Indiana Tribüne, Volume 20, Number 182, Indianapolis, Marion County, 21 March 1897 — Page 6

rjua'sr x.'iLU-iiU.wi .tjwjaaji

ptC ?0s0!t(UsC. Plauderei von Th. Gall. Wie wenige von Denen, die nach den Klänqen des Orchesters eine Polonaise abschreiten, ahnen wohl, wie alt dieser Tanz ist und welche Wandlungen er im Laufe der Zeiten erfahren. In jedem nalle aber ist er schön geblieben mit seinem anmuthigen, sich dem Ohre nicht minder als dem Fuße anschmieyenden Rhythmus. Er stammt aus jener Epoche, welche für die gesammte Choreographie so bedeutsam ist und noch manche andere werthvolle Schöpfung auf diesem Gebiete entstehen ließ. Heute sind jene alle in den Strom derVergessenheit hinabgetaucht. Die majestätische Pavane, die übermüthige Sarabande: wev kennt sie noch, wer versteht ihre Schrittweisen auf dem parkettirten Estrich des modernen Ballsaals zu interpretiren! Höchstens der Gelehrte im Reiche der Terpsichore. und dieser nuv auf Grund verstäubter Aufzeichnungen, die in dem ??ache einer Bibliothek schlummern. Die Polonaise hat jeden Moder, der an dieBergangenheit gemahnen könnte, von sich fern zu halten gewußt. Sie ist jung geblieben trotz der vollen vier Jahrhunderte, da schon die tanzfrohe Menschheit sich nach ihren Klängen wieat. Wie viele Tänze, die gleich ihr die Gunst der Jugend genossen, sah sie während dessen entstehen wie viele wieder verblühen und in das Grab sinken! Wer kennt heute die Bourr6e, wer den Passeöled. die damals ein allgemeines Entzücken in jedem Ballsaal hervorriefen! Wer die luftigen Giguen und Musetten, die zierliche Allewiegt. Wie viele Tänze, die gleich ihr mande. die vom Elsaß aus ihren Siegeslauf durch die Welt antrat oder ihren übermüthigen Bruder, den Langaus, in welchem die Kaiserstadt an der Donau im vorigen Jahrhundert sich nicht satt jagen konnte! All' diese Tänze hat unsere Polonaise miterlebt. Zuweilen trat sie wohl einen Theil der ihr sonst gezollten Beliebtheit an jene ab. doch völg verdrängt wurde sie niemals von ' ihnen. Ihre Schönheit besteht eben in der Einfachheit, in einer berückenden, stilvollen Anmuth, die auf jeden, der sich ihrem Rhythmus anvertraut, einen unwiderstehlichen Zauber ausübt. Es ist das Zeitalter der Renaissance. Im Palast der Medici zu Florenz blüte neben den übrigen Künsten auch dieienige der reigenfrohen Terpsichore. Als dann Katharina, die Tochter dieses Herrschergeschlechts, ebenso schön wie lasterhaft, ebenso prunksüchtig wie gebildet, den Valois Heinrich II. von Frankreich heirathete. verpflanzte sie neben ihren übrigen Liebhabereien und Zerstreuungen auch die Freude an der Tanzkunst in die neue Heimath. Unter ihren Söhnen aber hatte einer zumal. Heinrich, nicht allem die Vorliebe der Mutter, sondern auch die betreffende Begabung für den Tanz geerbt.- Keiner wußte, wie er, die Figuren der Gavotte. die eben damals in Aufschwung kam. auf den spiegelglatten Fußboden zu schreiben, keiner den übermüthigen Hüpfschritt der Gaillarde in gleicher Gcsckicklichkeit auszuführen. Mit der jungfräulichen Königin von England, um deren Hand er sich als Freiev bemühte, tanzte er die Volte, daß der ganze Hof in Entzücken gedeih. Damals wurde der Thron der Jagellonen frei, und die Polen, geblendet von der Mackit der Valois. boten dem Sohn dieses Herrschergeschlechts die Krone ihres Landes an. Heinrich trug nicht einen Augenblick Bedenken, dem Wun sche des Abgesandten zu willfahren. In Krakau empfing man ihn mit allem Prunk, über den das derzeit so blühende Königreich verfügte. Und da man wußte, daß der jugendliche Herrscher kaum ein größeres Vergnügen kannte, als den Tanz und seine Figuren. beschloß man, eigens zu seinen Ehren eine neue Schöpfung auf diesem Gebiete zu ersinnen. Den Krönungsakt (15. Februar 1574) war vorüber, der Monarch hat sich auf den Thronsessel niedergelassen. Da plötzlich ertönt eine gar liebliche Weise, nach der sich die versammelten Großen, die Frauen an der Hand führend, vor wärts bewegen. So schreiten sie stets in derselben, durch den Rhythmus der Musik gebotenen Weise im Rundgang durch den Saal. Wenn sie an "dem König vorllberkommen, verneigen sie sich ehrfurchtsvoll vor ihm. um darnach einem ferneren Paar? Raum zu gewähren. Heinrich von Valois war wie berauscht von- diesem Anblick. Das dünkte ihn ein Zauber, den er in dem rauhen Reiche des Ostens nimmer tu hofft hatte. Als der Rundgang beendet war. mußte er auf seinen ausdrücklichen Wunsch sofort nochmals unternommen werden. Es fand in der Folge auch nicht eine ?izige Festlichkeit an seinem Hofe statt, wo nicht diese danse polonaise", wie er ihn genannt, ihren Platz hätte. Allein die Krone des Polenreichs enthielt mehr Dornen, als der junge Valois vermuthet hatte. Und die Männer, die so eifrig dafür gewirkt, daß er den Thron derJagellonen einnehme, fanden schnell genug, daß sie in ihren Erwartungen gav arg betrogen worden. Heinrich war nicht aus dem markigen Holz, von so eisernem Willen, so gerecht und klug, wie es die Fürsten der ausgestordenen Dynastie gewesen. Wollust und Prunkliebe kennzeichneten sein Wesen; er selbst war ein Schwächling, der lieber im Kreise seiner Höflinge weibischem Vergnügen nachging, als daß er das Schwert ergriff oder Recht sprach. Dabei verzehrte ihn stete Sehnsucht nach-. Paris; der nordische Himmel Krakaus behagte ihm immei weniger; nur die Polonaise vermochte den Trübsinn zu verscheuchen, von dem er Tage hindurch erfaßt zu werden pflegte.

Da eines Tages sprengt ein Courier mit verhängten Zügeln in die Thore Krakaus. Direct zum alten Piastenschlösse lenkt er den Lauf seines Pferdes. Was er für Botschaft bringt, erfährt zuvörderst nuv der König. Heftig bewegt, dabei rathlos, was er beginnen solle: so saß er in seinem Prunkgemach. Karl IX. war gestorben. der Thron von Frankreich frei und er der Nächste, der Anwartschaft darauf besaß. Wenn er nicht schnell schlüssig wurde, so nahm sein Bruder, der Herzog Franz v. Alenon, oder sein Schwager, Heinrich v..Navarra, Besitz davon. Dies schrieb ihm seine Mutter Katharina v. Medici, die den Sohn ohnedies lieber bei sich wußte, als in diesem entlegenen Osten. So vergingen einige Tage unter Schwanken' und Wanken. Eines Morgens aber durchschallt die Stadt das Genicht, der König sei nicht aufzufinden. Es gewinnt an Kraft und beruht auch, als die Menge bestimmte Auskunft verlangte, vollkommen auf Wahrheit. Bei Rächt und Nebel war Heinrich entflohen. Als Erinnerung an die Tage seines knapp bemessenen Königthums hatte er jedoch sämmtliche Kroninsignien der Polen mitgenommen und außerdem die Noten zu der von ihm so sehr geliebten Tanzweise. In Krakau lohte der Aufruhr auf; man beschloß, den Flüchtling einzuholen. Allein der war, inzwischen jenseits der Landesgrenzen und auf kaiserlichem Gebiete. Man erzählt, daß er, während sein Herz von Sehnsuit nach Paris und den dort seiner hcfrrenden Vergnügungen erfüllt war, auf der ganzen weiten Reise durch die deutschen Zande in allen nur möglichen Variationen die Melodie der Polonaise geträllert habe. Als Heinrich HI. bestieg der entflohene Polenkönig (genau ein Jahr nacb der Krönung zu Krakau) den Tbron der Valois. Die Geschichte kennt ihn als einen der schwächsten und erbärmlichsten Fürsten, die je eine Krone getragen, recht und schlecht das Ebenbild seines Bruders Karl IX., jenes Veranstalters der Bluthochzeit." Aber der Polonaise bewahrte er seine Liebe und Verehrung bis zu der Stunde, wo ihn der Dolch eines seiner Unterthanen in das Jenseits schickte. In dev That nahm sie bei den glänzenden Festen, die seine Prunksucht in den Sälen des Louvre in ununterbrochener Reihe veranstaltete. den ersten Platz ein. Sie war der Lieblingstanz des Königs und seiner Höflinge; nach ihren Weisen schritten die schönen Frauen im Hofstaate seiner Mutter dahin, allen voran seine Schwester Margarethe von Valois und Maria Stuart, die Gattin seines Bruders Franz, die nachmals in den Tagen der Gefangenschaft noch oftmals wehmüthigen Sinnes sich dieser Zeit des Tanzes und der Fröhlichkeit erinnert haben mag. Insgesammt schwanden sie in's Grab, aber die Polonaise dauerte fort. Ihre Accorde schallten weiter, und die Schrittweise wurde von anderen schönen Frauen auf den spiegelglatten Estrich der Säle gezeichnet. Inzwischen gelangte sie von Paris aus auch an die übrigen Fürstenhöfe Europas. In der Hofburg zu Wien bürgerte sie sich ebenso schnell ein wie im Schlosse der Hohenzollern zu Berlin. Sophie Cbarlotte. die philosophische Königin, liebte die Polonaise sehr; sie fehlte auf keinem der Feste, die diese Fürstin deranstaltete. Auch die Königin Luise hielt große Stücke auf den anmuthigen Tanz; wenn sie auf ihrem Gute Paretz, dem schlichten, ländlichen Besitze, im Kreise ihrer Lieben weilte, hat sie oft genug, von der Hand des Gatten geführt, gefolgt von dem Reigen der Kinder, die Polonaise abgeschritten. Wenn sich übrigens die Polonaise einer solchen andauernden Beliebtheit' erfreuen darf, so liegt der Grund nicht zum Mindesten auch darin, daß die größten Meister der Tonkunst den betreffenden Rhythmus mit Melodien umsponnen haben. Wer kennt nicht Chopin's klassische Polonaisen, wem ballt nicht die aus Figaro's Hochzeit" im Ohr. die der unsterbliche. Mozart geschaffen, wer lauschte nicht entzückt der Weise Mendelssohns, dem HochZeitsmarsch" aus demSommernachtsträum?" In der That, selbst wenn die Mode mit ihren Launen einst unsern Tanz aus den Räumen des Ballsaals verbannen sollte, so würden schon diese Compositionen allein dafür sorgen, daß er immer und stets wieder seinen Weg dorthin zurückfände. Aus alter Zeit. Unter den im britischen Museum ausbewahrten demotischen Papyri befinden sich einige seltsamen Inhalts. Es sind Heiraths-Contracte, in welchen der Mann verspricht, seiner Auserwählten so und so viel zu bezahlen, falls er sein Eheversprechen bricht. Damals gab es in Egypten auch schon eine Klage wegen Bruchs des Eheversprechens. J.i einem dieser interessanten alten Schriftstücke wird uns mitgetheilt, daß .im fünften Jahre der Herrschaft des Königs PtolomaeuS Energetes ein Mann, Namens Soter, seiner Braut verspricht, ihr hundert Drachmen zu zahlen, falls er die seinerseits eingegangenen Bedingungen nicht erfüllt. Andererseits aber, wenn' er sein Eheversprechen hält, soll ihm die gesammte Mitgift mit allem Grundbesitz der Braut am Tage der Hochzeit gehören. Unter Freundinnen. Dame (zum eintretenden Besuch): Liebe Freundin. Sie müssen schon wieder etwas Schreckliches über mich oehört haben." Die Besuchende: Woher wissen Sie das schon, meine Theu re?" Dame: Weil Sie so vergnügt susMen."

'Die. Sxree inAerrw. .- Di Spree ist in der Nähe der Neichshauptstadt durchaus nicht das harmlose kleine Gewässerchen, das der Unkundige sich vorstellt. Ueberschwemmungen in der Stadt verursacht sie allerdings nicht, aber wer im Osten der Millionenstadt, bei Stralau, die Spree betrachtet, erstaunt beim ersten Anblick doch über die großartige Ausbuchtung, die der Fluß hier zeigt, und welche die Spree als einen gewaltigen Strom erscheinen läßt. Schon an dieser Stelle, welche der landschaftlichen Reize viele hat. zeigt sich ein außerordentlich reger Wasserverkehr, der fortwährend zunimmt, je mehr man sich dem Innern der Stadt nähert. Die Spree theilt sich dann in zwei Arme, von denen der südlich gelegene als Schifffahrtscanal regulirt ist. während der stärkere, nördlich gelegene, der mitten durch die alte Stadt fließt, früher am Mühlendamm die königlichen Mühlen trieb. Seit Regulirung des Mühlendammes ist auch dieser Theil schiffbar.

lfj&zl

I I in Hasen. Ebenso günstig wie für die EntWickelung seines Eisenbahnnetzes liegt Berlin für die Wasserstraßen in seiner Nähe, mit denen es durch Canäle derbunden ist. Mit der Oder und Elbe steht Berlin in sehr bequemer Verbindung, und so können von Stettin, von Hamburg, von Breslau, aus dem schlei sischen und böhmischen Hinterlande Wasserfrachten direkt bis nach Berlin geschafft werden. Da aber trotz der Entwicklung der Eisenbahnen die Was. serstraßen noch immer die billigsten sind, ist der Schisffahrtsverkehr in Berlin ein staunenswerth großer, und die statistischen Daten, die darüber alljährlich ermittelt werden, beweisen, daß dieser Schifffahrtsverkehr noch lange nicht auf der Höhe seines Aufschwunges angelangt ist. AnderJannowitzbrücke. Bekanntlich hat man die Idee, Ber lin in einen Seehafen zu verwandeln. Dieses Project. das einst viel bespöttelt wurde, beruht doch auf guter Unterlage, und es ist Hoffnung vorhanden, daß in nicht allzu ferner Zeit die tteichshauptstadt durch Canäle, welche von Seeschiffen befahren werden können. einerseits mit Stettin, also mit der Ostsee, andererseits mit Hamburg, das heißt mit der Nordsee, verbunden werden wird. Sehen wir das Leben und Treiben auf der Spree nun näher an. wie es uns der Maler in seinen Skizzen vorführt. Nicht nur. in den Häfen selbst ist eine rege Thätigkeit wahrnehmbar, sondern auch überall an den Uferstraßen und an dem Quai des Schifffahrtscanals sieht man während der ganzen Schifffahrtssaison die Kähne liegen, welche durch Menschenkraft oder durch Dampfkrahnen ihres Inhalts entladen werden. Mörtel, Ziegelsteine, Holz, Bretter, Steinkohle, Bausteine. Kalksteine, Pflastersteine, Obst sind die hauptsächlichsten Frachten, die nach Berlin geschafft werden. Die großen Getreidefrachten, die von Stettin und Hamburg kommen, fallen nicht so auf, da sie gewöhnlich vor den Speichern an abgelegenen Orten entladen werden. Mörtels ahn. Eine Art Berliner Wahrzeichen sind im Winter die Apselkähne, die dickt am Quai verankert sind, und zu denen Treppen hinabführen. Im Kahne selbst ist der Verkaufsraum etablirt. Diese Kähne sind in Böhmen erbaut und mit böhmischemObst beladen. Sie gehen von der Moldau in die Elbe, kommen durch die Havel und dieSpree, respektive den Spree-Havel'Canal nach Berlin und werden hier festgelegt, biö ihr Inhalt verkauft ist. Aisweilen verkauft der Besitzer dann auch noch den Kahn an einen Spreeschiffer, fährt mit der Eisenbahn nach seiner Heimath und kommt 'am nächsten Jahre mit einem neuen Kahn und mit neuer La' dung nach Berlin zurück. Am Packhof. der sich neben den Gebäuden der Kunstsammlungen auf der Museumsinsel befindet, herrscht viel Leben, welches indeß noch von dem Schifffahrtstreiben in der Nähe des neuen Packhofes und der großen Zollspeicher gegenüber dem Lehrter BahnHof an der Moltkebrücke übertroffer. wird. Der Berliner hat eine große Vor-

"n

rj n13 'VSpMOlM i - ie -U i Z & FW &r-rz

liebe für das Wasser und das Leben und Treiben darauf. Stets versammein sich Hunderte von Menschen, wenn an irgend einer Schleuse ein paar Schiffe durchgelassen werden. Dieser Vorgang ist zwar stets derselbe und auch für ein genügsames Gemüth recht

uM 1Ä. C2Sii-.?:3 tOAt Al

Ziegelkähne. langweilig, aber ein Publikum, das nach vielen Hunderten zählt und aus allen Gesellschaftsklassen zusammengesetzt ist, bewundert regelmäßig die einfache Manipulation. Die Vorliebe des Berliners sür Wasserfahrten ist allgemein bekannt. Des Sonntags sieht man die Flußlause in Berlin und in der Umgegend bedeckt mit Gondeln, in denen Männlein und Weiblein sitzen, oft noch halbwüchsige Kinder, häufig ganze Familien. Lejder wird nicht nur in leichtsinniger Weise gerudert, sondern auch noch absichtlich geschaukelt und Unfug getrieben, und wenn ein solches Äoot kentert, vassirt unfehlbar ein Unglück, obgleich meist zahlreiche andere Boote in der Nähe sind. Großartig ist der Schisffahrtsverkehr in Moabit, weil dort zahlreiche Fabriken am Wasser liegen, welche ihre Jachten direct aus den Kähnen entnehmen und in dieselben verladen. Hier erblickt man auch den fliegenden Händler, den man eigentlich den schwimmenden Händler nennen müßte. Es ist dies ein unternehmender Mann, der seinen Kahn mit i-Ci I n M o a b i t. Fleisch, Gemüse, Bier, Schnaps, Ei' garren und so weiter beladen hat, der an allen Kähnen, die löschen oder Ladung einnehmen, anlegt und der Frau des Schiffers Küchenbedllrfnisse, dem Manne eine flüssige Labung anbietet. Originell sehen die große Flöße aus, welche von der Oder kommen und deren Steuerleute in ihrem primitiven Costüm und mit ihren Flissaken-Phy-siognomien sehr von dem Berliner Hintergrunde abstechen, auf dem man sie erblickt, wenn sie ihre endlos langen mit Baststricken zusammengebundenen Balkenreihen durch den Flußlauf bugsiren. Daß für die Stromregulirung viel gethan wird, das beweisen selbst dem Fremden die zahlreichen Bagger, die man an verschiedenen Stellen des Flußufers in Thätigkeit sieht. Englisches Capital hat aber dafür gesorgt, daß auch der Dampf auf der Spree als Beförderungsmittel zur Geltung gelangte. Diese englische Gesellschaft hat nicht nur eine Kette in der Spree An der Oberspvee. und Havel versenkt, an welcher die Tauerboote sich hinauf- und herunterarbeiten und außerordentlich schwera Lasten schleppen, sondern sie hat auch eine große Anzahl kleinerer Schleppdampfer construirt und, da sie gute Geschäfte machte, bald Nachahmer gefunden. Die kleinen Dampfer mit starken Schleppzügen hinter sich tragen nicht wenig dazu bei, das Schifffahrtsbild auf der Spree und den Canälen im Innern der Stadt zu beleben. Ein eigenthümliches Volk, das an der Spree haust, sind die Angler, die sich in den Vororten, vor allem bei Rummelsburg. in ganzm Colonien angesiedelt haben. Diese Angler sind meist Berliner Ureinwohner, das heißt, eö sind alte Berliner, die dem Stande der kleinen Rentiers angehören. Es sind höchst genügsame Herren, die in primitiven kleinen Häuschen am Flußuser den Sommer über wohnen und ihre Aufmerksamkeit zwischen den ausgelegten Angeln und den Weißbierlrucken theilen, welche in der Nähe der Anglercolonie. Angelstelle festgebunden im Wasser Wtd gen. damit die Kühle Blonde" nach der anstrengenden Arbeit des Angelnö auch wirklich frisch und kühl ist. Dev Winter, welcher mit seiner oft sehr strengen Kälte natürlich allen Schisffahrtsverkehr auf der Spree unmöglich macht, läßt dann die Häfen, die Ladestellen und Canäle, in denen man nur selten einen Kahn im Eise festsitzen sieht, um so einsamer erscheinen. Sobald aber die ersten Frühlingslüfte sich regen und der Eisgang einigermaßen vorüber ist, erscheinen in

,m , h M. rfyS- vc- j

r

Berlin als eigenartige Frühlingsboten die ersten Kähne mit Ziegelsteinen, denn zusammen mit dem Frühlina erwacht auch die Baulust und mit dieser wieder die Schifffahrt. Soldatcnschwingcn. Bei den schweizerischen Manövern, welche im Jura stattfanden, waren es hauptsächlich die bernischen Truppen, die zur Verwendung kamen. Jnsbesondere waren es die Bataillone No. 33 bis 36 des Berner Oberlandes, mittelgroße, untersetzte, aber kräftige Gestalten, welche durch Ausdauer und Gehorsam, aber auch durch ihren kernig'en Humor sich Geltung zu verschaffen wußten. Als nun der Sonntag kam und die Feldpredigt vorüber war, fand man es allgemein für würdig, den' übrigen Ruhetag" zu einem regelrechten, währschaften Schwinget" zu benutzen. Die Officiere unterstützten die Sache gern, stifteten Preise,

k-

jmmvk.ttr in .

m

H o s a l u p f. einzelne übernahmen auch das Preisrichteramt. Man lagerte sich im Kreise; während die Bataillonsmusik auf einem Leiterwagen ihre Weisen ertönen ließ, konnte dasSpiel seinen Anfang nehmen. Die urchischen" Schwinger des Oberlandes, breite, handfeste Leute, aber etwas ungelenk, nahmen theils den Kampf auf gegen die leichtfüßigen, gewandteren Turner, theils gegen ihre eigenen Genossen. Kraft gegen Gewandtheit. Man sah hier gewaltige Körperkraft, gedrungenen Wuchs, einen Herkulesnacken, Behendigkeit und Frohmuth zum Kampfe vereint. Doch mancher Hosalupf" entschied zu Gunsten der Kraft, und es dauerte oft geraume Zeit. bevor sich ein Schwinger entschloß, dem anderen den Vortheil zu überlassen und durch den Bodenlätz" sich als besiegt zu erklären. (Wer auf den Rücken fällt, hat verloBodenlätz. ren!) Fliegende Händler hatten die Gelegenheit benutzt, um Wein, Bier, Cigarren u. s. w. an den Mann zu bringen, ebenso waren die Bewohner von Berlincourt und Umgebung zahlreich als Zuschauer erschienen. Dieses echt schweizerische Nationalspiel nahm einen fröhlichen Verlauf und nach Schluß desselben wurde den preisgekrönten Siegern noch mancher Ehrentrunk credenzt. Es war eine heitere Abwechslung während der harten Manöverzeit, und die Theilnehmer werden sich noch oft an dieses fröhliche Soldatenschwingen gern erinnern. LeichtesGebäck. m V erstandsmenschen nennt man - meist solche, die gerade so viel Verstand haben, um ihren Vortheil zu wahren. S e h r r i ch t i g. A.: Warum haben Sie denn. überhaupt geheirathet, wenn Sie's jetzt nach drei Monaten schon satt haben? B.: Ach mich hat eben Liebe zum Standesamt geführt! A.: Na, sehen Sie, da wäre es schon besser, Sie hätte Vernunft zum Ver standesamt gebracht! Eine Unmöglichkeit. Schulinspector: Ich habe mit Befremden gehört, daß Sie jeden Tag der Letzte im Wirthshaus sind!" Candidat: Das ist eine infame Lüge! Bei uns gibt's überhaupt keinen Ersten und keinen Letzten, wie gehen immer zusamn'en!" Gemüthlich. Hauptmann: Na, här'n Se 'mal. Herr Müller, das geht aber nich', daß sich die Kleen' näb'n die Groß'n stell'n das 'teert ja de ganze Front!" Müller: 5e wä'r'n gietigst entschuldigen. Herr Hauptmann, ich un' Lehmann wohn'n aber in een' Hause, un' da hst'r meine Vutterbemme mit in seiner Tasche, un' da wär'n Se wohl erlob'n, daß ich .:', k,.:k. uti m tviw

'.... r- r. 55 ll -i-lf

B-ä Irr Lzr.i i i" ntfi W i -p-- l Zrfait

Auf Glas und Schmetten. Unter den vielen Produktionen, mit denen moderne Artisten das schaulustige Publikum unterhalten, verfehlt das Tanzen auf Glasscherben und das Ersteigen einer Leiter, deren Sprossen scharfe Schwertklingen bilden, niemals allgemeines Staunen hervorzurufen. Man sieht mit eigenen Augen, wie ein Artist mit nackten Füßen auf zerbrochenem Glase umherhüpft, wie eine Dame ohne alle Fußbekleidung auf den haarscharfen Klingen emporklimmt, ohne sich zu verletzen, und staunt, ohne eine Erklärung dieser anscheinend sehr schwierigen Kunststücke finden zu können. Und doch bieten dieselben dem Eingeweihten durchaus

3'

Der G l a 5 t a n z. keine Schwierigkeiten dar. Auf der Bühne befindet sich ein Kasten,, der bei einer Breite von drei und einer Länge von vier Fuß ca. sechs Zoll tief und mit Glasscherben gefüllt ist. Ein Mexikaner erscheint, zerbricht eine Anzahl Flaschen, wirft die Scherben in den Kasten, legt Schuhe soieStrümpfe ab und führt mit den nackten Füßen einen Nationaltanz auf, nach dessen Beendigung er die Fußsohlen zeigt und siehe da, dieselben sind unverletzt geblieben. Die Erklärung ist sehr einfach. Der Kasten ist mit sehr kleinen Flaschenscherben, deren scharfe Ecken sorgfältig abgeschliffen sind, gefüllt. Der Künstler, welcher noch vor dem Publikum mehr Flaschen. Lampencylinder u. s. w. zerbricht, verstreut die Scherben vorsichtig an den Seiten des Kastens und tanzt in der Mitte, nachdem er vor dem Auftreten seine Füße in starkem Alaunwasser gebadet und dieselben nach dem Abtrockenen tüchtig mit Harz eingerieben; je besser das Letztere geschieht, desto leichter ist das Kunststück und bei einiger Vorsicht kann von einer Verletzung gar nicht die Rede sein. Auf der Schwertletter. Etwas schwieriger, aber für eine geübte Artistin durchaus ungefährlich, ist dasErsteigen derSchwertleiter. Auf der Bühne ist eine etwa sieben Fuß hohe Leiter aufgestellt, deren Sprossen, wie sich die Zuschauer überzeugen können, aus scharfen Schwertklingen, die mit der Schneide nach oben gekehrt sind, gebildet werden. Die Künstlerin steigt diese scharfen Klingen empor und wieder hinab, ohne sich zu verletzen. Die Lösung des Geheimnisses ist nicht an der Leiter, sondern den Füßen der Künstlerin zu suchen. Vor der Vorstellung hat sie in einer starken Alaunlösung, welcher etwas schwefelsaurer Zink zugesetzt war, die Füße gebadet und letztere, ohne sie abzuwischen, trocknen lassen. Darauf hat sie die Füße einen Augenblick in eiskaltes Wasser getaucht und dasselbe, ohne zu wischen, abgetrocknet. Nunmehr kann sie dreist auf die scharfen Klingen treten. doch muß sie sich vor dem Abgleiten hüten, da letzteres unfehlbar einen Schnitt verursachen würde; bei festem, gleichmäßigen Auftreten dagegen bleiben die Füße unverletzt. Freundin: Was sehe ich, Du hast Deinen Geldschrankinhalt photographiren lassen?" Reiche Wittwe: Ja, ich stehe mit einem Herrn zwecks Heirath in Correspondenz und der hat mich um Zusendung meiner Photographie ersucht!" G u t e r A u s w e g. Die Naive: Nun. wie geht es Dir denn jetzt?" Der jugendliche Liebhaber: Großartig! Denk' Dir. es ist mir ein so großer Pump gelungen, daß ich meine Schulden bis aus den letzten Heller bezahlt habe." Erkennungszeichen. Hausfrau: Lieber Herr Professor, sagen Sie mir doch nur, woran man alte Hühner von den jungen unterscheidet." Professor: An den Zähnen." Hausfrau: Aber. Herr Professor, die Hühner haben ja keine Zähne!?- Professor: .Die Hühner Mt-aber ich." .

Verständnißvoll. M'M.WWMM)Fs fF MlH jfl "feir

mmhhpw

An der Spitze des 8. Corps. Unter den neuesten militärischen ErNennungen des deutschen Kaisers erregte namentlich eine derselben eine gewisse Ueberraschung. Es war die Commandirung des Erbgroßherzogs Friedrich von Baden zur Führung des 8. Armeecorps in Coblenz. Der gegenwärtig im 40. Lebensjähr stehende Erbgroßherzog wurde an seinem 13. Geburtstag, am 9. Juli 1875, Lieutenant in dem badischen Leib - Grenadierregiment No. 109, um zunächst den Jnfanteriedienst kennen zu lernen. Im Juni 1881 kam er als Premier - Lieutenant zum 1. Garderegiment z. F. in Potsdam. Auch die Schule als Hauptmann und Compagniechef absolvirte der Erbgroßherzog in dem genannten Regiment. Zur Erlernung des Cavalleriedienstes wurde er dem 1. Garde - Ulanenregiment zugetheilt und leistete zwei Jahre hindurch bei demselbenDienst. In diese Zeit fiel seine Beförderung zum Major (1884). Im folgenden Jahre verE r b-G roßherzog Friedrich. ließ er Potsdam und trat in die Reihen des 5. badischen Infanterie-Regiments No. 113 zu Freiburg i. Br. als dienstthuender Stabsofficier ein, um sowohl die Führung eines Bataillons als auch die Functionen eines etatsmäßigen Stabsofficier daselbst zu übernehmen. Im Jahre 1883 ernannte ihn Kaiser Wilhelm II. zum Oberstlieutenant und verlieh ihm am 22. März 1889 das Oberstpatent, unter gleichzeitigerErnennung zum Commandeur des 113. Regiments. Zwei Jahre dauerte die Stellung als Regiments - Commandeur, dann übertrug der Kaiser seinem Vetter am 27. Januar 1891 das Commando der 4. Garde - Jnfanteriebrigade in Berlin, später erhielt er das Commando der 29. Division in Freiburg i. Br., von wo er jetzt als Corps - Commandeur nach Coblenz berufen ist. Ter Herr von Warschau. Zum General - Gouverneur von Warschau ist Fürst Alexander Konstantinowitsch Jmeretinskij, der Abkömmling eines kaukasischen Dynastengeschlechts, ernannt worden. Sein Vorgänger, Graf Paul Schuwalow, hat in der kurzen Zeit seiner Verwaltung den Polen ein gewisses Entgegenkommen bewiesen, und dieselbe Politik wird von dem neuen Landeschef erwartet. Wie er selbst während seines ganzen, dem großen russischen Reiche gewidmeten Lebens sein kaukasisches Heimathland gewiß nicht vergessen hat, so wird er wohl auch den eigenartigen Verhältnissen Polens volles Verständniß entgegenbringen und damit unendlich viel Gutes stiften können. Am 24. December 1837 (5. Januar 1838) ge boren, erhielt Fürst Jmeretinskij seine Fürst Jmeretinskij. Ausbildung im kaiserlichenPagencorps zu St. Petersburg und in der NikolaiAkademie des Generalstabs, die er mit Auszeichnung absolvirte. Nachdem er im Jahre 1855 in ein Armeeregiment getreten war, führte ihn sein Dienst in dasselbe Land, das jetzt seiner Obhut anvertraut ist, nach Polen. Erst als Gehilfe des Stabschefs desWarfchauer Militärbezirks, dann als Stabschef hat er hinreichend Gelegenheit gehabt,' Land und Leute in Russisch - Polen' kennen zu lernen, und die Betheiligung an der Niederwerfung des unglücklichen Aufstandes von 1863 wird für ihn sicherlich in mehr als einer Beziehung lehrreich gewesen sein. Später wurde der Fürst Gehilfe des Jnspectors der Schützenbataillone, Chef der 2. Infanteriedivision, Stabschef der Garde und des Petersburger Militärbezirks, Chef der Ober - Militärgerichtsverwaltung, Ober Militärprocurator und gleichzeitig Mitglied deZ Reichsraths. Erklärt. Sohn: Ich habe um Fräulein Müller angehalten, sie hat mir aber einen Korb gegeben. Vater: Schade! Sohn: Weshalb? Gestern fandest Du sie doch meiner unwürdig. Vater: Gestern hielt ich sie für dumm, aber jetzt, da sie Dich ab- ' gewiesen, habe ich meine Meinung ge ändert. Billige Sommerfrische. Emma: Nun, wo werdet Ihr denn dieses Jahr Euern Landaufenthalt nehmen?" Lina: Wir? O. wir gehen wieder nach dem herrlichen Grünholzen-; da ist es so Mig. da hat sich die Mama vorigen Sommer vier Zähne ausreißen lassen, die haben zusammen nur eine Mark gekostet!-