Indiana Tribüne, Volume 20, Number 154, Indianapolis, Marion County, 21 February 1897 — Page 6
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Die Menschen haben getanzt, tanzen und werden tanzen, unter allen Himmelsstrichen, bei allen Nationen und zu allen Zeiten. Bei vielen Völkern gehören Tänze zum religiösen Cultus, bei den meisten sind sie der natürliche Ausdruck der Fröhlichkeit. Herbe Moralisten verurtheilen den Tanz und nennen ihn ein ungesundes und unsittliches Vergnügen. Andere behaupten, es sei des denkenden Menschen unwürbig, sich wie ein Kreisel gedankenlos zu drehen. Uebertriebenes Tanzen ist sicherlich ungesund und manches un rechte Gefühl kann sich entwickeln im Busen der so harmlos sich drehenden Tänzerin. Neid über die schönere und mehr begehrte Schwester bei den Schlichten. Eitelkeit und Ueberhebung bei der Schönheit, bei Allen übertriebene Werthschätzung eines flüchtigen Vergnügens. Es kann sich dies entwickeln, aber es ist nicht gesagt, daß es sich absolut entwickeln muß. Dem IRtU nen ist Alles rein, und unter den frohlichen, geschmückten, jugendlichen Tän zerinnen sind ja doch wohl bei Weitem die Meisten harmlos und gut. Wo der Tanz Neid.. Eitelkeit und Selbstüberschätzung entwickelt, da würden sie wahrscheinlich auch ohne denselben sei men und wachsen, denn das Unkraut in der Seele ist wie das Unkraut im Boden, es bedarf keiner besonderen Pflege. Wer Tanz und Ball schilt und für Verderber des weiblichen Geschlechts erklärt, der müßte noch viele andere Dinge tadeln und verdammen. Unsere Jünglinge verachten und dermeiden sehr oft das Tanzen. Nicht weil sie Besseres zu thun odev Größeres zu bedenken hätten, nein! Sie sitzen während des Tanzens lieber bei der Flasche oder am Spieltisch. Die weib liche Jugend liebt aber den Tanz und die meisten jungen Mädchen würden harmlos und fröhlich unter einander tanzen, wenn die Sitte ihnen das gestattete. Das Tanzen um der rhythmischen Bewegung willen ist das ei gentlich Erfreuliche, aber kurz und flüchtig ist die Lust am Tanzen. Nur wenige Iah und die Blumen sind verblüht, die jetzt den reizenden Kranz bilden, den wir Ball nennen, andere wben sich aus der Kno'penhülle entwickelt, während die von heute als junge Frauen oder alternde Mädchen gern oder ungern sich den Zuschauern anschließen. Man betrachtet den Eintritt der jungen Mädchen in den Ballsaal gewijermaßen als ihren Eintritt in's Leben der Erwachsenen. Dies aber ist ein Irrthum! Die Freuden des Balles sind die letzten Freuden der harmlosen Jugend erst mit dem Austritt aus denReihen der Tänzerinnen beginnt der Eintritt in's eigentliche weibliche Leben. Die an uns vorüberfliegenden zarten Gestalten mit bekränzten Locken feiern fröhlich nur das Ablegen ihrer Kinderschuhe. Laßt sie tanzen! Die Zeit ist kurz, da sie es können, irnfc der heilige Ernst des weiblichen Lebens steht schon an der Pforte des Ballsaales und wartet auf jede Einzelne, ihr seine Hand zu rci chen. sei's in der Gestalt von Familiensorgen oder in Gestalt dev herben Einsamkeit der Un.verheiratheten. Jede Phase des Lebens soll aber den denkenven Menschen weiterführen in seiner sittlichen und geistigen Entwicklung, auch die flüchtige Phase der Jugend, m der das Tanzen erlaubt ist, kann es; nur natürlich und schicklich soll es sein. Der gescholtene Ballsaal ist in mehr als einer Weise für Jünglinge und Mädchen eine Schule der Tugend und Weisheit macht ihn nur. dazu, ihr verständigen Mütter, benützt sie nur ernstlich, ihr fröhlichen Töchter. Tie ungarische Musit. Von Karolq -zasz. Hörst du süß die Geige singen? 'Wie sie klagt und weint und bebt! Kann es sein, daß so viel Fühlen In vier kleinen Saiten lebt? Wie im stillen Waldeshage Süßer Nachtigallensang, Wie des Kindes Trauerklage An der Mutter Grabeshang! Hörst du süß die Geige klingen? Horch, was aus den Saiten dringt! Stürmisch brausend gleich Orkanen Das' Rakozylied erklingt. Voller Klage, voller Kummer, Dtt zerschmettert und erhebt. Der Vergangnes heiß beweinend Großer Zukunft Träume webt. Flüche dröhnen, Schwerter klirren. Mischen mit den Flüchen sich; Schlachtruf schallt und das ist Einer Geige Bogenstrich. Hörst du süß die Geige singen? Zu dem Volk ihr Lied jetzt spricht. Leid und Freud von Millionen Aus dem Saitenspiele bricht. Jubelnd tönt des Esikos Jauchzn. Freudig hell sein Pfiff erklingt. Wenn er in des Csrdüs Wirbel Wild die braune Schöne schwingt. Schmelzend sing der Schnitterinnen Lieblich lockend loses Lied, Das erschallend, dann verhallend In die weite Ferne zieht. Seufzend tönt des Burschen Klage, Dem sein Lieb die Treue brach. Laut aufweint in stillen Nächten Süßer Flöten Liebesach. Hundertiabrig schweres Leiden Schluckend aus der Saite dringt. So voll Weh, voll Meißen SehnenZ, Daß entzw5i die Saite springt. Horst du süß die Geige klingen? Wie sie lackt und weint und bebt! Kann es sein, daß so viel Fühlen In vier kleine" aiktt, lebt? G e r e ch t s e i :, ;?enn man un.et. wt. das ist Grök. .
wlmldischc 'FUlittcn. Es wird wenig Gegenden in Europa geben, die eine so gewaltige Menge von Nuinen aus den Jahrhunderten des MZttelalters über das flache Land hinzerstreut enthalten, wie der nördliche Theil des einstigen Staates der Brüder vom deutschen Hause, der sich von der Oder bis an die Narowa aus dehnte. Zwar das stolzeste Haus der Ritter, die königlicheMarienburg. heute in aller Pracht erstehend, liegt noch in Deutschland, aber sonst ist innerhalb der Grenzen des Reiches nicht allzuviel von den Bauten des Ordens übrig geblieben, während der jetzt zu Rußland gehörige Theil des alten Territoriums der Deutschritter und der ihnen derwandten geistlichen Landesherren weit über hundert große und kleine Ruinen und einige noch wohl erhaltene Schlösser zählt. In dieses Reich der Trümmer, Zeugen der deutschen Weltmacht des Mittelalters, führen wir den Leser mit Wort und Bild.
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Ruine Segewold. Durch den Süden des russischen Gouvernements Livland, das übrigens kaum die Hälfte von Alt-Livland umfaßt, fließt in zahllosen PZindungen die livländische oder Treyder Aa, deren Ufern wir uns im Eisenbahnzuge von Riga her nähern. Die Bahnlinie nach Pskow und Dorpat (officiell jetzt Jurjew) ist erst vor wenigen Jahren erbaut, -aus strategischen Gründen, wie die ganze Anlage zeigt, mit ihren blockhausartigen Stationen, den Reservegeleisen, Wasserthürmen. Holzvorräthen und Ausweichstellen für begegnende Züge auf offener Strecke. Von Riga rollt der Zug, unglaublich langsam, wie alle russischen Bahnen, zwei Stunden lang nordostwärts durch ödes, mit Kiefern bestandenes, sandigmooriges Heideland bis zur Station Segewold. Von Schönheit der Gegend und Romantik ist vorläufig keine Spur. Der Weg von der Station bis zum neuen Schloß Segewold läuft über eine ebene Fläche bis in den Park; dort erst steigt vor uns ein großer grauer Thorthurm auf, ganz aus granitenen Findlingssteinen gemauert, und dahinter dehnen Thurm von Treyden. sich umfangreiche Trllmmermassen aus, mit hohen, spitzbogigen Fenstern, halb verschütteten Gewölben, langen, niedergebrochenen . Mauerlinien und Thurmstllmpfen. Erst wenn wir innerhalb der Burg sind und hart am Rande der eingestürzten Umfassungsmauer stehen, sehen wir uns mit einem Male am Rande des steilen Absturzes in das tief eingerissene, schmale Thal der Aa. Gegenüber, kaum 5000 Fuß in der Luftlinie, liegt die Ruine Cre- ' mon auf der jenseitigen Uferhöhe, und lm Osten, m der Fttn sichtbar, die Burg Treyden. In der Tiefe zieht der reißende, wirbelnde Fluß dahin, und auf beiden Seiten sind die steilen, vielfach vor- und einspringenden, von zahlreich einmündenden Seitenschluchten ausgebuchteten Abhänge mit einer Laubholzvegetation bekleidet, die so verschiedenfarbig, dicht und üppig ist, daß selbst weit- und vielgereiste Leute unverhohlene Bewunderung äußern, wenn sie von Segewold aus in diese meilenlange gewundene grüne Thalspalte blicken, 'die der blitzende Strom in der Tiefe im Laufe ungezählter Jahre in das Sandsteinplateau gewühlt hat, das an dieser Stelle den Boden Livlands bildet. Das Ueberraschende ist,' daß man so gut wie nichts von der ganzen Schönheit sieht, bevor man unmittelbar am oberen Rande steht. Allmälig orientirt man sich darüber, daß die sehr weitläufige Burg auf einem etwas in's Thal vorspringenden und fast rundum von Schluchten umgebenen Rücken steht daher auch die wunderbare Aussicht Schloß Wenden. nach beiden Seiten den Flußlauf entlang und in die grüne Tiefe zu Füßen. Schloß Cremon ist in viel höherem Grade zerstört als Segewold; in seiner Art prachtvoll ist aber der gewaltige brandrothe, runde Backsteinthurm von Treyden, das weithin sichtbare Wahrzeichen der Gegend, jetzt noch 100 Fuß hoch, mit 10 bis 13 Fuß dicken Mauern. Bis auf diesen Thurm und wenige Mauern ist das Ordensschloß verschwunden, aber es bat dem Strom und der Gebend den Namen gegeben und war einst einer der festesten Punkte im Lande, als noch der Orden hier gebot. Das Thal der Aa behalt denselben Charakter stromaufwärts noch lange bei. Einen besonderen Reiz bilden die vielen tiefen Nebcnlhaler, alle mit der. selben üppigen Vegetation erfüllt und mit einer völlig unberührten Natur,
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denn die Ansiedlungen liegen alle oben auf der Hochfläche, die hier weit und breit mit Getreidefeldern bedeckt ist. Dörfer giebt es im Lande nichts sondern sowohl die Guts- als die BauernHöfe liegen einzeln, wie in Westfalen. .
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Schloß Wenden (gesprengter Theil.) Von Segewold führt die Bahnlinie in derselben Richtung wie bisher weiter nach Wenden, dem einstigen Sitz des Landmeisters von Livland, mit einer der größten Ruinen im ganzen europäischen Norden. Unsre Bilder zeigen zwei Partien aus der weitläufigen Trümmerburg, von der ein Theil neu ausgebaut ist und bewohnt wird. Schloß Wenden ist die livländische Marienburg, neben dem noch größeren Fellin (im NordWesten von Livland) das Haupthaus des Ordens im Lande. Das Bild mit dem mächtigen runden Thurm im Vordergrunde zeigt den Theil des Schlosses, in dem die berühmte Sprengung von 1578 stattfand, als Iwan der Schreckliche Wenden belagerte. Fernerer Widerstand war hoffnungslos, und um nicht lebendig in die Hände der Russen zu fallen, versammelte sich die Besatzung in dem langen Saal, dessen Außenmauer sich vom Thurme nach hinten zieht, nahm gemeinsam das Abendmal. und dann zündete einer der Officiere den großen darunter aufgehäuften Pulvervorrath an. Die Gewölbe der Decke und deö Fußbodens Dom von Dorpat. wurden durch die Explosion zertrümmert, aber die Seitenmauern blieben stehen, und von der Höhe des Thurmes sieht man jetzt in die gähnende Leere hinab, wo unter mächtigen SchuttMassen die Gebeine von mehr als dreihundert Menschen begraben liegen. Einzelne Räume, so das Wohngemach des Meisters, sind noch gut erhalten, so daß man wenigstens eine gewisse Vorstellung von der einstigen Pracht der gothischen Netzewölbe. der Fensternischen und Strebepfeiler erhält. Die Ruine ist von einem schönen Park umgeben und die ganze Anlage so groß, daß sie ursprünglich eher eineFestung cls ein Schloß repräsentirte. Wieder ein ganz andersartiges Architekturbild als die aus erratischem Granitgeröll erbauten Mauern von Segewold und die gelblichgrauen Kalksteinmassen der Burg Wenden bietet eine der schönsten livländischen Ruinen dar, der gothische Backsteinbau des Doms von Dorpat. welche Stadt wir von Wenden aus in einigen Stunden auf der Bahn erreichen. Besonders merkwürdig ist die colossale Masse der beiden Thurmstümpfe: das hohe Chor ist zu Anfang dieses Jahrhunderts ausgebaut und zur Universitätsbibliothek eingerichtet worden. Das Bisthum Dorpat bildete vom dreizehnten Ordensschloß Narwa. bis zum sechzehnten Jahrhundert einen Theil des livländischen Bundesstaates, dessen Hauptmasse die Ordensländer ausmachten daneben noch das Erzbisthum Riga, die Bisthümer Kurland uud Oesel. Alle diese Geb-.ete bildeten bis über die Mitte deS sechzehnten Jahrhunderts hinaus unter dem gemeinsamen Namen Livland einen Theil des heiligen romischen Reiches deutscher Nation; dann brach die ganze Con söderation vor dem Ansturm Iwans IV. zusammen und fiel an Polen und Schweden, bis endlich "einhundertundfünfzig Jahre später Peter der Große Livland mit Rußland vereinigte. Die Cathedrale des Dorpater Bisthums ist in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts erbaut; sie. der Dom von Riga und der Dom von Abo in Finnland sind die größten Kirchen des baltisch-germanischen Nordeuropa außerhalb des heutigen Deutschen Reiches. Das letzte Bild veranschaulicht daö Ordensschloß Narwa mit seinem 250 Fuß hohen, massiven Thurm, das im äußersten Nordosten von Alt-Livland, an der Mündung des Narowastroms, dicht unterhalb deS großen Wasserfal les von Kränholm belegen ist. Boshaft. Ach, sehen Sie doch diese arme, nervöse Telegraph!stin, wie sie die Lippen schmerzlich usammenpreßt!" .Pah die wird :infach Amtsgeheimnisse gchört hab n." A l t und Jung. Junger Lebemann: .Wie Sie gut aussehen, Herr Oberförster. Sie werden ja immer jünger!" Sehr alter Oberförster: Und Sie leben auch noch?" Profitable Heirat h. Weißt Du schon, daß Freund Adolf ein ganzes Bergwerk qeheirathet hat?" Ein Bergwerk, wie so?" Nun. das Gold hat seine Frau in ihrem Munde. Silber. in der Tasche, die Nase ist von Kupfer, und was sie schwätz! ist Blech."
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Hochzeit in Sicöcttöürgcn. i Eigenthümliche Hochzeitsgebräuche haben sich in Siebenbürgen erhalten. In derKüche des Hochzeitshauses werden originelle Gerichte bereitet, deren Namen selbst vielen Bewohnern Ungarns fremdartig ' erscheinen: die Csias", eine in Würfel geschnittene Mehlspeise, die in die Suppe kommt, und die pazierdünne, handbreite Csoeroege", ein in Fett ausgebackener, mit dem Fingerhilt durchlöcherter Teig, der zum Wein verzehrt wird. Auch der Pianko" (Krapfen) darf nicht fehlen, der, armbandförmig gestaltet, auf Zweige gereiht wird. Während dieser Vorbereitungen in der Küche ziehen die Sträußchenburschen" (ein jeder von ihnen trägt ein Sträußchen am Hute) aus, um die, Gäste einzuladen und die Geschenke für das Brautpaar abzuholen. Den heimkehrenden Sträußchenburschen folgen die Gäste, von denen viele ihre Geschenke auf dem Kopfe tragen, damit
tid sVffi Wgfc -MÖ ' 3 & Ausstattungswagen. die schön arrangirte Pyramide recht sichtbar sei. Der Fremde sieht staunend diese Pyramiden nahen und kann sich nicht erklären, was die vielen flatternden, vom Sonnenlichte goldig beleuchteten Riesenschmetterlinge eigentlich bedeuten. Es sind bunt verzierte Csoeroegc", welche nur als Aufputz für die anderen Eßwaaren dient, die den Korb füllen und gerade keine angenehme Last auf dem Kopfe der Trägerinnen bilden. Die Körbe der näheren Verwandten des Brautpaares sind mit Varrottas - Arbeiten verziert, auch wohl mit goldgestickten Häubchen bedeckt. Ein Bruder und eine Schwester des Bräutigams erwarten die Ankommenden, Während seinVater damit beschäftigt ist, auch die zweite, sonst geschlos sene Hälfte des Thores zu öffnen, damit Gäste und Geschenke ohne Gedränge Einlaß finden. Nachdem das Mahl eingenommen ist, verabschiedet der Bräutigam sich von Eltern undGeSchau st ellung d e r A u s st a tt u n g. schwistern, und eine ebensolche Eeremonie findet im Hause der Braut statt.' Auch getanzt wird in beiden Häusern, aber die Gäste derselben bleiben voneinander getrennt; sogar auf dem Wege zum Standesamte und zur Kirche wird darauf gesehen.daß Braut und Bräutigam mit ihrer Begleitung nicht zu gleicher Zeit eintreffen. Dem Zuge des Bräutigams schreiten Zigeuner vorauf, die heite Weisen spielen. Ein nicht minder eigenartiges Bild bietet der Anblick der Braut mit ihrer auf der Straße zur Schau gestellten Ausstattung. Gegenüber der Braut befindet sich der Bruder als Vertreter des Elternhauses, dessen Angehörige beim Anblick der vielen' schönen Sachen nicht geringer Stolz erfüllt. Auf der Bettlade sind Polster au,fgethürmt, die mit Varrottas ausgenäht sind, und unter der 'Bettdecke ist manches schöne Stück Wäsche mit gleichem Schmucke verborgen. ,Die mit schöner WeißDaö Brautpaar. Wäsche gefüllten Koffer sind geöffnet, und in einem derselben befindet sich auch das Geschenk des Bräutigams: ein Herz auö Honigkuchen. Vor der Braut liegen in einem Korbe die Varrottas'Hemden. Andere Körbe, sind mit alten Siebenbürger' Krügen gefüllt. Nun kommen die Ausstattungswagen angefahren, der- eine von vier Pferden, der andere von ebensovielen Büffeln gezogen. CetoH.va (Tannenzweige) zieren die Gefährte, und nach diesem grünen Schmucke werden sie Csetenyeswagen genannt. - Nicht selten ist es sogar ein kleiner Tannenwald, der sie bedeckt, doch meldt noch Platz genug für die jungen Frauen, die den ersten, und die Kinder, die den
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zweiten Wagen besetzt halten und singend durch die Straßen fahren, bis sie den Truhen der Braut Platz machen müssen 7 denn die Csetenyeswagen sind dazu berufen, die Ausstattung in das neue Heim zu schaffen. Die Hauseinrichtung des jungen Paares, die auf der Straße nur durch die Fülle wirken sollte, kommt in der besten Stube erst zur vollen Geltung. Auch befindet sich in diesem Zimmer manches prächtige Stück.das die schau-' lustige Menge niazt zu Gesichte bekam. Vor Allem gilt dies von dem buntglasirten alten Kachelofen, der in diesem Raume schon seit einem Jahrhundert seine wohlthätige Wärme spendet. In seiner Nähe steht eine reichgeschnitzte und bemalte Truhe, ebenfalls dasWerk einer früheren Generation, wie auch die schlanken, unter der Decke befestigten Krllge. Schöne Schüsseln und Teller zierm die Wände. Ein schmuckes Heim, in dem sich gut hausen läßt. Graf NZurawiew. Nach einem Interim von ca. 4 Monaten hat Zar Nikolaus H. den Grafen Michael Murawiew mit der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten des russischen Reiches betraut. Graf Murawiew, welcher jetzt 52Jahre zählt ist ein Enkel jenes Wütherichs gleichen Namens, der als General-Gouverneur von Litthaue imJahre 1863 den Aufstand der Polen mit wilder Energie niederwarf. Nachdem der jetzige Minister an verschiedenen europäisch: Höfen im diplomatischen Dienste VerWendung gefunden hatte, wurde er im Jahre 1893 alsGesandter nach Kopnhagen geschickt. Daß der Posten in Kopenhagen keine Sinecure war, wird sich jeder sagen müssen, der da berücksichtigt, daß es darauf ankam nicht nur die innigen Beziehungen zwischen den
GrafMurawiew. verwandten Hosen zu pflegen, sondern auch, daß Kopenhagen wegen der alljährlichen Anwesenheit Kaiser Alexander's III. in der Heimath seiner Gemahlin, ferner wegen der verwandtschaftlichen Beziehungen zur englischen Dynastie und zum Hause Orleans cin Centrum war, in dem zahlreiche Fäden diplomatischer GeHeimarbeit zusammcnliefen. Der Graf, war nicht nur in Kürze iersona ratissima am Hofe König Christian's IX.. sondern auch der Vertraute Alexander's III., dessen politische Gedanken und Pläne ihm kein Geheimniß blieben. Auch die jetzige Kaiserin-Wittwe Maria Feodorowna harmonirt mit . den politischen Anschauungen Murawiew's, und man will wissen, daß sie nicht unwesentlich dazu beigetragen habe, daß der Graf zu dem wichtigen Amt eines Ministers des Auswärtigen berufen wurde. Murawiew gilt als Diplomat von hervorragender Begabung und umfassender Bildung. Dabei hegt er conservative Gesinnung und liebt altrusstsches Wesen. Der Graf, eine elegante Erscheinung, war mit einer Fürstin Gagarin vermählt, 'aus welcher Ehe zwei Kinder entsprossen sind; seit meh-, reren Jahren ist er Wittwer. Ausweg.' Frau (zu ihrem in früher Morgenstunde heimkehrenden Manne): Jeden Morgen sind die ' Kinder schon auf, wenn Du nach Hause . kommst, schämst Du Dich nicht?" Mann (zerknirscht): Du hast recht, liebe Amalie die Kinder ' müssen länger im Bett bleiben!Neu entdeckte Empfindung. Arzt: Nun. Frau Klasen, wie geht es Ihrem Mann, hat sich der Appetit- wieder eingestellt? Frau Klasen: Nee.Herr-Dukter. Appetit hätt hei nich. äwer Trinketit hätt hi. dat's gar nich tau seggen! Ansvieluna. Fräulein: Ist denn Ihr neues Bild Ländliche Hochzeit noch immer nicht vollendet?. Maler: Es fehlt mir an einem assenden Modell für die Braut Fräulein (kckett): Aber, Herr Schmierer, eine BTsirt zu finden.das dürfte Ihnen doch :ax .licht schwer fallen!" . Guter 31 c t h. Rathen Sie mir, li'.be Freundin, wie vermag ich meinen Mann an's Haus zu fesseln?" Kaufen Sie ihm ein Bicycle." .Bicycle? Dann bleibt er doch ganz gewiß nicht daheim." O.Sie irren. Unser Arzt hat gestern meinem Manne erklärt, daß er mindestens sechs Wochen das Zimmer wird reiten müssen."
Die Lick-Sternwarte.
In der wissenschaftlichen Welt erfreut sich die Lick - Sternwarte, welche auf dem Mount Hamilton 13 Meilen östlich von San Josö. Cal., belegen ist.' des höchsten Ansehens. Die Sternwarte, welche nach ihrem Stifter James Lick. einem reichen Fabrikanten und Landbesitzer, benannt ist, hat die für astronomische Beobachtungen denkbar beste Lage auf dem südlichen, pla teauartig abgesprengten Gipfel des genannten Berges, der sich 4200 Fuß hoch erhebt, und ist mit vorzüglichen Instrumenten ausgestattet, unter de nen ein Refractor von 36 Pariser Zoll Durchmesser an erster Stelle zu nennen ist. Im Jahre 1888 vollendet, gehört die Sternwarte zu der Universität von Californien. Die ausgezeichnete Aussicht, welche man vom Mount Hamilton auf den Himmel hat, ist im Wesentlichen auf die Meeresnebel zurückzuführen, welche an jedem Sommernachmirtag die tiefer gelegenen Thäler ansüllen und das Emporsteigen der Hitze bis zum Observatorium verhindern. Die oberen Theile des Berges kühlen sich in Folge dessen gleich nach Sonnenuntergang bis auf die Temperatur der umgebenden Luftschichten ab, und diese werden so ruhig, daß die Sterne scheifÖfc flaaiiLagr s'r$ J.L. L lilk Av 4A Die Sternwarte. nen, ohne zu flimmern. Außerdem ist die Luft fast immer vollständig rein und staubfrei. Dadurch werden die genauesten Messungen ermöglicht, welche sich auf niedriger gelegenen Observat:ven, wo das Licht der Himmelskörper nicht stetig, sondern flimmernd erscheint, nicht ausführen lassen. Das große Teleskop hat bei einer Gesammtlänge von 56 Fuß ein Objectiv glas von 36 Zoll Durchmesser. Außerdem verfügt die Lick - Sternwarte über ein Instrument von 12 Zoll, welches für die weniger wichtigen Beobachtungen benutzt wird, und neuerdings ist sie um einen Reflector von 3 Fuß bereichert worden, der hauptsächlich für photographische und spektroskopischs Zwecke dient; letzterer ist ein Geschenk des Engländers Edward Croßley. Der Mechanismus des großen Teleskops und des Domes ist mit so wunderbarer Genauigkeit gearbeitet, daß in den 3 Jahren des Bestehens des Observatoriums nur einige höchst unbedeutende Reparaturen nothwendig geworden sind. Zu bedauern ist, daß die Stern warte nur über sehr wenig Astronomen, im Ganzen sieben, verfügt, während die Observatorien von Paris, Harvard, Greenwich u. f. w. deren 20 bis 50 haben. 1 Unsere erste Abbildung veranschaulicht die Steinwarte von Oesten gesehen. Zur Linken (an der Südseite) befindet sich der 75 Fuß im Durchmesser betragende Dom für, den großen Refractor und zur Rechten (an der Nordseite) ist der Dom des 12 zölligen Refractors errichtet. Das Wohnhaus der Astronomen liegt vorn auf demBergesDas große Teleskop. gipfel und dazwischen befindet sich das Gebäude des Meridiankreises. Den Bestimmungen des Stifters entsprechend dient die Sternwarte der Förderung der Wissenschaft und aus diesem Grunde werden dort gern reifere Studenten, die als Assistenten fungiren können, aufgenommen. Dem großen Publikum .ist das Oservatorium an jedem Sonntag zugänglich und von der Vergünstigung, durch das große Teleskop einen Blick auf den gestirnten Himmel werfen zu können, haben seit dem Jahre 1888 ca. 40,000 Besucher Gebrauch gemacht. Mit der größtenBereitwilligkeit wird von den Astronomen auf alle in ihr Fach schlagenden Aafragen Auskunft ertheilt. Seit mehreren Jähren werden auf dem Lick-Ob-servatorium genaue Beobachtungen deZ Mars vorgenommen, da gerade dieser Planet im Vordergrund des allgemeinen Interesses steht. Nach Ansicht des bekannten, Astronomen Dr. Edward S. Holden wird die Frage, ob der Marö bewohnbar ist. von der jetzt lebenden , Generation wohl nicht beantwortet werden können, dcch bezweifelt der ge nannte Gelehrte, daß auf dem Planet Lebewesen eistiren können. . , . Gardinenpredigt. .Sie wollen kein Bier trinken es ist doch gut." Pantoffelheld: .Ja. aber zu Haus stellt sich bei mir immer solch unangenehmer Nachgeschmack ein." Eine Spielhölle. A.: ö.Wo wollen Sie hin. lieber Freund?" B.: Zu Commercienrath Meier." Ä.: Wollen Sie verhaftet werden? Meier's Haus ist die reinste SpielHolle." B.: Hab' dort niemals eine Karte gesehen.- A.: harten, gespielt wird freilich nicht, aber was schlimmer ist Clavier!" .. - .
Tcr Späher in den Wolken.
Nach den Plänen des russischen Marineofficiers Paul Skobelosf wird zur Zeit in Wladiwostok ein Observationsapparat. von dem sich der Erfinder den höchsten Nutzen im Seekriege verspricht, gebaut. Der Apparat, dessen Modell Sachverständige von der Ausführbarkeit von Skobeloff's Idee überzeugt haben foll, repräsentirt eine .eigenartige Combination der neuesten Erfindungen aus dem Gebiete der Aeronautik mit dem Bicyclemechanis mus und ermöglicht den Aufstieg in die' Lüfte, ohne die Nachtheile der gewöhnlichen Ballons. Der Hauptsache nach ' besteht der Apparat aus drei Aluminiumcylindern. von denen zwei gleich groß sind, während der dritte bedeutend größer ist. Der große Cylinder, welcher bei einem Durchmesser von 8 Fuß eine Länge von 18 Fuß hat. 'ist an jeder Seite mit zwei Aluminiumblechen von 7 Fuß Länge und 3 Fuß Breite, die als Flügel dienen, versehen und hat an seinem hinteren Ende ein fächerartiges Propellerrad. Von diesem Cylinder gehen 4 starke Stahlstangen nach unten und an, diesen sind die In den Wolken. parallel neben einander liegenden kleineren Cylinder befestigt, zwischen de nen Raum genug zur Anbringung des Bewegungsmechänismus ist. Letzterer hat mit dem eines Bicycle Ähnlichkeit. Hinter dem Sitze ist ein Rad angebracht, dessen Reifen mit rechteckigen Aluminiumplatten, die bei der Drehung wie Räder arbeiten, versehen ist. Die Steuerung geschieht mittels einer Kette, die über zwei Zahnräder läuft, und die Flügel werben in ähnlicher Weise in Bewegung gesetzt. Soll der Apparat zur Anwendung gelangen, dann werden die Cylinder zum Theil mit Gas gefüllt, der Mann nimmt seinen Sitz ein und steigt, nach Vollendung der Füllung, wie ein Riesenvogel in die Lüfte. Von den Wolken aus kann er, ohne selbst gesehen zu werden, mit einem starken Marineglas die Bewegungen einer feindlichen Flotte beobachten und durch Flaggensignale seinem eigenen Schiffe entsprechende Meldüngen machen. Der Abstieg wird bewirkt, indem man nach Belieben GaS ausströmen läßt, und geschieht unter Zuhilfenahme dev Flügel und des Propell?rs in schräger Richtung. Amüsante Wissenschaft. Slellt man zu beiden Seiten cir.eZ geöffneten Fensterflügels '.: eine SUizi von derselben Große, dann 'ird sich die auswärts stehende .erze in der Fensterscheibe spiegln und iht Spiegelbild wird sich mit dem wirll.chen Bild der einwärts stehenden Kerze decken, wenn man jich in die verlängerte Linie beider Kerzen stell:. Nun kannman die Wette machen, bede Kcrzm mit ewem und demselben Streichholz gleichzeitig, oder auch, die jenseits des Fensterflügels stehende Kerze durch die Glasscheibe hindurch nz'lzündkn. Um das Staunen hierüber zu vcrmchren, muß man verhindern, daß das Spiegelbild der Hand hincer der Fensterscheibe ' gesehen azird. Wählend ü ' Widerschein d e s L Z ch t s. man das Streichholz anzündet, läßt man den Zuschauer auf die Seite blicken. zündet die Kerze, deren .Dcchi vorher mit - etwas Petroleum oder Spiritus befeuchtet ist, c.lsdann rasch an und ruft: Fertig!" Wir wollen bei dieser Gelegenheit bemerken, daß die Gespenster- und Geistererscheinungen auf Theatern und so weiter lediglich durch Spirolung hervorgebracht werden. Schadenfroh. Wo steckt heute unser Freund Ado. lar?" .O wenn Sie wüßten, was dem Passtrt istl. . . Der ist mit meiner Frau durchgegangen!" Ach so. A.: Sagen Sie mal, ist es wahr, das Fräulein Altenheim foll soviel Antiqnitäten besitzen? B.: Ge wiß in erster. Reihe ihren Tausschein. Bittet Fräulein (singt): Leise flehen meine Lieder Wandnacbdar: Bitt- noch lei ler'!- , ' .. . '
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