Indiana Tribüne, Volume 20, Number 94, Indianapolis, Marion County, 20 December 1896 — Page 2

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if'i-i-UiU miH'1F1M. 3; -ö - RöM Von Richard Zoozmann. Es läuten $ie Weihnachtsglocken, Hell flimmert der Kerzenschein, Da stürmen froh-erschrocken Schon nuhtt Kinder herein. Nun klingen die alten Töne Jn's Hz mir mit Wundermacht, Das Lied, das liebe schöne. Das Stille Nacht, heilige Nacht." Und auf des Gesanges Gefieder Träumt sich .mein Geist zurück: Ich sehe als. Kind mich wieder Im lautern Weihnachtsglück. In der Geschwister Kreise Stand ich Dor der Lichterpracht, Wir sangen fromm und leise Das Stille Nacht, heilige Nacht." Mit lachendem Aug' dann maß ich Den ganzen funkelnden Tand; Im liebsten aber saß ich. Das Märchenbuch in der Hand. Äus seinen bunten Bildern Lieh ich die Zauberwelt Mit Zwergen undRiesen mir schildern, Wie's Kinderseelen gefällt .... ttch! ist für immer, für immer Die selige Zeit dahin? In seiner Unschuld Schimmer Der reine Kindersmn? Nein! hier in meinen Kleinen Kehrt mir die Kindheit zurück; Des Christbaums Kerzen scheinen Wie einst in Glanz und Glück! Ja einmal wohl im Jahre Wacht auf in jeder Brust Die schöne wunderbare, Der Kindheit gold'ne Lust. Drum, einmal noch. Kinder, singt mir Das Lied voll schlichter Macht. Durch Herz und Seele drinat mir Die Stille Nacht, heilige Nacht." Sein Weißnachtsgeschcnk. 'Teutsch-amerikanische Skizze von 23. v. cylerorano. Schnee, so fein wie stäubender Sand, wirbelt durch die Luft wie -tin Weihes Gefieder legt er sich auf alle hervorragenden Ecken der Häuser, selbst den Menschen verbrämt er mit Hermelin die Mäntel und Kleider alles Hohle füllt er mit seiner remlichen Masse, alles Erhobene deckt er mit seiner glitzernden Weichheit, stundenlang rieselt er so vom Himmel herab, unaufhörlich, als müsse dieser einzige Decembertag Vorrath an Schnee für die ganze Weihnachtswoche aufhäufen. Eine sanfte Melancholie breitet sich über die Seelen aus so rein, so weiß, so trostlos wie der Schneefall in manchem schonen Auge dunkelt eme unbewußte Thräne, mancher rosige Mund seufzt unwillkürlich Greise versinken tiefer m die Kissen ihres Lehnstuhls und liebliche Kinder ermüden schließlich des ungewohnten Schauspiels: Der erste Schnee! Drinnen in feinem kleinen ungeheizten Stübchen, drei Stock hoch im Tenementbau der Forsyth Street zu New York, sitzt ein alter Mann. Weiß -wallt sein Bart die Brust herab und Zveiß wie der Schnee da draußen ist .euch sein Haupt. Er sitzt am Fenster, in eine dünne, wollene Decke gehüllt und friert. Hunger thut weh. aber Glätte auch, und dieser Greis hat seit " - 7 ! ?l L - J. gangerer eii oereiis oeloes koften müssen. Trüben, umflorten Blickes Parrte er hinaus in die wilde Jagd üti iscyneefloaen. Unwillkürlich verirren sich seine Ge danken in die Ferne. Er sieht sein Heimathland, die gesegnete Gegend ein t... i w m . i i vuii uuiuu4i, wu viz yicoe geoeiyl zmd der Hopfen. woWohlstand herrscht und Mederheit. Dort war es. wo leine 'Wiege stand, wo er eine glückjiche, -durch keine Noth noch Sorae zetrübte Ehe führte und wo seine -Äinder heranwuchsen, "ihm und seinem ixtutn Weibe zur Freude. Und dann tarn der 'Tag der Noth der Tag. an m sein Glück einstürzte wie ein Kar 5enhaus. Freilich hatte es schon seit Monaten 'm seinen Grundfesten gezittert, aber 'der Schlag traf ihn trokdem unerwartet. Noch irmmer hatte f tl C C YW ' . er geyossi, dxtb Das ioiau Illy wenden werde und sein Geschäft' das schon so Manchem Sturm Trotz ' geboten, das vor ihm schon der Vater und der Großvuier mit Erfolg betrieten, auch diese jetzige Ungunst der Verhältnisse überdauern werde. Wenn er 'Abends ermattet nd voll Sorge sein HcuZ be trat und sein ahnungsloses Weib ihm schmeichelnd die tiefen Falten von der Stirn strich, so konnte er's ?:icht fassen, daß dieser schnnoar so feztbegründete Wohlstand über Nacht zusammenbrechen könne. Und doch geschah's so. Ah! wie krumpfte sich noch jetzt daö herz zusammen, wenn er an jenen Morgen dachte, als er Haiti seinen bankerott erklären müssen, als ihm nach theilweiser Befriedigung sein Gläubiger nichts verblieb nichts von den vielen lieben Dingen, . die zuLammen seinen gemüthlichen Haus

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stand bildeten. Und dann die Fahrt über den Ocean der Tod seines treuen Weibes mitten im Geheul und Getöse einer Sturmnacht das grausame Versenken der theuren Leiche in den unermeßlichen Schooß des verrätherischen Meeres! Seitdem, seit der Landung in Castle Garden, wo er mit seinen zwei Kindern nebst vielen anderen, die im altersschwachen Europa Schifsbruch erlitten und nun den Versuch machen wollten, im neuen Lande, im Lande wo man nicht nach der Vergangenheit frägt, sich ein neues Dasein zu erringen. seitdem sind ?wei Jahre verflossen. Es waren Jahre herber Entiäuschung. Wohin der alternde Mann sich auch wandle, wo er auch anklopfte und Beschäftigung verlangte nichts, nichts. Junges, kräftiges Blut, schwielige Hände, die den Pflug oder den Hammer handhaben konnten, ja für solche bot der neue Erdtkeil Raum und Arbeit. Aber für ihn, für den in Wohlleben Geborenen und Erzogenen, für den in den Anschauungen und Traditionen der alten Welt grau Gewordenin war hier kein Feld. Ein Achselzucken, vielleicht ein Wort des momentanen Mitleids und Bedauerns, das war Alles, was man für ihn hatte.

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Zum Glück konnte er die paar Schmucksachen seiner verstorbenen Frau, einige werthvolle Bücher und Bilder erst zu Gelde machen und dann nothdürftig sein Leben fristen. Dann langte, auf flehentliche Briefe in die Heimath, auch etwas Unterstützung von seinen Verwandten an, aber bald blieb auch diese aus. Die Tochter, ein blühendes, frisches Kind, verheirathete sich bald, aber auch ihr blühte kein Glück, denn schon ein Jahr später erlag sie einem tückischen Fieber. So war denn die einzige Hoffnung, die dem Greis verblieb, sein Sohn. Und von ihm erwartete er Wunderdinge. Walter Wellner, eben dieser Sohn, war aber auch ein Jüngling, der zu den besten Hofsnungen berechtigte. Allerdings war auch für ihn der Uebergang aus einer glücklichen, forglosen Jugend in die rauhe Schule des Lebens kein leichter. Im Gymnasium seiner Vaterstandt, wo er zu den besten Schülern gezählt hatte, war ihm die Bücherweisheit als das höchste irdische Gut gepriesen worden, und es fiel ihm Anfangs sehr schwer in Amerika, sich seinen keimenden Gelehrtenstolz aus dem Hirn zu schlagen und die mehr practische. nüchterne Lebensanschauung des Amerikaners auf sich einwirken zu lassen. Aber es war ein guter Kern bei ihm vorhanden, leiblich wie geistig. Und so amerikanisirte er sich denn auch schnell genug, um erst einmal an der Nothwendigkeit, den Unterhalt für sich und den alten Vater, zu denken, ehe er seinen Träumen von einem gelehrten Berufe wieder nachhing. Frisch und frei, wie ein richtiger Jankeebub. so verdingte er sich in ein Geschäft, wo man einen anstelligen Jüngling seines Schlages für Botenyänge und zur Erledigung leichterer Correspondenz brauchte. An der Börse in der Wall Street, wo ihn seine Pflicht jeden Tag mehrere Stunden hinführte, lernte er bald den Geist der Speculation erstehen, und eines Tages machte er sein erstes, zaghaftes ventiirc" mit einer Zehndollar-Note. Mit 120 Dollars kam er Abends nach Haus, und innerhalb der nächsten sechs Monate hatte er sich genug er'übrigt, um nun endlich seinen Lieblingsgedanken, den, seine medizinischen Studien zu vollenden und ein tüchtiger Arzt zu werden, auszuführen. Mit dem väterlichen Segen, sonst aber nicht gerade beschwert mit Gepäck, so langte er eines Tages in Baltimore an, wo er die John Hopkins Universität absolviren und noch einige weitere practische Studien in der Medizin durchmachen wollte. Durch Privatunterricht, den er einigen wißbegierigen Studenten in der deutschen Sprache und Literatur ertheilte und der ihm gut honorirt wurde, verdiente er ein hübsches Stück Geld, sodaß er seinem alten Vater jede Woche genug schickten konnte nach New Aork, um mit dem, was er durch Copiren für verschiedene Verlagshäuser verdiente, nicht gerade Noth 'leid? zu müssen. 5 Sonderbar aber seit mehreren Wochen hatte der alte Herr Wellner keinen Cent von seinem Sohn aus Baltimore erhalten. Dringende Briefe, die der Greis schrieb, blieben unbeantwortet. Und so war denn wirklich wieder die Noth bei ihm eingekehrt.Draußen tanzten noch immer die Schneeflocken durcü die Luft, und die Phantasien des Greises waren um nichts heiterer geworden. Da, plötzlich, hörte der Schneefall auf. und wie ein Held, mit strahlendem Glänze, so trat mit einem Male die helle, warme Sonne hervor. Es klopft. Der Alte erheb! sich mühsam, und mit unsicherer Stimme ruft er: Herein! Sollte das schon seine Wirthin sein, der er seit 14 Ta;en t:t Miethe sur das Stübchen chuldete? Doch nein die war in ieser 3eit nicht zu Sause. Da mik sieghaftem, festen Tritt, die Arme weit ausgebreitet und mit

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einem glückstrahlenden Lächeln im Auge, stürzt sein Sohn herein. Walter!" Vater!" Und stumm halten sich die Beiden umschlossen.' Dann aber: Erzähle! Erzähle! Wie kam's, daß ich seit zwei Wochen nichts von Dir hörte, Du Böser !" Und Walter erzählte. Doch erst schickte er Jimmy McFadden, den pausbäckigen Scblingel der irischen Zimmervermietherin, nach einem nahen Restaurant, um eine gediegene Mahlzeit für den Vater zu holen. Und dann schmausten die Zwei zusammen, und der Vater wurde nicht müde, sich wieder und wieder die Einzelheiten der herrlichen Geschichte vortragen zu lassen. - Es war nur ganz einfach, nichts Außergewöhnliches. Und doch waren die Thatsachen, die Walter da seinem Vater erzähte, für das fernere Leben der Beiden entscheidend. Sein ungewöhnlicher Fleiß, sein bescheidenes, gewinnendes Auftreten, und feine ungewöhnlichen Vorkenntnisse hatten es dem jungen Manne auf der Universität in Baltimore ermöglicht, ein befonders reichdotirtes Stipendium ' zu erwerben. Und auf einstimmiges Votum des Regenten - Collegiums war ihm vor wenigen Tagen der erste Preis von $500 für eine Abhandlung zuerkannt worden, die sich mit der erweiterten Nutzanwendung der Bactcrienlehre befaßte. Diese zwei Errungenschaften hatten Zeit und viel Mühe gefordert, und das Mitternachtsöl war in Walter's Lampe seit vier Monaten nicht gespart worden. Kurz vor der Entscheidung der Professoren bezüglich der zwei oben erwähnten Punkte erkrankte Walter an den Folgen geistiger Ueberbürdung. Eine Woche war sein Zustand nicht unbedenklich, aber seine kräftige. jugendlicheConstitution siegte und vor drei Tagen war er wieder, hellen Sinnes und frohen Muthes. vom Siechbette aufgestanden. Der Arzt hatte nur den einn Rc.th für den Neconvalescenten : Ausspannen !' Und so war ihm denn ein vierwöchent licher Urlaub von der Facultät ertheilt worden. Das war ein glückliches, fröhliches Weihnachtsfest für Vater und Sohn. Zusammen gingen sie aus und kauften sich ein kleines Tannenbäumchen und behlngen es. wie sie es rn Deutschland gethan, mit kleinen Geschenken und mit Nüssen und Aepseln und Lebku chen. Am Abend, als es dunkelte, wurden die kleinen Wachskerzen angezündet, und bei ihrem Scheine sangen sie wehmüthig stimmungsvoll das Herr liche: Stille Nacht, heilige Nacht!' und dann traten sie vor die bekränzten Bilder der beiden lieben Verewigten, der Mutter und Schwester, und wah rend eine stille Thräne in Beider Augen glänzte, drückten sie sich stumm die Hände, als wollten sie sagen, daß der Tod wenigstens mcht ganz unbarm herzig gewesen. Und dann tranken sie ihren Weihnachtspunsch, und die gutmüthige Plaudenn, Mrs. McFad den, kam herein und holte sich ihr Theil, und sprach jubelnd: Tliere' luck to both ye! Ja. das war das schönste Weihnachtsgeschenk. welches das Schicksal dem guten Alten hätte machen können, ein besseres noch als die warmen. neuen Kleider und den mit Pelz verbrämten Winterrock, die unter dem Weihnachtsbaum lagen. Und als die Feiertage vorüber, da schieden auch diese Bv:n von dem kleinen Stuo chen. denn der alte Vater begleitete seinen Sohn nach Baltimore. Vcschccrung. Vo r w u r f. Der kleine Otto? Mama, Du behandelst mich aber nicht wie ein einziges Kind! S arkastis ch. leben Sie, das sind die Kinder meiner Muse!. &n hnhen rtMrnfc h?T 5Nt.vk.. Ta haben Sie gewiß viel Vatersor nrn!"

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Vcss-Ami.

Cia srltsameS WcihnachtSgeschichtchen von C. Crome - Schwieninz. Das ist ein Schreibfehler!" höre ich schon den geschätzten Leser ausrufen. Da hat der Verfasser vielleicht Bel' Ami schreiben und am Ende den Maupassant'schen Roman persifliren wollcn. Oder er hat uns ein Zukunfthumoresklein erzählen wollen im Jahre 2000" und an Bellamy gedacht nein, mein guter Leser, es hat mit Bell-Ami" seine volle Richtigkeit. Denn das sogenannte Wesen ist ein Vierfüßler, ein reizender schneeweißer Pudel, Namens Ami und weil er bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in ein lautes Bellen ausbrach, so ward er Bell-Ami genannt. Bell-Ami aber hatte eine teile aniio, und das war seine junge reizende Herrin, Olga Wettern, das einzige Töchterchen des Rittergutsbesitzers Wettern auf Wetternbura. einem alten Adelssitze, dessen letzter Inhaber erst die goldenen Pistolen mit vollen Händen verschleudert hatte, um sich dann mit einem ganz gemeinen stählernen Pistol in die himmlischen Jagdgründe a befördern. Seit einem halben Jahre war der neue Verwalter auf dem Gute, ein schmucker tüchtiger Junge, der in, Halle seine agronomischen Studien gemacht und auf verschiedenen Gütern praktisch sich zum tüchtigen Landwirth herangebildet hatte. Hans Winkler hatte sich in diesem halben Jahre bereits unentbehrlich gemacht, dem Papa Wettern, der noch nie seine Ernte so prompt und gut in die Scheuern gekriegt hatte, der Mama Wettern, die in ihm einen abendlichen Whistspieler von bedeutenden Qualitäten gefunden und endlich Bell-Ami, der seiner sonstigen Gewohnheit, keine neue Freundschaften zu schließen, zuwider, den neuen Verwalter in sein Hundeherz geschlossen haben mußte, denn er suchte Hans auf, sobald er nur Olga's Zimmer entweichen konnte. Zuerst hatte Olga darüber geschmollt. Dann hätte sie begonnen, den neuen Verwalter, der so impertinent hübsch" war, für diese Erziehung von Bell-Ami's Neigung zu hassen und schließlich war dieser Haß so groß geworden, daß sie bei einer Gelegenheit ihm schriftlichen Ausdruck verlieh, die Worte: Ich hasse Sie!" auf ein Zettelchen schrieb und es Bell-Ami zur Beförderung übermittelte. Und dies besorgte der kluge weiße Pudel auch ganz vortrefflich. Freilich wußte er nicht, weshalb Hans ihn heute ganz besonders liebkoste und ihm schließlich ein Stückchen Zucker zwischen die festen, weißen Zähne schob. War es nicht ganz abscheulich von Bell-Ami. daß er sich auch von Hans als Briefbote mißbrauchen ließ? Und noch dazu als Uebermittler von einem zierlich gedrechselten Verschen, in welchem dieser abscheuliche Verwalter es wagte auf die nahe Verwandtschaft von Haß und Liebe hinzudeuten und zu behaupten, daß diese beiden mächtigen Triebe Schwestern waren. von denen die eine schnell die Gestalt der Anderen annehmen könnte. Und der arme Bell-Ami, der für seinen Botendienst auch von seiner Herrin ein Stückchen Zucker erwartet hatte, wußte gar nicht, wie ihm geschah, als er von der kleinen Hand Olga's einen Klaps bekam. Das war im Herbst. Im September hatte Bell-Ami das erste Verslein gebracht, im December war das Du tzend schon voll. Hans Winkler war in tiefer, heißer und hoffnungsloser Liebe entbrannt zu der Tochter semes Principals. Hoffnungslos, ja, denn Olga war so herb und schroff ac gen ihn, daß in ihrem Herzchen gewiß kem Funke von Neigung für ihn erkeimt war. Und doch hatte Bell-Ami auch von ihr hin und wieder ein Streifchen zu Hans getragen. Aber aus dem Streif chen standen anstatt lielxglühender. höchst spöttische Verschen. Und dann kam es vor. , daß Bell-Ami seinen Freund traurig sah und ibn erst durch eine gebellte Mahnung zur Spendung seines Boteniotznes veranlassen konnte War Olga wirklich die Einzige, auf ... . n 3 crni- rm . i roeicqc jpanö auumer reinen uinoruj gemacht hatte? Dem Anscheine nach war es so, aber der Schein trog. Olga yatte Ilcy lange geweyrt gegen den Ileinen Schelm, der es auf die Herzen abgesehen hat und ihnen mit seinen svitzen Pfeilen so süße Wunden beibringt. i .n .i.".ri.i v i vnic ivai un cuuuiici , oann empor: gewesen über das sieghafte Gebühren des jungen Verwalters, dann hatte sie geglaubt ihn zu hassen und ganz unmerklich war aus dem bitterbösen Hal; eine tiefe Neigung geworden, die sich immer ängstlicher verbarg, je mehr sie das ganze Herz Olga's erfüllte. Und letzt kamen auch auf die scherzend: und doch so viel Sehnsucht verrathenden Verschon, die Hans durch die Pudelpost versandte, keine spöttischen I cn.rv c rc t , viiiiiouiicu mii)t. iozu umi at) jicgi in den Wochen vor dem Christfest zu-! tlJC r. n r. rr ' mal ganziicu außer icnu gesteul. Daß das einen so braven und dienstbeflissenen Privatpostdeamten wie vn ser Pudel einer war, ärgerte, ist erklärlick. .Und dak er sich fortan mit

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größerer Aufmerksamkeit nach Briefen umsah, ist noch erklärlicher. Gab man ihm keine zur Besorgung, nun so nahm er sie zur Besorgung mit diesem Entschluß war Bell-Ami gerade fertig geworden, als die Christnacht ihre ersten dämmernden Schatten über die schneebedeckte Landschaft warf. Am Nachmittage noch hatte Olga in ihrem Zimmerchen gesessen und in dem kleinen Notizbüchelchen geschrieben, das ihr Geheimarchiv war und in dem sie mit anerkennenswerther Offenheit sich selbst Rechenschaft gab. Und mitten im Schreiben war die Mama gekommen und so hatte sie das Büchlein unauffällig in ein leeres Couvert ihrer Papeterie geschoben dort sollte es bleiben, bis die Mama das Zimmer wieder verlassen und sie das Büchelchen an seinem hübsch versteckten Fleck verwahren konnte. Aber diese Erwartung schlug fehl. Mama Wettern hatte für ihr Töchterchen noch alle Hände voll zu thun bis zur Bescheerung und als die Dienstboten ihre Weihnachtsgaben empfan gen hatten und drinnen im Salon im kleinen Kreise, dem außer dem Ehepaar und ihrem Töchterchen nur noch Hans angehören sollte, die Klingel ertönte, da dachte Olga erst wieder daran, daß sie ihr Geheim-Archiv auf dem Tische gelassen hatte. Bell-Ami. um den sich in dem Weihnachtstrubel Niemand kümmerte, emPfand dies schmerzlich genug. Er hatt: mit stillem Mißvergnügen der Bescheerung der Hausgenossen beigewohnt und dann an Hans' Thüre gekratzt. Der hatte ihm auch nicht aufgemacht und fo war er zu Olga's Zimmer zurückgekehrt, dessen Thür er nur angelehnt fand. Er sprang auf einen Stuhl und sah ziemlich enttäuscht drein. Plötzlich aber funkelte es in seinen Augen auf und langsam hob er die Vorderbeine auf den Tisch. War das nicht ein Brief, den er da unter den Papieren sah. Im Nu zerrte er ihn hervor und nahm das Rosa-Cou-vert mit seinem Inhalt, der schwerer war als sonst, zwischen die Zähne. Nun mußte ihm HansWinkler doch ganz gewiß freundliche Aufmerksamkeit schenken! Gerade sah er diesen in den Salon hineingehen und wupp war er ihm nach durch die Thüre gesprungen. Und 'nun begab sich folgendes: Während Olga von der anderen Seite eintrat und das Ehepaar Wettern die beiden jungen Leute einlud, an den Weihnachtstisch zu treten, machte Bell-Ami plötzlich vor Hans Hübsch" und Präsentirte ihm im Maule den Rosabrief. Olga hatte den Vorgang gar nicht, Mama Wettern dagegen recht wohl gesehen. Was war das? Nun, im Grunde genommen, wäre sie einer Verbindung der jungen Leute gar nicht entgegen gewesen, denn Hans war auS guter Familie und durchaus nicht unvermögend, aber Olga ihre Olga hatte doch sonst immer jenem gegenüber eine fast Lehässige Haltung eingenommen? Jeder besah nun freudig und dankbar das, was Liebe und Freundschaft ihnen unter den Christbaum gelegt hatte. Hans aber hatte sich abseits

gestellt und einen raschen Blick in das Notizbuch gethan. Und jetzt entdeckte er, daß das Herz der jungen Dame ihm längst gehört, daß sie auf diesen Blättern das heimliche Bekenntniß einer tiefen innigen Liebe zu ihm abgelegt hatte. Mama Wettern war gerade im Begriff, den kostbaren Plüschmantel, den ihr Gatte ihr geschenkt, anzuprobiren, als von jenseits des Christbaumes es plötzlich jubelnd durch denRaum tönte: Olga, meine liebe, liebe, Olga!" ' Einen Augenblick war alles verwirrt, am meisten Olga selbst, als sie in seiner Hand das Notizbuch sah. errieth sie alles, und schämig erröthend, barg sie ihr Antlitz an der Brust des Geliebten. Ja, was ist denn das?" Papa Wettern war der Erste, der es zu dieser Frage brachte. Und nun ging es an ein Erklären, an ein Bitten und Schmeicheln, bis endlich, als auch die Mama dem jun gen Paar als Bundesgenossin beitrat, aller Widerstand besiegt war u.ld die Kerzen desChristbaumes auf ein glückliches Paar herabsirahlten. Du Böser!" flüsterte Olga. So hinter mein Geheimniß, zu kommen. Gesteh', Du hast jenes Büchlein mir entwendet!" Nein!" rief Hans erstaunt.' Ami hat mir's gebracht und ich dachte schon . . ." Er verstummte, denn er erkannte sofort seinen Irrthum und fürchtete Olga durch die Bekanntgabe desselben zu verletzen. Statt aller Antwort tief er Bell-Ami herbei. Und der wußte gar nicht. weZhalb !hn die Beiden herzten und liebkosten vnd warum sie abwechselnd ihm ein Stückchen Marzipan oder Zuckerwer! vom Baum brachen. Wir aber wissen es, lieber Leser! Deshalb ! Sohn: .Vater, warum darf denn ein Richter nicht, über feine eigene Frau zu Gericht sitzen?" Vater: .Weil der nicht un, parteiifch wäre der thät sie zu lange einsperren!

Msftsche Weihnachten. Das Weihnachtsfest hatte in Rußland vor einigen Jahrhunderten ein ganz anderes Gepräge, als in der jüngsten Zeit, und es dürfte interessiren, darüber Näheres zu erfahren. Im Jahre 1649 erließ der Zar Alexei Michailowitsch einen Erlaß, in welchem er das überlaute und tolle Treiben der Leute am Weihnachtsfeste rügte und mit den schwersten Strafen drohte, wenn man Bezechte auf der Straße treffen oder gar Straßenaufläufe bemerken sollte. Dieser Erlaß war die Bekräftigung eines Beschlusses der Versammlung vonGeistlichen, die hundert Jahre früher, nämlich 1551, in Moskau stattgesunden hatte. Auch das Verkleiden wurde verboten und die Masken, sowie Narrencostüme und Musikinstrumente als ein Gräuel bezeichnet. Einmal beschlagnahmte man sogar in allen Geschäften diese Dinge auf Befehl des Zaren, und sieben große Fuhren mit Instrumenten, Costümen und Masken wurden öffentlich verbrannt. Die Geistlichkeit sah auf ein streng gottesfürchtiges Verhalten während der Feiertage, und der Patriarch Joakim war so rigoros, daß er die Weihnachtsbelustigungen Eingebungen des Teufels, die Verkleideten gottverlassene Geschöpfe nannte und der Geistlichkeit verbot, denjenigen zu beerdigen, der nachweisbar an den Folgen von Extravaganzen während der Weihnachtsfeiertage sterben würde. Die Zaren gingen mit bestem Beispiele voran und führten während der Feiertage ein zurückgezogenes, beschauliches Leben. Aber weder die Beispiele der Zaren, noch die Vorschriften der Geistlichkeit hatten den gewünschten Erfolg, denn sobald das Weihnachtssest herannahte, veranstaltete man wieder, wenn auch jetzt im Geheimen, allerlei Vergnügungen und amüsirte sich auf feine Weise. So ging es bis zum Regierungsantritt Peter's des Großen, der auch hierin wie in vielem anderen als Reformator auftrat. Er ließ zweihundert der vorneh?.isten Moskowiter zu sich entbieten und befahl ihnen, geistliche Costüme, sowie verschiedene Masken anzulegen und die Rollen von Patriarchen, Metropoliten, Archimandriten, Popei. u. s. w. während der Festtage zu spielen. In achtzig reich verzierten Schlitten zogen sie dann durch die ganze Stadt, voran Peter der Große, der einen Diakon darstellte, besuchten die vornehmsten Häuser und sangen daselbst Hymnen unter Begleitung von Musikkapellen, die die Gastgeber für ungeheure Summen herbeigeschafft hatten. In allen Häusern waren große Tafeln mit kalten Speisen gedeckt, und es wurde die größte Mühe darauf verwendet, den Empfang fo feierlich wie möglich zu gestalten. Auch andere Schaubelustigungen setzte Peter mit seiner Umgebung an den Weihnachtsfeiertagen in Scene, trotzdem der Metropolit Jagorski lebhaft dagegen protestirte. Letzterer erhielt sogar einmal die schroffe Antwort, er solle sich nicht um Dinge kümmern, die ihn nichts angingen. Der Zar befahl sogar den Frauen und Dienstboten, sich in ihren Gemächern zu costümiren, Weihnachtslieder zu singen, Orakel zu stellen und dergleichen mehr. Und infolge feiner Anregung wurden überall in. Rußland an den Weihnachtsfeiertagen wieder die Masken verwendet. Besonders beliebt waren Narrencostüme, und in solche verkleidet besuchten oft witzige Leute die höchsten Würdenträger und sagten ihnen die unangenehmsten Dinae zum Gaudium aller Anwesenden5 Andere beliebte Verkleidungen waren Wassernixen, Waldteufel, Hexen und Hausgeister. Auch unter der Herrschaft der Tochter Peter's des Großen, Jelisawetta Petrowna. trug das Fest einen fröhlichen Charakter. Sie selbst liebte es. sich als Mann zu verkleiden und die verschiedensten Amüsements zu arranairen; nur Masken konnte sie nicht leiden. Die Kaiserin Katharina II. veranstaltete an den Weihnachtsfeiertagen große Gesellschaften, in denen Pfän-

verspiele u. dergl. gespielt wurden. Die Kaiserin selbst nahm hausig an diesen Spielen Theil, und einmal mußte sie sogar ein Pfand geben, was sie lächelnd that. Zur Auslösung des Pfandes wurde sie verurtheilt, sich auf die Diele zu setzen und die Gesellschaft mit einem frommen Blicke zu messen; sie that es bereitwilligst und sagte. Jedermann müsse die Gesetze dieses Spieles erfüllen, denn das Pfänderspiel kenne keine Standesunterschiede. In der folgenden Zeit entwickelte sich das Weihnachtsfest bei den Russen ganz im Geist der übrigen europäischen Völker. Auch der Christbaum mit seinen Lichtern fand immer mehr und mehr in Rußland Eingang, ebenso die Sitte,' alle Hausmitglieder zu beschenken. Hier und da blieben freilich noch Spuren aus alten Zeiten zurück, in denen sich heidnische Gebräuche hielten und der Aberglaube eine große Rolle spielte. In vielen Ortschaften werden i: B. noch heute die Geistlichen durch die. unaufhörlichen Bitten der Frauen ihrer Gemeinde geradezu gezwungen, sich für einen Augenblick auf die Schwelle des Hauses oder auf einen vor ihr ausgebreiteten Pelz zu setzen, wonach in dem Hofe die Hühnerzuchj besser gedeihen soll. In Rußland hat sich das Weihnachtsfest neuerdings ausschließlich zu einem Feste für die Kleinen gestaltet, so da? es vielfach nur das Kinder-fest-genannt wird. Und nur m ven Familien, wo fröhliche. Kinder spielen, feiert man es in angemessene? Weise. Die iunaen Mädchen in Städten und ! Dörfern lassen ti sich nicht nehmen. ' am WeihnachtStage die verschiedensten Orakel anzustellen, um etwas vcaqw über ihren Zukünftigen zu erfahren, und die Kartenlegerinnen, deren eö ia

leider in Rußland eine Unmenge gilt,.

haben um diese Zeit viel zu thun. Auch die Töchter aus den besten Häusern sprechen bei ihnen vor. um allerler Schicksalswinke zu erhalten. Im Großen und Ganzen wird zum Weihnachtsfeste in Rußland nicht soviel Pomp aufgeboten, wie es dort zu Ostern ganz allgemein geschieht. Nur m Moskau fncrt man Weihnackten volle vierzehn Tage lang, und fortwährende Festgelage, Bälle.Schaubelustigungen und Schlittenpartieen werden während dieser Zeit veranstaltet. Alle Vergnügungslokale sind dann gefüllt, und das bunteste, lustigste Treiben herrscht auf allen Straßen. Seiner außerordentlichen Größe wegen verdient auch der Moskauer Weihnachtsmarkt erwähnt zu werden, der vielleicht einzig in der Welt dasteht. Auf dem riesigen Theaterplatz, der oft den Truppen als Manöver- und Exercierplatz dient, stehen Buden an Buden, und eine unabsehbare Menge wogt hin und her, um ihre Einkäufe zu besorgen. Infolge der Unmenge des herbeigeführten Fleisches ist der Preis dafür meist gerade auf dem Weihnachtsmarktbilliger als zu jeder anderen Zeit des Jahres, was die Bewohner der Restdenz recht wohl zu benutzen wissen. Während der vierzehntägigen Weihnachtsfeier scheint der Moskauer alles das nachholen zu wollen, was er in deu langen Fastenzeit vor Weihnachten versäumt hat. HmcustNgcn. Zu Weihnachten ziehen in mehreren Gegenden Nieder - Oesterreichs Hirtensinger" herum, welche in Privat-, seltener in Gasthäusern kleine Spiele (Hirtenspiele) aufführen. Hierzu verkleiden sich viev Jünglinge ihren Rollen entsprechend und treten nacheinander in die Stube" ein. Der erste Hirt fragt nach dem Hausherrn, klagt über bittere Winterkälte und legt sich neben dem Ofen auf den Boden. Ebenso machen es die beiden Anderen, welche gekommen sind, ihren Kameraden zu suchen. Bald liegen alle Drei in tiefern Schlafe", aus welchem sie j?doch der Engel durch Berührung mit seinem goldenen Stäbe" weckt. Staunend vernehmen sie seinen Ruf: Gloria in excelsis Deo!" und den Bericht vom Wunder zu Bethlehem. Hierauf singen sie gemeinsam eines von den lieblichen Hirtenliedern, deren Motive echt volksthümlich sind. Die Ueberraschuug. r . mTWÄ PPM Blutige Weihnachten. T Für die Geschichte der Vereinigten Staaten ist der Weihnachtstag . von mehr als gewöhnlicher Bedeutung, btm an diesem Tage sind vonamerischux Heeren wiederholt Entscheidungsschlachten geschlagen worden. In der Weihnachtsnacht des Jahres ' 1776 bewerkstelligte Washington seinen berühmten Uebergang, über , den Delawäre, was zur Ueberrumpelung der britischen Truppen und zu dem entscheidenden Siege bei Trenton. führte. Am Weihnachtstage 1864 meldete General Sherman dem, Präsidenten Lmcoln die Eroberung von Savannah. Unglücklich dagegen' verlief der an demselben Tage ' von BundeStruppen gegen das Fort Fisher unternommene Angriff. Jetzt habenauchdieGepäckträger zu der russisch-französischen AllianzS!ellung genommen! Wie aus Moskau berichtet wird, fand zwischen den Lastträgern des Bahnhofes der Moskau - Kursker. und Nishegoroder Eisenbahn und den Gepäckträgern des Bahnhofes St. Lazare in Paris auf telegraphischem Wege ein Austausch russisch-französischer Svnpathie-Aeu-ßerungen statt. Na, j:tzt kann's doch nicht mehr feblen!. '

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