Indiana Tribüne, Volume 20, Number 113, Indianapolis, Marion County, 10 January 1897 — Page 7

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Für Geist und Gemüth. Vch. der Kranz des Lebens ist ' Nur gewebt aus Stunden. Eile, denn die kurze Frist Ist so bald verschwunden. Nur. wer strebend Kräfte übt, Sagt mit Recht: er lebe; Nur der Zweig, der Trauben giebt, Haftet an der Rebe. Nur ein Wandern ist das Leben, Und wir wandern auf und ab, Und wir hoffen, sehnen, streben, ' -Und das Ziel ist nur ein Grab Nur ein Grab für Dich, o Herz. Deine Freud' und Deinen Schmerz. . Poche nicht auf dein Recht. Sonst machen die Leute dich schlecht! Preise die Großmuth der Welt. Dann bist Da ihr Liebling und Held. Wenn, selber vom Glück getragen. Man andere leiden sieht, Dann ist es so leicht, zu sagen: Tu bist dnnes Glückes Schmied!Doch wechselt des Schicksals Wage Und trifft auch dich das Leid. Dann lautet die lästernde Klage: Ds ist der Götter Neid!- - . Am Koraöend. Von Contcssa Lara. I. Im Hause devBraut. ....Zum letzten Male schläft sie in dem jungfräulichen Zimmer, das sie seit ihrer frühesten Kindheit innegelabil Wie beredt .sprechen diese leblosen Zeugen vergangener Tage zu ihrem jungen Herzen, wie Vieles reiht sich an den Gedanken: Zum letzten Male!- Sie fühlt, daß sie vor dem wichtigsten Augenblicke ihres Lebens steht und einem unbekannten Etwas zuschreitet, das fortan über ihr Wohl -und Wehe entscheiden wird. Wie allen Mädchen, die sich verheiratheten. hat man auch ihr unzählige Male jene landläufigen Redensarten . vorgesagt, die als Vorbereitung für die Ehe gelUn, Doch wie das Wasser vom Gefieder des Vogels, sind jene Worte, die sie nicht zu fassen vermochte, von ihre? jungfräulichen Seele abgeflossen. Erst in diesen letzten Augenblicken des Sichalleinüberlassenseins fällt es wie Schuppen von ihren Augen. Hier in ihrem trauten Mädchenzimmer, umgeben von all Dem. das sie zu verlassen im Begriffe steht, sängt sie an zu begreifen. D ersten Schriftzeichm des großen, für sie bis zuv Stunde noch versiegelten Buches nehmen urplötzlich Gestalt an..,. Wo wird sie morgen sein? Allein mrt ihm ganz allein m einem alten Schlosse, das sie noch nicht .tennt. oder rn 'einem Hotelzimmer, das Zhr einmal -und -nicht wieder als Nacht Herberge dmren soll. Dort oder da, sie weiß es noch -nicht man hat es nicht für nöthig gefunden, sie Genaueres hierüber wissen zu lassen. Die vornehme Familie, de.r sie enge rjort. hält streng auf Sitte, und wozu sollte man Ouchrnes jungen Mädchens Gedanken -vorzettig auf solch' heikle Bahnen lenken? Denn wiewohl ?s die Mission des Weibes ist, zu herrathm imd Kinder au? 'die Welt zu bringen, so fordert doch ims gesellschaftliche Ur berein kommrn von einer guten Erzrehunq, daß man über . das Wann? und Wie? dieser Dinge vor der Hochzeit, einer Jungfrau gegenüber, schweigt. Die jugendliche Braut sieht demnach 'selbst am. Vorabend der Hochzeit in ihrem Bräutigam blos einen äußerst 'schmucken Herrn, der ihr stets Liebenswürdiges zu sagen weiß und dem sie eine Unzahl zarter Ausmerksamkeiten, wie nch kostbarer Geschenke bankt. Man hat sie noch nie auch nur eine Minute mit ihm allein gelassen. Seit sechs Wochen sieht sie ihn regelmäßig zwei Stunden täglich; -was er zn ihr gesprochen, dürften alle die zwanzig und mehr Personen miwngehört haben, welche im Salon ihrer Mama während .der Anwesenheit des Verlobten ausund eingingen. Sie fühlte sich viel leicht cmch darum genau weiß sie das allerdings nicht stets so beklommen m seiner Nähe. Sämmtliche Freundinnen beneiden sie, denn ihr Bräutigam nimmt eine hohe Ziffer auf der Liste der Heirathscandidaten ein und alle Mütter und Tochter ihrer Kreise hatten ein Auge auf ihn gerichtet. Man erzählt sich, in der Gesell schaft Wunder von dem alten Palais, das er ganz neu einrichten ließ, ebenso wie, von seinen ! Equipagen, die er alle direct von London bezieht, gar nicht zu reden von den Diamanten, welche er der vielbeneideten Braut geschenkt hat. Eine Jede möcht: an ihrer Stelle sein und sie sollte etwa traurigen Gedanken Raum geben? Nein. Nimmermehr! Gewiß und doch schweifen ihre Augen melancholisch über alles Leblose und doch so unsagbar Beredte, das , sie umgibt. Der Stoff, mit welchem die Wände bedeckt sind hellblaue Seide mit eingewirkten Rosenknospen er stammt noch, von ihrer Urgroßmutter, aus den Tagen Louis XV. und ist ein Geschenk ihres Onkels, des Cardinals. Das kleine Schreibpult aus Rosenholz, mit der Sövres-Platte und den Bronzeverzierungen, datirt aus einer späteren Epoche, ist aber qleichfalls ein Erbstück. Als kleines Mädchen hat sie, wie oft, stolz davor gesessen, um ihre Aufgaben zu schreiben. Der schneeige Toilettentisch, aus Carraramarmor, war ein Geburtstagspräsent der Großmama. Welcher Jubel jauchzte in ihrer Seele, als sie diese Kostbarkeit an der äußersten Schwelle der Kindheit,' geschenkt bekam! Alle diese Phiolen, Odeurspölsterchen. Flacons und Dosen, deren Wohlgeruch ihre Sinne schmeichelnd umfing, derIündkten zugleich daß sie von nun an

oen Erwachsenen zugezählt rvurde. Junge Mädchen schwärmen bekanntlich fest ausnahmslos für Parsüm,' und ihre Geruchsnerven damit zu ergötzen, ist ein ihnen erlaubter Genuß. An dieses reizende Gemach stößt ein ganz kleiner Raum, den man zur Zeit ihrer ersten Communion in ein Kapellchen umgewandert hatte. In diesem Augenblick ist der kleine Altar darin zu Ehren der Maienandacht festlich geschmückt und zu Füßen unserer lieben Frau steht ein prächtiger Blumenstrauß. Der Bräutigam selbst hat ihn der Madonna verehrt. Ein vom Papste Leo Xltl. geweihter Kranz hängt über der alabasternen Statuette der Gottesmutter und zwei Leuchterchen aus getriebenem Silber, die man ihr noch als Kind geschenkt, weil sie Kirche spielen" nullte, tragen brennende Wachslichte. Vor dem Betschemel ist ein wappengeschmückter Teppich ausgebreitet, derselbe, welcher ehedem das elegante Kinderwägelchen zierte, in dem die kleine Principessa auf dem Monte Pincio gefahren wurde. An der Wand hängt ein Weihwasserkessel aus Lapislazuli, das kostbare Andenken eines anderen Großonkels, des Bischofs von Siena, und in einiger Entfernung ein Kreuz künstlich aus Mufcheln zusammengesetzt, die noch ihre alte Kinderfrau, während einer Strand-Saison in Viareggio. gesammelt und aufgeklebt hatte, mit unendlicher Liebe und Geduld. Sie kniet vor dem Altar hin und sucht zu beten. Nach kurzer Andacht erhebt sie sich und geht in ihr immer zurück. Das Morgen taucht dabei in schärferen Umrissen vor ihrem inneren Auge auf. Und sie fragt sich, was ihr dieses Morgen bringen wird. Ihr Denken verwirrt sich; eine unaussprechliche Weichheit bemächtigt sich ihrer; nicht ohne Mühe entreißt sich das junge Mädchen einem sckier betäubenden Wonnegefühl es fühlt einen Arm. der sich ihm um den schlanken Leib legt, ein Herz, das gegen dieses kleine hochklopfende Herz schlägt. Das Varfüm. welches die wohlaepflegte

Person des Bräutigams ausströmt. zener Wohlgeruch, welcher tcgllch nach dem officiellen Kuß, der in Gegenwart Aller auf Ihre Hand gedrückt wurde, an ihren fchlanken. noch nicht weiblich weißen Fingern haften blieb, steigt jetzt in der Erinnerung mächtiger zu ibr auf. Ein Schwindel, ein bisher ungekanntes Glücksgefühl erfaßt sie, hämmert durch ,h Adern; das Köpfchen sinkt auf die Lehne des Stuhles. Im Fauteuil gegenüber liegt das kostbare weike Moir5ekleid. das sie morgen schmücken soll. Die langen Orangenblüthenzweige scheinen daran festgrwachsen, wieder Epheu am alten WlautxtDtxt. On je m'attache je meurs". nebt es durch ihren Sinn. Auf einer Chaiselongue daneben ruht, sorgfältig zusammengelegt, die Reisetoilette, einfach und doch ein Meisterwerk an verstandiger Koketterie, wie es sich für tmt Hochzeitsreisetoilette ziemt. In diesem Anzüge wird sie allem, ganz allein mit ihm sein mit dem jungen Mann, der noch nie in zutrauliches Wort zu ihr gesprochen. Was wird er sie zuerst fragen, wie wird er zu ihr sprechen? Sie ahnt s: einen Kuß wird er verlangen und sie mein Gott, vorher soll sie den Muth neknen Oh wäre dies Alles, das ihr so berückend und doch zugleich so erschreckend vorschwebt, doch schon vorüber! Und plötzlich sieig em neues Bild vor ihrer verwirrten Phantasie auf. Sie sieht sich in einem großen, schönen Gemach des prächtigen Schlosses, von dem sie schon so viel gehört, und blickt hinaus aus die hundertjährigen Bäume des Parkes. Ein blondes rcsiges Kmd in Spitzen und Bändern dersucht die ersten Schritte und streckt, sobald es ihrer am Fenster ansichtig wird, die Aermchen zu ihr empöre Der Bräutigam ist nicht mehr die wohlfrisitte 'Respektsperson. er ist ihr Hort, ihr höchstes Gut. ihr Alles, der Vater ves blonden Engels. .Oh. mein Gott, wie bist Du so gut und wie schön ist doch die Welt, in der man so glücklich sein darf r Rasch zerstäubten diese Zukunftsbilde und alles Hoffen, Wünschen, Fürchten jagt in dem junqm Hc?zcn wild durcheinander. Muth! Muth! ruft es in ihrer Brust und jefct ecinnert sie sich, daß sie schlafen müsse unv nicht länger träumen dürfe. Denn Morgen und nur Stunden trennen sie noch von diesem Morgen braucht sie ihre ganze Kraft, ihren ganzen Muth n. I m H a u s e d e s Ar ä u t Z g a 8. Es ist Mitternacht und er kehrt eben heim vom Elub. sehr, müde und nicht minder gelangweilt. Er hat es satt . satt bis über die Ohren, dieses läppische Präludium, das : nun schon volle sechs Wochen dauert! Das Mädchen, schließlich nicht viel mehr als ein Kind, ist ja ganz hübsch, ganz l'.eb, gewiß! Aber ev muß sich erst an . diese Sorte gewöhnen. Mein Gott, er. weiß kaum, was er mit dem unerfahrenen Geschöpschen reden, wie er stch abstellen soll er, der an solche ganz unalaubliche Naivetät so gar nicht gewöhnt ist. Seufzend gesteht er sich, daß wäre es nach seinem Geschmack gegangen er sicherlich an's Heirathen noch lange nicht gedacht hätte aber es war höchste Zeit, denn ist einmal ein gewisser Termin verstrichen, dann, kann man auf erste" Partien nicht w:iier rechnen kurzum, es war eine cisc'.ne Nothwendigkeit nach jeder Richtung hin, und eigentlich hat er ja auch gar nichts gegen die hübsche Kleine einzu wenden, als ..... nun dagegen läßt sich leider nichts machen. ' Unter diesen Betrachtungen kramt er alles Erdenkliche aus seinen Schre.tischladen heraus. Gewisse Erinnerungszeichen Briese. selbst Photoraphien, sind besser - im Ofen cnfge-

qoben, gewiß!'" Man weiß nicht ein Zufall der Schlüssel bleibt stecken. besser mit dem Zeug in's Feuer, man doch kein böses Blut machen.Haarlocken. Photographien, Blumen, Bandschleifen, winzige Taschentücher und gar ein Strumpfband! Weg mit Euch! Er seufzt wiederholt, während er sich anschickt, den ganzen Plunder der derzehrenden Flamme des Kamins auszuliefern. , Schade um Manches darSnter, schade, weiß Gott!" Und mit einem Male richtet sich die. Vergangenheit so verführerisch vor seinen Augen auf, daß er von dem Autodafe abzustehen beschließt. Zu melodramatisch!" begründet er diesen Wankelmuth sich selbst gegenüber und überdies würden etliche dieser Gegenstände einen widerlichen Geruch verbreiten. ' Mit nervöse? Hast fängt er an. daö Herausgekramte in ,die'Sckiebladen zurückzuwerfen. Uff diese Arbeit! Thöricht genug von ihm. daß er diese Art von Liquidation auf den letzten Augenblick verschoben! Das Leblose führt ihn übrigens zum Lebendigen zurück. Arme Herzogin!" Die Erinnerung an sie setzt ihn in keine geringe Verlegenheit. Sie, die stets so nachsichtig gewesen und ihm auch heute noch so rührend - ergeben ist. , Charmante Frau! Nie hat ste mir etwas in den Weg gelegt und auch jetzt ich bin überzeugt, daß sie nicht böse ist, denn sie ist wahrlich nicht die Person, welche die Carriere eines Freundes gefährdet (seufzend) und leider ist die Ehe eine Laufbahn wie jede andere, wenigstens die Basis zu jeder seriösen Carriere. Selbst bei den Wahlen, zumal in der Provinz, hat dev Verheiratete, der Familienvater, weit größere Chancen." Er hat sich der liebenswürdigen Herzogin gegenüber nichts vorzuwerfen die zwingende Sachlage ist an Allem Schuld, er hat ihr in der letzten Zeit sogar weit mehr Aufmerksamkeiten erwiesen, .eine Leidenschaft an den Tag gelegt, die darum geht sie aber tapfer auf die neue Situation ein und ist überzeugt, daß er genau so gern heirathet. als sich ein Hund P'.itZchenhiebe geben läßt. Unter vernünftigen Leuten kommt man ja d.?ch üb:r Alles hinweg! Es handelt sich eben um eine böse Viertelstunde, um weiter nichts! Wäre er z. B. Soldat, mußte sie sich'Z auch gefallen lassen, schon der Freundinnen wegen nicht und auch weil sie weiß, daß der Gram eine schöne Frau im Handumdrehen entstellt. Auch mit Sofia hat ev Alles in Freundschaft geglättet. Zum Kuckuck auch, weshalb nicht! Und dann, die weiß ganz gut. daß er, sobald nur der Honigmond erst einmal vorüber ist den Schluß dieser Phrase ergänzt er durch d.?5 Pfeifen einer beliebten Cafd clunitunt Melodie. Richtig jetzt fällt ihm ein, was er wenn sie anders Wort hätt, heute noch zu absolviren hat ein iPerdez vous mit dev Kleinen. Nur eine Viertelstunde, eine letzte Viertzlst.znde lasse mich bei Dir zubringen!" hat sie mit Thränen verlangt, in deiner so gemüthlichen Garonwohnung Du gehörst zu den Männern, die man nicht vergißt, und ich . bleibe stets Deine Freundin!" Ich schick' Dir um 1 Ubr meinen Fiacre", hatte er darauf geant'.oortet. und bist Du nicht zu schläfrig, so komm', sonst schick ihn nach Hause." Ein Wagen halt am Thor also doch! Er streckt den Kopf zum Fenster hinaus. Ja, sie ist's! Diese Anhänglichkeit!" Er eilt ihr entgegen, damit nicht am Ende sein dummer Diener die Störung" hat ihn ganz elektrisirt. Ein kleines Souo:r.w!rd improvistrt weshalb auch nicht? Es ist ja so das letzte. Sie ist mur.ter, geistreich, weint und lacht. Alles in einem Athem, ihre Augen blitzen, ihre Wangen leuchten Geist hat das Mädel, und dabei ist sie so herzmsgut! Er nimmt gerührt Abschied von ihr, sehr gerührt fürwahr. Doch nein, nicht addio!" trinkt er ihr. mit vollem Glase zu. Auf Wiedersehen!" Q ja. sie werden einander wiedersehen das Lcben ist lang! Noch ein Glas ein Abschiedsgruß und morgen morgen vogue la gal?re. i Wcin und Roscn.

Rosen müssen bei dem Wein sein, Soll er baß behagen; Doch wo süße Rosen finden ' In den Wintertagen? . Da sind holde Mägdlein dienlich. Blühend schmucke, feine! ' Blicken d i e in's Glas, so spiegeln Rosen sich im Weine. Dev tlt gi sche B auer. Fremder (dem Tanzen zuschauend, zu einem alten Bauer) ..Sie haben, gewiß früher auch gern getanzt? Bauer : Dös. .wollt' ' i' moana! : Dos is mei' Leb'n gwen, d' Deandln und der Tanzbod'n! Q mei', aba jetzt! Jetzt is scho' lang nix mehr! Der Mensch is halt koa Sauerkraut! Fremder:. Was wollen Sie damit sagen? Bauer: Ja wissen S', dös werd, halt allweil schärfer, je älter daß's werd. ' v Gut gesagt. Junger Ehemann: Also die Schwiegermutter wollte mich wieder mit einem längeren Besuche beehren? Onkel: Es ist mir aber schließlich gelungen, sie für dies Mal noch zu besänftigen. Ein Philosoph. Du, Sumper, trinkst so heidenmäßig,denkst Du denn nicht, auf schlechtere Zeiten?" Aber natürlich, weil die eben kommen können, trinke-ich Vorrath!" Darum. Erster Bummler: Sagen Sie mal, sind Sie denn eigentlich derheirathet?" Zweiter Bummler: Natürlich, von was sollt' ich denn sonst leben?"

Eine Schreckensnacht. Cu den Erinnerungen eines Artisten er zählt von Karl Pauli. Endlich war er da, der hein herbeigewünschte Tag. An allen Straßenecken der Stadt klebten die großen farbigen Plakate, die aller Welt mein Glück verkündeten. Heiter und rosigster Laune, mein Bräutchen am Arme, durch wanderte ich die fchlechtgepflasterten Straßen von Jassy, immer von Neuem vor dem schon hundertmal gelesenen Plakat stehen bleibend, . immer von Neuem lesend, daß heute Abend im Eircus Zapetti das Hochzeitsbenefiz des Löwenbändigers Held und der Flaschenkönigin Miß Aenny Demby" stattfinde, zu welcher feierlichen Gelegenheit das Publicum gebeten werde, recht zahlreich zu erscheinen. Ach, wenn ich an jene Zeit zurückdenke, wie rosig verklärt doch die Liebe das Leben! Und ich. war kein junger Kerl mehr schon hoch in den Dreißigern , hatte schon manchen Herzensroman hinter mir, manche Schöne geliebt aus der Äelt der Kunst und auch manche, die wohl sonst verächtlich herabsah auf das fahrende Volk. Ja, an Abenteuern hatte es. mir nicht gefehlt. Den Frauen imponirt roheKraft, dielen wenigstens; ihnen gefällt der Muth, mit dem Unsereins den wilden Bestien gegenübertritt; sie fühlen wohl etwas von jener Katzennatur in sich und sind lüstern, den. Kampf aufzunehmen. Was weiß ich. was ste denken und fühlen! Das ber weiß ich, daß solche Frauen einen Mann nicht glücklich machen können, im Gegentheil, und da ich fast nur solche kennen lernte, was kein Wunder ist, denn die soliden und tugendhaften suchten meine Gesellschaft nicht, so hielt ich die Frauen alle für schlecht und verdorben, bis ich sie kennen lernte, bis ste zu uns kam, meine Aenny. der Sonnenschein mei,' nes Lebens, Gott segne sie, mein Weib, und erhalie mir ihre Liebe! Zwar, erst wollte sie gar nichts von mir wissen, und was mich am meisten ärgerte, ste sah nie zu. wenn ich mich producirte. Sie machte ihre Nummer und ging dann mit ihrer Mutter, die ihre stete Begleiterin war, sofort nach Hause. Ich hatte mich gleich am ersten Tage in sie verliebt, sie gefiel mir ausnehmend, das kleine zierliche Figürchen.. das stille bescheidene Wesen, ihr sanftes Auge, das schlichte und doch durch seinen Goldglanz blendende Haar. Uno ihre Sprache! Niemals ist mir eine Menschenstimme so melodisch vorgekommen wie die meiner Aenny, leider verstand ich sie nicht, da sie nur englisch und ich nur deutsch sprach. Ich war schon ein Jahr beim Eircus Zapetti engagirt, als sie hinkam. Das Unternehmen war ein sehr großes, wir hatten ein starkes Pferdematerial, eine große Menagerie, Specialitäten jeden Genres, lauter KllnstKr ersten Ranges, und bereisten das südliche Rußland, die Türkei und Rumänien. Ich war Löwenbändiger, und Miß Demby war als Flaschenkonigin engagirt. Sie leistete sehr Gutes, und besonders eine Nummer rief stets großeSensation hervor. Aus einen Tisch werden fünf Flaschen gestellt und ein Brett darauf gelegt, auf dieses werden wieder fünf Flaschen, diesmal etwas dichter zusam men, gestellt, auf welche wieder ein Brett und wieder fünf Flaschen kommen. So wird die Pyramide bks ' zur beliebigen Höhe gebaut, auf deren äußerster Spitze Miß Aenny dann ihre Kunststücke machte. Das ist ja alt; neu daran war, daß nach einer Weile alle außenstehenden Flaschen entfernt wurden, und nur die fünfte, mittelste Flasche und die Bretter blieben. Auf dieser schwanken Grundlage stand nun Miß Aenny und nahm die schwierigsten Exercitien vor, nicht anders, als ob sie sich auf dem ebenen Sand der Manege befunden hätte. Und ich. der ich in den Käfig des. wildesten Löwen so ruhig trete wie in einen Cigarrenladen, stand klopfenden Herzens seitwärts und zitterte bei jeder Erschütterung der grotesken Pyramide. Da ich zwei Nummern hinter ihr an die Reihe kam, und sie stets nach erfolgtem Abtreten sich in ihre Garderobe und von dort in Begleitung ihrer Mutter nach Hause begab, hatte ich keine Gelegenheit, mich ihr zu nähern. irn Circus blieb sie nie, ein Umstand,' der mich sehr traurig stimmte. Was nutzte mir aller Beifall des Publicums, wenn ich den Beifall Derjenigen nicht erringen konnte, der ich gefallen wollte! So blieb es beinahe dreiviertel Iah?e, da kam mir die Gunst des Zufalls zu Hilfe, ich hatte das Glück. Miß Aenny einen Dienst zu leisten. Bei unserer .Gesellschaft i war. , ein Serbe. Ranko Jetitsch, als.. Wärter in der Menagerie angestellt, ein widriger Kerl, von dem eö.hieß, er habe schon im Zuchthaus gesessen. Dieser stellte, der jungen Engländerin nach, ohne natürlich Glück zu haben. Miß. Aenny z sah ihn noch weniger an, glaube ich-, als mich,' wenn sie überhaupt von . seiner Existenz eine Ahnung hatte. . ; . -Eines Tages nun es war nach einer Probe, gehe ich! den ' langen Cottidor hinter dem Marstall hinunter, als ich auf einmal heftig und laut reden höre. und , gleich darauf biegen Ranko und Miß Demby um die Ecke. Mir ging ein Stich durch'sHerz als ich das sah.'Um mein Gesühl. das sicher auf- meinem Gesicht zum Ausdruck kam, nicht zu verrathen, trete ich hinter' eine .Thür und lasse Beide,. die mich nicht sehen konnten, vorbeipassiren. Da höre, ich, wie M'ck Demby sagt: Sie sind ein Unoer scyämter, wenn Sie nicht gehen, werde ich um Hilfe rufen!" " Sie sagte diese Worte in ganz leidlichem Deutsch. .Sie hatte sich ..alle Mühe gegeben, es zu lernen. . WaS Ranko antwortete, habe ich nicht verstanden, ich sah nur, wie er den Arm um ihre Hüfte legte und sie an sich zu ziehen, suchte. . . . .

Miß Demby schrie auf und wollte ihn zurückstoßen, aber da war ich schon hinzugesprungen, hatte denElenden gepackt und ihm einen solchen Stoß gegeben, daß er, sich überschlagend, wenigstens zwanzig Schritte weit flog. Er raffte sich auf. aber als er sah. mit wem er es zu thun hatte, lief er eilig davon. Miß Aenny warf mir einen dankbaren Blick zu und reichte mir die Hand. Ich danke Ihnen!" sagte sie auf Deutsch, und das Unbeholfene in der Aussprache, der Blick und Händedruck hatten -etwas so ungemein Rührendes, daß mir fast die Thränen in die Augen traten, und ich nur ein paar Worte stammeln konnte. Als ich sah, daß sie nun gehen wollte, und ich fürchten mutzte, sie so bald nicht wieder zu treffen, faßte ich mir ein Herz und sagte ihr, daß ich sie schon lange mit großem Interesse und warmer Theilnähme beobachtete, daß ich ein großer Bewunderer ihrer Kunst und ihrer Person sei und immer schmerzlich bedauert habe,-sie nie während meiner Production im Circus gesehen zu haden. Zuletzt aber, ich hatte sie begleitet, und wir waren vor dem Hause, in welchem sie wohnte, angekommen, bat ich sie, ihr meinen Besuch machen zu dürfen. Sie' mochte wohl nicht alles was ich sagte, verstanden haben, denn sie lächelte manchmal am unrechten Platz und machte ein tiefernstesGesicht, wenn ich einen Scherz anbrachte, aber die letzte Bitte hatte sie gar wohl verstanden, denn sie erröthete tief und blickte in holder Verwirrung zu Boden; dann'sah sie schüchtemzu mir auf und radebrechte halb englisch und halb deutsch, daß s erst ihre Mutter fragen müßte. Nach dieser Antwort sprang sie wie ein flüchtiges Reh davon und und verschwand im Hause?' ich aber ging davon, srohen Herzens .und voll freüdiger Hoffnung. ' Abends war sie imCircus. Ich sah. sie sofort, trotzdem ste ziemlich versteckt m einer Loge saß. Der erste Gruß, eine tiefe, Verbeugung, galt ihr; sie merkte es und erröthete tief ich konnte nicht wissen, ob aus Verlegenheit oder Freude , aber sie dankte mir doch mit einem kaum merklichen Neigen des schönen Hauptes. Nun betrat ich den eisernen Gitterkäsig. Nie in meinem Leben hat mich mein Beruf mehr mit Freude und Stolz erfüllt als an diesem Abend, nie war ich ruhiger und sorgloser zugleich; nicht, als ob ich es mit fünf Löwen, nein, mit fünf Meerschweinchen zu thun hätte, so kam ich mir vor. und die Thiere schienen zu merken, was in mir vorging, so folgsam und gehorsam b'enahmen sie sich an jenem Abend, trotzdem ich Unerhörtes von ihnen verlangte, sie reifte und mißhandelte. Dr Beifall des Publicums war ungeheuer, aber ich hörte ihn kaum, ich hatte keinenBlick für die enthusiasmirte Menge, mein Auge suchte nur den düsteren Logenwinkel, und als ich bemerkte, daß zwei kleine, weifte Hände im Applaus zusammenschlugen, war ich zufrieden, zufrieden mit mir, meinem Beruf, den Löwen und dem Pudlicum. Am anderen Morgen aber erhielt ich ein kleines, zierliches Briefchen, das mich für Nachmittag desselben Tages zu Miß Demby zum Kaffee einlud. O. wie langsam vergeht doch mitunter die Zeit! jener Tag war einer von denen, an welchen die Stunden die dreifache Länge zu haben scheinen: aber endlich kam doch die 'Zeit heran, wo ich klopfenden Herzens das Zimmer der Angebeteten betrat. Welche Einfachheit, welche Solidität! Es kam mir vor. als sei ich in eine andere Welt versetzt, nicht als ob ich bei einer Circusdame sei, sondern als ob ich bei einer Herzogin eingeladen wäre. Ich fragte Miß Aenny, ob ich ihr gefallen habe, sie sagte sehr , gut, nur solle ich die armen Löwen nicht s schlagen." O, welch weiches und zartes Gemüth hatte dieses junge, liebe Mädchen! Und als ich sie befragte, ob sie keine Angst gehabt, daß mich die Bestien verwunden oder gar tödten würden, rief sie verwundert: Nein, dieser Gedanke ist mir gar nicht gekommen, welcher Löwe. wäre wohl im Stande, Sie anzugreifen!" Da wußte ich. daß sie mich liebte, denn das Weib liebt immer den Mann, den sie bewundert. Ja. sie liebte mich, und sie liebt mich . noch heute, trotzdem lange, lange Jahre seit dieser Zeit verstrichen sind. Und ob ich rm . l

zwar noch eine, geraume ueue warien mußte, bis sie es mir oestand, so kam dock auch dieser selige Tag. wo sie in meinen Armen lag und ich den ersten Kuß auf ihre Lippen drücken durfte, wie der Morgen kam, an dem wir in Jassy herumschlenderten, um die VerKündigung unseres Hochzeitsbenefizes immer wieder von Neuem durchzustudiren.'Am Nachmittag dieses Tages fand die kirchliche Trauung statt welcher eine Spazierfahrt durch die' Stadt folgte, dann Besichtigung und 'Empfangnahme der von allen Seiten gespendeten Hochzeitsgeschenke. Darauf die an Ehrenbezeigungen. Lorbeer und Applaus und Kränzen reiche Galavorstellung. Ein kleines Mahl im Kreise der College beschloß des Tages Feier, für mich wenigstens, nicht für die Fröhlichen, die bis zum frühen Morgen zusammenblieben; ich . aber zog mich mit meiner junqen Frau heimlich aus der lauten Gesellschaft zurück. Wer tonnte es mir verdenken? .Wir wohnten in einem Hotel. Als ich nun, meine junge Frau am Arme, den langen Corridor betrat, an welchem unsere Zimmer lagen, . huschte plötzlich ganz in unserer Nähe ein Schatten vorbei. Ich achtete daraus nicht, denn ich war viel zu sehr mit anderen Gedanken beschäftigt, aber sp'äter ist es mir eingefallen, und wie ich länger nachdachte, da nahm der Schatten Gestalt und Körperformen an, es war Ranko. ' ; Ranko, der mich haßte, der mir den Tod geschworen, weil Aenny mich ihm vorgezogen, und weil ich ihn. seines schlechten Charakters weaen. mit Ber-

ächtung behandelte. O, hätte ich Ächt gegeben, wäre ich auf meiner Hut gewesen, mir wäre viel, viel erspart geblieben! Aber, wie gesagt, an jenem Abend übersah ich sorglos die Gefahr, ich hatte nur Augen für mein jungeö Weib, die mir nur zögernd folgte, glücklich in ihrem Besitz und so von Herzen froh, daß ich. wie ich glaube, selbst dem schlechten Ranko von Herzen das Beste gewünscht haben würde, wenn ich ihn gesehen hätte. Die Thür unseres Zimmers war offen, ein dreiarmiger Gaskronleuchter brannte. -Bangen und doch frohen Herzens zog ich mein zitterndes Frauchen über die Schwelle, mit einem Kuß auf die klare, weiße Stirn nahm ich ihr Schleier und Brautkranz ab, die ich eben auf den Tisch legen wollte, als ein eigenartiges Geräusch mein Blut ' erstarren machte. Dieses Geräusch giebt es nur einmal auf der Welt, und wer es nur einmal gehört, vergißt es nie wieder. Es war das Klappern einer Klapperschlange. Entsetzt blicke ich mich um. Da, dicht vor den Füßen meiner ahnungSlosen Frau liegt das scheußliche ReptU ; noch einen Schritt, und sie war verloren. Rasch reiße ich sie zurück und hebe sie empor, um sie vor dem tödtlichen Biß zu schützen, da verlöscht das Gas. zugleich wird der Schlüssel von außen, umgedreht, die Thür verschlössen, und ein satanisches Gelächter erschallt auf dem Corridor. Das war Ranko's Rächet Wie ein Blitz schoß mir die Gewißheit durch den Kops, aber ich hatte keine Zeit, dem Gedanken länger nachzuhängen, ich mußte auf Rettung denken. Unsere Situation war verzweifelt und meine Aufgabe nicht gering. Ich befand mich, meine junge Frau auf den Armen haltend, in einem sinsterenZimmer, drei Schritte von einer der gkstigsten Schlangen entfernt. Was thun? Meine Frau auf die Erde setzen konnte ich nicht, um ste den Bissen des Reptils nicht preiszugeben, ich selber wagte nicht einen Schritt zu thun, aus Furcht auf die Schlange zu treten, die, wie mir schien, sich bewegt hatte, um ihren Platz zu wechseln. Das Einzige, was mir übrig blieb, war, so regungslos wie möglich in der angenommenen Stellung zu verharren bis es hell wurde, oder uns Jemand befreite, denn ungereizt, das wußte ich. greift die Schlange Niemanden an. Schnell theilte ich meinem Weibchen das Nähere über unsere Lage mit und bat sie. recht ruhig zu bleiben, sie schlang ihre Arme um meinenHals und drückte sich ängstlich an mich, aber sie bat mich doch, sie herabzulassen; ich würde nicht aushalten, meinte sie. Aber das that ich nicht, lieber wäre ich gestorben, sie hatte sich meinem Schutze anvertraut, und ich hatte geschworen, sie zu schützen, selbst mit Gefahr meines Lebens' Nun ging sie an, die entsetzlichste Nacht meines Lebens. Ich bin ein starker Mann und meine kleine Frau war ein leichtes und zierliches Ding. Und doch bin ich unter ihrem Gewicht beinahe zusammengebrochen. Oft glaubte ich. ich könne nicht mehr, ich müsse ohnmächtig umsinken, aber die Furcht, das geliebte Wesen dem Tode zu überliefern, ließ mich Uebermenschliches leisten. Und diese Furcht war keine unbegründete; die Schlange war sehr unruhig und aufgeregt, ich konnte sie zwar nicht sehen, aber ich hörte mit nur zu entsetzlicher Sicherheit von Zeit zu Zeit ihr unheilverkündendes Klappern. O, hätte ich sie sehen können, dort drü ben auf dem Tisch stand Licht, standen Streichhölzer. Hätte ich Licht gehabt, hätte ich sehen können, mit zehn Klapperschlangen hätte ich es aufgenommen, aber im Dunkeln, blind, in der Nacht dem furchtbarsten aller Feinde gegenüber, war ich machtlos; und hätte es mein Leben allein gegolten, noch würde ich es 'gewagt haben, aber es galt das Leben meiner kleinen, füßen Aenny, meines über alles geliebten Weibes. Ich mußte aushalten, und ich habe ausgehalten, wie, weiß nur der Himmel. Länger als sechs Stunden habe ich regungslos auf einer Stelle gestanden, sechs Stunden mein Weib auf den Armen gehalten, sechs Stunden mit angespannten Nerven auf jedes, auch das leiseste Geräusch gehört und sechs Stunden jede' Secunde erwartet, den tödtlichen Biß doch zu empfangen; denn wenn dfe Schlange an meinen Fuß anstieß, biß sie doch. Was ich ausgehalten, ist nicht zu beschreiben, ich glaube, wenn mir Jemand Hunderttausende böte, ich thäte es nicht mehr, ich könnte es auch gar nicht, um Geld, nein, um Geld könnte ich's nicht. Endlich, endlich dämmerte leise der Morgen. Die Verdammtem der Hö?e können das Wort. der .Gnad? nicht: jubeln'oer begrüßen als iclv daZ graue Morgenlicht. Aber so schnell war ich noch nicht erlöst, noch über eine halbe Stunde dauerte eö, ehe es so weit hell wurde, um die Gegenstände des Zimmers unterscheiden zu können, und gerade diese halbe Stunde ist mir die schwerste der ganzen Nacht geworden. Aber sie ging doch vorbei, heller und heller wurde es, schon konnte ich die Figuren auf den an der Wand hängenden Bildern erkennen, schon die Zeiger der Stutzuhr unterscheiden. Jetzt glaubt ich auch die Schlange zu sehen dort auf dem Teppich, ja. sie war es. Ohne sich zu rühren, lag sie zusammengeringelt auf derselben Stelle, wo ich sie gestern Abend gesehen. Jetzt waren wir gerettet! Vorsichtig und leise schritt ich rückwärts bis zu jener Ecke am Ofen, wo unter Stöcken und Waffen ein haarscharfer chinesischer Säbel stand. Langsam ließ ich meine junge Frau auf einen Stuhl gleiten, ste war zum Tode matt und bleich vor Aufregung und Sorge um mich, aber sie lächelte mir doch zu mit einem Lächeln so voll Dankbarkeit und Ergebung, daß mir ganz warm ums Herz wurde. Sie hatte nicht weniaer

als ich gelitten in der langen Zeit. Ich küßte sie leise auf die bleichen Lippen und zog behutsam den Säbel aus der

Scheide. Schleichend näherte lch mich meinem schlafenden Feinde. Aus Vorsicht hatte ich eine Decke in die linke Hand genommen, die ich dem Reptil entgegenhalten wollte, wenn eS erwachte. Die Schlangenbeschwörer pflegen das zu thun, sie lassen die Thiere erst einige Male in vorgehaltene Lappen beißen. Dadurch verschwenden die Schlangen den Vorrath von Gift, den die Giftdrüse enthält, und die ferneren Bisse sind ungefährlich. Aber meine Vorsicht war unnöthig, die Schlange lag regungslos. Noch einmal spannte ich alle Kräfte an und holte zu einem Schlaae aus. als gelte es, die Erde zu spalten. Zischend sauste die haarscharfe, wuchtige Klinge auf den giftigen Wurm herab, aber die Wirkung des Schlages hatte nicht das gehoffte Resultat. Ich glaubte, das . Thier mitten entzwei zu hauen, aber es bog sich nur unter dem treffenden Säbel zusammen und blieb in derselben Stellung liegen. Jetzt reiße ich das Feuerzeug vom Tische, ein Wachsstrelchlicht flammt auf. und ich erkenne auf dem Teppich liegend eine der aus Gummi angefertigten Schlangen, wie wir ste bei einer Pantomint gebraucht hatten. '. Aber nein, nicht möglich, das Thier muß sich versteckt haben, eö. muß eine Klapperschlange im Zimmer sein, ich habe das Klappern zu deutlich geHort, ich kenne den Ton zu genau, ich kann mich nicht täuschen? Da, als ich noch darüber nachdenke, ruft merne zunge Frau ängstlich: Da. da, was ist das?" und zeigt nach dem Fußende des Kleiderschrankes. Erschreckt fahre ich herum. Bei Gott, das ist die Klapper einer Klapperschlange, aber es ist keine Schlange daran, sondern nur ein Bindfaden, der durch ein Loch der Thür nach außen führt. O, dieser, Ranko, dieser Schurke! Na, wenn ich den kriege! Aber ich habe ihn nicht gekriegt, habe ihn bis jetzt nicht wiedergefunden, will den Kerl auch gar nicht vor Augen sehen, denn eigentlich hat er mir nur genützt. Den Anfang meiner Ehe hat er mir zwar verdorben und mir eine Nacht bereitet, wie ste schrecklicher nicht viele Menschen erleben, aber für die spätere Zeit hat sein böser Wille nichts ausrichten können, im Gegentheil, seit der Stunde hat mich meine kleine Aenny noch einmal so lieb. Eine gransame Strafe. Vielleicht die härteste 'Strafe ist die bei den Chinesen vorkommende Schlafentziehung. Zum Tode durch Schlafentziehung werden nur Gattenmörder rerurtheilt. Der Verurtheilte wird in einen Kerker geworfen und unter Aufsicht von Polizisten gestellt, welche stch von Stunde zu Stunde ablösen und den Verbrecher bei Tag und bei Nacht verhindern, auch nur einen Augenblick die Augen zum Schlaf zu schließen. Schon nach acht Tagen , pflegen die Unglücklichen ihre Peiniger zu bitten, man möge sie erdrosseln, verbrennen, ertränken, erschießen oder sonst so grausam hinrichten, wie man wolle. Oft leben diese Unglücklichen vierzehn Tage schlaflos, dann sterben sie unter den unsäglichsten Schmerzen. Das nächste Schaltjahr. Das Jahr 1896 war ein Schaltjahr, und da stch die Schaltjahre alle vier ahre folgen, so müßte das nächste Schaltjahr das Jahr 1900 sein. Das ist aber nicht der Fall.obwohl die Zahl, der alten Schaltregel nach, sich durch 4 theilen läßt, ohne einen Aruchtheil zu lassen. Unsere Erd- und Sonnenzahre rechnen sich nach der Zeit des Umlaufs der Erde um die Sonne. Die Lange dieser Zeit wurde vor Julius Cäsar zu 365 Tagen angenommen, also um 5 Stunden. 48 Minuten und 45 Sekunden zu kurz. Da dies beinahe 6 Stunden ausmacht, so verordnete Julius Cäsar, daß aus je drei gemeine Jahre von 365 Tagen ein Schaltjahr von 366 Tagen folgen und in einem solchen dem Monat Februar ein Tag zugelegt werden sollte, damit der bürgerlichen Ordnung wegen die Jahreszeiten stets in dieselben Monate sielen. Den darnach eingerichteten Kalender nennt man bekanntlich den Julianischen. Aber auch er stimmt nicht genau mit dem wirklichen Sonnenjahre überein. Denn da er 11 Minuten 15 Sekunden zu viel einschaltet, was in 400 Jahren etwa drei Tage ausmacht, und im Jahre 1582 nach Christi Geburt schon 10 Tage betrug,so daß der Frühlingsansang nicht auf den 21., sondern auf den 11. März fiel, so verordnete Papst Gregor XIII., daß man nach dem 4. October nicht den 5.,- sondern den 15. schreiben sollte, und daß in 400 Iahren drei Schalttage ausgelassen werden sollten. Es sollte demnach jedes vierte Iah? ein Schaltjahr sein mit Ausnahe der Säkularjahre 1700. 1800. 1900 und so fort, deren Einheiten 17, 18, 19 sich nicht durch 4 ohne Rest tbeilen lassen. Das Jahr 2000 wird dann wieder ein Schaltjahr, sein, und we!t,r 2400 und 2800. . Weiber-Bosheit. Elsa: Ich werde mich mit einem Postbeamten verloben!" Emma: Aber ich bitte Dich. Elsa, dessen Kuß schmeckt ja stets nach Jreimarken-Gummi!" Der Scylaue. zunth (der einen Kellner engagiren will): Wiediel Achtel machen Sie aus einem ganzen Gansel?" Kellner (erfahren): Zwölf Ächtel." Wirth: .Sehr gut. Sie. sind engagirt. . i . Aus dem Gerichtssaal. Richter: Was bewog sie dazu, der Frau Volte diese drei Ringe zu ent wenden? Angeklagter: Ja, glaubt denn der Herr Richter, daß man bei den schlechten Zeiten solchen Tand kaufen kann?

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