Indiana Tribüne, Volume 20, Number 100, Indianapolis, Marion County, 27 December 1896 — Page 3

DerAtttdesPrete

23cn ro:t Cxifio de ZTarHi. I. Kapitel. Der Seron und der Prete Baron Carlo Coriolano di Santafusca glaubt: nicht an Gott, an den Zfdil noch siel weniger; ja, ein so guitz Neapolitaner er im übrigen auch fern möcht:, nicht einmal an Hexen oder bösen Blick. Im Alter von zwanzig Jahren hatte er eine Zeitlang nicht übel Lust geihadt, Geistlicher zu werden. Aber da hatt: ihm sein Schicksal einen gewissen Doktor Panterre in den Weg geführt, einen französischen Gelehrten, der von ter N?gi:rung Napoleons III. wegen m a t e ria l i st: sch -a na rchi stischer Umtriebe verfolgt wurde. Ein seltsamer, unheimlicher Gesell mit einem Knochengesicht unto zwei 'durchdringenden Sperberaugen, Die aus alle, mit denen er zu thun hatte, einen eigenthümlichen Zauber ausübten. So auch auf Äen Baron, der sich mit einem jener Saltomortales der Phantasie, wie sie dem Südländer eienthümlich sind, in den Mann und leine Theorien über Nacht förmlich verliebte. Ein paar Jahre hindurch trieb er ernstlich Wissenschaften und las einen Wust von Büchern zusammen; aber um auf die Dauer dem Spiel, den Weiöern, den guten Freunden und dem guten Vesuoweinzu entsagen, hätte er nicht er sein müjjen. Zu 'dem Mönch und dem Nihilisten kam 'der Libertin hinzu; uttd aus 'der Mischung diesec drei entstvnid ,,u barone" ), ein Typus, einzig in seiner Art: großer Spieler. großer Raucher, großer Flucher vor dem ewigen Nichts aber zu gleicher Zeit auch ein prächtiger und liebenstoürdiger Kumpan, Abgott der Weiber, muthig wie ein Neger und zu gewinn jZeitsn phantastisch wie ein Brahmine. Wir sprechen hier von U Barone in , fernem ersten Stadium, bevor er noch frie Dreißig überschritten. Es war die .Zar der Freiheitskriege. Ganz Neapel war damals ein große: Freudenrausch, ein weiß-roth-grüner Freiheitstaumel. Die Frauen umarmten auf öffentlicher Gasse die Garibawischen Soldaten, streckten dem General die Binder entgegen, damit er sie tause im Namen des heiligen Italien. Vor Garibaldis Bilvniß wurden Blumenstöcke aufgestellt, Kerzen angezündet, ganz wie vor San Eennaro selbst und der McrdonnaSan"tissima. Saniafusca hatte an den Scharmü--tzeln jener Tage einen kurzen und glänsenden Antheil genommen und eine Stirnwunde davongetragen, von der ihm als Andenken eine Narbe über der Augenbraue zurückblieb..... Aber jene Tage waren längst vorüber. Jetzt war er ein Mann von fünfundvierzig, mit einem großen schwarzen Bart, einem Teint, den Sonne und Getränke tief gebräunt hatten, einem unbezähmbaren Drang nach Lebensgenuß utto einer großen inneren Zerfahrenheit. Er genoß nicht den geringsten Kredit mehr, weder bei den Freunden, die an ihm ihre Erfahrungen gemacht, noch bei den Verwandten, welche er sich durch fein wüst:s Leben, seine bestialisch: -Gottlosigkeit abspenstig gemacht hatte. Zu dem Mönch, Nihilisten und Wüstlinz war jetzt noch als vierter der-de-sperate Schnorrer gekommen, der, wollte er sich einmal ein Mittagessen oder cin Gläschen Coznak vergönnen, erst feine arme alte Haushälterin um zehn Lire anpumpen mußie. Im Klub war fein Name in das Buch der Zahlungsunfähigen eingetragen worden; und da tx nicht einmal seine Spielschulden mehr bezahlte, so mieden ihn alle wie einen Aussätzigen. Ja! wirklich und wahrhaftig als ein Aussätziger erschien sich der Baron Carlo Coriolano di Saniafusca an dem Tage, als der Domherr und Adminisirator des Sacro Monte delle Qrfanelle ") ihm bedeuten ließ, aß, falls er nicht einen gewissen Wechsel übe? fünfzehntausend Lire bis zu einem genau bestimmten Tage zahlte, der ' Äeraltunzsrath sich ohne Gnade und Barmherzigkeit an den Staaisanwalt senden würde. Ein altes Recht gewährleistete ten Santafuscas einen Antheil an der Aerwaltung des Sacro Monte; U Barone nun hatte seine Eigenschaft als Protektor unö Verwalrungsrath wiederholt in kritischen Momenten dazu benutzt, um bei der Kasse der Anstalt, als feiner letzten Zuflucht, Hilfe zu suchen, eine Hilfe, die ihm auch gegen ganz oder doch fast werthlose Sicherjiellunaen geworden war. Aber endlich war auch dieses Gefäß zum UeberJauirn gekommen. Der Brief des Kanonikus war nicht rnißzuverstchcn. Falls Euer Excellenz" hieß es darin die Summe diefem heiligen Hause nicht bis zum be--vorstehenden Verfalltage zurückstellen, icird sich der Aufsichtsrath zu seinem ÄZdauern veranlaßt sehen, die ganze Angelegenheit dem Gerichte anzuzeigen." - Nun. vor Gericht würde,, so viel 'stand fest, der Baron nie und nimmer erschienen sein.. Es war Montag vor 'Ostern; bis zum Verfalltage waren es ioch reichlich vierzehn Tage. Und sonöerbar müßte es zugehen, wenn innerkalb vierzehn Tagen ein Mann von fchlagvm. Ur?) für den äußersten Nothfall: hatte denn vielleicht Kalabrien keine Wälder mehr? War vielleicht das Geschlecht tar Briganten ausgestorben? ) .n il : VfflfcolitoniTier Dialekt, wie auch da U&trYtrin wucholl vorkomuttnde ,u prerete" äl ,il prttte. 1 Ctitumi!lab 2t aisenmZdchkA.

Grütze, ein Mann von Energie, und fce? noch keineswegs Lust hatte, sich eine u- durch den Kopf zu schießen.

nicht die Möglichkeit finden sollte, dem Schwurgerichts saal ein Schnippchen zu

Es wäre nicht der erste Fall gewesen, dtttz ein Saniafusca eine Diligence angefallen. Da war ein Großonkel, Don Nicolo, der notorisch mehr als sechs Monate lang mit Fra Diavolo in den Felftnklüften da oben gehaust.... Aber man braucht zu allem Zeit; vierzehn Tage, das sah der Baron ein, reicyten nicht einmal ff.n, um Räuber zu w:rden. Es hieä also, aus ein weniger operettenhaft:s, cafär aber rascher wirkendes Mittel b,'..ht sein. Fliehen? Ins Ausland reisen? Daran wollte er nicht einmal denken; ohne Geld reist man allzu unbequem. Einen neuen Pump anlegen? Bei wem, um Himmels willen? Gab es doch in ganz Neapel keinen Hund, der ihm noch einen Knochen kröditirt hätte! Spielen? Das Glück versuchen? Kein Mensch wollte mchr eine Karte mit ihm anrühren. Und dann: Spielen und Gewinnen sind zwei verfchieoene Dinge. Die einzige Ressource, die ihm unter diesen Umständen noch blieb, war sein Landhaus in Saniafusca, ungefähr fünf Kilometer von Neapel entfernt. Aus dem Verkaufe dieser Realität konnte er noch einige Tausend Franken lösen, vorausgesetzt, daß er alles bis zum letzten Nagel hergäbe; denn ein Drittel davon war schon mit einer Hypothek des Marchese di Vico Spiano belastet, ein Drittel ein Trümmerhaufen. und nur das dritte Drittel stellte noch einen Verkaufswerth dar. Es war sein Alles, eines armen Teufels einziges Dach, letztes Asyl auf der großen, weiten Welt. Aber auch fo würde er kaum so viel haben herausschlagen können, um die Schuld an den Waisen fonids zu zahlen; jedenfalls stan') er dann ohne einen Heller da. nackt, wie ihn die Mutter in die Welt gesetzt, ohne ein Kissen, um seine Wange darauf zu legen. . Wenn der letzte der Saniafusca in diesem Augenblicke noch insoweit einen

Rest von Geltung hatte, als er hier und dort mit Muhe und Noth einen Hunderter für den Hunger und Durst aus.zutreiden vermochte, so dankte er, a?ohlgemerkt, diesen fadenscheinigen Kredit einzig jenem alten Palast, welcher der grohen Menge noch immer bis zu einem gewissen Grade imponirte und mit der Eisenkette der Tradition seinen Besitzer wohl oder übel übe: Wasser erhielt.... Aber so ooer so die fünfzehntausend Lire mußten gefunden werden. Ueber all dem Grübeln war mitilerweile schon 'der Grürttonne'-staa heran gekommen, und noch nicht das Gerings:e hatte er erreicht. Urplötzlich fuhr ihm der Gcdanke an Prete Cirillo durch den Sinn... Wer war Prete Cirillo? Es gab kein Fischweib, keinen Kamorristcn in den Vierteln von Pendino unid Mercato, der li Prevete" nicht ge rannt yatte. lr wohnte im ärmlichsten aller Quartiere, in einer jener schluchtenartig zwischen Dachern und Giebeln verrenkten Bodenkammern, wo kein Sonnenstrahl je hinbringt, und die nie gewechselte Luft sich mit den widrigen Ausdünstungen der Armuth und des Lasters, dem Gestank von Oel und Fischen zu einer ekelerregenden Atmosphäre vermischt. Wer ihn so durch die Straßen hätte huschen sehen, mit seinem alten, ungeHeuren Hut, seiner schmierigen Soutane. auf den Schultern ein Mäntelchen, durch 'dessen grünlich gewordenes Gewebe der Wind strich wie durch ein Sieb, mit einem Gesichte, dessen Teint an einen gebratenen Fisch erinnerte, hätte für das ganze Männchen keine Orangenschale gegeben. Er war das Bild der Gebrechlichkeit. Die Beinchen, dürr wie die eines hölzernen Heiligen, endeten in zwei entsetzlich zugerichteten Schuhen, deren Größe manchen Küstenfahrer zwischenNeapel und Messtna beschämt haben würde. Die Nägel an den langen, ölig schimmernden Handen waren das einzig Kräftige an ihm. Sie konnten sich an Starke getrost mit jenen Haken messen, mit welchen die Facchini im Hasen ldie Stycksischsäcke schleppen. Dieser Prete Cirillo war ein verhältnißmäßig reicher Mann. Besitzer eines Vermögens, das zum Theil aus langjährigen Wuchergeschäften mit den Fisch- und Käschändlern und fonsti-' gen kleinen Leuten des Viertels, theils, und zwar hauptsächlich, aus Lotterie-,' gewinnsten stammte. Man erzählte sich, U Prevete besitze das Geheimniß der. Nummern; er habe es mit Hilfe der Kabbala in einem alten Buche gefunden und könne im Lotto gewinnen, so oft er nur wolle. Diesem und jenem habe er auch schon gut: Nummern gegeben; aber mißtrauisch und eifersüchtig, wie er fei, lasse er sich nicht vom ersten besten beschwatzen. Im Hause des Prete Cirillo nun finven wir U Barone wieder, der die Osterfeiertage über seine Zeit mcht verlorcn hatte. U Prevete schob ihm einen Stuhl hin. von dessen Rohrgeflecht die Fetzen herabhingen, huschte zur Thüre, die er sorgfältig schloß, und nahm hieraus cor einem mit Papieren und alten Scharteken übersäeten Tische Platz. Haben Sie darüber nachgedacht, Don Eirillo?" fragte der Baron. Das habe ich." Und haben Sie sich die Villa angesehen?" Auch das. Eccellenza." Nun..... gefällt sie Ihnen?" Nicht sehr.... Und doch wäre ich nicht abgeneigt, sie zu erwerben. Ich gebe Ihnen zweiurödzwanzigtausend. Eccellenza." O Don Cirillo! Sie könnten, meiner Seele! einen Heiligen zum Fluchen bringen! Zuerst waren es vierziatausend, dann dreißigtaufend; jetzt sagen Sie gar zwanzig Himmelherrgott " Und er begann gotteslästerlich zu fluchen und zu wettern. .In Gottes Namen sagen wir

dreißig!" unterbach ihn der Hochwür idige, dem das Fluchen ein Greuel war. Aber dann müssen Sie mir nachweisen, daß keinerlei Hypothek auf dem Hause haftet." Ich habe Ihnen schon geschworen, daß es rein ist wie diese Hand; und ein Kavalier pflegt nicht zweimal zu schwören." Ein Kavalier braucht überhaupt nicht ZU sckwör:n.... Die Dokument: ge r.ügen vollkommen." Sie können ja Ihren Notar mitbringen!" . DaS wäre ganz recht; aber ich kaufe die Villa nicht für mich.... auch nicht mit meinem Geld. Was sollte auch ich ärmster Diener Gottes mit einer Villa thun?" Machen Sie doch keine Geschichten! Es geht Ihnen doch kern Mensch aus den Leim. Man versichert, daß Ihr Sirvhisack ganz mit Gold vollgestopft ist." Heilige Mutter Gottes! Sehen Sie sich doch ein wenig hier um! Ist. dies vielleicht das Haus eines reichen Schwelgers?" Man schwört auch darauf, daß Sie das Geheimniß der Lotterienummern besitzen." Auch dies ist nichts als eine Verleumdung seitens dummer und boshafter Leute. Hätte ich di; Nummern, so wäre ich ich; und wäre ich reich, so wüßte ich bei Gott Besseres zu thun, als von einer armseligen kleinen Messe und ein paar elenden Leichenbegängnissen zn leben, umgeben von Feinden von Leuten, die mich bis auj's Blut verfolgen...." So ist es vielleicht auch nicht wahr, daß keine Woche vergeht, ohne da& Sie Ihren Terno oder Quaterno machen?" Heilige Geduld, steh mir bei! Und Sie, Eccellenza, Sie, ein Mann von Welt, Sie können an solche Märchen glauben? Ein einziges, allereinziges

MTrti h.ih tm rntff ithrrhn Trtfin tn ,4114 WW tlliW 4WWV btVA, paar Nummern herzugeben, rein nur, um den lebensgefährlichen Drohungen meiner Feinde zu entrinnen; und seit dem Tage habe ich keine Ruhe mchr, nicht einmal vor dem Altare selbst.... Jawohl! soar in der Kirche höre ich um mich her die Weiber winseln: Um Gottes und aller Heiligen willen, Prete Cirillo, gebt mir drei Nummern! Thut es um des heiligen Gennaro willen " Prete Cirillo war aufrichtig, als er sich derart beklagte; auS seinem dürren Gesichte sprach der Ausdruck kum mervollen Entsetzens; seine knöchernen zehn Finger zitterten, fächerartig in die Luft gespreizt, in ihren Gelenken. Nun, sagte der Baron, vor derartigen Verfolgungen kann ich Sie ja retten. Im letzten Januar hat mich eine Bande von Kamorristen gewaltsam entführt in einem unterirdischen Gewölöe gefangen gehalten. Sie peitschten mich mit Ketten.... drohten mir mit dem Tode für den Fall, daß ich nicht die Nummern hergeben wollte.." Un'o Sie haben sie gegeben? Ich habe so lange den heiligen Geist, die Madonna bei Carmine an gerufen, bis sie sich meines Elendes ervarmt habcn. Durch ihre Erleuchtung haben sie die Nummern bekommen " Und die Nummern sind herausgekommen?" Alle miteinander." U Barone hob denKops; seine Augen starrten aufgeriiien, hochverwundert. Dann schaute er scheu um sich: es kam ihm wirklich beinahe vor, als wäre er im Hause eines Hexenmeisters. Es war wirklich nur die Gnade Gottes, der mich erretten wollte," fuhr der Priester fort, und nicht, wie die Leute glauben, die schwarzeKunst. Aber seit dem Tage ist meine Nuhe hin. Von früh bis Abends ist meine Stiege von suchen armen Teufeln belagert. Alle wollen Nummern, Nummern. Mehr als einmal habe ich mich an geweihtem Orte verbergen müssen, um nicht nochmals in Ketten geworfen und gemartert zu werden." Nun wohl, ich werde Euch helfen, Don Cirillo. Aber Sie müssen billig und gerecht sein und bei den vierzigtairsenid bleiben." Helfen Sie mir, so helfe ich Jhnen, Eccellenza.... Sie retten mich aus den Händen dieser Gottlosen ich rette Sie vor dem Kerker." U Barone fuhr empor und blickte erschrecken im Kreise herum, wobei er den Stock mit Sildergriff. an den er von Zeit zu Zeit den Mund zu legen pflegte, ein wenig in die Höhe hob. Ist es vielleicht nicht wahr," fuhr der Prete fort, daß Sie am Weißen Sonntag eine Summe zurückzahlen müssen und diese Summe weder im Himmel noch auf Erden aufzutreiben imstande sind?" Sie sind ein Inquisitor," murmelte der Baron unfreundlich. Ich mußte.doch einige Erkundigungen einziehen; das war doch mein heiliges Recht. Aber trotzdem will ich Jhnen helfen: ja ich sage geradezu: helfen wir uns gegenseitig. Sie brauchen fünfzehntausend Lire; ich gebe Ihnen dreißigtausend. Auch vierzigtausend würde rch Ihnen geben, hätte ich nicht entdeckt, daß eine Hypothek des Marchese Vico Spiano auf dm Objekt haftete...." Die Leute hben recht. Sie sind ein Hexenmeister!" sagte lachend der Varon. indem er feinen Stock noch ein wenig höher hob. Ja. Vorsicht ist die Mutter der Weisheit, Verehrtester. Sagen Sie übrigens selbst, ob ich. nicht koulant vorgehe. Die Villa, nehme ich nicht für mich; aber wer darin wohnen will, wird mindestens den gleichen Betrag in Herstellungen decken müssen. Einen kleinen bürgerlichen Gewinn nun, versteht sich, 'den muß ich wohl machen, den Armen zuliebe, die einst meine 5?ben sein werden; aber der eigenttiche Gewinn für mich ist und bleibt eine Beidingung. die ich machen werde, und die mir erlauben wird, auf dem Lande zu leben, an einem sicheren Ort,

wo ich, fern von Verfolgungen, die Möglichkeit hab:n werde, an die Be dürfnisse meiner armen Seele zu den, len." Ich bin sicher," sagte der Baron m'lit sanfterer Stimme, indem er eine plötzlich: Zerknirschung heuchelte, daß Sie auch an meine Seele denken wer den, damit sie nicht in die ewige Verdammniß gerathe! Sie wissen wohl, daß ich ruinirt bin.... daß nichts mehr mein ist als Santafusca.... dieser letzt: d?r Trümmer aus meinem großen Schiffbruche. Greisen Sie mir nicht unter die Arme, so muß ich mir eine Kugel durch's Hirn jagen " 11 Barone zog sein Tuch und fuhr sich damit ein paarmal über die Augen. Prete Cirillo fah ihm in höchster Verwunderung zu. Er konnte es kaum glauben, daß dieser verstockte Sünder, diefer verruchte Flucher und Wüstling, jetzt plötzlich, am Rande des Abgrunds, in sich gegangen sein, ihn, den armen Diener Gottes, gebeten haben sollte, sich seiner Seele anzunehmen. Unter der Erzkruste seiner habsüchtigen Seele begann sich etwas zu regen wie Mitleid, weiche Theilnahme. Mit merkwürdig milder Stimme sagte er: Ich will Ihnen, Herr Baron Santafusca, die Seele retten und den Leib dazu; und wenn ich die Villa vortheilhaft anzubringen vermag, so werde ich Billigkeit walten lassen und mich Ihrer Bedürftigkeit erinnern. Jetzt aber müssen Sie sofort Neapel verlassen. Ich bringe gleich morgen dem Kanonikus die siinszehntau'send Lire; und Donnerstag, den vierten dieses, komme ich hinaus in die Villa, um Ihnen den Rest der Kaufsumme zu übergeben. Bei der Gel?zenheit nehme ich zu gleich für immer Abschied von dieser verwünschten Stadt, die für mich eine Hölle geworden ist Die paai Tag? brauche ich, um hier meine kleinen ürngelegenheiten zu ordnen. Ich hosse zu Gott, daß er mir beistehen wird, um Sie und mich zugleich dem Verderben zu entreißen." V Ich fange wirklich an zu glauben," sagte heuchlerisch der Varon. indem er sich bemühte, eine zerknirschte, schmerzzerrissene Miene zur Schau zur tra, gen, daß unser Herrgott selbst Sie nm in 'den Weg geschickt hat. Ich erwartt Sie also in der Villa. Trachten Si, nur. daß niemand Ihr Fortgehen be merke. Dieses zudringliche Volk würd, Sie und Ihre Nummern bis in der Himmel selbst verfolgen." Das weiß ich' wohl; deshalb habt ich auch schon an ein Mittel gedacht, un.

die Neugeirigen irrezuführen." Gut; aber bringen Sie nur ja das Geld. Ich sterbe buchstäblich vor Hun. ger." Und S!e sorgen für einen Notar Kennen Sie Don Nunziante?" Sehr gut. Ein Ehrenmann." Ich bestelle ihn zu mir. und wir errichten in aller Ruhe den Vertrag. Adieu. Don Cirillo!" Der Herr sei mrt Ihnen, Eccellenza! Auf Donnerstag also!" Der Baron ging. Don Eirillo schloß schnell die Thür hinter ihm ab und kehrte händereibend ins Zimmer zurück, wie jemarod, der weiß, daß er ein gutes Geschäft gemacht hat. In der That könnte des Teufels Garten nicht mit größerer Umsicht b:baut werden, als es 'Der verschmitzte Alte gethan. Er kalkulirte so: Der Baron braucht Gelid und kann die Verhandlungen nicht in die Länge ziehen. Nun hat die Villa schon seit langem Seiner Eminenz dem Erzbischof ins Auge gestochen, der gerne ein Seminar mit theologischem Kollegium 'darin errichten möchte. Ja, ich weiß fogar, daß Monstgnore Aicario bereits beauftragt ist, mit dem Varon über die Sache zu sprechen. Er würde es auch schon gethan haben, hättendieVerrichtnngen der Eharwoche ihn nicht daran gehindert.... Das Kapitel Wäre geneigt, bis zu hunderttausend Lire daran zu wenden; denn die Lage ist vorzüglich, weder zu nahe noch zu weit von der Stadt und so, daß Seine Eminenz die Villa Vorkommendenfalls auch als Villegiatur benutzen könnte. . Gelingt es mir nun, den Vertrag bis zum Weißen Sonntag unter Dach und Fach zu bringen, so habe ich als Eizenthümer der Liegenschaft, und nachdem ich auch noch die Hypothek des Marchese die Spiano abgezahlt, das Heft in Händen, wie man sagt. Dreißig und zchn macht vierzig; eine Ausgäbe von vierzigtausend Lire, welche mir binnen wenigen Tagen Tausende einbringen kann. Und sollte ich auch fünfzigtausend daran wenden müssen, fo bliebe es noch immer ein kapitales Geschäft. Wer in dem Augenblicke einen Blick in jene versperrte dunkle Höhle hätte thun können, in der alles Elend und Schmutz Zeuge des niedrigsten Geizes war. hätte die Seele des alten Priesiers unter ihrer rostigen Hülle leuchten sehen können wie ein Schatzlicht um Mitternacht. Händereibend hielt er sich die Vortheile vor, welche er möglicherweise noch über die berechneten erringen konnte. Aus dem Erzbischof waren vielleicht auch hundertundzwanzigtausend herauszudrücken, abgesehen von den kleinen Nebenvortheilen, als: lebenslängliche Wohnung im Haufe, Kost im Refektorium, unentgeltilche Bettwäsche, eine lebenslängliche Messe in der Hauskapelle... Auch beim Marchese konnte etwas heraussehen. Wenn er .ihm so recht eindringlich die' verzweifelte Lage des Barons vorstellte, begnügte sich der Mann vielleicht mit einer geringeren Summe; sowie auch den Kanonikus deS Sacro Monte die Rücksicht auf die Rettung einer Seele möglicherweise bewegen könnte, von seinen Rechten etwas nachzulassen.... sich mit einer Theilsumme zu begnügen und über den Rest der fünfzehntausend in Gottes Namen 'das Kreuz zu machen Auf allen Seiten sah Prete CirAc sein Häufchen wachsen, und- fein k Brarfrschgesicht begann im fahlen Lich

te des einzigen Fensterchens zu funkeln und zu blitzen wie eine alte Goldmünze. Dem Baron ' nun, dem blieb nichts übrig, als zu allem ja zu fagen. Für den hieß es: Vogel, friß oder stirb.... Er nahrr. einen dicken Folianten her. ein: Summa lliöologica des großen Aquiners, der ihm als Scha iulle dicnte. und begann mit seinen gel'ben Nägeln die Blätter zu wenden, auf denen seine Forderungen verzeichnet stalten, indem er dabei überlegte, welche davon gleich einzutreiben, und welche an seinen alten Geschäftsfreund, den Pfandleiher Eruschello). zu giriren wären. Gier im Blick, überging er das Verzeichnis feiner Obligationen: Staats nie, Bodenkredit, Bank von Neapel, Tran?.oay von Neapel, Süd bahnen, und wie sie fönst alle heißen mochten. An einerStelle war ein ganzer Vuchtheil herausgerissen, derselbe in tat der Doktor Angelicus über den Ilalritu operativus spricht, und der leere Raum mit einer Schicht SchuldVertreibungen aller Art, als: Quittungen, Pfandscheinen, Wechseln, Bons uttd dergleichen, ausgesüllt. Dieses Faszikel nahm er heraus und band es sorgfältig mit einem Strumpfbande zusammen, worauf er das Buch in einen eisenbeschlagenen Koffer verschloß, der, mit einer Eisenkette an di? Wand geschmieder. unter feinem Bette stand. Hierauf legte er sein Mäntelchen an, stülpte sich ven alten Dreispitz auf das kleine, hagere Köpfchen und vecließ untcr den üblichen Vorsichtsmaßregeln die Wohnung, um ein Stündchen mit Cruschello, zuzubringen. Sich vor den Leuten zu verstecken, daran dachte er diesmal nicht. Im Gegentheil; den alten Ränkeschmied gelüstkte es, sich einmal so recht von Herzen über seine Peiniger lustig zu machen. O Don Cirillo, o heilige: Priester! Gib mir drei Nummern, und die Mutter Gottes del Carmine möge Dich segnen!" winselte eine zerraufte Alte, wel che vor der Hausthür spinnend dasaß. Ein Wasserträger rief mit grober Stimme: Holla! U Prevete, Wann kriege ich einmal meine Nummern?" Deine Nummern? Ja, wenn ich sie nur schon hätte.... sie sind noch ziemlich unsicher!" antwortete U Prevete. Das thut nichts. Nur her damit!" Diese Woche hat mir das Horoskop nicht kommen wollen. Der verwünsche Saturn verstellt mir den Steinbock.." Prete Cirillo kicherte in sich hinein; er freute sich königlich über den Streich, den er all den Hexen und vorlauten Bengeln des Quartiers spielen wollte. Nun Ihr könnt immerhin den Zwölfer und 'Siebenundsiebziger versuchen. Aber Ihr müßt schwach setzen, denn ich sehe sie nur undeutlich." Gott möge Dich segnen, heiliger Mann!" Und der heilige Mann machte sich lachend davon, das Mäntelchen im Winde hinter sich nachziehend. Er dachte. daß er zur Zeit der Ziehung eine Stunde weit von Neapel in Sicherheit sein würde, und zwar mit einem wirklichen Terno in der Tasche. 2. Kapitel. Die Falle. Währenddem dachte der Baron d! Santafusa über ein Mittel nach, um aus Don Cirillos Geiz ebenso Kapital zu schlagen, wie dieser es aus seinem Elend gethan. Viele Pläne kreuzten sich in feinem Kopfe; einer aber war darunter, der sich mit besonderer Hartnäckigkeit aufdrängte. Anfangs versuchte er ihn fortzujagen; aber als er sich immer und immer wiedereinstellte,, begann er ihm endlich ins Gesicht zu schauen. Es war eine Idee, fchwarz vermumm! wie der Priester selbst, den sie anging. - Was hatte doch Don Cirillo gesagt? Daß er fort wollte.... fort von Neadel in aller Heimlichkeit. Donnerstag, den vierten, hatte er erklärt, vürde er nach der Villa kommen, und zwar mit der Summe in der Tasche, am den Vertrag vor dem Notar abzuschließen; in die Stadt aber würoe er nicht mehr zurückkehren, weil sein Leben dort von den Nummerjägern bedroht sei. Jawohl, so hatte er gesprochen, der Prete. Und damit hatte er auch die Elementc gegeben, aus denen sich ein vorzüglicher Plan zusammensetzen ließ. , U Barone fühlte das Bedürfniß, seine Gedanken zu sammeln, und rannte nach Hause, ganz erhitzt von Hossnungen und Zukunststräumen. Er hatte seit einigen Jahren eine kleine Wohnung in der Via Speranzella inne; seine einzige Hausgenossin war seine Wirthschafterin, die einst in den schönen Tagen der Santafusca, seine Erzieherin gewesen war. Nach dem Zusammenbruche des Hauses hatte sich Donna Maddalena an ihn, das letzte Ucberble'.dsel 'der alten Herrlichkeit, mit all der Verzweiflung eines Ertrinkenden festgeklammert, der die rettende Klippe umfängt. Freilich sieht der Aermfte auf dem nackten Felsen den unausbleiblichen Hungertod voraus; ober er zieh! doch Tage qualvollen Leidens dem sofortigen Untergänge vor. Der Varon hatte nicht den Muth gehabt, das orme Weib von sich zu stoßen; ebensowenig als Saloatore, den Auffeher der Villa, einen Greis von siebzig Jahren, der sich kaum mehr auf Jen Beinen halten konnte, ganz zerscklayen wie er war, von Jahren und Siechthum. ; ' Donna Maddalena und Salvatore waren alles, was ihm vom alten Glanz übrig geblieben; alles übrige war verkauft oder mit Hypotheken überlastet. Beide Alten lebten ohne Gehalt, sich kärglich, wie es eden ging, von den Abfällen des Hauses nährend, welches über

ihren Kopsen abbröckelte, taglrch em wenig mehr. In ihrer Hingebung hatte Maddalena alles, was sie besaß, Don CorioWörtt : lkittdl.

lano zur Verfügung gestellt, und dieser hatte in einer einzigen Nacht im Spiel durchgebracht, was sich die arme Gouvernante in vierzig Jahren eines entbehrungsreichen Lebens zusammengespart. Jetzt besaß sie nichts mehr und mußte täglich ihren Herrn anflehen, sie nicht vor Hunger sterben zu lassen. Sie that dies ohne den geringsten Vorwurf in Blick oder Stimme, ehrfürchtig und unterwürfig, mit all der Nachsicht einn Mutter für den leichtsinnigen Sohn. Alles, was Don Coriolano that, war nicht nur verzechn, sondern gut. schön und edel für die demüthige Erzieherin. Die Gerechtigkeit verlangt übrigens, zu konftatiren, daß auch seinerseits der Baron feiner Alten eine Art von Zärtlichkeit weihte; ein Gefühl, das weder die Zeit noch das Laster gänzlich in ihm auszurotten vermocht hatte. Noch immer besaß Maddalenas flehende Stimme die Macht, in einem Herzen, das sich jeder andern Zuneigung eisern verschloß, gewisse weichere Anklänge zu wecken. Noch immer vermochte sie in dem finsteren, baufälligen, festverschlossenen Gebäude feines Gewissens ein leises Echo verschwundener besserer Gefühle wachzurufen; und wenn sie sprach, wußte Maddalena, daß es nicht vergebens war. Oft machte er sich ihrctwegen Vorwürfe. War er nicht ein verächtlicher Galgenstrick, daß er sich um jenes arme Geschöpf, dessen bischen erspartes Geld er gestohlen, so gar nicht kümmerte, sie zu Hause dem Hunger und der Einsamkeit überließ? Von jener Unterredung mit Don Cirillo heimgekehrt, stellte er im Geiste diese nur von Seufzern und Thränen lebende Unglückliche jenem Geizhals gegenüber, dessen Matratze von Gold strotzte. Die eine theilte feit vierzig Jahren das Schicksal eines uralten Hauses, dessen Fahne sie mit ihren letzten Kräften hochhielt, mit dessen Mauern auch fie langsam zerfiel und zerbröckelte. Nie kam ein Wort der Zttage über ihre Lippen, außer wenn einmal der Hunger stärker wurde als ihre Seelenkraft. Der andre dagegen, der lauernde Blutsauger, wühlte in seinem Unglück wie in einem Bergwerk; und 'das Elend der Santasusca diente ihm dazu, seine schändlich erworbenen Reichthümer zu vermehren.... Maddalena. reflektirte er weiter, während er langsam die Treppe zu seiner Wohnung emporstieg. Maddalena war es, die seiner armen Mutter die Augen zugedrückt; und er sonnte doch so gar nichts für sie thun! Und mußte er heute ins Gefängniß, so starb sie vor Hunger auf der Straße. Die Santafuscas hatten, so sagte die Chronik. Königsblut in ihren Adern. Der Letzte des erlauchten Stammes konnte wohl als Bandit sterben, eine Kugel in der Kehle; aber eine Schmach wäre es, wenn er sich von einem Vampyr das uralte Blut aus den Adern saugen ließe. In dem Maße, als seine Gedanken auf diesem Wege weiterkamen, gerieth sein Blut mehr und mehr in Hitze, seine Sehnen in Spannung. Schließlich und imGrunde genommen was war so ein armseliges Pfäsflein im Vergleich zu ihm?.... Der Pret: würde einen Haufen Geld, möglicherweise auch einen Theil der im Strohsack verborgenen Schätze bei sich haben. Gefahr einer Störung war keine. Die Vclla war einsam, Salvatore alt und halb verblödet. Welch eine nie wiederkehrende Gelegenheit!... Andrerseits: bis Sonntag mußte das Geld an den Sacro Monte zurückerstattet sein, sonst war er unrettbar dem Kerker und Maddalena dem Hungertode verfallen; sie, das Herz, das ihn so uneigennützig liebte wie kein andres auf der Welt!.... Die Villa hatte seit zehn Jahren kein fremder Fuß mehr betreten. Zu Reparaturen war nie das Geld dageWesen; jetzt schalteten in den Hallen als Herrscher die Ratten, im alten Park die Ziegen, die Salvatore dort hielt.... ein besserer Ort zur Ausführung seiner That konnte nicht gedacht werden. Auch sonst war alles günstig. Den Prete Cirillo kannte zu Santafusca keine Menschenseele; und ebensowenig würde seine Abwesenheit in Neapel bemerkt werden. Also.... also.... Mord! Mord! Ist das überhaupt ein Mord? Man denke sich von diesem Gerippe in der Soutane sein Geld weg; tvas bleibt da übrig? Nichts! Er ist nicht ein Mensch, er ist ein Geldbeutel. Ich bringe einen Geldbeutel um und rette die Ehre meiner Väter, rette mich selbst vor Um Kerker, Maddalena vor dem Hungertode. Ich zahle meine Schulden, erstatte einer Unzahl von Bedürftigen ihr Geld, spende Almosen, verhelfe der -Gerechtigkeit zum Siege, dem Naturgesetze zur Geltung..." Wie oft U Barone während der paar Tage bis zum verhängnißvollen vierten diese und ähnliche Reflexionen ansteUte, wäre schwer zu sagen... Die Zeit fchlich langsam, um so langsamer, tls er so gut wie keinen Fuß aus dem Haus setzte, von früh bis Abends in der Tod ten stille seines Studirzimmers über seinen unheimlichen Plänen brütete... Joder Tag, jede Stunde, jede Miute bestärkte ?hn in der Ueberzeugung, oaß eine höhere Gewalt, das Schicksal (el'öst, ihn der Lösung entgegentrieb, velche ihm als der einzige Ausweg aus ill 'den Wirrnissen erschien. Die -Schwierigkeit lag nur darin, daß die Sache leidenschaftslos, mit kalter Ueberlegung, vollständiger Geistesund Seelenruhe durchgeführt werden mußte. Er war ein Mensch, dk? über den Vorurtheilen stand. Hätte er geglaubt, mit der Tödtung eines Menschen eine Wkdernatürlichkeit, ein Verbrechen gegen irgend ein ihn angehendes Wesen

zu begehen, so wurde er es unterlassen r)aben, schon um ruhig und ohne Selbstvorwürse, mit einem wohlthätigen Gefühl der Achtung vor dem eigeneu Ich leben zu können. (Fortsetzung folgt.)

Für die irndjc. Torteletten von KSse.

Fünf Löffel voll geschabtem Emme.ithaler.Käse. ein Löffel Mehl und vier ganze Eier werden tüchtig geklopft und mit emcin halben Pini Raym zarl an gerührt. Diese Masse wird in bestri chene Förmlein gebracht, aber nur drei Viertel voll gebacken. Sie müssen noch heiß fervirt werden. Weißbrotkuchen mit Aev sein. Man tauche kleinfingerdicke Weißbrotschnitten ohne Kruste nur eben in Milch, denn sie dürfen nicht zu feucht sein, bestreiche eine Kuchenpfanne ziemlich dick mit Butter, lege sie sehr sorgsam, so daß keine Lücke entsteht, mit der Hälfte der Schnitten aus und streiche fingerdick gutes Aepfelcompot. dem man auch etwas Confitüre bei fügen kann, darüber, belege dies ebenso? sorgsam mit der anderen Halste der Schnitten und backe nunmehr den Kuchen recht vorsichtig, damit er sich nicht verschiebe. Ist er unten fertig und schön gelb, so thue man kleine Stückchen Butter oben auf und backe ihn, nachdem er zuvor behutsam umgewendet wurde, auch auf der anderen Seite, richte ihn dann gleich an und bestreue ihn gut mit Zucker. Der Kuchen ist, sowohl warm als auch kalt zu Tisch gegeben. äußerst wohlschmeckend. K a l b s k o'p f r a g o u t. Der Kalbskopf wird, nachdem er sauber gewaschen, in Salzwasser weich gekocht, dann alles Fleisch sorgsam ausgelöst und in kleinere Stückchen geschnitten. Nun macht man ein hellbraunes Einbrenn, giebt eine kleine, mit zwei Nel ken besteckte Zwiebel, Salz. Pses er. Lorbeerblatt, etwas Citronenschale, ein kleines Glas Wein und etwas Essig daran und läßt alles aut durchkochen. Nachdem die Sauce durchgeseiht ist, legt man die Fleischstückchen hinein und brmgt alles nochmals zum Kochen. Gulasch. Zu gleichen Theilen nimmt man schönes Rind- und Schweinefleisch und schneidet nachEntfernung alles Fettes und aller Haut zollgroße, viereckige Stückchen. Ebenso schneidet man eine kleine PortionSpeck würfelig. In einer Kasserolle läßt man reichlich Butter zergehen und röstet eine feingeschnittene Zwiebel darin hellgelb. Sodann kommt Fleisch und Speck hinzu nebst einem Theelöffel gestoßenem Kümmel mit dem nöthigen Salz. Nun läßt man alles langsam dämpfen und übergießt, wenn der Saft so ziemlich eingedünstet ist. das Fleisch mit einem Schöpflöffel Fleischbrühe. Will man das Gericht verfeinern, so giebt man ein kleines Glas Madeira oder Rothwein dazu, in jedem Falle aber eine Messerspitze voll Paprika. Hasenpfeffer. Man nimmt dazu den Kopf, den Hals, die Vorderläufe, und wer Lunge. Leber. Herz und Nieren nicht anders verwerthen will, auch diese. Zu diesem gebe man ein bis zwei Psund in Stücke geschnittenes Schweinefleisch entweder vom Bauchlappen oder vom Kernstück, natürlich ungesalzen und ungeräuchert. Hasen- und Schweinefleisch setze man mit Wasser, bis es darüber steht, an's Feuer, gebe Salz. Pfeffer, Lorbeerblätter und einige in Scheiben geschnittene Zwiebeln dazu, und lasse dies kochen, bis das Fleisch weich ist. ES muß darauf geachtet werden, daß keine der Fleischsorten zu weich wird. ,onst nehme man sie vorher aus der Brühe. Alsdann gebe man gebräuntes Mehl durch einen Durchschlag zur Sauce. lasse sie damit jch eine Weile kochen und schmecke ab. Dann legt man das Fleisch wieder hinein und gibt zuletzt das Hasenblut mit etwas Essia ver. quirlt dazu. Die Sauce muß sämig, nicht zu dick und sehr pikant sein. Das Gericht eignet sich zu Sauerkraut mit Kartoffelbrei, Makkaroni, jeder Art von Klößen und so weiter. Aehnlich dem Hasenpfeffer ist Topfches, daö Lieblingsgericht der Herren. Hierzu nimmt man den ganzen Hasen, zerlegt ihn in passende Stücke und gibt Speck oder sehr fettes Schweinefleisch dazu. Pfeffer, Salz. Essig. Lorbeer, Zwiebeln. ein Gals Wein, am besten rother, und ein Stück Schwarzbrot, was die Sauce sämig macht, und wer es liebt, auch Sellerie, werden zugesetzt. DieS Alles gibt man mit etwas Fleischbrühe in einen irdenenTopf mit fest schließendem Deckel. Der Deckel wird mit Brodteig noch fest auf den Topf geklebt, damit kein Atom des köstlichen Geruches und Geschmackes verloren geht, und dann die Terrine zu einem Bäcker in den Backofen gegeben. Nach ein bis zwei Stunden ist die Speise gut und wird mit dem Topfe servirt. BeiderrichtigenZubereitung des Thees, sündigen aus Unkenntniß viele Hausfrauen, und da zu lange Ziehenlassen- des TheeS macht den Genuß des letztern für den Kenner und Feinschmecker zu einem sehr mäßigen. Daß eine Tasse guten Thees möglichst dunkel aussehen muß, ist eine völlig irrige Meinung, denn nur die gelöste Gerbsäure des TheeS. welche einen herben und bittern Ge schmack hervorruft, giebt auch dte dunkle Farbe. Will man dagegen einen wirklich lieblich und aromatisch schmeckenden Thee genießen, so löse man nur die ätherischen Oele und daS Thein, auf welchen die anregende Wirkung des Thees beruht. Zu dessen Lösung genügt eine Minute, länger soll also der Thee nicht ziehen. Er zeigt dann eine goldbraune Farbe und ist ein Trank von feinstem Duft und Geschmack. Eifrig. Her? (der einer Dame beim Radeln-Lernen behülflich ist): Macht Ihnen das Lernen ebenso viel Spaß, wie mir daö Lehren, mein . Fräulein? Dame: O. Herr Cook. wenn ich nur mit meinem Rad erst fa rollen könnte, wie Sie mit Ihren Au. Km.