Indiana Tribüne, Volume 20, Number 259, Indianapolis, Marion County, 6 June 1897 — Page 2
Knospe und Blüthe.
Als noch grün die Knospe war, Still in sich deischlossen träumend. War sie reizlos ganz und gar. ' Als sie dann sich bald entfaltet Und die Blüthe ahnen ließ. War sie holder schon gestaltet. Aber endlich, da erschlossen Sie als Blüthe sich dem 'Licht. Wav sie duft- und glanzunislossen. Hoffe! Aus 'der Knospenhülle, Die sie birgt, bricht bald hervor Ungeahnten Glückes Fülle! Freuen als Acrzic im Altctthum. Schon in den 'frühesten Zeiten hat die Frau eine Rolle als Arzt gespielt, wohl infolge ihrer natürlichen Leranlagung, mit heilender oder lindernder Hand überall und stets hilfreich einzugreifen. Erhob die Mythologie der Alten das weibliche Geschlecht doch wegen dieser ngeborenen Befähigung sogar bis zum Olymp hinauf! Bei den Egyptern war Isis, der mächtigen Gottheit, das Wächteramt über die menschliche e sundheit anvertraut, und bei den Nörnern waltete Frau Juno, die hohe Göttin der Ehe, über die Gesundheit, besonders diejenige der Frau. Die Tochter des Chinrn (Sohn des Zeitgottes Kronos und Lehrers des sprichwörtlich gewordenen Aesculap in der Kräuter- und Heilkunde), sowie die Tochter des Gottes der Heilkunst, Aesculap, werden als förmliche Fachgelehrte der Medicin gepriesen, nament.lich die letztere, die Niemand geringeres war als Hygieia, die Göttin der Gesundheit, dargestellt als blühende Jungfrau mit einer Schlange, welche sie, als Symbol der Gesundheit, aus einer Schale trinken läßt. Der UrVater aber aller Aerzte, der große Aesculap selber, ward abgebildet, umgeben von einer Reihe männlicher Hörn" nicht nur, sondern zugleich von einem reichen Kranze weiblicher Schüler, als Borläuferinnen der modernen Studentinnen!" Auch im Talmud" der Juden findet sich bereits ein weiblicher Arzt dertreten, genannt: Em" (Mutter), die durch pädagogische Kenntnisse und Lehrsätze, wie durch ihre Heilmittel für die verschiedensten Krankheiten sich rühmlich hervorgethan haben soll. Bei unseren Vorfahren, den alten Germanen, jedoch war es die Mission von weisen Frauen", die in den Heilkräutern verborgenen Kräfte der Natur zu kennen und zu verwerthen, indem sie den Saft der Pflanzen zwischen Steinen auspreßten und heilsame Tränke brauten. So lag also der Anfang des ältesten Sanitätswesens auch bei den Deutschen schon in den Händen der Frauen. Wenngleich noch ohne Universitätsstudien, Diplome und Doctorhüte. GcsicZ,tsfaltcil. Wer möchte nicht große Opfer bringen, um von ihnen befreit zu sein und wie wenig wird dennoch im Allgemeinen gethan, um sich vor ihnen zu bewahren. Bei zarten Frauen sollen die Falten und Linien der Haut eigentlich erst mit dem dreißigsten Jahr sich zu zeigen beginnen, allein gerade in den zartesten und schönsten Gesichtern erscheinen sie meistens schon viel früher. Als Ursache müssen wir mangelnde Hautpflege, Waschen nur in warmem Wasser ohne nachzuspülen und außerdem noch mit kaltem Wasser sich zu waschen, ferner ungelüstete, verdorbene, trockene Stubenluft, namentlich bei zu geringer Bewegung in frischer Luft, betrachten. Außerdem bringen Zible Angewohnheiten junger Mädchen gar leicht schon in früher Zeit tiefe Fakten. Dieselben machen leider nur zu oft bei Arbeiten oder irgend welchen Beschwerden verdrießliche Gesichter, legen, um Ernst zu zeigen, die Stirnin finstere Falten, ziehen die Augenbrauen in die Höhe, lassen den Mund hängen und begleiten ihr Sprechen und Thun mit willkürlichem Mienen spiel. Abgesehen nun aber davon, daß dies letztere gar leicht verzerrt und zur Grimasse wird, bringt dasselbe jedem Gesichte unfehlbar früh entstellende Falten. Gebildete Menschen sollten immer daran denken, daß die Wiederspiegelung ihres Seelenlebens im Gesichte nur dann wahrhaft schön ist, wenn sie durchaus unwillkürlich erscheint, während durch Gesichterschneiden auch das holdeste Antlitz nur zu bald verzerrt wird. Selbstverständlich sind ferner heftige und langandauernde Erregungen, Leidenschaften, Schmerz, Gram, Sorge etc. die Ursachen früher und häßlicher Falten. Fast am allerschlimmsten wirkt auf das Gesicht das Zusammenziehen und Pressen der Gesichtsmuskeln, wenn man von den Sonnenstrahlen belästigt wird, ein, während das Zusammenkneifen der Augen doch thatsächlich gar keinen Schutz gewährt. Am frühesten wird das Gesicht um die Augen, neben dem Munde und dann zunächst an der Stirn von leichten, sich anfangs kaum markirendm Linien heimgesucht, aus denen dann bald genug Runzeln und Falten werden. Eine Falte ist der Haut gar leicht beigebracht, zahllose Menschen pressen sich Denkerfaltengedankenlos vor die Stirn, andere ziehen dieselben bei jeder geringsten Aergerlichkeit kraus, ohne wirklich böse zu .sein. Wieder zu entfernen sind sie aber nimmermehr. Richtiger Sport. A.: Alle Welt treibt jetzt Sport, ich muß mich NUN auch auf etwas werfen, ich weiß nur noch nicht, auf was." B.: Run, wenn man so viele Mädels hat, ist's am besten, man lernt txi Zeiten angeln." .
j Kretische Kochzettsöräuche
Alles Menschenleben, vom Kaiser bis zum fahrenden Bettler, von der Geburt bis zum Tode, vom Morgen bis zur Nacht ist durch festes Ceremonici, sinnvollen Brauch, stehende Formeln eingehegt. Ein merkwürdiger Trieb arbeitet unendliche Fülle von Bildern, Symbolen, von Sprüchen und energischen Bewegungen heraus, um tbt Erdenhandlung zu idealisiren. Wie das Volk sein Verhältniß zum Göttlichen, wie es alle menschliche Thätigkeit verstand, ist darin ausgedrückt." Dieser WortcGustav Freytag's muß man sich erinnern, wenn man die Feier eines Familienfestes, wie es die Hochzeit ist, bei den heutigen Griechen, und besonders bei den Kretern, richtig beurtheilen will. Denn die Lebensanschauungen und Verhältnisse dieses merkwürdigen Stammes haben sich in der weltfernen Lage seiner Insel etwa noch auf der Stufe erhalten, auf der sie bei unsern mittelalterlichen Vorsahren standen. Noch keine nivellirende Cultur hat denthaufrischenSchmelzder Poesie vom Baum des Lebens abgestreift. Eine Skizze dieses Festes hat daher nicht nur eine zeitgemäße, für die Charakteristik der Kreter werthvolle, sondern auch eine allgemeine culturgeschichtliche Bedeutung. Es ist ein wunderbar kunstvoll und doch klar gegliedertes Gebilde, das uns so eine einfache kretische BauernHochzeit darstellt. Etwas von der Architektonik eines antiken Tempels liegt darin. Gleichwie dieser aus den drei Theilen des Pronaos, des Naos und des Opisthodoms, so besteht auch eine Hochzeit bei den Kretern aus drei Einzelfeiern: aus der Werbung um die Braut nebst der sich daran schließenden Verlobung, aus der eigentlichen viertägigen Hochzeit und aus der GegenHochzeit". Die ganze Weihe eines Temvels webt auch, demOpferdampf gleich, über allen den unzähligen Ceremonien und Liedern, die diese festliche Zeit durchziehen und alle Theilnehmer in ihren heiligen Bann hineinzwingen. Die Ehe gilt eben noch als eine heilige, gottgewollte Pflicht, und Ehelosigkeit ist streng verpönt ; der Hagestolz zxird zu einer Zielscheibe allgemeinen Spottes. Er ist wie der Esel, der sich Abends allein' auf sein Strohlager hinstreckt, mit Steinen soll man nach ihm werfen, bis er eine Frau gefunden. Aber auch schon früh soll sich der junge Mann .entscheiden, ob er in' Ehejoch will oder in's Kloster ; denn: schnell gegessen, schnell gefreit, hat noch niemand je gereut". So sind 25 Jahre schon der späteste Termin für den Heirathscandidaten. Durch Geld- oder gar Standesrücksichten ist er ja bei den einfachen Lebensbedingungen der Insel nicht gebunden, und im Uebrigen wird ihm die Wahl einer Lebensgefährtin durch' alle möglichen, auf uralter Tradition beruhenden,, in Form von Sprüchen und Liedern umlaufenden praktischen Winke erleichtert. Auf Schönheit und Reichthum der Frau wird nicht der geringste Werth gelegt, um so mehr aber auf vornehme Abstammung, ehrenhafte Gesinnung und Häuslichkeit. So heißt es im Sprichwort: Schöne Augen, ungeschickte Hände"; besser eine Braut, die Mitgift erringt, als die Mitgift bringt"; Gesinnung und Ehre geben Anmuth, nicht Gold. Silber und Perlen;" die .gute Hausfrau ist zugleich Dienerin und Herrin". Der äußeren Erscheinung, namentlich den Gesichts5Ügen, legt man nur deshalb einen hoben Werth bei, weil man von ihnen auf den Charakter schließt: rothes Haar bedeutet Zorn, große Ohren langes Leben, weit stehende Zähne kurzes Leden u. s. w. Unter den Männern werden Bucklige und Bartlose verabscheut. Doch wir treten ein in den Tempel und betrachten die Werbung. Da bei der abgeschlossenen Stellung der Frau wir sind ja im Orient eine persönliche Erklärung der Liebenden ausgeschlossen ist, so spielt die Werbung durch eine Abgesandte eine wichtige Rolle. Die Sendung ist eine doppelte: zunächst wird die Einwilligung der Eltern der Braut nachgesucht, ihre Bedingungen werden, da sie als heilig gelten, einfach mündlich festgestellt, und für die Erkorene wird ein Ring oder Goldstück zurückgelassen. Die Eltern beschließen also die Heirath ohne jede Hinzuziehung der Tochter. Nur zur Form wird diese um ihre Meinung befragt, und ebenfalls nur zur Form giebt sie die stehende Antwort: Gefällt es meinen Eltern, warum soll's mir nicht auch gefallen?" Ist die Einwilligung gegeben, so läßt der Bräutigam seine Bedingungen stellen, indem ein älterer Mann oder eine ältere Frau als Werber abfand.1 wird. Kehrt dieser mit einer günstigen Antwort zurück, so sagt er nur: Gott sei Dank, der Faden ist abschnitten" (der nämlich die Braut mit ihren Eltern verknüpft). Nun Ufn die Verlobung stattfinden: der Bräutigam zieht mit seinen Eltern und dem Priester in das Haus der Brc.ut und überbringt ihr den Ring. Nach der Messe bietet die Braut auf einer Platte, die sie hält, den Theilnehmern, zunächst dem Priester. Wein an. und jeder wirft eine Münze auf die Platte. Dann folgt das Mehl, und man geht auseinander. Die Verlobten begnen sich nur selten, oft wird eine solche Begegnung geradezu vermieden, wie auch die Braut nicht das Haus des Bräutigams betritt. Die Verlobungszeit dauert aber auch nicht länger, als bis 'die Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen sind ; lange verlobt zu sein, gilt als ein ungünstiges Vorzeichen, weil einem dann die Braut leicht abgejagt werden kann.
Au? Kreta wirö nämlich häufig noch Brautraub geübt, wie im Alterthum, so daß die Braur noch nach der Verlobung durch die Eltern oder den Bräutigam bewacht werden muß. Die Geraubte wird in die Berge entführt und dort im Geheimen die Trauunq durch einen herbeigeholten Priester vollzogen. Doch sind solche heimliche Vermählungen im Allgemeinen vcrVönt. Das Zwischenglied zwischen der Verlobung und der Hochzeit bildet die feierliche Ueberführung der Mitgift in das Haus des Bräutigams. In festlichem Zug, einen Harsenspiele? voran, begeben sich Freunde und Verwandte des Bräutigams in das Haus der Braut, wo sie von deren Eltern empfangen und bewirthet werden. Inzwischen haben bereits von früh an Freundinnen der Braut die Gegenstände der Mitgift, die eineWoche lang im Hause öffentlich ausgestellt war, geordnet, in Säcke verpackt und nach alter Sitte Süßigkeiten darauf gelegt. Auch dieser Thätigkeit muß die Dichtung dienen, indem jedem einzelneu Gegenstand, der in den Sack wandert. irgend ein sinnvolles Verschen nachgesungen wird. Auch werden auf den bevorstehenden Abschied der Braut Liedchen angestimmt, worin jeder, von der Mutter bis zu den Bergen und dem Vogel im Walde, seine Klagen über die Trennung von der Heimath niederlegt, die das neugriechischeÄolkslied auch sonst so häufig und herzig besingt. Dann kehren die Mitgiftsammler" zurück und werden vom Bräutigam mit je einem Tuche und einer Brezel beschenkt. Acht Tage vor der Hochzeit sendet der Bräutigam der Braut noch das Brautgewand, und die Einladunoen an alle Verwandten erfolgen ebenfalls durch eigene Abgesandte. Die Verwandten der Braut dürfen nur der Hochzeitsfeier in deren eigenem Hause beiwohnen, sie aber erst vierzehn Tage später im eigenen Hause besuchen und beglückwünschen. Die Hochzeit selbst wird aus rein praktischen Gründen meistens imHerbst gefeiert. Zunächst wird, ein eigenes Empfangszimmer für die Braut-her-gerichtet: ein Podium wird aufgestellt, mit Lorbeer- und Myrtenzweigen umwunden und dahinter ein mit kreisförmig angeordneten Myrtenzweigen benähtes, rings mit Vouczuets bestecktes weißes Laken ausgespannt. Auch dieses Werk wird durch symbolische, auf die Braut bezügliche Lieder geweiht. Vor Aufbruch des Zuges nach der Kirche wird der Bräutigam und die Braut gewaschen und geschmückt, wie bei den Alten. Die Braut im Besonderen wird von Jungfrauen, die sie kämmen, mit Lobliedern auf ihre Schönheit überschüttet, in denen die ganze orientalische Phantasie ihre bunten Schwingen zu unerschöpflichen Gleichnissen entfaltet. Inzwischen ist der Bräutigam mit seinem Gefolge aufgebrochen; eine Fahne oft eine erbeutete Türkenfahne wird als heiliges Symbol der Vermählung vorangetragen, und mit Liedern und Harfenbegleitung, sowie mit Pistolengeknall geht es im Zuge zum Brauthaus. Hier wird die Thür verriegelt, und Jungfrauen singen der Kraut die Scheidelieder: Steh auf, mein wildes Rebhuhn, schüttle deine Schwingen; gieb deiner Mutter die Schlüssel und geh, deine eigenen zu suchen." Der herannahende Zug wird meistens durch einen Herold angemeldet; nur in einem Dorfe besteht ein höchst merkwürdiger Brauch: ein vornehmer Greis aus dem Zuge geht, etwa eine halbe Meile vor dem Dorf, der Braut vorauf, ein anderer aus dem Dorf kommt ihm entgegen. Ohne ein Wort zu wechseln, beginnen sie lebhaft zu tanzen, eine Viertelstunde lang, dann erst begrüßen sie sich brüderlich, und der Bräutigam kann in das Dorf einziehen, aber noch nicht in das Haus der Braut. Vor der verschlossenen Thür entwickelt sich vielmehr ein langer Wechselgesang, der mit der Verherrlichung des Bräutigams beginnt und von innen theils von der Braut, theils von der Schwiegermutter aufgenommen und fortgeführt wird. Erst wenn die Braut die Verse singt: Nun öffne dich, des Himmels Thür, des Paradieses Pforte. daß Engel hoch vom Himmel her mir künden Segensworte", erst dann ist der Bann gebrochen, die Thür thut sich auf und der Zug kommt herein. Zuerst küssen die Eltern des Bräutiaams die Braut, dann diese ihnen und dem Bräutigam die Hand; endlich küssen sich alle und der Tanz beginnt, an dem aber nur die jungen Leute theilnehmen, während die Mutter und die Verwandten des Bräutigams sich zur Braut setzen und der Bräutigam mit den übrigen Männern sich in ein anderes Zimmer zum Speisen zurückzieht. Darauf findet ein Umzug im Dorfe und Bewirthung der Gäste durch sämmtliche Dorfgenossen statt. Die Jungen setzen indessen den Reihentanz fort, bis die Stunde der Trauung naht. Alsdann holen die Priester die Braut unter Glockengeläute aus dem Lause ab, indem der älteste sie bei der Hand nimmt. Sie erhebt sich, nach einmal treten die Verwandten heran und beglückwünschen sie unterKüssen und Thränen. Dieser Augenblick ist von großer Bedeutung; denn von dem glücklichen Verlauf der Hochzeit hängt auch Glück und Segen der Ehe ab. Unter dem Hymnengesang der Priester bewegt sich der Brautzug zur Kirche. DlTrt nimmt das Brautpaar in der Mitte Aufstellung, dahinter die Brautführer, oft zwei bis drei, meistens Pathen des Bräutigams, zu beiden Seiten die Verwandten. Vor der Trauung fragt der Priester die Verlobten, ob sie mit eignem Willen in die
Ebe treten wollen, und erst nach zustimmcnderAntwort beginnt der Trauungsakt. Unter dem" Gesang einer Hymne (Ich werde ergreifen den Becher des Heils.") reicht der Priester dem Bräutigam und der Braut einen Vecher ungemischten Weins mit zwei Stücken Brod darin, von denen jeder eins nimmt und drei Züge aus dem demBecher thut. Das übrige trinken die Brautführer. Wenn die Hymen gesungen werden, fassen die Priester den Bräutigam bei der Hand, dieser die Braut, hinter denen der Brautführer die Kränze über ihren Häuptern hält, und alle ziehen dreimal um den Altar herum. Dabei wirst man nach einem antiken Brauch Baumwollenkerne und Orangenblüthen auf ihr Haupt, was Glück bedeuten soll. Nach dem Schlußgesang stellt sich der Priester mit dem Evangelium zur Rechten des Paares auf, der Vater des Bräutigams tritt zu ihm, küßt das Evangelium, dann seinen getrauten Sohn auf Kranz und Wangen, indem er ihm seinen Segen wünscht, worauf der Sohn die Rechte des Vaters wieder küßt. Hiernach wendet sich der Vater an die Braut,' küßt ihr ebenfalls die Wangen und legt ihr eine Goldmünze oder ein goldenes Kreuz auf die Kopfbedeckung. Ebenso die Mutter und die Eltern der Braut, sowie die Brautführer, indem sie Geschenke den Neuvermählten auf die Schultern legen. Nach dieser Ceremonie verlassen alle die Kirche, und es beginnt draußen in dem Vorhof der Abschiedstanz, wieder unter Lobgesängen auf das junge Paar. Eine volle Stunde dauert der Tanz. Dann begiebt sich alles zu Fuß in das Haus des Bräutigams oder, wenn man in ein anderes Dorf muß, auf Mauleseln, und zwar wählt man nicht den gleichen Weg wie zur Kirche, weil das als unglllckbringend gilt, sondern meist einen kürzeren, der aber immer zur Rechten liegen muß. Zur Seite der Braut gehen zwei Jünglinge. die ihr das Geleit geben, sie selbst ist mit einem Kopftuch aus weißer, blau'er oder rother Seide geschmückt und trägt ein oder zwei Brode in der Hand, die ihr die Eltern mitgegeben, damit sie eins davon dem ersten, der ihr begegnet, überreiche als Symbol der Barmherzigkeit, die ihre erste Pflicht nach der Hochzeit ist. UnterWegs singen ihr die beiden Begleiter, gleichsam an Stelle der Mutter, Abschiedslieder, die abermals deren Schmerz über die schwere Trennung in schönen Gleichnissen ausdrücken. Nähert man sich dem Dorfe des Bräutigams, so wird ein Vorreiter abgesandt, der die Ankunft des Zuges meldet und von den Harrenden mit einem Handtuch beschenkt, das er als Wahrzeichen an den Zügel seines Pferdes bindet und zum Zuge zurücksprengt. In früherer Zeit hatte der Bräutigam. bevor er in das Dorf einzog, sich einer eigenthümlichen Probe zu unterziehen, einem sinnreichen Brauche, der jetzt nur noch in einigen Gegenden der Insel besteht. Auf einer Anhöhe vor dem Dorfe machte der Zug Halt; zwei grauen, die der Bräutigam bestimmte und deren Eltern noch am Leben sein mußten, flochten aus Bändern und Blumen einen Kranz, während eine dritte Münzen auf eine Schnur zog, die dann mit dem Kranz zu einem Geflecht vereinigt wurden. Nun mußte das Kranzaeflecht aber seinen Schmuck haben; zu diesem Zweck setzt der Bräutiqam den Schmuckkasten hin, und durch wiederholte Verse wird jeder der Verwandten, von den Eltern bis zu den Gevattern, aufgefordert, seine Geschenke hinzulegen. Nachdem dies geschehen, wird einem anmuthigen zwölfjährigen Mädchen aus dem Zuge, das noch Vater und Mutter haben muß, der Kranz aufgesetzt, und so ziehen die Verwandten .mit dem Bräutigam in's Dorf, wo sie von den Verwandten der Braut feierlich empfangen werden. Inzwischen wird von dem Gefolge des Bräutigams und der Braut ein Tanz aufgeführt, während der Bräutigam mit dem Mädchen, das den Kranzschmuck trägt, allein tanzt. Dabei sucht er den Augenblick zu erHaschen, wo die Braut vorbeitanzt, um ihr den Schmuck schnell aufzusetzen. Erst dadurch hat er sie ganz gewonnen. Dieser alterthümliche Brauch sollte offenbar die Besitzergreifung des Bräutigams von der Brailt versinnbildlichen. Vor dem Hause des Bräutigams entspinnt sich nun ein ähnlicher Wechselgesang, wie vor dem Hause der Braut vor deren Abholung: die Braut ruft die Schwiegermutter zum Empfange heraus, und diese nebst den Verwandten heißen sie willkommen. Eine der Schwestern des Bräutigams tritt heran und reicht der Braut ein Gefäß voll Honig, Sesam und Nüssen hin, in das diese den Finger taucht und damit an den Thürpfosten ein Kreuz beschreibt. Darauf reicht ihr die Schwiegermutter einen silbernen Löffel voll dieser Süßigkeit, die sie kostet und dann ebenfalls der Schwiegermutter anbietet. Diese Handlung ist ein Symbol für das künftige harmonische Verhältniß zwischen beiden. Ein anderer symbolischer Akt ist es. Wenn beim Eintritt in's Haus auf die Schwelle eine Pflugschar gestellt wird, auf die die Braut ihrerlrechten Fuß zu setzen hat, zum Zeichen, daß sie so Kraft gewinnt für die Lasten des Hauses. Zugleich wirft sie in dieser Stellung einen Granatapfel in's Haus hinein; dieser war schon bei den Alten ein Sinnbild von Glück und Fruchtbarkeit. Nun erst überschreitet die Braut die Schwelle des Hauses und bcgiebt sich wieder in das für sie wie oben hergerichtete Gemach. Die Fahne, die dem Zuge vorangetragen wurde, wird an einem hohen Theil des Hau-
seö aufgehißt, wo sie bis zum Abend bleibt. Sowie die Braut sich niedergelassen hat. tritt der Dorfälteste zu ihr und legt ihr in poetischer Ermahnung die Liebe zu ihren neuen Verwandten an's Herz. Darauf erscheinen die Verwandten und überreichen unter Segenswünschen ihre Geschenke. Nun ruft die Harfe Jung und Alt zum Tanze; denn in Kreta sieht man selbst achtzigjährige Greise im Tanzen mit den Jungen wetteifern. Natürlich ist hier nicht an unsere Tänze zu denken, sondern an die Sprung- und Reigentänze der Orientalen. Beim Tanz ertönen wieder die beliebten Zweizeiler auf das Lob des neuen Bundes, von denen manche wegen ihres fast germanischen Naturgefübls bemerkenswerth sind, wie wenn es heißt: Heut leuchtet der Himmel, der Tag so hell. Heut ward eine Taube des Adlers Gesell. Oder: ..Die Wölkchen am Himmel zerstücket der Wind, Und einet sie wieder zu Pärchen geschwind." Oder: Wie der Regen vom Himmel die Schluchten durchquillt, So im Busen mir haftet der Herzliebsten Bild." Nach der Hochzeit werden die Brautkränze als hütender Talisman über dem Bett aufgehängt, wo sie bleiben, bis sie nach dem Tode eines der Gatten dessen Grab schmücken. Gegen Abend findet das Hochzeitsmahl statt. In der Mitte der Tafel sitzen die Priester und die Aeltesten, zu beiden Seiten die Jungen, während für die Braut und die übrigen Frauen ein besonderer Tisch gedeckt ist. Der Bräutigam, der Vater und dieMutter gehen herum und bedienen die Gäste. Ein eigener Mundschenk sorgt für den Wein. Beim Mahle werden heimische Helden- und Kriegslieder gesungen; man sieht, es geht noch fast ganz so zu, wie im Kreise unserer Ritter zur Zeit des Nibelungenliedes. Nach aufgehobener Tafel machen sich die Jungen wieder an den Tanz, der oft die ganze Nacht hindurch dauert. Vor Sonnenaufgang aber muß er beendet sein, denn die Verwandten der Braut, die sich im Hause des Bräutigams befinden, würden sich einer groben Taktlosigkeit schuldig machen, wenn sie länger dort blieben. In einigen Gegenden der Insel macht man sogar kurzen Proceß mit den Säumigen. indem man sie einfach auf die Schultern nimmt und zum Dorfe hinausträgt! So beschließt der erste Tag der Hochzeit. Am zweiten Tag beginnt in Anwesenheit der Gäste die Auspackung der Mitgift aus den Säcken. Abermals werden dabei, wie bei der Einpackung, verschiedene Liedchen auf guten, gesegneten Verbrauch der Gegenstände gesungen, wobei selbst das Hemd der Braut nicht verschont bleibt: So viel Sterne am Himmel und Blätter man schaut, So viel feine Hemdchen soll tragen die Braut." Darauf beginnt wieder der unumgängliche Tanz, der nur durch Schmaus und Zecherei unterbrochen Wird. Dieselben Belustigungen, aber zum letzten Male, füllen den dritten Tag aus. In der Frühe des vierten Tages versammeln sich die Mädchen des Dorses im Hause der Neuvermählten und geleiten die Braut im Zuge zu der Quelle oder zum Brunnen, wo sie ein Glas mit Wasser füllt, mit dem in der Hand sie in's Dorf zurückkehrt und wovon sie den zufällig Begegnenden anbietet, was für den Betroffenen als glückliches Vorzeichen gilt; denn er wird alsbald heirathen. Die Gäste kehren an diesem Tage, jeder mit einer großen Brezel beschenkt, nach Hause zurück, während die Braut, begleitet von den Verwandten des Bräutigams und ihren Freundinnen, allen ihren neuen Dorfgenossen ohne Ausnahme einen Besuch macht. Der Bräutigam begiebt sich erst acht Tage nach der Hochzeit in das Haus seines Schwiegcrvaters, um seinen neuen Verwandten die Hand zu küssen. Gleich als ob so ein jäher Abbruch der Festlichkeiten dem rhythmischen Sinne der Kreter nicht genügte, wurde noch als drittes Stück, als Opisthodom des Tempels, die sogenannte GegenHochzeit angefügt. Alle Verwandten kommen im Hause, der Neuvermählten nochmals zusammen, das Podium, auf dem die Braut gethront hatte, wird untcr feierlichen Ceremonien abgetragen, zwei Brezeln unversehrt heruntergeholt, die je ein junger Mann und ein junges Mädchen auf dem Kopf des Bräutigams und der Braut zerbricht. In der Frühe desselben Tages begiebt sich die Braut, von sämmtlichen Verwandten begleitet, zur Kirche, wo die Schwiegermutter ihr den Platz zeigt, den sie bis dahin einnahm und auf dem jene nun stehen wird. Der Bräutigam dagegen nimmt seinen Platz neben dem Vater ein. wie früher. Das Abendmahl reicht der Priester den Neuvermählten diesmal auf einer Platte, die zwei Vrodscheiben enthält, und auf die sie dann ein Goldstück für die Kirche legen. Vierzehn Tage nach der Hochzeit endlich empfängt die 'Braut ihre Eltern und Verwandten Sei sich; noch einmal vereinigt sie Schmauserei und Tanz und die Hochzeitsfeierlichkeiten haben ihren Abschluß erreicht. Der Weg durch den Tempel ist vollendet, das Ehepaar im Allerheiligsten angelangt.
ZU spate Vcue.
Skizze ron W. v. Schierbrand. Gisbert, der älteste Sohn des alten Grafen Zastrow, war endlich am Ende seiner Weisheit. Er hatte mehr Schulden als Haare auf dem Kopse, viel, viel mehr. Vorgestern hatte ihm der Vater, den er auf Um Stammgute der Familie in Schlesien besucht, ganz genau die finanzielle Lage der Familie auseinandergesetzt. Die Dinge lagen ganz einfach, schrecklich einfach. Das Gut war ein Majorat also darum war, nachdem jeder Ziegel auf dem Dache schon über den vollen Weith hinaus mit Hypotheken belastet war, kein Baargeld mehr herauszuschlagen. Der Credit des alten Herrn war auch schon gänzlich erschöpft die Wucherer in Breslau, Berlin, selbst in Wie?: und Prag, wußten ganz genau, daß ihr Geld einfach zum Fenster hinausgeworfen wäre, wenn sie noch etwas zu dem Vorigen hergäben. Und die anderen Mitglieder der Familie Gott ja, es war ja möglich, daß Adele, die Beautö der Geschwister, die mit dem reichen Freiherrn von Axel vermählt war, ihrem Manne noch einige Tausendmarkscheine für den Bruder abluchsen" könnte; aber damit wäre Gisbert ja auch nicht gedient, bemerkte der altePapa, indem er sich den grauen Schnauzbart gedankenvoll strich. Denn es war leider soweit gekommen, daß es Alles oder Nichts hieß als Parole. Wieviel betragen Deine Schulden eigentlich. Gisbert?" hatte der Graf noch gefragt. Gott. Papa, wie Du mich das nur fragen kannst! Ich weiß es selbst nicht jedenfalls laufen sie weit in's zweite Hunderttausend hinein soviel ist sicher. Es kann auch mehr sein. Da sind die 30.000 nebst Wucherzinsen beim alten Loewenstein in der Jacobsgasse; dann die 25,000 beim Cohn. Du weißt doch, dem rothen Cohn in Breslau; und dann 8,000; 15.000; 4,500; 9,000; die 32,000 an Kamerad Graf Solnes hätte ich beinahe vergessen na, es wird wohl ungefähr 200.000 herauskommen, außer den kleinen Rechnungen etc., die auch höllisch summiren. Doch weshalb frägst Du, Papa? Ist Dir doch noch eine Idee gekommen?" Der alte Graf seufzte schwer. Ich fürchte," murmelte er dann, es wird dafür schon zu spät fein. Du bist zu leichtsinnig gewesen, Gisbert, und hast Dich und Deine Liaisons leider auch zu sehr affichirt. Es wird Wohl nicht über zu machen sein und dann, so plötzlich, so schnell! Gleichviel, ich will doch noch 'mal für Dich dort anklopfen." Gisbert strich sich mit der flachen Hand über die heiße Stirn. Er ahnte, was sein Vater mit dem Anklopfen" meinte. Er hatte einst der Gutsnachbarin, der reichen Erbin, den Hof gemacht und eine Zeitlang auch daran gedacht, sie zu heirathen. Aber das war ohl jetzt vorbei. Warum war er auch so sinnlos gewesen? Warum hatte er die letzten fünf Jahre in Saus und Braus, in wüster Verschwendung und in einem Milieu gelebt, das ihn so schien es ihm jetzt körperlich und sittlich ruinirt hatte! Zu spät, flüsterte er vor sich hin. als er wieder im Zuge saß. der ihn nach seiner Garnison zurück führte. Ja, es war zu spät gewesen, wie ihm heute sein Vater schrieb. Keine Aussicht mehr, die Schulden zu zahlen, und sich so wieder in den Augen der Welt zu rehabilitiren. Auch mit einer reichen Heirath war's nichts mehr. Er hatte sich zuviele Blößen gegeben. Es war ein Skandal, aber was half's? Die einzige Rettung war auf das Majorat zu Gunsten seines jüngeren Bruders, des Strebers" wie er ihn voll Bitterkeit nannte zu verzichten und nach Amerika zu gehen, sich dort zu vergraben turn ver a new leaf", tote's diese verfl Dollaryankees nannten. Ja, ja. Half nichts. So geschah's denn auch. Rüdiger, der jüngere, ruhigere Bruder, trat in seine Stelle, und Gisbert, den den Dienst quittirt hatte mit schlichtem Abschied" natürlich ging nach drüben. Drüben" ein sehr dehnbarer Begriff, bei dem man sich alles Möglich'e denken konnte. In Gisbert's Falle bedeutete drüben" Montana. Und das kam so: Vor mehreren Iahren. bei den Wettrennen in Carlshorst, hatte der junge deutsche Reiterofficier einen reizenden Menschen", Vincent Brydges, kennen gelernt. Vincent war ein ähnlicher Patron wie Gisbert. nur daß er der jüngere Sohn eines britischen Edelmanns war. nicht der ältere. Sonst aber hatten die Beiden große Aehnlickkeit in ihren äußeren Verhältnissen, sowie ihren inneren Menschen entdeckt. Vincent war ebenfalls von Natur ein begabter, flotter, fescher Kerl, ganz wie Gisbert. Auch er hatte sich dem Sport und allerhand Ausschweifungen in die Arme geworfen, und bei ihm war der Krach schon zwei Jahre früher erfolgt. Jetzt war er in Montana, wo er sich eine kleine Viehfarm gekauft hatte mit dem letzten Gelde, das sein Vater noch an ihn geoandt, und ab und zu hatte er seinem deutschen Cumpan. dem jungen Grafen Gisbert Zastrow. Briefe geschrieben, worin er sein Neues Leben im wilden Westen recht belustigend zu schildern wußte. Zu ihm also ging die Reise. Gisbert brachte dort etwas mit so ganz mit leeren Händen wollte er nicht bei dem Freunde ankommen, und so hatte der alte Graf und die ganze Familie zusammengelegt, um ihm 30.000 Mark baar und in Wechseln mitzugeben. Dafür sollten Pferde und Rinder gekauft und die kleine Ranch in Montana vergrößert werden, worauf die beiden Freunde, der Engländer und
der Deutsche, die Sache auf gemein schaftliche Kosten und Profit weiter betreiben wollten. Gisbert wurde von Vincent, der ihn die 40 englischen Meilen nach der nächsten Bahnstation entgegengeritten war. mit offenenArmen aufgenommen, und die Beiden begannen nun ein Leben, das ihnen zu Anfang recht amü sant vorkam. Sie waren unzertrennlich wohnten, schliefen, aßen und tranken zusammen in einem kleinen. Blockhaus, das sie sich zu einem urge müthlichen Junggesellenheim herausgeputzt hatten. An den Wänden hingen die Photographien und bunten Bilder der Vergangenheit ihre Flammen," vom Balletmädchen bis hinauf zu den Damen der höchsten Aristokratie, und daneben die Conterjfeis der Eingliedrigen Renner, auf die sie einst auf dem Turf ihre Wetten verloren oder gewonnen hatten, ehemalige Kameraden vom Dragonerregiment etc.. etc. In der Ecke stand der Demijohn voll guten, alten Vourbon, für dessen Füllung Vincent bei seinen häufigen Ausflügen nach Fort Keogh immer Sorge trug. Im Kamin brannte stets ein tüchtiges Feuer, und für Wildpret und sonstige gute Bissen wurde von den zwei wÄdgerechten Schützen vollauf gesorgt. Ueber dem Kamin war sogar ein Regal befestigt, auf dem mehrere Reihen gute Bücher standen. Und so lebten sie dort, wie gesagt, eine Zeitlang sehr lustig beisammen. Mit den Officieren in Fort Keogh waren sie natürlich sehr schnell bekannt geworden, und sie hielten auch ganz gute Kameradschaft mit ihnen. Es wurden ihnen verschiedene Stag dinners" gegeben, und sie ihrerseits revanchirten sich wieder dafür. Binnen Kurzem hießen die beiden Einsiedler auf Twinship Ranch wie das Anwesen von Vincent nach Ankunft seines Freundes aus Deutschland getauft worden war in der ganzen Umgegend nur ochthc rnad twins", und wie Zwillinge lebten sie thatsächlich zusammen, ein Herz und eine Seele. Bis zum Tage, da Miß Maud Curtiß ihren Pfad kreuzte. Dann war's aus mit der Eintracht. Und kein Wunder. Miß Maud war ein reizendes Mädchen, die Schönheit des ganzen Fort Keogh, und was noch schlimmer war, sie war eine Flirt." Ihre schwarzen, ledernen Augen tanzten und sangen förmlich, und sie gebrauchte sie absichtlich mit gleicher Treffsicherheit gegen den jungen Deutschen sowohl wie den Engländer. Sie hatten das Fräulein, die erst vor Kurzem aus Alabama gekommen war, um ihrem Bruder, Captain Curtiß. Gesellschaft zu leisten, auf einem Regimentsball in Fort Keogh getroffen, und von jener Stunde an brannten ihre beiden Herzen lichterloh. Was auch ganz natürlich war, denn nicht allein war Miß Maud ein außerordentlich schönes Mädchen, auch der Umstand, daß die beiden jungen Leute seit einer Reihe von Monaten mit keinen eleganten, geistreichen Mädchen der guten Gesellschast zusammengekommen waren, hatte viel damit zu thun, daß sich beide rasend schnell in sie verliebten. Aber, wie gesagt, sie war eine Flirt," die das Brechen der Männerherzen als liebsten Sport trieb. Und das war schade, denn das führte zu dem ganzen Unheil, von dem man noch heute manchmal in Fort Keogh spricht. Sie brauchte ihre Teufelskünsie so geschickt und so unparteiisch, daß sich jeder der beiden junoen Leute für den Begünstigten hielt. Aber obowhl Gisbert sowohl wie Äincent dies sicher und fest annahm, herrschte doch eine bittere Eifersucht zwischen ihnen. Zuerst bestrebte sich noch jeder von ihnen, das den Anderen nicht merken zu lassen, aber als einst Gisbert unerwartet auf einen Spazierritt Vincent in Begleitung der schönen Miß Maud angetroffen hatte, und als Gisbert dann den Freund zur Rede gestellt und dabei von der jungen Dame bei ihren Vornamen gesprochen hatte, da gab's keine Möglichkeit der Verstellung mehr. Beide setzten indessen unverdrossen ihre Werbung fort. Sie hatten sich erkundigt und gefunden, daß Miß Maud in jeder Beziehung eine gute, wenn auch gerade keine glänzende Parthie war, und daß ihre Familie in Alabama zu den ersten und angesehensten zählte. So entschloß sich denn Jeder von den beiden Freunden kurz, und mit Aufwand aller möglichen Kriegslist, um dem Andern diese Absicht zu verheimlichen, hielt auch jeder von ihnen, noch dazu am selben Tage, um die Hand der jungen Amerikanerin an. Gisbert hatte dies Morgens gethan, Vincent während des Rachtmittags. Das junge Mädchen hatte sowohl den einen wie den anderen Bewerber brüsk, beinahe schnöde abgewicse-. in dem sie zugleich nicht die gerir vt &:srung auf eine Sinnesänder ' htv... Ihr Bescheid war definiti' c'se. das mußte sich Jeder sarcr Ul auch, daß sie nur ihren Spr :t - : Sport mit ihnen getriebn e.. Als Vincent. ncibc.:- :r schon in Fort Keogh etwa? 7. big dem theuren aber S)VJ.u: ' Kampagne? im Hotel Union i,v?s.vy?Sim hatte, Abends halbberachi dem ge meinsamen BlcZhau? zurückkehrte, prallte er tninti ;iidd auf der Schwelle. Mii:t -; dem Boden des großen Raumk :co die Leiche seines Kameraden. hatte sich mit dem Revolv.: Hops zerschmettert. Ein Iah ' hieß es in Fort Keogh. der wir Engländer habe sich zu Tode c::::v:.::.r.. Und so war's auch.
! . I c f ch. Betrunkener Student uir. 'stmann. der ihn heimbrins n c): .Ich habe das MeinZge getha.'. t' a Sie das Ihre!"
