Indiana Tribüne, Volume 20, Number 120, Indianapolis, Marion County, 17 January 1897 — Page 6

ZNl ttustralischett ZZusch. Das Innere Australiens ist noch immer nicht völlig erforscht; -über die schwarzen Eingeborenen, dieThier- und Pflanzenwelt herrschen selbst in England, das den mächtigen Erdtheil an sich gerissen hat. noch vielfach irrige Vorstellungen, und im deutschen Publicum kann man Anschauungen begegnen, die im wesentlichen auf den Buschromanen Friedrich Gerstäcker's beruhen, der wunderlich Dichtung und Wahrheit mischte und es mit letzterer durchaus nicht genau nahm, wenn es ihm darauf ankam, packende Wirkungen zu erzielen. KemErdtheil nun weist eine für die Wissenschaft interessantere Thierwelt aus als Australien, das noch eine Menge Geschöpfe beherbergt, die auf dem übrigen Erdball nicht mehr vorhanden sind und nur hie und da noch in Versteinerungen gefunden werden. Selbst nachdem das Land einigermaßen erforscht und an dem Vorhandensein dieser merkwürdigen Fische, Vögel und Säugethiere nicht mehr zu zweifeln war, ließ die wissenschaftliche Ergründung der Fabelwesen" zu wünschen übrig, und erst in neuester Zeit sind nach dieser Richtung Fortschritte geschehen. Dank der Munificenz des Dr. Paul von Ritter hat die deutsche Wissenschaft hieran einen hervorragenden Antheil, denn er stellte dem Zoologen und Anatom Richard Semon die Mittel für eine Expedition nach Australien zur Verfügung. Auf Jahr und Tag nistete sich Semon im australischen Busch ein, woselbst er die gründlichsten Studien machte. Der -australische Busch ist keinesWegs, wie man vielfach urthllmlich annimmt, durchweg ein undurchdringliches Dickicht, vielmehr stehen die Bäume des Eukalyptuswaldes in Abständen von zehn bis zwanzig Iards vonein-

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Gruppe von Wilden. der. Die Wurzeln reichen bis zu siebzig ards Tiefe, so'daß ein Unterholz nicht aufkommen kann. Dagegen gedeiht der Graswuchs, und um ihn noch zu erhö hen und den Weidethieren mehr Nahrung zu gewähren, todten die Herdenbescher in bestimmten Gegenden die Väume, indem sie sie ringeln", das heißt in halber Mannshöhe bis auf den Splint abschälen. Es giebt kaum einen irostlosernAnblick als solche meilenweit pusgedehnteLandschaft voller abgestorfcener, mit kablen Aesten emporstreben- , der Bäume. In dem lichten Buschwald sind jedoch an sumpfigen Stellen vielfach Dickichte vorhanden, Scrubs genannt. Im Norden Australiens erscheint der Scrub als ein echt tropischer Urwald voll mannigfacher, üppiger Vegetation, in den südlichen Theilen dagegen .verwickeln sich die Aeste und Wurzeln einer kleinen Eukalyptusart ßu einem unentwirrbarenDickicht, durch das man sich nur mühselig mit dem Hackmesser einen Weg bahnen kann. Nachdem unser Forscher in dem Orte Gayndah im Thale des Vurnettflusses seine Vorbereitungen getroffen hatte, brach er in den eigentlichen Busch auf, begleitet von einemWeißen, dem Sohne eines aus Deutschland eingewanderten Farmers, einem schwarzen Diener Narnens Frank, und einer Horde Eingeborener. bestehend aus acht Familien mit dreißig Köpfen. Diese Leute hatien die Aufgabe. Jagd auf die dem Forscher erwünschten Thiere zu machen und sie ihm wo möglich lebend zu überbringen. Ohne Ausnahme sind dieEingeborenen Australiens auf eine sehr niedrige Stufe der Cultur zu stellen. Old Tom. etwa diejenige, welche dem Steinzeitalter des europäischen Urmenschen entspricht. Die Nutzanwendung und Bearbeitung jeglichen Metalls ist den Australiern unbekannt, wenngleich sie natürlich, mit den Weißen in Beruhrung gekommen, die von diesen gelieferten Stahlmesser undAezte ihren eignen Werkzeugen vorziehen. Alle von den Australiern selbst gefertigten Wasfen und Geräthe bestehen aus Stein, Muschelschale, Knochen, Holz, Pflanzenfaser und Thiersehne; nicht einmal einen Stein zu durchbohren haben sie gelernt. Ihre primitiven Waffen, Speer, Keule und Vumerang (Wurfkeule), gebrauchen sie indessen mit grosier Geschicklichkeit. Da sie die Kunst. Geräthe ausThon zu formen und durch Brennen dicht zu machen, nicht verstehen. so. können sie ihre Speisen nicht kochen, sondern nur über dem Feuer, auf heißen Steinen oder in der Afche , braten und rösten. Dabei wissen sie die Vorzüge des wirklichen Kochens wohl zu schätzen, und ein zinnernes Gefäß gilt ihnen als ein kostbarer Lesitz. Ackerbau und Viehzucht sind ihnen völlig unbekannt, doch sorgen derWildreichthum der Scrubs und dieScrupellosigkeit in der Wahl der Nahrung, zu der auch Schlangen, Eidechsen und Käserlarven gehören, dafür, daß ihrTisch leicht gedeckt ist. Nach allen Richtungen,

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die mit der Jagd in Zusammenhang stehen, sind Geist und Sinn derÄustralier vorzüglich ausgebildet. Es ist deshalb ganz falsch, sie als .eine halbverhungerte, verkümmerte Rasse aüfzufasfen, die sich nur mit Mühe unter harten Lebensbedingungen aufrecht erhält.Gcrade das Gegentheil ist der Fall: in den meisten Gegenden, die von den Eingeborenen bewohnt werden, ist der PZildreichthum im Verhältniß zu ihrer Zahl so bedeutend, daß unter normalenVerHältnissen jeder täglich mit leichter Mühe für sich und die Seinen so viel Pfund Fleisch erbeuten kann, als die Magen begehren

lr SVL .CT.Vr-cr l'r'Z i mtm' WAW ÄMMW MmW & Jo h n n y. Vollkommen mangelt den Australiein die Fähigkeit, zu berechnen und zu combiniren. und im Einklang mit dem unentwickelten Intellekt steht die Sprache. Beinahe fast jeder Stamm hat seinen eignen Dialect, aber alle beruhen auf einer gemeinsamen Wurzel. Der Vater heißt Baba", die Mutter Memme." Einige Stämme haben nur Zahlworte bis 3. andere bis 5; ein weiteres Zählen, etwa mit Zuhilfenahme der Finger oder durch Multiplication, findet nicht statt. Manche Schwarze, die etwas Englisch verstehen, können die englischen Zahlworte bis 6 richtig anwenden, aber dort endet auch ihre Rechenkunst. Eine Ausnahme bildete allein der zu Semon's Truppe gehörige Mackenzie, der englisch bis 10 zählen konnte, er hatte aber auch lange auf Squatterstationen gelsbt und besaß einen lebendigem Geist als seine Landsleute. Die Frag nach der Religion derAustralier ist schwierig zu beantworten. Bei den meisten Stämmen ist keine Spur eines Glaubens an höhere, übermenschliche Wesen aufzufinden, dagegen herrscht allgemein der Glaube an Gespenster, Geister von Verstorbenen, denen keine ordentliche Bestattung zutheil geworden oder die durch Zauberer behext worden sind. Diese Gespensterfurcht prägt sich vor allem darin aus, daß im Dunkeln niemand gern seinen Platz am Feuer verläßt und nächtliche Jagden ganz ausgeschlossen sind. Im Central - Queensland werden die Leichen gewöhnlich zunächst in hohlenVäumen getrocknet, die Knochen später in der Erde oder in Baumhöhlungen begraben. Manche Stämme errichten Holzgerüste, um die Leichen sicher vor Mackenzie. den Dingos (wilden Hunden) und andern Thieren zu trocknen. Zuweilen mumificirt man auch die Leichen durch Räucherung und schleppt sie auf den Wanderungen mit. bis endlich die Bestattung erfolgt. Hierbei werden Körper oder Knochen mit Baumrinde um hüllt. In einigen Gegenden Südwestaustraliens werden dagegen die Todten verbrannt. An vielen Orten herrscht die abscheulicheSitte.dan gewisseTheile des Verstorbenen von seinen Verwandten verzehrt werden. Auch im übrigen wird Menschenfleisch von den Stämmen in Queensland nicht verachtet, und als besonderer Leckerbissen gilt ein fetter Chinese. Bei den meisten Stämmen herrscht Monogamie, aber die Stellung des Weibes ist die denkbar niedrigste. Das Weib ist Sclavin und Lastthier des Mannes, von allen Rechten ausgeschlössen, der schrankenlosen Willkür ihres Gebieters preisgegeben. Ein Stamm setzt sich aus mehreren Horden von 40 bis 60 Personen zusammen, die ein gemeinsames Jagdgebiet wählen, das andere nicht ohne Erlaubniß betreten dürfen. In gewissen Zwischenräumen finden gemeinsame Versammlungen derStammeshorden statt, bei denen es hoch hergeht, allerdings zum Schluß, nachdem die Köpfe erhitzt sind, nicht immer friedlich, denn auch die Blutrache sucht und findet hier ihre Opfer, und nicht selten bildet ein allgemeiner Kampf den Schluß solcher Stammesfeste. ' Unser Landsmann oax mit seiner Begleitung in den Busch leidlich gut gefahren, er hatte nicht die schlechtesten Vertreter der australischen Rasse ausgewählt. Freilich ließen auch sie ihn schließlich im Stich, weil er ihnen die sofortige Auszahlunq des Lohnes verweigerte, damit sie sich nicht in heimlich herbeigeschafftem Alcohol berauschen könnten und tagelang arbeitsunAda und Jimmy. fähig würden. Aber der Anstifter der Meuterei war gerade der von der Cultur schon mehr beleckte Diener. Besw ders gute Jagdhelfer hatte der Forscher

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in dem Ehepaare Jimmy und Ada und dessen Todfeinden, den Freunden Mackenzie und Johnny. Von diesen beiden war nämlich ein Bruder Ihnmy'ö erschlagen worden, und dem tern, der einst ein berühmter Krieger gewesen war, siel nun die Pflicht der Blutrache zu. Indessen wurden dadurch, daß den beiden Parteien verschiedene Lagerplätze angewiesen waren, Streitigkeiten verhütet, und als solche dank dem eingeschmuggelten Branntwein unausbleiblich schienen, übernahmen sich zum Glück die Todfeinde derart, daß sie keiner Gewaltthätigkeit mehr fähig waren. Auch den Patriarchen der Horde. Old Tom. geben wir im Bilde wieder. Von stattlicher Leibesfülle, war er eine Art Hercules von prachtvoll entwickelter Musculatur. ein auserlesenes Modell für einen Bildhauer, dem es hätte behagen mögen, den vollendeten Typus australischer Mannesschönheit zu formen. Ter Kopfsaugcr. Ein sehr merkwürdiges Thier ist der Kopfsauger oder Schiffshalter, ein Seefisch von etwa 8 bis 10 Zoll Länge, mit ölgrüner Oberseite, weißlicher Unterseite und einer oberhalb des Kopfes befestigten länglich-runden Saugscheibe, vermittelst deren er sich an anderen Fischen, auch an Schiffen und Felsen, so festsaugen kann, daß man ihn nur mit großer Gewalt loszureißen vermag. Mit den Haien und Seeschiffen durchwandern die Kopfsauger große Strecken des Meeres, indem sie sich an diese anhängen. Sobald der Hai , eine Beute gemacht hat oder der Schiffskoch die Abfälle der Nahrung über Bord wirft, lassen sie ihren Halt los und schlängeln sich etwas ungeschickt herbei, um ihren Antheil zu erhäschen. Darauf saugen sie sich sofort Wieder an den Hai oder das Schiff an, um sich weiterschleppen zu

VI IkA J"' :t ? Die Schildkrötenjagd. lassen. Die Indianer der Küsten des tropischen Amerika benutzen den Kopfsauger trotz feiner geringen Größe dazu, um mit ihm Seeschildkröten von mehreren Centnern Schwere zu fangen. Diese eigenthümliche Jagdmethode wird von Lacöpde folgendermaßen beschrieben: Man fängt einen Kopfsauger lebendig und setzt ihn in ein Gefäß mit Seewasser, dessen Inhalt häufig erneuert werden muß. Dann befestigt man an dem Schwanz des Thieres einen eisernen Ring, der groß genug ist, daß er den Fisch nicht an de,r Beweglichkeit hindert, und klein genug, um Eicht über die Schwanzflosse hinweggleiten zu können. Mit dem Ring wird eine lange dünne Leine verbunden. Nach diesen Vorbereitungen kann die Jagd beginnen. . Man besteigt ein Boot, nimmt das Gefäß mit dem gefangenen Kopssauger mit hinein und rudert vorsichtig nach jenen Theilen der Küste, wo die Schildkröten vorzugsweise sich aufhalten. Sie pflegen dort häufig schlafend auf der Oberfläche herumzutreiben, erwachen aber bei Annäherung eines Bootes stets, rechtzeitig, um in große Tiefen unterzutauchen und dem Verfolger zu entfliehen. Man nähert sich also mit dem Boote vorsichtig nur bis auf eine gewisse Entfernung und setzt dann den Kopfsauger in's Wasser. Der Fisch glaubt entweichen zu können und sucht, indem 'er das Boot umschwimmt angstlich nach einem lebenden oder todten Gegenstande, um sich semer Gewohnheit gemäß daran anzusaugen. Bald findet er auch die Schildkröte, schlüpft unter deren Brustschild und saugt sich dort fest. Die Indianer brauchen dann nur den Strick anzuziehen, und die Schildkröte ist gefangen. Kurz und bündig. Dame: Herr Doctor, was muß man nehmen, wenn man aus Versehen Arsenik verschluckt hat? Arzt: Ein schnelles Ende! Aus der Instruktion sstunde. Officier: Was muß der Soldat gewesen sein, zu dessen Leichenbegängniß die Truppen im Paradeanzug antreten?" Recrut: Todt, Herr Lieutenant!" Rückzug. Vater: Sie haben meine Tochter geküßt! Wissen Sie. was Sie als Ehrenmann in einem solchen Falle zu thun haben?" Nein!- Vater: Den Vater um die Hand der Tochter bitten!" Hm, wenn dem so ist. dann verzeihen Sie, muß ich erst noch einige andere Väter bitten!" Irrthum. Baron (als er vor der Wohnung einen grotesk aus sehenden Engländer die Treppe hinabsteigen sieht, zum Diener): Zum Teusei, Jean! Warum haben Sie meinen Freund aus Indien nicht vorgelassen und gesagt, ich sei nicht zu Hause? Diener: Wissen Sie, gnädiger Herr, ich dachte wirklich, es wäre ein verklei deter Schneider! Ueberflüssige Erklärung. Rittmeister: Sie sehen jetzt, Herr Commercienrath. warum ich Ihr Fräulein Tochter zu einer so einsamen Eispartie einlud! Ich wollte mich ihr erklären, und halte jetzt um ihre Hand 'an. Commercienrath: Daß se sin e fainer und e vornehmer Mann, weiß meine Sarah, daß se njch haben Geld, weiß se ach; also woßu das Erkläun?! .. . ...

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s. Unter den zahlreichen Naturwundein, cn welchen die Pacificstaatcn so reich sind, nehmen die gewaltigen Laumriesen der Rocky Mountains nicht den letzten Platz ein. Auf den aus dem Osten kommenden Reisenden macht Nichts einen se tief sfetat und dauernden Eindruck wie der Anblick der Wälder, welche sowohl hinsichtlich der Größe wie des Aussehens von denen des Ostens grundverschieden sind. Eichen. Ulmen. Ahorn und viele andere Baumarten, welche der Landschaft östlich von den Alleghanus ihr besonderes Gepräge verleihen, verschwinden und wenn der Reisende die ersten Baumriesen des fernen Westens zu Gesicht bekommt, blickt er mit Staunen zu ihren in die Wolken ragenden Wipfeln empor. An Stelle dicht belaubter und mithin sich ausbreitender Bäume sieht er gigantische astlose Stämme, die unten 'einen Durchmesser von 10 bis 30 Fuß haben und welche, sich kerzengerade bis zu einer Höhe von 400 Fuß erheben ; die Zweige beginnen gewöhnlich erst in der Höhe von 175 bis 250 Fuß. Es sind dies die Rothhölzer in California, die Fichte und Föhre in Oregon und Washington. Die prächtigsten Ezemplare diesn Baumriesen finden sich in ausgedehnten Hainen, wo sie dicht zusammenstehen. Die berühmten Haine von Mariposa und Calaveras in CaI m C a m p. lifornia weisen die schönsten Exemplare der Sequoia gigautea auf und Stämme von 30 Fuß Durchmesser und 400 Fuß Höhe gehörten nicht zu den Seltenheiten. , als jene Haine entdeckt wurden. Die oft beklagte Raubwirthschaft, welche unserem, von der Natur so reich gesegneten Lande zum Fluche zu werden beginnt, hat sich leider auch auf jene herrlichen Haine ausgedehnt und mit Azt und Säge arbeitet der vom Riesen Dampf unterstützte Mensch an der Vernichtung jener prächtigen Baumriesen, zu deren Schaffung die Natur viele Hunderte von Jahren gebraucht hat. Die Wälder werden abgebolzt, allein an eine Aufforstung denkt Niemand nach uns die Sintsluth. , Die beigefügten Illustrationen veranschaulichen Ansichten aus Holzfäller - Camps, die sich an den Westabhängen der Sierra Nevada im County Fresno. Cal.. befinden und die etwa 5000 Fuß über dem Meere belegen sind. Ohne Unterlaß, bei Tag und bei Nacht, arbeiten dort von Dampfmaschinen getriebene Bandsägen und von der unaufhaltsamen Waldverwüstung, welche dieselben zu Wege bringen, wird die Mittheilung, daß in zwei Mühlen allein pro Tag 225.000 Fuß geschnitten werden, eine Vorstellung verleihen. 12f !i ß i g e r Stamm. Das geschnittene Holz wird auf eine Entfernung von 54 Meilen in V-för-migen. Schleusen, die mit Wasser gefüllt werden, zu Thal befördert. Wenn die Bäume in der nächsten Umgebung eines Sägewerks sämmtlich gefällt sind, dann werden dieselben weiter die Berge hinauf geschafft und nicht selten macht dres den Bau stell ansteigender Eisenbahnen nothwendig. In Fresno County befindet sich eine solche Bahn, die bei einer Länge von 9 Meilen eine Steigung von 1584 Fuß pro Meile hat. An dem oberen Terminus der Bahn ist eine gewaltige Maschine aufgestellt, welche Züge von 3 Waggons mit einem 1j Zoll dicken Kabel emporzieht. DasFällen der Baumri?sen geschieht von erfahrenen Arbeitern in höchst systematischer Weise. Zuerst wird an der Seite, nach welcher der Stamm fallen soll, ein tiefer Einschnitt gemacht'und dann beginnt die Säge ihr vernichtendes Werk , von der anderen Seite. Der Fall eines Baumes von 250 Fuß und mehr Höhe macht einen unverlöschlichen Eindruck. Wenn die Säge die letztenHolzfafern durchschneidet, geht ein eigenthümliches Zittern durch den ganzen Stamm und der Wipfel beginnt leise zu schwanken. Fast unmerklich, dann schneller und immer sckrneller neigt der Riese des Waldes sein Haupt, das vielleicht ein Jahrtausend dm Stürmen Trotz geboten hat, und in wenigen Secunden stürzt der Hunderte von Tonnen schwere Stamm auf den Erdboden, der unter den gewaltigen Anprall weithin erbebt, nieder. Darauf nimmt das Zertheilen seinen Anfang und Zwar werden alle Stämme, deren Durchmesser mehr als 8 Fuß beträgt, mit Dulder aelv.reni. um dlese Arbeit

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zu erleichtern. Mittels tragbarer Dampfmaschinen und Schlitten geschieht der Transport, der Stämme nach den Sägewerken. Zu .diesem Zwecke werden starle Kabel, die in

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Transportable Maschine. Flaschenzügen laufen, an Baumstümpfe befestigt, worauf die Schlitten auf Rutschbahnen, di? auf hohen Pfosten errichtet sind und welche mit Fett eingeschmiert werden, herabgelassen werden. Auf den eigentlichen Bergbahnen werden die Holztransporte mittels Locomotiven befördert, deren Construction ihnen nicht nur eine gewaltige Zugkraft gibt, sondern ihre Adhäsion auf das Maximum steigert, so daß sie bedeutende Steigungen herauffahren können. Fahrrad mit Fcdcr. Zu den Neuigkeiten auf dem Gebiete der Fahrrad-Jndustrie gehört ein Rad. welches mit einer starken Stahlfeder zur Entwicklung der treibenden Kraft versehen ist. Hinter der Lenkstange des Rades, welches eine Erfindung von John Probst in Cleveland. O., ist. befindet sich ein Rahmen mit einer kräftigen Spiralfeder, welche sich 9 bis 10 Mal auswinden läßt; dies kann von dem Fahrenden mittels einer Kurbel geschehen, ohne daß ein Absteigen nothwendig wird. Von der Feder geht zur Kurbelstange eine Rädercombination mit viermaliger Uebersetzung; eine einmalige Drehung der Feder genügt zum Zurücklegen einer Meile, so daß 9 Windungen einen Weg von ebenso vielen Meilen ermöglichen. Das Probst'sFederrad. Rad kann auch ohne den Federmechanismus benutzt werden und zum Auslösen des letzteren dient ein vor dem Sattel befindlicher Stab mit einer Kurbel, welche, wenn in gerader Richtung gestellt, die Verbindung der Räder löst. Eine weitere Vorrichtung ermöglicht größere Schnelligkeit bezw. die Entwicklung größerer Kraft, die beim Bergauffahren oder kothigen Straßen nothwendig wird. Auch leicht gebremst werden kann das Rad und eine kleine Luftpumpe, die durch Einschrauben eines Stiftes mit einem Excenter verbunden wird, ermöglicht, das mühelose Aufblasen der Pneumatics. Das ganze Rad, welches der Erfinder nach dem nächsten Präsidenten McKinlevbenennen will, wiegt nur 30 Pfunds Auch ein Grund. Ach, Herr Doctor, ich fürchte mich schrecklich vor dem Gewitter! .Ich auch!Da passen wir aber gut zusammen! Wnn Sie mich heirathen, tannen wir unä dann zusammen fürchten ach. das väre reizend!" i V a ri a n t e. . .Wo man fingt, da lan' dick rubia nüder!" E!nnral .that ich'Z, aber niemaZ wieder. Monolog. Studiosus: Ekelhaftes Wetter 'mal warm, 'mal kalt . . . . Man. weiß nie rscht, was man dersetzen soll Aha! Swdent: Wollen Sie mir, bitte, die Goldplombe ons - dem hinterste Zahn nehmen? Zahnarzt: Mit Vergnügn! schmerzt der Zahn? Student: Rein. Zahnarzt: Oder liegt vielleicht d Plombe schlecht. StuöeAt: Nein. Zahnarzt: Ja. wo fehlt's denn? Student: Im Gelddeutel. Verkannt. jöater, der Meyer hat mir geschickt 50 Mark, daß ich nicht soll aussagen gegen ihn." Und hast De genommen das Geld?" Was denkste von mir? Ich bab's ihm zurückgeschickt ' mit 'n groben Brief tzeißt'n ehrlicher Mensch!- und hab' gefordert für mein Schweigen 100 Mail!"Ae so!-

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Sind wir schön. Cine Umfrage bei Wilden. Unlängst war in vielen Blättern zu lesen, daß von Hamburg nach Südllfrifa für 'mehrere Hunderttausend ?!ark Glasperlen versandt worden sind und daß die Heimath der Hottentotten und Buschmänner ihren Dank mit der Ausfuhr von Straußenfedern abstattete. Die moderne Schönheit aus der Großstadt schätzt den ästhetischen Werth einer weißen, wallenden Straußenfeder, sosehr, wie das südafrikanische Hctlentottenmädchen die naive Buntheit der Perlen um Hals UNd Arm. Gewiß schwankt auch hierin die Mode. So wie großstädtische Putzgeschäfte in jeder Saison" eine bestimmte Farbengattung der Straußenfeder vorziehen und verarbeiten, so wechselt auch die Freude der afrikanischen Eingeborenen an den Farben der Perlen, und unglücklich der Händler, der seine Lasten mit blauen Perlen gefüllt hat. indeß das Verlangen gerade nach grünen steht. Aus diesen Thatsachen zieht die realistische Aesthetik nur die eine Folgerung: Was dem Einen schön dünkt, ist dem Anderen häßlich, wofür der Volksmund das bekannte Wort von der Eule und der Nachtigall gefunden hat. Der unbefangene Beobachter hätte nun meinen können, auch das Schönheitsideal der einzelnen Rassen fei ebenso verschiedenartig wie. ihr Geschmack in der Toilette, der Kunst u. s. w. Aber der Weiße besitzt seinen eigenen Hochmuth, so lange er die Geschicke anderer. Rassen beherrscht, und seine stillschweigende Eitelkeit verleiht bei einer Schönheitsconcurrenz der Erde sich den ersten Preis. Zwar sollte ihn die Concurrenz der weißen Völker untereinander stutzig machen. Er sollte doch wissen, daß nux" die Französin Anmuth besitzt, nur" die Deutsche Gemüth, .nur" die Russin Pikanterie. nur" die Spanierin Temperament, u. s. w.. daß jedes Land sein Schönheitsideal hat, was ein Vergleich der Madonnenbilder der einzelnen Malerschulen untereinander wunderbar bestätigt. Trotzdem hat der Europäer den naiven Stolz, seinen Schönheitstypus als Muster und Gipfelpunkt hinzustellen. Wir lächeln heute darüber. daß der venetianische Gesandte im Jahre 1497 nach Hause berichten konnte: Die Engländer haben große Selbstliebe...-. Wenn sie einen hübschen Ausländer sehen, sagen sie: er sieht aus 'wie ein Engländer," aber dieser Hochmuth und diese Eitelkeit ist noch völlig im Europäer lebendig, wenn er sich den Wilden" gegenüber sieht. Gewiß, die Zeit ist vorbei, in der man ernsthaft darüber disputiren konnte, ob diese urwüchsigen Lebewesen wirkliche und echte Menschen seien, ebenso vorbei wie die Zeit der Acidalius, Holltich, Waltz u. s. w., die sich stritten, ob die Weiber zu den Menschen gehörten, aber das Herrengefühl der weisen Rasse ist dasselbe geblieben und folglich auch ihre Eit:lkeit auf ihre Schönheit. Aber gerechtfertigt erscheint sie dem Ethnologen nicht. Der Wilde hat andere Eindrücke von uns, als wir vermuthen, und die Venus jedes Stammes wird in den seltensten Fällen der herrlichen Göttergestalt von Milo gleichen. ' Stämme, die seit Jahrhunderten mit ' Weißen verkehrt haben, sind in ihren Urtheilen nicht maßgebend, wohl aber solche, die zum ersten Mal ein weißes Gesicht erblickt haben. Der Eindruck war oft nicht ermuthigend. Mungo Park wurde von den Eingeborenen verhöhnt, weil ihnen seine Farbe und seine vorspringende Rase mißfiel; beides hielten sie für häßliche und unnatürliche Bildungen". Der Reisende aber, der sehr hungrig war, war höflicher und revanchirte sich, indem er das glänzende Schwarz ihrer Haut pries und die liebliche Einbiegung ihrer Rasen". Die schwarzen Gentlemen erkannten zwar die Schmeichelei, aber sie gabm Mungo Park etwas zu essen. Als n paar Negerknaben Burton erblickten, schrieen sie: .Seht den weißen Mann! Sieht er nicht aus wie ein weißer Affe?" Auch die Eingeborenen an der Südküste von Guinea legten heftigen Schrecken und Abscheu an den Tag, als sie zum ersten Mal einen Weißen sahen. UndEameron erzählt, ein-Neger habe Lei seinem Anblick die Aagen mit den Handen bedeckt und sei heulend davon gcrannt. Der französische Reisende Pervn berichtet zu Anfarrz dieses Jahrhunderts, die Mädchen aus Vandiemensland hätten seine weiße Farbe anstößig- gefunden und raunten der ihrigen unbedingt den Vorzug ein.- Auch Ludwig Ritter v. Höhnel spricht vorr .Ekel". den die.' Weißen nnflößten. Er erzählt: Der größte Jheil der Eingeborenen, welche wir im Innern angetroffen Habens hatte nu vorher eine Weisen gesehes? dennoch haben wir selten beobächrÄ, daß wir einen besrrrderen Eindruck cmf sie hervorgebracht harren. Masche staunten wohl und. hielten sich eine Zeit lang abseits von uns, andere, besonders das schihe Geschlecht, schienen Häusig vor uns Ekel zu empfind; sie Hielten uns wrchl für Leute, derHaut infolge von Lastern oder einer anderen Krankheit wnß geworden; waren wir doch nur zw Weiße inmitten unserer sonst schwarzen Karawane. Wir erieltcn deshalb auch, nie HeirathZanträge, so daß wir leider unsere Erzählung mit diesem pikanten Detail an derer Reisenden nicht zu würzen vermögen." Aber unsere Frage: Sind . wir schön " wird von den Wilden noch auf eine andere niedcrdrückendsArt beantwertet. Auch sie haben ire Schön, heitsideale, un die Schilderung dieser ist für o!e europaische Ellelkeit recht betrüblich. Der Reisende Hearne, der

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die nordamerilanchen Jni27.er geuau kennt, meint, wenn einer dieser Indianer nach seinem Schö'.'b?i!vid.-.-:l gefragt würde, so würde 1zti j'.b wünschen: breites, plattes Gestüt, kleine Augen, hohe Wangen, eine niedrige Stirn, ein breites, großes mn, eine kolbige Hakennase.eine gelbbraune Haut. Die Eingeborenen von Eochinchina halten nur dann eine Frau für reizend, wenn sie einen völlig runden Kopf und ein völlig rundes Gesicht hat. Im nördlichen China gilt der einheimische Mandschutypus für schön: breites Gesicht, hohe Wangenknochcn. sehr breite Rase und gewaltige Ohren. Den bezopften Asiaten erscheint dieser chinesische Typus so schön, daß sie beispielsweise in Bezug auf die vorspringenden Rasen der Singhalesen sagten, sie hätten den Körper eines Menschen, aber den Schnabel eines Vogels. Von den Kimbunda Süd-Asrikas erzählt Ladislaus Magyar: Alaue Augen sind durchaus nicht beliebt und man hält sie auch bei einem Europäer für ein auffälliges Gebrechen; oft hörte ich die Frauen, wie sie über mein Aeußeres ihre Bemerkungen einander mittheilten. Dieser weiße Mann." so sagten sie, wäre vermöge seines schlanken und hohen Wuchses recht hübsch, hätte er nur nicht blaue Augen und gelbrothes Haar, was ihn einem wilden Thiere ähnlich macht. Schade, daß ihn die Mutter nicht mit schwärzen Augen und Haaren auf die Welt gebracht hat." An ihren Landsleuten liebten diese Eingeborenen gerade und fein geschnittene Nasen und Lippen nicht; wer solche hatte, wurde mit dem Schimpfnamen Kalunguka- belegt und für einen verschmitzten Kerl gehalten. Die Kaffern schätzen die schwarze Farbe ungemein und sie würden es für ein sehr schlechtes Compliment halten, wenn man ihnen sagte, sie seien ganz hell gefärbt und sähen aus wie die Weißen. I. Skooter hat von einem unglücklichen Kaffer erzählen hören, der so hell war, daß ihn kein. Mädchen heirathen wollte. Auch Galton berichtet von zwei schlanken, hübschen und hellen Negermädchen, die gar keine Bewunderung erregten. Nach der Anschauung Reade's ist den Regerir die weiße Haut der kaukasischen Rasse direkt widerwärtig. Sie betrachten blaueAugen mit Widerwillen und halten unsere Nasen für zu lang und nnsere Lippen für zu dünn." Er glaubt nicht, daß Neger jemals die schönste europäische Frau nur auf Grund der bloßen physischen Bewunderung einer gut aussehenden Negerin vorziehen werden." Einen köstlichen Beitrag hierzu' hat uns Paul Reichard überliefert. Die Wanyamwesi, bei denen er war. haben ihr eigenes Schönheitsideal. Als schön gilt bei ihnen und bei allen mir bekannt gewordenen Negerstämmen", fügt Reichard hinzu ein Weib ohne eingeschnürten Gürtes. dessen Körper von der Hüfte bis unter die Arme dieselbe Breite hat, Karca nni (wieein Küstenneger sagt). Der Hals muß lang und dünn wir eine Schlange" fein und die Ohren wie eines Elephanten, d. h. ganz abstehend und groß. Reichard fügt launig hinzu: Unsere Frauen gefallen ihnen nicht!" Die Siamesen mit ihrelr kleinen Nasen, auseinanderstehenden Nasenlöchern, weitem Mund, etwas dicken Lippen, großem Gesicht rnid' hohen bieiien Backenknochen halten ihre Frauen- für viel schöner als die Europas. In Java gelten gelbe Madchen für schön weiße dagegen nicht. Die selbst sehr blaß aussehenden Furakaras in SüdAmerika sehen in den Europäerinnen nur sehr untergeordnete Geschöpfe. Überhaupt finden die weißen Frauen selten einm Freund rhrer Schönheit unter den niedrigstehenden Rassen. Von der Frau des britischen Gesandten in Cochinchina sagte-' ein Eingeborener verächtlich, sie: habe weiße Zähne wie ein Hund unv "eine rosige Farbe wie Paratenblumen.-Die vernichtendste Schilderung einer- europäischen Dame Hais aber Pau5 Reichards Reisebegleiter, sein Leibjäger Maganga.ein Wanyamwesi-Neger, gegeben. Er hatten in Zanzibar eine englische Dame gesehen und beschreibt sie- wie folgt: Sfr hatte um dn Leib eine Menge Stoss befestigt, N7l'e ein Mrua (Stamm- am obern Congo), jedoch trug sie die meisten Sl?sfstücke nach hinten zusammengerefft.', während ff: der Mrua vorne trägt. Süße und Hände hatte sic rn schwarze.? rmd gelÄen Säcken veröorgen, ebenso wie sie den ganzen Korper in (Ä?ffe versenkte Ihr Gesicht war sehr weiß. Auf dnn Kopfe hcrit: sie einen Ngalla. (Kopspitz der Slztqtx) aus Straußfedern, sehr hoch und schöne Federn. (DaS schien ZÄaanga am meisten zu nrkressiren. ersiHütteUe sich vor Lachen:)- Die OhrrÄe trug sie wie unser? Fraum unk ihr Schritt w?r wie de? eines Man.rzS. Aber, ich ' mochte - tun so häßliches Weib haben, mit einem Gürtel wie ein Jnsect." Diese-, kleine Blüthen-lese ist ' gewiß; dazu cnrgethan, die EiÄelkeit des -CEirfk turmenschen Herabzus5mmen. Jkdr KrabLe hat ihr'Plähchen im Oceans sagt ein. Negersprikwort, und nnegütige Vorsehung c,g5 jedem StammeGelegenheit, sein Schönheitsideal im Umkreise des eigen Dorfes zu ksrie, dZzen. Vielleicht irnst aber auch diese Blüthenlese die alte formalistisch?. Zlestbeiik daraus Sin, daß der Schön heitsbgriff nur einErzeugniß der Cewohnheit und de? Uebung ist. nrcht . eine reine Abstraction. Hoch fte Strafe. Wenn mein Ma?n recht gut mit mir ist. dann muß ihm die Köchin stets seine Leibspeise kochen!Und trenn er Dich einmal recht at gertr Dann sehe ich ihm Selbst' gekochtes vor und mach auf dem itta vier Taselmrsik dazu!" '

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