Indiana Tribüne, Volume 20, Number 154, Indianapolis, Marion County, 21 February 1897 — Page 7
Sein letzter WasKenvass. Humoresse von C. Crome-Cchwienig. Emil Flott hatte seinem Namen immev Ehre gemacht: Er war ein flotter Kaufmann, hatte als Junggeselle recht flott gelebt und war. als er seine Anna kennen lernte.flott hineingesegelt in das Meer der Ehe. Und diese Ehe behagte ihm recht gut. Sein Weibchen, als die Tochter eines Leipziger Rentiers, der einmal einen Theil vom großen Loose der sächsischen Lotterie gewonnen hatte und klugerweise die Summe zu Grundstücksspeculationen zu einer Zeit benutzte, als in der Pleißenstadt daran noch recht ansehnlich zu verdienen war sein Weibchen also hatte ihm eine hübsche Mitgift zugebracht und da Emil's eigenes Geschäft sich auch rentabel erwies, so lebten die jungen EheZeüte einen guten Tag". Freilich, an dem Himmel ihrer Ehe hingen auch Wolken. Und die beschwor Emil höchst leichtfertig selbst herauf; denn er versuchte so mancherlei kleine Freiheiten, die dem Junggesellen gestattet waren, auch in seine Ehe hineinzuschmuggeln und das paßte seinem jungen Weibe, die ihren Emil von ganzem Herzen gern hatte, ganz und gar nicht. Zu diesen Freiheiten gehörte der Besuch der alljährlich im Fasching im Krystallpalast und in der Centralhalle stattfindenden großen Volksmaskenbälle. Emil Flott hatte während seincr Junggesellenepoche keinen derselben versäumt und als Ehemann hatte er sich in den beiden letzten Jahren ebenfalls heimlich unter allerhand Vorwänden dahin zu stehlen gewußt, um, in einen Domino gehüllt, dem ganzen Zauber des Maskenlebens sich hinzu geben. Natürlich traf e? zur späten Stunde gleichgesinnt Freunde und die Maske verschwand von dem fröhlichen Antlitze Emil's. Ebenso natürlich war es. daß zw?i Tage später Frau Anna ganz genau von dem Maskenballbesuche ihres Gatten wußte. In Leipzig schrieen eben die Spatzen Alles von den Dächern herab. Freilich haben in den meisten Fällen diese Sperlinge Her-1 ren- oder Frauenröcke an und siken
nicht auf den Dächern, sondern an den Stammtischen und in den Wohnstuben. Genug der letzte Fasching war wieder da und an den Plakatsäulen der guten Stadt prangte wieder die Affiche des Nrystallpalast - Maskenballs. Schin acht Tage zuvor zuckte es Emil in den Füßen, wenn er die weibliche Figur auf der Affiche sah und als der Tag des Maskenballs heran nahte, da stand es so fest bei ihm. wie der Schmutz auf den Leipziger Straßen: Du gehst hin und müßtest. Du Dich mit Gewalt von Haus loseisen!Diesmal gebrauchte er wenigstens einen plausiblen Vorwand. Er brachte einen Geschäftsfreund Mittags mit zu Tisch und schützte eine Reise nach Halle mit diesem vor. Frau Anna machte ein ungläubiges Gesicht, aber sie schwieg. Und wann kann ich Dich zurückerwarten?" Wir werden den letzten Zug erst benutzen können." meinte der wohlinstruirte Geschäftsfreund. Nun. ich werde Dich dann jedenfalls nicht mehr erwarten, sondern mich zur gewohnten Zeit schlafen legen,sagte die junge Frau lächelnd. Jetzt aber erinnere ich mich, Emil, daß ich Deiner Schwester einen Besuch zuge sagt habe. Also gute Geschäfte in Halle, meine Herren!" Und damit zog sich Frau Anna zu.ruck. Na," meinte Emil ganz glückstrah'end. habe ich nicht eine famose Frau? Keine Idee von einer bösen Ahnung. Die schläft morgen bis in den helllichten Tag hinein, indeß ich mich mit Morgengrauen hübsch sachte heimstehle. Aber jetzt muß ich meinen Frackanzug in's Geschäft schaffen lassen. DaS ist auch so eine feine Praktik von mir. Ehe ich heimkomme, gehe ich bei meinem Comptoir vorbei, ziehe mich um und kein Mensch ahnt meine Frackmetamorphos5. Morgen zu' gelegener Zeit, wenn meine Frau im Kaffeekränzchen ist, bringt mein Lausbursche ihn hierher zurück. So jetzt noch einen Cojmac sine Champagne auf den Kaffee und dann kommen Sie, edler Geschäftsfreund!" V Er. ging in sein Comptoir, aber er konnte kaum die Zeit erwarten, bis der Abend Herannahte.' Und zu derselben Zeit, da Emil von den farbigen Freuden des heutigen Maskenballes träumte, stand seine junge Frau sehr erregt vor Frida, seiner Schwester: Dem Bruder betrügt mich!" .Oho!" Ev hat mir eine Comodie vorye spielt er müsse mit einem Geschäftsfreunde, den er zu Tisch mitbrachte, na alle. Aber ich habe nicht umsonst die Maskenball-Ankündigung in den Blättern verfolgt. Heute ist der Maskenball im - Krystallpalast. Und Emil iri dort ich fühle es ' Unmöglich!. ... Ich ahne es so so nem, ich weiß es bestimmt und das leid' ich icht. hörst Du!" , Er wird nicht gehen!" Er wird! Aber weißt Du meinen Entschluß: Ich gehe auch!" . Du!" rief Frida entsetzt. Ich und Du mit!" Frida sh die hübsche erregte Schwägerin ganz erstaunt an. Wie?" xkcf sie Auf ewen solchen Lolksmas!call? Du weißt nicht, was Du redest, t rächen!" Ach was! ÜLWr costümiren und mas kiren uns! Da UrM unö keine " Aber es soll nicht fein dort zuge hen " Frau Anna hclxi're Hand. Nicht fein? De Erste, der mir gegenüber zu frei erhielte eine 5l?.tschend, Olzrf''" . ,
Du wirst einen Skandal hervorru fen!"
Q. nickt dock. Wir aeben nur durch die Säle. Finden wir Emil nicht, so gehen wir still wieder nach Haus und Du sollst das Recht haben, mich eine eiserjuchtige Thorm zu schelten. Aber die Costüme?" Meine Schwester und ick baben ein mal einen Glocken - Maskenball in gleichem Costüm Gretchentracht mitgemacht. Sie hangen bei mir im Schrank. Du bist von dieser Statur, Frida Masken erhalten wir für ein paar Mark also V Nun, meinethalben," gab Frida nach aber nur, um meinen Bruder von einem Verdachte zu reinigen, der selnev und Demer nicht würdig ist. Aennchen! In allen Räumen des weitläufigen Etablissements rauschende Musik, em wogender Menschenstrom, ein DurchL Wl I L 4 emanoer von asilrien und linmas kirten, von Dominos und Costümen. Die goldene Jugend und die rüpelhafte Juaend in Leipzig decken sich Wie überall manchmal diese Begriffe War natürlich unmasklrt erschienen. Die Qualität der weiblichen Masken war Null und unter Null und die Art des Betragens jenev diesen gegenüber entsprach völlig dem sittlichen Nullpunkte. Da konnte es nicht fehlen, daß um die zehnte Stunde zwei Masken in hübschen Gretchen - Gewändern, beide etwas scheu und befangen auftretend, alsbald allgemeines Aufsehen erregten. Unter denen, die diesen beiden Masken auf Schritt und Tritt folgten, befand sich auch ein braunseidener Domino, mit einer Gesichtsmaske, die einen struppigen Bart unter der falschen Hakennase auswies. Die beiden Damen schienen sein besonderes Interesse geweckt zu haben. Jetzt hatten sie die Mitte des blauen Saales erreicht, da flüsterte der Domino der schlankeren der beiden Gretchen" in's Ohr: Schone Maske Du lockst mich mächtig an. Möchtest Du nickt ein Gläschen Sect mit mir trinken?" Die angeredete Maske stutzte so plötzlich und auffällia. daß ein Ande rer Argwohn geschöpft hatte. Aber der braune Domino fuhr eifrig fort: Geh' laß Deine Gefährtin nur schwimmen die mag sich einen anderen Begleiter suchen. Komm Du mit mir, kleiner Schäker." Und er versuchte, seine Arme um ihre Taille zu legen. In demselben Augenblick aber blitzte es in den Augen, die unter der Maske sichtbar wurden, seltsam auf, eine Hand hob sich und eine fchallende Ohrfeige klatschte auf das Antlitz des braunen Dominos" nieder, so heftig wirkend, daß die Maske sich von dem haltenden Bande löste und Emit Flott's hübsches, aber in diesem Augenblicke unendlich verdutztes Gesicht sichtbar wurde. Die so energische Maske schten einen Augenblick zu wanken und große Lust zu haben, dem ersten Attentate auf unseres guten Emil linker Backenhälfte ein zweites folgen zu lassen allein ihre Begleiterin riß sie schnell hinweg. Der Vorfall war nicht unbemerkt geblieben Gmppen von Masken beiderlei Geschlechts drängten sich heran und starrten mit nicht eben höflichen Witzen auf Emil, 'der sich durch die Menge wand, um im Goldenen Saale bei einer Flasche theuren und nur leidlich trinkbaren Weines seinen Groll über solch' unwürdige Behandlung zu verscheuchen. Die Fluthwellen der herzudrängenden Masken hatten auch die beiden Gtttchen- verschlungen. Glücklich dem Gewühl im Blauen Saale entrönnen, eilten sie die Treppe hinunter und trotz des aufmunternden Zurufes des bärtigen Portiers: Nanu, Sie wollen doch nicht schonst gehen, meine Damens jetzt wird's ja erst hübsch oben!" eilten sie aus dim Etablissement und bestiegen eine Droschke, die schnell mit seiner geheimnißvollen Last sich entfernte. Emil hatte sich in sein Ungemach schnell gefunden. Eine nette Maske mit heftig rothblondem Haar hatte sich bereit gefunden, mit ihm eine Flasche Sect zu trinken. Als die Zweite von dem Kellner auf den Tisch gestellt wuvde. hatte sie die unverantwortliche Künheit. ihre Maske zu lüften und ein feistes, stark geschminktes und arg verblühtes Antlitz sah mit frechem Lächeln zu Emil auf. Donnerwetter diese fatale Ähnlichkeit mit der Köchin eines bekannten fashionablen Restaurants im Innern der Stadt Emil ließ die Rothe bei der Flasche Sect sitzen und ' verduftete. Heute hatte er Pech gründliches Pech! Die Laune war ihm vergangen gründlich vergangen. Ohrfeigen zur rechten Zeit haben ' eine erzieherische Wirkung. Ich hebe Rowdies in Glac6s gesehen, die nach einer gut hannoeschen Maulschelle plötzlich lernten, außerordentlich artig und hoflich , sich für ihre Rüpeleien zu entschuldigen. Die yhrfeige von der kleinen vunden. Hand der Unbekannten hatte auch auf Emil ejne eigenartige Wirkung. Ihn widerte plötzlich das unfeine Treiben um ihn herum an. Er empfand Sehnsucht nach Hause. Immerhin war es fast zwei Uhr geworden, als er den loblichen Entschluß faßte. Er gab seinen Domino dem Bermiether . zurück und fuhr heim. Seme kleine Fron schlief ja längst weshalb heute erst denn noch . in das Geschäft und. den Frackanzug mit dem täglichen vertauschen?, Sein Kleiderschrank war ja gut bestellt also! . Leise öffnete er die Corridorthür. Alles still. Leise klinkte er die Kammerthür auf, um im nächsten Moment mit allen Zeichen grenzenloser Bestürm zung aus der Schwelle stehen zu blel den. Auf der Chaiselongue lag eine EMU vöv im .e'b jn ieich
ten Negligöe seine Gattin und schritt
mit ernster Miene auf ihn zu. Woher kommst Du. Emil?" Ein verlegenes Räuspern. Dann ein noch verlegeneres: Na, Du weißt a von Halle! Im Frack?" Hm! Hm! Hm! Worte kommen in solchen Situationen gemeinhin schwer von den lppen. Du warst im Krystallpalast?" AVer, Anna Aennchen. wie kannst Du das glauben!" Die junge Frau klatschte in die Hände. Die Seitenthür öffnete sich und ein Gretchen, maskirt. trat über die Schwelle. Emil glaubte vor Scham und Reue m die Erde sinken zu müssen. Gestehst Du ein?" Ja ja ich bin ein Narr ein tausendfältiger Narr ich habe meine Strafe schon davongetragen. Nicht von ihr doch von mir!" .Du warst es?" Ja, und Frida war bei mir!" Jetzt löste das Gretchen" auf der Schwelle die Maske und zeigte :hm das bekannte Gesicht der Schwester,. Du solltest Dich schämen, Emil!" Ich glaube nicht, daß die nächste Stunde für lhn eme sehr freudenvolle geworden ist. Aber es muß ihm doch gelungen sein, seine kleine Frau zu besänftigen, denn am folgenden Sonntag waren sie Beide höchst einträchtig und friedlich nach Eutritzsch zur Gose gewandert. Gestern begegnete mir Emil. Er gehört zu meinen Bekannten. Na, Sie Sausewind," scherzte ich. Seien Sie froh, daß der Aschermittwoch da ist Sie waren ja doch wie der überall, nicht? Ghen Sie denn noch immer auf alle Maskenbälle?" Und da hob er plötzlich feierlich die Hand und sagte ernst: Nie wieder!" Bimsstein auf dem Toilcttcn-Tisch. Der hohe Nutzen des Bimssteins, welcher von so vielseitiger Wichtigkeit als Polir-, Schleif- und Radirmittel geworden ist und, mit Seife gemischt, auch ein sehr wcrthvolles ReinigungsMittel für gar manche schwielige Arbeitshände bildet, scheint noch eine weitere Bereicherung zu erfahren. Neuerdmas wird nämlich der Bimsstein auch als Mittel gegen Hühneräugen angelegentlichst empfohlen, sowohl zur Beseitigung solcher, wie zur Verhinderung des Aufkommens anderer solcher vielverwünschten HautÄZerHärtungen. Von angeblich sehr ersahner Seite wird darüber u. A. geschrieben: Es wäre eine große Wohlthat für das an diesem Uebel leidende, zahlreiche Publikum, wenn es einen ernstlichen Versuch mit dem Bimsstein machen wollte. Das Geschäft der Chiropodiften" freilich würde dabei eine stellenweise Schädiauna erfahren. Der Bimsstein sollte zur unentbehrlichen Ausstattunq des Toiletten - Tischchens jedes männlichen und weiblichen Wesens gerechnet werden. Um ihn für die Hühnemugen zu benutzen, wähle man die Zeit nach dem Fußbad; (die Füße sollten überhaupt, auch ohnedies, jeden Tag gebadet werden und zwei mal in der Woche mindestens eine halbe Stunde lang m möglichst warmem Wasser bleiben.) Nachher reibe man die Füße 'erst lebhaft mit einem rauhen Handtuch, und nunmehr reibe man mit dem Stem nicht dem Pulver davon die ganze Fußsohle und die Ferse und zuletzt noch die Zehen, wobei alle härteren Stellen besonders gründlich bebandelt werden sollten. Wird diese Behandlung einen Monat hindurch bebarrlich fortgesetzt, so ist weiter gar nichts erforderlich. Falls bei Beginn der Behandlung Hühneraugen, und zwar schon stark entwickelte, vorhanden sind, mögen diese etwas geschnitten werden. Im Uebrigen sollte man das Schneiden thunlichst vermeiden, er Stein kann bei jedem Apotheker für 5 odev 10 Cents gekauft werden und reicht Monate lang. Nebenbei läßt er sich, für, die Sande benutzen, um z. B. Tinten- oder Obstflecken zu entfernen oder rauhe Stellen an den Fingerenden glatt zu reiben. Merlwürdig. Der Weg zum Herz' des Gatten, Man weiß es längst genau. Führt oft. durch seinen. Magen, Bedenk' das, junge Frau. Jedoch der Weg zum Magen Geht durch der Köchin Herz, Du merkst es. bald treibt mit ihr Gott Amor seinen Scherz. jßr kann recht haben! Senne?: Guat'n Morg'n in der Fruah! Aufwärts ja? Städter: Jawohl, gut'n Morgen. Wie weit ist es denn noch bis zur Almhütte?" Senner: A guate Stund." Stad ter: Ist denn auch Jemand oben?" Senner: Ja, a paar herrische Damen und a paar damische Herrn." M i l d h t x z t a. Johann, was haben wir für Wetter diesen Morgen? . Kalt Herr, sehr kalt. Ist das Wasser gefroren? Ja, Herr, hart und fest. Da müssen wir den Scheffel Kohlen um zwei Groschen theurer verkaufen, Gott helfe den Armen! Ausgeglichen. Dame : Aber, lieber Doctor, wie konnte nur der Baron dte Tochter des reichenHolzhändlerS heirathen?" Doctor: Na, ganz einfach! Sie hat die Baumstamme und er den Stammbaum!" ModerneErziehung. Vater: Ja, kennst Du nicht einmal die Seiden-, Leinen- und Baumwoll fäden?" Tochter: Nein, Papa, wir haben bisher nur von den Staubfäden der Blumen Näheres .hört.-.
Carnival am Srmoko.
Ein Culturbiid von Friedrich I. Pajekkn. Schon am 29. Dezember nimmt in den Städten und Ortschaften an den Ufern des majestätischen Stromes der Mummenschanz bei dem niederenÄolke seinen Ansang. Es nennt den Tag: El dia de los locos" (Narrentag), und kesonders in den Ortschaften oberhalb Ciudad Bolirars 'Angostura) ist dann zede Narrheit nicht nur erlaubt, sondern es wird sogar streng darauf gesehen, daß sich alle daran betheiligen. Vom frühen Morgen an durchzieht singend, lachend, musizierend, lärmend und gegenseitig mitrinander Kurzweil treibend, das Volk die Straßen, bis gegen Mittag die fast senkrecht mit verheerender Gluth vom klaren, wolkenlosen Himmel herniederprallenden Strahlen der Sonne der heiteren Tollheit ein Ziel setzen und alles in die kühleren Behausungen scheuchen. Am Nachmittag finden gewohnlich TorW (Stierkampfe) statt, welche in Venezuela nicht in jener scheußlichen Weise wie in Spanien, sondern äußerst harmlos betrieben werden, indem ein an ttx Seite des StitreZ herjagender Reiter jenen am Schwänze packt und niederwirst, was eine große Gewandtheit und Festigkeit im Sattel erfordert. Am vierten Weihnachtstage werden auch, diese Stierkampfe" in's Lächerliche gezogen; schon der Name Toros de los locos" (Narrenstierrampfe) deutet es an. Statt der muthigen Pferde, welche bei solchen Gelegenheiten sonst den Reiter tragen, werden Esel benutzt, und die Stiere selbst sind schwächliche, zahme Thiere, die nie den Versuch machen, sich gegen ihren Angreifer zu wenden und dadurch ttssen Geschicklichkeit im Reiten herauszufordern. Das Gewoge der sick nun abermals im hellen Sonnenglanze tummelnden, jauchzenden, schreienden und lärmenden Menge in ihrem Fliterstaat und ihren buntfarbigen Gewändern, unter denen die grellfarbigen Kleider der' grauen und Madchen der untern Volksschichten hauptsächlich hervorleuchten, bietet mit dem tiefblauen Himmel und dem saftigen, vielfarbigen Grün der üppigen Vegetation ringsumher ein ungemein lebhaftes, fesselndes, dem Gedächtnisse sick unver geßlich einprägendes Bild, während ver uoerprudelnde Frohsinn der tol len. närrischen Menge auf jeden, selbst den nüchternst denkenden Mcnfc&en ansteckend wirken muß. Wenn die Sonne zur Rüste geht, versammelt sich alt und zung in verschiedenen Behausungen, und Ballfeste beschließen den Narrentag." Zwei Tage später beginnt in der Neujahrsnacht der Mummenschanz bei ocm nieoeren jüouc aus's neue; verkleidet betritt e5 die Säuser der woblhabenden Familien , und .führt dort Tänze und Gesänge auf, wofür eS TTi...: r V!. i ,.ir" V uiu v?ycir, uic qaupijacgilCO aus dem . beliebten - Nationalgericht ' am Orinoko, ' den Ayacas". . einer Art Fleischpasteten, besteht, und Trank belohnt wird. Unter den Mädchen in der Stadt versteht es die junge Genara am besten, dabei die Blicke der ' Caballeros" auf siazu lenken. Noch vortheilhafter kommen , beim Tanze ihre schlanken Glieder in dem enganschließenden, hellen Kattunkleide zur Geltung; neckisch schauen die nachtschwarzen, großen Augen unter den schc-rf-. gezeichneten Brauen aus dem hcll-' braunen, hübschen Antlih hervor, roährend ein schelmisches Lächeln ihren kleinen Mund umspielt und sie bl?weilen das am Hinterkopfe mit einem feuerrothenVande zusammengeknüpfte. lang herabwallende, schwarze Haar mit einer graziösen Bewegung ihrer zierlichen Hand in den Nacken wirft. Kleine, nackte Füße werden unter dem Saume ihres Kleides sichtbar, das in eme lange Schleppe auslauft. Genara allein hat, es verschmäht, sich wie ihre Gefährten und Gefährtinnen unkenntlich zu verhüllen. Die Musik bei diesen Tänzen des Volkes besteht aus Gesang, bei welchem Worte und Melodie äußerst geschickt improvistrt , werden, begleitet vom Cinco", einem einer Guitarre ähnlichen Instrument, nur bedeutend klemer. und den Marracas", einem Nationalinstrumente Venezuelas, mit dem zischende Töne hervorgebracht werden. Im Januar beginnt in den Städten der Mummenschanz für die Herrenwelt. für die Caballeros." Abends, wenn der Chuvasco", jener kurze Zeit orkanartig den Fluß vom Meere heraufbrausende Wind labende Kühlung gebracht hat, besuchen sie allein oder mit mehreren vereint, verkleidet und daS Gesicht maskirt. die ihnen befreundeten Familien.- Mit . hoher Fistelstimme wird geredet.und alles aufgeboten, sich nicht zu verrathen. Manches Wort, das bis dahin im Herzen verborgen blieb, wird' dann gesprochen und dadurch die Neugier mancherDame auf daS Höchste gesteigert. Wie die Natur in, der tropischen Vegetation mit ihrer üppigen, leuchtenden Blüthenpracht und staunenerreqenden 'Mannigsaltigkeit der Blatt-, Baum- und Buschgestaltungen! bei der Vogelwelt an Farbenreichthum des vefieders so Herrliches hervorbrachte, so leistet sie gleich Herrliches in ihrer vollkommensten Schöpfung. derSchönheit des Weibes. Ja. schön sind sie: diese heißblüthigen Kinder der Tropen schöner noch, wenn wie in jenen Januarabenden vor gespannter Erwartung, vor Luft und Frohsinn ihre gro ßen, dunklen, mandelförmigen Augen Aufblitzten, ein sanfteö Roth die Mangen erglühen läßt und die blendendweißen Zähne zwischen den zu heiterem Lachen sich öffnenden, schwellenden Lippen hervorleuchten. Vorwärts eilen die Herren, die nur zu rasch dahinjagende Zeit ousnutzend, von eine: Wohnung zur anderen, hier kürzer, dort länaer verweilend, 'am
längsten in dem gastfreien Hause Don Miguels, der vier hübsche Töchter sein eigen nennt. Und von diesen ist es die jüngste Tochter Nievesita. der alles, überwältigt von ihrem Liebreiz und ihrer Schönheit, huldigend zu Füßen liegt. Aschblond ein sonderbares Spiel der Natur und gewellt ist ihr üppiges, volles, am Hinterkopf zu einem losen Knoten verschlungenes Haar. Dunkelbraune, von langen, schwarzen Wimpern beschattete, große Rehaugen voll kindlicher Unschuld blicken aus dem oval geformten Antlitze mit purpurnem Mündchen, Grübchen im rosigen Kinn und in den frischen, glühenden Wangen, zu uns empor, und rabenschwarze Brauen ziehen sich von der Wurzel der zierlich gestalteten Nase, deren leicht geöffnete Flügel bei der leisesten Erregung in zuck?de Be. wegung gerathen, nach den Seilen unter der nicht zu hohen, halb von krausen Löckchen bedeckten Stirn. Glückstrahlend schaut sie auf zu dem Cabal lero im blauseidenen Domino, der neben ihr halb niedergebeugt, leise Worte in ihr Ohr flüstert Sie hat wohl errathen, wer jener ist, dessen Worte ihr Herz lauter schlagen lassen. Neidisch blickt mancher der versammelten Herren zu ihm hin. Wer wird es anders sein als Rafael Romero. der einzige von allen, welcher sich einer be sonderen Gunst des lieblichen Mäd chens zu erfreuen hat. ' Schon ist es spät; zehn Uhr. Die Masken ziehen sich zurück; auch der blaue Domino ist verschwunden. Eilig verläßt Nievesita. die Sala und t'.itt. die Hand auf das unruhige Herz gepreßt, tief aufathmend auf die kühlere Galerie hinaus, die im Innern des Hauses einen von einigen hohen Bananenpflanzen und einem Apfelsinenbäum beschatteten Hof umgiebt. Voll wonniger Glückseligkeit wiederholt sie sich, heiß erglühend, die soeben vernommenen Worte. Da tönt Geflüster zu ihr herauf. Neugierig beugt sie sich über die steinerne Brüstung, und das Blut stockt in ihrm Adern. Im Hof windet sich die braune Genara, welche die Mutter vor drei Tagen in ihre Dienste nahm, aus den Armen des Mannes, der vor wenigen Minuten in der Sala an ihrer, Nieoesitas, Seite stand. Am nächsten Abend empfängt sie die Masken mit ausgelassener Freundlichkeit; doch nicht schwer ist es zu erkenne, daß ihre Heiterkeit auch gleichsam eine Maske ist. Ihr Mund' zuckt bisweilen wie in verhaltenem Weinen, während unaufhörlich ihre feinen Na senflügel erbeben. Als sie. Luft schöpfend, in eines der hohen Fenster tritt, nähert sich ihr rasch ein Caballero in grauem Mantel, das Gesicht hinter einem dichten, schwarzen Schleier verborgen. Leise spricht er zu ihr, doch mit flammendem Blick gebietet sie ihm Schweigen. Er weicht einen Sckritt zurück und stottert laut einiges, wobei er vergißt, in Fisteltönen zu redm. Jetzt erkennt sie seine Stimme; ja. sie hat sich nicht getäuscht Rafael Romero ist es, der Falsche und herbe auflachend eilt si? zu den Schwestern, deren feines Ohr soeben unter den sie umringenden Masken einen Ale man", einen Deutschen, entdeckt hat. So nimmt der Mummenschanz seinen Fortgang Abend für Abend. Rafael Romero versucht noch einigemal ohne Erfolg, sich der zürnenden N:evesita zu nähern, dann bleibt er fort, und keiner sieht ihn mehr unter den von Haus zu Haus ziehenden Masken Mit ihnen schleicht jeden Abend e:ne vermummte Gestalt in daZ Halls Ton Miguels und huscht, nachdem die Begleiter die breite, in den .'rsten Stock führende Treppe erstiegen haben, in die hinteren Räume des Gebäudes. Jubelnd empfängt sie dort die braune Genara. ' Mit dem Beginn des' eigentlichen Carnevals hat der abendliche Mummenschanz ein Ende. In den verschiedensten, oft sehr hübschen Trachten, doch unmaskirt, durchziehen nun die Herren vom Morgen bis zum Abend ausgenommen in den hrßen Mittagsstunden zu Pferd und zu Fuß die Straßen der Stadt, ausgerüstet mit einigen Sachen voll Reis, der in den Landesfarben gelb, blau und roth gefärbt ist; damit werden die Damen beworfen, die in den Fenstern ihm Wohnungen den Feind mit gleicher Waffe kampfesmuthig erwarten. Meistens hat sich eine Anzahl Freundinnen vereint; dann wird das Gefecht bald hitzig. Die berittenen Herren springen aus dem Sattel und dringen mit den übrigen in das Haus, wo in der .Sala" immer heftiger der Kampf ent. brennt. Hin und her schwanken jubelnd und lachend die Parteien.. Unrichtig wäre es, zu behaupten, daß alle weiblichm Menschenkinder am Orinoko schön sind; eines aber s:hlt keinem auch den Mädchen aus dem Volke nicht die angeborene, fast unnachahmliche Grazie, mit der sie ihre schlanke, biegsame, formvollendet Gestalt bewegen; dazu das jetzt während des Kampfes leidenschaftlich funkelnde Auge, das vor Gefechtseifer glühende Antlitz, das - glockenreine, herzgeminnende. jauchzende Lachen, das alles macht auch diejenigen beachtenZwerth, ,nen die Natur die ' Schönheit des AMlttzes verlagr ooer rna?l m ouem Maße verliehen hat. Der Kampf endet zu Gunsten der
Damen, da die Caballeros ihren Vorrath an Geschossen bald verbraucht haben. Wohl versuchen sie den Mfenweise am Boden verstreuten Reis aufzuraffen. aber nur noch kurze Zit ver. mögen sie dabei dem muthigcn, erneuerten Angriffe ihrer Gegnerinnen standzuhalten. Besiegt verlassen pe das Haus. um. frisch ausgerüstet, m einer anderen Behausung dieses niz volle Kampsspiel wieder zu beginnen. Ja. ihre volle Leidenschaft entfalten die Tockter der Tropen b-.i diesem Kampfe; rücksichtslos geben sie sich ihm m der allaemem. öreuve Sin.
Könnten die jungen Damen unteres kalten Nordens einen Blick in jenes Kampfgewühl werfen, so würben sie vielleicht verwundert das Köpfchen schütteln ia gar . das Näschen rümpfen, und dennoch ich bin überzeugt, in dem lustigen, sinnberaus :nden Trubel des Carnevals am Orinoko, vereint mit ihren heißblütigen Schwestern des Südens, fortg:nssen von deren Lebhaftigkeit und übermlllhigem Frohstnn, fänden auch sie vald Gefallen an diesem Kampfspiel. Auch jetzt stürmen sämmtliche Caballeros wieder in das Haus Don Miguels; doch sie finden dort nur de drei Schwestern Nkvesitas und deren Aluder Ramon, der jenen beim Kompfe hilfreiche Hand leistet. Nievesita bleibt unsichtbar, und auch bei den verschiedenen Festzügen, die von der Stodt veranstaltet werden, sowie bei der Liegatia auf dem Orinoko ist sie Hcht zugegcn. Krank sei ihr Täubchen. sagt die alte, schwarze, zahnlose Fermina. der FaMitte langjährige Dienerin, den sich bei ihr voll Theilnahme und eugier erkundigenden Herren. - Erst am dritten, letzten Carnalstage erscheint Nievesita wieder im Fenster ihres elterlichen Hauses, vor dun das allbeliebte Ringstechen (Crntas") stattfindet. Quer über die Straße ist eine Schnur mit kleinen Hölzroll?n gespannt, auf die bunte Seid?nbänder, an deren Ende ein Ring befestigt ist. gewickelt sind. Im Galopp jagui auf ihren muthigen Pferden die Cadalleros unter der Schnur hindurch und ver
suchen mit einem Stäbe durch einen der. Ringe zu stechen, worauf sich, wenn e3 gelingt, das daran haftende Band abrollt und von dem Herrn ciner von'ihm bevorzugten Dame überreicht wird. Nievesita besitzt bald ein: große Anzahl dieser Bänder, aber achtlos liegen sie in ihrem Schooß, während die übn gen Damen sie an ihre Schulter gcizrftet haben. Auch die Geschicklichleit der Reiter, das sich an den Se'en der Straße jubelnd drängende, geputzte Volk, die von Damen vollüeseten Fenster der gegenüberliegenden Häufer haben kein Interesse für sie. nachdem sie sich am Anfang des Ringstechens mit raschem Blick überzeugt hat. daß einer sonst der erste am Platze bei solchen Gelegenheiten unter den Reitern fehlt, einer, den sie mit ganzer Seele zu hassen glaubt und dcm,cch nicht vergessen kann. Je kleiner die Zahl der n?ch mit Bändern umwickelten R?llen wird, desto größer wird der Eifer d?.? Ring, siecher, bis schließlich daS l.te Band unter dem lärmenden Beifall des versammelten Volkes am Stäbe eines Reiters flattert. Eine Weile tuuimlln die Caballeros noch ihre schnaubenden, schäum- und schweißbedckten Pferde, heiter mit den Damen in den Fenstern plaudernd, dann ziehen die letzteren sich in ihre Gemächer zurück, um sich für den großen, im Hause eines de? Stadtältesten stattfindenden Vkuskcnball zu rüsten, zu dem alles, ioas zur Gesellschaft gehört, geladen ist. Auch Nievesita wählt mit besonderer Sorgfalt gre Toilette. Y91 Bruder hat ihr soeben mit seltsamem Lä cheln erzählt, daß sein Freund Rafael Romero ihm nach langer ucverredunq versprochen habe, tfst Ball zu besuchen. In dem hellblauen Tarlatankleide hat sie dem Elenden, dem Falschen so gut gefall-.n, wenn er nicht gelogen hat. O! Sie möchte aufschreien vor Kumm?r und crn, und die alte, schwarze Ferinina, die ihr beim Ankleiden b-hilflich ist. bemuht sich vergeblich, ihr wohl noch ernstlich krankes, heftig crregtes Täubchen zu beruhigen. Der Abend bricht 'herien. dicht gedrängt steht das Qol! vor dem Hiuje des von juna und alt aeaZzteien Don Fernandos, der zu dem Ball: geladm hat, und mustert laut und n 5er den Bewohnren der Tropen eigenen, lebhaften Weise die zu uy ankommenrcn zum größten Theil .chon maslirten Gäste, die sich im Hause 'n der vcn v:elen Kerzen hell erleuchteten Sala ve:sammeln. Die dort hmtfr cmer Pslcnzengruppe verborg:ne Musik, bestehend aus Klavier, Flöte und Guita'.re. beginnt; aber noch bittet der Hausherr seine Gäste, dem Tanze zu entsagen und sich an einem Schauspiel zu erg'ötzen, das er ihnen bieten möchte. Nach freudiger Zustimmung von allen Seiten klatscht er in die Hände und Nievesitas Rechte greift nach dem Hlrzen eme hohe, schlanke Gcs:c.:l m blauem Domino führt die braune. phantastisch aufgeputzte Genara in die Sala. Die Gäste nehmen 'iuf den Stuhl reihen an den Wänden Platz, und räch den schmeichelnden Klängen tutx reneiulanischen Walzers beamnt Genara zu tanzen. 'Anfangs dreht sie sich langsam im Kreise, in den Hüften sich wiegend, 'doch plötzlich huscht sit wie erstreckt der bohen WhHWt fi gegenuver m eme Cae vor?, rcs Nievesita sitzt, die sich scheu wie oor einer gif-, iigen Schlange in ihrem Sessel zurück-s r.ci v si .1 1. . : s s l iryni, uno u?am varin .vicuci Heimisch lächelnd nach einem kräftig gebauten, jungen, braunen' Manne in hellgrünem Drillichhemd und weißen Beinkleidern, der den gelben, breitrandigen, mit bunien, flatternden Bandern geschmückten Hut, aus Palmenfasern geflochten, in der Rechten, in der Sala erscheint. Wer kennt ihn nicht. Jos; Rivera.' den kühnsten Reiter der Stadt, den gefährlichsten Gegner im Faustkampse. den verwegendsten Schiffer auf oen zur Regenzeit mit unheimlicher Gewalt vorübertobenden Flutben des Orinoko. Seit zwei Monaten ist er Gärtner auf dem Landgute Don Miguels. Lang, sam nähert er sich tanzend der braunen Genara; doch diese entschlüpft ihm tanzend behende. Er verfolgt sie, und wieder greift er nach ihr vergeblich. So geht es eine Weile fort. Lauter, wird der Beifall der Gäste, je zefchick-. ter die Tänzerin stö ibrem Tänzer zu
entwinden versteht. Beide scheinen nicht zu. ermüden bei diesem neckischen S.'iel. Doch nun wird die Musik lcbhaster; stürmischer folgt Jos6 Revera der Tänzerin und treibt sie gewandt in eine Ecke. Jetzt kann sie ihm nicht mehr entweichen, und dennoch unter seinen Armen, die sich ausbreiten, sie zu umschlingen, schlüpft sie hindurch; dann aber wendet sie sich kurz nach ihm um und schmiegt sich gleich daraus verschämt an seine breite Brust. Laut aufjauchzend hebt er sie hoch emfor, und mitten in der Sala fetzt er sie unter dem rauschenden Beifall der begeisterten Gäste sanft zu Boden. Nievesita . hat den Tanz (Mari posa", d. h. Schmetterling) kaum beachtet; nur gesehen hat sie, wie sich die
braune Genara an lyren Ganzer schmiegte und damit andeutete, daß sie ihm und keinem anderen gehören will. Keinem anderen! Sie wiederholt es fast laut, und ihr Blick- fucht auf's Neue den blauen Domino, der jetzt auf das Paar zuschreitet und beiden die Hand schüttelt, worauf ihm Genara schelmisch schmollend mit dem Finger droht. Dann Nievesita fühlt, wie ihr das Blut siedendheiß in die Schläfcn dringt nabt er sich ihr eilig, während Jos6 Rivera glückstrahlend mit seiner Tänzerin die Sala verläßt, und sich zu ihr niederbeugend lüftkt er die Maske. Sie starrt ihn an und traut ihren Augen nicht, als sie in das lächelnde Antlitz ihres Bruders Ramon schaut. Wenige Worte von ihm genügen, um sie über ihren Irrthum aufzuklären, dann verräth er ihr, daß sich in dem am Thürpfosten lehnenden. spanischen Ritter Rafael Romero verbirgt. Heute am Carneval. wo alles n'ärrisch sein soll, läßt Don Fernando mit .Damenwahl den Ball beginnen. Die Musik ertönt, und Nievesita eilt zögernd und dann doch wieder hastig, ängstlich, daß ihr eine andere zuvorkommt, auf den spanischen Ritter zu. Mit gesenktem Blick nennt sie schüchtern und kaum vernehmbar seinen Na men. Schon hält er sie fest im Arm, und dahin durch die Sala schwebt tanzend das Paar. Bereits nach dem ersten Tanze fordert Don Fernando seine Gäste auf, die heiße Maske abzulegen, und während sich alles lachend und scherzend mustert und durcheinanderdrängt, zieht Rafael Romero seine bebende Tänzerin nach dem dreiten. dunklen Balkon hinaus. Ein neuer Tanz, eine Polkg- beginnt. Das Paar draußen hört eS nicht; aber nach dem dritten Tanze, der aus Walzer und Quadrille bestehenden Danza- werden beide vermißt. Verschmitzt lächelnd schiebt Ramon den um seine Tochter ängstlich besorgten Vater auf den Balkon. Wenige Minuten später kehrt dieser sichtlich gerührt mit den beiden Flüchtlingen zurück und verkündet der Gesell-. schaft schmunzelnd die Verlobung seiner Nievesita mit Don Rafael Romero. Ein allgemeiner Aufruhr entsteht. Das Paar, die Eltern und die Geschwister der Braut werden stürmisch umringt und beglückwünscht. Ehampagnerpfropfen knallen und, nachdem mit dem perlenden Schaumwein gefüllte Gläser eilig den Gästen gereicht sind, ruft der Hausherr nach, einigen kernigen Worten ein herziges: Que vivan los novios!" Que Yivan! Que vivan!" wiederholen jubelnd und begeistert die Gäste, und wieder drängt alles durcheinander, um mit dem Brautpaare anzustoßen und ihm zuzutrinken, mancher Caballero mit einer für immer zerstörten Hoffnung im Herzen. Lange dauerte es. bis die Aufregung sich etwas mindert; dann verlangen die Tänzer ihr Recht, und auf's Neue ertönt die Musik. Das junge Paar ist noch einmal nach dem Balkon hinausgetreten, und voll Glückseligkeit schaut es hinauf zum klaren, dicht von Sternen übersäeten Himmel. Vom Arbeiterviertel herüber schallt Jauchzen und Gesang; dort feiert das Volk die Vereinigung Jos6 Riveras mit der braunen Genara. Da klingen vom Kirchthurm herab dumpfe Glockentöne. Der Lärm in der Ferne, die Musik in der Sala verstummt. Mitternacht! Aschermittwoch beginnt, vorbei ist der Carneval! ' Einbildung. Schau, wie das Bächlein klein Rinnt in dem großen Bette. Es glaubt dadurch zu sein -Ein breiter Fluß, ich wette. Wie mancher Mensch zieht so Ihm gleichend seine Bahn, Und fühlt sich kindisch froh .-, , In semem Größenwahn. EinMilderungögrund. Vertheidige: Meine Herren, der An geklagte räumt ja ein. denWein wider, rechtlich an sich genommen zu haben aber ich bitt: als mildernden Umstand in Betracht zu ziehen, daß er nach dem Genuß desselben annähernd 14 Tage bettlägerig und arbeitsunfähig geworden ist! . Falsch v e r st a n d e n. A.: .Nun. wie macht sich Ihr neugegründetes Etablissement? Finden Sie denn Ihre Rechnung?" B.: O gewiß; die Rechnung finde tch wohl, aber bezahlen kann ich sie leider nicht.O weh ! Nadfahrer (auf der Landstraße): 'SindSie vielleicht Radfahrern begegnet?" Fußgängrr: Nur einem. Er liegt gleich da un tcn." . DerRomanheld. Lieutenant: Sie schreiben also Romane auS dem Leben,, und davon leben Sie da könnte ich ja ein Heidengeld verdienen! NeueKranZheit. .Was. oer Herr Assessor ist auch hier im Bad, was fehlt ihm denn?" .Er leidet Freiccsfüßzn!"
