Indiana Tribüne, Volume 20, Number 80, Indianapolis, Marion County, 6 December 1896 — Page 7

, Fmml Llcb und Lew.' Von Heinrich Bäcker. " Verliebt. 's, Ist die Sonne hller worden, Und die Blüthen prächtiger. troUttl Ist mein Herz denn weiter worden, dreist mein Blut denn heiler, toller? Leicht ist mir, als hätt' ich Schwingen. Zu den Sternen aufzusteigen. Möchte jubeln, möchte singen Und doch zwingt es mich, zu schweigen. Verlobt. Nun kennt der Jubel keinen Bann Seitdem ich seine Liebe hab'. Du lieber, süßer, einziger Mann, Der sich mir ganz zu eigen gab! Ich glaub', meinHerz erträgt ihn kamn. Den Glückesswrm, der in mir tobt! O Seligkeit, o Himmelstraum Ich bin ja Braut! Ich bin verlobt! Verlassen. Rings starrt die Welt in Winternacht, Verdorben die Liebe, verdorben! Und Seligkeit und Blüthenpracht Gestorben, Gestorben! Wie kann so rosiger Sonnenschein Erblassen so schnell, erblassen? W:e trägt ein Herz so große Pein? Verlassen verlassen! ELcstistcr an Iurstelchöftn Von Klara Stcinitz. In der englischen Geschichte hat Richard Neville. Graf Warwick. den gefürchteten Namen eines Königsmachers" erhalten. Heute ist das ein friedlicheres Gewerbe geworden, und Könige selber nehmen es zuweilen zur Hand. So hat König Leopold von Belgien kein Bedenken getragen, den Prinzen Albert vonKoburg, wenn auch nicht zum König, so doch zum PrinzGemahl der Königin von England zu machen, ein Unternehmen, das Angesichts der vielen Bewerber der Königin nicht ohneSchwierigkeiten auszuführen war. Ja, diese königlichen Heirathen finden überhaupt nicht so ohne Weiteres statt, hier geht es nicht zu wie bei Dämon und Philis. sondern sehv viele Beziehungen wollen erwogen werden, ehe aus der Königsquadrille Tänzer und Tänzerinnen zum Engagement sür's Leben zusammentreten. Diese Engagements werden nicht immer zuerst auf hohem Thron erwogen, sondern da. trotz Allem, was der Prinz von Guastalla sagt, Fürsten doch ihreFreunde haben, so erwägt hier und da solch' ein freundschaftlich ergebenes Herz in Thronesnähe, ob dieser Prinz und jene Prinzessin nicht ein glückliches Paar ergäben, es zieht das Für und Wider in genaue Berechnung, und wenn sie ein befriedigendes Resultat ergeben, so tritt der Freund oder die Freundin aus seinem Versteck hervor und läßt die Fäden hinüber- und kerüberschießen, bis die überraschte Welt erfährt, daß ein neues fürstliches Paar . in die Reihe der zukünftigen Weltbeherrscher tritt. So hat die Verbindung zwischen dem Prinzen Waldemar von Dänemark und der Tochter des Herzogs von Orleans ihre Urheberin in Madame Appert, der Gemahlin des französischen Generals Appert. welcher die französische Regierung Zange Zeit am russischen Hofe vertrat. Und zwar ist die Rolle, welche die Frau des Gesandten bei der Verbindung gespielt hat, ihr von den franzüfischen Republikanern dermaßen verübelt worden, daß man die Abberusung des Generals von seinem Gesandtscbaftsposten recht wohl als die Folge ihres Grolls bezeichnen kann. Sie bestanden nämlich hartnäckig auf seiner Absetzung und erregten dadurch miederum den Zorn des Zaren, der sich dem Nachfolger des abgesetzten Gesandten höchst peinlich fühlbar machen sollte, so peinlich, daß dieser Nachfolger seine Stellung nahezu unerträglich fand. Eine andere Kenigsmacherin" ist die Marquise de la Feronays, welche "die Verbindung zwischen der ältesten Tochter des jüngst verstorbenen Grafen von Paris und dem König von Por- ' -tugal zu Stande brachte. Während ihres mehrwöchentlichen Aufenthaltes in Lissabon empfing die Marquise den .Kronprinzen häusig. als ahren Gast. Sie hatte ihn in Paris keimen gelernt. ivohin er sich von Zeit zu Zeit begab, und in den zwanglosen Unterhaltunen, die sich zwischen ihnen entspannen, kam auch die Redcmf das Heirathen. Der Kronprinz beklagte sich bitter über die Schwierigkeiten, auf die er bei seim Suche nach einer. Arut gestoßen toaz. Zur Zeit war gerade seine Ver7obung mit der Erzhevzogm Valerie, tx jüngsten Tochter und dem Liebsingskinde des Kaisers und der Kaisexxn Don Oesterreich, aufgehoben worden. Die Verlobung des jungen Paares sollte gerade stattfinden, als sich im letzten Augenblicke die zugendliche Erzhttz.-'gin dahin erklärte, daß ihre Gesundheit zu zart sei, um ihr die Ex füllung der Pflichten zu gestatten, du ,xI5 Gemahlin eines souveränen Herr schcrs ihrer harrten,' und diese ' Pflichten sind in derThat schwierigerer .und umfangreicherer Natur, als die Meisten es ahnen. Zu gleicher Zeit spvach die Erzherzogin ihreAbsicht aus, in ein Kloster einzutreten und den Rest ihres Lebens religiösen Pflichten zu widmen. Natürlich fühlte sich der Kronprinz von Portugal durch dieses Verhalten tief gekränkt, und er fand in der Marquise de la Feronays eine sympathisch gestimmte ZuHörerin. Sie setzte sich sofort mit der Gräfin von Paris in Verbindung und ersuchte sie um die beste Photographie, die sie von ihrer ältesten Tochter. Prinzessin Am6lie, besäße. Ein schon gerahmtes Bild traf alsbald ein, das die einigermaßen markirten Züge der Prinzessin in ein möglichst vortheilhastes Licht stellte. Die Marquise räumte diesem 5)ilde eiUtN in die Augen fallenden' Platz in

ihrem Salon ein, und al? der KrönPrinz das nächste Mal erschien, entging es seinen Blicken . nicht. Sehr bald fing er an, sich für das Original des Bildes zu interessiren, und bedrängte die Marquise mit Fragen, ob die übngen Eigenschaften der P,inzessin ihrer Schönheit die Waage hielten. Natürlies) fielen die Antworten in jeder Weise zufriedenstellend aus. Das geht schon vus der Thatsache hervor, daß sich der Kronprinz einige Wochen später nach Nizza verfügte, wo der Graf und die Gräfin von Paris sich zur Zeit aufhieUen, und ihnen bald darauf nach Paris folgte, wo er in aller. Form um die Hand der Prinzessin anhielt. Es ist überflüssig, zu sagen, daß der Gras die Bewerbung des Kronprinzen guthieß. ja. so erfreut war er über die seiner Tochter bevorstehende Auszeichnung, daß er ihr ein Leibgedinge von 200.000 Francs jährlicher Rente aussetzte. ' Eine zweite Dame, die mit der Marquise de la Feronays in die Schranken trat, war die Baronin Mohrenheim, die Gemahlin des russischen Gesandten in Paris. Sie hat bei den äußerst schwierigen und delicaten Unterhandlungen. die zu dem Bündniß der Prinzessin Dagmav von Dänemark mit dem Zaren Alezander III. führten, eine große Rolle gespielt. Der Baron war zur Zeit russischer Gesandter in Dänemark, und seine Frau, eine gebsrene Baronesse Korff, erwarb sich die warme Freundschaft der Königin und ihrer Töchter. Die Unterhandlungen boten aus dem. Grunde mancherlei Schwierigkeiten, weil Prinzessin Dagmar mit dem Bruder Alexanders III. verlobt gewesen war und ihm noch eine zärtliche Erinnerung bewahrte. Auch religiöse Bedenken gab es zu überwinden. Weder die Königin von Dänemark noch die Zarin haben der Baronin die geleisteten Dienste je vergessen, und es wird hauptsächlich dem Einfluß der russischen Herrscherin zugeschrieden, daß der Baron erst zu dem Gesandtschaftsposten nach London und späterhin zu dem in Paris befördert worden ist. Fürst Gortschakow schmeichelte sich in die kaiserliche Gunst schon zu der Zeit, da ev als russischer Gesandter in Stuttgart die Heirathsverhandlungen führte, durch welche die Großfürstin Olga, eine Tochter desZsren Nikolaus, die Gattin des Kronprinzen, späteren Königs vonWürttemberg geworden ist. Auch hier war die Sache durchaus nicht leicht, da die Großherzogin, eine Frau von herrischem Charakter, sich in den Fürsten Bariatinski, einen jungen Gardeofficier, verliebt hatte. Schon hatten Beide Alles zu einer Flucht nach Deutschland vorbereitet, als den Fürsten im letzten Auzenblick der Muth verließ und er sich dem Zaren zu Füßen warf, um ihm zu erklären, daß seine Loyalität nock stärker sei, als selbst die Liebe zu der Tochter seines Herrn, und um sich seiner Gnade zu empfehlen. Kurze Zeit darauf wurde die Heirath zwischen der Großfürstin und dem Kronprinzen von Württemberg vollzogen, der Fürst dagegen erhielt zum Lohn für sein loyales Verhalten alle Liebhaber und Liebhaberinnen der Welt werden ihn dafür verurthlen den Posten als Gouverneur des Kaukasus, von welchem er schnell zumGrade eines Feldmarschalls aufstieg. In neuester Zeit tritt Madame de Falbe als Ehestifterm in der Region de? Throne auf. Sie ist eine Engländerin, die als sehr junges Mädchen mit dem verstorbenen Capitän Dudley Ward, wem Vetier des letzten Carl Dudley, verheirathet wurde. Nach dem Ableben ihres ersten Mannes heirathete sie Mr. Gerald Leigle. einen enorm reichen Mann, der ihv bei seinem Tode sein ganzes Mobiliarvermögen sowie seinen wundervollen Landsitz Luton Hoo hinterließ. Ihr dritter Mann ist Baron de Falbe, welcher dänischer Minister in London war. Die Madame de Falbe nun ist die intime Freundin der Prinzessin von Wales, und die Verlobung der Prinzessin May von Teck mit dem verstorbenen Herzog von CZarence, bei welcher auch allerlei Hindernisse aus dem Wege geräumt werden mußten, fand unter dem gastfreundlichen Dache der Madame de Falbe Ztatt. Der Herzog von Clarence war aber nicht das einzige Mitglied der königlichen Familie, das sich um die freundliche Vermittelung der gutmüthigsn Dame bei den Eltern bewarb. Auch die Prinzessin Lmse von Wales ivandte sich an sie, als sie ihr Herz an den Herzog von Fife verlor. Der Einfluß Madame de Falbe's auf 'die Prinzessin von Wales ist sehr groß, und sie ist vielleicht die einzige, dem könialicken öause nickt verwandte

Frau, der es jemals gelungen ist. die fJ rf1 Pl wirllcye reunoicyasl ver myuicyen Thvonerbin zu gewinnen. Solcher Ehestiftn wird es noch mehrere geben, die einem hohen Paar bereitwillig zu ihrer Verbindung helfen. Nicht immer fällt die Vermittelung so glücklich acs, wie in den genannten Fällen. Ein merkwürdiges Echo. Fremder: .Das Echo hat ewas ganz Anderes nachgerufen, als ich gesagt habe.- Führer: .So schreien's halt noch einmal, aber recht laut, der Moossepp hat Ihnen halt nicht recht verstanden !" DieHauptbedingung. Warum möchten Sie keinen Arzt heirathen?" .Nun, denkenSie sich dock, inen Arzt zum Manne zu haben da macht ja das Krankwerden gar keinen Spaß mehr!" E d l e s M o t i v. .Hören Sik mal, Frau Meyer, Sie haben schon seit drei Jahren Ausverkauf wegen To, dcsfall. wie ist das zu verlieben?.Ja, ich kann eben meinen seliger j Mann nicht vergessen!"

Vom Zpitzl 'bissen. m lMünchener Gerich ttfcenevj l iTV?' Keuchend und hustend betrat "eiit älterer Herr den Gerichtssaal,- stützte sich auf seinen derben Hacklstock und spähte vor Allem nach einem Sitzplatz, chen, auf welches er sich nach einigen langgezogenen Uffff Sakra! Sakra! niederließ. Kurz darauf erfolgte der Aufruf: Schreinermeister Alois X. von hier wegen groben Unfugs. Der Herr fchnellte wie elektrisirt empor, fiel aber gleich darauf auf die Bank zurück, stöhnte und ächzte: .ffssss DonnerWetter und Element! Der Sparifankerl foll die elendige Sucht.holen! Von allem Lueverszeug muß-i schon aber aa hab'n! So a Stech'n undSchneid'n, da macht sich koaMensch an Begriff! Gengen's. Herr Gerichtsdeaner, stellen'S an Stuhl da vorn her, daß i glei' zum Sitz'n kimm, bis dahin kann i vielleicht do' no' harpf'n!Richter: .Sie sind wohl leidend, Herr X.?Angekl.: .Na. recht wohl thuet's! Wenn's nur amal drei Täg damit behaftet wären, nacha vergang's Eahna fchon die Fragerei! Dös mueß doch a Kind einkenna, daß da kos Verstellung dabei is! Das Schönste aber is no', daß von an Mitleid koa Red' is; erst grad auf der Stieg'n draus hat Oaner g'sagt: Da kimmt Oaner! Der thuet leis' auftreten! Säh. Franzl, pfeif, vielleicht lauft eahm der Spitzl davon! Der schenkt Dir g'wiß a Mark!, wenn er 'n wegbringt! I sag Eahna, Wenn's mi' net g'rad wieder so miserablich g'schnitt'n und zwickt hätt', der hundshäuterne Fretter hätt' was derlebt!" Richter: .Setzen Sie sich und dersuchen Sie, dem Gange der Anhandlung folgen zu können. Wenn nicht, so vertagen wir die Sache auf einige chen.Angekl.: Vertagt wird nix'n und da herauf bringen's mi' nimmer mit vier Bräuroß! Lieber steig i barfueß auf'n Wendlstoan! 's Herometsein macht nix'n, aber 's Stiegensteig'n is das reinste Martersal und a jede Trepp'n is a schwaare Sünd abbüeßt ohne Reu und Leid." Hier hielt Herr X. inne, griff an das linke Bein und schnitt ein fürchterliches Gesicht. Als der größte Schmerz vorüber war. rief ev unter schrecklichem Augenrollen: Kunnt mer da net narrisch wer'n? Sagen's nur, woher so a Wehthun kimmt. oder wo mer so was verdeant! A Anderer lauft wie a Wiesel und Unseroaner mueß zapf'n, seine Haxen in Watt einwick'ln, alle Jahrln vierzehn Tag, drei Wocha wia a alter Spitaler umanand hatsch'n, Schmerz'n aushalten, net zum sagen und wird no recht derbläckt, und dös - Spitzbuamzeug hoaßen's a nobliche Krankheit!" Richter: .Sie haben einen Strafbefehl erhalten, weil Sie am 5. Oktober in einem Vierkeller durch Schreien und Lärmen groben Unfug verübt haben. Außerdem haben Sie mehrere Literkrüge zerschlagen, allein mangels eines Strafantrags wird die Sachbeschädigung nicht weiter gerichtlich verfolgt. Warum haben Sie dagegen Einspruch erhoben?Angekl.: .Erstens glaub i. daß Unseroanev net zum G'spött von die Leut' umanand lauft. Zweitens woaß i, daß i do' no' a wengl reden därf, ohn? daß d' Polizei und d' Feuerwehr alarmirt wird. Drittens war i auf der Wiesen, und da geht mer net außa, um an Stummer! z' spiel'n, und viertens bin i a Bürger, der Steuern. Umlagen und sonstige Abgaben zahlt und doch a wengl mehrer is, wie a Fretter. der an Steuerboten sein oanziges Klüftel aufweisen kann, dös vielleicht aa no' aus'n Abzahlungsg'schäft is. Drum sag i: Bürger und Bürger is a Unterschied und desweg'n red't mer." Richter: .Was war die Ursache Ihres Lärmens?" Angekl.: .Fragen's nur net! Meine Malefizsucht. 's Zipperl! Die elendige, schundige Krankheit, die mich alle Herbst hoamsucht! I kann Eahna gar net saa'n, was i schon Alles dafür probirt hab'; kalte, warme, irische, romk sche und bengalische Bäder hab' i g'nomma, frottirt und mafsakrirt bin i worden, ang'svritzt und aufgössen ham's mV wia an schlechten Thee, fünf Kübl amerikanische Patentmedicin hab i einwendig g'nomma und drei Schmierbüchsen voll hab i zum Einreiden braucht, abev g'holfa hat niz'n; i wund're mi' nur, daß mei' Haut so zach is und die G'schicht ausg'halt'n hat. Vom Magen darf i net reden, da hätt unser vaterländisches Bierpech an gueten Puff aus. Also jeden Herbst kimmt die niederträchtige Krankheit und zeigt sich mit oanzelne Stich durch Mark und Boan an. Heuer bei dem regnerischen Summer hab' i denkt, daß schen im August kemma wird. Nix'n war's, und i hab' schon a Freud g'habt, 'skunnt mi' a mal übersehg'n. Da sitz i beim miserablichsten Wetter ia aner Bierbud'n auf derWiesen und laß mir 's Märzenbier schmeck, in a drei Stünderl steh i 's erste Mal auf. und wia i suf'n linken Fueß steh, da gibt's mir rn Riß durch alle Glieder, daß i glei' cm Schroa grad naus thua. Alle am Tisch schaug'n und Oaner, der Schreinersixtl, pfeift wia a Viechtreider und schreit: .Alisi! Is Dein Spitzl auf d' Wiesen außa kemma?- I g'spür weiter nix'n und moan. 's kimmt am End nur von de? langen Sitzerei, und da moan i, daß i Heuer verschont 6Iel den thua. Meine guet'n Freund lassen aber net aus und oaner sagt: .Ja, ja, d' Jugendsünden, der guete Lebenswand'l, 's Fasten wär' scho' recht, aber mit'n Almosengeben verstaucht er sich alle Jahr d' Händ, und da leiden d' Füeß aa drunter!" I hör' die dummen Redensarten a Zeit lang geduldig an und denk mer: D' Unschuld mueß viel leiden! Da . macken's meine Nreunderl

no' a bis! bunter und geben Räthsel aus. Zum Beispiel, der rundschädlete Hueberschorschl behauptet: .Der Alisi mueß unbedingt heuer sein Zipperl krieg'n. dös woaß i g'wiß." Warum denn unbedingt?" fragen die Andern. .Na, weil der Kaiser aller Reuß'n bei uns herumg'reist is!" Da lach'n die faden Menschen über so a Dummheit grad naus und i g'spür scho' wieder so a Ziehg'n durch die Knochen. Au a mal wia der Blitz an Stich, als wenn Jemand mit an Nagelbohrer nachhelfa that, und i schrei: .Auweh, zwick. Vluatelement. sfsffsf. Sax'ndiiii, meine Hax'n " Bei diesen Worten versuchte der Beklagte aufzustehen und hüpfte dann wie ein Storch auf einemBeine dreimal um seinen Stuhl herum, um sich erschöpft wieder niederzusetzen. .Ham's so was in Ihrem Leben schon derlebt, Herv Stadtrichter? I erzähl' Eahna mein Jammerthal und da kimmt die G'schicht glei' selber ganz natürlich. I versteh' nix'n von der überirdischen Medicin, aber mir kimmt's grad vor, als hätt' i meine Boaner durch die Erklärung suggerivt. Was sagen Sie dazua?" wendete er sich an einen am Tische sitzenden Rechtsanwalt. Dieser lächelte und gab keine Antwort. Richter: Wie kam es dann weiter?Angekl.: .Ja, schön is ganga; i hab no' a Zeit lang so geduldig wia der Hiob zuag'schaugt, und wia die Malefizkerl net aufhören und in oaner Tur fo furt macha, dann hab ich's trotz der Schmerzen recht tüchtig g'schimpft und im Zorn drei Krüeg zertrümmert. Nehmen's nur an, wenn der Mensch so Leiden hat, nacher mueß er g'schont werden, statt im Gegentheil aufzog'n, und an der Suggerirerei da is schon was. I hätt koan Krueg verschlagen und dafür zwoa Markl zahlt, wenn net am andern Tisch a Fremder mir alleweil zuag'muckt hätt, i sollt aufdrah'n; wahrscheinlich hat der aa mei' Leiden g'habt und hat sich g'ärgert!" Richter: .Zu dieser Schimpferei kam nun gerade die Gendarmerie und bot Polizeistunde und dann erst waren Sie ruhig. Wollen Sie sür diesen Unfug eine geringere Strafe, als zwanzig Mark?" Angekl.: .Straf will i überHaupts gar koane. I bin scho' gestraft gnua, zwoa Markl, die Krüeg ohne Bier, wo d'rauf ganga is, der Liter zu dreißig Pfennig, dann 's Hoamfahren um a Mark fufzge, heut do herauf und die Schmerzen seit der Zeit, vom Zorn und Aerger mag i gar net red'n " Der Einspruch wurde kostenfällig verworfen. Der Verurtheilte hinkte davon und bemerkte noch: .'s gibt koa Einkenna mehrer heutzutag, wenn Dir d' Seel außahängt vor Elend, nixn hilft au, auweh! Kruzinesev. Element, da kunnst in Huat einasteig'n sfsff. die Malefizläuf!-

üatschen. X (Münchener Gerichtsscene). Gestatten's, Herr Staatsanwalt! 's handelt si' net desweg'n. daß d' Frau Oberniedermoarin g'straft wird und dabei um's Geld kimmt. dös bei ihre fünf kloan und ungezog'nen Kinder selber nothwendi' gnua braucht, sondern i will blos hab'n, daß a Mal tüchtig eing'spirrt wird, so ungefähr, wie 's in dem Gerichtszettel hoaßt: Im Uneinbringlichkeitsfall umgcwandelt in acht oder zehn Täg G'fängniß. Mir thuet ihr Mann und ihre Kinder vom Herz'n load. Geld därf 's beilei' net kosten, aber sie soll 's fühl'n. die Bißgurn, die Malefizratsch'n, die Lästergosch'n. die Ehr- und Seligkeitsabschn . . . Richter: .Kein Wort weiter! Wenn Sie nicht augenblicklich ruhig sind, so lasse ich Sie abführen und einstweilen vierundzwanzig Stunden einsperren. Der Beklagten und den Zeugen muß ich dasselbe sagen. Hier redet Niemand, ohne gefragt zu werden. Ver-standen?-Die in einer Veleidigungsklagesache anwesende Damenwelt, bestehend aus zehn Köpfen, verstummte vorschriftsmäßig, die Beklagte, eine biedere Schwäbm. nahm neben der Klägerin auf e i n e m Bankl Platz, und darauf wurden die acht Zeugen über die Wich tigkeit des Eides und Folgen des Meineides belehrt. Richter: .Haben mich die Zeugen verstanden? Dann können sie aotre ten." , - ' ." Ein altes Mütterchen von etwa 80 Jahren, welches in seinerBeugestellung unverwandten Blickes die Rede des Richters verfolgte, entfernte sich nicht, blieb vielmehr liehen, male uno la chelte fortaesedt. ' Richter: .Was wollen Sie noch? vaben Sie mich nicht verstanden $ Die Alte lächelte weiter und rief mit emer blemernen Stimme: - .Gelt, trübender bat mer acktzeb' Kreuzerl kriegt, und jetz'n nur mehrer a Fufzgerl für a guete Zeugenschaft? Oes Schlangl machrs enl an jwoarina. weil a ufzaerl nur a Achtzebnthalber! is! Hob enk aber scho' außa, ös Planer, 's Andere is Alles an Äwoarma tbeunaer wor'n. d fBtxn wiirscht, 's Bier, und was mer anschaugt. ös aber seid's runter ganga. Uijägerl. seid ihr arme Schlaucherl und Vienninafuckiser. mei' Seliaer hal's scho' g'sagt: Wab'n, sagt er, die neucke Äelt is mrn für uns. der Äntt curift is scko' dader. 's dauert nimmer lang, na' geht d' Welt unter, g'rad wia d' Sybillaweis prophezeit hat! Kott lan eabm selia ruk'n. vor sünfadreiß'g Jahr'n ham's eahm scho' außagrab'n, und i bm no' dader. Was , no saaen will .... Nickter JVo?i Sie vielleickt nickt gut? (Mit erhöhter Stimme, weil keme Antwort erfolgte): Haben fete MiH Nicht verstandene .

Zeugin: .Na. standen mag is aa net, da riecht derEssi' so vor! Aber um

Neune mei Kalbslungerl beimSpat'n, frisch weg. dös is a Plan, 's Pariser könna's ja eh' nimmer macha! Wia Schuahreama liegt's drinnet. Dös kimmt aber daherer. daß d' Maurer koa Pariser mehr essen, nur lauter Niernbratl, d'rum kimmt's aa so weit, daß . . . Der Gerichtsbote befördert die Alte schleunigst in den Gang hinaus. Richter: .Beklagte! Sie haben 'de? Klägerin gegen verschiedene Personen und insbesondere gegen die soeben entfernte alte Frau nachgeredet: Sie se gar kem Weio, vernachlässige thre Familie, nehme es mit der Treue nicht recht genau und verthue mehrGeld, als der Mann verdient. Außerdem gebrauchten Sie verschiedene schwer be leidigende Ausdrücke, deren Auszählung hier unnöthig ist, weil die Zeugen sie wiederholen werden; was haben Sie darauf zu fagen?" Beklagte: .Mer werd doch in Gottesnama no' a Wört! red'n dürfen! Dös wär' ja ganz aus, wenn mer da jedsmal glei' g'richtli' werd'n thät! Bor zwoa Monat.bin i in dös Haus einzog'n, und da hat die Frau dader, die Klägerin, von mir am erst'n Tag scho' a Badwannl und am zwoat'nTag an Waschhafa z'leich'n g'nomma. Nacher is' Vierzeh Täg lang alle Fruah die Erst' in meiner Wohnung g'wes'n, bis sie g'wußt hat. wie viele Semmeln zu mir in's Haus kemma, ob i oder mei' Mann in der Fruah a Hörndl oder a Oaweckl essen thuan, wia viel Fleisch daß mer kaufa, ob d' Kinder mehrer Fleisch oder Kartoffel krieg'n, ob's Mobiliar einbracht oder vom Abzahlungsg'schäft is. und so weiter. Sogar an Briefbot'n hat's aufg'lauert, ob er net a Schreibet's hat, wo a Zustellungsurkund' dabei is. Wia's Alles beiancmd g'habt hat, nacher hat's zu der Hausmoasterin einstweilen g'sagt: Die Drentern thuan's scho', san so rar net! I will net so und net so sag'n, net daß 's hoaßt: i hab so oder so g'sagt. aber Sie wer'n scho' sehg'n, meine Ahnung hat mi' net betrog'n! Mir wärn's schön gnua. die leben wie Gott in Frankreich und er, der Andere, is blos a Magistratischer mit zwoa Mark fufzge. Mir kann's gleich sein, aber ehrlich währt am längsten. Da erzählt ihr d' Hausmoasterin. daß aus 'n Meldezettel woaß, i wär aus 'n Schwäbischen. Was! sagt's, dös aa no'? Nacher hamer ausg'red't! Und die falsche Person kann die Münch'ner Sprach fo markir'n? Der trau' i jetz'n Alles zua! Sie! wenn's net mehrer thuan könna, na' mueß wenigstens um a Mark! g'steigert werden." Richter: .Nun hätten wir die Ursache zu diesem Kriege in einem gemeinsamen Wohnhause. Erzählen Sie nun gefälligst, wie Sie dazu kamen, nehmen wir an in Nothwehr, gegen die Klägerin derartige Ausfälle zu machen." Beklagte: .Jetz'n ham's dasRichtige 'troffen. Nothwehr war's. Heut hat mich die Andere g'holt und hat mir zoagt, was Schön's und Billig's eing'kauft hat. Morg'n hat ihre Broni so Hitz'n g'habt. da wollt's wissen, ob dös der Scharlach oder was G'fährlicheres wird, daß i s' in der Schul entschuldigen dürft. Wieder a mal, da is s' in d' Stadt eina und hat in drei Stund' a Voressen kauft, 's Pfund um a Fufzgerl, weil'sEinkaufa am großen Markt alleweil vortheilhafter is, und auf d' Kinder hab i aufschaug'n müess'n. Jetz'n auf die ordinäre Ausrichterei, da hab i nimmer anders kinna und hab a mal selber richtig aufdraht und die liab'n Nachbarn und Freundinnen ham ihr Alles brettlbroat und brüahwarm zuatrag'n." Richter: .Klägerin! Ist es richtig, was die Beklagte vorbringt? Haben Sie den ersten Anlaß zu den Beleidigungen gegeben?" Klägerin: .Soll mi' Gott strafen! Hör'n S' nur die Zeugen." Die erste und Hauptzeugin war die taube Alte, eine Holzmacherswittwe aus den Gefilden rechts de? Jsar. Mit erhobener Stimme trug ihr der Richter Alles vor. was sich auf ihr Wissen beziehen sollte; die Alte lächelte und bemerkte trocken: Schaugen's, liaber Herr, von der Oan da kriag i im Vormittag an aufg'wärmt'n Kaffee, dös is die Schwäbin, dader, die 's Altboarische so guet los hat, von der Andern aber, da hab' i Respect, die laßt an Knodl, a Bröckel Fleisch, an Sterz, sogar a wengl a Gansjung sür a alt's Leut übrig, und dös kimmt um a Oans. wenn derHerr furt is! Jeder schaugt doch auf seine Leut'. und da aeht's net anders, da mueß mer 'was verzähl', und z'wegern aufg'wärmt'n Kaffee werd' i mir do' net 's Maul auskegeln. Säh, dös wenn's wüßt'n, was die Zwoat' über die Erst' g'sagt hat. dös wär't schön! Die müeßt mehrer bluat'n! Aber i bin a alt's Leut und därf nimmer mit thuan. d'rum san mer stad. Säh! Frühender. wie's beim grean. Baam und im Prater no' Herr war'n. da sollcn's um d' Eenzi g'sragt ham! Richter: .Nach diesem eigentlich un frciwilliaenGeständniß glaube ich. daß die Klage so ziemlich haltlos geworden ist, und meine, daß die Klägerin die Klage zurückziehen sollte. Im Zuhörerraume kam eine Heiter keit zum Ausbruche, der- seitens des Vorsitzenden nur mit Mühe Zügel angelegt wurden, und dieKlägerin konnte m rlchtiqer Erfassung der Situation nichts Besseres thun, als ihre Klage zurückzuziehen. Die gute alte Zeugin bekam ihr Achtzehnthalberl und die Klägerin wird ihr kaum die zwei Pfennige alter Währung daraufbezahlt haben. . Wir zweifeln sogar an dem Fortbezug der Mittagsuberreste m Knodl, Fleisch und Sterz. Gibt es in mehreren Häusern iolch' liebe Nachbarinnen?

Das Daus am Zvasser. Von A. Stier. Es ist ein düsterer Fleck Erde. Etwa

300 Schritt unterhalb des Dorfes schiebt sich der .Muhlbera quer m s Thal hinein. Der Fluß stößt in schräger Richtung darauf und hat sich im Lauf der Jahrtausende ein großes Stuck aus der mit Eiben- und Elchengestrüpp bewachsenen Bergwand herausgenagt. Er krümmt sich , in die überhängenden, leicht zerbröckelnden Kalkfelsen hinein und bildet einen dunklen Winkel, in den während der Herbst- und Wintermonate, vom September bis zum Mai. auch nicht ein Sonnenstrahl fällt. Schwarz und ruhig liegt dort der Wasserspiegel - des Flusses. Nur an einer Stelle zeigt er eine kreisende Bewegung. Dort mag eine Kluft in den Kalkfelsen aufgewühlt sein, in welche die Wasser wirbelnd hinabschießen. Des Abends ziehen dann die Nebelschwaden aus der feuchten Ecke hinüber über die Trift, die sich am jenseitigen Flußufer flach ausbreitet. , Sie ist mit Weiden bestanden. Wenn die im Herbste .geköpft" worden sind, dann sehen sie aus wie verwitterte Leichensteine und die Trift mag. von fern gesehen, für den Gottesacker des Dörfleins gehalten werden. ' ' Das. ist das .faule Loch", wie es von den Anwohnern genannt wird. Es liegt darüber wie ein drückender, unfaßbarer Schatten; wie eine Erinnerung an vergangenes und eine Ahnung von kommendem Unheil. Man spricht nicht gern davon und geht nicht gern dort vorüber. Und doch kommt einem der düstere Fleck nicht aus dem Sinne. Früher war eine ganze Reihe Häuser hier unten gestanden. Aber die hatten von Eisgang und Ueberschwemmung viel zu leiden und vor allen Dingen war es eben nicht wohnlich im .faulen Loch". Man hat die Häuser nach und nach aufgebrochen und weiter vom Fluß entfernt wieder ausgebaut. Nun steht nur noch ein einziges kleines Anwesen unten auf der Trift. Ein schlechtes Haus mit Lehmwänden und Lehmfutzboden in der Stube; eine kleine, baufällige Scheune und ein verwitterte? Bretterstall für die Ziege. Der .Schützenfrieder" wohnt dort. Er hat den Namen behalten, weil er ehedem Flurschütz gewesen war. Aber er war ein widerspenstiger Geselle und so hat man ihm die Stelle aufgekündigt. Der .Schützenfrieder" hat kein Geld,' um sein Haus abzureißen und wieder neu zu bauen. Und er mag auch nicht, denn er weiß recht gut, daß ihn Niemand imDorf als Nachbar haben will. Es ist ein unverträglicher, bettelstolzer Geselle. Das Tüncherhandwerk hat er wohl gelernt, aber Niemand läßt ihn arbeiten und Tagelohn zu thun schämt er sich. So sitzt er hinterm Webstuhl. Das heißt, wenn es ihm gerade nicht gefällt, Angeln zu legen oder Fallen auf dem Felde zu stellen. Neben ihm hockt am Fußboden seine Schwester, die .dumme Kätter" (Katharina) mit dem ständigen blöden Lächeln auf den Lippen, und dreht die Garnspulen für den Webstuhl ein armseliges, mißgestaltetes Geschöpf mit flachgedrückter Stirn und hängendem Kröpf. Seine Frau, die Bärb', ist aufgegangen, um .Leseholz" zu sammeln. Den kleinen Gustav hat sie wohl mitgenommen. Der .Schützenfrieder" fragt nicht viel danach. Es ist ein schlimmes Stück Ehe. was er mit seiner Bärb' führt. Er wirft ihr vor. daß sie den Haushalt verlumpen lasse und mit ihrem Balg" nicht fatt zu machen sei und es ist doch nichts zum verlumpen da als ein wenig Kartoffeln und Ziegenmilch! Dafür rächt ich die Barb' an ihrem Manne, indem ie ihm hämisch entgegenhält was reilich alle Welt weiß daß sich ja die Schinderliese um seinetwillen im .faulen Loch ersaust habe, mnsammt dem Kind, was sie noch unter'm Herzen trug. Das ist das tägliche Brod im Hause. Heute war wieder ein schlimmerTag gewesen. Der .Schutzensrieder" hat es gründlich satt. Er hat vom Webstuhl aus immer wieder nach dem dunkelströmenden Wasser da draußen hinausschauen müssen. Das hat es ihm anaethan. Fort fort hin aus zum Meer hinüber über's Meer ist nicht vor wenig Wochen erst ein ehemaliger Schulnachbar als gemachter Mann von .drüben" wieder heimaekommen und hat ihn, den .Schützen frieder", nicht mehr kennen wollen ? Freilich zur Reise über's Meer gehört Geld. Aber Geld gibt's ja genug in der Welt. Muß es denn immer ehrlich verdient sein? Nur fort! Und wenn es nicht über's Wasser geht, dann bleibt ja immer noch der letzte Wea in's Wasser! , Er gibt dem morschen Webstuhl einen kräftiaen Tritt, daß das Untergestell zusammenkracht und die dumme Kätter laut beulend aussahrt. Dann zieht, er den schmutzigen blauen Kittel an, thut "die wenigen Groschen Geld, die ' im Hause sind, in den ledernen Geldbeutel und schreitet zur Thür bin aus. 6ben kommt die Bärb' mit dem kleinen Gustav aus dem Holz zurück. Auf ihren Wangen glühen zwei fcharf rothe Flecken; ihr Athem keucht und pfeift unter der schweren Last. .He schon Feierabend am frühen Nachmittag? Die Schinderliese hat Dich gewiß zum Stelldichein bestellt ? Laß' sie nur nicht so lange warten ! Ha ha! so gellt es mit schneiden dem Höhne hinter dem Davoneilenden drein. Er schüttelt nur die Faust zurück. Dann hat ihn Niemand mehr gesehen. Er ist freilich noch einmal zurückge kehrt. Das schwarze gurgelnde Was ser hatte es ihm eben angethan! Nach acht Tagen fand man beim .faulen Loch" am Ufer seinen schmutzigen Kittel und den leeren ledernen Geldbeutel. Nach weiteren acht Tagen trugen, die

Wasser aus der Felsentiefe einen Leich

nam an die Oberslache. Man hat ihn ohne Sang und Klang auf der Trift eingescharrt. : Nun sitzt die Barb' am Webstuhl und wirft das Schiff, bis ihr die Finger bluten. Neben ihr hockt noch im mer die dumme Kätter und dreht die Spulen. Ihr blödes Lächeln ist noch dasselbe; aber es sieht aus, als ob ein heller Schein in ihren Augen läge, sobald der kleine Gustav in der Nähe ist. Der ist jetzt ein hübscher, frischer vier jähriger Junge. Er hat sich mit ganz besonderer Zärtlichkeit der dummen Kätter zugethan. Die schilt und schlägt nicht, wie die Mutter. Und die Kätter hängt an ihm mit thierischer Liebe. Sie heult und schluchzt, wenn er nur zur Thür hinaustritt; sie kreischt vor Freude, wenn er wiederkommt; er muß des Nachts bei ihr im Bette schlafen, sonst jammert sie ohne Aufhören. Und die Bärb' läßt's geschehen. damit sie nur Ruhe hat. Jetzt spielt der kleine Gustav mit den anderen Dorskindern draußen auf der Trift am .faulen Loch : das ist ja der gewöhnliche Spielplatz. Die Kinder werfen Blatter und Papierschnitze! in s Wasser und freuen sich, wenn diese in pfeilschnellem Wirbel nach unten gezogen werden. Die Eltern haben kein Arg dabei. Sie sind ja selbst am Wasser groß geworden. .Wollen wir mcht Sackhaschen spielen?" so hat der Schulzensernst gefragt. .Sackhaschen! Sackhaschen! so haden die Andern gejubelt. Der kleine Gustav ist schnell nach Haus gesprungen und hat aus der Scheune einen leeren Kartoffelsack geholt. So kommt er auch als Erster dran-. Der Sack wird ihm über den Kops gezogen, so daß von dem kleinen Kerlchen nur die Füße sichtbar bleiben. Nun verstecken sich die andern hinter den Weldenoaumen und lassen sich suchen. Sie lachen über das täppische Tasten und Spnngen. Da das war ein Schritt zu weit vorwärts! Der kleine Gustav war gerade über dem .saulen Loch", dicht am Uferrand gestanden. ES gab einen dumpfen Fall da war das Spiel zu Ende. Heulend und schreiend sprangen die Kinder in's Dorf .... Sie hatten ihn m ein kleines Jttn vergrab gelegt und ein armseliges Holzkreuz mit einem Mooskranz auf den frischen Grabhügel gesteckt. Daheim hockte die dumme Kätter immer noch neben dem Webstuhl, aber sie drehte keine Spulen mehr. Und der Bärb' war es doch auch recht nahe gegangen, trotz aller Rauhheit, die sie aeprr i jt rr jr. x .f a siienliicr) zur vsajau irug, ai einige mitleidige Frauen aus dem Dorf ihr freundlich zusprechen wollten. Sie hatte sich müde geweint bis in die tiefe Nacht hinein. Nun war sie fest ngeschlafen. Sie hatte wohl einmal in der Nacht gemerkt, daß die dumm Kätter zu ihr an's Bett getreten war. O wie kalt wie kalt" so hatte die Arme gestöhnt und versucht, sich neben sie zu legen. Aber Bärb' hatte sie schlaftrunken zurückgestoßen. Am andern Morgen war die Kättev verschwunden. Niemand wußte, wa? aus ihr geworden war. Ihre sparlichen Kleidungsstücke lagen sämmtlich am gewohnten Platz. Nur die Wei denbäume beim faulen Loch" hätten, erzählen können, wie sich des NachtS die Hausthür-da drüben geöffnet und eine Gestalt in flatterndem Hemd, mit stieren Augen langsam über den Trift geschritten sei und mit bebenden Lippen immerfort vor sich hin gejammert habe: .Oh wie kalt . wie kalt !" Dann war die weiße Gestalt langsam am Uferrand hinabgestiegen und langsam hatte sich der Strudel über ihr geschlössen, wie ein Bett von Eiderdaun. Die Bärb hat seitdem das schwarze, gurgelnde Wasser nicht mehr sehen können. Sie ist fortgegangen und hat sich als Magd verdingt. Das Haus ist stehen geblieben wie es stand. Es hat Niemand drin wohnen wollen. Jetzt, nach Jahren, bin ich wieder dort vorübergegangen. Das Haus war schlechter und baufälliger denn je, aber hinter den blinden Fensterscheiben stand ein Geraniumstöcklein. Und vorn, unter den äußersten Weiden, dicht am Ufer des .faulen Loches", sah ich eine Frau mit spärlichem grauen Haar beim Spinnrad sitzen. Sie wandte mir den Rücken zu. Ich trat langsam näher, aber sie hörte mich nicht; sie schien taub zu sein. So konnte ich ihr über die Schulter seh'n. Da lag auf ihrem Schooß ein vergilbtes Blatt, wohl aus einer alten Bibel. Es waren die Worte des 124. Psalmes. auf die mein Auge fiel: .Wo der Herr nicht bei uns wäre so ersäufte uns Wasser, Ströme gingen über unsere Seele . . . unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat Da bemerkte mich die Frau. Sie wandte sich um, doch ohne zu erschrecken. Ja. es war die Bärb. Sie hat mir damals noch viel erzählt. Es war die alte Geschichte. , Daö schwarze gurgelnde Wasser da unten hatte es ihr doch angethan sie war zurückgekehrt. Aber nicht, um selbst den jähen Sprung zu thun! Sie wartet geduldig. bis das Wasser höher und höher steigt und schließlich die morsche Hütte mit hinausschwemmt in das ewige Meer. Verweht. Noch grünt das Laub, doch durch d:e Luft Ein eis'ger Schauer geht Und bald vielleicht gar über NachtIst es verschneit, verweht! Und manches junge Hoffnungsgrün. Das fröhlich kaum ersteht. Wie bald vielleicht gar über Nacht Ist es verschneit, verweht! Was man bei den Kindern mit Ungezogenheit bezeichnet, nennt man bei den Großm Nervosität. . . .

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