Indiana Tribüne, Volume 20, Number 94, Indianapolis, Marion County, 20 December 1896 — Page 6

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ÄraLischcKochzcit. Swi N. Römer. D Charakter einer arabischen Hochzeit ist gegenüber unseren heimischen Gebräuchen so abweichend und grundverschieden, wie die Stellung, welche die Frau im Orient und im Abendlande einnimmt. Ein glücklicher Zufall hat mich in Egypten an einem einzigen Tage zum Trauzeugen" bei zwei arabischenHochZeiten gemacht. Die eine spielte sich in volksthümlich-einfachen Formen ab, die andere entwickelte sich mit allem Geprange, welches vornehme Geburt und Reichthum mit sich brachten. Wir waren in das Dörfchen gekommen, um eine Erfrischung einzunehmen, und traten in den einzig vorhandenen Bakial, einen primitiven griechischen Kauf-

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Dorshochzeik. laden, der bei einer Größe von- drei Metern im Quadrat eine Unsumme der gangbarsten Artikel" enthielt. Nach der Straße zu standen ungeheure Säcke mit Nüssen, Leckereien für die kleine braune Bevölkerung, und auf den Wandregalen unappetitliche Behälter mit eingemachten Oliven. Die schwebende Decoration bildeten getrocknete, auf Schnüre gezogene Fischchen, die nach einer Aufweichung von zwei bis drei Stunden in einen genießbaren Aaqregatzustand- übergehen sollen. Wir placirten uns auf zwei der hinfälligen" Stühle und schlürften den glühend hein Kaffee, den der kleine Kaufherr credenzte. Unser Erscheinen lockte die Bewohner vor den Bakkal, bort wo sie in hochgespannter Neugier jede Miene und Bewegung verfolgten. Die Honoratioren des Ortes kamen in den Laden und begrüßten uns nach arabischer Vornehmer Hochzeitszug. Sitte. Allmählich staute sich die kleine Welt draußen im Halbkreise. Plötzlich aber zerstob sie in alle Winde, als leise, dann immer näher kommend und lauter, ein seltsames Getön und Gequietsche sich vernehmen ließ. Wir fragten, was es zu bedeuten habe. Es war. wie man erklärte, die Musik, die eine arabische Hochzeit begleitete. Schnell wollten wir uns erheben, um das eigenartige Schauspiel aus der Nähe zu betrachten, da erbot sich einer der Araber, den Zug uns zu Ehren am Bakkal vorbeizuführen. Die Musik kam näher und näher, und bald tauchte die merkwürdige Gesellschaft vor unseren Augen auf. Voran schritten alte Flötenspieler undBläser. die in komisch wirkendem Ernst die Luft mit schrillen, gellenden, ohrzerreißenden Tönen erfüllten, begleitet von Pauken- und Tamtamschlägern. Es waren fürchterliche Naturlaute, ohne die entfernVornehmeBräut. teste Spur einer Melodie. Vor den Musikern" wscenirten zwei halbwüchsige Burschen einen Scheinkampf mit mannslangen Stöcken, unter plumpen, possenartigen Sprüngen; sie thaten so, als ob sie die schwersten Anstrengungen vollführten, und weckten durch ihr Gebaren stürmische Ausgelassenheit. Vor dem Bakkal traten die Musiker beiseite und machten der Braut den We frei. Diese schritt unter einem grellrothen, mit Flitterwerk aufgeputzten Baldachin, dessen Stöcke vier junge Hockzeitsgäste trugen. Geführt von zwei tiefverschleierten Weibern, ist die Braut selbst über und über in Gewänder und dicke, farbige Tücher gewickelt, welche sie vom Scheitel bis zur Sohle unförmlich einhüllen. Ihr Kopf tragt einen münzenbesetzten Putz und ist mit seidenen Shawls umwunden. So vermag sie von der Außenwelt nichts wahrzunehmen, und selbst der grelle Hochzeitsreigen" dringt nur leise an ihr Ohr. Jetzt verdoppelt sich die Musik zu unheimlich wilden, trommelfellsprenSenden Tönen, um dann plötzlich in leisen. 'melancholischen Seufzern auszuklingen. Der Melodie entsprechend gebärden, sich die beiden naiven Scheinkämpfe: und Tänzer wie rasend. Soizlb sie ihrc Kraft erschöpft haben, treten andere Burschen an ihre Stelle. Dem Zuge der Braut folgt die ganze Dorfgemeinde in ungezwungener Lebendigkeii und Hellem Jubel; nur den Bräutigam sucht man vergebens. Die Jugend von Turra verfehlte nicht, uns auf die Sehenswürdigkeit

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groteske? Pa? und Sprunge hinzuweie.. Nach ercr Weile machten sich auch zarte Anspielungen auf Backschisch" bemerkbar, die schließlich zu

einem lauten, gewaltigen Chorus anschwollen. Da kam uns der Gedanke, in die Nußsäcke hineinzugreifen und ganze Hände voll mitten in das kleine Volk zu werfen. Die Wirkung war überraschend: die Burschen hatten mit einem Mal Tanz und Sprel und Hochzeit vergessen, stürztm sich urplötzlich drunter und drüber und balgten sich um die Nüsse mit wildem Hallo. Als gleich darauf eine zweite, vermehrte Auslage" erschien, stellten die Flötisten ihre Schalmeien" und die Paukan ten" ihre Kessel beiseite, der Baldachin klappte über der Braut zusammen; die Aermste verlor ihr Gleichgewicht und wurde erst auf ihr leises Wimmern wieder emporgerichtet. Die vergnügliche Volksscene hatte uns das Vertrauen- der Vornehmen eingebracht; man klopfte uns wohlwollend auf die Schulter und kargte nicht mit anerkennenden Worten, wie Guter Mann, braver Mann." Mittlerweile war der ganze Vorczth aufgelesen. Der Zug ordnete sich wieder; man geleitete die glückliche Braut" weiter durch das ganze Dorf und machte dabei nur kleine Stationen vor den Häusern der Angehörigen. Am Abend wird die Braut ihrem lünftigen Gatten zugeführt, der tags zuvor mit einer ähnlichen, höchst anstrengenden Ceremonie geplagt worden ist. Vornehmes Hochzeitszelt. Ein Gegenstück zu diesem ländlichen urwüchsigen Aufzuge bot sich uns am Spätnachmittag bei der Rückkehr nach Kairo. Es war die Hochzeit einer vornehmen Paschastoazter. Der Grundcharakter jener andern Feier ist hier in's Reiche und Prunkhafte übertragen. Dem Zuge vorauf schreiten kostbar geschirrte Kameele. ausgestattet mit goldgestickten Behängen und Muscheldecken. Die Thiere lind ganz und gar übertüncht mit Kreisen in rothen und weißen Farben. Auf den Kameelen, die von geputzten Leuten geführt werden, sitzen Paukenschläger und reranstalten eine dröhnende Musik aus kupfernen Kesselpauken. Flötenspieler folgen in großer Zahl. Wasserträger besprengen den Weg und bieten der Menge einen erquickenden Trunk, während andere Leute süßen Fruchtaufguß vertheilen. Tänzer haben sich als Frauen verkleidet und überreich mit Kettenbehang geschmückt. Sie führen den Bauchtanz auf. und ihre grotesken Bewegungen verursachen schallende Heiterkeit. In unabsehbarer Zahl schließen sich gedeckte Wagen an, aus denen verschleierte, jedoch neugierige Haremsfrauen und mit buntem Flittertand ausgeputzte Kinder herauslachen. Die Braut selbst hat ihren Platz in einem besonders reichen Wagen oder thront auf wundervoll geschirrtem Kamnl unter einem hohen, gestickten Baldachin. Der Zug geht durch die Hauptstraßen und hält an den Wohnunaen der Verwandten des Paares; während dieser kurzen Rast läßt die Musik ihre Weisen ertönen. Für den Abend waren wir mit einer förmlichen Einladung zur Hochzeitsfeier bedacht worden. Das Haus des Bräutigams wurde von einer großen Menschenmenge umlagert. Die ganze Straße war von einer Seite zur andern mit gläsernen Lampen, kostbaren Krlstallkronen und zahllosen bunten Fahnen geschmückt, die an Schnüren hingen. Vor dem Hause selbst stand ein riesengroßes, prachtvolles Zelt. Das Licht der Ampeln schimmerte und glitzerte auf den buntfarbigen Zelttüchern, die mit den schönsten arabischen Mustern und Ornamenten gestickt waren, und verlieh dem Ganzen einen feenhaften, bezaubernden Reiz. Für die Gäste waren Bänke aufgestellt, welche, je nach ihrer Stellung zur Thür, den Rang und das Verhältniß zum Wirthe andeuteten. Wir als Fremde wurden durch dieses Zelt in ein Jnnengemach des Hauses geführt, in welchem die Würdenträger, Paschas. Veys und sonstige vornehme Gäste versammelt waren. Der Wirth dankt freundlich für unser Erscheinen: er ist schon müde, und seine Stellvertreter übernehmen die Pflichten der Unterhaltung. Kaffee Tänzerin Frauenkleidung. und Cigarren werden gereicht, und so oft Jemand erscheint, wird die Auslage gleich wieder für alle erneuert. Für die Fremden ist auch Cognac vorbanden, der natürlich den Streniläuöigen gar nicht erst angeboten wird. Beim Gespräch ist von der Braut niemals die Rede, und es würde ols ein Zeichen von Bildungsmangel und UnHöflichkeit gelten, wollte man sich nach ihrem Wohlergehen oder vbir Haupt nach ' dem Befinden weiblich:? Familienmitglieder erkundigen. ' Das genus feiuininurn ist in keinem Zimmer vertreten, auch Eurcpäerinnen bleiben diesen Räumcn fern. Die Damen werden von der Straße aus gleich nach der anderen Seite des Hauses geführt; dort spielen sich in den Gemächern ähnlich: Vorgänge ab.

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! Den Mittelpunkt des Cercle bildet die j Braut. Sie ist hier natürlich unvcr schleiert und prangt tm schmucke bli hender Edelsteine. An den Schie.ien ihres Gewandes sind kostbar, lamettaartige Schnüre befestigt, welche, l'.dcr laden mit Brillanten und seidenen Banden, bis zur Erde hmadr:ich?n. Tänzer. Wir selbst werden nach einem Auf enthalt von einer bis zwei Stunden zum Hochzeitsmahl- geladen. Die unbeholfensten Männerhände serviren die Speisen, und ga?z regellos werden die einzelnen Gange des Menüs ge reicht: der Salat zur Suppe, der Nachtisch vor dem Fleisch und dahinter das Gemüse. Die Europäer erhilten Messer und Gabel; die Eingeborenen bekommen die Speisen so zerkleinert, daß sie die Bissen gleich mit den Fingern zum Munde führen können. Zur Tafel wird auch Wein credenzt, und eilfertig springen die Diener herbei, um jedes geleerte Glas zu füllen. So geht es bis in die sinkende Nacht. Erst allmählich und langsam verabschieden sich die Gäste. Sie russische Kapcllc in Bad Homburg. In Gegenwart des russischen ZarenPaars, der Kaiserin Friedrich, des Großherzogs von Hessen, der Großfürstin Sergius. des Prinzen Friedrich Karl von Hessen und vieler Würdenträger hat zu Bad " Homburg die feierliche Grundsteinlegung einer rusfischen Capelle stattgefunden, deren Frontansicht wir im Bilde geben. Die Kapelle wird nahe der Kaiser-Fried-rich - Promenade im Curpark errichtet. Die Gesammtlänge des Gebäudes soll 15, die Breite 10 Meter, die Höhe der Kuppel vom Fußboden 18 Meter betragen. Der orthodoxe Ritus erfordert, daß der Eingang genau nach Westen, der Chor nach Osten liegt. Die Kapelle steht daher nicht parallel zur Straße, sondern bildet mit ihr einen spitzen Ansicht, der Kapelle. Winkel. Sie zerfällt in vier Theile: die Vorhalle mit demEingcmg, den von der Kuppel überwölbten Mittelraum, den im Halbrund geschlossenen Chor mit Altar und Gründstein sowie eine Seitenkapelle. Insgesammt bietet das Gebäude für 200 Personen Raum. Als Material wird Prebacher Sandstein verwendet, dtfien Quadern auch das Schloß der Kaiserin Friedrich, Friedrichshof, und das Berliner Reichstagsgbäude zieren. Die Kuppel erhält reichen Goldschmuck, und für die Innendecoration ist werthvolle Mosaik vorgesehen. Die Umgebung der Kapelle wird mit gärtnerischen Anlagen, Blumenparterres und Gebüschgruppen, ausgestattet; die vielgestaltigen Baumgruppen des an landschaftlichen Relzen so reichen Curparks bilden einen wirkungsvollen Hintergrund, von dem sich das neue Gotteshaus als eineZierde Homburgs abheben wird. Vackfischgedanken. gaj äs 55 Ach wieviel Raum ist in jener kleinen Hütte wenn ich nur erst ein liebend Paar wäre! Der Geizige zeigt nur Interesse für Interessen. Heimweh. Weshalb geht denn der Müller immer Punkt 9 Uhr aus der Kneipe heim?- .Na, sonst bereitet ihm seine Alte Heimweh!P h l e g m a. Lehrerin: Elli nennenSie einBeispiel höchsten Phlegmas! Höhere Tochter: Wenn beim Passiren eines Tunnels ein junger Mann neben einer jungen Dame regungslos sitzen bleibt. Opfermuthig. UmHimmelswillen, wie kommst Du wieder nach Hause? Du fällst ja gar in die Stube hinein! Ja. sieh', Liebchen, ich habe als getreuer Staatsbürger mit Aufopferung für das Väterland gearbeitet, damit recht viel Biersteuer wird, und das macht so so müde! Darum. A.: Du wirst doch auch eine Kleinigkeit für unsern Vereinsball geben? B.: Nein, ich werde überhaupt ganz aus dem Verein saiden; es hat ein Umschwung meiner Verhältnisse stattgefunden A.: Hast Du etwa Pech gehabt? B.: Das gerade nicht, aber meine , Frau führt jetzt die Casse! .

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Scgcrschissaytt. Der menschliche Geist hat JahrtaL

sende lang an der Vervollkommnung der Schifsfahrt gearbeitet, und die Cr findungen, die Kraft des Windes aus zunutzen, sind noch lange nicht abge schlössen. Die Grundgesetze der Se gelkunst sind durch die wirkenden Naturkräfte geK:bn. Jedes Schiff hat in der Höhenachse; also der Richtung des Mastes, einen Punkt, um den es sich seitlich dreht. Der Mast oberhalb wie unterhalb dieses Punktes zerfallt dadurch in zwei Hebelarme. Wirkt auf Schiff des 17. Jahrhund e r t s. . den oberen eine Kraft ein, in diesem Falle das windgefüllte Segel, smuß der untere, sei es durch die qrm des Fahrzeugs oder Ballast, ge.ützt werden. sonst schlägt dasselbe um. Weiter dreht sich das Schiff um einen Punkt in der Längsachse. Jede Kraft, die vor oder hinter diesemPunkt einwirkt, wird dasselbe nach der entsprechenden Richtung herumdrängen. Diese beiden Punkte bedingen bei einem Schiffe die Form desselben resp, das Gewicht des Ballastes, sowie die Größe und Stellung der Segel. Um die seitliche Abtrifft zu verhindern, dient seit uralten Zeiten der Kiel, ein Brett oder eine Bohle, welche mit der schmalen Kante leicht durch das Wasser gleitet, deren breite Seite diesem jedoch Widerstand leistet, so daß das Schiff leicht nach vorn in derLängsachse, schwer dagegen seitlich sich bewegt. Die GrundPrinzipien der Takelage sind auch heute noch dieselben wie zur Urzeiten. Stangen und Masten, an denen die Segel befestigt und hochgezogen werden.aue, welche diese stützen, jene bewegen, ja die Formen der Segel haben sich der Hauptsache nach nicht geändert. Die Linienschiff. römischen und griechischen Schiffe waren in vieler Beziehung unseren heuiiqen Fahrzeugen ähnlich. Die Schifffahrt des Mittelalters dagegen bttindet sich vielfach imRückschritt gegen das Alterthum. Auf die schnellfüßigen Trieren und Wickingerboote folgten durch Belastung der Fahrzeuge mit Kastellen und Plattformen für kämrr:.. e x..C'4r psenvc juicyci uiuuuuuiyc, uYi.uis liae Constructionen. deren zweifclyofte Segeleigenschaften fast nur ein Treiben vor dem Winde gestatteten. Als spaterhin durch die Einführung der Kanonen dem Ueberwassertheile noch größere Gewichte zugefügt wurden, wuchsen die Schiffe zu jenen unför.nigen Kolossen heran, welche sich noch in der Form der dreideckigen Linienschiffe bis in unser Jahrhundert hinein erhalten haben. Auch die Form der Segel wir überaus unpraktisch. Beim Segeln am Winde soll die Leinwand eine schiefe Ebene bilden, auf welche die Moleküle der bewegten Luft schräg von vorn cdcr seitlich einfallen, daran entlang vnb --r Schoon er America." abgleiten. Das Schiff wird dadurch nach vorn gedrängt, segelt also mehr oder weniger gegen den Wind. Je praller das Segel steht, desto leichter werden die Luftmoleküle abgleiten tönnen und nicht durch Stauung eine nach rückwärts treibende Kraft ausüben. Merkwürdigerweise aber beate man bis in unser Jahrhundert hinein den Aberglauben, das Segel müsse möglichst windgefüllt sein, schnitt daher dicForm derselben so bauchig als möglich und freute sich der in großen Curven sich blayenden nwand. Es sah dies wohl sehr malerisch aus. hemmte aber jeden Fortgang des Schiffes, sobald die Brise seitlich oder von vorn ein setzte. Dazu kam. daß der'Druck des Windes auf die hohen Seitenwinde und Aufbauten der alten. Fuhrzeug? den Druck auf. die zumal bei schwerem Wetter stark verkleinerten Sezelf'ächen vollkommen paralysirte. Erst Ende des voriaenabrhundirts gelangte man zu einem praktischeren j

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Segelschnitt, und wenn auch die Lein

wand noch immer sich stark bauschte, so erzielte man doch bessere AmwindEigenschafte.'l. Die englischen und sranzosischcn Limenschisse manovnrten leidlich gut, obwohl sie m unserem Heutigen Sinne keine hervorragenden Segler waren. Im Jahre 1851 erschien der von Commodore Stevens erbaute Schooner America" n der englischen Küste und setzte die ganze Sportswelt sowie Schiffbauer und Seeleute in Aufregung. Scharf ,m Vorschiffe, m feinen Linien nach dem Heck zu verlausend, sah das niedrigbordige Fahrzeug gegen die englischen Concurrenten aus wie ein Hecht gegen eine Quappe. Die aus Baumwolle gefertigten Segel standen prall wie ein Brett. Fast spielend überwand der Schooner alle Gegner und heimste alle Preise, unter denen sich der noch heute so heiß umstrittene Americapokal befand, ein. Das Auftreten des Schooners America bildete einen Wendepunkt in der Segelschifffahrt. Wie Schuppen fiel es den Schiffbauern beider Welten von den Augen. Die erste Fal avon war die Construction jener berühmten Clipper", welche den Paketdienst zwischen New Jork und San Francisco versahen. Die Fahr zeuge wurden lang, scharf, schmal und tief gebaut, so daß sie ohne Ballast um kippen mußten. Daher stammt auch der Name Clipper (d. h. Umkipper). Erst die Ladung schaffte die nöthige Stabilität. Die Raaen wurden breiter. die Segel standen prall und wurden, San Francisco Clipper. da die früheren alten Marssegel zu große Flachen darboten, welche viel Bedienungsmannschaften verlangten, in zwei gesonderte Segel getheilt. Der Sport wurde nun im Großen betrieben. Eine Reihe hervorragender Kapitäne nennt das Goldene Buch der San Franciscofahrer, welche im Wettstreit gegeneinander ihre stolzen Clipper durch Wind und Wetter dem Ziele zumgten. Mehr und mehr Segel packte man den Fahrzeugen auf; oftmals schoß die Sucht, möglichst viel Lemwand zu tragen, über das Ziel hinaus, und viele, damals angewendete Segel sind heute als unpraktisch verworfen worden. Dann entbrannte der Kampf zwiichen den Dampfern und Segelschiffen. Wenn auch die ersteren schließlich als Sieger hervorgehen sollten, so haben sie doch die Segler nickt verdrängen können, ja in neuester Zeit concurrirt der schnelle Clipper hinsichtlich der Reisedauer und Sicherheit sogar wieder erfolgreich mit den Dampfern mittlerer Maschmenkrast. Die fortgeschrittene Technik im Schiffsbau bei Anwendung des Stahls und Eisens hat es ermoglicht, wahre Riesen von Seglern herzustellen. Rumpf. Masten. Raaen und Tauwerk sind von Stahl. Zierlich wie eme Nacht liegen die gewaltigen Fahrzeuge auf dem Wasser. Die praktische Construction der Takelage erspart eine zahlreiche Mannschaft. Vlermastcllp per mit achtundzwanzig Raaen werden Clipper Potosi". bequem von vierundzwanzig Matrosen bedient. Vielfach hat man auch den Schiffen kleine Hilfsmaschinen beigefugt, welche theils für die Bedienung der Segel, theils für die Fortbewegung in Windstillen gebraucht werden. Das größte Segelschiff der Welt, die Potosi", trägt die deutsche Flagge und befindet sich im Besitz des Rheders F. Laisz ZU Hamburg. Das Riesenfahrzeug mißt 45000 Tons, hat fünf Masten, von denen die ersten vier voll. das heißt mit sechs Raaen, der fünfte als Besahn getackelt sind. Die deutschen Rhedereien sind ' bei der Segelschifffahrt der Welt nächst den Engländern am meisten betheiligt. Was die Schnelligkeit der modernen Clipper anbelangt, so sind bei frischer straffer Passatbrise schon vierzehn bis sechszehn Seemeilen in der Stunde geloggt worden, eine Geschwindigkeit, welche die der meisten Handelsdampfer bei Weitem übertrifft. Freilich sind solche Recorde Festtage für den Segler. Die mittlere Schnelligkeit des Clippers wird auf weiter Reise zehn Seemeilen m der Stunde nrckt übersteigen. Hatte der Sport einst auf die EntWickelung des modernen Segelschiffes, epochemachend eingewirkt, so ist er doch in neuester Zeit Wege guvandelt,' auf denen das Handelsfahrzeg nicht n:cr folgen kann. Die heutige Facht ist eine Rennmaschine, em Erzeugmß menschlichen Scharfsinns, welches wohl eine schneidige Waffe ist, den früheren Stgner spielend zu schlagen, jedoch wegen .Mangel an Rauminhalt nicht geeignet ist. dem Handelsschiffe, welches ja nicht zum Vergnügen, sondern,' um Geld zu verdienen, gebaut wird, als Muster zu dienen. Die frühere Rennyacht hatte einen tiefgehenden, schmalen, imDurchschnitt etwa wie ein V aussehenden Rumpf.. Am Kiel warm schwere Blcimüssen angebolzt, welche das Fahrzeug tief in das Wasser zogen, so daß nur geringer Freibord übrigblieb. Der j

Amerikaner Herresöof kam nun auf die

Idee, daß vom eigentlichen Schisse so viel weggeschnitten werden kann, daß nur noch genügendTragkraft für baU last und Takelage übr gble bt. Tage. 1 3 Portugisische Muleta. gen vermehrte er die Tiefe des Fahrzeugs dadurch, daß es statt des Höhen Kieles eme schmale, hohe, breite Staut platte, welche den Bleiballast, in Form emer Cigarre horizontal im unteren Ende angebracht, trug. Die Tieflageruna des Ballastes gestattete es, die Segel bedeutend zu vergrößern, diese wiederum brauchten nur emen viel ilci neren Schiffskörper durch das Wasser zu drängen, und so ist es erklärlich.daß derartig construrne Fahrzeuge die be sten Segeleigenschaften haben müssen. Die Englander verbesserten die Form wiederum etwas und construirten statt der Platte mit Bleicigarren einen, an verhaltnißmaßig kleinem Schüfe, an gebrachten Bleikiel. Es ,st derBorschlag gemacht worden. nach den Rissen emer Nacht große Tjrrp- r i n.rr.!-r tl tocnnrc iur oen Panagicroienii zu bauen. Die Schnelligkeit eines Segelfahrzeugs wächst mit den vergrößerten Dimensionen. Läuft eine Dacht bei günstigem Winde vierzehn blS sechszehn Seemeilen, so müßte ein zehnfach größeres Fahrzeug derselben Construc tion mindestens fünfundzwanzrA Seemeilen in der Stunde loggen, also jeden Schnelldampfer schlagen. Ob Geleaenheit dazu sein wird, ein derartiges Fahrzeug zu bauen, ist aber zwei feihaft, da Rheder bekanntlich sehr vorsichtig mit neuen Versuchen sind und auch die zu erwartenden Passagiere sich skeptisch gegen ein Segelfahrzeug verhalten wurden. Ein Rikseu-Treirad. Zu den Curiositäten auf dem Gebie-. te des Radfahrwesens gehört ein Riesen - Dreirad, welches von einer NeuEngländer Firma gebaut worden ist und das unsere Illustration veranschaullcht. Der Koloß, welcher von S Mann gefahren wird und dessen Gewicht sich auf ca. 2400 Pfund briäuft, ist derart construirt, daß jedes Hinter-. rad, deren Durchmesser 11 Fuß beträgt, für sich in Bewegung gesetzt wird; das Vorderrad mißt 6 Fuß im AufderFahrt. Durchmesser und die Gesammtlänge der Maschine beläuft sich auf 17 Fuß. Die Speichen der Hinterräder, deren Pneumatics 18 Zoll messen, sind einen halben Zoll dick, wahrend dieienigen des Vorderrades nur halb so stark sind und sein Pneumatic 11 Zoll mißt. Dieses Riesen - Dreirad ist bereits zu Fahrten von Boston nach Brockton, Mass., 25 Meilen, und von dort nach Concord, N. H., 125 Meilen benutzt. worden. Immer vorsichirz. Ich bitte schön, nädige Frau, da steckt was im Muff drinn; ich trau mich nicht es rauszuziehen. Latz es nur drirm, Stallst, es ,st eine Flasche Hair Restorer". die ich hineingesteckt, daß der. Pelz dra Somnrer über die Haare nicht verliert. Beruhigung. fremder: .Wie. der kleine Jimoe soll mich ra - siren ist das nicht zu gefährlich?" Bader: .I bewah. . . pa& nur auf, daß Du Dich nicht in d' Hand schneid'st. MaxellG e w i tz i i t. .Kllmrn'. Männ ches. Du kriegst einen Kuß!- Zeig mal erst Deine beiden Hände vor!" .Aber warum denn?" Du könntest eine Rechnung, d'rin haben !" Unangenehm. Theaterdi rector: Hören Sie. lieber Herr Stiftler. ich kann mein Versprechen. Ihr Stück aufzuführen.- leider nickt balten.- Schriftsteller: Ach, herrjeh ! j und. ich habe schon daraushin geheira:het!" - Parirt. A.: Mein Herr. Sie sixiren mich, als ob Sie mich für einen dummen Jungen hielten!" A.: Vitte! Im Gegentheil, ich halte Sie für einen ausgezeichneten Gedankenk seü" :

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j 1 nz..,. y m.,.,. v? '.7i" I u-"", rw' I fiel 1 Pf srin aif hTitrt jttti nimm im. Q Vfc . V Vf illlilltll IU1' r.cr größere Dimensionen an. Haben wir es schon aus's Tiefste zu beklagen, wenn der Südländer, um eine schmackhafte Auflage für seine Polenta zu haben, den kleinen Vögeln mit allen Arten von Mordinstrumenten nachstellt und sie zu Tausenden in Netzen fängt, um wie viel mehr müssen wir dem tiefsten Bedauern, ja der gerechten Entrüstung Ausdruck verleihen, wenn Millionen und Millionen der schönsten, farbenprächtigsten Vögel getödtet werden, um die Hüte der Frauenwelt zu schmücken. Ueberall. wo glänzend gefieberte Vogelarten vorkommen, nimmt man die Folgen dieses Vernichtungskampfes wahr, und man kann sich von den Folgen dieser Vernichtung nur dann eine Vorstellung machen, wenn man erwägt, daß die Mode nun schon seit 25 Jahren besteht und daß festgestellt ist, daß die Einfuhr von Vögeln in England allein jährlich 25 30 Millionen Stück und für das übrige Europa weitere 150 Millionen beträgt, so daß diese Modekrankheit seit ihrem Bestehen 20003000 Millionen Vögel erforderte. Daß dieser Massenmord auf die Existenz der Landwirthschaft in nachtheiliger, ja kaum mehr gutzumachender Weise einwirken muß. war vorauszusehen. Bereits veröden .in den südlichen Ländern Europas die Wälder in erschreckender Weise, und nicht minder ist die Obstbaumzucht in Gefahr. Denn gegen die Ueberfälle schädlicher Jnsecten gibt es kein Mittel, wenn die kleinen Vögel fehlen. Und kein Land der Welt ist vsr diesem Verheerungskriege sicher. Aus Ostindien erhielt e i n Händler in London 400,000 Colibris, 6000 Paradiesvögel und an 400M0 verschiedenartige stindische Vögel. In einem Versteigerungsraume, ebenfalls in London, wurden in vier Monaten über 800.000 ost- und westindische, wie brasiliani Zche Vogelbälge, daneben nochTcrusende von Fasanen und Paradiesvögeln ausgeboten. In Florida: ist der Reiherbestand vernichtet, ebenso die Seeadler. SeineRückfedern liefern die Aigrette" die weiße Feder ist sein Hochzeitsschmuck und muß deshalb während der Brutzeit gewonnen werden, wodurch cruch das folgende Geschlecht zumOpfer fällt. Sind die Jungen ausgekommen, so ist es leicht, die Eltern, welche- jene nicht verlassen wollen,, zu fangen. Jede Aigrettefeder. so klein sie ist,, weniger grausam aussehend alZ' ein ganzer Vogel, bedeutet doch den grausamen Tod' von mehr als einem Vogel; es bedeutetem Nest voll schreiender Jungen, jammernd nach Futter, das nie kommt, bis der Hungertod das Geschrei versiummcn läßt. In Marokko traf man noch dzr zehn Jahren Tausende der schönen, gsldhaubigen Kakadus; h:ute weiß der Kabylenjunge. der einen: solchen Vogel Neht, nicht mehr, was das- ist. In dem Departement der Rhonemündung- sind Maschinen längs der Küste aufgestellt, die. aus Drähten gebildet, mit elektrischen Batterien in Verbindung stehen. Wenn die Schwalben, aus Afrika, kom. mend, sich, vom Fluge über die See er müdet, auf den Drähten niederlassen, so stürzen sie todt zu Boden. Die Leichen werden in zroßenKörben nach Paris an die Putzmacherinnen versandt. Seit mehreren Jahren, und dies ist ein sehr beachtenswerthes Anzeichen dafür. daß die farbenprächtigenVögel des Südens so weit im Stadium der Vernichtung angelangt? sind, daß sie nicht mehr ausreichen, tit Geschmacksverirrung der Frauenwelt zu befriedigen, müssen auch unsere Finken, Lerchen., Stieglitze und Meisen der unsinnigen Mode zum. Opfer fallen.. Wie außereuropäische Staaten über? diese Motzesucht denken und schreiben Mür gibt am besten eine Zeitung ausTokio.Japan,. Zeugniß, die.u. A. sagt: Es ist nicht genug, datz sich die Europäerinnen inStahl und Fischbein einschnüren, sie verlangen zu. ihrem Schmucke auch noch unsere schönen und nützlichen Vögeln Wenn sie sich aber mit diesen putzen,, sa ist das nicht: allein ein schweres Unrecht gegen unseren Landbau, sondern auch geradezuein Hohn gegen ihre europäische Civil! sation." Gewiß eine härte, aber zu treffende nd wohlverdiente Veurthevlung. Mit Widerwillen muß sich jede feinfühlige Frau von diese? Mode abwenden, die dem barbarischen Ge schmacke: der Jndiane? entspricht, aber in einem Volke, daZ Anspruch muchr. zu den Kulturvölkern zu gehören,, unmöglich sein sollte Es ist und tölM eine WersündigunF crn der Natur, diefr Vernichtung ihrer: schönsten Gebilde zur Besrd!gung thöznrhter Eitelkeit; es ist aber ich eine Versündigung es dem. was dem Menschen und besonders dem Weibe das Hewgste sein sollte: das Mitleid, das Erbarmen. WMe geMte Frau fötb den MuH haben. nachdem diese Thatsache zur öffentlichm Kenntniz gebracht ist. sich noch nt Vogelleicheu aufzuputzen? Mit. schuldig an dem barbarischen Treiben ist jeder Käufer der meist zu Tode gemarterten Thierchen. . Vom Stantmlisch. J&lt, einen Walfisch haben Sie auch schon erlegt. Herr Oöerforster?Ja, mußte Beute aber schwiinmen lassen, da Jagdtasche vergessen." Kühner Traum. Herr (im Theater den eisernen Vorhaxg betrachtend): Großartig! ' So. einen sollt' ich als, wenn mein' Alte eklig wird, zwischen mir und ihr herunterlasse' könne'!Genugthuung. Sie haben soeben meiner Frau beim TanzeN auf den Fuß getreten; ich verlange Genugthuung. Wohl. Da sitzt meine Frau. Gehen Sie hin und itu ten Sie ihr auA auf d FubZ . .