Indiana Tribüne, Volume 20, Number 196, Indianapolis, Marion County, 4 April 1897 — Page 10

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?euu A -A. Aer FmsscnschranK. Gin Lebensbild ron Marie Netter (Mannheim.) Im alten Höhenweg hat sich um eine Droschke zweiter Güte eine lebhaft aestikulirende Menschenmenge angesammelt. Auf den Gesichtern der ärmlich gekleideten Leute liegt der Ausdruck ängstlicher Neugierde, jenes Sensationsbedürfniß, das jeden Nervenreiz titi willkommene Zerstreuung auffaßt. Einige beherzte Männer heben, nicht ohne Schwierigkeit, den leblosen Kör.' per einer alten Zvrau aus dem Wagen, suchen in Itx ledernen Tasche, die ihr am Gürtel Yängt, nach demHäusschlüssei, schließen das Haus auf und tragen sie hinein. Inzwischen hat sich ein Schutzmann der Sache angenommen und forscht, das Notizbuch in derHand, den Kutscher auS. Der sieht aber selbst sanz entsetzt vor der vollendeten Thatsache und versichert immer wieder: Es rnuß sie der Schlag gerührt haben, dmn cm Domportal ist sie gesund eingestiegen." Was ist denn da paffirt?- fragt von seinem Kutschbock herab ein Gallonirter und zügelt mit Mühe zwei seu rige Rappen, die am liebsten in den Menschenknäuel hineingesprengt wä ren. indessen sich der Besitzer derEquiPage weit aus dem Schlag beugt. Soeben haben sie Frau Mandl todt heimgebracht," berichten geschäftig mehrere Stimmen zugleich. Der dicke, rothwangige Herr fährt auf. wie von einer Tarantel gestochen, springt aus dem Wagen, wechselt mit dem Schutzmann, der höflich die Hand nn die Mütze legt, einige Worte und er theilt dann seinem Kutscher den Befehl: Sofort zum Notar Müller." D:r Kutscher schnalzt mit der Zunge, die Leute weichen ängstlich aus und der Wagen fliegt die Gasse hinunter, um bald daraus vor dem Hause des Notars U halten. Der Notar ist ein Herr aus der alten Schule mit Vatermörder und hoher Lravatte. Das bartlose Gesicht, von einem dichten Kranz silberweißer Haare eingerahmt, erinnert an einen englischen Geistlichen. Auch in seiner wohl gesetzten, bedächtigen Redeweise liegt etwas Pastorales. In diesem Moment huscht aber ein Zug feiner Ironie um seinen Mund. Ich danke Ihnen für die Liebenswürdigkeit, mich sofort von dem Ablebm meiner langjährigen Clientin inKennt niß gesetzt zu haben. Ich werde natürlich sofort hinaufgehen und dasNöthige veranlassen. Was aber die mir gütigst ertheilten Weisungen betreffs des Begräbniß - Ceremoniels und Regelung der Hinterlassenschaft der Frau Mandl anlangt, so muß ich jede Einmischung dankend ablehnen. Die Verblichene hat bis ins kleinste Detail alle Verfügun gen selbst getroffen und ausschließlich mich mit der Ausführung betraut. Jh nen irgend welche Andeutungen über den Vermögensstand vor der Testamentseröffnung zu machen, muß ich, laut Instruktion, ebenso entschieden verweigern. Aber wenn ich auch über diesen Punkt mein Amtsgeheimniß nicht zu wahren hätte, so könnte ich Jhnen doch keine genaue Auskunft geben, weil Frau Mandl ihre Gelder stets selbst verwaltete und mir nur so beiläusig über den Stand der Dinge Be richt erstattete." Aber der Kassenschrank, Herr Noteil Sie können doch den Kassenschrank jetzt, wo die Frau todt ist, nicht unbe wacht da oben lassen?" Ah. der Kassenschrank!" wieder huschte es so belustigt dem Notar über das Gesicht. Beruhigen Sie sich, Herr Philipp, ich werde den Kassenschrank schon bewachen lassen." Der Notar begleitete den offenbar recht unbefriedigten Herrn Philipp zum Wagen, die Herren schütteln sich die Hände und der Waaen fliegt weiter. Eine kleine Weile bleibt der Notar sieUn und schaut nachdenklich vor sich hin, dann reibt er sich vergnügt die Hände, und kehrt ins HauS zurück. Er holt eine Mappe aus dem großen Archiv, nimmt sie unter den Arm, stülpt den Hut auf den Kopf und macht sich auf den Weg. Der alte Höhenweg, der sich in kühnen Windungen einem längst eingemeindeten Vorort angliedert, war vor Zeiten der Sitz der reichen Gärtner, die den städtischen Markt mit den Erzeugmssen ihrer musterhaften Obst- und Gemüsekulturen versorgten. Mit starlern Selbstbewußtsein saßen sie da oben und schauten auf die in Dunst gehüllte Stadt hinab, deren Drängen und Jaoen nur als fernes Summen zu ihnen heraufdrang. Aber die Stadt reckte und dehnte sich und streckte ihre gierigen Finger nach allen Seiten hin aus, und so kam es. daß sie den Gärtnern eines Tages ganz unvermuthet im Rücken Än oem iHondewaloeten Höhen zug hatte sich eine Villen Colonie ein genistet, die langsam, aber sicher vor wärts schritt und den friedlichen Win U fl7tnfniTrrTTtrfir GWnWUU - n - - - " mu uii ter dem Alles beherrschenden Luxus des Großcapitals begrub. Die Gärtner waren kluae Leute, die ihren Vortheil wahrnahmen, Stück um tuck rs kostbaren Geländes um theu res Geld losschlugen und sich zum Th selbst Villin bauten. Die Söhne jen il Gärtner sind langst stolze Herren geworden, mt sich ungern art die einfach Hantirung der Väter erinnern, ihre Sohne studtren lassen, die Tochter den Militär- und Veamtenstand der 'heirathen und in ihren Karossen durch i n.'it- , i . ocn anen oycnioeg jagen, voroei an der einstmals so heilig gehaltenen ..Stammburg, die dem baldigen Ab-

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bruch geweiht, einstweilen vom Zahn der Zeit erfolgreich benagt wird. All diese Wandlunaen hat Frau

Mandl überdauert. Ihre kleinen listigen Augen leuchteten und ihr runzeliges Gesicht röthete sich, wenn sie vom goldenen Zeitalter des Höhenweges erzählte. Aber Niemand yat iq anvererseits auch Zeitlebens so schwer über den Umschwung jener urgesunden VerHältnisse geärgert, wie sie. War doch ihr eigener Vater der Erste gewesen, welcher mit dem Verkauf von Grund und Boden Bresche schlug m oie seligescklossene Vbalanr der reichen Gärtner. Was aber weit schlimmer war: er ist der einzige Dumme unter lynen gewesen. Denn während die Andern il);c Capitalien sofort sicher anlegten, ließ er sich goldene Berge vorzaubern und trug sn Geld an die Börse. Die Folgen blieben nicht aus und die Familie fand ihn eines Tages erhängt im Hofschuppen. Bon dem großen zoylnano war mit knapper Noth das kleine Haus übrig geblieben. Frau Mandl war damals noch ein iunaes Mädcken. aber sie wies jede, mit Bedingungen beschwerte Unterstützung der reichen Verwandten zurück, slng et nen kleinen Obsthandel an. der sie und die kranke Mutter ernährte und bezog nach ihrer Verheirathunq den Obst stand am Domportal. Kinder hatte sie nickt, und so aina sie ibrer einförmiaen Pflicht nach, ein langes, langes Leben, sah Alles rund herum ms Grab sinken; Menschen. Anschauunqen und Werthe, sah eine neue Welt erstehen, und blieb allein Lbvg in ihrem altenHaus im al sen Höhenweg. Das Haus trägt die Physiognomie der Gasse. Ueber dem Erdgeschoß mit den drei schmalen Fenstern spitzt sich der unverhältnißmäßig hohe Giebel, etwas vornübergebeugt wie von Altersschwäche. Daneben die große Thoreinfahrt, in welche zum bequemeren Verkehr die kleine Hausthür eingelassen ist, mit der schrillen Klingel. Die Nachbarn sind noch immer um das Haus versammelt und beobachten aufmerksam alle Vorgänge. So oft die Thürklingel geht, folgt athemlose Spannung und dann eine Fluth ver schiedenartiger Vermuthungen. Der Notar mit dem Gerichtsdiener. Pfarrer und Doctor sind bereits dagewesen und nun kommen diejenigen Leute, die stets einen intensiven Chlorgeruch in den Kleidern tragen und den Zug stumpfsinniger Theilnahmlosigkeit in dem blutleeren Gesicht, welchen der Verkehr mit der stillsten, zufriedensten Kundschaft allmählig hineinzeichnet. Jetzt kommt noch ein Kastenfuhrwerk über das holperige Pflaster herauf. Einige mit Obst gefüllte Markt Körbe wer den abgeladen und eine Anzahl leerer ineinander geschobener. Dann einHolzstuhl, ein großer rother Schirm an einer langen Stanae, ein Stofchen. wie es die Marktleute haben, um ihreSuppe oder ihre Füße daran zu wänen. und ein starkes Wachsleinen, das desNachts schützend über Alles gebreitet wird. Der Knecht schiebt die Sachen hinter das Hofthor und geht bann neben seinem Gaul her weiter die Gasse hinauf. Ter Abend senkt sich herab, dasHaus wird von innen zugeschlossen und die Leute entschließen sich endlich heimzugehen, weil nun doch nichts mehr zu se l,en ist. Es ist ihnen unbegreiflich, daß sie um eine Gewohnheit ärmer geworden sind und daß Frau Mandl. dieses personificirte Stück Ueberlieferung, loirklich gestorben sei. Ebenso erstaunt, wie die Nachbarschaft im alten Höhenweg. sind die beiden Engel, welche mit ihren gutvergoldeten Jlammenschwertern den Dom bewachen, mit der leicht über den Kopf gelegten Hand als Karyatiden den starken Portalüberbau tragen und mit dem machtlgen Flugelpaar bic gewundene Architektur harmonisch abschließen, aber trotz dieser vielseitigen Thätigkeit bei allen Eingeweihten in dem Ruf standen, gemeinsam mit dem alten Geistlichen - Rath Frau Mandl zu schützen, gegen alle Angriffe junger Eiferer. deren ästhetisches Gefühl beim Anblick des rothen Wetterschirmes verletzt wurde, üftur in Folge dieses mächtigen Schuhes war es möglich, daß Frau Mandl fünfundsechzig Jahre lang am Domportal Aepfel und Trauben verkaufte und keinen Tag fehlte, es müßte denn ein Feiertag gewesen sein. Und noch an einem dritten Ort reibt man sich die Augen und kann es zunäckst nicht glauben, denn", meditirt die Vas - Line, ,was so ewig gelebt hat. will weiter leben". Die BasLine ist unter den Verwandten des sel. Mandl das Factotum. Sie sitzen da draußen in ihrem armseligen Dorf, ernähren sich kümmerlich von Korbflechterei und schauen ihre vier kalen Wände an. Wie lange warten sie schon auf diese Todesnachricht und wie Mancher von ihnen mußte in die Grube fahren, ohne seinen Nachkommen etwas Anderes kzinterlassen zu haben, als die schöne Aussicht auf die schöne Erbschaft. Endlich steht man am Vorabend gro ßer Ereignisse. Die Alte hat sich zwar nie hineinschauen lassen, hat nie von ihrem Reichthum gesprochen, hat sich vielmehr die Vetternschaft des seligen Mandl recht sorgsam fern gehalten. Aber vielleicht gerade deshalb war umsomehr zu erwarten Nur einmal zitterten sie für die Erbschaft. Das war damals, wie die Engel am Domportal renovirt wurden und der schwarzäugige Italiener mit dem braunen Sammetröckchen und dem lose geschlungenen ro then Halstuch immer bei der Frau Mandl unter dem Wetterdach saß und Obst aus allen Körben naschte. Da hatten die Erben große Angst. dieAlte möchte am Ende noch eine jugendliche Dummheit machen. Aber der Bildhauer verschwand, sobald er seine Engel wie der glücklich auf den Postamenten hatte und man sah ihn nur noch einmal flüchtig auftauchen. Fran Mandl r

yielt gerade eine große, schwere Ktste,

auf welcher öfter Vorsicht" und nicht stürzen" stand. Der gemüthliche Bursche nahm sich, auf Wunsch der alten Frau, der Sache wärmstens an 'und iauderwalschte m semem Italienisch Deutsch den Leuten so lange vor, bis si: die Stifte ohne Unfall in s Haus gebracht hatten. Später erfuhr man, daß in jener Kiste ein schöner Kassenschrank war, in welchem Frau Mandl seitdem ihre vielen Staatspapiere barg. Dieser Kassenschrank lst zumSesa'.n geworden. Sein Inhalt ist in'ö' Fabelhafte angewachsen und die kühnsten Wünsche und Hoffnungen knüpfen sich an ihn. Stalle mit üppigen Mastvieh bevölkert er dem Einen, wo er dem An dern Haus und Scheune baut. Dem Dritten lockt er gar den Dorfschulzen herbei, der bereits mit gekrümmtem Finger vor der Thür steht, um dieHand der so plötzlich reich gewordenen Lore unterthänigst für seinen blonden Mi chel zu begehren. Aber derKassenschrank hatte auch er folgreich den Höhenweg durchlaufen und die Kunde von seiner Existenz war durch die zierlichen Gitterthore der Villen - Colonie gedrungen. Einige Jung - Aristokraten erinnerten sich plötzlich auch einer nahen Verwandt schaft mit Frau Mandl und ließen von nun ab an Sonn und Feiertagen die Equipagen am Höhenweg anhalten, um sich nach dem Befinden der alten Tante" zu erkundiaen. Aber Frau Mandl hatte eine Aversion gegenjede verwandtschaftliche Blockade und fertigte Diese wie Jene höflich am Fenster ab. Keiner durfte ihr über dieSchwelle, am wenigsten aber Herr Philipp, der es in seiner Eigenschaft als Kirchen rath stets am widerwärtigsten empsunden hatte, daß der rothe Schirm aus seiner dauerhaften Position am Dom Portal nicht zu verdrängen war. Die Erben sind vom Notar alle rechtzeitig benachrichtigt worden und die vom Dorf machen sich in ihrem besten Sonntagsstaat sofort auf den Weg und treffen bereits am Abend vor der Beerdigung, acht Köpfe stark, im alten Höhenweg ein. Sie werden dg mit eine? gewissen Hochachtung empfangen und gleichsam im Triumph ins Trauerhaus geleitet, wohin ohnedies den ganzenTag über eine Proceklion von Schaulustigen rA bewegt hatte. So etwas hatte man noch nie vorher gesehen und den Erben bleibt buchstäblich vor Erstaunen der Mund offen stehen. Nur zaghaft, wie arme Leute thun, wenn sie in denvornehmen Salon des Reichen kommen, treten sie auf den Fußspitzen vor und legen ihre bescheidenen Kranzspenden am Sarge nieder. Jetzt sieht man klar und deutlich, wie hochgesinnt die Frau Mandl war und wie sie bis zum letzten Augenblick gearbeitet und ge spart und das Ihrige zusammengehalten hat." Es ist die Bas - Line, welche solchermaßen als Sprecherin fungirt. die letzten Worte aber unter großen, steifen, neugekauften Schnupftuch erstickt und das Zeichen zum allgemeinen Familienschmerz gibt. Erst nach Ablauf einiger Minuten haben sie sich soweit erholt, um sich mit den Einzelheiten des Sterbezimmers zu befassen. Die Wände sind fchwarz drapirt und am Kopfende des Sarges ein Altar mit einer großen goldenen Maria aufgerichtet.' Ueber den Eichensarg mit den glänzenden Beschlägen fällt das spitzenbesetzte Bahrtuch in reichen Falten lang herab und auf hohen silbernen Leuchtern stecken dicke Wachskerzen und erfüllen den Raum mit feierlichem Kic chenglanz. Die Todte, die unterSpihen und Cr-pe - Schleifen fast verschwlnbet. hat die Hände über der Brust gefal tet und macht inmitten dieses Aufbahrungs - Pompes gar keinen schaucrlichen Eindruck. Sie schaut vielmehr so zufrieden aus. als Ware sie nur zu ihrem eigenen Vergnügen gestorben und nehme noch recht lebendigen Antheil an Allem, was hier vorgeht. Der Deiis ex macliina ist der Notar, der auch jetzt noch einmal erscheint, um nachzusehen, ob alle seine Anordnungen genau erfüllt sind, und den Erben erklärt, daß sie die Nacht über nicht im Hause bleiben können. Wenn sie aber hinüber in die Heerge gehen wollten, so wäre aucheier Punkt von Frau Mandl seiner Zeit vorgesehen, und er. der Notar beauftragt worden, die Zeche zu bezahlen. Diesem freundllchen Anerbieten fügen sie sich ohne Murren bis auf die Bas - Line, die eö sich durchausnicht nehmen lassen will, die Nacht hier zu wachen. Der Nota? hat schließlich nichts dagegen einzuwen den. wenn sie sich mit den beiden be zahlten Wächtern in die Todtenwacke theilen will und verläßt mit den Uebri gen das Haus. Die Bas Line sitzt im braunge blümten Sorgenstuhl der Frau Mandl und verliert sich in Phantasie, ihre Hönd sinken in ihren Schooß und wie sie drauf hinstarrt, wachsen sie breit und groß und verwandeln sich in einen Kassenschrank. Aus der andern Zim merecke dringt inzwischen ein langgezogenes Schnarchduett zu ihr herüber und gibt ihrem Gedankengang einen immer weiteren und ungestörteren Spielraum. Noch nie hat sie einen Kassenschrank aben. Sie kann sich absolut rj recht vorstellen, waö daS für ernMöbel ist. Es war eigentlich unrecht von der (jrau Mandl. daß sie den Kassenschrank keinem Menschen gezeigt hat, und man also noch nicht einmal durch die Ueberlieferung einen annähernden Begriff von feiner äußern Gestalt hat. Die Neugierde der Bas-Line wächst in's Maßlose. Langsam erhebt sie sich aus ihrem Sessel. Die Wächter haben ihre Köpfe aus die Arme gelegt und schlafen den Schlaf des Gerechten; von dieser Seite ist nichts zu befürchten. Aber der Fall wird schwierig, denn die Thüre zur Wohnstube ist verhängt. Noch einen kurzen Kampf kämpft die

Bas - Line, zleht alsdann die Schuhe p r r i.

aus, iqleicyl uq aus oem Zimmer uns sacht aus leisen Socken den Eingang von der Hofseite. Wie sie. hinaus kommt, biegt gerade der Mond um die Ecke, blast ferne volle Backen aus und schaut neugierig herab. Die Sternlein flimmern bell. Fledermäuse streichen über die Dächer und vom Schornstein herab stöhnt ein Käuzchen seinen einformlgen Klageruf in die stille Nacht. Die Bas-Ltne empfindet, von Aber glauben gepeinigt, die Schauer der Einsamkeit, das Herz schlägt ihr zum 5Zersvrinaen. ihre Hände zittern, aber wenn jetzt der leibhaftige Gottseibeiuns vor ihr erschienen wäre, so hatte sie ihr Siel verkolat. Sie steht an der Thür und legt die Hand auf den Drücker; die Thur gibt nach, dreht stch aber Nicht, wie andere Thüren in den Angeln, sondern rollt, auf beiden Seiten wie von Geisterhänden geschoben in die Mauer hinein. Die Bas steht plötzlich in einer großen weiten Oeffnuna. durch welche der 5onb sein aesvensttaes Licht sendet. ihren Schattenriß auf den Boden. wirft und eine weiße Gestalt beleucht, die mitten im Zimmer, gleichsam in der freien Lust schwebt. Die Bas - Line klammert sich an den Thürpfosten. Sie will schreien, aber der Sckreck läbmt ihr die Zunge. Sie reißt die Augen weit auf. daß sie ihr beinahe auö dem Kopfe treten und die Füße sind ihr am Boden festgenagelt. Das ist die leibhaftige Frau Mandl, wie sie dieselbe unzählige Male am Domplatz gesehen hat. Sie sitzt auf dem alten Holzstuhl mit den wackeligenBeinen. über den faltigen Röcken liegt die wtite Schürze mit der ledernen Geldtasche am Bund. Die Wollhaube deckt den glattgekämmten Scheitel und ein gemustertes Fransentuch ist über der Brust gefaltet und am Rücken geknotet. In der Linken hält sie die Wage und mit der Rechten nimmt it aus einem vor ihr stehenden Korb einen großen schönen Traubenhangel. um ihn in die Schale zu legen. Ihre ganze Aufmerksamkeit ist den Bewegungen de Zllngleins zugewendet, wobei sich die Gesichtsfurchen förmlich vertiefen und die Lippen vollständig zwischen den zahnloseö Kiefern verschwinden. Mit schmerzhafter Gründlichkeit hat die Bas - Line all diese Einzelheiten der spukhasten Erscheinung in sich ausgenommen. Jetzt holt schnarrend eine Glocke aus zum Zwölfschlagen und dann noch eine Und noch eine. Wie gen'au man das in der stillen Nacht Hort es ist ein Klingen und Summen das Zwölfschlagen will kein Ende nehmen. Die Bas-Line sieht, wie Frau Mandl dem Geisterrufe Folge leistet, sich bewegt und streckt und zu ihr heriibernickt, sie spürt wie ihr daöHaar zu Berge steigt sie fährt sich mit beiden Händen an den schmerzenden Kopf, stößt einen markerschütternden Schrei auö und schlägt schwer auf den Boden hin. - - Der Wagen ersterElasse mit der starken Vergoldung hält andern Tags im alten Höhenweg und holt Frau Mandl zum letzten Gang ab. Die schonen weißen Pferde tragen überhängend Trauerschabraken und zwischen den Ohren hochstehende schwarze Federbüsche. Acht Männer, die sich zu diesem Ehrendienst herandrängen, werden mit breiten Eröpe - Schärpen geschmückt und jeder erfaßt ein Ende der dicken Laubguirlanden, die auf beidenWagenfeiten als Ausläufer einer mächtigen Blumenkrone, herunterhängen. Kinder in weißen Kleidern tragen Plamzweige in den Händen und singen unter der Führung des Schullehrers einen Eho ral. Der endlose Zug setzt sich langsam und feierlich in Bewegung, den Schluß bilden einige Equipagen aus der Villen Colonie, und die Diener in der leberbraunsn Staatslivröe, den Familienflor am linken Arm, schreiten Würdig nebenher. Die Straßen, durch die sich der Condukt bewegt, sind dicht mit Menschm besetzt und der Friedhof muß schließlich abgesperrt werden, so groß ist der Andrang. Der jugendliche Priester läßt seine Blicke über das große Auditorium gleiten, schöpft tief Athem und hält alsdann mit weithin klingender Stimme eine lange schwungvolle Rede über den Grundtezt: Die Letzten werden die Ersten sein". Dann singen die Kinder noch einen Choral und der Sarg wird vorsichtig an Seilen hinuntergelassen in die fest gemauerre Gruft, die seit Jahren ihrer Bewohneim harrte. Das kleine Haus wird mit dem schweren Stein verschlossen und der Akt ist zu Ende. i Epilog. Noch am Abend bringen die Zeitun gen spaltenlange Artikel über das Ereigniß im Höhenweg. Unter der Spitzmarke Der Reichthum der Frau Mandl" tauchen die seltsamsten Vermuthungen über die Fassung des Testamentes auf. Die Stadt, die Kirche. WohlthatiakeitSanstalten Alles ervr große Summen. Mit fieberhafter Spannung wird der Testamentseröff nung entgegen gesehen. Endlich, nach drei Tagen bringt das Amtsblatt unter der Rubrik .Stadt und Land- die Lösung. .Der Reichthum der Frau Manvi" ist stark zusammengeschmolzen. Es sind 4 a onrt - ? . vi . 4 t .W Nur U,UUU Mari in aar voryanven, welche nach Abzug der nicht unbedeutenden Begräbnißkosten, nebst dem Erlös des Hauses im alten Höhenweg,' der landwirthschaftlichen Schule in L. zu fallen. Dafür muß die Erbin das Grab sorgfältig erhalten. Die sonderbare Alte bat offenbar nur für den letzten Akt geschafft und gelebt. Denn, außer dem Pomp,-den sie bei ihrem egrarniß entfaltete, fand man auch noch mitten in der Wohnstube auf einem, mit schwarzem Sammt ausg?schlagenen Postament, ihr eigenes Grabmonument: einMeifterwerk aus karrarischem

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iLftarmor, welches seinen Schöpf.: (einen noch jugendlichen Italiener, der seiner Zeit die Engel am Domportal renovirte) bald zum berühmten Mann machen wird. Inmitten ' der vielen prächtigen, aber immerhin conventionellen Sculpturen, welche unseren ffriedhof zu einer bemerkenstrerthen Sehenswürdigkeit machen, wird nun diese Höckerin Portraittreue sitzen und Trauben waen bis in alle Ewigkeit. Friede ihrer Asche! Bittere XZntl ä usch u n g. (Auf dem Balle.) Mein Fräulein, baben Sie noch eine Tour frei?" O ja, noch alle.- Nun. dann dürfen Sie dazuthun, daß Sie nicht siken bleiben!So a e b t es. Wenn ich nur wühte, wie ich diesem unleidlichen Klavier- und Salonlöwen auf höfliche Weise beibringen kann, iah ich ihn für einen elenden Affen halte!- Sehr einfach. Bitten Sie ihn doch, er mochte mal vierhändig spielen." Abaefertiat. A.: Genirt Sie denn Ihre Fettleibigkeit rncht?"23.: .Nickt besonders. Das einzige Unangenehme an der Sache ist, daß mich zeder dumme Kerl darum fraat.-. Unverbesserlich. Der Eigenthümer eines altenSchlosses hatte erfahren, daß seinDlener, der damit oe traut war. Fremden die Schönheiten desselben zu zeiaen. im letzten Zimmei auch immer eine Büchse zeigte mit der Bemerkung, diß dies eine alte, sehr werthvolle Büchse sei, die aber jetzt nur für die Trinkgelder verwendet werde. Dies wurde ihm -strengstens verboten. Als ihm daher einst ein Fremder ein Trinkgeld anbot sagte er ernst: Eö ist mir nicht erlaubt Trinkgelder anzurr?ri.i- i neymen, aoer siunerie er oorr in der Ecke finde ich manchmal Münzen, die die Besucher hier verlieren.nm Jedermann sagt so. Cascarets Candy Cathartic. die vundervollfte medizinische Entdeckung des Zeitalters, angenehm und erfrischend im Geschmack, wirkt sanft und sicher auf Nieren, Leber und Einaeweide, daS ganze System reinigend, entfernt Erkältung, kurirt Kopfweh, Lieber, anhaltende Verstopfung und Unverdaulichkeit. Kaufen und dersuchen Sie eine Schachtel von C. C.C heute; 10, 25 und 50 EentS. Ver kauft und Seiluna aarantirt von allen Apotheken.

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