Indiana Tribüne, Volume 20, Number 140, Indianapolis, Marion County, 7 February 1897 — Page 6

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Von SUmus BeZer. Die Tänzerinnen und Tänzer, die auf den moder'.'.en Bällen die Touren der Quadrille mit so souveräner Sicherheit abschreiten oder im rasenden Tempo des Galopps den Saal von einem Ende zum andern zu durcheilen verstehen sie werden erstaunt sein, wenn man ihnen sagt, daß es eine ganze Reihe von alten, schönen Tänzen gibt, mit denen sich die augenblicklich beliebten, etwa der Walzer ausgenommen, in keiner Hinsicht zu messen vermögen. Und was noch verwunderlicher: jene in Vergessenheit gerathenen Schöpfungen der Choreographie boten. wofern sie allen Ansprüchen der Kunst genügen sollten, nicht allein dem Fuße, sondern auch dem gesummten Körper weit mehr Schwierigkeiten als der Reigen der modischen Tänze in ihrer Gesammtheit. Von den meisten dieser Tänze dürfte sowohl Schrittweise als auch Melodie heute nur wenigen noch bekannt sein. Selbst die Namen dermochten kaum dem Strom der JahrHunderte, der sie beharrlich in seine Wogen tauchen will, zu widerstehen. Und dennoch bildeten jene Tänze das Entzücken ihrer Zeit, und die Schriftsteller jener Epochen werden nicht müde, ihr Lob zu verkünden. Don Juan d'Austria, der Sohn Kaiser Karls V.. ebenso berühmt alsKenner von Frauenschönheit wie als Meister des Degens, unternahm tu gens eine Reise von Brüssel nach Pa ris, um zuschauen zu dürfen, wie entzückend Margarethe von Valois auf einem Balle im Louvre Menuett tanzte. Zugleich stand der Tanz an sich als Mittel, dem Körper mehr Wohlanstand und Haltung zu derleihen, in weit höherem Ansehen als etwa heute. Der berühmte Lord Ehesterfield, sagt Ezerwinski in seiner Geschichte der Tanzkunst", schrieb um die Mitte des vorigen Jahrhunderts eine große Anzahl Briefe an seinen Sohn, lediglich in der Absicht, diesen die beste Art zu lehren, wie man sich in einen Fauteuil niederzulassen habe: ohne Hast, ohne Uebereilung. mit iner graziösen Biegung der Beine und Arme." In diesen Briefen empfiehlt er ihm nichts dringender, als die Lehrstunden bei dem berühmten Tänzer Marcel fleißig zu besuchen. Immer wieder kommt er auf dieses Thema zurück und meint, daß ihm der Tanzmeiste? mehr nützen könne als Aristoteles, und für ihn wichtiger sein müsse als alle Staatskanzleien Europas." Als einer der ältesten höfischen Tänze tritt uns die Pacane" entgegen. Es ist ungewiß, ob sie italischen oder spanischen Ursprungs gewesen. Getanzt hat man sie jedenfalls sowohl bei dieser Nation als auch bei jener allenthalben und mit derselben Vornehmheit und Feierlichkeit, die an diesem Tanze so charakteristisch in's Auge fallen. Man nannte ihn deshalb auch schlechtweg den aroßen

Tanz", wohl von der Grandezza her, die den ihn Tanzenden eigenthümlich zu sein schien. Ihrem Wesen nach gehörte die Pavane zu den sogenannten danses basses", den niedrigen Tänzen", so genannt, weil man dabei vornehmlich den Hüpfschritt mit seiner Ausgelassenheit vermied und überhaupt den Fuß möglichst wem, von der Erde erhob. Sie waren sö ernst und feierlich, daß man sie am Hofe Karls IX. von Frankreich nach der Melodie der Psalmen tanzte. Fürsten schritten die Pavane in ihren Galamänteln ab, die Ritter, in dem sie mit dem Degen umgürtet waren, hohe Würdenträger in der Robe, die Damen in ihren langwallenden Schleppgewändern. Der Name Pavane soll daher entstanden sein, daß man das Costüm beim Tanzen anfaßte, Räder voreinander schlug und sich brüstete wie die Pfauen mit ihren Schweifen". Damit wäre die Bedeutung allerdings erklärt, die dann von pavo" (Pfau) oder pava" (kalekuttische Prunkhenne) abzuleiten ist. Nach anderer Erklärung soll der Tanz jedoch aus Padua stammen und der Name Pavane nur eine Corrumpirung von Paduane sein. Als Ludwig XII. von Frankreich in Mailand einen Ball veranstaltete, wurde zum Entzücken der Anwesenden auch die Pavane getanzt. Da zeigte sich denn, daß gerade die hohen geistlichen Würdenträger darin die allergrößte Fertigkeit an den Tag legten. Die Cardinäle von St. Severin und Narbonne wurden nicht müde, die Schrittweise der Pavane unter den Klängen der Melodie zu wiederholen. Auch auf einem andern Ball, der i. 1. 1562 dem spanischen König Philipp II. zu Ehren gegeben wurde, glänzte ein hoher geistlicher Würdenträger, t der Cardinal Herakles von Mantua dadurch, daß er die Pavane mit vollendeter Meisterschaft ausführte. Sie wurde damals, wie der Chronist berichtet, von sämmtlichen hohen und höchsten Geistlichen des großen tridentinischen Concils, von Cardinälen und Bischöfen, Aebten und Prälaten mit ebensoviel Gewandtheit wie Bereitwilligkeit getanzt. In der Bibliothek de Bourgogne zu Brüssel befindet sich ein Buch, das ehedem Margarethe von Oesterreich gehorte, de? Tochter Philipps des Schönen und späteren Herzogin von Savoyen. Dieses Buch behandelt die Geschichte des zeitgenössischen Tanzes sehr ausführlich und gibt werthvolle Aufschlüsse über den damaligen Stand der Tanzkunst. Danach müssen wir siel zwei Tänze ganz verschiedenen Charakters zusammengehörig denken: den langsamen, gravitätischen Varianz und darauf in sofortigem Anschluß den Nachtanz mit seinen wild dahinstürmenden Nbytkmen. Nächst der Pavane war dies j?ets die aiHarde, bei welcher der würdevolle Schritt der ersteren 7.u7.mehr, ganz so

Wie dies auch die Musik that, scherzhaft und übermüthig variirt wurde. Die Gaillarde. scheint überaus beliebt gewesen zu sein, (rine Abart derselden war die Volte, nach derAuslegung des deutschen Schilderers Johann von Münster von dem französischen voltier", in einem Wirbel herumfliegen", hergeleitet. In dem Tanz sagt der strenge Sittenrichter, nimmt der Tänzer mit einem Sprung der Jungfrau, die auch mit einemSprung, aus Anleitung der Musik, herankommt, wahr, greift sie und wirft die Jungfrau selbst und sich mit ihr etlich viel mal sehr künstlich und hoch über die Erde herum, also auch, daß der Zuschauer meinen sollte, daß der Tänzer mit der Tänzerin nicht wieder zur Erde kommen könne, sie hätten denn beide die Hälse und Beine gebrochen." Diese Variation der Volte war jedenfalls südfranzösischen Ursprungs; denn sie wird auch sehr häufig Gaillarde proTenale" genannt. Die Königin Elisabeth von England soll das Herz an den schönen Grafen Essex verloren haben, als sie mit ihm die Volte tanzte, und bei gleicher Gelegenheit Heinrich IV. von Frankreich ebenso das seine an die entzückende Gabrielle d'Estr6es. Czerwinski schildert die Führung derDame von Seiten des Herrn folgendermaßen: Dieser faßte mit der linken Hand den rechten Arm seiner Tänze rin, um sie über ihrer rechten Hüfte an sich zu drücken, und hielt sie mit seiner rechten Hand unten am CorsettBlankscheit, um ihr daran sowohl wie mit dem Drucke seines linken Schenkels beim Springen zu helfen. Die Dame legte ihrerseits ihre rechte Hand entweder auf den Rücken oder auf den damals üblichen großen Halskragen ihres Herrn. Die Volte scheint übrigens. was die Schrittweise und den Rhythmus anbetrifft, in mancher Hinsicht unserm heutigen Walzer ähnlich gewesen zu sein; denn ein Sachverständiger jener Zeit schildert sie in den Versen: Wo Arm in Arm zwei Tänzer sind verschlungen Und sich umarmend um sich selber drehend Mit ihren Füßen einen Anapäst zielen.Ein Ball zu jenen Zeiten hatte stets mit dem Branle zu beginnen, einem ernsten, würdevollen Tanz, etwa von gleicher Grandezza wie die Pavane. Aber doch war er anmuthiger im Tempo, etwa wie seine spätere Nebenbuhlerin in der Gunst der tanzenden Menschheit, das so sehr graziöse Menuett. Im übrigen scheint derBranle mit unsrer Polonaise manche Aehnlichkeit besessen zu haben, da auch bei ihm die Paare promenadenartig nach den Rhythmen der Musik sich durch den Raum fortbewegten. Als fröhlicher Nachtanz folgte dann der italienische Passamezzo, an dem sich gleichfalls die Königin Elisabeth häufig sehr lustig und heitec" betheiligte, oder Giguen mit leichtem, übermllthigem Hüpfschritt. Müsetten mit zierlich-schäferlichem Wesen oder Louren, mit zwar schon feierlichem, aber immer noch munterm Charakter. Zugleich gab das Volk seine heimathlichen Nationaltänze an die höfische Gesellschaft ab. die jene dann natürlich verfeinerte, aber dafür auch oft bis zur Unkenntlichkeit entstellte. Katharina von Medici, übrigens eine der anmuthigsten Tänzerinnen ihrer Zeit, veranstaltete einst einen Ball, wo zur Belustigung des ganzen Hofes die verschiedenen Provinzbewohner Frankreichs ihre charakteristischen Tänze nach dem Instrument, das dort das beliebteste war. und der Melodie, mit der der Fuß vertraut, aufführen mußten. Da drehte sich denn der Auvergner in der Bourröe. der Bretagne! im Passepied, dn Bauer aus der Dauphins tanzte die Gavotte und der aus Poitou das Menuett. Alle diese Tänze wurden später Gemeingut der gebildeten Stände aller Nationen. Gavotte und Menuett haben JahrHunderte hindurch das Entzücken der tanzfrohen Menschheit ausgemacht und sind nach etwa hundertjährige? Vergessenheit neuerdings wieder in den Ballsaal zurückgekehrt, wo sie äugenblicklich durch die edle Einfachheit ihrer Schrittweise und die Grazie, die sie dem tanzenden Paare verleihen, einen Triumph nach dem andern siegen. Sonst war ehemals noch dle Chaconne sehr beliebt, die man sich etwa als einen Tanz nach Art unserer modeinen Quadrillen denken muß. Man wollte sie nicht allein im Ballsaal, sondern auch auf der Bühne bei jeder nur passenden Gelegenheit aufgeführt sehen. Wie sehr man gerade auf diesen Tanz erpicht war, geht aus einer hübschen Anekdote hervor, die Czerwinski, wohl nach älteren Gewährsmännern. mittheilt. Als im Jahre 1774 Gluck nach Paris kam. um seine Jphigenia in Aulis" aufführen zu lassen, klagte Vestris, der berühmte Ballettmeister, dem Componisten darüber, daß die Oper nicht mit . einer Chaconne endige, worauf Gluck erwiderte, dafe ein so edler, tragischer Gegenstand sich nicht mit Ausgelassenheilen vertrage. Der Ballettmeister, damit nicht zufrieden, erneuerte indeß sein Drängen, sodaß der erzürnte Gluck ausrief: Aber, mein Gott, Herr Bestris. Jphigenia ist ja eine ernste Oper, und zudem hatten die Griechen auch diesen Tanz nicht .Sie hatten ihn nicht?" entgegnete Vestris, umso schlimmer für' die Griechen!" .Der Componist mußte schließlich nachacben und das ersehnte Tanzstück bewilligen. Innere Wärme. Ella, aber warum läßt Du denn den Doctor Müller rufen, auch wenn Dir gar ?''t? fehlt?- O weißt Du, er fLhlt so reizend den Puls, dan mau glaubt Pulswärmer anzuhaben!"

per Wenagcric-Waker. Humoreske von A bert Noderich. Wenn Du, lieber Leser, noch eine Großmutter hast, so bitte ich Dich freundlichst, D:ine Großmutter zu grüßen. Und wenn sie nur halb so lieb und gut ist wie meine liebe, gute Großmutter, so grüße sie recht besonders herzlich. Ich bin nämlich Maler und lebe, wenn ich gerade 'mal zufällig ein Bild verkauft und also Geld habe, bei meinem lustigen Vetter Otto in der Stadt, wenn ich aber kein Bild verkauft habe, dann lebe ich bei meiner lieben Großmutter auf dem Dorfe. Die sorgt dann für meine Verköstigung und ihr gutes Gesicht strahlt imwer von Glück und Seligkeit, wenn's mir ordentlich schmeckt. Also ich hatte wieder einmal kein Bild verkauft, und mein ganzes irdisches Gut bestand aus zwei Reichs, mark bar und einem neuen Anzüge,

Ankunft im Dorfe. den ich noch eben von meinem letzten Reichthum erübrigt hatte. Es war ein eleganter, schöner Anzug, so ein rechter Künstleranzug mit Sammetrock und Schlapphut. Ich war also wieder bei Großmutter auf dem Dorfe in Kost und langweilte mich fürchterlich. Da. eines Tages gerieth das Dorf in eine fürchterliche Aufregung. Eine wandernde Menagerie war eingezogen. Ein ganzes, Wohl dressirtes Thierreich. ein großes Kameel, ein ordentlicher lebender Bär, eine künstlerisch beanlagte Ziege und dazu noch allerleiAffen. Esel und sonstiges Gethier. An der Spitze des Zuges, hoch zu Kameel, ritt der Herr Director in's Dorf, und die Ochsen. Kühe und Schafe drängten sich bei dem Anblick des Wüstenschiffes neugierig, aber auch verlegen um ihren Hirten zusammen. War es Neid oder Bewunderung, womit die Ochsen und Schase zum erstenmal ein Kameel betrachteten? Ich kenne die thierische Natur zu wenig, um darüber bestimmt urtheilen zu können. Die ganze Menagerie aber hatte für mich ein bedeutendes künstlerisches Interesse. Ich hatte schon Skizzenbuch und Stift in der Hand und zeichnete. Der Bär als Modell. Da fühlte ich plötzlich eine schwere Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich um und sah den Herrn Director der Wandermenagerie neben mir. Er hieß, wie ich nachher erfuhr, Claus Flocke und hatte sich, da er abwechselnd in Städten und Dörfern auftrat, ein eigenartiges Gemisch von Hoch- und Plattdeutsch als Sprache angeeignet. Herr," sagte er zu mir, wat thun Sie denn da?" Ich Zeichne Ihre Menagerie." Oho, dat wär' schön! Haben Sie 'n Patent? Da könnt iedereiner kommen und meine Th-:rches abmalen. Was zahlen Sie dafor?" Herr, Sie können mir doch nicht verwehren " Ja woll, dat kann ich." sagte ruhig, aber grob der Herr Director und riß mir das Skizzenbuch aus dr Hand. Das imponirte mir. Was wollen Sie denn haben?" fragte ich. Dree Mark, dann können Sie meiNetwegen die ganze Menajeri: op'n Papter smieten. Drei Mark hatte ich nicht. ; Eine Unterbrechung. Nein," sagte ich, das ist mir zu theuer, aber wenn ich 'mal den Bären dort zeichnen kann, . dafür gebe ich fünfzig Pfennig." Na, geben Se her, is man wenig sör so'n Prachtexemplar, aber so'n Thier thut ja uck wat för die Ehre." Der Herr Director holte nun den Bären heran, und ich gruppirteMensch und anderes Gethier im Kreise herum. Der Bär ließ sich von seinem Director fromm und geduldig aufstellen, und da das Tklier auch mit einem Maulkorb versehen war, so glaubte ich es ohne Gefahr in eine recht malerische Position setzen zu können. Aber das Thier brüllte mich m'it merkbarem Widerwillen an und der Director sagte: - Nicht anfassen, junger Mann, op Photographiern iS mein Bär nicht dressirt." Ich hatte nun schnell meine Staffelei ausgepellt und begann zu zeichnen. Dabei sah iris) natürlicherweise don Zelt zu Zeit scharf auf den Bären. Ich kann heilig versichern, daß ich dazu

nur von rein künstlerischen Motiven geleitet worden bin. und daß ich nicht im entferntesten die Absicht gehabt habe, dem Thiere irgend etwas Unangenehmes zuzufügen. Aber mein Modell war ganz entschieden anderer Meinung. Plötzlich warf es den langen Stab, auf den es sich gestützt hatte, weit von sich, stürzte auf mich zu und

Unterwegs.. schlug unter fürchterlichem Gebrüll seine Pranke gegen meine Staffelei, daß diese über mich herfiel und mich mit sich zu Boden riß. Die umstehenden neugierigen Dorfbewohner stoben auseinander. Nee," schrie ein Bauer, der am eiligsten davonlief, obgleich er eine große Heugabel ergriffen hatte, nee, dat Photographiern kann he nich derdrägen." Der Herr Director aber ergriff den Stock des Bären und begann auf daZ Thier loszuschlagen, anscheiend in großer Wuth und mit fürchterlicher Lehemenz. Aber ich glaube. dieSchläge waren nur simulirt. denn das UngeHeuer sah mit förmlichem Hohnlächeln ruhig zu, wie ich mich mühsam unter der Staffelei herausarbeitete. De tweete Sitzung kriegen Se för dreißig Pfennig!" sagte Herr Flocke, ohne eine Miene zu verziehen. Das ärgerte mich. Herr Director," sagte ich. Sie haben ja keine blasse Ahnung davon, wozu ein Maler im Stande ist, wenn sich's um gute Modelle handelt. Und hier bei Ihnen diese wundervolle Combinationen von Thier . und Mensch. i:os sLMLMÄ 3Ä& Durchgegangen. Am liebsten blieb' ich eine Zeit lang ganz und gar bei Ihnen." Der Herr Director sah mir einen Augenblick forschend in's Gesicht, und als er merkte, daß es mein Ernst sei, sagte er schnell: Das könnt Se hebben, und kosten soll's Ihnen nix. ' Kommen Sie morgen mit. uns nach Helmstadt. Da is 'n feines Nublikum. un Sie haben so 'n seinen Anzug un 'n famosen Hut wie 'n Künstler. Und denn segg ick. Sie wär'n unser Director! Jä, was? Das zieht, so 'n feinen Director ! Jä, un denn könnt's uns afmalen so viel Se wollen. Na. wie is dat?" Ich schlug ein. Aus zwei Gründen. Erstens wegen der Modelle und zweitens, weil ich mir bedeutenden Spaß von der ganzen Angelegenheit vcrsprach. Ich ging also zunächst nach Hause und beging eine ungeheure Schändlichkeit. Ich log meine gute alte Großmutter an. Ich sagte ihr, ich hätte einen Brief bekommen und müßte heute noch nach der Stadt, weil Jemand mir ein Bild abkaufen wolle. Einzug. . Och, mein Anton." sagte die liebe Alte, ich mag ja gern, wenn Du ein Bild verkaufst, aber ich ärger' mich dann immer. Dann gehst Du ja doch gleich wieder weg von Dein' alte Großmutter." Als ich gegen Abend Abschied von Großmutter nahm, überreichte sie mir mit Thränen in den Augen ein Paket in Papier. Es waren ziemlich viel Fettflecken in dem Papier. Aber das war ganz natürlich, denn zehn kalte Pfannenkuchen machen immer Flecke, wenn sie in Papier gewickelt werden. Nun also ging's los. Vor dem Wirthshaus im Dorfe war schon die ganze Menagerie versammelt, und der Herr Director bestand darauf, daß ich als sein Stellvertreter auch den Ehrenplatz auf dem Kameele während der Reise einnehmen müsse. Nach einigem Sträuben mußte ich nachgeben, und bei einbrechender Dunkelheit traten wir die Reise an nach dem eine Meile entfernten Helmstadt. Die liebe Oorfjugend gab uns das Geleite bis an's Ende des Dorfes, und auch einige Feierabend haltende Knechte und Mägde konnten es stck nicht versagen, unsrrn Spuren zu folgen. Nun aber sah ich. daß wir an dem Hause meiner lieben Großmutter vor bei mußten. Ich war überzeugt, daß die liebe Alte einen fürchterllchen Schrecken bekommen würde, wenn sie ihren geliebten Enkel hoch oben auf dem Höcker eines in ihrem Dorfe so ungewöhnlichen Thhres sitzen sähe. Das aber konnte ich der dien Dame unmöglich anthun. Ich toollte also kurz vor dem großmütterlichen Hause in eine Seitengasse lenken, von der ich wußte, daß sie auf die große Landstraße führt. Ich versuchte also, das Kamel in die Seitengasse zu lenken. Aber das Kameel wollte nicht. Ich zerrte es r.rn Zügel, ich schlug es mit den Beinen, ich 1 riß eZ an dem zottigen Halse. 2)1

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plötzlich fing das Scheusal an, seine Beine von sich zu werfen, als wenn es ihrer vollständig überdrüssig geworden wäre. Niemals hätte ich einem Kameel eine folche Art vonGalopp zugetraut. Es raste mit mir an meiner Großmutter vorbei über die alte Holzbrücke, und ich konnte mich nur mit äußerster Anstrengung an dem Halse des Kameels festhalten, der ja glücklicherweise gerade für meinen Fall von der Natur mit besonderer Liebenswürdigkeit hergerichtet ist. Aber mein neuer schöner Schlapphut flog dabei in den Fluß. Der Herr Director keuchte fluchend hintendrein, bis endlich einige muthige Bauern das alle elende Kameel festhielten. Bei vollem Mondschein zogen wir in Helmstadt ein. Morgen war Markttag, und es war noch ein für Helmstadt reges Leben in den Straßen. Vor einer Schenke standen etwelche Honoratioren der Stadt und sahen unsern Zug an.

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Vorstellung. Wir waren alle todtmüde. Das Kameel torkelte, als wenn es die Wüste Sahara dreimal hinter einander durchquert hätte, und der alte Bär schien auf allen Pranken zu lahmen. Herr Director Flocke hatte mir schon zehnmal gesagt: Jä. ick hev Sie als Director engagirt mit'n Schlapphut, ohne Schlapphut is dat man mau. Na. wollen 'mal sehn!" Mein schöner Schlapphut lag ja im Fluß, und Herr Flockc hatte mir seinen alten geliehen. Aber nur der Mensch kann sich von Herrn Flocke's altem Hut eine annähernd richtige Vorstellung machen, der 'mal seinen neuen Hut gesehen hat. Aber in der Herberge wurde ich doch als Director vorgestellt. Der Herbergsvater sah mich von oben bis unten an. und da ich aufHerrn Flocke's Rath den Hut hinter meinem Rücken hielt, so schien der Mann von mir befriedigt zu sein. Am nächsten Mittag sollte die erste Vorstellung in dem, Städtchen stattfinden. Vorher aber fröhnte ich meinen künstlerischen Gelüsten nach Herzenslust. Ich schlich mich ganz früh in den Stall, stellte meine Staffelei auf, die ich in dem großen Kastenwagen der Gesellschaft mitgebracht hatte, und malte ein wunderbares Stillleben : Affen, Ziegen, Hühner, Stalljungen nach den herrlichsten Modellen und den Herrn Director nebst Fräulein Tochter aus der Phantasie dazu. Ich dachte bestimmt, für dies Bild mindestens einen Monat bei meinem lustigen Vetter in der Stadt leben zu können. Also die erste Vorstellung auf dem Marktplatz hatte stattgefunden und zwar mit einem bedeutenden pekuniären Mißerfolge. Drei Tage wollte Herr Flocke mit seiner Menagerie überhaupt nur in Helmstadt bleiben, und es muß hier leider gleich const2tiri werden, daß die beiden anderen Tage noch weniger einbrachten. Es ist sicher, daß dieses Fiasco nur dem mangelnden Kunstsinne der Einwohner von Helmstadt zuzuschreiben war. Die Akteure des Herrn Dircc-, torö Flocke hatten keine Schuld daran. Wenn auch die Leistungen des Bären und der Affen gerade nicht von Genialität zeugten, so waren es doch gute künstlerische Mitelleistungen, und es wird ohne Zweifel eine ganze Menge von Bären und Affen geben, die nicht annähernd so lange auf zwei Beinen tanzen können wie unser. Bär und nicht halbwegs so gute Gesichter schneiden können wie unsere Affen. Aber dem Publikum von Helmstadt fehlte eben das richtige Verständniß dafür. Wenn die Tochter des Herrn Directors, die ansehnliche Lillia, mit dem Sammelteller herumging, so erhielt sie in den weitaus meisten Fälln immer nur eine Kupfermünze, und darüber ärgerte sich Her? Flocke schändlich. Er hatte überhaupt eine furchtbare Wuth gegen , das Kupfer, wie er mir unterwegs schon' mehreremale mitgetheilt hatte. Dat verdammte Kopper,- so nannte er es wenn man bloß dit " Minie, die Ziege. verdammte Köpper nich aus der Welt wär', dann könnten sie einen nich jümmers de schofeligen Pfennig , cuf'n Teller schmeißen!" . Leider konnte diesmal auch die bedeutendste Produktion- der Flocke'schen Gesellschaft daran nichts .ändern. Diese wirklich hervorragende Leistung, die in Städten von höherer künstlicher Äildung schon M zu vier Mark fünf ziz Pfennig eingetragen hatte, bestand darin, daß die anseftche Lillia ihn

?iiege, genannt Minka. mit allen vier

Beinen auf einer Same stehen ließ und dazu noch extra eine schone Melodie pfiff. In Hclmstadt zahlte man der Dame für diese vollendete Schaustellung an allen drei Tagen zusammen zwei Mark einundzwanzig Pfennig und ein roher Mensch wagte noch obendrein die herzlose Kntlk: Das is gar mx. Wenn das Mädel auf den Pfahl stehen that und die Zieae dazu pfiff, dann gäb' ich auch 'n Pfennig davor." So einem Banausen gegenüber wm ich weder Fräulein Lillia noch ihre Ziege Minka in Schutz nehmen. Das Ware beleidignd für uns alle dre:. Gerade ich weiß von den Talenten der jungen Dame zu erzählen. Hat sie doch von den zehn Pfannkuchen, die Großmutter mir mit auf die Reise gegeben hat, allein und in einer einzigen knappen halben Stunde acht ausgegessen. Am dritten Tage also sollte die Reise weitergehen. Nachmittags kam der Herbergsvater zu Mir und verlangte Zahlung für Kost und Logis für alle Menfchen und Thiere, die unter meiner Direction ständen. Ich sagte ihm, ich wäre nicht Director und hätte auch kein Geld. Da schimpfte er fürchterlich und rief Herrn Flocke her. Der stimmte nur mit mir darin überein, daß er auch kein Geld habe. Ich hab' den Menschen als Director angajiehrt schrie er, un hef mi all Henog an'n geärgert. Mit'n Schlapphut hab' ich'n angajiehrt! Is das wahr, Herr, oder is dat nich wahr? He? Wo is der Schlapphut, was?Da kam mir eine Idee. 3st gut," sagte ich, wenn ich dann einmal Director bin, dann will ich Sie auch bezahlt machen, Herr Wirth. Alles was in Ordnung ist, und unrecht will ich keinem Menschen thun. Ich Affen als Maler. verpfände Ihnen also meine ganze Menagerie, inclusive Kameel, Bär. Ziege und Affen. Aber ein Beefsteak und 'n Flasche Wein müssen Sie mir noch herausgeben." Da machte Herr Flocke aber ein bitterböses Gesicht. Wat?! Wat?! Wat will diese Minsch?! Herr Wirth, die Thierchens freet Ihnen ja bei lebendigen Leibe auf. Na, wenn diese Mensch wat verpfänden will, dann will ick Ihnen wat sagen. Hinten in der Scheune steht 'n großes Bild. Dat bett he malt. Dat hat er von meine Thierchens gemalt. Dat soll er Sie verpfänden!" Dieser Vorschlag war dem Herbergsvater augenscheinlich annehmbarer. Er wandte sich der Scheune zu und mich überfiel die Angst. Mein schönes Bild, an dem ich die ' letzten Tage noch so emsig gearbeitet hatte ! Ich eilte dem Wirthe voraus, riß die Thüre auf und stürzte in den Stall. O, welch' ein fürchterlicher Anblick! DitIAffen malten an meinem herrlichen Bilde und Minka, die Ziege, schaute ernsthaft zu! Schändlich, schändlich! Ich tobte, ich fluchte! Ach wat." sagte Herr Director Flocke, wat de sik anstellt! Da wird dasBild auch noch nicht schlechter von!" Am andern Morgen war ich wieder bei meiner lieben Großmutter, die mich weinend empfing. Sie weinte immer, wenn ich ankam und wenn ich wieder ging. Einmal vor Freude, das anderemal vor Kunimer. Hast Du das Bild verkauft, mein Anton?" fragte sie. Ach nein. Großmutter. Na. mein Junge, das ist gut, dann will ich Dir ein paar Pfannkuchen backen." Mißverstanden. LandWirth: Und das. liebe Cousine, ist künstlicher Dünger!" Stadtdame: Nein Gott, also auch den verfälscht man schon!" Mißverstanden. Vu.rgermeiste?: Sie werden auch die Jung-frau-von Orleans spielen?" Schmierendirertor (zugleich Heldenvater" seiner Truppe): Halten Sie mich für einen Damenkomiker?" I m I s h 1 1 2000. Professor der. Archäologie: Hier, meine Herren, zeige ich Ihnen ein bei München ausgegrabenes Butterfaß der alten Deutschen. worin sie sogenannte Butter", ein unserer Margarine ganz ähnliches Product. f abrichten." JnderneuenAhnengall e r i e. Bankiersgattin (deren Gemahl neugeadelt): Abrahamleben, Was schlägst Du die großen Buckeln in die schöne" neue Harnische?" Gatte: Nu, muß ich doch 'reinbringen a paar Heldenthaten!" Heimgeschickt. Frau von Lersack (welcher in Gesellschaft ein Herr vorgestellt wird): Ach. Sie sind der Kassirer von Müller und Sohn! Da werden Sie meinen Diener kennen, der öfters Waaren bei Ihnen abgeholt hat!" Kassirer: Bedaure, ich bin in der Abtheilung für B Barzahlung !" . Schlau. Der Bildhauer Koelerich hat seinen ersten beidm Kindern die Namen Gypsi" und Aronci" mit Rücksicht auf seinen Beruf gegeben. Frau: Aber wenn jetzt unser drittes getauft wird, muß eö einen vernünftigen Namen kriegen.", Bildhauer: .Was meinst Du zu Antonie?"

! Frau: Meinetwegen!" Bildhauer: i FamoS ! Setzt ras $ R 3ror r

Uralte Leute.

In Honolulu lebt eine uralte Einge borene der Sandwich - Inseln, deren Alter auf mindestens 120 Jahre geschätzt wird. Selbstverständlich kann der Tag ihrer Geburt nicht documentarisch nachgewiesen werden, allein die Mittheilungen, welche sie über die von ihr erlebten Ereignisse macht, sowie die Thatsache, daß fünf verschiedene Generationen ihrer Nachkommen existiren, lassen an dem ungewöhnlich hohen Alter der Greisin keinen Zweifel aufkommen. Apau, wie ihr Name ist, wurde jüngst von dem Historiker Prof. Alexander, dem eine hochgebildete Eingeborene, Frau Nakuina, als DolmetApau. scherin diente, besucht. Diesem theilte die Greisin verschiedene interessante Details aus dem Kriege, welcher die Abschaffung des Götzendienstes im Gefolge hatte, mit. und erzählte, wie sie als verheirathete Frau zugegen war, als Kapiolani L in den Krater Kilauca stieg; damals wurde ihr bishcriger Name Kepoolec in Apau geändert. Der Ermordung Keoua's in Kawaihae im Jahre 1791 erinnert sich die alte Dame ebenfalls, auch will sie als Kind gesehen haben, wie der Brunnen in Kau gegraben wurde; letzteres geschah im Jahre 1781. Apau muß also ein kleines Kind gewesen sein, als Eapt. Cook auf seiner berühmten Ent, deckungsreise die Sandwich - Inseln betrat. In Langenau, Bezirk BöhmischLeipa, lebt ein Greis. Franz Josef Berndt mit Namen, der bereits das 109. Lebensjahr erreicht hat. Der Greis, welcher der älteste Veteran der österreichischen Armee ist, wurde am 4. Dec. 1787 in Wernsdorf, einem kleinen Dorf, zur Katastralgemeinde Niklasdorf bei Kaaden gehörig, geboren. Sein Vater ließ ihn die Weberei erlernen. Im Jahre 1808 kam er als Sol. dat zum 42. Linien-Jnfanterieregi ment Herzog von Wellington, später wurde er dem Grenzcordon zugetheil! FranzJosephVerndt. und kam dabei in die Ortschaften Hainspach. Schluckenau und Georgs walde. Nach vollbrachter Dienstzeit unter Kaiser Franz I. erhielt er 182a seinen Abschied. Er siedelte nach Pihlerbaustellen über und verheirathete sich hier mit Eleonore Marschner aus Georgswalde. Im Jahre 1849 kaufte er ein jetzt seinem Sohn gehöriges Haus in Langenau.' Im Winter be trieb er die Weberei, im Sommer lebte er von Tagarbeiten.'' Seiner Ehe sind sechs Kinder entsprossen, drei Söhn, und drei Töchter. Berndt's sonst hohe Gestalt ist wohl gebeugt, aber der lange weiße Bart und das wallende Haupthaar verleihen seiner Erscheinung ein ehrwürdiges Aussehen. Die Lebensweise desGreises ist nach wie vor höchst einfach; er raucht noch wohlgemuth sein Pfeifchen, aber sein Gedächtniß hat ihn - ganz verlassen, ebenso sein Gehör. Zur' ärztlichen Praxis.' . . .Aber, mein Lieber. Sie muss ja vett'ummern! . . .Ich rathe Ihnen, sich jeden Morgen eiskalt zu waschen und dann abzureiben!" Das thu ich ja bereits, Herr Doctor!" .So! . . . Nun, dann raussen Sie's, eben ausgeben!" Wurst wrder Wurst. För per (zum Pfarrer, der eben in's Gast haus geht): Ist das auch ein Seiten Pfad zum Himmel?" Pfarrer (la chelnd): Da wäre ich Ihnen sicher nicht begegnet. Herr Förster!" . - , . AorGericht. Richter: WaZ veranlaßte Sie, den Zeugen so furcht bar zu schlagen?" Angeklagter (Di rector einer Schmiere): .Er behauptete, ich verfuge über keine bedeutenden Qräste und. da habe ich ihn daZ Cü genlheil ieweiscn wollen.- .

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