Indiana Tribüne, Volume 20, Number 252, Indianapolis, Marion County, 30 May 1897 — Page 7

Auf dem Mcr. Von Guido v. Hehrenhof. Reisen! Welche Fülle von Erwar hingen, welche Spannung auf das noch nicht Gesehene, das nie Erlebte knüpfen sich an das Wort! Jede Reife ist mit Eindrücken für Herz. Kopf und Geist verbunden, wenn der Wanderer nur das Talent hat, sie in sich aufzunehmen. Eine lange Seefahrt, zumal eine solche, bei der wenig in den zu Passirenden Häfen angelegt wird, reißt uns am meisten heraus aus dem alltäglichen Getriebe des modernen Le bens. Wie wäre es auch möglichsich zu verschließen gegen das großartige Wechselspiel des Meeres, das tiefe Blau des südlichen Himmelszeltes und die funkelnde Pracht unsers nordischen Sternenhimmels? Kann all' dies, selbst wenn täglich und stündlich genossen, zum lähmenden Einerlei werden, ist es denkbar, daß wir, die wir mehr oder minder alle im Dienste derer stehen, welche der Gegenwart ihren Stempel aufdrücken in der Politik, der Kleidung, dem Essen und Trinken oder der herrschenden Lektüre, nicht ufathmen, wenn wir den Staub der Conventionalitäten von uns schütteln dürfen, um mit der Natur zu leben, in ihr natürlich zu sein? Die Erinnerung einer Seereise hält immer die Ahnung jener unendlichen Allmacht fest, die das schwankende Schisflein sicher durch Wind und Wellen trug. Ein Chaos von Menschen verschiedener Nationen, ungleichartiger Interessen und bisse Tuender Eigenheiten steigt vor dem inneren Auge auf. Sie alle haben für die Dauer ihrer Reise eine Antheilnähme für einander gespürt, die am besten mit dem Ausdruck Bordfreundschaft" belegt werden kann, denn in den seltensten Fällen reicht sie über Bord hinaus, sondern macht willig früherem Beziehungen Platz, sobald der schmale Steg, welcher das Schiff mit dem Lande verbindet, angelegt und die Reise beendet ist. KIcrr und deutlich steht mir von einer meiner Reisen her das Bild einer jungen Frau vor Augen. Sie war Wittwe, hatte offenbar in glücklichster Ehe gelebt und reiste nach dem Tode ihres Gatten von Südafrika nach England, um ihre beiden Kinder in ihrem Waterlande zu erziehen. Es ist eine iurze und traurige Geschichte, die mir das junge Weib unvergenlich gemachi hat; ein hartes Geschick traf die Unglücklich: vor dem Ziel unserer Reise. Tie. Jugend der. Wittwe, die Fürsorge und Zärtlichkeit der. Mutter, wie ihre ungezwungene Liebenswürdigkeit nachten unsere Reisegefährtin, die noch dazu die einzige Dame an Bord der sten Klasse war, zum Mittelpunkt ill' 'jener kleinen Aufmerksamkeiten, für die das Schisssleben ein so frucht barer Boden ist. Außerdem trugen ihre , allerliebsten Kinder auch reichlich dazu bei, die Zeit schnell verfließen zu lassen; denn der Junge, ein stämmiges Vürschchen von nahezu fünf Jahren, war ein wahrer Ausbund von Wildheit'und sprudelndem Uebermuth und rilhrend in seiner Besorgniß um seine zarte Mutter. Oft konnte man ihn sehe-.lwie er neben dem Korbe saß, d1 sein kleines Schwesterchen barg, es hüiete und ihm die lästigen Fliegen wehrte; denn der Schreihals ließ sonst der Mutter keine Ruhe. An jenem Tage, dessen trauriges Ende mir wie, in die Seele gebrannt ist, sah ich den Kleinen wieder bei seinem Wärterernte, aber er schien kein rechtes Glück damit zu haben, denn ein wahres Zetergeschrei erklang aus der Tiefe all' der Kissen und Spitzen, welche sürsorgende Hand um das Kind gebreitet hatte. Wenige Sekunden hielt das an, da kam die Mutter, hob ihren Liebling sanft auf, wiegte ihn in den Arinen. und der Dank für eine solche Güte war ein ruhiges, lachendes Kindeiantlitz, in dem zwei dicke Thränen als Denkmal verflossener Leiden noch in "den Wimpern funkelten, bis unter Kosen und Sckwatzen auch sie liebevoll -fortgewischt wurden. Welch Bild! eine schlanke, zarte Frau, fast mädchenhaft in der Erscheinung. auf ihren Armcn ein winziges Kindlein, eine Knospe, die noch -nichts von den Stürmen ahnte, nur dankbar dem Sonnenstrahl der Mutierliebe zujauchzte und keine Sorgen kannte! Die Frau trat dicht an das Geländer heran und deutete auf die weißen Wogen. deren schäumender Gischt hoch aufspritzt: und winkte ihttm kleinen Sohn, sich das schöne Wellenspiel zu betrachten. Der aber war in seiner Würde gekränkt, weil das Schwesterchen sich nicht hatte von ihm hüten lassen, und hatte nicht übel Lust, seinen Anmuth an dem Kinde auszulassen. Lächelnd beruhigte ihn die Muttn. streichelte ihm zärtlich das weiche Haar und sagte zu dem winzien Kindchen, das sie fest im Arm bielt: Warte Du. wenn Du wieder schreist, dann werfen wir Dich über Bord, der Werner und ich. wir mögen solch' Unart garnicht leiden." Und wie um ihre Worte Lügen zu strafen, herzte sie das rosige Gesichtchen und die kleinen Hände, die verlangend nach den bläuen Wellen zu reifen suchten. .Hörst Du. in'ö Wasser werfen wir Dich. Du, Du, Dn Bösewicht.- rief Werner, die Mutter hat's auch ge-sagt.-Der Nachmittag verging schnell bei herrlich kühler Temperatur und wich einem aleich schönen Abend. Der Große Bär begrüßte uns bereits mit drei Sternen und das südliche Kreuz r?ar saunt noch zu sehen. Wir schlürftcn in gierigen Zügen, wie ein heimathliches Getränk, die Luft der nördlichen Hemisphäre. Alles athmete Ruhe und Frieden. Soeben ertönte die Glocke, um zu melden, daß in fünfzehn Minuten Essenszeit sei. Wie jeden Abend, so ging ich auch diesen hinunter in meine Kabine, um mich zum Erscheinen an der gemeinsamen Tafel zu rüsten. Meine Kabine war neben

der der jungen Frau und ich hörte, wie sie ihre Binder schlafen legte. Sie that dies jeden Abend und schickte ihr Dienstmädchen während der Zeit fort zum Essen, damit es hernach wieder zur Stelle wäre. Gerade als ich wieder an Deck gehen wollte, öffnete sich d Thüre meiner Nachbarkajüte und Frau B. trat heraus. Gieb' acht auf Baby," rief sie, sich zurückwendend, ich komme gleich wieder". Wir stiegen zusammen die Stufen zum Salon hinan. Dort angelangt, suchte meine Begleiterin mehrere den Kindern gehörige Sachen zusammen, und ich bot ihr meine Hilfe an, dieselben hinunter zu tragen. Auf dem Wege trafen wir noch den Schiffsarzt, mit dem wir einige Worte wechselten, dann gingen wir weiter, direkt zu den Kindern. Welch' entsetzliche Ueberraschung. als wir die Thür der Kabine öffneten! Hochausgerichtet, in seinem Nachthemdchen am geöffneten Fenster stehend, fanden, wir das älteste Kind mit glühenden Wangen und funkelnden Augen. mit beiden Handen sich festhaltend an dem inneren Ringe der runden Oeffnung. Beide Betten waren leer. Baby! Wo ist Baby?" rief, wie Entsetzliches ahnend, die eintretende Mutter. Baby? Da! Im Wasser! Sie schrie, und Du sagtest doch selber " das Ende des Satzes wurde überhallt von einem schauerlichen Gelächter, kurz und kreischend klang es, bis es ganz plötzlich verstummte. ich hielt eine Ohnmächtige im Arm. Tage vergingen. Der Vorfall hatte wie eine Vetäubung auf die ganze Schiffsgesellschaft gewirkt, man sprach leise, ging nur auf den Fußspitzen und jeder einzelne ging unausgesprochenen Gebern ken nach. In ihrer Kajüte lag die arme Mutter im Delirium, sprach nur von ihrem ertränkten Kinde, klagte sich des Mordes an und rief nach ihrem todten Gatten, von ihrem Knaben sprach sie nie. Der arme kleine Wicht verhielt sich aanz still, er hatte das instinriive Gefühl, etwas sehr Schlimmes -gethan zu haben, das drückte seine Äinderseele und machte ihn scheu und furcktsam. Im Befinden der Kranken trat eine Krisis ein. deren Ausgang von uns allen mit ängstlicher Spanriung erwartet wurde. Es war kein günstiger; denn als wir in England ankamen, brachten wir eine Wahnsinixtcje an Land. Ein Jahr verstrich, ohne daß ich mehr von derAermsten hörte: da führte mir der Zufall den kleinen Werner in den Weg. als ich mich in, London aufhielt. Von ihm erfuhr ich, daß seine Mutter gestorben war und er bei seincn Großeltern lebte. Das Kind sprach von seinem Schwesterchen und der Mutter in einer Art. die deutlich erkennen ließ, 'daß kein Schatten der Vorkommnisse 'seine Seele trübte.

Brautwerber im Mittclaltcr. Die Brautwerbung hat zu allen Zciten und bei allen Völkern eigenartige Formen angenommen; ganz besonders mußte dies aber der Fall sein bei fürst lichen Brautwerbungen, da der Bräutigam sehv häufig die Braut vor der Hochzeit gar nicht zu Gesicht bekam, ja, sich zuweilen 'sogar durch einen StellVertreter mit ihr trauen ließ. Bon Interesse dürfte daher nachstehender Bericht sein, welchen die Gesandten erstatteten, die Heinrich VII. nach Neapel schickte, um die Prinzessin dieses Reiches füv feinen Sohn Arthur als dessen Braut in Augenschein zu nehmen. Auftrag: Welche Gesichtsfarbe die Prinzessin habe, ob sie geschminkt sei oder nicht; ob sie fett oder mager, lang oder rund, ob ihre Züge munter und freundlich oder mürrisch und trauvig, standhaft und gleich seien, oder ob sie beim Reden die Farbe wechsle? Ant-, wort: Sie ist nicht geschminkt, ihr Gesicht ist freundlich, ziemlich breit, rund und fett, ihre Züge sind freund?ich und nicht mürrisch, sie ist ernsthaft, aber nicht dreist, frei im Reden, aber mit einer schämlichen weiblichen Beiniiene. Sie sprach nicht viel, weil ihre Mutter dabei war, die ihr die Worte abnahm. Sie redete zuweilen mit den Damen, die um sie saßen, mit lächelndem. weiblichem Blick, und diese sahen voll Respect und gehorsamlicher Zuncigung aus. Auftrag: Was hat sie für Haut? Antwort: Gesicht. Hals und Hände sind schön weiß. Auftrag: Was hat sie für Haare? Antwort: So viel man im den Augenbrauen und an der Stirne abnehmen kann, hat sie wohlbraune Haare. Auftrag: Was hat sie für Augen. Zähne und Lippen? Antwort: Sie hat braune Augen, die etwas in's Graue fallen, ganz feine Augenbruen, wie ein Draht, reine, weiße, wohlgereihte Zähne, so viel man sehen konnte; die Lippen, rund und dick, die aber zum Gesicht passen. Auf-, trag: Wohl zu merken, die Gestalt ihrer Rase, nebst der Hohe und Breite ihrer Stirn. Antwort: Die Nase ist in der Mitte erhaben und biegt sich endwärts etwas zu; ihre Mutter hat eben so eine. Auftrag: Hat sie große oder kleine, lange oder kurze Arme? Antwort: Etwas rund und nicht eben klein; sie stehen ihr recht gut. Auftrag: Wie sind ihre Hände, Finger und Halsbeschaffen? Antwort: Sie hat volle und sanfte Hände, kleine, niedliche Fing:r und einen etwas kurzen Hals. Auftrag: Hat sie Haare über den Lippen oder nicht? Antwort: Sie ist ganz rein. Auftrag: Die Gesandten sollen so nahe als möglich an sie treten und sie durch ein Gespräch zu etwas langem Reden bringen. Dann sollen sie sich ihrem Munde schicklich nähern, um die Beschaffenheit ihres Athems zu untersuchen, ob ev duftig sei oder nicht; ob sie was von Rosenwasser, Muscus oder dergleichen durchriechen können oder nicht? Antwort: Wir konnten nicht recht nahe hinan kommen und haben nichts Schlimmes von Düften und Riechwasscrn empfunden. Nach der

reinen Farbe der Haut und des Mundes scheint es. daß sie sich auch wohl rein von Salben und bei gutem Athem erhalten wird. Auftrag: Wie lang ist sie? Ob sie Pantoffeln trägt und wie hoch die Pantoffeln sind? Sie sollen auch zusehen, ob sie nicht von den Pantoffeln die Gestalt des Fußes abnehmen können? Antwort: Ihre Pantosfeln sind 6 Finger hoch; sie ist mittlerer Länge und etwas rund, daher scheint sie kleiner. Auftrag: Sie sollen auch nachfragen, ob sie eine Naturoder Erbkrankheit, körperlichen Fehler, Auswüchse u. s. w. an sich hat? Antwort: Wir haben bei ihren Apothekern und Aerzten herumzefragt. aber Niemand weiß von Erbschaden ihrer Hoheit. Auftrag: Sie sollen sich auch nach ihrer Diät erkundigen; ob sie viel ißt und trinkt, ob fk es oft thut, ob sie Wasser. Wein oder beides trinkt? Antwort: Sie mag gern essen und ißt zweimal des Tages" warme Speise, trinkt, aber nicht oft. meistens Wasser, das sie manchmal mit Zimmet kochen läßt, zuweilen, aber nicht oft, trinkt sie auch Würzwein.

Türkische Frauen. An schönen Abenden, besonders wenn derRamazan in die warmen Monate fällt, fahren die prächtig bespannten Arabas (Wagen) der türkisch: Frauen stundenlang die breite, von Bäumen eingesäumte Straße Divan Iol. die vornehmste Straße Stambuls, auf und ab. Gold- oder röthlichblonde Köpfe die jugendlichen Hanums färben ihre Haare mit Vorliebe blond neigen sich weit hinaus aus den Coupö'fenstern. große dunkle Augen blitzen unter schön gewölbten, einander berührenden Augenbrauen lustig hervor. denn die Türkin ist nicht nur viel koketter als ihre europäische, in voller Freiheit lebende Schwester, sie ist in ihren Gefühlsausdrücken viel lebend!er. so daß sie ungeachtet ihrer Beglciterinnen, ungeachtet selbst eines Eunuchen fest daraus los kokettirt mit den Passanten, besonders mit elegant gekleideten Europäern, und erst in zweiter Reihe mit schmucken einheimischen Ossicieren. Die türkischen grauen werden in Stambul in drei Klassen eingetheilt, die man gerade im Namazan deutlich von einander unterscheiden kan. Da sind vor Allen die brauen der obersten Stände, der hohen Würdenträger, die eigene Equipagen haben mit dem galonirten Diener oder dem Eunuchen neben dem Kutscher, oft auch noch von einem oder mehreren reitenden Dienern begleitet. Sie tauschen in den Ramazannächten Besuche aus, trinken zahllose Kaffees und Serbets, wickeln sich eine Cigarette nach der anderen, parliren französisch oder gar deutsch mit der sie begleitenden europäischen Gouvernante, tragen unter der nach der neuesten Mode zugeschnittenen. vom Koran vorgeschriebenen Feredschien (die Formen verhüllendes Oberkleid) die reizendsten französischen Noben. kurz, sie sind bis auf das Biscken Vielweiberei, das man ihnen schon von Kindesbeinen an ganz mundgerecht macht. Europäerinnen im reinsten Sinne des Wortes. Richtig, da ist auch noch der Jaschmak", dieser so schrecklich verschrieene Schleier, der der Muhamedanerin pikantes Gesichtchen für alle Zeiten den Blicken der Ungläubiaen verhüllen soll. Wie ist es aber in Wahrheit? Der Jaschmak ist nichts Anderes als ein aus den zartesten Fäden gesponnenes Gewebe, das in Folge seines originellen Arrangements um Kopf und Nacken nicht nur nichts verhüllt, sondern die Schönheit derOrientalin noch bedeutend erhöht, und je hübscher die Türkin ist. desto großer ist ihre Sorge, die Blicke der Vorübergehenden auf sich zu lenken, das versteht sie meisterhaft, ja viel besser als alle abendländischen Frauen und Mädchen zusammen. Also das ist die erste Klasse der türkischen Frauen, die man gemeiniglich mit Chanum-Effendim-, soviel als Herrnfrau, anspricht. Diese Damen empfangen häufig in ihren Salons Europäerinnen mit Vorliebe. Die zweite Klasse bilden die Frauen der Kaufleute, kleinen Beamten, niederen Officiere und Handwerker, die sich von den Ersteren hauptsächlich dadurch unterscheiden, daß sie zu Fuß gehen, weniger kokettiren, überhaupt weniger von sich reden machen, weniger bemerkt werden. Die dritte Klasse hat mancherlei Berührungspunkte mit der ersten: schöne Kleider und Wagen. Begleiterin und ost auch einen Diener, vor Allem aber l;uchtende Blicke, lebhaftes Mienenspiel, häufiges Nicken mit dem schleierumsäumten Kopfe, es sind Stambuls Damen der lustigen Welt, für welche die langen Nächte des Ramazans das glücklichste Feld ihrer Thätigkeit sind. Eines muß man diesen Damen nachrühmen, sie halten sich streng an die Satzungen des Koraus, sind für Ungläubige geradezu unnahbar. es wäre denn, daß ein sprach- und landeskundiger Europäer, . wohl vertraut mit' türkischer Sitte und Art. sie über sein Herkommen hinwegzutäuschen imStande wäre, dann kann auch er ihre Huld erringen, sonst aber gehört ihr Herz blos ihren Brüdern in Mohammed. Wurst wider Wurst. Alte Tochter (mit der Nachricht heimkehrend, daß das Dienstmädchen schon eine Strafe verbüßte): Mama, die Anna muß fort, sie hat schon einmal gesessen!" Dienstmädchen: Herrjeh, Sie sitzen heut' noch!" So geht's. Reichgewordener alter Herr: Jetzt könnt' ich große Sprünge machen, aber meine Beine sind inzwischen steif geworden." Grausames Schicksal. Hausfrau: Weßhalb habenSie eigentlich nicht geheirathet, lieber Herr Doctor?" Ärzt: Die Damen konnten nie meine Liebesbriefe entziffern!"

Sport und Siebe.

Von R. Tosen. Was Neues, Burner? Wie steht's mit meinen Pferden?" Mit diesen Worten betrat Capitän Weller die Wohnung seines Trainers Mr. Burner in Newmarket. Es ist Alles in Ordnung", entgegnete Burner, Ihr Blue Devil besonders ist in bester Verfassung. Doch Sie wollen wohl mit mir über das Rennen am Freitag sprechen, in dem er laufen soll. Daisy", wendete sich der Trainer an seine Tochter, die sich im Zimmer zu schaffen machte, geh' und hole ein Glas Wein und Biscuit für den Capitän." Lassen Sie es, danke," fiel Weller abwehrend ein. Bleiben Sie nur da, Miß Daisy, Sie sind ja ohnedies in alle meine Stallgeheimnisse eingeweiht." Das hübsche Mädchen verbeugte sich lächelnd. Sie glauben also, daß Blue Devil in den Spring-Stakes gute Chance hat?" fragte Weller den Trainer. Jawohl", entgegnete dieser, mit A. Gwynn im Sattel ist das Nennen für den Hengst todte Gewißheit." Man glaubt das allgemein. Er ist bereits auf 3:1 herabgewettet. Trust steht ihm in den Wetten zunächst. Wer hat Blue Devil in den Galopps geritten?" Gwynn! Er geht besser unter ihm, als unter jedem Anderen, ausgenommen meine kleine Daisy hier." Ah ja! Ich weiß, wie gut Ihre Tochter die Zügel führt", sagte Weller, sich bewundernd zu dem Mädchen wendend. In diesem Momente wurde ein Telegramm gebracht,. welches Burner sofort öffnete und las. Es lautete : Kann Blue Devil nicht reiten, bin gestern auf Rennbahn in Leicester gestürzt. A. Gwynn." Burner und Wcller sahen einander enttäuscht an, auf dem Gesichte des Letzteren konnte man sogar Bestürzuna lesen. Die Spring - Stakes bedeuteten mehr für ihn, als er zugestehen wollte, er hatte einen großen Theil seines Vermögens in Wetten angeleat. Weller verließ sehr niedergeschlagen das Haus. Er hatte anfänglich schon das Pferd streichen lassen und den für ihn so beträchtlichen Verlust als unabwendbar betrachten wollen. Der Trainer hatte ihn jedoch überredet, die Hoffnung nicht aufzugeben daß sich doch noch Jemand finden werde, der das Pferd mit Erfolg reiten könne. Weller beschloß deshalb, in Newmarket zu bleiben. Als er sich am nächsten Morgen nach der Trainirbahn begab, näherte sich ihm auf dem Wege ein Stallbursche. Habe ich die Ehre, mit Capitän Weller zu sprechen?" fragte er respectvoll. Ja", lautete die Antwort, was willst du ttm mir?" Ich habe gehört, daß Sie einen Jockey suchen, der Ihr Pferd morgen im Rennen reiten soll. Wenn Sie mich damit betrauen wollen, kann ich Ihnen versprechen, daß Sie Ihre Farben in Front sehen sollen." Aus welchem Stalle bist Du?" Ich war bei Mr. Tipsey. bin aber gestürzt, konnte eine Zeit lang nicht reiten und bin jetzt ohne Engagement. Hier ist mein Zeugniß." Capitän Weller las das Zeugniß. Es lautete sehr befriedigend. Auch das Gewicht war entsprechend. Der Bursche gefiel ihm. Auch glaubte er ihn bereits bei Tipsy gesehen zu haben. denn das Gesicht kam ihm bekannt vor. Du nennst Dich John", sagte Weller. wie ich aus dem Zeugnisse sehe. Komm' mit, wir wollen einen Versuch machen." Weller nahm den Burschen mit zu Vurner's Stall, stellte ihn dem Trainer vor und man hieß ihn, Blue Devil besteigen. Das Thier ging vollständiq ruhig unter dem neuen Reiter und zeigte sich im besten Lichte. Weller war entzückt. Die Nummern für das große Rennen waren aufgezogen. Als das Glockenzeichen gegeben wurde, trat John. der in die lila-grüne Dreß Wcller's aekleidet, bisher ruhig auf dem Sattelplatze gestanden hatte, zu seinem Pferde und saßauf. Nach zwei falschen Starts sie? die Flagge und das Z?eld ging ab. Eine Zeit lang war Alles still im Nina, doch als sich die Pferde dem Pfosten näherten, rief plötzlich eine Stimme: Zehn gegai Eins, Blue Devil. Zehn gegen Eins lege ich." Dann setzte ein ganzer Chor von Stimmen ein: Trust! Trust!" Trust hatte in diesem Moment in der That die Führung, er lag klar vor dem übrigen jelde und schien dasselbe sicher zu halten. Sein Jockey that einen raschen Blick über seine rechte Schulter. DaZ sollte ihm jedoch verhängnißvoll werden, denn in demselben Moment, als er rechts blickte, warf John, der sich mit Blue Devil links an der Außenseite hielt, blitzschnell sein Pferd vor. Als ihn 'der andere Jockey an seiner Seite sah, fing er an, energisch zu reiten, allein es war schon zu spät, Blue Devil passirte mit einer halben Längs als Sieger das Ziel. In. dem Gewirre von Stimmen, das 'sich nun erhob, wurden plötzlich Schreckensrufe laut.' Weller, der nach dem Rennen erleichtert aufathmete, wendete seinen Blick nach ler Stelle, , nach welcher viele Zuseher mit den Händen wiesen. Dort lag Blue Devil mit seinem Reiter auf dem Boden. Das Pferd war, nachdem es das Ziel passirt hatte, gestolpert und. gestürzt. Weller eilte zu jener Stelle, wo er den

kleinen Jlhn bewußtlos auf dem Boden liegen sah. Als er jedoch hinkam, schlug der Bursche die Augen auf, suchte sich zu erheben und rief: ; Was ist geschehen? Gestürzt bin ich? Doch ich habe gewonnen. Führt mich zur Wage, sofort!" Er erhob sich mit einem unterdrückten Seufzer und man half ihm, sich zur Wage zu begeben, wohin auch das Sattelzeug gebracht wurde. Nachdem sich bei der Wage kein Anstand ergab, wurde die Nummer des Siegers aufgezogen. Doch kaum war dies geschehen, klagte John über heftige Schmerzen in der Seite und schien einer Ohnmacht nahe, so daß Weller und der Arzt, der sich mittlerweile eingefunden hatte, ihn nach dem Ankleidezimmer der Jockeys geleiteten. Hier wurde John besinnungslos. Der Arzt, welcher seine Jacke öffnete, um zu sehen, ob keine Nippe gebrochen sei. fand, daß dies leider wirklich der Fall war. Gleichzeitig theilte er aber Weller mit, daß dieser Jockey einMädchen sein müsse. Und so war es auch. Der Jockey war Daisy Burner, die mit kurzqesckorenem Haar und braungeschminktem Gesicht den Ritt auf Blue Devil gemacht hatte. Ihr Vater war einverstanden gewesen. Einige Monate später sprach man in der vornehmen Welt viel von der Seirath des Capitän Weller mit der Tochter des Trainers, deren Schönheit allein, wie man allgemein annahm, genügend gewesen sei, ihn zu fesseln. Das Geheimniß, welches die Beiden verband, wurde von Allen, die davon wußten, sorgsam gehütet.

' Cm Spiclcrloos. Von Hans Wachenhusen. Bei Gelegenheit des fünfundzwanzigsten Gedenkjahres der Aufhebung öffentlichen Spiele in den rheinischen Bädern erinnere ich mich eines Dramas. von dem ich erzählen will. Sie waren beide ein junges Paar, er. der Referendar von S.. ein lustiger, lebensfroher Mann von etwa siebenundzwanzig Jahren, sie die Tochter eines elsässischen Großbauern, der seinem Kinde eine vornehme Erziehung in einem Pensionat von Nancy hatte geben lassen, doch sehr Herabgewirthschaftet hatte, bis seiner Tochter von seinem in Westindien verstorbenenBruder ein Erbschaft von fünf Millionen Francs zufiel und er sein ganzes Anwesen wieder aufrichten konnte. Um die Zeit war seine Frau, ein biederes, braves Bürgerweib, weil es sich mit dem Reichthum doch so schickte, in die Bäder gegangen und so lernte denn der Referendar ihre Tochter in Homburg kennen.als er ihr auf derTerrasse Nachmittags mit dem Programm des Kurkonzertes dienen konnte, und nicht absichtslos, denn man erzählte sich von Roses großem Vermögen. Auch sie war wie die Mutter geistig nicht sehr begabt, aber sie hatte im Pensionat einen gesellschaftlichen Schliff erworben, hatte hübsche braune Augen, frische Wangen, ein Paar rothe Lippen und niedliche Hände, eine leidliche Gestalt und lachte gern. Ihr hierzu Veranlassung zu geben, war Robert v. S. ganz der Mann; er suchte Anschluß an Mutter und Tochter und fand ihn. Er ward ihr steter Begleiter und so kam denn der Papa vom Elsaß angereist, um sich den zukünftigen Schwiegersohn anzusehen, auf den seine Tochter mit ihrem Gelde Anspruch machen konnte. Er gab seine Einwilligung und schon im Herbst waren beide ein Paar. Die junge Frau bekam ihre ganze Erbschaft ausbezahlt bis auf fünfundzwanzigtausend Francs, die auf des Alten Bauernhof eingetragen wurden. Roses Papa war so entzückt von seinem vornehmen Schwiegersohne gewesen, daß er eö gar nicht gewagt hatte, eine Gütertrennung zu wünschen. Kaum hatte die nächste Saison begönnen, so waren sie wieder in Hombürg, der Glüässtätte, an der sie sich kennen gelernt. Aber diese sollte zur Unglücksstätte werden. Robert hatte zur Reise eine starke Summe der Bank entnommen. Er spielte an der Bank und Rose freute sich, wenn er in ihrem Beisein einige Louis gewann. Sie wußte aber nicht, daß er Abends, wenn sie ermüdet von gemeinschaftlichen Ausflügen ausruhte. bis elf Uhr. der Schlußstunde der Spiele, am grünen Tisch sa. Weil er in Homburg kein Glück hatte, zogen sie dann nach Wiesbaden, Ems und endlich nach Baden-Baden, wohin sie sich sehnte, um denPapa drüben im Elsaß besuchen zu können. Sie hatte ja der Mutter so Manches zu sagen. Und das Letztere that sie denn auch. Sie verließ Robert auf acht Tage und er versprach, ihr nachzukommen. Aber in dem Bauernhof zu sitzen, das reizte ihn nicht. Er war froh, die Frau los ZU sein und unbeaufsichtigt spielen zu können. In all den drei Bädern hatte er Pech gehabt. Hier hatte ihm das Glück in den ersten Tagen gleich gelächelt. Aber er wußte nicht, daß die Summen, die er gewonnen, ihm nur geliehen waren. Er verlor wieder und wieder; er wollte das Glück zwingen, ließ sich Geld über Geld kommen, ohne zu zählen, und als seine Frau, Sehnsucht nach ihm empfindend, wieder eintraf, hatte er auch hier fchon Hunderttausende verloren. Er empfing sie mürrisch und sie ward traurig deshalb. Eine Ahnung stieg ihr auf; er aber lachte sie aus und spielte weiter. Sie kehrten zum Herbst nach Hause zurück, er schwer verstimmt, sie. sich sagend, daß sie nicht mehr glücklich sei, aber doch ihn schonend, und hier sollte sie inne werden, daß sie Ursache habe, sich sogar sehr unglücklich zu fühlen, denn mit des Gatten beiterer Laune war es aus: er

kehrte oft erst gegen Morgen nach Hause und in wüster Laune. Das oberflächliche Nachdenken hatte ihm nämlich gesagt, er habe das Vermögen übermäßig angegriffen. Die halbjährliche Aufrechnung der . Bank sträubte ihm sogar das Haar, als er nur einen flüchtigen Blick auf dieselbe warf; aber er verschloß sie sorgfältig, damit sie nicht der Frau in die Hände komme, die ja schließlich in ihrer Bauerneinfalt doch nichts davon verstand. Und er er fuhr fort, den kleinen Spielklub zu besuchen, der sich in dem hinteren Zimmer eines Restaurants gebildet. Er spielte oft Pnnlos, gewinnend und wieder verlierend, während Rose das Kissen schon mit ihren Thränen netzte. Sie wagte es endlich, ihm Vorfiellungen, dann sogar Vorwürfe zu machen, er aber wies alles barsch zurück. Nur einmal gestand er reumüthig, er wolle, er sei der arme Referendar geblieben, der er gewesen, denn das Geld habe ihn nicht glücklich gemacht. Als sie ihm darauf mit feuchten Augen vorschlug, sie wollten zum Vater nach dem Elsaß ziehen, wo er sich ja mit der Landwirthschaft so sorglos besch'äftigen könne, da lachte er sie aus. Sie aber behielt ihr Unglück für sich und wagte nicht, dem Vater zu schreiben, denn sie fürchtete, daß er kommen könnte, um ihren Gatten zur Rede zu stellen. So vergingen mehrere. Jahre und die Ehe blieb kinderlos. Robert begann schon, sein Aeußeres zu vernachlässigen, er, der früher so eitel auf dasselbe gewesen. Rose ihrerseits vernachlässigte ihre Bekanntsthaften und zog sich scheu zurück. Sie liebte ihn noch immer und empfand es deshalb doppelt schwer, daß er sie nach und nach ganz zu vergessen schien, daß er sie sogar wie eine Last betrachtete. Nach ihren Vermögensverhältnissen hatte sie nie zu fragen gewagt, endlich aber faßte sie, schlimmes ahnend, den Muth, zur Bank zu gehen und sich danach zu erkundigen. Der Beamte aber zuckte die Achseln und sagte, er habe nicht die Berechtigung, ihr Aufschluß zu geben, ohne von Herrn v. S. dazu autorisirt zu sein. Und so ging sie denn, sich tröstend mit dem Gedanken, es werde ja nicht so schlimm sein. Der Sommer des vierten Jahres war gekommen. Rose fühlte das Bedürfniß. ihre Eltern zu sehen, und Robert war damit einverstanden. Er wollte sie begleiten. Und so geschah es. Sie reisten. Er aber trennte sich von ihr in BadenBaden mit. dem Versprechen, sie nach acht Tagen aus dem Bauernhof abzuholen. Mit bangem Vorgefühl sehte sie den kurzen Weg nach Straßburg fort und er blieb. So war's ihm höchst erwünscht. Er ließ sich kaum die Zeit, seine Effekten im Lokal abzulegen und war danach schon in den Spielsälen, wo er unter den Habitu6s gute Bekannte vorfand. Sein Portefeuille war wohl versehen mit großen Banknoten, er wollte diesmal gewaltige Schläge thun, denn er hatte die Ueberzeugung, nur durch viel Geld sei die Bank zu bezwingen, man dürfe sich nicht mit Kleinem befassen. Recht hatte er, bekam es auch Anfangs, aber da brach das Unglück wieder über ihn herein. Verzweifelt irrte er schon am nächsten Abend am Ufer der Oos umher. , Alles, was er mitgebracht, war verloren. Er hatte zur Vorsicht seiner Frau einige tausend Francs mitgegeben, kehrte zum Conversationshause zurück, schrieb eine Depesche an sie und bat sie. ihm da? Geld zu senden, das sie doch nicht gebrauche, er bedürfe dessen, sei in Verlegenheit. Und sie sandte es ihm am nächsten Tage bereits, ohne zu fragen, wie er in Verlegenheit habe gerathen können. Heimlich aber hatte sie sich nach BadenBaden begeben, verschleiert trat sie in die Spielsäle und beobachtete ihn, wie er eben einen gelungenen Schlag am Trente-et- Quarante" that. Sie sah sein Antlitz, obgleich blaß, doch strahlend. Er that noch einige günstige Coups und beruhigt eilte sie wieder zur Bahn, damit er sie nur ja nicht erblickte. Sie hatte ihm ja geschriebensie und ihre Eltern erwarteten ihn mit Sehnsucht in einigen Tagen. Daß er ein unverbesserlicher Spieler war, das wußte sie ja längst, aber er hatte Glück und das tröstete die Aermste. Er werde ja kommen, wenn er genug gewonnen, dachte sie. Und mehrere Tage hindurch blieb ihm das Glück auch treu; aber das machte ihn waghalsig. Alles wollte er wieder. haben, was er in dieser Saison und früher schon verloren, er wollte diese Veme" benutzen, denn in der Bank daheim hatte er schon allerlei Vorwände benutzt, um seine großen und häufigen Entnahmen zu rechtfertigen, obgleich das diese garnichts anging. Er wollte ihr neues Geld übersenden, um dieselben zu decken, denn . . Es überfiel ihn ein Gruseln, wenn er daran dachte. Und so stand er drei Tage später wieder am Spieltisch und gewann wieder. Plötzlich schlug es um; er verlor wieder und wieder und da erblickte er in seiner Hitze plötzlich seine Frau nt ben sich, die ihn abholen wollte, da er nicht komme. Du!" rief er heftig. Kein Wunder! Du bringst mir Unglück: Latz mich allein!" Und sie trat gehorsam zurück. Er blickte ihr nach bis er sich überzeugt, daß sie den Spielsaal verladen, und dann pointirte er von neuem und mit hohen Summen. Aber das Glück war gebrochen. Natürlich durch sie! ächzte er ... . Seine Einsätze verdoppelnd, -suchte er es zu zwingen, doch umsonst! Er ver-

ließ den Spieltisch, um Ruhe. Fassung j zu suchen; kehrte dann zurück und spielte mit demselben Unglücke. Schlag für Schlag ging fehl. Er verdoppelte

Schweizer

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R I E!E i! sind altbewährt aberzuckert leicht zu nehmen desshalb fibelschmeckenden slixturen vorzuziehenwirken leicht, sicher, schmerzlos von ersten medizinischen Autoritäten empfohlen. lutrcln!end, Appetlterrcjend, Gesundheitberstellend. .In mllen Apotheken xa haben. seine Einsätze und verließ endlich den Saal mit leeren Taschen. Er haktt über zweimalhunderttausend Francs fchon gewonnen und alles, alles war, dahin! .... Verzweifelt warf er sich in den An lagen auf eine Bank, und da mußte sie ihn finden! Aber mit Entsetzen blickte sie in sein entstelltes Antliss und fragte doch so theilnahmsvoll, obgleich ahnend. Er stieß sie von sich. Sie sei sein Unglück! rief er aus. Ihr Geld sei ein verfluchtes, auf dem kein Segen ruhen könne, denn man habe ihm gesagt, ihr Onkel in Westindien habe es durch Sklavenhandel erworben. Er verwün sche den Augenblick, da er sie habe ken nen lernen müssen. Trauernd wandte sich die armeFraii. Noch einmal kehrte sie um, blickte ihn so flehend an. aber er achtete ihrer nicht, und mit Thränen in den Augen verließ sie ihn, nicht wissend.' wohin sie sich wenden, wo sie ein Obdach suchen sollte. Sie erinnerte sich des Hotels, in dem sie früher gewohnt; man erin nerte sich ihrer und führte sie in sein Zimmer. Hier ließ sie sich weinend Nieder, blieb sie bis zum Abend unter tausend Foltern auf ihn wartend. Da kehrte er mit derselben Miene tu nes Verzweifelten zurück und erblickte sie. Warum bist Du nicht bei Deinen Eltern geblieben?" fragte er.. Warum mußtest Du mir Unglück bringen?" Sie hob beschwörend die Hände. El wandte sich ab von ihr. Du sollst überhaupt zu ihnen zurückkehren und für immer, denn mit unserem Vermögen ist es zu Ende! Ich entnahm zu Hause den elenden Rest, um ihn an der Bank hier zu wagen! Alles oder nichts! sagte ich mir! Ich war auch auf dem besten Wege, alles wieder zu gewinnen, da mußte der Teufel Dich an meine Seite führen und Alles ging wieder verloren, AI les . . . !" Er grisf in die Tasche und warf einige Gulden auf den Tisch. Das ist alles, was mir geblieben; nimm es, um nach Hause zurückzukehren, denn wir sind ruinirt! Dir bleiben ja noch die Fünfundzwanzigtausend, die aufDei nes Vaters Bauernhof stehen!" Mit lautem Hohnlachen wandte er sich, griff in die Vrusttasche und zog seinen Revolver hervor Einen gellenden Schrei ausstoßend' sprang sie auf. Aber es war zu spät. Mit blutender Stirn sank er zu ihren Füßen nieder .... ilt..,lScii. DasVaye:ische Vat:rland- rügt mit vollem Recht.die Unsitte, die in ddeutschland seit'einigen Jahren immer weiter um sich greift, (rs ist um das Grüßen eine schöne Sche". reibt das Btt. (Zuien Ä'ore. liebe Mutter. Guten Ab:nd" üzbzx V.-.t?r. Guten Tag" selbst Dir o Frzdlinz. Adieu" lieber Freund. SXzbZV dich Gott" Schwkizerbua. Grüß Gctt" treue Schwaöenscele. &el)' ücti" dir Arbeitsmann, Gute sslad;i" Ivl nein herzizes Ssind, wie lieblich und ersehnend lliligt daö doch in die große Familie der Menschen hinein! lim o mehr ist es zu bellagen, daß in ncu:rc? Zeit ein. Gruß überband gen?.-N7icn hat, der ebenso nichtssagend und c'cistloö, als trivial ist. Dieser ueue Gruß stammt wie natürlich auö dem Norden, ist äußerst schneidig" und will die an deren Grüße verdrängen. Guten Morgen, guten Abend, gute N.cht!" wie philisicrhaft langweilig sich daS spricht! De? fortacschri ;:r: Student, der intelligente Eon:7.ü, ':zi gebildete Skatbruder Jcdcr, d:r elcö . auf Anstand und neuesten Kurs hält, hat das überflüssige und bigottische Adieu". Grüß Gott" in die Rumpelkammer geworfen und dafür das pyramidal inhaltreiche Mahlzeit" gewählt. Beim Kommen und Gehen, b:i Scheiden und Wiederkehre am Mor gen und am Abend die jottvolle" Erfindung: Mahlzeit!" Der Jnw! desGrußes ist das umschriebene: Jf&& der Mensch ißt, das ist er!" Soll rn;: denn stets an das Essen und Trinken erinnern und erinnert werden? a! man sich sonst nichts Schöneres und Besseres zu wünschen? Warum di: durch Jahrtausende geheiligte, tcv unseren Eltern . und Ureltern brauchte, so herrliche, theilweise o:i ideale Form der früheren Grüße durch einen fast gierigen Neuling verdiengen lassen?! Wenn eine Kuh im Stall ibre Eollegin" begrüßen könnt?, so H:rre sie es strvht'-Z it dem Gruße: Mahlzeit" trun. Vcm das zusagt, nun dann ÜJM,!