Indiana Tribüne, Volume 20, Number 140, Indianapolis, Marion County, 7 February 1897 — Page 7
ßmc ßyeschcidmlg. Von, W. Pctt.Ridge. Die junge Frau Brandon erhob sich von ihrem Platz am Tische, und ihr Gatte sowie Mr. Garraway, der emzige Gast, folgten ihrem Beispiel, Das Mahl war heute recht einsilbig verkäsen, und Garraway hatte die Kosten der Unterhaltung nahezu allein bestleiten müssen. Auch jetzt, als Brandon seiner Gattin die Thür nach ih?em Boudoir öffnete, fiel es ihm auf, deß die Beide es vermieden, sich anzusehen. Ernst schloß die Thür, setzte sich wieder Garraway gegenüber an den Tisch und Inadll eine Nuß auf. Mit einer Energie, die der Anlaß keiTieswegs erforderte, warf er sie gleich darauf Feuer. Schlecht?" fragte Garraway, der sich seine Cigarre anzündete und sei Glas frisch füllte. 3a" .antwortete Vrandon mißvercnügi, ganz schlecht. Das Dumme ist auch ihier, daß man nicht früher Bescheid weiß, als bis man's probirt hat Garraway verdankte seine große Beliebtheit als Rechtsanwalt Hauptsächlich seinem feinen Takt, der ihm gebot, zur rechte Zeit zu schweigen. So vermied er es auch jetzt, seinen Frnmd zu einer Aussprach zu dränen, sondern blies schweigend den Nauch der Cigarre in die Luft. Der junge Ehemann zündete sich eine Cigarette an, die er aber nach zwei kurzen hastigen Zügen wieder ausgehen ließ. Dann sprang er aus, ging im Zimmer hin und her und stellte sich endlich vor fccs hellbrennende Kaminfeuer Ich möchte Sie etwas fragen. Gar?away .Bitte. schießen Sie los." Haben Sie auch manchmal Ehescheidungen durchzuführen?" Der Andere fuhr in die Höhe und blickte Vrandon erstaunt cm. O ja, ziemlich oft," antwortete er . iann. Hm. könnten Sie uns dielleicht dabei behilflich sein. Ella und mir?" Oh gewiß, ich kenne Sie beide hre Frau ja sogar von Kindheit an schon so lange; aber Sie beide wollen sich doch nicht im Ernste scheiden lassen? ... Menschenskind, Sie sind je kaum ein Jahr verheirathet!" Lieber Freund, hören Sie: wir haben einen bösen Streit gehabt, einen Disput, eine Meinungsverschiedenheit, oder wie Sie es nennen wollen." ..Wie ich es nennen würde?- sagte Garraway langsam und nachdrücklich. eine ganz geringfügige Bagatelle von einer' Uneinigkeit zwischen zwei charmanten Menschen, die viel zu vernünfiig sein sollten, um sich dabei überHaupt aufzuhalten." Das verstehen Sie wohl nicht so .ganz, mein lieber Garraway," entgegnete der junge Ehemann mit zitternden Lippen,. Sie sind Junggeselle, und furz und gut, wir sind entschlossen. Ans zu trennen." Wissen Sie was. Brandon." meinte Garraway. gedankenvoll mit der Hand über sein kahles Vorderhaupt streichend, kommen Sie morgen früh gegen zehn Uhr in mein Bureau; dann werden wir zusammen das Nöthige besprechen und den Schriftsatz in's Reine bringen." Ich danke Ihnen, lieber Freund, ich werde zur Stelle sein." Die kleine Kamin-Stutzuhr Zm Arbeitszimmer des Rechtsanwalts Garraway schlug zehn. Der Schreiber in der Ecke arbeitete so fleißig, als ob er von seinem Vorgesetzten beobachtet würde, was aber nicht der Fall war. denn Garraway pfiff eine Melodie vor sich hin und zeichnete dazu Figuren auf ein Löschblatt. m Ein halbwüchsiger Junge kam herin und brachte seinem Herrn eine Karte. Gut. Fritz, führe die Dame herein. Mr. Gibsen ich bitte!" Der Angeredete erhob sich sofort und zog sich mit seiner Arbeit in das angrenzende Zimmer zurück. Fritz sprang zurück und öffnete eine? schlanken jungen Dame die Thür. Guten Morgen. Mr. Garraway. Ich hoffe, daß ich mich ndcht verspätet babe? . Jch fand Ihre Thür nicht Gleichend hatte einige Schwierigkeiten. . . Die bereitet uns das Gesetz recht Mri. Brandon; was sollten wir Rechtsanwälte auch sonst zu 'thvn babcn. wcnnAlles immer glatt ginget Ja. d Vorsehung ist weise." ents Segnete die junge Frau gedankenvoll, dann setzte sie sich und nahm ein PaPiermesser rn die Hand, das sie nervös auf und zuklappte. Ich konnte Sie gestern Abend nur schr flüchtig weiter sprechen,- begann Garraway nach einer - kurzen Pause; aber Brandon versicherte mir, daß Sie fest entschlossen seien.. Darin hat er Ihnen die volle Wcchrheit gesagt." . Ella Vrandon preßte die Lippen fest aufeinander und sah fo entschlossn: drein wie sie nur konnte Urö ich soll also den Antrag auf Scheidung, stellen V Ich bitte Sie darum.Es ist eigentlich hart sür mich." fuhr Garraway fort und versuchte, einen scherzhaften Ton anzuschlagen? mich dünkt, es sei erst gestern gewesen, daß ich Ernst's Trauzeuge war und wir Sie und ihn nach Viktoria-Sta-ticn brachten. Wissen Sie noch?" Wollen Sie mir nicht bitte' lieber sagen, wann Sie das Dokument aus setzen mochten ? Und wissen Sie noch, wie lustig wir bei Ihrer ersten Gesellschaft waren. als Sie von der Hochzeitsreise .urückgekommen waren? Herrgott, waren Sie glücklich!.... Na, uud venn ich nachdenke, noch, als Ich Cnntag vor acht Taaen zu Ihnen
kam und Sie beide im Dunkeln fand " Ich habe vor unterbrach ihn die unerschütterliche junge Frau, auf ein bis zwei Jahre mit meiner Tante auf Reisen zu gehen und Ernst das Haus wie es ist, zu überlassen. Er kann sich eine Haushälterin nehmen, und und " Wahrhaftig, ja!" rief der Rechtsanwalt, das ist eine gute Idee.Sie meinen also auch, daß das so richtig wäre, lieber Freund?" Aber gewiß, und ich will Ihnen auch sagen, warum. Sie wollen doch, daß es Ernst recht gemüthlich hat. nicht wahr?" Der Ausdruck ihres Gesichtchens wurde milder, als sie zur Antwort gab: O gewiß. Es ist ja nur unser einziger großer Streit, der uns trennt, sonst Ich weiß, ich weiß. Run. sehen Sie. Mrs. Brandon. ich würde mir nicht soviel Mühe geben, wenn ich nur Ihr Rechtsanwalt wäre, aber da ich doch auch Ihr Freund bin oder bin ich's nicht?" Mein lieber Mr. Garraway, wir beide sind ja doch immer so gute Freunde gewesen." Nun also, wollen Sie mir. als Jhrem alten Freunde, dann erlauben, Ihnen einen Rath zu geben?" Sie antwortete nicht. Wir pflegen Alle lieber gute Rathschläge selbst zu geben, als von Anderen anzunehmen. Wenn es also unnütz ist, noch etwas zu versuchen, umSie von Ihrem Entschluß abzubringen " ' Dessen können Sie ganz sicher sein." erklärte die junge Frau. Ernst muß sich eben mit den Consequenzen abfinden. Wollen Sie die die Sache recht bald einleiten, ja?" Es kann sofort gemacht werden." Ich möchte, wenn irgend möglich, London heute in 8 Tagen verlassen." O, ich glaube bestimmt," sagte Garraway mit große? Bereitwilligkeit, daß das möglich sein wird." Nun handelt es sich nur nock um die Haushälterin. Es muß doch Jemand da sein, der die Leute beaufsichtigt," entgegnete Garraway liebenswürdig. Zufällig sucht eine meiner Clientinnen grade eine derartige Stellung." Welch ein glücklicher Zufall!" Sie ist eine sehr tüchtige Frau, eine Wittwe, die bis jetzt auch einem clcganten Haushalte vorstand." Das ist sehr gut. Ich möchte wirklich auch nicht, daß Alles so darunter und drüber ginge. Wann, meinen Sie. Lnnte die alte Dame kommen?" Die , wer?" Die alte Dame, diese Wittwe. Wann könnte sie ihren Dienst antreten?" Oh Garraway lächelte Sie irren sich, Mrs. Vrandon; die Dame ist nicht alt." Ah, sie kann doch aber nicht jung sein?" Nun, thatsächlich ist sie noch jung, recht jung. Aber da fällt mir ja cin, daß ich hier irgendwo ihr Bild haben muß." Dieses Bild hatte Garraway noch am Abend vorher in einem PaPiergeschäft am Strand für einen Schilling erstanden. Der Verkäufer hatte ihm versichert, daß er keine Ahnung habe, wer die bildhübsche junge Person, im einfachen, schwarzen Kleide sei, und Garraway war auch gar nicht neugierig. Aber aber, Mr. Garraway," murmelte die junge Frau entsetzt und verwirrt das Bild betrachtend, das ist doch nicht die geeignete Person für eine Haushälterin!" ' O gewiß." entgegnete Garraway leichthin, die würde sehr gut dazu passen. Ich bin sicher, daß sie Ihrem Mann sein Heim sehr behaglich machen würde. Aus ihren Referenzen geht hervor, daß sie sich ausgezeichnet auf die Wirthschaft versteht." Der kleine Veilchenstrauß an der Taille der jungen Frau ging lebhaft auf und nieder, während sie noch immer das Bild betrachtete. Die Hauptsache ist doch, eine Person zu bekommen, die dem armen Brandon das Haus recht lieb und gemüthlich macht, sodaß er nicht n'öthiq hat. Abend für Abend in den Club zu aeben." Sie legte das Bild auf den Tisch und erklärte entschiedenen Tones: Diese Person soll niemals mein Haus betreten." Nein," stimmte Garraway ihr Ire benswürdig bei, nicht Ihr Haus. Sie soll natürlich in Ernst's Haus kommen." In diesem Augenblick klopfte es nn der Thür und gleich darauf brachte d?r schlaue Fritz seinem Herrn eine zweite Karte. Laß den5?errn näher treten, Fritz." Er selber ging nach der Thür, um den Neueintretenden zu begrüßen; dabei blickte er verstohlen nach der jungen Frau zurück, die soeben in aller Eile das Taschentuch an die Augen führte. Brandon," flüsterte er vor der Thür, die er hinter sich zuzog, da drinnen weint Ihre Frau.. Geben Sie ihr schleunigst einen Kuß und seien Se wieder gut zu ihr.", Dave! schob er den jungen Mann ohne alle Förmlichkeiten in's Zimmer und machte dann selber die Thür von außen wieder zu. Fritz, ich gehe auf eine kleine Stunde weg," sagte er zu dem Gehilfen. Anderthalb Stunden später kam der Rechtsanwalt zurück. Fritz folgte ihm in sein Zimmer und machte sich oort etwas zu schaffen. Sind Mr. und Mrs. Vrandon fort, Fritz?" Jawohl, Mr. Garraway." Worüber hast Du denn so dämlich zu grinsen, Fritz?" Na haben die sich geküßt! So etwas hab ich noch nicht erlebt!" ant-
1 wartete der Junge.
Der Licvcstranli. Bei Geheimraths war der Theeabend zu Ende. Die Gäste brachen auf. Hinter einer Prunkstasfelei versteckt stand Selma, die Tochter des Hauses, und wechselte rasch einige Worte mit dem Premierlieutenant Hunold. Der Vater wird gern einwilligen," flüsterte Selma. aber die Mutter, die ja bei uns das Wort führt, wünscht, daß Du erst das Rittmeister-Patent erhältst." Was noch immerhin einge Monate dauern wird, und so lange muß ich alle vierzehn Tage zu Euren Theeabenden erscheinen." seufzte Hunold. O Du schlechter Mensch!" Mißversteh mich nicht. Deinerwegen komme ich gern. Aber ein paar Gläser dieses schwächlichen Thees zu trinken, das ist mir ein Opfer. Ein wenig Rum dazu würde mich entzücken." Ich kann leider nichts dabei thun. Die , Theebereitung hat Mama ihrer Gesellschafterin.Fräulein Taube, übertragen." Ah, das kokette alte Frauenzimmer!" In diesem Augenblicke wurde die Unterredung durch Gäste, welche eintraten und sich verabschiedeten, unterbrochen. Fräulein Taube schlief in dem Zimmer Selmas. Vor dem Schlafengehen unterhielten sich die beiden über die Ereignisse des Abends. Auch aus Hunold kam das Gespräch und Fraulein Taube gestand, daß sie in den schönen Lieutenant verliebt sei. Und erwidert er Ihre Neigung?" fragte Selma in sich hineinkichernd. Ich glaube kaum," erwiderte die Gesellschafterin seufzend. Ja, wenn ich einen Liebestrank hätte, den ich ihm in den Thee mischen könnte." Den sollen Sie haben," rief Selma rasch. Sie erzählte eine geheimnißvolle Geschichte, auf welche Weise sie zu dem Liebestrank gekommen sei. den sie der Verliebten morgen, überlassen wolle, da sie selbst keinBedürfniß habe, sich seiner zu bedienen. Am folgenden Tage erhielt Fräulein Taube ein Fläschchen Rum mit der gcnauen Anweisung, wieviel davon sie in den Thee des Lieutenants Hunold zu schütten habe. Das freundliche Gesicht, das ihr der Lieutenant jedes Mal nach Ueberreichung des also präparirten Thees zeigte, war der Gesellschafterin ein vollgültiger Beweis von der Wirkung des Liebestrankes. Da die Geheimräthin die Dienstboten grundsätzlich aus den geheiligten Räumen, in welchem die Theeabende stattfanden, ausschloß, der Thee und die Butterbrode, welche aus der Aüche kamen, mußten im Vorzimmer niedergesetzt werden. so war Fräulein Taube mit der Bedienung der Gäste betraut. War diese einmal daran verhindert, so mußte Selma für sie eintreten oder die Geheimräthin unterzog sich selbst dieser Pflicht. Nun hatte Fräulein Taube emeö Abends gerade im Vorzimmer den Liebestrank" in die Tasse gegossen, welche sie dem Lieutenant zu präsentiren gedachte, als sie von der Köchin in einer dringenden Angelegenheit abberufen wurde. Als sie zurückkehrte, bemerkte sie zu ihrem Entsetzen, daß die Geheimräthin selbst es bereits unternömmen hatte, ihre Gäste .mit Thee zu versorgen. Und gerade, als sie eintrat, erhob sich die Frau Consistorialräthin, eine sanfte, fromme Dame, und sagte zu der Geheimräthin: Meine Liebe, entschuldigen Sie. Sie wissen, ich bin Mitglied der Frauengruppe des Mäßigkeitsvereins " Ich weiß, liebe Freundin, wollen Sie vielleicht eine kleine Ansprache halten?" Nein, aber Sie werden mir v:rzeihen ich würde lieber einfachen Thee anstatt des. Grogs vorziehen "' Starres Entsetzen ergriff die Gesellschaft. Eine strenge Untersuchung seitens der Geheimräthin verlief resultatlos, denn die betheiligten Personen hatten sich rasch verständigt, nichts einzugestehen. Glücklicher Weise wurde Hunold bald zum Rittmeister befördert und war nach einiger Zeit in der Lage, sich den Liebestranl" von der eigenen Gatetn credenzen zu lassen. Ein FrauenparadicS.
Auf der Insel Sumatra besitzen die Frauen Alles, und es ist das eifrigste Bestreben der Manner. ryre grauen ick an macken. Ein Mann kann sich von seiner Frau scheiden lassen, muß ihr aber ihr Eigenthum unverkürzt zurückgeben. Scheidungen sind nicht vaufia. vielleickt aus dem einfachen Grunde, weil der Mann mit seiner Frau nicht in ein und demselben Hause wohnt. Er hat seine eigene Wohnung und besucbt seine ftrau nur. Abends, wie ein Bräutigam, der seiner Braut einen Besuch macht. Wenn die Kmder groß werden, so werden die Knaden der Mutter fortaenommen. sobald sie das Alter von vier Jahren erreicht haben, die' Madchen dagegen bleiben bis zur Verheiratung bei ihr. Wenn dieses Ereianik eintritt, wird an das Haus der Mutter ein kleines Gebäude angebaut, und die junge Frau schlägt hier ihren Wohnsitz auf. Wenn ein Mann stirbt, so pflanzt die Wittwe einen Pfosten vor ihrer Thüre auf und hängt eine Fahne daran. Solange der Wind die Fahne nicht zerr,jj en dar. darf die Wittwe, den Bewerbungen ,ines Anderen kein Gehör schenken. Um diese Zeit nun nicht übermäßig zu verlangern, nehmen die Damen von Sumatra ein Material für diefe Fahnen. das dem Winde nur einen sehr geringen Wiederstand leistet. Nicht Zeder hat sein Häuschen, aber ieder hat seine Luftschlösser. -
?ic Spielbanken in Zlassau. Nacbdem nunmekr . ein Bierteliabr-
hundert verflossen, seit die nassauischen Spielbanken ihre Pforten geschlossen, bat sZcb die Unwabrbeit iener Vrovbezeiung gezeigt, nach welcher das Verbot des Spieles den cledergang oer nassauiscben Bäder zur ftolac haben II I V J ' werde. Unleugbar verdanken Wiesbaden, Ems, Schwalbach, Schlangenbach u. s. w. lhr rasches Aulbluhen zum crofcsn Tbeil den Sdielbanken. 5kn allen diesen Bädern entstanden auf rri c "t. i.i jtirije. irniii.f jtcjicn ozx uocr oeiracqiücqr ximici verfügenden Banken großartige Bauten, Parkanlagen und Wohlfahrtseinrichtungen Wchlfahrtseinrichtungen aus einem Gewinne, der den Zusammenbruch einer großen Zahl von Familien zur Folae Katte. an dem das Blut der Selbstmörder klebte. Damals konnte man wohl den Giern den beaen. dan die Abscbaffuna des Spieles mit dem Gedeihen der nassauir je. rn " v . t . . r ucn avcr iciucr unucicinoai jci. Mit großer Besorgniß sahen daher die nassauiscben Bäder 1866 dein Einzuae der siegreichen Preußen entgegen. Man erwartete mit Bestimmtheit, daß der gesürchtete Bismarck sofort das Spiel aufheben werde. Aber nein eine solche Bestimmung blieb aus. Bismarck dachte vielleicht damals ebenso, wie die Nassauer, deren Blut er nickt mehr als nöthig in Wallung bringen woule. Äver räum war ver rieg von 1870 71 vorüber, als das Berbot des Sviels erfolate. und in den Jahren, die seither vergangen, hat es slcy gezeigt, daß die bethelligten Baderstädte mit jedem Tiahtt einen aröneren Fremdenverkehr sich entwickeln sahen. Ihre heilkräftigen Quellen und ihre natürlichen Vorzüge allein haben dies zu erzielen vermocht. Dennoch ist es. wie schon bemerkt, nicht zu leugnen. daß das Spiel die Grundlage ihres Gedeihens aewesen ist. und wobin wir in diesen Bädern heute unsere Schritte lenken, überall begegnen wir den Spuren. die das Spiel Hinterlagen und wir können dasselbe hier bis auf seine ersten Anfänge zurückverfolgen. In den alten, belebten, würdiaen Gasthöfen Wiesbadens werden noch die Zimmer aezeiat. wo die ersten Spieltische Aufstellung fanden, an welazen Dte mnyelimjchen und Fremden, welch' letztere besonders den benachbarten Städten Frankfurt a. M. und Mainz entstammten, zusammenkamen, um ihr Geld auf eine noble Weise los zu werden. Da das Sviel auck anderwärts gestattet war, sah Fürst Karl von )ia)au 1771 keinen Grund, wesyalv er seiner Residenzstadt Wiesbaden dieses zeitgemäße Veranünaen nickt gestatten sollte, zumal ihm die von einem einzigen Bankhalter gezahlte Jabrespacht von zweibundert Gulden als Beihilfe zu den Kosten der Verwaltung nicht ungelegen kam. Indem er das Spiel einem, Bankhalter übertrug, konnte er es in den einlnen Gattböfen am beqeumsten verbieten. Zum Wohl i iti. it i - . . jcinct unicriyanen unleri.agle er ven Bürgern und Beamten die Theilnahme an diesem Vergnügen und das Verbot blieb, bis zur Aufhebung der Spieldanken 1873 in Kraft. Da sich die Einnahme des Spielpächters alljährlich beträchtlich vergrößerte, steigerte der Fürst die Pachtsumme von Jahr zu Jahr, so daß diese kurze Zeit darauf schon 2000 Gulden betrug. In einem vom Spielpächter gemietheten Saale wurde täglich von 6 Uhr Abends, später schon von 4 Uhr Nachmittags bis 10 Uhr die Bank gelegt. Gespielt wurde Pharao und Vassette. Als das Kartenspiel untersagt wurde, fand das Roulette Eingang. Später wurde das Trente et Quarante und Birihi zu den zugelassenen Spielen hinzugenommen. Sodann erlaubte man auch, wahrscheinlich um den ApPetit zu reizen, vor Tisch für die Spiellustigen 3 Gänge Trente et Quarante und 6 Gänge Pharao und als Dessert nach dem Mahle ebensoviele Gänge. Bald reichte auch ein Local in Wiesbaden für die Spieler nicht mehr aus und so entstanden in zwei Sälen die große und kleine Bank. Im Laufe der Jahre wurde aus den Spielgeldern viel für die Parkanlagen der Stadt und humanitäre Einrichtungen gethan. Als 1804 ein reicher Mainzer Namens Hähnlein Bankhalter wurde, geschah besonders viel für die Belustigung der Fremden. Wenige Jahre später war der große Kurhaussaal vollendet, der für das Spiel bestimmt, nachher große Anbauten erhielt, und hier zahlte der Pächter Ehabert alljährlich 11.809 Gulden Pacht und 7000 Gulden für die Vergrößerung der Parkanlagen. 'Für die Bäder Wiesbaden. Ems. Langenschwalbach und Schlangenbad zusammen wurden für das Spiel jährlich 31.000 Gulden Pacht bezahlt. ' Da brachte das Jahr 1845 für . die nassauischen Bäder einen schweren Schlag. Der Bundesrath hatte die Aufhebung der Hazardspiele anempfohlen, -und die Spielbanken in Schlangenbad und Schwalbach wurden thatsächlich geschlossen. Der SpielPächter aber zahlte trotzdem für die beiden übrigbleibenden Spielbader Wiesbaden und Ems allem 31.000 Gulden. Zehn Jahre später betrug die Pachtsumme für Wiesbaden und Ems 36.000 Gulden und 30.000 Gulden sür Verschönerung der Anlagen. Im Jahre 1865 übernahm eine Actiengesellschaft die Verwaltung des Spieles und bezahlte eine durckscknittlicke Pachtsumme von alljährlich 115.000 Gulden. Trotz dieser boben Abgabe erzielte diese Actiengesellschaft im Jahre 1857 einen Reinaewinn in Wiesbaden von 334,7)0 Gulden, in Ems von 240.761 Gulden Der Gesammtreingewinn aus den Banken beider Städte betrug 1867 1,263,540 Gulden; aber diese Summe war auch die höchste, die Wiesbaden und EmS
jemals erreichten. In den folgenden
Jahren bis zur Aufhebung des Spieles sank die Summe etwas. Aus diesen Zahlen, die aktenmäßig nachgewiesen sind, läßt sich erkennen, wie toll die Spielwuth in diesen Zeiten war, in denen das Geld nch einen ganz anderen Werth hatte wie heute. Nachdem wir so einen kleinen Ueberblick über die Geschichte der Spielbäder gegeben, wollen wir uns in die Säle des 5turhauses zu Wiesbaden zur Zeit des Spiels zurückversetzt denken. Wir treten zunächst irt den neben der großen Kasse der Gesellschaft gelegenen, sogenannten weißen Saal", von den Spielern das kleine (Kalifornien" oder Goldland- genannt, weil hier nur mit Gold gespielt werden durfte. Um den großen grünen Tisch gruppirt sich die vornehmste Auslese der Gesellschaft. die Herren in tadellosem Gesellschaftsanzug nach neuester Mode, die Damen in den kostbarsten Toiletten mit wunderbarem Schmuck. Hier verschwinden in unglaublich kurzer Zeit ganze Berge von Gold.. Es herrscht die tiefste Stille. Ohne mit der Wimper zu zucken, sieht dieser oder jener Krösus Amerikas oder Europas seine Goldfüchse verschwinden.' Ebenso gleichgiltig häuft Jener seinen Gewinn, der Hunderttausende beträgt, vor sich auf, während die übrige Gesellschaft das , Spiel einstellt und sich von dem von Fortunas Laune gebotenen Schauspiele unterhalten läßt. An diesem einen Tische gewann oder verlor die Bank zuweilen an einem Tage 2. 3 und 400.000 Francs. Hier jedoch verweilte nicht der gewohnliche Spieler, dessen Mittel ihm nicht erlaubten, ausschließlich mit Gold zu spielen. Mit einem Schritte konnte sich dieser von dem Goldlande Californien" nach der Provinz Brandenburg" begeben, wie der prächtige rothe Saal, das Silberland", genannt wurde. Hier war der Mindesteinsatz ein Thaler. Wenn man aus der Stille, die in dem aristokratischen weißen Saale herrscht, plötzlich in die Provinz Brandenburg- tritt, einen Saal, der an Glanz und Pracht dem Klein-Californien" nicht nachsteht -rothe Sammettapeten bedecken die Wände, in die im Glänze unzähliger Kerzen flimmernde Spiegel eingelassen sind , prallt man zurück vor der schweren, dicken Lust, dem betäubenden Lärme der um die Spieltische sich drängenden Menge. Die Spieler an diesen Tischen wollen einzig und allein Geld gewinnen, nicht wie im Goldlande", wo oie vornehme Welt sich die Langeweile vertreiben will. Hier sieht man täglich dieselben Gestalten. Wer an diesem Orte häufig verkehrt, der kennt sie Alle, jene Stamiräste des grünen Tisches der Provinz Vrandenburg". Da fällt zunächst eine Reihe von älteren Herren auf, deren Toilette keineswegs tadellos zu nennen ist. Das faltenreiche Gesicht des Einen von ihnen läßt auf ein sturmbewegtes Leben schließen. Die zitternde, abgemagerte Rechte fährt über das kahle Haupt, während die Linke krampfhaft ein Päckchen Pikirkarten hält, in welche die Erfolge des Spieles vermerkt werden. Er ist ein sogenannter SpielProfessor, der sich nach dem auf Grund langer Erfahrung zusammengestellten Kriegsplane richtet. Da wird denn nach langer Ueberlegung der auf abenteuerliche Weise erworbene Thaler auf diese oder jene Nummer gesetzt. Fieverhaft erregt verfolgt der alte Mann die Bewegungen des Croupiers, der mit gleichgiltigerStimme sein Faite votre jeu" ertönen läßt. Die Kugel rollt und abermals läßt sich der CrouPier vernehmen: rien ne va plus!" Abermals nichls, alle seine Combinationen, Rechnungen und Schlüsse waren trügerisch. Ein Blitz durchzuckt das sonst fast erloschene Auge des alten Spielers doch nur für einen Augenblick. Wiederum nimmt sein Gestcht den gleichgiltigen Ausdruck an. , Endlich muß es ihm ja gelingen, die Bank zu überlisten. der Thörichte, der nicht einsieht, daß die Bank immer geMinnen muß, sonst könnten die Iahresabschlüsse ja nicht die ungeheure Einnahme verzeichnen. Wohl mochte hin und wieder das Glück einem Spieler einen bedeutenden Gewinn zuwerfen. verbleiben konnte er ihm aber nur, wenn er eiligst den Spieltisch floh. Verweilte er jedoch, so war ihm der Verlust des Gewonnenen' sicher. ' Auf die Dauer konnte kein Spieler der Bank trotzen. Unser Proscssor- ent fernt sich von seinem Platze, er weiß sich neue Rekruten- zu verschaffen. Er steiat einmal, zweimal um den Tisch herum und sucht sich ein unerw r r 1 -f sahrenes Hühnchen aus. in oiqtz findet er vielleicht in der Person eines wohlhabenden Landwirths, mit dem er ein Gesprach beginnt, und er preist ibm seine Methoden' an, die me mals fehlschlagen". Bald verfügt der alle verr über die gefüllte Tasche des Neulings.' Beträchtliche Summen gehen verloren, der Spielprofessor ist auner sich, der Lanomann rennt wu thend von dannen, aber, sobald er verschwunden. verzerrt ein häßlichesGrinsen das Gesicht des Alten, während die dürren Finger in den Taschen das Geld klingen lassen, das er vorsichtiger Weise aus dem Verlust des Fremden für sich gerettet ha. Da wir gerade bei den Herrn Langfingern angelangt sind, so wollen wir einmal vie unierneomungen jene Herrn dort drüben verfolgen, der selbst fast niemals einen Thaler fetzt, der aber mit größter Aufmerksamkeit "dem Spiele seines Nebenmannes folgt, den die Aufregung völlig außer Fassung gebracht hat. Alle Augenblicke fährt sich der beleibte Herr mit dem Tuche über das geröthete Gesicht. Bald verliest er aroße Summen, bald häuft sich das Geld vor ihm auf, und dann füllt er die Tafchen, ohne zu achten, loas danebensaUt. Aber sein werther Nebenmann achtet umlomebr darauf.
Hin und wieder best citet er ihm auch
den Gewinn, weiß vielleicht auch ab und zu die volle Tasche des dicken Herrn, der nichts mehr hört und sieht, durch einen kühnen Griff zu erleichtern. Dabei arbeitet" der Herr Langfinger fo elegant, daß die zahlreich aufgestellten Wachmannschaften ihm nicht beikommen können. Wenn er und der beleibte Herr nachher ihre Baarschaft zahlen, wird er es sein, der das bessere Geschäft gemacht hat. Von diesen und ähnlichen Galgenstricken, den Hyänen der Spielbank, bericbtet ein ehemaliger Wiesbadener Croupier, Chr. Glücklich, in seinen aus zwei Bänden bestehenden Erinnerungen", die sehr interessant zu lesen sind. Doch wir wollen nicht länger bei Kiesen Besuchern verweilen und uns andere Gäste der Provinz Branden bürg" betrachten. Da finden wir den reichen Engländer, dessen Hauptbeschäftigung es ift, täglich seine 1000 Gulden zu setzen und der zuweilen außer diesen 1000 Gulden noch einen bedeutenden Gewinn heimbrachte noch öfter aber ohne seinen Einsatz nach Hause wanderte. War indessen sein Gewinn beträchtlich, dann ließ er etwas springen". Dann bestellte er sich in einem vornehmen Restaurant eine Salmhaut zum Abendessen. Ich glaube, daß mancher Leser noch nichts von diesem Gericht gehört hat und ich beeile mich, ihn darüber aufzuklären, damit er sich's leisten kann, wenn er in die Lage kommt, einmal zu viel Geld zu haben. Theuer ist es genug. Man hat einfach den ganzen Salm zu bezahlen, obgleich man nur die Haut davon bekommt, die mit Essig. Oel, Pfeffer und Salz angerichtet ein ganz ausgezeichnetes Essen sein soll. Der Salm selbst wurde gewöhnlich von einigen Stammgästen jenes Restaurants zu billigem Preise ohne Haut verspeist, während der Engländer über seinem königlichen Gerichte saß, das er mit Champagner hinunterspülte. Ebenso wie unser guter Lord, handelte gar mancher dieser Spieler. Kam so ein junger,, unerfahrener Junker in die Spielsäle, so lächelte ihm zuweilen das Glück. Er gewann Hunderttausende und wurde blind für Alles. Ein ganzer Troß von prächtig geschmückten, zweifelhaften Damen mit ihren ebenso zweifelhaften Cavalieren umgab ihn sofort und huldigte ihm. Feste von märchenhaftem Glänze wurden in den prächtigen Sälen des Kurhauses veranstaltet, bei welchen der Champagner in Strömen floß und wilde Cancans getanzt wurden. Und diese Feste und diese Freunde verschlangen enorme Summen in wenigen Tagen; denn der Junker mußte den noblen Dämchen und Herren gewöhnlich auch . noch die Spielgelder vorstrecken". "Aber das Ende kam rasch. Bald gewann er nicht mehr; die letzten Summen wanderten in die Kasse der Bank und da der Junker oft noch bedeutende Schulden machte, so wurde er Mitbewohner des Wiesbadener Schuldthurmes. Von hier befreite ihn sein Vater, der den ungerathenen Sohn nach Amerika schaffte, wo viele Hunderte hinfliehen mußten, die den nassauischen Spieldanken bis an ihr Ende die schrecklichsten Verwünschungen nachfluchten. Wenn wir in der Provinz Brandenburg" weiter die Gestalten verfolgen, so fallen uns zahlreiche vornehme Damen auf, die fast täglich erscheinen. Sie bilden eine unter sich abgeschlossene Gesellschaft. Die meisten von ihnen wohnen ständig in Wiesbaden. Die Einen spielen jedoch ohne große Erregung; sie setzen nur kleine Beträge, alle aber beobachten mit Interesse neue Ankömmlinge, welche die neuen Moden aus fremden Ländern mitbringen. Die Ehegatten befinden sich meist in der Nähe der Damen, sie spielen mit ebensolcher Ruhe. Hier finden wir Vertreter des Adels aller Länder im intimsten Verkehre. Nationale Unterschiede existiren nicht. Sogar während des deutsch - französischen Krieges und nach seiner Beendigung dauerte dieses Verhältniß fort. Besonders als die zahlreichen kriegsgefangenen französischen Officiere, unter welchen sich in Wiesbaden Mac Mahon u. A. befanden, hinzugekommen waren. wurde das internationale Leben in den Spielbädern sehr angeregt. Wenn wir in Californien" nur die wirklichen Geldgroßen, in Branden bura" die vornehme und Durchschnittsgesellschaft vorfanden, so trafen wir den gewöhnlichen Bienenschwarm in dem sogenannten Communesaale. Hier . i i i t n . r herricyle oer ungiauoucyne arm. )ie Stimme der Employs war kaum zu vernehmen: sie wurde übertönt von Schimpfwörtern, lautem Gezänke und Gelachter. Hier waren selten hervo?ragende Toiletten zu finden. Wohl schillerte und glänzte auch hier Alles. Aber die Schmuckstücke, die zur Schau getragen wurden, waren meist unechte Jiioutenen; me Wangen oer holden . 1 " Cl Vo i azonen ruatcu u-vciiuuaji, vu herrliche Haar stammte vom Friseur. Der Auswurf aller Länder vereinigte sich damals in den nassauischen Bädern und gar manche anständige Bürgersfrau genirte sich nicht, Seite an Seite mit solcher Gesellschaft den sauer verdienten Gulden zu verspielen. - Im Communesaal betrug der niedrigste Einsatz einenGulden. und so gering dieser Einsatz war, so wurden doch auch hier rlestae Summen verloren und zuweilen gewonnen. Von Vormittags 11 Uhr bis Abends 11 Uhr waren die Tische von einem wirren Haufen u-mlagert. Da setzte der Bauer zuerst vorsichtig seinen Gulden, verlor und setzte wieder, verlor und gewann, ließ sich von der Spielwuth fortreißen und kam erst zur Besinnung, wenn sein letzter Gulden dahin war. Die schöne Summe, die er für die Frucht, die Arbelt eines Jahres, in der Stadt er halten, ist verloren! Wovon werden ! ftnm und Kinder iedt leben? Ver-
zweifelt stürzt der arme Mann aus
dem Saale. Da drüben verspielt ern pfichtvergessencr Beamter eineSumme, die er unterschlagen, hier ein leichtsinniaer Sohn das Erbe des Vaters, um nachher in grenzenloser Verzweiflung den Tod in den nahen Fluthen des Rheines zu suchen. Wie Mancher hat an dieser Stätte das mühsam erworbene kleine Vermögen verspielt, wahrend im nahen Calisornien" der vielfache Millionär plötzlich vor dem Ende steht. Mit einemmale sind beide gleich arm. und die Bank kennt für beide das gleiche Mitleid. Sie gewährt Jedem die Summe für die Rückfahrt nach der Heimath. Damit die Unglücklichen aber' in ihrer Verblendung die erhal- - tene Summe nicht abermals verspie- -len. ließ die Bank sie durch ihre Anaestellten aus die Bahn geleiten. Ja, die Bank war erne Wohlthäterin! Auch noch in anderer Hinsicht. Wenn in dem Communesaal oder in der Provinz Brandenburg" ein Streit ausbricht und zwei wohlangesehene Mitglieder der Spielergesellschaft sich in den Haaren liegen, weil jeder behauptet, die herausgekommene Summe von 10 Gulden gewonnen zu haben, fchreitet sofort der große Chef des Spieles" ein und erklärt den beiden Herren unter tiefen Verbeugungen: Die Bank zahlt doppelt. Jedem von ihnen werden von der Kasse 150 Gulden ausbezahlt. Die Bank wünschte jeden Streit zu vermeiden. Sie konnte dies um so mehr, als sie diesenSchaden bald genug von den abermaligen Verlusten der Herren zu decken vermochte. Bei anderen Streitigkeiten verfuhr die Spielbank iidoch weniger ruasichtsvoll, das heißt, wenn die Streitenden weniger vermögend waren. Dann wurden sie von dem stets anwesenden Polizeibeamten einfach vor die Thür befördert. Im Communesaale hatten die meisten Verbrecher ihren Aufenthalt. Sie waren in zwei Klassen zu theilen. Die einen rupften dieBank, die anderen die Spieler. Manche Verbrecher mögen auch mit dem einen Bein in dieser und mit dem anderen in iener Klasse zu gleicher Zeit gestanden haben. Ihr Hauptstreich bestand darin, auf die herauskommende Nummer noch bevor sie der Croupier verkündet, eine große Summe zu setzen, und hierin hatten sie meist eine zauberhafte Gewandtheit. Diese Leute waren niemals aus den Spielsalen zu vertreiben. D Anderen machten sich entweder die Taschen der Besucher der Spielsäle zum Erntefeld, oder sie verstanden es meisterhaft. den Gewinn anderer Leute für sich zu reklamiren. Mitunter gelang es, ganze Gesellschaften solcher Spitzbuben, die zusammen arbeiteten , zu entlarven und abzuführen. Hiermit alauben wir die charakteristischen Gestalten, die in den Spieldanken Nassaus verkehrten, vorgeführt zu haben. Man findet die gleichen Erscheinungen in den noch bestehenden und in den neuerstandenen Spielbädern, und wer Monte Carlo, Ostende, Spaa u. s. w. kennt, der weiß, welche corrupte Gesellschaft sich an den Spieltischen zusammenfindet. Strenge Disciplin. Wenn ein Kalmückenpriester ein Vergehen gegen die vier Hauptgelübde des Mönchsthums begeht oder des Lasters derTrunksucht überführt wird, so wird er seines Priestergewandes entkleidet und erhält 80 Ruthenhiebe. Falls ein Priester Schnaps als Arzneimittel trinkt oder von Anderen dazu genöthigt wird, davon zu kosten, wird er angehalten, drei Tage lang den Hos des Götzentempels zu fegen und denUnrath fortzuschaffen. Nach Ablauf der Frist hat der Schuldige 1000 Verbeugungen zu machen. Sobald ein Priester wiederholt in denselben Fehler verfällt, wird er mit 50 Ruthenhieben bestraft. Auch für Klatscherei und Verleumdung besteht die Strafe des schuldigen Priesters in 1000 Verbeugungen, denen 30 Ruthenhiebe vorausgehen. Gerathen zwei Priester mit einander in Streit, so erhält jeder von ihnen 10 Ruthenhiebe. Falls im Götzentempel irgend etwas vorsätzlich beschädigt wird, so wird der Schuldige mit 20 Ruthenhieben bestraft und außerdem zur Ausbesserung des angerichteten Schadens angehalten. Für eine Schandthat wird der Priester für im-, mer" aus dem Götzentempel ausgewiesen; um solche Vergehen aber wieder gut zu machen, braucht er nur zehn Stück Vieh zum Besten des Götzentempels zu spenden und 5000 Verbeugungen zu machen. Kann die festgesetzte Zahl des Viehes vom Schuldigen nicht aufgetrieben werden, so erhält er 100 Ruthenhiebe. Alle großen und kleinen Vergehen der Priester werden öffentlich im Götz?:tempel verhandelt und abgeurtbeilt. Krokodilsthränen. Es war einmal ein Krokodil, Das kroch ganz stillvergnügt am Nil, So recht auf allen Vieren Und wollte gern soupiren. j Da kam deö Weges träumend an ,' Der Lyriker, Herv Wassermann. Er sprach: O Krokodile, Was suchst Du hier am Nile?" Da sprach voll Thränen das Reptil: Wohl wollt' ich speisen gut und viel. Mein Appetit war graulich. Doch Du bist unverdaulich!" -r- H5chsteV Zartgesüyl. Frau: Es scheint, Sie wissen gar nicht einmal, wie lange ein Ei zu sieden hat, bis es hart wird; hat man Ihnen denn das in Ihrem vorigen Dienst nicht ge lernt? Köchin: Nem, meine Madame war diel zu weichherzig hat nie Eier hart sieden lassen!
