ich nehm' es keinem Mann übel, wenn er feinDasein genießt. Wir freilich . . . manchmal wünsch' ich mir. ich wäre ein Mann! Aber dann sage ich mir wieder: Gute Thea . . . dann wärest Du ja ein solcher Bummelfritze geworden, daß es mit Dir kein gutes Ende nehmen kann! Bleib' Du, was Du bist . . 's ist besser! . . . und nun lachen Sie nicht, sondern stecken Sie sich eine Zigarette an. Danach sehnen Sie sich ja och schon die ganze Zeit!" Er that es. unter der Bedingung, daß sie einen Schluck Cognac in ihren Kaffee nehme. Das müsse so fein . . . nach einer nächtlichen Eisenbahnfahrt. Sie ließ es geschehen. Wie das wärmt!" sagte ste, sich behaglich schüttelnd. und gab ihm sein Fläschchen zurück. Er fand das auch. In lichtrothen Strahlen fiel die Morgenfonne auf den sauber gedeckten, kleinen Frühstückstisch. Unter ihm rasselten die eilfertigen Räfrer, die Sommerlandschaft draußen flog in blühenfrer Pracht vorbei. der Kaffee dampfte, die ZigarettenWölkchen kräuselten sich darüber und ihm gegenüber saß in dem behaglichen, glashellen Kämmcrchen die schöne, seelenveranüate Nackbarin welch eine Tborbcit. diese Welt m verlassen! Wenn er nun den Leuten ln De Garnifon den Gefallen gethan hätte' Dann mochte ihn jetzt wohl der Burfche finden . . . lang auf dem Boden ausgestreckt ... mit geballten Fäusten und offenem Mund . . . unfr Blut rings um . . . und Hirn, und in fren Ecken kalter, stinkender Pulderqualm . . . äh . . . pfui! . . . Georg Textor streifte die Afche von der Zigarette und sah hinaus zu dem blauen, warmen Himmel. an dem in dunklen Punkten die Lerchen sich jubilierend schwangen. - Was machen Sie denn-für ein ernsies Gesicht. Herr Leutnant?" fragte sie über den Tisch herüber. Er wich ihren Blicken aus. Oh . . ich dachte im an etwas!" Denken Sie nicht zu viel!" lachte sie Wofür sind Sie frenn Husarenoffizier!" Sie hatte den Kopf etwas vorgeneigt, um ihm im Lärm des Wagens die kleine Bosheit mitzutheilen. Auch er beugte sich nach vorn. Ihre Stirnen berührten sich fast, während sie so im Sonnenschein dasaßen und sich allerhand harmlosen Unsinn mit ernster Miene erzählten. Namentlich der alte Regierungsrath und sein trübseliger Diener wurden im Laufe ihrer gegenseitigen Schilderun, :n zu wahrhaft ungeheuerlichen Fiauren. Und dann lehnten sich die Beiden wieder zurück und lachten hell auf, fraß die verschlafenen, verdrießlichen Reisenden nebenan fras lustige Naar beneideten. Unter ihnen aber 'donnerten die Räder ihr einförmiges Rstkata," die Landschaft draußen flog vorbei, in rastlosem Laufe näherte stch der Ellzug Berlm . . 4) Vorbei an den RennpAtzen von Hoppegarten und Karlshorst mit den Villen ' der 'Sportsmen, fren Boxes und Häuschen cker Trainer Vorbei an Friedrichshagen . . . schon rag! da unfr dort auS dem flachen Ackerland der macht! Bcm einer MiethÄaserne,

auS "dem Gewimmel fchinunigc? Fabrikdächer heben stch die ersten Schornsteine zu dem stch mehr und mehr umwölkenden Himmel. Windschiefe Bauernhütten, vie des Abbruchs harren, säumen, von Nutzgärten umrahmt, den Bahnkörper, zwischen ihnen, ste fast mit ihrer Masse erdrückend, die Kolosse frer Zinshäuser. Größer und größer wird ihre Zahl, sie schließen sich.zu endlosen, einförmigen Straßen annnander, die Fabriken rücken zustimmen. Ueberall dehnen sich die schmutzigen Lagerpläke, die Bauflächen, die düsteren Höfe. Ein Gewirr grauer Mauern, grauer Dächer, geschwärzter Schornsteine, erblindet Fenster rings umher. dazwischen in widrigem, schreiendem Kontrast die bunten Riesenflächen der Reklame - Plakate an fensterlosen Brandmauern. Die Sonne war hinter Wolken geschwunfren. Farblos sah alles in der nüchternen, frostigen Morgenluft aus. Häufer und immer wieder Häuser, seelenlose, charakterlose Heimstätten für dunkle, unbekannte Massen, Bahnhöfe und Kasernen. Fabriken mit rauchigen Maschinensälen und ölig spiegelnden Tümpeln im Hof. halb unterirdische Grünkramkeller, zerschlisseue Wäsche und dumpfiges Bettzeug an den Fenstern frer Hinterhäuser und auf den Straßen überall ein schwarzes G&ttimmek das hier die sich schwerfällig öffnenden Fabrikthorc, dort mit emporrollenfren Holzfalousien die Kaufläden, da wieder die Lattenzäune der Neubauten verschlangen. Arbeit! Arbeit!" schien es rastlos im Rollen des Auges aus dieser grauen Welt zu, klingen. Und Noth! Noth!" tönte dumpf von der anderen Seite das Echo dagegen. Sie waren im Bahnhof Friedrichstraße. Thea schaute erregt frurch's Fenster. Da ist Papa!" wbelte ste. und dann förmlich, mit leichter Kopfnergung zu jhrem Reisegefährten: Le bcn Sie wohl!" Ein Dienstmann hatte ihr Gepäck gefaßt. Sie huschte hinter ihm her aus dem Wagen. Georg Textor wollte ihr nachsehen. Aber andere Kofferträger drängten sich berein, die Menschenmengen draußen flutheten und wogten, und trennend schob sich das Getümmel der Weltstafrt Zwischen frie Beiden. (Fortsetzung folgt.) Der Gcjajworenc. Von Ernst Schaffer. Die zwölf Geschworenen, welche den Ausspruch über das Schicksal des Georg Maugham thun sollten, der des Todtschlags . angeklagt worden war, befanden sich bereits seit zehn Stunden in dem Berathungszimmer. Das ungeduldige Publikum konnte die Ursache dieser langen Zögerung nicht begreifen; die Sache des Waugham war ganz einfach und die in den VerHandlungen sich ergebenden Beschuldigung gen hatten allen Anwesenden so schwer erschienen, daß wohl jeder meinte, der Gerichtshof brauche nicht mehr als etwa fünf Minuten, um das Verdammungsurtheil auszusprechen. Ich muß eine kurze Erzählung des Thatbestandes beifügen. Franz Plett, ein reicher Gärtner in einer Vorstadt von London, wurde am 11. Juli etwa zwei Stunden von der Etadt in einem Graben am Wege durch drei Messerstiche ermordet aufgefunden. Nach dem Aussehen seiner Wunden war er in der Nacht ermordet worden. Man fand neben dem Körper das Messer und erkannte es für das des Georg Waugham, eines Pächters in der Umgegend. Die Unterfu-chungs-Richter begaben stch zu ihm und fanden eine mit Blut befleckte Jacke; es war erwiesen, daß er dieselbe am Tage vorher getragen hatte, und mit ihr früh um 2 Uhr von dem Wege her nach Haus gekommen war, wo Plett der Tod ereilt hatte. Man fand sogar in der Tafche dieser Jacke das Taschentuch, dessen sich fras Opfer am Tage der Ermordung bedient hatte. Zur Widerlegung aller dieser Beweise wußte Georg Waugham nichts weiter anzuführen, als daß er, nachdem er in dem weißen Schwan" zu Abend gegessen, sein Messer dort auf dem Tische vergessen habe. Das Taschentuch wollte er auf dem. Theil des Weges gefunden haben, den Plett vor seiner Ermordung zurückgelegt hatte. Man sieht wohl ein. daß solche Anführungen die bestimmte und klare Anklage nicht widerlegen konnten, um so mehr, da Waugham in schlechtem Rufe stand und ein Mann von heftiger Gemüthsart war. Und doch hatten die Geschworenen bereits zehn Stunden bei der Berathung zugebracht! Welcher Zweifel konnte sie zurückhalten? Die Mehrzahl der Geschworenen glaubte selbst bei dem Eintritt in das Berathungszimmer, nur einige Minuten daselbst bleiben zu müssen. Wirklich antworteten die elf ersten Geschworenen ohne Weiteres auf die Frage, ob der Angeklagte schuldig, mit Ja"; der zwölfte aber sprach, zur größten Verwunderung seiner. College, ein deutliches Nein". Man glaubte im Anfang, es sei ein Irrthum und stellte deshalb dem Geschworenen die Frage von Neuem ganz deutlich und bestimmt. Er gab dieselbe Antwort. Man las die Acten, man ging die Aussagen der Zeugen durch, erörterte und berieth hin und her vergebliche Mühe! Der Geschworene sagte stets: Nein". In England muß, wie bekannt, der Ausspruch der Geschworenen einstimmig sein und ste müssen in dem Berathungszimmer ohne Verbindung mit außen und ohne Licht und Speisen eingeschlossen bleiben, bis StimmenEinheit erlangt ist. Nachdem die elf Geschworenen ihre ganze Beredsamkeit vergebens angewendet hatten, um den zwölften für ihre Ansicht zu gewinnen, entschlossen sie sich, stch mit Geduld zu waffnen. und zu warten, bis jrie

Langewette over ver yunger ven derstrebenden überwältigte. So warteten sie zehn Stunden, irr denen sie bald schliefen, bald lafen bald stritten und bald von Pferderennen, Hahnenkämpfen und den Tänzen der Indianer sprachen. Endlich, als sie sahen, daß der Hartnäckige sich nicht ergab , entstand ein verzweifeltes Durcheinander; dieser bat, jener machte ihm Vorwürfe, einer wurde ärgerlich, andere fluchten. Ein alter Rentier nahm seine Colik zu Hilfe, ein Kaufmann meinte, seine Frau und Kinder warteten mit Ungeduld, man möge auf sie Rücksicht nehmen, wenn man sich seines Hungers nicht erbarmen wolle. Der Geschworene antwortete, ohne sich zu rühren, nichts als sein unverändertes Nein". Endlich nahm der Präsident der Geschworenen das Wort und sagte: Meine Herren, meine Ueberzeugung steht fest, weil ich gleich zuerst Ja" gesagt habe; ich gestehe indeß, daß eine so unerschütterliche Ueberzeugung vom Gegentheil die meinige ein wenig erschüttert. Unser College muß von der Unschuld des Angeklagten sehr fest überzeugt sein, weil er allen unsern Bitten, wie allen unsern Beweisen wiversteht. Eine solche pflichttreue Ueberzeugung, wie seltsam sie auch sein möge, verdient unsre Achtung. Was können wir auch dagegen 'thun? Wir werden ein ganzes Jahr lang in unserm Ja" verschanzt bleiben, ohne das Nein" unseres Collegen zu erschüttern, das unbeweglicher steht, wie ein schottischer Felsen. Indem das englische Gesetz Stimmen-Einheit verlangt, hat es damit der Minderheit, ja einem einzigen, die Fähigkeit, freizusprechen, gegeben. Da wir also Alles gethan haben, waS menschlicher Weise möglich ist, um zu einem bejahenden Resultat zu gelangen, ohne es zu erreichen, so bleibt uns weiter nichts übrig, als daß wir alle elf zu der Meinung des zwölften übergehen; es ist dies das beste, das wir im Interesse unserer Zeit und unseres Magens thun können." Die Kolik des Rentners und die eheliche Zärtlichkeit des Kaufmanns stimmten dem bei; die andern thaten dasselbe, die Hälfte aus Hunger und die andere Hälfte aus Ermattung und Lanaweile. Nacö elfstündiaer Berathung sprach also das GeschworenenGericht das Nichtschuldig über Georg Waugham aus. Die Zuhörer waren von diesem Ausspruch noch mehr überrascht, als von der ungewöhnlich langen Dauer der Berathung. Im Augenblick, als die Geschworenen nach Haus zurückkehren wollten, forderte sie der widerspänstige Ge-fchworene-auf, ihm noch einmal in das Berathungszimmer zu folgen. Nun," sagte der Vorsitzende, hat sich denn heut unser College vorgenommen, uns durchaus den Hungertod sterben zu lassen? Ich glaube gar, er steht im Sold unserer Aerzte." Bitte um Entschuldigung; ich wünsche Ihnen die Gründe meines Handelns mitzutheilen, das Ihnen so seltsam vorgekommen ist. Glauben Sie, daß mich der Hunger minder quält als Sie? Aber mem Gewissen ist doch noch stärker als mein Magen." Diese Worte reizten die Neugier der Geschworenen, die nun ihrem Collegen ohne Zögern folgten. Meine Herren," sagte er im Zimmer zu ihnen; die Sache selbst ist, wie Sie wissen, noch in völliges Dunkel gehüllt; ich will es lichten, aber schwören Sie mir. nichts von dem. mitzutheilen, was Sie hören werden." Alle schwuren es. Georg Waugham ist unschuldig." Woher wissen Sie das?" Weil ich selber der Schuldige bin." Die Geschworenen sahen einander bestürzt an; der Erzähler aber fuhr fort:, Ich wurde von Franz Plett auf eine Weise beleidigt, die ich als eifersüchtiger Ehemann nie vergeben kann. Am 11. Juli vorigen Jahres mußte, wie ich erfahren hatte, Plett svät auf jenem Wege sein; ihn erwariend. aß ich im Weißen Schwan", wo ich das Messer fand, dessen ich mich zur Ausübung meiner That bediente. Ich nahm das Tuch meines Opfers, um das Blut von mehren Händen zu wischen, warf es aber darauf weg. Alles dies stimmte mit den Aussagen des Angeklagten überein. Als ich erfuhr, daß Waugham wegen des Mordes verfolgt werde, wollte ich mich selbst anzeigen, um den Unschuldigen, zu retten. Aber eine genauere Ueberlegung sagte mir, daß. wenn ich dies thäte, man die Ursachen meiner That ermitteln würde, und daß meine eheliche Ehre befleckt worden wäre. Uebrigens hoffte ich, daß es unmöglich sein würde. Waugham des Verbrechens zu überführen. Da ich zu den Gefchworenen bei seiner Sache gehören sollte, so schwieg ich um so eher, weil ich, ohne den wahren Schuldigen zu verrathen, den Unschuldigen bestimmt und sicher retten konnte. Dieses Mittel kennen Sie, und ich habe mich desselben auf Ihre Kosten bedient. Jetzt ist meine Frau todt, und in drei Tagen werde ich England verlassen ha ben; mögen Sie nur das Geheimniß drei Tage bewahren, wie Sie mir es ja auch geschworen haben." Nach 'diesen Worten ging er fort. Die Geschworenen schwiegen, bis der Mörder England verlassen hatte. Entschuldigung. Lieu tenant A.: Hast Dich halt jetzt och der kleinen Irma ergeben!" Lieute nant B.: Ja mein Gott wenn man r tt Wirf bombardirt wird!" Macht der Musik. Mein Mann schwärmt für Musik! Wenn' ich etwas von ihm will, spule ich ihm h gend rineLieblingsmelodie von ihm vor, und sogleich bekomm' ich es!" Mein Hugo ist noch ärger! Ich darf nur an 's Klavier gehen.fo fragt er mich scho. v"23 ich will!"