Indiana Tribüne, Volume 20, Number 100, Indianapolis, Marion County, 27 December 1896 — Page 7

Späte Reue.

Uus den Anfzeichnungen eines Gefängniß kaplans, von W. v. Cchierbrand. Seit Neujahr war ich nach Moliet deisetzt worden. In dem großen Etaatszuchthause jener Stadt im Westen fand ich ein großes Feld für meine seelsorgerische Thätigkeit. . Nahe an 2000 Verbrecher, die meisten von ihnen Ichwere und hartgesottene Sunder, waren meiner geistlichen Aufsicht unterstellt, und obwohl ich damals noch jünger und Koffnungsfreudiger war und ineine Pflicht zugleich eine großeBürde und em großer Segen für mkch schien, sodaß ich von früh bis spät mich mühte ohne Unterlaß, so war mein Amt doch zeitweise eine beinahe zu schwere Last selbst sur meine kräftigen Schultern. Aber von hohem Interesse für mich war doch dieses Amt. und nicht selten hatte ich die Empfindung, daß mein Herz und mein Eifer Gutes geschaffen hatten, daß es mir vergönnt gewesen war, eines dieser verstockten Gemüther zu rühren, einen der Verirrten wieder auf den schmalen Pfad des Rechtthuns zurückgeleitet zu haben. Lerbrecher! Ja, Verbrecher in den Augen des Gesetzes waren sie ja alle, alle meine Pflegebefohlenen. Und doch wie viele, denen ick etwas tiefer in's verdunkelte Herz schauen durfte, zeigien darinSpuren eines besseren Selbst, einer geistigen oder sittlichen Anlage. die sie unter günstigeren Bedingungen hoch im Leben erhoben hätten. Es war gerade während meiner Amtszeit als Anstaltsprediger in Moliet, daß ich lernte demüthig sein, die Menschen nicht mehr nach dem äußeren Schein, sondern mehr nach ihrem wahrem Inneren beurtheilen. Nickt w?it rinn d,? flsnftnl hrrn '7 tw v Mf WVt festungsähnliche Mauern eine ganze Stadt in sich selbst bargen, lag die Stadt Moliet, eine rührige, gewerbreiche Stadt, von den Einwohnern es viele zu Reichthum nd Ansehen gebracht hatten. Ich war ein willkommener Gast in einigen dieser Familien, und besonders gern verkehrte ich während meiner nur karg zugemessenen Freistunden im Hause einer älteren Witt'.-c, der Frau Brand. Von Gehutf eine Deutsche, war es mir bald klar geworden, daß Frau Brand eine Dame von feiner Bildung war und daß sie sich unglücklich fühlte. In ihrem ganzen Wesen lag eine stille Wehmuth, die ihren Schleier über Alles was sie sprach und trieb, breitete, dabei aber hing sie mit wahrhaft rührender Liebe an ihrem einzigen Kinde, einem bildhübschen Mädchen von 18 Jahren, welches ganz das Gegentheil der Mutter war so sonnig und heiter, so glückstrahlend, als ob es keine Noth und kein Elend in der ganzen Welt gebe. Ich muß gestehen, daß Gertrud, die Tochter, mich weit mehr, bei weitem mehr anzog, als die Mutter. Ueber der Vergangenheit der Frau Brand lag ein Geheimniß das hatte ich bald erkundet. Fragen nach ihrem Vorleben, nach ihrem verstorbenen Mann, und nach der Veranlassung, die sie nach Amerika gebracht, wich sie mit geflissentlichem Schweigen aus. Nur soviel konnte ich aus ihren spärlichen Worten entnehmen, daß ihre GattenPflicht es gewesen sei, die sie über's Meer getrieben, ihr den Aufenthalt in der Heimath verleidet habe. Mit begreiflicher Aurückbaltung ehrte ich indeß das Geheimniß der Dame, und nie kam mir ein Wort über die Livpen. das sie absichtlich in Verlegenheit gebracht hätte. Genug. Gertrud und ich wurden in Paar. Wie das so rasch kam, ich könnte es heut selbst kaum noch sagen. Eines Tages überraschte ich das süße Kind im Parlor. Sie war in Thränen. Ueber die Ursache derselben wollte sie sich nicht 'aussprechen, aber als ich, von Mitleid und Liebe getrieden, sie in meine Arme zog, da widerstrebte sie nur leise, und unsere Lippen hatten sich im ersten Kusse gefunden, als Frau Brand plötzlich leichenblaß vor uns stand. Um Gotteswillen. Sie Sie wollen mein Kind heirathen?" rief sie mit allen Anzeichen des Schreckens. Das ist unmöglich das darf ich nicht zu-geben-Nur mit Mühe gelang es mir, die tiefe, schmerzliche Erregung der Dame zu beschwichtigen, während Gertrud, meine Gertrud, sprachlos und ohne Verständniß neben mir stand. Frau Brand zog mich dann auf die Seite und eröffnete mir unter vier Augen.' daß Gründe, triftige Gründe, sie veranlaßten, gegen die geplante Verbindung - ihrer Tochter mit mir zu Protestiren. Welche Gründe das seien, das könne sie mir nicht in diesem Augenblick mittheilen. Sie müsse sich erst von ihrer Ueberraschung erholen und mit sich während der Nacht zu Rathe gehen. Ich kam mit ihr überein. daß ich am nächsten Morgen meinen Besuch wiederholen und dann eine Aufklärung über ihr mir räthselhaft erscheinendes Benebmen erhalten solle. Daß es mit der Vergangenbeit. jener Vergangenheit, über die noch Dunkel herrschte, zusammenhing, das wollte sie nicht leugnen. Traurig und voll düsterer Abnungen trennten wir uns an jenem Abend, und der Schlaf floh jene Nackt nein Laaer. Aber wenn ich mir im Geiste das liebe. fro Antlitz meiner fBraut vergegenwärtigte und dann an dn edle Vornehmheit des ganzen Wesens ihrer Mutter dackte. da sagte ich mir mit jener Zuversicht, die nie trügt, daß nochAlles gut werden, müsse, daß das Geciniß. um welches es sich handle, nichts Schimpfliches haben könne. I Und so fand ich mick) denn ein am nächstem Morgen n der ersehnten und dock gefürckteten Unterredung mit der Mutter meiner Gertrud. war nur zu Wichtig die Ents"''lliinen. die die tmtt irnutmY.p Frau an jen-m Morgen machte, waren

in der That von großer Wichtigkeit und Tragwkite. Die Mutter Gertruds stammte auS einem alten edlen Geschlecht am Rhein, und die ausgedehnten Ländereien. deren Erbin sie einst berufen war zu sein, machten das junge Weib zu einer vielbegehrten Parthie. Mit der gcmze Leidenschaftlichkeit und Verblendung der Jugend mißachtete sie indeß den Rath und die Befehle ihres alten Vaters, eines hohen Staatsbeamten, und leistete Niemand sonst Gehör als ihrem Vetter und Jugendfreund, dem bildschönen Jngomar von Brand, der damals noch in einem der exclusivsten Husarcnregimente als Officier diente. Der Vater tobte und erließ den gemessenen Befehl, daß seine Tochter ihren glänzenden Freier nicht mehr sehen solle. Die Tochter aber, blind in ihrer Liebe, entfloh bei Nacht und Nebel mit dem Manne ihrer Wahl über's Meer. Hier in Amerika war es dem Pärchen zu Anfang sehr schlimm ergangen. Jngomar hstte nichts als riesige Schulden in Deutschland hinterlassen. Sein junges Weib war von dem zürnenden Vater die Mutter war todt

verstoßen worden, und so blieb jegliege Unterstützung von ihm aus. Und was konnte . der glänzende Cavalier, dem in der Garnison am Rhein kein Hinderniß auf der Rennbahn zu hoch gewesen, wenn er als GentlemanReiter" sich an den Rennen bethciligt hatte, was konnte er hier anfangen? Ein Jahr lang fristete das Paar auf die kärglichste Weise das Leben. Dann, kurz nach d Geburt ihres Kindes, der lieblichen Gertrud, kam Jngomar von Brand eines Abends sehr lustig und halb berauscht nach Hause und theilte der noch leidenden Gattin mit, daß er ine bessere Anstellung erhalten, die ihm reichliche Mittel gewähre. Er erzählte eine ganz plausible Geschichte darüber, und sein Weib glaubte ihm nur allzugern. Bald darauf zogen sie auch um nach einer eleganten, größeren Wohnung im fashionablen Viertel von New Jork. und Wohlstand, selbst Luxus kehrten wieder ein. Wohl fiel es dem zunaen Weibe, das ganz von seinen MutterPflichten und -Freuden in Anspruch genommen wurde, auf, daß ihr Mann die Nächte häufiger und immer häufiger außer dem Hause zubrachte, daß sein Wesen etwas Verstörtes. Wildes annahm, daß er über seine Thätiakeit. die ihm doch soviel einzubringen schien niemals Genaueres mittheilen wollte, ja daß verschiedene Male unheimliche Gesellen, die sich für seine Freunde ausgaben, spät Nachts nach ihm gefragt oder ihn nach Hause begleitet hatten. Aber alle diese verdächtigen Umstände wurden dem armen Weibe auf ganz natürlicherWeise erklärt, und sie liebte ihren schonen, stattlichen Ingomar immer noch mit ganzer Seele, sodaß sie nur zu bereit war. ihm zu glauben. Da war jene schreckliche Nacht ge kommen, die das junge, blühende Weib zur alten, müden Frau gemacht hatte. Ihr Mann wurde verhaftet. Als eines der Mitglieder einer berüchtigten und äußerst erfolgreichen Falschmünzerund Wechselfälscher - Bande stand er einige Monate später vor Gericht. Das bleiche Weib mit der kleinen Gertrud im Arm saß wie eine geknickte Lilie auf der Zeugenbank. Der glänzende Officier und Edelmann, mit dem sie einst dem schützenden Dache des väterlichen Hauses entflohen war, wurde, zum Theil auf das Zeugniß feiner Spießgesellen hin, als ein abgefeimter Verbrecher entlarvt. Seine geselligen Talente, sein sicheres, gewandtes Auftreten hatte er in den Dienst seiner gemeinten Cumpane gestellt, um sich das Wohlleben, das er sein ganzes Leben genossen und das er nicht länger entbehren wollte, wieder zu verschaffen. Gebrandmarkt als Fälscher und Gauner wurde er von der Jury zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurtheilt und nach Auburn abgeschickt, seine Frau und sein Kind in tiefstem Elend zurücklassend. Drei Monate später starb der greise Vater der Aermsten in Deutschland. Er war unversöhnt gestorben, und noch auf dem Todtenbette hatte er ihr und ihrem Verführer geflucht. Seine Tochter, die hinfort nur noch den bürgerlichen Namen Brand führte, war seine einzige Erbin, und die bittere Noth, die materiellen Sorgen und Entbehrungen des Lebens hatten nun ein Ende. Sie hätte nach Deutschland zurückkehren und dort ihr Kind erziehen lassen können. Aber wozu? sagte sie sich. Ihre Stellung, ihr Ruf waren unwiderbringlich dahin. So blieb sie in dem neuen Lande, das sie doch nie würde lieben lernen. Sie bemühte sich jetzt eifrigst, um die Begnadigung ihres Gatten zu erwirken und opferte dieser Aufgabe einen nicht unbedeutenden Theil ihres Vermögens. Doch bevor noch dieEntscheidung hierüber vom Gouverneur des Staates New Fork gefällt war, war Jngomar aus dem Zuchthaus entflohen, zugleich mit einem seiner mitverurthilten Spießgesellen. Kurze Zeit darauf berief er sie heimlich nach dem Westen, wohin sie ihm folgte. Doch, obwohl sie sich redlich bemühte, ihn nunmehr auf dem Pfade der Rechtsckaffenheit zu erhalten, vermochte ihr Einfluß nichts mehr auf ihn. Binnen Kurzem verließ er sie und sein Kind, und war bald an der Spitze einer verwegenen Bande von Posträubern im fernen Westen. Als solcher war er abermals verurtheilt worden, und thatsächlich war er einer meiner Pflegebefohlenen im ZuchtHause zu Moiiet während ich diese aufklärende Unterredung mit seiner gebeugten, duldenden Gattin hatte. No. 20.467 das war seine Nummer, und 'jetzt besinne ich mich auch auf ihn. Ich halte ihn manchmal bemerkt

1 und Interesse für ihn empfunden, aber meine versuchten Ännäde:::aen.waren immer von ihm schroff zuruccwi? sen worden. Ja. als die Arme jetzt ein Portrait von ihm brachte, das ihn noch in der glänzenden Uniform seines Husarenregiments zeigte. denSchnurrhart verwegen in die Höhe gewirbelt, da erkannte ich in dem stattlichen Officier von damals den Sträfling in gestreifte? Kleidung von heute. Das war also mein zukünftiger Schwiegervater! Dann natürlich war ich fest gesonnen, meine Werbung um Gertrud's Hand nicht aufzugeben. War es die Schuld des süßen, liebreizenden Kindes, daß sein Vater ein Verbrecher gewesen war? Und zu meiner Freude fügte sich Frau Brand, trotz anfänglichen Widerstrebens. der zwingenden Logik meiner Gründe und gab ihren Segen zu dem geplanten Bunde. Eine Woche später war Gertrud meine Frau. Die Hochzeit wurde, den Umständen gemäß, in aller Stille gefeiert. Und ick darf fagen, ich habe meine Wahl nie bereut. Doch ihr Vater? Ja, es nahm kein gutes Ende mit ihm. Eine stolze, freiheitsdürstendc Seele wie er war, bereiteten ihm auch die hohen Mauern

und die mit stets geladenen Winchesterbuchsen dieselben bewachenden Guajds" keine unüberwindlichenHindernisse. Wenigstens glaubte er das, und sein Eumpan, der berüchtigte Einbrecher Mike Farrell mit ihm. Ich hatte wiederholt versucht, mich ihm zu nahern und Einfluß auf sein Gemutn zu gewinnen. Vergebens. Allen meinen wohlgemeinten Versuchen der Annäherung setzte er einen unbesiegbaren Trotz, eine Verschlossenheit und einen Hohn entgegen, die es mir Nicht zu überwinden gelang. Eines Morgens ganz früh, mitten im Winter, das Signal zum Aufstehen war eben erst gegeben worden, fielen Schüsse von der Mauer des Zuchthauses. Erst zwei dann noch mehrere. Schnell warf ich einige meiner Kleider um und eilte in's Freie. Da brachten sie ihn auch fchon in den Hof das Gesicht trug schon die Blässe des Todes. Diesmal war er. der kühne Ausbrecher, von seinem Schicksal ereilt worden. Die Kugel war ihm mitten durch die Brust gegangen. Man trug ihn in's Spital. Neben dem Lager, das sich schnell mit seinem Lebensblut röthete. warf ich mich auf die Knie. Das brechende Auge des stolzen, kühnen Verbrechers schaute mich an, als ob es sagen wollte: Alles umsonst ich hab' mein Theil. Aber ich ließ mich nicht abschrecken. Mit einer Inbrunst, die mir Gott in jenem Moment schenkte, betete ich für diese entfliehende menschliche Seele, als ob mein eigenes Seelenheil daran hinne. Aber die Augen des Sterbenden, über die sich schon ein Schleier legte, blickten mich ohne Verständniß noch Rührung an. Da gab ich dem Krankenwärter leise einen Auftrag. Und wenige Minuten später stand mein treues Weib, die Tochter des Sterbenden, an dessen Schmerzenslager. Und nun beugte ich mich an sein Ohr und flüsterte ihm die Geschichte unserer Liebe und Ehe zu. Da glitt ein Lächeln, ein Leuchten durch seine Züge. Er wandte sein Auge der Tochter zu. Sie beugte sich über ihn und netzte mit ihren Thränen seine erkaltende Stirn. Da drückte er mir die Hand und hauchte: Es thut mir leid vielleicht kann ich's im nächsten Leben wieder gutmachen. Seid glücklich Ihr Zwei. Und grüßt meine Vtrau die Aermsi: sie hat viel Leid um mich getragen. Ich wünschte, ich könnte wieder von Vorn anfangen. Zu spät zu spät." So starb er. Mein Weib drückte ihm die Augen Nobel. ....Um standesgemäß auftreten zu können. Herr Commevcienrath. muß ich allerdings auf eine möglichst große Mitgift sehen. Bedenken Sie nur. ich habe 24 Ahnen!" Nun gut. Herr Graf, ich gebe meiner Tochter 500.000 Mark mit. und außerdem sollen Sie noch für jedes Ahnerl 1000 Mark bekomnun!" Galgenhumor. Richter: ...Nun dürfen Sie noch eine Bitte aussprechen!" Delinquent (vielfa cher Raubmörder): Dann möcht' ich halt bitten, daß derGendarm. der mich erwischt hat. zum Wachtmeister befördert wird!Mißglückte? Verweis. Nun. mir scheint, das Geschäft intessirt Sie nicht besonders?" Entschuldigen, Herr Vorstand, gegen 4 Uhr bin ich halt immer schon vom Arbeiten ein bischen müde!" Ach. warum nicht gar! Da fang' ich erst an!" Die poetische Köchin. Hausfrau: Johanna, Sie haben heute noch gar nicht' gekocht und dazu an meinem Geburtstag!" Köchin: Entschuldigen Sie. ich bin mit dem Gedicht auf die gnädige Frau noch nicht ga.rz fertig!" Auch ein Standpunkt. Patient: Herr Doctor. ich finde Ihre Rechnung höchst anspruchsvoll, namentlich da Ihre Operation ja völlig mißglückt ist." Chirurg: Glauben Sie. daß die mißglückte Operation meinen Ruf nicht dauernd gefährdet?! Ich muß dafür eine gewisse Entschädigung in Rechnung bringen." Ein neues Thermometer. Studiosus: Der Professor Wirrkopf schwatzt wieder 'mal das krasseste Zeug zusammen. Der hat heute sicher 200 Grad Zerfahrenheit." Nur nobel. Er: 's Stück wird gegeben zum 113. Male." Sie: Lassen wer's heut! gehn wer in'S Theater, wenn wird gegeben 'n weniger gebrauchtes!"

Änr kein Lieittcnant! HmoreZ?c von H. Lng. EommercienrathMeyer war ein reicher und dabei gutmüthiger Mann mit einem runden, stark gerötheten Gesicht, für welches das Lachen geschaffen schie.?. und das. wenn er es in ernste galten zwang.unglaublich komisch aus sah. Er liebte fröhliche Gesellschaft und einen guten Tisch und war stolz auf seine drei hübschen Töchter. Wcniger liebte er seinen Sohn, der nicht Rechtswissenschaft studiren, sondern Maler werden wollte. Klekser," sagte verächtlich Herr Meyer. Alle Mittwoch war jour fixe bei Meyers, welcher gewöhnlich für die junge Welt mit einem Tänzchen schloß. Es kamen sehr viele Leute zu diesen Empfangs-Abenden, geleitet von den verschiedensten Interessen. Auch die Langeweile erschien oft zu Gaste, wie das bei solchen bunt zusammcngewürfelten Gesellschaften, wo die Menschen sich kaum kennen, auch nicht daeVedllrfniß fühlen sich näher zu treien, nicht anders sein kann. Aber die Menschen waren gut erzogen, dasGähnen wurde unter krampfhaftemLächeln erstickt. Mit Resignation ließ man Schiller'sGlocke und den Carneval von Venedig mit allen Variationen über sich ergehen. Auch an Schubert's Ungeduld" hatte man Gelegenheit die eigene zu messen, bis endlich der Ruf zu Tische" die ermatteten Nerven zu neuem Leben rief. Zu Tische!" Diese Worte wirkten magnetisch. - Es gab gewöhnlich etwa gutes zu essen, und das war vielleicht der Grund, weshalb die meisten Leute kamen, ohne es natürlich einzugestehen. . . .

Ein eifriger Besucher desEmpfangs abends war Herr von Merten, Lieutenant bei der Garde, ein großer, schlanker junger Mann mit auffallend schonen, blauen Augen. Die remen Türkise", behauptete Herr Meyer Sonst verkehrten wenig Officiere im Hause, da der. Hausherr eine Abneigung gegen das Militär hatte. Man wollte als Grund dafür eine kleine Geschichte wissen, die ihm passirte, als er Einjährig-Frelwilllger war. Heute war Empfangs - Abend bei Mcyer. das Concert, die Tafel war glücklich ohne Unfall überstanden, und der Tanz begann. Ein Strauß'scher Walzev ertönte. Lieutenant von Merten trat mit der jüngsten Tochter des Hauses, ffraulemElsriede, einem aller liebsten Backfische, in die Reihe. Das kleine Fraulein ließ sich die Huldigungen des schmucken Officiers gerne gefallen. Sie sah sich schon als künftige Frau Commandeuse das Scepter schwingen. Herr und Frau Meyer hatten auch bemerkt, warum Herr von Merten so regelmäßig erschien, aber während letztere dazu lächelte, bildete sich auf der etwas ausgiebigen Nase des alten Herrn cittt tiefe Falte, die den Plänen des Herrn Lieutenant nicht sehr gluckverheißend war. Doch davon ahnte der junge Mann nichts. Elfriedchen im Arm flog er seelenvergnügt über den spiegelblanken Boden des großen Saales hin, verfolgt von den Augen des ärgerlichen Vaters. Der Sache mußte ein Ende gemacht werden, und zwar schleunigst. Herr Meyer nahm es sich fest vor. Die Gesellschaft war zu Ende, alles drängte hinaus, nachdem den Gastgebern für den vergnügten Abend gedankt war. Auch Lieutenant von Merten klappte die Hacken zusammen und machte seine schönste Verbeugung, als er der Hausfrau die Hand küßte. Herr Meyer reichte ihm kühl die Hand, die Aufforderung zum Wiederkommen unterblieb. Die Familie hatte sich in das Boudoir der Hausfrau zurückgezogen, wie sie es nach jeder Gesellschaft that. Die Eltern übten eine gewisse Kritik. Es wurde getadelt und gelobt, je nachdem die Stimmung war. Heute war Herr Meyer sehr ungnädig, und die Töchter hatten sich ängstlich in die Nähe der Mutter geflüchtet. Erna und Rosa, geht zu Bette. Du, Elfriede, bleibst." Schnell verschwanden die beiden Mädchen, froh, daß nicht ihnen die schlechte Laune Papas galt. Elfriede stellte sich entschlossen und kampfbereit, wie es für eine künftige Commandeuse sich schickte, neben ihre Mutter. Kaum merklich nickte ihr diese zu. Beide mußten. was kommen würde, und daß ein harter Kampf in Aussicht stände; denn so gütig Papa Meyer auch war, ebenso halsstarrig konnte er sein. Er lief im Zimmer auf und ab. Endlich blieb er vov Elfriede stehen, legte feine beiden Hände schwer auf ihre zarten Schultern und sagte: Schlage Dir die Geschichte mit dem Lieutenant aus dem Kopfe, aus ' der Sache kann nie etwas werden, nie Nie!" Elfriede wollte erst die Ueberraschte, dann die Gekränkte spielen, als sie aber den Ernst des Vaters sah, vermochte sie nichts, als zu weinen. Thränen konnte der alte Herr für sein Leben nicht sehen und nun gar die seinesNestHäkchens. . Frau Meyer sah, daß ihn diese beunruhigten und wollte seine Weichheit benutzen. Warum soll denn aus der Sache nichts werden? Herr von Merten genießt doch des besten- Rufes. Er.ist " Laß mich zufrieden, Frau!" ' polterte der Alte. Ein für allemal, aus dieser Heirath wird nichts. Ein Lieu tenant mein Schwiegersohn, na, das fehlte mir gerade noch. Jeden Anderen, selbst dem unausstehlichen, ausgehungerten Klavierpauker würde ich meine Tochter lieber geben, als diesem eingebildeten Lieutenant." Er ist gar nicht eingebildet," wagte Elfriede schüchtern einzuwenden '' . So, wofür wäre er denn ' Lieute-nant?"-

. schuldigen?" schrie er erregt, dieseTyrannen, die mich der Sonne und der Luft beraubten!" Zwei Tage!Zwei Stunden sind zu viel." ' Elfriede war ganz fassungslos, ihr gütiger Vater, war eingesperrt gewesen! Eingesperrt! Entsetzlich! Was hattest Du denn verbrochen, Papa?" stammelte sie. Verbrochen? Nun höre einer das Kind an, Du glaubst wohl, ich habe einem Andern sein Portemonnaie gestöhlen? Nichts, garnichts habe ich gethan; das ist's ja eben, umsonst gesessen!" Eine kleine Pause entstand. Schlage Dir den Lieutenant aus dem Kopfe, es gibt noch andere hübsche Männer, z. B. des alten Märker's Sohn." Der- hat einen kurzen Fuß, und kann nicht tanzen." Um so besser, da wird er in der Ehe keine Sprünge machen; oder Assessor von Helmstedr, wenn es ein von" sein muß." tz Der hat keine Haare." Was schadet das, so ein paar wegamüsirte Haare sind doch kein Ehehinderniß." Ich finde Beide abscheulich." Gut, suche Dir einen Andern, nur keinen Lieutenant!" Ich nehme nur einen Lieutenant," antwortete Elfriede trotzig. Dann stirbst Du als alte Jungfer. Gute Nacht!" Vautz. flog die Thüre zu. Herr Meyer entfernte sich im hochstcn Zorn. Kaum hatte sich die Thüre hinter dem Hausherrn geschlossen, als Elfriede der Mutter um den Hals fiel und ausrief: Ach. ich bin sehr unglücklich, Mama." Die Mutter küßte sie zärtlich, streichelte ihr das reiche Blondhaar und sagte: Nur nicht verzagen. Kind." Wann hat denn Papa gesessen?" Frau Meyer lächelte. Als er als Einjährig - Freiwilliger diente." Ach Gott, das ist so lange her, hat der Papa ein gutes Gedächtniß! Und warum?" Er hatte einmal ungeputzte Knöpfe, und sein Rock zeigte Flecke." Wie konnte aber auch Papa so unordentlich sein." schmollte Elsviede. . Das ist es ja eben, ein Bekannter, der zugleich mit ihm diente, hatte sich den schlechten Witz gemacht, seinenRock unterzuschieben, so daß Papa diesen putzte. Als er nun Morgens schnell zum Dienst mußte, erschien er in fragwürdiger Gestalt. Sein Lieutenant, ein gestrenger Herr, fackelte nicht lange, fondern schickte ihn deshalb zwei Tage in Arrtst." Mein Gott, jener. Lieutenant ist gewiß schon Oberst, da müßte Papa die Obersten hassen." Die Mutter beruhigte nach Möglichkeit das weinende Mädchen. Am nächsten Tage, zur VisitenStunde.ließ sich Lieutenant von Merten beim Herrn Commerzienrath melden. In voller Uniform, wie zur Parade, saß er vor dem alten Herrn, dev ängstlich auf den Helm fah, den der junge Mann in feiner Berlegenheit unglaublich mißhandelte. Womit kann ich dienen, Herr Lieutenant?" Die Frage kam kühl und gemessen heraus, man hörte schon dieÄbWeisung heraus. Herr Commerzienrath ich-bin " von Merten gab sich einen Ruck, ich bin gekommen, Sie um die Hand Ihrer Tochter, Fräulein Elfriede, zu bitten." Eine unerquickliche Pause folgte. Der alte Herr knöpfte sich m nervsser Hast den Rock auf und zu. strich sich mit der Hand über die Stirn und räusperte sich. Hm! hm! Die AbWeisung wurde ihm doch nicht so leicht diesem hübschen, eleganten Manne gegenüber, der ihn mit seinen Türkisen so treuherzig ansah. Die Pause wurde immer unerträglicher. Endlich begann Herr Meyer: ..Bedaure sehr. Herr von Merten, ich kann Ihnen meine Tochter nicht geben." Warum nicht, ich lebe in rangirten Verhältnissen. Oder zweifeln Sie an der Lauterkeit meiner Gefühle. Ich liebe Fräulein Elfriede und glaube ihr nicht gleichgültig zu sein." Merten hatte mit warmem Tone gesprachen, der dem alten Herrn zu Herzen ging. Aber immer consequent! Er hatte es sich zugeschworen, und dabei blieb 3. Er stellte sich härter als er war. Er spielte sogar den Mißtrau!schen. Würden Sie meine Tochter auch lieben, wenn sie arm wäre?" Gewiß, meine Liebez wäre die gleiche." Aber Sie würden sie nicht heirathen?" .

Fritz ist doch " sie schnneg erschrocken. Fritz?!" Der alte Herr wurde krebsroth. Was muß ich hören. Mädel. was fällt Dir. ein? Herr v. Merten ist Herr von Merten für mich, für Dich, für unser ganzes Haus, verstanden! Flenne nicht, mache miv keim Scene, das regt mich auf. Suche Dir einen Änderen, ich habe nichts dagegen, nur keinen Lieutenant." Elfriede schluchzte. Aber Papa, was haben Dir denn die armen Lieutenants gethan?" Was sie mir gethan haben? Eingesperrt haben sie mich, mich, einen vollständig unbescholtenen Menschen, haben sie wie einen Verbrecher eingesperrt bei Wasser und Brot." Elfriede starrte den Vater entsetzt an. Frau Meyer warf ein begütigendes na, na" dazwischen, was bei dem alten Herrn die entgegengesetzte Wirkung hatte. Willst Du sie vielleicht noch ent-

Er sagte es ehrlich, und die Türkise strahlten den alten Herrn an.

Nein, weil ich e. nicht könnte, ich tm em armer Oslicier. ' Diese Offenheit gefiel ihm mehr, als er zugestehen wollte. Der junge Officier fügte noch hinzu: Sie würden es nie bereuen, mir Ihre Tochter anvertraut zu haben." Meyer nickte, er wav davon überzeugt, aber es ging nicht. Er wiederholte: Bedaure, es ist mir unmöglich." Verletzt erhob sich von Merten und wollte eben mit stummem Gruße das Zimmer verlassen, als die Frau des Hauses berein trat. Sie hatte gelauscht und leugnete es nicht. Noch einen Augenblick, Herr Lieutenant. Ich hörte alles, Sie dürfen dieses Haus nicht verlassen, ohne den Grund Ihrer Abweisung zu erfahren. Du vergaßest, lieber Mann." Sie lächelte fein. Herr 'Meyer fühlte sich unbehaglich. Der Grund erschien ihm plötzlich kleinlich, und er hätte ihn gerne verschwiegen; aber es ging nicht, ohne unhöflich zu sein. Lieutenant von Merten horchte gespannt. Bei aller Betrübniß interessirte ihn der Grund doch, zumal er sich nichts vorzuwerfen hatte. Herr Meyer begann: Ich habe mir zugeschworen, daß nie ein Officier meiner Familie näher treten sollte, weil ich einmal von einem Officier schwer beleidigt wurde." Der junge Mann fah ihn erstaunt an deshalb, weil einer ihn beleidigt hatte, haßte er den ganzen Stand. Meyer bemerkte diesen Blick, und er machte ihn unruhig. Hilflos sah er seine Frau an. Diese ergriff das Wort. Mein Mann bekam einmal als Einjährig-Freiwilliger zwei Tage Arrest." Um die Mundwinkel von Merten's zuckte es verrätherisch, und nur ein warnender Blick der Hausfrau hielt sein Lachen zurück. Frau Meyer ging wie zufällig nach der anderen Seite dicht an ihm vorbei und flüsterte ihm etwas zu. Der junge Mann fühlte die Verbündete in ihr und gab seine Sache nicht verloren. Noch eine Frage gestatten Sie mir, Herr Commerzienrath. bat er. Meyer nickte traurig. Diese letzte Bitte konnte er ihm noch erfüllen. Von Merten begann: Nur zwei Tage?" Meyev nickte abermals. Ach. wer das doch auch von sich sagen könnte!" seufzte der Officier. Angenehm überrascht sah ihn Meyer on. Haben Sie auch?" fragte er leise. Verständnißinnnig nickte der Gefragte. Ach wie oft." kam es wehklggend über feine Lippen. Das Jnteresse des alten Herrn wuchs. Er fühlte sich, daß es bei ihm nur zwei Tage gem cm : . KX .. wejen. ner zunge 2icann neigie uaj zu ihm und flüsterte: Wissen Sie. warum ich ' vorigen Mittwoch nicht bei Ihnen erschien?" Nun?" Erwartungsvoll schaute ihn Meyer an. Ich hatteStubenarrest, acht Tage!" Es kam ja auf ein paar Tage mehr nicht an, wenn es nur dem alten Herrn imponirte, und das that, es gewaltig. Er strahlte förmlich. Und es machte Sie nicht unglücklich?" fragte er. . Nein,"kam es lachend zurück, dann müßte es viele Unglückliche geben." Der Herr Commerzienrath fühlte sich immer freier, er stimmte in das Lachen ein. Der junge Mann gefiel ihm wirklich, und als er nochmals vat: Geben Sie mir Ihre Tochter!" fühlte er seinen Widerstand schmelzen. Er ging nach der Thüre und rief: ßlfriede!" Er wußte, daß sie hochklop. senden Herzens in der Nähe war und bange auf das Resultat wartete. Sie erschien auch sofort und blieb erröthend auf der Schwelle stehen. Der Vater nahm sie an der. Hand, führte sie dem jungen Officier zu und sagte weich: Machen Sie sie glücklich." Von Merten wollte Elfriede in die Arme fchließen. Sie zögerte. Darf ich wirklich?" fragte sie schelmisch.' Er ist ein Lieutenant. ' Ein Leidensgefährte!" lautete die lachende Antwort des Vaters, und weiter fügte er hinzu: Gebt Euch den Verlobungskuß, Kinder." Die beiden Glücklichen ließen sich'3 nicht zweimal fagen. All !" Stud. Plattenbach (mit angehender Platte): Da habe ich mir nun heute eine Flasche Bay-Rum gekaust, iekt berrscbt in meinem Portemonnaie aber auch vollständige Ebbe!" Stud. Schlanmüller: Also wieder ein Beweis vom Einfluß des Mondes auf Ebbe und Fluth!" PassendeMarke. Kellner (im Restaurant zum Commercienrath, welcher eben erst geadelt wurde): Welche Sorte Wein wird gefällig sein, Herr Commercienrath?" Commercienrath (zur Gemahlin): Sarah, sag', was sollen wir trinken für einen Wein?" Commercienräthin: Wie kannste nur erst fragen, Akonleben, können wir doch jetzt nur trinken Adelsberger"." Grob. Alte Jungfer (die nach Hause kommend, einen Einbrecher in ihrem Zimmer findet): Gerechter Himmel, Sie wollen wohl stehlen?" Einbrecher: Na, denken Sie vielleicht, ick komme. Ihretwegen?!" BoshafterDoppelsinn. Zofe! Bedaure, das Fräulein ist nicht zu sprechen." Besuch: Aber warum. . . . ?" Zofe: Ich streike und da ist sie noch ganz auseinander. . ." JmmevimFach. Ich beneide Sie um Ihr Frauchen.Herr Sergeant." Sergeant (Proviantmeister): Ja, ich habe ein famoses der! gefaßt."

Zlnvcrgcsscnc FSortc. Es giebt Worte, welche in unser Herz fallen, ohne daß wir es fühlen, sie schlafen in demselbl, und wir wisen es nicht. Aber plötzlich regen sie sich w keimende Samenkörner, erstehen und sprechen zu uns, daß wir staunend dem Klänge lauschen. Dann steigt vor unserem geistigen Auge das Bild Desjenigen auf. aus dessen Mund wir einst diese Worte gehört, und verwundert fragen wir uns. wie es möglich gewesen, daß diese Worte damals eindruckslos an uns vorübergegangen, oder, daß wir dieselben so anders aufgefaßt, so falsch verstanden hatten. Bisweilen sind es Aussprüche eines Menschen, welcher uns gleichgültig war, und wir können es nicht begreifen, daß gerade seine Worte von uns aufgenommen und jahrelang unbewußt aufbewahrt wurden, bis der Tag ihres Auferstehens gekommen. Noch öfter aber sind es Worte von Personen, deren Nähe uns einst beglückt, die aber im Getriebe des geräuschvollen Lebens unserer Seele fern und ferner gerückt sind, oder welche uns durch den unerbittlichen Tod entrissen wurden. Plötzlich, wie heraufgestiegen aus dem Schattenreiche, steht ein Wort solch' eines geliebten Wesens in uns auf. zaubert mitiner Gewalt, der widerstandslos . wir uns sügen müssen, die Stimme jenes Theuren vor unser Ohr, seine Züge vor unser Auge, und wehmuthsvoll gleitet's über unsere Lippen: Ich hörte einmal Jemand sagen", oder: Meine Mutter sagte mir einst " Wohl kein anderes Wort ist dann im Stande, so in seinen Bann uns zu zwingen, alle unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wie das der Mutter. Längst ist der Mund verstummt, dem einst dieses Wort entströmt. So mancher mächtige Eindruck nachfolgender Jahre hat die Erinnerung an die höchste irdische Liebe, mit der je wir geliebt worden, vrdrängt, und nun mit einem Male w'.rd ein Wort in uns lebendig, vergessen ist, was zwischen jetzt und jener Zeit gelegen, vergessen das Hasten und Wogen, und nur jenes einst gehörte Wort steht vor uns. und mit ihm in greifbarer Klarheit die Gestalt Derjenigen, die einst es gesprochen. Das sind Feierstunden für unserGemüth. Stunden der Weihe und Heiligkeit, da unsere Seele zur Kirche wird, die ihren Sonntag hält. Die demuthsvolle Bescheidenheit des Weibes ist es. welche so manche Mutter ihre Macht über ihr Kind nicht ahnen läßt. Was wird aus Dir werden, wenn ich plötzlich sterbe", oder wer wird Dich ermähnen, wenn meine Stimme nicht mehr zu Dir sprechen kann?" hört man sie ausrufen. ' Sie denkt nicht daran und das Kind weiß es noch nicht, daß es keine Zeit giebt, da die Mutter nicht mehr ist", ja, daß die Stimme der todten Mutter eindrucksvoller, erfolgreicher mahnt, als je die Stimme der lebenden es vermocht. Der Jüngling, der in leicht verzeihlichem Knabenstolz sich Mann wähnt, und der leitenden Hand, des unterweisendenWortes nicht mehr zu bedürfen meint, wie oft scheint da der Muttermund vergebens zu sprechen. Dennoch gehen solche Worte nicht verloren, denn das Herz Deines Kindes ist ein weicher Boden, der es in sich birgt bis zum Tage seines Auferstehens. Wenn die Gefahren des Lebens ihn umlauern, Bersuchungen ihn nicht vergebens gelockt, so manche semer Hoffnungen gestorben, seine stolzen Wünsche unerfüllt geblieben sind, dann vielleicht erst steht das Wort in ihm auf. und Dein Mahnen, Deine sanften Bitten treffen fein Herz. Oder wenn Sorgen, ähnlich denen, die damals die Mutter um ihn empfunden, sein Herz erfüllen, wenn Baterfrcude und -Schmerz ihm bekannt. wird ein einst gehörtes und unbeachtetes Wort der Mutter in ihm lebendig. Traurig ist es wohl, wenn die Worte der Mutter erst auferstehen in dem Herzen des Kindes zu einer Zeit, da die Theuere längst eingebettet ist in kühle Erde. Aber dennoch, welch' ein Trost für das um ein verirrtes Kind bangende Mutterherz. zu wissen, daß die gesprochenen Worte nicht sterben können in dem Herzen ihres Kindes. Machtvoller sind oft die Worte der todten Mutter, als es je die der lebenden waren. AusdemFuchsenkränzch e n. Fuchsmajor: Der Bundesbruder soll einem noch näher stehen als der wirkliche Bruder, was soll das etwa praktisch erläutert heißen, Fuchs Bäuchlc? Bäuchle: Wenn mich mein wirklicher Bruder anpumpt, so steht es riir frei, ob ich ihm etwas geben will oder nicht; wenn mich aber ein Brudersbruder anpumpt, so muß ich ihm etwas geben! Fuchsmajor: Ganz richtig! Allesmögliche. A.: Also bei dem Hofschuhmachermeister Absatz ist Ihr Sohn in der Lehre; da lernt er wohl etwas ordentliches? B.: O ja, jetzt kriegt er sogar Gesangsstunden, damit er die kleinen Kinder besser in den Schlaf singen kann! Unübertroffen. A.: Denk' nur, jetzt hat sich meine Frau schon wieder einen neuen Hut in den Kopf gesetzt; das ist schon arg!" B.: O die meinige hat sich bereits einen neuen auf den Kopf gesetzt, das ist nock viel schlimmer!" . Macht der Gewohnheit. A. (am Arme seiner dritten tixau das Standesamt verlassend: So. das wär' 'mal wieder gescheh'v!" Erklärt. Commissar: Es ist aber doch merkwürdig, daß Sie das Feuer erst bemerkten, als es Ihnen bereits unter den Füßen brannte. Fiel Ihnen denn der penetrante brenzliche Geruch nicht auf? Herr: Das wohl, Herr Commissar; aber ich dachte meine Frau kochte selbst. .....