Indiana Tribüne, Volume 20, Number 210, Indianapolis, Marion County, 18 April 1897 — Page 6

Iic EsclttricittttswcrKe von Arcsno. Seitdem die Frankfurter Elektrische Ausstellung (1891) in der Uebertragung Lauffen Frankfurt, durch welche 300 dem Ncckar abgewonnene Pferbestärken auf eine Entfernung von ca. 110 englische Meilen übertragen wurden, eine glückliche Lösung des Problems der Kraftübertragung auf große Entfernungen gebracht hat, sind zahlreiche Betriebsanlagen entstanden, in welchen das gegebene Beispiel mit Erfolg nachgeahmt wird. Zu den bemer kensmerthestm Werken dieser Art sind die Anlagen der San Joaquin Electric Company im Staate Californien zu rechnen, mittels welcher der Stadt Fresno auf eine Entfernung von ca. 40 Meilen ein electrischer Strom zugeführt wird, der zum Speisen von 163 Bogenlichtern, sowie 5000 Glühlampen genügt und außerdem 460 Pferdestärken für industrielle Zwecke liefert.

MU &JLjr( ik 5 Gerinnebrücke. Fresno, eine rührige S!adt von 15.000 Einwohnern, ist in dem berühmten San Joaquin Thale im südlichen Clifornien belegen. Vor 25 Jahren gegründet, verdankt die . Stadt ihren Wohlstand ausschließlich dem Landund Gartenbau, da bei der enormen Höhe der Kohlenpreise und Transportkosten die Anlage industrieller Etablifsements sich von selbst verbot. Seit der erfolgreichen Lösung der elektrischen Kraftübertragung auf großeEntfernungen konnte es nicht Wunder neh men, daß die Bewohner von Fresno wie mancher anderen Stadt im San Joaquin, und Sacramento Thale sehnsüchtigen Blickes nach dem benachbarten Bergströmen schauten und die gewaltigen Kräfte derselben sich dienstbar zu machen trachteten. Zu diesem Zwecke wurde im April 1895 die San Joaquin Electric Company gegründet, welche das in mehr als einer Hinsicht bemerkenswerthe Unternehmen erfolgreich ausführte. Der Oberlauf der Flüsse, welche die zum Betrieb der elekirischen Dynamos erforderliche Kraft liefern, sind hoch über derWinterschneeLinie belegen und die Punkte, wo das Wasser aus dem nördlichen Arm des San Joaquin und seinem südlichen s s ZL 1-- i l . l 1 !7vJvv' yAl -r te-vs fcr: 3 , xs. Ableit-Gerinne. Nebenfluß abgeleitet wird, sind von Fresno ca. 40 Meilen entfernt. Das Wasser wird aus diesen Flüssen mit tels hölzerner Gerinne abgeleitet, die durch Bolzen an den Felsen des Flußbettes befestigt wurden, damit sie nicht fortgerissen werden können. Zu diefern Zwecke gelangten gespaltene AnZerbolzcn mit stählernen Keilen zur Verwendung und außerdem wurde in die Löcher geschmolzenes Blei gegossen, so daß die Gerinne allen durch das Schmelzen des Schnees oder schwere Regengüsse verursachten Wassermassen Widerstand leisten können. Die Länge des hölzernen Gerinnes beträgt 3000 Fuß und die Wasserleitung mißt im Ganzen ca. 7 Meilen, mit Abflußschleusen auf jede 4000 Fuß Entfernung. Die Leitung führt in ein Reservoir von ca. 8 Acres Flächeninhalt. Dieses Reservoir wurde auf einem Hochplateau, das auf drei Seiten von Anhöhen umgeben ist. construirt. so daß nur ein 10 Fuß hoher und 500 Fuß langer Damm herzustellen war, und der Wassergehalt genügt, um dem EZnlaßschleusen. Electricitätswerk die für 5 Tage 12 Stunden erforderliche Betriebskraft zu liefern. Von dem Reservoir führt eine Röhrenleitung von 4000 Fuß Länge mit einem Gesammtgefälle von 1411 Fuß nach dem Electricitätswerk selbst. In diese Leitung wird das Wasser durch eine Reihe von glockenförmigen Oeffnungen. die 6 Fuß Durchmesser haben und mitDrahtnetzen zurm Fernhalten von Kies u. s. w. versehen sind, gelassen, und zwar kann dies direct aus dem Canal bezw. dem Reservoir oder durch große Schleusen geschehen. Die Röhrenleitung, welche am untern Ende 20 Zoll Durchmesser hat und deren Eisenwände 5 Achte! Zoll stark sind, befindet sich lheilweise 5 bis 8 Fuß unter der Erde, theilweise ist sie durch starke'eiserne Bolzen und Bänder an dem Felsen befestigt; sie mün-

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det in einen Recipicnten von 30 Zoll Durchmesser und 57 Fuß Länge. Bei dem furchtbaren Drucke der Wassersäule, welche 609 Pfund auf den Qua dratzoll und im Ganzen nicht weniger als 93 Tonnen am Ende beträgt, muß

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350 Kl W. G e n e r a t o r. te der Recipient selbstverständlich über der Turbinengrube ungewöhnlich stark befestigt werden; zu diesem Zwecke wurden schwere Steinmauern construirt und Stahlbolzen von 2j Zoll Stärke in dieselben getrieben. Das riesige Gefalle von 1411 Fuß, welches die Wassersäule von dem Reservoir bis zu dem Recipienten hat, bot den Ingenieuren selbstverständlich große Schwierigkeiten dar. In gewisser Hinsicht kann man wohl sagen, daß das Wasser unter dem ungeheuren Druck seinen flüssigen Zustand verliert, denn wenn es am unteren Ende der Leitung aus einem Mundstück von 1$ Zoll Durchmesser gelassen wird, schießt es mit einer Geschwindigkeit von über 90000 Fuß heran und hat alle charakteristischen Eigenschaften einer massiven Metallstange. Anfär.zlich gelangten große Ventile und Schleusen zur Verwendung, allein der Druck war so enorm, daß man , noch zahlreichen Versuchen von denselben absehen und zu kleinen Schleusen seine Zuflucht nehmen mußte; diese haben sich bisher gut bewährt. Das aus dcm Recipienten tretende Wasser treibt drei C e n t r a l st a t i o n. Pelton-Turbinen von 57 Zoll Diameter. welche die elektrischen Generatoren in Bewegung sehen; andere Turbinen liefern die Kraft für die Maschinerie, welche den Gesammtmechanismus regulirt. Von der ung:h:ueren straft, welche dem mit einem Gefalle von 1111 Fuß herabschießenden Wasser inne wohnt, hatten selbst die Ingenieure keine Ahnung. Als das Wasser zum ersten Male angedreht wurde, fiel es nicht von den Turbinenrädern in die Abflußrinne, sondern schoß in hör?zontaler Richtung 60 Fuß weit fort. Wo es den Concretbodin der Turbinengrübe traf, riß es denselben auf und zerstörte den darunter befindlichen Fels. Darauf bedeckt: man den Boden mit Stahlplatten von 3 Achtel Zoll Stärke, aber Sand und feiner Kieö wurde durch die Gewalt des WasserS sogar durch diese getrieben und jetzt gelangen gußeiserne Platten don 1j Zoll Stärke zur Verwendung; diese müssen von Zeit zu Zeit erneuert werden. Die Dynamos u. s. w. sind in einem stattlichen Granitgebäude, das 6 bei 70 Fuß mißt, aufgestellt und wird dort ein Sirom von 700 Volts erzeugt; derselbe wird zu einem NiederdruckSchaltbrett geleitet und von dort zu 6 Transformatoren geführt, welche einen Strom von 11.000 Volts durch einen Hochdruck - Schaltapparat in die nach Fresno führende oberirdische Drahtleitung bringen. In der Station in Fresno wird der Strom durch neun Transformatoren für die verschiedenen Zwecke vertheilt. Eine Leitung erhält einen Strom von 115 Volts für die Beleuchtung, eine zweite einen solchen von 1000 Volts für industrielle Zwecke und eine dritte führt einen Strom von 3000 Volts nach den umliegenden Distrikten. Unangenehm. Gattin: Lisette. ich habe Sie im Verdacht, bei der Reinigung der Kleider meines Mannes kleine Geldstücke, welche er in die Westentasche zu stecken pflegt, zu entwenden!" Dienstmädchen: Richt ein einziges Mal war etwas darin bis auf heute, eben fand ich seinen Ehering in der Westentasche. Ertappt. Kritiker: Diesmal haben Sie mir es aber recht schwer gemacht. Herr Doctor.- Dichter : Weshalb?" Kritiker: Ich habe ftundenlang suchen müssen, bis ich den al ten Dichter fand, dem Sie nachempfunden haben." Letztes Mittel. Anzeige: Ein Gentleman.' steter Besucher von Concerten.Theatern, Bierlokalen usw., absichtigt sein enthaartes Haupt, ?piegelglattePlatte, zu Reklamezwecken zu verpachten. Schreibfläche: 14:20 Centimeter. Offen unter Platto" an die Expedition.

Aus dcm Körsewerge. Am rechten Ufer der Hörsel, den nördlichen Rand des anmuthigen Hörselthales begrenzend, erhebt sich der 486 Meter hohe Große Hörselberg, der mit dem sich anschließenden KleinenHörselberge und dem Petersberge einen charakteristischen, vielfach zerklüfteten Bergzug bis vor die Thore der alten Stadt Eisenach bildet. Wuchtig hingelagert, einemRiesensarge qleich thürmt sich der Hörselberg abseits vom Hauptgebirgsstock des Thüringer Waldes auf, den Stürmen, die vom Norden herüberbrausen, ein Wall, den Wettern eine Scheidewand, an der schon manchmal der Elemente Kraft sich brach. Bereits vom Jahre 1393 erzählt ine alte Chronik, daß sich am helllichten Tage drei furchtbar lohende Feuer hoch über Eisenach in den Lüften erhoben, zusammenschlugen, sich wieder theilten, um dann alle drei zuckend in den Hörselberg hineinzuschießen. Wohl kaum ein andrer Berg in Deutschland vermag sich mit dem Sagenrerchthum des. HörselbergeS zu mefsen. Der Wanderberg Thüringens steht darin einzig da. Nicht wie bei den meisten von Sagen umwehten Stätten

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Schutzhaus. knüpft der Hörselberg an Lokalgeschichte an oder giebt, gleich dem KyffHäuser, seinen Sagen einen weiteren geschichtlichen Hintergrund. Ein anderes Sehnen klingt schwermüthig und ergreifend duich seine buntschillernde Sagenpracht: die heiße Sehnsucht nach reiner Liebe, das bange Drängen nach himmlischer Seligkeit. Germanische Gottheiten Hausen in diesem Zauberberge; er ist der Sitz der männerbethörenden Venus; an seinem Eingang sitzt der greise Warner, der getreue Eckart, eine der sympathischsten deutschen Sa gengestalten. Tief im Schooße des Hörselberges ächzen im Fegefeuer die gemarterten Seelen, und bis in die Neuzeit war der wundersame Berg derSitz verführender Geister und fratzenhafter Unholde, und mitScheu ging derLandmann schweigend an seinem steilen Gelände hin, sobald die Schleier derNacht begannen, Thal und Berg in Dunkel zu hüllen. Während der Berg nördlich nach dem Nessethal hin sich sacht abdacht, fällt er südlich jach hinab zum Grunde deö Hörselthales. Seine charakteristischeGestalt, die nach Westen in eine scharfe Felskante ausspringt, sowie ein gewisses Geräusch, das sich zu Zeiten hat aus der innersten Tiefe der niedrigen Höhle vernehmen lassen, haben schon in grauer Vorzeit den Hörselberg zum Sitz böse: Mächte und spukhafter Erscheinungen gemacht. Untersuchungen in neuerer Zeit haben die Ursache dieser seltsamen Töne, welche die Vorfahren als die Angstruse im Fegefeuer Leidender auslegten oder als Gesang aus den Festhallen txi Frau Venus deuteten, völlig klar gelegt. Es ist nichts als ein Geräusch, das durch viele Tausende summender Mücken lies im Stollen des durchklüfteten Muschelkalkberges erzeugt Wird. Um dieser geheimnißvollenTöne willen nannten die Alten den Berg .Mons horrisoniis", den schrecklich tönenden oder rauschenden Berg. Wehklagen und 'Geheul vermeinte man des Nachts daraus zu vernehmen. Die erhitzte Phantasie sah in ihm, wie schon k"o msillfi' WiiwJ-f, .rOS4TT i iT ti'. , - rr vfir m, na,, & wxA'zvtz. 'VI .iV,...!.. -i X W tV f L . ' j r m ",i ifi' -isl--t- rr. wtmm Eingang zur Venushöhle, erwähnt, den Sitz des Fegfeuers. Da rum hieß er späterhin Hör - SeelenBerg, woraus sich allmählich der Name Hörselberg entwickelte. Doch findet man noch ab und zu alte Landleute, nxlche ihn mit Venusberg bezeichnen, ohne doch zu wissen, was er unter diesemNamen dem Mittelalter galt. Als der Venusberg gilt er auch heute der gebildeten Welt, die erst durch Richard Wagners Tonschöpfung Tannhäuser" Kenntniß von diesem merkwürdigen Berge Thüringens empfing. lleberreich ist der Sagenstoff, welcher dem Berge seine Bedeutung und Anziehungskraft gab. Verschiedene Kulturepochen haben sich an dem Eni stehen der Sagen betheiligt und sviegeln wirksam ihren Charakter darin ab. Bezeichnend für das reckenhafte, weidlustige Germanenthum bleibt es, daß die vorchristlichen Anwohner des Hörselberqes dessen Inneres sich als einen weiten schönen Jagdqrund ausmalten. Hier in diesem beneidenswerthen Jagdgrunde .hauste Wotan, dessen Gestalt sich nach und nach in den wilden Jäger wandelte. Doch auch Frau Holle weilte in den unterirdischen Räumen. Kaum eine Gestalt der deutschenSagenpoesie zeigt eine so arone Wand, lungsfähigkeit als Frau Holle, besser , Holde oder Huld geheißen, ein Name, der wohl ursprünglich Hilde (von Kampf) oder öel lautete. Seanend und fluchend, mit guten und verderbenden Eigenschaften erscheint sie. heute als

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abstoßendeAlte, morgen als ein göttlich schönes Weib, das im sonnigen Schwei. gen der Mittagsstunde den blühenden Leib drunten in den Wellen der Hörsel badet. Wo sie Ordnrng findet, belohnt sie, sie verwünscht jedoch, wo sie aufUnordnung stößt. Sie wacht über die Linnenbereitung der Frauen? sie segnet die Brunnen und Neugeborenen und ebenso die Saaten, durch welche sie leuchtenden AnlitzeS zur Frühlingszeit schreitet. Sie ist s auch, welche dieMa rienfäden webt, und wenn die ersten Schneeflocken lautlos , niederrieseln, dann sagt heute noch der Thürmger: Frau Holle schüttelt ihre Federbetten aus." Das ist die Zeit, wo in dunkeln Sturmnächten Wotan mit seiner tollen Meute aus dem Hörselberge dservorbricht und über die aufstöhnenden Wipfel des nahen Waldgebirges durch die Lüfte rauscht. Da sieht man die wunderlichsten Thier- und Menschengestalten, den Kopf unterm Arm, aufs Rad geflochten, mit drei Beinen, das Gesicht auf dem Rücken. Wer demZuge entgegenkomm!, de? mun sich glatt auf den Boden werfen, bis der Spuk mit Gekläff und Hoijo an ihm vorüber ist. Voran der unheimlichen Schar schreitet mit weißem Stecken warnend dr getreue Eckart. Er saß auch noch am Eingang zur 5öhle. als Frau Venus, die schöne Teufelin, denH'örselberg zum Sitz rauschender Lustbarkeit erkoren hatte. Mit der Einführung des Christenthums wandelte sich der Jagdgrund des Hörselbezges in ein loderndes Fegefeuer. Wer vorüberging und das ferne Klagen der Gemarterten vernahm, der schlug ein Kreuz. Das kunstfrohe Mittelalter ließ im Hörselberg den Liebeshof der Frau Venus erstehen, in deren Armen angelockte Freier heiße Sinnenglut mit dem Verlust der ewigen Seligkeit bezahlen mußten. Doch nur eines Buhlen gedenkt die Thüringer Sagenpoesie: des fränkischen Ritters Tannhäuser, der zum Hofe des sangeskundigen Landgrasen Hermann I. von Thüringen auf der Wartburg zu ziehen gedachte, doch, bethört von den Zauberklängen der Venus, in dem Hörselberq eingekehrt und hier ein Jahr ' im Liebesrausche verträumt. Da faßt ihn namenloses Sehnen nach Himmelsblau und Waldesgrün, Xtach Vogelsang und Menschenerde. Und er reißt sich los aus dem Bann scköner Augen und wandert bußfertig nach Rom, dort Vergebung seiner

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Jesubrünnlein. schweren Schuld zu erflehen. Auf Petri Stubl sitzt Papst Urban IV. (1264 bis 1268), ein strenger, unbeugsamer Mann. Umsonst ist alles HoffenTannhäusers. Der Papst, empört über das Geständniß des Minnesängers, verslucht den Reuigen, indem er, seinen weißen Kreuzstab emporhebend, ausruft: So wenig dieser dürre Stab grünt und grünen wird und kann, ebensowenig hast du zu erhoffen, daß dir jemals bei Gott und mir Verzeihung und Gnade werden kann und wird!Vergeblich küßt der in die Kniee gesunkene Tannhäuser demKirchenfürsten die Füße, die schwersten Strafen für fein reuiges Gewissen erflehend Papst Urban bleibt unbewegt. Da rafft sich derUnglückliche auf und kehrt, gebrochen an Leib und Seele, über die Alpen heim in das Thüringer Land. Hier setzt nun die Volkssage ein. Sich von seinem Gott und Heiland verlassend wähnend, zieht Tannhäuser wieder in den Venusberq ein. Am dritten Tage aber vollzieht sich in Rom ein Wunder. Der Stab des Vapstes hebt zu grünen an, und erschüttert erkennt jedermann, daß Gottes Güte größer ist als der Menschen Barmherzigkeit. Wohl sandte nun Papst Urban eiligst Boten in alle Lande aus. daß sie. den Tannhäuser suchen sollten, doch sie fanden ihn nimmer. Der war wieder im Venusber und muß nun dort bleiben bis an der Welt Ende. Das Lied von Danhäuser". ohne Jahreszahl und Ortsangabe gedruckt. giebt in schlichter Weise die alte, tiefdeutige Mär wieder. Lockend und drohend sucht die schöne Teuffelin- den Sänger zuhalten. Ihn aber treibt es hinaus in die fonnbestrahlte Welt. Und endlick giebt sie ihn frei. Do scheyd er wieder aus dem bergt In jamer vnnd in reuwen: Ich wil gen Rom wol in die statt ' Aufs eynes Bapstes träuwe. Nun far ich frölich wol auff die ban, Gott muß sein ymmer walten, Zu eynem Bapst der hevst Urban, Ob er micb möcht behalten." Vergeblick- war die Bußfahrt. Da zoch er wider auß der statt In jammer vnnd in levden: Maria mutier, reyne magdt. Muß ich nun von dir scheyden!" Im Laufe der Zeit hat sich dann ein neuer dichterSagenkranz um denWunderberg Thüringens gewoben, buntfarbig, spukhaft, doch nicht mebr von jener tiefen Bedeutung, wie ihn bis in'SMittclalter das Thüringer Volk in seinem poetischen Bedürfniß mit dem Hörselberge verknüpfte. Der Glaube an allerlei Zauberfpuk hat bis in späte Tage bestanden, und

erst die Neuzeit räumte mit diesemErbe früherer Jahrhunderte auf, zum Theil freilich auch mit der Poesie des Hörselberges. Hart am Rande der schroffen Felswand erbebt sich heute ein geräumiges Schutzhaus, das an schönen Sonntagen das Stelldichein von Hunderten bildet. Mit Muük. Fahnen, bei Bier und Bratwurst feiert man jetzt droben seine Feste. Von kaum einer Bergkuppe des Thüringer Waldes eröffnet sich ein so schönes Landschaftsbild als von dem einmal aufragenden Hörselberge. Tief unten das grüne Hörselthal mit seinen rothbedachten Siedelungen, dahinter terassensörmig ansteigend, langgedehnt das Waldgebirge, von der schimmernden Wartburg bis zu den duftverhüllten Höhen bei Ilmenau. ' Schreitet man droben den kahlen, sonnüberglllhten Grat weiter bis zur hervorspringenden Feldnase nur nach Norden hin ist die flacheAböachung des Berges stellenweise bewaldet , so erreicht man den Eingang zur berühmten Venushöhle, einem feuchten, , niedrigen Stollen, der in seinem Perlauf bis zu einer mannshohen Felskammer führt. Die sick daran schießenden Zerklüftungen nur kriechend zu erreichen sind noch nicht erforscht wordene Taucht man jenseits der Venushöhle in den Wald, so gelangt man beim Abstieg in den romantischen Zapfengrund zu einem Quell, welcher der Felswand entspringt. Es ist das Jesubrünnlein. das sich, der Sage nach, einst einem fast verdürtteten Hirtellknaben durch ein Wunder erschloß.

Zukunfts - Ehering, - J ' der, statt am Finger, um die Mitte getragen wird, damit das Scheiden nicht allzu leicht wird. Ausgedockt von einem vorsichtigen Mädchen. Vorbereitung. Dame: Herr Lilienthal, was machen Sie denn auf der Schaukel?" Dichter: Ich schreibe jetzt einenSeeroman und sammle Eindrücke." V e rdorbene Freude. Warum sind Sie nur heut' so schlecht gelaunt. Frau Nachbarin?" Denken Sie sich mein Pech! In letzter Zeit war mein Mann immer erst schwergeladen nach Mitternacht heimgekommen; deßhalb präparirte ich mich auf eine niederschmetternde Strafpredigt ich 'sage Ihnen, die ging wie am Schnürchen und nun kommt der boshafte Mensch gerade gestern Abend schon um 10 Uhr nüchtern wie 'n Fisch von der Kneipe zurück!" ReflexioneinesjunLen Ehemannes. Wenn man verheirathet ist, merkt man doch erst, was für eine schöne Einrichtung ein gutes Restaurant ist!" Immer Geschäftsmann. Kaufmann (auf der Soiree zur Töchter, die er gern unter die' Haube bringen möchte): Laura, benimm Dich klug, es ist fehr viel Eoncurrenz da!" ' Galgenhumor. Gefängniß - Inspektor: Habt Ihr noch einen Wunsch , vor Eurer Hinrichtung?" Delinquent: Das schon, aber' " Inspektor: .Nun, so sagt's nur!" Delinquent: Wenn ich's nur noch erleben thät', wie'S mit der orientalischen Frage wird!" Kle-inerUnterschied. Nun, wohin wird denn jetzt Frau Mayer ziehen, nachdem ihre beiden Töchter verheirathet sind? Zu ihrem Schwiegersohn nach Frankfurt oder zu , dem nach Stuttgart?" Der Eine möchte sie gern in' Stuttgart haben, der. Andere in Frankfurt." Das sind ja recht wohlerzogene Schwiegersöhne!" Bitte, kein MißVerständniß! Der Frankfurter wünscht, daß sie nach Stuttgart, der Stuttgarter. daß sie nach Frankfurt ziehe!-

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Koffnungen. Wohl keine Beobachtung wird Im menschlichen Leben häufiger gemacht, als die. daß die' Wirklichkeit den gehegten Erwartungen nicht entspricht. laiir hören häufig die sentimentale Klage daß das Leben größtentheils aus unerfüllt bleibenden Hoffnungen bestehe und daß, wenn wirklich das geträumte Glück sich einmal erfülle, es nicht so reizend erscheine, wie wir gehofft, als wir es noch wünschten. Und in der That: 's gibt viele Tinge in der Welt, Die man von fern für reizend hält! Wie sie aber uns näher kommen. Sind all die holden Farben verglommen, Und betrachtet man sie genau. So seh'n sie schwarz, zum Mindesten grau. Beringert auch die Erfüllung des gehegten Wunsches die günstige Borstellung nicht, welche wir bei der Voraussetzung von ihr hatten, so vermischen sich doch vielleicht mit dem Genusse kleine Unannehmlichkeiten, so fallen doch in den Becher der Freude einige Wermuthstropfen, auf die wir nicht rechneten. Am häufigsten aber erlangen wir das, was wir erhofften, gar nicht. Der Lauf unseres Lebens im Großen, der Lauf der Begebenheiten jede Tages im Kleinen geht, wie der Lauf der Ströme, nirgends gerade. nirgends ununterbrochen auf das Ziel los. welches wir zu erreichen suchen. Ehre. Reichthum oder Ruhe kommt uns selten von der Seite oder in dem Zeitpunkte, wo wir glauben, sie beanspruchen zu dürfen. Dagegen gehen aber auch wieder Unfälle, die unser ganzes Glück zu zerstören drohten, ohne merklichen Schaden vorüber. Personen oder Sachen werden uns geraubt, deren Verlust uns unüberstehlich und unverschmerzbar scheint, wir überstehen ihn nicht nur, sondern verschmerzen ihn auch zuweilen recht bald. Dieselbe Erfahrung bietet das alltägliche Leben im Kleinen. In einer Gesellschaft, in die wir aus Furcht vor Langeweile ungern gingen, werden wir recht angenehm unterhalten, wir treten eine Lustfahrt bei Ungünstigstem Aussehen des Himmels an und haben auf derselben das schönste Wetter, wir fürchteten einen Streit, einen verdrießlichen Auftritt und werden mit einer leichten, ost angenehmen Entwickelung der Sache überrascht. Woher kommt nun aber diese so oft sich wiederholende Täuschung menschlicher Hoffnungen und Befürchtungen? Es gibt einen großen Unterschied zwischen Menschen und Menschen in Hinsieht des Eintreffens und Nichteintreffens von Erwartungen. Es ergibt sich da, daß Diejenigen, deren Voraussetzungen am häufigsten eintreffen, die sind, welche am besten beobachten. Alle Voraussetzung ist cineSchlußfolgerung von dem Vergangenen und Gegenwärtigen auf das Zukünftige. Wer die Ursachen nicht kennt, kann auch keine Wirkungen voraussagen. Je genauer demnach Jemand alle kleinen, ihm jetzt vor Augen liegenden Umstände von Verhältnissen bemerkt, desto richtiger wird er bestimmen können, was sie zur Folge haben werden. Eine Ursache auch, welche viel fehlgeschlagene ErWartungen veranlaßt, ist. daß die Menschen überhaupt zu große haben. und Diejenigen werden sicher am häufigsten getäuscht, die vom Zufall oder von anderen Menschen zu viel erwarten. Oft auch läßt die Eigenliebe den Menschen don seinen persönlichen Eigenschaften zu groß denken, läßt ihn zu hohe Belohnung erwarten für das. was er glaubt, verdient zu haben. Auch aus der Stärke der Begierde nach dem erwünschten Gegenstande entsteht diese zuversichtliche Hoffnung; die Schwierigkeiten, die der Befriedigung m Wege stehen, erscheinen Denen gering, die leidenschaftlich hoffen, und je größere Dinge sie begehren, desto öfteren und schmerzlicheren Täuschungen sind sie ausgesetzt. In den Alkinous - Gärten der Hoffnung gibt es nur Blüthen und Früchte und einen ewigen Frühling und Moraen- und Abendroth; auf dem Acker der Wirklichkeit aber gedeiht keine Frucht, die nicht durch Schweiß und heiße Tage. Sturm und Regen erkauft wird. Und doch zürnt Mancher über die Betrügereien und Täuschungen ihres Zauberspiegels, derAlles verheiße und Wenig gewähre. Was sie gewähren kann, verleiht sie allerdings, und was sie gewährt, ist unvergänglich und ewig. Die Täuschung ist in Dir. und Deine Begierden hast Du anzuklagen und Deine kindische Thorheit, die nach Unerreichbarem langt." Nun sollen Wir aber auch keineswegs, entmuthigt durch manche fehlgeschlagene Erwartung, in das Gegentheil umschlagen. O nein, der Mensch soll hoffen, so lange er lebt! Selbst wenn Alles um uns sich zu Nacht verfinstert hat: glaube doch Niemand, daß die ewigen Steme selbst erloschen seien. Sie leuchten noch über denWolken, und alles Leiden ist nur Gewölk; es entspinnt sich und zerrinnt! An nichts verzweifeln! Alles ist möglich, nichts ist ohne Hoffnung! Die grünen Berge, sind sie nicht blau in der Ferne? - So wird Hoffnung der Menschen Himmel!"

. Zugkräftig. Dramatiker: Wissen Sie mir keinen Titel für mein neues Lustspiel. Herr Doctor? Aber es müßte etwas sein, was auch zieht! Arzt: O gewiß! Nennen Sie es doch Senfpflaster!" L eich i gethan. Vater (belehrend): Der Pwfessor Röntgen ist durch die Erfindung der X-Strahlen ein berühmter Mann geworden.". Söhnchen: Warte nur. Papa! Wenn ich groß bin, erfinde ich die V-Strkh len." . . .

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PHL-L-EEM sind altbewährt überzuckert leicht zu nehmen desshalb fibelschmeckenden IUxturen vorzuziehen wirken leicht, sicher, schmerzlos von ersten medizinischen Autoritäten empfohlen. Blutretnlgend. Äppctltcrreffend, Gesundheitbers teilend. La allen Apotheken zu haben. - - i Fischen mit Kormoranen. Eine fehr eigenthümliche Art deö Fischfanges wird in 'China und Japan betrieben. Man benutzt nämlich gezähmte und abgerichtete Kormorane dazu. Diese Seevögel haben ihre Heimath im hohen Norden, verbreiten sich aber im Winter weit nachSüden hinab. Der Kormoran ist äußerst gefräßig und nährt sich ausschließlich von Fi schen, die er schwimmend und tauchend erbeutet. Seine Schnelligkeit und Geschicklichkeit darin ist erstaunlich. Wie ein Pfeil taucht er bis zu vier Meter Tiefe Und vermag unter Wasser an 200 Fuß weit schneller dahinzuschießen als ein gut bemanntes Ruderboot auf der Oberfläche. Da er außerdem leicht zähmbar ist, so haben sich die Chinesen, und nach diesen auch die Japaner, das zu nutze gemach! und gebrauchen ihn zum Fischfang. In China fischt man mit dem Kormoran mehr bei Tage, in Japan mehr des Nachts. Eine grökere Anzahl von Fischern vereinigt sich zu dem Zwecke. Die Fahrzeuge werden so geleitet, daß sie sich mit einem Abstand von etwa 100 Fuß in einer Linie befinden. Am Vordertheil eines jeden Bootes ist eine nach vorn Fischen bei Nacht. geneigte lange Stange mit einem Korb aus Eisendraht angebracht, in dem ein Helles Feuer unterhalten wird. In dem Lichtkreise schwimmen die gezähmten Kormorane; ein jeder hat um den Hals einen Ring, von dem aus eine Leine bis zum Gürtel des Eigenthllmers der Thiere geht. Indem dieser die Leine in die Hände nimmt, fühlt er jede Bewegung der Vögel. Sobald ein Kormoran taucht, läßt der Fischer die Leine nach, zieht sie aber sofort scharf an, wenn der Vogel mit seiner Beute heraufkommt. Mittels des Ringes wird der Kormoran an das Boot herangezogen, und ihm der Fisch abgenommen. Dann geht der Fang weiter. Mit großer Gewandtheit wissen die Fischer ihre Kormorane zu leiten, und diese selbst sind so eifrig darin, daß der Fang gewöhnlich gut ausfällt. Man muß sich zu helfen wissen. .Aber. Bäuerin, was macht Ihr denn da? Ich habe doch stündlich zwei Pulver verordnet!" .Ja. wissen S'. Herr Doctor, mei' Ma' hat d' Pulver so net nehma mög'n, und weil i' keine Oblat'n mehr hab', geb' i' f' ihm i.die Leberknödel drin'!m -Probates M i i i e l. Levi (zu einem Winzer, der gerade damit beschäftigt ist. einen Weinberg mit dem Blasebalg auszuschwefeln): .Hör'n Se emal wozu soll denn das nützen?Winzer (wichtig): .Wissen 'S daS noch nicht? Das verhindert das .Grauwerden! Levi: Gott, wenn das hilft gegen. das Grauwerden, Herr Winzer, dann schwefeln Se mer doch mei Alte da!Parademarsch in Zu gen! Unterofficier Patzig (kommt Sonntags in ein Bierlocal, wo e? seine ganze Corporalschaft. an einem 'langen Tische vor vollen Krügen sitzend . r! -1 . rrs 11 v Dvtinoex;; jvo. nagen uic jtcue im mer über strammen Dienst,- meint er, .und . machen Sonntags freiwillig Parademarsch in Zügen!- ,

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