Indiana Tribüne, Volume 20, Number 210, Indianapolis, Marion County, 18 April 1897 — Page 7

Herder. ;! Von H. Ouadt. Es ist ein hübscher und freundlicher Gebrauch, sich am Osterfeste mit künstZich bemalten und bunt beklebten Eiern zu beschenken, besonders aber die frohliche Kinderwelt zum ersten Male nach langer Winterhaft in's Freie zu führen und sie dort die Ostereier aufsuchen zu lassen, welche eine neckische Hand für. sie versteckt hat. Welche Freude und welcher Jubel für die überglücklichen Kinder, wenn die so scharfsinnig dersteckten Eier, eins nach dem andern, zum Vorschein kommen! Ich erinnere mich, obwohl seitdem bereits so manches Jahr verflossen, noch gar wohl solcher Ostersonntage, zugleich aber besinne ich mich, daß auch damals schon der Mensch im Kinde rege wurde, und ich. nicht zufrieden mit dem Besitze der hübschen, bunten Eier, nun auch wissen wollt:, warum ich sie erhalte. Weil die Hühner um Ostern am fleißigsten Eier legen erhielt ich auf meine Frage' zur Antwort. Diese Antwort konnte mich jedoch nur auf kurze Zeit befriedigen, und da dies sicherlich meinen Leserinnen ebenso er.geht, und viele von ihnen auch noch keine genügende Auskunft auf eine ähnliche Frage erhalten haben mögen, so will ich hier kurz mittheilen, was ich nach und nach über den Ursprung der Ostereier-Sitte erfahren habe. Das Osterei ist weiter verbreitet, als der Christbaum, besonders in den Länder des griechisch-katholischen Glaubens, in denen das Osterfest überhaupt noch in alter Weise als das Hauptfest der Christenheit gefeiert wird. Uns sind die Ostereier heute mehr Geschenk und Freude für die fröhliche Jugend. Der Gebrauch, sich zu gewissenZeiten des Jahres mit Eiern zu beschenken, stammt au3 dem Orient und ist uralt. Einige Alterthumsforscher leiten das Osterei von derBeendigung der Fastenzeit durch den Genuß der ersten Eier zu Ostern ab; andere beginnen, wie jene weitschweifigen Berichte über den trojanischen Krieg, ab ovo, d. h. von den Eiern der Leda. aus denen die hellenischen Eiergötter, Castor, Pollux und Helena schlüpfen.' zu deren Andenken man Eierfeste. Tänze und Spiele gefeiert haben soll. Noch andere 'wolIm die Ostereier-Sitte zurückführen bis zu den Phöniziern, . welche Gott unter der Gestalt eines Eies anbeteten und die Abstammung des Menschenge, schlechtes von einem Ei herleiteten, das die Nacht, welche nach ihrem Glauben der Urquell aller Dinge war. hervorgebracht hatte. Eine ähnliche Bedeutung des Eies finden wir in den meisten anderen asiatischen Religionen; man betrachtete es als ein Symbol des Chaos, aus welchem die Schöpfung sich entwickelt habe, und verehrte es demzufolae als den Grund alles Bestehenden. In Persien fällt der Neujahrstag, das schönste Fest des Jahres, fast um dieselbe Zeit, wie unser Osterfest, da Sultan Djbaddin, dem die Perser einen vorzüglichen Kalender verdanken, den Anfang des Jahres auf das Früh-lings-Aequinoktium bestimmt hat. Schon am Nachmittage dieses Tages begeben sich die Sternkundigen nach dem Palast des Königs, um dort genau den Augenblick zu beobachten, an welchem das Aequinoktium eintritt. Sobald sie das Zeichen , geben, wird dem Volke durch Kananenschüsse der Anbruch des neuen Jahres und der Beginn der lange vorbereiteten Festlichleiten verkündet, welche acht volle Tage dauern, und bei welchen die Reicheren täglich in neuen Kleidern, die Aermeren und Aermsten wenigstens einmal in einem neuen Anzüge erscheinen. Das Fest heißt davon auch das Fest der neuen Kleider." Unter den Geschenken, welche man sich während des Festes zuschickt, nehmen reich vergoldete und köstlich bemalte Eier die erste Stelle ein. Abweichend von den anderen asiatischen Religionen, welche das Ei als Sinnbild des Lebens und Entstehens, mithin als ttn Zeichen der Freude betrachteten, war das Ei für das Judenthum ein Symbol der Trauer. Dem Leidtragenden wurden Eier zur Speise dargeboten, und neben dem PassahLamm, das zum Andenken des Auszuges aus Aegypten mit großer Freude verzehrt wurde, befanden sich Eier auf dem Tische, welche den Jubelnden und sich ihres Besitzes Freuenden ein ernstes memento mori zurufen sollten. Ein ähnlicher Gedanke, möglicherkreise den gefangen nach Rom aeführten Juden entlehnt, war es vielleicht, der die alten Römer bestimmte, beim Beginne jeder Mahlzeit Eie: zu genießen, woher auch die sprichwörtliche Redensart stammt: ab oo usque ad rnala," vom Ei bis zum Apfel," d. h. vom Anfang bis zum Ende. Am wahrscheinlichsten scheint es jedoch, daß in dem Osterei ein Zug merkwürdiger, indo-germanischer Naturuffassunz sich offenbart. Der Mönch Beda Venerabilis, welcher im achten Jahrhundert lebte, bemerkt in einer Schrift, daß der Name Ostern und Ostermonat Easthermonath von einer Göttin des Ostens, Eostra, Hergeleitet sei, einer Göttin des Frühlings, der man im April bei Freudenfeuern die ersten Früchte des Ackers und wohl auch Eier als Symbole der Fruchtbarkeit geopfert habe. Die neuere Zeit hat den Gebrauch der Ostereier als eine schöne, heitere Sitte beibehalten, ohne ihm jedoch eine tiefere Bedeutung zu verleihen. Die Ostereier sind dafür mehr und mehr ein Gegenstand des Luxus geworden, die vom Ei nur noch die Form behalten baben, sonst aber aus Zucker, Choko lade, Marzipan und dergleichen, ja, wie z. B. in Rußland, häufig ausGold' und anderen edelen Metallen gefertigt sind und wahrhafte Kunstwerke darstellen. Nichts destowenige? kann man aber heute noch das Osterei betrachten als ein . Symbol des erwachenden.

neuen Lebens in der Natur, das gleich dem im Ei eingeschlossenen Vogel die Hülle bricht und hinausfliegt, eine ver körperte Dankes-Hymne, ein lebendig gewordenes Jubellied.'

Zer kluge Hrenzci (mnJT. Von Clemens Mau. Mein Onkel, ein gemüthliches Haus, war. Königlicher Ober - Steuercorrtroleur in einem sächsischen Städtchen und am Stammtische des Bahnhofes ein sehr beliebtes Mitglied. Eines Abends hatte sich zu der gewohnten Tafelrunde ein reisender Kaufmann gesellt, der gar zu gern seine angeblich eigenen Erlebnisse erzählte, es aber hierbei mit der Wahrheit nicht eben genau nahm, sondern ganz gehörig sohlte. Mit scheinbarer Glaubensselligkeit hörten ihm die Umsitzenden andächtig zu und waren augenscheinlich erfreut, daß in das alltägliche Einerlei etwas Abwechslung gekommen war; wenn auch aus den oft haarsträubenden Geschichten des Biedermannes die kühne Dichtung meterlang herausguckte, so klang es doch wenigstens nicht übel und trug zurUnterhaltung sein Scherflein bei. Mein Onkel schenkte mit schelmischen Schmunzeln den Münchhausiaden seine anscheinende Aufmerksamkeit, ohne irgend etwas zu erwidern, doch sah man es ihm deutlich an, daß er nur auf eine passende Gelegenheit warte, um den Erzähler seinerseits zu übertrumpfen und ihn die mehr als gelinden Zweifel der übrigen in betreff des Borgebrachten merken zu lassen. Wie das bekanntlich an einem Stammtische herzugeben pflegt, war man im Lufe des Gespräches vom Hundertsten in's Tausendste gekommen, so auch auf die Klugheit der Hunde. Hiervon wußte nun unser Held die erstaunlichsten Sachen in Menge zu berichten, endlich auch von dem Jagdhunde eines ihm natürlich sehr befreundeten Oberförsters. Dieses Prachtexemplar, nämlich der Hund, gab seinem Herrn durch Schwanzwedeln, Springen, verschiedenartiges Bellen u. s. w. auf das genaueste an, ob ein Hirsch, Reh, Hase, Fuchs, Kaninchen, Raubvogel und was dergleichen jagdbares Wild mehr ist, in der Nähe fei und auf einen wohlgezielten Schuß zu warten scheine; der Nimrod wußte in Folge dessen jedesmal, ob er eine Kugel- oder Schrotladung zu verpulvern habe. Jetzt schien es meinem verschmitzten Onkel an der Zeit zu sein, loszulegen: Was Sie uns da von dem Hunde Ihres Freundes mittheilten," meinte er in aller Seelenruhe, ist zwar recht erbaulich und höchst merkwürdig.dürsk sich jedoch auf einen freilich ungewöhnlich ausgebildeten Geruchsinn zurückführen lassen, wie man ihn zeitweilig zu beobachten Gelegenheit hat. Bei dem Köter aber, von welchem ich jetzt erzählen will, liegt die Sache doch etwas anders, und zeugt von einer Beobachtungsgabe, die geradezu staunenswerth, wohl als noch nie dagewesen genannt werden muß. Als ich noch, beiläufig bemerkt, vor langer, langer Zeit, ein blutjunger Zoll- und SteuerAccessist war und am Kragen die goldenen Gurkenschalen" trug, erhielt ich ein Grenzcommando zur vorübergehenden Vertretung eines erkrankten Grenzaufsehers, mit kurzen Worten: ich sollte für kurze Zeit die Flinte tragen. Mein erster Dienst führte mich mit einer benachbarten Patrouille zusammen, welche von einem struppigen, schon mehr häßlichen Pinscher, dem treuen Castor eines der beiden Beamten begleitet war. Dieser kleine, drollige Kerl betrachtete mich erst ein Weilchen ganz aufmerksam und dann begrüßte er mich mit einem vernehmlichen Knurren, wobei er energisch mit dem kurzen Schwanzstummelchen zu wedeln versuchte. Mein sichtliches Erstaunen über eine so sonderbare Freundschaftsbezeugung klärte sein Herr und Gebieter sofort auf: Sehen Sie, das ist Sie nämlich ein ganz absonderlich gescheidter Kauz. Der kennt nämlich unsere Uniformabzeichen auf's Haar. Beim Zusammentreffen mit dem Ober-Zollinspector bellt er vor Freude viermal, beim Ober - Controleur dreimal, beim Berittenen zweimal und bei jedem Aufscher blos einmal. Heute sind Sie ihm nun in den Weg gekommen und da er Sie nämlich noch nie einen Accessisten bis jetzt gesehen hat und Ihr Abzeichen, die Litzen, noch gar nicht kennt,so wußte er sich nichts anders,als blos ;anz freundlich zu knurren!" Die Stammgäste brachen in ein schallendes Gelächter aus. der bisher so Wortreiche und Mittheilsame wurde auffallend still und empfahl sich sehr bald. --Bemäntelung. Hauptmanrr MoNwitz hat seinen von ihm eingeladenen Compagnieofficieren ein Lied vorgesungen, das er in einer größeren Herrengesellschaft vortragen will, und fragt seine Untergebenen, wie ihnen sein Vortrag gefallen habe. Selbstverständlich erheben diese seine Vocale Leistung bis in den Himmel. Als aber die That" zur Ausführung gelangt, hat sie ein negatives Resultat hervorgebracht einige feinhörigere Herren waren sogar zur Retirade gezwungen. Der Hauptmann ist natürlich wüthend und als ihm sein Premier in den Weg läuft, schnauzt er diesen an: Zum Donnerwetter! Sie hätten mir auch sagen . können, daß .meine Leistung nicht für die Öffentlichkeit sei!" Aber ich bitte Sie. Herr Hauptmann." entgegnete dieser achselzuckend. Civilisten balten aber auch schon gar nichts aus!"' . - -

Jack" als ßyestiflcr.

Deutsch - Amerikanische Skizze von W. d. Schicrbrand. Ein ganz grausiger Köter," so lautete der allgemeine Wahlspruch in Pleasantville. und man konnte sich gar nicht genug darüber wundern, daß ge rade dieses Stück Vieh von den beiden stadtbekanntenFeinden gemeinsam in's Herz geschlossen worden war. Aber es lagen triftige Gründe dafür vor. Ein Köter war es nun eigentlich nicht, sondern ein vollblütiger Scotch Terrier," aber Jack sah wirklich so ruppig und struppig aus in seinem Rock gelbgrauer Haare, der ihm sogar in die braunen Augen hineinfiel, daß der ihm gegebene Schmeichelname nicht sehr auffällig war. Doch treu war er, treu wie Gold. Aber seine Treue galt Beiden, sowohl Miß Betts, der alten Jungfer, wie auch Joe Leitner, dem- alten deutschen Hagestolz. Und Beide liebten den Hund, wie gesagt, gleich zärtlich. Da die Zwei aber Todfeinde waren und sogar im Prozeß mit einander lagen, so erfordert das eine Erklärung. Die Beiden wann Nachbarn. Ihre Grundstücke grenzten in der River Street an einander, und hinten wurden dieselben begrenzt von dem Ufer des Pequod Creek, der im Frühjahr manchmal austrat und die beiderseitigen Flecken überschwemmte. Miß Betts war eine ca. 50jährige Dame, die ihr ganzes Leben durch die. Jugend des Städtchens mit Schulweisheit versehen hatte, sich jetzt aber, da ihr vor einigen Jahren eine kleine Erbschaft von ihrer Tante in Malden, Massachusetts, zu. gefallen war, zur Ruhe gesetzt hatte und nun ihre Tage in Beschaulichkeit zubrachte. Joe Leitner dagegen war ein etwas griesgrämiger Junggeselle, der 20 Johre lang die einzige Apotheke in Pleasantville betrieben, jetzt aber, da er einen jüngeren Partner mit in's Geschäft genommen hatte, sein Dasein viel behaglicher zu gestalten begonnen hatte. Abends war er stets daheim in seiner Bibliothek, wo er mit Vorliebe die alten Classiker wieder vornahm, denn ev hatte seiner Zeit studirt in j Würzburg und hatte literarische Reigungen. Er war, was man so nennt gut ab," und es war vn Wunder, daß er nie ein Weib heimgeführt hatte. Wenn man ihn aber darüber frug, fo pfiff er mit besonderer Betonung und behauptete, ev wisse schon, wenn er's gut habe. Er galt als einen eingefleischten Weiberfeind. Er wollte auch kein weibliches Wesen um sich herum wissen und hielt sich einen alten Trunkenbold, der einst als Provisor bei ihm gewesen war, als Diener. Dieser hörte auf den schönen Namen Spund" eigentlich hieß er aber Franz Ktzer. Das kleine Fräulein im Neben Hause hatte eine entfernte Verwandte aus dem Osten bei sich, die die Hausarbeit besorgte. Natürlich . war Spund ihnen beinahe noch mehr verhaßt als sein Herr, und Spund blieb ihnen in der Beziehung nichts schuldig. Der Grund der Feindschaft zwischen den beiden Häusern war in erster Linie darin zu suchen, daß sie sich das Eigenthumsrecht auf ca. 6 Quadratyards Boden streitig machten, dev am Flusse lag und ihre beiden Gärten von einander schied. Das Land an und für sich war ganz werthlos, denn es war nie etwas anderes als Sumpf und Morast während der einen sechs Monate des Jahres und lehmiger, staubiger Boden während der anderen sechs. Aber Miß Betts sowohl wie Joe Leitner waren von Natur hartnäckig und eigensinnig, und so hatte der Prozeß um die Handbreit Erde schon zwei Jahre gedauert, ohne daß eine cndgiltige Entscheidung auch nur in dev Ferne winkte. Und gerade in dieser Scholle streitiaen Terrains war eines Tages der Hund, Jack, angespült worden. Das arme Vieh war wohl herrenlos gewesen, und irgend welche boshafte Jungen hatten erst dem Thier durch einen Steinwurf die rechte Pfote zerschmet tret und es dann in's Wasser geworfen. Maisie. das Mädchen der Miß Betts, hatte Jack aus den trüben Fluthen gerettet, und als zugleich Spund herzukam und für seinen Herrn, als angeblichen Besitzer des fraglichen Erdstücks, auch das Eigenthumsrecht über den geretteten Hund forderte und ihr das Thier entreißen wollte, da flüchtete Maisie schreiend in'sHaus zu ihrer Tante und erzählte ihr den Vorgang. Natürlich genügte das, um sofort Partei für Maisie zu ergreifen und das häßliche Thier, das ihr das saubere Häuschen gleich verunreinigte und das ihr unter allen anderen Umständen einfach Zuwider gewesen wäre, mit demonstrativer Zärtlichkeit mit Beschlag zu belegen und sorgsam zu verpflegen. Dem weiberfeindlichen Joe Leitner dagegen galt dies als eure Herausforderung, und nachdem die durch Spund wiederholt -, zugestellte Aufforderung. das Thier herauszugeben, da es auf seinem Grund und Boden angeschwemmt sei mitHohn zurckgewiesen worden war, instruirte er Spund ganz genau, und einige Tage später befand jich der Hund in seinem Besitze. Davob natürlich neue Feindschaft und grimmiger Haß zwischen den beiden Häusern. Der Hund aber, der sowohl bei dem Apotheker wie auch bei der altert Lehrerin wahrscheinlich besser behandelt worden war, als je vorher in seinem Leben, handelte auch. unter diesen ver Wickelten Verhältnissen ganz einfach nach Hundeart; d. h., er bezeigte beiden Häusern dieselbe Anhänglichkeit, und vertheilte seine Anwesenheit so gleichmäßig wie möglich auf beide. Da mußte es aber doch Joe Leitner beikommen, wahrscheinlich dazu aufgestachelt durch sein stets halb berauschtes Factotum Spund, daß er den Hund mit einer Haltleine versah und nun ihn stets entweder im Hause einschloß oder an der Leine führte, wen? cr spaziren

fl!na' Jack selbst erschien dieser Wechsei in der Situation jedenfalls ganz unheimlich, denn oft sprang er auf's Fensterbrett im Studirzimmer des Apothekers und starrte sehnsüchtig hinüber nach dem 'kleinen Haus, das' durch alte Apfelbäume seinen Blicken theilweise entzogen war, und dabei ließ er ab und zu ein bittendes Winseln oder klagendes Knurren hören. Aber weder sein Herr noch Spund kannten Mitleid mit ihm, wenn sie ihn auch sonst reichlich fütterten und für feine übrigen Bedürfnisse auf's Beste sorgten. Und es waren auf solche Weise schon zwei Wochen verstrichen, ohne daß der Hund Miß Betts, oder letztere ihn erblickt hätte. , Aber nun hielt das kampflustige Fräulein nicht länger an sich, und durch Maisie ermuthigt, erschien sie eines Mittags, als ihr Feind. derApotheker gerade seinen Spaziergang im Garten machte und dabei, wohl um den Eigenthümer zu markiren," auch das strittige Terrain abwandelte, plötzlich vor seinen erstaunten Blicken. ' Nun war es eine eigenthümliche Thatsache, daß die Beiden, obwohl sie seit Jahren Nachbarn waren und beinahe ebenso lange schon sich das Leben sauer machten, doch nun sich Auge in Auge gegenüber gestanden hatten, obwohl sie aus der Entfernung sich schon häufig neugierig gemustert. Joe Leitner starrte daher das Fräulein groß an, und sie ihn ebenfalls. Dabei machte er die Entdeckung, daß sie doch eigentlich gar nicht fo übel sei schlank, zierlich, mit lebhaften schwarzen Augen und schnellen Bewegungen, gerade wie er die Frauenzimmer liebte. Und Miß Betts sagte sich im Stillen ebenfalls, daß Joe Leitner eigentlich eine recht stattliche Erscheinung sei etwas Grau schon in Haar und Bart, aber schön wohlbeleibt und mit klaren, blauen Augen, die gar nicht böse blickten. Befangen blieb sie einen Moment stehen. Dann aber erspähte sie Maisie hinter , den Büschen in der Nähe, und das gab ihr die Besinnung wieder. Sie richtete sich straff auf und sah den Apotheker zornig und herausfordernd an. Und dann verlangte sie von ihm. in dürren Worten, daß e? ihren Hund herausgebe, wenn er nicht wolle, daß sie die Hülfe der Gericht: zum zweiten Male gegen ihn anrufen solle. Ihr Hund? Wieso , Ihr Hund?antwortete Joe Leitner und that ganz unschuldig. Damit hatte er aber nur Oel in's Feuer gegossen. Denn nun ergoß sich ein zorniger Redestrom über sein Haupt, wie er ihn dieser zarten kleinen Person gar nicht zugetraut hätte. Wie behende sie , ihre Zunge gebrauchen konnte! Joe Leitner bekam ordentlich Respekt vor ihr. denn Muth und Redegewandtheit schätzte er über Alles. Mitten in dem Redeflusse aber, kam etwas vom Hause her auf die Gruppe der Streitenden los. Es war Jack, der sich in seinem Eifer wohl von der Leine losgerissen haben mußte und nun angestürzt kam, um seiner Wohlthäterin. unbedacht der Rechte des Anderen, seine Liebe und Dankbarkeit zu bezeugen. Es sah komisch aus. Der dicke, ungeschlachte Hund überkugelte sich in seinem Eifer mehrmals im Lauf und bellte dazu, als ob er die ganze Welt auffressen wollte. Und als er Miß Betts erreicht, da sprang er an ihr hinauf. und wälzte sich zu ihren Füßen und wedelte mit dem kurzen Schwanzstumpf, und heulte und knurrte dabei, daß es der guten Dame ganz Angst und Bange wurde. Nun, Herr Nachbar, was sagen Sie nun?- rief sie trotzdem triumphirend. Bekennt sich der Hund nicht selbst zu mir?" Keineswegs." erwiderte etwas boshast lächelnd der Apotheker. Er sieht in Ihnen nur eine gute Freundin, keineswegs seine Herrin. Passen Sie auf!" Und er rief schmeichelnd: Jack. Stack, mein Hund, komm' zu deinem Herrn!" Und Jack sprang sofort bei reitwilligst auf und kroch auf dem Bauche, schweifwedelng und seinen Herrn bitend ansehend, zu diesem hin. indem er sich vor dessen Füßen legte. Sie sehen. Miß Betts?" bemerkte der alte Hagestolz dabei. Ja. aber jetzt passen Sie selbst auf." rief diese und lockte jetzt wieder das Thiev, das schnell zu ihr sprang. So lockten sie den Hund hin und zurück, erst einzeln, dann zugleich, bis das arme Vieh nicht mehr wußte, welchem Rufe es zuerst Folge leisten sollte. Es blickte Beide der Reihe nach mit einem so rührend komischen Blicke an als wollte es sagen: Ich habe Euch alle Beide ja so lieb was soll ich denn da anfangen. Ihr albernen Menschen, Ihr?" Und dann warf er sich zwischen den Beiden hin auf die Erde. und wälzte sich und keuchte und wedelte mit seinem armseligen Schwanzstummel über den Streifen umstrittenen Landes hin. Es war zu komisch, und plötzlich brachen beide Zuschauer in ein helles, herzliches, schier unauslöschliches Gelächter aus. Und als es endlich vorbei, da blickten sie sich erstaunt und halb gerührt an. Der Apotheker sagte, indem er sich die Lachthränen von : den vollen Wangen wischte: Wir sind doch eigentlich recht thöricht gewesen. Miß Betts, meinen Sie nicht auch?" Das kleine Fräulein blickte ihn Gegenüber aufmerksam und etwas evstaunt an. und dann sagte sie. indem sie erröthete: Wie meinen Sie 4a?" Nun. ich meine, wir thäten gescheidter. in Zukunft gute Nachbarschaft zu halten, als uns wegen Kleinigkeiten zu streiten und das Leben sauer zu machen." . Miß Betts holte erst tief Athem. Dann sah sie nochmals, aber ganz heimlich, den ältlichen Junggesellen prüfend an. Und endlich sagte sie leis?: Aber.der Hund?" Nehmen Sie ihn, wen- es Ihnen Freude macht."

Das kleine Fräulein erröthete abermals. aber dieses Mal aus Ueberraschung und Vergnügen. Und das Land? flüsterte sie dann kaum hörh"T ' wul. Joe Leitner kratzte sich hinter den Ohren. Wie wär's. Fräulein." sagte er dann etwas schüchtern, wenn wiv das Land als neutrales Gebiet erkläre ten? Damit würde weder meiner noch Ihrer Ehre zu nahe getreten." Sie sind großmüthig und ich nehme Ihren Vorschlag mit Dank an," murmelte das kleine Fräulein. Und ehe sie es hindern konnte, hatte der dicke Apotheker ihre schlanke, .zarte Hand erfaßt und einen Kuß darauf gedrückt. . . . . , 5. Und so ist Jack zum Ehestifter geworden. Denn nicht wahr, lieber Leser. du hast's schon errathen, daß das kleine Fräulein und der dicke Apotheker binnen Kurzem ein Paar geworden sind? Als sie in der Kirche zum ersten Mal aufgeboten wurden, da bemächtigte sich ein großes Erstaunen der ganzen Gemeinde und später auch der ganzen Stadt. Und als die Trauung stattfand, einen Monat später, da war so ziemlich alles. wasBeine hatte, zugegen. , Denn es war in mehr als einer Beziehung eine außergewöhnliche Verbindung. Aber die zwei ehemaligen Feinde sind ganz glücklich mit einander geworden. Und darauf kommt's doch schließlich nur an, nicht wahr? Eins will ich noch bemerken: Jack hat's gut bei dem Ehepaar.

Aie Keiratys-Eandidatm. Eine komische Geschichte von HanS Richter. Wie was Du Du?" Dem Herrn Bäckermeister Breitenberg schienen thatsächlich vor Erstaunen die Worte im Munde stecken zu bleiben. Er mußte sich damit begnügen, einige Male mit der Faust derb auf den Tisch zu schlagen, während er mit weitgeösfneten Augen seinen vor ihm stehenden einzigen Sprößling Otto vom Kopf bis zu den Füßen musterte, als sähe er ihn heut überhaupt zum ersten Male. Ja wohl, Vater, ich ich will!" antwortete dieser Otto mit einem sehr vergnügten Lächeln. Js das 'ne Möglichkeit! Der Junge ist kaum eingesegnet worden." Vor zwölf Jahren, lieber Vater." Diesen Einwand beachtete Meister Breitenberg gar nicht. Er schüttelte den Kopf und brachte aus der Tiefe seiner gewaltigen Brust einen dröhnenden Seufzer hervor. Was soll denn nu aus'mir werden, Otto?" Du bleibst natürlich bei uns und sollst Deine Freude haben an unserer neuen gemüthlichen Häuslichkeit. Es geht ja wirklich nicht länger mit diesen Haushälterinnen, Vater. Die Ehr lichen sind dumm, unreinlich oder sonst irgend was, und die Brauchbaren stehlen wie die Raben. Auch das Geschäft verlangt nach einer Meisterin. Kurzum, ich werde heirathen." Und das sagst Du so als wie: ich kauf' mir 'nen neuen Sommeranzug. Junge. Otto, Menfch, das Heirathen is 'ne Sache, wo man eklig rinschliddern kann. Da thäte mir doch Dein junges Leben leid. Sieh Dich man orndlich vor und frag' mich erst um Rath, bevor Du zugreifst." Otto zuckte die Achseln. Ich habe schon zugegriffen, lieber Vater. Es fehlt uns nur noch Deine Einwilligung, um die ich Dich hiermit herzlich bitte." Soviel konnte ich mir eigentlich an die fünf Finger abzählen. Der Mensch denkt nie an's Heirathen, ehe er nich 'ne Braut hat. Alte Sache! Wer ist es denn?" Lieschen Becker!" Ein wenig zögernd brachte Otto den Namen hervor, und was er gefürchtet, geschah. Papa Breitenberg sprang wie von einer Feder geschnellt empor und rief: Die Lieschen? Die Nichte von die olle Weckern? Nee, Junge, meinetwegen die Tochter von 'nem Müllkutscher, blos die nicht. -Die Alte hat mir so viel gebranntes Herzleid angethan, daß ich lieber sterben will, als mit ihr verwandt werden. Nicht in alle Hände!" Aber Lieschen gefällt mir nun einmal so, daß ich keine andere haben mag." Das giebt sich mit der Zeit! Sei gescheut, Junge. Suche Dir sonst irgend eine aus." Nein, dann heirathe ich überHaupt nicht, und Du kannst sehen, wie Du wieder mit Deinen Haushälterinnen fertig wirst", erklärte Otto. Ich bleibe Lieschen treu, Die Tante ist ohnehin sehr häßlich und lieblos gegen sie." Damit war die Scche vorläufig abgethan. Meister Vreitenberg war, wie man so sagt, eine Seele von einem Menschen, und auf der Welt gab es wohl nur ein Wesen, gegen welches er einen unversöhnlichen Groll hegte. Leider war dies eben gerade Lieschens Tante und Pflegemutter. Als der jetzt wohlhabende Meister noch ein armer Geselle gewesen, hatte er eine innige Liebe zu dem hübschen Meisterstöchterchen emPfunden, welche dieselbe auch zu erwidern schien, bis sich ein anderer Bewerber fand, der reiche Holzhändler Becker. Da verleugnete sie den Geliebten, stieß ihn mit harten, höhnischen Worten von sich.nannte ihn einen Narren, daß er habe glauben können, sie werde ihn, den Habenichts, zum Gatten wählen. Breitenberg wurde .trotz dieser bitteren Enttäuschung später noch glücklicher Gatte und überdies ein wohlhabender Mann, doch nie schwand seine Feindseligkeit gegen Frau Becker, zumal sie gelegentlich nochjetzt ihre scharfe

Zunge gern an ihm übte. Darum setzte er auch dem Heirathsproject seines Sohnes den entschiedensten Widerstand entgegen, so gern er mit jedem anderen wohl . einverstanden gewesen wär:, denn seit dem vor einigen Jahrcn erfolgten Tode seiner Gattin . gab es wirklich keine rechte Behaglichkeit mehr im Hause. Die Frau fehlte Und nicht minder dem Geschäft die Meisterin. Mit den Wirthschafterinnen war es rein nicht mehr zum Aushalten. Sie schienen täglich nicht nur an Alter.sondern auch an . Dummheit, Unverschämheit und der Neigung zuSchmühgroschen zuzunehmen. - - " - ' Seit sich Meister Breitenberg erst mit dem Gedanken an eine neue Hausfrau trug, kam ihm dieses jetzige Leben immer unerträglicher vor. Aber Otto blieb gegen jedes Zureden taub. Lieschen Becker odcx keine!" beharrte er, und durch den doppelten Zorn über diesen Trotz und seine jetzige schnippische Wirthschaften gelangte Meister Breitenberg in einer schlaflosen Nacht zu einem wahrhast großen Entschluß. Eine Frau mußte in's Haus soviel stand fest. Wenn aber dieser trotzköpfige Otto nicht wollte, so stand es ja ihm selber frei, noch einmal zu heirathen. Aber Wetter ja. warum war er darauf nicht früher gekommen! Er war doch erst ein angehender Fünfziger, gesund und stark wie ein Bar, sogar von angenehmen Aeußeren" wie er vor dem Pfeilerspiegel in der guten Stube constatirte, dabei im Besitze eines einträglichen Geschäftes, von dem Vertrauen hoher Behörden und werther Mitbürger mit verschiedenen Ehrenämtern begabt mein Liebchen, was willst Du noch mehr!Otto durfte natürlich nichts davon erfahren. Ebenso sah Meister Breitenberg ein. daß ein Mann in seinen Jahren nicht mehr auf die Freite geht wie ein Jüngling. Er wollte mehr den Verstand sprechen lassen als das Herz. . ' , Nachdem er in seiner Bekanntschaft nichts Geeignetes entdeckt, verfiel .er auf den bekannten nicht mehr ungewöhnlichen Weg. Schon in der nächsten Nummer des - Lokal-Anzeigers, welchem er auch in diesem Falle treu blieb, las er sein nach dem bekannten Muster abgefaßtes Inserat: Bäckermeister in den besten Jahren, gut situirt. Wittwer mit einem erwachsenen Sohne, sucht, da es ihm an geeigneter Damenbekanntschaft fehlt u. s. w." Natürlich hatte er das Inserat durch Vermittelung eines Annoncenbureaus aufgeben lassen und empfing auf gleichem Wege die einlaufenden Briefe. Himmel, welch' eine Fluth von parfumirtem Papier stürzte auf ihn herab. Diese ihm angetragene Liebe hätte hingereicht, ein ganzes Negiment Grenadiere zu beglücken. Und was für Tugenden und Vorzüge wurden ihm da aufgezählt! Ihm schwindelte! Und doch war unter all' diesem Wust nur ein einziger Brief, der ihn einigermaßen ansprach. Derselbe lautete: Geehrter Herr! Ich bin Wittwe, Tochter eines Bäckermeisters, kinderlos, im Besitz tu nes Vermögens, das mir sicher angelegt jährlich - neunhundert Thaler bringt, in den vierziger Jahren und, wie man mir versichert, häuslich, sanft, gutmüthlich, bescheiden und so hübsch, als man es von einer wohl conservirten Frau in diesem Alter verlangen kann. Wünschen Sie daraufhin meine Bekanntschaft zu machen, . so stellen Sie sich, bitte, nächsten Sonntag vier Uhr an der Löwengruppe im Thiergarten ein. Erkennungszeichen beiderseitig: eine Tuberose im Knopfloch. Discretion Ehrensache. Hochtungsvoll X. X. Das war kurz, klar, verständig ganz wie es Meister Brcitenberg liebte. Der nächste Sonntagnachmittag sah ihn im Thiergarten. Er hatte sich außerordentlich nobel gemacht: dunkles Jacket und helle weite Beinkleider, Cylinder, modefarbener Ueberzieher, in dessen Aufschlag die weiße Tuberose prangte. Stattlich aufgerichtet, wenn auch gewaltig klopfenden. Herzens, schritt er vom Brandenburger Thor aus die bekannte schräge Allee entlang. Der schöne Sonntag hatte Tausende in den herrlichen Park gelockt, und erst dicht unter dem Denkmal konnte Meister Breitenberg eine Tuberose an dem sehr umfangreichen Busen einer fein gekleibeten Dame entdecken. Sie stand ein wenig abgewendet, in wartender Haltung. . . natürlich war sie es. d:e Wittwe mH den neunhundert Thalern Zinsen. Die Hand am Cylinder, trat er an sie heran. Da drehte sie sich um, und nun durchrieselte es den guten Breitenberg, als werde er mitten im warmen Sommersonnenscheine mit einer Fluth eisigkalten Wassers Übergossen. Diese sanfte, gutmüthige, bescheidene Heirathslustige war ja die Weckern, seine verflossene erste Liebe, seine einzige Feindin, die giftigste Zunge, welche er je kennen gelernt hatte. Herr Breitenberg Sie also sind es!" rief sie ihm schmachtend entgegen. ' Das brachte ihn zur Besinnung. Er schleuderte die verwünschte Tuberose von sich und rannte in den nächsten Querweg davon, rücksichtslos mit den Ellbogen sich Bahn schaffend, während es noch immer hinter ihm drein rief: Herr Breitenbcrg Meister, Meister Robert, , liebes Robertchen!" ' Athemlos rettete er sich endlich in eine Taxameter - Drosöke. .

An demselben Abend bat er seinen Sohn: Otto, dieses Lcb:n ist nicht mehr auszuhalten. Such' Dir eine Frau!" Habe ich schon gcfunden." lautete die lakonische Antwort. Das ist ja reizend! Wer ist sie! Wie heißt sie denn?"' Lieschen Becker!" Niemals!" schrie Meister Breitenberg wüthend. Na, dann überhaupt nicht!" sagte Otto ruhig, und ' dabei blieb er wie vordem. Wollte der Meister eine andere Frau als Lieschen Becker im Hause haben, so mußte er wiederum selbst auf dieSuche gehen. ,. V."; . ' .7. Der Weg des Jnserirens war ihm natürlich gründlich verladet. Ebenso wenig mochte er einen Bekannten zu Rathe ziehen.' Er suchte auf eigene Faust und gerieth dabei an einen Agenten, welcher auch Heirathspartien in den , besseren Ständen vermittelte. Dieser H Schulze nahm ihm zwar sofort fünfzig Mark Einschreibegebühr und noch weitere zwanzig als Entschädigung für anzustellende Recherchen, ab, dafür wußte er aber Breitcnbergs geheimste Wünsche in bezug auf seine Zukünftige zu errathen und verschwor sich hoch und theuer, mindestens ein Dutzend Damen mit allen erfordertchen und noch etlichen angenehmen Eigenschaften auf Lager zu haben. Außerdem zeichnete er sich durch eine unbesiegbare Diskretion aus. Er nannte nie Namen. Eines Abends erhielt Breitenbcrg einen Rohrpostbrief von ihm mit dem Inhalt: Kommen Sie sofort zu mir. Eine Dame erwartet Sie hier. Hochfeine Gelegenheit! Mit vorzüglicher Hochachtung A. Schulze." ' Da sich Otto im Geschäft befand, konnte Breitenberg abkommen. Wieder legte er seinen eleganten Anzug an, obwohl derselbe eine sehr unangenehme Erinnerung an das unglückselige Stelldichein im Thiergarten, in ihm erweckte. Dann nahm er eine Droschke erster Güte. Für diesen Weg däuchte ihm die Pferdebahn zu gewöhnlich. Herr Schulze empfing ihn mit einem honigsüßen Lächeln. Hochfein. Verehrtester Herr Breiten berg!" versicherte er händereibend. ES hat mich unendliche Mühe gekostet, diese den besten Kreisen angehörie, sehr wohlhabende Dame zu einem Rendez-vous zu bewegen. Indessen, für meine werthen Klienten thue ich das Uebermenschliche. Natürlich habe ich einige Kosten und Auslagen gehabt ein paar Blumen, ein Gläschen: Malaga, Benutzung meines Salons spielt 'doch keine Rolle, Herr Breitenberg, bei gut Dreißigtausend und noch zum Anbeißen, auf Ehre! Wenn ich also ergebenst bitten dürfte vierzig Mark!" Ein bischen viel." sagte Breitenberg, zahlte aber. Danke ganz ergebenst. Bin überzeugt, daß Sie mit mir zufrieden sein werden lächelte Herr Schulze und öffnete die Thür zu feinem Salon", wie er das mit schäbiger Eleganz ausgestattete zweifenstrige Zimmer zu nennen pflegte. Verlegen trat Breitenberg über die Schwelle. Fast wäre er sogleich über den Teppich gestolpert, der Ungeschickterweise bis dicht an die Thür herangeschoben war. Eine kräftige Hand stützte ihn. Danke", sagte er. Bitte!" erwiderte eine fette Frauenstimme, und wie Breitenberg nun recht aufschaute, blickte er abermals in daS breit auseinander gegangene Antlitz der verwittweten Frau Becker, welches ihn holselig anlächelte. Sehen Sie, mein theurer Robert", hauchte sie mit schmachtender Stimme; wir sind doch einmal vom Schicksal für einander bestimmt." Der theure Robert hätte vor Wuth sie erdrosseln und selber platzen mögen. Unsinn!" knirschte er. indem er sich zum Rückzüge anschickte, aber als . geschickte Strategin. hatte sie ihm denselben von vornherein abgeschnitten, indem sie an der einzigen Thür stehen geblieben war. Ich will ja gar nicht heirathen." Sie nicht wer denn sonst?" Vergebens sann er nach dem Namen eines Bekannten, den er als Sündenbock vorschieben könne. Dann platzte er in heller Verzweislung heraus: Mein Sohn." Ihr Sohn, ach, wie nett!" Ja, und zwar Ihre Nichte Lieschen." Mit Freuden gebe ich meinen Segen, kommen wir uns ja dadurch auch näher!" Frau Becker schien nicht abgeneigt, dieses Nähekkommen sofort handgreiflich" zu demonstriren. Da sie jedoch hierbei die Thür verließ, benutzte Meister Breitenberg die Gelegenheit, zu entwischen, und rief nur noch: Ich werde ihn sofort zu Ihnen schicken, damit er sich Ihren Segen persönlich holt. Fort war er. Dahin angelangt, faßte er seinen Sohn an den Schultern und fragte: Willst Du noch immer Lieschen Becker heirathen?" Keine Andere, Vater!" Dann gehe und kaufe die Ringe, aber ein Versprechen gieb mir: Sobald Ihr verheirathet seid, betritt 'Frau Becker unser Haus nicht mehr, sonst" Den Nachsatz: Sonst heirathet sie mich schließlich doch noch! verschluckte er. Es brauchte Niemand zu wissen, daß er noch einmal seinem Sohne Concurrenz als HeirathScandidat ge macht batte.