Indiana Tribüne, Volume 20, Number 87, Indianapolis, Marion County, 13 December 1896 — Page 7

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Lieöcsproöc. NoreUette von CJ. Annusle. ' .Bist Du bald fertig. Elly?" Ja. Weshalb denn?" Ich möchte Dich mal tofö ttagen." Gleich!" Sie saß auf ihrem Stohlrad und fuhr eine kunstvolle Volte nnd noch eine und noch eine. Dan sprang sie ab und stand nun vor ihm, schlank, frisch und reizend in ihrem dunkelblauen Tuchkleid, mit rosigen Wangen und lachenden Auge Er zog sie ZU sich auf die Bank nieir. Elli. hast Du mich lieb?" : Aber natürlich. Komische Frage! Du weißt, wir sollen uns heiraIhen." Richtig. des hatte ich ganz vergessen. Selbstverständlich wird nichts drus. Nicht wahr?" Weshalb nicht?" Ja, Has, das weißt Du doch so gut wie ich. Wir lieben uns ja gar nicht; und solch eine Heirath auf Äestellung, die ist eben gut genug für unselbststÄndige Menschen, nicht für solche, dee da wissen, was sie wollen, vie wir Beide." Sagtest Du nicht eben, daß Du mich lieb hättest?" Ja, aber lieb haben und lieben, das ist doch zweierlei. Sieh, wir kennen uns mn von Kindesbeinen an, haben zusammen Pferdchen gespielt, gemeinsam Schelte bekommen und uns um die besten Birnen gezankt. Noch gestern haben wir seelenvergnügt miteinnder in den Kirschbäumen gesessen. Worüber sollen wir denn da plötzlich himmelhoch jauchzen und zu Tode be izm sein?" Er zeichnete mit seinem Stocke Figuren in den Sand und antwortete nicht. Sieh mal. lieber Junge", sagte sie überredend, die berühmte Liebe ich meine zarte Sehnsucht, süßes Hoffen und so ähnlich. Du weißt ja möchte ich doch auch gern mal kennen lernen. Du etwa nicht? Und dazu sollten wir einander den Weg verlegen? Das wäre doch schön dumm von uns." Und Du meinst, daß wir miteinander dazu nicht gelangen könnten ?" Wir? Kein Gedanke. Nichts stimmt bei uns. Seit ich ihn gesehen, glaub' ich blind zu sein.", Ich bitte Dich, wenn das bei mir zuträfe, müßte ich armer Wurm ja von der Wiege an blind gewesen sein. Und bei Dir: Mich hat das unglückselige Weib vergiftet mit ihren Thränen." Muß das nicht reizend sein? And mit mir wirst Du das niemals erleben." Er lächelte. Jlun, das ließe sich allenfalls entbehren." Und weil wir uns nicht lieben, darum " Wollen wir warten, wir sind ja Beide noch Zung." .entschied in seiner ruhigen Weise, die ihn älter erscheinen ließ, als er war. Jch gebe zu. daß es sich augenblicklich nicht ganz leicht erkennen läßt, was in .unserer gegenseitigen Zuneigung Gewohrcheit. Kindersreundschaft und was Liebe .ist." Sie lachte. Warten! Wenn das die Liebeprobe sein soll, meinetwegen! Warten wir also bis bis nun, sagen toiz, bis die Blumen, welche die steinerne Ilora dort in ihrem Gewände trägt, zu blühen anfangen," Alleiings etwas viel verlangt. Und nim kann ich also gehen mit meinem Korbe?" Korbe! Wie Du redest. .Hans ! Wir sind doch vollständig einig! Und

nun grui' mir die Deinigen in Iriedenfeld und komm morgen zeitig wieder. ja?" Sie staute ihm mit Befriedigung nach. So war die Sache in schönster Ordnung. Freilich, ein prächtiger Mensch wzr.er, kein Anderer ließ sich mit ihm vergleichen. Aber sich so .einfach von ihm nehmen lassen ach nein. da5 Allerschönste an diesem sonnigen Lek?n mußte doch noch ganz , anders zügeln, alle Dichter sagten es, und die mußten es wissen. Heinrich Heine znm .'Beispiel, was niachte der für Anstrengungen! Der riß aus Norwegs Wäldern die höchste Tanne, tauchte sie 5n des Aetnas glühenden Schlund und schrieb d&ratt xrn die Himmelsdecke: .Agnes, ich liebe Dich." So stand es wenigstens in fernem Buch der Lieder. Und HanZ? Nein. nein, mochte er warten, bis das schwärzliche Gemüse im Sckwoße der Flora zn Älühen anfing 1 Du, Elli. ii Hans eiaentÜch n Komet?" " Weshalb. Kcthchen? . Ja. uns Fräulein sagt. Slsrntits das waren so Geschöpfe, di cunchnitl da wären, und dann verschwänden s wieder, und Westens wüßte man nicht wann sie wiederkämen. Und , Hans öleibt doch nun weg, und Keiner weiß, Quf wie langes Ich weiß anch recht," sagte GJTt zerstreut, des Schwesterchens astrononrsche Vorstellungen anberichtizt las send und blickte auf en Weg nach sQ-denfeld, dem Nachbvrgute. hinaus, vergeblich wie nun schon seit acht Ta-, gen. W2IUM kam Hans doch nicht? Gsit wäre gern nach Friedenfeld hinübergefahren, wie sie fniher so oft ethan. Das aber hatte der Vater, der seit dem Scheitern des Verrihlungsvlanö fchr übler Laune war. ihr v?rboten. Wenn er dock käme! Wieder verstrich eine Woche und noch eine, Hans kam nicht. Elli wurde immer ernster und stiller. Ueberall vermißte sie den Freund. Nicht einmal das Radfahren machte ihr mehr Freude da er sie nicht mehr begleitete. Einmal ging ein schweres Gewitter nieder. Auf ' dem Nochbargut. wo onl trotz seine? Jugend mit Umsicht

iw Geschick des leidenden Vat?rS stelle vertrat, hatte es in ein ArrVeiterhaus eingeschlagen. Leute, Vxt herüberkamen, erzählten, daß Hans ruhig und energisch inmitten der kopflos gewordenen Dörflerschaft die Löscharbeiten leite. Ein Anderer taoIte gesehen haben, wie ein brennender Balken gerade auf die Stelle niedergestürzt war, wo der junge Herr- stand. Nie im Leben hatte Elli Stunden so furchtbarer Angst durchgemacht, als bis die Nachricht kam. daß der Brand gelöscht und der junge Herr" unbeschädigt sei. Ihn auch Zeht nicht sehen zu dürfen! Am nächsten Tag ertrug sie es nicht länger, sie setzte sich auf ihr Rad und fuhr hinüber, dem väterlichen Gebote zum Trotz. Aber als sie das wohlbekannte Herrenhaus durch die Parkbäume schimmern sah. überfiel sie ein räthselhaftes Gefühl, eine Scham, die ihr das Blut in die Wangen trieb. Sie bog auf einem Seitenpfade ab. Dann versuchte sie. ihm auf den Wegen zu begegnen, die er kommen mußte. Am dritten Tage traf sie ihn. Er saß zu Pferde und grüßte, ohne anzuhalten, freundlich aber flüchtig zu ihr hinüber. Aon da an erhielt das Stahlrad

y Urlaub auf unbestimmte Äeit und (durste in einem Schuppen stillen Betrachtungen nachhängen, cn irr - v mjc. j - . jiuu; juuucn lam vie jcuiutyi herüber, daß Hans verreisen wolle, auf ein halbes Jahr oder ein ganzes, man erfuhr es nicht genau. Elli erschrak. Dann kam ihr ein schwacher Trost: Nun mußte er kommne, um Abschied zu nehmen. Er kam auch, aber zufällig gerade, als sie vom Hause abwesend war. Man bestellte ihr seinen Abschiedsgruß bei der Heimkehr. Da schlich sie sich auf den Boden hinauf zwischen alte Spinnräder und verstaubte Willkommen - Transparente, wo Niemand sie suchte, und weinte aus Herzensgrund. Am Abend desselben Tages trieb es Elli hinaus in den stillen Garten, wo das Mondlicht mit ruhiger Pracht die Spätsommerblumen bestrahlte und der Luthauch mit leiser Liebkosung über ihr Haar strich. Aus einem offenen Fenster drangen die Töne eines Liedes herüber, das die Erzieherin drinnen mit weicher Stimme zum Elavier sang: Er wird wohl gar in das Welschland geh'n. Und die Frauen sind dort so falsch und schön." Fester legte sich der Reif stummer Qual um Ellis Brust. Ja. er würde fortgehen und viele, schöne und liebenswerthe Frauen finden, und eine davon würde er schließlich heimführen als künstige Herrin von Friedenfeld. Sie aber würde von fern stehen und keinen Antheil mehr haben an seinem Geschick. Thörin, unbegreifliche Thörin, die fx gewesen war! Sie dachte nicht mehr an Dichter und Liebeslieder. Heine und seine Riesenfeder lagen ihr weltenfern. Die fremden Tönr waren verstummt vor dem lauten Pochen in ihrer eignen Brust. Wenn fx ihn nur einmal noch sehen, und ihm sagen könnte: Geh nicht von mir im Groll, ich wußte ja selbst nicht, wie lieb Du mir bist." Aber morgen, bei Sonnenaufgang fuhr er, und wenn er wiederkam, war das, wastwi noch an Liebe zu ihr in ihm lebte, längst gestorben und vergessen. Rings rmhet hoben sich aus den Gartenbeeten iie hellen Blnmen und blickten sie rim Mondstrahl an wie fragende Gesichtchen. Aus lern lichtumflossenen Gebüsch drüben sah grau und gesprnstig ein halb verwittertes Steinbild. Ihr übcnnüthiges Wort tarn ihr ins Gedächtniß zurück: Warten wir, bis die Blumen lim Gewand der steinernen Flora zu llühen anfangen." Und plfyUch durchzuckte sie ein Gedanke. Drüben am Parkgitter die Flora und tt die Blumen ein einziges Zeichen, ein letztes konnte sie ihm geben, liebte er sie, dann würde er es verstehen und sie vielleicht nicht aufgeben und vergessen, liebte er sie rcht. so waen ihm ihre Worte wohl längst entfallen, und sein Auge würde gleichgiltig über 'das Steinbild, hinweggleit:. Wenige Minuten äter schlich sie mit zusammengeraffte Schürze scheu Und vorsichtig wie zu einem Stelldichein dem F!orastandrlde zu. Jetzt bog sie um das letzte Gebüsch und Hans !" Mit einem Aufschrei prallte sie zuriu!. Da stand er trrid zog gerade die Hand zurück, mit der er einen Prachtvollen Strauß Spätsommerrosm in das aufgeraffte Gewand der sternernen Göttin gelegt hatte. Einen Augenblick war es ganz still zwischen Beiden. Dann sagte sie leise. vorwurfsvoll: . Warum bleibst D so lange fort?" . Weil ich mir darüber klar werden wollte, ob Du Recht hattest bei unsern legten Unterredung." antwortete er. Nein, D hattest Unrecht, ganz Unrecht, wenigstens was mich anbetrifft. Ich liebe Dich doch und halte die Hoffnung, Dich zu besitzen, fest. Darum legte ich Dir zum Abschiedsgrüß tie Rosen dorthin sie blühen ja nun, die Blumen Deiner Flora." Hans!" rief sie. es klang wie . ein Jauchzen. Die Zipfel der Schürze entfielen ihren bebenden Händen, ein Blumenregen fiel auf das Gras zu seinen Füßen nieder. Ach, Hans, ich wollte ja ganz dasselbe thun!" Im weißen Licht, das durch's Laubgitter fiel, schien die steinerne Göttin freundlich auf das Paar herabzula cheln. DaL war hübsch von ihr, denn sonst empfangen Vamen lm Allgem nen nicht gern Blumen, die für An f

dere bestimmt sind. Dafür burfte sie nun auch Zeuge sein, wie zwei junge, glückliche Menschen sich den Brautkuß aaben; und das bekommen sonst nur Wenige zu seh'n ein paar verschwiegene Parkbäume etwa und der Mond und Amor, der Schalk. v

ZZcr Reporter. Von RemirovicS Dancsenko. I. . , Sascha, Du?"' rüft eine schlanke Brünette. Herr des Himmels, was ist geschehen? Wie siehst Du aus? Ohne Hut, mit fliegendem Haar?" Nichts, nichts. - morgen später werd' ich Dir Alles erzählen." Anna : Fedörowna zog die Widerstrebende zärtlich an sich und blickte ihr forschend in's Auge und Sascha brach in Thränen aus. Laß mich, laß mich!" Erst bis ich weiß, was geschehen ist, und heute Nacht bleibst Du bei mir." ..Nein nein heute muß ich noch fort, weit weg." Anna Fedörowna zwang die Freundin auf'ö Sopha nieder und fchob ihr eine Tasse heißen Thee hin. Du mußt trinken, draußen ist's grimmig kalt und Du bist halb erfroren." Ich wollte, ich wäre auf der Gasse erfroren." Nä'rrchen, zum Sterben hat man immer Zeit, das kannst Du ja morgen auch noch. Ich werde Dich nicht davon abhalten, sage mir nur, warum Du eigentlich sterben willst." Ich will noch heute sterben," wiederholte Sascha störrig. Nun gut, also noch heute, wenn Du es gerade so eilig hast. Aber jetzt ist erst zehn Uhr, also bleibt Dir noch immer Zeit genug." Ich glaube gar. Du spottest." Gott behüte, es ist mir nur etwas eingefallen. Erinnerst Du Dich noch? Emmal mst Du in der Schule tn Geometrie durchgefallen und liefst schnürstracks zu mir, um vom vierten Stock herunterzuspringen. Und wolltest Du Dich nicht mit Phosphor vergiften, ehe Naresnew Dein Gatte wurde?" Ach. hätte ich es nur gethan, wenigstens hätte ich das nicht erlebt, was ich heute erlebt habe. Oh. wie unglücklich bin ich!" Sascha. Du bist seit vier Jahren verheirathet und hast mir tausendmal betheuert, daß Du glücklich bist. War das eine Lüge?" Ach Anna, ja, ja. ich war sehr glücklich. Aber jetzt ist mein ganzes Dasein vergiftet, denn feit einer Stunde weiß ich, daß mein Lebenöglück für immer zerstört ist." Was ist denn geschehen?" Mein Mann ist mir untreu. Ich habe bei ihm ein Briefchen von Damenhand gefunden, in welchem die Schreiberin ihn duzt. Ich habe von ihm natürlich Rechenschaft verlangt, und der Treulose erwiderte kalt und ruhig: Sascha, Du hast nicht das Recht, fremde Briefe zu lesen." Natürlich habe ich ihm eine Scene gemacht. Ich glaube sogar, ich habe ihm etwas an den Kopf geworfen. Darauf hat er mich wie ein unartiges Kind in's Schlafzimmer geführt und ist fortgegangen zu ihr!" Woher weißt Du das?" Wohin wäre er denn sonst gegangen? Was soll ich thun?" Geh ruhig zurück nach Hause." Nimmermehr!" Nun. so trenne Dich von ihm. Du bist jung und reich." Ich kann nicht ohne ihn leben." Fahre für eine kurze Zeit zu Deiner Mutter. Oder komme mit mir nach Italien." Ach Italien! Ja. dort ist's schön." seufzte Sascha unwillkürlich. Und sie schwieg, ließ sich widerstandslos in's Bett legen und schlief ein. Und Anna Fedörowna lächelte wieder. ein helles, sonniges Lächeln. Sie wußte, daß Sascha am nächsten Moren sehnsuchtsvoll in die Arme ihres Gatten eilen werde. II. Ugrumow liegt trotz der vorgerllckren Morgenstunde noch in den Federn. Er war mißmuthig, und das mit Recht, denn er war die ganze Nacht hindurch gelaufen und hatte keine Kopeke in der Tasche. Die ganze Woche über war nicht das Mindeste vorgefallen, was dem srmen Reporter Geld eingetragen hätte. Ich. muß ja leben. 'Herr." hatte er zu dem Redacteur gesagt. Spuren Sie neuen Ereignissen nach antwortete der Redacteur. .Aber Herr, cs geschieht jetzt nichts, gar Nichts." Nicht möglich, bei einer Million Emwohner kein Ereigniß? In jedem Hause geschieht etwas, man muß nur eme gure Spürnase haben!" Soll ich etwa ein Verbrechen begehen, um Stoff zu haben?" Ist cmch schon dagewesen." erwidert Ux Redacteur gleichmllthig. .Die amerikanischen Reporter thun noch ganz andere Dinge im Interesse ihres Blattes." Werden Sie mir einen Vorschuß geben?" Nein, Sie aben schon Honorar im Voraus für vierzehn Ereignisse." Ugrumow hatte kopfschüttelnd daS Redactionslocal verlassen. Auf der Straße sprach er. jeden Pottzisten an. Nichts geschehen? Nichts Neues?" Die Polizisten schüttelten den Kopf. Was er brauchte, war ein anständiger Mord, der mindestens 10 12 Rubel trägt. Den ganzen Tag war er in den Straßen Petersburgs herumgestreift, bis er todtmüde geworden war. Nichts! Nichts! Agrafena!" rief er endlich verdrieblich. sich aus den Federn schälend.

Eine dicke Äagd steckte den Kopf herein. Hat mich Niemand gesucht? Nein? Lauf hinunter an die Straßenecke und frage den alten Wachmann, ob nichts geschehen ist." Fünf Minuten qualvoller Spannung verliefen, bis sie zurückkam. Er läßt Sie grüßen. Es fei nichts vorgefallen aber die Hausfrau, läßt Ihnen sagen, sie gibt Ihnen keine Kost mehr und verlangt die fällige Miethe." Sag' ihr. sie soll Dich todtschlagen, so werde ich sie bezahlen." ' Warum gerade mich?" Oder schlag' Du sie todt. Das ist mir egal. Was glaubst Du?" Die dicke Magd war schon an allen Gliedern bebend hinausgerannt und Ugrumow spann noch immer den schönen Traum weiter. Dann kleidete er sich an und machte sich wieder auf die Suche. Wieder vergebens. Halbtodt vor Hunger und Durst kehrte er in's Wirthshaus ein und bestellte eine Portion Fisch und eine Flasche Wein. Aber wovon zahlen? Ach was. weil die Stadt ruhig ist, kann doch der arme Reporter nicht verhungern! Dann ließ er sich eine Portion Schweinebraten geben und hernach ein Beefsteak und eine Flasche Rothwein. Kaum war er satt, als er plötzlich emporschnellte. Wo ist das Telephon?" Hier, bitte, im Nebenzimmer." Ugrumow läutete energisch. Bitte mich mit dem Courier" zu verbinden." Wer spricht?" Reporter Ugrumow. Schreckliches Ereigniß. Mord aus Eifersucht. Eine vornehme Dame ist zum Opfer gefallen." Kommen Sie unverzüglich in die Redaction." Erst müssen Sie mich auslösen. Bin halbtodt vor Müdigkeit und habe hier im Gasthaus gegessen. Schicken Sie den Diener mit Geld für die Zeche. Der Thäter ist ein junger Mann aus den vornehmsten Kreisen." Sofort!" Ugrumow setzte sich rasch nieder und schrieb. Als der Diener ankam, war das Manuscript beendet und er warf sich rasch in eine Droschke erster Güte. Nun?" fragte der Redacteur ungeduldig. Bitte reserviren Sie mir 500 Zeilen und geben Sie mir zehn Rubel." Der Redacteur warf ihm wüthend das Geld hin und Ugrumow ging an die Arbeit und lieferte das Manuscript an den Setzer ab. Morgen wird das ein Skandal werden." brummt er. Der Redacteur wird mich hinauswerfen. Was thun? Ich mußte mir Geld verschaffen." Die Beschreibung des sensationellen Ereignisses zerfiel in drei Kapitel. Das erste trug die Ueberschrift: Ein geheimnißvoller Mord" und lautete: Die blutige Chronik des Verbrechens ist um ein Ereigniß reicher. In dem Hause No. 85 in der N.-Straße ist ein schrecklicher Mord begangen worden. Ein angesehener junger Mann, dessen Namen wir vorläufig verschweigen, hat den Dolch gezogen und die glacebehandschuhten Hände mit Blut beschmutzt." Das zweite Kapitel dieß: Das Opfer" - und Ugrumow dachte an die Heldin seines Romans, den der Redacteur nicht veröffentlichen wollte, und schrieb mit fliegender Hast Zeile um Zeile aus der Schilderung feiner Heldin nieder. Das dritte Kapitel trug den Titel: Die Frage." Ugrumow ließ hier feiner Phantasie die Zügel schießen und schrieb: Der Mord wurde begangen, der Thäter ist gefunden, aber wo ist der Leichnam? Was ist mit dem Leichnam geschehen? Gebt uns den Leichnam heraus!". Nach vollbrachter Arbeit ging er nach Hause und schlief einen traumlosen. ruhigen Schlaf. Aber als er aufwachte, begann er sich unbehaglich zu fühlen. Heftige Reue begann an seinem Herzen zu nagen, als plötzlich Tritte im Vorzimmer laut wurden. Oh weh," seufzte Ugrumow. Von der Redaction." Richtig war's der Redactionsdiener. Ein Brief vom Redacteur." Er erbrach das Schreiben und las: Rasch einen Bericht. Wir drucken das 22. Tausend. ' Die Polizei hat den Mord durch Sie erfahren. Ich habe Skobloff auf den Schauplatz des Er-

eignisses geschickt, aber er verwechselt alles, ch kann seinen Bericht nicht drucken. Der Untersuchungsrichter ist an Ort und Stelle." Ugrumow drehte den Brief hin und her und las ihn nochmals durch. Dann fragte er:- ; ' - - Ist unserm Redacteur etwas zugestoßen?" . ; Nein, Polizisten gehen aus und ein und sagen, es sei ein Räthsel, wie Sie die Details erfahren - haben. - In der N.-Straße .ist em riesiger Menschen andrang." , ' ' ;. Du warst dort? Existirt dort ein Haus No. 86 und ist dort ein Mord qeschehen? Ja. aber in der Thürnummer haben Sie sich geirrt, es ist nicht fünfzehn, sondern zwölf." Hurrah! Jetzt soll er mir einen amerikanischen Reporter loben. Einen Mord im Vornherein wittern und beschreiben, das ist keine Kleinigkeit." III. Wo ist meine Frau? Wo kann sie lein?" Diese 5?raae batte Victor Narasnew die ganze Nacht hindurch gequält, daß er kein Auge schließen konnte. Morgens hörte er Schritte im Zimmer. Das ist Sascha," dachte er. Aber statt Sascha sah er einen bärtigen Polizeichef eintreten, dem mehrere Polizisten und der Untersuchungsrichl irr folgten.

Wo ist der Mörder?" fragte dieser. Hier." erwiderte die Hausmeisterin,

auf Narasnew weisend. Sie haben Ihre Frau ermordet! Leuanen Sie nickt! Wo ist der Leichnam? Herr Untersuchungsrichter, ge hen Sie an's Werk!" Die herrschende Unordnung, die umgestürzten Möbel, alles bewies nur zu klar, daß hier etwas geschehen war. Aber wo ist der Leichnam?" Herr Naresnew. ich muß Sie verhasten. Sie sind des Mordes angeklaqt." Im selben Moment stürzte Ugrumow herein. Jch bin der Reporter des Courier". Ah. Sie sind der! Um wieviel Uhr haben Sie Ihren Bericht eingeschickt?" Um elf." Ah. und das Verbrechen ist erst um zwei Uhr Nachts geschehen, denn', der Hausmeister hat gehört, wie sich das Ehepaar um diese'Stundeezanlt'hat.' Wie konnten Sie das schon um Elf wissen? Wachmann, verhaften Sie diesen Herrn..Er ist einer dir, Mitschuldigen. Er selbst hat sich. verrathen. Da Sie so ein Meister im Errathen sind, können Sie mir nicht sagen. wo sich die Leiche befindet?" Nein." Narasnew, gestehen Sie. Ihre Frau getödtet zu haben?" Ich meine -Frau?" Im selben Moment wird die Thür aufgerissen und die gesuchte Leiche" stürzt herein. Sascha. süße Sascha man beschuldigt mich hier. . . ." Victor, verzeih mir, ich bin an Allem Schuld." schluchzt Sascha, in die Arme ihres Gatten eilend. Ich Hab's eMthen," brummt Ugrumow. Die vcrüymte" Zamilie. Voll L. v. Plötz. Mein lieber Heinz, die Messerschmidts sind eine der ältesten Familien unserer guten Stadt. Schon seit Karl's des Fünften Zeiten sind wir hier eingesessene Patricier gewesen. Dies ist ein Factum, und ein weiteres Factum ist es. daß Du das letzte Glied dieser berühmten Familie bist. Folglich ist es Deine Pflicht, nun endlich einmal daran zu denken, unter den Töchtern des Landes Ausschau zu halten. Es ist ja sehr hübsch, daß Du mit Deiner Schwester so einträchtialich zusammen lebst. Aber ich sage Dir, mein lieber Heinz, wenn eine so berühmte Familie ausstirbt, so ist das ein Jammer!" So hatte die alterndeDame mit dem hochmüthigen Gesichtsausdruck heute nun schon zum dritten Male zu dem Amtsrichter Heinrich Messevschmidt gesprachen, der sich lässig im Lehnstuhle wiegte und aus seiner endlos langen Studentenpfeife graue Rauchwolken zu der Hängelampe sandte, die über den Beiden schwebte. Ihm gegenüber an der Wand, oberhalb der auf breiten Gestellen ruhenden juristischen Bibliothek, hing eine Reihe von Ahnenttldern. rothwattgige Gestalten mit schmalen Augenbrauen, weißen Halskrausen und goldenen Ehrenketten. Siehst Du, Heinz, das waren Alles Männer in hohen Würden. Wir sind gewiß eine berühmte Familie." Der Amtsrichter war aufgestanden und drückte der Mahnerin die Hand. Laß gut sein, Tante Rosalie. Mach mir den Kopf nicht warm. Ich werde mlv Deinen Rath überlegen und ich denke, ich werde ihn auch befolgen." Nachdem er die Tante, welche es so gut mit der berühmten" Familie meinte, zurTreppe geleitet hatte, schritt er unruhig in seinem Arbeitszimmer auf und ab und ließ sich das. worüber sie soeben gesprochen hatten, durch den Kopf gehen. Aus dem Nebenzimmer schollen weiche Klänge herem. Heinrich off nete die Thür halb, lehnte sich an das Fenster und lauschte. Es war sein Lieblmgslled, eme Sonate von Beetho den. Als der letzte Accord verklungen war. trat eine schlanke Frauengestalt herein in ernsacher Haustracht. So, nun ist's gut. DaS Abendbrot ist bereit. Du wirst Hungev haden, komm. Im Eßzimmer war ein sauberer Tisch gedeckt, nichts fehlte daran. So fetz Dich. Heinrich, heute aibt's auch Rührei. Du ißt's ja gerne. Halt, beinahe hatte ich vergessen, den Hans schlafen zu bringen. Sie war aufgestanden und deckte ein Tuch über das Vogelbauer, das am Fenster stand. Es ist drav. daß Du das Tbierchen nicht vergißt, Marie," lobte Heinrich. Um Gottes Willen, wie werd' ich oen Hans vergessen!Der Doctor Klaus hat ihn mir ae schenkt und daS war mir ein sehr liebe Freund. Gott hab' ihn selig." Als die Beiden sich gegenüber saßen, kam der Amtsrichter heraus mit dem, was ihn bedrückte. Weißt Du, Marie, die Tante hat mir wieder den Kopf warm gemacht wegen der Heirath, damit die berühmte" Familie nicht ausstirbt. Ich fühle mich ja so wohl bei Dir und ich weiß genau, daß ich es niemals besser haben werde. Aber ich glaube, sie hat doch recht, die Familie dürfte eigentlich nicht aussterben." Die Schwester klopfte lachend seine gebräunte Hand, die nervös mit dem Messer fpielte. Natürlich hat sie schon recht. Es wird mir ja schwer, von Dir weggehen zu müssen. Wir haben uns so gut eingelebt." Mir würd's, glaube ich, noch schwever," seufzte er. Aber einmal muß es ja doch sein." Und ich werde Dir's so leicht als möqlich machen." erwiderte sie nach- . C , Im . mm m

denklich. ?t!mm cur kewe Rücksicht auf mich." Der Amtsrichter Heinrich Messerfchmidt hatte sich geweigert, auf dem Heirathsvermittlungs - Bureau von Julius Werth feinen Namen und seine Adresse zu nennen. Der Gedanke, daß dieWelt einmal davon erfahren könnte.' daß er auf diesem nicht mehr ungewohnlichen Wege" seine Frau gesucht habe, hatte für ihn etwas unsäglich Peinliches. Er nahm sich vor, nach seiner Verlobung mit Derjenigen, welcke sein Herz gewinnen würde, einen heiltgen Pact zu schließen, daß nie ' ein Sterbenswörtchen über ihre Lippen kommen durfte. So blieb ihm nun nichts Anderes übrig, als von Zeit zu Zeit in höchsteigener Person im Bureau zu erscheinen und zu erfragen, ob für den hei-

rathslustigen Amtsrichter in besseren Jahren etwas da sei. Heute konnte Herr Julius Werth seinem Clienten endlich erklären, daß etwas Passendes auf Lager" fei. Das Bureauzimmer war ein kleiner, unscheinbarer Raum auf dem Hofe und entsprach wenig den prahlerischen An.noncen, welche in allen größeren Zeitungen der Residenz über dieses Weltberühmte, glänzende Institut" enthalten waren. Ueber dem Pulte hing daS Bild Amor's mit der Unterschrift: Dies ist der Weltüberwindev." Es war dasselbe Bild, welches auf fämmtlichen Geschäftsbriefen derFirma sich wiederfand. Sonst hingen an den Wänden noch einige Affichen, in denen mit schwülstigen Worten die segensreiche Einrichtung dieses streng reellen und discreten" Geschäfts gepriesen wurde. Julius Werth, ein kleiner, welker Mann mit mächtigem kahlem Kopf, rieb sich unablässig die Hände und begleitete diese Bewegung mit einem verbindlichen Neigen seines Hauptes. Sehr verehrter Herr. Entschuldigen Sie, daß ich Sie so oft herbemüht habe. Das Geschäft ging leider gerade schlecht. Wir konnten Ihnen nur wenige Damen offeriren. Es ist gerade die schlechte Zeit jetzt. Mein Bureu ist sonst ein geradezu glänzendes, es erstreckt sich über alle civilisirten Länder der Erde." Das interessirt mich wenig." unterbrach Heinrich barsch die in geschäftsmäßigem Tone vorgetragenen Worte, ich möchte nur wissen, ob also in .der That sich eine junge Dame gefunden hat. die geeignet wäre, mit mir eine Ehe einzugehen." Gewiß ist sie da. Natürlich ist sie da. Ich sage Ihnen, sie paßt für Sie. Sie paßt ausgezeichnet für fo einen feinen Mann wie Sie. Groß, hübsch, hat etwas Geld, hat gesunde Zahne. Schon gut, also bringen Sie mich mit ihr zusammen. Heinrich Messerschmidt fühlte sich nicht gerade behaglich m dem Ge schüft" des Herrn Julius Werth, aber den nicht mehr ungewöhnlichen Weg", den er nun einmal eingeschlagen hatte. wollte er auch zu Ende gehen. So wurde denn ausgemacht, daß Herr Julius Werth ein Stelldichein mit der großen, hübschen, etwas Geld und gute Zahne habenden Dame zu Stande bringen sollte. Am nächsten Tage bereits erhielt Heinrich den Bescheid, daß heute Abend um 9 Uhr das Rendezvous stattfinden sollte. Die neunte Stunde kam heran. Heinrich warf seinen weiten Havelock um. stülpte seinen Schlapphut auf und machte sich klopfenden Herzens auf den Wea zum Denkmal. Er warf noch einen wehmüthigen Blick auf sein Heim, wo .ihn seine Schwester Jahre lang so gut verpflegt batte. Was thut man nicht Alles feiner Familie wegen," fchimpfte er und dachte dabei an die Ahnenbilder mit den fchmalen Augenbrauen und den aoldenen Ebrenketten. Jetzt fah er bereits das Stadtthor aufragen, es war viertel zehn Uhr. ' Z . w rr l r . Noch konnte er yossen, oay oie arme Dame zur Stelle war. Aber da kam ein Trupp Menschen daberaerast. Weit vor den Anderen lief Einer in wildem Tempo und die hinter ihm schrieen: Haltet den Dieb!" Das fehlte noch gerade, jetzt auf Diebsjagd zu gehen, jetzt in der entscheidenden Stunde. Um sein Gewissen zu beruhigen, lief er einige Schritte hinter dem Flüchtigen her und ließ sich dann zur Erde fallen, daß ihm die Glieder schmerzten. Mit Püffen und Stößen sausten die Verfolger übn ihn hinweg. Dieser Halunke hätte ihn kriegen müssen!" rief Einer dem Anderen zu. Er scheint im Bunde mit dem Diebe zu sein." meinte ein Anderer. Wir wollen ihn einliefern." Dem wollte Heinrich nun aber doch aus dem Wege gehen. Darum sprang er auf und rannte wie ein von Hunden verfolgter Hirsch auf das Thor zu. Schweißtriefend langte er vor demselben an. Im Schatten desselben stand eine große weibliche Gestalt. Sie hatte also ausgehalten und war nicht davongegangen. Heinrich fand noch immer denAthem nicht wieder. Er legte seine Hand aus die keuchendeBrust und schritt langsam auf das Mädchen zu, mit dem er durch des gütigen Julius Werth Vermittelung den Bund für's Leben zu schließen gedachte. Mein gna diaes Fräulein, ich preise mich glücklich." Hierbei zog er höflich den Schlapp Hut und senkte ihn zur Erde. Wie die Gestalt das von Pomade dustmde Haar und den jugendlich gestutzten Bart gesehen hatte, stieß sie einen leisen Schrei aus. Sie trat einen Schritt zurück und lehnte den Oberkörper an die Mauer. . - . ... . -L. . mm

Heinrich beugte sich vornüber uno sah scharf auf die Verschleierte. Die Gestalt senkte den Kopf und

preßte die Hände vor -die Augen. Hoffen wir. daß der ynnmel uns zusammengeführt hat. schönes Kind." drana Heinrich weiter vor. Hab' Vertrauen zu mir. Wer bist Du?" 5) nter den schlanken anden der Gestalt drang ein gurgelndes Geräusch hervor. Man wußte nicht, war es ein Lachen oder ein Schluchzen. Heinrich hielt es sür daS Letztere. .Weine nickt, schönes Kind. Ich lasse Dir ja ganz freie Wahl. Nur wenn " Jetzt fühlte er eine weiche Hand vor dem Munde und eine wohlbekannte Stimme schlug an sein Ohv: Altes Bruderherz! Was waren wir Beide für Thoren!" $ 4c Heinrich Messerschmidt und seine Schwester Marie haben Beide nicht geheirathet. Sie haben zu Beider Behaglichkeit die geschwisterlicheHäuslichkeit weiter geführt. Die berühmte" Familie mit den vielm goldenen Eh renketten muh sich eben gefallen lassen, aukzusterben. ' ' ' WÄenekraft. Man unterscheidet starke und schwache Willenskraft, die sich schon im .r i rr-ri 1.1 . Cl 1 lnoe aun.eri. rnere ariei nun 011 in Eigensinn aus und muß bekämpft werden. während man das schwache Willensvermögen zu kräftigen sucht. Das Kind ist gleich dan jungen Bäumchen, welches am Pfahl gerade wachsen soll; derPfahl aber ist eine vernunftgemäßeErziehung, ohne dieselbe würde das junge Menschenkind, wie das Bäumchen, krumm wachsen. Je früher man NUN mit dem Gradeziehen beginnt, desto eher kann man auf Erfolg rechnen; ist der junge Baum bereits verkrümmt, nützt auch der Pfahl nichts mehr und das Kind, welches seine El-. tern erfreuen soll, wird oft zumHaustyrann. Die Launen der Erwachsenen, woraus sind sie entsprungen? Aus dem Eigensinn der Kinderjahre, den man nicht bekämpst hatte. Das Kind muß gehorchen, seinen Willen dem des Erziehers unterordnen. Je kleiner das Kind, desto selbstsüchtiger ist es, es trachtet nur nach Dingen, die ihm gefallen, ohne zu wissen, ob ihm dieselben nützen oder fchaden, ob deren Besitz recht und gut ist. Auf dieser Stufe darf das Kind nicht stehen bleiben und es ist die Ausgabe der Eltern, dem heftigen Verlangen zu steuern, dem Kinde zu verstehen zu geben, daß es dieses oder jenes nicht haben darf, und die Forderung, davon abzustehen, ist Gehorsam. weil das Kleine noch nicht den Grund der elterlichen Verweigerung sich klar machen kann. Bei solchen Versagungen wird sich die verschiedenartige Willenskraft der Kinder geltend machen. Während drö eine Kind sich den Anordnungen der Eltern fügt, wird das andere Widerspruch erheben und ertrotzen wollen, was ihm begehrlich erscheint. Das beste Mittel, das tu gensinnige Kind in andere Bahnen zu lenken, ist die Thätigkeit, für dieKleinsten das Spiel; die kindliche Fröhlichkeit kommt dann bald wieder zum Durchbruch. Hat es nebenbei noch eine Umgebung, von der es nur Gutes lernen kann, wird ihm der Anblick eines schlechten Beispiels entzogen, so wird sich auch die Willensäußerung des Kindes umlenken lassen. Nur kein schwaches Nachgeben, wenn es dasBeste des Kindes erfordert. Der ElternWille muß fest bleiben, will man auf Erfolg rechnen. Es ist nicht so leicht. Gehörsam zu. erzielen, noch schwerer, ihn zu erzwingen, und doch muß das Kind gehorche sei es durch Ermahnung. Erzählung. Drohung oder Strafe. Einmal consequent durchgeführt, wirkt der feste Wille der Eltern Wunder. Im Anfang wird nur Zwang und Furcht den Gehorsam hervorbringen, doch bald wird es das Kind einsehen, daß es die Eltern gut mit ihm meinen man muß es dem Kinde sagen, daß selbst die Strafe von Liebe dictirt wird und es wird bald aus Liebe zu den Eltern aeborchen. bis der Verstand es nach Jahren dazu bringt, aus vernünftiger Ueberzeugung folgsam zu sein. Wer es versteht, auf das Gefühl des Kindes einzuwirken, wird bald die Freude haben, zu sehen, daß das Kind aus Liebe gehorcht, und keinerlei Zwangsmittel nöthig sind. 23 Ich will" wird es dann bald zu besseren Zwecken benutzen, als um seinen Eigenwillen durchzusetzen. Wie schön klingt das Ich will" im Munde des heranwachsenden Jünglings, der einen bestimmten Beruf ins Auye gefaßt hat. ein heiß ersehntes Ziel erreichen will. Dieses Ich will" wird ihn ablenken von den Versuchungen zum Bösen und seinen Charakter stahlen und veredeln. Scblimm ist es da bestellt, wo derWille vorhanden und die That ausbleibt; was nützt das Wollen ohne Vollbringen? Die Energie fehlt da zumeist, oft aber ist auch körperliche Schwäche Schuld daran, obgleich es auch Beispiele giebt, daß in einem gebrechlichen Körper eine starke Willenskraft wohnt. Meistens jedoch liegt der Grund in dem zu schwach entwickelten Willensvermöyen;, solche, Menschen müssen-von außen aetrieben werden, oft zwingt sie auch'die bittere Noth. Ich will" kann unS ebenso zum Guten als zum Bösen antreiben. Erkenntnin und Gkfühl sollen aber unseren Willen bestimmen und ihn auf das Bessere, Edlere und höhere lenken. AordemSchwuvgericht. Angeklagter (während der Rede seine Vertheidiaers. für sich): Herrgott, bei kann aber schwindeln! Schön gelagt. Academiedirector .(nach der Preisvertheilung) : Mögen Sie sich immer vor Augen halten. daß die hohe Staatsregierung die Hcnne ist, welche die goldenen Medail. len legt! " ... . ,.