Indiana Tribüne, Volume 20, Number 161, Indianapolis, Marion County, 28 February 1897 — Page 7
IrauenKrieg. Von Gustav Schwarzkops. Volle zehn Jahre, von ihrem zwanzigsten bis zum dreißigsten Lebens jähre, hatten die drei Freunde treu zusaminengehalten; nur die böswillige Verleumdung könnte behaupten, daß sie irgend eine der modernen Freundschaftsproben nicht bestanden hätten. Ohne einander überdrüssig zu werden, hatten sie zahlreiche Ausflüge und Ferienreisen gemeinsam unternommen, gemeinsam hatten sie Theater, Volkssänger und Nachtkaffeehäuser besucht; fast immer hatten sie sich darüber geeinigt, auf welches Pferd aus gute? Familie ihre Hoffnung und ihr Geld zu setzen sei. ihr gegenseitiges Vertrauen war so weit gegangen, daß sie es immer Einem überließen, mit dem Lookmaker zu unterhandeln, immer Einem ihre Einsätze übergaben, die sie nur in den seltensten Fällen wiedersah:n; endlich hatten sie sich allwöchentl!ch :'.:indc'tcns drei Male zu tiner rat!; Stunden dauernden Tarockpmi'xz zusammengefunden, deren crT:cei Verlauf jedes Mal Material zu einem Dutzend Injurienklagen bct, clix doch nicht im Stande war, dcn festen Frcundschaftsbund zu zerstören oder auch 5ur zu lockern. Ohne äußeren Anlaß, der. ihnen laä Junggcscllcnleben hätte verleiden können die Gasthausküche befriedigte sie noch, und da sie. der Mode folgend. Gold- oder Stahlknöpfe trucen, wurden sie auch nicht, wie früher fo Viele, durch abgerissene Hemdknöpfe in die Ehe gctiieben ohne daß sich vorher irgend eiche drohende Anzeichen bemerkbar Zelnacht hätten, heiratheten doch alle Dre) plötzlich, fast gleichzeitig in ihren besten Jahren. Der Erste, weil er, dem ziemlich allgemein verbreiteten Schicksal erliegend, sich verliebte, der Zweite ging, in der Absicht, fein Geschäft zu vergrößern, eine Vernunft- und Geldheirath ein das heißt, seine Frau hatte Geld und Vernunft und er heirathete und der Dritte trat in den Stand der Ehe. zur Hälfte durch das Beispiel seiner Freunde verlockt und weil er sich vorgenommen hatte, mit dreißig Jahren dem Jnggesellenleben ein Ende .zu machen. Die Gefabr lag nun nahe und Um? de von den Freunden als solche wohl auch erkannt, daß die geänderten Lebensbedingungen, die süße Unfreiheit. in welche sie sich begeben hatten, nicht nur ihre gemeinsamen Gewohnheiten und Neigungen beeinträchtigen, scudern QZglicherweise auch ihren bisherigcn freundschaftlichen Verkehr zerstören könnte. Nach statistischen Ausweisen -kommt nämlich die Thatsache, daß Frauen an den Freunden ihrer Gattrn gar keinen Gefallen finden können und wollen, fast ebenso oft vor, als die Unterstellung, daß sie an denselben allzugroßes Gefallen sin den. Auch ereignet es sich nicht feiten, ! daß 'Frauen den Neigungen und G j wohnheiten ihrer Männer durchaus ! keinen Geschmack abgewinnen können, i sie vielmehr mit allen ihnen zu Gebate stehenden Mitteln und wie viele ! Mittel ftchen jungen Frauen zu Ge-
rote: zu bekämpfen und zu unterdrucken suchen. Die drei Freunde hatten Glück. Ihre Frauen verständigten sich nicht nur leicht untereinander und gelangten schon nach dreimaliger Begegnung zu yzntz Stärke der Neigung, die in zwei Willkomms- und zwei Abschiedsküssen nur eine ungenügende Vethätigung findet, sie brachten auch den Frcuildm der Gatten jenen Grad von Wohlwollen entgegen, welcher nöthig ist. UIN einen häusigen Verkehr zu einem rmaenehmen zu gestalten und ebenso hatten sie für einige Liebhabereien 'und Neigungen ihrer Männer liebevolles Verständniß und wirkliches Jnte?esse. Auch den drei jungen Frauen waren Namen und Gewicht der hervorragendften Jockeys und die Genealogie sämmtlicher Favorites hinreichend bekannt, und alle Drei, hatten unter mütterlicher Aufsicht und UnterWeisung mit Fleiß undAusdauer vollständige Tarockkurse absolvirt und für das edle Spiel leidenschaftliche Begeisterung gefaßt. Bei einer der ersten gemeinsamen Zusammenkünfte "der drei jungen Paare wurde denn auch gleich beschlossen, allwöchmtlich einmal zur Pflege des edlen Spieles zusammenzukommen, und zwar sollt der gerechten Bertheilung wegen allwöchentlich der Schauplatz der Tarockschlacht wechseln. jede Woche einem anderen Haushalt j dieEhre zutheil werden, die Kämpfen- : den zu empfangen. Diesev Tarockj Jour sollte durchaus nicht ausschlie- ; ßen. daß nicht auch an enderen Aben ; den Partien improvisirt werden könn- ! ten; so würde es am leichtesten gelinj cen. die Männer dem Kaffeehause zu , entwöhnen. Wenn man annimmt, daß einMann j cn einem Abende im Kaffeehause für Kartengeld. Kaffee. Gebäck undTrinkceld nur 60 Kreuzer verbraucht, fo würde das. was er. in drei Abenden erspart, fast allein schon hinreichen, die Kosten einer geselligen Zusammenkunft zu bestreiten, folgerten die Frauen, denn das wurde von ihnen einstimmig als erste nicht zu umgehende Bedingung aufgestellt es sollte immer nur ein ganz einfaches Abendessen geben, zu dem man sich in Hausund Straßenkleidern e'mfinden würde. Frau Emma, welche den Neigen eröffnete, hielt sich allerdings nicht ganz an diese Bedingung. Sie sewirte ih?en Gästen eine Vorspeise, Braten, Torte und Dessert, eine Uebcrschreitung des Prgranimes, welche sie damit entschuldigte, daß eine Eröffnungsvorsiellung immer ein wenig prachtiger und würdevoller in Scene gesetzt sein müsse; die beiden anderen
Damen, welche, ohne eineBerabredung getroffen zu haben, nicht inHaus- und Straßenkleidern, sondern in hellen, eleganten Sommertoiletten erschienen waren, nahmen für ihre Ueberschrei tung dieselbe Motivirung in Anspruch. Uebrigcns wurde mit Leidenschaft und Erbitterung gespielt, und sammtliche Theilnehmer unterhielten sich vortrefflich. Niemand wird sich hoffentlich darüber wundern, daß Frau Bertha, als die Reihe an sie kam, sich auf das von ihrer Vorgängerin eingenommene Niveau stellte, das sie als das normale ansah, welches man nicht mehr verlassen konnte, ohne sich etwas zu vergeben; dem aus derselben Anzahl von Gängen bestehenden Menu fügte sie nur noch Eis und einen süßen Wein hinzu. Ihre beiden weiblichen 'Ääste hatten große Federnfächer mitgenommen. Die Gerechtigkeit forderte es, anzuerkennen, daß Frau Toni, die dritte im Bunde, sich lediglich darauf beschränkte, -durch die Zugabe eines Fischgerichts die Mahlzeit zu dem regelrechten üblichen Souper zu erweitern. An diesem dritten Abende trugen sämmtliche Damen Blumen in den Haaren und kleine Brustbouquets. Im Verlaufe von einer halben Saison erschöpften sie sich immer gegenseitig in Erfindungen und Geschmack zu überbieten suchend, alle gangbaren Variationen und Combi Nationen, die bei noch bürgerlich gehaltenen Mahlzeiten möglich sind, da Keine es mit ihrer Würde vereinbar fand, irgend etwas zu wiederholen, das bereits von einer Anderen gebracht worden war. Der Noth'.'xndigkeit nachgebend, begannen sie nun die gezogenen Grenzen zu überschreiten, und einige Wochen hindurch wurde der Kampf bestritten mit Treibhaus - Erzeugnissen, mit kostspieligen Gerichten, die einer anderen Jahreszeit angehörten, die noch ohne ihren eigentlichen Geschmack demGaumen wenig Anregung bieten, d?e nur durch die Erinnerung an ihre Seltenheit. nur durch das Bewußtsein, daß sie hoch im Preise stehen und nur für Wenige erreichbar sind, genießbar werden. Der Kampf, der bisher eifrig, aber noch immer mitunter Laune geführt worden war nahm nun mit der größer werdenden Schwierigkeit der Munitionsbeschafsung eine erbitterte Form an. Es ist auch begzeiflich, daß Frau Toni, die sich entschlössen hatte, an ihrem auf den 15. März fallenden Abend Spargel vorzusetzen, in sehr gereizte Stimmung gerieth, als dieses Gericht acht Tage früher bei Frau Bertha servirt wurde. Mal sieht es nicht gerne, wenn unsere Ideen von Anderen vorweg genommen werden. In diesem Zeitraume wurde auf Seite der Damen bereits ziemlich unaufmerksam gespielt. Die Gedanken der jeweiligen Hausfrau wurden durch die Sorge abgelenkt, welche Aufnahme ihre Idee wohl finden werde, ihre beiden weiblichen Gäste machte die quälende Neugier zerstreut und unaufmerksam. Nach einigen Wochen war man auch mit den unreifen Leckerbissen fertig. Was nun? Da gerieth Frau Emma, die sich bereits, einer Andeutung ihres Gatten folgend, in Tacitus und Juvenal vertieft hatte, um bei den Römern neue kulinarische Ideen aufzugreifen, ohne aber etwas Brauchbares zu finden auf den rettenden Einfall, nationale Soupers zu veranstalten. Sie debutirte mit einem fran zösischcn Abendessen, das nur aus Ragouts und Fricassees bestand, ausschließlich französische Weine brachte, aber nur wenig Anklang fand. Aber wie das immer zu gehen pflegt, die Anderen bemächtigten sich dieser Idee, um sie besser zu verwerthen. Frau Bertha brachte englische Küche, deren Meisterstück ein flammender Plumpudding war, und Frau Toni errang die Palme mit einem fabelhaft echten italienischen Menu, desfen Speisen alle m Oel schwammen, das einen riesigen Aufwand mit Nisotti und Maccaroni trieb, und bei welchem man nur Chianti und AstiSpumanti trank. Frau Emma, die geniale Urheberin der nationalen Abende, zitterte in be greiflicher Erregung. Mit den eigenen Waffen geschlagen zu werden! Man beurtheile die Frage nur einmal unparteiisch. Blieb ihr mm wohl etwas Anderes übrig, als ihren Gästen russisch zu. kommen? Vierzehn Tage brachte sie mit den Vorbereitungm und nöthigen Erkundigungen zu, immer bebend, daß eine Andere ihr zuvorkommen könnte. Eine entsetzliche Zeit! Man glaubt gar nicht, welche Qualen zu ertragen und zu verbergen eine Frau fähig ist! Endlich kam der originelle, glänzville Abend. Er brachte: Kohlsuppe, Sterlet. Piroggen mit Kohl, Gans mit Grütze gefüllt, und zwischen den einzelnen Gängen wurde Branntwein getrun ken. Auf dem Büffet waren zwei SamovarS ausgestellt, und statt deS Dessertweins wurde Kwas herumge.reicht. Nicht umsonst hatte Frau Emma in den, letzten Wochen nur russische No-. mane aus der Leihbibliothek geholt. Vorläufig blieb ihr auch der Sieg. Was darauf folgte, waren Eingebunungenügend ausgeführt. Das türkifche Menu mißglückt vollständig, und Frau Bertha hatte, nachdem sie einige schlaflose Nächte zugebracht, für' ihren Abend, der bei allen vorhergehenden Anleihen machte, keine andere Neuig keit ausfindig zu machen gewußt, als einen abscheulich schmeckenden Liqueur in einer bizarr geformten Flasche. Es r wohl überflüssig, zu erwähnen, daß die drei Damen schon längst in Soi-
ree-Tottetten mit langen Schleppen erschienen. Noch einmal vor dem gänzlichen Erlöschen raffte sich eine der Entmuthigten zu einer großen That auf. Ueber Frau Toni war es plötzlich wie eine Erleuchtung gekommen, und siegesgewiß erwartete sie ihre Gäste. Die Tarokpartie erlitt an diesem Abend fortwährend Unterbrechungen, da die Hausfrau immer im Speisezimmer zu thun hatte. Endlich wurde dasselbe für die Gäste geöffnet. Welch' ein Anblick! Statt des eleganten Speisezimmers eine Bauernstube! Auf einem rohgezimmerten, nicht bedeckten Tisch sechs Holzteller, es wird auch nicht servirt, eine große irdene Schüssel wird auf den Tisch gesetzt. Sie enthält Einbrennsuppe, die man mit Holzlöffeln ißt. Dann gibt es Speckknödeln" mit Trüffelsauce, einen Landschinken, von dem sich Jeder nach Belieben abschneiden kann, endlich Blutwurst mit Sauerkraut in Champagner gedünstet. Die beiden Damen erbleichen; es gelangt ihnen deutlich zum Bewußt fein, daß dieser Abend nicht mehr zu überbieten ist, daß sie geschlagen sind. Aber die Stimmung ist doch eine vortreffliche. Die Herren werden nicht müde, den originellen Einfall und die vollendete Durchführung desselben zu preisen und die Hausfrau mit Complimenten zu überhäufen, was in den beiden anderen Damen bereits gefaßte Vorsätze zu festen Entschlüssen reifen läßt. Frau Toni sieht mit spöttischer. Erwartung dem nächsten Abend entgegen, der, der Reihenfolge nach, bei Frau Emma stattfinden soll. Sie erhält eine Absage. Frau Emma fühlt sich z leidend, um ihre Freunde empfangen zu können. Unter demselden Vorwande läßt am zweitnächsten Abend auch Frau Bertha absagen, die ihr Unwohlsein dadurch bekräftigt, daß sie allsogleich ihre Landwohnung in Jschl bezieht und sich von ihren Freundinnen nuv br-.eflich verabschiei det. Die Damen verleben den Sommer, ohne das Verlangen zu fühlen, einander aufzusuchen. Die drei Freunde aber hatten Gelegenheit, sechs Wochen lang in Karlsbad Tarok zu spielen.
per ScharsrillNcr von Paris und der fünfte Stand. Von ?heod?r Wolff (Paris). Im vierundsiebzigsten Jahre seineS Lebens, im dreißigsten seiner Wirkfamkeit ist der Scharfrichter von Patis, Louis Antoine Stanislas Deibler. des Köpfens überdrüssig geworden. Nachdem er der Hydra des Verbchens einen Kopf nach dem anderen abgeschlagen 502 Köpfe in Summa ermattet sein Arm. Der Scharfrichter von Paris zieht sich zurück. Die Hinrichtung eines Mädchenmörders in Nancy war sein letzter Streich. Es scheint, daß seine Hand dabei leicht zitterte und das Messer der Guillotine vorzeitig' niederfallen ließ. Mißgünsiige College in der Presse werfen ihm Ungeschicklichkeit vor. Die Kritik ist leicht, die Kunst ist schwer. Da in diesem Augenblick der Rücktritt Deiblers von der Führung der Geschäfte noch nicht officiell ist.so fehlt es einstweilen an Artikeln über ihn und seine Laufbahn, an Lebensbeschreibungen, an Interviews. Ich weiß da ich persönlich nie mit ihm in Berührung gekommen nur wenig über die Persönlichkeit des Scharfrichters von Paris zu sagen und nur das ist mir bekannt, daß er aus Lyon stammt, daß er Tischler war, ehe er Scharfrichter wurde.und daß er Fräulein Raseneuf, die Tochter eines Scharfrichters aus Algier, geheirathet hat. Aber die Pariser Journalisten Werden schon dafür sorgen, daß wir bald mehr über ihn zu hören bekommen. Man wird nicht ermangeln, uns zu erzählen, daß er ein vortrefflicher Familienvater sei, abseits der Guillotine ein weiches Herz habe, die Poesie und die Levkojen liebe und keine Fliege an der Wand tödten könne. In keiner Erzählung über Verbrecher und Scharfrichter fehlt es an diesen versöhnlichen Zügen". Man kann in Paris von einer Emancipation des fünften Standes sprechen. Ich verstehe unter dem fünften Stand dieses ganze Volk von Va gabunden, Wegelagerern. Einbrechern, über welchem der Scharfrichter wie ein strafender Gott in seinerWolke thront. Fast all diese verschiedenen Elemente gehören zur größeren Klasse der Zuhälter. für die man hier zahllose Namen hat: souteneurs, dos verts, alphonses, dauphina, guichcs, rnarloux, macs, maquereflux, bou broches etc., und welche die cas quette, die Ballonmütze, tragen, ganz wie ihre Berliner Collegm nur eine noch größere, trotzigere, gebieterische Ballonmütze. Dieser fünfte Stand hat in Paris seine Emancipationgehabt; während bei uns 'jeder Zusammenhang zwischen den anderen Ständen und diesem fünften vollständig fehlt, eistirt in Paris seit Langem thatsächlich ein einigendes Band-. Die Berliner sind ein reinliches Volk, und in Dingen der öffentlichen Moral verstehen sie keinen Spaß. Ein gemeiner Mensch ist ihnen ein gemeiner Mensch, und sie wollen nichts mit ihm zu thun haben. Der Pariser ist leichtherziger, er. ist skeptischer, man könnte sagen philosophischer. Und vor allem ist er artistischer. Er findet, daß ein gemeiner Mensch recht wohl ein interessanter Mensch sein kann. Die Vagabunden und die dos verta gehören ihm zum Bilde von Paris. So lange sie ihm nicht selbst eines Nachts in den Straßen den coup du
pre Franjois" den Fußtritt ton rückwärts applizirt haben, möchte er sie nicht missen. Er schiebt gern Worte aus ihrem Argot in seine Sprache ein. Er hat ihnen ein: Stellung in der Kunst und in der Literatur gegeben Forain, Steinlen. Aristide. Bruant haben den fünften Stand gezeichnet, ihm Lieder in seinem Argot gedichtet, Menetier hat ihn zuerst in literarisch ernst zu nehmenden Romanen geschildert. Aus diesen Zeichnungen, auö diesen Liedern, aus diesen Romanen ist alle Welt mit dem Leben, mit derSprache, mit den Trucs des fünften Standes vertraut. Und auch im täglichen Leben ist eine strenge Scheidung wie bei uns nicht durchgeführt. In zahllosen Cafees der Faubourgs. auf Montmartre besonders, steht der Absinth des Zuhälters neben dem Absinth des braven Mannes, und man spielt Billard in demselben. Raume. neben , einander. Das alles wäre bei uns undenkbar bei uns bleibt der fünfte Stand immer draußen, außerhalb der Gesellschaft, man weiß' nicht, wie. noch wo er lebt, man sieht ihn nur bei Prügeleien in der Friedrichsstraße auftauchen, kümmert sich sonst nicht um ihn und ist froh, wenn man sich nicht um ihn zu kümmern braucht. Man muß beachten, daß der Pariser auch weit nawer, kindlicher ist als der Berliner, und an Räuberromanen, abenteuerlichen Geschichten, Verbrechermelodramen noch weit mehr Vergnügen findet als dieser. Gewiß, auch dev Berliner Colportageroman hat seine Riesenerfolge auszuweisen. Aber was will das sagen gegenüber den Erfolgen Sues und seiner zahllosen Rachtreter? An jedem Abend führten mehr als ein Dutzend Theater dieSensationödramen dev Dumas pre und d'Ennery auf. Zum 400. Male ohne Unterbrechung spielt man gerade heute im Ambigu" die Deux Gosses", ein Stück, in welchem nach dem Vorbild der Zwei Waisen" zwei kleine Knaben von Räubern entführt, lange durch alle Abgründe von Paris geschleppt und endlich, nach schrecklichen Abenteuern, von ihren El tern gefunden und befreit werden. Nicht nuv die kleinen Nähmamsells, nicht nur die Concierge Gattinnen, sondern, alle guten Bürgerfamilien waren schon mindestens zweimal in den Deux Gosses". Frau Faure, die Präsidentin, war gestern dort und hat sich dort wahrscheinlich wohler gefühlt als in allen Galaopern. Als im ersten Akt der eine Verbrecher einen sterbenden Soldeten ausraubt, habe ich selbst den Ruf ertönen hören, der von der obersten Gallerie mitten in die spannungsvolle Scene hineinbrach: Kanaille!" Und Ernest Blum, der Theaterschriftsteller und Chroniqueur. erzählte neulich, daß nach der Auffü rang eines anderen, ähnlichen Stückes der Schauspieler, welcher den schlimmsten Bösewicht gespielt hatte, an der Hinterthür bei Theaters von einer Menschenmenge erwartet wurde, die ihn mit dem Rufe Jn's Wasser!" empfing und ihn unter Drohungen bis zu seiner Wohnung begleitete. Man nehme die Leichtherzigkeit, den Skeptizismus der Pariser, man nehme andererseits die naive Eindrucksfähigkeit, die Erregbarkeit ihrer Phantasie, und man wird einigermaßen verstehen, daß in Paris der Scharfrichter und seine Leute eine andere Rolle spielen als bei uns. Und man bedenke auch, daß dieses alte, bald verschwenderisch geöffnete, bald eng zusammengedrängte, unendlich tiefe, unendlich wechselreiche Paris , füv romantische Vorstellungen ein ganz anderer Schauplatz ist als das gradliniirte, helle, Nüchterne Berlin. Montmartre mit feinen zwischen grauen Gartenmauern sich aufwärts windenden Gäßchen! Menilmontant mit seinen rauchgeschwärzten Riesenhöfen! Maubevt und Mouffetard, die Quartiers souksrants", mit ihren stickigen Gassen, in welchen die Häuser auf einander zu fallen scheinen! Belleville und Villeite und die Quais unter den Seinebrücken, wo die Obdachlosen heerdenweise nächtigen, und die Festungswälle, von denen der brave marlon, träge auf dem Rücken liegend, in die weite bunlieue hinausblinzelt! Es ist interessant, die Wirkung zu beobachten, die diese Emancipation auf den fünften Stand ausgeübt. Als er sah. daß man sich in Romanen und Liedern mit ihm beschäftigte, als er sah, daß man ihn malte und zeichnete, als er sah. daß die gornrneux" und pschutteux", die eleganten Nichtsthuer, aufmerksam gemacht durch die Schilderungen, ihn in seinenWinkeln aufsuchten, mußte er da nicht eingebildet, ein wenig theatralisch und weniger ausrichtig werden? Mußte der marlou, den man so interessant und so malerisch gefunden, nicht ein wenig zum Poseur werden, gerade wie der neapolitanische Betteljunge, der stolz auf feine so oft gemalten Bettlerlumpen ist? Der Franzose hat immer ein wenig diese Neigung zum Cabotinismus, zur Pose, zur Theatralik. Die Helden der Ballonmütze rückten die Ballonmütze noch kühner zurecht, seit sie wußten, daß man sie beachtete. Ich sprach jüngst mitSteinlen darüber; sie würden ihre Bluse heute nicht mit meinem Rock vertauschen," sagte er I! sont rnoins int5ressants, parceque ils ne sont plus sincfcres. 1 Vor einigen Wochen durchstreiften wir. einige Bekannte und ich, in später Abendstunde es war kurz vor Mitternacht das Quartier deS Pantheon auf dem linken Seineufer, alö wir w einer engen, schmutzigen und fast gar nicht erleuchteten Straße einigermaßen überrascht vov einem. Hause stehen blieben, dessen röthliche Steins
sacade trotz aller Berwahrlolung und Decadence noch deutlich die groben Linien der Renaissanceschloßbauten zeigte. Einer unter uns. der in diesem armseligen Straßenvicrtel, das von dem Seinequai bis zum breiten Boulevard Samt - Germain reicht, Bescheid wußte, erklärte, daß wir vor dem Chateau rouge" ständen. Ich Hatte von dem Chitfeau rouge früher schon mancherlei gehört. Neben dem rre La Lunette" gilt es als der Hauptzufluchtsort des Elends und des Verbrechens in diesem armseligen Viertel. Es ist eine Nachtherberge, wo Obdachlose gegen ein Entree von zwanzig Centimes Einlaß erhalten. Die Polizei wacht freundlich über diese Locale. in denen .sie ost beisammen findet, was sie sucht. Aehnliche Herbergen und noch weit größere kann man in anderen Quartiers, besonders in der Gegend der Hallen, sehen. ' Die städtischen Asyle liegen meist an der Peripherie der Stadt. Das Odateau rouge ist ein sagenumwobenes Haus. Gabrielle d'Estrees, Heinrichs des Vierten charmante Gabrielle", soll dort gewohnt haben. Die heutigen Hausbewohner behaupten es. In keiner Biographie dieser blonden Freundin des besten Königs habe ich den Beweis, dafür finden können. Aber es hat einen melancholischen Reiz, sich einzubilden, daß durch den breiten Thorbogen.durch den heute das jammervollsteElend zur Nachtherberge hinkt, einst die Königsgeliebte in den Hof geritten sei. lachend, lebensfreudig, tont hatrillee de vert", das Jagdgefolge hinter sich. Gabrielle, die dann träumen durste, Königin von Frankreich zu werden. Wir schritten über den Hof auch hier die Spuren alter Herrlichkeit und kamen zu einem niedrigeren Hintergebäude. Ueber einer Thür brannte qualmig eine Laterne. Wir öffneten ein schwerer, drückender Dunst schlug uns entgegen; ein Gemisch von Stall-, Destillen- und Kasernendunst. Der Raum, in dem wir standen, war groß, viereckig. Er war ganz angefüllt mit Nenschenleibern. die überall lagen, hockten, sich durcheinander zu schlingen schienen auf Bänken, auf Tischen und auf der Erde. . Auf Bildern, welche die Pest in Florenz oder die Pest in Rom zeigten, oder auf Bildern Wereschagins hat man solche an einander gepreßten Massen mensch) licher Körper, regungsloser menschlicher Glieder gesehen. Eine erbärmliche kleine Oellampe, die in der Mitte des Raumes von der Decke herabhing, warf einen matten, gelblichen Lichtschein auf diese in Lumpen gehüllten Gliedermassen. Im Hintergrund des Raumes stan fcÄ hinter einem mit Schnapsflaschen, einer großen Kaffeemaschine und eini gen Heringstonnen besetzten Büffettisch der Herbergswirth und seine GeHilfen. . Zehn oder zwölf Burschen, die wenig vertrauenerweckend aussahen, rekelten sich vor dem Tisch, würfelten oder leerten ein petit verre". Einige kaum ausgewachsene Lümmel lösten sich von der Gruppe und standen nun lungernd um uns herum, mit gekrümmtem Rücken, den blassen, scharfgeschnittenen Kopf vorgestreckt, die Hände in den Hosentaschen. Als der Wirth uns sah. kam er höflich auf uns zu und erklärte sich bereit, uns sein Local zu zeigen. Er ist an Fremdenbesuch gewöhnt. Die Herberge bestand im Ganzen aus drei Räumen. Aus dem Saal, in den wir zuerst gelangt waren, kam man auf einer hölzernen Stiege auf einen Hängeboden. Ueberall lagen Schläfer und Cchläferinnen auf der Stiege mußte man über sie hinwegsieigen. Ueberall ein Knäuel von Leibern, ein Schlachtfeld, bedeckt mit menschlichen Gliedern und Lumpen. Einige hatten ein Bündel unter den Kopf geschoben, Andere ihre zusammengerollte Jacke. Andere ihre Mütze, noch Andere hatten einfach die Hände unter dem Kopf gefaltet. Greise mit schmutzigen Bärten. Knaben in längst ausgewachsenen, fadenscheinigen Jäckchen, Frauen mit roth aufgedunsenen Gesichtern, andere Frauen, alte, weiß über den Schläfen, mit unterhöhlten Augen eine Heerde jammervoller Sklaven, festgeschmiedet an diese Galeere des Lebens! Hier und da wachte Einer auf, wir vertheilten etwas Geld an die Elendesten, stiegen wieder hinab und kamen in den dritten Raum, der aussah wie dev erste und zweite. Aber dieser dritte Raum hatte ein nischenartig in die Wand hineingebautes Anhängsel: das Honoratiorenzimmer. In der Nische stand ein langer Tisch mit acht Stühlen. der Wirth wischte die Platte ab, machte Licht, und wir mußten Platz nehmen. Diese Nische war sehr sonderbar ausgemalt. An den Längswänden sah man in leuchtenden Farben Mord scenen, Hinrichtungen und andere heite Ereignisse. Dazwischen die Porträts aller großen Mörder der letzten Jahrzehnte. DaS alles in der Manier jener Jahrmarktsmalereien, die namentlich früher die harmlosen Dorfbewohnn das Gruseln lehrten. Der Herbergsvater brachte Wein und Gläser, und dann begann er die Erklärung der Bilder mit Aufzählung aller Verbrechen, die jeder der Porträtirten begangen, und mit getreuer Schilderung der Strafen, welche die Missethäter getroffen. Besonders als er von Ravachol sprach, dem großen Anarchisten, den schließlich Deibler geköpft, nahm seine Stimme einen geheimnißvollen Klang an, und er gab uns zu verstehen, daß die Welt noch lange nicht alles über den Helden deZ Anarchismus wisset aber daß er, der Wirth deS Odatean i-ouge", es wisse und nur nicht sprechen dürfe. . . . Dann kam ein Mann, der sich vor
uns auszog und uns die Tätowirungen auf seinem Körper zeigte: wieder die Köpfe von Verbrechern, unanständige Liebesscenen. Hinrichtungen, mysieriöse Symbole. Noch Andere wollten ihre Künste zum Besten geben, aber wir acceptirten nur noch einen Alten, der Lieder von Aristide Bruant sang mit einer langsamen Feierlichkeit und einer rauhen Schnapsstimme. Und während er, das Lied des Verurtheilten sang, der, ehe er zur veuve", der Guillotine auf La Roquette, geführt wird, seiner Toinette schreibt: Ent-'ecrivant ces mots j' f remis Par tout mon etre Quand tu les liras j'anrais mis nez a la f 'netre; j'suis reveille, depuis minuit, Ma pauv' Toinette, j'entends comme une espec'de bruit Ala Roquette " Während er dieses berühmte Lied sang, wachten die Schläfer auf und drankm stch, Kopf an Kopf, hinter dem Sänger sie wiegten sich leise im Takt, murmelten die Worte mit oder hörten mit einem blöden Interesse zu. Und bei dieser Scene, in dieser Panoptikums-Schreckenskammer, die sich mitten im Elend der Nachtherberge aufgethan, ging es mir wieder durch den Kopf, wie in Paris die Entdeckung des fünften Standes zur Entwickelung der EhaUatanerle. des Cabotlsmus und einer gewissen sentimentalen Selbstbewunderung in diesen unters sten Volksschichten geführt hat zur Entwickelung der sonderbarsten Charlatanerie, der Charlatanerie des Elends und des Verbrechens. Wir haben oft die Beobachtung machen können, daß Criminalpolizisten, Geheimagenten, all diese Leute, welche sich in so viel Criminal- und Verbrechenomanen gefeiert und verherrlicht sahen, zum Cabotinismus, zum Komödiantenthum neigten. Muß der Scharfrichter von Paris, der rächende Gott so unzähliger Bücher Theaterstücke und Lieder, nicht nothgedrungen ein wenig Cabotin sein? Kann er sinefre" geblieben sein? Ich glaube nicht. Doch eins wäre beinahe noch interessanter zu wissen. Wie denkt Herr Deibler über das Sterben? Fürchtet ein Mann, der 502 Köpfe vom Rumpf getrennt hat, sich vor dem Tode? Hat er sich nicht, etwas mehr noch als ein Anderer, an dcn Tod gewöhnt? Ich möchte glauben, daß seine eigenen langjährigen Erfahrungen für ihn dabei thatsächlich nur wenig in's Gewicht fallen. Auch Robespierre zitterte, als es an's Sterben ging. Man kann sich noch so sehr an den Tod deS Anderen gewöhnt haben; wenn man sterben soll, ist es Einem immer etwas Neues.
SieStudcnttn. Von OLcar Geller. Mit unaufhaltsamer Schnelligkeit raste der Eisenbahnzug zwischen den feuchten, dampfenden. Wiesen dahin. Das Coupee, in dem die junge Studcntin saß, war halbleer. Bloß noch drei Personen hatten darin Platz gefunden. Ein junger Pope, eine ältere Frau aus Rastownik, die fortwährend sprach, und ein fremder Mann in der Kleidung der Livländer. Er trug vor den Augen einen grünen Schirm, so daß man nur die untere Hälfte des Gesichtes sehen konnte. Ein schlechtes Wetter für's Reisen", begann die Alte, und besonders für ein so junges Kind, wie Sie es sind, mein Täubchen. Wohin wollen Sie eigentlich? Recht weit, nicht wahr?Nach Petersburg, zu Professor Oferin", erwiderte die Studentin. Oserin! Oferin!". rief die Alte. ein berühmter Mann, ein großer Herr. Was wollen Sie bei ihm?" Lernen." Lernen?! Wie man menschliche Augen herausschneidet?! Ist das ein Beruf für ein junges Mädchen?" Ich werde Augenarzt", antwortete die Studentin. Der Livländer mit dem grünen Augenschirm machte eine plötzliche Bewegung. In einer kleinen Station wurden die Lampen angezündet; aber die Frau aus Rastownik und der Pope schliefen bereits. Sie fahren zu Oserin?" begann plötzlich der Livländler zur Studentin, die eben aus ihrer Tabatiöre eine dünne, gelbe Cigarette hervorzog und diese in Brand setzte. Wir fahren zusammen. Auch ich will Oserin aufsuchen." Sind Sie krank?" Nein. Aber Oserin hat meinen Bruder der Polizei übergeben. Ich heiße Hryn Matekowitsch Kujarew." Er hatte das mit kalter Ruhe gesagt. Und doch erschrak die Studentin. Kujarew", sagte sie mit zitternder Lippe, leise ängstlich. Sie kannte ja die Geschichte jenes unglücklichen Menschen. Er war in den Kreisen der Freunde und College als großes, aufstrebendes Talent bekannt. Der Professor zeichnete ihn . bei jeder Gelegenheit aus, bis man endlich den Bund der Dreizehn" sprengte und den jungen Mann dort als den tonangebenden Rädelsführer fand. Professor Oserin selbst übergab ihn dann der dritten Abtheilung der Polizei, und der junge Kujarew verschwand. Er wurde auf administrativem Wege beseitigt, entweder in den sibirischen Kerkern des Urals oder in irgend einer Zelle der Peter-Pauls-Festung begraden. Sie verstehen mich", fragte nach einer Wei.le der., LivlSndler weiter.
daß ich Grund habe, Oserin zu hassen? Die Studentin streckte in bittender stummer Geberde die Hande vor siH hin. Sprechen Sie nicht", begann sie flehentlich, ich will nicht Mitwisserin sein " Der Livländler machte eine unwillige Bewegung, erhob sich und entfernte mit raschem Griff den grünen Augenschirm. Sein Gesicht war frei. Aengfi. lich blickte die Studentin zu ihm empor und fühlte, wie alles Blut ihr zu Kopfe schoß, wie sich ihre Wangen dunkelroth färbten. Und es floß der Strom zum. Herzen zurück, dieses gar mächtig ergreifend, daß es erzitterte daß ?K fast stille stand vor heftiger, erschauern. der Erregung. Ein helles, freies, männlich - scho-. nes Gesicht, aus dem zwei große, dunkle Augen sie wehmuthsvoll. ergreifend anblickten. Verwirrt stammelte sie einige Worte. Kujarew nahm jetzt neben ihr Platz. Sie zitterte am ganzen Leibe, aber t ließ es willig geschehen, daß er ihreHand ergriff und sie sachte an seine Lippen führte. Und er begann leise und eindringlich zu ihr zu sprechen, erzählte ihr von der Noth, von dem Jammer des Volkes, das in geistiger, in sittlicher Finsterniß ein elend Dasein fristet. Und er pries ihr eine kommende Zeit, d& die majestätische Sonne auö den sinstern, verfinsternden Wolken wieder hervorbrechen werde, mit strahlendem Glänze zu durchfluthen, zu beleben daS große Zarenreich. Die Studentin schloß wie müde ihre Augen, sie ließ ihn sprechen, weil jedeK einzelne seiner Worte mit kräftiger Macht in ihre Seele, ihr Herz dranc sie sah ihn vor sich und fühlte feinen Blick. Und sie wußte fe!5Ze nicht, wie es dann weiter geschah .... sein Athem streifte ihre heiße, fiebernde Wange, sie empfand den Druck seiner Hand, ihr Kopf lehnte an seine Schulter, und er küßte sie aus den vollen üppigen, liebeheißen Mund, auf die Wangen sie fchlang ihre Arme um seinen Nacken, da es in ihr jauchzte Ich liebe Dich. Du schöner.. starker Mann! " Seit Wochen wartete sie auf seire Kommen, seit Wochen zählt sie Stundeum Stunde, aber Kujarew giebt keiw Lebenszeichen von sich. Er ist für sieverschollen! er hat im Getriebe den Großstadt die arme, kleine Studen--tin vergessen, er denkt nur an seine Rache. Endlich traf sie ihn, auf der KIT ; nik des Professor Oserin! Wie ein Blitz durchzuckte sie der Gedanke, er fet gekommen, sein fürchterliches Rache' werk zu üben. Und auch er erkennt sie,, aber sein kalter, langer Blick läßt sfc: erzittern. Unbemerkt von den übrigen Studen-' ten tritt sie auf Kujarew, der bescheiden in der Reihe der Patienten wartet, zu.. Sie nimmt ihn, als sähe sie ihn thatsächlich für einen blinden, augenleidenden. Patienten an, bei der Hand und führt ihn abseits in einen Winkel, als wollte sie ihn untersuchen. Kujarew stammelt sie leise, da sie sich unbemerkt weiß, fliehen Sie von hier. Schonen. Sie mein junges Leben . . . . " Marfa", beginnt er bewegt, ich, habe geschworen, fürchterlich geschworen. Halten Sie mich nicht zurück, elkönnte Ihr Verderben werden." Und er macht sich von ihr los, um auf.' Oserin loszugehen. Die Studentin Marsa ist betäub cZ schwirren ihr tausend GedanZm durch den Kopf, sie will und muß ihn retten. Und wie sie in ihrer grausen Angst nach einem Ausveg sucht, erblickt sie auf dem kleinen Tischchen neben dem Krankenfauteuil unter anderen Medicinen ein Fläschchn aufge lösten Laugenstein. Nur noch eine Secunde fast, und Alles ist verloren, aber Marfa hat diese Secunde erfaßt, mit einem lauten Aufschrei stürzt sie sich auf Kujaren und schüttet ihm das ätzende Gift in'ö Gesicht, daß er wie erblindet zurück taumelt Vor dem Richter gab Marfa betro--gene Liebe- als Grund für ihren Ueberfall, auf Kujarew an. Kujarew, der jetzt mit vollster Berechtigung den grü--nen Schirm vor den Augen trug, destätigte als Zeuge alle Angaben ber Studentin. nur fügte er noch xki Schlüsse die Erklärung hinzu, er werde sie nach Abbüßung ihrer Strafe heirathen. Marfa jubelte auf. der Richtn aber meinte, die sechswöchige Unterfu chungshaft sei genügende Strafe geWesen. Zwei Wochen später saßen sie wied im Eisenbahnwagen, auf der Hoch zeitsreisc begriffen. Unsere Hochzeit hat zwei Menschenleben gerettet-, meinte da Kjarew, sein Weib an sich ziehend. Drei", erwiderte sie, ich Ware fct vor Elend auch umgekommen. Denn ich liebe Dich."
Knkneid. . Wenn hübsche Mädchen küssen. Mit einem andern Herrn. DaS neidisch seh'n zu müssen Das hab' ich gar nicht gern. Doch küssen sich zwei Maiden Ganz ohne Herrn, der Neid DaS ist der Scheußlichkeiten Scheußlichste Scheußlichkeit. Da macht mich beim Beneiden. Die Zweifelsqual halb toll, Auf welche von den Beiden Ich neidisch werden soll! EintheuresBad. Nun, wie gefällt es Ihnen denn hier?ausgezeichnet aber theuer, theuer! Man weiß wirklich nicht, waZ mehr kostet: den Bauch anfressen, oe? hen Bauch vegsaufen!- .. -
