Indiana Tribüne, Volume 20, Number 161, Indianapolis, Marion County, 28 February 1897 — Page 6

Zln s cre StimnlNlittek.

Von Minna Weltstein Adelt. , Auch der Ausgezeichneteste undAuf--ze!lärteste ist und darf nicht erhaben sein über gewisse Aeußerlichkeiten und .menschliche Vorzug?, , die nicht allem rnf Charaktereigenschaften beruhen. Die Zeit ist vorüber, wo Reichthum arnd Schönheit einerseits. Geist und Äerühmtheit andrerseits einen Frei Erics bildeten, der jede Unart und jede häßliche Angewohnheit ungehindert passiren ließ. Wenn wir heute unsere Stimmmittel in den Kreis unserer Betrachtungen ziehen, und das haßliche Lachen und die kreischende Stimzne als Fehler bezeichnen, so wollen wir damit keineswegs sagen, daß es nicht Menschen gib!, denen durch ein körperliches Leiden ein angcnehmesSpre.chen oder Lachen zur Unmöglichkeit geworden ist. Thatsache ist es jedoch, "daß die Pflege der Stimmmittel zur ethischen Seite der Erziehung gerechnet werden sollte, ihr leider aber selten iie nöthige Aufmerksamkeit gewidmet tofrd. Es gibt ganze Famil'n, deren MitGlieder eine auffallende Aehnlichkeit in der Stimme miteinander haben, die, wenn unangenehm, zur Qual für die 'Mitmenschen werden kann. Zwei bis drei mit gellender Stimme bewaffnete 'Töchter in einem Haushalt können die anderen Mitlebenden nicht nur hochgradig nervös, fondern geradezu krank .machen. Es gibt Mütter, du es reizend naiv" finden, wenn der Backfisch, und auch ältere Mädchen, bei jeder Gelelegenheit. ob passend oder nicht, einen allerliebsten, kleinen" Schrei ausstoßen. Neben dem Vorwurf des Affektirten und Unsoliden, begegnen diese Mädchen später oft ewer ihnen unerZlärlichen Antipathie ihrer Mitmenschen, die sie nicht geyi kommen, aber dafür immer gern gehen sehen. Ich erlebte kürzlich wieder solch einen Fall. In ein Luzerner Fremdenpension befand sich eine Amerikanerin, die alle Mitbewohner in helle Verzweiflung -versetzte. Trat die Dame Abends in 'den Conversations- oder Lesesaal, so verschwand bald einer nach dem ande'ren. Mit der Zeit zeigten die Gäste -eine wahre Angst vor jener Dame, so'daß sie schon auswichen, wenn sie die Betreffende nur von weitem sahen. Sie hatte neben der Art, in den höch.stcn Tönen zu sprechen, einen Schrei .zur Verfügung, den sie nach jedem .zwanzigsten Wort etwa ausstieß und der halb einem nervösen Husten, halb einem intriganten Lachen und halb eimm leichten Schreckensschrei glich. Es ist ein großes Irrthum zu beHäupten, daß man an solch einem Fehler unschuldig sei. Denn in den meisten Fällen gewöhnen sich die Schreier systematisch an diesen Fehler, weil sie ihn nicht als solchen erkennen, sondern Jiir hübsch, apart und schneidig halten. Bei Erwachsenen gehört das in die 'Nede fallen- ebenfalls in die Fehler der Sprache, obgleich es scheinbar mehr einen Defekt an Bildung und Charakter zeigt. Aeußerst lebhafte Menschen begehen diesen Fehler indeß 'vft. Wir kommen mit Menschen zusammen, die den andern aus lauter Gewohnheit unununterbrochen in die 'Rede fallen. Verbleibt der andere ' Theil bei seiner Rede, so' suchen sie ihn .zu übertönen, bis man verzweifelt reslZnirt und schweigt, in Zukunft aber eines solchen Menschen GesellSchaft zu meiden sucht, weil man im Zusammensein mit ihm keine Erholung, kein Verständniß und keinen Nutzen findet. Und nicht allein im gesellschaftlichen 'Leben werden solche Menschen mit .häßlicher Sprechweise isolirt bleiben, .gar oft schadet ein unangenehmes Orrgan auch im praktischen, bürgerlichen, geschäftlichen Leben an Beruf und Carriere und läßt leicht ein Lebens--glück scheitern. Deshalb ist es nöthig, mit der Pflege der Stimmmittel früh zu beginnen, und gleich beim Kinde 'dessen Lachen und Sprechen zu bewahen und in richtige Bahnen zu lenken. Ein Kind soll vor Allem so bald als möglich deutlich sprechen, nicht spe chen" statt sprcchen. slafen" statt schlafen u. s. w. sagen. Ferner achte -man darauf, daß das Kind nicht zu 'laut, aber auch nicht schüchtern leise, nicht stotternd oder sich überstürzend spricht. Man wiederhole ihm seine 'Worte in normirter Sprachweise und 'lasse dies nachsagen, man beantworte eventuelle Fragen des Kindes nicht, wenn es sie schreiend oder quicksend hervorstößt. Man kurire das Kind in .-Geduld und mit sanften Ermahnun'gen, immer auf das Unschöne seiner Ausdrucksweise hindeutend. Man kann, sich mit ihm necken und fröhlich mit ihm sein, und ihm dabei doch beeisen, daß ein unartikulirtes Sprehen in keiner Weise zum wahren Vergnügtsein gehört, daß Fernstehende sich Toofcl an seiner kindlichen Fröhlichkeit, nicht aber. an seinemSchreien erfreuen. Die Pflege der Stimmmittel erfordert keine große Mühe, sie macht sich spielend, wenn die Lehrenden mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn aber Vater und Mutter beständig in ho'hen, schimpfenden oder brummenden "Tönen zu dem nachahmungsfleißigen Jlinbe sprechen, so kann dieses nicht ein anderes Gefieder zeigen, als das an'ererbte. Es wird schon als Kind stän'dig brummig oder keifend zanksüchtig 'scheinen und niemals des hohen Gutes der Menschheit, des klangvollen, schönen Organs theilhaftig werden, da5 ihm ein 'Sesam, ösfne Dich!" für alle 5er?en bietet. . Boshafter Vorschlag. Was soll ich nur dem 'Dichte: Sckmierling zum Namenstage schenTen?" Schenken Sie ihm einen Pa pierkorb mit der Aufschrist: Dichter-r;ci!"

Z)ie Kölner yorvurgen. Es war gegen Ende des 12. JahrHunderts, als das unter der Herrschast der edlen Geschlechter mächtig empor geblühte Köln mit dem Bau einer neuen, die bis dahin noch ungedeckten Vorstädte miteinschließenden Befestigung begann. Die Stadt hatte um diese Zeit bereits harte und andauernde Kämpfe um ihre Unabhängigkeit zu bestehen, sah bei dem wilden, die Entwickelung des Reiches hemmenden Parteihader einer unsicheren Zukunst entgegen, und deshalb konnte es sich bei dieser VertheidigungZanlage. zu der die Bürger die Erlaubniß dem Kaiser gewissermaßen abtrotzen mußten. nur um eine große, alle Momente der damaligen Befestigungstechnik berücksichtigende Schöpfung handeln. Die mit Zinnen, Schießscharten und Wehrgängen versehenen Ringmauern wurden von zahlreichen massiven Wartthürmen durchbrochen, gewaltige Thorburgen, jede für sich eine vollständig durchgebildete Festung darstellend, wehrten dem Feinde den Eingang, und an seinen Endpunkten am. Rhein erhielt der Mauergürtel, der an Höhe die

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Eigelsteinihor. den alten Stadtkern umgebende Römermauer bedeutend überragte, in den stolzen Bauten des Riehler- und Bayenthurms ganz besonders wichtige und dementsprechend construirte Befestigungspunkte. Daß die Bürger bei der Gefahr, die dem Kölner Gemeinwesen fortwährend drohte, es an Wachsamkeit nicht fehlen ließen, erscheint begreiflich. In der Nähe der Ulrepforte bezeichnet ein in die Mauer eingelassenes, dem 15. Jahrhundert entstammendes Hautrelief, eine Kampfscene darstellend, die !Stelle. wo im October des Jahres 1263 die Verbündeten des Erzbischofs .'Engelbert II. von Falkenburg unter Anführung des Herzogs Walram von Jülich durch Verrath in die Stadt einDrangen, von den Kölnern aber nach .hartnäckiger Gegenwehr zurückgeworJen und vollständig geschlagen wurden. .Mit den helmexen und mit swerden, (flogen sy ros ind man zo der erden," sagt Meister Gotfrid Hagen in seiner Reimchronik", jenes schwererkämpften Sieges gedenkend, den die Stadt mit dem Tode vieler ihrer besten Bürger. so , des tapferen Mathias Oder!stolz, erkaufte. Jahrhundertelang hatte das monumentale Befestigungswerk, der Stolz sind die Zierde der Stadt und das jäußere Kennzeichen ihres Reichthums, ihr in Stunden der Gefahr ausreichenden Schutz gewährt; was ein starkes jund mächtiges Geschlecht, das Bürgersreiheit über Alles schätzte, begonnen, !das setzten die Enkel fort; noch bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde tan den Mauern und Thürmen gearbeitet. Allmälig aber, unter den ver,try '.t'A rnJUL fl'S. Hahnenthor. änderten politischen Verhältnissen, schwand Kölns Bedeutung, die elf Flammen des Stadtwappens leuchteten nicht mehr in dem früheren Glänze. Tage des Niederganges kamen, und Colonia's eherner Panzer, die mächtige Ringmauer, gerieth in Verfall, bis sie im Jahre 1816 mit den neuen, nach dem Kriege von 1870 71 bedeutend erweiterten Festungsanlagen vereinigt wurde. Zu Anfang der achtziger Jahre pochte der Geist der Neuzeit an die alten Thore und Wartthürme Kölns, und zwar so energisch, daß man ihm die Pforten nicht nur weit öffnete, sondern sich auch beeilte, die Ringmauer niederzulegen, damit er ungehinderten Zutritt finde. Im Juni 1881 wurde in der Nähe des Gereonsthors die erste Bresche in den gewaltigen Mauerkranz gelegt, und das Werk, das sechs Jahr-, Hunderte hindurch allen feindlichen' Angriffen Trotz geboten, fiel dem Brecheisen zum Opfer, um Schöpfun gen der Neuzeit Platz .zu machen. Wenn man nun auch die alten Mauern ohne Bedauern schwinden sah. so wurden doch zahlreiche Stimmen laut, die auf die Erhaltung einzelner baulich werthvoller Theile der mittelalterlichen Stadtbefestigung drangen, und als der Beschluß gesaßt wurde, das Eigelstein-, Hahnen-, und Severinsthor sowie die historisch bemerkenswerthe Ulrepforte.. Bauwerke, die in ihrer charakteristischen Gestalt ein besonderes Anrecht auf Schonung erheben durften, nicht nur zu erhalten, sondern - auch in ihren ursprünglichen Formen wiederherzustellen, da begegnete dieser. Plan der Zustimmung fast der gesammten Kölner Bürgerschaft, die hierbei idealen Sinn und volles Verständniß für den Werth solcher- historischen Baudenkmale bekundete. Die Wiederherstellungsarbeiien, vor

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ernlgen Jahren unterLeitung des Bau raths Stübben, des Schöpsers der Kölner Neustadt, begonnen, haben mit der seit Kurzem beendeten Erneuerung des Sederinsthors ihren Abschlub gefunden.

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Severinsthor. Ein glücklicher Gedanke war eS auch, die Thorburgen als Museen einzurichten; eine schönere Bestimmung konnten diese interessanten, das mittelalterliche Köln in so eindrucksvoller Weise repräsentirenden Bauwerke nicht sinden. Und so sehen wir denn die wertbvollen naturhistorischen Sammlungen der Stadt m den hübschen Jnnenraumen des Eigelstein- und Severinsihors untergebracht, während das Hahnenthor, als historisches Museum, in einer Anzahl von Sälen reiche antiquarische Schätze enthält, die für den Laien diel Anziehendes bieten und dem Localforscher ein sehr wichtiges und schätzbares Studienmaterial an die Hand geben. Auch der allen Rheinfahrern wohl bekannte colossale Bayenthurm, der in den Fehden der Kölner Bürger mit den Erzbischöfen eine so hervorragende Rolle spielte, soll in nächster Zeit umgebaut, bezw. erneuert werden, um dann als Ausbewahrungsort für die reichlich vorhandenen Kölner Alterthümer zu dienen. Und in der That, eine würdigere Stätte konnte diesen Gegen.Ulrepforte. ständen zu ihrem Schutze kaum angewiesen werden, als dieser imposante Thurmriese, der sich mit seinen Zinnen in den Wellen des Stromes spiegelt und als Denkmal einer großen Vergangenheit den. Einwohnern der Stadt immer verehrungswürdig bleiben wird. Auf Kreta. Die Erwartungen, daß die Ernennung eines Christen zum GeneralGouverneur der Insel Kreta Ruhe und Frieden bringen würde, haben sich nicht bestätigt. Der grimme Haß zwischen Christen und Muselmännern hat wieder zu blutigen Kämpfen geführt und dem allgemeinen Aufruh: gegenüber scheint der General-Gouver-neur Georgi Berovitsch Pascha machtlos dazustehen, denn er wurde in seiGeorgi Berovitsch Pascha. nem eigenen Palast von den Muselmännern eingeschlossen. Berovitsch Pascha wirkte schon früher als Untergouverneur auf Kreta, wurde jedoch abberufen und mit der Regierung des Fürstenthums Samos betraut, die vor ihm Alexander Karatheodory, von den Türken Alezander Pascha genannt, geführt hatte. U n n 0 t h i g. Führen Sie nicht ein Tagebuch, Herr Studiosus?" Wozu? Alles für mich Wissenswerthe schreibt schon der Wirth aus!" Höchste Sparsamkeit. Verkäufer: Sie wünschen meinHerr?" Studiosus:. Geben Sie mir einen Papierkragen und einen Radirgummi zum Selbstwaschen!" Macht derGewohnheit. Herr (der im Jahrmarktsgedränge plötzlich eine fremde Hand in seiner Tasche fühlt): DaS Portemonnaie ist in der anderen Tasche, liebes Weibchen!" Jncognito. Von den Anecdoten und lustigen Erinnerungen, von denen der eben erschienene dritte Band der Erinnerungen des Generals Castellane wimmelt, sei nur die folgende kurz wiedergegeben: (Im Jahre 1857.) Der Konig von Württemberg befindet sich jncognito" in Biarritz. Die Poliz;i hat in das Hotelbuch eingetragen: .Graf von Fels. Beruf: Komg. Wohn ort: Württemberg."

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Eger. Den vom Norden Deutschlands mit dem Bahnzug nach dem Süden eilen den Fremdling fesselt hart an der Grenze, wo Nord und Süd sich scheiden, noch einmal, fast wie ein letzter Gruß, das ehrwürdige düstere Bild einer alten Reichsstadt. Vom hohen Eisenbahnviadukt aus, der sich über die in Rinnsalen zerfließende Eger spannt, sieht er sie plötzlich vor sich liegen mit hohen ragenden Thürmen, weithin glänzenden Thurmknäufen und kreuzen, dem Schlotqualm, der ewig über ziegelrothen Däehern und. hohen Dachgiebeln braut, eingefaßt von den grünen Wäldern des Egerthales und den anmuthigen Kuppen des Grün- und St. Annaberges. Eger ist ein klein Nürnberg in böhmischen Landen, ein Stück Mittelalter mit seinen altersgeschwärzten Mauern, das wohl einen Tag Aufenthalt zum Durchwandern und Betrachten feiner Sehenswürdigkeiten lohnt. Modernes Getöse empfängt uns noch unter den Eisenhallen des großen CentralbahnHofes, in den jetzt sechs Bahnen einmünden, zahlreiche exotische Gestalten tauchen aus dem Getümmel der Reisenden auf, deren Ziel wohl die nahegelegenen Badeorte Franzensbad, Karlsbad oder Marienbad sein mag. Der weite Platz vor dem Bahnhof ist mit Einspännern, Fiakern und Omnibussen besetzt. Es schlendert sich aber

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Marktplatz. weit behaglicher in die Stadt hinein durch die lange Bahnhosstraße, auf deren sonst ödem Grunde jetzt eine Menge Zinshäuser und Hotels aufgeschössen sind, seitdem Eger seinen mittelalterlichen Mauerring sprengte und der moderne Verkehr breit fti die alte Stadt hineinfluthet. Erst am Marktplatz, wo das Kaiser Joseph - Denkmal steht, faßt uns eine Art historischen Gefühls, wir stehen im Bannkreis einer alten Stadt. Der längliche Marktplatz, in den wir da hineintreten, basaltgepflastt, umsäumt von breiten Asphalttrottoiren, ist umstanden von alten rauchgeschwärzten Bürgers- und Patrizierhäusern mit breiten steil c.bfallenden rothen Ziegeldächern.. Fast jedes Haus hat seine Individualität, bald thurmförmig aufragend wie das Junkerhaus am scharfen Eck. bald breitspurig in massiver Fülle ausgeladen mit hohen Dachhauben, bald mit einem zierlich gothischen Portal schlank und kühn zum Giebel emporstrebend wie das Schirndingerhaus. Vielfach prangen farbige Wappen alter Edelgeschlechter an den Portalen, ein kleiner in sich zusammengekrochener Erker wächst hie und da aus der Wand heraus oder stützt sich putzig genug auf Säulen, wie im St'ockl" einer merkwürdigenHäuserinsel im unteren Theil SchiedingerhauS. des Platzes. Zwei alterthümliche Brunnensiguren, der Wast!" mit rostigem Speer und ein Alleman, der sich aus's Stadtwappen stützt, halten inmitten des Platzes Wacht. Der Marktplatz ist das Centrum der Stadt, hier herrscht der regste Verkehr, er ist die Stätte aller festlichen Aufzüge, Umzüge und Processionen. Schützen, Veteranen und Feuerwehr marschiren über das holperichte Basaltpflaster bei klingendem Spiel, hr krachen die Salven, hier stehen die Altäre bei der Fronleichnamsprocession und weißgekleidete Mädchen streuen Blumen oder tragen Fruchtkörbe und Aehrenbündel über den Platz wie am Vizenzitag. Unter dem Stöckl" tost an Vormittagen der Grünzeugmarkt in Ermangelung einer städtischen Markthalle. Hier ist der .Bauch von Eger". der Stapelplatz für alle ländlichen Erzeugnisse, hier kann man auch in unverfälschter Reinheit und Urwllchsigkeit den Egerländer Dialekt hören. Auf den Frcmden macht dies Leben, das unter einem so. alterthümlichen Häuserkranz sich abspielt, einen eigenthümlichen Eindruck. Die moderne Zeit räumt freilich auch äußerlich mit'den alten Häufern auf, insofern die mittelalterlichen breiten Eingangshallen, Höfe und Hausflure m große schimmernde Schauläden umgewandelt werden, die den ganzen Platz umgeben. Aus 'der dürftigen äußeren Architektur ragen theils durchihre Bauart, theils durch ihr Alter hervor das Renaissancege bäude des Rathhauseö (jetzt Kreisgerichtsgebäude) mit altem Gitterwerk an den Fenstern (nebenan daö durch eine Tafel angemerkte Schillerhaus"), dann das alte Stadthaus der Junker am scharfen Eck", das SchiedingerhauS mit prächtiger Fassade, endlich das Sparkassegebäude (an Stelle des Gasthofes zur Sonne", in dem Goethe regelmäßig abstieg) mit dem Rathskeller. Das eigentliche Reiseziel aller

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Fremden ist daS Stadthaus, Wallenstein Todeshaus, der Typus eines altegerischen Patrizierhauses. Aeußer. lich sieht es unscheinbar aus, nur daS

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Hof im Wallenstein-Stadt-hause. Stadtwappen über dem Thor zeigt an, daß hier die Gemeinde ihr Heim aufgeschlagen hat. Im breiten Hausflur ist rechts unter dem Junkerwappen der sogenannte Mönchsstein eingcmauert, der an eine alte Egerländer Legende erinnert, im Hof steh: alte Grabsteine an den Wänden, durch eine düstere Holztreppe an farbigen Fenstern vorbei gelangt man in den ersten Stock, wo jetzt das sehenswerthe, neu geordnete städtische Museum in fünf Zimern zu sehen ist, das mit seinen Trophäen aus der Vürgerzeit, seiner Eaerländer Bauernstube und sonstigen interessanten Gegenständen ein getreues Bild des Egerlandes m culturhlstonscher Beziehung vermittelt. Wie verlassen dies Haus, das jedem Besucher den Eindruck .einer historischen Statte hinterlaßt, und wandern durch Ue Gassen zu der altenBurg hinauf. Es ist die friedlichste Stätte, ein liebevoll gehegter poenscherRumenwinkel der Stadt, träumerisch gehüllt in das üppige Grün alter Rüstern und Kastanien, in Vogelsang und das Geschwirr der Schwalben, die den alten Bankettsaal der Hohenstaufenburg zu ihren Flügen ausersehen. Fernher nur tönt das Getöse der Stadt, das Knarren der Wagen, das Schlagen der Thurmuhren. . Hier hat man im Anblick des alten schwarzen Thurmes, der wunderbaren gothisch - romanischen Doppelkapelle, dem alten, mit hohem Gras bewachsenen Bankettsaal, wo Wallenstein's Officicre getödtet wurden, wahrhaft poetische Empfindun?u gi,vA T XJH C nMMMWW rä.v MMWWMA l Kaiserburg. gen; hier wird der Geist der Geschichte rege und. spricht aus den Ruinen. Wer mochte diese alten cyklopischen Lavablocke gethürmt haben? Welche Gegensätze gleich daneben in der feinen Gothik der Kapelle, in den zierlichen Formen derFenster des Bankettsaales? Und was rankt sich sonst noch an alten Sagen und Gestalten um diese Trümmer? Träumerisch wandeln wir in den mit feinem Sand bestreuten Alleen Blick in das prächtige Egerthal hin-' auswerfend, durch das sich, vom Fichtelgebirge hereinkommend, die junge Eger herabdrängt, vorbei an Wällen, Schanzen und Thürmen. Hier oben stehen wir am Ursprung und Ausgangspunkt der Stadt. Um den alten Thurm deß zehnten Jahrhunderts, um die Hohenstaufenbauten hat sich allmälig die mittelalterliche Bürgerstadt, Alteger mit ihren Marktplätzen, Kirchen, Rathhäusern, Patrizierhäusern, Schanzen, Stadtmauern, Basteien, Thürmen und Thoren gebildet. DiesesAlteger, das wir bis jetzt durchwandert, ha! heute schon viel von seinem alten Reiz verloren. Die alten Stadtmauern sind gefallen, die alten Thore gebrochen, die Stadtgräben sind a''sgeschüttet, um neue Stadt- und Villenviertel, wie am Theaterplatz, erstehen zu lassen. Reste von alten Festungsmauern sieht man heute noch durch die Garten schleichen und einige geschwärzte Thürme an der Eger erinnern noch an die mittelalterliche Stadtbefestigung. ' Die neue Zeit hat unaufhaltsam die alten Mauerringe gesprengt, und so ist Neueger entstanden . In R e u - E g 5 r. mit seinen breiten Straßen und modernen Häusern und Villen. Rührig hat die Gemeinde in den letzten Jahren an der Modernisirung Egers gearbeitet, ohne den althistorischen Character anzutasten: neue Asphaltirung -der Stadt, Wasserleitungen, Schulpaläste, Turnhallen, Theater, Kasernen, Schlachthäuser, neue Parks und Anlagen erstanden um die alten Basteien und brachten jene Cöntraste zwischen Alt- und Neu-Eger hervor, die den Fremden heute überraschen und bewei sen, daß Eger, obwohl es jahrelang historisch träumte, doch die Forderngen der Neuzeit verstanden und nicht zurückgeblieben ist. Ein Gang um die Stadt, den Theaterplatz mit seinen Villen, um die Schanzen wird jedem diese neueste Epoche in Egers Entwicklung veranschaulichen. Bevor wir Eger verlassen, besuchen wir noch die renovirte Erzdekanatkirche, die nach vierjährigen Arbeiten heute eine weitere Sehenswürdigkeit Egers geworden ist ür.d mit ihren D:ckengem'älden, farbi-

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gen Fenstern, neuen Altären, ihrer Orgel die schönste, durch Alter und, Bau art hervorragendste Hallenkirche des westlichen Böhmens genannt zu werden verdient.

Zum Schutze von New Vork. Nur getheilte Zustimmung seitens diesbezüglicher Autoritäten unserer Armee und Flotte findet der Plan des Congreßabgeordneten Israel F. Fischer von Vrooklyn. bei Romer Shoal drei stählerne Panzerdrehthürme mit je zwei Geschützen zu errichten, da der betreffende Punkt strategisch für ungemein wichtig dehufs Vertheidigung der Einfahrt zum Hafen von New Jork von Sandy Hook her gegen feindliche Schiffe erachtet toird. Derartige Parizerdrehthürme existiren bereits anderswo, so z. B. bei Spithead in der Nähe des Hafens von Portsmouth und an verschiedenen Punkten der französischen Küste. Der Zweck der Errichtung solcher Panzerthürme bei Romer Shoal liegt auf der Hand. Dieselben würden den Gedney's Canal, den Hauptschiff fahrts - Canal. und den Swash Canal controliren und jeder feindlichen Flotte die Einfahrt in den Hafen von New Dork unmöglich machen. Die Herstellungskosten für die Thürme und deren Armirung dürften sich möglicherweise mit Zugrundelegung der zur Zeit für Panzer-Drehthurm. . Panzerplatten und Geschütze üblichen Preise auf $5,000,000 beziffern. Dem gegenüber bezeichnen hervorragende Marineofficiere es als absurd, daß eine eventuell mit den Ver. Staaten im Krieg befindliche Macht jemals den Versuch machen würde, New Fork von Sandy Hook her anzugreifen, fo lange dies von einer anderen Seite viel leichter und mit geringerem Risiko geschehen kann, so z. B. vom Long Island Sund aus. Um der Möglichkeit eines erfolgrei chen Angriffs einer feindlichen Flotte auf New Fork vom Long Island Sund her vorzubeugen, hat man denn auch bereits in zuständigen Kreisen die Anlage starker Vertheidigungswerke bei Hell Gate m's Auge gefaßt, für den Fall, daß es der feindlichen Flotte oder einzelnen Scbiffen derselben gelingen sollte. Willets Point zu passiren obwohl eine solche Möglichkeit ebenfalls so gut wie ausgeschlossen zu sein scheint. I m Symphonie Concerr. Tochter (beim Adagio): Jetzt drückt Beethoven in seiner Musik die wehmüthige Sehnsucht nach dem verlorenen Glück aus!" Mütter (beim laosws): Das ist jetzt die Klage über das traurige Merschenloos!" (Der folgende Theil wird durch einige Paukenschläge eingeleitet.) Vater: Und jetzt wird frisch angezapft!" Er kennt sie. Vater: Na, da habt ihr meinenSe-. gen, Kinder! . Behandle ihn gut, Bertha !" Anerkennung. Hauptmann: Na, Herr Lieutenant Müller, sind Sie mit Ihrem neuen Burschen zufrieden?" Lieutenant: Herr Hauptmann, besitzt beinahe Menschenverstand!" Correctur. Dame: Gestern, Herr Lieutenant, soll ja der Sekt in Strömen geflossen sein?" Lieutenant: War nich' gar so arg, aber um kleine Mühle zu treiben, dazu hätt's gelangt!" Naiv. Bräutigam: Das will ich dir heute schon prophezeien.eine Köchin halte ich nicht, wenn wir verheirathet sind!" Braut: Ach. das ist reizend ... wir werden also jeden Tag im Restaurant speisen!" Erklärlich. ...Mit unbegreiflich, wie das schöne Geld, welches mein Bruder erbte, so schnell zusammenschmolz!" Gar nicht anders möglich, liebe Nichte, wenn man stets ein paar Flammen" und täglich einen Brand" hat!" .

Die Schnabcllocomotwe.

Man macht in neuester Zeit überall eifrige Versuche, die Fahrgeschwindiz keit der Eisenbahnzüge zu steigern, da die - bisherige Schnelligkeit unserer hastenden Zeit nicht mehr genügt. Verstärkung des Oberbaus und schwerere Maschinen galten bisher als dieHauptmittel, eine größere Fahrgeschwindigkeit zu erzielen. In Amerika ist man zuerst auf den Gedanken gekommen, , zur Verminderung des die Fahrt ver' langsamenden Luftwiderstandes die Locomotive vorne mit einer Pflugscharähnlichen Vorrichtung zu versehen. Solche Maschinen nennt man Schnabellocomotiven, und bei diesen Maschinen ist, wie unser obenstehendes öild Eine Schnabellocomotive. zeigt, die Vorderseite durch eine unter 45 Grad gegen den Kessel geneigte, schieß Fläche verkleidet, welcher die Luft weit weniger Widerstand entgegensetzt, als senkrechten Flächen. Auch der Schornstein und Dampfdom wurden durch fortlaufende Flächen oerbunden, überhaupt cille senkrechten Vorsprünge der Maschine mit schiefen Ebenen versehen. Durch mehrjährige' Versuche wurde festgestellt, daß solche Schnabellocomotiven bei einer Kohlen ersparniß von durchschnittlich 4 bis 5 Procent eine höhere Geschwindigkeit erreichen, als die bisherigen. Bei einem Zuasaewicht von 120 Tonnen beträgt die Verminderung deö LuftWiderstandes 9 bis 10 Procent. Me ElcktrisiruNgsmethode. Schon um die Mitte .des vorigen Jahrhunderts beschäftigte man sich infolge der Entdeckungen Franklin's und Anderer auf dem Gebiete der Elektricitätslehre allgemein mit dieser geheimnißvolkn Nawrkraft. Nicht nur die Gelehrten richteten ihre Aufmerksamkeit auf diesen neuen Zweig der Naturlehre. sondern auch an den großen und. kleinen Fürstenhösen der damaligen Zeit galt es, als standesgemäß". sich mit elektrischen Studien und Experimenten zu befassen. Unser Bild versetzt uns in eine soeben damit beschäftigte vornehme Gesellschaft und veranschaulicht uns gleichzeitig eine der damals üblichen Methoden der Elektricitätserzeugung. Einer der Herren dreht in der Mitte das großeSchwungrad einer Guöricke'schen Elektrisirmaschine und versetzt dadurch eine große Schweselkugel in rasche Umdrehung, Beim Elektrisiren. welcher der links stehende Cavalier Elektricität entlockt, indem er seine rechte Hand, die vorher sorgfältig getrocknet wurde, dagegen drückt. Diese eigenthümlich erzeugte Reibungselektricität nimmt ihren Weg durch den Körper eines Mannes,' den wir über dem Apparat auf einem Brette liegen sehen, das mittels seidener, von der Decke herabhängender Stricke gehalten und zugleich isolirt wird. Dieser läßt weiterhin den elektrischen Strom durch einen mit einem Ringe versehenen Metallstab über dem Kopfe der , rechts sitzenden Dame ausstrahlen, wodurch deren Haare angezogen werden. Durch den Körper dieser Dame fließt dann der elektrische Strom in die Erde ab. Die Wirkung der Elektricität sollte durch diese Art von isolirter Körperstromleitung erhöht werden, und in der That wurden auch durch diese primitive Elektrisirungsmethode manche merkwürdigen Heilerfolge erzielt. Vorgebeugt. a . . . .Also glücklich verheirathet, alter Freund; ... na, laß Dich nur nicht unter den Pantoffel kriegen!" Wa denkst Du hin! Ich hab' mir gleich zehn Hausschlüssel machen lassen!" Der C i v i l w e g. Richter: Schadenersatz können wirJhnen nicht zusprechend Den müssen Sie sich au dem Civilwege zu erstreiten suchen." Zeuge (Bäckermeister): Schon; dann werden einstweilen die Semmeln kleiner gebacken!" - ,

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