Indiana Tribüne, Volume 20, Number 259, Indianapolis, Marion County, 6 June 1897 — Page 7

?lc JUlicnbuljUr.

' TZach dem Cnglischcn von Gtel Ja. meine Herren, die alte Wechsel waschine. die da pustet und schnaubt wie ein abgetriebenes Pferd, könnte ine Geschichte erzählen, wenn sie nicht so kurzathmig wäre. Es ist die Ma schine. die John Wright fuhr, als ich sein Heizer war. Laß sehen ich fahre nun drei Jahre ja. im September sind zehn Jahre darüber vergangen. John war ein stattlicher Bursche. Er war gut seine drei Ellen hoch und dazu war er breitschultrig. Aber außerdem war er eigentlich ein Sonderling. Ich sagte ih..l oft, tx brauche eine Frau, die auf ihn achtgebe. Haha! Er machte sich seinen 2hcc immer mit Wasser aus oem Dampfkessel und wenn ich ihn auslachte: Was für das Pferd gut ge nug ist. ist's auch für den Reiter, Harry. Es war ein eigener alter Bursche." War er denn ein alter Mann?" O nein; einige vierzig war er alt, denke ich; aber ich war damals erst 23 Jahre und er erschien mir alt im Vergleich zu mir. Er war, wie gesagt, unverheiratet und schien es auch bleiben zu wollen. Zu einem Frauenliebling war er freilich nicht geschaffen. Aber stille Wasser sind am tiefsten und John Wright hatte sein kleines Geheimniß. Etwa drei Meilen von der Stadt merkte ich gewöhnlich, daß er drei Pfeifensignale gab und stets über die Felder hinüberblickte, als ob er nach etwas ausschaue. Ich fragte ihn ein paar Mal, was es war, aber er. antwortete usweichend und lenkte das Gespräch auf etwas Anderes. Ich hielt indessen meine Augen offen. Es war im Winter, als ich Johu's Heizer wurde und die Uhr war gut acht Abends, wenn wir mit unseren Güterzuge auf dem Wege nach Barnham die besagte Stelle passirten. Sie wissen vermuthlich, daß die Strecke bergan steigt und wir hatten nie besonder schnelle Fahrt, zumal wenn wir diel.zu schleppen hatten. Aber alles was .ich , während einiger Monate entdecken 'konnte, war der dunkle Umriß Änes kleines Hauses, das eine Strecke weit fort in den Feldern lag. Vor dem Fenster hing eine rothe Gardine. Was meine Aufmerksamkeit darauf richtete, war der Umstand, daß jedesmal, wenn wir vorbei fuhren, das Fenster regelriäßig plötzlich hell wurde. .Auch in John Wright's Gesicht wurde es hell, sobald er das sah. Solch' ein Lächeln! . . Dann schien er eine Weile in angenehme Gedanken Dersunken. Die hellen Abende brachteu das Ge- . heimniß heraus. Es nützte ihm nichts, länger ein Schloß vor dem Mund zu halten; denn da. in dem kleinen Garten vor dem Hause, sah man ein hellrothes .Kleid, einen Sonnenhut id eine kleine Hand, die ein Taschentuch schwenkte, bis wir vorbei waren jeden Abend, so pünktlich, wie ein Uhrwerk. Nach und nach kam die ganzeWahrheit heraus. John und ihr Vater, der Weichensteller bei der Station Chubb, eine halb: Meile weiter auf der Strecke, war, waccn Jugendkameraden. John hatte Mliry Mathers von ihrer Geburt an gekannt, und als sie noch Kind war. setzte er ste sich aufs Knie und sagte, er wolle auf sie warten damals noch gewiß blos im Spaß, aber wie sie allmählich aufwuchs, merkte er, daß er bei ihr lieber war, als irgend sonst in der Welt. Dann erkrankte ihr Vater Tom Mathers. und ich erfuhr später, .vermuthete es übrigens schon damals daß John Wright vier Menschen statt' .eines mit seinem Lohne versi?rgte..Mary's Vater wurde nie mehr arbeitsfä.hig. Er lag Jahre lang halb unzurech- - nungs fähig, und dann starb er. Sie können glauben, John war ein Vater für die Vaterlose und ein Ver--sorger für dieWittwe. Wie gerne wollte .er, daß die Tochter sein werden sollte! Und Mary schien auch nichts dagegen in haben. Warum sollte sie auch? Sie datte nie jemanden kennen gelernt, den -sie, lieber hatte, und ein stattlicherer .Bursche. als John Wright hat niemals -in zwei Schuhen gestanden. Er ließ sie versprechen, daß sie die Lampe in dem Limmer mit der rothen Gardine anzünden würde, so oft er an dunklen Abenden auf seiner Maschine vorbnsauste, und an hellen Abenden ihm zu--winken würde. Das war etwas zum Mitnehmen, sagte er; es schlug ein warmes Herz in John. Eines Sonnabends Abends sagte er: Harry. könntest Du nicht morgen mit mir hinübergehen?" Wohin?" .Zu Mrs. Mathers natürlich. Ich möchte gern, daß Du meine Mary kennen lernst; dann kannst Du mir erzählen, was Du von meiner Liebste:: hältst." Bei diesen Worten erhielt sein Gesicht jenen abwesenden Ausdruck vor. stillem Glück, und ich wußte, er liebte das Madchn wie wenige Mädchen geliebt werden. Ja. ich ssing mit, und da wünschte ich. ich hätt: es nie gethan. Ich war sofort getroffen und fühlte, daß ich nie mehr derselbe Mensch werden würde. Gott verzeihe mir! aber seit jenem Sonntag Nachmittag fühlte ich zuweilen, daß ich John Wright haßte. Wenn sie so an ,';.-tnr stand, mitten zwischen itm H . 'd der Signalbude wie sie es ic:nD seit dem Tage, da ich mit Jol u .x.'gen war, that und ihm vers .'.t lwinkte und er ihr einen plui .. ;tß zuwarf, dann war nnt's, als .) ihn von der Locomotive hina '' Dann not'::;'-- r mich wieder einmal einen So . v ; i:t ihm in dem kleinen Hause ju t .c.?n. Ich suchte darum herumzutc-'.7.'. i:, ,ber er wollte von keinem Einwand- , ören, und ob es nun geschai-. urs r.nt Gefühle nicht zu verktzen, i::r i:. ' ich es nicht lassen konnte hinzu,?' kurz, ich begleitete ihn. Sp'ittr ich noch mehrere Male hin us'i u:ii:l)te mich immer mehr und mebr in Sctn'i Lieb-

I sie: Ist. wifi da Schlimmste war. leb

tonnte nicht blind dagegen bleiben, daß auch ich Mary keineswegs gleicbglltlg war. Aber das sage ich. daß ick nie versuchte Mary zur Liebe zu mir zu gewinnen und nie wurde zwischen unS ein Wort von Liebe gesprochen. Aber zuweilen schien es mir, als ob ich in John's Blick etwas Aengstliches sähe und da gelobte ich mir in meinem stil, len Sinne nicht öfter hinzugehen. Oft genug stand ich vorn auf der Maschine oder auf dem Tender, wenn wir während des Sommers den Zaun passirten und dann konnte ich es nicht unterlassen, ihren Blick aufzufangen, obwohl sie dem alten John zuwinkte.... Eines Abends zeitig im Herbste gin gen wir mit so flotter Fahrt, als es die Steigung erlaubte, und näherten uns dem kleinen Hause. John hatte mich mit meiner Petroleumkanne vorn auf die Locomotive geschickt, und ich konnte nicht umhin zu sehen, ob Mary dastand und am Zaune wartete. Ja, da war sie wie gewöhnlich, gerade vor uns, denn die Strecke machte eben an dieser Stelle eineBiegung nacht rcchts.Jch konnte ihr Kattunkleid erkennen und ihren kleinen weißen Hui derselbe, den sie getragen hatte, als ich sie an jenem Früh- -lingsabcnd zuerst in dem Garten sah. Ach, wie ich mich nach ihr sehnte! Und wie das alte häßliche Gefühl gegen John in mir aufstieg und meine Nerven im ganzen Körper zittern machte! Mary stand mit dem Rücken gegen uns, was sie sonst nicht zu thun pflegte, und ich erinnere mich, daß ich mich darüber wunderte. Nun ertönten die drei kurzen scharfen Pfeifensignale. Sie wandte sich augenblicklich um und warf die Arme hoch in die Luft, als ob sie verrückt sei. Wir brausten immer näher auf sie zu und ich sah in ihrem kreidedleichen Gesichte ihre Augen, die glühenden Kohlen glichen, auf mich stieren und konnte meinen Blick nicht von ihr abwenden. In demselben Augenblick sperrte John den Dampf ab und ich hörte ihn etwas thun, was er nie zuvor gethan hatte, die Maschine bremsen! Plötzlich schien Mary zu erwachen und einen fürchterlichen Traum vor sich erfüllt zu sehen, denn durch das Dröhnen des Zuges und den schneidenden Laut der Bremsen hörte ich einen durchdringenden Schrei. Es war ein Wt mein Name: Harry!" Natürlich geschah das allss in einer oder zwei Secunden. Ein halbes Leben teird manchmal in eine halbe Minute zusammengedrängt. Ich wandte meine Augen nicht von Mary's Gesicht, als wir an ihr vorbeipassirten, während sie zu Stein verwandelt dastand. Dann blickte ich vorwärts. Himmel! Was für ein Anblick! In starker Fahrt kam eine losgegangene Maschine, Tender voran, d:n Abhang herab auf uns zu Wir hätten sie auf der Station treffen cU len. Ich sah das alles wie einen Blitz. l Der Zug sprang wie ein unbändiges I rn r . . s c 'ii t sero uno am ganzen orper zinerno, war ich mit genauer Mühe noch im Stande, mich bis zum Fußbrette zurückzuschleppen. Da stand natürlich John Wright. Mir war's, als sähe ich ihn und nichts Anderes. Er hatte alles gethan, was in Menschenmacht lag, und stand nun ganz still, die Hand am Hebel. Aber nicht seine Ruhe war es, die mirThränen in die Augen trieb. Es war der Ausdruck in seinem Gesichte. Der ließ mich fast den Untergang, dem wir entgegeneilten, vergessen. Ich kann ihn nicht beschreiben. Er sah aus wie ein Mensch, der nichts mehr hat, wofür er leben kann, dessen Hoffnung mit einem Male für immer zunichte gemacht worden ist. Sobald er mich zu sehen bekam, veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Er sprang mir entgegen, fahte mich mit einem eisernen Griffe am Arm und flüsterte heiser, aber deutlich: Spring ab, mein Junge. Du hast Zeit, Du kannst es thun! Spring ab um ihretwillen sie liebt Dich, Junge sie liebt Dich! Um ihretwillen, Harry!" Nein, John!" antwortete ich. Beeile Dich!" sagte er. Harry, Harry, spring' ab um Mary's willen!" Ich setzte das eine Bein aus der Maschine das Leben war theuer und schickte mich an, in das Gras hinabzuspringen. Da wurde ich von einem überwältigenden Gefühle für diesen Mann ergriffen, ich faßte ihn bei der Hand und sagte: John, wir wollen zusammenhalten und zusammen sterben, wenn es Gottes Wille ist. um ihretwillen" Er sandte mir einen herzensguten Blick zu, trat vor mich, als ob er sich mit seinem mächtigen Leibe zwischen mich und den Tod stellen wollte, und da kam ein Krach, wie wenn Him mel nnd Erde zusammenstürzten, und mir schien, daß ich mich mehrere Male überschlug, darnach war es, als ob sich die ganze Erde erhöbe und mich zersckmetterte. und dann wußte ich von nichts mehr. Ich erwachte aus einem wirren Traume, der ein Leben gedauert zu haben schien, und öffnete die Augen, nur iyIb bei Bewußtsein und nicht ganz siqer, ob ich nicht ncch träumte. Wieder versank ich in tiefen Schlaf, und ich erinnere mich, ich alauöe. ein paar freundliche Augen, die dte meinen trafen, gehörten meinem Schutzengel. Und so war es wirklich. Denn wie ich meine Augen wieder öffnete, tauchte mir die ganze Vergangenheit mit Mary's kummervollem Antlitze auf. Ich legte meine Hand auf die Bettdecke und sie legte sanst die ihre darauf. Glauben Sie mir das war meine ganze Werbung. Wir hatten zu viel zusammen durchgemacht, um viele Umstände nöthig zu haben. Wo ist er?" Ich weiß nicht, ob die Worte über meine Lippen kamen; aber sie verstand die Meinung, denn aus ihrem Busen zog sie eine schwarzgeränderte Karte und hielt sie mir vor Au gen, während die ihrigen sich mit Thra

nen füllten. Ich laö:'Zur liebevollen Erinnerung an John Wright, der aus seinem Posten starb."

Im (Garten. von H. Waldemar. ES mag unfreundlich klingen, aber Thatsache ist es. daß meine Schwester in Wuth war, als sie von einem Diner, zu dem sie geladen gewesen, nach Hause kam. Sie fegte in das Zimmer wie ein Wirbelwind, Empörung verrieth jede Bewegung ihrer königlichen Gestalt. Ihr zuzusehen, wie sie die langen Handschuhe von den Fingern zerrte und auf den nächstenTisch warf, an dem sie vorüber kam, wie sie ihren Fächer folgen ließ und schließlich am Kamin stehen blieb mit der Miene tu ner beleidigten Gottheit, das war schon werth, stundenlang auf sie gewartet zu haben. Was ist los. Dora?" Los?" Sie drehte sich achselzuckend von mir ab, ich jedoch war unverfroren genug, leise vor mich hinzupfeifen. Aber da kam ich schön an. Thu mir den einzigen Gefallen und höre mit dem abscheulichen Pfeifen auf." rief sie heftig. Darauf Schw?igcn nur unterbrochen durch da regelmäßige Geräusch ihres aufschlagenden Fußes. Ich werde Flora nie mehr gut sein, nie!" stieß sie plötzlich hervor. Und vor drei Wochen schwort Ihr Euch ewige Freundschaft! Großer Gott, ist so die Liebe der Frauen bestellt? Was that sie denn? Hat sie Dir einen Tänzer weggekapert?" Als ob mich das störte!" erwiderte Dora und warf den Kopf zurück. Was dann? Du mußt schon deutlicher sein, wenn ich mit Dir fühlen soll. Zum Rathen bin ich viel zu schläfrig." Ein Junge war dort begann sie ernsthaft. Ein Junge? Mein Gott " Alex, wenn Du so unausstehlich bist, gehe ich in mein Zimmer. Natürlich meinte ich damit nicht ein Kind obwohl er so aussah und sich einbildete, ein Mann zu sein. Da alle übrigen Gäste verheirathet waren, so führte er mich zu Tisch, er, ein kleines, fast weißhaariges Geschöpf mit einem Gesicht wie Milch und Blut. Dabei reichte er kaum bis zu meinem Ohre." Deshalb braucht er nicht schlecht zu sein. 'Ich habe dieselbe Größe. Dora!" Er schien so einsam und schüchtern zu sein, er .that mir leid. Ich dachte, er sei nicht gewöhnt in Gesellschaft zu gehen, und bildete mir ein. ihn bemuttern zu sollen wie eine Schwester. Und so nahm ich ihn unter meine Fittiche." Na. und ? Machte er Dir gar einen Antrag?" Antrag? Mir? Dann hätte er etwas zu hören bekommen! Aber so erfuhr ich es erst, als es zu spät war. Der gräßliche kleine Kerl ging sehr frühe und kaum hatte sich die Thür hinter ihm geschlossen, als Flora auf mich zugeschossen kam und mich fragte, wie er mir gefiele. Natürlich sagte ich. er sei so interessant wie alle Jungens. Da lachte Flora und klärte mich auf. Er sei ein Mann, wohl die beste Partie in der Gegend, sie hätte ihn um meinetwillen eingeladen und er, den sie auch über mich gefragt, hatte die Unverschämtheit, zu sagen, ich gefiele ihm sehr gut." Und war thatest Du darauf?' Ich weiß nicht mehr genau, jedenfalls habe ich viel geredet, weil Floras unausstehliches, spöttisches Lachen mich immer mehr reizte. Sie sagte, daß er viel älter sei als er aussehe, daß er ein ausgezeichneter junger Mann wäre, ein bedeutendes Einkommen und brillante Aussichten hätte." Arme Schwester! Nun verstand ich ihre Wuth. Sie, die stolze, unnahbare Dora. welche die Herren nur aus der Ferne verehrten, hatte sich während eines ganzen Abends diesem Muster von Vorzüglichkeit cn den Kopf geworfen. Und doch etwas in der Befchreibung dieses Musiers war mir vertraut. Wie hieß er denn?" fragte ich daher mit plötzlichem Interesse. Schwarz ich glaube, Flora nannte ihn Markus. Kennst Du ihn?" Markus Schwarz! -Markus, der mir im vergangenen Jahre in Norwegen das Leben rettete!' Derselbe Markus, den Du so gerne sehen und kennen lernen wolltest.. Ich wußte nicht, daß er hier war." Ich glaube es nicht." stieß sie hervor. glaube es nicht, daß er Dein Leben rettete. Und wenn auch, mir ist er jetzt noch ebenso verhaßt wie vorher. Ich wollte, auch Du hättest ihn nie gesehen!" ' ' " ' Nie gesehen! . Markus Schwarz, den ich als guten Kameraden, als famosen Schützen und leidenschaftlichen Bergsielger kannie und liebte! Er trug seine sechsundzwanzlg Jahre unter tu nent fast lächerlich kindlichen Aussehen und verbarg hinter schüchtern zu Boden geschlagenen Augen eine Fülle herrlicher Eigenschaften. Emige Wochen später begleitete ich Dora auf einen Ball. Da wir elternlos sind und die Schwester nur im Schutze einer alten Tante lebt, fällt mit die Rolle der Vemutterung zu. die ich getreulich erfülle. Dora ist eine begehrte Tänzerin und so vergehen zwei Stunden, ehe wir wieder zusammentreffen und Gelegenheit haben, ein paar Worte zu sprechen. Wir ziehen uns in einen Winkel zurück und laben uns an Eis und Eonfect. Plötzlich läßt meine Schwester den Teller sinken und sagt, halb zu sich: Da ist er schon wieder!" Er! Wv denn?" Dieser Knabe Dein Freund. Den ganzen Abend hat er mich verfolgt" .

Ich weiß nicht, ist 8 der Schaum wein, der mir in den Ohren braust, oder hat'Dora'ö Stimme wirklich ge zittert, als sie die wenigen Worte sprach; sehe ich nicht mehr klar oder wechselt ihre Gesichtsfarbe thatsächlich von tiesster Blässe zum schönsten Roth . . . r Markus, den ich vorher schon bearüßt hatte, kam näher, schüchtern wie immer. Das ist unser Tanz, gnädiges Fräulein. Wir wollen ihn nicht durch sitzen," sagte er. umfaßt ohne Weiteres meine schöne Schwester mit einer Si cherheit und einer Bestimmtheit, die ihren Willen, bei mir zu bleiben, gar nicht zur Geltung kommen läßt, und mischt sich unter die Tanzenden. Ich beschloß, der erstickenden Atmosphäre im Saale zu entgehen, holte mir aus der Garderobe meinen langen Mantel und meinen Schlapphut, den Dora so häßlich fand und trat in den Garten hinaus. Es war eine klare, sternhelle Nacht, etwas kühl, aber angenehm nach der Hitze drinnen. Ich zündete mir eine Eigarette an und suchte mir ein geschütztes Plätzchen. Die Klänge der Musik drangen bis zu mir. Ich lauschte ihr mit Behagen. Plötzlich schwieg sie und mir fiel es ein, daß ich für den nächsten Tanz engagirt war. Schade, ich wäre so gerne noch draußen geblieben. Langsam wendete ich mich dem Hause zu. Unweit desselben traf, ich Markus, der mich sicher hier nicht erwartet. Er lehnte gegen einen Baum mit einem Ausdruck völliger Verzweiflung in dem bartlosen Gesichte. Alter Freund, was ist geschehen?" Nichts nichts ," antwortete er etwas verlegen. Es war mir nicht recht wohl fürchterliche Hitze im Saale . . . ." Das stimmt," gab ich zu. Willst Du eine Eigarette?" Bitte! Es ist hier aber doch sehr kalt," meinte er, immer noch mit seiner Verwirrung kämpfend. Nimm meine Kleider, ich bin zum nächsten Tanz engagirt." BrauchstDu sie wirklich nicht, dann bitte, gieb " Ich aebe ihm Mantel und Hut, er hüllt sich hinein und während ich weitergehe, bleibt er unbewußt gerade vor einem hellerleuchteten Fenster stehen, um seine Eigarette anzuzünden. In diesem Augenblick fliegt etwas Weißes an mir vorüber mit einem Frou-Frou, das ich kennen sollte und sehe, mich umdrehend. Dora mit beiden Armen den Träger meines Mantels umfassen und ihr stolzes Köpfchen auf seine Schulter legen. Markus ist natürlich nicht weniger verblüfft als ich. Doch wußte er sich sehr geschickt aus der immerhin peinlichen Situation zu ziehen. Beruhigend klopfte er. ohne ein Wort zu sagen. Doras Rücken. O. Lex. Lex." schluchzte sie, wir wollen nach Hause, ich kann hier nicht länger bleiben. Ach, was habe ich gethan!" Sie schluchzte heftiger. Er er hat mich gefragt, ob ich ich seine Frau werden wollte und ich ich sagte nein, ich möchte ihn nicht ein bischen leiden und und o. das ist ja nicht wahr, ich liebe ihn ja, liebe ihn so sehr " Nachdem sie alles so hervorgesprudelt, umfaßte sie ihr Opfer fester und küßte es innig. Ach. Alex, ich bin das unglücklichste Geschöpf der Welt!" Mein Liebling." sagte Markus ruhig und zärtlich, es mag sein, daß Du das unglücklichste Geschöpf der Welt bist ich widerspreche einer Dame nie aber damit hast Du mich zum glücklichsten Manne der Welt gemacht." Dora fährt von ihm zurück mit einem Aufschrei, den er dadurch dämpft, daß er sie wieder an ihre vorige Stelle zurückzieht, von welcher sie es muß gesagt sein auch nicht die geringsten Anstrengungen macht, sich zu befreien. Es folgen dann einige zärtlich thörichte Auseinandersetzungen, gedämpft durch inniges Auseinanderdrücken ihrer Lippen! Ich fühle mich plötzlich höchst überflüssig und behalte mir meinen brüderlichen Segen für eine andere Gelegenheit vor ... . Der älteste Roman. Der älteste Roman ist wohl die Geschichte zweier Brüder", verfaßt vor 3200 Jahren von dem thebanischen Schriftsteller Ennana, dem HofbuchHändler" des Königs Meremptah, des

vermuthlichen Pharaonen zur Zeit des Auszugs aus Aegypten. Die Erzahluna wurde wahrscheinlich zur UnterHaltung des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Seh n. geschrie ben. Sein Name erscheint an zwei Stellen des Manuscripts, als das ver muthliche einzige Autograph eines ägyptischen Königs. Der auf 19 Papyrusblättern in hieratischerSchrist geschriebene Roman wurde in Italien' von der Frau d Orbmey erworben, 1857 aber ay das Britische Museum verkauft, wo er sich noch jetzt unter der Bezeichnung Orbiney'scher Papyrus" befindet. Seitdem sind auch andere Proben altägyptischer Dichtungen ' zu Tage gefördert worden, die zu beweifen scheinen, daß das Nilthal nicht allein die Geburtsstätte der Künste und Wissenschaften, sondern auch die Wiege der schönen Literatur gewesen ist. Herodot betrachtete zweifellos manche von dort herstammende Dichtungen als Thatsachen-und fügte sie so in gutem Glauben semer Geschichte Aegyptens ein. Ebenso unterstützten arabische Erzähler im Mittelalter ihre eigene Phantasie durch zahlreiche Züge aus derselben Quelle. F a t a l e !Ä i r k u n ,Me wirkte denn der Aufenthalt an de? See auf Ihre Gemahlm Ack. sie k'ttt mir jetzt nur noch gesalzere Gardinen-edigten."

Cfotlschcr Vcsllch. Somdctsch Pra Paramlndr Maha Tschulalongkorn, König von Siam, König der Laoten, Malaien, KariengS u. f. w., hat eine Rundreise durch Eu ropa angetreten und gedenkt einige Monate in der Schweiz zu verweilen. Es ist daö erste Mal. daß ein ostasiati. scher souveräner Herrscher daö Abend' land besucht, ja es ist in der Geschichte der ostasiatischen Reiche überhaupt noch kaum vorgekommen, daß ein Kaiser oder König für eine friedliche Reise die Grenzen seines Gebiets überschritten hätte. Es wäre ein großer Irrthum, den König von Siam, kurzweg Tschulalongkorn genannt, in dieselbe Kategorie zu stellen mit den Königen seiner Nachbarländer Anam und Kambodscha, selbst mit den Kaisern-von China und Japan, oder in ihm und seiner Umgebung Persönlichkeiten eines halbbarbarischen, mit europäischen Sitten und Bräuchen unvertrauten Hoss zu erwarten. Der einzige Fürstenhof

Konig Tschulalongkorn. Asiens, der jenen von Siam an europäischer Cultur übertrifft, ist jener des Mikado, doch steht dafür die Person des Königs von Siam in Bezug auf abendländische Bildung. Wissen und Staatskunst weit über jener des Kaisers von Japan. Tschulalongkorn erhielt seine Erziehung von europäischen Lehrern unter der Leitung seines Vaters, des berühmten Königs Mongkut, jenes Herrschers, der Siam dem Außenhandel erschloß, Europäer an seinen Hof zog. Handels- und Freundschaftsverträge mit den europäischen Mächten abschloß und durch die Unterstützung aller industriellen und commerziellen Unternehmungen sowie die Schaffung einer eigenen Handelsmarine die ungeheuren natürlichen Reichthümer des Landes zur richtigen Gel-, tung brachte. Als dieser von seinem Volk wie eine Art Harun-al-Raschid verehrte Fürst im Jahre 1863 starb, stand sein Sohn und Nachfolger, der jetzt regierende König, im 15. Lebensjahre. Wohl wurde er schon damals gekrönt, allein er gelangte erst 1873 nach erreichter Großjährigkeit zur Regierung. Während seiner Minderjährigkeit trat er, den Sitten des Landes folgend, in ein Buddhistenkloster, wo er alle Novizendienste berichtete, aber auch für seine Herrscherpflichten erzogen wurde. Seit seiner Thronbesteigung hat das Land bedeutende Fortschritte gemacht. Siam besitzt Eisenbahnen und ein ausgebreitetes Telegraphennetz, regelmäßige Dampferverhindungen mit den Nachbarländern, einen regelmäßigen, im Weltpostverein stehenden Postdienst und ein geordnetes Münzwesen. Am meisten that der König jedoch für feine Hauptstadt, wo in dem letzten Jahrzehnt europäische Stadttheile, ebensolche Schulen und Hospitäler, Pferdebahnen u. s. w. entstanden sind. Es geschah viel für die Verbesserung der bis dahin elenden fanitären Zustände, Organisirung einer Sicherheitswache, Reinigung und Beleuchtung der Straßen. Ebenso wurde die alte umständliche Zeitrechnung durch die moderne westeuropäische Zeitrechnung ersetzt, mit dem einzigen Unterschied, daß Neujahr auf den 1. April fällt. Das Schreckenskind. Tante: Nein, Fritzchen, das ist zu nett, daß Ihr. mich heute besucht!" Fritzchen: Papa sarte gleich: was soll man bei dem Wetter sonst anfangen !' -? Auch ein Standpunkt. A.: Warum verheirathen Sie sich ! tff ' i ntä m - ernt. ijc rigeninaz ntaju rnc lamc icg denn dazu, die Tochter eines wildfremden Menschen zu ernähren?" Richtig ausgelegt, .Ach." meint ein eingebildeter Poet, wie ich Heuer über's Meer fuhr, war ich unglaublich produktiv!" Aha," lächelte sein Nachbar, Sie hatten wohl die Seekrankheit?" Daher. Herr: Aber Sie schauen schießt aus und so traurig kommen S' mir vor fehlt Ihnen 'was?" Ehemann: Sie fehen an mir die Folgen der Arbeitstheilung. Ich habe Arbeit und Sorgen übernommen, während meine bessere" Hälfte das Vergnügen für sich bean-kprucht.".

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In schwindelnder Höht. In längst verflossenen Zeiten ha! eö tollkühne Aequillbrlsten gegeben, welche vov den schwierigsten Aufgaben nicht zurückschreckten. Die Geschichte berichtet, daß im Jahre 1385 beim Einzüge der bayrischen Prinzessin Jsabella in Paris ein Genuese auf ei nem Seile von dem Thurme der Notre Dame Kirche herabglitt und der er staunten Fürstin eine Krone auf das Haupt setzte. Beim Eintritt der Dun. kelheit stieg der Mann, in jeder Hand eine Fackel hattend, das ' Seil hinan und glücklich gelangte er auf die Spitze des Thurmes. Unter den Artisten dieses Gvlre war in neuerer Zeit der berühmteste der jüngst verstorbene Blondin, welcher seinen Weltruf dadurch

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begründete, daß er den Niagara aus einem Seil überschritt, das in einer Höhe von 100 Fuß über den Wasserspiegel gespannt war. Trotzdem dieses Kunststück als das Nonplusultra von Tollkühnheit angestaunt wurde, ist es thatsächlich gar nicht einmal etwas so besonderes und zahlreiche andere Aequilibristen haben Schwierigeres voll--; bracht. Was wäre geschehen, wenn Blondin das Gleichgewicht verloren und von dem Seile gestürzt wäre? Er wäre in das vollständig ruhige und sehr tiefe Wasser gefallen und aller Wahrscheinlichkeit nach gerettet worden, falls er selbst nicht im Stande gewesen wäre, das nächste Ufer schwimmend zu erreichen. Ein bei Weitem gefahrvolleres Kunststück hat der Canadier Warner ausgeführt, welcher den furchtbaren Abgrund d? Tequendama, der ca. 60 Meilen von Bogota, der Hauptstadt von Columbia, belegen ist, auf einem Drahtseil überschritt. Der Tequendama durchströmt eine herrliche Ebene und bricht dann seine Bahn durch eine ca. 30 Fuß weite Felsenöffnung. Ueber 600 Fuß tief herabstürzend bildet der Fluß einen der großartigsten Wasserfälle der Welt, worauf er sich mit dem Magdalenenstrom vereinigt. In der Höhe von 479 Fuß nun hat Warner diesen furchtbaren Abgrund überschritten. Die geringste Anwandlung von Schwindel wäre sein Tod gewesen, da er nicht in tiefes Wasser gefallen, sondern sein Körper an den Felsen zerschmettert wäre. Moderner Damenhut. Praktischer Vorschlag, mit besonde rer Rücksicht auf die bei öffentlichen Festlichkeiten hinter den Damen sitzenden Herren. Ersatz. ' Bettler: Wenn der Herr vielleicht einen alten Hut hätten, meine kahlm Schläfe zu bedecken?!" Dichter: Hut? Leider nicht aber vielleicht können Sie einen alten Lorbecrkranz dazu verwenden?!" UnangenehmeLeute. Wamperl (eben in ein Restaurant ge-1 treten): Geh.Alte. da sind dieSchmids ' und Hubers. da gehn wir wieder ich 1 kann die Leut' net leiden, die einem ' beim Essen jedes Spanferkel in den Mund zählen!"

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Trost. lSteirisch). Wr bin i', nix hon i'. EL hat mi' neamd gern.... Jetzt frag' i', sollt oana do Traurig net wer'n? Ni? sing'n, ni? tanz'n. m trefs'n mit der Büchs' Probirn thua i' alles. Aba kina thua i' nix.

.tf Es kann mi' neamd tröst'n, Net helf'n in der Noth; Wann's länger so sctgaang' Waar' i' liaber glei' todt!" Auf oamal der Peter Schreit auf und hat g'lacht: Net wohr is's! Wia hätt' i'' Dös Liadel sonst g'macht!" Sie ist etwas. Mutter (scheltend): Worauf bist' Du denn so stolz? Was bist Du denn, eigentlich?" Tochter (würdevoll): Ich bin daöIdeal eines sehr netten jungen Man nes." Der richtige Stern.. Na, na, mich macht ihr nicht irr' ich find' den richtigen. Stern doch, 'raus!" Aus Erfahrung. x- ß M Sohn des Hauses (seit Kurzem verheirathet. zu seinem Vater): Ich möchte Dich bitten, lieber Papa, mich von der alljährlichenGeschäftsreise, die ich zu machen habe, zu entbinden, ich kann mich von meiner herzigen Jda nicht mehr trennen!" Comerzi:nrath: Hm, nun inci netwegen! Herr Walter soll Deine Tour übernehmen, vorläufig we niastens. denn später wirst Du schon, wieder reisen wollen!" Wink. - .i.-'-lHi ,' Mein Fräulein, mir hat neulich ge träumt, ich gäbe Ihnen einen Kuß.Ach. ich l'ebe als Realistm Tranmer nicht!" Vertheidiger: MeineHerren Geschworenen! ich appellire nicht an Ihr gutes Herz, aber bedenken. Sie: Heute mir. morgen Dir!" ' Störend. Dichterling (zu seiner Gattin): Geh' einen Augenblick aus dem Zimmer, Eulalie ich will die Schönheit besingen!" Boshaft. Wie, bei diesem kalten Wetter, Frau, willst Du baden gehen? Da schnatterst Du ja noch mehr wie sonst!"

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