Indiana Tribüne, Volume 20, Number 203, Indianapolis, Marion County, 11 April 1897 — Page 6

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Eine uttöcdcutcnde Irau. Ton;t Haydn. Man hatte in der Gesellschaft von nichts Anderem als von der Verlobung des Professors Dr. Melden mit der hübschen aber unbedeutenden" Mimi Horst gesprochen. Dieses einfache Mädchen triumphirte über die geistreichen Schönen, die den stattlichen Mann mit dem blassen, jugendlichen Römerkopf, durch Coketterie zu fesseln gesucht hatten! Er, der überall als Freier hätte anklopfen dürfen, traf solche Wahl!! Aber gerade Mimi's Natürlichkeit hatte ihn angezogen, sein feines Kennerauge erkannte, daß sich aus diesem heiteren, bescheidenen Mädchen ein stens eine milde und gütige Frau entwickeln werde, eine Gattin, wie sie ihm als Ideal vorschwebte! Mochten sie auch über Mimi's Naivität spotten. Melden fühlte, daß ihm sein Liebesglück in dieser frischen Mädchenblum blühe, und er ließ sie sich nicht enlgehen! In ihrer hellen Heiterkeit wollte der ernste Mann, der sich aus bescheidenen Verhältnissen rasch zu Ruf und Stellung emporgearbeitet hatte. Erquickung und Ruhe finden. Hatte er doch als Arzt Einblick in so manche Ehe, in welche launenhafte Frauen einen ewigen Wechsel von Sturm und Sonnenschein zu bringen Im Stande sind, jene Wetterwendigkeit, bit e? fürchtete und gegen die ihmMiinis Herzensbildung die beste Gewähr schien! Aber dumm, dumm ist sie!" Das hatte er vor seiner Verlobung aus so manchem schönen Frauenmunde hören muffen. Wie gerne hätte er dann geantIvortet: Weil sie nicht ist. wie so viele Dämchen, die. kaum in die Gesellschaft ingetreten, auf der Jagd nach einer guten Parthie" jede Harmlosigkeit verlieren, weil Mimi zu ehrlich ist, um sich zu verstellen, zu natürlich, um nicht die Dinge beim rechten Namen u nennen!" In den ersten Märztagen war die Hochzeit; dann reisten Dr. Melden und Frau nach der Riviera. Wie kalt war es noch zu Hause, und $tz in Italien wie prächtig!" rief Mijrni, als sie in Nizza angekommen wa xen. Aber Mimi! Wir sind ja inFrankxeich." lachte der junge Arzt. Siehst Du. Männchen, auch in der Geographie bin ich schwach!" meinte s.Aber groß in der Kunst, mich glücklich ZU machen!" jubelteer Von Nizza fuhren sie nach MonteZCarlo. An einem herrlichen Frühlingstage gab auch das neuvermählte gZaar seine Visitenkarte im Kurhause Ob um dafür Eintrittsbillets für die .Spielsäle zu erhalten. . Nun Mimi." scherzte Melden hinderte uns nichts mehr, eine Million zu verlieren, wenn wir sie gerade Zn der Tasche hätten!" Unwillkürlich zog die junge Frau ihr Portemonnaie hervor, um neu ihren paar Goldstücken zu sehen, die ibr

Mama noch beim Abschiede in dieHand gedrückt hatte. Da lagen sie noch alle und beruhigt betrat sie am Arme des Gatten das old- und crystallfunkelnde Allerheiligste." - Eine unheimliche Ruhe herrschte hier, nur unterbrochen von dem Klingen des Goldes, von dem Knistern der BankZioten, von dem leisen Rufen der CrouPiers: . Messieurs et Mesdarnes, faites irotre jeu! Kien ne va plus! Le ieu estfait!" Fester schmiegte sich Mimi an des Gatten Arm. Fürchtest Du Dich. Frauchen?" fragte er. , Mir ist so eigen zu Muth!" Indem er sie beruhigte, sah er einen Bekannten auf sich zukommen. . Welch glücklicher Zufall!" rief Jener dem Paare entgegen. Meine Frau mein Jugendfreund Oskar Dahlen." stellte der Arzt vor. Man sah es an der verblüsftenMiene Dahlen's, daß er. der schon länger im Auslande lebte, von dieser Heirath überrascht war. Also Ihnen, meine Gnädige, gelang es. diesen Unbesiegbaren in Fesseln zu schlagen?" . Es war, als wollte er sagen: Dieses unbedeutende Persönchen siegte über all die geistreichen Schönen!" Mache es mir nach!" sagte Melden, und fasse auch das Glück beim ' Schöpfe, oder bist Du einer von Jenen, die nicht sehen, wo es ihnen blüht, und der die Zahl der Hagestolzen vermehren .will?" Vor der Hand halte ich es noch mit dem Spiele," gab Jener zurück. Auch ich möchie es einmal versuchen!" sagte Melden. Du!? Denk' doch an das bekannte Sprüchwort!" scherzte Dahlen. Mimi wollte ihren Gatten zurückZhalten. Aber so süß sie zu ihm aufblickte, er hatte sich in den Kopf gesetzt, sein Glück im Spiele zu versuchen, ' und rasch entschlossen ließ er seine Frau unter Dahlen's Schuh, um dem Roulette zuzueilen. Dr. Melden setzte auf Rouge. Er gewann. Er verdoppelte seinen Einsatz, er gexsann wieder. ; So ging es einige Mal. Run setzte er auf Noir. ' MZcder strich er Gewinnste ein. ' Da Plötzlich verlädt ihn das Glück, er verliert und demSpielteufel verfallen wagt er Einsatz um Einsatz. In rasender Schnelligkeit sind bundert und hundert Francs verloren In der Hast, den Verlust wieder zu gewinnen, spielt er weiter. L Er sieht nicht auf. Wie hypnotisirt

starrt er in das Roulette, bis er. der gediegene, der wltklug Professor Dr. Weiden, sein ganzes Reiseaüd in den Abgrund der Spielhölle von Monte Carlo geworfen tatte. ! Was nun beginnen?! Vor Allem", sagte er sich, meine Aufregung hinter einem gleichgiltigen Lächeln verbergen." Es wollte aber Melden nicht gelingen, zu lächeln. Sollte er seiner Frau seinen Leichtsinn eingestehen? Nimmermehr! Sollte er Dahlen, diesenSp'ötter und Schwätzer, um ein Darlehn bitten? Niemals! Denn ehe sie noch heimgekehrt waren, würde es schon die ganze Stadt ersahren haben. Wüthend über sich selbst, faßte er endlich den Entschluß, seiner Frau zu beichten. Schwer wurde es ihm, aber es war von zwei Uebeln das Kleinste! Er suchte Mimi. Wie ein Engel in der Mitte eines Höllenpfuhles stand sie da! Sorgenlos, unschuldsvoll lächelte sie. ihm entgegen! O, wie würde sie durch seine HiobsPost niedergeschmettert werden! Anstatt nach Neapel und Pompeji, heißt es jetzt nach Hause! Anstatt eines exquisiten Soupers im Hotel Paris" heißt es jetzt in einem Restaurant III. Classe speisen, denn die paar Louisd'or, die Mimi bei sich hatte, reichten gerade, um die Hotelrechnung zu bezahlen! Und es schüttelte ihn, wenn er daran dachte, seinem Schwiegervater telegraphiren zu müssen, ihm seine Schande einzugestehen, des guten Mannes Ruhe zu raub-en. die er doch bei dem Gedanken einbüßen würde, sein Kind einem so leichtfertigen Manne anvertraut zu haben! Glücklicher Weise sprach Dahlen mit einem Herrn und eilig ging Melden auf seine Frau zu. Die Kehle war ihm wie zugeschnillrt. Das Wort stockte ihm. Welch trübes Gesicht Du machst! Drückt Dich das Gewissen? Wie? Was?" scherzte sie. Herzenskind! Erscbrick nicht! Es muß heraus! Ich habe unser ganzes Reiftgeld verspielt!" Aber was sah er?! Wangengrllbchen! Perlenzähne! Ein schalkhaftes Aufblitzen ihrer guten Augen! Hab' ich mir's doch gedacht!" lachte sie. Ja, ja Männchen, wenn Du mich auch noch so verwundert ansiehst, ich habe es gedacht!" Was nützt in diesem Falle dasDenken! Handeln müssen wir Mimi! Ich habe mir die Sache hin und her überlegt!" gab er klein bei. Jawohl, handeln heißt es! sagte sie. Aber was würdest Du sagen. Fritz, wenn ich das schon besorgt hätte?" Du Mimi?" Ja ich! So laß Dir erzählen: Dahlen begleitete auch mich an den Spieltisch. Du standest völlig versunken in das Spiel da! Nicht ein einziges Mal blicktest Du auf! Ich aber hatte Dich stets im Auge! Und als ich Dich verlieren sah, kam mir ein famoser Gedanke! Ich setzte jedes Mal Rouge, wenn Du Noir spieltest, und wenn Du Noi? setztest, spielte ich Rouge. Auf diese Weise mußte ich ja gewinnen, was Du verloren hattest! Da Männchen, hast Du Dein ganzesReisegeld wieder!" Er mußte sich beherrschen, um ihr nicht vor allen Leuten um den Hals zu fallen. Meine herzige, pfiffige Frau!" jubelte er, das war ein Geniestreich von Dir. auf den die ganze Zacultät unserer Universität nicht qekommen wäre!" Bst! Nicht so laut. Männchen, daß es Dahlen nicht bört!" Natürlich muß er's hören!" frohlockte Melden. selbst wenn es auf Kosten meines guten Namens yeschehen sollte. denn unsere Stadt soll erfahren, welche geniale Frau Du bist, kleine Mimi!" Frühling vcrklcidct. Von Ernst Lenbach. Heut im Stadtpark hab' ich gesehn Selber den Frühling vorübergehn, Aber verkleidet ganz und gar: Wie ein Mädchen im sechszehntenJahr. Rosenfarben war sein Gewand, Und ein rosenfarbenes Band Schmückte den blonden Mozartzopf, Und ein Strohhut deckte den Kopf. So, in der Rechten den Veilchenstrauß. Trällert' er frisch in den Morgen hinaus. Blumen lachten, wohin er schaut', Finken und Drosseln jubelten laut. Aber als ich ihm zugenickt. Tief in die blauen Augen geblickt, Senkt' er lächelnd sein Angesicht. That noch der Schelm, als war' er es nicht! Boshaft. Restaurateur : Denken Sie bloß, der liebe, gute, dicke Herr Brauer ist gestorben." Gast: Das wird Ihnen recht leid thun, glaub' ich 'wohl, solchen starken Esser finden Sie auch sobald nicht wieder. Aber ich g'önn's ihm von Herzen, kann er doch nun das, was er in den 60 Jahren seines Lebens gegessen hat, in Ruhe verdauen." Gin Dämpfer. Junggeselle: Heut' ist wieder yarnichts genießbar!" Wirth: Sie sind eben

verwöhnt; heirathen Sie einmal und kommen Sie nach zwei Monaten wieder." Jung übt s i ch. Mama: Aber, Albert. Du hast ja eben die Leni. unser Stubenmädchen, geküßt!" Der kleine Albert: Ach. Mama, ich kann doch nicht immer Dich allein küssen." . .

Aie Hküyrämpe. . Das elektrische Licht und insbesondere das elektrische Glühlicht hat in den letzten Jahren eine ganz bedeutende Verbreitung gefunden, ganz mit Recht, denn keine der anderen Beleuchtungsarten ist so einfach für den Consumenten, keine eignet sich so gut zur Erhellung von Wohn- und anderen Räumen, keine ist so gefahrlos, keine eignet sich so vorzüglich zu decorativen Zwecken, wie die elektrische Glühlichtbeleuchtung. Bei der großen Berbreitung der Glühlampe dürfte es für Viele von Interesse sein, über ihre Herstellung Näheres zu erfahren. Ein Kohlenfaden im luftleerenGlasballon und zwei Platindrähte sind die Elemente, aus denen sich die Glühlampe innerhalb einer langen Reihe von Fabrikationsstadien zusammensetzt. Der Leuchtkörper der Lampe besteht aus einem Kohlenfaden, der aus vegetabilischen Stoffen erzeugt wird. Man verwendete anfangs dazu CartonpaPier, das in hufeisenförmige Fäden zerschnitten und verkohlt wurde. Später verwendete man Bambusstreifen zur Herstellung von Kohlenfäden: dünne Stäbchen aus diesem Material zog man durch kreisförmige, von scharfkantigen Rändern begrenzteOeffnungen, um ihnen der ganzen Länge nach gleichförmige Dicke und Oberfläche zu geben. Dieser Proceß wurde unter Benutzung immer feinerer Zieheisen so lange fortgesetzt, bis Fäden entstanden, deren Durchmesser nach Zehnteln eines Millimeters rechneten.

Zu hufeisenförmigen Bügeln oder Schleifen gebogen, wurden diese Faden Glasbläser. unter Ausschluß der Luft einer hohen Temperatur ausgesetzt und dadurch verkohlt. Dasjenige Material, das allen anderen gegenüber die größten Vortheile, sowohl durch seine Gleichmäßigkeit als auch durch die physikalischen Eigenschaften der daraus gewonnenen Kohle zu gewähren scheint, ist reine Cellulose, und zwar in einer Modification, die künstlich hergestellt wird. Während man, früher (d. h. vor der Einführung der reinen Cellulose in die Glühlampentechnik) gezwungen war, das vegetabilische Material, wie es die Natur, bot, zu Fäden zu formen, ist man jetzt in der Lage, die Fadensubstanz künstlich herzustellen und dadurch eine viel größere Gleichmäßigkeit der Fäden als früher zu erzielen. Die Fadensubstanz wird durch eine Düse von vorgeschriebenem Durchmesser gepreßt und dadurch zu einem endlosen Faden geformt, dessen Dicke gleich dem Durchmesser der Düse ist. Der Faden wird auf Spulen aufgewickelt, dann in kleinere Fäden .zerschnitten, in die charakteristische Form des Hufeisens oder Schleife gebogen und schließlich verkohlt. Man könnte nun den Faden, nachdem er in dem Carbonisirofen" verkohlt worden ist, in dem Zustand, in dem er aus dem Ofen hervorgeht, als Leuchtkörper in der Glühlampe verwenden. Es ist aber vortheilhafter, ihn vorher einem Proceß zu unterwer fen, der seine physikalischen Eigenschaften nach verschiedenen Richtungen hin Aufspannen der Fäden, verändert und für den beabsichtigten Zweck noch geeigneter macht. Außer diesem Zweck hat aber der Proceß noch den anderen ebenso wichtigen den Kohlenfaden quantitativ so zu verändern, daß er beim Hindurchgehen eines Stromes von bestimmter Stärke eine Lichtmenge von bestimmter Helligkeit aussendet. Im Wesentlichen besieht er darin, daß der Kohlenfaden zum Glühen gebracht wird, während er von kohlenstoffreichen Gasen, z. B. Leuchtgas, umgeben ist. Bei diesem Glühprocesse der eine chemische Einwirkung jener Gase auf den Kohlenfaden zur Folge hat wird nicht nur seine Oberfläche gänzlich verän dert. sondern auch seine innere Beschaffenhet. Die Veränderung der Oberfläche bewirkt eine Erhöhung des Lichtausstrahlungsvermögens.die Ver änderung des Innern eine Erhöhung der Elasticität und damit eine Erh'öhung seiner Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Angriffe während der Fabrikation. An den Enden des so präparirten Kohlenfadens werden nun die Platindrähte befestigt, die später in dieWand des Glasballons eingeschmolzen wer den. und die dem Faden den Strom zuführen. Das Bindemittel zwischen den Kohlenfäden- und PlatindrahtEnden ist Kohlenstoff, der auf chemischem Weae aus kohlenwasserstoffre: chen Stoffen ausgeschieden und direct an jener Verbindungsstelle abgelagert w,rd. Der Faden ist jetzt so wett serha, daß er m den Glasballon einge führt werden kann. Die Glaskörper haben ursprünglich eine andere als die ,oon der fertigen Lampe her bekannte Form, die sich meist der Form txntx Birne nähert: sie sind länger als die

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später daraus hervorgehende Lampe, sind an den spitzen Enden offen und haben auch nicht die bekannte Spitze an dem kugelförmig gewölbten Theile

Einschmelzen der Fäden. der Lampe., An der Stelle, an der später die oben erwähnte Spitze sitzt. Wird demnächst ein dünnwandiges Glasrohr angeschmolzen, durch das im letzten Fabrikationsftadium die Luft abgesaugt wird. An dem spitzen, offenen Ende wird der mit den Platindrähten verbundene Kohlenfaden hineingeschoben, der Glaskörper soweit abgeschmolzen, wie es der Länge des Kohlenfadens entspricht und jeder Platindraht einzeln mit der Glaswand sorgfältig verschmolzen. Jetzt hat der Glasballon die bekannte Birnenform erhalten. Im Innern der Birne sitzt der Kohlenfaden auf den Platindrähten; an dem Ende, an dem der Stiel der Birne sitzt, und an dem die Platindrähte mit der Glaswand verschmol zen sind aber natürlich nach außen hervorragend ist der Gtasballon geschlössen, und nur an der entgegengesetzten Stelle, an der das enge Glasrohr angeschmolzen worden ist, ist der Ballon noch offen. Die an dem Glasballon vorgenommenen Arbeiten werden unter Anwendung starker Gasgebläse ausgeführt und beanspruchen eine nicht unbedeutende Geschicklichkeit. Das Einschmelzen des Platindrahtes in den Glasballon muß mit besonderer Sorgfalt ausgeführt werden; denn der kleinste, selbst dem Auge nicht mehr wahrnehmbare Sprung macht die fertige Lampe völlig werthlos. Der Draht, der in die Glaswand eingeschmolzen wird, es wird fast ausschließlich Platindraht benutzt muß ganz bestimmte Eigenschaften haben, um als Stromzuleitung zu dem Kohlenfaden verwendbar zu sein; denn beim Einschmelzen des Drahtes in das Glas unterliegen dieses sowie der Draht einer außerordentlich großen Erhitzung. Die Wärme aber dehnt fast alle Körper aus, so auch den Draht und die Glaswand; beim Erkalten ziehen sie sich wieder zusammen. Der Draht darf sich nun offenbar nicht stärker zusammenziehen als die Glaswand, sonst würde sich ein Spalt zwischen beiden bilden; es müssen sich vielmehr beideKLrper gleichmäßig ausdehnen resp, zusammenziehen; dieser BeBestimmung der Lichtstärke. dingung genügt allein der Platindraht in vollkommener Weise. Außerdem muß auch das Glas, das mit dem Platin verschmolzen werden soll, bestimmte chemische Eigenschaften besitzen. Damit aus dem Glasballon mit dem Kohlenfaden eine Glühlampe werde, muß. wie bereits erwähnt, die Luft auS dem Ballon entfernt werden. Früher wurden dazu ausnahmslos Luftpumpen benutzt, in denen der eigentlich wirksame Theil eine sich bewegende Quecksilbersäule war. In den letzten Jahren ist aber der Luftentleerungsproceß mit Quecksilberpumpen zu Gunsten eines anderen aufgegeben worden, der bequemer und viel wirksamer ist als der frühere. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die mit diesem Proceß erzielte Luftleere eine wirkliche Luftleere ist, während eine solche im physikalischenSinne mit Quecksilber nicht zu erreichen war; es sind wenigstens bei der speciellen Untersuchung, der jede einzelne Lampe unterzogen wird, um die Güte ihres Vacuums zu prüfen.' auch nicht Spuren von Gasresten im Ballon der so ausgepumpten Lampen nachweisbar. Ein besonderer Vorzug des jetzigen Verfahrens ist es, daß die Hantirung mit dem gesundheitgefährdenden Quecksilber in Fortfall kemmt. Aber nicht nur die Luft aus dem Glasballon muß entfernt werden. Der Kohlenfaden enthält Gase, die er erst beim Glühen abgibt, und die viel schwerer zu entfernen sind. Nachdem die Luft aus dem Glasballon entfernt worden ist, wird ein Strom durch die Lampe geschickt, so daß der Faden zuerst allerdings kaum sichtbar glüht.' Wenn die Gase, die bei der Temperatur des 'dunkelrothglühenden Fadens von der Kohle abgegeben werden. durch die Luftpumpe abgesaugt worden sind, wird der Strom verstärkt und gleichzeitig mit der Entfernung der durch die höhere Temperatur ausgetriebenen Gase fortgefahren. So wird der Proceß fortgeführt und der Strom so lange verstärkt, bis die letzten wahrnehmbaren Gasreste von der Pumpe beseitigt worden sind; dann wird das Rohr, das. wie bereits erwähnt, an dem kugelförmig gewölbten Theil des Glasballons sitzt, dicht über dem Ballon mit einer spitzen Gas flamme abgeschmolzen. Obwohl alle Glühlampen in derselben Weise hergestellt werden, sind sie einander nicht vollkommen gleich; die eine gibt bei etwas größerer, die andere bei etwas geringerer Stromspan nung die normale Kerzensiärke. m Um die Abweichung zu bestimmen, werden die Lampen einer Lichtmessung mit Hilfe des Photometers- unterworfen. Sei dieser wird die Spannung festge-

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stellt, die der elektrische Strom besitzen muß, damit die ßainpe die verlangte

Lichtstärke gebe. Man findet auf den Lampen zwei Zahlen verzeichnet: die eine 10, 16, 25, seltener 32, 50 oder 100. gibt die Helligkeit in Normalkerzen, die andere, meist zwischen 100 und 120 oder zwischen 65 und 70, die Spannung des erforderlichen Stromes an. ' Nachdem die Lampen d:n Resulta ten der Lichtmessung entsprechend sortlrt worden sind, wird der .Sockel befestigt. Dieser hat mit dem Princip der Glühlampe nichts zu thun, dient vielmehr lediglich dem Zweck, dieGlühlampe in die Bahn des elektrischen Stromes möglichst oequem emzuschalten. Zum Schluß wird jede Lampe zur Controlle noch einmal bei der festgestellten Spannung- eingeschaltet, und erst aus der Untersuchungsstaturn" aelanoen die Lampen zum VerBefestigung der Sockel. sandt und damit in den Verkebr. Wie lange nun die Lampe im Betriebe bleiben kann, hängt nicht allein von ihrer onstruction ab. sondern m sebr hohem Grade, in viel höherem als zumeist bekannt ist, von der Behandlung, die die Lampe erfährt, d. h. von der Leistung, die man ihr zumuthet. Nachdem das fertiae Fabrikat nack Leuchtkraft und Spannung genau sornrt und revidlrt ist, gelangt es m die Lagerräume, die es oft gar bald verläßt, um nach allen Theilen der Welt versandt zu werden. Bei der Subtilität vonGlas und Kohlenfaden ist der Expedition besondere Sorgfalt zu widmen. Cpciscttanspott. Um ein tief gefühltes Bedürfniß der Arbeiterbevölkerung in Berlin zu befriedigen, hat man dort Speisetransportwagen eingeführt. Jeder der mit einer Heizvrrichtung versehenen Wagen-bietetRaum für 320 bis 350 luftdicht verschlossene Töpfe. Sechs Wagen befahren täglich zu bestimmte? Zeit eine Reihe genau vorgeschrieben Straßen, und während der Fahrt übergiebt der Schaffner den Arbeiterfrauen oder Kindern, welche auf der Straße bereits warten, ein leeres Geschirr, ihnen gleichzeitig das mit dem Essen gefüllte abnehmend, welches er in den Wagen hineinschiebt. Wiederum auf die Minute kommen sämmtliche Wagen an einem Ort zusammen, die Schaffner tauschen die verschiedenfarbigen Geschirre untereinander aus, so daß jeder Wagen Töpfe von gleicher Ablieferung. Farbe hat, und nun geht es fort zu den Fabriken, woselbst die Arbeiter ihr Essen in Empfang nehmen. Diese sammtlichen Manipulationen spielen sich werktäglich von 10 Uhr bis 2 Uhr ab, und es wird für den einmaligenTransPort einschließlich Verleihung des luftdicht verschlossenen Geschirrs einPreis von zehnPfennig berechnet. AufWunsch wird das Essen nicht nur transportirt. sondern auch gleich geliefert, und zwar nach einer halbwöchenlichen Speisekarte, welche zwei Gerichte für jeden Tag aufweist. NachVelieben bestellt der Arbeiter sein Mahl (Suppe, Fleisch. Gemüse und Kartoffeln), wofür er einschließlich des Transports und des Geschirrs dreißig Pfennig zahlt. Schlafdivan lXk3&jS der Thierfreundin Eulalia Mizimops. Viele Menschen verschmerzen einen Mißerfolg schnell, wenn sie ihn nur vor der Welt verheimlichen können. -AusderSchule. Lehrer: .Was ist Dein Vater. Josef?- Josef: .Todt Lehrer: Dummkopf! Was war er also früher?" Josef: Leben-diz.-AucheinKind. Beamter (zornig): Zum Don... es kostet 50 Cents die Person, warum legen Sie denn nur 25 hin?!" Moses (gemüthlich): Nu steht da net deitlich geschriewe. Kinder zahlen die Hälfte, bin ich doch aach ä Kind Israels !" Deshalb. Neulich war ich in vier Wirthschaften und wollte für zwanzig Mark Kleingeld haben, aber nirgends bekam ich es." Weshalb nicht? Ist denn das Kleingeld so rar?" Das nicht, ich hatte nur kein Zwanzigmarkstück!" - Ja wenn... Richter (zum Angeklagten): Sie sind angeklagt. den Schneidermeister Nadel kurz vor Mitternach halb todt geschlagen zu haben, das ist straffällig!" Angeklagter: So. hätt' ich das gewußt, hätt' ich den Kerl erst nach Mitternacht durchgebl'äut."

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Harlmg's Julilaum. 3n diesem Jahre beabsichtigt die

Stadt Harburg, das aufblühende Gegenüber Hamburgs, das Ermnerungsfest an die Verleihung der erstenStadtrechte zu feiern. Man nimmt dafür das Jahr 1297 an, obgleich es nach den neuesten geschichtlichen Z5o:schungen nicht ausgeschlossen erscheint, daß Harburg schon vor dem genannten Jahre Stadtrechte besessen hat. Harre by de Borg!" sollen nach der Vollsiage die Ritter der alten Burg, welcher der Ort seine Entstehung verdankt, den Schiffern und Fischern der Elbe zugerufen haben, wenn Kriegs- und Wettersturme ihren Wea gefährdeten. Mit demselben Ruf wurden die Schiffer eingeladen, den ihre Fahrten regelnden Wechsel von Ebbe und Fluty unter dem Schutze feste? Mauern abzuwarten. In Wirklichkeit aber zeigt der Name eine Burg an, welche im Sumpfe (Harre. Horre) liegt; in sol cher Gegend ließ Karl der Große sie 1 Die alte Harburg. zur Vertheidigung gegen die räuberischen rechtselbeschen Nachbarn und die Normannen erbauen. In Kriegszeiten ist die Harburg oftmals hart bedrängt und zerstört worden; ihre Geschichte ist anziehend und reich an hervorstechenden Ereignissen. Den Rest der alten Burgherrlichkeit bildet das auf unserem Bilde dargestellte Schloß; aber auch seine Tage sind schon gezählt. Die Stadt Harburg hat sich erst in der letzten Hälfte des gegenwärtigen Jahrhunderts stärker entwickelt, infolge des :m Aufschwung begriffenen Handels und der sehr regen Industrie. Ihre Einwohnerzahl, die sich in den letzten 50 Jahren etwa verzehnfacht hat. beträgt heute 43.000. Der Schifffahrtsverkehr des Elbhafens hat sich seit 1871 von 227.619 auf 942.823 brit. Reg. - Tons gesteigert. Die Zahl der Fabriken übersteigt 70; von diesen beschäftigen zwei je nahezu 2000 Arbeiter. In der Oelfabrikation macht Harburg Marseille den ersten Rang streitig; besonders hat auch die am Orte betriebene Bearbeitung des Gummis einen Weltruf gewonnen. Neues Rathhaus. Die mannigfachen Beziehungen zu der großen Nachbarstadt Hamburg geben Harburg in gewisser Weise das Gepräge einer Vorstadt jener Metropole; doch entbehrt der Ort darum nicht seiner Selbstständigkeit. Es ist vielmehr für seine Einwohner ein glücklicher Umstand, daß sie unbehindert an den Vortheilen, welche jene Großstadt bietet, theilnehmen dürfen und daneben diejenigen einer Mittelstadt genießen. Der größte Theil der Bevölkerung ist fluctuirender Natur, wie dies die Verhältnisse einer Fabrikstadt mit sich bringen; indessen fehlt es weder an einem seßhaften Bürgerstände noch an einem opferwilligen Bürgersinn. Harburg hat in den letzten Jahren infolge seines schnellen Wachsens viele öffentliche Bauten aufführen müssen, unter denen das neue Rathhaus den ersten Platz einnimmt. Wohlhabende Bürger haben zahlreiche Villen . errichtet, namentlich an der Buztehuderstraße. einer Allee, welche in die große Hake", eine schöne, vielbesuchte Waldung, fuhrt. Neben dem Stadijubiläum wird Harburg m dieiem Jahre auch den Gedenktag an die vor 50 Jahren er folgte Eröffnung der Bahn HarburgLehrte (Hannover) stiern und zugleich die Einweihung des neuen, mit einem Kostenaufwande von 5.200.000 Mark erbauten Staatsbahnhofes. Ein Zeit-Fratz. fwffiA -&alX Im 'Ife5 ML m& .Fiitzchen. hast Du auch Deine Schulardcilin gemacht i .Ja!" Alle?" Aber natürlich!" Auck reckt sorafäliia?" Ach. Mama, Du machst mich ia v2 rt Vitt vUUn Sirnnml" lMllJ iltiVi mit vwm vtvi. U y" Entschuldigung. Du bist mit Vetter Hans verlobt und läßt Dich von Vetter Kuno küssen?" Aber ick denke ia dabei an Hans! harmlos. A.: Wer war denn der inen?" B.: .Ein Dicht,.?. A.: Was Sie nicht sagen, der Mann sah ja ganz harmlos aus!"

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Schweizer PILLEN sind altbew&hrt überzuckert leicht zu nehmen desshalb übelschmeckenden nixturen vorzuziehen wirken leicht, sicher, schmerzlos von ersten medizinischen Autoritäten empfohlen. Blutreln!?end, Appetite tretend, GcsundheltherstcUrad. in llea Äpothtkea xa hMbea. Die Maricnbnrg. In dem waltiaen Bau der Marienburg tat der deutsche Orden den Weichsellanden ein unvergleichliches Denkmal seiner Größe und semer gejchichtilchen Eigenart rnnterlassen. cm Werk, das als Kunstschövfuna ersten Ranges, wie als vornehmstes Monument der großen Zeit deutscher Kolonlsation emen Ehrenplatz unter den Denkmälern der deutschen Vergangenbeit einnimmt. Die Marienbura ist 1274 gegründet worden, vierundvierzig Jahre, nachdem die erste Ordensmannschast den preußischen Voden betreten hztte. um den Kreuzzug gegen die heidnischen Bewohner zu eröffnen. Das Land zwischen Weichsel und Pregel war um daS Gründungsjahr der Burg nach erbitterten Kämpfen zum größten Then unterworfen, aber die Erfolge waren noch nicht befestigt, das Errungene bedurste noch der allseitigen Sicherung. Die neuerrichtete Feste übernahm den Schutz der Nogatlandschast, des wichtigen Nordabschnittes der Weichsellinie, welche die Vasts der OrdnungsUnternehmungen bildete. Ihre überragende Bedeutung erhielt die Marienbürg, als 1390 Siegfried von Feucht Wangen den Hofmeistersitz von Venedig nach Preußen in ihre Mauern verlegte. Sie war fortan der Mittelpunkt des großartigen Wirkens des Ordens und der Ausgangspunkt der Cultur und Germanisation des gewonnenen Landes. In umfassender Bauthätigkeit wurde die Vurg als Ordenshaupthaus umgeschaffen. Unter den Hochmeistern Werner von Orselen und Dietrich von Altenburg wurde der Ausbau des aus dem Ende des 13. Jahrhunderts stamrnenden Hochschlosses in edlen, machtvollen Formen durchgeführt, und UNter Winrich von. Kniprode (133182) entstand auf der Stelle der alten VorOstseite der Burg. bürg an der Nordseite des Hochschlosses der Prachtbau des Mittelschlosses. Mehrfache starke Vefestigungslinien umgaben die Burg, der sich im Norden die neuangelegte geräumige Vorburg mit den Wirthschaftsgebäuden und den Bauten zur Aufnahme der Vorräthe und des Kriegsmaterials vorlegte. An der Südseite gliederte sich die Stadt mit ihren Befestigungen an das Schloß an. Nachdem die westpreußischm Lande im Thorner Frieden (1466) an Polen abgetreten warzn, '.nrve inMarienburg ein Starostensitz etablirt und von dieser Zcit an datirt die Vernachlässicung der Burg und in späteren fahren (1803) unter preußischer Herrschaft drohte ihr dasSchicksal abgebrochen zu werden. ' Der Aufruf Mar Schcnkendorf'S und später das Wirken dcs Oberpräsidenten von Schön hab?n eine neue Zeit für die Manenburg herausgeführt, die vaterländische Begeisterung, welche die Befreiungskriege geweckt hatten.wandte sich ihr zu. und seit d:m Jahre 1817 wurde eine durch freiwillige Beiträge ermöglichte, im ganzen rühmcnswerthe Herstellung des Mittelschlosses und der Kirche im Hintcrschloß durchgeführt. Die übrigen Theile des Hochschlosses blieben unverändert, bis endlich 1882 die vorbereitenden Arbenen aufgenommen werden konnten und das Hochschloß nunmehr so gut als vollendet ist; die Vollendunq des ganzen An baucs dürste noch etwa 2.300.000 Mark erfordern. Die vollendete Vurg ist in erster Linie als ein Museum für di! culturacschi'chtliM Sammungcn aller Ar! gedacht, die sicb auf den deutschen Orden belieben. Als GrundstoZ sind die Tcll'sche Waffensammlung und ewe Münzsammluna, die in ihrer Art als die erst: d:r Wclt bezeichnet wird, vorl-andcn. M::terbZn ist zurächst dL cgtundnna cin-Z Proöinlalatc&bs in G&I'oe ceplant, das unter Mühilre der Städte der Provinz zusammeng:ste!Z! werden soll. Z u f r ü h. . Patient (wüthend): Millionen Schock, ärgere ich mich jetzt! Frau: ZQarum denn. Mannerl?" Patier: Jetzt hab' a ganze Flaschen voll Medizin, und schon nach dedn ersten Löffel vzll sind meine Schmzen kea!"

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