Indiana Tribüne, Volume 20, Number 80, Indianapolis, Marion County, 6 December 1896 — Page 6

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Wic's gemacht wird. Von Hermann Alfon. Gelb ist die Farbe des Neide und als solche war sie früher nicht sehr beliebt. Es ist noch gar nicht lange her, daß man angefangen hat, gelbe Kleider zu tragen. Ueber das erste gelbe Kleid berichtet uns ein altes Blatt folgendermaßen: Die berühmte Schauspielerin, Mademoiselle Mars, befand sich zur Zeit des Kaiserreiches zu einem Gastspiel in Lyon, wo sie neue Blüthm in den reichen Lorbeerkränz flocht, welcher ihre Schläfen umgab. An dem Tage nach ihrem ersten Auftreten beeiferten sich die ange sehensten Personen der Stadt, ihr Huldigungen darzubringen, und nicht wenig erstaunt war die Künstlerin, als ihr neben bedeutenden und berühmten Namen auch der eines Seidenfabrikanten gemeldet wurde. Ihre Verwunderung steigerte sich, als der Hr, nachdem er zu ihr geführt, keineswegs den Ton der Verehrung und des Entzückens anschlug, dessen sie ge wohnt war, sondern mit schlichten Worten sie um Entschuldigung wegen seines Eindringens bat und ihr eröffnete, daß in ihrer Hand sein Glück ruhe. Ich wäre sehr gern bereit, meine Hand zu öffnen und das Glück, auf Sie herabströmen , zu lassen, mein Herr", sagte die Schauspielerin scherzend, nur weiß ich nicht, wie ich mich dabei zu benehmen habe." Ich will es Ihnen sagen", rief der Seidenhändler, indem erein Stück gelben Sammet entrollte, nehmen Sie diesen Stoff von mir an und ich werde bald reich, was ich sage, der Krösus aller Seidenfabrikanten Lyons sein." Aber mein Herr, ich verstehe Sie noch immer nicht," sagte Mademoiselle Mars mit unsicherer Stimme, denn sie glaubte, einen Wahnsinnigen vor sichzu haben, wozu soll ich diesen Sammet gebrauchen?" Zu einem Kleide, Mademoiselle, zu einem Kleide", war die dringende Antwort, wenn Sie einmal mit einem solchen Kleide auftreten, so ist mein Glück gemacht, gewähren Sie mir diese Gnade". Aber, mein Herr, man trägt doch keine gelben Kleider!" Eben deßhalb, es handelt sich darum. diese Farbe in die Mode zu bringen, welche ich ganz allein vorräthig habe und von der andere Fabriken nicht so schnell anfertigen lassen können." Nun wohl, mein Herr, ich werde Ihren Wunsch erfüllen," entgegnete die Künstlerin. Nach Paris zurückgekehrt, ließ Mademoiselle Mars ihre Schneiderin kommen, zeiate ihr den von Lyon mitgebrachten Sammet und beauftragte .sie, ein Kleid daraus anzufertigen. Ein gelbeö Kleid? Unmöglich?" rief diese entsetzt, ein solches ist noch niemals aus meinem Atelier hervorgeganqen." So sei dies das erste", entgegnete ruhig die Schauspielerin, es kommt auf einen Versuch an." Madame befehlen", entgegnete mit Würde die Kleiderkünstlerin, und ich gehorche. Jeder anderen Dame würde ich aus Rücksicht für mein Renommee, bei einem solchen Wagniß meine Hilfe versagen müssen, Mademoiselle Mars kann sich aber alles erlauben." Wenige Tage später legte Mademoiselle Mars das gelbe Sammetkleid

wirklich an, um damit im Theater Franais aufzutreten. Als sie jedoch kurz vor Beginn ihrer Scene noch einmal den Totaleindruck ihrer Toilette im großen Wandspiegel überschaute, war sie entsetzt, erklärte, sie könne nicht als Kanarienvogel vor dem Publikum erscheinen, und da es zu spat war. andere Toilette zu machen, forderte sie den Regisseuer auf. vorzutreten und anzukündigen, daß sie heute Nicht spielen könne. Vergebens bat und be schwor sie der geängstigt? Mann, ver aebens legten sich einige College in's Mittel. Mademoiselle Mars blieb dabei, sie könne und wolle nicht auftreten. Endlich gelang es Talma, sie zu überreden, indem er ihr auf seine Kunstlerehre versicherte, er finde den Anzug nicht nur von einer. ausgesuchien Eleganz, sondern derselbe stehe auch seiner berühmten Collegin ganz vortrefflich. Nicht ohne Unruhe trat Mademoiselle Mars auf die Bühne. Die Lorgnetten aller Damen richteten sich auf sie, die Logenreihen durchlief ein Flüstern der Bewunderung, das bald in laute Beifallsbezeugungen überging, und von einem Munde zum anderen ging der Ausspruch: Welch' köstliche Toilette!" Am anderen Tage sprach ganz Pa ris von dem gelben Kleide der Made moiselle Mars, acht Tage später mußte jede Dame von Geschmack ein solches besitzen und seit jener Zeit ist das Gelb als eme Farbe adoprn wor den, welche man ohne Bedenken zu ei turn Kleide Wahlen darf. Ein Kirchlen. Boa Frida Schanz. Ein Kirchlein hab' ich getragen -Im Herzen, voll Glocken und Lieder. Ein Blitz hat eingeschlagen, Und niemand baut es wieder. Es standen die Schalen, die reinen. Voll Blumen, voll süßer, wilder; Mlb blickten aus gelten! Schreinen Die lieben Heiligenbilder. O duftiges Weihrauchwallen! O Schimmer von Gold und Krrzen ' 6s ist in Trümmer zerfallen. Das Kirchlcin in meinem Herzen! Bei koketten Fraue bricht das Herz geräuschvoll.

on Smnöttrg ülicr See. An der Spitze der. Hamburger Rhedereien, welche für die Auswanderer in Betracht kommen, marschirt die Hambürg - Amerikanische Paketfahrt-Ac-tiengesellschaft, deren etwas langathmiger Name jetzt in Hamburg-Ame-rikalinie" verkürzt worden ist. Sie verfügt über eine Flotte von etwa sechzig Dampfern, unter denen sich vier Schnelldampfer befinden, welche Repräsentanten der größten und schnellsten Schiffe der Welt sind. Fürst Bismarck", Normannia", Auguste Victoria" und Columbia" lauten die Namen dieser MeereswindHunde, welche den Atlantischen Ocean von Land zu Land in kaum sechs Tagen durcheilen. Der Laie kann sich schwer einen Begriff von dem Verwaltungsapparat einer solchen bedeutenAuswandererwagen. den Rhederei machen, von den Schwierigkeiten der Anschaffung und Instandhaltung des Schiffmaterials, der Hafenquai- und Dockanlagen. Dazu kommt die Sorge für die Anstellung hervorragender Capitäne, Osficiere und Maschinisten, sowie für das Heuern Tausender von Heizern, Matrosen und Arbeitern jeder Art. Den weitesten Raum nimmt' die Verwaltung für die Verpflegung der Mannschaften und Passagiere ein. Auf einer einzigen Reise sind oft 2000 Menschen zu beköstigen, von denen etwa 600 bis 800 sehr große Ansprüche an Küche und Keller stellen. Außerdem ist ein Heer von Beamten. Agenten und Hilfskräften der Gesellschaft über die ganze Erde verstreut. Zahlreiche Aerzte versehen, unterstützt von Krankenwärtern, den Dienst auf den Schiffen und in den Hospitälern und Baracken. Bei Brunshausen liegen die stolzen Schnelldampfer vor Anker, um dort, da sie ihrer Größe wegen nur unter Schwierigkeiten nachHamburg hinauffahren können, zu löschen und zu laden. Einen mächtigen Eindruck macht ein Schiff wie der Fürst Vismarck" auf den Beschauer. Hoch ragt in einer Länge von über 160Meter der schwarze h jr juj i i ijrf5fäZk 'v j Abfahrt des Tenders. Rumpf mit dem rothen Unterwasserschiff empor. Ueber das untere Promenadendeck bauen sich noch zwei weitere auf. Zwischen den beiden Masten stehen, gewaltigen Säulen gleich, drei mächtige Schornsteine. Deckhäuser, Rettungsboote. Ventilatoren unterbrechen die harmonischen Linien. An Bord selbst empfängt der Beschauer von den Salons, Rauch- und Musikimmern Eindrücke, wie er sie nur bei fürstlichen Palästen gewohnt war. Ein fast übertriebener Luzus. eine Verschwendung von Gold. Plastik und Malerei blenden das Auge mehr, wie sie ihm wohlthun. Das große, helle, luftige Zwischendeck besteht aus dem Speisesaal, in welchem Tische und Vänke für die Mahlzeiten aufgestellt sind, und den seitlich angeschlossenen Schlafkammern. Diese sind gut ventilirte. mit verschließbaren Thüren versehenen Räume, welche Betten für zwölf bis dreißig Personen enthalten. 5 25 ???i TfZZ V Einschiffung der Passagiere. Das ganze Zwischcadeck ist mit elek-, irischem Licht, sowie Dampfhcizvorrichtung für den Winter versehen, auch große Wasch- und Baderäume sind vorgesehen, und ein geräumiges, gut ventilirtes Hospital nimmt die Erkrankten auf. Das Essen ist reichlich und gut. Für die Bewegung in freier Luft steht den Zwischendecks passagi:ren ein Promenadendeck von 115 Meter zur Verfügung und imprcvisirte Bälle beim Klang der ZieyHarmonika sind nichts Seltenes. Die Zuführung der Auswanderer zu den Schiffen ist seitens des Staates und der Dampfschiffgesellschaft geregelt. In Hamburg werden die Passagiere auf, dem Bahnhof in Empfang genommen und meist auf Frachtwagen

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den staatlicherseits beaufsichtigten Her. bergen oder Baracken zugeführt. Diese Auswandererwagen bieten stets ein recht tragikomisches Bild dar. In

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Schnelldampf er. der Mitte thürmt sich das Gepäck auf. Was nehmen dieLeute für Ballast mit! Koffer, Kommoden, schwer vollgepackte Spinde und Kisten, welche häufig bei unsanften Berührung mit der Schiffswand vollständig aus dem Leim gehen. Berge von Betten, dem Stolz der deutschen Hausfrau, Kinderwiegen, Vogelbauer, Hunderte von fast unbrauchbaren Gegenständen, von denen sich die Besitzer nicht trennen mochten! Die freien Plätze zwischen den Gepäckstücken nehmen Frauen und Kinder ein. Die Ränder des Wagens besetzen die Männer, deren Beine gleich den Pendeln in einem Uhrmacherladen regellos durcheinander schwingen. Eine bunte, gemischte Gesellschaft findet sich auf solchemWagen zusammen: Bauern und Landvolk. Handwerker und Arbei ter aller Rqssen Europas; dazwischen als typische Figur der russisch-polni-sche Jude, der merkwürdigerweise sich mit seinem Kauderwelsch überall verständlich machen kann. Manche wei nen verstcchlene Thränen beim Anblick des letzten Stückchens deutscher Erde, manche starren gleichgiltig die schon fremde Umgebung an. manche wieder, die etwas auf dem Kerbholz haben, wünschen sehnlichst, so bald als möglich das Land aus den Augen zu bekommen. Der größte Theil der Auswanderer wird in den Baracken aufgenommen und dort bis zum Abgang der Schiffe seitens der Gesellschaften entweder ko--O. v vr VV I v Tanz im Zwischendeck. stenlos oder gegen geringen Entgeld verpflegt. Der besser gestellte Theil der Reisenden wird in unter staatliche Controlle gestellten Herbergen untergebracht, deren Vorschriften den AusWanderer vor Uebervortheilungen schützen. Eine große Anzahl von GeHeimpolizisten hält gewissenlose Spekulanten und andere dunkle Ehrenmänner fern. Kommt der Tag der Abfahrt des Schiffes, so werden die Passagiere der Hamburg-Amerikalinie nach den Passagierhallen am kleinen Grasbrook überführt. Dort steigen sie an Bord der Tender. Nach etwa einundeinhalbstündiger Fahrt nähert sich der Tender Brunshausen. Der schwimmende Koloß des Schnelldampfers kommt in Sicht. Bald sind beide Schiffe längseit von einander, der Zwerg schmiegt sich an den Riesen. So schnell als möglich werden die Passagiere auf den großen Dampfer, der nun für die nächsten acht Tage ihre Heimath bildet, überführt, denn Zeit ist Geld. Während noch die letzten Gepäckstücke an Bord gegeben werden, klirrt schon die Ankerkette. Die Vcntile summen, zum dritten Male läßt die Dampfsirene ihren schauerlichen Laut ertönen, dann werden alle Tender, Leichterschiffe und was sonst noch sich an den Riesen klammerte, losgeworfen. Der Anker ist hoch, die Musik spielt Muß i denn zum Städtle hinaus", und dahin dampft das stolze Schiff, das Elbwasser bis auf den Grund aufwühlend, der Strommllndung zu. Vor Cuzhaven wirft der Dampfer noch einmal Anker, um die Passagiere der ersten Kajüte, welche hier mit dem Sonderzuge von Hambürg eintreffen, an Bord zu nehmen. Nach kurzem Aufenthalte dampft das Schiff weiter. Bald zeigt nur noch eine schwache RauSwolke die Stelle am Horizont an. wo es oti deutschen Küste entschwunden ist. In den nächsten Jahren werden Schnelldampfer der Hamburg - Amerikalinie in dem neu erbauten Hafen bei (suzhaven löschen und laden und wird alsdann die um stündliche Uebersührung der Passagiere durch den Tender fortfallen. Bei den anderen HamburgerDampfschiffsllnien, welche für die Auswanderung in Betracht kommen, wird der Dienst in ähnlicher Weise wie bei der Hamburg - Amerikalinie gehandhabt. nur mit dem Unterschiede, daß die Passagiere direct in . Hamburg an Bord der Seedampfer überführt werden können, weil der geringere Tiefgang derselben es gestattet, an den Quais zu laden und zu löschen. Der Typus dieser Auswandererschiffe für i h . ; 1 imLJMJ& i pcv ri i ;n3i!ijr2 jfc tffiM Dock in H o b o k e n. den südamerikanischen, afrikanischen, ostasiatischen und australischen Dienst ist vielfack ähnlich, ja man kann .schon von einem bestimmten Hamburger Scniffsbaustll reden. In ihren Ein

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richtungen sind sie allerdings verschleden, je, nach den Klimaten, welche sie zu durchkreuzen haben. Nächst der Hamburg - Amerikalinie verdient die Hamburg - Südamerikanische Dampfschiffsahrts - Gesellschaft genannt zu werden, deren Passagiergeschäft die erstere übernommen hat. Der Verkehr und die Auswanderung nach Brasilien, Uruguay und Argentinien sind derart bedeutend, daß die Gesellschaft fast jährlich neue Schiffe baut und in Dienst stellt. Die Kos-mos-und die Hamburg - Pacificlinie nach der Westküste Südamerikas, die Kingsinlinie nach Ostasien, die Hansaund Deutsche Australische Linie, die Ealcuttalinie, die Rob. M. Slomanlinie sind gleichfalls in gewaltigem Aufschwünge begriffen. Von den jüngeren Dampfschiffsahrts - Gesellschaften ragen besonders die Woermannlinie nach Westafrika und die Deutsche Ostafrikalinie hervor. Letztere besitzt eine Flotte von Schiffen, welche für die tropischen Reisen ganz vorzügliche Einrichtungen . aufweisen. Aber in fernen Welttheilen wehen die Hamburger Contorflaggen auf eigenen Docks," Stapelplätzen, Hospitalern und anderen nützlichen Gebäuden. In Hoboken am Northriver, dem Endziel der Schnelldampfer, befindet sich das größte und schönste Dock des Hafens von New Zyork im Besitz der Hamburg - Amerikalinie. Die Gebäude von architektonisch schöner Gliederung bedecken ein gewaltiges Areal Landes. Für den westindischen Dienst

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JlhadaSPalmas. besitzt die Hamburg - Amerikalinie Dockanlagen und Stapelplatz auf der dänischenAntilleninsel St. Thomas". Von den anderen Hamburger Linien hat besonders die Hamburg - Südamerikanische Dampfschisffahrts - Gesellschaft eine bemerkenswerthe Erwerbung im Auslande gemacht, die, wenn auch nicht gerade direct, so doch indirect mit dem Auswandererwesen zusammenhängt. Die brasilianische Hafenstadt Santos, die für die AusWanderung nach der Provinz Sao Paulo besonders in Betracht kommt, wird zur Sommerszeit meist derart vom gelben Fieber heimgesucht, daß es für den Europäer recht gefährlich ist, dort längere Zeit zu verweilen. Die Auswanderer werden daher schleunigst mit der Eisenbahn in das Innere des Landes geführt. Die Schisfsbesatzung dagegen, welche sonst in anderen Häfen an Bord der Dampfer bleibt und viel fach das Löschen und Laden besorgt, wäre schutzlos der Epidemie preisgegeben. Die Rhederei' hat aber die in der Nähe von Santos im offenen Meere gelegene Insel Jlha das Palmas erworben und dort mit ziemlich großem Kostenaufwande eine Gesundheitsstation geschaffen. Läuft ein Schiff der Gesellschaft in Contos ein, so werden sofort sämmtliche Officiere, Maschinisten und Mannschaft zur Jlha das Palmas überführt, während das Geschäft des Löschens und Ladens von Eingeborenen besorgt wird. Erst am Tage der Abfahrt geht die europäische Besatzung wieder an Bord. Aehnliche Einrichtungen, wenn auch in kleinerem Maßstabe, existiren bei anderen Linien, welche inficirte Häfen in den Tropengegenden berühren. Das Auswanderungswesen hat, wie man aus Vorstehendem ersieht, erhebliche Fortschritte gegen das früherer Zeiten gemacht. Damit ist nicht gesagt, daß es nicht noch verbesserungsfähig wäre. Der menschliche Geist treibt rastlos vorwärts. Neue Erfindüngen werden noch oftmals einenUmschwunq im Schiffsverkehr hervorrufen. Jedenfalls werden aber die alten deutschen Hansastädte dabei auf dem Platze sein und ihren Ruf zu wahren wissen. m m Zwei Concurrenten. Wie viel hast Du?- Sag' ich Dir nicht." Warum denn nicht!" Sonst hast Du wieder eins mehr als ich." Im Heirathsbureau. Vermittler: Das Mädchen, welches ich Ihnen empfehle, ist sehr häuslich!Herr: Gut! Je mehr Häuser, desto besser!" Fatal. Auf den großenSteamern soll man so vorzüglich essen . . . hast Du während der Ueberfahrt viel eingenommen?" Wie haißt! Von mer gegeben hab' ich!" DieHaupiutensilien. Studiosus (eben rramatnkulirt): So, Bierkrug. Pfeife und Schläger hätten wir uns angeschafft jetzt lann's Studiren losgehen." . AnderSchmiere. Junger Schauspieler: Bei meinem crstenAuftreten war ich unbeschreiblich erreat." Und jetzt haben Sie das Oöstfieder glücklich überstanden?" Günstige Gelegenheit. Er (sehr verliebt): Emmi, ich' kann mich nicht satt sehen an Dir! Sie: Dann laß doch mal etwaZ zu essen kommen, ich habe auch Hunger.

Vreskau. Ebenso wie die Provinz Schlesien, einer der schönsten Edelsteine in Preußens Krone, größer und reicher als manches Königreich", wie weiland Kaiser Friedrich zu sagen pflegte, den Bewohnern des westlichen Deutschlands wenig bekannt ist, so selten wird auch die schlesische Hauptstadt, das alte Breslau, von ihnen besucht. Obgleich Breslau mit seinen 400,000

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R a t h h a u s. Bewohnern der Größe nach die zweite Stadt Preußens und eine der größten Städte Deutschlands ist und den offidellen Titel königliche Haupt- und Residenzstadt" führt, so trägt sie doch, bei aller großstädtischen Stattlichkeit und Lcbhaftigteit des Verkehrs, ein durchaus fchlesisch-provincielles Gepräge. Sie ist nicht wie andere gleich und minder große Städte Deutschlands, München, Dresden, Leipzig, Köln, Frankfurt, zur eigentlichen Großstadt im internationalen Sinne geworden. Die Ursachen davon sind ihre weit nach Osten gerückte, dem Westeuropäer unbequeme Lage sowie ein Mangel an denjenigenAnziehungskräften, die geeignet sind. Fremde aus weiterer Ferne anzulocken. Denn fo reich die Provinz Schlesien an NaturVlücherplatz. schönheiten ist. so darf sich doch ihre Hauptstadt reizvoller Umgebungen in nächster Nähe nicht rühmen. Sie liegt zu beiden Seiten der in mehrere Arme getheilten Oder, in einer ziemlich einförmigen Ebene, aus der, überall sichtbar. die kecke Silhouette des einige Stunden entfernten, schöngeformten über 2000 Fuß hohen, einsam aus der Ebene ausragenden Zobtenberges, des schleriscben Rigi. emporragt. Bei hellcm Wetter zeichnen sich auch die Umrisse des viel weiter entfernten und mehr als doppelt so hohen Riesengebirccs am Horizont ab. In der Nähe gibt es einige schöne alte Eichenhaine, wie denn die Eiche der charakteristische Baum Schlesiens ist, und den unter dem Namen Fürsten-Garten" bekannten großen, ehemals fürstlich hohenloheschen, jetzt städtischen Park in dem benachbarten Villen-Vorort Scheitnig. Sehr schön dagegen, schöner fast als irgend eine derartige Anlage in einer anderen deutschen Stadt, ist die sögenannte Promenade," ein stundenlanger, breiter Gürtel herrlicher, durch Wasser belebter Anlagen, welcher an Stelle der ehemaligen Festungswerke die altehrwürdige Altstadt von den weit ausgedehnten, modern-eleganten neuen Stadttheilen trennt. Von den früheren Bastionen, namentlich von der mit einem Aussichtsthurm gekrönten Liebichshöhe", hat man hübscheUeberblicke über die breitgelagerte, thurmreiche Stadt bis zu den fernen Bergen.

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Elisabethkirche. Auch in. Bezug auf Kunst darf sich Breslau. das vorwiegend Industrieund Handelsstadt ist. mit den genannten anderen deutschen Städten nicht messen, obwohl das Provincialmuseum" eine gute Gemälde- und Sculp-turen-Sammlung enthält und das Schlesische Conservatorium für Musik" eines guten Rufes geniest. Das Stadtthcater befindet sich nicht mehr auf der Höhe, die es zu den Zeiten Holtey's auszeichnete. Unter Areslaus mehr als fünfzig Kirchen sind mehrere von hohem Alter und architektonischem Werth, wie der Dom, die Kreuzkirche, St. Elisabeth. MariaMagdalena u. a. In seinem ehrwürdigen. wohlerhaltenen Rathhause befifet Areölau ein Juwel mittelalter-

licber Baukunst. Dasselbe ist reich an historischen Erinnerungen. So nahm in dem berühmten Fürstensaal Friedrich der Vroße, nach der Eroberung Schlesiens, am 7. November 1741 die Huldigung der schlesischen Stände entgegen. In seinem Souterrain befindet sich der berühmte' Schweidnitzer Keller, so genannt nach einem in der Nachbarstadt Schweidnitz gebrauten Bier, das einstmals hier zum Ausschank gelangte. Unter den älteren Vrofanbauten zeichnet sich) auch die Universität, ein ehemaliges JesuitenEollegium, durch jene Stattlichkeit und Solidität aus, die allen Bauwerken dieses Ordens eigen sind. Von neueren Gebäuden sind das Schloß, das Stadthaus, die Regierung, das Generalcommando, der Justizpalast, der Centralbahnhof, die Synagoge, die Börse, das Museum, das Stadttheater, das Landschaftsgebäude bemerkenswerth. Das letztere ist ein aroßartm angelegter, wahrhaft fürstliche Räume darbietender, ehemals gräflich Henckel v. Donnersmarckscher Palast, in schöner Lage an der Promenade und gegenüber der Liebichshöhe." UeberHaupt besitzen nicht wenig Familien des hohen schlesischen Adels, der es mehr liebt, in der Hauptstadt der heimischen Provinz, wo er mehr unter sich- ist, als in Berlin den Winter zu verleben, Paläste oder Häuser in Breslau. Der Palast des FürMschofs befindet sich ebenso wie die Curien der Domherren,

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Lessingbrücke. auf der Dom-Jnsel, wo sie mit verschiedenen Verwaltungs- und Stiftungsgebäuden einen eigenen Stadttheil bilden. . Auf den Straßen und Plätzen Areslaus, von denen die letzteren, namentlich der Ring, der Blücher- und der Tauenzienplatz, mit den Standbildern preußischer Könige und Feldherrn geschmückt sind, pulsirt zwar ein äußerst reges Leben und Treiben, das Kennzeichen von gedeihlicher Blüthe eines Volkreichen Gemeinwesens, aber überall hört man nur die schlesische Mundart, und Breslau ist und bleibt doch nur eine große Provincialstadt. Automatisches Busset. Ein Selbstverkäufer, der außer seiner großen Einfachheit mehrere andere große Vorzüge besitzt, befindet sich seit einiger Zeit in Berlin im Gebrauch. Wie unsere Abbildung zeigt, sind die Waarenpäckchen hinter einander , auf einer schiefen Ebene gelagert, deren vorderer Theil bei Einwurf einesGeldstückes gedreht wird, wobei die auf demselben befindliche Waare nach vorn aus dem Apparat herausgleitet, während ein Nachrutschen des Waarenvorrathes von dem in die Höhe gehenden hinteren Ende des drehbaren Theiles der schiefen Ebene verhindert wird. Diese einfache Idee bringt außer der dadurch ermöglichten Billigkeit der Ausführung des Apparates noch fol-gende-Bortheile mit sich. Zunächst kann in dem Raum unter der schiefen Ebene eine Heizvorrichtung, z. B. für warme Würstchen, oder auch eine Kühl-Vor-richtung. z. V. für Cognac oder Vlumen, untergebracht werden. Ferner gestattet der Apparat den Verkauf aller denkbaren Gegenstände von nicht allzu großem Umfange, und schließlich ist vom Standpunkte des Besiers entschieden als vortheilhaft zu bezeichnen, daß die Waaren ohne Umhüllung vor den Augen der Käufer liegen und die Verlockung zum Kaufen daher eine wesentlich stärkere ist als bei den bisher bekannten Systemen. Der Automat, der namentlich fürBahnhöfe. aber auch für andere Localitäten eine Zukunft zu haben scheint, kann in beliebiger Größe hergestellt werden. Ein solches Büffet für achtzig Geldeinwürfe ist 4 Yards breit und hat für 440 Verkaufsgegenstände Raum. Offen. . Sie wollen meine Tochter heirathen? Es ist mein einziges Kind. Desto besser! Da giebt's nachher keine Erbschasts - Streitigkeiten! TäuschungausGewohnheit. Schneide? einer Universitätsstadt (sich umdrehend): Meine Herren, ich verbitt' mir endlich das dumme Gemecker hinter mir Jessas! Das sind ja wirkliche Ziegen!" Höchster Grad. Jungn Zahnarzt: Ach, Elli. ich liebe Dich leidenschclstlich, glühend, rasend Dir wurde lch alle Zahne umsonst ausziehen! Kindlich. Vater, rathe mal, was wir heute zu Mittag be kommen es fängt mit einem mJl an!" Rindfleisch? .Nein!" Rüben?" Nein!" .Roulade? Nein!" Ja, dann weiß ich's nicht!" Erbsen!" .

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Ein Sicg der ZntcMgcnz. Sie," sagt der Förster Lügner zu den Stammgästen im Hirschen, w:il die Rede gerade von den Affen i ich hab' auch einmal einen gehabt .... aber was lachen S' denn? Was, ich hätt' fchon unzählige gehabt? Ich muh schon bitten meine Heven, daßSie mich mit Doppeldeutigkeiten auslassen, der Äff' war von Fleisch und Blut!" Also nochmals! Ich hab' einmal einen Affen g'habt . meine Herren jetzt verbitt' ich mir aber ernstlich, daß Sie lachen . . ., den hat mir mein Graf in die Dressur gegeben, weil er sich zu ungebildet aufgeführt hat. Selbstverständlich hat er sein Benehmen auch bei mir fortsetzen wollen ich bin ihm aber gekommen, wie Sie gleich hören werden. Schon bei der ersten Strafpredigt also hupft der unverschämte Kerl auf meine Bücherstellage und macht mir ei ne lange Nase! Einem andern wie mir wäre natürlich sofort die Geduld ge

rissen, er hätt' die Hundspeitsch' ge. nommen und das Luder furchtbar vechau'n nicht so ich. So ein gewiegter Abrichter läßt sich zu keiner unvernünftigen Handlung, welche den Trotz der Bestie herausgefordert hätte, hinreißen, o nein, da muß man erzieherisch wirken. die Ueberlegenheit des menschlichen Geistes thierischer Unvernunft gegenüber ins Treffen führen und der Siez bleibt nicht aus! Ich schau' ihm also ganz ernst in seine grinsende Fratze, heb' langsam die Hand und mach' ihm auch eine lanae Ras'! Wie ich ihn das nächste Mal ad coram nehmen will, macht der Kerl schon mit beiden Pratzen das alteManöver ich aber nehme diesmal meine beiden Hände. Kurz darauf bin ich wieder mit ihm unzufrieden, kanzel ihn ab und denk', diesmal langt es sicher, als er vom Kleiderschrank herunter mit seinen beiden Händen und einem Fuß eine Riesennase heruntermacht ! Jetzt hätten S' aber sehen sollen, wie mein einer Stiefel in die Eck' g'flogen ist, wie ich ebenfalls mit zwei Händen und einem Fuß ich trag' sogenannte Fingerstrümpfe eine Mordsnas'n &ß .j zu ihm naufg'macht hab! Quitt waren wir. aber luck hat er net lassen; das nächste Mal nimmt er auch noch seinen andern Fuß! Es wär' ja nicht gefehlt gewesen aber g'rad' an dem Tag hab ich am einen Haxen das Podagra g'habt und so hat das Luder einen halben Tag lang auf mich armen Kerl, der ich hilflos im Lehnstuhl liege, lange Nasen mit zwei Händ und zwei Füß' heruntergemacht. Meine Wuth können Sie sich denken ich hab' nur einen Gedanken gehabt: das mußt du dem Luder unbedingt heimzahlen! Richtig bin ich auch durch angestrengtes Nachdenken auf ein famoses Mittel zum Zweck gekommen und jetzt werden S' spitzen! Während der Äff' nämlich g'schlafen hat, hab' ich mir von meiner Haushälterin meine Sonntagsbuckskinhandschuhe kommen lassen, die hab' ich dann mit Werg ausg'stopft und in das Loch, in das man schlupst, je ei nen Stock g'steckt und diese dann je in einen meiner Aermelschlitze. Nun hab' ich mit meinem gesunden Fuß nach einem Schlappschuh geangelt und, wie ich ihn hatte, hab' ich ihn dann in sicherem Wurfe dem Affen an den Schädel geschmissen. Ganz wie ich mir dachte, zeigt mir der gleich seine Zähne und macht die vierhändigc Nas' jetzt aber kam der große Moment: Ich heb' langsam und feierlich meine zwei wirklichen Händ mit den in den Armen befestigten, ausgestopften . Handschuhen an meine Nas' und meinen gesunden Fuß laß ich die Spitze machen . . . Herrgott, den Affen hätten S' sehen sollen! G'schaut hat er wie net recht g'scheit und als dann auch noch mein krankes Bein von mir triumphirend gegen ihn als Reserve ge schwungen wurde, da hat er genug gehabt, hat den Schweif eingezogen und sich drei Tag lang nimmer seh'n lassen Nasen hat er aber nie mehr ge macht! Sehen S das heißt man. t nen Sieg der Intelligenz!" -KeineWahl. A.: Du hast Deine Schwiegermutter im Hause und bist damit zufrieden?- Ö.: Ich muß zufrieden sein!" Ach so. A.: Kennen Sie den Herrn dort genauer? B.: Jawohl, ein einsilbiger Mensch. A.r Das kann ich gar nicht sinden. B.: Na, er heivt dsch Schulz. ........

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