Indiana Tribüne, Volume 20, Number 266, Indianapolis, Marion County, 13 June 1897 — Page 2

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Gottbcgnzdct. Von R. Kettelborn.

Man nennt den Künstler gottbegnadet. Wenn tx Die schweren Locken streicht. Die Stirn im 0 dur Aether badet Und mit Olympier sich vergleicht Und meint, daß er von Belvedere Apoll, der Gott deZ Schönen, wäre. O weg doch mit den Lockenreizen ! Der Himmei ist so kleinlich nicht. Mit seinen Gnaden so zu geizen, Daß er nur denen Rosen bricht. Die auf gezwirnten Schafdarmsaiten Ein süßes Seelenmahl bereiten. Da greif' ich aus der Menschen Schwärm Ganz andre, die begnadet sind: -Ein junges Weib, das auf dem Arm Den Erstling trägt, ihr blühend' Kind, Das ihm denHimmel weist, den blauen. Den Garten und die Frühlingsauen ! Siuu für die M:nr. Sobald der Lenz erstacht, so treibt ein unwiderstehlicher Drang die Men sehen hinaus in die herrliaze Gottestvelt. Doch die meisten der Vieisenden, welche alljährlich nach allen Himnielszegenden hinausfliegen, reiftn eben, weil es wtode ljr. Mancye gehen, weil der Arzt sein Machtwort, .es muß fein", gesprochen hat, aber nur wenige sind darunter, welche wirklichen Naturüuu besitzen, welche reisen, um sich an Gottes schöner, erhabener Natur zu erfreuen. Wie Alles im Leden sich heutzutage in Hast und Eile, per Dampf abspinnt, so auch das ReiJen. Schnell und möglichst viel sehen, ist die Parole, das Rundreisebillet soll auf das Ergiebigste ausgenutzt werden. Natürlich fcat man sich .großartig amüsirt" und mit dieser Behauptung auch die Wahrheit gesagt, aber die reine, wahre Freude an der Natur ist ihnen dabei gänzlich fremd geblieben. Dagegen wird dieser oder jener Gasthof sehr gerühmt, hier gab es einen vorzüglichen Wein, dort hat man ausgezeichnet gut gegessen. ' Damit soll nicht gesagt sein, daß für Speise und Trank nicht gesorgt werden braucht, denn durstend und hungernd hat man auch keinen rechten Sinn für Naturschönheiten, so ideal sind wir Menschen nun einmal nicht angelegt, ober das Wirthshaus soll nicht die Hauptsache eines Ausflugs sein. Ein nderer Reisender erzählt von jenem Sonnenaufgang auf hoher Bergesspitze, oder von einer Sammlung interessanter Kunstschätze, doch man fühlt es heraus, daß das Urtheil nicht das ' eigene ist, man hat es von andern gehört, oder gelesen und spricht es nach. Selbst hat der Betreffende vielleicht nur flüchtig, .weil es Mode ist", einen Blies darauf gerichtet. Natürlich giebt es auch Reisende, welche mit den eigenen Augen sehen und mit dem Herzen fühlen, welche in Wahrheit von den Naturschönheiten begeistert sind und sich für alles lebhaft interessiren. Für solche ist das Reisen ein köstlicher Gelvinn, das größte Vergnügen und der höchste Genuß. Wie traurig aber, daß TntU Menschen, welche die ganze Welt preisen, so wenig in dem Buche der Natur zu lesen verstehen, das auf jedem seiner Blätter so reichen Inhalt bietet! Wie anders, wer die Natur niit Verständniß anschaut. Und ist er uch an die Scholle gefesselt, so wird ihn die innige, reine Freuhs an oer Natur dennoch durch den Äechsel aller Jahreszeiten begleiten. Das kleinste Blümchen, der Falter, der es umgaukelt, sind im Stande, den zu erfreuen, der jenen hingebenden Natursinn besitzt. Es gehört eben vor Allem große Liebe zur Natur dazu, um nicht achtlos an deren Schönheiten vorüber zu gehen und alle Eltern sollten es sich recht angelegen sein lassen, schon die Kinder an ein offenes Auge zu gewöhnen, und sie schon recht früh an diese Quelle der reinsten Freuden zu führen. Das Beispiel der Eltern wirkt hier am besten und ermunternd für die Kinder. Werdet nicht müde sie aufmerksam zu wachen auf die zahllosen Wunder der Schöpfung, auf jedes Käferchen, jede Blume und auf die klare Quelle, die sprudelnd von Felsen zu Felsen springt. Das Alles muß den Kindern gezeigt und gemeinsam bewundert werden, damit es ihnen so recht in's Herz hineinwachse. Die Erinnerung an solche Ausflüge, welche die Kinder in Begleitung ihrer Eltern gemacht, an all' das Schöne, das sie mit denselben bewundert haben, bleibt ihnen unveryeßlich und erweckt in ihnen das Verständniß und den Sinn für Naturschönheiten. Fatal. Lieutenant (zu seinem Wurschen): Jstoan, trag diesen BluTnenstrauß zu Fräulein von Ecztery. Wenn ihre Tante anwesend sein sollte, so sagst Du. ich lasse ihr gleichfalls die Hand küssen!" Jstoan: .Soll ich uch Blumen geben?" Lieutenant (wüthend): Esel der alten Schachtel nicht!" (Eine halbe Stunde später.) Jstoan (bei Fräulein von Ecztery): Gnädigem Frailain Handkuß und Blumen, gnädiger Frau Tant' HandZuß vom Herrn Laitnant!" Tante (scherzend): Und für mich keine Blunun?" Jstoan: Nein olter Schachtel nicht!" DasJawort. Herr Lieutenant haben der kleinen Commercienrathstochter Heirathsantrag gemacht? Wie gehts denn Fräulein Braut!" Ach, sitzt in ihrem Boudoir und wiederholt immer noch ja! ja! ja!" Seufzer. Fräulein Eulalia (auf einer Jtalienreise gänzlich ausgeplündert): Alles haben sie mir geraubt nur keinen Kuß! Z e i t k i n d. Junge (zum Vaier, der ihn züchtigt): Vater, nimm Dich in Acht, daß Du das Züchtigunsrecht nicht überschreitest i

Verschluckte Diamanten. Erzählung aus Californien von 23. v. Cchierbrand. Carl Petzold war Superintendent auf der Straußenfarm des alten Major Holmes, obwohl er erst seit drei Jahren darauf thätig war. Das Züchten und die Behandlung von Straußen ist keine leichte Arbeit, es verlangt vielmehr viel Geduld, große Aufmerksamkeit, Muth und Tact, besonders während der Zeiten, wo der Vogel bösartig und kampflustig ist. denn es ist eine Erfindung, daß der Strauß feig und scheu ist; er geht im Gegentheil in der

Wuth aus Alles los. was sich ihm ent gegenstellt oder seine Eifersucht erregt. Und da em Schlag mit dem keulenarti gen Bein den Tod oder mindestens einen Knochenbruch bedeutet, so ist es erklärlich, daß der erwachsene Voael. wenn in erregtem Zustande, von den Wartern und Aufsehern der Farm mit außerjterÄorsicht behandelt wird. Auch in Bezug auf Kost . ist der Strauk durchaus nicht so leicht zu befriedigen, wie vielersetts geglaubt wird, und seine schnelle Entwickelung ebensowohl wie die Größe. Weichheit und der Glanz seiner Federn hängt namentlich von dem regelmäßigen und richtigen Futter ab, das ihm zu Theil wird. Carl Petzold aber hatte als junger Mensch in Deutschland und Holland in wandernden Circussen und Menagerien gedient und dadurch gelernt, mit erotischen, schwer zu behandelnden Thieren umzugehen, so daß er sich binnen Kurzem auf der großen Ranch des Major Holmes, die noch nicht lange bestand, unentbehrlich zu machen derstand. Unter seiner Pflege gediehen die Thiere vortrefflich, und der Gewinn aus ihren Federn, sowie aus dem Verkauf ivnger Voael stiea enorm von Jahr zu Jahr. Der alte Major hatte sich auch schon mehrmals erkenntlich gegen sein Factotum. den tüchtigen Deutschen, gezeigt, indem er sein Salär bedeutend erhöht und ihm schließllch emen Theil des Remaewmnes aegeben hatte. Die Geschichte aber, die Carl Vekold letzten Herbst zustieß, hat ihn nicht nur in Alameda County, wo die Ranch des alten Majors gelegen ist, berühmt gemacht, sondern auch im aanzen sudltchen Theile Californiens. Ich will sie t: r ? i- i- - ' qier io erzayien, geraoe wie ne q zutrug, ohne Schmuck und ohne Zuthaten. , Carl wurde mit einer kleinen Heerde von 5 arö'Keren und 12 kleineren Straußen, die ein Mann in Sonoma angekauft hatte, um damit eine eigene Straußenzucht zu begründen, vom Major Holmes nach Sonoma geschickt. frur Die Vogel sollte an Ort und Stelle . ein Preis von 54800 bezablt werden, da sie einer besonders ergiebigen Rasse angehörten und ihre Federn sehr gesucht in San Francisco waren. Den arökten Tkeil der Reise Itait arl per Dampfer zurück. Die Fahrt ging an oer cailsornijchenKuste entlang und nahm mehrere Tage in Ansvruck. Es war am Nachmittage des Tages der Abfahrt, und die Strauße langweilten sich augenscheinlich hinter ihrem VerIchlage aus Deck. Ab und zu steckten sie ihre langen Hälse hervor zwischen dm Latten des Verschlages. Auf dem Vorderdeck des Schiffes schritten die Passagiere auf und ab und unterhielien sich, oenn das Wetter war tanndr ltnöit und dfc Sönne ruhte mit ihren Strahlen auf den blauen Woaen des Meeres. Unter den Passagieren befand sich ein kleiner, nervöser Mann. :in Diamantenbändler aus San ??ran:isco. der auf einer Geschäftsreise durch Die kleineren Städte ui Maates war, wo er von seinen Steinen bei den Juwetteren absetzen wollte, wie er dies jedes Jahr zweimal regelmäßig that. Es hatte sich, eine Gruppe von Neugierigen um ihn gebildet, denen er seine Schätze zeigte, indem er zugleich einige Kauflustige unter ihnen auf die Schönheit und den Glanz verschiedener Steine aufmerksam machte. Dabei hatte er sich dem Verschlage genähert, hinter dem die Strauße waren, und plötzlich ertönte ein Ruf des Schreckens und Erstaunens. Ein langer Hals hatte sich nämlich plötzlich durch die Latten geschoben und hatte das Stück Seidenpapier, das Marks, der Diamantenhändler, in der Hand hielt und auf dem sich 3 seiner schönsten Steine befanden, mit dem dicken, harten Schnabel gepackt. Im nächsten Augenblick schon war das PaPier nebst Inhalt verschluckt worden. Das Alles war so rasch vor sich gegangen. daß Niemand auch nur den leisesten Versuch gemacht hatte, dem großen Vogel seine Beute zu entreißen. Erst das Geschrei und die heftigen Armbewegungen, die sich jetzt in der Gruppe hoben, machten das Thier scheu, so daß es sich von dem Verschlage zurückzog und unter die übrigen Strauße mischte. Da einer aussah wie der andere, so war Marks, der mittlerweile wieder zur Besinnung gekommen war und der sein Gesicht jetzt gegen den Verschlag preßte, nicht im Stande, zu unterscheiden, welcher von den Vögeln ihm seine Diamanten gestohlen hatte. Dieselben hatten einen Werth von ?,u sammen 56000 bis $7000, wie er schwor, und seine Verzweiflung kannte zuerst keine Grenzen, denn er hielt die Steine für verloren und wußte nicht, ob er das Recht und Gesetz auf seiner Seite habe, wenn er sich beim Eigenthümer der Straußen schadlos zu hal. ten versuchen, sollte. . ' : Carl Petzold, der gerade, zur Zeit dieses Vorfalles unten in seiner Cajüte gewesen war, kam 'jetzt herzu und wurde von dem Vorgefallenen in Kenntniß gesetzt Es konnte kein Zweifel darüber ' herrschen, daß' eineV seiner Straußen der Uebelthäter geWesen war, denn das Zeugniß der Anwesenden . lautete in diesem Punkte

völlig übereinstimmend. Aber was thun? Darüber lauteten die Ansichten sehr getheilt. Es war ein Advokat aus Sacramento an Bord, der aber behauptete, daß er ohne seine juristische Bibliothek nicht im Stande sein würde.

zu sagen, in wie weit die Verantwort lichkeit für das Geschehene sich auf die verschiedenen Parteien vertheile auf Marks, auf Petzold, auf Major Hohmes. auf den Vogel oder die Vögel, und auf jeden Fall, sagte er, sei dies em sehr schwieriger Casus, zu dem sich der eine Richter so, der nächste anders stellen werde. Das sei ganz sicher. Der Advokat, Colquitt mit Namen, erbot sich sofort, den Fall für Marks zu übernehmen und ihn bis zum höchsten Appellhofe zu vertreten, denn voraussichtlich würde die EntsL)eidung mehrere Jahre nehmen. Er zeigte außerordentliches Interesse für den ganzen Vorfall und machte sich anheischig, sämmtliche Präcedenzfälle in den Gesetzbüchern des Staates ausfindig zu machen. Seiner augenblicklichen Ansicht nach sei dies ein Fall von tlicft as bailee", dessen sich der Vogel und durch ihn Carl Petzold und Major Holmes schuldig gemacht habe, und er offerirte, sofort nach der Landung in Sonoma eine Jnjunction vom dortigen Gericht sich zu verschaffen, um Petzold zu verhindern, die Vögel (mit den drei Diamanten innerhalb eines derselben) weiterzugeben. Indessen vertraten anderePassagiere ganz entgegengesetzte Meinungen. Ja, es gab welche darunter, die da meinten, Petzold, als Vertreter des le facto - Eigenthümers der Vögel, habe guten Grund, um Marks wegen crimineller Nachlässigkeit zu verklagen und Schadenersatz von ihm zu verlangen, denn es sei immerhin sehr leicht möglich, daß das betreffende Thier die Steine nicht verdauen könne und dann elendiglich zu Grunde gehen werde. In diesem Widerstreit der Meinungen fühlte sich Carl Petzold ganz unglücklich, denn er hatte ja nur den Auftrag und die Pflicht, die 5 größeren und 12 kleineren Straußen an den Käufer in Sonoma abzugeben und den Kaufpreis dafür zu empfangen, und seiner Meinung nach war es weder seine noch Marks' Schuld, daß die Gefräßigkeit u?.d Neugierde des betreffenden Vogels zum Verlust der drei Diamanten geführt hatte, sondern nur ein unglücklicher Zufall, für den Niemand verantwortlich gemacht werde konnte. Bei alledem machte die Geschichte dem guten Carl Petzold doch viel Kopfzerbrechen. Ganz insgeheim untersuchte er die fünf großen Vogel denn einer von ihnen war ja der Schuldige auf den Raub hin, konnte aber weder an dem emen, noch an irgend einem der anderen Verdächtiges bemerken. Er dachte erst daran, den Vögeln ein starkes Brechmittel einzuflößen, aber abgesehen davon, daß er dergleichen Medikamente nicht bei sich führte und an Bord des Dampfers dergleichen such nicht vorhanden war, mußte er sich sagen, daß die Anwendung solcher starken Mittel vielleicht doch nicht zu dem gewünschten Ziele führen könnte, da--gegen das Leben oder die Gesundheit der fünf ihm anvertrauten werthvollen Vögel möglicherweise dabei gefährdet wären. So unterließ er das dann, und aus gleichen Gründen versuchte e?'s cnrä nicht mit Elystieren oder Abführmitteln. Beim Mittagsmahl in der Cajüte wurden die Für und Wider des eigenthümlichen Falles mehrere Stunden lang gründlich erörtert, und der Capitän. mit dem Marks schon häufig gefahren und der naturgemäß auf dessen Seite stand, machte schließlich den Vorschlag, die fünf Straußen einfach todt zu schießen und ihreCadaver dann auf ihren Inhalt hin zu untersuchen. Das fand großen Beifall bei einer Anzahl Passagiere, die sich davon einen Hauptjux versprachen, aber Colquitt, der Advokat, widersetzte sich dieser Idee entschieden, indem er darauf aufmerksam machte, daß erstens einmal der Eigenthümer der Vögel. Major Holmes, dann ganz zweifellos Anspruch auf Entschädigung für das Leben seiner Vögel haben würde, was ja immerhin eine beträchtliche Summe wäre, und daß es zweitens noch gar nicht gesetzlich sicher sei, wem nunmehr die drei Diamanten gehörten, ob Marks, ihrem früheren Eigenthümer. oder ob dem neuen, der zugleich der Eigenthümer des Gefäßes sei, in dem sich jetzt die kostbaren Steine befänden, nämlich des Straußes, der sie verschluckt. So fiel der Antrag des Capitäns durch. Aber es meldeten sich jetzt neue Antragsteller. Und den Ausweg, den einer derselben, ein Sportsmann aus San Francisco, der Alles im Leben am liebsten auf den Zufall stellte, vorschlug, nahmen schließlich alle betheiligten Parteien an. Dieser bestand darin, daß Petzold sofort nach der Landung in Sonoma sich mit dem Käufer der Straußen in's Einvernehmen setze, so daß dieser anstatt der Vögel ein Reugeld annehmen würde. Dies durchgeset, würden die fünf Vögel einer nach dem anderen an den Meistbietenden verauctionirt. wobei die Angeböte auf jeden Vogel bei dem Minimum anfingen, das der Käufer in Sonoma hatte zahlen wollen. Was dann jeder Käufer mit seinem eigenen Vogel anfangen wolle, das sei seine Sache. Dagegen verpflichtete sich Marks, der Diamantenhändler, demjenigen. der ihm die im Magen eines der Vögel gefundenen Diamanten unbeschädigt bringen würde, nicht nur den erlegten Kaufpreis des Vogels zurückzugeben, sondern auch den . halben Marktwerth der Steine selbst. . Dies Project fand allgemeine Billiznng, und es wurde auch richtig ausgeführt, gleich nach der Landung, in Sonoma. Drei der Vögel die ersten, die zur Versteigerung gelangten. erzZelten ganz annehmbare Preise,

von 500 auswärts, aber nachdem deren Eigenthümer schleunigst die Vogel getödtet und vergeblich nach den Diamanten im Magen und den Eingeweiden derselben gesucht hatten, stieg der Preis bei den letzten beiden ganz bedeutend, denn einer von ihnen mußte doch, so sagte man, die kostbaren Steine in seinem Innern bergen. So wurden Wn $750, resp. $800 für jeden der zwei Straußen erzielt. Aber auch diese zwei Vögel hatten die Diamanten nicht mehr bei sich, wi: man sich bei einer ganz sorgfältigen Section, die im Beisein sämmtlicher Passagiere vorgenommen wurde, überzeugte. Marks schäumte vor Wuth. Die Passagiere, welche die fünf Straußen erstanden hatten, ditto. Der einzige, der auf seine Kosten gekommen war. sogar auf mehr als seine Kosten, war Carl Petzold und Maior Holmes. Was thatsächlich aus den drei Diamanten geworden ist, das wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Marks aber hat Petzold nicht verklagt, nachdem ihm einer der besten und raffinirtesten Anwälte Californiens davon abgerathen hatte. Hin Danaergeschenk. Von Ludwig Born. Der Redacteur des Familienblattes .Apollo" fühlte sich in letzterer Zeit so verlassen und einsam in seinem kleinen Junggesellenheim. Er besaß alle Talente zur Ledigkeit und dennoch lastete zuweilen der Druck öder Einsamkeit auf ihm. Heiraten! Zuweilen tauchte das schwarze Wort in Ihm auf. aber rasch schüttelte er diese gefährliche Sehnsucht von sich ab. Er hatte eine unbändige Angst vor der Ehe. eine Angst, die er nicht zu bannen vermochte. Das hinderte ihn aber nicht, für sein Journal die märchenfarbigsten EheIdyllen in trunkensten Worten zu schildern. Eines Tages ertappte er sich bei einem rettenden Gedanken, wie er seine Langweile wenigstens theilweise mildern könnte. Ganz einfach, durch einen Hund. Ja, durch ein Hund. Er belobte sich feierlichst ob dieses glücklichen Einfalls. Er stelltet l eine Gütergemeinschaft mit einem Hunde ganz prächtig vor; solch ein treues, von edlen Gefühlen beseeltes Thier würde ein wenig Bewegung in sein einförmiges Leben bringen. Mit einem Libensgefährten dieser Art müßte der Verkehr ein ungetrübter sein, .dachte er, und vor seinem geistigen Auge erschien ein berückendes Bild häuslicher Eintracht. Der Umgang mit Hunden war wohl dem Redacteur des Familienblattes Apollo" beängstigend fremd, er hatte ttfytz in diesen Kreisen, trotz seiner angenehmen Maniren keinen Eingang gefunden. Durch Protection und Verbindungen hoffte er jedoch sich bald auch hier einzubürgern. , Von nun an richtet Karl Hellnau sein Augenmerk darauf, auf möglichst

billige Weise in den Besitz eines werthvollen Hundes zu gelangen. Er sah einem Winke des Zufalls, einer Fügung der Vorsehung ungeduldig entgegen. In einer verborgenen Tiefe seines Herns herrschte die grausame, verachtenswerthe Hoffnung, daß sich irgend ein menschenwürdiges Hundeexemplar zu ihm verlaufen" werde. Es kam ihm in der That Nicht auf die Species an. Aber die verlaufenen Hunde schienen gerade in jener Zeit, in der Hellnau eine ungestillte Sehnsucht nach ihnen empfand, eine rare Gattung zu sein. Als ob die Leute seinen bescheidenen Wunsch geahnt und deshalb besser auf ihre bellenden Besitzthümer geachtet hätten. Der arme Einsiedler mußte bald diesen Plan aufgeben. Baares Geld für einen Hund auszugeben, dazu vermochte er sich nicht entschließen, und auf Credit einen zu kaufen, getraute er sich nicht, da das ebenso anhängliche wie gepumpte Thier ihm gewiß durchgegangen wäre zum alten Herrn, wenn er den hundemäßigen Betrag dann nicht bezahlt hätte. Doch man soll nie zu frühe verzweifeln, denn es ist schade um die Mühe. Als ob Jemand seine intime Sehnsucht errathen hätte, fand . er eines schönen Frühlingstages einen großen Neufundländer vor der Thür seiner Wohnung. Der Neufundländer wartete nur auf ihn und eilte sofort, als Hellnau die Pforten seines Heims öffnete, m das Zimmer seines neuen Herrn". Erstaunt sah er sich zuerst um, durchlief freudig bewegt eine Flucht von einem Zimmer er hatte nicht viel zu laufen wedelte fleißig und wohlwollend mit dem Schweife, sprang dann mit flinken Beinen aufs Bett und machte sichs dort bequem. Der Pedacteur fügte sich schwer den Gewohnheiten des Hundes. Er war enttäuscht. Man täuscht sich bei den Hunden ebenso wie bei den Menschen. Noch an demselben Abend mußte er sich kalte Umschläge auf dem Finger machen. Der Hund war ein verbissener Patron! Er fütterte ihn mit Zucker, und irrthümlicher Weise hatte ihn der Hund dabei in den Finger' gebissen. Nachts fing das gute Thier zu knurren an eine unendliche Melodie, die dem musikalischen Redacteur bisher unbekannt war das bedeutete Hunger in der Hundesprache, und sofort mußte die Vorrathskammer ihre sämmtlichen Speisen zum Opfer bringen. Der Hund aß alles gewissenhaft auf mit dem bemerkenswerthen Appetit eines intelligenten ' Hundeexemplares. Das konnte man ihm unmöglich übel nehmen. Am nächsten Tage ward er getauft. Zuerst erhielt er den Namen Cäsar", . nach einer halben Stunde verwarf Hellnau diesen Familiennamen, weil seiner Ansicht aemäß.Cäsar" unter Hunden ungefähr .das bedeutet, was der Name Mayer unter den Menschen. .Innerhalb einer weiteren Stunde wechselte das bedauernswerthe Thier zehnmal seinen Namen. 'so daß es endlich willens war,' beimMagistrate um cndgiltigeVerleihung eines mensch-

lichen Namens einzukommen. Schließlich wurde der Name Bubi" festgesetzt. Derselbe ward hundertmal hintereinander probirt, Bubi" merkte sich gut, wie er hieß. Hellnau versuchte nun, dem artigen Bubi" einige der bekanntesten Kunststücke beizubringen. Dagegen bäumte sich der Geist Bubis" energisch auf, er haßte die Schablone. Er wollte nicht über Spazierstöcke fpringen und stellte sich auf die Hinterbeine", als es galt, auf den Hinterbeinen zu stehen. Zur Künstlerlaufbahn fühlte er keine Neigung, da nützte kein gutwilliges von Victualien unterstütztes Zureden. Bubi" wollte einfach nicht und verstand es, seinen Willen durchzusetzen. Mittags gmg der Redacteur spazieren und nahm Bubi" als Begleiter mit. Er kaufte ihm eine Marke. Bei Befestigung derselben sträubte sich Bubi" mit aller Macht gegen eine solche Markirung; auch schien er der irrigen Ansicht zu sein, daß für ihn der Maulkorbzwang nicht existire. Auf der Straße bewegte er sich frei, ohne Etikette. Er 'veranstaltete die waghalsigsten Moment - Wettrennen mit jüngeren und älteren Collegen. Er achtete nicht viel auf Formalitäten, und er knüpfte mit jedem Hundemädel, ohne Rücksicht auf Standesunterschiede, ehrbar an. Schnuppernd grüßte und nickte er jeder vorübergehenden catiliarischen Hunde - Existenz zu. Diese ausgebreitete Bekanntschaft sah man ihm gar nicht an. Er schien aber auch in besseren Kreisen verkehrt zu haben, denn sein.Gruß ward sogar von einem blassen, zarten Hündchen mit grauem, fein geschmücktemRückendeckchen freundlich erwidert.' Mittags nahm ihn der stolze Redacteur ins Gasthaus mit. Leider verwehrte man Bubi" den Eintritt, indem man auf die angebrachten Täfelchen Hunde dürfen nicht mitgebracht werden" wies. Traurig sah ,3ubi" zu den grausamen Zeilen empor. Wie intelligent er auch war, das Lesen , beherrschte er noch kaum in den Anfangsgründen. Merkwürdigerweise verstand er aber den Inhalt der Inschrift und begab sich in die Küche, wo er auf feinen Herrn geduldig wartete. Die Zeit vertrieb er sich sehr amüsant und nutzreich; er kostete mit dem Interesse eines Gourmands von sämmtlichen Speisen es befanden sich darunter seine Leibgerichte unterhielt sich mit einem kleinen Küchenjungen, indem er dessen Schürze zerbiß und half den Dienstmädchen beim Putzen der Teller, indem er dieselben kunstgerecht ableckte.' Nachmittag bestieg sein Herr die Straßenbahn, sie hatten verabredet, daß er derselben folgen solle. Sein Herr wartete vergeblich. Bubi" stand verständnißlos bei der Haltestelle, spähte hin und her, dann legte er sich, mangels einer anderen Bcschäftigung in den Staub, wo dieser am staubigsten, ohne Rücksicht auf feinen äußeren Menschen, drehte seinen

Rücken hin und her und starrte gedankenvoll in die strahlende Sonne. Sein Herr mußte aus dem Wagen ' steigen und Bubi nach Hause führen; dadurch versäumte er ein Rendezvous mit der Familie des Chefredakteurs, was ihn nicht wenig ärgerte. Bubi" fühlte sich unschuldig, Aat Ehre im Leibe und läuft an Frühlingstagen nicht der Straßenbahn nach. Der nächste Tag bringt dem Redacteur wieder neue Unannehmlichkeiten mit Bubi". Sie treffen, ihren Morgenspaziergang machend, eine Dame, welche Hellnau anspricht. Bubi" fühlt sich verpflichtet, zärtlich zu fein, und springt auf das neue Kleid des Fräuleins mit den Füßen, die vorhin im Kothe geschwelgt. Sein Herr stammelt einige Entschuldigungen, der Hund wäre noch jung, unerfahren u. s. w. Die Dame schreitet verdrießlich weiter; es war die Tochter des Scbuhfabrikanten, der eine Jahresannonce im Apollo" hat. Es ist ein Jammer mit Bubi" der .keine Erziehung annehmen will. Der Kerl laßt sich keine Manieren beibringen, er ist weisen Ermahnungen gegenübn sie erfolgen in Wort, That und Geberde vollkommen thcilnahmslos. Manchmal befindet er sich in unterwürfiger Stimmung, da leckt er an den Händen seines Gebieters, senkt sodann gutmüthig das Haupt, sucht später den weichsten Teppich auf, um dort behaglich einzuschlafen. Bubi- schläft leidenschaftlich gerne. Alles vermag er eher, als nach dem schwarzen Kaffee auf sein Nachmittagsschläfchen zu verzichten. Ueberhaupt die Bequemlichkeit liebt er über Alles. Das liegt in seiner Race. . Mit jedem Tage mehren sich die Qualen Hellnaus. Er übt sich jetzt In den schönsten Verwünschungen. Seitdem er diesen . . . diesenHund sein eigen nennt, verflucht er sein Dasein. Es giebt Momente, in denen er ernstlich an einen Selbstmord denkt. Bubi" bereitet ihm täglich originellere Verlegenheiten. er überrascht ihn bei jeder nur möglichen Gelegenheit mit neuen Bequemlichkeits - Nuancen nobelster Art. Er nimmt sich vor, den Hund seinem Concurrenten. dem Redacteur dca Neuen Apollo", zu dessen Geburtstage zu schenken. Er trifft diesen einmal auf der Straße und bietet ihm in herzlich.ster Weise den wunderbaren" Hund an, dessen. Vorzuge er mit epischer Breite und einer an Münchhausen gemahnenden Beredsamkeit preist. Was, den Neufundländer wollen Sie mir wieder schenken d Ich biw froh. daß ich ihn angebracht habe. Ich danke sehr, grüßen Sie den Kerl von seinem früheren Besitzer," sagt der gute Mann und entfernt sich eilig, ohne eine Ant--wort abzuwarten, sich nur rasch an dem verdutzten Gesichte Hellnaus weidend. ... . Also Bubi" war das Mittel zu einem Racheact", murmelte. Hellnau Irübe vor sich hin, und er nimmt sich fest vor, das arme Thier zu mindest zu erschlagen. Sicherlich ist der Köter

Jahre lang auf all seine Unarten dressirt worden, man brachte ihm alle seine sträflichen Leidenschaften nur bei, um mir das Leben zu verbittern," fügt er in Gedanken hinzu und freut sich, seinen Zorn auf dem Rucken des unschuldigen Bubi" entladen zu können. Ja, es steht fest, er wird das Thier erschlagen. Oder bitte, weißt Du. freundlicher Leser, einen liebevollen Abnehmer, jiir einen braven großen schönfarbigenNeufundländer von berühmter literarischer Vergangenheit, ausgestattet mit den schätzenswertesten Eigenschaften des Geistes und der Seele. Redacteure von Familienblättern werden bevorzugt!

ZZerünttc Ferlen. Auch Kostbarkeiten haben ihre Schicksale. Unerreicht an wechsclvollem Geschick steht jene Collektion von 3(3 schwarzen Perlen, die eine historische Berühmtheit durch die Namen ihrer jeweiligen Besitzer oder Besitzerinnen fürstlichen, königlichen und kaiserlichen Geblüts erlangt haben. AmTage St. Andrä des Jahres 1519 genas Madeleine de la Tour d'Auvergne et de Boulogne, die Gattin des 1512 aus der Verbannung nach Florenz zurückgekehrten Lorenzo de Medici, Herzogs von Urbino, einer Tochter. In seiner Herzensfreude über die Erstgeborene gab Lorenzo feiner schwer darnieder liegenden Gemahlin täglich im Verlauf des Wochenbettes eine kostbare schwarze Perle zum Angebinde. 36 der Herrlichsten, gleichmäßig gestalteten, gleichfarbenen und großen Cabinetstllcke bildeten die einer Königin würdige Gabe. Die HerzoginMadeleine sollte sich nicht lange des Besitzes jener Perlen freuen, sie starb im selben Jahre und der Schmuck ging in die Hand jenes Töchterleins, Katharina, über, die im Jahre 1533 Gemahlin Heinrichs II. und somit Königin von Frankreich wurde. 24 jener Perlen verehrte Katharina ihrer jungen Schwiegertochter Maria Stuart anläßlich ihrer Vermählung mit dem Dauphin Franz und den Rest, nämlich 12 Perlen, hinterläßt die Medicäerin ihrer Tochter Margarethe, die mit Heinrich. König von Navarra, vermählt ist und noch im Todesjahr derMutter, 1589, Königin von Frankreich wird. Ob die Königin Margareihe bei ihrer Scheidung von Heinrich IV. jene 12 Perlen behält und 8 davon erst nach ihrem 1610 erfolgten Tode an die Krone von Frankreich zurückfallen, oder aber ob die Perlen nach der Ehetrennung schon dem Tresor einverleibt werden, erhellt nicht aus den Quellen, kurz, 8 jener Perlen bleiben unter Ludwig XHI., XIV.. XV., XVI. bei der Krone, gehen dann in den Besitz des König Karls X. und dessen Sohnes, des Duc de Berry, über, und erfahren nach dessen Ableben eine Theilung, indem 4 an den Grafen von Chambord und 4 an Louise von Porny fallen. 'Die ersteren 4 scheinen nach dem Aussterben der Linie Chambord in Privatbesitz übergegangen zu sein, während die letzteren 4 wohl noch im Besitz der Nachkommen der Louise von Porny, der herzoglichen Familie von Parma, sich befinden. Die 4 Perlen de: Königin Maragrethe, die nickt der Krone von Frankreich anheimfallen, gelangen, wahrscheinlich durch Schenkung, in den Besitz der Tochter Ludwigs III. von Montpensier, Charlotte von Bourbon. Diesen Perlen werden tvir später wieder begegnen. Kehren wir nun zu den 24 Perlen, der Hochzeitsgabe für Maria Stuart, zurück. Ihr Gemahl, der König Franz II. von Frankreich, starb 1560. Maria begibt sich in ihr Königreich Schottland mit jenen Juwelen, resignirt die Krone von Schottland nach dem Tode ihres zweiten Gemahls, Heinrich Stuart, Graf von Darnlcy. 1567 zu Gunsten des Sohnes aus dieser. Ehe. Jakob VI.. flieht nach England wiederum mit dem kostbaren Schmuck, wird von Elisabeth. Königin von England, eingekerkert und 1587 hingerichtet. Die Königin Elisabeth beschlagnahmt neben anderen Kostbarkeiten auch die 24 schwarzen Perlen, die jedoch nach ihrem Tode 1603 an den Sohn der unglücklichen Maria Stuart, den nunmehrigen König von England, Jakob I. (1603-1625),, zurückgelangen. Zwischen den Kindern König Jakobs I. findet eine Theilung - ber schwarzen Kugeln" in der Weise statt, daß König Karl I. deren 8 behält und 16 seiner , Schwester Elisabeth abläßt, der nachmaligen Gemahlin des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, des unseligen Winterkönigs" von Böhmen; die 16 Perlen, die Elisabeth als Mitgift' in die Ehe bringt, stoßen im Schatze Friedrichs V. auf alte Bekannte, nämlich auf jene vier Perlen, die Charlotte von Bourbon, Tochter Ludwigs III. von Montpensier,. als Gabe von ihrer Base, der Königin Margarethe von Navarra, erhalten hatte. Die Prinzessin Charlotte war mit Wilhelm I. von Nassau-Oranien vermählt worden und hätte ihrer Tochter aus dieser Ehe, der Louise Juliane. die vier Perlen als Hochzeitsangebinde mitgeaeben. als sie vom Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz heimgeführt wurde. ' Der Winterkönig" war aber Sohn und Erbe Friedrichs IV. und der Kurfürstin Louise Juliane. Verfolqen ' wir ' nun das Schicksal der'acht.Perlen. König Karls I. von England, so müssen wir sehen, wie sie zunächst nach der Enthauptung Karls 1648 in die Hände des LordProtektors, Oliver Cromwell und dann in die des Sohnes Richard Cromwell übergehen, dann 1660 an den Sohn und Leibeserben Karls, König Karl II., zurückfallen, nach dessen Ableben aber eine votübergehendeTheilung erfahren, indem vier Karls II. Bruder, König Jakob II. (16851688), vier der Schwester Maria nach-

gelassen werden. Diese beiden Gruppen werden unter der folgenden Generation wieder vereint, da Jakobs II. Tochter Maria, dem Sohn Marias und Wilhelm II. von Oranien. also ihremBetter Wilhelm III. von NassauOranien die Hand zur Ehe reicht. Das Paar besteigt 1689 den Thron von England und verleibt dem Krön-. tresor die acht Perlen ein. Wenden, wir nun unsere Aufmerksamkeit den. 20 Perlen des vom Schicksal so arg. verfolgten Königspaares von Böhmen, zu. Nach der Schlacht am Weißen Berge" und bei der Hast des Aufbruches scheinen vier Perlen im Stiche gelassen worden zu sein. Jedenfalls tauchen vier schwarzePerlen im Schatze des Habsburgers auf, der hernach den Thron Böhmens, dann den des heili gen römischen Reiches bestieg. Fcrdinands II. Zwei dieser Perlen verblie ben durch die lange Reihe der Habsburgischen Herrsche? hindurch bei der Krone Oesterreich, bei Ferdinand III., Leopold I., Karl VI.. Maria Theresia, Leopold II., Franz I. und sind wohl noch heute im Tresor der Hofburg zu Wien zu finden, während die anderen zwei Juwelen im 17. Jahrhundert noch in den Besitz der Grafen von Schönborn übergingen. Die auf der Flucht aus Böhmen mitgenommenen und geretteten 16 Perlen wurden zu gleichen Theilen an Friedrichs V. Kinder vererbt, und zwar an den Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz und an Sofie, Gemahlin des Herzogs Ernst August von Braunschweig-Lü-neburg, 1701 Erbin von Großbritannien. Die acht Perlen dieser Fürstin fielen theils an ihren Sohn König Georg I. von England, theils an ihre Tochter, die Königin Sofie Charlotte von Preußen. Die von König Georg I. ererbten vier Stücke fanden traute Genossen im großbritannischen Schatz, die acht Perlen König Wilhelm III.. des Oraniers. Das Geschick der vier schwarzen Perlen der Königin von Preußen, Gemahlin Friedrichs I.. meldet kein Lied, kein Heldenbuch. Andererseits lassen sich die acht schwarzen Celebritäten, das Erbtheil des Kurfürsten Karl Ludwig, wohl traciren. Dieser Fürst hatte aus seiner ersten Ehe mit Charlotte von HessenKassel eine Tochter Elisabeth Charlotte, während ihm aus zweiter Ehe mit Marie Louise von Degenfeld, der Raugräfin", ebenfalls eine Tochter, Karoline, Raugräfin geboren war. Letztere vermählte sich mit dem Grafen Meinhard von Schomberg und erhielt vier Perlen zur Mitgift, die später von der Schomberg'schen auf die gräflich Schönborn'sche Familie übergegangen sind, so daß auch hier wieder zwei Gruppen zu zwei und zu vier Stück ihre Wiedervereinigung gefunden haben. Prinzessin Elisabeth Charlotte aber brachte ihrerseits vier Perlen dem Herzog Philipp von Orleans Balois in die Ehe. welche sich in gerader Liniean den Regenten Philipp von Orleans (gest. 1723). Ludwig Herzog von Chartres (qest. 1752), Ludwiq Philipp I. (gest. 1785). Ludwig Philipp Egalit6 (hingerichtet 1793). König Louis Philipp. Ferdinand PhilippLudwig, dann an den Grafen von Paris und an dessen Tochter, die Königin von Portugal, vererbt haben. Eulalia's Verlobung. Eine Novelle mit Trnckfehlern. Der Abend fang h:rab und der bleiche Mond lügte bereits zwischen den Birken hervor. Ueber den Thalern legte sich jener eigenartige Schleier, wie ihn die Dummerung zeitigt und das melancholische Rauschen des Buches bildete eine seltsame Maulodie zu der Feuerabendstimming. , Eulalia, die reißende Tochter des Frauherrn von Kirgelstein, lehnte an dem Stampf einer Weide und blickte traumverloren in's Weibe. Das Nichterscheinen Arthurs, ihres heimlischen Bräutigams, stürzte sie von dem Pferdestall ihrer Hoffnungen und eine Thräne glänzte aus ihrer Wanze. Wieviel romantischer Reiz umwob ihre Verlogung. Kein Mensch hatte eine Ahrung von dem Pfunde . ihres Herzens und Arthur bewies sich stets so treu wie Geld. Und heute ließ er auf sich warten. Tausend Zwiesel durchzogen die Seile Eulalias und stillweinend sank sie auf die Mostbank nieder. Da theilte sich plötzlich das Gebasch und mit einem Freudenschrei fuhr Eulalia empor. Allein es war nicht ihr geleibter Arthur, , welcher erschien, sondern ein grummig dreinblickender Jägersmann, welcher 'flüsterte: Zum Kuckuck, jetzt will ich mich auf den Anstand begeben und nun läuft mir als erste gleich so eine alte Schachtel in den Weg!" Eulalia aber sank geknickt zurück und gab sich ganz ihrem stillen Schmirze hin. Als Arthur nach dreiständigem Warten noch immer nicht erschien, saufzte sie: Der Elende, er hat mich also treulos verlassen wo soll ich nur schnell einen anderen hernehmen?" Da hub eine Schlachtigall zu nagen an und bei dem schmelzenden Fluten ging die verlassene Verlobte frisch beleibt durch den Quark in das Haus zurück. , Aus d e r H a u s a p o t h e k e. Freundin: Emma, wodurch bringst Du Deinen Mann eigentlich immer so zum Nachgeben." Junge Frau: Ganz einfaches Naturheulverfahren. Boshaft. Ich weiß nicht, wie ich den Helden meines Stückes sterben lassen soll!" Ganz einfach! Lassen Sie ihm einen Gedanken durch den Kopf schießen!" ErsierGedanke. Tochter (im neuen Kleide, eben vom Tode des Ertrinkens errettet): Mama . . . Ma ...'... mein Kleid färbt doch ab!"

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