Indiana Tribüne, Volume 20, Number 87, Indianapolis, Marion County, 13 December 1896 — Page 3
TTerOolene JradjL Erzählung von Henning van Horst.
(7. Fortsetzung.) Mehr und mehr begann diese in täglichen ttampsen iq aufreibende Leidenschaft ihre Sinne zu verwirren. Wenn sie neben ihm stand, seine Hand in der ihrigen hielt, erbebte sie plötzlich durch alle Nerven. Es war, als ob das Fleisch ihres Armes sich zuckend zusammenzöge bei dieser Berührung. Ihre Seele ächzte und bog sich wie ein vom Winde gepeitschtes Rohr. Nebelwolken wallten auf und ab vor ihren Augen. Es knirschte in ihr. als litte sie unter einem unerträglichen Druck. Befreiung fand sie erst, wenn sie sich mit Ungestüm an seine Brust warf, in wildem Emporlohen ihrer Leidenschaft sein Gesicht mit Küsicn bedeckte, daß ihm der Athem vergmg. Dann ward sie ruhiger und konnte sich in zärtlichem Gespräche ergehen. War sie nachher wieder allein, so kam eine tiefe Ermattung über sie, und sie fühlte sich todtunglücklich. Dies sprunghafte Wesen der Seliebten, die dunkle Empfindung, daß ein tiefer Konflikt ihre Brust erfüllte. ließen Karl nicht zum Genusse des Glückes kommen. Aber er liebte sie tief und warm, liebte sie mit all ihren Fehlern, ja diese Fehler, er liebte auch sie. Der Sturmwind ihrer Leidenschaft machte sie für seine ruhige Natur zu einer Göttin, die er anbetete. Sein Herz zitterte vor ihr, aber gerade das Dunkle, das Geheimnisvolle ihres Wesens packte ihn, riß ihn unwidersiehlich dahin, erfüllte ihn mit unsäglichem Zauber. Und doch fühlte er instinktiv. daß ein finsteres Berhängniß im Spiele war. das ihn zu verderben drohte. Manchmal kam es ihm vor, als glitte er unaufhaltsam einem Abgründe entgegen. In solchen Augenblicken erschien er sich wie ein Verlorener. Sobald aber Marie wieder ihr sonniges Lächeln zu ihm aufstrahlen ließ, wichen diese Schatten wie Nachtvögel vor dem Licht. ' Das Gleichgewicht, in dem er den Halt finden konnte für sein wundes, krankes Gemüth, den' Verkehr mit den Offizieren, pflog er so wenig, daß er neben dem entnervenden Umgang mit der Geliebten nicht zur Geltung kam. So ward er widerstandsunfähiger von Tag zu Tag . -. Zuweilen sagte er 'sich: Ich wollte, das Bataillon bräche erst auf." Dann erschien ihm auch die Zukunft wie ein grauer Nebel, ihre Bilder verfolgten ihn wie Schatten, marterten sein Gehirn, scheuchten des Nachts seinen Schlaf. Doch zu einem klaren Gedanken, geschweige zu einem Entschluß, wie er noththat, gelangte er nicht. Er fühlte sich namenlos eleno, ohne es sich selbst gestehen zu wollen. Und dann kamen wieder Stunden der Erhebung, in denen er das Schicksal, das ihn mit Marie verband, pries als die Quelle eines schier Übermensch lichen Glückes. Hatte er wirklich seine Seele an sie verloren? Unrettbar, unwiederbringlich? Vierzehn: eL Kapitel. Die Spannung hatte den höchsten Grad erreicht. In düsterer Entschloß senheit standen wir bereit, bereit wie der Löwe zum Sprunge, uns auf die Ueberkl:ibsel der- französischen Heere zu werfen und mit ihnen die neuzebackene Republik zu zertrümmern, wie wir das Kaiserreich in Trümmer gelegt hatten. Das Wetter hatte sich verschlechtert, Sturm und Hagel peitschten durch die Straßen, als ob auch der Himmel seine Stirne in Falten gelegt hätte ob der Thorheit der Menschen. Für Petersen und mich waren die Offizierspatente eingetroffen. Karl nahm seine Beförderung mit Gleichziltigkeit auf. mir machte sie große Freude. Freilich hatten wir zunächst nur unsere alten Uniformen, doch mit den Abzeichen des neuen Ranges, mit Schärpe und Achselstücken konnten die Kameraden aushelfen. Wie gut klang nicht dies Wort Kamerad! Waren wir doch jetzt erst vollgiltige Glieder des Kreises, in dem wir. bisher nur mit einiger Befangenheit verkehrt hatten, und ganz unwillkürlich fuhr dann und wann der Kopf ein wenig nach rechts oder nach links, um etwas von dem Glänze der Silberbänder auf den Schultern zu erhäschen. Die Marschordre für den nächsten Tag war ausgegeben, Mittags um zwölf Uhr sollten wir aufbrechen. Es war. klar, mit - furchtbarer Präzision würde Schlag auf Schlag gegen den Feind geführt werden. Während das Unwetter gegen die Scheiben prasselte, schrieb ich einen langen Brief an meine Eltern, den ich mit den Worten Theo dor Körners schloß: All dlk Lidvkn. Yit fCr uns fcftfn. All bie ftfrir. feit wir icrlrrtrn. Tröste und schätze ftt, igrr Gott! Es waren ernsteStunden derSelbst , mung.a erscholl das Friedenswort aus 'illes ... - Ein ungeheurer Alp begann von aU ler Brust zu weichen. Noch freilich war es für uns erst das Kommando G? wehr ab!" Doch als am 1. März die Nationalversammlung in Bordeaux den Vertrag genehmigte, da kehrte der Friede in alle Herzen ein. Eine Feiertagsstimmung breitete sich ittfr Stadt nnd Land. Soldater und Bürger jubelten um die Wette, und wie wenn auch der Herrgott da droben seiner Freude Ausdruck verleihen wollte, hatte der Himmel sich aufgeklärt und die Sonne strahlte im reinsten Blau. Ueberall sah man unsere Leute am Uim ibrer Quartierwirtbe. und sogar
ihrer Wirthinnen durch die Straßen
ziehen. Von Dorf zu Dorf gmgen Leu te. die ein Blatt Papier mit dem Worte la paix an der Mütze trugen, einen Stoß Extrablätter unter dem Arm, die sie reißend los wurden. Jedermann wollte sich mit eigenen Augen uöerzeu gen, daß derFriede wirklich abgeschlos sen war. Auf jenen Blättern standen auch die Fnedensbedrngungen zu lesen. Was kümmerten die meisten sich um diese Lcdingungcn? Den Frieden wollten sie, den Frieden um jeden Preis. U7d mancher Pfarrer ließ in seiner Kirche die Glocken ziehen, den meisten zur Freude und nur wenigen zum Aergerniß. Ueberall wurde gefeiert. Im Ossi zierskasino floß wieder einmal der Sekt. Hier bildeten die Grundlagen des Friedens den Vordergrund des Interesses. Abtretung des Elsaß mit Ausnahme von Belfort, sowie eines Fünftels von Lothringen mit Einschluß von Metz, ferner Zahlung von fünf Milliarden, und zur Dekoration des Ganzen der Einzug in Paris. AI le Achtung! Das lieh sich hören. Nur euf das schwer erstrittene Belfort verzichteten wir ungern. Und wiederum erbrauste der Saal von donnernden Hochs auf Kaiser Wilhelm und seine Paladine. Wohl alle hielten an diesem Tage noch ihre kleine Privatfeier, jeder auf seine Weise. Nach Hause gekommen, rief ich wiederholt und vergeblich nach Johann. Endlich erschien Fritz. Petersens Bursche, ein rothbackiges, ewig lächelndes Kerlchen, dessen verschmitzten Mienen ich sogleich ansah, daß etwas passirt war. Fritz war in seinem Alvilverhältnlß Barmergehllfe und sprach daher nur hochdeutsch. Auf meine Frage nach Johann erwiderte er zungenfertig: Herr Lieutenant, Johann hat mit seiner Korporalschaft auf den Frieden angestoßen und sich dabei wohl ein wenig übernommen. Er befindet sich in unserer Kammer." Eine Verwünschung murmelnd, stieg ch hinab. Richtig, da lag Johann Möller auf feinem Bette ausgestreckt, voll wie eme Kanone, und schnarchte. daß die Wände dröhnten. Es war das erste Mal während des Feldzuges, daß hm dies passirte; was blieb mir übrig. als ein Auge zuzudrücken? Es gab aber auch Leute in Chateard. die scheel sahen zum Friedenswerke. .Am Honoratiorentisch des Caf6 du Commerce gingen die Wogen der Entrustung hoch genug. Die dort sich dersammelnden, sonst zum Theil ganz verständigen Herren, wie beispielsweie unser Wirth, ließen sich von einem chauvinistischen Advokaten, einem fanatlschen AnHanger Gambettas, ibre Ansichten zurechtmachen. Dieser Herr wetterte gegen die Schande, daß die ranzonsche Nationalversammlung so entwürdigende Friedensbedingungen habe annehmen können, und pries seinen Helden Gambetta in überschwenglchen Worten. Niemand wagte zu widersprcchen. um nicht in den Verdacht zu kommen, ein flauer Patriot zu sein. und alle gingen mannesstolz nach Hause, ihrerseits gegen die Frankreich angethane Schmach zu vrotestiren. Beim Dejeuner mußte Herr Tail land erzählen, was er gehört hatte. Er zog ein Zeitungsblatt hervor und sagte mit halb bekümmerter, halb zorNiger Stimme: Das ist kein ehren voller Friede; ich hätte sie nicht für sä. hig gehalten, den abzuschließen. Aber nur Geduld! An dem Bissen wird das neue deutsche Kaiserreich zu Grunde gehen. Therese und L5onie. ihr habt Schwarz anzulegen; das Vater land ist in Trauer." . Frau Tailland jammerte laut. al?. ihr Gatte die Friedensbedingungen aufzählte. O mein Gott," rief sie einmal über das andere, so sind wir Vernichtet, gänzlich vernichtet!" L?onie dagegen bemerkte keck: Es ist schändlich, daß sie uns Straßburg und Metz genommen haben, aber es werden wohl keine besseren Bedingun gen zu erlangen gewesen sein. Was hilft es. daß wir uns darüber ausre gen? Hätten wir gesiegt, wir , hätten gewiß den Preußen ein ordentliches Stück Land weggenommen, womöglich sogar Berlin." Herr Tailland warf dem naseweisen Mädchen einen strafenden Blick zu. Du, mein Kind," sagte er. ver stehst denn doch gar nichts von der Sache und solltest lieber schweigen. Frankreichs Boden ist heiliges Land, man darf es wohl vergrößern, doch nicht verkleinern. Die ewige Gerechtigkeit der Geschichte wird das nicht ungestraft hingehen lassen."Die letzte Phrase hatte er eben in dem Zeitungsblatte gelesen. Bleich, verstört, unverwandt vor sich hinstarrend, hatte Marie dagesessen. Jetzt erhob sie die großen Augen und richtete an den Onkel die F.'age: .Sind in der Zeitung die lothringischen Städte genannt, welche man abgetrelen hat?" .Jawohl entgegnete Tailland. die stehen hier aufgeführt." und et suchte nach. Hier hab ich es. Metz, na. türlich, da? wikt ftfir ja stfrnn. dann Litsch. - Saargemünd, Saarburg, Pfanzburg, Thionville..So ist Chateau Salins also nicht dabei?" fragte daLMädchen in fiebern der Aufregung. .Nein, Chatecm Salins ist nicht genannt, das ist uns derblieben. Ader seid ruhig, Kinder, sobald unsere gefangenen Sohne aus Deutschland heimgekehrt sind, ermannen wir uns und entreißen dem Räuber seine Beme. Dieser Friede ist nur provisorisch!" Marie hatte erleichtert aufgeathmet; sie hatte es als einen tödtlichen Streich verspürt, wenn auch ihre Vaterstadt das Schicksal der Abtretung getroffen hätte. Dennoch fühlte ihr vatriotischer
Stolz sich tief gebeugt. Elsaß und ein so großes Stück Lohtringens mitMetz, dem Stolz aller Franzosen, das war zu stark! Das konnte nur Bismarcks' Werk sein, dieses Teufels in Menschengestalt. Tief aufseufzend gedachte sie ihrer Verkettung mit dem Preußen. Der war ein so edles Gemüth, der hätie ihr Vaterland nicht so grausam verstümmelt! Bald nach dem Dejeuner trafcnMarie und Karl sich im Salon. Beiden war klar bei der ersten Begrüßung, daß der Friede in ihre Herzen nicht eingekehrt war. In Mariens Augen loderte ein seit sames Gemisch von Schreck und Sehn sucht, von Hingebung und Feindselig keit. So lange sie auf einen glimpflichen Frieden gehofft oder andernfalls bestimmt geglaubt hatte, daß Frankreichs Fahnen im letzten verzweifelten Ringen doch noch den Sieg davontraßen und bis an den Rhein flattern würden, war es ihr leichter, ihrer Liede zu leben, als jetzt nach der endgilti gen Besiegelung der Niederlage. Dennoch preßte sie seine Hand wieder so fest, als wollte sie sie zerdrücken. Petersen war in weicher, bewegter Stimmung, er ahnte, was in Marie vorging. Das Mitgefühl hatte ihn nicht zu der vollen Siegesfreude kommen lassen. Zärtlich richtete er einige Koseworte an sie. .Du wirst es verstehen," sagte sie, .daß es mir heute schwer wurde, zu
Dir zu kommen. Ach. ich habe unsäg lich unter diesen Nachrichten gelitten. .Sollten wir uns nicht Beide darüber freuen können, daß endlich Friede geschlossen ist zwischen den beiden 5301 kern, hoffentlich ein langer, dauerhaf ter Friede!" .Lange? Dauerhaft?" fuhr sie auf. und ein unheimliches Zucken entstellte ihre Züge. .Glaubst Du etwa, wir werden es dulden. Frankreich werde diese Schmach geduldig hinnehmen? Ha, wir werden sie zerbrechen, diese Ketten, wie einst die Jungfrau von k i p.fi . Orleans geiyan, uno jouicn wir mir euch kämpfen bis zur Vernichtung." Beklommen hörte Karl diesen Ausbruch dessen, was der Geliebten Herz so schwer belastete. Dann sagte er nach kurzer Pause: .Aber Du wirst doch nicht wollen, daß wir beide darum streiten, wir, die wir uns lieben, allem zum Trotz, was sich verschworen hat, diese unsere Liebe zu zerstören?" .Daß Du nicht schuld bist an im serm, an meinem Unglück, Du lieber Junge, das weiß ich ja, und ich hoffe, daß auch mein Herz ruhiger werden wird, denn Du bist mein Ein und AI les. mein Einziges, was ich habe." Ihr Gesicht nahm wieder den Ausdruck scheuer Zurückhaltung an. Petersen aber sprach: .Weißt Du denn, daß der Vertrag auch seine guten Seiten y:t? Wir sind fortan Landsleute. 'Leine Heimath ist nicht länger fran zoisch, sie ist deutsch geworden. .Das ist Nicht wahr, schrie sie. Chateau Salins bleibt bei Frankreich!" .Nein, liebe Marie." entgegnete Pc tersen fest, .auch Dieuze und Chateau Salins sind abgetreten, ich habe die offizielle Nachricht gelesen." Sie hatte die beiden. Hände aeaen ihn ausgestreckt. Ihre Brust arbeitet heftig. ,hre Gesichtsmuskeln krampften sich zusammen, nach Athem rinqenv, bewegte sie den Kopf so heftig, daß ihr schwarzes Haar sich ldzte und herabsiel. Endlicy stieß sie keuchend hervor: .Das es es ist un mög lich ! " Wieder schien jener Schauer von ihr auszugehen, der ihn einst so gräßlich berührt hatte. Karls Haar sträubte sich empor, sein Blick erstarrte. .Hat denn die Liebe zu dieser unseligen Frau meine Nerven gänzlich zerrüttet?" sprach er zu sich selbst. Doch mit Anstrengung seinen Willen zwingend. sagte 'er laut: .Es ist wahr. Marie, so wahr ich hier vor Dir stehe." Sie zuckte zusammen, wie von ei nem Schlage getroffen. Dann stieß sie einen Schrei aus, so laut, so gellend, wie er ihn nie gehört, wandte sich, stürzte zur Thür hinaus und warf diese hinter sich ins Schloß. Erschüttert blickte Petersen ihr nach. Ihm graute vor ihr. Langsamen Schrittes ging er im Zimmer hin und her. Er fühlte sich als ein Sklave in Ketten, er empfand ihr Rasseln, er knirschte unter ihnen. Er ächzte nach Freiheit. Wo war die LL sung. die Erlösung? Liebte er sie denn immer noch? Ein Nolhschret nach ei, . nem Fingerzeige des Himmels rang sich durch seine Seele. Wenn das Lie be war. was ihn in diese Fesseln ge-', laziagen. oann war i:leoe eine ttiani heit. eine furchtbare Krankheit, die den 4. . r . m. ! Todeskeim in sich barg. in Gift, das sein Hirn durchdrana. sein aan" Sein, eine Verderben bringende aqua toffana. ' Sein Gemüth glich einem brennenden Holzstoß; wie tobten die Gluthen! Eme Stimme m lhm rief: .Reiße Dich los, ehe eö zu spat ist!" Und doch hastete er. an ihr wie der Epheu am Stamm, um den er sich rankt. Eme tlt mentare, dämonische, übernatürliche Kraft hielt ihn fest. Er fürchtete, diesen Seelenkämpfen zu erliegen. Klarheit. Klarheit!" schne es m ihm. Der Mann, der so lange in ihm zurückgetreten war, trat hervor. .Es ist auö." murmelte er, .es muß ein Ende haben. Sonst bin ich derloren." 'Doch was wollte er, was konnte er thun? Sich losreißen von ihr, die er so heiß geliebt? Warum denn, welchen Anlaß hatte sie geboten, ihr die Treue zu brechen? Nur well sie von glühenderen Leidenschaften verzehrt ward. als er selbst? Weil sie m Ueberwallung ihres verletzten vaterländischen Gefühls sich ekstatisch benommen. Sie
wurde 'in einigen Tagen ruhiger' darüber denken und die Zeit würde diese
Wunden heilen. Die Begabtheit ihres Geistes bot dafür Gewähr. Er schüttelte sich förmlich, als diese Gedanken in ihm überwogen, und immer grausiger wurde ihm die Ruckerinnerung an die letzte Begegnung mit Marie. Hatte er denn wirklich die Berührung mit etwas Geisterhaftem gefühlt, oder war es nur die Ausgeburt einer krankhaft erregten Einbildungskraft gewesen? Er raffte sich zusammen, er wußte, daß er mit Marie nicht glücklich werden könne. 2irnm los. los von ihr! Noch konnte er mit Ehren zurücktreten, es war so wenig ein Treubruch, als wenn Tannhäuser den Venusberg verließ. Das Bild seiner Mutter trat ihm vor Augen. War sein Glück nicht auch ihr Glück? Hatte er nicht auch ihr gegenüber Pflichten? Aeltere. tiefer begründete, als gegen Marie? Er warf sich ans die Chaiselongue, das Gesicht nach unten geneigt, und grübelte lange, lange. Als er sich erhob, stand der Entschluß unerschütterlich in ihm fest: am nächsten Tage Marie zu bitten, ihm sein Wort zurückzugeben. In befreitem Ausathmen verließ er das Haus und ging ins Kasino. Ja. er wollte morgen offen und männlich zu Marie sprechen. Es war u Ende. Es konnte nicht sein. ' F ü n f Z e h n t es Kapitel. Marie war in ihrer Kammer zu sammengebrochen. laut schluchzend begrub sie ihr Gesicht in den Händen. Wie ein gehetztes todtwundes Wild fühlte sie sich namenlos elend und unglücklich. Der entsetzliche Zwiespalt zerriß ihr Inneres, ihre Seele. Wie die Klinge eines Dolches hatten Karls Worte sie getroffen. An jener falschen Nachricht, daß ihre Vaterstadt nicht abgetreten sei, hatte ihre Hoffnung, ih re Liebe sich aufgerichtet; nun erwies dieser Stab sich als Strohhalm, und Karl hatte ihn erbarmungslos zerknickt. War ihr jetzt nicht alles genommen, konnte, durfte sie jetzt noch einem Preußen angehören? Wie eine Wetterwolke hatte alles das, was sie, die Französin, von dem Deutschen trennen mußte, seit dem ersten Tage ihrer Bekanntschaft mit Karl über ihrem Haupte geschwebt, oft waren seither die Nebel auf sie eingedrungen und hatten mit eisigem Hauche ihr Herz zu ersticken gedroht. Jetzt aber war er bei ihr zum Durchbruch gelangt, der tiefe, undezähmbare Haß gegen die Deutschen, der diesem Volke nur Verderben sinnen konnte, den Verstümmlern ihres Vaterlandes. den .Zerstörern seines Ruhmes, den Räubern ihrer Heimath. Und doch hatte sie mit dem Gedanken geliebkost, dem Manne, dem sie in glühender Leidenschaft, in heißer, verzehrender Liebe ergeben war, in sein Vaterland zu folgen. Sie hatte nach manchen Kämpfen sich versöhnt mit der Vorstellung, eine deutsche Hausfrau zu werden sie hatte geträumt und diese Träume waren jetzt zerronnen, vernichtet, wie eine holde Blüthe, die man zertritt. . .Nimmermehr, nimmermehr! Das ist unmöglich!" schrie sie laut auf bei diesem Gedanken und flüsterte dann mit bitterem Lächeln: .Also Ehateau Salins ist über Nacht deutsch geworden. so bin ich schon eine Deutsche, brauche es nicht mehr zu werden. Q. mein armes, armes Frankreich!" Und doch konnte sie von ihrer Liebe zu Karl nicht lassen. Sie schrak zusammen, sobald sie an ihn dachte. Sie hatte die Empfindung eines unlösch baren Brandes, der ihreSeele inFeuergarben aufsprühen machte. Ja, ihre Liebe zu Petersen war echt und wahr. So echt, daß sie jeden Gedanken, der ihr das Unlogische dieser Liebe bei it) rem maßlosen Deutschenhaß vorhalten wollte, gewaltsam erdrückte. Von ihm konnte, wollte sie nicht lassen, er war ihr Eigenthum auf ewig. Diesen Deutschen hatte sie besiegt, sein Herz gefangen. er war ihr verfallen. Marie hatte sich erhoben. EineKraft, die ihr vorhin so ganz gefehlt, virnK strömte ihre Adern. Sie wollte, si mußte etwas vollbringen. Aber es fröstelte sie, kalte Schauer liefen ihr den Rücken hinab. Sie blickte um sich. Es war Lonies Schlafzim mer. das sie seit der Einquartierung mitbewohnte, da sie ihre eigene Kammer an Petersen hatte abtreten müsr?T7. ?rii? Mnrie war eine niedriae eiserne Bettstelle i die Nähe von L6omes großem Himmelbett gestellt, zu Häupten hatte sie ein kleines, aus Elfenbein geschnitztes Kruzifix befestigt, an die gegenüberliegende, Wand daS Bild ihres Vaters gehängt. Auf dieses Bild fiel ihr Auge, lange blickte sie in die stolzen und feinen Züge. .Glücklicher Vater flüsterten ihn Lippen, .sei gepriesen, daß Du dieses nicht erlebtest; wollte Gott, ich wäre bei Dir!" , Sie wollte beten, doch eS gelang ihr nicht, die Gedanken zu sammeln. -Wie-der schauerte sie zusammen. Kämpften zwei Seelen in ihrem Innern um die Herrschaft, stritten sie um ihn, den Geliebten? Ihr war zu Muthe, als befände sich die zweite Seele außerhalb ihres Körpers. In ewem traumartigen Zustande ging sie durch'S Zimmer, auf und ab. Da kam es ihr vor, als ob etwas hinter ihr huschte. Es war nichts. Sie ging weiter, ibre Nerven Hefanden fich in der äußersten Erregung. Da war eS wieder, daö Seltsame, hinter ihr, sie hatte es deutlich gespürt. Rasch wandte sie sich um nur der leere Raum starrte ihr entgea,en. Sie nabm ihre Wanderung wieder auf, ihre Gedanken verwirrten sich mehr und mehr. Plötzlich glaubte sie, es sähe ihr Jernand übe? die Salter. Von Todes-
angst gepeinigt, trat sie vor den Spiegel. Da! Ganz deutlich, trotz deZ Halbdunkels. Ein fahler Schatten stand hinter ihr, wie eine undeutliche, menschliche Figur, blutig und verstümmelt, in drohender Haltung. .Heiliger Gott!" schrie sie in namenlosem Schreck da duckte es sich hinter sie es schien verschwunden. Ohnmächtig sank sie zu Boden. 'Lonic, die gerade über den Flur ging, hatte den Schrei gehört. Sie trat in die Kammer und fand ihre Cousine bewußtlos. Schnell rief sie die Mutter und Brigitte herbei, man öffnete ihr Kleid und trug sie auf's Bett. Dort kam Marie unter den vereinten Bemühungen der drei Frauen bald wieder zu sich. Zin paar Tropfen belebenden Weins
thaten ihr wohl, alles übrige wies sie an dem Abend zurück. Sie ließ sich durch L6onie entkleiden, dann bat sie diese, zum Diner zu gehen, ihr sei wieder ganz wohl, es sei nur ein vorübergehendes Unwohlsein gewesen, wie neulich auf der Ruine. Sie sei müde und Wunsche zu schlafen. Nachdem L6onie gegangen war, I r r i r t macyie ne mirriicy oen ?ueriucy zu schlafen, docp das war em Drng der Unmöglichkeit. Sobald sie die Augen schloß, trat jenes grausige Bild wieder in erschreckender Deutlichkeit vor ihre Seele. Sie mußte die Augen öffnen, um den Spuk zu bannen. Ja, ja, blutig und verstümmelt, so war es murmelte sie. "La pauvre France, sanglante et mutilee", hatte Herr Tailland am Mittag aus der Zeitung vorgelesen, und diese Phrase hatte ihr den ganzen Tag über in's Ohr gegellt, in allen Tonarten, die Spatzen schienen sie vom Dache zu pfeifen, als sie zum Fenster hinaussah. Und jetzt hatten diese Worte eine so fürchterliche Gestalt anzunehmen vermocht! Nach dem Diner kam die Cousine zurück und fand Marie wachend. Sie fragte, ob sie ihr Gesellschaft leisten dürfe. Marie wünschte allein zu sein. Als um zehn Uhr Lsonie nochmals eintrat, um sich selbst hinzulegen, stellte sie sich schlafend. Nach wenigen Minuten verkündete L6onies lautes und regelmäßiges Athmen, daß der jugendliche Körper der Natur den Tribut zollte. Marie richtete sich halb in die Höhe; es hatte ihr Mühe gekostet, kurze Zeit unbeweglich zu bleiben. Es war ganz finster im Zimmer, ihr Auge suchte spähend die Schatten zu durchdringen. Doch sie sah nichts; sobald sie aber die Augen schloß, kehrte die Vision zurück. Sie spürte deutlich die dämonische Macht, sie fühlte, daß der Dämon mit ihrer Seele rang, daß er sie drängte bis an den Rand des Wahnsinns. Sie kämpfte gegen ihn, sie kämpfte mit äußerster Anstrengung. Sie wußie. daß der Kampf ihm galt, ihm, dem Geliebten. Sie wollte ihn schützen vor dem Dämon, der ihn zu verderben trachtete. Doch als sie vor Ermattung zurücksank und einen Augenblick die Augen schloß, da stand es wieder vor ihr, das Gespenst, diesmal hohnlachend und triumphirend die Hand schüttelnd, als wollte es ihr zurufen: .Du kämpfest für den Preußen gegen mich, gegen Dein Vaterland!" Sie fühlte ihr Schicksal besiegelt. .Weh mir, ich bin zum Unglück geboren!" rief es in ihr. So fiel sie dem Wahn anheim, daß .unabwendbares Verhängniß sir in seine Wirbel gezogen habe, daß es vergeblich sei, diesem furchtbaren Drucke zu widerstreben. Um elf Uhr hörte sie Karl und mich nach Hause kommen. Bald daraufwar der Mond aufgegangen und begann ihre Kammer mit bleichem Glaste zu erfüllen. Die Vorhänge dämpften sein Licht, ohne eL auszuschließen, und in diesem Helldunkel nahmen alle Gegenstände ein gespenstisches Aussehen an. Doch davor graute ihr nickt, nur wenn sie die Augen schloß, dann kam er, der Schreckliche. Sie saß wieder aufrecht und starrte vor sich hm. Langsam stieg der Mond empor, die Helligkeit nahm zu; halb zwölf schlug es vom Kirchthurm. Er und ich, er und ich!" murmelte ste. . . Es schlug dreiviertel es schlug zwölf. .Er und ich!" rief sie halblaut und sprang aus dem Bett. Sie zog die Strümpfe an und hüllte sich in ihr Moraenkleid. Ein wildes Feuer flimmerte in ihren Augen. Wirr hing ihr das schwarze Haar um du Stirn und fiel über die Schultern hin0,'b. i Sie beugte sich über Leome, deren ruhiger Athem verkündete, wie fest sie schlief. Dann trat sie an 's Fenster, schob den Vorhang zur Seite und blickte zum Sternenhimmel aus. In vollen Wellen fluthete das.Silberlickt hrab r p t. cm - -o. uver -jtt Umweg ci5 in oie sajinici oc Zimmers. Was wollte diese Million himmlische Augen von ihr?Behutsam gina sie zur Thüre mra offner sie vorsichtig und geräuschlos. , .Er. und ich! Flur und Treppe waren vom Msade erhellt, die Stufen ließen sich gcaair unterscheiden. Ihre Schritte war;n unhörbar in den Socken. Alä sie dm Fuß aber, auf die dritte Treppmstuf: setzte. . ächzte . diese, so daß st zusmn menschrak. Bei Tage hatte Mar dte Geräusch nie bemerkt, in der Stille der Nacht aber klang eö so lau.. alÄ müsse es die Schläfer im , Hause wecket Di: nächsten Stufen bogen Kch gleichfalls unter dem Gewicht ihres Körrers. sie ächzten und knarrten. Wenn dies Jemand'horte! .In der Mitte der Treppe machte sie einen Auaenblick Halt und sah nach oben. Sie hatte das Gefühl, daß ein durchsichtiger Schatten vor ihr her flatterte, ihr winkte mit dro. hender Gebärde. Sie achtete kaum darauf, sie. war däeaen abzeIumst.
Oben angekommen, glitt jie über de Korridor und betrat Karls Salon, den Raum, in dem sie so oft mit dem Geliebten geweilt. Hier stockte ihr Fuß, der Athem drohte ihr zu versagen Es wogte in ihr, es drohte sie von innen heraus zu ersticken, dann aber riß es ihre Gefühle im Wirbeltanz mit sich fort. . Eine wilde Gewalt, der sie auch jetzt noch zu widerstehen fuchte. drängte sie vorwärts, vorwärts in den Abgründ. Ihre Brust wogte heftig auf und nieder, sie empfand wieder einen stechenden Schmerz. In Verzweiflung faltete sie die Hände, hob sie hoch empor und streckte sie dann gerade vor sich aus in der Richtung des Schlafzimmers, das offen stand. Ihr Morgenkleid öffnete sich unter den konvulsiv! schen Bewegungen des Körpers und entblößte ihren Hals; ihre Pulse flogen, ihr Fleisch war in zitternder Bewegung, heftia arbeiteten alle ihre Muskeln. Und über das alles goß der
Mond seinen ruhigen Glanz. Da blitzte es auf in ihrem Auge und entschlossen schritt sie vorwärts. . Ich muß Dich besitzen," sprach sie hakblaut, .Du bist mein. Dort oben, dort oben!" In wenigen Sekunden stand sse vor seinem Bette. Alles war hell wie am Tage. Karl schlief ruhig und fest. Ihr spähendes Auge entdeckte soaleich den Revolver auf dem Nacht tischchen. Sie ergriff ihn und spannte ihn. .Erst Du, dann ich!" Als sie die Mündung der Pistole gegen seine Schläfe richtete, flimmerte es vor ihren Augen, ihre Hand zitterte heftig. Knack knack knack Sie bebte so heftig, daß sie mit dem Lauf gegen die Schläfe stieß. Karl war erwacht. Er sah die Gestalt vor sich im Mondlicht, blitzschnell sprang er auf, packte sie an beiden Armen ud drängte sie zur Kammer hinaus durch den Salon bis an's Sofa, auf das er sie niederzwang. 5r hatte sie sogleich erkannt. .Marie, Marie, ist es möglich!" sagte er dumpf. Er suchte ihr den Revolver zu entwinden, den sie krampfhaft festhielt. Bei diesem Ringen mußte die Sicherung zurückgeschoben worden sein, du ihn gerettet hatte, denn plötzlich krachte ein Schuß, gerade als Karl ihr d Waffe entrissen hatte. Er schleuderte den Revolver weit von sich. Da fühlte er, daß er verwundet war, ein Schmerz in der Schulter sagte es ihm. Noch stand er Brust an Brust gegen Marie. Jetzt ließ er sie los, eilte in die Kammer zurück und warf sich auf's Bett, blutüberströmt. Auch Marie fühlte sich von seinem Blute benetzt, sie sah die Blutspur am Fußboden. Laut jammernd eilte sie ihm nach und warf sich händeringend vor seinem Bette auf die Kniee Ich war durch den Schuß geweckt worden, er mußte in Karls Schlafzimmer gefallen sein. Im Augenblick hatte ich die nöthigste Kleidung angelegt und sprang über den Korridor. Fast prallte ich vor Schreck' zurück., als ich Marie erblickte. War es so weit gekommen? Es war entsetzlich! Er ist verwundet," rief sie, .helfen Sie ihm schnell!" Ich drängte sie ur Seite, zündete Licht an und fand die Wunde sogleich am rechten Oberarm. Es mußte eine Arterie getroffen sein, daher tt starke, Blutung. Ohne nach dem Geschehenen zu fra gen. legt: ich ein Taschentuch über die Wunde und schnürte das Handtuch fest darum Fusammen. Damit war das Blut vorläufig gestillt. Dann erst suchte ich mir Klarheit über die Si--tuation zu verschaffen. In kurzem Worten berichtete Karl über das, wasvorgefallen war. (Fortsetzung folgt.) - Lebens er fahr-unF.. Es gilt der Mann nicht, mehr allein In dieser Welt voll Streberhast, Voll Schleicherlist :: Du brauchst heut' selber nichts zu:sxin Wenn du nur einen Vetter hast.. Der etwas ist! FernerRuhm. Eomponift r ! Wissen Sie. meine Musik istZukunfts. musik ... Theaterdirector: Ja, und zwar eine solche, die erst nach dem jüngsten Tag gespielt zu wtrdez verdieAt." Guter G e d a n k e..' Mas haft Du Dir gedacht, wie- Wrc der Commercienrath die Mitgift, übrrzeben Kat?" .Wenn er nurc daS Mädel behalten möchte!" Furchtbare St?k?e. sseldwebel (zu einem Rekruten, der rhm verschiedenen Anlaß zum Aergr? gegeben): .Kerl, was' fang' ich mW Drr an! Einsperren wär virl zu , gelinde für Dich. Aber wart' nur, meine-Schwie-germutter ist gerade hier heute Mittag hilfst Du 'ifc in der Küche!" Schöner Gedarrke. Junge Hausfrau (dir in einem rnrt einen Mann sieht, der sich inu Glassplitter nd, Sägeftöne-Esscn producirt): .Himmel, mstz es dem spure Frau mit dem Kochew zut habend Rücklsichtsdlr.rk Gemahlin (nach fcrni MitkgÄrsche): .Aber lieber EdHir, warum, fragft Du denn heute nicSt. wer geLicht hat?" Ge mahl: Heute trau" ich mich nicht zu fragen!." GemahM .So, warzm denn?- Gemahl (httmnißvoll): .Es war z.2 gut!" Er kenvt sich. .Nun. Herr Professor, wie haben Sie heute Nacht geschlafen?" Werde gleich in meinem Notizbuö nachseben!" Einfaches Recept. Pat lient: Herr Tvktor, ich bin immer so müde. Doktor: Da nxrd' ich Jhnm am einfachsten einen Divan verschr; den! :
Kur dkc Küche. Spartanische Suppe. Man nimmt 12 Stück schöne, reife Tomaten, theilt sie durch, drückt die Kerne heraus und dünstet sie mit einigen Zwiebel- und Selleriescheiben in 3 Unzen Butter langsam weich, worauf-man sie mit 3 Quart vorhergekochter kräftiger Bouillon und 6 Löffeln weißer Kraftsauce überfüllt. Man kocht die Suppe damit auf, würzt sie darauf mit Pfeffer, Citronensaft und einer Prise Zucker.zieht sie mit 3 Eigelb und etwas Weißwein ab und streicht sie daraus durch ein feines Sieb. Man gibt kleine, zerbrochene Fadcnnudeln und länglich geformte Farceklößchen in die Suppe. Wenn keine frischen Tomaten mehr da sind, nimmt man eingemachten Tomatenbrei. Hasen-Pie. Für diese Speise löst man (Portion für vier Personen) den Ziemer eines abgehäuteten jungen Hasen vorsichtig vom Rückgrat, schnei det das Fleisch in fingerdicke schräge Scheiben, bestreut dieselben mit Pfeffer, Salz und Muskatnuß, worauf man sie mit einigen klein gehackten Zwiebeln und etwas Petersilie nebst 5 Unzen Speck und einem Stückchen frischer Butter kurze Zeit dünstet. Aus dem von Sehnen und Häuten befreiten Fleisch der Keulen nebst 4 Unzen Kalb fleisch und 5 Unzen Speck bereitet m'n eine Farce, indem man alles zus'.mmen mit Citronenschale, Salz. Pfeffer, Muskatnuß und etwas Majoran im Mörser stößt und mit einem halben Glas Rothwein anfeuchtet. Dann wird die Pie-Schllssel mit dem Blätterteig ausgelegt und mit abwechselnden Schichten von Farce und Hasenstückchen gefüllt. Auf die oberste Schicht legt man Speckscheiben und einen Deckel von Butterteig, den man rings aus dem Rande festdrückt, worauf man ihn mit Ei überstreicht und die Pastete 1 Stunde backen läßt. Bevor man sie zu Tische gibt, nimmi man den Deckel ab, gießt etwas Madeira oder Bratensauce hinein, legt den Deckel wieder darauf und servirt die übrige Sauce nebenbei. Kartoffeltorte. Das Gelbe von sieben Eiern,, vier Loth gestoßene Mandeln und ein ViertÄ PfundZucker werden gerührt. Sodann mengt man ein halbes Pfund geriebene Kartoffeln, die aber schon Tags vorher abgekocht sein müssen, darunter, un zuletzt den Schnee der Eiweiße. In hübscher Form im Backofen gebackn schmeckt diese Torte vorzüglich. K r a u t k l ö ß e. Ein Weißkrautköpf wird in Salzwasser wch gekocht, ausgedrückt und gewiegt. In einer Schüssel rührt man einen' Eßlöffel Butter zu Schaum, dazu alsdann 2 Eier, etwas Muskatnuß,. Salz und einen Löffel Mehl. Das gewiegte Kraut dazu, tüchtig in die Masse verrührt, Klöße daraus geformt: und in Salzwasser gekocht. Zu Enten-.Gänse-und Schweinebraten schmeck solche Klöße vorzüglich. Gefüllte Aepf efc.Ma:? fchalt die Aepfel. schneidet oben einen Deckel ab, höhlt sie aus und füllt 'si'e.'mit folgender Masse: Ein Viertel Pfund geschälte, fein gestoßene Mandeln, 3 Unzen Zucker, 2 ganze Eier, etwas fein geschnittenes Citronat . und Citronenschale. Alles gut verrührt. Sind die Aepfel gefüllt, so setzt, man sie: in eine flache Schüssel, gießt , etwa ein halbes Qut weißen Wein,, mit Zircker gesüßt, darüber, so daß' die Aepfel halb im Wein stehen, und backt sie -.in Back ofen hellbraun. Nach dem Braten gießt man den Saft ab, vermischt ihn mit einigen Lösselw Himbeer- oder Kirschcnsaft. kocht ihn auf und gießt ihn wieder über die Aepfel'. die man sowohl kalt, wie warm servirt. Kürbispudting.. Man nimmt 2z Pfundi Kürbisschnitte, 4 Eier, 7 Unzen Butter, 1 Eßlöffel Wein. 2 Eßlöffel Branntwein, je 1 Theelöffel Zimmet und Ingwer. Die Kürbisschnitte werden in möglichst wenig Wasser weich gekocht.dann auf eine: Seite gelegt, bissie-trocken-sind. Ineine Pfanne gebracht, werden sie über? schwachem Feuer-mit Butter und den: Gewürzen zu Brei! gerieben, dann die Eier, der Wein und Branntwein ein gerührt. Die Masse wickelt man iä 5uchenteig und backt sirrasch. Weiße H a-mtxu vgt r kuchen. Cm halbes Pfund- gesichenen Zucktt verrührt man gutmit 2 ganzen Eiern, 3 Eiweiß und einem reichlichen halben Theelöffel in etwas Rosienwasser afgelöstem Hirschhornsalz rührt dann drei Viertel Pfund Weizenmehl,, ein Viertel Pfund Kartoffelmehl, erwas weißen Pfeffer und' ewe halbe gerie bene Muskatnuß' hin?. Man läßt! die tüchtig verrührte Maffe einige Srunden stehen, knetett sie- dann gutl auf einem Brett und) r?W sie, inden? man Rollyolz und.B mit etwaö Mehl einreibt, so diL carZ wie Buttttteig-. Man schneidet- dm Teig in rwenckige Stücke, belegt: sft-rcckt einer gehaltenen Mandel und) forcti den Kuch? bei soVÄ Wärme;. daH sie in ein- Viertelsiinde hellgM und von der: Platte abzunehmen srd; sie dürfen nÄht braun, erden. , Kringel. Ein Pfund feinL Mehl, einVrertel PfundZucker. 6 Ejlöffel R.fenN)asser, 8 Eidotter. We drei leigenannten kxcden stark gerührt, dann arbeitet aran das A!ehl hinein und rollt den Wg aus. Man läßt rön so einige Minuten abtrocknen, dans schlagt man i&n über, rM ihNi aus nd wiederhoke das mehrere Male. Zusetzt wird er i zwei TheÄ geiheN. jeder wird messerrückendick ausgerollt, der eine mit Mandel-, der. andere mit Sltronenfüllt bestrichen Zeder Theil zusammengerollt, dann, beide Theile umeinander gewunden, rund geformt und auf einem mit :tter bestrich:nen, und mit Znzieback. bestreuten Blech ge backen,
