Indiana Tribüne, Volume 20, Number 168, Indianapolis, Marion County, 7 March 1897 — Page 6

teures Sparen! Humoreske von Pzu! A. Kiistkin. ?5rau Schröder roar in letzter Zeit mit ihrem Gatten gar nicht mehr zufrieden. Eine solche Knickerigkeit war ihr bei einem ehrsamen, großen Schlächtermeister überhaupt noch nicht vorgekommen! Abgesehen davon, daß alle seine Berufsgenossen sonst leichtlebig und froher Natur waren, daß sie selber vergnügt lebten und leben liefcen, er fing euch an, ihr gegenüber zu knapsen und sparen. Ihr gegenüber, seiner braven, tugendhaften Frau, die ihm erst vor wenigen Monaten wieder Zwillinge geschenkt hatte zu den sonst schon vorhandenen drei Kindern! Na. das war doch nicht schön! Sie fing an, ordentlich mit ihm zu grollen. Sonst, wenn sie so im Frühjahr gekommen war, um sich die nöthige Garderobe zu kaufen sich und den 5lin dern, da hatte er ihr immer einfach in die rothen, runden Backen gekniffen und gesagt: Hast recht. Schnuteken, kauf' man. was Du willst, und laß mir die Rechnung schicken !" Na, und wenn dann die Rechnung kam, dann hatte er wieder so'n bischen süßsauer gelächelt, seiner Frau wieder in die Backen gekniffen, 3 Du verflixtes. . ." dazu gesagt, und schließlich doch mit einem gewissen Avec anstandslos gezahlt. Nachher war er gewöhnlich noch furchtbar stolz, wenn er Frau und Kinder so elegant und chic angezogen sah. Und das war nun mit einem Schlage alles zu Ende! Mitgehen wollte er jetzt, wenn gekuft wurde, alles mitansehen und bestimmen, einen festen Etat innehalten! Na. das war doch unmöglich! Denn wenn er mitkam, und sie sahen etwas so gar Wunderschönes, dann hatte er wirklich die Courage, entweder Nein zu sagen, oder in unangenehmster Weise zu handeln. Frau Schröder schämte sich schon ordentlich in den Geschäften, aber es half nichts, sie konnte ihn bitten und beschwören, er ging auf keinen Fall von seinem Borsatz und seiner Gewohnheit ab. Da half sie sich auf andere Art. Sie saß gewöhnlich tagsüber an der 5kasse des gutgehenden Geschäfts, und wenn dann recht viel gekauft wurde und recht viel Geld einkam, so brachte sie sich immer davon ein paar Groschen über die Seite. Das gab im Monat schon ein ganz hübsches Sümmchen. Damit ging sie nun, wenn ihr einmal etwas gut gefiel, kurz bevor sie mit ihrem Gatten kam. hin und beredete die Verkäuferin, ihren Gatten einen niedrigeren Preis zu sagen, indem sie sich von vornherein verpflichtete. für den Ueberschuß selber aufzukommen. Das ging so eine ganze Weile. Die Verkäuferinnen fanden nichts Unrechtes dabei, denn es machten ja viele Frauen das ebenso, und Frau Schröder tröstete sich damit, daß ihr unglaublicher Mann mit seiner ungerechten Sparsamkeit sie ja direct dazu zwang. Sie trieb es also ganz ruhig weiter. Sie hatte sich sogar ein bestimmtes System dasür zurechtgelegt, und um ihr Vorgehen vor sich selber ganz zu rechtfertigen, gab sie sogar ihrem Neffen, einem jungen Maler, aus ihren gewissermaßen erhöhten Einnahmen freiwillig einen größeren Zuschuß als bisher, was diesen wiederum veranlaßte, noch mehr, als es ohnehin schon der Fall war. für sich zu verbrauchen. Eines Abends aber, als sie bei Geschäftsschluß gerade wieder an der Kasse abrechneten, machte ihr Herr Schröder eine ganz sonderbare Mittheilung. Er wollte einen neuen amerikanischen Central - Kassenapparat anschaffen. Frau Schröder war starr darüber. Sie wußte nicht, hatte er nun etwas gemerkt, oder war ihm etwas hinterbracht worden? Aber wie das immer ist. wenn sich Jemand ertappt oder durchschaut glaubt.sing auch sie gleich instinktiv an. sich mehr als energisch zu vertheidigen. . Das sieht ja grade so aus, als trautest Du mir nicht mehr! Wozu brauchst Du an der Kasse eine großartige Controle, wenn ich immer einkassire? Das ist ja geradezu beleidiaend!" Aber Herr Schröder beruhigte sie bald. Das ist ja nicht deswegen, liebes Kind meinte er, aber sieh 'mal, erstens gehört es jetzt zum guten Ton, haben ihn alle Collegen und Concurrenten und zweitens wenn wir das Ding haben, dann brauchst Du eben nicht mehr den ganzen Tag an der Kasse zu sitzen, und daran habe ich zuerst gedacht!" Er kniff sie wieder in die Backen, doch lächelte er diesmal so pfiffig dabei, daß man glauben konnte, er wisse Bescheid. Er ließ sich aber sonst nichts merken. Dagegen war nun gar nichts einzuwenden. Im Gegentheil es war eigentlich doch sehr lieb von ihm, ihr so das Leben zu erleichtern, aber als dann der Apparat kam, man 800 Mark baar dasür auf den Tisch zahlen sollte, da dachte sich Frau Schröder " doch im Stillen, wie viel ihr Mann hätte sparen können, denn ehe sie sich soviel herausnahm du lieber Gott, da vergingen doch wohl ein paar lange Jährchen! Aber tzz Apparat war einmal da. Er nabm sich ordentlich glänzend aus in dem Ohnehin nobel und sauber eingerichteten Geschäfte, die Kunden bestaunten und bewunderten ihn, und di: Gesellen und Mamsells freuten sich, daß sie nun wenigstens nicht immel unter Aufsicht der Prinzipalm aröcit:n mußten. Selbst der Meister freute sich, wenn er ihn ansah, und beim Zusamrnenaddi:m des Abends war es ihm. als hätt: f..) rctt d:m Anschaffen bei Apparats auch sein Geschäft gehoben Die Zahlen wurden immer größer.

Nin einzig Frau Schröder die war nicht recht mit all dem einverstanden. Nun mußte sie sich mit dem begnügen, waö ihr Mann für sie ausgab, und hatte auch gar rein nichts zum Zulegen. Und dann kam ihr Neffe immer noch! Dem konnte sie doch das freiwillig Gegebene nicht wieder entziehen. Dazu mußte sie also nun schon ihr Taschengeld nehmen! Da beschloß sie, mit ihrem Mann einmal zu reden. Sie paßte einen Nachmittag, an dem er sehr zärtlich und liebenswürdig zu ihr war, ab und fing dann an, er solle sie doch wieder allein kaufen lassen. Sie wolle ganz gewiß sparen, wo es nur irgend ging, aber ein bischen mehr müsse er schon geben, sonst könne sie nicht auskommen, und sie möchte doch so gern auch so gehen, wie andere Frauen. Er lächelte dazu und strich ihr über das blonde Haar, aber er ging nicht auf ihre Bitten ein. Er könne es nicht, weil sie ja fünf Kinder hätten, und und weil sie sparen müßten, um denen einmal was ordentliches ins Leben mitgeben zu können. Das sah sie ein, aber etwas, meinte sie, könne er ihr doch zulegen. Er wäre doch sonst auch so gut zu ihr! Sie schmeichelte und schmeichelte, was sie nur konnte, aber er gab nicht nach. Schließlich wurde sie böse und stampfte mit dem Fuß. Das rührte ihn aber alles nicht. Er lachte nur auf, und meinte, sie solle doch von ihrem Taschengeld, das sonst mit Droschkenfahren und Conditorekbesuchen aufgebraucht wurde, immer einige Groschen sparen; die könnte sie ja dann zugeben, und eines Tages übergab er ihr wirklich ein thönernes Schweinchen zum Sparen. Ein wüthender Blick von ihr war der einzige Dank. Sie riß es ihm ziemlich ungnädig aus der Hand, und stellte es auf ihre Commode. Die Thränen traten ihr in die Augen. Nicht ein kleines Geldstück hatte er ihr hineingethan; sie mochte an dem Schweinchen schütteln, soviel sie wollte. es regte sich nichts. Nicht einmal beim Hineinblicken durch den Spalt sah sie auch nur das Geringste. Vielleicht weil der Spalt zu eng, und es im Innern zu finster war wer konnte es wissen! Aber so oft sie das Schweinchen nun stehen sah, erfüllte es sie mit Aerger und Grauen, denn aus den kleinen gemalten Schlitzäugelchen blinzelte es sie immer noch verstohlen und lustig an, als wollte es so recht deutlich zu ihr sagen: Siehst Du wohl, das kommt davon!" Vom heimlichen Nehmen, nämlich! Auch ihr Mann reizte sie immer noch extra. So oft der aus seinem Geschäft in die Wohnung hinauf kam, nahm er das Schweinchen auf, schüttelte es. und machte ihr dann irgend eine : boshaste Bemerkung. Ja, er fragte sie gelegentlich auch, ob sie denn zum Winter auch wieder so einfach und bescheiden angezogen gehen wolle wie jetzt,, da sie so gar nichts für das Scbweinchen übrig hätte. Es wäre noch so leer im Innern. Und er schüttelte es wieder aus Leibeskräften. Sie antwortete natürlich nichts, aber ihr Zorn wurde immer größer. Sie beschloß jetzt ganz fest und bestimmt, sich dieses ominösen Schwein chens zu entledigen. Sie wußte nur noch nicht, wie! Da kam ihr durch Zufall ihr Neffe in den Wurf. Der wollte sich wie gewöhnlich wieder seine Rate holen, doch die Tante war heute nicht recht in Stimmung dazu. Immer noch eztra Geld ausgeben, wo sie schon selber nichts hatte. ... Nein! ! Sie schrie ihren Neffen an. Was er denn schon wieder wolle! Immer wieder Geld? Er solle sich etwas schämen! Er wäre alt genug, um auf eigenen Füßen zu stehen. Er müsse von dem leben, was er eben hätte und verdiente, und sich nicht auf andere verlassen! Der Neffe wagte schüchterne EinWendungen. Die Tante hörte nicht. Wenn er das nicht könnte, solle er eben nicht so nobel leben, sollte sparen, wo er nur konnte dann würde er schon auskommen und genug haben. Und wie in plötzlicher Eingebung drückte sie ihm das Schweinchen in die Hand: Hier hast Du gleich ein: Büchse dazu! Hier thue jeden überflüssigen Groschen und Pfennig hinein, dann wirst Du sehen dann brauchst Du nicht. . . andere um die Miethe anzupumpen !" Sprach's, rauschte hinaus, und ließ den Neffen verdutzt zurück. ' Der sah sich das Ding verwundert an, schüttelte es klapperte nichts. . . was wollte die Tante denn von ihm! Wovon sollte er denn sparen?! Ausgerechnet er, sparen! Aergerlich lief er hinter ihr drein, aber er sah sie nicht mehr. Das Ding batte er immer noch in Händen. Was sollte er nun damit? Zum Gespött der anderen tagsüber herumtragen? Das konnte keiner von ihm verlangen. Zu Hause hinstellen? Hatte bei ihm doch auch keinen Zweck. Was also? Ach er warf es einfach in die Ecke. Das war am besten. Und richtig, mit kühnem Griff da lag es schon zerschellt am Boden. Doch siehe da, oben auf den Scher ben. zusammengelegt, lag ein brauner Fünfzig-Markschein. Er wufe erst gar nicht, was er da raus machen sollte, doch dann nahm er ihn auf, überlegte nickt mehr lang, und heidi war er weg! Abends, als der Schlächtermeister Schröder nach Hause kam. daZ Schweinchen nicht mehr sah und dessen Verwendung erfuhr, lachte er. daß ihm die dicken Thränen über die Man

gen liefen. 'Er konnte sich kaum fassen.

Schnuteken", rief er nur immerzu und kniff seiner Frau in die Backen, daß wieder blutigroih wurden, Schnuteken, weißt Du denn, was Du gemacht hast? Du hast ja. . ." Und unter Lachen erzählte er ihr dann die ganze Geschichte. Sie stand erst stau da vor Erstaunen. Aber als sie ihn dann so dergnügt sah, da mußte sie selber herzlich lachen, umsomehr. als ihr der Meister erzählte, er hätte nur darauf gewartet, daß sie das Ding einmal im Zorn an die Wand werfen würde wie es ihr Neffe gethan , er hätte sich schon so auf die Ueberraschung von ihr gefreut . . . . Da schlug auch ihr etwas das Gewissen, und sie beichtete ihm alles. Er war. doch eigentlich zu gut zu' ihr. Da strich er ihr wieder leise über die Wangen, und sagte: Siehst Du, Kind, das habe ich längst alles gewußt. Ich wollte nur einmal sehen, ob es nicht anders auch gehen würde; ob Du nicht auch, von Dir aus. etwas sparen können würdest. Aber weißt Du, nun nun laß es lieber wieder, denn wenn Du fünfzig Mark so mir nichts dir nichts gleich verschenkst.wird Dein Sparen auf die Dauer doch. . . . etwas theuer!" Sie hat ihm nur einen Kuß gegeben und nichts gesagt! ßine Kekdenjungsralt. Seitdem die Gestalt der Madame Sans - Gne auf den Bühnen berühmt wurde, haben sich französische Schriftsteller eingehend mit den tVmniessoldats" beschäftigt. Neben der Jungfrau von Orleans gab es nämlich eine Anzahl Frauen, die sich durch glänzende Waffenthaten ausgezeichnet haben. Die Franzosen haben denn auch nicht verfehlt, diese Heldinnen zu verherrlichen. Aber auch andere Völker hlben in ihrer Geschichte einzelne Frauen aufzuweisen, die ihren Herd verließen und mit dem Schwert: kämpften. Eine besonders merkwürdige Gestalt bildet eine junge Heldin, die bis jetzt fast ganz unbekannt geblieben ist. obschon sie sich zu ihrer Zeit rühmlichst auszeichnete. Anne Lavaux so hieß dieselbe wurde gegen das Jahr 1622 in einem Weiler bei Neufchateau in Belgien geboren. Sie war ungefähr 25 Jahre alt. als ein verhängnißvoller Krieg zwischen Frankreich und Spanien ausbrach, in welchem Belgien und besonders das Herzogthum Luzemburg. welches das jetzige Großherzogthum und die belgische Provinz Luxemburg umfaßte, stark mitgenommen wurde. Mehrere Jahre hindurch wurde auch die Umgegend von Neufchateau verwüstet. Die Dörfer wurden in Brand gesteckt, Bauern erwürgt. Frauen und Kinder mjßhandelt. Beim Anblick dieser Schreckensscenen stieg in Anne Lavaux ein solcher Haß gegen die französischen Raubschaaren auf, daß sie beschloß, wie eine zweite Jeanne d'Arc die Wasfen zu ergreifen und gegen den Feind in's Feld zu ziehen. Sie wollte ihren Entschluß aber nicht öffentlich bekannt machen. Sie fühlte zwar den Muth in sich, für ihr Vaterland zu sterben, aber sie fürchtete, sich dem Gespötte der Leute auszusetzen, wenn sie erklärte, sie fühle den Beruf in sich, ihr Land zu befreien. Ihr Vorhaben theilte sie jedoch einer Freundin mit und forderte sie auf, sie zu begleiten. Diese nahm den Vorschlag an, und Beide verließen heimlich ihr Dorf, nachdem sie sich Männerkleider verschafft hatten. Sie begaben sich nach Brüssel und ließen sich dort als Söldlinge anwerben. Anne Lavauz ließ sich unter dem Namen Antoine Atis einschreiben. Sie erhielt später den Beinamen BonneEsp6rance, während ihrer Freundin, deren Name nirgends erwähnt wird, vermuthlich wegen ihres jugendlichen Aussehens der Beiname La Jeunessegegeben wurde. Drei Jahre lang dienten die Beiden in den Reihen der Spanier die Niederlande mit dem nachmaligen Belgien standen bekanntlich unter spanischer Herrschaft als Anne Lavaux eines Tages Gelegenheit fand, sich auszuzeichnen. Sie war mit etwa 60 Mann in einer kleinen Beste bei Tournay von den Franzosen eingeschlössen worden. Der Führer der kleinen Truppe war bereits getödtet, und Bonne - Espörance" war an dessen Stelle getreten. Sie schlug ihren Kameraden vor, einen Ausfall zu wagen, da ihnen nichts Anderes übrig bliebe, wenn sie sich nicht schimpflich ergeben wollten. Während einer stockfinsteren Nacht wurde der Plan aus geführt. Die kleine Truppe wurde aber schon bald von den französischen Wachtposten bemerkt und in wenigen Minuten war sie von mehreren hundert Mann umgeben. Die Belgier kämpften mit , dem Muthe der Verzweiflung, und es gelang Anne Lavaux. mit einem Theil der Ihrigen zu entkommen. Die Franzosen hatten schon starke Verluste erlitten und bald darauf hür ten sie mit lautem Geschrei neue Feinde heransprengen. Sie zogen es vor, zurückzuweichen. weil sie glaubten, die Feinde erhielten Verstärkungen. In Wirklichkeit aber war es Anne Lavaux, die mit ihren Kameraden zurückkehrte. Sie drang bis in's Lager der flüchtenden Franzosen und nahm mit ihrer kleinen Truppe dort eine Fahne und vier Geschütze weg. die sie im Triumph nach Tournay führte. Diese glänzende Waffenthat erregte großes Aufsehen, und Anne Lavaux wurde zum Cavallerielieutenant in dem Regiment des Grafen de Mercy ernannt. Einige Zeit später wurde sie zum Rittmeister besördert. Aus dieser Periode liegen nur wenige Nachrichten über ihre Thätigkeit vor. Man weiß jedoch, daß sie überall auf den Streifzügen die Sol daten von der Mißhandlung, der Krauen und Mädchen abzuhalten

suchte. Ihre Freundin La Jeunesse", die in derselben Compagnie diente, fand eines Tages den Tod in einem

Kumpfe mit den Franzosen. Eine Kugel zerschmetterte ihr den Schädel und die Unglückliche starb in den Armen ihrer Freundin. Diese wollte um jeden Preis verhüten, daß das Geschlecht ihrer Genossin entdeckt würde, und sie entschloß sich, dem Prior der Kapuziner, der die Gefallenen beerdigen sollte, das Geheimniß mitzutheilen. Er versprach ihr, dafür zu sorgen, daß dasselbe nicht verrathen würde. Er erklärte, La Jeunesse" habe vor der Schlacht den Wunsch geäußert, wenn sie falle, mit ihrer Rüstung begraben zu werden, und er ließ sie in die Erde bestatten, so wie sie gefallen war. Aus der folgenden Zeit wird berichtet, daß Anne Lavaux beinahe den Cardinal Mazarin im Schlosse von Mantargis gefangen genommen habe. Später betheiligte sie sich an den Kämpfen, die während der Ruhestörungen der Fronde in Paris stattfanden. Im Faubourg St. Antoine kämpfte sie mit einer Anzahl Spanier unter dem Befehle des Grafen de Mercy. Sfc wurde dort verwundet und gefangen genommen. Nach einiger Zeit wurde sie jedoch freigelassen, und als sie nach Belgien zurückkehren wollte, gerieth sie mit dem Grafen de Mercy abermals in die Hände der Feinde. Dies Mal wurde sie verrathen. Ihre Züge kamen den Franzosen verdächtig vor, und die junge Heldin mußte zugeben, daß sie ein Weib sei. Dieses sonderbare Ereigniß erfuhr der Marschall de Senneterre, der sich damals in Metz befand, und er ließ Anne Lavaur zu sich führen. Er bot ihr den Befehl über eine Compagnie an, allein sie wies feine Anträge zurück, indem sie erklärte, sie habe die Waffen ergriffen, um ihr Vaterland zu vertheidigen, nicht aber, um sich die Gunst Derjenigen zu erwerben, die fortwährend dasselbe verwüsteten. Der Marschall ließ sie daraufhin in ihre Heimath zurückkehren. Ihre Thaten waren inzwischen weithin bekannt geworden, und das gefiel ihr nicht, denn sie war bescheiden und wollte nicht überall der Neugier der Menge ausgesetzt sein. Sie wandte sich deshalb an den Erzherzog Leopold, der damals General Gouverneur der Niederlande war, und durch dessen Vermittelung wurde ihr für den Rest ihres Lebens Aufnahme in einem Kloster gewährt. Im Jahre 1663 nahm sie in der Abtei St. Gertrudis in Ni velles den Schleier. Dort brachte sie noch langeJahre still und bescheiden zu. Ihr Todesjahr ist nicht bekannt. Wären ihre Thaten eingehend verzeichnet worden, so wäre sie gewiß zu einer großen Berühmtheit gelangt. Jedenfalls ist ihr Leben merkwürdig genug, um ihr in der Geschichte hervorragender Frauen ein Gedenkblatt zu sichern. Vielleicht wird es auch den Geschichtsforschern gelingen, noch weitere Angaben über ihr Leben an's Tageslicht zu ziehen. Wintettraum. Won Edith Salburg. Ein Traum geht durch das Heideland, Das schläft im weißen Gruftgewand, Ein süßer Hoffnungstraum; Er spricht von Sagen hold und klar, Wo's Frühling war, wo's Frühling war;. Die Heide athmet kaum. Ein Ahnen zittert durch die Luft, Wie Lenzeshauch, wie Lenzesduft, Der Zukunft Wiederschein: Bald lischt des Winters Todtenlicht. O freue dich und klage nicht, 's wird wieder Frühling sein! Ein 'Traum geht durch die starre Brust, Ihr selber leise nur bewußt, Wie Engelsharfenklang, Ein Traum von Licht in Grabesnacht, Im Winterschnee das Herz erwacht Mit scheuem Sehnsuchtsdrang. Ein Ahnen zittert durch die Luft, Wie Lenzeshauch, wie Lenzesduft, Bethörtes Herz, schlaf ein. Dies bleibt ein Traum nur, glaub' ihm nicht: Schliefst einmal du im Winterlicht, Wird's nie mehr Frühling sein! Die SchwiegermutterCigarren. A: Aber, lieber Freund, wie kann man bei Ihren Einkünften eine so elende Sorte von Cigarren rauchen?" B: Schätzbarster. diese Cigarren sind nicht zu bezahlen! Wenn meine Schwiegermutter zankt.und ich zünde eine solche Cigarre an, so ist sie nach 5 Mmuten aus dem Zimmer." ' Ueberraschung. Aaron: Karlinchen, schau' mich an siehst De mer nix an?" Karlrnchen: Nein, Papa!" Aaron: Schau' mich nochmal an. Du glickliches Kind.. Du bist seit einer halben Stund' glickliche Braut!" Bestätigt. A.: Glauben Sie auch, daß das Küssen ungesund ist?" V.: Gewiß, unter Umständen sogar sehr; neulich faßte mich Goldmann ab, wie ich seine Tochter küßte, und danach war ich vierzehn Tage lang arbeitsunfähig." Resignation. Freund: Also nun haben Dich Deine Gläubi' ger doch zur Heirath gezwungen. . . . wann ist eigentlich die .Hochzeit mit der reichen Wittwe?" Bräutigam: In vierzehn Tagen werde ich ihr ausgeliefert." Eber! darum. Nanu. Minna, kaum hatte Sie. der Herr Hauptmann gesehen, da hat Sie die Frau schon wieder entlassen, da haben Sie ihm wohl gar nicht gefallen?" Minna: Eben darum, weil ich ihm so aut aesiel, hat sie micreaIen!"

Kloster Andcchs.

Ein schlanker Thurm mit bauchiger wälscher Zwiebelkuppcl und hochragende Dächer schauen vom Hochgestade des rechten Ämmersce - Ufers weit in die Lande hinaus, sie grüßen über die Wipfel der Forsten und die grünen Matten der Vorberge hinweg die blauende Alpenkctte und winken hinaus an die Ufer des reißenden Lcch und in das weitgcdehnte Blachfeld der schwäbischen und oberbayrischen Gaue: Andechs ist es, der Heilige Berg", wie der Volksmund ihn fast aussckließlich benennt. Es ist ein denkwürdiger Boden, dessen Geschichte in die fernsten Zeiten zurückreicht. Den Höhenzug. der zur Linken die tief eingerissene malerische Schlucht des Kienbaches begleitet, krönt, gerade dem Kloster Andechs gegenüber, ein mächtiger prähistorischer Abschnittswall, und auf der Südspitze dieses Zuges wurdenGräber aufgedeckt, welche vermuthlich Reste der ersten menschlichen Ansiedler der Gegend, der Leute aus der Steinzeit, bargen. Unterhalb an dem Hügel vorbei, durch das zu Füßen des Heiligen Berges gelegene Dorf Erling und den Weiler Andechs hindurch, führt die römische Straße, welche die beiden Stationen Urusa (d. i. Pähl) und Ad Ambre (d. i. Schön, geising) verbindet, und rings im Umkreise von Andechs finden sich die Ueberbleibsel römischer Gehöfte unter den Ackerfluren oder im Schatten der Wälder; selbst der Name von Andechs wird von gelehrten Forschern auf das Romanische, das ist auf das barbarisirte lateinische Patois der römischen Provinzialen, zurückgeführt. Dorf und Kloster. An dieser Stätte uralter Cultur erbauten die Grafen von Diessen zwei Burgen. Die ältere davon ist die sagenumrankte Altenburg" auf der schmalen langen Bergzunge zwischen den steil abstürzenden Schluchten des Kienbachs und des Ochsengrabens. Ihren Kern bildet die Hauptburg mit geringen, aber deutlich erkennbaren Ueberbleibseln des Bergfrieds und je einer nach Süden, beziehungsweise Norden vorgeschobenen Vorburg. Als die Grafen von Diessen im Jahre 1132 ihre Stammburg Diessen dem von ihnen gegründeten gleichnamigen Chorherrenstifte schenkten und ihren Sitz nach Andechs verlegten, bot die Altenburg" bei der Veschränkheii ihres Fassungsraumes nicht Platz genug für den Hofhalt und die Mannen der Dynasten, weshalb sie eine zweite Burg auf der Kuppe eines weithin die Gegend beherrschenden Moränenhügels aufrichteten. Wiewohl von den Gebäuden dieser Festenichts mehr auf unsre Tage gekommen ist und sogar ihre Gräben lis auf geringe Reste von den fleißigen Mönchen aufgefüllt wor, den sind läßt sich doch deutlich erkennen, daß die Hauptburg auf der Fläche land, auf der sich jetzt Kirche und Kloter erheben, während auf dem Plateau )es Fronhofes", wo nun die einstige Klosterapotheke als Schenke dient, sich die Werke der Vorburg mit den Unterkunftsräumen für Reisige und Knechte nebst Stallungen. Scheunen und dergleichen erstreckten. Das Straßenseqment zwischen Kirche und Apotheke ist der Hauptgraben. Nach dieem Castrum benannten sich dieGraen fortan von Andechs, von hier aus rügen sie ihr Banner auf den Römerfahrten hinaus in die lombardischen Gefilde, vor Mailand, Como und Padia, und auf den Kreuzzügen in die Schluchten des Balkan- und Rhodopegebirges, an das Gestade Syriens, vor Aufgang zur Kirche. die Thore von Akkon und Jerusalem; von hier aus nahm das Geschlecht seinen raschen, glänzenden Aufschwung. Der Niedergang des stolzenHauses, die Fehden gegen die bayerischen Herzög? haben dann der trutzigen Feste das Ende gebracht. Näheres wissen wir darüber nicht. , ; Seit mehr als neun Jahrhunderten soll sich der von den' Gläubigen so hoch verehrte Reliquienschatz - auf Andechs befinden. Die Legende berichtet, der heilige Rasso, ein Ahne des Andechser Grafengeschlechts, habe ihn von seiner Pilgerfahrt aus dem heiligen Lande nach dem. von ihm gestifteten Klösterlein auf dem Wörth an der Amper" (das ist Grafrath), mitgebracht, und von da sei er vor den mordbrennenschen Ungarn nach Andechs geflüchtet worden, das heißt wohl auf die alte Burg. Von da muß er in die neue Burg versetzt worden sein, indem die Legende ferner berichtet, er sei bei deren Zerstörung von den als Vurgkapläne waltenden Mönchen vergraben worden und in Vergessenheit gerathen. Spa-

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ter wurde die Vurglape77e wieder her gesiellt und die dem Schoße der Erde wieder entnommenen Reliquien erhielten ihren Platz in der neuen Kirche, die von den bayerischen Herzogen erbaute. Herzog Ernst errichtete einChorherrenstift. welches Herzog Albrcht III. 1453 in ein Benediktinerkloster verwandelte. Dieses bestand bis 1803, wurde infolge der allgemeinen Säkularisation aufgehoben, von König Ludwig I. aber im Jahre 1850 a Filiale der Abtei St. Bonifaz in München wieder in's Leben gerufen.

m HeiligeKapelleundSchatzk a m m e r. . Die Anlage der Kirche und wohl auch der größte Theil des Hochbaues stammen noch aus der gothischen Zeit; die Kirche hat drei Schiffe und ist von allen Seiten, den Chorschluß ausgenommen, mit Anbauten umgeben. Ein in die Kirche schlagender Blitzstrahl verursachte 1669 schweren Brandschaden, und die hierdurch veranlaßteWiederherstellung gab dem Gotteshause im wesentlichen die jetzige Gestalt, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts eine glänzende Restauration erfuhr. Die Kirche macht einen ungewöhnlich malerischen Eindruck. Die Dekoration der Pfeiler und Gewölbe ist dem Besten zuzuzählen, was die Münchener Meister geschaffen haben, insbesondere wirkt der umlaufende Balkon überraschend, und geradezu genial ist die Art und Weise zu nennen, wie der enge gothische Chor durch Entfernung der Schlußpfeiler erweitert, desgleichen wie der Balkon hinter dem Hochaltar vorgezogen ist. Bei dem erwähnten Brande blieb völlig verschont nur die Heilige Kapelle", ein gothischer Raum aus dei zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, gebildet durch drei Joche mit Sterngewölben, deren Rippen auf Kragsteinen ruhen; die Thür ist mit hübschen spätgothischen Beschlägen und einem reizenden Schlosse ausgestattet. In dieser Kapelle und in der nahen Rcliquienkapelle wird der Kirchenschatz verwahrt, welcher 132 Reliquien und eine Reihe kunstgeschichtlicher Gegenstände von bedeutendem Werthe zählt. In kunstgeschichtlicher Beziehung bietet der Kirchenschatz das Bedeutendste, was sich von Werken kirchlicher Kleinkunst aus dem Mittelalter und der Renaissance in München und in der von diesemKunstmittelpunkt aus beherrschten Gegend erhalten hat. Abgesehen von einigen älterenWerken. wie das sogenannte Siegeskreuz Karl's des Großen und das Brustkreuz der heiligen Elisabeth, bildet er ein 'geschlossenes Ganzes, das dieEntwickelung der kirchlichen Kleinkunst von der Mitte des 15. bis gegen den Schluß des 16. JahrHunderts glänzend veranschaulicht; Bräustüberl. hieran reihen sich dann noch spatere Werke, unter denen namentlich eine Anzahl von Reliquiarien aus der erpen Hälfte des 17. Jahrhunderts feine Arbeiten des Kunstgewcrbes darstellen. Die Klostergebäude rühren aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, der Zeit nach dem großen Brande, her. Sie enthalten manche bemerkenswerthe Näume, darunter das trauliche Refektorium mit flacher, zarter Stuckdekoration an der Decke (etwa aus dem Jahre 1730) und die Prälatur mit reicher, gut gearbeiterter Stuckdekoration aus dem Ausgang des 17. Jahrhunderts, sowie zwei Portalen in Stuckund Säulenschmuck, deren ausgeschnittene Giebel die Büsten von Königen und deren Thürflügel aufgelegte Ornamente zieren. ' Ein großer Theil der Gebäude beherbergt die St. Nikolausanstalt, in welcher ungefähr 120 Knaben und Jünglinge, und zwar fast durchgehends verwahrloste oder vom Staate zur ÄmanaserzZebuna in eine Besserungsanstalt überwiesene. Verpslegung. Unterricht und Erziehung genießen. Kaum minder als seine geschichtlichen Erinnerungen, seine Hciligthümer und Schätze hat den Ruhm des Klosiers der prächtige Stoff verbreitet, der von den kundigen Mönchen nach alten Recepten gebraut wird. In der feuchtfröhlichen Ecke des weltbekannten Vräustübchens", das mit rebenumranktcm Fenster schon von außen den Pilgrim gar anheimelnd einladet.wird sich ein Jeder vor dem schäumenden Kruge und in der häufig recht interessanten Gesellschaft bald behaglich fühlenzhier gilt ja nicht einmal das strenge

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Gebot der Klausur, welches dem scho neren Geschlechte die gereihten Räume dieses irdischen Trinkerparadicses verschließen würde. Vom schönsten Punkte des Ammerstes, von der idyllischen, nußbaumumschatteten Herschingcr Bucht weg führt der von den meistenWallern cingeschlagene Pfad durch das Kienthal empor nachAndechs, das um ein sehr beträchtliches Maß. um 178 Meter, über dem Scespiegel thront. Durch die steil eingerissene Schlucht schäumen die rauschenden Gewässer des Kienbachs herab, wuchtige Felstrümmer starren drohend hernieder, höher und höher geht es hinan durch die hochromantische.den Wanderer völlig in das Hochgebirge versetzende Scenerie, bis er endlich das Freie gewinnt und inmitten von Wald und Feld der Heilige Berg" vor ihm liegt. Vorher schon schimmert es weiß durch Dickicht und Büsche: dort drüben sprudelt im lauschigen Walde am Bergeshang das Elisabethbrünnlein. Ueber der als heilkräftig gerühmten Quelle erhob sich früher ein Kirchlein, das nach der Säkularisation abgebrochen wurde; an seiner Stelle steht jetzt ein kunstvolles gothisches Monument mit der Bildsäule der Heiligen, und rings herum ist ein Kreuzweg aufge stellt.

' U4ii4VM Elisabethbrünnl. Ein prachtvolle Aussicht bietet sich schon von der Terrasse des oberen" Wirthshauses, aber eine bezaubernde ungehemmte Rundsicht belohnt die Mühe desjenigen, der es nicht scheut, die steilen Treppen des Kirchthurms zu erklimmen. Entzückt schweift das Auge über sonnige Gelände und blinkende Seen, dunkle Forste und helle Triften bis zu der den danzen südlichen Horizont säumenden Alpenkette, deren gleißende Schneemäntel im Sonnenglanz schimmern. . EinguterKerl. Vater der Braut: Ich habe mich über Sie erkundigt, Herr Müller, Sie sollten doch lieber meine Tochter nicht heirathen!" Bewerber (aufgebracht): Was wol len Sie damit sagen?" Vater: Na, ich meine ja nur .... Sie haben schon genug Unglück im Leben gehabt!" S t oß s e u f z e r. Suffmcyer (kommt spät nachts nach Hause und findet seine Gattin mit dem Besen im Arm schlafend im Bette. Er sagt mit dankbarem Blick): Dieser Morpheus ist doch ein wohlthätiger Gott!" Bestanden. Studiosus Bummel (nach dem 'Examen): Na. da hatte ich ja den ersten Durchfall bestanden!" ' Sein Standpunkt. Kohn: Die Leute soll'n mer geh'n mit der Bildung. Wie soll können bestehen ä Geschäftsmann, wenn de Leute werden immer klüger." Deutlich. Studiosus: Ich schicke voraus, daß ich nicht in der Lage bin, den Anzug vor drei Monaten zu bezahlen. Wann wird er fertig sein?" Schneider: In drei Monaten!" Ein galanter S ch w e -renöther. Mutter: Sie wünschen also meine Tochter zur Gattin?" BeWerber: Theilweise ja. hauptsächlich aber Sie zur Schwiegermutter." Ein guter Mensch Ich sehe Sie immer müßig umeinanderstehen! Warum suchen Sie sich denn keine Arbeit?" Ja. soll ich bei den schlechten Zeiten einem armen Teufel auch noch das bissel Arbeit wegneh--men?!" Kasernhofblüthe. Sergeant ( zum Freiwilligen Müller, der eine Uebung nicht richtig auZgeführt hat): Freiwilliger Müller, xci sind Sie denn eigentlich in Jhrc.-n Sivilverhältniß?" Müller: Philosoph. Herr Sergeant!" Sergeant: .Na, das hab' ich mir auch gleich gedacht! So dumm kann nur Füllosoprj sein!" "; .

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