Indiana Tribüne, Volume 20, Number 120, Indianapolis, Marion County, 17 January 1897 — Page 7

Flirt. Von C. Tankwart. Donnerstagskrönzchen bei der Frau Assessor Thilo7 Der Zustrom von Damen ist heute groß- dabei seht man nichts als frische, blühende Gesichter. In diesem jugendlichen Kreise ist es verboten, üble Nachrede zu führen oder die lieben Nächsten durchzuhecheln. Jeder Versuch, eine Klatscherei zu begintun, wird mit zwei Mark Strafe für die Armenkasse gcpönt". Ebenso das Berfertigen von sogenannten TändelHandarbeiten. Hier wird nur an sehr nützlichen Gegenständen genäht, an Kleidungsstücken für arme Kinder.

Ein interessantes Buch, ein gutes Muslkstuck mitzubringen. ,st gestattet. Da die männlichen Anverwandten der jugendlichen Wohlthäterinnen erst gegen acht Uhr erwartet werden, ist dem Gespräch keinerlei Grenze gesteckt, als die oben erwähnte. Lustig und ernst fliegen die Worte hin und her. Alle möglichen Themata werden angeschlagen und verhallen gleich heiteren und schwermuthigen Akkorden. Da wirft Fräulein Gabriele Rießer plötzlich die Frage auf: Flirt! Flirtation! Was ist das eigentlich? Man hört's so oft und pxiqvs gedankenlos nach Die blutjunge Dociorin Menz lacht. Eine Illustration zu dem Begriffe tarnt ich Dir vielleicht geben, etwa in der nächsten großen Gesellschaft. Er klären kann ich's nicht." Fräulein Elli v. Hake läßt das blaue Wollackchen, das sie mit Knopf löchern versieht, sinken. Flirt heißt, wörtlich übersetzt, eine schnelle, heftige Bewegung: m übertra gener Bedeutung ein scherzhafter Streich, eine Stichelei auch Liebelei. .Kokettage , wie Käthe Uth sagen würde. Bor Allem also wohl etwas leicht Hingewischtes, Flüchtiges, der Vergänglichkeit Unterworfenes " Die reizende Blondine gibt heimIich" Sprachstunden, um einen Bruder Lieutenant unterstützen zu können. Flüchtig und vergänglich ist ein Flirt allerdings," entgegnet bedeutsam mt Doctorm. Ich glaube, dasWort, das sich schon so anhört wie ein in's Leere gerufener Laut, bedeutet etwas sehr Haßliches! ruft Klara v. Goltacker. Ueber ihr zartes Kmdergesicht huscht es fortwah rend wie Sonnenlichter. Sie sieht oft aus, als errothe sie an sehr lieblichen Gedanken. Am besten sprechen wir gar nicht davon!" Aber man muß doch orientirt sein!" All' die fleißigen Hände ruhen ein paar Minuten lang. Die Damen sin nen nach. Der. Flirt wird eine veredelte Art von Courmacher sein," bricht endlich Elli v. Hake mit dictatorischem Tone das Schweigen. Veredelt! Wo Du hindenkst," meinte die Doctorin Menz entrüstet. Ein scharfes Kokettiren ist's, sowohl von Seiten der Dame wie von der des Herrn. Ohne Zweck, ohne.Ziel Salonsport!" Ach was, Herren kokettiren doch überhaupt nicht!" Oho!" Und wie!" Aber dann doch höchstens geistig!" Habt Ihr gehört? Grete Wallmoden macht in Bonmots! Geistige Koketterie!" ' Die Alterspräsidentin". Frau Annalise v. Malchow, klopft auf den Tisch. Ich glaube, ich kann's Euch sagen, was Flirt ist: der S ch e i n der Liebe, ohne ihr Wesen ! Eine Art von Sympathie, die sich knapp auf der Grenze zwischen Freundschaft und Liebe hält! Und von der nichts bleibt, als eine entwürdigende Erinnerung!" Das versteh' ich nicht." murmelt ängstlich Klara v. Goltacker, ihre tiefen, zärtlichen Augen weit aufschla qend. Wie kann die Liebe nur Schein sein?" . Ein gequälter Ausdruck macht ihre Stimme plötzlich unsicher. Frau von Malchow schneidet energisch ein Stück Stoss entzwei. Ich glaube, am besten erläutere ich Euch die Sache durch - ein Beispiel. Paßt auf. Herr Falter lernt Fräulein Rose kennen. Er ist eine glänzende Erscheinung, ist klug, gewandt, liebenswürdig, besitzt die nöthige Mischung von Sentimentalität und Ey nismus, um denDamen zu imponiren daneben ist er ein gefährlicher Stre ber, dem nichts heilig ist. als das, was er seine Zukunft" nennt, ..Sie ist nt zend, lustig, flatterhaft e berauschend wie ihr Name und liebt, es, Schaaren von Schmetterlingen anzuziehen. Aber sie besitzt nichts als . ihre Schönheit,' die soll ihr 'helfen, eine guie Partie zu machen. Herr? Falter ist keine solche, strebt selber nach Aehnlichem darüber ist Fräulein Rose nicht wester im Unklaren. Von ernsthaftem Engagement kann also von keiner Seite die Rede fein. Aber die beiden Mtnchen blenden sich, ziehen sich gegenseitig immer stärker an. .Wozu einander ganz entsagen? )as Ende des Jahrhunderts hat ja. den famosen Flirt" erfunden und gesellschaftlich, sanctsoniit. Herr Falter führt, fortan keine andere Dame zu. Tisch, als. die .liebliche Rose. Sie macht ihn zu ihrem dienenden Cavalier.der ihr den Fächer hält, den Mantel umhängt, mit dem sie Äielliebchen ißt. Er schickt ihr Blumen., Bücher, Bonbons, .sie stickt ihm Portefeuilles und Cigarettentaschen. Man t lacht zusammen., gewöhnt sich aneinander, plaudert über alles Mögliche und Un mögliche, er küßt ihr die Hände für jede Bemerkung, ' die ein Anderer shoeking gefunden hatte kurz, man ist entzückt von einander, erscheint siÄ

gegenseitig im' Träume. Aber die' glänzende Zukunft, die gute Partie, sie i - ,

dürfen keinesfalls außer Acht gelassen werden! Opfer bringen! Welche Lälherlichkeit wäre das in Herrn Falter's, ln Fräulein Rose's Augen! Man amüsirt sich eben, bis die Sache nach der Anschauung der Welt unhaltbar wird

und Veremiauna oder Trennung erhiischt. Dann überrascht man sich eines Tages gegenseitig durch die Zusendung von Verlobungsanzeigen. Fräulein Rose ist die angebetete, mit Kostbarkeiten überschüttete Braut eines Millionärs geworden, Herr Falter hat emGoldsischchen gekapert, das noch dazu den einflußreichsten Vater besitzt. Der Flirt ist zu Ende!" Die zuhörenden Damen athmen schwer. Endlich sagt Frau Assessor Thilo: Zwischen verheirateten Parteien soll sich ja Aehnliches häufig genug zutragen Weitere Rede schneidet ihr ein U deutsamer Blick ab. den Frau v. Malchow über die jungen Mädchen Hingleiten läßt, ehe sie ihrer Erzählung mit Gesenkter Stimme hinzufügt: Manchmal hat die Sache aber eine recht häßliche Kehrseite, wenn nämlich der eine, edlere Theil für Wahrheit nimmt, was doch nur Schem ist! Sie siebt plötzlich ein Pcmr tiefblauer, thränengefüllter Augen auf sich gerichtet, mit ängstlichem Flehen varm. Aber die Liebe kann doch, kann Doch nickt täuschen!" sagt Klara v. Goltacker zitternd, mit einem schwachen Versuch, ihr Errothen zu bemänteln. Frage die Gesellschaft, weshalb sie den Flirt duldet," entgegnet grollend die altere Freundin. Elli v. Hake, die sich auf's Flottthun gelegt hat und lebensgern für emancipirt gelten möchte, ruft lustig und unbedacht: Weil es eine sehr amüsante und bequeme Einrichtung zu sein scheint. die zu nichts verpflichtet !" Frau Annalise zieht finster die Brauen zusammen. Nun. manchmal bricht diese bequeme und unterhaltende Einrichtung des sin de stöcle aber auch ern remes. treues Herz, vernichtet ein tiefes. edles Fühlen " Sie schlinat in plötzlich zärtlicher Anwandlung ihre Arme um die den Kopf tief senkt haltende Klara. Eine Verleaenheitspause ist im Entstehen. . Da verkündet die Schatzmersterin des Kränzchens mit angenommener Strenge: Ich beantrage zwei Mark Pon für Frau v. Malchow, unsere verehrte zunae Altersprasidentm. Ihre Erzählung spielt bedenklich in's Reich des Klatsches hinüber. Denn ich glaube. wir Alle kennen eine ganze Anzahl von Falter - Herren und Rosen - Frauleins. die schickt und ohne Gewis sensbisse dem Flirt buldiaen." Sie bückt sich plötzlich. Worauf trete ich denn da? Ja, Klara, das sind ja die r ... v ? c . rr.. , fc TJ" icyonen noi.en, vie jüu ooigrn im tel trugst!" Wmterpoeffe. Von Emil RittershauS. Scharfer Frost. Die Räder pfeifen Draußen durch den harten Schnee, Und die Wasservogel streifen Auf dem eisbedeckten See. Baum und Strauch im Schneegewände, In des Rauhreifs Flimmerschein. Schellenkllngend durch die Lande Sausen Schlitten, groß und klein. Blanke Zapfen an den Dächern. Nordwind treibt sein böses Spiel, Doch in traulichen Gemächern Hat der Frühling sein Asyl! Seine Primelauaen schauen Aus der dunklen Blätterkron', Und ein Lied, voll Lenzvertrauen, Singt ein lust'ges Vöglein schon. Und zuletzt das Allerbeste. Das den höchsten Preis gewinnt. Glück und Heil im eig'nen Neste! Glücklichsein bei Weib und Kind! Spanische Fächer. Während Federfächer nach Spanien von Wien aus importirt werden, werden die Spitzenfächer im Lande hergestellt, obwohl man die dazu nothigen Spitzen selbst aus Belgien oder aus Nottingham bezieht. Die jährlich fabrlzrrten Fächer stellen einen Werth von 575.000 dar, wovon für $50,000 in Spanien' abgesetzt und für $25,000 nach Italien und Sudamerika ausgeführt werden. Das Verhältniß der verschiedenen Qualitäten der meist in Valencia fabricirten Fächer gestaltet sich so, daß auf ordinäre Fächer 50 Procent, auf bessere mittelmäßige 80 Procent und auf. gute und ganz seine Waare it 10 Procent entfallen. Der Preis der einzelnen Qualitäten schwankt von $1.25 für das Groß bis auf Z6 für das Stück; besonders feine Exemplare können, wohl bis $250 kosien. Die i n der Fächermanufaktur gezahlten Löhne sind sehr gering, im Durchschnitt 25 Cents für den Tag und auch die Maler, die ost recht hübsche Sachen auf Seide und dergleichen hinzaubern, werden nur sehr dürftig bezahlt. Nur für Natur. Krauthuber (zu seinem Nachbar, einem Anfänger des Naturheilverfahrens, der l sri i r rv.. , " . n . im Ivanen jeincn jungen piugcu;: Kören Sie mal. Srtttt Nackbar. aebört diese Procedur auch zur NaturheilMethode? Nachbar: Nee, das ist die Naturkeilmethode! Durcbscksut. Verschuldeter

Lebemann: Gnädiges Fräulein, darf mein Lebenslchifflein bei Jbnen dauernd Station nehmen? Reiche Erbin: Bedaure. bin keine Rettungsstation. .

Dennoch Weib. Wo Adelheid Weber. Was einmal aus ibrer Qede werden

sollte, das konnte sich die Frau Rendantin gar nicht vorstellen. Schon ihr äukerer Anblick tbat dem Serben der Mutter weh. Sie selbst war doch so ein niedliches, rundes, avvetitliches Blondinchen gewesen, und ihre anderen Töchter hatten doch ihr rosiges Madonnengesichtchen, ihre Vergißmeinnichtäugen, alle ihre Grubchen und alle ihre kleinen Niedlichkeiten in Gesicht und Gestalt, Gebaren und Denken treulich von ihr übernommen; woher kam ihr denn dieses baaere. aroe. braune Mädchen, dem die schwarzen Haare immer unordentlich in die breite Stirn hingen, dessen dunkle Augen stets verträumt in die Weite oder versonnen in sich hinein schauten, dessen schmale Lipden sich nie Zu ienem bolden Läcbeln öffneten, mit dem ihre Schwestern die Männer entzückten, die im Gegentheil auf die bestgemeinten Galanterien mit einer so schneidenden, brüsken Offenheit und Logik antwortete, daß die Männer eine Gänsehaut überlief, wenn sie gezwungen waren, sich mit ibr zu unterhalten. Und ebenso wenig wie in Gesellschaft war Hede im Hause zu brauchen. Die besten Milcbsuvven ließ sie anbrennen, die kostbarsten Vorzellane fallen; sie nähte Knöpfe mit einem (bnch an, prunke" Risse überwendlich" zusammen und streikte beim Strümpfestopfen. Was sie eigentlich in der Welt wollte, das wußte Niemand. sie selbst am wenigsten. Denn daß sie mit Leidenschaft ckmökerte". daß, wenn sie laö oder lernte, ihr schmales Gesicht von einer Schönheit leuchtete, als liege darauf der Abglanz eines böberen Lebens, als es ie 5kemand aus ihrer Umgebung geschaut hatte, das war nur ein weiterer Beweis von ihrer Untaualichkeit zu jedem nüklicken Thun. So stieg die Spannung zwischen Hede und den Ihren, bis endlich eine unverzeihliche Frevelthat Hedens den Geduldsfaden der Mutter endailtig entzwei riß. Sie kam eines Morgens zum Frühstück, ihre prachtvollen, schwarzen Zöpfe in der Hand. .Nun brauche ich sie nicht mebr zu fleckten." sagte sie vergnügt. Da sprach die Mutter nur das eine große Wort: Geh mir aus den Auaen. Du bist aar kein Weib!" Und da auch der Serr Rendant der Meinung war, daß solch unnatürliches zuseien nie im Leben emen Mann kneaen werde, so wurde beschlossen, die mißrathene Tochter in das Seminar ver nächsten Kreisstadt zu stecken. Als Hede von den 5!bren Abschied naym. waren sie Alle mehr erschüttert als das junge Mädcken. Denn in lyre? Aller Augen bedeutete das Lehr rw . . ' . . - rermexamen ven verzicht aus die natürliche Bestimmuna des Weibes, ein Altjungferwerden mit 18 Jahren, eine caturwidrigkeit wie Zopfabschneiden oder Ciaarrenrauchen. Redens iunger Kopf aber war so angefüllt von den herrlichsten Zukunftsbildern odev eiaentlich nicht von Bildern, sondern von unbestimmten, goldigen Träumen von oem raulichMonen, dessen die große Welt" die Welt der Kreisstadt mit lhren 30.000 Einwohnern und ihren 40 emlnaristmnen voll sein mußte, daß ein eigentlicher Abschiedsschmerz keinen rechten Raum darin fand. Und dann that sich wirklich nicht blos eine neue Welt für das junge Mädchen auf. sondern die Welt, in die sie hineingehörte, die Welt der Arbeit, die für sie paßte, und in der sich ihre jungen Kräfte bethätigen konnten. In einem Jahre war Hede die beste Schülerin der Anstalt. Dann begann ihre Lust zu ermatten; das Ziel des Seminars war ihr zu niedrig gesteckt; der Lernstoff befriedigte ihren Heißhunger nicht, die Arbeit verbrauchte nicht ihre ganze Kraft. Gerade als sie so weit gekommen war und wieder begann, träumerisch und verdrossen zu werden, voll heimlich nagenden Zweifels an sich selbst und dem. was die Welt ihrer unklaren Sehnsucht zu bieten hatte, erhielt eine ihrer Studiengenossinnen Besuch von ihrer Schwester. Und diese Schwester hatte soeben den Doctor gemacht. Als die junge Gelehrte nach acht Tagen wieder abreiste, hatte Hede endlich das Ziel ihres Lebens gefunden. Und nun entwickelte sich ganz rlötzlich die große und zähe Willenskraft, die Niemand zu Hause in dem verschlössenen, nachlässigen, träumerischen Mädchen geahnt hatte. Gegen alle Bitten und Drohunaen, gegen Zorn und Gram. Vorwürfe und Vernunftgrunde der Ihrigen, gegen VerlassenheitMan. gel, Krankheit. . mangelhafte Vorbildüng und Verzweiflung an der eiaenen Kraft setzte Hede sich und ihren Willen durch, und als auch sie den Doctor gemacht hatte, mußten ihre Eltern und Geschwister wohl zugestehen, daß sie werth fit, als Mann geboren worden zu sein." Freilich, daß sie nun als Weib männliche Ziele erreichte, war wohl nach außen hin der Stolz, nach innen dennoch der uneingestandene Kummer der Ihren, den sie trugen wie heimlichen Gram über eine verborgene Abnormität eines Familiengliedes. Hede aber ging ihren Weg weiter, ohne sich nach rechts und links umzusehen, ohne nach Jemandes Beifall zu fragen, ja, ohne sich danach zu sehnen. Die ganze Leidenschaftlichkeit ihrer Natur concentrirte sich in dem Streben, in ihrer Wissenschaft etwas zu leisten. Und der Erfolg heftete sich an sie. Ihr specielles Feld, die Nervenpathologie. bot Raum zu kühnen Neuerunaen in der Bekämvfuna der Mode??nkbeit de adrdunderts. Vtadi einigen Jahren steigender Praxis öffnete Hede eine Klinik und nahm einen Assistenzarzt an. Und nun schien Ziel und Zweck ihres Lebens erreicht zu sein. Die Arbeit, zu der sie sich eignete, und mm M Wi V f in der t etwas leistete, auyerer stand. der sie der Sore um Dinae ent hob. die sie geringschätzte und doch brauste, em immer wacviend wir;

als äußeres Zeichen für den Erfolg ihres Strebens! All das gab ihr die selbstsichere Befriedigung, die sie für das einzige Glück des Lebens hielt. Und als sie nun meinte, ganz ausgefüllt zu sein, warf ihr das Geschick wie als Zugabe zu dem täglichen Brode den Berufsarbeit einen ganz neuen Reiz in den Schooß in der Kameradschaft mit ihrem Assistenzarzte. Sie hatte nie Freunde und Genossen gehabt; nun lernte sie jenes köstliche Glück des Strebenden kennen, jene Kameradschaft mit dem Gleichgesinnten, Gleichbegabten, jenes Sichaussprechen über alles, was sie dachte, jenes Miteinanderwetteifern in der Arbeit, jenes wortlose Sichverstehen und wieder jenes Auseinanderplatzcn entgegengesetzter Meinungen, in denen Keiner den Anderen schonte, weil Jeder den Anderen als gleichberechtigt ansah. Keine persönliche Zuneigung hätte Hde so viel geben können wie diese fast unpersönliche Kameradschaft; sie hatte so viel unter Persönlichkeiten gelitten, hatte so schmerzlich das Verständniß für ihr Geistesleben vermißt, daß es ihr eine Wohlthat wai jetzt Jemand zu haben, dem es nur um ihr Denken zu thun war, kaum um ihre Person gar nicht

um das Weib rn ihr. Wenn sie sich so bei Tisch oder nach vollbrachter Tagesarbeit gegenüber säßen, da wußte sie, daß keiner seiner Gedanken bei ihrer schmucklosen Kleidung, bei ihrem kurzgeschnittenen Haar, auf ihren energischen Zügen hing, und gerade, weil sie das wußte und köstlich fand, strahlte ihr durchgeistigtes Gesicht von einer Schönheit, die noch kein anderer Mensch auf ihm gesehen hatte. Sie selbst wurde sich ebenso wenig dessen bewußt, daß ein junger und hübscher Mann vor ihr saß, und daß das Wohlgefallen an seiner Erscheinung die Befriedigung erhöhte, die sie in seiner Unterhaltung fand. Es aeht mir jetzt wirklich wie dem seliaen Volvkrates." saate sie eines Abends lächelnd, nachdem sie Beide lange , über einen schwierigen Fall in ihrer Praxis gesprochen hatten, ich finde, daß ich glücklich bin." So sorgen Sie nur für den bewußten Ring," erwiderte er. Ich bin leider schon im Begriff, ihn in's Meer zu werfen," sagte sie mit einem kleinen Seufzer, die Behaglichkeit unseres Plauderns zu Zweien hat ein Ende, ich nehme meine jüngste Schwester zu mir." t '. O!" sagte Holtow gedehnt, und ein Schatten flog über sein hübsches Gesicht.' Dann erst schien er zu bedenken, daß sein Bedauern in diesem Falle wie eine UnHöflichkeit wirk mußten, und er setzte hinzu: Sie freuen sich natürlich auf die Schwester?" Hede antwortete nicht sogleich; zum ersten Mal während des ganzen Jahres ihres Beisammenseins that bei Holtows Betroffenheit ihr eigenes Herz ein paar raschere Schläge, und eine Beklommenheit, in der Freude und Furcht zugleich waren, machte sie rascher athmen. Erst nach einer kleinen Weile sagte sie: Meine Schwester ist zehn Jahre jünger als ich; ich -kenne sie kaum. Aber da nun auch Mutter gestorben ist, Vatev ist schon lage todt , da ist eö doch meine Pflicht, meiner jüngsten Schwester, die noch ganz unselbstständia. vielleicht noch wenig erzogen ist. eine Heimath bei mir zu geben. Freilich. ob es ihr bei mir behagen wird, ist die Frage; die Meinen sind so gründverschieden von mir sie lächelte ein wenig als sie hinzusetzte: Ich war immer das schwarze Schaf in der Familie." Sie haben Kämpfe gehabt, nicht wahr, ehe sie studiren durften?" fragte er und blickte zum ersten Mal nachdenklich. wie prüfend, in ihr schmales Gesicht. Sonderbar, daß wir uns-so nahe gekommen sind und doch fast gar nichts von einander wissen!" sagte er endlich. Es ist, als wären wir durch Weltweiten auf einander zugewandert und gingen nun zusammen nach einem Ziele, ohne nur zu fragen, woher Jeder von uns gekommen fei, und was er auf feinem Wege gefunden habe, ehe er den Anderen traf." Das ist gerade das Schöne, daß wir für einander keine Vergangenheit haben, weil die Gegenwart uns so ganz ausfüllt." entgegnete Hede eifrig. Ja. aber eigentlich ist das Aufgehen in der Gegenwart, in der Gemeinschaft der Interessen sonst nur Sache des Mannes." sagte er. Die Frau geht sonst mehr auf das Persönliche; sie gräbt nach den Wurzeln der Existenz. Es ist erstaunlich, wie wenig Sie gemein haben mit dem eigentlich Weiblichen in der Frau." Ja. Gott sei Dank." erwiderte Hede, ein wenig gereizt darüber, daß nun auch Holtom ihr mit dem verhaßten Ewig Weiblichen" kam. Holtow schwieg und, sah sie nachdenk-' lich an. Zum ersten Mal in dem Jahre ihres Beisammenseins fühlten sie Beide sich nicht ganz einig mit einander, stand etwas zwischen ihnen, etwas Leichtes,' Undefinirbares, wie ein Schatten, den man nicht greifen kann und doch merkt und fühlt. Ihr Gespräch stockte, und trennten sich bald. Als Hede beute zu Bett gmg. wollte tyr ver rnt nicht kommen. Sie haschte nach, dem Schatten, der auf ihr Glück gefallen war, und zürnte mit sich, daß sie's that. Und dabei fühlte sie erst recht, daß sie ein echtes Glück besessen hatte. Und durch eigene Kraft," dachte sie, entgegen dem armseligen Frauenloos, seinSchicksal immer von anderen Hän-. den zu empfangen! Ich bin und habe alles durch mich selbst, bm fr, bm stark, weil ich auf mir selbst beruhe, weil ich kein Weib bln!" Und indem sie das dachte, durchströmte es sie seurig, wie köstlicher Wein. Der Schatten war verschwunden. Statt seiner stand licht und freundlich das Antlitz des jungen Doctors vor ihr. Auch er respektirt mich wie einen Mann." dachte sie.

Als dann Lisbeth da war, wurde Hede sich ihres Werthes stärker denn je bewußt. Denn Lisbeth verkörperte ihr den Zustand, den sie hinter sich gelassen, von sich gestoßen hatte. Die Schwester, war ein niedliches Persönche? mit dem Reiz ihrer frischen zwanzig Jahre, ihrer blonden Löckchen und runder Wangengrübchen, ihres klingendenLachens, ihrer harmlosen Schelmerei und ihrer halb kindlichen Unterwürfigkeit. Hede aber sah nur die Albernheit und zwar die oft bewußte, gemachte Albernheit dieses Lachens und dieser Schalkhaftigkeit, die Berechnung oder die Feigheit in dieser Unterordnung, und sie bedauerte die Schwester, wie ein Freier das Product tausendjähriger Sklaverei bemitleidet. Sie schämte sich füv Lisbeth Holtow gegenüberdessen Augen oft und nachdenklich auf dem jungen Mädchen ruhten, und versuchte, seine Aufmerksamkeit abzulenken. Aber ihre Unterhaltung mit dem Freunde kam nicht mehr recht in Gang; Lisbeths Gegenwart verursachte bald eine Rücksichtnahme auf ihre Unwissenheit, bald auf ihre Scheu vor gewissen Gesprächsstoffen. Dinge, die Holtow und Hede als Kameraden vonwissenschaftlichen Stand-

punne aus gesprochen oanen. oyne ze daran zu denken, daß sie Beide verfchiedenen Geschlechtes sein, gewannen in Liöbeths Gegenwart ein anderes Aussehen. Es war Holtow, der zuerst die Unbefangenheit verlor. Hede fah es mit Erstaunen, mit Unwillen und versuchte zuerst, mit ihrem Freimuth das alteVerhältniß zwischen ihnen wieder herzustellen. Aber allmälig steckte seine Befangenheit sie an. Zwischen ihrer Kameradschaft erhob sich ein Schatten: die Verschiedenheit der Geschlechter. Er war ja, wie Hede sagte, nur ein anerzogenes Vorurtheil; aber es blieb destoweniger da, legte sich über ihrGlück, stahl ihr dieSonne, trübte ihr Denken, verwirrte und beunruhigte sie. Und jetzt, da sie einander nicht mehr unbefangen alles sagten, was sie dachten, mehrten sich die Augenblicke, in denen sie sich überhaupt nichts zu sagen wußten. In das unbehagliche Schweigen sprang dann LiLbeth mit ihrer Gewandtheit ein. Sie wußte über alles und nichts zu plaudern und immer in einer Art, die dem Anderen sich anschmiegtc und ihn behaglich machte. Und dann hatte sie zahllose kleine Aufmerksamkeiten sowohl für Hede wie für Holtow. Und der Letztere entdeckte plötzlich Bedürfnisse in sich, an die er nie gedacht hatte, und die ihm nie Jemand befriedigt hatte. Er fühlte ein ordentliches Mitleid mit seinem bisherigen Leben, das ihm kahl und reizlos erschien, jetzt die kleine Sonne Lisbeth ihre Strahlen darauf warf. Und er ließ sich mit großem Behagen von dieser kleinen Sonne umslimmern und erwärmen. Hede saß dabei und durchschaute die Beiden, als wären sie von Glas; seine männliche Ichsucht, die verwöhnt und umschmeichelt werden wollte, und ihre weibliche Schlauheit, die auf die Schwächen des Mannes spekulirte und sich dienend zu seiner Herrscherin zu machen gedachte. Und sich selbst sah sie auch; hölzern, ganz ohne jede Gewandtheit des Geistes, die kleinen DingenReiz zu verleihen weiß, schweigsam, scheinbar gleichgiltig und heimlich verzehrt, von Zorn gegen Beide, gegen ihn, der blind und dunkel in's Garn lief, und gegen sie, die ihn so geschickt umstrikte. Aber am zornigsten war sie gegen sich selbst. Was gingen sie diese Spielereien an, die sie ja doch verachtete? Was nahmen sie ihr fort von dem. was allein Werth und Würde für sie hatte? ' Die Kameradschaft mit dem Gleichgesinnten? Ach. Kameraden findet man immer! Und was sonst hatte sie in diesem Manne besessen? Besessen? Nichts. Zu besitzen ge. wünscht? Nein! Nein! Nein! Ihr Denken war frei, ihr Empfinden unbefangen gewesen! Gewesen! Denn jetzt, da sie Vergangenheit und Gegenwart bewußt überschaute, flammte es grell über, sie hin: Das Gewesene war versunken, ein Anderes erstanden. Jetzt war sie nicht mehr frei, nicht mehr unbefangen. Sie fürchtete, sie zitterte, sie begehrte, sie fchämte sich des Begehrens und wünschte nur um so heißer was? Nicht mehr den Kameraden, nicht mehr den unpersönlichen Geist nein nein nein! Ob sie auch vor Scham hätte vergehen mögen, sie war zu ehrlich und zu klar, um sich selbst täuschen zu können: was sie wünschte, was sie begehrte, war der Mann, der Geliebte. Sie war plötzlich Weib geworden sie liebte. Sie verachtete sich selbst, als ihr diese Erkenntniß kam. Ihr Streben, ihre Kämpfe, ihr Wissen und Können, mit Stolz hatte sie sie männlich genannt und nun hatte unter all dem das Weib nur. geschlafen und war nun erwacht und riß die Herrschaft an sich. Sie schämte sich glühend. Und mit dieser glühenden Scham stand sie vor dem Spiegel und pruste, welche Farben ihren . Teint heben, welche Tracht ihrer Figur am besten stehen werde. Sie verachtete sich und - that doch, nicht, was aus ihr natürlich heraus wollte, sondern was ihm gefallen sollte. Und mitten in solchem Thun sob sie klar, dan sie auf diesem Felde die gewandte kleine Rivalin nie b:siegen werde. Und that's doch. .Ueber all dem Widerspruch zwischen Erkenntniß ud Begehren verlor ihre Stimme den festen, sonoren lang und wuroe ieiser; ihre Haltung verlor den aufrechten Stolz und neigte sich; ihre Vewegungen wurden scheu; die Nöthe kam und ging auf ihren Wangen, die Augen flimmerten in Leidenschaft oder glänzten durch verhaltene Thränen. Es war plötzlich Lieblichkeit auf sie gefallen. Sie aber wußte das nicht; sie schämte sich glühend. Sie merkte, daß Holtow's Augen wie erstaunt auf ihr ruhten. Und nach und nach, je demüthiger sie

I wurde, wurde er ihr aeaenübev selbst

j sicherer, kam ein Triumph in seine Miene, eme Freude wie die eines Knaden, der plötzlich gewahrt, daß der Baum, 'den er bisher gleichgiltig betrachtet, über Nacht schöne, rothbäckige Aepfel bekommen hat, und daß er sie erlangen kann. Sie sah das alles und schämte sich und zwar zornig auf ihn und sich und freute sich doch und genoß seinen Triumph über sie mit Entzücken. Sie duckte sich, und er reckte sich auf und als sie fah. daß er ich: großer war als sie. obgleich er sich re tie, duckte sie sich noch tiefer und freute sich, daß ev sie für klein hielt. Und als er sie dann endlich in seine Arme anhm und voll Siegesiubzl rief: Mein! mein!" .da flüsterte sie: ..Dein! ganz Dein!" Und dachte xvM daran, ihre Persönlichkeit als ein Unterührbares. Gleichberechtigtes zu wahren; denn, wenn sie auch sein Kamerad geWesen war und später sicher seine seine Freundin werden würde jetzt, in diesem Augenblicke war sie nur Weib und hatte den Sinn des WelbcS und empfand mit Wonne die Sklaverei der Liebe. Ver gucte Vrund. (Münchener Ceiichtkscene). Denken S' ja net. daß i hirntappet bin, meine Herren! I woaß, was i sag und was i will, dazua brauch i Neambt und insbesondere koan G'studiert'n! Wissen S.' da schaugt nixn 'raus! Vorig's Monat frag i in meiner Stammkneip'n an Herrn um Rath z'weg'n der Jnaulenzia, die mi so sakrisch hergnomma hat und weil's den Herrn alleweil Herr Doktor a'nannt ham. Der schüttelt fein' Kopf wia a Richtiger, der sich net auskennt und sagt: Für dieSucht hamer vorderhand nix'n als an Thaubeerschnaps. Leider hilft der meistens aa nix'n, nach mueß mer's halt überwinden und wenn fr' Oaner guat halt'n thuet, dauert's g'wöhnli' net länger als an Monat. dann is' wieder weg oder 's mueß der Betreffende in's Gras beißen! Brav! sag i. und so was sagenSie mir als Doktor? Jawohl, moant er, eigentlich is dös net mein G'schäft. i versteh aber außer'm Rasir'n und Frisirn do' a wengl was von der Wundarznei, z weg'n dem yav a roly'S Kreuz an mein' Auslagfenster. Probiren Sie 's a mal und thuan a roth's Kreuz raushenga! Darauf hab i koa koa Wortl mehrer g'sagt, aber a bisserl was dabei stad denkt. Hätt' i weiter g'red't, wia i grad Willen's war, dann wär halt dieselbe G'schicht außakemma, wia im heutigen Fall! Mir wär's gerniaend' Mit diesen Worten leitete der Kurz- und Schnittwaarenhändler Sebastian . seine Verantwortung m einer gegen ihn gestelltenBeleidigungsklage ein, in welcher ein Sühnversuch gescheitert war. Richter: Nun erklären Sie einmal, ob Sie nickt aeneiat wären, die Sache in Güte abzumachen. Der Kläger ist einem Vergleiche Nicht abgeneigt. Angekl.: Aber schaug'n S'. Herr Stadtrickter. i bin ja a'rad so abaeneigt, wia der Alisi. Aber 's hat Alles sein' guet'n Grund. Erstens vergleich i mi net z'weaern Derbeampeln von die Andern. Zweitens net. weil i auf a kloan's Handerl voll Futzzgert wemger aufpass'n thua. Drittens lachet 's aanze Bräubaus, wenn 's in der Aeitung auf meine Kosten stand: Die gegen Herrn x. y. gemachten Aeußerungen nebme ich mit Bedauern zurück und erkläre dieselben als unwahr. Viertens bis halb Elstens behaupt , mein Recht und weiter gibt's nix'n! Schluß der Dedatte lagen s im andtag. Nickter: Gut! Dann wird verbandelt! Sie haben im November dieses Jahres in Gegenwart, mehrerer . . .r i n t Wlrtysyausgaste uoer oen lager die Aeußerungen: Schwindler, Bauernfänger, Lump und Gauner gebraucht. Was wollen Sie zu Ihrer Rechtfertigung vorbringen? Anaekl.: 5la! Eigentlich bat wieder Alles sein' guet'n Grund! Erstens warum tragt der Mensch 's ganze Jahr r ..W ey!-4..2 ji: vsonn- uiiu uciciiuy uu uciuuuuycu, altmodischen, fast roth g'wordenen Cylinder? Vielleicht z'weaern arökei'n Hohlraum zwischen sein' Kopf und der Aunenwelt. oder damit er sich net a Platten herschwitzt, oder weil er eher an Leich'nbitter gleich sehg'n thuet? Na, na, meine Herr'n! Aa der CyImder hat sein' guet'n Grund! A dummes G'sicht schaugt viel feierlicher aus! A Mensch mit an permanenten Cylinder hat mit knechtlicher Arbeit nix'n z'thuan! Der schäbigste Kaminhuet vergrößert das eigentliche An-, sehg'n und wenn's hoaßt: Der Schwindler mit sein Cylinder," so is dos doch no a wengl nobler wia Der Pazi mit seiner Zipflhauben". Zweitens mueß die Bescheidenheit zu viel leiden und wenn Oaner äußerlich a bisserl was thuet, .dann kann er a große Ladung innerer Schmutzereien verdecken, und mein Herr Freund oader hat dös recht nöthig. Drittens und so weiter hab' i meine Ersahrungen und die thuen net luegen. Richter: Die Ursache zu der Beleidlgung möchte ich erfahren! Angekl.: Eigentlich bad , vls icftt nur von der Ursach g'sprocha. aber der cw r ' r - - . V la ÄNsong is was toie moan Ullv vli i grad net, ohne. Also wir sitz' beianander und unterhalten uns recht zünftig und fprecha unter Andern von de? Modenarrethei. Net daß S' moan von die Weiberleut. die leisten heutzutag nimmer das Beste und an die Federbüschl. die alle in d' Lust starren, die Ballonarmel, wo mer aus Oan an Ueberzieher krieg'n thät und so weiter, das san mer schon g'woynt! Von die Mannsleut hamer g'sprocha und da glaub i, daß die mehrer thuan. wia das schwache G'scblecht. Wir

kemma also über d' Schnablschuah ohne Absätz. die mer eigentlich Hatsch'n hoaß'n sollt, auf's Gigerlg'wand, die alten Schwalbenschwänz und die modernen Schakettl vorn ausg'rundet und hinten bis zu die Kniebeug 'runter, so daß Oaner ausschaugt, wia a ausg'stopfter Lämmergeier im Ruhestand, dann auf die Jäger-, Touristenund Kneippwäsch, die schwarz'n. gelben und fleischfarbenen Handschuah. Dann die Krawattln und Kräg'n. Und da war überall was zum Dreinsprecha. Nur von die Hüt' hat Koaner 'was g'sagt, und deswegen hat mein Nachbar. - der sogenannte Kaufmann und Kläger dader. das Wort ergriffen und behauptet: das schönste Tragen für an richtigen Menschen waar a Cylinder. Zu aner Hochzeit, Kindstauf'. Leich'. auf'n Ball, bei aner Verund Vorstellung is der Cylinder daS Noblichste und Feinste Jetz'n kimmt mein Fall, und insbesondere, weil i meiner Lebtag' g'rad dös Feinste und Noblichste von der Sort'n nia 'braucht und nia g'habt hab'. I woaß, datz der Andere viel auf sich hält und lieber a Bröckerl mehrer wia a Anderer sein möcht' und z'letzt san mer alle Zwoa G'schäftsleut' und desweg'n bin i außag'ruckt. Siehgst. sag' i. Dein, Cylinder is in dem Fall nur die Mask'n von an' Schwindler und Bauernfänger! a Lump und a Gauner, die 'was Sauberes ausführ'n, um d' Schandarm und die dummen Leut' zu verbleameln, die setz'n so an Kamin auf. um wia a Richtiger auszuschau gen. A Cylinder is im Salon oder bei festliche Gelegenheiten am Platz, aber das Abgeschmackteste im WirthsHaus und zum Spazierengeh'n. weil da Jeder kennt, was Oaner damit will, nämlich mehrer gleichsehg'n. Was! sagt er, Z trag Lberhaupts koan andern Huat wia an Cylinder, und wenn i auf'ö Land, auf d' Jagd und zum Fischen geh', wird nix Anderes aufg'setzt und desweg'n wär' i so a Subjekt, wia Du g'rad sagst? Jawohl, sag' x auö tiefster Brust, und er springt auf: Meine Herren! Sie san Zeugen! Dös wird g'richtlich g'macht! und weg war er. Kann i da g'straft werden, wenn i blos im Allgemeinen meine Meinung sag? I denk net! Das Gericht rettete das Ansehen des Cylinderhutes in seiner außer-

wöhnlichen Bedeutung und erkannte gegen den Beklagten auf eine Geldstrafe. Siebgst, Alisi," meinte der Beklagte, rnn dös Gerschtl hätt'st Du zwoa Cylinder und i drei Filzhüet kriegt, aber 's hat Alles sein' gueten Grund, d'rum san mer wieder guet." Witze über menschliche Namen gehören zu den Übeln Witzen". Daß solche Namenswitze indessen parlamentarisch zulässig sind, hat sich neultzh im österreichischen AbgeordnetenHause gezeigt und kann eigentlich auch nicht Wunder nehmen, seit in einem anderen Parlament Worte durchschlüpfen konnten, wie: Sie frecher Dachs!" In der Sitzung des Lsterreichischen Parlaments hatte übrigens das Schicksal selbst vorgearbeitet, denn auf der Rednerliste in der Berathung der Professorengehälter standen nacheinander die Namen der Abgeordneten Kurz, Dyk, Lang. Als Generalredner wurde Kurz gewählt, und der Präsident Frhr. v. Chlumecky bekundete: Dann, meine Herren, empfehle ich Ihnen, nicht dick, nicht lang, sondern kurz zu sein!" Große Heitirkeit im ganzen Hause. Ein ähnlicher Zwischenact ereignete sich einmal in der bayerischen Abgeordnetenkammer, als eine Commission von drei Mitgliedern zu wählen war. Ein vom Schriftführer verlesener Wahlzettel lautete auf die Namen Hahn, Huhn und Henle. Ob dieser Hühnerfamilie ebenfalls schallende Heiterkeit des hohen Hauses. Nur hatte diesmal nicht das Schicksal vorgearbeitet, sondern ein durch seine guten Einfälle bekannter Abgeordneter, dem bei Erzeugung dieses Hühnerwahlzettels auch noch eine höchst gelungene Zusammenstellung der politischen Schattirungen gelungen war. --'Jüngst wurde in Tuzla eine doppelte Hinrichtung durch den Strang an der serbischen Bauerm Stana Micic und an dem Türken Jussuf Karamujic vollzogen. Beide ermordeten den Gatten der Bauerm, zerstückelten den Leichnam und warfen die Stücke den Schweinen vor. Ihren bei der Mordthat anwesenden Kindern drohte die Bäuerin mit des Vaters Schicksal, wenn sie nicht zu weinen aufhörten. Der Gendarmerie gelang es, die beiden Thäter zu eruiren, und das Gericht fällte das Todesurtheil, welches in allen Instanzen bestätigt würde. Die Hinrichtung vollzog der Scharfrichter Seyfried von Serajewo zuerst an dem Türken, dann an der Bäuerin. Es war dies der erste Fall der Hinrichtung einer Frau in Bosnien. Aus dem ArresthauS der Infanterie zu Landau sind die Soldaten Henn und Kayser entsprungen. -Kayser schellte dem aufsichtsührenden Gefreiten. Dieser öffnete die Zelle und wurde sofort von Kayser gepackt, in die Zelle geworfen und eingeschlossen. Dann schloß Kayser die Zelle des Henn aus und suchte mit ihm das Weite. Henn und Kayser sind gefährliche Burschen. Ersterer war vor einiger Zelt an dem nächtlichen Auftritt in der Zwökfmorgenkaserne oetheiligt und ist von $ia serslautern, während Kayser, der von Mindelheim gebürtig ist. im Oktober diesesJahres von seiner Abtheilung desertirte. in Moksheim im Elsaß aber wieder aufgegrifsen und an seinen Truppentheil abgeliefert wurde, i hatte vor feiner Flucht einen Gcschonzünder gestohlen, den er an die franzö sische Militärbehörde zu verkaufn ge. dachte. . ...

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