Indiana Tribüne, Volume 20, Number 147, Indianapolis, Marion County, 14 February 1897 — Page 2

Seme einzige Kossnung. TeutschTmevi?anische ctijze von W. D. Schierboand. L Als Mert Butz vor dielen Jähren seine Pfälzische Heimath verließ und nach Amerika auswanderte, a sagten seine Verwandln! zu ihm: Das ist recht von Dir für Deutschland bist Du toch zu sehir Hitzkopf, aber da drü den. da wird Dir's vielleicht glücken da können sie solche Menschen brarchen." Und so war er denn gegangen, end ein ansehnlicher, tüchtiger Burschi war , als er damals im bastle Garden landete, Einer der das Arbeiten gelernt hatte und sich nicht davor fürchtete. Auch war seine Geschicklichkeit in seiTtem Handwerk er Nvar Grob- und Hufschmied eine derartige, daß ihn um sein Brod im neuen Lande nicht zu bangen brauchte. Denn glücklicherweise war das noch ein Handwerk, das uch in Amerika goldenen Boden hat. Zwar jähzornig und ausbrausend war er, das ließ sich nicht leugnen, aber das würde sich schon .verwachsen", hieß es. Nun, Albert ließ sich erst 'den Wind lüchtig um die Ohm? schlagen, ehe .er -sich dauernd niedetließ. Gx besah sich die großen Bereinigten Staaten nach allen Richtungen der Windrose, schaffte- ein Jahr :lang im New Orleans und Galveston, und fand dann längere Zeit lohnenden Verdienst im fernen Westen auch in Californien, in Utah und Oregon war er, und in 'den Prairiestaaten betheiligte CTisich einst es war in 'Indianapolis an einem Preiswettschmiede -'Eotttest, aus dem er als einer der Sieger hervorjing. Dann hielt tx sich m Orten auf, too es ihm am besten gesiel, und in Newark, N. I.. war es, wo er schließlich merkte, daß tz jetzt eigentlich alt -genug sei, um einen Hausstand zu gründen. Natürlich war ein Mädchen im Spiel die reizende Annie, die 'älteste Tochter seines Meisters, hatte es ihm angethan. Und da Albert Vutz, Wie gesagt, ein stattlicher Freier war und seine Bewerbung auch mit dem nothigen Feuer anbrachte, so gab Zhm Annie bald darauf ihr Jawort, und als die Hochzeit gefeiert wurde, da hatte der junge Ehemann jnich schon seinen eigenen Shop" aufgemacht,-und das Glück war ihm von "da ab in jeder Beziehung hold. Er wartein Schlemrner und kein starker Trinler, und von feinern reichlichen Verdienst konnte er jedes Jahr einen guten Theil zurücklegen. Es wurde ihm ein Kind geboren ein Knabe, und dieser wurde bald der Abgott des Vaters. Ganz das Ebenbild der Mutter, mit goldenen Ringel-lockchen-und hellblauen Augen, die wie iie Sterne leuchteten, so milde und froh. Sein Weib liebte ihn rnü nichts trübte'ihr beiderseitiges Glück, als em gelegentlicher Ausbruch don Alberts Jähzorn. Aber da Annie klug genug war, 'um dieser Charakterschwäche durch verdoppelte Sanftmuth und durch begütigende Worte zu begegnen, so gingen auch diese Gewitter am ehelichtn Himmel stets vorüber, ohne dcmtntiKN SchadenZU hinterlassen. n. Es-war ein Wahltag im November. Die Campagne war eine besonders hitzige gewesen, und viele der besten freunde 'hatten sich wegen der leidigen "Politik entzweit. Auch Albert hatte, einige Wochen zurück, einen heftigen Streit mit seinem Nachbar und bisheligen lauten Freund Mike Donnelly, -einem 'Jrländer, gehabt, und aus der Freundschaft war die bitterste FeindSchaft geworden. Den ganzen Tag über hatte ein rees Leben und Treiben in Newark ge'herrscht, und am Abend, als das Er.gebniß der Wahl annähernd bekannt ?vurde, ah man viele Männer durch die Straßen taumeln, die etwas zuviel des Gutm gethan hatten. Einer derselben war Mike Donnelly, und als er n-der Werkstatt Alberts vorüberkam,' tn der -noch -tüchtig gearbeitet wurde, denn ,es igab gerade viel zu thun, da schrie rr in seinem Rausch einige hercmssordernd 'beleidigende Worte hmin. Äkbert, den der Ausgang der Wahl rrrg -verdroß und der aus Aerger Quck schon verschiedene Male quer über die Straße zu seinem Schwager, dem Bierwrrth .Metzner, gelaufen war und da rtwaT mehr -gezecht hatte, als der Durst -gerade erforderte, stand gerade am Amfosj, als die höhnenden Worte seines Fenrdes an sein Ohr schlugen. Mit nerviger FaUst und entblößtem Arm.sis deß. eisenharte Muskulatur sich deutlich zeigte, hämmerte er auf das glühende Ersm los, wie um seinen Jngrinn in dasselbe hineinzuschlagen. Mike war mittlerweile durch die offene Thur gestolpert und hatte sich, als ob er Handel suche, gegen den PsoJitn derselben gelehnt, indem er von Neuem schrie- JRrm, Dutchy, hatte ich nicht Recht Dem Prahlen hat Dir diesmal nichts genutzt." Albert drehte sich um, sodaß die rothe Gluth der Lohe ihm daö erhitzte Gesicht beschien, und rief grollend: Laß mich zufrieden, Mike ich will nichts mehr mit Dir z thun haöen!Indade tken höhnte Mike weiter, und sind wir denn zu stolz geworden? Ihr Dutchmen seid ja doch alle dumme SltxU, das hat diese Wal wieder gezeigt, und wir Jrländer. wir haben Euch in der Tasche. There nowj" Geh' weg, Mike verlasse meinen Platz schrie jetzt Albert, sehr zornig über diese dünkelhafte Anmaßung des frechen Jrländers. Fällt mir .licht ein," grunzte Mike und näherte sich dem Anderen, der ihm den Rücken zukehrte. Dabei that er einen Fehltritt und stürzte, die Hände -5 scinerTrunkenheit wild ausbreitend,

wobct a Albert n hinten am Hemd zu pa&n bekam. Aßnt, der da glaubte, der trunkene Jrlöder habe ihn hinterrücks und meechlings arJegriffen. wehrte sich it dec einzigen Waffe, die er gerade in da Hand hatte, dem Schmiedehammer. Der Zufall 'wollte es, daß der Schlag, den er führte, den taumelnden Gegner mit voll Wucht auf die Hirnschale traf, irn lautlos brach der Getroffene zusamracn. Noch ehe der Arzt, der sofort gerufen wurde, eintraf.war der Tod eingetreten. Summ, rathlos und wie betäub! stand Albert an der Leiche, und so ließ er sich verhaften -und fort führen. Mike DonneM). obwohl er sonst nicht allzuviel getaugt hatte, war doch ein Mann von dedeutendem politischen Einfluß in feiner Ward gewesen, und so wurde denn von seinen Verwandten und 'Freunden Alles aufgeboten, um seinen Mörder" '(wie sie und die von ihnen beeinflußte Lokalpresse Albert konsequent nannten) an den Galgen zu bringen. Als der Procch schließlich. verhandelt wurde, da 'lautete der Wahrsprrcch denn die Zeugenaussagen waren sehr widersprechender Natur gewesen und von der Jury waren mehrere Mitglieder augenscheinlich zu Ungunsten des Angeklagten disponirt auf Todtschlag rin ersten Grade, und das Strafmaß -wurde auf 12 Jahre festge setzt. in. Welche Dualen Albert Lutz die -ti sien Jahre seiner Haft auszustehen hatte, das kann man ehek ermessen als beschreiben. Zu dem Schuldgefühl, von dem er micht frei war, kam daö brennende Gefühl des Unrecht,"der übermäßigen Strafe, und dazu gesellte sich die wachsende Angst, die unanfhorliche Sorge m die Seinigen. Denn das Unglück 'wollte es, daß sein armes Weib bald nach semer Verurtheilung schwer erkrankte und starb, und der Verkauf seiner Habe und seines Geschäfts warf nur ein Spottgeld ab. So wanderten denn die zwei Kinder Alberts in die Obhut des Schwagers, der selbst schon eme zahlreiche Familie zu ernähren hatte und die Rangen des Zuchthäuslers" nur ungern aufnahm und stets mit scheelen Augen ansah. Zu alledem gesellte sich bei Albert noch sein starkes Ehrgefühl und die Scheu, seine Kinder etwas von der Schmach des Vaters wissen zu lassen. Diese Scheu wuchs zusehends, und als der kleine Albert, sein Liebling, einst bei einem Besuche, den ihm die Kinder in der Anstalt machen durften, feinen Vater halb lachend, halb furchtsam frug, warum er solche gestreifte Kleider trage und warum man ihm die Haare ganz glatt geschoren habe, da schwur sich's derUnglückliche mit einem heiLgen Eid zu, sein: Kinder nicht eher wiederzusehen, als bis er wieder vor ihnen stehen werde als freier Mann. So geschah's denn. Jahr auf Jahr verfloß. Der einsame Mann da hinter den vergitterten Fenstern sah die Jahreszeiten wechseln, sah den Winter vergehen und dann den Sommer verstreichen, und es däuchte ihm nach einiger Zeit, als ob er strts ein Zuchthäusler gewesen sei und als ob es keine Vergangenheit und keine Zukunft mehr für ihn gebe, nur das ewige, harte Einerlei seiner Frohnarbeit; und doch war gerade diese Arbeit, so einförmig und unlohnend sie auch war, noch das Einzige, das ihn an das Leben kettete. Oder doch nicht daö Einzige, denn wie ein rosiger Hoffnungsschimmer erglänzte am Horizont seiner rastlosen Gedanken, Tag und Nacht, die sehnsuchtsvolle Erwartung eines Wiedersehens mit seinem Jungen, seinem Albert, seinem Liebling. Und im Dunkel seiner Zelle, wenn ihn trotz der körperlichen Ermüdung der Schlaf oft stundenlang floh, mitten bei der Arbeit, wenn er den Hammer schwang und den Meißel rührte, da erschienen ihm lockende, leuchtende Bilder von seinem Sohn: Jetzt war er schon 13 wie er wohl jetzt aussah? Ob er noch immer das prächtige, goldene Haar hatte? Ob er wohl tüchtig in der Schule lernte? .Würde er seinen Vater auch nicht ganz vergessen? Doch das sorgte ihn nicht nur erst heraus aus dieser Hölle und sein Sohn sollte wieder ihn lieben lernen, ganz gewiß. Wohl erhielt er von Zeit zu Zeit einige Zeilen von seinem Schwager, worin über die Kinder gesprochen wurde. Doch das waren fast stets nur solche Einzelheiten, wie sie die unwillkommene Pflege und Obhut der Kinder mit sich brachten, Klagen über die Ausgaben, die sie verursachtm, wie unachtsam sie mit ihren Kleidern umgingm etc. etc. nichts über das Geistesleben der Kinder, nichts waS ersehen ließ, wie sich ihr Verstand u:.d ihr Gemüth allmalig entfalten mochten. Und auf specielle Weisung des Vaters durften die Kinder selbst ihm nie schreiben. Er wollte nicht, daß sie sich ihres Va. terö zu schämen haben sollten, wollte nicht, daß sie spater im Leben diese Erinnerung an einen Briefwechsel mit dem Zuchthäusler bewahren sollten. So war denn Albert Butz bei seinem S'mnm und Träumen ganz der Phantasie anheimgegeben und diese gaukelte ihm die schönsten, reizendsten Bilder vor. zeigte ihm seine Kinder, vor Allem seinen Albert, als den Inbegriff jugendlicber Schönheit, Unschuld. Tüchtigkeit. IV. . Endlich brach er an, der Tag der Freiheit, der Tag, da die hohen Mauern seines Gefängnisses ihn zum letzte Mal beherbergen sollten. . Und der starke, raube Mann, den selbst der

I Gram, der verzehrende Kummer alle t r. .(.MUt ktt. aizz ouVlt "y vu44t" "yt" iviuicii, zitterte wie Espenlaub, als der Warden ihn zum letzten Mal bei seiner Nummer rief und ihm dann die er-

se'hnte Eröffnung machte, daß n sich sür die Freiheit fertig machen solle. Er 1 erbleichte, als er seinen Anzug von damals sah, als er vor 10j Jahren denn die legten 18 Monate waren ihm in Folge seines tadellosen Verhaltens geschenkt worden hier eingeliefert worden ar. Und dann war ihm Alles wie im Traum. Er antwortete mechanisch QRf die Fragen der Anstaltsbeernten, und hörte ihre Ermahnungen stnnrm und gleichgiltig an. Was nr ihm das Alles? Sobald er einmal jene eisenbeschlagene Thür dort hinter sichaben würde.sollte ihn keine Macht der Erde wieder zurückbringen das wußte er. So da war er nun. Dies war kalso die Freiheit. Tief athmete er auf, cals er den kurzen Weg nach dem Bahn?hof zurücklegte, und mit den Fingern klimperte er in der Tasche der helle Klang des Silbers da drin, das er sich 'durch Ueberstunden verdient die langen Jahre, tönte seinem Ohre gar lieblich. Merkwürdig aber am Bahnhof wartete Niemand auf ihn. Er hatte doch in feinem Briefe letzten Monat, als er seinem Schwager die nöthigen Mittheilungen betreffs seiner ntlassung gemacht, besonders gebeten, man möge seine beiden Kinder vtpn nach dem kleinen Stationsgebäude schicken zu dieser Stunde. Nun, es war viel-

leicht besser so, sagte sich der bleiche Mann, als er m den Zug stieg und m der Richtung nach Newark davonfuhr. Dies war das Haus, ja. Da drüben, wo jetzt ein großes Geschäftshaus stand, war seine Schmiede gewesen. Er las den neuen Namen auf dem Schilde mit stumpfer Neugier. Ja, hier wohnte sein Schwager. Hier stand ja auch sein Name groß und breit Charles Metzner, Domestic & Jmported Beers & Wines". Aber das Haus kam ihm verändert vor. Er trat ein, ein dicker, vierschrötiger Mann mit rothgedunsenem Gesicht stand hinter dem Schanktisch. Der blickte ihn sonderbar an, und dann sagte er, ziemlich gleichgiltig: That you. Albert?" Albert nickte. Die Aufregung schnürte ihm die Kehle zu. Und meine Kinder, wo sind sie?" Der dicke Mann pfiff. Dann zuckte er die Achseln. Weißt Du was, Albert, ich kann mir ja denken, daß Dir daZ unangenehm ist, aber " Was ist's mit meinen Kindern? Wo sind sie? Wo ist Albert?- stöhnte der geängstigte, gepeinigte Vater. Na ja. ich wollte Dir's ja schon sagen der Eine, was der jüngste ist, der ist vor 6 Monaten am Scharlachfieber gestorben Und Albert?" Hast Du ihn nicht gesehen, vordem Du von da fort bist?" Nein sprich, sprich Nun, um es kurz zu machen Du mußt Dir's nicht zu nahe gehen lassen Albert hat böse Streiche gemacht er hat nie viel getaugt Du hast keinen Begriff, was mir der Junge fchon für Noth gemacht hat und ich kann ja nichts dafür, und meine Frau auch nicht er hat sich neulich bei einem Einbruch betheiligt, und heute früh haben sie ihn dahin gebracht, wo Du herkommst auf drei Jahre. Ja, 's ist 'ne böse Geschichte, aber es läßt sich doch 'mal nichts ändern. Um Gotteswillen, was ist's mit lDir?Und der dicke Mann stürzte rasch hinter den Schanktisch vor und machte sich an dem Unglücklichen, der da hingestürzt war wie vom Blitze gefällt, zu schaffen. Aber seine Mühe war umsonst. Mbert Butz war todt. Rollende Räder. ' Von Robert Hamerling. O Nacht! so lang' und bange! Horch, fegt mit Sturmesdrange Die Straßen jetzt der Wind? Nein es beginnt zu tagen: Das Rollen ist's der Wagen, Die heim vom Feste tragen Manch blllhendschönes Kind. 'S ist Carneval. Isolde, Umwallt von Lockengolde, Kehrt heim zu dieser Stund' . . . Im Glanz der goldnen Spangen, O zauberhaftes Prangen! Wie leuchten ihre Wangen, Wie selig blüht ihr Mund! Ich glaube dir, du Schöne! Wie thöricht ist die Thräne. Belächelnswerth das Weh! Hei, deines Wagens Rollen Klingt in mein dumpfes Grollen Gleich einem fastnachts tollen, Lustfreud'gen Evoe! Die Welt war schön' du Schone, Als dort im Braus der Töne Dein Haar im Tanze flog. Indeß ein armer Frager. Kleinmüthige? Verzager, Auf seinem Schmerzenslage? Das Leid der Welt erwog. Beim HeirathSvermittler. Die Dame ist furchtbar hablich; daL werdenSie zugeben !" Na, Sie sollten mal erst meine Frau sehen!Selbstbewußt Und furchten Sie nlcht, sich emen Korb bei der kleinen Baronesse zu holen?" Ab, bedenken Sie doch, Herr Rittmeiste?, sie wird sich doch nicht solches Armuthszeugniß ausstelle!R e ch t t r o st l i ch. Al. rich. tig, Herr Doctor, ist die Operation wirkliche schmerzlos?-' Doc:or: Für den Patienten gewiß, aber für uns Aerzte nicht, denn, wir befinden uns dabei in einer entsetzlichen Aufregung Patient: Wieso?" Docicr: Weil sie unter, hundert Fällen kaum einmal glückt." .

Ale Fase. Eine KarevalSanekdote nach Breton de los Herreros. Erlaubst Du. schöne Bäuerin, daß ich mich zu Dir setze?" Sehr gern. Und ich bin Dir dankbar, daß Du mich soviel Schönheiten vorziehst, die im Saale glänzen. Kennst Du mich vielleicht?" Nein; bis jetzt nicht und vielleicht auch Licht, wenn Du die Maske abnimmst. Aber was liegt daran? Jetzt können wir Bekanntschaft mit einander machen und wenn Du nichts dagegen hast, sie später fortsetzen. Die Maskenballbekanntschaften sind gewohnlich nicht die schlechtesten." Hie und da aber bringen sie fürchterliche Enttäuschungen mit sich." Das will ich nicht leugnen; auch ich habe schon solche ergebt, aber Du bist manchmal nicht daZ Opfer, sondern deren Ursache gewesen ?" Nein. Wer bei llen Gelegenheiten, selbst bei Maskeraden mit offenem Bisir kommt, wird selten Jemanden täuschen oder enttäuschen." Allerdings. Du hast aber auch kei nen Grund, Dein Gesicht zu verbergen, was man nicht von allen Männern sa gen kann!" Danke,- liebenswürdige Bäuerin! Du kennst mich, wie es scheint?" Ja, vom Sehen Man sagt. Du seiest Dichter. Willst Du mich andichten?" Gewiß, sobald Du es wünschest; der Wunsch einer Schönen war mir im mer Besehl. Doch möchte ich vorher Deinen Namen wissen " Nenne mich, wie Du willst. Phyllis, Laura, Helena, was Dir poetischer dünkt. Meinen wirklichen Namen werde ich Dir nicht sagen". Wie aber soll ich, ohne wenigstens das Antlitz zu sehen, dessen Reize ich lobpreisen soll, ohne den süßen Gegenstand meiner Inspiration zu kennen?" Das sagt ein Dichter?! Ihr. die ihr in dem Meere des Ideals schwimmt, wozu dient Euch die Anwesenheit des Gegenstandes Eurer Verehrung? Ich meinerseits habe nicht so viel Vertrauen auf mein Gesicht, auch erscheint mir Deine Einbildungskraft nicht so unfruchtbar, daß ich mich der Gefahr aussetzte, mich zu entlarven!" Es ist wahr, daß wir Dichter, unter die mich zu zählen Du die Güte

hast, unseren Geist auf denGefilden der Einbildungskraft spazieren fuhren. Aber dennoch nähren wir uns nicht ausschließlich von Illusionen und ich speciell halte mich in Bezug auf das Vergnügen immer an das Positive!" Und welches Vergnügen kannst Du Dir davon versprechen, mein Gesicht zu sehen?" Dasjenige, es zu bewundern, wenn es hübsch ist, wie ich vermuthe und Dich anzubeten " Immer führt Ihr doch die Anbetung im Munder Ihr Dichter verdien tet, daß man Euch aus allen christlichen und Kulturstaaten verbannte." . Warum, mein Schatz?" Als gottlose Schmeichler, wenn Ihr das sagt, was Ihr un Herzen fühlt und als Betrüger, wenn Ihr lügt! Du thust gut, ohne Larve zu kommen! Ihr Poeten braucht sie nicht; Ihr seid ja immer maskirt!" Wenn dem so ist, so acceptire ich für meinen Theil mit Vergnügen eine Eigenschaft, die mich dem schönen Geschlecht so ähnlich macht!" Wir Weiber sollten uns so verstellen?" Ja. schöne Maske! Was das betrifft, könnt ihr nicht behaupten, daß euch die Männer ohne Grund anklagen; doch muß man zugleich zugestehen, daß der Argwohn und die Tyrannei der Männer euren Mangel an Ausrichtigkeit verursachen und daß eure Verstellung im Ganzen verzeihlich ist, weil euch nur der Wunsch, uns zu gefallen, dazu treibt. Aber ist es möglich, daß ich Dein Gesicht nicht sehen soll?" Es kann nicht sein! Der Wunsch, rrs; r , . iüir zu gesauen, raiy mir, oie aroe beizubehalten!" .Die Unterhaltung mit Dir entzückt mich und jedes Deiner Worte feuert meine Ungeduld an, Deine nähere Bekanntschaft zu machen!" Brauchst Du denn mein Gesicht zu sehen, um ihm alle Vollkommenheiten beizulegen? Hast Du mich nicht von vornherein schon den süßen Gegenstand Deiner Inspiration" genannt? Glaube mir: Dein Interesse und daö meine widersetzen sich dem Akte der Gunst, den Du von mir forderst. Solange ich maskirt bin. werde ich sicherlich aus Deinem Munde nur Schmeichelreden hören, an die ich vielleicht gar nicht gewöhnt bin. Sobald von meinem Gesicht die schützende Hülle verschwindet. adieu Illusion! Die steife Höflichkeit, der mürrische Ernst würden . auf daö Lob, auf die Schmeicheleien und die zarte Sympathie folgen, womit Du mich unterhalten, und zufrieden, ja fast stolz gemacht, hast.DieseBescheidenheit ist mir der beste Beweis Deiner Vorzüge." Wenn ich auch sonst keinen Vorzug habe, so bin ich doch bescheiden. Ich habe mich schlecht ausgedrückt: aufrichtig-, das ist das rechte Wort. Man kann Dich nicht mit dem Gros der Weiber verwechseln, sonst würde es mir jetzt wenig Mühe kosten. Dir zu glauben. DerCarneval ist nichts Anderes als die Kehrseite der Medaille der Welt, und ohne Zweifel verstellen sich die Damen unter dem Schutze der Larve, die sie zum Lügen einzuladen scheint, weniger, als mit offenem Geficht. Sie haben so selten Gelegenheit, die Wahrheit ungestraft sagen zu könnm. Aber Du Du bist nicht häßlich. Ich möchte darauf fchworen. Durch vielen Irrthum und viele Enttäuschungen ist es mir gelungen, einen'gewissea Spürsinn, eine gewisse Erfahrung in Punct Masken zu erlangen. Um

es volksthümlich zu fagen: ich habe dafür eine gute Nase!"

Bel diesen Worten konnte ich an mnnem vis-a-vis eine Bewegung der Ueberraschung oder des Unwillens bemerken. Ich bildete mir ein, daß mein familiärer Ausdruck ihr mißfallen habe und beeilte mich, mich zu entschuldigen, daß ich nicht mit der Gewähltheit gesprochen hätte, die sie verdiene. Meine Bäuerin aber lachte, bot mir die Hand und sagte mit vollendeter Feinheit und Liebenswürdigkeit, daß sie gerne einen so geringen lapsus linguae verzeihe und ich fuhr fort: Nur aus einem Grunde würde ich's bedauern, daß Du Dich demaskirtest." Aus welchem?" Weil ich dann nicht mehr mit Dir sprechen dürste wie mit einer Bäuerin, wie mit einer Maske. Ist es nicht schmerzlich, auf diese reizende Familiarität. auf das köstliche Du" verzichten zu müssen, das die Carnevalsbälle gestatten? Jetzt spreche ich mit Dir. wie intime Freunde miteinander reden, wie Brüder, Gatten, Liebende." Allerdings. Und wenn ich die Indiskretion beginge, die Larve abzunehmm. würdest Du Dich schleunigst davonmachen und kaum die Zeit finden, um ein kaliZ und verdrießliches Ergebenfter Diener!" zu sagen!" Welche Neigung, mich zu quälen! Hältst Du mich einer solchenUnartigkeit für fähig? Ich will einen Moment lang annehmen. Du seiest häßlich. Würdest Du mit der Maske, die mich zur Verzweiflung bringt, auch die Reize Deiner Conservation, diese Stimme, die mich bezaubert, diese Leutseligkeit, die mich fesselt, die Grazie, die mich entzückt, ablegen? Wie kann ein Wesen mit solchen Gaben häßlich erscheinen ? w . sr-t f , r ?n r . xuenn A)nn lsencyr mcyl cyon , o verzeihe ich es Dir!" Gib wohl Acht, was Du sagst! Wirst Du nachsichtiger sein als die meisten Männer? Wirst Du weniger von Eigenliebe beherrscht sein, als sie?Häßlichkeit ist bei Euch Männern das größte Verbrechen einer Frau." Entweder bin ich von anderer Art, oder Du verläumdest die Männer! Nimm nur diese Maske ab, die mir mein Glück neidisch verbirgt, und Du wirst sehen, wie sich meine Zärtlichkeit, weit entfernt, zu erkalten, noch mehrt. Und glaube nicht, daß mein Vorschlag so gewagt ist! Wo sollte diese Häßlichkeit sein, mit der Du mich erschrecken willst? Sehe ich nicht die weiche Eleganz Deiner Taille? Halte ich nicht Deine schöne Hand? Macht mich nicht Dein hübscher kleiner Fuß verliebt? Blenden mich nicht die Strahlen dieser dunklen, verführerischen Augen? Gehören Dir nicht diese schwarzen Zöpfe, die fo fchön mit dem lebendigen Weiß Deines Halses kontrastirea? Verstehe ich mich so schlecht auf die Bewegungen Deines Kopfes? Habe ich nicht schon ein entzückendes Lächeln Deines göttlichen Mundes erspäht?" Bei allen diesen Reizen, die Du so übertreibst, schwöre ich Dir, daß ich ein Gespenst bin und daßDu erschrecken wirst, wenn ich mich demaskire!" O, nein! Unmöglich! Dein Körper, Deine Gesichtszüge !" Hast Du sie alle gesehen?" Ich kann sagen: alle! Die Nase ist das einzige " Hier unterbrach sie mich mit einem lauten Gelächter. Du lachst? Hast Du vielleicht einStumpfnäschen'?" Nein, ich denke. Du brauchst kein Teleskop, um mein Stumpfnäschen" zu entdecken! Es ist unmöglich, daß eine abscheu liche Nase die Harmonie so vielerReize zerstöre! Und wenn es wäre, so erkläre ich, daß ich alle Folgen der Gunst, die ich von Dir erbitte, gerne trage. Bei diesem Munde, diesen Augen, diesen unvergleichlichen Formen erlaube ich Dir, platt- oder kupfernäsig zu sein!" Wie thöricht!" Ei, so demaskire Dich, auf daß für mich schon jetzt, um 2 Uhr Nachts, die Sonne aufgehe!" Du Tollkühner!" Willst Du mich so weit treiben, daß ich Dich auf den Knieen darum bitte. Willst Du mich zum Spott des ganzen Saales machen?" Nun es sei. Du verlangst es ! Also sollst Du mich ohne Maske sehen. Warum müssen wir Weiber doch so schwach sein! Aber wenigstens seien eS nicht meine Hände, welche die Büchse der Pandora öffnen. Empfange duröh die Deinen die Strafe Deine? unsinnigen Ungeduld!" Das auch noch dazu? O Gloria ! O Glück! Beneidet mich. Sterbliche ! Gebt mir die Leyer, Musen! In diesem Augenblick bin ich Pindar. Tyrtäus!In diesem Augenblick bist Du ein Einfaltspinsel!" Verdammt! Wie ungeschickt! Ich bringe den Knoten nicht auf. Zerreißen wir ihn! Ah. fertig! Welche Schon!" Ich konnte daS 'Wort nicht vollenden, so größ war meine Ueberraschung, mein Schrecken, mein Entsetzen. Welche Nase! Welche Nase! Nie hätte ich geglaubt, daß die Natur im Stande wä re, den Pleonasmus, die Hyperbel, die Vegriffserweiterung bis auf einen solchen Punkt zu treiben! Die Worte Quevedos Es war ein Mensch an eine Nase befestigt" ' wären arm und schwach, um diese Nase anzudeuten! Das war keine menschliche Nase alles andere eher! Das war eine rothe Rübe, eine Sichel, ein Eckstein, eine egyptische Pyramide! Große Götter! Und da sagt man, in unserm Vaterland sei AI leö in schönster Ordnung! Ja. wie würde dann ein solcherUnfug geduldet? Wenn es gerecht ist. Alles zu verdam men. waS sich der langsamen, aber doch fortschreitenden Entwicklung unserer staatlichen Einrichtungen ' entgegen--stemmt und alles Uebertriebene, Ungemäßigte zu entfernen, warum macht man kein Gesetz gegen die Maßlosigkeit der Nasen? Trotz des Schreckens, den mir dieser unglückliche Scenenwechsel verursachte.

hätte ich doch gewünscht, von der Besitzerin dieses Monstrums, wegzukommen, ohne in den Verdacht der Unhöflichkeit zu verfallen. Ich machte unglaubliche Anstrengungen, um mit niedergeschlagenen Augen einige galante Phrasen zu stottern. Unmöglich! Zum Glück war kein Spiegel da. der Anblick meines dummen Gesichtes hätte mich noch mehr deprimirt und dann hätte ich diese Nase (was für ein kleines Wort für solch' Ungeheuer) darin nochmal sehen müssen! Meine Bäuerin, die ohne Zweifel g:lernt hatte, sich mit diesem GesichtsMangel oder vielmehr -Ueberfluß abzufinden und ihn mit Resignation zu tragen, lachte laut auf, ich weiß nicht, ob über meineVestllrzung oder über sich selbst. Das gab mir den Muth, mich unter dem Vorwand, einen Freund begrüßen zu wollen, bei ihr zu empfehlen, und ich machte mich, ohne noch einen Blick auf sie zu werfen, mit einem trockenen und mürrischen Ergebenstcr Diener" davon. Die Scham gab mkinen Füßen Flügel; der Zorn machte mich blind; wie ein drohender Felsblock hing die verdämmte Nase in meiner Einbildungskraft über mir. Ich stolperte über Möbel, rannte an Personen an, war 'mir selbst im Wege; ich wäre sofort nach Hause gegangen ohne die Kutsche abzuwarten oder den Ueberrock zu holen.

hätte mir nicht der Kummer, der mich verzehrte, emen solchen Heißhunger, ti nen Appetit erregt, so ungeheuer, wie die Nase, deren Rusenschatten meine Heiterkeit verdunkelte. Ich flog in den Speisesaal; bemächtigte mich ernes Tl fches, riß die Karte an mich, bestellte das, was sofort gebracht werden konn te. Ich aß, nicht etwa mit Appetit, nein. 'mit Wuth, vier Gerichte hintereinander und eben brachte man.mir das fünfte. als sich mir gegenüber Göttliche Ge rechtigkeit! dieselbeBa'uerin, oder bes ser gesagt, dieselbe Nase hinsetzte, die mich allen Dämonen in mt Arme getrieben hatte. Mein erster Impuls war: auf und davon! Aber me pmngeBaue rin bannte mich an meinenPlatz, indem sie mit höflicher Süßigkeit sprach: Wie? Sie laufen davon, um mich nicht einladen zu müssen?" Das verwirrte mich noch mehr und die Nase lachte, lei der aber lachte der Galan nicht, der sie hergeführt hatte, ich hatte zu gern ge gen ihn meine Wuth erleichtert. Sennora !" Ich werde Ihnen nicht viel Unko sten machen. Ein Glas Punsch h la rornana, sonst mchts. Eine derartige Keckheit ärgerte mich empfindlich und ich beschloß, mich. an ihr durch Spott zu rächen. Ich wäre Ihnen so gern zu Diensien, Senorita, doch ich fürchte, daß diese Nase ihrem Munde im Wege stehen wird. Wenn Sie sie mcht aoneh men, werden Sie nicht trinken können. Das ist richtig. Also weg damit! Wie? Was sagen Sie? Aber " Und sie faßte die Nase mit ihrer Feenhand und nahm sie ab! Ich Generalesel! Die Nase war nicht echt gewesen, es war eme vortressllch gemachte künstliche! , Und nun ihre wirkliche, die zum Vorschein kam? Wundervoll, vollkommen, entzückend. wie Alles an ihr! Wie soll ich die Beschämung, die Verzweiflung malen, die mich ergriff, als ich dieses köstliche Geschöpf betrachtete und mich der Thorheit, der Un Zartheit meines Benehmens erinnerte? Ich wollte tausend Entschuldigungen sagen, meinen Irrthum beweinen, den Staub von ihren Füßen küssen; doch sie gab lächelnd ihrem Begleiter den Arm und verschwand schnell mit ihm. indem sie zu mir sagte: Ergebenste Dienerin! Ein kostbares Geschenk. Die kostbarste Neujahrskarte der Welt war zweifellos jene, die vor einigen Jahren im Auftrage eines indischen Fürsten, des Gaekwar von Baroda, in Kalkutta von einer englischen Firma angefertigt wurde. Die Karte bestand ausElfenbein und maß 12Zoll in der Länge, 10 in der Breite. Vierzig Elephanten mußten geopfert werden, ehe ein fehlerloses und fleckenfreies Stück Elfenbein in den ge wünschten Dimensionen gefunden wurde. Vier besonders gewandte Elfenbein schnitze?. wurden mit der Arbeit betraut, die werthvolle Platte entspre chend zu schmücken. Jeder widmete seine ganze - Kunstfertigkeit dem ihm zugefallenen Viertel und zwar fast ununterbrochen 6 Monate lang. ; Als ihre Arbeit vollendet war, hatte die Sehschärfe aller vier Arbeiter bedeutend gelitten, ja einer erblindete nach kurzer Zeit vollständig. Die Schnitzerei stellte 10.000 Scenen aus dem Leben und den Wandlungen Vuddhaö vor, Zeichnungen, die über acht Millionen selbstständige Bewegungen . der Gravir - Instrumente erforderten. Els Einfassung des Kunstwerks mi den 44 haselnußgroße Diamanten vom reinsten Wasser verwendet. Der Werth der seltenen Arbeit wurde auf etwa 52.500.000 geschätzt, und die wahrhaft fürstliche Gabe war als Neujahrsgeschenk für eine europäische Dame von hohem Range bestimmt, für die der Gaekwar eine tiefe Neigung gefaßt hatte. Auch eine Antwort. Jack (blöd aussehender Dandy): Gestern Abend ging ich aus Langeweile zu' einem Phrenologen. Maud: Was sagte er zu Ihnen?- Jack: Ich bin aus der Geschichte nicht klug geworden. Er befühlte meine Schädelknochen, besonders bei den Schläfm, über legte eine Weile und gab mir dann mein Geld zurück." :. . .

Krmlenkrcidmlg. Eine rationelle, dem Geschmack, den

Modegelüsten und der Hygiene zugleich entsprechende Frauenlleldung erscheint allen Jenen, welche die ver-. schiedenen Exentricitäten und Auswüchse auf diesem Gebiete verfolgen und schopenhauerisch - pessimistisch beHäupten, die Frau werde stets n unvernünftig - putzsüchtiges Ding bleiben, eine Sache der unmogttchleit. Und da obendrein alle bisherigen zumeist von Frauen erdachten Reformen der Toilette sündhaft gefchmacklos waren, so erschien die Frage sast unlösbar. Nun erhellt aber aus dem Berichte über eine Versammlung, die jüngst der Berliner Verein für Verbesserung der Frauenkleidung hielt, daß es auch in der Frage der Reform der Frauenkleidung durchaus nicht der radikalsten Bestrebungen bedarf, um vernünftig zu sein. In dieser Versammlung führte Frau Anna Dreher in einem Vortrage Folgendes aus: In früheren Jahren, wo man noch nicht die Parolen Koche mit Gas und Wasche mit Luft- kannte, war die Frau viel mehr an das Haus gefesselt, als jetzt. Aber die Zeiten haben sich geändert: die Frauen müssen hinaus in das Leben, sie haben einen Beruf, sie treiben allerlei Sport, und dabei hat sich immer mehr die UnzweckMäßigkeit der heutigen Frauenkleidung herausgestellt. Doch selbst Frauen, die das erkannt, haben nicht den Muth, mit der Mode zu brechen; sie ahmen nach wie vor die Kleidung der Modedamen nach, zwängen sich in die unbequemsten Hüllen hinein. Hier will der Verein einsetzen und die Frauenkleidung nach den Grundsätzen gesund, praktisch und schön" reformiren. Das Wort Reform darf aber nicht mit Uniform" verwechselt werden. Im Gegentheile, der Vezein will keine bestimmte Tracht vorschreiben, sondern die Kleidung ebenso mannigfaltig gestalten, wie die Mode. Jede Frau soll sich ihr Kleid so machen, wie es ihr gefällt und die Schneiderinnen müssen darüber nachsinnen, wie sie jedes Kleid zu gestalten haben, damit es mit der Individualität seiner Trägerin übereinstimmt. Dazu gehört allerdings, daß sich mehr als bisher gebildete Damen mit der Schneiderei befassen und Ateliers entstehen, in denen bei Anfertigung der Kleider die Vorschriften der Hygiene mit künstlerischem Geschmück vereinigt werden. Es hat sich bereits eine Anzahl Modistinnen erboten, sür den Verein zu arbeiten; auch größere Geschäfte wollen Kleider nach den Angaben des Vereines anfertigen lassen, und eine der ersten Modezeitungen will Schnittmuster nach den verbesserten Principien veröffentlichen, wie sie in den wöchentlichen Arbeitssitzungen des Vereins festgestellt werden. Die Kleider sollen so verbessert werden, daß die Frauen mit ihnen frei gehen, frei steigen und frei athmen können, doch sollen die Verbesserungen nicht auffallend sein und sich an die Mode anschließen. Viel wäre schon gewonnen, wenn die Mütter die Kleider ihrer Töchter nach den Grundsätzen des Vereins anferti gen ließen, wenn die Aerzte ihre Patienten darauf hinwiesen und dieMänner ihre Frauen. Die Manner sind mit am meisten dazu berufen. Wie oft müssen sie Rücksicht nehmen auf die Toiletten ihrer Frauen; wie oft verursacht eine eng geschnürte Taille Migräne und damit den Aerger der Gatten. Letztere tragen allerdings auch viel Schuld an der Kleidermisere ; denn meist, und nur um den Männern zu gefallen, schnüren sich die Frauen ein oder tragen zu enge Stiefel. Alle verständigen Männer sollten mitarbeiten, die Tendenzen unseres Vereins zu verwirklichen.' Nach diesem beifällig aufgenommenen Vortrage theilte Frau Oberstlieutenant Pochhammer mit. daß der Verein in einem Aufrufe die Oeffentlichkeit für sich zu interessiren suchen wolle. Es sollen diePrincipien des Vereins erklärt und als erstrebenswerthe Reformen die Vereinfachung der Unterkleidüug, die Verkürzung des Straßenkleides ' und die Entlastung der Hüften bei Wahrung dernatürlichen Körperformen und Anlehnung an die Mode bezeichnet werden. Es foll ferner auch in anderen Städten agitirt und durch Preisausschreiben ein Wettbewerb geschasfen werden. -plittcr. Man sagt, das Auge sei der Spiegel Seele; nur schade, daß es auch Vezirspiegel gibt. Sag' nein" und nein" und immer nein", , Und magst du auch im Rechte sein; Bald stehst du in der Welt allein! .1 Nirgends ist mehr Zank und Hader, als da. wo aus der Friedfertigkeit ein Geschäft gemacht wird. - ' . Das Leben fangt erst mit Er!n nerungen an. Im Unqluck tröstet jedes Glück. Im Glück krank! jedes Mißgeschick. Einschränkung. Gast: Der Mokka schmeckt mir gar nicht. Wirth: Sie meinen doch nicht, daß es an Kaffee fehle? Gast: O nein nur zu viel Wasser ist drin! Auch ein Colleges Ta. schendieb: Sachte. Herr College, nur nich so grob! Gensdarm: WaS, ich Ihr College? Ist das eine Unverschämtheit! Taschendieb: Unverschämtheit? -Nee, wir stecken, doch beede gerne ein.