Indiana Tribüne, Volume 20, Number 273, Indianapolis, Marion County, 20 June 1897 — Page 6
Ein Spfcr der FoliliK. Von Tr. A. Sulzbzch. Die Ehe Ludwig Bonaparte's mit Hortense Beauharnais war bekanntlich eine höchst unglückliche. Kaum vier Jahre nach Schließung derselben trennte sich der Gatte von seiner dreiundzwanzigjährigen Gemahlin, und nach 13 Jahren ließ er sich förmlich von ihr scheiden. Nicht die Seitensprünge, welche die lebenslustige Stieftochter Napoleons , während . der Ehe machte, waren die Veranlassung des Zerwürfnisses, dieses war vielmehr schon da, als Beide vor den Traualtar traten. Die Heirath war eine gezwungene, eine durch politische Interessen herbeigeführte, die zwei Opfer forderte: Ludwig und Hortense! am meisten zu bedauern war die Letztere. So ungleiche Charaktere wie Höriense und Ludwig waren noch selten in Ehejoch zusammengespannt worden. Sie heiter, lebenösrisch, durch Anmuth, nicht durch Schönheit, bezaubernd; schon im Institut der Liebling der Lehrer und Mitschülerinnen, der verzogene Liebling ihres StiefVaters, munter bis zur Ausgelassenheit, zu jedem neckischen Streiche aufgelegt, trat sie, kaum 17 Jahre alt, in ias glänzende und sinnenberauschende Hosl:ben ein, das Napoleon in den Tutletten um sich schuf. Von Gesellschaft zu Gesellschaft geschleppt, lernte sie bald sich als die Sonne zu betrachten, die von der glänzenden Hofgesellschaft umschwärmt wurde. Er guten Herzens, fein im Umgang, aber von Aorurtheilen befangen, zu Mißtrauen geneigt, empfindlich und meist trüber !aune, liebt das Traurige, vergräbt sich in melancholische Träume und ist darum leicht zu Thränen geneigt. Paul und Virginie", schreibt er an den Verfasser des Romans. Bernardin de St. Pierre, hat mich viele Thränen gekostet; sicherlich hat Paul nicht so viel geweint, als er sich von seiner Schwester trennte, wie ich, als ich es las." Er flieht die Jugend, meidet sorgfältig die Fröhlichkeit und sucht die Einsamkeit auf, um Einkehr in sich zu halten. Diese beiden Wesen paßten nicht zu einander, und der Bruch wäre auch dann eingetreten, wenn sie nicht schon mit gegenseitiger Abneigung sich die Hände gereicht hätten; d$s war aber geschehen, denn Beide hatten bereits ihren Roman erlebt un'o mußten, einem höheren Willen sich fügend, aus ihre Herzenswünsche verzichten. Josephine hatte verschiedene Heirathspläne für ihre Tochter im Kopf, unter Andern war es der Sohn des Directorial-Mitglieds Rewbell. den sie sich für Hortense ausersehen, aber diese setzte allen Projecten eutgegen, daß eine Frau nur dann glücklich leben könne, wenn sie einen Mann heirathe. den sie leidenschaftlich liebe. Dem Wunsche Aims de Gontaut, Hortense zu heirathen, traten dessen Eltern entgegen; den Grafen de Mun hätte sie geheiraihet, wenn sie nicht erfahren hätte, daß der Graf während seines Aufenthaltes in Deutschland in Madame de Stael verliebt gewesen. Indessen begann Josephine nach anderer Seite hin für eine Heirath ihrer Tochter thätig zu sein : wenn einer der Brüder ihres Gatten der Gemahl Hortensens würde, würde sie jenen nicht fester an sich ketten ? Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Josephine seit dem heftigen Auftritt, den ihr Napoleon bei seiner Rückkehr aus 'Egypten bereitete, bei welcher Gelegen.heit er das Wort Scheidung" fallen Zieß. ihre Stellung nicht für gesichert hielt und sich ihre Tochter als Mittel ersah, ihre Stellungen zu befestigen. Ludwig Bonaparte, der sich in den Kämpfen an der Seite seines Bruders ausgezeichnet und im Heere sich Ansehen erworben hatte, wurde zum Ehecandidaten für Hortense ausersehen. Aber auf beiden Seiten fand die Mutter Widerstand. Ludwig hatte es noch nicht verschmerzt, daß er wegen politischer Rücksichten seine. Liebe zu Emilie Veauharnais, einer Cousine Hortensens und Tochter eines Emigranten, hatte aufgeben müssen. Es war ihm bedeutet worden, daß eine Verbindung mit der Tochter eines Emigranten den Bruder, der soeben den 18. Brumaire in Scene gesetzt, bei den Republikanern verdächtigen könnte. Von Napoleon alsdann aus Paris entfernt, suchte er unter allen möglichen Vorwänden, auch nachdem er wieder zurückgerufen 'xvax, von der Hauptstadt fernzubleiben, um dem unaufhörlichen Andrängen Josephinens. sich für Hortense zu entscheiden, aus dem Wege zu gehen. Aber Hortense versuchte dem Andrängen ihrer Mutter, die nach langen vergeblichen Bemühungen die Einwilligung ihres Gemahls endlich erlangt hatte. Widerstand entgegenzusetzen, denn auch sie hatte ihren Roman. Der Gegen stand ihrer Liebe ist Druoc. der treue Helfer Napoleons am 18. Brumaire und bevorzugter Liebling deS ersten Consuls; die Liebe wird erwidert und während einer dreimonatlichen Abwesenheit des jungen Officiers ist es Bourrienne. der die Corresvondenz
zwischen den Liebenden vermittelt. Endlich wird die Sache offenbar. Alles spricht davon und Napoleon ist nicht abgeneigt, seine Einwilligung zu geben, aber Josepbine ruht und rastet nicht, zu ihrem Ziele zu gelangen und rvJ)xtn Gemahl für ihre Ansicht zu gerr y. rrr c 7wr.nnen. null) Maoame ampan,:e Woisteherin deS Instituts, in welchem .Hortense erzogen wurde, und welche deren Vertraute geblieben war. legte -sich in's Mittel, um ihre Schülerin von Liebe abzubringen und dem WilJen ihrer Mutter gefügig zu machen. ' Ich beschränke mich darauf. Sie zu bitten", schrieb ihr Madame Eampan, jo zu handeln, daß in Allem Ihr und EugenS Verhalten in Bezug auf de5 ersten Consuls Ansichten über . Ihre Wersagung ihm gefallen. Sie sind eineZ der theuersten Bande zwischen ihm und Ihrer Mutter, und wenn Sie erst Un
gnade und Lossagung erfahren, giern den Sie nicht, da-ß Sie sich darüber werden trösten können. Man kann darauf verzichten, zu einem hohen Range zu gelangen, man kann es selbst für ein Glück halten, einem solchen fern zu sein, aber man steig; nicht ebne Schmerz hinab; das ist eine große Wahrheit.". Man merkt diesemSchreiben an. von wem es eingegeben ist. und daß die beabsichtigte Heirath nichts Anderes sein sollte, als Napoleon fester an seine Gemahlin zu ketten. Hortense aber bleibt fest trotz aller Ermahnungen ihrer Erzieherin; erst als Duroc. da er den Wiverstand der Familie erfährt, sich zu rückzieht, weil er nicht ein Eindringling in einen Kreis sein wolle, dessen Mitglieder sämmtlich seine Gegner seien, da beugte Hortense sich dem Geschick und reicht, gleichsam Dem zum Trotze, auf dessen Liebe'sie fest gebaut, dem unbeliebten Manne die Hand. Josephine hatte ihrer eigenen Existenz Hortense zum Opfer gebracht, gerettet aber hat es sie nicht, wie allbekannt. Früher Lenz. 5?on Gräfin HeUeue Waldersee. Der zeitige Frühling kam über Nacht Und zwang in schimmernde BlüthenPracht Durch sein allmächtiges Werde" Die schlummernde Erde. Und junge Herzen, sie jubeln hinein In den auferweckenden Sonnenschein, In all' das frohe Entfalten, Als könnten sie's halten. Und sie erwidern den Frllhlingsblick, Als zwängen sie ein verheißendes Glück Durch ihren freudigen Willen Zu sicherem Erfüllen. Doch müde Augen schau'n still und weit In all' die strahlende Lenzherrlichkeit, Und darüber die Hände falten Die ahnenden Alten. Sie sahen schon oft die Wonnen der Erden In Kälte und Elend zu Schanden werden; Sie lernten: Es gibt kein Behüten Vor Frost in Blüthen.
Auch ein Beruf. Sie ist eine hübsche, sehr wohlhaben de Witwe so wird aus Wien berichtet , aber nicht so reich, daß sie alle ihre noblen Passionen von den Zinsen ihres Kapitals bestreitcn könnte. Deshalb hat sie nebst den dunklen Haaren und Augen auch dunkle Gedanken. Diese Gedanken haben immer ein Ziel: Sie möchte nur einen hochgestellten oder reichen Mann ehelichen, der sich , jedoch nicht finden lassen will. Die in den Augen der Witwe Mindcrwerthigen sind also nur dazu gut. ihr auf originelle Art zu Nebeneinkünften zu verhelfen. Die Witwe ist Nadfahrerin und mit einem Fahrradfabrikanten eng liirt. Erscheint nun ein Brautwerber, so weist sie ihn nicht kurzweg ab. Sie flirtet und fragt dann so nebenbei: Sie sind doch Radfahrer?"' Auf die verneinende Antwort erklärt Madame entschieden, daß sie sich niemals mit einem Nichtradfahrer vermählen werde. Aber es laßt sich doch nicht so leicht erlernen," muntert sie dann den Verzagten auf, in acht Tagen ist man perfekter Radfahrer, namentlich mit einem Rade des Fabrikanten X." Sie selbst könne nur solches .'.sches Rad benutzen, und wenn der Verehrer sich auch ein solches kaufe wer weiß, ob sie dann nicht gemeinschaftlich durch Leben fliegen konnten. Selbstverständlich eilt der auf die Mitgift der Witwe rechnende Bewerber zu dem von der Witwe bereits verständigten Herrn X., der so unverschämt ist, sür ein Rad doppelt so viel zu verlangen wie jeder andere Fabrikant. Meine Räder sind eben nicht billiger, mit ihnen fährt sich's besonders gut, ich habe auch nur feine Kunden." meint er auf die schüchternen Vorstellungen des Käufers. Der Handel wird perfect. Ter BrautWerber wird über Hals und Kopf Bicyclist und macht nach einigen Tagen die erste Radfahrtour mit der Witwe. Zu einer zweiten kommt es nicht, denn die brünette Witwe giebt dem Verehrer den Laufpaß. Die ewige radfabrende Braut soll aus solche Weise in vier Monaten eine Provision von 1200 Gulden verdient haben. Einer der zuletzt auf's Rad Geflochtenen entdeckte nun die einträgliche Finte, und die Geschichte, wie man zu keiner Braut, aber zu einem theuren Fahrrad kommt", soll demnächst das Gericht beschäftigen. Aus dem Leben. Die Freuden der Welt, sie gleichen fürwahr Den Großstadtgärten auf ein Haar: Wie klein ein Rasenplätzchen auch sei. Eine Warnungstafel steht doch dabei. Kindermund. Lieschen (fünfjährig): Mama!" Mutter: Nun, Liebling?" Liebling: Sag. Mama bevor ich geboren war, hast Du mich schon gekannt?" Mutter: Nein, Herz." Lieschen: Wie wußtest Du denn, daß ich es war?" Lakonische Auskunft. . . .Der Herr Rath zieht sich ja immer mehr von aller Geselligkeit zurück ist die Ursache Menschenhaß. Kränklichkeit. oder Alter?" Alte!" Eine klugeKellnerin. Noch eine Maß gefällig, Herr Inspector?" Aber Kathi. jetzt hab' ich Ihnen doch schon dreimal gesagt, daß ich nichts mehr trinke!" Ich hab' halt g'meint, als Anerkennung für Ihre Standhaftigkeit!" Ein Genie. Ein Genie weiß sich zu helfen!" sagte der Esel stolz, als vor seinem Angstgeschrei der Löwe erschreckt davon geeilt war.
Skansen in Stocschakm. Unter den zahlreichen SehenZwürdigkeiten des nordischen - Venedig. Stockholm, nimmt der herrliche Thiergarten, welcher Wald- wie Gebirgsnatur in sich vereinigt und entzückende Aussichtspunkte auf die Stadt bietet, einen hervorragenden Platz ein; er ist der Stolz der Stockholmer und die klassische Stätte des Frohsinns. Das volksthümliche Leben, wie es dort einst geherrscht, ist zwar längst verschwunden. doch eine Stätte der Erholung und des Vergnügens ersten Ranges ist der Thiergarten geblieben, und tagt in Stockholm irgend ein internationaler Congreß. dann ist es vor Allem der Thiergarten, wohin die gastlichen Bewohner ihre Gäste führen. Hier liegen elegante Restaurants und Vergnügungslokale, vor Allem jedoch ist hier in den jüngsten Jahren ein Unternehmen erstanden, das sich in der kurzen Zeit seines Bestehens die volle Gunst der Stockholmer erworben hat,
Dr. A. Hazel'ius. und das durch seine Eigenartigkeit auch bereits im Ausland bestens bekannt geworden ist: das Freiluftmuseum, Skansen", die Schanze, wie es nach der Oertlichkeit, auf der es gelegen ist, genannt wird. Es ist eine Schöpfung des ideenreichen Direktors des berühmten Nordischen Museums in Stockholm, Dr. Arthur Hazelius, der hiermit auf dem Gebiet der belehrenden Schaustellung in bahnbrechender Weise vorgegangen ist und ein Werk geschaffen hat, das vorläufig noch ohne Gegenstück dasteht. Dr. Hazelius ist, beiläufig bemerkt, auch der Gründer des NordischenMuseums, dessen reiche Sammlungen in erster Linie dem unermüdlichen Sammeleifer dieses Privatgelehrten zu danken sind. Alles, was an Merkwürdigkeiten aufzutreiben war und zur Kenntniß des Lebens der nordischen Völker von den ältesten Zeiten an dient oder irgendwie kulturhistorisches Interesse hat, ist hier mit emsigem Fleiß zusamW .ita "3353 Haus aus dem Süden. (16. Jahrhundert.) rnengetragcn. Aber die bisherige Art der Schaustellung in den Museen, bei der die Bedeutung der einzelnen Gegenstände meistens erst mit Hilfe eines Katalogs zu erkennen ist, zu dessen Studium aber die wenigsten Beschauer Lust haben, genügte dem Dr. Hazelius nicht; er wollte alles im Zusammenhang zeigen. Wie die alten BauernHäuser mitsammt ihrer ganzen Einrichtung aussahen, wie das Volk lebte, wie die Sennerin auf den entlegenen Weideplätzen in den Thälern und Bergen Dalekarliens und die Köhler in den Wäldern hausten, wie es auf einem Rastplatz der Lappländer aussieht, die noch heutigentags unstät in den Nordmarken Europas wandern, das Leben der Vorfahren, . in deren hohen Hallen das Trinkhorn herumging, die Ritterburgen des Mittelalters mit ihren hohen Zinnen und Zugbrücken, Bürgerhäuser der Hansazeit, von alledem sollte ein getreues Bild gegeben werden. Um diesen Plan auszuführen, erwarb Dr. Hazelius im Jahr 1890 den günstigsten Theil des Thiergartens: wenige Jahre später konnte er den überraschten Stockholv f.; HausauZWestmanland. (17. Jahrhundert.) mern sein Freiluftmuseum zeigen, und jetzt nach unablässiger und fortwährender Erweiterung entspricht es bereits im Großen und Ganzen dem Plan, wie ihn der Schöpfer sich gedacht, und gehört zu den volksthümlichsten und größten Sehenswürdigleiten der schwedischen Hauptstadt. Skansen" ist gleichzeitig Museum für Völkerkunde, Panoptikum, Zoologischer und Botanischer Garten und Erholungsort. Der felsige, reichsten Baumbestand zeigende Grund und Boden ist der denkbar günstigste und gibt in seiner Vegetation auf begrenztem Raum ein treffendes Bild der skandinavischen Nawr.' Laub- und Nadelbäume aller Art, grüne Grasmatten und reizend angelegte Teiche mit klarem Wasser wechseln hier miteinander ab, unv dank der außerordentlichen Mannigfaltigkeit der Natur auf dem ausgedehnten Gebiet deS Freiluftmüseums war es möglich, alle Gebaulichkeiten und Schaustücke in einer Umgebung zur Darstellung zu
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bringen, die den wirklichen Verhaltnissen entspricht. So ist denn auch die Illusion eine vollständige, man fühlt
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im .v r -.,j"4t r' AlterGlockenthurm. . (Oft-Gothland.) sich in fremde Gegenden versetzt, und eine Wanderung durch das Labyrinth der Wege, von denen die ganze Anlage durchkreuzt wird, bedeutet eine Reise durch Schweden. Im Mittelpunkt sehen wir Jahrhunderte alte BauernHäuser vor uns, die die letzten Ueberreste von Bauproben einer entschwundenen Zeit aus dem naturschönen südlichen Schweden, aus dem gebirgsund wasserreichen Dalekarlien und aus den nördlicheren Landestheilen, die einst selbst den flidlicher wohnenden Schweden ziemlich unbekannt waren, die aber jetzt ein bis über den Polarkreis vorgeschobener Schienenstrang in innigere Behrung mit dem Herzen des Landes bringt, darstellen. Sie stammen meistens aus dem Mittelal ter und zeigen die Bauformen, wie sie sich aus den Wohnungen der Wikingerzeit entwickelten, die. aus einem Raum bestehend, in der Mitte eine offene Feuerstelle enthielten, von der der Rauch durch eine Oeffnung im Dach abzog. Dr. Hazelius erwarb sie an Ort und Stelle mit ihrer gesammten Ausstattung und ließ sie so wieder im Freiluftmuseum aufstellen, wo sie, jedes für sich ein kleines Museum bildend, ein anschauliches Bild dieser äußerst solid und behaglich eingerichteten Bauernwohnungen geben. Der ganze reiche, altvaterische Hausrath steht am gewohnten Platz, und die Stuben machen genau den Eindruck, als wären sie bewohnt. Besonders eigenthümliche Bauwerke, die nicht wenig zu dem malerischen Bild auf Skansen" beitragen, sind die alten Glockenthllrme, die noch hie und da im nördlichen Schweden zu finden und von denen zwei charakteristische Formen im Freiluftmuseum vertreten sind. Auch tiVL Eackstugor" ist dort zu sehen, eines jener theilweise' in einen Abhang gebauten armseligen Häuschen, wie sie sich in den wenig angebauten Landestheilen finden und in denen die Aermsten der Armen hausen. Die Wände bestehen aus rohen, unbearbeiteten Feldsteinen und eine armselige Bettstelle und wenige Geräthe bilden die ganze Ausstattüng. In die nördlichsten Grenzgebiete Schwedens versetzt den Besucher ein Lappenlager, das einen interessanten Einblick in die Lebensverhältnisse der Kinder des europäischen Nordens gewährt. Man sieht hier einige ihrer primitiden Zelte und Einrichtungen, die sie auf solchen Ruhepunkten aufzuschlagen Pflegen, sowie ihre Geräthe und ihren Hausrath, mit dem sie im Lbrigen nicht viel Staat machen können. Das Hauptstück ist der Kessel, der in der Mitte des Zeltes über einem Feuer hänat. außerdem sind noch einige Schüsseln und Milchbehälter, Löffel Lappenzelt. aus Rennthierhotn und so weiter vorhanden. Hat eine Lappländerfamilie Schmucksachen, so bestehen sie gewöhnlich in zinnernen oder silbernen Gegenständen für die Frauen und werden an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand aufbewahrt. Dieser Platz, der aucb dem Hausherrn und der Hausfrau zukommt, galt in heidnischer Zeit für heilig. Nicht selten wurde hier der lappischen Frigga ein Opfer gebracht mit der Bitte, daß die Frucht im Leib der Hausfrau ein Mädchen werden möge, die den Eltern beim Brautkauf Rennthiere und silbernen Schmuck einbringen kann. In der Hütte haust eine Lappländerfamilie, die sich ersichtlich sehr wohl fühlt und ausVater. Mutter und Tochter besteht. Das Stockholmer Freiluftmuseum will aber nicht nur eine Darstellung des schwedischen Volkslebens, sondern auch ein Gesammtbild seiner Natur geben, und diesem Zweck dient die bojanische und die zoologische Abtheilung, von denen die letztere die ThierWelt aller skandinavischen Länder und der Polargebiete umfassen soll. Auch hier war der Grundsatz leitend, alle Thiere in einer Umgebung darzustellen, die demBeschauer einen ungefähren Begriff von ihrem Leben i? der Freiheit giebt. Von einer menageriemäßigen Anordnung der Thiere in engen Kafigen ist hier keine Spur, und es macht einen erfreuenden Eindruck, wie hier die Thiere, die in den engen Behältern andrer Zoologischen Garten unruhig hin und her schleichen, voller Leben und Bewegung sind. " Modern. Bettler: Bitt' schön um eine milde Gabe!" Baronin: Ich werde zu Jhren'Gunsten ein Concert veranstalten!"
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Spitzer vor Gericht. Das politische .Sensationsschauspiel Proceß Tausch-Lützow", welches vor dem Geschworenengericht im Berliner Landgericht I in Scene gegangen ist, hat mit dem Siege der Unschuld" geendet und die Freunde des aus der Mohrenwäsche rein hervorgegangenen Criminal - Commissars v. Tausch haben beim Fallen des Vorhangs selbstverständlich lauten Beifallsjubel angestimmt. Der verhältnißmäßig kleine Spitzbube v. Llltzow ist gehängt, worden, figürlich gesprochen, denn der Gerichtshof hat ihn, der zur Zeit wehen verläumderischer Beleidigung des Staatssecretärs Freiherrn Marschall v. Biederstem eine Gefängnißhaft von 15 Monaten verbüßt, zu weiteren zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. Der erste Aufzug des Schauspiels begann am 24. November 1896 mit der Processirung der Spitzel - Journalisten Leckert und Lützow und endete mit deren Verurtheilung am 7. December. In der Gerichtssitzung an diesem Tage wurde der Commissär v. Tausch unter der Anklage des Meineids verhaftet und damit kündigte sich der zweite Akt an: Die Processirung des Allgewaltigen der politischen Polizei, Eugen von Tausch, wegen Meineids und Verbrechens im Amte. Die Voruntersuchung dauerte fast sechs Monate. Es handelte sich um zwei gesonderte Anklagen, die zu gemeinsamer Verhandlung verbunden waren. Die eine Abtheilung betraf den Angeklagten v. Tausch allein und bezog sich auf den Meineid, den dieser im Proceß Leckert-Lützow geleistet haben sollte. In jenem Processe hatte v. Tausch beschworen, daß er niemals auf eigene Hand Politik getrieben oder politische Artikel durch seine jouialistisehen Agenten in die' Presse habe lanciren lassen; auch hatte er eidlich in Abrede gestellt, daß er die Thätigkeit dieser seiner Vertrauensmänner jemals zu persönlichen.. selbstsüchtigen Zwecken benutzt hätte, und schließlich die Ein-
v. T a u s ch. zelheitett, die der Angeklagte von Lutzow unter der Wucht der vom Oberstaatsanwalt Drescher ausgesprochenen Drohung, daß ihm der Proceß wegen Urkundenfälschung gemacht werden würde, zu seinem sogenannten Geständniß" zusammengefügt hatte, eidlich bestritten. Daneben lief dann noch als Hauptbelastung der Widerspruch, in welchen sich der Angeklagte mit dem Chefredacteur des Berliner Tageblattes", Dr. Levisohn, gesetzt hatte. Die gegen v. Lützow und v. Tausch gemeinsam erhobene Beschuldigung bezog sich auf die in dem Vorprocesse völlig klar gestellte Fälschung einer Unterschrift des Schriftstellers Kukutsch auf einer Quittung, die dem Oberlieutenant Gaede eingereicht worden war. Unter den vernommenen Zeugen befanden sich zahlreiche hohe Staatsbeamte wie der Staatssecretär Frhr. von Marschall. der Botschafter Graf Philipp zu Eulenburg, der Minister v. Köller, General Bronsart v. Schellendorf, Polizeipräsident v. Windheim, Ober-Regierungsrath Friedheim, verschieden höhere Polizeibeamte, eine ganze Reihe von Journalisten, der Abgeordnete Bebel u. s. te. Die Aussagen der Beamten lauteten für den Angeklagten Tausch nicht nur nicht belastend, sondern sogar höchst günstig, während der Hauptbelastungszeuge, v. Lützow. der Chefredacteur Dr. Levysohn vom Berliner Tageblatt", bei seinen frühercn Behauptungen blieb und auch der Correspondent der Münchener Allg. Zeit.", Hans Krämer, Tausch in hohem Grade belastete. Trotz dieser belastenden Aussagen konnten die Geschworenen von Tausch's Schuld nicht überzeugt werden ?md er wurde freiaesproch: während v. Lützow verurthci.t wurde. Der nunmehr freigesprochene Commissär Eugen v. Tausch, der am 12. December 1844 als Sohn eines bayerischen Regiments - Commandeurs geboren ist und es in der Armee seines Heimathslandes bis zum Pre-mier-Lieutenant gebracht hat, ist ein Mann, der seit mehr als 10 Jahren in den politischen Vorgängen Deutschlands eine hervorragende Rolle gespielt hat, wir erinnern nur an die zahlreichen Landesverrathsprocesse, den Fall Schnäbele", die anonymen Briefe in Sachen Kotze-Schrad,' das Radies-chensamen-Attentat uf den früheren Reichskanzler v. Caprivi u. A., wurde sein Name genannt. Seine Haupttbätlichkeit bestand in der Ueberwachung der politischen Presse, auch wur-1
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de er vom KriegSmiNisterium, dem Großen Generalstabe, dem Reichsmarineamt und anderen Behörden, so auch dem Auswärtigen Amt, hermgezogen, wenn es sich um die Erledigung vertraulicher Angelegenheiten.wie Hoch- und Landesverrats), Spionage, anarchistische Umtriebe, widerrechtliche Veröffentlichung geheimer Erlasse etc. handelt. Der verurtheilte v. Lützow gehört zu der Klasse von Revolverjournalisten, welche sich gegen Bezahlung zu Allem gebrauchen lassen; vorläufig ist dieser Bursche unschädlich gemacht.
Ein Hausgeist. -. In dem Senengang der Schloßkirche zu Schwerin besindet sich ein seltsames kleines Bild, welches das berühmte Petermännchen," den guten Hausgeist des Schweriner Schlosses darstellt. Das Gemälde ist kreisrund, von einem quadratischen Rahmen eingefaßt, auf dessen oberem Theile die Inschrift ,quid si sie (Wie? Wenn's so wäre?) zu lesen ist, und zeigt ein zwerghaftes Männlein in der spanischen Hoftracht des 16. Jahrhunderts, mit Wamms, Reiterstiefeln, Degen, Mühlsteinkragen und breitkrempigem Federhut, das zwischen einer senkrecht stehenden Hellebarde und einem, sein Ebenbild zeigenden, Spiegel auf Stelzen, einherschreitet. Das von grauen Locken umrahmte, mit Schnurr- und Knebelbart geschmückte, runzelige Gesicht hat einen milden, nachdenklichen Ausdruck. Das Petermännchen scheint für das Schweriner Schloß eine ähnliche Bedeutung zu haben, wie die weiße Frau für das Berliner. Es zeigt sich bei wichtigen Anlässen in der großherzoglichen Familie und kündet Ereignisse froher Natur durch ein graues Wamms, Kriege durch ein roDas Petermannchen. thes und Todesfälle durch ein schwarzes an. Aber es ist mehr als ein Prophet; wo es noth thut, greift das zwerghafte Wesen selbst mit ein, bewacht das Schloß und vor allem die Silberkammer, erprobt die Ehrlichkeit des Gesindes, bestraft die Unehrlichen und verscheucht lästige Gäste durch nächtlhes Lärmen und allerlei boshaften Spuk. So soll es z. B. Wallenstein. der von Güstrow aus nach Schwerin kam, durch fortgesetzte Plackereien zum Abzug veranlaßt haben, ebenso den französtschen General Laval, der sich im Jahre 1806 imSchlosse häuslich niedergelassen hatte. Andererseits weiß es aber auch die treuen Diener des Hauses zu belohnen, und man kennt Beispiele, wo die von ihm Begünstigten ihre Taschen plötzlich mit Geld anqefüllt fanden. Im SchloßHofe wird noch ein altes Steinbild des Petermännchens aufbewahrt, das vielleicht noch älter als das Gemälde ist. Jedenfalls läßt sich die merkwürdige Sage weit in die vergangenen JahrHunderte zurückverfolgen. Wer weiß, ob das geheimnißvolle Wesen nicht mit der Götterwelt der germanischen Mythologie, etwa den Elben, in naher Beziehung steht? . Das Haarelixir. 11 Ja, Herr Wamperl, was machen Sie denn da?" Ach. denken Sie nur das MalefizPech! Kauf' ich mir eine Flasche Haarelixir. will's gebrauchen und paff, liegt die ganze Geschichte am Boden. Jetzt halt' ich nur schnell noch meine Glatze hinein vielleicht hilft's doch noch a bisserl!" Galant. Herr (zur Köchin): Das ist ein Irrthum, ich finde hier ein Haar von Ihnen, bitte, Marie, serViren Sie mir das in einem Medaillon." - StehendenFußes. Schwerenöther: In dieser Familie habe ich sofort Fuß gefaßt! Mit meinem künfiigen Schwiegervater stehe ich auf dem ZinsfußMit muner künftigenSchwiegermutter stehe ich auf dem Kriegsfuß und mit meiner Braut in spe auf dem Versfuß!" EinweichesHerz. $u, Pevi, warum sieht denn Deine MeiZierin immer so verweint aus?" Ja. die hat so ein weiches Herz! Wenn sie mir eine Ohrfeig' 'geben hat, thut es ihr nachher so leid, .daß ihr jedesmal die Thränen in die Augen tretot, und so kommt sie den ganzen Tag nicht aus dem Weinen 'raus!"
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IIP ALLEN sind altbewährt fiberzuckert leicht zu nehmen desshalb fibelschmeckenden slixturen vor zuziehen wirken leicht, sicher, schmerzlos von ersten medizinischen Autoritäten empfohlen.' flutrclnlffend, Appetlterrezend. GeundbcItbersteUeaJ in mlln Apotheken xa babem. Moderne Mordmaschinen. Wenn die Vorbereitung zum Kriege die Garantie für den Frieden bedeutet, so leben wir in einer überaus friedli chen Zeit trotz Türkei und Griechenland denn mit ununterbrochenem Eifer arbeiten findige Köpfe aller Culturnationen diesseits und jenseits des großen Oceans an der Schöpfung neuer Werkzeuge, die für den Fall des Krieges die Massenvernichtung des Feindes zum Zwecke haben. Wollte man eine Prognose für die Verluste eines künftigen Krieges aus den Zahlen des aufzubietenden Menschcnmaterials und der Treffsicherheit der anzuwendenden Kriegsmaschinen, sowie deren Feuerschnelligkeit und die zerstörende Wirkung ihrer Geschosse ziehen, dann sollte man den Grausen b:fallen i Panzervelociped. werden beim Gedanken an einen Krieg. Aber das Grausen vor dem Kriege erhält eben den Frieden. Selbst die revanchedurstigen Völker behalten die geballte Faust in der Tasche und machen ein freundliches Gesicht.Angesichts der Höllenmaschinen, die im künftigen Kriege zur Anwendung kommen werden. An Stelle der Feldgeschütze werden in allen Armeen das ist wohl vorauszusehen in kurzer Zeit die in Frankreich bereits erprobten Schnellfeuerkanonen treten, wie sie aufKriegsschiffen längst eingeführt wurden. Aber auch im Kleinkaliber spielen die Massenfeuermaschinen bereits seit längerer Zeit eine einflußreiche Rolle. Maximgeschütze. Revolver- und Hotchkißkanonen waren die Nachfolger der Mitrailleusen und wurden überholt von den neuesten Erfindungen, seit die Rasanz, die Anfangsgeschwindigkeit und die daraus hervorragende Streckung der Flugbahn bei kleinen Kalibern. bis 6 Millimeter hinab, in weit höherem Maße erreicht wird, wie früher, und seit das Gewicht der Munition sich auf die Hälfte verringert hat. Zu diesen Erfindungen ist auch eine Auf der Standlafette. Art von Panzervelociped zu zählen, das in der englischen Armee zur Probe gelangte und sich außerordentlich bewährt habm soll. Das System ist, wie alles Kriegspraktische es sein muß, einfach. Ueber einem Vierrade mit pneumatischen Reifen sind hinter leichten Stahlpanzern zwei Maschinengewehre so angebracht, daß die beiden dahinter sitzenden Bedienungsleute nicht nur nach vorwärts und rückwärts feuern können, fondern auch durch die Tretkurbeln den ganzen Apparat rasch zu bewegen im Stande sind, der wiederum durch einen umschließendenPanzermantel geschützt ist. Auch während der Fahrt kann einer der beiden Kanoniere in fortwährendem Feuern verharren, während d;r andere den Wagen lenkt. Sitz und Vertikalpanzer sind leicht drehbar. Selbstverständlich ist die Maschine nicht bestimmt, in der Schlachtordnung -zur Verwendung zu kommen, sondern um etwa auf guten Straßen schnell gegen den Feind vorzustoßen, analog der jetzigen Verwendung der Zwrad Patrouillen. Die Maschinengewehre haben sögenannte Bandmunition, d. b. auf einem beliebig langen Gurtstreifen sind die Patronen fo angebracht, daß der Schütze nur eine Kurbel zu drehen, oder bei anderen Modellen abzuziehen braucht, um mit dem Schusse auch wieder die Ladung zu bewirken, indem das Band um 'eine Patronenbreite weiter durchgezogen, die verbrauchte Hülse aber mechanisch fortgeschleudert wird. Bei behender Einlegung neuer Patronengurte (Streifen) sollen geschickte Schützen bis zu 500 Schuß in der Minute abgeben können. Dem Heißwerden des Rohres wird durch ein Wassergefülltes umgebendes Kühlrohr vorgebeugt. Der Schütze behält während' des Schnellfeuers andauernd das Ziel im Auge, kann also auch beweglichen Zielen folgen. Für das Maschinengewehr ist auch eine zusammenlegbare und tragbare Standlafette in Probe getreten.
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