Indiana Tribüne, Volume 20, Number 259, Indianapolis, Marion County, 6 June 1897 — Page 3
Eine internatiomUc Ehe Von ZUadame ZZigot. (9. Fortsetzung.) Raoul war nicht in gesprächiger Stimmung. Er setzte sich an snnen Tisch und arbeitete ruhig. Seine Zeich, nungen hatten einen größeren Erfolg, als er und der Kunsthändler vorausgesehen hatten, so daß die ursprünglich festgesetzte Zahl nicht genügte, und so widmete er jetzt sogar einen Theil des kostbaren Tageslichts dieser Arbeit, die ihm leicht von der Hand ging und ihm um so mehr Vergnügen machte, als der Händler aus freien Stücken den anfangs vereinbarten Preis erhöht hatte. Raoul war glücklich, als er Miriam diesen Erfolg mittheilen konnt?, allein sie war glcichgiltig geblieben, denn das alles erschien ihr so armselig, so kleinlich. Was thut sie? Was spricht sie? Wie ist sie gekleidet?" dachte er wisder und wieder bei sich, während er zeichnete, denn er wußte nichts von ihrem Klstüm. Seit ihrem Streit hatte sie we6er von ihrer Kousine. noch von ihrem eigenen Thun und Treiben gesprochen. Mit Schauder Machte er daran, wie sie ihm damals khren Haß gezeigt hatte, und fürchtete eine Wiederholung. Wahrend der letzten vierzehnTage hatte eine Art von Waffenstillstano zwischen ihnen bestanden, und es war so weit gekommen, daß er selbst einen Waffenstillstand vergleichsweise als Glück ansah. Ein scharfes Klingeln ließ beide Männer auffahren. Das Dienstmädchen hatte sich schon schlafen gelegt, weshalb Raoul iie Lampe ergriff und nach der Thür ging. Als er bald darauf zurückkam, trug er einen ziemlich dicken Brief in der Hnd. Nun, was gibt's?" Ich habe keine Ahnung. Ein Mensch in einer Act von Geschäftslivree. wie mir schien, fragte mich, ob ich MonsieurRaoul Bertrar, d sei, übergab mir dann dies und verschwand. Wahrscheinlich vom Kunsthändler." Möglich." Raoul stellte 'die Lampe hin und öffnete den Umschlag, der ziemlich groß uno von starkem Papier war, wobei ein Ring auf den Tisch siel. Ganz verblüfft sahen sich die Freunde an. Pierre nahm den Ring neugierig auf, während Raoul vo:las: Geehrter Herr! Wie Sie sich entsinnen werden, erwiesen Sie mir vor einiger Zeit die Ehre Ihres BesucheZ, um die kleine Rechnung Ihrer Frau Gemahlin zu begleichen und mit mir Rücksprache über das historische Kostüm in silbergrauer und blauer Seide zu nehmen. Sie kamen am folgenden Tage wieder, in. der Meinung, bei der erwähnten Gelegenheit einen Ring verloren zu haben. Unsre Nachforschungen waren damals vergeblich, so daß wir mit Ihnen annahmen, er sei Fhnen bei einer andern Veranlassung abHanden gekommen. Gestern Abend ist er jedoch ganz zufällig aufgetaucht, ols ein schweres Stück Möbel beiseite gerückt wurde. Da ich weiß, daß Ihnen sehr viel daran gelegen ist, säume ich keinen Augenblick. Ihnen den Ring hiermit zurückzusenden. Mit der Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung verbleibe ich Ihre ergebenste Karoline Renault. I. 8. Als wir das Valois-Kostiim besprachen, vergaß ich, Ihnen mitzutheilen, daß wir es infolge der Schwierigkeit, die Tracht jener Tage genau nachzumachen, nicht zum Preise eines gewöhnlichen Balltteides liefern können. Es stellt sich auf fünfzehnhundert Flanken. Sie werden diese kleine Erhöhunz gewiß gerechtfertigt finden." Raoul war toötenbleich geworden, und das Blatt zitterte in seiner Hand. Er wagte nicht, sich die Bedouöung d:s Briefes klarzumachen. Pierre, mein guter Pierre, was soll das alles bedeuten?" Ohne zu antworten, nahm Pierre ein Stück Siegellack, wärmte es und drückte den Ring darauf. Kennst Du dieses Wappen?" Raoul betrachtete den Abdruck lange. Ja, er hatte 'das Wappen auf BriefPapier und Visitenkarten vor geraumer Zeit geseben. Er erinnerte sich seiner, weil er selbst schon in jenen Tagen einen tiesen Haß gegen Miriams vornehmen Bewerber empfunden hatte. Es ist das Wappen des Fürsten von Cavalmonte." Das dachte ich mir." Raoul sprang mit einem wüthenden Fluche auf. Ich muß ihn finden, sofort finden. Er soll von meiner Hand sterben, oder mich todten." Dann fiel ihm plötzlich etwas ein, und er umklammerte den Arm feines Freundes wie ein Schrau'bstock. Warum dachtest Du Dir gleich, daß es das Wappen des Fürsten von Cavalmonte sei? Ist über sie geredet worden, uno bin ich der letzte, der etwas davon erfährt? Und Du nennst Dich meinen Freund?" Erst vo? zwei Tagen habe ich Deine Frau getarnt, daß sie sich bloßstelle. Sie schwor mir, daß der Fürst nicht ibr Geliebter sei, uno ich habe ihr geglaubt, denn bei allen ihren Fehlern ist sie wahrheitsliebend, und ich glaube ihr noch. Der Mensch hat mahrscheinlich von ihrer Verlegenhnt gehört und ihre Schulden unter Deinem Namen bezahlt. Sie hal'Z zugelassen Und ist nun in des Fürsten Gewalt. Deine Pflicht ist es. sie daraus zu befreien, tffrer Du mußt vor allem ruhiger sein. Raoul. Höre mich an: Du weißt, daß ich keine besondere Vorliebe für Deine Frau habe, daß ich in .ihr stets eine Feindin Deines Friedens gesehen habe, deshalb kannst Du mir glauben. Sie kann noch gerettet werden, aber wir müssen jeden Skandal vermeiden, und darum wäre ein Zweikampf die reine -Thorheit." Und ich soll zugeben, daß er für re feinen Kleider bezahle?"
Du soNP tym morgen 'den Betrag wiedererstatten, er mag noch so hoch sein. Wie Du weißt, habe ich mein altes -Geschäft verkauft, - da ich doch keine Neigung für meine Arbeit hatte, und beabsichtige, mir vom Erlöse eine Leibrente zu errocröen, die mich wenigstens vor dem Verhungern schützen wird. Nimm, so viel Du gebrauchst; Du kannst es mir wied:rgeben, wann's Dir paßt." Ohne ein Wort zu sprechen, drückte Raoul seinem Freunde die Hand und sah dann mit fieberischer Hast nach seiner Uhr. Es ist noch nicht sehr spät, und da wir heute Mittfasten hab:n. werden wir die Gsschäfte der Kostümverleiher noch offen finden. Komm mit, Pierre, in Domino und Maske wird uns niemand erkennen. Miriam darf niicht ein: Minute länger auf diesem Balle bleiben; sie muß mir folgen, sie wird mir folgen." Pierre, der eine Gewaltthat furchtete, versuchte seinem Freund abzuralhen. allein ti sah. daß jeder Einspruch vergeblich war; er reizte Raoul nur noch mehr. So willigte er dzn.i ein, mitzuizchen, um wenigstens ernen offenen Skandal zu verhindern. Der Krach, den er, wenn auch nicht so bald, erwartet hatte, war also g:kommen. Vierundzwanzigstes Kapitel. Silas Blizzard hatte es abgelehnt, sich zu maskiren, denn er billigte Maskenballe im allgemeinen nicht, wenn er auch nicht genau wußte, warum. Er meints, sie hätten irgend eine geheim: Beziehung zur Papisterei. Alles, was Mattie von ihrem Herrn und Gebitter erreichen konnte, war, daß er 'das Fest nicht geradezu verbot und sich bereit erklärte, im Domino zugegen zu sein. Trotz seiner puritanischen Anschauungen mußte Silas zugeben, daß der Ball einen hübschen Anblick gewährte. Seine Pflichten als Hausherr waren nicht besonders schwierig oder aufreibend, da sie vorzugsweise darin.bestanden. Leuten, die er nicht kannte, die Hand zu schütteln. Er ha deshalb Zeit genug, sich umzuschauen. Die großen, schönen Räume waren mit einer bunten Menge gefüllt, fcie sich mit der Freiheit, ja Ausgelassenheit bewegte, welche von solchen Festlichkeiten unzertrennlich ist. Die Musik war ungewöhnlich geräuschvoll und verführerisch. und freier als sonst schwangen sich die Paare im Tanze. Unter dem Schutze der kleinen schwarzen Sammtmaske ließen sich Frauen Dinge sagen und sprachen selbst welche, die sie unmaskirt weder angehört, nach geäußeri hätten. Viel: nahmen nach der ersten Stunde int Larve ab, und ihre gl'änzenden Augen und leicht gerötheten Wangen wurden durch die Kostüme ins beste Licht gerückt. Im allgemeinen führten die Damen ihre Rollen besser durch als die Herren, die häufig mit dürftigen Beinen ausgestattet waren. Vielleicht war in iien Tagen der Kniehosen das Menschengeschlecht etwas kräftiger. Unter der ganzen bunten Menge erzielte keine Gruppe einen solchen Erfolg, als die, die den Hof der Valois zur Darstellung brachte. Die zum engeren Kreise zugelassenen Herren hatten ihre Befehle in Betreff der Kostüme erhalten, so 'oaß kein Mißton den harmanischen Eindruck störte. Und von der ganzen Gruppe war Miriam die anerkannte Königin. Es schien, als ob ihre blendende Schönheit Licht auöstrahle. Wo sie vorüberging, machten ihr alle unwillkürlich Platz, und ein Murmeln der Bewunderung folgte ihr. Auch sie hatte die Maske abgenommen, und ihr Antlitz strahlte vor befriedig ter Eitelkeit. Sie wußte, daß sie unwiderstehlich schön war. Ihr über einem hellblauen Unterkleid gerafftes Gewand von silberartig schimmerndem Atlas hatte ein seh üt ausgeschnittenes Mieder, und ein Mediciskragen von Silberfiligran stand steif von ihrem Nacken ab, während in ihrem nach der Mode jener Zeit ge machten Haar eine silberne Aigrette steckte. Der Fürst als Herzog von Guise trug, wie er vorausgescrgt hatte, die Farben seiner Dame, indessen war 'das Blau feines Wamses einen Schatten dunkler, als das ihres Kleides, und das Grau war nur durch die Trikots vertreten. Seine Beine gehörten nicht zur dünnen Sorte; er sah sehr gut aus und war stolz, die Rolle von Miriams hingebendem Liebhaber zu spielen. Obgleich Mrs. Blizzard sehr wohl wußte, daß sie als Königin Margot in rosa- und crmefarbigcr Seide sehr schön aussah, fühlte sie doch, daß sie nicht das sei, was sie hätte sein sollen: der Mittelpunkt der Hofgesellschaft, und daß, wie bei mancher andern Königin. der ihr gebührende Ehrenplatz von einer ihrer Hofoamen eingenomrnen werde. Mrs. Blizzard war darüber mißvergnügt und meinte. Miriam sei ein etwas gefährlicher Schützling. Dies'.r gestattete dnn Fürsten mcht. sich stets in ihn Nähe aufzuhalten, denn sie wollte auch mit andern tanzen und andre Anbeter auslachen. Von einem Arme wanderte, sie in den andern, wie es die versprochenen Tänze fügten, und überließ sich mit einer fast wahnsinnigen Hingabe dem Vergnügen des Augenbliös. Ohne zu ermüden, lachte und sprach si: ein wenig z,u viel und zu laut, und trotzdem blieb ihre Schönheit unbeeinträchtigt, nur ihre Wangen erglühten. Endlich kam der Fürst wieder an die Reihe, und er nahm sein Recht mit einem leisen Zittern in der Stimme in Anspruch, das Miriams Aufmerksamkeit nicht entging. Sie wußte, daß ste mit dem Manne, der von Rechts wegen ihr Gatte hätte sein müssen, machm konnte, was sie wollte. Aber ein andrer war ihr Gatte, und sie schauderte, wenn sie daran dachte. Jch möchte diesmal lieber nicht
tanzen, sondern mich mit Ihnen unrer halten und Ihre Stimme hören, Miriam. Wir können später noch genug tanz?n." Er geleitete sie durchs Gedränge, rtnb sie folgte ihm, aber sie empfand eine sonderbare Kälte im Herzen. P.ötzlich s!an) inmitten ihres Triumphes der Gedanke vor ihrer Seele, was nach diesem Feste kommen mußte. Er hatte sie Miriam genannt, aber sie war durchaus nicht verletzt, denn sie ??ar mehr als einmal dicht daran gewesen. ihn Giulio anzureden. Als si: durch den Ballsaal schritten, wurde ihnen der Weg plötzlich durch zwei Herren in schwarzen Dominos versperrt. Miram kam es einen Augenbttck vor, als ob es absichtlich geschehen sei, aber einer 'der Herren trat zur Seite und zwang seinen Gefährten, ein gleiches zu thun. Die beiden Gestalten waren ihr schon vorher einmal ausgefallen, als sie in einer Ecke gestanden hatten. Giulio führte Miriam in ein kleines Boudoir am äußersten Ende der Zimmerflucht, das gerade verlassen war. Eine seltsame Erregung schien ihn zu beherrschen, und er war licht wie gewöhnlich, sondern wirklich bewegt. Seine italienischen Redensarten, die ihm sonst so glatt von der Zunge gingen, kamen infolge der Leidenschaft, die in ihm tobte, klanglos und stotternd heraus. Wie lange soll das noch dauern?" fragte er. Was? Der Ball?" Treiben Sie keinen Scherz mit mir, Miriam; ich kann es nicht ertragen. Ich sehe Sie mit Leuten kokettiren, deren Zudringlichkeit eine Beleidigung für Sie ist." Und Ihre Liebe, Fürst von Cavalmonte, ist sie nicht auch eine Beleidigung?" Eine Beleidigung? Meine Liebe eine Beleidigung! Menschliche Gesetze haben mit meiner Liebe zu Ihnen mit Ihrer Liebe zu mir nichts zu thun! Ach, warum sollen wir uns noch länger verstellen? Der Franzose ist nicht Ihr wirklicher Gatte, und ich beanspruche Sie als die meine. Morgen müssen wir zusammen fliehen." Giulio!" Hören Sie mich an, Miriam, Sie müssen mich anhören. Wie wird sich Ihre Zuikunst gestalten, wenn Sie aus falschem Pflichtgefühl bei einem Manne ausharren, den Sie hassen, der Ihnen nur ein armfcNges, elendes Dasein bietn kann, an dessen Seite Sie Ihr Leben jammervoll dahinschleppen werden?" Still!" . Er hielt inne und erhob sich wülhznd. Die beiden Männer in schwarzen Dominos waren ihnen gefolgt, sie stan den an der Thür und blickten da? Paar fest durch die Oeffnungen ihrer Larven an. Miriam zitterte. Es schien ihr, als sei der Blick des größeren von beiden der ihres Mannes. Dann entsann sie sich plötzlich eines andern Zusammenseins mit Giulio, das auch von Raoul gestört worden war, damals, als sie sich ihrem Verlobten zugewandt und die Worte zugeflüstert hatte: "Soltanto un giro, caro Principe!" Der Prinz ging in drohender Haltung auf die beiden Dominos zu, als ob kein andererGast dasNecht habe, da einzutreten, wo er mit Miriam weilte. Da nahm Raoul ruhig seine Larve ab. Er war todtenblaß. schien aber ganz Herr seiner selbst zu sein. Miriam konnte einen Schrei nicht unterdrücken, und dann erhob sie sich ebenfalls und trat ihrem Gatten gegenüber. Warum drangst Du Dich hier ein. toie ein Verschwörer? Warum bist Du nicht mit Deiner Frau gekommen, wie sich das schickt?" Gehört das Ihnen. Durchlaucht?" fragte Raoul, ohne seine Frau zu beachten. Er hielt ihm den Ring hin, gab ihn aber nicht aus der Hand. Nun war die Reihe, zu erbleichen, an Giulio, und er antwortete nur mit einer Verbeugung. Wie war der Ring m 'den Besitz des Ehemanns gelangt? Es ist da ein kleiner Irrthum vorgefallen," fufo Raoul fort, den aufzuklaren. Sie sich vielleicht herablassen werden. Die Schneiderin meiner Frau glaubte, ich hätte sie bezahlt und hat mir dies zugesandt, in der Meinung, es gehöre mir." Raoul sprach noch immer ruhig, aber seine Stimme wurde tiefer und tiefer, wnb es lag ein gefährlicher Blick in seinen Augen. Morgen werde ich JhnenJhre AusLagen erstatten, deren Höhe ich durch eine Abschrift der Rechnung erfahren kann, toi ich verlangen werde," sprach er weiter. Ich könnte Sie zwingen, sich mit mir zu schlagen." Ich nehme eine Herausforderung nur von meinesgleichen an," es der Jtalienier. Vielleicht, aber ich würde doch die Mittel finden. Sie g'u zwingen. denDegen mit dem Sohne eines Arbeiters zu kreuzen.' Das werde ich jedoch so lange als möglich zu vermeiden suchm, aber lassen Sie sich warnel : wenn Sie es jemals wagen, ' mit meiner Frau zu sprechen oder an sie u schreiben, werde' ich Sie tödten. Komm. Miriam. ich habe schon zu lange Geduld gehabt, aber das ist nun zu Ende, und zwar auf immer. Deine Feiertage sind vorüber, und jetzt beginnt wieder daZ wirttiche Leben." .Ich weigere mich, Dir zu folgen; ich will n'Icht Dein Weib sein." Wie es Dir gefällt..- Ich bin bewaffnet und werde Deinen Geliebten über den Haufen schießen und alle Deine Freunde herbeirufen, daß sie Zeugen, der That sirfd. Ich wollte Dich schonen, weil Du, meinen Namen trägst, wohlverstanden nicht weil ich Dich etwa noch liebte." Raoiul hielt einen Revolver in der Hand, und diese Hand zitterte nicht. Der Fürst, bleich wie eine Leiche, griff nach dem Degen, den er an der Seite
krnrg, allein es war ein Maskendegerk und ließ sich nicht ziehen. Dann komm!" sprach Miriam zu ihrem Mrnne, denn sie fürchtete, der Fürst werde um Hilfe rufen und so einen Skandal herbeiführen; aber ich will nicht mit Dir und DeinemFreunde durÄ den Ballsaal gehen; komm hierher." Damit öffnete sie eine Thür und schritt durch einen langen schmalen Gana, der zum Vorzimmer führte. Na?ul und Pierre folgten ihr scki'weigend. Nun fand der Fürst seine Geistesgegenwart wieder. Durch den Tanzsaal eilend, erreichte er das Vorzimmer in dem Augenblick, als Miram eintrat. Er lüftete den Thürvorhareg ein roemg, während Miriam auf ihren Mantel warteke, und flüsterte: Morgen um elf Uhr fünfzehn Minuten auf demLyoner Bahnhof." Ich werde dort fein," murmelte sie. Fünfundzwanzigstes Kapitel. Während so Sünde und Elend sie umgaben, hielt Miette an ihrem Traume fest, einem Tnaume, 'der aus hübschen Phantasiegebilden für andrer Leute Glück zusammengewoben war. Waren nicht ihre ehrgeizigen Hoffnungen für Raol verwirklicht worden? Wohnten sie nicht alle zusammen in einem schölten Hause, gefüllt mit kostbarem Tand, wie ihn die Maler lieben? Wurden nicht Raouls Bilder gekauft, weitere bestellt und seine Zeichnungen ihm fast unter dem Stift weggerissen? All das alte Herzweh über schlecht gehängte Bilder und verständnißlose Kritiker gehörte so sehr der Vergangenheit an, daß sie darüber lächeln konnte. Nur eine Hoffnung hegte sie, deren Verwirklichung noch auif sich warten ließ. Ach, wenn ein kleines Kind im Atelier gespielt hätte, Raouls S)hn, was hätte sie dann noch von Gott erbitten können, zu dem sie in ihrer unschuldigen Einfalt Morgens und Abends betete? Ja. über einem Kinde waren die kleinen Zwistigkeiten, die sie nur ahnte, in der einen großen Freude vergessen worden. Selbst Pierre häte dann gewiß aufgehört, ungerecht gegen Miriam zu sein, und Miriam selojt welche neue Milde würden nicht Mutterfreuden und Muttersorgen übe? ihr Wesen gießen? In der letzten Zeit Miriam konnte ja nichts dafür, denn ihre Kousine nöthigte ste, ein solches Leben voll Zerstreuungen zu führen in der letzten Zeit war ihr Miriam mehr und mehr entfremdet worden. Miette hatte den Eindruck, als ob ihr nichts mehr an ihrer liebkosenden Bewunderung liege, und, was ernster war, als ob sie auch Raoul nicht mehr so gern habe. Si' ging zu v?el-aus, und wenn sie zuHause war, schien sie andre Stimmen zu loren und andre Gesichter zu sehen, als die ihrer Umgebung. Sie hatte diesen Morgen hinlänglich Zeit, ihren stillen Gedanken nachzuhängen. Ihren Raoul hatte sie kaum gesehen, denn er war ausgegangen, um Geschäfte zu besorgen was für Geschäfte, hatte er nicht gesagt und kam vielleicht nicht einmal zum Frühstück wieder nach Hause, und Miriam ruhte von den Anstrengungen des Balles aus, glücklicherweise des letzten. Als das Mädchen die Verwachsene angeklndet, hatte es voll Bewunderung von dem herrlichen blauen und silbergrauen Kleide gebrochen, das in Madames Zimmer nachlässig über einen Stuhl geworfen war. und das sie angestaunt, als sie die Schokolade hineingetragen hatte. Miette war echt weiblich neugierig, das Kleid, ohne Zweifel ein Geschenk der amerikanischen Kousine, die so freigebig war. zu sehen und sich von dem großartigen Balle erzählen zu lassen. Sie wünschte, ihre Schwägerin möchte herunterkammen und ein gemüthliche Plauderst übchen am Stickrahmen mit ihr halten. Allein der Morgen verging langsam, und nichts störte die Stille des Ateliers. Miette arbeitet: entsagungsvoll weiter und unterhielt sich, wie sie das immer that, mit langen, langen Geschichten, die sie sich selbst erfand. Endlich hörte sie. daß sich Miriams Thür leise öffnete, und gleich darauf trat diese selbst ein, schritt aber ohne Aufenthalt der Ausgangsthür zu. Sie war zum Ausgehen angekleidet und tzug etwas in der Hand. Miriam. liebe Miriam!" rief die Leidende freudig. Miriam fuhr heftig zuzsammen. Sie hatte Miette beim Eintreten nicht gesehen und glaubte sie noch in ihrem Zimmer, aber jetzt ira: sie zu ihr. Guten Morgen, Miette." .sagte sie fo ruhig, als es ihr gelingen wollte. Nun erzähl' mir mal geschwind vom Balle, so daß ich mir vorstellen kann, wie Du ausgesehen unft was Du getriebn: hast, und wie alle Dich als Königin des Festes bewundert haben." Mrr'iam schauerte zusammen. Jetzt nicht, Mette, ich muß ausgehen. ur.o es ist schon spät." Nun sah sie, wie ein plötzlichesMißtr'cruen V!ieites Gesicht verdüsterte. Sie beugte sich herab und küßte sie, und dabei fiel es ihr plötzlich em. daß sie diesem armen, liebevollen, kleinen Geschöpfe ein grausames Leid anzuthun im Begriffe wsr. Fü ihren Mann empfand sie kein Erbarmen, wohl aber für Miette. Ohne sich dessen ganz bewußt zu wenden, legte sie etwas von diesem Mitleid in den Kuß. und Miette hatte eine unklare Empsindung, daß es ein Abschiedskuß sei. der letzte, den sie von Raouls Gattin empfardgen sollte. Ihr Blick überflog Miriams ganze Erschsinung. und sie sah, daß sie zu einer Reise vorbereitet war. Ueber ihrem Arme hing eine Decke, und sie trug eine kleine Reisetaiiche in der Hand. Was soll das heißen?" sprach die Verwachsene mit leiser, erschreckter Stimme und klammerte sich krampf-
haft 7i sie, Du gehst doch nicht fort? Du willst uns doch nicht verlassen? Ach." und sie stieß einen leisen Schrei aus, wie ein verwundetes Thier, ach. Du liebst Raoul nicht mehr!" Miriam versuchte, sich loszumachen, aber Miettes Finger graben sich mit der Kraft der Verzweiflung in ihren Arm. Die beiden Frauen .sahen einander an. uno in dissem langen, prüsenden Blick schwand Miettes Barmn icmng für ihre schöne Schwägerin, khre zarte Zuneigung und der hübsche Roma:?. den sie um sie gewoben hitte alles dies schwand in einem Auenblick, und sie sah. was Miriam wirklich war. Die Vernichtung dieses Traumes war ein Todesstoß für 'sie. Aber auch Miriams Mitleid schwand, als sie erkannte, daß Miette die Wahrheit sah. Sie richtete sich auf und versuchte noch einmal, sich frei zu rnachen. allein sie hätteGewalt brauchen müssen, und das zu thun, widerstrebte ihr, denn Miette war so gebrechlich. Höre mich an, Miette, endlich kann ich die Wahrheit sagen. Ich liebe Raouk nicht, habe ihn nie geliebt, glaube ich. Einmal war ich nahe daran, ihn ein wenig lieb zu gewinnen, weil ich vom Neste der Welt aufgegeben war. Ich habe ihn geheirathet, weil ich nur die Wahl hatte zwischen diesem Schritte und dem Flusse. Mich zu todten, war ich zu feige. Es ist schade, denn es würbe ihm viel Elend erspart haben und mir Schlimmeres als Elend." Was meinst Du. Miriam? Ach, Miriam, was kannst Du damit sagen wollen?" Zum Klagen ist es jetzt zu spät. Dein Bruder hat mir gestern Abend ein schweres Unrecht angethan. Er kam aus den Ball, beleidigte den Herrn, der an meiner Seite war. und beschimpfte mich in demselben Athemzuge. Du kannst ihm sagen, daß sein Verdacht gestern unbegründet war. Hätte er mich nicht zur Verzweiflung getrieben, so wäre ich eine reine Frau geblieben, aber er ist ein Lümmel, ein Bauernjunge und hat nur Baucrnempfindungen. Ich hasse ihn, ich hasse die Armuth, wozu er mich, zwingen wollte, die langweiligen, einförmigen Tage, die ich an seinerSeite allein oerleben sollte, und deshalb gehe ich mit einem, der mich liebt." ,Du sollst nicht gehen, und wenn ich das ganze Haus mit meinem Geschrei zusammc-nrufen muß. Du bist Raouls Frcrn, Du gehörst ihm; ich werde nicht dulden, daß man ihm such noch, seine Ehre stiehlt, wenn auch sein Glück hin ist. Mitiam. hab' Erbarmen! Bedenke, wie er Dich geliebt hat, wie er vom ersten Tage an, wo er Dich gesehen, nur für Dich gelebt, nur von Dir geträumt, nur für Dich gearbeitet hat! Dein Herz ist doch nicht in Stein verwandelt? Ach, was soll ich sagen, um Dich zu erweichen?" Während dieser ganzen Zeit versuchte Miriam, sich aus den Händen der Verwachsenen zu befreien, und als sie fand, daß sie das nicht in Güte thun könne, zerrte sie mit solcher Gewalt an den Armen Miettes, daß sie zwar frei' wurde, aber in demselben Augenblick das arme Kind aus feinem Stuhle riß. Halb ohnmächtig und hilflos fiel Miette iju Boden. Sie versuchte, zu schreien, aber nur ein halbersticktes Aechzen drang über ihre Lippen. und als sie wieder zu vollem Bewußrscin kam, war Miriam verfchwunden. Mirram, komm zurück, Miriam! Alles soll vergeben und vergessen sein!" In ihrer Todesangst und ihrem Schrecken gelang es Miette, etwas auf dem Boden vorwärts z kriechen, was sie seit Jahren nicht zu thun im stände gewesen war. Sie meinte, wenn sie nur die Thür erreichen könnte, würden' ihre schwachen Rufe gehört und Miriam zurückgebracht werden, allein ihre Kräfte verließen sie, und sie blieb leife wimmernd liegen, wo sie war. Wie lange das dauerte, wußte sie nicht, aber es muß lange gewesen sein. Endlich kam Raoul ermüdet und finster nach Hause. Er war den ganzen Morgen umhergelaufen, um das nöthige Geld zusammenzubringen dann war er bei der Schneiderin aufgehalten worden, als er die Rechnung geholt hatte, und als auch daL erreicht war. hatte er Pierre hingeschickt, um den Fürsten zu bezahlen, weil er fürchtete, sich nicht beherrschen zu konnen. wenn er dem Schurken gegenüber träte. Pierre hatte nur die Dienerschaft gefunden. Der Fürst war abgereist und hatte nicht einmal seinen vertrauten Kammerdiener mitgenonrmen. Niemand wußte, wohin er gegangen war. er hatte nur den Befehl hinter.lassen, daß ihm das Gepäck nachze'schickt werden solle; wohin, werde er in einigen Tagen mittheilen. Der feige Verräther hatte es für besser gehalten, sich in Sicherheit zu bringen. Raoul hörte seiner Schwester Wimmern. noch ehe er sie gesehen hatte. Miette. mein Lieblin'z! Was ist vorgefallen? Wie kommst Du hierher, da Du doch nicht gehen kaiudst? Sprich. liebes Kind!" rief er und kniete neben ihr nieder. Ich habe versucht, ihr zu folgen, sie zurückzuhalten. Ach. Raoul. mein armer. lieber Bruder, wie ist es nur mözlich. daß sie Dich nicht anbetet?" Miriam? Ist sie ausgegangen?" Ausgegangen? Fortgegangen für immer!" Also zusammen waren sie entflohen seine Frau und der Fürst! An Miette dachte er im Augenblick nicht mehr. Mit einem wilden Fluche sprang er auf seine Füße, indes die kleine Ver Wachsens auf dem Teppich liegen blieb und sah, wie de? Gedanke an Mord! in seinen Augen brannte. Er schien nach etwas zu suchen und stürzte dannz nach der Thür, allein er hielt plötzlich reuevoll inm, als er das Stöhnen seiner Schwester hörte. Zärtlich hob er sie clulf uiid trug sie nach ihrem großen Stuhle. Sie sah so weiß, so miileidl-
erregend aus. bä fr zögerts. sie zu verlassen, und' sie bnutzte dieses ZSzern. Ach, wenn sie -nur das entsetzliche Trauerspiel, das bevorstehen mußte verhindern könnte! Raoul, mein Bruder, ich habe niemals jemand glrebt als Dich, und! Gott weiß, wie sehr! Ich sterbe, das siehst Du ja. Es gehört ja nicht viel datfii, ein crmes kleines Geschöpf, wie mich,, ums Leben fx bringen, und ich habe iso schwer gelitten. Aber ich sann nicht allein sterben. Es wird ja bal vorüber sein. drum verlaß mich mcht, Raoul. Ich furchte mich, ich furchte mich so gräßlich! Verfaß mich nicht!" Raoul blieb. Wie sie gesagt hatte, war es bald vorüber. Ehe viele Tag? dahingegangen waren, hatte Miettes zarte Seele den gebrechlichen Leib verlassen. Auch Raoul evkvankte nach semer Schwester Tode, und Pierre pflegte ihn Tag und 9&cht. Als er wioder gerusen war, war Raoul ein andrer Mann. Seme Jugend war dahin. er war schweigjsam, arbeitete un aufhorlich und lebte meist bei Pierre in dem alten Vaueruh.?use, das Mirvam so verachtet hatte. Die beiden Freunde waren unzertrennlich. Raouls wütycnder Zorn und Rachedurst waren, verflogen,, nichts als Verachtung war geblieben, aber Pierre war der Mer nirog, daß semer Frau Viko Ra?ul beständig verfolge. Nach Annate des Gesetzes über die Ehescheidung war einer der erstenFälle, dre dem Gerichte vorgelegt wurden, der des Malers Raoul Bertrand wider ferne Frau Miriam, geboreneSanford. Sech3uu.d!zwanzigsies Kapitel. Rom war schon vom größten T'h:il serner Besucher verlassen. Das liebliche Marwetter mit seiner brennendem Mittagshitze hatte die Fremden vertrieben, und doch ist Rom im Winter nicht das wahre Rom. Dann kennt eZ trübe, kalte Tage, Regen und Nebels schmutzige Straßen und frierende Bettler,. es kennt sogar bitter kalte Tage, wo vie Brunnen mit phantastischen Eiszapfen bedeckt sinld. Aber wenn die Sonne unbestritten ihr Szepter schwingt, dann lohnt es sich, in Rom zu leben, dann sind die langen Abendspazierfahrten über die Via Appia hinaus in die Campagna ein unbeschreiblicher Genuß. Hatten auch die gewöhnlichen Fremden 'die ewige Stadt verlassen, so waren doch noch einige Künstler zurückgeblieben. Die Franzosen in der Villa Me'dicis auf dem Hügel dicht am Pincio dachten noch nicht daran, ihre kühlen Ateliers oder den Garten mit seinen herzlichen Bäumen, seinen Buchsbaumhecken, seinem Palast, der dem Park die kokette Seite mit der hübschen Loggia, der Straße die einfache, fast abstoßende zukchrt, zu verlassen. Diese Maler, die die Regierung ihres 'Landes Hieher schickt, sind fo glücklich, daß das Glück Manchmal überschcfumt und sich in herzlicher Gastfreulndschaft weniger glücklichen Kämeraden gegenüber äußert, die keinen Preis errungen haben, aber doch vor der unwiderstehlichen Anziehungskraft Roms verlockt worden sind. Diese werden mit offenen Armen in der Villa aufgenommen und verbringen viele Stunden des Tages in den Ateliers, und die Abende in der alle des pen ionnaires. Der in diesem Mai von den Pei? sionärm aufgenommene Fremde war Raoul Bertrand. Die Jahre, die dahin gegangen waren, hatten einer Mann aus ihm gemacht, dessen Haar, obgleich tt noch zung war, bereits zu, ergrauen anfing, und eine schwer Falte auf seiner Stirn sprach von tiefem Nachdenken und Seekenleiden. Etzwar jetzt berühmt, und die jungen Maler sahen mit Achtung zu ihm empor. Reich war er freilich noch nicht geworden, und würde es auch nicht werden, aber das war ihm sehr gletchiltig. Er verdiente mehr, als er brauchte, denn er lebte meist auf dem Lande und!
scheute alle Gesellschaft. Raouls größter Genuß war es. ausder Terrasse Zu sitzen und auf dieStadt hinabzuschauen, 'die in alten Zeiten die Stadt seiner Träume gewesen war. Auf den Mitbewerb um den prix da Rome hatte er seiner Schwester wegen verzichtet, aber die Villa, den Garten, das kleine Gehölz da drüben, ein ge heimnißvolles Wäldchen, wie ein heilige, Hain der Alten, waren ihm doch, nicht unbekannt, denn er hatte häufig Kameraden, die nach ihrem seligen! vierjährigen Aufenthalt aurückgckehrr. waren, darüber sprechen hören. Währnd er an. einem, schönen Mw Nachmittage in seine Gedanken vertieft dasaß, gesellte sich -ein jungen Freimid zu ihm,, ein Bildhauer,, der als einer der fleißigsten in der Villa be kannt war. Run,, gönnen Sie sich, mal etwas Ruhe?- fragte Raouls sich dem Korn menden zuwendend. Das sieht Ihnen eigentlich gar nicht, ähnlich, Villeso. Ach. ich bin heute zu nichts fcütze; alles ist verkehrt gegangen. Mein Modell hat mich im Stiche gelassen. Trotzdem habe ich am Kopfe meiner Statua zu arbeiten -versucht, aber ich fürchte, ich habe ihn verdorben. Dann habe ich einen Handspiegel zerbrochen, und ich bin abergläubisch wie ein Italiener. Deshalb habe ich alles aufgegeben und bin ausgegangen, um eine Pfeife zu rauchen und ein bißchen zu plauloern; wenn Sie nichts dagegen haben." . ' (Schluß folgt.) , Ausrede. Frau: Wie nöthig brauche ich nur ein neues Kleid! Du thust aber, als ob Du den Mangel gar nicht siehst! Aber in unserem Brautstände, da versprachst Du mir. jeden Wunsch zu erfüllen, den Du mir. an den Augen absehen könntest! Mann: Du weißt doch aber, daß ich kurzsichtig bin!
Schweizer
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F OLLEN sind altbewährt überzuckert leicht zu nehmen desshalb übelschmeckenden illxturen vorzuziehen wirken leicht, sicher, schmerzlos von ersten medizinischen Autoritäten empfohlen. MluttHmigend, AppeUterreend. Gesundbcitberstellead. In ullea Apotheken zu haben. Wr die Küche. Graupensuppe mit P flaum e n.. Die Graupen weiden mit kaltem Wasser abgequirlt und auch mit kaltem Wasser ausgesetzt. Dann fügt man etwas Zimmt, Zitronenschale, Zucker,, ein Stückchen Butter und das nöthigeSalz hinzu und läßt die Graupen halb, weich kochen. Alsdann giebt man nach Belieben sehr sauber gewa schene Backpflaumen hmein und läßt die Suppe nun recht langfaru fertig kochen. Dieselbe muß schön sämig sein. Spinat klöße. Reichlich drei Hände voll Spinat werden gelesen, gewaschen, in siedendem Wasser gekühlt, gut ausgedrückt und durch ein Sieb getrieben oder gehackt. Hierauf röstet man unter beständigem Umrühren einen Eßlöffel voll geriebener Semmel in Buttergelb, schwitzt den Spinat r&U durch, läßt ihn etwas abkühlen und vermischt ihn mit vier zerquirlten Eiern, etwas Salz, geriebener Muskatnuß und noch etwas geriebener Semmel. Nun formt man kleine Klößchen aus der Masse,, die man in geriebener Semmel umwendet und in Salzwasser gar kocht,, um sie als Einläge zu Fleischsuppen zu verwenden. Gulasch. Man schneidet Speck dünnblätterig und läßt, ihn mit viel kleingeschnittenen Zwiebeln gelb anlaufen. Nun schneidet, man gutes, sehnenfreies Rindfleisch würfelig, fügt Salz hinzu und dünstet es bei mäßiger Hitze eine halbe Stunde. Alsdann giebt man noch etwas roh, geschnittene Zwiebeln, Kümmel und nachGeschmack Paprika hinzu und läßt, das Fleisch vollends weich schmoren.. Ungefähr acht Kartoffeln werden geschält, sehr sauber gewaschen und, in kleine Stücke geschnitten dem Fleisch zugefügt, und soviel Bouillon oder Wasser darauf gegossen, daß das Ganze gut bedeckt ist. Bei nicht zu hellem Feuer wird nun das Gericht noch so lange gekocht bis die Kartoffelstückcken Kalb zerfallen. Strawberry- Shurteake. Ein Quart Mehl wird mit 2 TheelöffelnSalz und 2Theelöffel (gehäufte) voll Vaking-Powder zusammen gesiebt. Dann fügt man 4 Eßlössel.Bulter und einen Eßlöffel Schmalz kalt hinein. Zwei Eier werden stark gequirlt,, dann giebt man hinzu so diel Milch als nöthig ist, um das Vorsiehende zu einem weichen Teige zu verarbeiten (ein schwaches Pint ungefähr).. Der letztere wird dann in zwei gleiche Theile getheilt;, den einen rollt, man aus. legt ihn auf ein Backblech und bestreicht ihn dick mit Butter. Obenauf wird dann die andere Hälfte gelegt. Bei heißem Ofen wird der Kuchen alsdann 20 25 Minuten lang gebacken. Nachher läßt man ihn abkühlen, reißt die beiden Hälften auseinander (ja nicht schneiden!) und bedeckt nun den ganzen unteren Kuchen dick mit Erdbeeren von ziemlich gleicher Größe streut dick Zucker darauf,, legt obenauf den anderenKuchen und belegt ihn fchon ordentlich mit den ausgesuchten größten Beeren. Auch hier kommt reichlich Zucker, und schließlich Schlagrahm darauf. Auch kann man den letzteren nebenher reichen. Erdbeerenwern. Auf ein Quart reife und reine zerquetschte Erdbeeren gibt man ein Quart heißes Wasser, fügt zwei Tuart Zucker hinzu unv läßt das, zwei Tage stehen. Dann wird es filtrirt und auf 20 Quart Saft ein Quart Franzbranntwein (French Brandy oder Cognac), Saft und Schale von zwei Citronen und zwei Orangen gegeben, worauf man das gähren läßt und dann abfüllt. Bei allen derartigen Weinen sollten die Beeren 2 3 Tage vorher in einem Gefäß zugedeckt stehen, damit sie ausreifen, weich werden und sich gut zerdrücken lassen. FrikadeZlen von Schwein e f l e i s ch. Man nimmt drei Viertel Pfund gehacktes Schweinefleisch, ein halbes Pfund geriebene Semmel, eine Schalotte (Zwiebel), ein wenig fein hackte Citronenschale, drei Eier. j Salz, Pfeffer, Muskatnuß und mengt alles gu: unieremanoer mir einigen Löffeln Weißwein. Sodann formt man kleine, längliche Klöße aus der Masse, bäckt sie hellbraun und servirt sie zu Kraut, Kohl oder gemischtem Salat. Ueberboten. A.: Wir haben vierundzwanzig Wagen, um : die verkauften Sachen bei den Kunden abzuliefern!" B.: .Ist gar nichts ! Bei uns wird so viel bestellt, daß uns jeden Tag einige dreißig Eomptoiristinnen wegen "des TelephonklingelnÄ ohnmächtig werden!"
