Indiana Tribüne, Volume 20, Number 94, Indianapolis, Marion County, 20 December 1896 — Page 7
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Viel höher als d!e Fibel. Als Säbel und Schaukelpferd. Hielt ich die Bilderbibel Aus Vaters Schranke werth. Und ach, wie es mich freute. Wenn Mütterchen sie nahm. Daß sie erklärend mir deute - Die Näthsel wundersam. Zu Bethlehem im Stalle Maria mit dem Kind. Darum die Hirten alle Mit Eselein und Rind. ' Di? Weisen kamen gezogen Vom Morgenlande fern. Und oben am Himmelsbogvl Brannte der Wunderstern. Der Heiland in der Krippe. , Den heiliger Glanz umschien. Die Mutter mit lächelnder Lippe, Sie beugte sich über ihn. Auf eincs Banners Wallen CV cn -1 rv r . r - f . O" uict ujcpqs jpanor Den Menschen ein Wohlgefallen Und Friede auf Erden" stand. Mein Lieblingsbildniß war es. . Zog's allen andern vor; Oft steigt mir'S wie ein klares Traumbild im Geist empor. Auch heute, wo im Zimmer Duftet der Weihnachtsbaum. Strahlt mir im Kerzenschimmer Bon Bethlehem der Traum. Mir ist: als spielte ich wieder ' In meines Vaters Haus Mir klingen die Weihnachtslieder Im Oh? wie fernes Gebraus. Ich spür' einen himmlischen Segen. Den sonst ich nie gekannt. Sich fromm uf's Herz mir legen Wie eine liebe Hand Ja. nur an Weihnachtstagen Fühlt sich der Mensch ein Kind, Fühlt sich zurückgezogen Zu Zeiten, 'die ferne sind. Ein hohes Glück vor allen . Wird froh der Seele kund. . . . Den Menschen ein Wohlgefallen Und Friede Um Erdenrund!" Im Faterpaus. Vsn Jlaxl Müller.Rostatt. Die ganze Nacht hindurch hatte der Sturm gewüthet, bis tief in den Tag Hinein. Jetzt war seine Wuth gebrochen. sein Heulen und Pfeifen ver stammt, und riefe Stille lagerte über den weißverhangenen Bergen. Nur hie -und da tönte ein lautes Krachen seit sam hallend durch die eisige Luft, wenn da sUz dort em Ast unter der allzu mächtigen Schneelast vom Stamme brach. Und vom grauen düsteren Himmel fielen langsam und stetig neuz Flocken hernieder, machten den weißen Teppich immer dicker, der sich über das Land breitete, und begruben Weg und Steg. Auf der LaMtrae. die den BergWald durchschnitt, stampfte ein Mann mühsam vorwärts. Ab und zu blieb er stehen und schlug die Arme ein paar mal heftig um den Ztib, um sich zu rw'ärmen'. Kein Wunder, daß er fror! Die braune, oft geflickte Hose und die blaue Jacke, aus deren rechtem Aermel cm Ellenbogen das Hemd heraussah, boten ihm ebenso wenig Schutz gegen bie Kälte, wie die beiiesterten Stiefel mit den schief getretenen Absätzen, und die Ohren wären ihm .längst erfroren, hätte er nicht sein Taschentuch fest um den Kopf gebunden. Den Jackmkragen m die Höhe geschlagen, den Knoienstock unterm Arm, das ärmliche Bündel auf dem Rücken, die frostbeuligen Hände in. den Hosentaschen, so stolperte er weiter, gedankenlos, maschinenmQßig. ein Landstreicher, wie tausend andere. ' Er eereutc es jetzt fast, daß er im Städtche,. das er heute früh verlassen hatte, nich geblieben war. Man hatte ihm Beköstigung und Obdach geben vollen, wenn er sich's durch Schneeschaufeln verdiente, aber er l:Mi höhnisch gelacht und war w' ,!..'o.n. Es gab noch Leute tnvo . .' rncjen verabreichten, ohne .:; 'rsiiiiig dafür zu fordern. - .: -.m ,4 hier, so war's im nät'ir;: .r: . Aber der nächste Ort als er dachte, und der SA ch. daß er nur langsam. v ; - in; kam. Und dabei kein r. -ni'A 4r.qt m der Schnapsslaf . . : :r Teufel dies erbärmliche C . k. .
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Da hörte er in setner Nahe Stimmen, und unwillkürlich beschleunigte er seine Schritte. Bei der nächsten Biegung der Straße sah er eine Lichtung vor sich und auf ihr eine kleine Gruppe. Ein Mann in warmem Flauschrock und hohen Stiefeln, eine Pelzkappe auf dem Kopf, kniete im Schnee und war eifrig beschäftigt, eine kleine, schlanke Tanne umzuhauen. Zwei Kinder, ein Mädchen und ein Knabe, in warme Mäntelchen eingepackt, standen daneben und schauten mit strahlenden Gesichtern der Arbeit zu. Da war derWanderer herangestampft und heischte mit heiserer Stimme eine kleine Gabe. Der Mann drehte sich nach ihm um und musterte ihn mit prüfendem Blick. Der Bittende gefiel ihm zwar gar nicht, aber er dachte daran, was für ein Tag heute sei, griff in die Tasche und holte ein kleines Geldstück heraus. Gierig griff der andere danach und setzte mit einem kurzen Dank seinen Weg fort. Die Kinder hatten ihn neugierig verwundert angeschaut. Warum hast Du denn dem Mann Geld gegeben. Vater?" fragte Fritzel jetzt. Weil er ein armer Mann ist. der nichts hat." Da bringt ihm gewiß das Christkind heute Abend etwas meinte der Kleine nachdenklich. Der Landstreicher hatte es gebört und lachte höhnisch auf. Das Christkind! Richtig, heute war ja heiliger Abend, ein Freudentag für Alle, die im warmen Nest sitzen. Er hatte gar nicht daran gedacht, für ihn war ja ein Tag wie alle Tage. Was war ihm der heilige Abend, wenn er hungern und dürsten und frieren mußte! Er ärgerte sich nur bei dem Gedanken, daß es andern gut ging, während er darden mußte. Einst, ja. da war Weihnachten auch für ihn ein Freudenfest gewesen, da hatte auch er ungeduldig der Ankunft des Christkindes geharrt. ein unschuldiges, glückliches Kind. Das war lange vorbei. Was war er jetzt? Er sah an sich herunter und lachte nochmals höhnisch auf, indeß er langsam und mühselig auf der Straße weiter watete. Bald wurde der Wald lichter und er kam auf's freie Feld hinaus, das sich in breiter Welle weit und weiß ausdehnte. Die Chausseegräben waren ganz verweht, die Kilometersteine hatten hohe Schneekappen auf, und die kümmerlichen Obstbäume, die sich die Straße entlang zogen, standen mit ihren schwarzen Aesten wie gebeugt unter der schweren Schneelast. Auf dem Kamm droben lag das Dorf; aber man hätte es kaum sehen können, wäre nicht hie und da aus den Kaminen dunkler Rauch emporgestieaen und hätte nicht der schlanke Aufsatz des massigen Kirchthurms mit seinem Kreu? ans der Spitze ttä) wie etn mahnendes Wahrzeichen in den grauen Himmel hinaufgereckt. Der Wanderer schauerte zu sammen; hier draußen war die Luft noch eisiger, als zwischen den schützenden Tannen. Aber die Aussicht auf eine kurze Rast im warmen Zimmer gab ihm neue Kraft. Wie ausgestorben lag das Dorf da, selbst die Hofhunde kamen nicht aus ihren strohgefütterten Hütten hervor, um den verdächtigen Gesellen zu verfolgen, sondern begnügten sich damit, ihm ein kurzes, heiseres Gebell nachzusenden. Er aber sah sich spähend nach einem Wirthshaus um. Da hing vor einem stattlichen zweistöckigen Gebäude an langem Arme eine vergoldete Krone heraus. Dort trat er ein. In der Küche wurde emsig hantirt, durch das ganze Haus zog der kräftige Duft frischgebackener Christstollen, und in der Gaststube saß der Wirth, eifrig beschäftigt, einen Korb voll Nüsse mit Schaumgold zu überziehen. Er blickte auf und musterte den Wanderer mit prüfendem Blick. Die Musterung mußte wohl nicht nach Wunsch ausgefallen sein, denn er runzelte die Stirn und erhob sich nur langsam, als der Gast einen großen Rum verlangte. An den Schenktisch tretend, langte er ein Glas von dem Wandbrett, füllte es und trug es jenem hin, der sich's inzwischen auf der Ofenbank bequem gemacht und sem Bündel abgelegt hatte. Hastig langte er danach, aber der Wirth hielt ihm die leere Hand hin. Erst bezahlen." Habt wohl Angst, daß ich mit der Zeche durchgetje?" lachte der Bursche ingrimmig, indeß er in der Hosentasche herumfingerte. Wär' so unmöglich nicht antwortete der Wirth, nahm die Nickel entgegen, die er ihm reichte, und kehrte dann zu seiner Beschäftigung zurück. Auf einen Zug stürzte der Gast den Inhalt des Glases hinunter. Dann streckte und dehnte er sich behaglich und ließ die erstarrten Glieder in der Ofenwärme aufthauen. Und schon überlegte er, ob er, nicht hier sein Nachtquartier nehmen sollte. . Da kam die Wirthin herein. Schau. Mann, daß Du bald fertig wirst." sagte sie, die Kinder können's fast nimmer verwarten. Horch nur, sie fangen schon zu singen an." Und Mann und Frau lauschten glückselig und nickten einander zu. wie aus der Küche heraus frische Kinderstimmen herüberdrangen: Stille Nacht, heilige Nacht." Auch der Bursche am Ofen horchte auf. Dann aber zog eine finstere Wolke über sein Gesicht, schwerfällig erhob er sich, warf sein Bündel über die Schulter und verließ mit kurzem Gruß Zimmer und Haus. Nur das Lied nicht hören, nur die Erinnerung nicht wecken keine Vergleiche wachrufen zwischen einst und jetzt. Lieber die ganze Nacht durch wandern, als hier sitzen und zuschauen, wie fröhliche Menschen das Weihnachtsfest feiern. Wie er draußen wieder die Dorfstraße entlang zog.kam ihm ein schwerbepackter Mann entgegen. Der Landbriefträger war es, der heute extra viel zu tragen hatte auf dem Rücken und
I über den Schultern trug er Packen und Päckchen und in der Linken eine besonders große Kiste, wabrend er sich mit mm 1 . '.'.
der rechten icywer aus ven Rnolenstoa stützte. Aber die schwere Last schien ihn nicht sonderlich zu verdrießen, denn die Augen lachten gar vergnügt aus dem bärtigen Gesicht und im Vorübergehen rief er dem Wanderer ein herzliches frohe Weihnachten" zu , . ' , MMl Oar' -v .
SJltt -r k Der gab ihm nur ein verdrossenes Brummen zur Antwort und hastete weiter. - Bald war er, wieder draußen allein auf der Landstraße. Aber damit war er seinen Gedanken nicht entflohen, die kehrten immer wieder zu der einmal erweckten Erinnerung zurück, und vor seinen Ohren klang wieder und wieder das alte Weihnachtslied. Und vor diesen alten, süßen Klängen öffnete sich wie vor einem Zaubersange derSchrein seines Herzens, und längst verschollene Bilder tauchten wieder auf, leuchtend und frisch. Er sah sein Vaterhaus wieder, das alte Patrizierhaus am Marktplatz der stolzen ehemaligen Reichsstadt. Er schritt durch das stolze Portal, an dem auf blitzendem Messingschild der Name seines Vaters stand: Max Welten, derselbe Name, den auch er trug. Durch das eifrige Hasten und Treiben der Angestellten des Geschäftes, die vor dem frühzeitigen Feierabend noch so manches zu erledigen hatten, schlüpfte er hindurch, nicht ohne daß der ein oder andere ihm liebkosend über den blonden Knabenkopf gefahren wäre, und hüpfte die glatt gebahnten Stufen der breiten Treppe hinauf. Droben legte er das Auge an das Schlüsselloch der Wohnzimmerthllr und schaute hinein. Hei. was sah er da! Beim hellen Schein der großen Lampe saßen Vater, Mutter und Schwester ihn den Tisch berum. und wabrend der Vater beim Glase Rothwein tmt Zeitung las, war die Mama mit Lieschen eifrig beschäftigt, an das auf einer großen Schüssel liegende Backwerk bunte Bändchen zu binden. Da waren gute Sachen, Hopserle und Springerle und Basler Leckerle, alles so recht gemacht für Mäxchens Leckermaul. Und in dem großen Korbe, der am Tische stand, lagen da nicht ooldene Aepfel und Nüsse? Da gab's die Feiertage über etwas zu schnabuliren! r- i'-'' Als er sich satt gesehen, überlegte er sich, daß ihn jetzt doch Niemand vermissen würde, und schlich sich wieder die Treppe hinunter und zum Thore Kinaus auf den Marktplatz. Denn da gab's erst recht schöne Sachen zu sehen,' da war ia der Wechnachtsmarkt. xit Buden mit Pfefferkuchen, die langen Reihen Tannenbäume, die Buben mit den Waldteufeln und Christschäfchen und so vieles andere mehr. Am allerschönsten aber war's vor dem großen Spielwaarenladen an der Ecke. So groß das Gedränge auch war, Max schlüpfte doch bis dicht an die große Spiegelscheibe vor. Und da stand er denn im Gedränge, wie eine Mauer, stundenlang, und sah mit Augen, die immer größer wurden, auf all die Herrlichkeiten, die dort ausgestellt waren. Da war eine Burg mit einer Fahne auf dem Thurm und einer richtigen Zugbrücke am Wall.- Davor paradirte eine ganze Division Bleisoldaten, große und kleine, flache und runde. Infanterie und Artillerie. Husarm und Ulanen, Dragoner und Kürassiere. Es war wundervoll. Dann war da ein Eisenbahnzug. der über eine Brücke fuhr, und ein richtiges Dampfschiff mit Schornstein. Rädern und Segeln. Und der Kaufladen mit der Wage auf dem Ladentisch und der Harlekin, der die Becken schlug! War das fein! Max stand und sah und bewunderte und konnte nie mit sich einig werden, was er sich wünschen sollte. Und endlich kam der Weihnachtsabend. Die ganze Familie stellte sich ein; der Großpapa und die Großmama, Onkel Franz und Tante Marie mit ihren Kindern. Man saß zusammen im grünen Zimmer; die Großen tranken Glühwein, und die Kinder bekamen Chokolade mit Biskuit. Und nebenan im Salon, der fest verschlossen war, hörte man ein merkwürdiges Kramen und Poltern, und keines von den Kleinen konnte ruhig auf seinem Stuhle sitzen. Alle Augenblicke sprangen sie auf, liefen ur Salonthüre, und horchten, was da drinnen vorging. Und wenn die Ungeduld am höchsten gestiegen war, klingklingkling!" hörte man plötzlich den feinen Ton eines Glöckchens. die Flügelthüren sprangen weit auf und ah! das war eine Pracht! In Hellem Lichterglanze stand da ein großmächtigerWeihnachtsbaum. Goldene und silberne Ketten schlangen sich von Ast zu Ast. schimmernde Sterbe und Kronen hingen an den Zweigen.dczwischen die schönsten Lecke reien, und hcch oben auf dem Wipfel
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schwebte ein blondlockiges Engelchen mit goldenen Flügeln und blies mit vollen Backen in die Posaune. , Das
war nun fast das Schönste beim ganzen Weihnachtsfest, fo fchön, daß Max, als ihn der Großvater einmal fragte, was er werden wolle, ohn? Besinnen antwortete: Christbaumengel . Unter dem Baum, da lagen dann die Geschenke, die mit Jubel gemustert wurden. Da lag em Helm und em blitzblanker Säbel, auch eine Trommel fehlte nicht; da stand der Kaufladen mit der Wage und da war auch der Ziegenbock mit den langen Hörnern . , " 1 -Tf V, . UNO mir rillziigein tfcu, an ocrn man ihn zausen konnte. Hurra, das war ein Fest! Nachdem alleS genügend besehen war. setzte Onkel Franz sich an's Clavier und nun wurden Weihnachts-' lieder gesungen. Zuerst Stille Nacht, heilige Nacht.", Dabei stand man hübsch still und' faltete, die Hände. Dann kam Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen". Dabei faßten sich alle an den Händen und tanzten im Ringelreihen um den strahlenden Baum. Und wenn dann das Lied zu Ende war und den Reihen sich auflöste, stürzte ein jedes zu seinen. Geschenken hin. Da ging erst die wahre Lust an. So streng sonst die Hausordnung war. an diesem einen Abende im Jahr wurde davon abgegangen, und die Kinder durften so lange spielen und tollen unter dem flimmernden Tannenbaum, bis ihnen die Augen vor Müdigkeit zufielen. Dann erst wurden sie zu Bett gebracht, das sie am andern Morgen so früh wie möglich verließen, um wieder zu den Herrlichen Gaben des Christkindchens zu tilen. Hol der Teufel das alberne Traumen!" fluchte der Mann. Und statt der hellen Bilder, an denen er sich eben gelabt, über denen er die jämmerliche Gegenwart vergessen hatte, stiegen jetzt andere von ihm auf.die ihm seine Tborbeiten und Berirrungen, seine Sünden und sein Elend vor die Seele führten. Hätten seine Eltern geahnt, daß das Theater seinBerhängniß werden sollte, so hätten sie gewiß alles gethan, ihn davon fern zu halten. So aber freuten sie sich, daß er, als er größer wurde, seine Abende am liebsten im Theater verbrachte. Sie meinten die Beschäftigung mit der Kunst, das Interesse für die Schöpfungen großer Dichter und Componisten könne seiner geistigen Entwickelung nur förderlich sein, und bedachten nicht, welche Gefahren ein' leicht entzündbares junges Herz dabei läuft. Solange er noch die Schule besuchte, ging ja Alles gut. Als er aber als Lehrling in das Geschäft seines Vaters eingetreten war. da genügte es ihm nicht mebr, aus der Loge seiner Eltern dem Spiel auf der Bühne zuzusehen, er suchte den persönlichen Umgang mit den Künstlern und den Künstlerinnen, die für seine Phantasie höhere Menschen waren, als die Leute, mit denen er täglich zusammenkam. Der leichte Ton. der in diesen Kreisen herrschte, sagte, ihm zu. mehr als gut war. Er fing an, mit ihnen dieNächte zu verbringen und seine Arbeit zu vernachlässigen. Doch vor dem Schlimmsten wäre er verschont geblieben, hätte sein Herz nicht für-eine Sängerin Feuer gefangen, die den jungen, unerfahrenenBursehen geschickt auszunutzen verstand. Es dauerte nicht lange, so lag er ganz in ihren Banden, er war glücklich.wenn er ihr ein Geschenk darbringen, einen ihrer Wünsche befriedigen konnte. Und da sein Geld dazu nicht ausreichte, machte er Schulden; Credit fand er nur zu leicht. Sie aber kettete ihn mit tausend Künsten immer fester an sich, und als sie nach Ablauf ihres Engagements die Stadt verließ, da that er den letzten, den schlimmsten Schritt auf der abschüssigen Bahn er entwendete seinem Vater eine beträchtliche Summe Geldes und fuhr ihr nach. Ein lustiges Leben hatte dann begönnen, sie warfen beide das Geld mit vollen Händen zumFenster hinaus und versagten sich keinen Wunsch. Und wenn ihm Bedenken und Zweifel aufstiegen, dann umstrickte ihn die Schmeichlerin auf's Neue mit verschwenderischen Liebkosungen und schwur ihm, daß sie ihn unsäglich liebe. Sein Leben hätte er dann für sie hingegeben, denn er glaubte an ihre Liebe. An ibr: Liebe. Sabababa! Er lackte laut auf. daß es unheimlich an der Berglehne widerhallte. , Als sein Geld in nichts zerronnen war, da konnte er sehen.wie echt lhre Liebe war, Leichtherzig und kalt wies sie ihm die Thür und wandte sich einem neuen Verehrer zu, der die Tasche noch voll Goldstücke hatte. Er raste und tobte. er wollte sich das Leben nehmen, aber selbst dazu fehlte ihm der Muth. Er wurde krank und kam in's Spital, dort laa er monatelang. Endlich war er genesen. Was sollte er nun beginnen? Oft setzte er sich nieder, um nach Hause zu schreiben, um Verzeihung zu bitten, aber dann übermannten ihn .Scheu und Scham,
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und der Brief blieb ungeschrieben.' Er versuchte bald dies, bald jenes, nichts l
wollte ihm recht glucken. Er begann zu verzweifeln, feinem Leben ein baldiges Ende zu wünschen. Und doch schauderte er, wenn er daran dachte. Aber er wußte nicht, wie er sich wieder in die Hohe arbeiten sollte. Dunkel und finster lag die Zukunft vor ihm. Er hob den Kops und sah mit ver träumten Augen um sich. Er mußte sich erst ein paar Minuten besinnen, ehe er sich aus seinen Träumen in die Wirklichkeit zurückversetzte. Frühe Nacht hatte sich über die Berge herangeschlichen und wob ihr dunkles Netz über dem Walde. Seltsam schimmerten die weißverhangenen Tannen aus der Finsterniß hervor und der Weg schien zwischen ihnen sich in die Unendlichkeit fortzuwinden. Schnee und Nacht, trostlose Einsamkeit, so weit er blickte ein Bild seines künftigen Lebens. Ihm graute, als er daran dachte. Er erwog, ob er nicht am besten thäte, sich im Straßengraben in den weichen. kühlen Schnee zu betten und emzuschlafen. Am andern Morgen würde man ihn erfroren finden und irgendwo in emem Kirchhosswmkel zu: Ruhe betten. Mehr hatte er ja doch auf dieser Welt nicht zu erwarten. Aber als er nun vom Weg herunter trat, da raschelte es im Gesträuch und ein paar Raben flogen auf. die sich dort ein geschütztes Plätzchen für die Nackt gesucht hatten. Als er die Todtenvogel taumelnd aufflattern sah. schrak er zusammen. Wenn man ihn nun nicht fand, wenn er liegen blieb ein willkommener Fund sur vte ichwarzen Gesellen? Mit beiden Händen schlug er in die Lust, das häßliche Bild zu verscheuchen. Dann sprang er auf den Weg zurück und lief, als säße der Verderber ihm schon im Nacken, vorwarts, weiter, immer weiter. Fort, hinaus aus dem unheimlichen Grauen des Waldes! Der Weg senkte sich, die Tannen wurden niedriger. Drunten sah er ein Licht schimmern. Gott sei Dank, er war in der Nähe menschlicher Behausungen. Aber seine Kraft ging auch zur Neige, er mußte im Laufen innehalten und Athem schöpfen. Dann fchritt er mit zitternden Knicen zur Thalsohle hinab. Da war das Haus, dessen Licht ihn angezogen hatte. Ein BahnwärterHäuschen, das hier einsam und allein im Walde stand. Drinnen brannte ein Christbäumchen, ein winziges Ding. Ein paar Aepfel und Nüsse, ein paar bunte Papierkettchen hingen an den Zweigen, ein paar Kerzchen funkelten darauf, und doch herrschte eitel Freude und Seligkeit da drinnen und frohes Lachen tönte zu dem Einsamen heraus, der elend und neidisch durch die Scheiben schielte. Jetzt klang die elektrische Glocke und meldete den nahenden Zug und bald hörte man ihn durch die schneebedeckten Gründe heranbrausen. Da öffnete sich die Thür des Häuschens und der Bahnwart trat heraus. Scheu zog sich Mar hinter den Holzstoß zurück. Der Mann schritt langsam über den knirschenden Schnee, die Fahne im Wachstuchüberzug in der rechten, die Laterne in der linkenHand. Neben der Telegraphenstange faßte er Posto und ließ den keuchenden Zug an sich vorüberrollen. Alle Coupees waren hell erleuchtet und dicht besetzt. Die Glücklichen da drinnen, sie fuhren alle der Seimatb und dem Feste zu und konnten es kaum erwarten, bis ihr Ziel erreicht war. Und daheim warteten ibre Anaeböriaen voll Unaeduld auf ihr Kommen. Auf den Mann am Holzstoß wartete . Niemand. Es überkam ihn wie ein brennender Durst, mit jemand zu sprechen, ein freundliches Wort zu. hören. Er trat auf den Beamten zu. als dieser m's Haus zurückkehren wollte, und bot ihm auten Abend. Der aab den Gruß zurück und fragte erstaunt: Wohin denn noch so spät?" 5ln's Nachtauartier." Da haben Sie noch einen guten Marsch vor sich. Und dabei ist's hübsch kalt heut Abend." . .Danach darf unsereins nicht fragen. Aber für Sie ist's , auch kein Vergnügen, m der Kalte aus der war men Stube heraus zu laufen." Vergnügen freilich nicht, aber eS kann nicht alles Vergnügen sein. Man tbut eben seine Pslicht. Man tbut eben seine Pflicht. Die Worte klangen Max noch immer im Ohre, als er schon langst wieder weiter zog. . Der schlichte Mann hatte, das als etwas so Selbstverständliches be trachtet. Und er? Hatte 'er denn seine Pflicht aethan? Hatte er sie nicht vielmebr.veräcktlick beiseite geschoben. wie etwas Ueberlästiges?. Ihm wäre es wahrscheinlich leichter gewesen, als dem Bahnwart, und müheloser, und was hatte er gethan, was that er noch? Diese Fragen drängten sich ihm auf, als er so durcu die stille Nacht daym schritt, und wollten sich nicht abweisen lassen, und mit ihnen zog ein ernster Gast in seme Seele em. die Neue, nlwiscken datte ihn leine Strafe ,wiscken den letzten Hügeln hindurch in's frei: Land geführt. Der Mond war aufgegangen, seltsam klar und glänzend, und die weite, weiße Ebene lag schimmernd in seinem Glänze. Max schritt die verschneite Straße entlana. bis er an einen Wegweiser kam. wo die Wege sich theilten. Da blieb er fahrn, scklotternd vor ftroft. und
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suchte die Jnchnst auf den tafeln des Weisers zu entziffern. Links hinüber ging's zu einem kleinen Dörfchen, es war ganz nahe. Aber dort rechts er meinte, sein Herz stände still, als er den Namen auf der Tafel las. Was fick da drüben so mächtia breitete, das war ja seine Vaterstadt, seine Heimath! in der Einsamkeit der Nackt erfaßte es ihn plötzlich, wie ein Zauber, o r , -c :i r.:. . . oas jycimiuci; mu jciuci Punzen wunderbaren Macht kam über ihn, und lemer selbe? kaum macktia. unbewunt. )nt im Traum, scklua er den Mea ein. den der rechie Arm des ULegwelZers deutete. Jm:uer klarer traten die Conturen er Qäusermassen aus der Nackt, immer mehr aliederte fick die sckwarze Riesin vor seinem Blicke, endlich hatte er die &tam erreicht. Jetzt trat er auf den Marktplatz. Da war es ganz wie einst: die Buden mit den Pfefferkuchen, die langen Reihen Tannenbäume und all das andere. Und dort drüben neben der Kircke daS stolze Patrizierhaus mit dem hohen Glevel und den hell erleuchteten Fenstern sein Vaterbaus! Durck das Gedränge fesiesfroher Menschen bahnte er flch femen Weg dorthin. Vor dem stattlichen Vortal stand er still und las auf dem blinkenden Messingschilde den 'camen Max Veiten", seines VaterS Namen, den auch er trug, den er geschändet und verunehrt hatte. Einen Augenblick dachte er daran, wieder umzukehren. Aber er wollte helmkehren, der verlorene Sohn, und zu ftüfan der Eltern ihre Verzeihung erflehen. Und wenn er sie erhalten, dann begann die -ubne, das neue, bessere Leben. Feierlich hob er. wie zum Eide, die rechte zum klaren Nachthimmel empor. Dann leate er die Sand auf die . ' ' ' löwenköpfige Klinke der Thüre. Der icuwere zZlugel gmg langsam, knarrend vor iym aus. Noch ein tiefer Athemzug. dann trat er hinein in's Vateryaus: Mngestechen in Virginia. Manche schöne Weihnachtsbräuche Hnd in unserem poesielosen Zeitalter, 7 .tf V fVi It V lvelazem oic allgemeine zago nacq vem Dollar ihren nüchternen Stempel aus gedrückt hat, in Vergessenheit gerathen und namentlich hat die anglo-amerika-nische Bevölkerung unseres Landes kein rechtes Verständniß für den poetischen Zauber, mit welchem die Deutschen das Weihnachtsfest umkleiden. Nur in einigen Gegenden des Südens haben sich emige uralte Weihnachtsbräuche erhalten, wie das Ringestechen m Virginia, das unzweifelhaft em Ueberbleibsel der alten Rittertourniere ist und in der Old Dominion" auch noch diesen Namen führt. Ist ein Tournier angesagt worden, so bemachtigt sich der aesammten Bevölkerung eine fieberhafte Aufregung, und die zungen Manner. welche sich an. dem Wettkampfe betheiligen wollen, bereiten sich auf das große Ereignitz mit der größten Sorafalt vor. Für das Tournier wird aus einer weiten Ebene eine Rennbahn von 72 Fards hergerichtet und auf der rechten Seite derselben drei Pfosten in einerEntfernung von 24 Yards von einander aufgestellt; JnderArena. die etwa 12 Fuß hohen Pfosten haben am oberen Ende einen Querarm von li Zoll Durchmesser, von welchem an Dräbten drei Rinae berabbänaen. Es ist nun die Aufaabe der Ritter, in vol lem Galopp mit eingelegter Lanze nach den Rinaen au stechen, und da dieBahn in acht Secunden durchmessen werden muß. liegt es aus der Hand, datz nur vorzüalicke Reiter, die ein sicheres Auae und eine feste Faust haben, einen Ring mit der Lanze aufzuspießen imstande sind. 5!eder Tbeilnebmer an dem Tournier darf dreimal durch dieBahn reiten und nach den Ringen stechen und wer den Sieg erringt, wird feierlich ais Koma des Fettes ausaerufen. Ist der Tag des Tourniers gekommen. dann strömt die Bevölkerung von weit und breit herbei, um dem interessanten Schauspiel zuzuschauen. Alt und Jung, Reich und Arm. Vornehm und Gering, Weiß und Schwarz Alle kommen, zu Pferd, zu Fuß. m eleaanten Eauipaaen und anteouuvla nischen Karren. Die Damen und Preisrichter nehmen auf einer besonderen Estrade Platz und unter Führuna des Cbef-Marschalls sprengen die phantastisch costümirten Ritter in die Arena. Vor der Estrade machen sie Halt und salutlren mit den ganzen, woraus der Festredner sich in schwungvollen Worten über die Bedeutung des
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Tourmers ergeht und die jungen Ritter zu kühnen Thaten anspornt. Unter den sckmetternden Klängen der Musik galoppiren die Kämpen dann an das
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Proklamation des Siegers. Ende der Bahn und der Wettkampf nimmt seinen Anfang. Es ist ein prächtiges Schauspiel, die vorzüglichen Reiter in sausendem Galopp durch die Arena sprengen und den frenetischen Jubel der heißblütigen Südländer zu hören, wenn ein besonders guter Stoß gelungen ist. Nach Beendigung deS Tourmers wird der Sieger von dem Marschall und seinen Mitkämpen nach der Tribüne escortirt. wo er, nachdem sein Name der Menge verkündet worden. die Königin des Festes bezeichnet. Am Abend findet ein solenner Ball statte Nachdem der König und die Königin den Saal betreten haben, werden sie nach erhöhten Sitzen geleitet. worauf der Festredner, in Bischofstracht gekleidet, und von dem Kronenträger gefolgt, vor das Paar tritt. Der König und die Königin knieen nieder, und nachdem Ersterer gekrönt worden, setzt er selbst eine Krone von Blumen auf das Haupt der Königin. Dann treten Beide, gefolgt von ihren Getreuen, zum ersten Tanze an und bald herrscht allgemeine Fidelitat, die gewöhnlich erst ihr Ende smbet, wenn die Hähne den nahenden Morgen verkünden. Weihnachtszeit. Sobald mit dem ersten Adventsonntag die ahnungsfrohe Weihnachtszeit angebrochen ist, macht nach dem sinnigen Glauben des Volkes Christkind sich auf, um die Krone aller Feste- zu rüsten. Vom hohen Himmel kommt es her und bringt den Menschen hienieden Friede. Freude und aller Wünsche GeWahrung. Pnnceps saeculorum, Herr der Jahrhunderte, hat Christkind das Erbe der Vorzeit angetreten und willig dienen ihm die überwundenen Götter. ' Hruodperaht, der nchm glänzende" Wotan selbst ist als Knecht Ruprecht dem holdseligen Kinde unterthan und durch Frost und Sturm der sanften Führung folgend, beugt er der Weihnachtsbürde seinen mächtigen Rucken. Am 6. December, dem Tag des Erzbischofs von St. Nikolaus von Myra, des wunderthättgen Kinderpatrons, wandert das Christkind mit seinem getreuen Knecht aus dem Wald, wo sie den Llchterbaum geholt, nach der Stadt zum Einkauf der Bescheerung. Jeder Händler nun schenkt ihnen als Zuwage eine Handvoll Zuckerzeug. Aepfel oder Nüsse, und diese Dremgabe ist es, die Christkindlein dem Ntflo" zu Ehren dessen kleinen Freunden, so sie brav und gelehrig sind, noch in derselben Nacht freigebig spendet, wahrend für die faulen und unnützen Ruprecht die Ruthe bereit hält. Auf dem Wege über die verschneiten Felder, den die Rehe zutraulich geleiten, rührt Christkind ein sil bernes Glöcklein, um die bösen Geister zu verscheuchen, die Frommen aber zu mahnen.daß der heilige Abend nahe ist. In der geweihten Nacht, im Alt'. deutschen poetisch die .Mutternacht" oder auch iperalita, die leuchtende, genannt, feiert nach der Tradition dil gesammte Natur das erlösende Wunder. Da birst das Eis und schmilzt der Schnee, in einer Stunde erblühen die Blumen, ergrünt das Laub, erwächst die Frucht, alle Bronnen werden Wein und alle Bäume Rosmarein", die Vöglein lobsingen der reinen Mait", Ochs und Esel reden und die leblosen Steine selbst regen sich, als wollten auch sie mitjauchzen, dröhnend von ihrer Stelle. Der Jubel der Schöpfung hallt nach in der Menschen Brust, denn das Heil ist der Welt geboren. Segenspendend ruht es in des herzlieben Kindleins- Gestalt auf dem Schoße Maria's, die demüthig das ihr von zahllosen Zungen dargebrachte Lob hinnimmt. , Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen!" wiederholt ihr Hymnuö das erlösungsverheißende Wort der Engel. Den Völkern insgemein war die Offenbarung erklungen und darum wies des Glaubens hellfunkelnder Stern alsbald auch den Herrschern der Heiden den Weg zum Quell des Lichts", damit sie legten Herz und Krone zu des Kindes Füßen nieder-. Gold, den königlichen -Tribut, Weihrauch, der wahren Minne Sinnbild, und Myrrhe zum Zeichen der Geduld im Ungemach brachten die heiligen drei Könige aus dem Morgenlande, Kaspar. Melchior. Balthasar am Epiphaniastage vor der Krippe von Bethlehem dar. Mit der Erleuchtung der Heiden am 6. Januar, dem deutungsreichsten und ältesten Festtag der jubelreichenWeihnachtszeit, schließt endlich der Cyclus, der wie ein herrlicher, ewig neu blühender Kranz sich um die Geburt deZ Christkindes schlingt. SchlechteAusrede. Richter: Sie räumen also ein, die Klägerin geküßt zu haben können Sie einen MilderunaSarund dafüv anae- ' ien?" Angeklagter: Ich habe , die Dame mit einer Briefmarke, die ich . geradkankleben wollte, verwechselt!"
