Indiana Tribüne, Volume 20, Number 210, Indianapolis, Marion County, 18 April 1897 — Page 2
Aas anonyme Hsterci. Von A Miclow. Mnn armer Bubi bedarf dringt "der Erholung und da das Weiter so schön ist und Ihr in Euerem kleinen Nest so gut wie auf dem Lande lebt, will ich Euch lz Freude machen, die Osterferien fcri Euch zu verleb," hatte Tante Eeraphine geschrieben. Die Freudr, die dieser Brief in dem 'guten altvät:rischen Haus am Markt von Neustadt hervorrief, war etwas gemischte: Ntur. Man kannte zwar den axmtn Bubi" nicht; cfxz man kannte Tünte Seraphmr, die Verwittwete Frau Präsident, die in den Tagen ihres Glanzes vergessen hatte, daß es einen Ort wie Neustadt auf der Welt gebe. Die düstersten Mmmgen Von Herrn und Frau Commiffrvnsrath Klinke in Betreff Bubi's" gingen in Erfüllung. Er war eigentlich ein prächtig deranlagter Kerl, aber sernz Mutter hatte sich scheinbar du erdrnMhste Mühe ge geben, ein kleines Ungeheuer aus ihm zu machen. Das Beste im Hause war nicht gut für ihn Md xtm ersten Abend interpellirte der ffechszehnjährige junge Herr den Onkel Eommissionsrath wegen seiner politischen Besinnung. 'Er bemerkte stolZ: Papa si?ar innner anservativ; ich begreife Dich -nicht, Onkel, wie Du so roth" sein kannst.!" Cousme Käthe, achtzehnjährige Tochter des Hauses, fanb Gnade vor seinen Augen, xx verliebte sich cheftig in sie. Friede! irnd Trudel. die Backfische waren ganz nter seiner Würde, er nannte sie &it ,Schulmadchen" 'Id behandelte sie mit Herablassung. Käthe duldete lächelnd seine .glühende Verehrung, ie wenigstens das Gute hatte, aß Hinter dem Blick . ihrer klaren RehAmzen zum Lamm wurde und nlle .Unarten ließ. Er.ver ca& seine Mutter zu tyrannisiren, er versetzte nicht .mehr den Onkel, in. Peinliche Aufregung durch Gesetzes-Ueber-schreitungen, wie an unbefugter Stelle im Flüßchen angeln und im StadtWäldchen, .der -Lieblwgspromenade der Einwcchner, mit einer Taschenpistole nach Baumstämmen amd Spatzen schiebin. Äei dieser letzten Missethat war er von "dem Amtsdiener, dem Wächter des Gesetzes, nbgefaßt und wäre auf's Rathhaus geschleppt worden, wenn nicht der Name und Einfluß seines Onkels ihn errettet hätten. Aber zwei alte Damen waren von dem Schreck des Pistolenschusses nicht unbedenklich angegriffen und Postmeisters Aim6. der Äffenpinschcr, hatte sich den Knall der Feuerwasfe so zu Gemüth gezogen, daß er ausriß und seitdem calle Tage im Jntelligenzblä'ttchen als verloren mit einer hohen Belohnung für den
Minder bekannt gemacht wutde. Klinkes hatten nach allen Seiten hin zu 'thun, um die Missethaten ihres Neffen, die seine Mutter stets mit seiner ungewöhnlichen Genialität entschuldigte, wieder gut zumachen. Aber die Laune des Onkels glich der Schwüle vor 'dem Sturm. Der geniale Bubi lümmerte sich indessen wenig nm die Drohung des Wassermüllers, wegen unbefugten Fischens in seinem Flußgebiet zu klagen, um die hysterischen, alten Damen und den verlorenen Llimei. Er hatte in dem Borkenhäuschen desGartens Posto efaßt nnd beobachtete uns diesem Hinierhalt Cousine Käthe. Durch einen Spalt der Borkenwand tonnte e: grade in Käthens Zimmerfenster und in die Küche sehen, und wenn diese nicht in der Küche beschäftigt war, saß ilt gewiß mit einer Handarbeit hinter den blühenden Primel- und Hyazinthentopfen des Fensters. Bubi, der eiaentlich den interessanten Namen Viktor" baite. füllte ein ganzes Notizbuch mit ' Vrofilansichten in Bleistiftzelchuma von Käthe. Dazwischen Verse Drll wahrhaft erschütternder Leidenschaft. Endlich wurde er des Schmachtens rnüde und beschloß praktisch aus sein Äiel loszugehen. Er machte Käthe ewe Liebeserilärung und', einen Heiiathsantraz. Es geschah zwischen elf und zwölf am Mittag, während Käthe in einer groften Küchenschürze Königsberger Klops am Herd bereitete und er rittlings ouf dem offenen Küchenfenste: saß. Käthe schien die Sache spaßh.ift zu finden und sie lachte etwas uiehr, als ihm lieb wa. Als er sie versicherte, daß er, sobald er die Schule verlassen, nach Monte Carlo gehen und dort ein ungznwres Vermögen zusammenraffen wu-.de. verlor sie die Geduld, nannte ihn einen .albernen Jungen," der aar nicht wisse, was er für sündhaftes Zeug schwatze. Nach dieser Niederlage zog r sich ?achebrütend !n das Borkenhän-ch.'n zurück und am folgenden Tage machte er eine interessante Entdeckung. Er bemerkte, daß zu gewissen Sinnden des Tages der Blick der schönen Käthe hinter den Primel- und 5znazin4hentöpfen hervor immer die Nichtung mach einem bestimmten Fenster nahm, ach einem Seitenflügel des Hauses, -wo die Komptoirraume des Geschäfts lagen. Der Onkel hatte m großes Handelsgeschäft in Leinen-, Drell- und Löaumwollenwaaren und war durch ine Armeelieferung Commissionsrath geworden. Es konnte dem scharfsichtigen Bubi nicht entgehen, daß ein solcher Blick gewöhnlich von einem ganz besonderen Lächeln und oft von einem Erröthen begleitet war. Er veränderte nun seiTim Beobachtungsposten und infp'.zirte das bcwule Fenster im Seitenflügel. Da war die Lösung dcs Räthsels, warum die unvergleichliche Käthe 'ihn schnöde von sich gewiesen und' selbst den Lockungen der Monte Carloschcn Schätze widerstehen konnt:! Hinter jenem Fenster saß Herr Gottschall, der ste Buchhalter des Onkels, an seinem Kult und schielte seinerseits um die
Ncke 'nach dem blonden Mädchenkopfe hin5ör den Blumentöpfen. Jetzt machte der unverschämte Kerl gar Än Zeichen! Was svllte das bedeuten? (fr hob alle zehnTinger in die Höhe und wies dann mit dem Daumen nach einer Richtung .über die Gartenmauer hinaus. Ah. jedenfalls ein Stelldichein, wahrscheinlich heute Abend um zehn Uhi'! Da gilt es auspassen! Punkt zehn Ahr lauerte er im Borken-' Häuschen 'versteckt. Er brauchte nicht lange zn warten. Aus der Hinterthür des Hauses huschte eine weibliche Gestalt dnrch den' Garten und nahm den Weg durch das Mauerpfortchen. Als er dn'stlben jedoch folgen wollte, fand
ti das Pfortchen von außen vernegeu .Verdammt schlau' murmelte er yad jedoch die Verfolgung noch, nicht Oul. sondern erkletterte mit ZatzenartiGewandtheit die hohe Mauer und froch auf ihr entlang, um eine geeignete Stelle . zum Sprung in me Tiese.zu finden. , - ' . : Plötzlich sah. er dicht unter sich, im liefen Schatten . emes Gesträuchs, em 'Menschenpaar stehen. Jetzt blieb er auf der Mauer, von den 5Zweiaen eines blühenden Apfelbaumes versteckt, und fpähte vorsichtig hinab. Ja, das war Käthe, und Gottschall hatte den Arm um sie geschlungen und küßte sie! Und Käthe weinte bitterlich. -Vater will nicht." schluchzte sie Mutter hat es immer wieder versucht ibn zu überreden, aber er bleibt dabei er brauche sich keinen Schwiegersohn zu kaufen und solche könne er noch zehn für einen kriegen. Ich weiß wohl, der alte aberland hat ihm eingeredet, day ick seinen Mbnt beirathen soll, damit der in unser Geschäft, eintreten und sväter Vaters Compagnon werden kann, aber ich kann den Menschen nicht leiden." Sei nur hig, mein Lieb, wenn Dein Vater nicht will, gehe ich nach London oder New York und versuche dort unser Glück zu begründen Du wartest, bis ich komme und Dich hole." Ach Gott,- unterbrach sie ihn. ich kann es nickt ertraaen. wenn Du so weit fort ubers Meer gehst und ich Dich lange Jahre nicht sehen soll!" -Kätbe weinte noch heftiger. Gott schall versuchte sie zu trösten, so gut er konnte, aber seine Zukunftspläne brachen ihr fast das Herz; der Gedanke emer Trennuna und des endlichen Ver lustes der alten Heimath hatte für die Kleinstädterin, die von der Welt Nichts als die nächste Großstadt kannte, etwas Grauenvolles. Endlich trat Schweigen ein, Viktor, genannt Bubi, vernahm nur noch ein leises Schluchzen, Flüstern und ab und zu einen Laut, bei dem ihm selten schwül um's Herz wurde. Am ersten Osterfeiertag war der alten Sitte gemäß großes Eierverstecken bei Klinkes im Garten. Sämmtliche Herren aus dem Geschäft, vom ersten Buchhalter bis zum letzten Commis, waren stets dazu geladen und diesmal hatte der Commissionsrath darauf bestanden, einige befreundete Familien dazu zu bitten. Natürlich durften zu Käthes Leidwesen Haberlands nicht fehlen. Käthe hatte schon am Tage zuvor einen großen Korb voll bunter Eier gefärbt und dieselben am Ostermorgen im Gärtchen versteckt, ohne zu wissen, daß sie bei diesen Geschäften einen scharfen Beobachter im Borkenhäuschen hatte. ' Wie alljährlich, so ging auch diesmal eine Stunde vor Beginn des Eiersuchens der Commissionsrath in den Garten und versteckte kleine Geschenke für seine Angehörigen. Diese Ueberraschungen waren schon tagelang vorher Gegenstand des Rathens, Kopfzerbrechens und der Vorfreude und die Neugierde wuchs bedenklich. als Papa Klinke zu Käthe sagte: Diesmal habe ich eine besondere Ueberraschung für Dich." Niemand bemerkte, daß sich Viktor noch einmal in den Garten schlich, während man im Vorderhause schon die Gäste empfing. Er kam auch gleich aus ganz entgegengesetzter Richtung über die Straße und behauptete, einen weiten Svazieraana aemacht zu haben. Während' man d'en Kaffee in der autm Stube einnahm, ereignete es sich, daß Albert Haberland über den TepPich stolperte und sich seine hellen Giaerlhosen von oben bis unten mit Kaffee begoß, gerade als er auf einen leeren Stuhl neben Käthe zustrebte. Man wußte nicht, woher plötzlich die große Falte in den Teppich gekommen war; nur Frau Postmeister, derer. Aim6 immer noch im Blättchen stand, flüsterte dem alten Fräulein zu, sie habe gesehen, daß der boshafte Benfiel" dem Albert den Teppich zwischen die Füße geschoben habe. Albert mußte nach Hause gehen und sich umkleiden; denn er war zu eitel, um den Rest des Tages in einem söl. chen Aufzuge umherzugehen. So athmete Käthe vorläufig auf. ' Endlich am es in dcji Garten. Dort gab es viel Spaß. Jubelnd wurden die Eier gesucht und gefunden und außerdem fand Jeder der Anwesenden ein kleines Geschenk, meist einen Scherz, der mit seinem Namen der sehen war, um an die rechte Adresse zu kommen. In der Gesellschaft herrschte eine gewisse Spannung; em dunkles Gerücht ging um, man würde heute noch ganz etwas Besonderes erleben. Alle blickten erwartungsvoll auf Käthe und den verliebten Albert Haberland. Fräulein Käthes rief Gottschall plötzlich, ich habe hier etwas für Sie gesunden, hier unter dem Msgnolien-. strauch." , Käthe kam und nahm einen in Papier gewickelten Gegenstand auf, der an sie adressirt war. Eiu großes Gänseei fiel ihr in die frnndc und darauf ftand deutlich .und
leserlich in ihres Vaters Handschrift geschrieben: Katharina Klinke, Willy Gottschall Verlobte. Ein unterdrückter Jubelruf wurde
hörbar und im nächsten Augenblick lagen sich zwei glückliche Menschen in den Armen. Papa," rief Käthe, lieber, guter Papa, o, wie danke ich Dir! Der ' Commissionsrath stand zur Salzsaule erstarrt. Ja, was ist denn da los?" Na. Alterchen. Du weißt schon, was los ist lächelte Frau Klinke. Du alter Brummbär, hast Du doch endlich Mitleid mit den Kmdern ge habt, dafür sollst Du auch einen Extra Kuß haben!" Die ganze Gesellschaft drängte herzu und äußerte mit sehr gemischten Em pfindungen ihre freudige Theilnahme. Jetzt wurde Papa Klinke wild und behauptete, er wisse von nichts. ' Man lachte ihn einfach aus. Wollte er seine eigene Handschrift verleugnen? Ja, er verstand es wirklich. Komödie zu spielen! . Du sagtest mir ja vorher, daß Du eme besondere Ueberraschung für mich hattest, ,Du guter Papa," lächelte Käthe, aber das habe, ich doch Nicht ge ahnt!" Der gute Papa kratzte sich hinter den Ohren. Ja. hier an derselben Stelle hatte er m emem Osterei. emerAttrape, eine Anweisung für Käthe an feine Bank versteckt, die eme namhafte Sum me für ihre Ausstattung enthielt. Er war der Letzte im Garten gewesen, hatte die Thür verschlossen und den Schlüssel zu sich gesteckt. Wie war nun der geheiMNißvolle Tausch gesche hen? Er wollte der Sache schon auf den Grund kommen; aber da das unver hofft verlobte Paar sich bereits vor fo viel Zeugen den Brautkuß gegeben hatte und ihm um den Hals fiel, war es besser Frau Postmeister, Frau Ha berland und Fräulein Rathmann den wahren Sachverhalt nicht ahnen zu lassen, wegen der Lächerlichkeit und des Stadtklatsches. Daß Gottschall selbst die That be gangen, war ausgeschlossen. Als der Commissionsrath aus dem Garten kam. fand er denselben bereits im Familienzimmer. Trotz aller Nachforsckgen blieb indessen das anonyis lange Zeit ein unaufgeklärtes Räthsel. Erst als das glückliche junge Paar Hochzeit hatte, traf ein zweites künstliches ein, auf welchem mit derselben Handschrift die Vermählungsanzeige geschrieben war. Die Postsendung trug den Stempel von Viktors Heimathsstadt. Der Tausendsassa soll mir mal wieder vor die Augen kommen!" sagte Papa Klinke. In den Augen der Anderen hatte aber Bubi" entschieden gewonnen und er war fortan ein stets gern gesehener Gast im vertrauten Heim des Herrn Willy Gottschall. Für Damenbatalllone. Dem preußischen Kriegsminister v. Goßler ging kurzlich folgendes anonyme Gedicht zu: Hochverehrter Kriegsminister! Lange wächst schon das Geflüster Laut und immer lauter an: Stellt die Frauen gleich dem Mann Sagt, was kann auf dieser Erden Eine Frau noch Alles werden? Aerztin, Pastor und Notar, Lehrer, Supernumerar, Postbeamter, Commissär, Und noch vieles Andre mehr; Ganz dem Manne kommt sie gleich Freilich nicht in Deutschen Reich, Sondern in Amerika, Denn man ist viel klüger da. Nachgeahmt hat es bereits In der alten Welt die Schweiz. Da nun, wie doch allbekannt, Preußen das gelobte Land Ist für alles Militär, Bitten Excellenz wir sehr. Doch die Frage zu etwägen. Ob denn nicht ein großer Segen . Würd- sein für's Vaterland Weiblicher Soldatenstand? Wenn in jeder Garnison Wär' ein Damenbataillon-, Würde doch so peu h peu Stark vergrößern die Armee Doch Sie müßten sich bequemen. Etwas Rücksicht auch zu nehmen: Nämlich daß die Uniform Hübsch und fesch sei ganz enörm. Ferner sei im Frauenheer Säbel. Lanze und Gewebr Nicht so schwer für Damenhand, Zierlich und recht elegant! Dann darf auch der Unteroff'cier Nicht so grob und frech sein hier: Dürft' ich die Bemerkung wagen. Daß die Fiißchen zart und klein Müßten viel mehr auswärts sein." Doch nun kommt der Hauptesfekt: Da man lange schon entdeckt. Daß ein gutes Beispiel mehr Fördert, als die beste Lehr'. Finden wir es nöthig sehr, Daß zum fetziqen Militär Das Verhältniß möglichst frei. Freundschaftlich und innig sei. D'rum sei jede Woche 'mal Allgemeiner großer Ball, Wo sich Frau sowohl wie Mann , Tllchiig amll.'ircn kann. Bitte Euer Excellenz. Fällen Sie doch die Sentenz. Daß man, weil's doch gar nicht schwer, Möge schaffen solch' ein Heer! Wenn es erst wird fertig sein, Treten wir zwei schleunigst ein. Werden reiten, schießen, tanzen. Zwei fidele Großstadtpflanzen. Neuer Braten. Junge Frau: Ich mochte einen recht schönen Schweinsbraten!" Metzger: Wünschen Sie Bauch- oder Schwanzstück?. Vordertheil ist nicht mehr da!" Junge Frau: Wenn ich bittm jcuf: von der Taille! .
per Schlaftrunk. Von Johanna Richter. Ich habe nichts dagegen, wenn mein Mann seinen Ausgehtag" regelmäßig inne hält. Der kommt nur ein Mal in der Woche vor und ich betrachte die Zusammenkünfte mit seinen Kumpanen aus der thörichten Junggesellenzeit durchaus nicht mit eifersüchtigen Augen. Aber, es darf nichts übertrieben werden , so auch die Ausgehtage" nicht. Wie war mein Mann zu dem Pferdebahn Fahrschein der Strecke Lange - Brücke Breitestraße gekommen, den ich jüngst in seinem UeberzieHertäschchen fand? Und dann hatte ich am nächsten Tage eine weitere Entdeckung gemacht: in der inneren Tasche der Weste, dort, wo er seine Brieftasche verwahrt, steckte eine Karte: Alhambra, elegantestes Balllokal der Stadt, jeden Donnerstag großer Kavalierball. kein Weinzwang, um 12 Uhr Damenquadrille. . . .
Die ganze Nacht konnte ich keinAuge schließen. Mem Mann durste an diesem Donnerstage nicht ausgehen, das stand bei mir felsenfest. Aber wie das verhindern? Mit Gewalt, mit gutem Zureden richtete ich nichts aus, das wußte ich, also nahm ich zur List meine Zuflucht. Als uns am nächsten Mittag der Hausarzt besuchte, sah ich recht abgespannt aus. Ich habe wieder eine sehr schlechte Nacht gehabt." klagte ich. Ich kann nicht einschlafen, das geht nun schon seit Wochen, ich komme ganz herunter dabei. . . . O Himmel, diese Schlaflosigkeit ich schlug die Hände vor's Gesicht und stöhnte, daß es ein Dutzend Hausärzte hätte jammern können. Hm, hm," machte der Sanitätsrath. Schlaflosigkeit na, nicht schlimm kleines Receptchen geben ganz schwache Dosis." Eilfertig brachte ich Tinte, Feder und ein Blatt Papier herbei. Er kritzelte schnell einige Worte darauf und riß das Blatt ab. So. . . Dabei überflog er daZ Geschriebene noch einmal, vor'm Schlafengehen, ganz ungefährlich, unschädlich. ..." Kann ich es vielleicht auch im Thee. . . ?" fragte ich. Natürlich, natürlich," - nickte er, schon im Weggehen begriffen, Thee, Wasser. Wein. . . Donnerstag Nachmittag drei Uhr holte ich das Recept aus meiner Schreiomappe, in welcher ich es sorgsam verwahrt hatte, hervor. Ich versuchte, das Gekritzel zu entziffern: (?nIoralum hydratura aqua 60stillata Syrupus simpler. Dann ging ich zur Apotheke, es war ein wirklicher Seelenfrieden über mich gekommen, mir war zu Muthe, als ob ich ein großes Rettungswerk glücklich vollbracht hätte. Unmittelbar vor mir betrat ein Dienstmann die Apotheke. Der Provisor nahm dessen Recept und begann mit seinen Gläsern und Büchsen zu Hantiren. Ich warf verstohlen einen Blick auf das Recept, Sapperlot, war das nicht? ich schärfte die Augen,' natürlich: .... Inrn hydratnm, ... a destil lata .... pus simplex. Eine Mark fünfundsiebzia." unterbrach der Provisor meine Forschungen. Der Dienstmann legte einen Thaler auf den Tisch und strich die restlichen zwölf ein halb ein. Nun gab ich mein Recept: Der Provisor lächelte. Das hätte ich gleich mit besorgen können." meinte er und ging wieder zu denselben Gläsern und Büchsen. Eine Mark fünfundsiebzig" und er reichte mir das Fläschchen. Der Herr ist eben auch erst nach Hause gekommen," meldete mirMinna. als ich auf dem Corridor meinen Mantel ablegte. So. . . ." machte ich gleichgiltig. dann ging ich nach dem Salon und barg in meinem Schreibtisch das kostbare Gläschen. Na, Männe, da bist Du ja," sagte ich so harmlos wie möglich, 's gibt heut ein Rehblatt, was Gutes, wie?" Das kann der ärmste Mensch essen, wenn er's hat," brummte er, aber dabei lächelte er vergnügt, er dachte wohl an den Skat - Herren - CavalierBall. Wann willst Du denn weggehen?" fragte ich voller Spannung. Ach," antwortete er, so gegen neun, wenn ich um zehn dort bin. . ." Wie hatte ich doch auf der bewußten Karte gelesen? Herren - CavalierBall. Beginn zehn Uhr " Da fangt ihr heute wohl mit dem Skatspielen etwas später an wie sonst?" fragte ich. Ja wir ach so, ja heute fangen wir später an, weil," stotterte er. Nun ja," entgegnete ich mit Ruhe, das scheine ich geahnt zu haben, ich habe für sieben Uhr Thee zurechtmachen lassen, den können wir erst noch gemüthlich trinken, denn sieh' mal, Männchen, Du mußt, doch was WarmeS in den Maqen nehmen, der weite Weg. das kalte Bier, der schlechte Wein, und Fortbleiben bis zum frühen Morgen, also Thee, kräftigen Thee a la liussie, was?" Dann eilte ich in die Küche. Ich werde den Thee heute selbst bereiten," erklärte ich dort dem Mädchen. Nach zwei Minuten war der Göttertrank fertig. Minna," ordnete ich an, springen Sie hinunter zum Kaufmann und holen Sie klaren Zucker ich brauchen sonst zwar immerStückenzucker. aber heute. . ." Minna ging, die war ich los. Dann holte ich mir das Flaschchen mit vem Wunvertrank. Tropf Tropf Tropf bfünf Mal ließ ich in die Tasse meines Man. neö je ein Tröpfchen fallen, dann nahm ich daS Theebrett, trug es hinein und ordnete den Tisch. ....
Weshalb macht denn das Minna nicht?" forschte mein Mann. , Die ist eben mal runter zum Kaufmann, sie holt noch etwas Zucker,". erklärte ich. Aber nun trink, Männchen." und dabei hatte ich ihm seine Tasse gefüllt. In diesem Augenblick wurde heftig die Klingel der Corridorthür gezogen. Minna ist unten," sagte mein Mann und es schien mir, als ob er diesen Umstand mit besonderer Freude begrüße. Geh' doch mal vor und sieh' zu, was los ist." Ich ging vor eine Rohrpostkarte für meinen Mann. Ich las bei der Corridorflamme: Onkel Lehnbach ersuchte meinen Mann, den heutigen Skatabend nicht zu vergessen. Anfang 10 Uhr." Die Mache" der Karte durchschaute ich sofort. 'Ne Rohrpostkarte für Dich." sagte ich, als ich wieder in's Zimmer trat. Du sollst nicht vergessen, heute um 10 Uhr...." Er lachte. Den heutigen Skat hätte ich so wie so nicht vergessen, aber bitte, nimm endlich einen Schluck Thee." Ich nahm auch einen kräftigen Zug. Der Thee kam mir etwas dick vor, oder schmeckte er nur süßlicher? Ich trank meine Tasse aus, ohne so richtig auf den Geschmack zu kommen. Auf jeden Fall aber war ich auf die Wirkung meiner fünf Tropfen sehr gespannt. Haaahhh," gähnte da plötzlich mein Mann los. aaahhh, 'ne Stunde schlafen könnte man auch noch, es ist jetzt erst acht, bis neun, was? das geht." Und damit hatte er sich auf das Ruhesopha hingestreckt, das in feinem Herrenzimmer stand. Eigentlich wollte ich aus vollem Halse lachen, daß mir meine List so gut geglückt war. Ja, die fünf Tropfen, mein Männchen erwachte vor dem nächsten Morgen sicher nicht. dem hatte ich den Elite - Ball gründlich versalzen. Hahaha," wollte ich loslachen, aber jaaah", entrang es sich meiner Brust, ich mußte gähnen schrecklich gähnen und noch einmal gähnen. Ich fühlte mich außerordentlich müde, die Augenlider sanken schwer herab, ein Gefühl der Wurstigkeit" überkam mich. Mein Mann würde die ganze Nacht durch schnarchen, das wußte ich, warum sollte ich nicht auch? Und ich war so matt, so müde , ich wankte nach dem Eßzimmer vor und ehe ich noch etwas bedenken konnte, jaaaahhhh", lag ich auf dem Paneel - Sopha und jaaaahhhh", damit war ich sanft entschlummert. $ Ein sehr unsanftes Schütteln weckte mich. Es war helllichter Tag. Gott sei Dank," sagte Minna, gnä' Frau liegen hier schon seit gestern Abend. Ich konnte Sie nicht munter kriegen. Jetzt ist es schon zehn Uhr. Der Herr liegt auch in seinem Zimmer, schläft auch noch. Ich wachte auch erst um acht auf mir wurde nach dem Thee so merkwürdig " Langsam kam mir die Erinnerung. Ich wankte nach meines Mannes Zimmer. Der schnarchte noch kräftig, ja, so ein Schlaftrunk! Ich wollte ihn ermuntern. Du, sieh auf, es wird Zeit. Du mußt nach dem Bureau, " da schlug seine Weste, die quer über der Stuhllehne hing, schwer gegen meine Hand. Ich forschte nach dem harten Gegenstand, den ich berührt hatte: ein Fläschchen, ringsum ein Papier - gewickelt, ein Recept! Voll Neugier faltete ich dasselbe auseinander und las: Chloralwn hydratum aqua destillata Sjrupus simplex!
Unverbesserlich. Ein trüber, trauriger Wintertag, klagender Nordwind auf Flur und Feld. Der Himmel unfreundlich grau, nur ein mattschimmernder Fleck in den Wolken dort, wo die Sonne steht und leise flattern einzelne weiße Flocken nieder. An einem solchen Tage klopfte die Güte schüchtern bei der Klugheit an. Stimme, hilf mir, daß ich nicht Hungers sterben muß!" Wie?" rief die Klugheit die Thür ein wenig öffnend. Du bist schon wieder da? in Lumpen, frierend und hungrig und Dein Gut?" Schweigend fenkte die Güte ihr fchönes Haupt. Dein Gut " fprach die Klugheit streng. Das gabst Du den Menschen, nicht wahr?" Ja, ich gab eS aber wenn Du die Noth unter den Menschen gesehen hättest" . Ja ja doch was thaten die Menschen, da Du in Noth warst?" . Wieder ließ die Güte ihr. Haupt sinken. ' . Nun," sprach die Klugheit, Du batest sie doch um Hilfe?" . Ja!" Und was thaten sie?"'' O, frage mich nicht!" flehte die Güte. Sie schlössen vor mir sie hatten Sorgen und keine Zeit auf mich zu achten." Sie waren erbärmlich." rief die Klugheit unwillig, und Du thöricht wie immer!" Ach. ja thöricht!" sprach die Güte demuthsvoll. Doch hilf du mir jetzt!" Ich that es schon so oft," versetzte die Klugheit fast hart, und immer wieder " O. mein! Niemals wieder, nie wieder soll mein Herz stärker sein als mein Verstand. Aber hilf mir nur diesmal, diesmal nur hilf mir noch!" bat die arme Güte. Helfen helfen " erwiederte die andere. Was kann ich thun? Das Geld ist rar die Kohle theuer. Ich kann Dir nicht mehr geben als diesen
Thaler!" und sie reichte der Güte das Geldstück hin. Diese nahm eS und stammelte Dankesworte; da kam des Weges ein Veitler mühsam auf Krücken daher. Klagend strich dev Nordwind durch Flur und Feld. ' Der Krüppel sireckte die frierende Hand zu den beiden empor und bettelte. Die Güte fah ihn an ihre fchönen Auaen füllten sich mit Thränen und sie drückte ihm den Thaler in die Hand. Ach, Du verdienst gar kein Mitleid!" rief die Klugheit zornig. Du bist thörichter als die Thorheit!" und sie schlug die Thür dröhnend hinter sich zu. Ja da stand nun die arme Güte und die Flocken fielen, die Flocken fielen.
Zur Kindererziehung. Lehre Deine Kinder fröhlich in's Leben zu blicken, suche ihnen ihren angeborenen Frohsinn zu erhalten und Du gibst ihnen einen Schatz mit auf die Lebensreise, werthvoller als alles Geld und Gut. Zeige ihnen, wie man all' die kleinen Widerwärtigkeiten, all' die tausend Nadelstiche des Schicksals mit heiterem Muth erträgt, jammere nicht mit ihnen vereint über irgend ein kleines Ungemach, das sie betroffen, sondern hilf ihnen es schnell zu überwinden und zu vergessen. Lehre sie allem Unangenehmen die freundliche Seite abzugewinnen, nicht viel zu grübeln und zu seufzen über geschehene Dinge, sondern unverzagt vorwärts zu blicken und mit frischen Kräften zu versuchen. Verfehltes wieder gut zu machen. Man kann das Leben leicht nehmen, auch ohne leichtsinnig zu sein, darum behüte Deine Kinder, und es sind besonders die Mädchen, die dazu neigen, vor falscher Sentimentalität. Sie ist in der Ehe der größte Feind der jungen Frau und hat schon oft geholfen, einen aus Liebe geschlossenen Bund zu einem unglücklichen zu machen. Dem Manne aber lähmt eine schwere Lebensauffassung Muth und Thatkraft und ist der Hemmschuh für alle seine Unternehmungen. Ein Kopfhänger wird es selten zu etwas rechtem bringen. Beaufsichtige Deiner Kinder Lektüre. Auch hier ist es wieder das Mädchen, das mehr der Aufsicht bedarf, denn den Knaben führen seine Spiele mehr ins Freie, er sitzt selten ausdauernd über einem Buch, doch kann das fortgesetzte Lesen von Robinsonaden, Jndianergeschichten und -dergl. die angeborene Abenteuerlust desKnaben oft ungünstig beeinflussen. Lasse Deine Tochter nicht stundenlang über feichten Romanen sitzen oder eine ganze Gedichtsammlung auf einmal verschlingen. Gedichte soll man einzeln lesen und sich an ihrem Gedankeninhalt, ihrem Wohlklang erfreuen, nicht sie zu Dutzenden durchfliegen, sie fördern sonst einen gefährlichen Hang zur Schwärmerei. Frische, freudige Thätigkeit fördert auch einen frohen Sinn und ein fröhlicher Mensch ist der Sonnenschein für seine Umgebung. Darum trachte danach Deinem Kind zu einem solchen Sorgenbrecher für seine Lieben zu machen. Des Lebens Schule kann uns still, doch niemals heiter machen, darum ist es gut einen unversiegbaren Vorrath innerer Freudigkeit in Bereitschaft zu haben, wenn das Schicksal uns mit rauher Hand erfaßt. Lehre Dein Kind auch ein vielleicht unve. ient, hartes Wort aus liebem Munde' ruhig zu ertragen. Wohl schmerzt es dann am bittersten, wenn der, der es gesprochen, uns theuer ist. Aber wir sollen dann auch daran denken, daß ein solches Wort von der Erregung des Augenblicks geboren, oft nicht halb so schlimm gemeint ist. Zeige ihnen wie man sich in solcher Stunde an all' die lieben Worte erinnern soll, die derselbe Mund zu uns gesprochen, an all' die Beweise der Liebe und Treue, die wir von dem uns theuren erfahren und jenes eine, schnell gesprochene und vielleicht schon lang vergessene und bereute Wort, wird davor verschwinden, wie die Nacht vor dem Licht. Seid fröhlich auch in Trübsal, danach laßt uns unsere Kinder erzi:hen. Haarschmarotzcr. In noch allgemeinerer Ausdehnung, als die Mitesser die Gesichtshaut des Menschen bewohnen, werden die menschliche Kopfhaut und speciell die Haarwurzeln von einer ähnlichen Milbenart heimgesucht, von den Haarbalgmilben". Das Haar ist eine sehr zarte und empfindliche Pflanze, welche durch die Haarwurzeln die zu ihrem Wachsthum und Gedeihen erfordernchen Nahrungssäfte aus dem Haarboden saugt. Wird nun dieser Haarboden nicht sorgfältig rein gehalten und regelmäßig gepflegt, gestattet man. daß sich auf und in demselben Staub und Schmutz festsetzen, so verbinden sich letztere mit der unausgesetzt stattfindenden fettigen Ausschwitzung der Kopfhaut und bilden hier eine mehr oder weniger dichte Schmutzschicht. Diese verstopft nach und nach die feinen Poren, durch welche die Haarpflanze ihre Nahrung beziehen foll. In dieser fettigen Staubschicht setzen sich nun die Haarschmarotzer fest, indem sie sich direct in die feine Röhre der Haarwurzeln selbst eingraben. Diese Schmarotzer entziehen dem Haar den größten Theil der für dasselbe nothwendigen Säfte, fo daß. bei längerem Belassen dieses Zustandes, die zarte Haarpflanze allmälig verhungern und verkümmern muß. Die Folge dieser fortgesetzten Saft- und Kraftenziehung ist genau die gleiche, wie bei jeder andern Pflanze, wie bei jedem organischen Geschöpf überhaupt, dem durch fremde Schmarotzer die Nahrung ganz oder zum größten Theil
entzogen wird. Das so stiefmütterlich behandelte Haar verliert seine glänzcnde Frische und bald darauf feine natürliche Farbe. Mit der Zeit wird es in seinen Dimensionen schwächer, bis schließlich die Wurzel total verkümmert und daS kranke Haar selbll abfallt. Wie aber wird dieser Theil des menschlichen Körpers gepflegt, der vom Naturhaushaushalt dazu bestimmt ist, gewissermaßen ein Schutz und Schirm für die edlen Theile des Hauptes, mithin also für den ganzen Organismus und seine Jntakthaltung zu sein. So lange sich das Haar voll und von kräftigem Wachsthum zeigt, geschieht zu feiner Pflege fo gut wie gar nichts, oder man bearbeitet Haar und Haarboden mit scharfen ätzenden Mixturen, Salben, Pomaden und Essenzen. Eine der charakteristischsten schlimmen Folgen dieser blei- oder säurehaltigen Haarmittel ist die besonders in den besseren Kreisen der Frauenwelt grassirende Krankheit, die Migräne" oder der nervöse Kopffchmerz. In den Kreisen der mittleren und unteren Klassen wird man diesen Gast bei den Frauen und Mädchcn höchst selten finden. Diese haben glücklicherweise nicht die pekuniären Mittel sich jene schädlichen, lieblich riechenden Eosmetiques zu beschaffen. dafür sind sie aber auch der Gefahr entrückt, ihren Haarschmuck durch eine fortgesetzte Behandlung mit jenen verwerflichen Mitteln zu verlieren. Sie benutzen zurWaschung des Haares einfaches Wasser, kennen dafür aber auch weder Kopfschmerzen noch Migräne. Hiermit soll nicht gesagt sein, daß dieser nervöse Kopfschmerz ausschließlich durch jene Mittel entsteht, es kann seine Ursache auch -in der Ueberreizung. des Nervensystems durch innerliche Vorgänge im menschlichen Körper liegen. Jedenfalls aber tragen die oft schädlichen Haarmittel fehr viel zu feiner Entstehung bei. Znr Säuglingsbchaudlung. In der letzten Sitzung der Hufeland'schen Gesellschaft in Berlin hielt der Kinderarzt Dr. H. Neumann einen Vortrag Ueber das Uebermaß in der Säuglingsbehandlung-, in welchem sich einige beachtenswerthe Winke für unsere jungen Mütter finden. Dr. Neumann wendete sich zunächst gegen das zu häufige Baden der Neugeborenen in den ersten Lebenstagen. Das Baden des Neugeborenen kann durch die große Abkühlung des kleinen Körpers schädlich werden. Die Wärme ist nach der Geburt am größten unt vermindert sich erst allmählig. Das Bad in den ersten Lebenstagen bringt also einen Temperaturabfall mit sich,, der sich erst nach mehreren Stunden ausgleicht. .Dadurch wird der Kräfte-' verbrauch, der in den ersten Tagen bedeutender ist als sonst, noch mehr gesteigert. Neugeborene, die nicht geba--det werden, nehmen auch an Körpergewicht besser zu als solche, die gebadet werden. Sodann ist auch das ener aische Auswaschen der Augen desSäuglings mit großer Vorsicht zu bt treiben. Das absichtliche Benetzen des Vindehautsackes dürfte nicht selten die Ursache einer, mehr oder weniger leichten Reizung sein. Fraglich ist ferner nach Dr. Neumann die Berechtigung der Reinigung des Mundes; es sollen hierdurch Zersetzungsvorgänge undSoorbildung gehindert werden. Beim, gesunden und 5räftigenSäugling aber, wenigstens so lange keine Zähne da sind, ist von Zersetzungsvorgängen nichts zu merken, und für den Soor (Schwämmchen) ist gerade die durch das Auswischen des Mundes häufig, verletzte Mundschleimhaut ein geeigneter Boden. Es kann auch an denjenigen Stellen, an denen . der ' reibende Finger größeren Widerstand findet, Geschwürsbildung entstehen. Wirdder Mund nicht miiLeinwandläppchen Zuckerpulver gescheuert, fo entstehen keine Geschwüre. Ein Uebermaß in der Säuglingsbehandlung ist auch die Lösung des Zungenbändchens. Aus Besorgniß, daß das Kind nicht trinken, später nicht sprechen könne, wird das Zungenbändchen nicht einmal, oft zweimal gelöst. Die entscheidende Probe ist, ob das Kind die Brust gut nimmt oder nicht. Vermag das Kind nicht gut zu saugen, so bleibt dann noch festzustellen, ob. abgesehen von einem zu straffen Zungenbändchen, nicht noch ein ausreichender anderer Grund für die Behinderung vorhanden ist. Endlich weist Dr. Neumann noch auf die weitverbreitete irrthümliche Anschauung hin, die in den meisten Krankheitszuständen des Säuglings schwierige Zahnung" erblickt. Die Erscheinungen derselben sind weit enger, als man gewöhnlich glaubt. Katarrhe der oberen Luftwege, des Verdauungskanals, Störungen des Centralnervensystems werden von Müttern vielfach auf schwierige Zahnung" zurückgeführt, während sie im Grunde selbstständige Leiden sind, die eine genaue Untersuchung und sorgfältige Behandlung erfordern. Sonntag-Morgcn. Sieh'! Die Sonne steigt erwachend An des Himmels 'Purpursaum, Milde weckend, freundlich lachend. Zögernd flieht der letzte Traum. Halb im Schlummer nickt die Bl::me, Thaufrisch glänzt die weite Flur, Und es küßt ein Gottesodem Die erwachende Natur.
Die höhere Tochter. Junge Hausfrau (zur Köchin welche ein Huhn rupfen foll): Nannij Mol letiren Sie das Huhn!Gründliche Auskunft. Wo wurdest Du mit Deiner Frau bekannt?" In Kissingen bin ich ihr in die Hände gefallen.
