Indiana Tribüne, Volume 20, Number 133, Indianapolis, Marion County, 31 January 1897 — Page 2

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ßin tapferer Knaöe. Begebenheit aus dem Bürgerkriege ton W. von Schierbrand. Die Familie Ruft war im Iah 1862 eine der wenigen in Marion Couniy, Kentucky. die der Union treu geblieben war. Ringsumher wohnten Leute, die eingefleischte Secessio listen waren und die Jankees wie Gift hahten. Der alte Herr Ruft aber, der von Gburt Deutsch - PennsylvanZer und dem Sklaverei und as Dogm.: der Staats - SouverainetcU deßhalb eiu Greuel war, hatte eine Familie all feurige Anhänger -der Union erzogen. Zwei seiner Söhne dienten alsFreiwillige in McClellan'ö Armee, der jüngste aber, Jacob, ein Knabe von 16 Jahren, war auf der Farm behalten worden, um dem Bater zu helfen, obwohl such er große Lust bezeigt hatte, mit den Brüdern zu ziehen, da er sich für stark und alt genug hielt, um eine Muskete zu tragen. In -der That, es war auch

für den alten Ruft sehr gut, daßer we nigstens seinen .Jüngsten daheim be halten hatte, denn der Stolz ixx Fa milie, Jonathan, der Aelteste, ein flei feiger, aufgeweckter junger Mann von 25, fiel, von einer. Kugel muten ourch den Kopf getroffen schon bei einem der ersten Gefechte am Potomac, und der Zweite. Arthur,, lag zur Stunde an et ner gefährlichen Verwundung darrne der im Hos vital zu Washington. So mußte denn Jacöb tüchtig zu Hause arbeiten, um die Aecker zu bestellen und mt Ernte einzuheimsen, denn Feldar beiter waren schon damals schwer zu beionnnen und machten große An sprüche an Lohn und Behandlung, und die Schwarzen waren .so heimlich sammt und sonders ihren. Herren weg oelcmfen und waren Contraban'o Äiggers" geworden, ' die beiden krieg führenden Theilen-viel Mühe und Ber druß verursachten. MsiC vtuns alten aoer iet einen schweren Stand unter ihren Nachbam, denn da ihre wahre Gesinnung schon lange allgemein bekannt war, so wur denkst Drohungen gegen sie, ausgesto ßen, And mehrmals war es nur der Wachsamkeit Jacobs, zu verdanken ge wesen, daß Ihnen Eonsodenrte Maro eure nicht das Haus und die Scheune über den Kopf angezündet hatten. Während der Ernte, besonders mußte man .sich Tag und Nacht hüten. vor den feindseligen Nachbarn, .und trotzdNn hatte man ihnen erst .in vergangener Woche ihre Hunde, und eme , Kuh der giftet. Gern hätte , der -alte Ruft jetzt seine Farm, die sich bis zum Ausbruch lies Krieges m blühendem Zustande be fundenhatte,.verkauft, aber wo.war der Kaufer?. Niemand meldete sich, und so sah man, sich gezwungen, die Farm wer ttt zu bewirthschaften,, obwohl das bei damaligen Zeitläuften sehr schwer hielt. Ein .Hoffnungsstrahl leuchtete der bedrängten Familie im September, als jener Theil von Kentucky .von den UnionZtruppen des Generals Prentice besetzt wurde und die zerstreuten AbTheilungen der Conföderirten ganz und i v i c rif - gen jocroiangi wuroen. .AIS einem velärmten Unionjsten wurde dem alten Herrn Ruft auf. fein Verlangen Schuk gegen .die Raub-. und .Mordwst seiner Nachbarn zu Theil, und .den Winter hindurch ereignete: sich mchts '.Schlim mes mehr. Aber im März 1867 machte plötzlich der Guerillaführer Mosby mit sunentezanlschen Reitern einen erfolgreichen Vorstog. .und seine Schaaren erschienen so schneu aus der Bild fläche, daß Oberst Mazey, der -in dem nahen Countysitz, -in Marion Cent, sein Hauptquartier batte. genöthigt wcrr, .eiligst zu fliehen, wenn er .nicht riskrnn wollte, mit Sackend .Pack in Gefangenschaft zu uerathen. Beim be schleunigten Abzug, als der Train eben die Brücke über das .Flüßchen Black Crcet passirte, brachte? .eine .große Packwagen zusammen, ..nuf dem die Krlegscasse und die Karten .und' Va pie sich befanden. Die Pferde stürzten und verletzten sich so schwcr. .daß sie auf Der stelle erschossen "werden mußten Was thun? Eile war runbedingt erforderlich, wenn man nicht die -werthvolle Ladung tn Feindesland fallen lassen wollte. Nrngsumher Gewühl -und Aufregung. Kein Gedanke traran, daß ein anderer Wagen herbeigeschafft und die Ladung darauf gepackt taexden tonnte. Jacob Nust, der Aurnzeuge dieses Vorfalls gewesen war, klängt sich durch das Llewühl und nf Oberst Mazey an. ttx auf den Knaben kaum Ochtete. Aber Jacob mochte ihniradj tu nen guten, vernünftigen Rath gegeben haben, deim Plötzlich comrnan'dirte er eine Gruppe Soldaten ab, and gleich darauf sah msx,, tote diese die herabgeworfene Ladung desWagenZ nach einer dicht von Gebüsch bestandenen Stelle des Flußufers ungefähr 100 YaidZ Don der Brücke schleppten. Und dort, geschützt gegen die neugierigen Blicke der in der Nahe befindlichen, verschwand die kostbcre Ladung. Außu dem Oberst und denpaarSoldaten toai nur Jacob Rust zugl.en, als die Kasse und t)it werthvollm Papiere und Bücher vergraben wurden. Ein schwerer Zfelsblock wurde auf Stelle gewälzt. Alles das war das Werk weniger MZr.uten. Als die Gruppe wieder heraus trat aus dem dichtenBuschwerk und sich den flücttenden Truppen anschloß, da faßte Oberst Mazey Jacob's Hand. Du bist ein treue? Anhänger der Union, mein Sohn, nicht waHr?- frug er. Jawohl, bis zum Tode wie unsere ganze Familie," sprach Jacob mit einem gewissen Stolz und sein Auge blitzte. ty?irn hrttm mir Ptt I T" vv al.r .und Dein Wort darauf, daß Du das Lersteck nicht verrathen wirst.Das gebe ich gern und willia antvortete der Knabe und schüttelte kräf, 3 die gtloUnt Sk&te. .. .

Gut. ich verlasse mich auf Dich be

merkte der Oberst eilig, indem ein freundliches Lächeln sein Antlitz über flog. Und er sprengte in gestrecktem Ga lopp davon, und bald verriethen nur noch dicke Staubwolken in der Ferne, in welche Richtung der Troß sich gewandt hatte. Jacob kehrte auf die Farm seiner Eltern zurück, wo er die Nachncyt von dem Naben der Mosby'schen Frek fchärler mittheilte, und wo man daraufhin wieder in neue Sorge und Angst gerieth. Mitten in der Recht wurden Jacob unb ieine Eltern aus dem Schlafe ge schreckt durch dröhnende Schläge, die gegen die Hausthür gefuhrt wurden. Vor dem Hause standen einige verwegen aussehende Gestalten, die man alsbald als zu dem Äcosby'schen Strufcorps gehörig schon an den wehenden Feder büschen auf ihren breitkrempigen Filz hüten erkannte. Sie forderten Einlaß. und als der gewährt war, packten .sie sofort Jacob bei den Schultern, wah Tend ein junger Bursche, der Sohn des ihnen feindselig gesinnten Nachbars Wbarton. schrie: Haltet ihn fest er .ist es. Er weiß den Versteck!.Heraus mit der Sprache also, Jun ge, wo ist die Kriegscusse vergraben worden? frug der Anfuhrer der km nen Schaar rauh, indem er Jacob hef tig fchütteUe. Das darf ich nicht sagen erwiderte der Burscke unerschrocken und ruhig. indem er den confodenrten Offner fest -anblickte. Warum nicht?" Weil ich mein Versprechen gegeben habe, eZ nicht zu verrathen erwiderte Jacob. Bah Versprechen was zählt das einen Fankee gegenüber. Wir sind im Kriege, mein Junge, wo eine andere Moral gilt. Du mußt uns das sagen. freiwillig oder unfreiwillig. In Jacob's Augen blitzte es auf ihn fiel eine List ein. Aber derGuerilla führer, der in den Zügen des Knaben .zu lesen vermochte, merkte wohin das hinaus sollte und schrie, nun wirklich erbost: Nichts da Du mußt mit uns gehen und uns den Fleck zeigen, und wehe Dir, wenn Du uns zu hintergehen -fuchst. Eine Kugel Ware Dir sicher. Sie sind alle Freunde der Jankees, Unionisten, diese Rusts", quäkte die Stimme des Nachbarburschen dazwischen. .Laßt Euch den Kerl nicht entwischen.'" Und ohne auf Vie flehentlichen Bit ten vermeiden alten Leute zu achten, bis auf die Kniee fielen und um Schonung für ihren Sohn baten, packten mehrere der Reiter den Knaben und trugen ihn vor's Haus, Ivo sie ihn auf ein Pferd setzten, ihn dieHände fesselten und dann mit ihm vavoviagten ln die Nacht hinaus. ,. Auf dem Wege nach der Brücke von Marion Centre schrie der Anführer nochmals dem Knaben zu, er müsse das Versteck verrathen, sonst sei er ein Kind des Todes, aber Jacob schwieg trotzig und schüttelte nur den Kopf. Jenseits ber Brücke stieg die kleine Schaar ab und Jacob wurde nach dem Gebüsch geführt, drei Männer mit Blendlaternen neben ihm und zwei andere, die geladene Pistole in der Faust, hinter ihm her. Hier rnuß es sein," sprach der Führer, als sie in die Nähe des Verstecks, mitten im Gebüsch, gekommen waren. Nun zeige uns genau die Stelle." Ich sagte Euch schon", bemerkte Jacob ganz ruhig, .aß ich mein Wort gegeben habe und die Stelle nicht verrathen darf. Außerdem feid Ihr Feinde der Regierung und Ihr würdet das Geld und das Uebrige nur zum Schaden des Landes verwenden. Also darf Zch's Euch nicht sagen.Zum Teufel auch," fchrie jetzt der Anführer und stampfte wüthend auf den Boden, höre jetzt mit DeinemUnsinn auf, mein Jrmge wir sind nicht zum Scherzen aufgelegt. Es würde Dir übel bekommen, gegen uns noch länger den Schweigsamen spielen zu wollen. Willst Du's sagen oder nicht?" Nein.Ist das Dein letztes Wort?" Mein letztes.Nun. dann fahre zur Hölle", fchrie der Anführer, roth vor Wuth, riß dem Nächststehenden die Pistole aus der Hand und gab einen Schutz auf den Knaben ab. Jacob stürzte mit einem Aufschrei zu Bckzen. Der Wütherich bückte sich, sah das Blut aus einer Wunde in derBrust des Knabm hervorquellen und das jugenvliche Antlitz desselben sich verfärben. Dann stand er wieder auf. stieß an den zuckenden Körper und rief: Er hat's ja nicht besser hab?n wollen der verd kleine Yankee. Hier, Simpson, zerre die Leiche aus dem Wege. Wirf sie in das Gebüsch dort hinein. ' Und so geschah es, und die ganze Nacht lag der Körper des Knaben dort, ohne Pflege, nur über ihm das Grün der Büsche und die funkelnden Sterne am blauen Himmel. Die kleine Schaar muhte sich redlich mehrere Stunden kang, den Versteck ausfindia zu machen. Sie gruben und scharrten eifrig nnv ohne unierlaß, aber sie entdeckten ihn nicht. BeiVZorgenzrauen ritten sie fluchend davon. H.ob Rust wurde wieder hergestellt. Seine besorgten Eltern fanden den halberstarrten, blutenden Körper ihreö oones cm frühen Morgen und schafften denselben, da das Herz noch schlug und die Pslse schwach wahrnehmbar waren, nach ihrer ffarm. Dort pfleaten ihn Vater und Mutter in'S Leben und in die Gesundheit zurück, nachdem ein Wundarzt die Kugel entfernt, die . sich zwischen die Nippen festgeklemmt hatte. ;

Nach seiner Eenesuna aber Ueß sich Jacob nicht mehr halten. Er ging nach Washington und trat dort in die Armee des General Grant ein. Er hielt sich brav und zeichnete sich beiManassaS und Gettysburg aus, sodaß er trotz seiner Jugend zum Officier befördert wurde. Der Zufall, der im Kriege ja eine große Rolle spielt, wollte es. daß er einst bei einer Recognoscirung mit seinen Leuten eine Anzahl Mosby'scher Guerillas gefangen nahm. Und unter

diesen Gefangenen war jener Anfuhrer, der ihm damals eine Kugel in die Brust gejagt. Jacob war aber nicht blutdürstig. Seine ganze Rache an dem grausamen Feind bestand darin, daß er sich schweigend' vor ihn hinstellte. Aber der Mann wurde von dem bloßen Anblick des Jünglings, den er ermordet zu haben glaubte, qenug 'bestraft Zähneklappernd und voll Angst schlug er die Hände vor's Gesicht, bis Jacob Rust zu ihm ganz leise sprach: Ich thue Dir Nichts zu Leide. Der Schmuggler. Bsn Fritz von Thelen. Ueber dem Grenzstädtchen L , lag die Dämmerung. Aus emer einfachen Holzbank vor der unscheinbaren Baracke, welche die Grenzwache bewohnte, saß Therese, die Magd und zugleich Wirthschaften des altenCommandanten Wanek. Den Kopf auf die Brust gesenkt, die Hände gefaltet, so lauschte sie den leidenschast lichen Worten eines jungen Grenzsol daten, der, von heißer Liebe zu ihr entbrannt, sie beschwor, ihn nicht lan ger von sich zu stoßen, sondern ihm ein einziges Wort der Gegenliebe zu spenden. Hab' Mitleid mit mir, Therese!" rief er aus. Ich kann ohne Dich Nicht mehr glucklich werden Und Du auch nicht mehr ohne mich! Sag' Ja!" Er streckte ihr mit treuherzigerMiene seine Rechte entgegen, doch Therese verhielt sich wie bisher-ablehnend. Da trat er gekränkt einen Schritt zurück und indem er sich zum Weggehen anschickte, sprach er zu ihr mit bewegter Stimme: Du schlägst mich aus? o hab' ich Dein freundliches Wesen gegen Mich falsch gedeutet. Dann muß ich freilich von Dir lassen. Auch sollst Du mich Nie wiedersehen mtr Mit raschen Schritten verließ er das Mäocben. Kurt! Kurt!" schrie es ihm verzweifelt nach. In diesem Augenblicke legte sich eine schwere Hand auf ihre Schulter und als Therese sich erstaunt umwandte, blickte sie in das wettergebräunte, doch wohlmeinende Antlitz ihres Dienst Herrn. Eine. Frage! Ich mochte von Jhnen erfahren, was Sie von Ihrem Manne Neues wissen kam es langfam von seinen Lippen. Bei dieser unerwarteten Frage der färbte, sich das Antlitz Thereses. Neues Herr Wanek von mei nein von ihm stammelte sie. Jawohl, Neues von Lunder", be stätigte Wanek. Mitleidigen BlickeS betrachtete der alte Soldat die erregte Frau. Beru higen Sie sich redete er ihr freunduch zu. Therese faßte sich gewaltsam. Ich bin ruhig entgegnete sie. Um so ruhiger, als ich seit emem Jahre Nichts von Lunder gehört habe. In der Stunde, in welcher er mich, um das Maß seiner Lieblosigkeit gegen mich zu füllen, auf das Gröbste mißhandelte und trotz memes Flehens wie einen Hund zur Thür hinausjagte hin aus in die kalte, finstere Winternacht, in der Stunde habe ich mir's hoch und heilig zugeschworen, lieber alles Elend dieser Welt zu ertragen, als jemals wieder zu ihm zurückzukehren. Doch Sie, Herr Wanek, warum fragten Sie nach dem Verbleib Lunder's?" erkundigte sie sich. Weil man wieder viel Schlimmes über ihn gehört antwortete Wanek. Man nennt ihn ein Mitglied jener Schmugglerbande,. welche seit Wochen meine Leute in Athem halt Und " forschte athemlos Therese. Und und doch davon spater, schnitt er das Gespräch kurz ab und verließ nach einem flüchtigen Gruß Therese. um sich auf d:e Wachstube zu oegeven. Mit anbrechender Nacht nahm das Ungewitter an Wildheit zu. In der Kammer saß Therese; sie konnte nicht schlafen. Mehr als Blitz und Donner schreckte sie das wüste Heer von schauderhaftenBildern.welche ihre aufgeregte Phantasie bevölkerten. Dabei kam es wie ein Stoßgebet von ihren Lippen: Vater im Himmel, hab' Erbarmen mit mir, lass' sie einander nicht begegnen, ihn, den ich liebe, und Jenen, dem ich einst gehörte!" Sie trat vor die Thüre. Gottlob! Das Unwetter hatte nachgelassen. Da güUger Heiland! blitzte es von drüben auf. Ein Schuß und noch einer weckten des Berges Echo mit dröhnendem Schall.- Therese stieß einen Schrei aus. Dann eilte sie in wilden Sätzen dem Kampsplatze zu. Sie achtete nicht des schlüpfrigen Weges, der es ihr fast unmöglich machte, weiterzukommen, nicht der überhängenden Zweige der Bäume, welche ihr Gesicht zerkratzten. Vorwärts hieß ihre Parole. Vorwärts um jeden Preis!" In ihr Ohr trafen die CommandoWorte des alten Wanek und die Flüche und Verwünschungen der überrum pelten Schmuggler. Vor ihr lag der Abgrund. Die Soldaten waren in der Ueberzahl und langsam, aber stetig, drängten sie den eingeschlossenen Gegner, an die Bergeslehne zurück. Die Schmuggler schienen daö Nutzlose eines ferneren Widerstandes einzusehen und machten Miene, die Waffen zu strecken. . Bis auf einen; Therese erkannte ihn schaudernd:. es war Lunder. Mit wilden Geberdm und trotz!-

gti Stimme forderte er seine Genossen zu neuem Widerstand auf. Vergeblich waren alle Bemühungen der Soldaten seiner habhaft zu werden. Da', brach aus ihren Reihen plötzlich Kurt hervor, mit der blanken Waffe in der Hand stürzte er sich auf Lunder. Doch festen Fußes wartete ihn der Elende und indem er mit dem Kolben seiner abgeschossenen Büchse Kurt die Waffe aus der Hand schlug, holte er zu einem entsetzlichen Schlag auf dessen Haupt aus. Therese sah's. Ein Angstschrei entrang sich ihrer Kehle, ein Schrei der gräßlichsten Seelenangst. Dann brach sie jäh zusammen. Schon bleichte des nächsten Tages erster Schimmer das Firmament, als Therese aus ihrer schweren Ohnmacht erwachte. Es wollte ihr lange nicht gelingen, sich in dem Chaos ihrer Gedanken zurechtzufinden, bis es urplötzlich wieder hell in ihrem Kopfe ward und sie sich mit dem Ausrufe: Kurt! Mein armer Kurt!- der ganzen Schrecknisse der Nacht bewußt wurde. Neben ihrem Bette saß der alte Wanek. Ueber sein rauhes Antlitz glitt ein sonniges Lächeln; liebreich streichelte seine schwielige Rechte die schneeige Stirne Thereses. Dann sprach er zu ihr: Kurt lebt, 'mein Kind Mit Himmelsfreude erfüllten diese Worte Therese's Seele. Doch schon im nächsten Augenblicke verdunkelte der schwarzen Wetterwolke gleich ein finsterer Gedanke denHimmel ihrer Empfindungen . . . Wenn. Kurt lebt, ist Lunder schwer verwundet oder todt. Mit lauter Stimme schrie sie es vor sich hin, indem sie Wanek fragenden Blickes anstarrte. Er ist todt lautete die Antwort des Commandanten. Ein dumpfes Stöhnen entrang sich des Brust Therese's. Todt-, wiederholte sie leise, todt. Und Kurt Kurt hat ihn getödtet!" schrie sie in maßlosem Schmerze auf. Da sprach Wanek mit feierlich ernster Stimme: So wahr ein Gott im Himmel ist, Kurt's Hände sind rein von Deines Mannes Blut!" Und er berichtete, wie Lunder. als er den fürchterlichen Schlag gegen Kurt führen wollte, ausglitt und in den Abgründ stürzte. Ein Jahr war verflossen. Wied' war der Frühling durch die Auen und Wälder gezogen; wieder hatte des Sommers Gluthathem die Trauben am Weinstock gereift. Und als die ersten Zeitlosen auf der abgemähten Wiese blüthen. schmückte ein junges Paar den Grabeshllgel emes Verirrten. Trr Ansang der Praxis. Seit einem Vierteljahr hatte sich der junge Dr. Hübler bereits als Arzt etablirt, aber in seinen Sprechstunden hatte er noch Niemand anders gesprochen. als seine alte Aufwärterin, und die Besuche, deren er sich . entledigte, galten weniger den Patienten, als den ungeduldigen Gläubigern. Dagegm war seine Nachtklingel stark in Anspruch genommen, allerdings nicht bei Nacht, sondern am Tage, wenn die Schüler des nahen Gymnasiums aus der Schule heimkehrten. Sobald Dr. Hübler aus dem Fenster sah, waren die Attentäter verschwunden. Nun, Zeit batte der junge Arzt genug, wie er diesem Uebelstande abhelfen könne, auszusinnen. Und eines Tages rief er mit mephistophelischem Lächeln: So muß es gehen. Zwei Fliegen mit einem Schlage !" Er schlug durch den Knopf der elekirischen Nachtglocke einen Nagel, so daß die Spitze ein wenig nach außen hervorragte.Kaum war am andern Tage die Schule aus, als der Arzt ein schwaches Klingeln seiner Glocke vernahm, dem gleich darauf ein herzzerreißendes Gebrüll folgte. In einem Nu war Dr. Hübler unten. Sei nur still, mein Sohn tröstete er den weinenden Quartaner, der sich den eingeschlagenen Nagel in die Daumenspitze getrieben hatte, komm' zu mir herauf, ich werde Dir die Wunde verbinden Das geschah denn und der jJunge wurde mit dem Bedeuten entlassen, am andern Tage wiederzukommen. Der Arzt hatte noch eine ganze Stunde mit solchen Daumenpatienten zu thun. Später erschienen die Eltern der Kinder, um ihren Dank auszusprechen und das Honorar zu überbringen. So begann Dr. Hubler ein bekannter Arzt zu werden. Die Nachtglocke wurde bald nur noch des Nachts gezogen, während die Schüler bei Tage um sie herum einen großen Umweg machten. Eingegangen. Lieber Herr von Silberberg! Bin in momentaner Geldverlegenheit. Bitte um gefl. Zusendung von 60 Mark durch den Ueberbringer. Denken Sie an: 15! dar, qui cito dat.Doppelt gibt, wer schnell gibt. 13 Uhr Nachm. Ihr ergebener Alex Pumpo, shid. Zur. Herrn Alex Pumpo! 3 Uhr Nachm. Mitfolgend die 60 Mark. Belage Sie. unserer Abmachung gemäß, mit 100 Mark. Achtungsvoll M. Silberberg. Privatier. Selb st bewußt. . . . Ihr Antrag, Herr Lieutenant, ehrt mich ungemein, doch muß'ich ihn meinemBedauern dankend ablehnen, denn ich bin bereits verlobt!- Bereits verlobt?! Da haben aber Gnädigst scheußliches Pech!Ein Schwerenöther. .Finden Sie nicht auch, Herr Lieutenant, daß sich alle kleinen Kind in den ersten Wochen so ähnlich sehen, wie ein Ei dem anderen!" Donnerwetter, Fräulein, wenn dies wahr ist, dann fühle ich mich kolossal aeschmei-

chelt, Ihnen 'mal ähnlich sehen zu

ihaben!- , . ...

Storch-Dikemma. ; i Eine merkwürdige Geschichte von Muh. Endlich war ich über'm Berg. Das Publikum hatte sich an mich gewöhnt und besonders seitdem ich meine Praxis auch auf männliche Patienten ausgedehnt hatte, durfte ich mich über Mangel an Zuspruch nicht mehr beklaaen. Da konnte ich denn auch an's Heirathen denken. Du lieber Himmel, wenn man Mittags und Abends abaerackert nach Hause kommt, dann will man was Gut's zu essen, nicht nur Garküche vorfinden; auch eine vernünftige Aussprache und etwas für's Herz thut dann noth! Aber freilich, es war nicht leicht was Passendes für mich zu finden. Auf's Geld brauchte ich ja nicht zu fehen. ich verdiente selbst genug für uns beide, aber mein Mann mußte sebr wirthschaftlich erzogen sein, vor allem sich nicht scheuen selbst am Herde zu stehen und die nöthigen Hausarbeiten zu übernehmen. Denn das war zweifellos: ein Dimstmädchen würde ich nicht in's Haus nehmen. Mein osprit de corps würde den täglichen Anblick einer dermaßen, blödem-Bor-urtheil zu Liebe entwürdigten Genossm meines Geschlechtes nicht ertragen haben. Wir Frauen sind denn doch zu höherem berufen, als niedereMagddienste in Küche und Keller zu verrichten. wir mit unserem zarten Empfinden. wir leicht verletzliches Geschlecht! Leider ist diese Erkenntniß noch immer nicht weit genug vorgeschritten und so sehlt's denn auch noch immer an Männern, die mit ihrer robusteren Kraft und dickfelligeren Außenseite bereit und befähigt sind die naturgemäß entstehende Lücke im neuen Wirthschaftssystem , auszufüllen. Das mußte auch ich schmerzlich empfinden. Auf vier Heirathsannoncen, die ich in den gelesensten Blätter einrücken ließ: Zwecks Verehelichung wird die Bekanntschaft mit einem Manne nicht unter 20 und nicht über 30 gesucht. Vermögen und Schönheit Nebensache. doch muß derselbe fügsamen Eharakters und vor allem im Stande sein, eine Wirthschaft ganz selbstständig zu führen, perfekt kochen können und so viel vom Nähen verstehen, daß er die nothwendigsten Ausbesserungen an Kleidern und Wäsche selbst auszuführen vermag- hatten sich nur zwei Bewerber gemeldet, ein Damenschneider und ein Koch. Beides ganz ansehnliche Männer, zeigten - auch den besten Willen, der Schneider wollte noch schnell kochen, der Koch schneidern lernen aber ich konnte mich doch nicht entschließen. Aus Standesrücksichten nicht. Man muß doch auf feine Stellung Bedacht nehmen ein Dr. med." hat gesellschaftliche Verpflichtungen, nobles8e oblige u. f. w. Da kam mir der Zufall zu Hilfe. Ich bekam eine neue Patientin, ffräulein Justine Haberkorn, und in deren Hause nun lernte ich meinen Huao kennen. Meinen guten Hugo! ein Muster seines Geschlechts und dazu nur geworden durch die vernunstgemäße Erziehung. Er hatte nämlich sehr früh seine Eltern verloren, mein guter Hugo, und war infolgedessen, als ganz zarter Sprößling noch, in die Obhut feiner beiden Tanten, Fräulein Justine und Fräulein Charlotte Haberkorn gekommen. die nun mit Eifer daran gingen, sich in ihm ein männliches Ideal zu erziehen. Mit wissenschaftlichen Experimenten. die ja doch aussichtslos waren, plagten sie ihn nicht viel. Fräulein Justine ertheilte ihm den ersten Elementarunterricht und später wurde die Gymnasiallehrerin Dr. Eugenie Magnich als Erzieherin in's Haus genommen, aus Rücksicht auf den drohenden Militärdienst, dem mein Hugo jedoch zum Glück entging, da er etwas schwach auf der Brust aber der Hauptwerth wurde doch immer auf feine häusliche Ausbildung gelegt, und da Tante Charlotte etwas zurückgeblieben war in der Cultur, lieber den Kochlöffel schwang, als sich mit einem guten Buch abgab, lieber hinter der Nähmaschine, als hinterm Schreibvult saß, gab sie in dieser Richtung eine vorzügliche Lehrmeisterin für meinen Hugo ab. den ich daher mit Recht als Perle feines Geschlechtes be zeichnen durfte und mich beeilte, dieses Kleinod mir zu sichern. Wir führten denn auch die denkbar alücklichste Ehe. Alles war blitzsauber um mich her, ich hatte noch nie fo gut gespeist, und um keine der läppischen häuslichen Kleinigkeiten, die anderen ffrauen das Leben verbittern und sie von ihren höheren Zwecken ablenken, brauchte ich mich zu bekümmern. Mein Hugo besorgte das alles auf's pünktlichste und war selbst überglücklich. den Eifersüchteleien der Tante Charlotte, die nicht ertragen konnte, daß ihr Schüler im Haushaltungsfache sie so schnell überflügelt hatte, entronnen zu fein. Besonders gemüthlich gestaltete sich unser Leben des Abends wenn für mich des Tages Hetzjagd zu Ende war Wir aßen erst zusammen Abendbrod, dann verfügte ich mich in mein Studierzimmer, das neben der Küche geleaen war; die Verbindungsthür zwifchen beiden Räumen wurde geöffnet, so daß ich meinen Hugo, der nun noch das letzte Geschirr aufwusch und die nöthigen Vorbereitungen für den nächsten Tag traf, Kartoffeln fchälte, Rü ben putzte oder ähnliches machte, zusehen und mich mit ihm unterhalten konnte. Eine Bekannte von mir, die berühmte Thiermalerin Lina Achjeh hat uns einmal in dieser Situation gezeichnet. Mich an meinem Diplomatentisch sitzend, im feschen Normalkleid mit der Weißen Piqueweste, der bequemen Joppe darüber, mit Stehkragen und langem Schlipps, auf dem kurzlockigen Haar den kleidsamen Fez; meinen Hugo am Auswaschtisch, mit

eufaestreiften Hemdärmeln, über den hellen Inexprss!ble8 (oder Inspa rables wie die berühmte Geistinger sagte) die hübsch gemusterte Küchenschürze mit den breiten Achselbändern; auf dem Kopfe, um sein reizendes, weiches Haar vor Staub und Ruß zu schlltzen.ein rothbordirtes, weißesKopftuch. dessen einer Zipfel ihm kokett in die Stirn fällt s'ist ein allerliebstes Bildchen! So verbrachten wir denn auch einmal wieder einen köstlichen Maiabend. Die Luft war würzig und lind, so daß ich das Fenster in meiner Stube weit offen ließ. Plötzlich fällt durch jenes Fenster in mein Zimmer. Ich wende mich erschrocken um, auch mein Hgo kommt schnell aus der Küche herbeigelaufen und was erblicken unsere Augen? Einen Storch! Einen leibhaftigen Storch, auf dessen Rücken mit zarten rosa Bändern ein Wickelkind befestigt ist. Wir sehen ihn. er sieht uns mit maßlosem Erstaunen an. Ja ich kann wohl sagen, ich hatte nie vorher ein so erstauntes Storchgesicht gesehen, als das war, welches er bald mir, bald meinem Hugo mit halboffenem Schnabel und weit aufgerissenen Augen zuwandte. Endlich sprach er: Bm ich denn recht bei Dr. Mende-Vrunnen's; ich soll hier ein Kindchen abgeben ?" Bei Dr. Mende-Brunnen's?" Ja ganz recht," erwiderte ich. Ich bin eine geborene Mende, meines ZeichensArzt und dieser da ist meinMann, Herr Hugo Brunnen aber ein Kind?" Darauf wandte ich mich an letzteren: Hast Du denn ein Kind bestellt?" Gott bewahre," antwortete er, das Teltower-Rübchen, an dem er eben gefchabt hatte und sein Küchenmesser abwehrend von sich streckend. Nein, ich auch nicht." wollte auch ich betheuern, da fiel mir aber fchon der Storch eifrig in die Rede. Bestellt, bestellt! Ihr bestellt! Als ob ich, auf Eure Bestellung etwas zu geben hätte! Nein, bildet Euch keine Schwachheiten ein. So was bestimmt der Oberteichinfpektor. Er fagt: Da oder da hin wird ein Kind gebracht" und dann geschieht's. Aber Ihr kommt mir so ganz anders vor, bei Euch kenne ich mich gar nicht aus." Und wieder flogen feine Blicke 'von meinem Hugo zu mir, von mir zu jenem. wobei er. wie in höchster Verlegenheit von einem Bein aus's andere hüpfte. Dann platzte er los: Nun, fagt mir nur; wer von Euch beiden kriegt denn nun eigentlich das Kind?" Da er dabei feinen Schnabel wie drohend auf meinen Hugo gerichtet hielt, fchrie dieser erschreckt auf: Na, ich nicht; ich danke! Ich will überHaupt nichts mit Dir zu thun haben, mein verehrter Herr Storch. Ich hab' mir sagen lassen. Du verfährst ziemlich grob mit 'den Menschen. Du sollst ganz abscheulich beißen. Dafür dank ich, denn ich bin sehr empfindlicher Natur ." Mein Hugo kam mir in diesem Augenblick ziemlich kindisch vor, darum fiel ich ihm schnell in's Wort: Ich, lieber Storch, muß Deine gewiß freundlich gemeinte Gabe allerdings auch dankend ablehnen. Ich habe beim besten Willen keine Zeit zu so was. Vollends jetzt, bei dieser prächtigen Masernepidemie, wo ich sogar nachts noch Besuche zu machen habe " Nun fuhr aber der Storch auf. Na, da brat mir einer Menschen, aber recht knusprig muß er sein. So was ist mir doch in meinem ganzen Leben nicht vorgekommen! Ihr seid ja eine ganz heillose Gesellschaft! Na wartet, das sag' ich dem Inspektor, Euch soll's gut gehen." Damit wandte er sich, um sich wieder durch's Fenster davon zu. machen, vorher aber biß er noch meinem armen Hugo in's Bein, daß der jämmerlich aufschrie: Ei verflixt!" Dann kniff er mich in den Nacken, daß ich vor Schreck vom Stuhl fiel. Während ich mich wieder aufraffte, raisonirte mein Hugo ein über's andere Mal: Na was sagst'e denn dazu? Na was sagst'e denn dazu?" Mein Hugo that das? nein doch, das war ja Dids. mein Graupapagei, der auf der Stuhllehne faß und wüthend nach mir hin sah. Und jetzt besann ich mich ich hatte über meinem Terenz gebüffelt und Dido während'dem auf meiner Schulter gesessen. Dabei war ich eingenickt, hatte im Schlafe wohl eine Bewegung gemacht, die mei nen Dido des Gleichgewichtes beraubte. wofür er mich in den Nacken kniff und dann sich auf die Stuhllehne rettend fein beliebtes Register Ei verflixt" und Na was sagst'e denn dazu" aufZog. . Mein Hugo aber, meine ausgedehnte Praxis, die schöne Häuslichkeit, de? Storch, das Wickelkind alles Traum, Traum und Schaum! 'Na, vielleicht wird's noch einmal Wirklich-keit!

' N e u e s W o r t. A.: Merkwürdig, die Heirath des Grafen! Er aus fo stolzem, 'altem Gefchlecht und sie die Tochter dieses anrüchigen Parvenüs ! Das ist doch eine Mesalliance!" B.: Bei seinen Schulden muß man das schon mehr Mußalliance nennen!- - Sagenreich. Der Franz sagt, der Peter hätt' g'fagt. der Matthes dhät' sage, wann der Philipp noch amol sage dhät'. er hätt' was Lwwer de Sebaschtian g'sagt, dann dhät' er'm dorch de Konrad sage losse. so was dhät' er sich nit nochsage losse! Kasernenhofblüthe. Unterofficier (bei der Richtung): Der dritte Mann vom rechten Flügel muß noch ein Haar vor. (Der Angeredete geht eine Kleinigkeit vor.) Unterofficier: Mensch, das ist doch zu viel, wenn ich sage ein Haar, so meine ich loch nicht gleich eine Sauborste.

Die Jungfraucnattikel. DaS älteste Dokument der Frauenbewegung bilden unzweifelhaft wohl die polnischen Jungfrauenartikel". Das merkwürdige Schriftstück befindet sich auf der Krakauer UniversitätsBibliothek und entstammt der zweiten. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Dem Inhalte nach sind die Jungfrauenartikel von den Gesandtschastscommissärinnen aus Großpolen und Littauen aufgesetzt. Dieselben Damen über brachten auch die Forderungen der polNischen Frauenwelt dem unter öadislaus IV. tagenden Landtag. Gleich im ersten der 25 Artikel heißt es: In Anbetracht, daß es zur allgemeinen Sitte wird, daß die Herren Jünglinge in der Brautwerbung allzuviel Zeit verwenden und uns mit dem endgiltigen Eheschluß allzu lange hinhalten, haben unsere Gesandtinnen Fürsorge zu treffen, daß ein Präklusionstermin" hinsichtlich der Werbung bis zum thatsächlichen Eheschluß, d. i. läng stens bis zum Juni jeden Jahres, fest, gesetzt werde." Die polnischen Damen waren also entschiedene Gegnerinnen langer Verlobungen. In Artikel 2 und 3 wird Beschränkung der Geldheirathen verlangt und Freiheit in de? Wahl eines Gatten für die Mädchen gefordert. Artikel 5 bittet, alle Junglinge, welche im Laufe der Faschingszeit um ein Mädchen werben und es im Juni nicht heirathen, mit einer Geldstrafe zu belegen; der Uebelthäter solle 1000 polnische . Gulden an die Kasse für verwaiste Jungfrauen zahlen. Ganz eigenartig ist Artikel 6. er sagt: Aus Anlaß dessen, daß viele von den Herren 'Jünglingen die Familienwirthschaft vernachlässigen und somit, ohne eine Ehe einzugehen, ein allzu hohes Alter erreichen, drängt sich die Nothwendigkeit auf. gewisse Terminetn jedemBezirke, wenigstens viermal im Jahre an einem bestimmten Orte zur allgemeinen Versammlung zu bestimmen, wo sich Jünglinge und Jungfrauen einzusinken haben, um eine wechselseitige Bekanntschaft nach freier Herzenswahl einzufädeln. Wer bon den Herren Jünglingen ohne Grund ausbleibt, ist der Ehre für verlustig zu erklären Mit der Stellung der Wittwen beschäftigt sich Artikel 10. Da die Wittwen", heißt es da, sich trotz des Verlustes eines oder zweier Männer nicht entblöden, junge Muttersöhnchen anzulocken, wünschen wir, daß den Wittwen, nach zurückgelegtem 40. Lebensjahre unter der Strafe der Ehrlosigkeit die Heirath verboten werde und zwar aus dem Grunde, weil derartige Wittwen anstatt Jünglinge heranzuziehen, dem Spinnen obzuliegen und das Gebet nicht außer Acht zu lassen haben." Artikel 13 wünscht Steuerfreiheit und Verbilligung aller Schönheitsmittel, denn da nicht jedeJungfrau mit blendender Schönheit ausgestattet ist, seien den Mindcrbcgünstiqten keineswegs die Mitte! zur Hebung ihrer Reize zu versagen." Artikel 14 verlangt einen Zwang für die Jünglinge, im 30 Lebensjahre zu heirathen. In Artikel 18 wird der hohe Landtag" ersucht, dafür zu sorgen, daß nur Leute von gleichem Charakter sich heirathen, beispielsweise ein Jüngling von schlechten Eigenschaften nur eine Jungfrau derselben, Veranlagung, ein Jüngling von geringem Verstände nuv ein Mädchen, das ihm darin ebenbürtig ist." Sehr heiter wirkt die Forderamg, für den Heeresdienst nur folche Wittwer und Jünglinge zu bestimmen, welche jeder Lebensenergie baar ' und mit auffälligen Gebrechen behaftet sind." Artikel 20 nimmt sich endlich auch der armen unterdrückten Ehefrauen an: Da es nämlich Ehemänner giebt, welche ihren Frauen Tanzbelusiigunzen, Scherze und sonstige Kurzweil verwehren, so mögen unsere Gesandtinnen darauf sehen, daß uns dieses Alles bis auf zehn Jahre nach der Heirath gestattet werde." Das letzte Blatt. Von Ma; Härtung. . Was nichtder Herbst im Sturm ge- ' ". nommen. Vom Baume jäh' hinweggerafft. Das ist im Winter umgekommen. Starr ruht das letzte Tröpflein Saft. - Im Gipfel wo auf weichem Pfühle Zur Sommevzeitdr Vogel singt Gelb, wie ein Gcklein im Gestühle, Das letzte Blatt, im Winde schwingt. Auch das wird bald zur Erde gleiten. Doch laß getrost es untergeh'n. Denn es gehört dergang'nen Zeiten, Und neues Grün' will auferstehen. W V Der schlaue N ach t w acht e r. Stoffeloauer (der immer mit dem Schlage 12 Uhr vomWirthshaufe weggeht, und jedes Mal, über den mitten auf dem Gange, liegenden und fchlafendenRachtwächter stolpert) :Du könnt'st Dir schon auch. Wastl, an' andern Platz zum Schlafen aussuchen'.Nachtwachter: Sei net bös, Stoffelbauer! Schau, Du gehst halt alleweil Punkt 12 Uhr heim, und wenn i' mi' nach'm Elfuhrblas'n da her leg', so weck'st Du mi' immer fo fchön zum wöliubrblas'n auf!- . , - Ausdemneuesten Modebericht. Zu Brautanzügen wähl! , man noch immer gern weiße Seide un? Atlas, während für Scheidungstoi!: ten Sammt in dunkleren Schattit'u'. gen beliebt ist. - 1 . 'O' weh ! Weißt Du's sc.fcr.. liebes Männchen? Unserm Ncv5.ö ir ist gestern feine Frau durchgebraust.!" Wirklich? Der ' Arme!" .'.fcn. wenn ich daö fo machen rvnutf, waZ würden da wohl Deine v- fa

aen?" m da mtB t,.:sofort das größte Faß Bier lhlen!' itn