Indiana Tribüne, Volume 20, Number 87, Indianapolis, Marion County, 13 December 1896 — Page 6
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:eß er stießen. Es ist Nichts in Uhr. Im itinbcrgirnn: schläft der kleine siebenjährige Kur: und seine zweijährige Schwester. Der Jung: hustet auf. Nebenan ist das Schlafzimmer der Eltern. Du. Grete," sagt der Mann hajtig. Kurt hustet! Hörst Du nicht?" Die Frau erhebt sich schlaftrunken Ich höre nichts!" Es ist doch merkwürdig, daß 3H dergleichen nie hörst, Grete!" Die Frau lauscht. Es ist alles still. Es ist ja auch nicht gefährlich, wenn ein Kind einmal aushustet." Sie ist unwillig über den gestörten Schlaf. Bei Dir, Grete, scheint's aber gefährlich zu sein, wenn man Dich im Schlafe stört, selbst wenn's die Kinder betrifft!" Er lauscht gespannt nach dem Kmderzimmer. Er möchte förmlich etwas darum geben, daß der Knabe noch einmal aushuste, damit er sich und der gsrau gegenüber im Rechte bleibe. . Der Knabe schläft aber ruhig werter. Hat sich doch wohl wieder emen Husten aus der Schule mitgebracht," brummte der Vater, und versucht schließlich einzuschlafen.' ' Morgens steht der Knabe frisch und gesund auf. Grete. bitte, gieb sofort Selters mit heißer Milch für Kurt!" Die Frau sieht ihn verwundert an. Ja. ja. Scliers mit heißer Milch! oder willst Du den Husten ganz ausarten lassen?" Gewiß soll Kurt es gleich zu trmken bekommen! Aber hat er denn eigentlich Husten?" Wie sollst Du das wissen! Du schläfst Deine Tour herunter, da mag die Welt entzwei gehen." Hat Kurt also noch oft gehustet? fragte ängstlich die Frau. Eine Mutter weiß selbst Bescheid! Ich bin doch auch kein Nachtwächter. Bei anderen Leute kümmert sich der Mann überhaupt nicht um Kindersiuben!" Ich wünschte. Du thätest es auch weniger! Du verursachst Dir, mir und den Kindern viel unnütze Aufregung. Fritz." Meinst Du?" fragte der Mann mit unverhohlenem Aerger. Gewiß, lieber Mann! Du bist übertrieben zärtlich und besorgt, und daraus erwächst vieles, was den Kindern und uns schadet." Mit diesen Worten war ein Funken iu's Pulverfaß gefallen. Du bist hingegen egoistisch wle alle Frauen, obschon Ihr ewig von Opfern und ähnlichen Sentimentalitäten sprecht! Es bedarf erst verschiedener Katastrophen wie Beinbrüche. Schädelspaltungen und dergleichen mehr, um Dich aus der Fassung zu bringen. Ich bin allerdings Tag und Nacht um die Kinder besorgt und noch jetzt weit mehr, seit Kurt zur Schule geht. Du kennst meine Ansichten über den Segen des frühen Schulbesuchs!" Es wird Dir Niemand bestreiten, daß manche Gefabren. besonders für die noch so kleinen Kinder, im Schulleben vorhanden sein können, aber dafür wirken Schuldisciplin. Interesse für die Lehrgegenstände. Umgang mit Altersgenossen auch etwas bändigend auf einen so wilden Buben wie den unfern!" Es ist ja sehr gut für Dich, daß Du Dick, so in die Nothwendigkeit fügst! Ich halte den frühen Schulbesuch für schädlich und kann den Zwang nicht verwinden." Unsere Eltern und wir sind doch auch schon mit 6 Jahren zur Schule gegangen, ohne gerade krank zu werden an Leib und Seele." Ich kümmere mich nicht um meine Ahnen und um meine Enkel, aber daß meine kleinen Kinder physischen und moralischen Gefahren in der Schule ausgesetzt sind, davon bin ich fest überzeugt, und daher bin ich auch so ängstlich um Kurt besorgt." Beim Mittagessen erlaubte sich Kurt eine kleine Nothlüge zu sagen. Der Vater schalt ihn mit gerechter Entrüstung und machte ihm klar, daß er stets bei der Wahrheit zu bleiben habe. Siehst Du. Grete. schon moralische Verrottung! Das hast Du von der gepriesenen Schulbildung! Nie hat der gelogen! Jetzt hört er's von andernKnaben und macht's nach!" Aber" wollte die Frau einwenden. Ihr Frauen mit dem ewigen Aber! Gelogen ist gelogen!" Die Deftigkeit des Mannes war ebenso groß wie seine unbegrenzte Ehrlichkeit, und zu einem ruhigen Aussprechen ließ seine polemische Gereiztheit es selten kommen. Die Frau mochte ihn nicht noch mehr erregen. Wie eine Löwenbändigerin legte sie ihre Hand auf seinen Arm. Du hast recht. Fritz!" Nun war er wieder zu stolz und kampflustig, einen so plötzlichen Wasfenstillstand anzunehmen. Recht? Was hilft's mir, ob ich Recht habe oder nicht? Der Junge muß zur Schule! Bald bringt er einen Husten, bald eine Lüge mit nach Hause." Defe Gewitterstürm hatten das Gute, daß der Knabe an der Stimmung merkte, er habe ein Unrecht gethan; die Mutter kam zwar selten in solchenFäÜen zu Wort, aber desto mehr zum Nachdenken. Sie sagte sich innerlich:. Fritz hat ja in vielem Recht; doch im Leben werden ja die Kinder noch manchen Gefahren ausgesetzt, und daher ist es die Hauptaufgäbe der Erziehung, sie moralisch und Physisch widerstandsfähig zu macken und vor allem sich das hm und die Offenheit der Kinder zu erhalten, ' sfrartfiti Yir f?rmf nnrf ArntfrA tssS ! Vfc nmvv tvu vj V V UUb den Eltern, so kann man ihm klar machen, was gut und ;'ose ist.
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Ciö seufzte unwillkürlich auf. Du seufzest ja so anmuthig sanft!" ircnisirte der Mann. Sie mochte in Gegenwart der Kinder nichts sagen, dachte aber, wie nothwendig es sei. in allen Fällen ruhig und sanft mit den Kleinen umzugehen, unl ihr Vertrauen zu wecken. Sie standen von Tisch auf. Merktest Du. 'Grete, welche GriMassen Kurt heute machte?" Ich bemerkte es wohl, doch glaube nur. Fritz, durch zuviel Erziehen und Kritisiren jeder Bewegung kommen wir nicht weiter als durch Jgnoriren kleiner Unarten." Die Unterhaltung wurde durch das Klingeln des Postboten unterbrochen. Es kam ein Brief, welcher eine Einladung zum heutigen Abend für Herrn und Frau S. enthielt. Nun. Grete, was gedenkst Du mit der Einladung zu thun?" Sie anzunehmen!" Und die Kinder? Werden schlafen, wie gewöhnlich! Luise das Hausmädchen bleibt doch bei ihnen!" Bleibt sie nun wirklich, oder geht sie ein Weilchen' zum Freund odet zur Freundin? Das ist noch die Frage!" Jetzt ist sie vier Monate bei uns .und. ich habe keinen Grund, sie für so gewissenlos zu halten."' Ich für meine Person, würde die Kinder nie dem Mädchen allein andertrauen. Du übertreibst Deine Kinderliebe! Wir sind allerdings verwöhnt, weil Deine Mutter bisher bei uns wohnte, doch wie machen's alle andern Leute?" Was scheren mich andere Leute! Betreffs meiner Kinder bin ich allein mir maßgebend!" Hat man einen zuverlässigen Menschen zu Hause, finde ich nichts dabei, wenn die Eltern sich eine kleine Zerstreuung verschaffen." Willst Du Dich oder mich der Angst aussetzen, daß die Kinder in unserer Abwesenheit vielleicht allein bleiben daß inzwischen gar ein Feuer ausbricht oder dergleichen mehr? Gut, dann bin ich bereit, Dich zu begleiten." Ich bestehe auf dem heutigen Ausgehen durchaus nicht. Wir bleiben zu Hause. Aber wozu absichtlich seine Phantasie mit solch grausigen Bildern beleben? Wenn es in großen Städten wohl auch ab und zu vorkommt, daß ein Hausmädchen die Kinder im Stich läßt, so ist solch eine große Schlechtigkeit doch noch immer nicht die Regel! Und das Bedürfniß der Frau, manchmal unter Menschen zu gehen, ist ein vollkommen berechtigtes! Die Hausund Kinrzucht erfordert viel Zeit und Kraft. Oft genug wird man mürbe, abgespannt, ja sogar theilnahmslos! Die Frau bedarf einer geistigen Erfrischung, um sich immer wieder die nöthige Elasticität zu verschaffen. Wenn sie. reich an neuen Eindrücken, am Abend heimgekehrt, hat sie mehr den Kindern genützt, als wenn sie bei ihnen Schildwache gestanden." Höre. Grete. Du bist ja eine kleine redegewandte Frau; das wußte ich bis jetzt yar nicht!" Weil ich nicht wunte. was Ausreden heißt!" scherzte die Frau. Von beute ab also, liebe Frau, weniger schelten und " ' Und mehr ausgehen! lachte die 5?rou und schlug in die dargebotene Nechte ihres Mannes.
Aphorismen. Schweigen ist Gold manchmal aber auch Rücksichtslosgkeit. 5 4 5 Verschlossenheit ist oft ein billiges Mittel, die Armseligkeit des Geistes und Gemüthes zu verbergen. Das, worüber wir spotten, haben wir verloren. 5 Nicht-vergessen-können ist doch im Grunde immer Nicht-vergessen-wollen. Ein Bocativus. Junge Frau: Aber, Karl, Du hast mir immer gesagt, das Wirthshausleben sei Dir schließlich verhaßt gewesen undDu habest die Kameraden um ihr Heim immer beneidet und nun gehst Du doch in die Kneipe!" Mann: Liebes Frauchen, nur um mir 'mal wieder meines jetzigen Glückes so recht bewußt zu werden!" Vorsorglich. Gnädige Frau, ich möchte recht schön bitten, mich nach Hinterstadt fahren zu las. sen!" Ja, was haben Sie denn dort zu thun?" Wissen gnädige Frau denn nicht, daß die Dragoner nächsten Monat von dort hieher versetzt werden? Da möchte ich halt heute hinsahren und mir jetzt schon Einen 'raussuchen, damit mir nicht wieder d Schönste weggeschnappt wird!" Immer Chic. Diener: Der Flügel ist verstimmt, gnädige Frau, soll ich den Clavierstimmer bestellen? Frau: Laß nur. Johann. Mein Gatte ist verstimmt, ich bin's auch, da harmonirt der verstimmte Flügel vortrefflich! "üiur zum Schein. Kaufmann: Was notiren Sie denn, ich habe Ihnen doch nichts bestellt! Reisender: Bitte lassen Sie mich nur, vor dem Schaufenster steht ein Concurrent von mir, wenn mich der notiren sieht, wird er grün und blau vor Aerger! Naiv. Carlchen: Nicht wahr, Mama, wenn ich groß bin, werde ich such ein Herr? Mama: Ja, Du mußt aber uch ganz artig und hübsch brav sein! Earlchen: Und wenn ich nun nicht artig und brav bin, Mama, dann j werde ich wohl später ein Frauenzim-1 mer? I ; I Lakonisch. Du wolltest Deinen Mann doch unter den Pantoffel bringen, hattest Du damit Erfolg? . .Srkolgt!" I
Aus der rotycn ßrdeV Im Wesergebiete der ProvinzWestfalen, nördlich von der Lippe, zwischen dem Teutoburger Wald und der Weserkette. wo der Cheruskerfürst Hermann im Jahre 9 nach Christi Geburt die Legionen oes Varus vernichtete und der unermüdliche Drusus sieden Jahre später auf dem Felde Jdisiavisus an den Germanen blutige Rache nahm, wo der Fürst der Sachsen Wittekind mit Karls des GroßenFrankenscharen kämpfte und im Dreißigjährigen Kriege 1633 der HerzogGeorg von Braunschweig - Lüneburg in einem blutigen Treffen die kaiserlichen Völker unter dem Grafen Merode besiegte, wohnen noch heute die Nachkommen des niedersächsischen Volksstam
VauernhauS. mes, welche mit echt konservativem Sinn, trotzdem die um sich greifende Industrie den patriarchalischen Charakter der Gegend immer mehr zu verwischen droht, den Dialekt, die Trachten. Sitten und Gebräuche, den Hausbau, die Hof- und Landwirthschaft ihrer Vorfahren treu bewahrt haben. Betrachtet man von iraend einer hier gelegenen Höhe dieses schöne, wellige, mit dem Segen der Ergiebigkeit ausgestattete Stück Westfalens, so wird das Auge erquickt an dem malerischen Wechsel von Wald, Feld und Wiese, welche freundliche Städte und wohlhabende Dörfer umgrünen. Recht auffallend aber treten aus dieser Landschaft die mitten in den Feldern liegenden Eichenhaine auf, in denen große, mit Stroh gedeckte Häuser versteckt liegen. Dies sind die Sitze der westfälischen Bauern, diese muß man besuchen, wenn man den eigenartigen Hausbau und seine Bewohner kennen lernen will. Das westfälische Vauernhaus. von hohen, oft tausendjährigen Eichen umrauscht, ist ein hohes, gewaltiges, auZ Balken gezimmertes Giebelhaus. Die in s-. T e n n e. mit weißem Kalk getünchten Wände und die meist grün oder blau gestrichenen Balken und Giebel, welch letztere mitunter noch durch bunte Fensterchen geziert sind und im First in zwei sich kreuzenden, aus der heidnischen Zeit herübergenommenen Pferdeköpfen auslaufen, contrastiren aus's Angenehmste mit dem farblosen, einförmigen, mit Moos und andern Pflanzen überwuchertenStrohdach. auf dem der von den Bauern so heilig gehaltene Storch eine sichere, geschützte und gern gesehene Wohnstätte findet. Der Haupteingang des Hauses, ein hohes, breites Thor, befindet sich in der Mitte der Giebelseite und ist als Schaustück dem entsprechend auch würdevoU geschmückt. An den beiden Seitenpfosten ziehen zierliche, unten aus einem Töpfchen herauswachsende, mit Blumen und Früchten behangene Ranken hinauf, die oben meist mit einer tulpenartigen Blüthe abschließen. Sie sind in diePfosten entweder eingeschnitten oder mit grell - bunten Farben gemalt. V o r f l u r. In den eingeschnittenen Sprüchen und Versen des breiten obern Querbalkens spiegelt sich der Sinn des Bewohners wieder. So liest man zumBeispiel die Sprüche: Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen" oder: Dein Lebenlang habe Gott vor Augen und im Herzen" oder die Verse: Jesus, der dies Haus gegeben, Will auch gerne darin leben. Denn er kann es vor Gefahren Besser als der Mensch bewahren." Auch der Name des Besitzers und seiner Frau oder in alten Häusern der des Vorfahren ist gewissenhaft eingegraben. Ja, ein Erbauer hat es sogar für feine Pflicht gehalten, in den Querbalken cinschneiden zu lassen, daß er mit Hilfe des Geldes seiner Schwiegermutter dies Haus habe erbauen lassen. Besondere Sorgfalt ist auf die Ausschmückung der consolartigen Trager verwandt, die den Winkel, welchen Pfosten und Querbalken bilden, ausfüllen und zugleich bei einigen Thoren den Rundbogen herstellen helfen. Das Hauptmotiv ist eine sternartige Rosette, dazu eigenartige Arabesken, welche den Raum harmonisch ausfüllen. Auch die Längötalken des Hauses, die über den Querbalken hinausragen, sind mit Köpfen und Rosetten verziert. Ueberall sind an den ältesten Häusern Spnxcn von Bemalunger zu'lnden, und eZ
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müssen diese Th?re in ihrem ersten Farbenauftrag einen wirklich schönen und eigenartig: Anblick gewährt ha ben. Tritt man durch dieses geschmückte Thor in das Innere des Hauses, so gelangt man zuust auf die hohe, weite Tenne oder Diele, die so geräumig ist, daß ein langer Erntewagen, mit vier Pferden bespannt, bequem darin Platz finden kann. Der Fußboden besteht aus geglättetem Lehm. Auf ihm wird das oben auf dem Boden aufgespeicherte Korn gedroschen, Häcksel für das Vieh geschnitten, Flachs gehechelt und alles zur Wirthschaft Nöthige besorgt und angefertigt. An den Wänden hängen in geordneter Reihe und hübschen Gruppen die Ackergeräthe. Recht malerisch wirken die ausKörben bestehenden oder aus Stroh geflochtenen Hühnernester, die oben an den kräftigen Balken befestigt sind. Rechts und links von der Tenne befinden sich die Stallungen des Viehes. Die Pfde und Rinder sind so aufgestellt, daß sie ihre Köpfe derTenne zukehren und von hier aus gefüttert werden können. Auch möge nicht unerwähnt bleiben, daß an den Balken oder auf daran befestigtenBrettern die muntere Schwalbe gern ihr Nest baut. Sie wird von den Bewohnern sorgfältig geschützt, weil sie. nach ihrem Glauben, ihnen Glück und Segen bringt. Tritt ein Trauerfal ein, dann soll das Schwalbenpaar, wie man erzählt, sich dem Hause ein ganzes Jahr fern halten und erst nach beendeter Trauer mit Hellem Gezwitscher wieder seinen Einzug halten. Im Hintergrunde der Tenne liegt das Vorhaus, ein quer vorgelagerter höherer Raum, der von zwei Seiten durch breite Fenster erhellt wird. In
J)Lyr 'JfisiSp: Stube. der Mitte ist der Herd angelegt, von dem as . die Hausfrau sämmtliche Räume des Hauses übersehen kann. An der Längswand stehen alte geschnitzte oder bemalte Kleider- und Küchenschränke, ein in einer Ecke befindlicher Brunnen liefert das nöthige Wasser, eine Treppe führt von hier aus auf die weiten Bodenräume, und in den hohen Querbalken hängen luftig und kühl die geräucherten Würste und Schinken. Da sämmtliche westfälische Bauerhäuser in früherer Zeit Rauchhäuser waren und in ihnen der Rauch von dem niedrigen Herde in dicken Schwaden seinen Ausgang durch die beidenSeitenthüren und das Einfahrtsthor nehmen mußte, so sind die Wände und Balken der ältesten Häuser noch heute vom Rauch geschwärzt. Der Feuergefährlichkeit wegen ist dieser Zustand jetzt beseitigt, und man hat anstatt des alten niedrigen Herdes, der nebst dem mächtigen Kesselkran in manchen Häusern, wohl zum Andenken an die gute alte Zeit, stehen geblieben ist, einen modernen eifernen Kochherd aufgestellt, aus welchem der Rauch nunmehr, wie in jedem andern Hause, seinen' Ausgang durch den Schornstein nimmt. Neben dem Vorhause befinden sich die Wohn- und Schlafzimmer, von denen Fenster den Ausblick sowohl ins Freie als auch auf die Tenne gestatten. Manch alter Schrank, manch schöne Bettstelle und bemalte Truhe, die dem Kunsthandwerk als Muster dienen können. sind hier als Paradestücke aufgestellt. Da sie aus gutem' Eichenholz gefertigt sind, so sind sie gewiß, wie auch die Jahreszahlen beweisen, schon von mehreren Generationen zur Ausstattung der Wohnräume benützt worden. Das westfälische Bauernhaus ist ein dreischifsiger Bau mit vorgelagertem hohen Vorhaus als Querschiff und den dahinter liegenden Räumen als Apsts. Die ganze Anlage ist dem Plane nach so vollkommen, daß sie als Muster dienen kann. Von dem in der Mitte des Hauses befindlichen Herde kann die Hausfrau, welche gewöhnlich neben demselben mit ihrer Arbeit sitzt, zu gleicher Zeit, ohne den latz zu verlassen, die Eingänge übersehen, ihre Kinder und das Gesinde, sowie Pferde und Kühe im Auge behalten. Dasselbe ist auch dem Hausherrn von der Stube und seiner Bettstatt aus möglich, er kann zu jeder Zeit über alles die vollkommenste Aufsicht üben. In neuerer Zeit hat sich allerdings neben den alten Holzhäusern in Westfalen der nüchterne rothe Ziegelbau angesiedelt, der nicht die mindeste Eigen art aufzuweisen hat. Der Grund ist wohl darin zu suchen, daß das moderne WW!ZWMH
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, Bettstelle mit Lampe. Haus billiger herzustellen ist als das umfangreiche Holzhaus, zu dem eine große Menge Balken erforderlich sind. Während die Vorfahren ihre Eichen zum Hausbau verwandten, verkauft der theuren Holzpreise wegen der jetzige Bauer seineVäume und baut dafür das billigere und kleinere, aber schmucklose Ziegelhaus. Vor dem breiten Einfahrtsthor findet man nicht selten krästige Linden bäume, die mit ihren weiten Kronen den hohen Giebel und das Thor beschatten. Unmittelbar zu beiden Seiten des Hauses lagern rechts und links von den StallunM hohe Düngerhaufen.
welche gewohnlich von dem lieben Vor stenvieh durchwühlt werden. Schweine zucht ist ein Haupterwerbszweig des westfälischen Bauers, ist ja. doch der westfälischeSchinken weit und breit bekonnt und sehr begehrt.
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Bemalter Schrank. Um den Eichenhain herum breitet sich der Acker aus, welcher von dem des Nachbars durch Hecken getrennt ist. Recht malerisch nimmt sich auf den Kleefeldern und den Wiesen eine Viehweide aus. Die Kühe gehen nicht, wie anderwärts üblich, frei umher, sondern sind zu zweien, dreien oder vieren an der Stirn durch ein Seil verbunden, welches die hütende, in hübsche Tracht gekleidete und fleißig strickende Maid um ihre Taille geschlungen hat. So bildet also der westfälische Bauernhof, umgeben von Mauern, Zäunen oder Hecken, ein abgeschlossenes Besitzthum, das seinen besondern Namen führt. Aus diesem Grunde ist auch erklärlich, daß in Westfalen der Name Meier so sehr vertreten ist. Eine Meierei ist eine einzeln liegende, abgeschlossene Besitzung, und um nun die vielen Besitzer, bis in früher Zeit mit dem Namen Meier belegt wurden, voneinander zu unterscheiden, gab man ihnen, nach der Lage des Hofes oder auch wohl aus andern Gründen, die Beinamen: Hofmeier. Kuhlmeier, Bruggemeier, Brinkmeier, Klußmeier, Vollmeier, Röthemeier.Wehmeier, Niemeier, Ottensmeier. Johannigmeier, Jürgensmeier und so weiter. Zwanzig bis fünfzig Eiszelhöfe bilden in politischer Beziehung eine Bauernschaft und mehrere derselben oder mehrere Dörfer ein Kirchspiel, dessen gemeinsame Kirche mit dem gemeinsamen Friedhofe der Mittelpunkt des Ganzen ist. Vermöge dieser Abgeschlossenheit hat der westfälische Bauer noch die alten Trachten und Sitten seiner Vorfahren treu bewahrt. Der Bauer führt in seinem Eichenhain, wie einst der Erzvater Abraham im Hain Mamre, ein abgeschlossenes Leben, er bebaut seinen Acker und läßt für alles andre seinen Herrgott sorgen. il" Iarw MWlKW " 11 FOK M V i .5 i '6,MK F , i e d h o f. Die Trachten der westfälischen Bauern sind nur einfach zu nennen. Die originellste ist in dem Theil zu finden, der an das Schaumburg '- Lippesche Ländchen grenzt. Sie ist unter dem Namen Bückeburger Tracht" bekannt, ist aber nicht so ich und prächtig, wie die in der unmittelbaren Umgebung Bückeburgs. Die Frauen tragen hier weite, faltenreiche, rotheRocke, ein reichgesticktes Mieder, bunte Tücher und eine kleine, bis auf die Stirn reichende Kappe, an welcher hinten vier flügelartige, weit abstehende Schleifen befestigt sind und ebensoviel breite seidene und gepreßte Plüschbänder von oben herau auf den Rock herunterfallen. Der Aermel' reicht nur b zum Ellbogen, wo er mit einer weißen Krause abschließt. Den Unterarm bedeckt eine lange, buntgestickte Manschette. Pen Hals ziert . eine breite, faltenreiche Krause, die von der breiten Kinn- und Brustschleife zum Theil verdeckt wird. Die goldumborteteSchürze erreicht fast die Länge des Rockes. Bei Ausfahrten wird über diesen Anzug ein geblümter, langer, faltenreicher Mantel geworfen. Die langen, in einer Kugel endigenden Ohrgehänge, welche ber rei cheren Frauen aus Gold bestehen, werden, um nicht von den breiten Bindebändern verdeckt zu werden, vorn ernf die Wangen geschoben, was einen originellen Eindruck macht. Andre- Westfälische Bauernfrauea tragen schwarze Röcke, geblümte Miedertücher und verschieden geformte schwarze Kappen mit weit auf die Stirn reichender, fchnebbenartiger Spitze. Ein besonderer Schmuck ist die große, gefaltete Halskrause und bei älteren Frauen ein aus sehr großen Stucken bestehendes Bernsteinkorallenhalsband. -1 Die Manner tragen fast durchweg ' lange, schwarze Rocke, eme m?t Velz verbrämt? Mütze oder einen einfachen, gewöhnlichen Filzhut. In einigen Orten wird sogar noch eine sebr kurze. mit blanken Knöpfen besetzte Jacke gekraaen. die jener der bayerischen Bauern nicht unähnlich ift. Die dazu gehörige Kopfbedeckung , ist ein Filzhut. dessen breite Krempe durchSchnüre ao Kopftheil befestigt ist. Amgescheiiesten. Wak soll ich zum Nachtmahl kochen. Adolf V .Etwas aus dem Gasthaus.-
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Znnsvrttck. Die so herrlich am Jnn gelegene Hauptstadt Tirols, Innsbruck, im Volksmunde kurzweg Spruck" geheißen, darf nächst Salzburg unbedingt für die schönstgelegene Stadt der deutschen Älpen gelten. Die Stadt hat eine Bevölkerung von über 23.000 Einwohnern (mit den Vororten 35, 800), ist Sitz der Regierung und Statthalterei von Tirol und Vorarlberg. des Oberlandesgerichts und einer Universität und hat einen sehr lebhaften Handel und Verkehr. Sie liegt nebst der VorstiOt Wilten größtentheils am rechten Jnnufer und ist durch drei Brücken mit den am linken Ufer liegenden Vorstädten Mariahilf,
Aussicht von der neuen Brücke. St. Nikolaus und Hötting verbunden. Von der schönen neuen Jnnbrllcke hat man den besten Rundblick über die Umgebung der Stadt. Vom Bahnhof gelangt der Fremde durch die Rudolfstraße, zwischen den beiden imposanten Gasthöfen ersten Ranges, dem Europäischen Hof" und dem Tiroler Hof", hindurch, zunächst auf den Margarethenplatz. auf dem der 1863 bis 1867 erbaute Rudolfsbrunnen an die fünfhundertjährige VereinigungTirols mit Oesterreich erinnert. Weiterhin gelangt man zur Maria Theresienstraße, der belebtesten und schönsten Straße der Stadt, mit der hochragenden St. Annasäule. 1706 zum Gedächtniß der Räumung Tirols durch die bayerischen und französischen Truppen errichtet, und mit dem herrlichen Ausblick auf den Solstein. Den südlichen Abschluß der breiten Straße, in der das LandHaus, die Post und andere ansehnliche Gebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert liegen, bildet die 1765 zur Vermählungsfeier des Kaisers Leo,1 ?mmm ra -vvi' f. : " ' . r ii tf-T, i - 't ja - a i ntLiiHbHs. wnmirj mjiiSi i T'i r o l e r Hof. pold II. mit der Jnfantin Maria Ludovica errichtete Triumphpforte. Auf der entgegengesetzten Seite, nach Rorden hin, bildet die Fortsetzung der Maria Therestenstraße die schmälere Herzog Friedrichstraße; sie weist gleich den cistenStraßen der Altstadt die eigenthümlichen Lauben" oder Arkaden vor den Erdgeschossen der Häuser auf und führt in gerader Richtung auf das im Hintergrunde unserer Skizze sichtbare Goldene Dachl zu. Dies ist ein reicher spätgothischer Erker mit vergoldetem Kupferdach an der von Herzog Friedrich mit der leeren Tasche 1425 erbauten Fürstenburg, die jetzt städtisches Eigenthum ist. Die Vergoldung soll sich der Herzog, um den ihm gegedenen Spottnamen zu widerlegen, 30.000 Ducaten haben kosten lassen. In seiner jetzigen Gestalt rührt der Erker von einem Umbau durch Kaiser Maximilian I. (1504) her, auf den stch auch die schönen marmornen Wappenschilder und die Malereien (Maximilian mit seinen zwei Gemahlinnen) beziehen. Gegenüber ragt der stattliche alte Stadt- oder Feuerthurm empor, und rechts führt die Hofgasse zu der Franziskaner- ode: Hofkirche mit ih-Maria-Theresien-Straßk rem schönen Grabdenkmal für den Kaiser Maximilian I. (gestorben 1519, aber in Wiener-Neustadt begraben), umgeben von achtundzwanziz Erzstandbildern der Ahnen desselben. Die -Pfarrkirche enthält ein Altarbild von Lukas Kranach. Beim Austritt aus! der Hofkirche hat man links die kaiferliche Burg, gegenüber die neues Stadtsäle und das Äheater. Nördlich davon liegt der vielbesuchte Hofgarten mit hübschen Anlagen. Sehenswcrth sind' ferner das Ferdinandeum mit dem Tiroler Landesmuseum, die Universität, der Botanische Garten, dus Rathhaus und die im Garten des Pädagogiums befindliche colossale Reliefkarte Tirols von Professor I. Schuler, die aus den Gesteinsarten zusammengesetzt cst. welche den thatsachlichen geologischen Verhältnissen entsprechen. Noch ZohneÄder sind die: Ausfluge in die Umgebung, um die fs liebliche wie großtige Natur recht zu genießen: nach Schloß Weiherbur. der Hungerbürg, Mühlauer Schlicht, ach dem ! Berg Jsel mit dem HoferDenkmal ' Netters, nach Schloß Ambras, den Lenser Köpfen u. s. lx. ' Fremde EinrnisSung. Himmeldonnerwetter.was machen denn Sie bei nachtschlafener Zeit für einen Höllenlärm an der Hausthür? Betrunkener (brüllt): He, Lehmann, Du olles Nilpferd, mach uff! Leh Lehhhmaann! Ich heiße nicht Lehman, ich bin der Privatier Meier! Btrunke.ner: Denn halt' de Klappe, denn jehtet Dir ooch nischt an!! (brüllt und lärmt fidel weiter).
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Ein fürstliches Paar. Das letzte Geburtstagsfest der KZrngin Charlotte von Württemberg war ein Doppelfcst, indem an demselben zugleich die Verlobung der Herzogin Elsa von Württemberg mit dem Prinzen Albrecht zu SchaumburgLippe bekannt gemacht und gefeiert wurde. Die Herzogin Elsa Mathilde Maria von Württemberg, geboren am 1. Värz 1876, ist eine der beiden Zwillingstöchter der Herzogin Wera von Württemberg, Großfürstin von Rußland, und des im Jahre 1877 durch einen Sturz vom Pferde jäh aus dem Leben geschiedenen Herzogs Eugen von Württemberg, des damaligen
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Das Brautpaar. präsumtiven Thronfolgers. Der Bräutigam, Prinz Christian Albrecht Gaetano Karl Wilhelm zu Schaum-burg-Lippe. geboten zu Ratiboritz am 24. October 1869. ist der zweite Sohn des Prinzen Wilhelm Karl August zu Schaumburg-Lippe und der Prinzessin Bathildis Amalgunde von Anhalt. Prinz Wilhelm ist Besitzer der fürstlichen Secundogeniturherrschaft Nachod in Böhmen, k. u. k. Feldmarschalllieutenant. erbliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsraths und residirt abwechselnd auf den Schlössern Nachod und Ratiboritz. Der rücksichtsvolle Ehemann. Junge Frau: Du kommst aber sehr spät nach Hause es ist jetzt schon 2 Uhr!" Mann: Lieber Schatz, ich wollte Dich nicht im ersten Schlafe stören, denn der Schlaf vor Mitternacht soll ja der gesündeste sein!" AufdemKirchenorchester. Schulmeister: Schneller, schneiler! Erster Geiger: Aber, Herr Dirigent. da steht doch lento langsam." Schulmnstcr: Macht nichts! We gen dem, was da steht, werd' ich keine kalten Knödel essen!" Erinnerung. Lieutenant: Aeh, Gnädigste schon gehört? Aerzte behaupten küssen gefährlich!" Fräulein: Aber Sie sind doch ein Soldat!" Fürchterlich. Lieutenant? Rekrut Mayer, Sie Kapitalesel,, wie heißen Sie eigentlich mit Ihrem. Vor--namen? Mayer: Friedrich. Herr Lieutenanr. Lieutenant:: So. jet. tjt die Blama-ge vollständig, führt der Mensch auch noch den Vorkamen de großes Schiller! Ah so ! Bankier: ZStnn ich Ihn die Hausmrrsterstelle üöertragen. sollte, so muß ich schon im Voraus bemerken, daß ich auf große Ordnung und strenge Zucht halte. Bewerber: Auf Zucht dürfen Sie sich verlafsen. ich war sechs Jahre im Zuchthaus. Bankier: Was? Und da unterstehen Sie sich Bewerber? Ja entschuldigen S ich war Aufseher im Zuchthaus! . Der arme Sepp! Der Steinbauer Sepp kann's vor Zahnschmerz nicht länger aushalten und fährt per Eisenbahn zur Stadt, ra sich den bösen Zahn ziehen zu lassen. Kurz vor dem Ziel entgleist der Zug und Sepp kommt zu Tode. Mein ar mer Seppl", schluchzte die treue Gat tin an der Leiche des Verunglückten, .setzt ist er todt. . . und nit mal den dösen Zahn hat er sich ziehm lassea kSUL!
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