Indiana Tribüne, Volume 20, Number 127, Indianapolis, Marion County, 24 January 1897 — Page 7

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cjchtcom. Von Heinrich Bäcker. " . Klein - Lieschen sitzt an der W'ttJe und lullt das Brüderchen in Schlaf. Leise, leise summt sie ihr Ba-ba-ba!" und helle Thränen rinnen über die eingefallenen Bäckchen. Brüderchen schläft, auch Schwesterchen Frida auf dem großen Bett. Lieschcn hält mit dem Wiegen inne und lehnt den kleinen Krauskoxf an Vrüderchens Kissen; bald sind ihre Thranen versiegt und sie schluchzt nur noch im Traume. Da schreckt ein Klopf: an der Thür sie auf. Sie öffnet. JPaj!" Ja. mein Kind, wr ist die Mama?" Mama ist ausgegangen, . Frieda und Willy schlafen, sie haben so sehr geweiNt," sagte Liebchen unter Thränen. lind weshalb weinst Du, meine Lics?" .Ich habe HunFer!" Hat Mama Euch nichts gegeben?" Ja, Frieda und mir eine Semmel Md Willy etwas Milch. Aber das ivar Morgens, und jetzt ist es wohl schon Mittag vorbei." Ein schwerer Seufzer hebt die Brust 'des Mannes, dem man auf den ersten Blick den genialen Künstler ansieht, wenn auch sein Anzug einen gewissen Srad von Verkommenheit verräth. Ist denn nichts da?" Nein. Papa, kein Brot und kein Geld! Mama hat nlich zum Bäcker geschickt, der toill aber nicht mehr borgen." Mama hatte aber noch einige Groschen. als ich fortging." Die hat sie dem Büchermann gegebcn, der brachte Nomanhefte." O Gott!" ringt es sich zwischen den Zähnen des Mannes hindurch. Er gibt Klein-Lieschen Geld und schreibt auf einen Zettel, was sie holen soU. Ei, Papa, ist heute Feiertag?" jubelt die Kleine, als sie hört, daß sie neben Anderem Butter.Eier undSchinken bringen wird. Für Euch wohl, mein Herzchen, Du darfst Dir wünschen, was Du sonst noch essen mochtest." Dann hast Du wohl viel Geld bekommen für Dein Bild? Aber ich möchte mich nur scttessen." Eine bittere Thräne stiehlt sich aus seinem Auge und rinnt in den ungepflegten Bart, während er sich daran macht, den Kindern ein kräftiges Mahl zu bereiten. Als sie am Tische sitzen und er mit getheilten Gefühlen zusieht, wie es den kleinen Mäulchen schmeckt, geht die Thür auf, und ein schlankes, junges Weib von vollendeter Schönheit, aber nachlässig gekleidet, tritt in das Gemach. Nun, da bist Du ja hast Du Geld erhalten?" Ja!" grot er. Aber Du legst den Kindern zuviel auf, sie werden sich den Magen verderben." Bist Du auf einmal so besorgt? Weshalb hast Du Dich nicht darum gekümmert, daß sie den ganzen Bormittag hungern mußten?" Den ganzen Vormittag? Sie bekamen doch Frühstück! Und was sollte ich ihnen denn geben, ich hatte ja nichts." Natürlich nicht! Was Du hattest, mußtest Du auf dem Altar Deines Vergnügens opfern. Um Deiner Lesewuth zu fröhnen. läßt Du die Kinder hungern." Mir scheint. Du suchst nur einen Grund, um zanken zu können. Daß Du mir das Lesen nicht gönnst, die einzige Zerstreuung, die ich mir- noch erlauben darf, habe ich schon längst bemerkt." O, ich gönne Dir Wohl jede Zersireuunc, wenn die Kinder nur nicht darunter leiden müßten. Du übertreibst es aber! Anstatt die Kleinen sauber zu halten, liesest Du die ekelhaftesten Schauerromane, und nun gibst Du sogar den letzten Grosch:n dafür aus. so daß Du den Kindern nicht einmal ein Stückchen Brod reichen konntest. Das ist schändlich!" Ich dachte, der Bäcker würde uns ein Brod borgen," sagte sie leichthin. Und dann war der Mann mit den Heften einmal da, es genirte mich, ihn fortzuschicken." Beim Bäcker zu borgen, genirte Dich nicht?" Ich sehe, daß Du durchaus mit mir anbinden willst; es soll Dir aber nicht gelingen, ich werde schweigen!" Sie schwieg aber nicht, sondern fuhr'zungenfertig fort: Habe ich unsere traurige Lage veranlaßt, kann ich dafür, daß wir in Noth verkommen? Wer trägt die' Schuld daran, daß Du so wenig verdienst, daß Deine Bilder nicht mehr gefallen? Ich doch nicht?" Nein. .Du nicht!" Nein, Du nicht! Wie Du das sagst, welchen Ton Du dabei annimmst! Ich bin es auch gewiß nicht, die dieses Elend verschuldet hat, sondern Du, Du ganz allein!" Jawohl, ich ganz allein! Und Du. die den Stein gegen mich erhebt, hast Deine Pflichten stets erfüllt, bist mir stets die lieb'vollste Gattin. De?nen Kindern die sorgsamste Mutter gcwesen." Dein Hohn trifft mich nicht; ich habe immer gethan, was ich konnte und irirbe wohl mehr als das thun, wenn Du mir nicht immer Vorwürfe mackitest!" . .; . , - Sie sind berechtigt! Du thatest nicht, was Du konntest und solltest, sonst sähe es nicht so trübe bei uns aus!" So?! Ei. das ist mir neu! Nun ja. Du verstehst es. Dich weiß zu brennen. Nächstens werde ich nicht allein Hausmagd spielen, sondern auch noch für unsern Unterhalt sorgen wüßte ich nur, wie ich das fertig bringe! Z2cnn Du dann-'nichtZ ch? zu thun

hast, als mit Deinen Kumpanen lm Wirthshaue zu trinken und ab und zu zum Essen heimzukommen, dann wirst Du wohl mit mir zufrieden sein." Schäme Dich, Clara, so zu sprechen. Weißt Du. was mich zuweilen in's Wirthshaus treibt, was mir Lust und Kraft zur Arbeit geraubt hat? Dein Mangel an Verständniß für meine Ideale, Dein kalter Egoismus, der immer nur an sich denkt, Dein mehr als prosaischer Sinn " Ist das Sündenregister bald zu Ende?" Daß Du es lieber nicht hörtest, will ich Dir glauben, aber Du hast es provocirt." antwortete ihr der Gatte auf den Zwischenruf. Dann, als die hellen, klugen Augen Klein-Lieschens in verständnißvvllem Erschrecken auf sich gerichtet sah. sagte er: Das Wetter ist schön. Lies kann ein wenig hinunter, um in der frischen Luft zu spielen." Das geht nicht," warf seine Frau ein. Geht nicht? Warum? Ihr Kleidchen ist zerrissen, sie hält ja nichts in Ordnung!" Muttererbtheil!" murmelte der Mann bitter. So?! Hast Du mich schon mit zerrissenem Kleide ausgehen sehen?" Das nicht! Wenn Du aber mehr Ordnungssinn hättest, dann wäre des Kindes Kleid bereits ausgebessert; der Riß war schon vor acht Tagen vorhanden." Ich hatte keine Zeit!" Eine schöne Ausrede für Jemand, der überhaupt nichts thut." Die Frau hatte indessen Nähzeug genommen und den Riß in Klein-Lies-chens Röckchen zusammengenäht. Das Kind ging zur Thür hinaus, aber nicht freudig, wie andere Kinder, wenn man sie zum Spielen schickt, sondern scheu und zögernd, ängstliche Blicke auf den Vater werfend, der jetzt dumpf vor sich hinbrütete. Willst Du nicht essen, Clara?" begann er endlich wieder. Danke, ich habe gegessen." .Wo denn?"

V, ;ch war bei einer Freundin." Wie es scheint, hast Du in letzter Zeit viel neue Freundinnen gefunden. Darf man fragen, wer das ist?" Ich bekümmere mich um Deine Freunde nicht!" Hm!" Es trat wieder eine Pause ein, die Frau nahm ein Buch und setzte sich damit an das Fenster. Die kleine Frieda kroch zu ihr hin und wollte an ihrem Kleide emporklettern, doch barsch herrschte sie das Kind an: Geh, störe mich nicht!" Das ist Mutterliebe!" seufzte der Mann. Kann ich denn keinen Augenblick Ruhe haben? Wenn Du malst, dürfen Dich die Kinder auch nicht stören." Zwischen dem Malen und dem Lesen ist wohl ein Unterschied." Pah. was Du malst! Armselige Copien Deiner alten Bilder, weiter nichts!" Leider! Armselige Copien! Ja. ja, Clara. Du hast Recht, mir das in's Antlitz zu schleudern. Armselige Copien meiner alten Bilder! O, wo ist die Zeit, da ich schaffen konnte aus innerster Seele heraus, da der Genius mich begeisterte, meinen Pinsel führte. Ich glaubte, es würde immer fo sein!' Du scheinst Dich eben geirrt zu ha ben," unterbrach das Weib mit kaltem Tone seine Klage. Ja, ich habe mich geirrt und trage schwer daran. Als ich Dich kennen lernte, da wähnte ich. ein Ideal gefunden zu haben, das mich, vermöge seiner Vollkommenheiten, auf den Givfel der Kunst heben müsse. Deine Schönheit hatte mich trunken gemacht, die Flecken Deiner Seele ernüchterten mich wieder, aber zu spät! Was ist Dir die Poesie der Kunst? Vor Deiner Prosa wich mein Genius mit verhülltem Haupte, und aus dem feurigen Jünger der Kunst wurde ein erbärmlicher Handwerker, der aber das, was er einst besaß, leider nicht vergessen kann! Und wärest Du, wenn Du mein Streben schon nicht verstehst, mir wenigstens eine treue Gefährtin, den Kindern eine sorgsame Mutter geworden, dann würde mir wenigstens die Lust geblieben sein, um das tägliche Brod zu arbeiten. O Clara. Clara, hättest Du doch nie meinen Weg gekreuzt!" Sagtest Du etwas zu mir?" fragte die Frau ruhig und blickte von ihrer Lectüre auf. Clara!" schrie der Unglückliche, Du bist eine kaltherzige Komödiantin!" Kaltherzig? Je nun, für Jeden kann mein Herz doch nicht warm schlagen." Das sagst Du mir. der ich Dich immer noch liebe trotz Deiner Schwächen und Fehler? Ich weiß nicht, ob Du heute lügst, oder ob. es Lüge war, als Du vorgabst, meine Liebe zu erwidern, und mir versprachst, Freud' und Leid mit mir zu theilen." Das Letztere habe ich bisher genugsam zu theilen gehabt, von dem Ersteren nichts." So wäre denn die Prophezeiung Deiner Mutter, daß Du an meiner Seite keinGlück finden würdest, in Erküllung gegangen?" rang es sich von seinen bebenden Lippen. Das meint meine Mutter auch." Deine Mutter?! Warst Du bei ihr. hast Du Dich mit ihr ausgesöhnt?" Nun ja, warum schaust Du so wild drein?" Um welchen Preis?" Wie meinst Du das? Ich habe ihr gesagt, daß es uns nicht gut ginge, und sie will uns unterstützen, wenn ich zu ihr zurückkehre!" Du allein, natürlich!" Nein, sie will sich auch der Kinder annehme??, für sie scrüeiV

So?!" Ich that's wegen der Kinder, und ich ich kann daS Hungerleben auch nicht länger ertragen." Ich verstehe! Der Preis dafür ist unsere Trennung." Das das verlangt sie allerdings." Und Du hast gern eingewilligt?" Was blieb mir übrig? Ich glaubte, es würde Dir lieb sein, die Kinder vor Mangel geschützt zu wissen und ihnen eine anständige Erziehung gesichert zu sehen; auch kannst Du ja. aller Fesseln ledig, besser arbeiten." Fesseln, hm!" meinte er mit einem verständnißvollen Aufleuchten in seinen Augen Dann fragte er: Sage mir, Clara, was hältst Du von einer gerichtlichen Scheidung?" Sie schaute überrascht auf. senkte aber gleich die Wimpern wieder vor dem brennenden Blick ihres Gatten. Scheidung." frag sie, wer denkt daran?" Weiche mir nicht aus. sondern antworte meine Frage: Würdest Du in eine gerichtliche Scheidung willigen?" Ich weiß nicht, wie Du darauf kommst?" Bitte.antworte mir Ja oder Nein!" Dann meinetwegen Ja!" Gut!" sagte der Gatte entschlossen, mit fester Stimme. Du sollst der Fesseln ledig werden, sollst frei sein!" Aber diesen Worten folgte ein schmerzvolles, tiefes Aufstöhnen. Du nimmst das so tragisch und hast doch selbst die Frage angeregt; mir lag ein solcher Gedanke vollständig fern," suchte sie den aufgeregten Gatten zu beschwichtigen. Wirklich, Dir lag der Gedanke fern? Nichtsdestoweniger sehnst Du den Augenblick herbei, der die Ketten zerreißt, welche Dich an mich fesseln." Mir scheint vielmehr, als wenn Du selbst jenen Augenblick gar nicht erwarten könntest. Ich habe nicht angefangen, von gerichtlicher Scheidung zu sprechen." Verstelle Dich doch nicht, Clara. Es ist ja ganz natürlich, daß Dir ein solcher Vorschlag wie gerufen kommt, und ich nehme Dir das nicht übel. Deine Liebe zu mir ist erkaltet die Noth ist ja oft dgs Grab der Liebe oder Du hast Dich getäuscht über die Gefühle, die Du mir entgegenbrachtest." Möglich, daß ich mich geirrt habe." Ein leises Pochen an die Thür schnitt ihm die Antwort ab. KleinLieschen hatte sich müde gespielt und kam nun herauf. Papa," sagte das Kind und lehnte sich an des Vaters Knie, Dein Gesicht ist so blaß, bist Du krank?" Ja, mein Kind, Dein Papa ist krank und dazu sehr, sehr unglücklich. Wenn man Dir einmal von Deinem Papa etwas Böses erzählt, so denke daran, daß er ein unglücklicher Mann war." Was Du dem Kinde für unsinniges Zeug in den Kopf setzest!" Er zog, ohne auf die Antwort seiner Frau zu achten, das Kind auf den Schooß. drückte es fest an sein Herz und küßte es innig, während ein herber Schmerz iber sein Gesicht zuckte, dann nahm er auch die kleine Frieda, welche, neidisch auf die Liebkosungen, die der Schwester zu Theil wurden, ebenfalls herbeikam, zu sich herauf und küßte sie. Lange, lange saß er so und hielt die kleinen Wesen umschlungen, und Thräne auf Thräne tropfte in seinen Bart. Dies' sah Klein-Lieschen und streichelte dem Papa die Wange. Lieber, lieber Papa, weine nicht, wir wollen ja immer recht artig sein." Artig sein, Papa!" stammelte das Schwesterchen nach. Ja, seid artig und vergeßt Euren Papa nicht!" Er setzte die Kinder nieder und ging in die Küche hinaus. An der Thür drehte er sich noch einmal um, beugte sich über die Wiege und küßte den Säugiing so fest, daß dieser laut aufschrie, dann schloß er die Thür hinter sich. Ein Seufzer der Erleichterung entfuhr den Lippen der schönen Frau. Sie ging zur Wiege, um den Kleinen zu beruhigen, doch zuckte sie plötzlich entsetzt zusammen, von der Küche her hatte sie einen Knall gehört. Puff, pauh!" rief Frieda und klatschte in die Händchen, und Lieschen fragte neugierig: Was ist das. Mama?" Die Mama schwankte zur Küchenthllr und öffnete dieselbe. Da saß ihr Gatte auf einer Bank neben dem Küchentisch. das Haupt hintenüber an die Wand gelehnt, in der Hand die noch rauchende Waffe.Sie hielt sich am Thürpfosten, um nicht umzusinken, doch bald erholte sie sich. Unglücklicher, was hast- Du gethan?" rief sie dem Sterbenden vorwurfsvoll zu. Du bist frei!" antwortete er mit matter Stimme, und dann, indem er die Hand langsam erhob und auf Klein-Lieschens Köpfchen legte, hauchte er mit seinen letzten Athemzügen: Gott schütze meine Kinder! Werde glücklich Clara!" Sie waren geschieden. W e i b e r l i st. Elsa (schmerzlich bewegt): . . . Paul, das thut weh! Ich weiß es. ich seh' es ja, daß Du mich nicht mehr liebst!" Paul: Weibchen! Soll ich Dich noch öfter meiner Liebe versichern?" Elsa (schluchzend): Nein nein, ich glaub' es nicht; ein Weib mit einem so alten Hut kannst Du nicht lieben!" Verschnappt. Herr (zu einem Backfisch): Ach, Fräulein Thekla, Sie sehen heut' so reizend au5 wie ein Maiglöckchen. - das der Morgenthau geküßt hat!" Backfifch (züchtig und verschämt): Morgenthau nein, so hieß er nicht!"

Wrudcr und Schwester. Unter allen Freundschafts- und Oerwandtschaftsverhältnissen gibt eS vielleicht kein zarteres und innigeres als das zwischen Bruder und Schwesier. Schon während der Kinderjahre zeigt sich das auf anmuthige Weise ; Bruder und Schwester halten meist in guter Kameradschaft zusammen, verstehen sich oft besser, zanken und streiten weit weniger unter einander, als dies gewöhnlich bei je zwei Brüdern oder zwei Schwestern der Fall ist. Ist die Schwester etwas älter als der Bruder, so wird sie gewiß eine kleine Autorität. eine Art Mütterchen für den jüngeren Bruder sein, die ihn behütet und verhätschelt, bei der er Schutz sucht, wenn ihm für eine kleine Unthat Strafe droht, die gern Pflichten für ihn übernimmt und ihm gestattet, was keinem anderen gestattet wird, daß er ihre schöne Lieblingspuppe in seine ungeschickten Händchen nimmt und sie sogar streichelt und küßt. Auch wenn der Bruder der Schwester längst über den Kopf gewachsen ist, fügt er sich oft noch willig ihrer sanften Macht. Findet das umgekehrte Altersverhältniß statt, so ist der Bruder der treue Ritter des Schwesterchens, welches er zärtlich liebt, ohne indeß, aus Knabenstolz, dieser Liebe in Worten Ausdruck zu geben. Dagegen läßt er es gern an seinen Spielen und Tollheiten theilnehmen und erträgt gelassen die Schelte, wenn hier und da durch seine Schuld dem kleinen Mädchen oder mindestens dessen Kleidchen ein Schaden geschieht. Er läßt sich unglaublich viel Neckereien von ihr gefallen, ehe er einmal ernstlich böse wird. Sie ist seine Verbündete ' bei allen Jugendstreichen und inieressirt sich für feine Liebhabereien, sogar für Käfer, Frösche und Schlangen, falls sein Sammeleifer sich auf diese Thiere erstreckt, und wird, herangewachsen, endlich auch die Vertraute .seines ersten Herzensgeheimnisses und dessen verschwiegene Hüterin. Sind mehrere Schwestern da. so ist eine sicher des Bruders Lieblingsschwester und bleibt es fllr's Leben. Mit den Jahren klären sich diese Kindheits- und Jugendgefühle zu der reinsten, treuesten und wahrsten Freundschaft zwischen den Geschwistern. die es unter Menschen nur geben kann. Ein Bruder und eine Schwester, Nichts Treures kennt die Welt; Kein Goldkettlein hält fester Als eins am andern hält." Verheirathet sich eines oder verheirathen sich beide der Geschwister, so stört das wohl nur in seltenen Fällen das innige Freundschaftsverhältniß zwischen Bruder und Schwester, ja das Band schlingt rict) oft nur noch fester um zwei Familien. Und was ist ein unverheiratheter Onkel nicht für ein lieber Gast im Haus der Schwester, der beste treueste, Freund der Eltern in guten und bösen Tagen! Wie jubeln ihm Neffen und Nichten entgegen; wie nimmt er Theil an allem, dem Streben, dem Lernen, der Lust, dem Svort der Großen! Welch ein heiterer, geduldiger Spielkamerad der Kleinen ist er! Und die unverheirathete Tante ist erst recht ein Familienhausschatz, mit ihrem Herzen voll Liebe, die sie vom Bruder auf dessen Kinder überträgt, reich an Rath und That, aus ihren unerschöpflichen Taschen, wie eine gute Fee, alle Händchen füllend, und mit ihrer flinken Nadel alle Schäden, die Mama nicht wissen soll, ausbessernd. Zuweilen geschieht es auch, daß beide, Bruder und Schwester, unvermählt bleiben und sich niemals trennen oder wieder einsam werden und sich dann alternd zusammensinden, um, wie sie im Morgenroth gemeinsam die ersten Schritte in's Leben hinaus gethan, vereint die letzte Strecke Hand in Hand im Abendschattcn der Hcimath zumandern. Ein so friedlich zusammenhausendes bejahrtes Geschwisterpaar, Bruder und Schwester, wie wir solche wohl alle schon hier und da gekannt haben, hat etwas ungemein Rührendes. Eines des anderen Stütze, eines dem anderen die Last des Alters erleichternd und tragen helfend; die Schwester stolz auf den Bruder, der vielleicht zu Ehren und Würden gelangt ist. der Greis unter dem weißen Haar und den verfallenen Zügen seiner Altersgenossin noch das rosige Gesicvt seiner lieben Kindheitsgefährtin erblickend.. Die gemeinsamen Erinnerungen der beiden Alten reichen weiter zurück als die zweier Ehegatten, die sich erst später zusammengefunden. Sie kennen jeden Baum noch in dem lieben, alten Garten, ihrem Kindheitsparadies, und jeden Winkel in ihrem Vaterhaus, welche beide längst vom Erdboden verschwunden sind. Wo das Gedächtniß des einen aufhört, hilft das des anderen nach, und so frischen sie die alten,' verblaßten, schattenhaften Bilder verschollener Ortlichkeiten auf und zaubern die Züge Längstverstorbener in'S Leben zurück, eines dem anderen zur Freude und Erheiterung. Keines der alten treuen Geschwister wird das andere lange überleben, wenn es vor ihm scheiden sollte, ihre Seelen sind wäbrend ihrer Erdenwanderung zu fest mit einander verwachsen und verwoben. Das Goldkettlein, welches selbst der Tod nicht zerreißen kann, zieht den Einsamgebliebenen an unsichtbaren Fäden dem Vorangegangenen nach, dortbin. wo Bruder und Schwester sich nicht mehr trennen.

Modern Romantik. Freundin: Deine Heiralh hat nun einen ganz gewöhnlichen Verlauf genommen und früher schwärmtest Du für eine möglichst romantische Liebe mit großen Hindernissen." Junge Frau: O, wenn Du wüßtest, was mein Erich für Mübe hatte, seinen Frack zur Hochzeit auszulösen!"

Amerikanische Millionäre.

Von Hemdsärmeln zu Hemdsärmeln sind nur drei Generationen," pflegt man in Amerika in Bezug auf die Kurzlebigkeit großer Vermögen zusagen. Der Enkel langt da wieder an. wo, der Großvater anfing, weil der Sohn das Vermögen durchbrachte. Das trifft jedoch auf die heutigen Millionäre Amerikas im Allgemeinen nicht mehr zu. Es herrscht gerade bei den größten von ihnen das Bestreben, ein Haus zu begründen. So haben die Vanderbilt's und die Astor's ihr Vermögen durch mehrere Generationen zu erhalten verstanden, und Jay Gould verfügte in seinem Testament, daß kein Kind seiner Familie sich, ohne die Zustimmung der Mehrheit aller Kinder verheirathen dürfe und daß es allen verboten sein solle, von ihrem ererbten Vermögen etwas an Andere, als an ihre eigenen Nachkommen zu vermachen. Das Nationalvermögen der Vereinigten Staaten beträgt gegenwärtig nach bester sachverständiger Schätzung ungefähr 76.000 Millionen Dollars und die Zahl der Millionäre wird auf ungefähr 4000 angegeben. Commodore Vanderbilt. der Begründer des Vanderbilt'schen Vermögens, hatte sich als Knabe von 16 Iahren 100 Dollars zusammengespart, womit er sich ein Boot kaufte und einen Gemüsehandel nach New York anfing. Im Alter von 20 Jahren verheirathete er sich. Während er seinen Kohl zu Markte brachte, betrieb seine Frau ein Kosthaus, und nach drei Jahren betrug ihr gemeinschaftlich erworbenes Vermögen 10.000 Dollars, worauf das Reicherwerden ein so rapides Tempo annahm, daß Vanderbilt bei Ausbruch des Bürgerkrieges dem Staat ein Schiff im Werthe von 600.000 Dollars ausrüsten konnte, ohne darin ein nennenswerthes' Opfer zu erblicken. Als er 70 Jahre alt war, schätzte man sein Vermögen auf 70,000,000 Dollars. Sein einziger Kummer war sein ältester Sohn, den er für einen unverbesserlichen Dummköpf hielt, und dessen er sich so sehr schämte, daß er ihn aus seinem Gesichtskreise auf eine Farm verbannte und ihn seinen Freunden gegenüber nie erwähnte. Eines Tages aber bereitete dieser Dummkopf", der mittlerweile 43 Jahre alt geworden war, seinemVater eine große Ueberraschung, indem er ihm in einer Speculation 500.000 Dollars abgewann. Das war der glücklichste Tag in dem Leben des alten Commodore. Er berief den Dummkopf" sofort von der Farm zu sich und übergab ihm nach drei Monaten die Verwaltung seines gesammten Vermögens. William H. Vanderbilt, der Sohn, verdoppelte das Vermögen des Vaters in den acht Jahren, die er ihn überlebte, und hinterließ seinen Kindern ein Vermögen von 200.000.000 Dollars. Davon erhielt sein ältester Sohn. Cornelius Vanderbilt, 59.000.000, der zweite. William K., 57.000.000 und jedes der sechs übrigen Kinder 12.000.000 Dollars. Der Witwe fiel ein Jahreseinkommen von 200.000 Dollars und die Benutzung des Familienhauses zu. Heute soll das Vanderbilt'sche Vermögen 400,000.000 Dollars betragen. Cornelius Vanderbilt, das gegenwältige Familienhaupt, bewohnt in New York in der Fünften Avenue, der vornehmsten Straße der Stadt, einen Palast, der einen Werth von 5.000.000 Dollars darstellt. Dazu gehört ein kleiner Garten mit drei Blumenbeeten, doch dieses winzige Fleckchen Erde kostet eine halbe Million Dollars; denn, um es zu schaffen, mußte ein großes, fast neues Haus, welches darauf stand, gekauft 'und niedergerissen werden. Dagegen lebt George Vanderbilt. einer der Brüder, auf dem Hochplateau von Nord Carolina. wo er 180 englische Quadratmeilen sein eigen nennt. Ein großer Theil dieses Besitztums besteht aus Wäldern, welche Vanderbilt von einem deutschen Förster bewirthschaften läßt mit dem ausgesprochenen und dankbar anerkanntenZweck, den Amerikanern zu zeigen, daß sich Forstcultur auch in Amerika wohl lohnen dürfte. Im Centrum dieses Vanderbilt'schen Fürstenthums befindet sich das Wohnhaus, welches noch nicht ganz fertig ist. Ringsum sind wundervolle Parkanlagen, Obstgärten und riesige Treibhäuser, ein LawnTennis Platz, zu dessen Herstellung die Errichtung einer 16 Fuß dicken und 40 Fuß hohen Mauer nöthig war, und ein Rasen.Spielplatz von 200 Fuß Breite und 700 Fuß Länge, der von einer granitnen Balustrade, einem kunstvollen Werke von Steinmetzarbeit, umrahmt ist. Das Wohngebäude wird. 300 Fuß lang und 200 Fuß tief, in altfranzösischem Stil aufgeführt. Seit drei Jahren haben 300 Steinmetzen daran gearbeitet, und es wird noch weitere drei Jahre dauern, ehe dieser großartige Palast, der im Ganzen 6.000.000 Dollars kosten soll, vollendet ist. Während die Vanderbilt's ihr ungeheures Vermögen nicht allein dem Wachsthum der Stadt New Fork und der rapiden Entwickelung des Landes überhaupt, insbesondere den Eisenbahnen. sondern auch ihrem' persönlichen Genie verdanken, so hat die Familie Astor in vier Generationen nur einen Mann aufzuweisen, der mit Nichts ein Vermögen zu schaffen verstand, und das war der Vearünder des Hauses Astor. Trotzdem sind die Astor's heute nock reicher als die Vanderbilt's. Johann Jakob Astor, der Stammvater, wanderte als Sohn eines armen Fleisckers auS Waldorf in Vavern vor unaefäbr 110 wahren in Amerika ein. Er fand sein Glück eigentlich schon unter: . r l rr - l. oft. J ivegs am oem scyisse, wo er ciz ckannisckaft eines alten VelZlbändlers machte, der ihm von den Schlichen und

Kniffen erzählte, die im Pelzhandel mit den Indianern nöthig seien. Johann Jakob wurde in New Aork sofort Pelzhändler und verdiente viel Geld. Dann nahm er sich ein sehr fleißiges, junges Mädchen Namens Sarah Todd zur Frau, die ihm beim Pelzsortiren half. In 15 Jahren hatte er ein Vermögen von 250.000 Dollars zusammengebracht. Erst dann hielt er es für nöthig, die armselige Wohnung. die er bis dahin mit seiner Familie über seiner Pelzniederlage innegehabt hatte, aufzugeben und sich ein kleines, anständiges Haus zu miethen. Durch eine glückliche Speculation in Vereinigten Staaten Bonds, die damals sehr niedrig im Course standen, verdoppelte er dann sein Vermögen und legte dasselbe in Grundeigenthum an. worin es heute noch steckt. Die Stadt New York ist in ihrer Ausdehnung beschränkt. Der Werth des Grundeigenthums, welches der alte Astor kaufte, stieg infolge des ungeheuren Wachsthums der Stadt gleichfalls in's Ungeheuere, und auf diese Weise wuchs das verhältnißmäßig sehr geringe Capital. welches er veranlagte, zu dem größten Vermögen in Amerika. Johann Jakob Astor starb 1F48. Sein Sohn verdoppelte das Vermögen, indem er es sich selbst überließ, und starb 1875. Dessen ältester Sohn, der den Haupttheil erbte, verdoppelte das Vermögen wiederum durch Befolgung der Politik.dasGrundeigenthum festzuhalten, Neubauten aufzuführen und hinzuzukaufen, und starb 1890. William Waldorf Astor. der jetzt den größten Theil des Astor'schen Vermögens besitzt, wird auf 500,000,000 Dollars geschätzt. Die Familie Astor hat rnt mals ein Stück Grundeigenthum verkauft, sondern immer neue zugekauft und dabei ihre Miethshäuser stets in musterhaftem Zustand gehalten. Kein Mitglied der Familie hat jemals ein Geschäft irgend welcher Art betrieben. Unter den vielen" Millionären, welche aus dem romantischen Goldlande Californien hervorgingen, ragt besonders L. Stanford hervor. Stanford verdankt sein Niesenvermögen der Central Pacific - Eisenbahn. Nachdem die Bundesregierung sich hatte überreden lassen, den Bau dieser Bahn durch Bewilligung von 16.000 Dollars für jede Meile über ebenes Land und von 48.000 Dollars für jedeMeile durch dasGebirge und außerdem durch enorme Landschenkungen zu unterstützen, gelang es Stanford zusammen mit drei anderen kühnm Speculanten, den Contract für den Bau der Bahn an sich zu bringen. Stanford's persönliche Aufgabe bestand in der Leitung des Baues der 530 englische Meilen langenEisenbahn, welche über 100000.000 Dollars kostete und in 293 Tagen fertig war. Diese vier Männer besaßen 1850 nichts weiter als ihre Thatkraft, und heute wird ihr Vermögen zusammen auf 200.000.000 Doll. geschätzt. Stanford war bei Weitem der vornehmste von ihnen. Sein Wunsch, ein Patrizierhaus zu begründen, wurde durch den vor zehn Jahren erfolgten Tod seines einzigen Sohnes vereitelt, worauf er zum Andenken des Verstorbenen die Errichtung einer Universität beschloß. Er gab zu diesem Zwecke drei Farmen, deren Werth 6.000.000 Dollars betrug, und dazu noch 14.000,000 Dollars in WerthpaPieren. Außerdem vermachte er bei seinem Tode noch 2.500.000 Dollars für die Universität, fo daß er im Ganzen 22.500.000 Dollars, mehr als zwei Drittel seines ganzenVermögens, für diesen edlen Zweck hergegeben hat. Seine Wittwe wird, wie sie bereits angekündigt hat, ihr ganzes Vermögen, ungefähr 10.000.000 Dollars.- gleichfalls der Universität vermachen. Weltbekannt ist John D.Rockefeller. der P'etroleumkönig-, die Seele des Standard Oil Trust. Seine Familie stammt aus Schottland, und sein Name ich ein echt schottischer. Er gehört einer Fünfer-Gesellschaft an. die vor ungefähr 35 Jahren erkannte, daß mit der Petroleumgewinnung viel Geld zu verdienen fei. Es ist hier nicht der Ort. die Geschichte des Petroleummonopols zu schreiben. Der Trust Rockefeller's ist das Vorbild vie?er anderer Trusts geworden und hat ihm und seinen Partnern ein Vcrmogen von zusammen 600.000.000 Doll. eingebracht; er wirft heute noch eine Dividende von durchschnittlich 2.000000 Dollars jährlich ab. Der Petroleumkönig" ist persönlich ein höchst anspruchsloser Mensch und lebt mit seiner Familie sehr einfach. Sein Schooßkind ist die Universität vonChicago. der er bereits 7.000.000 Dollars geschenkt hat. und welche begründete Hoffnung hat, in Zukunft noch das Doppelte von ihm zu erhalten. Der zweitwichtigste Mann im Standard Oil Trust ist H. M. Flagler. Derselbe erhebt keinen Anspruch darauf, ein Philantrop genannt zu werden, obwohl er sich um den Staat Florida sehr verdient gemacht hat. Er setzte es sich in den Kopf, das von der Natur zu einem herrlichen Badeort geschaffne Städtchen St. Augustine in Florida als solchen populär zu machen.' Zu diesem Zwecke verausgabte er nicht weniger al5 13.000.000 Dollars für den Bau einer Reihe von Hotels. Seither b?berbergtSt. Augustine jährlich Tausende von Badegästen, vorwiegend Schwindsüchtige. Der unbarmherzigste und gewissenloseste aller Plutotraten war' Jay Gould. der sein Vermögen Zug um ZC dem Ruin anderer verdankte. Wo immer er auftrat, da zerstörte er. In der Börsenjobberkunst. Eisenbahnen bankerott zu machen und dann ihre Aktien an sich zu bringen, leistete er wahrhaft Dämonisches. Er starb im Alter von 57 Jahren mit Hinterlassung eines Vermögens von 75.000.000 Dollars. Sein Leben war das denkbar traurigste. Vierzig Jahre hindurch litt er an Neuralgie, einem Feinde, der all seiner Gaunereien spottete.. Für

andere Menschen außer seinen Bindern lattt er zeitlebens kein:n Pfennig übiig. An Jay Gould war kein einziger versöhnender Zug. Der Betrieb der Straßenbahnen in Amerika, durchweg Privatmonopole, hat viele Dutzende von Millionären prodüzirt. Der bekannteste und interessanteste unter ihnen ist der Chicagoer Straßenbahn - König" Charles T. Ferkes. Ais zu sc!ne:n dreißigsten Jahre war Yerkes ein Börsenspecu. lant in Philadelphia gewesen. Eines Tages war er völlig bankerott und sah sich im Besitz so vieler fauler Schulden, daß ihm sein ehrlicherName völlig, verlorcn ging. Mehrere Jahre darauf lud er alle seine alten Gläubiger zu einem Diner ein und überreichte jedem einen Check auf die schuldige Summe nebst Zinsen, obwohl rechtliche Ansprüche darauf nicht mehr bestanden, gerkcs war inzwischen der Mitbesitzer und Reformator der Straßenbahnen Philadelphias geworden. Dann ging er nach Chicago und brachte in kurzer Zeit für sich und seine fünf Partner sämmtliche Straßenbahnen dieser Riesenstadt an sich, um statt Pferdebetrieb Kabelbetrieb und später elektrischen Betrieb einzuführen. Das Vermögen des Syndikats, dessen Haupt er ist. wird auf 100,000.000 Dollars geschätzt. Ein anderer Millionär des Westens ist Philipp Armour, der Chicagoer

Schlachthauskonlg . Pyu". wie er auf der Produktenbörse, die ihn nur zu gut kennt, genannt wird, ist jeden Tag in aller Frühe, zwei Stunden vor dem Geschästsansang in seinemComptoir zu finden. Man rühmt ihr nach, daß sein Riesengeschäft das am ordnungsmäßigsten geleitete in Amerika und daß er selbst von den allerkleinsten Vorkommnissen darin genau unterrichtet sei. Unter ihm arbeiten rnx Abtbeilunascbefs. von denen jeder ein Gehalt von 25.000 Dollars jährlich bezieht. Armour's vermögen wird auf 35.000.000 Doll. aesckätzt. Er fing als armer, aus England eingewanderte? Buchhalter an. Jym uno einigen Rivalen in der Großschlächte rei verdankt Chicago seine Stelluna als der größte Vieh- und Produktenmarkt der Utfelt. Seme einzige Zerstreuung besteht im Pokerspiel, wobei seine Genossen gleich ihm selbst Männer sind, dern es auf den Gewinn oder Verlust etlicher zehntausend Dollars nicht ankommt. Als ein typisch amerikanischer Ei-senbabnmaanat-verdient der siebzigsacke Dollar-Millionär ?lames 3. Hill in St. Paul Erwähnung. Vor 40 Jahren war Hm Arbeiter aus emem Mississivvi-Damvfer. Später wurde er Besitzer erst eines -und dann vieler solcher Dampfer. Semen Beruf als .Eisenbabnmann". wie die Leute, wel. che sich mit dem Bauen, Kaufen oder auch Ruiniren von Eisenbahnen veschaftigen, genannt werden.entdeclte er, als er zufällig mit den Ängelegenheiten der in Schwierigkeiten gerathenen Manitoda-Bahn, die Holländern gehorte, in Berührung kam. Er befreite die Bahn aus ihrer Noth, gleichzeitig aber auch die Holländer von ihrem Besitz. Heute ist er 70.000.000 Dollars werth". Als er noch Dockarbeiter war. war seine FrauDienstmädchen in einem Hotel. Als er ansing, reich zu werden, schickte er seineBraut nach dem Osten, ließ sie dort zwei Jahre lang erziehen und heirathete sie dann. Heute kann er von seinem Palast aus. der ihm 700.000 Dollars zu bauen kostete, auf das Dock, auf dem er einst arbeitete, und sie auf den Gasthof, in dem sie diente, herabblicken. Beide scha men sich ihres niedrigen Ursprungs nicht im Geringsten. Die Zahl der aus den Gold- und Silberminen herangezogenen Millionäre ist Legion. Die bekannteste Gruppe derselben sind die BonanzaKönige". Die vier Abenteurer Flood, O'Brien. Mackay und Fair versuchten ihr Glück zuerst auf den californischen Goldfeldern, ohne es zu finden. Als dann die Kunde von Gold- und Silberfunden im Mittelpunkte der Sierras nach der Goldküste drang, machten sich die vier ruinirten Existenzen zusammen nach Nevada auf. Sie waren fast als die ersten geübten Goldpioniere auf dem Platze und es dauerte nicht lange, so war jeder von ihnen im Besitz einer Gold- oder Silbermine. Diese vier Minen erwiesen sich als ungeheuer reich. Wenn es sich auch nach wenigen Jahren zeigte, daß sie nicht, wie es Anfangs hieß und zum Schaden von Tausenden von Spekulanten geglaubt wurde, unerschöpflich waren. fo brachten sie doch ihren Besitzern rund 200.000.000 Doll. ein. Schneller sind niemals so kolossale Reichthümer gewonnen worden, als von diesen vier Abenteurern, von denen indessen keiner den Ehrgeiz besaß, sich den Namen eines Gentleman zu erwerben. DaL große Theater im Stadtgarten zu Rostow am Don ist mit allen Decorations- und Einrichtungsgegensiänden vollständig niedergebrannt. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen. Die Entstehungsursache des Brandes ist nicht bekannt. Vor vielen Jahren ist in der Ostsee zwischen Weichselmünde und Heubude bei einer großenSturm sluth ein englisches Schiff mit einer werthvollen Ladung man sagt Kupfer gestrandet und versandet, wobei sich nur ein Hund schwarzer Pudel gerettet hat. Zum Andenken an diesen Schiffsuntergang wird der dort vorbeiführende Weg der Englischmannsweg genannt. Vor etwa 40 Jahren gab sich ein Weichselmün der Schiffscapitän viele Mühe, das versunkene Schiff zu ermitteln, hatte aber damit kein Glück.' Dies war dem Zufall vorbehalten. -Bei den Bohrversuchen nach Bernstein, die Strandbogt R. Gartmann anstellte, ist man auf das verfunkene Schiff mit der fverthvollen Ladung gestoßen. .

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