Indiana Tribüne, Volume 20, Number 80, Indianapolis, Marion County, 6 December 1896 — Page 3

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CrzZlzlunz von Henning van Horst.. (G. Forlschung.) Händeringend, in Verzweiflung n,sN Ijc i ;t rts 1 1 f ' imjiu iu; voi qx. nane taj eineil Salat angerührt! Daß die Kleine mich fo abblitzen lassen könnte, war mir nie in d?n Sinn gekommen. Doch über verletzte Eitelkeit und gekränktes Selbstgefühl überwog weit eine andere SCmw?:V V fr ...t' t i r. iiuyjiuimng, oic umpjinoung liefen -eelenschmerzes. Mir war, als zerrisse plötzlich ein dichter Schleier vor meinen Äugen, und ich vermochte mem Inneres, mem Herz klar zu durch schauen. Und wie L6onie vor mir stand in der Würde der gekränkten Jungfrau, des durch mich tief verletz ten Mädchens, da war es nicht Reue, nicht Zorn gegen mich selbst, der über mich kam. sondern das Bewußtsein, daß ich es liebte, seit lange liebte, dies holde Kind, und daß ich mir in meiner Windbeutelei von diesen innersten Gefühlen meiner Brust keine Rechenschaft abgelegt hatte. Blitzschnell jagte in meinem Hirn eine Vorstellung die andere, und plötzlich sank ich vor ihr in die Kniee und preßte meine Lippen auf eine Falte ihres Kleides. Verzeihung, theure Lonie," flehte ich, fern lag es mir, Sie kränken zu wollen. Die Worte, die Sie zu mir sprachen, waren ungerecht, ich habe sie nicht verdient. So hören Sie denn d23 Geständniß meiner Liebe! Ja, Fräulein L6onie, ich liebe Sie von ganzer Seele und frage Sie, ob Sie meine Frau werden wollen?" Ich hatte sehr langsam gesprochen, die Stimme drohte mir vor Erregung zu versagen. Lonie hatte Zeit, ihre Fassung wieder zu gewinnen, und Sie erwiderte prompt: Herr Neumann, Ihr Antrag überrascht mich nicht wemg. Wenn es so mit Ihnen steht, will ich Ihnen meine Verzeihung gewähren und nehme die bitteren Worte, die ich vorhin gesprochen, zurück. Aber was Sie da eben gesagt haben, Herr Neumann, das geht nicht. Es ist ja Unsinn! Stehen Sie doch nur erst auf und reinigen Sie Ihre Beinkleider, was könnten die Uebrigen sonst davon denken? Froh miteinander verkehren und heirathen sind doch zwei ganz verschiedene Dinge. Und einen Preußen kann ich nicht heirathen, Herr Neumann. Mit meiner Kousine Marie ist das ganz etwas anderes, die schwebt überhaupt in höheren Regionen, die ist eine Philosophin, aber ich glaube, schwer genug wird es ihr auch noch werden. Ich kann auch keinen Protestanten heirathen. denn dann käme ich ja in die Hölle; Marie scheint sich freilich daraus auch nichts zu machen. Endlich würden meine Eltern auch niemals ihre Zustimmung zu der Partie geben, namentlich, da wir noch gar nicht einmal wissen, wie viel Vermögen Sie besitzen. Und so kann ich nicht umhin, Herr Neumann, Ihren mich ehrenden Antrag abzulehnen w schloß sie mit einem zierlichen Knicks. Ganz verblüfft über diese Schlagfertigkeit stand ich da. Die unschuldige Koketterie, mit der sie schloß, hatte elwas Fas,nnirendes, und doch lag ein Hauch jungfräulicher Scham über ihre Züge gebreitet; der Zorn schien verraucht. Hatte ich nicht mit meiner frivolen Donquichotterie alles verdorben? Ihr, die ich liebte, tiefes Herzeleid zugefügt, ihren Stolz mächtig erregt? Meine Gedanken kräuselten sich zusammen in ein Knäuel der Verdüsterung. Jetzt zeigte sich, daß mein Herz doch viel tiefer verwundet war, als ich gedacht und gewollt hatte. Und nicht ich hatte den Bogen gespannt und den Pseil auf die Sehne gelegt im Spiel unserer Tändelei, nein, sie hatte es gethan und nur zu gut getroffen, freilich ohne Absicht. Ich hatte die Grube gegraben und war selbst hineingeglitten, ganz sachte und allmählich. Jetzt wußte ich wenigstens ganz genau, was ein Korb sti, und in diejer Empfindung gingen meine Gedanken zu Ende. Ich muß verzweifelt dumm ausgesehen haben, oder vielmehr dumm und verzweifelt zugleich. Es war eigentlich so gar keine Rolle, die für mich paßte. Eine Pause der Verlegenheit, des peinlichen Schweigens war eingetreten, ich glaubte Mitleid in ihren Blicken zu lesen. Da ward mir ein tiefer innerer Seufzer, wie er meiner ureigensten Natur angemessen war, zur befreienden That. .Was kann da sein? sprach Lö'wenstein," sagte ich zu mir selber, trat auf Lckonie zu und bot ihr den Arm mit den Worten: Darf ich Sie zurückführen, mein gnädiges Fräulein?" Sie nahm den Arm, und schweigend schritten wir dahin. . Lonie brach das Schweigen zuerst. .Ich denke, wir bleiben doch, Freunde. Herr Neumann sagte sie fast zärtlich. .Meine Gefühle für Sie. Fräulein L6onie, werden immer die gleichen sein erwiderte ich pathetisch. Und das junge Mädchen, da? mir so tiefe Wunden geschlagen, nahm jetzt auch die Heilung dieser Wunden in die Hand, und diese Thätigkeit des Samariters war wiederum - eine unbewußte. . .HerrReumann," begann sie, nachdem diese Aussprache .zwischen uns stattgefunden hat. wird es mir möglich sein. Ihnen das Geheimniß anzuvertrauen, das ich vorhin angedeutet habe. Wollen Sie es noch hören? Mir begann daö Herz wieder starUx zu klopfen. Sollte dort des Rathsels Lösung winken? Wenn Sie mir Ihr Vertrauen schenken wollen, so werde ich mich desselben nicht unwerth zeigen," rief ich hastig. .Sie wissen doch, daß ich nach El-

boeuf reisen will, meinen Onkel, den

Gurt, zu besuchen?" Mir ist keins Ihrer Worte ent gangen, Fräulein L6onie .So vernehmen Sie denn den tief geheimmßvollen Zweck dieser Reise. aber schworen Sie. ihn keinem sterbli chen Ohr zu verrathen." Ich mußte lachen. Sie wissen vielleicht noch nicht, daß es von einem jungen Mädchen sehr weise gehandelt ist. sich einen guten Mann durch einen befreundeten Eur6 aussuchen zu lassen, und heirathen will man mit der Zeit doch auch emmal! Ach. so ein Leben lang bei der Mutter zu sitzen, noch dazu rn Chatelard, es mußte entsetzlich sem, HerrNeumann! Ich machte gewiß sehr große Augen. Mein Onkel war im Herbst, ehe sich der Krieg in unsere Gegend gezogen hatte, bei uns zu Besuch. Da habe ich vertraulich mit ihm über die Sache gesprochen. Sie sehen, hier m Chate lard ist doch Niemand für mich, ader m Elboeuf sind die Sohne der reichen . i n.. . ' yaoriianien. Jcy fragte alo meinen Onkel, ob er nicht einen netten und recht soliden jungen Mann für mich wisse. Das eben ist der Vortheil, durch einen Euro für sich wählen zu lassen, weil er die jungen Leute ganz genau kennt, es sind rn seine Beichtkinder. Sie glauben aber gar nicht. Herr Neumann, wie unsolide viele unserer jungen Männer sind, ganz schrecklich unsolide! Ich sagte meinem Onkel dann zerner, daß ich eine Rente von zwanzigtausend Franken verlange ich om ja das einzige Kmd meiner Eltern, und die haben auch ein hübsches Vermögen und daß mein Mann nach der Hochzeit nach Paris ziehen müsse, denn in Paris will ich leben, so in der Provinz, das ist doch zu stupide. .Mein Onkel horte aufmerksam zu und versprach mir. sich umzuthun. Die Eur6s thun das namllch gerne, sie lieden es, überall ihre Hände etwas drm zu haben. Im Januar, ehe Sie nach Chatelard kamen, traf denn auch ein Brief von meinem Onkel ein, daß er den gewünschten jungen Mann für mich gefunden habe, auch lag eme Photographie bei, die mir sehr gut ge fiel. Sie können es mrr glauben, wenn der Cur6 den Mann aussucht, so gibt es eine glückliche Ehe! Das ist mir die Hauptsache! Mein Bild hatte der Onkel bei seiner Abreise gleich Mitgenommen. Bei meinem Besuche soll nun die persönliche Bekanntschaft gemacht werden. Sie sehen also, Herr Neumann," schloß sie, daß ich eigentlich so gut wie versprochen bin. Sie sind aber auch der einzige Mitwisser meines Geheimnisses. meinen Eltern oder Marie habe ich kein Sterbenswörtchen von der Sage gesagt. Mit offenem Munde hatte ich diese Offenbarung praktischer Weltweisheit angehört. Das also waren die Träume, die dies reizende Köpfchen erfüllten! Heilige Romantik! Diese Enthüllungen waren allerdings Medxztn für mein wundes Herz, nun konnte die Genesung nicht lange ausbleiben. Ja. ja. Liebe ist eine Frucht, die von selbst reift, auch im Schatten, hat irgend em berühmter Philosoph einmal gesagt. Unser Gesprach wurde jetzt wieder ganz sidel. Wir redeten über die lachende Landschaft, über die Himmelsschlussel, über die Amseln und was uns selbst noch aufstieß. Etwas drohnen und klappern fühlte ich es wohl immer noch tm Kopfe, doch es ward von Minute zu Minute besser damit. Als L6ome in ihrem Geplauder die Tänzer auf den Bällen zu Chatelard durchging, war ich sogar nicht immer ganz aufmerksam. Mir summte ein Vers durch den Kopf, den ich nicht los werden konnte, es waren die Worte: tt NtT oll. Ctück für Stück, Fällt ad tti würbet Sanitr. Freilich dachte ich dabei an eine ganz andere Bedeutung des Wortes Koller, als der selige Bürger. Nun, em leichtes Herz kennt keinen langen Schmerz! muß auch ein Philosoph gesagt haben. Ich wurde immer vergnügter und kam zuletzt sogar in die Stimmung, Lonies Arm wieder etwas zu pressen. Bei der bekannten Biegung des Weges entzog sie mir ihn natürlich, und wir wanderten forthin ehrbarlich mit einem Schritt Abstand. Zwölftes Kapitel. Als ich noch mit L6onie im Walde war, glaubte ich irgendwo einen Schuß zu hören. Nachdem wir jetzt wieder das freie Feld betreten hatten, fielen deut lich zwei Schüsse in nicht langer Zeit hintereinander. Sie schienen von oden. von der Nmne her zu kommen, was mich beunruhigte. Petersens Aussehen gefiel mir seit einiger Zeit gar nicht, er war außerdem gegen mich verschlossen. fast unnahbar, wie ich ihn sonst nicht kannte. Ich wußte, daß er immer einen kleinen Revolver in der Tasche trug, wenn er einen weiteren Ausflug machte, und Pistolenschüsse waren es gewesen. Kurz, die Sache war mir etwas unbehaglich. Wir waren unter der Ruine angekommen, da hörten wir uns von oden herab anrufen. Ich erblickte Petersen zwischen dem Gestrüpp wilder Rosen nd Brombeeren, welche v:e Trümmer überwucherten. Er winkte heftig mit beiden Armen. In raschen Sprüngen eilte ich den Hügel hinan, Löonie folgte. Was mochte geschehen sem? Nachdem Karl und Marie sich von uns getrennt. hatten, rasteten sie zunächst bei der Ruine. Es war windstill und die Sonne brannte so heiß, daß sie sich aus eme der verwitterten Mauern setzten. Die Aussicht von da oben war hübsch. Links das Silberband des Flusses rn seinem Wlesenbette, vorne zu den Füßen der Meierhof mit dem Teiche, etwas weiter daö

freundliche Dorf La Chapelle dies alles vereinigte sich, in Sonnengold getaucht, zu einem freundlichen Bilde, und darüber stiegen zwei Lerchen

schmetternd m die Lüste. Maries Auge ruhte beglückt auf der Lcmdschaft. Wie schön sagte sie. indem sie die Hand desBerlobten in die ihrige nahm. lst es, daß wir allein, ganz für uns, dies genießen können. In diesem Augenblicke wünschte ich mir. dichten zu können, um Dir verständlich zu machen. was mein Herz erfüllt.Was wir miteinander durchleben, ist es nicht Dichtung und Wirklichkeit zugleich, berauschender, schöner, als die packendste Lyrik?- versetzte Karl. Du bist meine Liebe, mein Alles, meine Welt," flüsterte Marie, indem sie das Haupt an feine Schulter lehnte. Als sie so an ihn gelehnt dasaß, fühlte er ihr Herz in mächtiger Erregung klopfen, der Puls ihrer Hand, die er in der seinigen hielt, hämmerte sieberhaft. Doch über ihr Antlitz hatte sich ein sanfter, seelenvoller Glanz gelagert, eine milde Freude, der Ausdruck reiner und seliger Befriedigung, wie der Sonnenschein über der Landschaft. Da zitterte eine Thräne in ihrem Auge. Was ist Dir, mein Lieb?- rief er bestürzt. Hast Du einen heimlichen Kummer? Warum erzählst Du mir nicht davon?" Marie preßte ihre Hand aufs Herz, als ob sie dort einen Schmerz fühlte. Konntest Du wohl einmal mit mir weinen?" fragte sie, und als sie ein Lächeln seine Lippen umspielen sah, lachte auch sie unter Thränen. Dann schwiegen ne beide, und je länger das Schweigen anhielt, um so tiefer war ihre Empfindung des Zusammengehörens und des unauflöslich Verbundenseins. Das Glück schien Heu te bei ihien eingekehrt und in ihnen zu wohnen. Die Sonne sank und der sich erhebende leichte Wind machte Marie ein wenrg frösteln. Sie erhob sich und schlug vor, auf dem waldbedeckten Rücken etwas weiter zu gehen. Nun wollen wir uns einmal einHilden," sagte sie, indem isie 'sich auf Petersens Arm stutzte, wir hatten uns in einem Zauberwalde verirrt, in einem Labyrinth hoher, undurchsichtiger Büsche, zwischen denen alle die engen, gewundenen Pfade immer auf 'ein Plätzchen zurückführen. Auf diesem Platze aber stünde eine uralte Eiche, und in den Zweigen der Eiche wohnte eine Dryade, und diese Dryade Ware die Göttin unserer Liebe! Wir knieen nieder unter dem Laubdach des Baumes. und plötzlich fühlen wir unsere Seelen vertauscht. Aber nein, so ist es nicht, die Göttin hat unsere' Seelen verschmolzen in eine einzige, und dann theilt ne wieder diese und gibt jedem von uns die Hälfte, und so bekommen wir ganz gleiche Seelen. Fortan denken wir immer die gleichen Gedanken, haben die gleichen Gefühle und sind einig in allen Fragen. Wäre dies wohl möglich, und wurden wir uns dabei wohl glücklicher fühlen als jetzt?" Ich glaube es kaum.- entaeanete Karl, siehst Du. der Reiz der Liebe besteht in den Gegensätzen, die sich anziehen. Kann es eine größere Liebe geden als die unsnge, und sind größere Gegensätze denkbar an Nationalität. Religion, Temperament und Geist? Ich fürchte fogar. mein Schatz würde bald ansangen, sich zu langweilen, wenn die Dryade wirklich Ernst mächen sollte mit der Ausgleichung unserer Seelen.Sie befanden sich noch zwischen dem Gestrüpp, das die Ruine mit dem Walde verband. Da machte Marie Halt, ergriffKarls Arm und wies mit der andern Hanv aus emen dürren Brombeerstrauch vor ihnen. Dort hockte ein Thier am Boden und beobachtete sie. Karl sah nach der bezeichnetenStelle. Es ist ein wildes Kaninchen," faa te er leise, warte nur, wir wollen einmal sehen." Er griff m die Hintere Tasche des Waffenrocks und entnahm ihr einen kleinen, in Elfenbein gearbeiteten Revolver. Rasch schob er rne Sicherung zurück und richtete die Waffe auf das Kaninchen. Mit einem Satz flog das Thier davon, der Schuß knallte hinterdrein, ohne zu treffen. Hier sind gewiß mehr Kaninchen ¬ sagte Karl, laß uns vorsichtig weitergehen." Mlt vorgestrecktem Revolver ward die Umgegend abgesucht, aber kein Wild ließ sich mchr blicken. Marie ward der Sache müde und mahnte zur Umkehr. Als sie wieder bei der Ruine waren ließ Marie sich den Revolver geben und betrachtete ihn genau. Karl setzte ihr den Mechanismus und die Art der Handhabung auseinander. Plötzlich sah er sie erbeben. Ihre Hände zitierten so heftig, daß .er Zugriff, um die Waffe vor dem Hinfallen zu bewahren. Hast Du damit einen Menschen geiödtet?" fragte sie, wie von innerer Angst dnzehrt. Karl beruhigte sie lachemd. Nein," sprach er. kein Geschöpf. weder Mensch noch Thier, hat sein Leben durch dieses niedliche Instrument verloren. Es ist nur em Taschenrevolver, den ich gewöhnlich zu mir stecke, wenn ich allein ausgehe, und der Nachts vor meinem Bette liegt. Auf dem Marsche trage ich umgeschnallt einen viel größeren." Ich möchte gern einmal schießen, sagte Marie, ich habe noch nie eine Waffe abgefeuert." Karl riß em Blatt aus semer Brieftasche und befestigte es mit einer Stecknadel, die Marie ihm reichte, an der rissigen Borke eines Baumstammes. Dann ließ er Marie sich zehn Schritte

entfernt davor stellen, unterwies sie im Zielen und sie drückte los. Die Kugel pfiff am Stamme vorbei. Ja, siehst Du. das will alles erst gelernt szin," rief er heiter. Gehe jetzt einmal auf fünf Schritte heran!" Marie gehorchte, schoß wieder, und nun saß die Kugel mitten im Papier. Ins Herz getroffen!" rief sie. Jetzt stecke aber den Revolver wieder zu Dir, ich mag nicht mehr damit schießen. Es ist doch ein Mordinstrument!" Kaum hatte Marie diese Worte gesprochen und Karl die Waffe gereicht, als sie mit tiefem Aufseufzen die Hand gegen die Brust preßte und zurücksank. Der rasch hinzuspringende Karl fing sie in den Armen auf. Sie war bewußtlos. Er ließ den Körper sanft zu Boden gleiten und bettete das wachsbleiche Haupt in seinen Schoß. Sie regte sich nicht, nur die Brust hob und senkte sich in unregelmäßigen Athemzügen. Karl war aufs Aeußerste erschrocken. Er wußte auch nicht, was er beginnen sollte, er rieb ihre Schläfe, ihre eiskalten Hände. Wasser war nicht in der Nähe, sein Rufen verhallte ungehört. Endlich schlug Marie die Augen wieder auf. Wo bin ich?" murmelte sie, wild umherblickend. Als ihr Auge auf Karl fiel, schreckte sie fast zusammen, und ein tiefes Stöhnen entquoll ihrerBrust. Auf Karls freundlicheWorte entgegnete sie: Ich glaubte, ich fei gestorben. Es war ein so" gräßlicher Schmerz, der ist jetzt vorüber. Aber matt bin ich. todesmatt, ich weiß nicht, wie ich fort-

kommen soll. Könntest Du nicht Hilfe holen, mein Karl?" Ich verlasse Dich nicht, Theure, ehe ich nicht gewiß bin, daß Du Dich erholt hast," antwortet Karl. Hoffentlich kommen die Kräfte schnell wieder. Deine Hand wird schon wärmer. Hattest Du schon mehrfach solche Ohnmachtsanfälle. Du Liebe?" Ich habe nie etwas Aehnliches emPfunden," versetzte sie mit schwacher Stimme, ich glaubte wirklich, es ginge zu Ende. Ich suhlte mich von einem kalten Nebel umwoben, in dem ich abwärts sank, immer tiefer und tiefer. Dabei verfolgte mich unablässig ein fürchterliches Augenpaar, dessen Flammen den Nebel durchdrängen. Endlich wußte ich nichts mehr. Aber hörtest Du nicht sprechen? Mir ist. als ob Lonies Helles Lachen herauftönte.Karl lehnte den Rücken der Kranken sorgfäliig gegen ein moosgepolstertes Felsstück und sprang auf die Mauer. Er sah uns unten den Weg entlang kommen, rief und winkte uns heraus. Was ist geschehen?- rief ich. Wo ist Marie? Sie hat doch nicht In ein paar Sätzen war ich an ihrer Seite. Eine kleine Ohnmacht, nichts we:ter!" lächelte sie mir trübe zu. Ein Stein war mlr.öon der Seele gefallen. Wie kann man sich auch nur so dummes Zeug einbilden! . Jetzt kam auch L6onie heran und bemühte sich liebevoll um Marie. Diese verlangte durchaus, sich zu erheben, während Karl und ich ihr vorschlugen, sie nach dem Hof zu tragen. Es entspann sich ein kleiner Streit, dessen Ende war. daß Marie, auf unsere Arme gestutzt, selbst zu gehen versuchte. Es gelang ihr auch, anfangs zwar nur langsam, doch kehrte.: die Kräfte allmählich zurück. So anlangten wir ohne weiteren Unfall bis ins Haus und brauchten Herrn und Frau Tailland nur zu erzählen, daß Marie unterwegs von etnem leichten Unwohlsein befallen worden wäre. Sie nahmen kaum Notiz davon; beide schwammen in Gluck über ihren vortheilhaften Kauf. Dann gings nach Chatelard zurück. DreizehntesKapitel. Die nächsten Tage waren voll Aufregung für das deutsche Heer wie für die Bewohner des schönen Frankreichs. Am 26. Februar lief der Waffenstill. stand ab, und wenn bis dahin die französischen Unterhändler im Hauptquartier Don Versailles, Thiers und Jules Favre, sich nicht entschlossen hatten, die vom Grasen Blsmarck ihnen unterbreiteten Friedensbedinaunaen anzunehmen, begannen die Feindseligleiten von Neuem. Wir waren alle davon durchdrungen, van Frankreichs Zlderitanoskraft völlig gebrochen sei, daß nur der Wahnsinn daran denken könnte, noch einmal an die Entscheidung der Wasfen zu appelliren. Der Friede mußte ja geschlossen werden, und unsere braven Jungen träumten von nichts und redeten von nichts als von der Heimkehr. Die große Mehrzahl , der Bevölkerung dachte nicht anders. Es war endlich genug des Gemetzels und der Verheerung, des . Darniederliegens der meisten Geschäfte und Erwerbszweige. Sie wünschte den Frieden, mochte er kosten, was er wolle. Nur waren ihnen diejenigen Friedensbedingungen die erwünschtesten, welche den geringsten Steuerdruck nach sich ziehen würden. Etwas anders stand es um die Stimmung unter den Gebildeten des Landes. Auch sie wünschten den Frieden, aber, setzten sie stets hinzu, den Fri den mit Ehren. Sie ließen auch keinen Zweifel darüber, was sie hierunter verstanden. Sie räumten ein, daß Frankreich die ungeheuren Kosten des Krieges werde tragen müssen, allein sie geriethen in zornigste Aufwallung, wenn angedeutet wurde, daß Deutschland doch wohl berechtigt sei, auch noch andereEntschädigungen als Preis seiner in der Geschichte beispiellosen Siege zu fordern. Die Abtretung des kleinsten Landstriches im Elsaß, erklärten -sie für schlechterdings unmög-

' 11 j -v i'.gr lich, für unverträglich mit der Ehre und Würde Frankreichs, das den Untergang solcher Schande vorziehen würde. Wälnd in den oberen Räumen des Caf6 du Commecce sich die Offiziere versammelten, kannegießerten unten die Honoratioren. Es war dort ein Stammtisch, der während des Nachmittags niemals leer wurde. Der Fricdensrichter, der Apotheker, zwei Aerzte, einige Advokaten und verschiedet: Kaufleute, unter denen auch HerrTailland, fanden sich dort ein. Hier waren immer die neuesten Nachrichten zu haben. d. h. die Neuigkeiten, wie siePresse und Telegraph dem französischen Volke zugehen ließen und die mit der Wahrheit gewöhnlich nicht ganz im Einklänge standen. Anfänglich hieß es, die Namen der Unterhändler leisteten Bürgschaft dafür, daß ein Friede, der die Billigung des ganzen franösischen. Volkes finden würde, zum Abschluß gelangen würde. Dann klang es flauer: man möge ruhig sein und sich darauf verlassen, daß

Thiers und Favre alles erreichen wur den, was erreichbar sei. Endlich brach ien die von Gambetta inspirirten Blät ter die ungeheuerliche Nachricht. Bis marck fordere die Abtretung von ganz Elsaß und ganz Lothringen an Deutschland, außerdem zehn Milliarden Franken Kriegskontribuhon, so wie Frankreichs Verpflichtung, fortan seine Armee auf HunderttausendMann zu reduziren. Dies Gerücht wirkte wie ein Alarmschuß oder wie eine zerspringende Bombe, und alle die genannten Herren waren einig darin, daß ein Friede um diesen Preis die Abdankung der französischen Nation bedeute, daß der Krieg wieder entbrennen müsse bis aufs Messer, wie Gambetta ihn täglich predigte, sollte auch Frankreich in. einen Schutthaufen verwandelt werden. Bei den Gesprächen in unserm Kasino sah man der Entwicklung der Dinge mit Ruhe entgegen. Man wußte die Zügel der Diplomatie in den sichersten Händen, keinem Zweifel konnte es unterliegen, daß Kaiser Wilhelm und Bismarck die einstimmige Forderung aller deutschen Patrioten zu der ihngen machen würden, dasjenige nachzuholen, was 1815 durch die Eifersucht der Mächte vereitelt worden war. nämlich die Wiedervereinigung desElsaß und wenigstens des deutschredenden Theiles von Lothringen mit dem Deutschen Reiche. Und als in unsern offiziösen Blättern Andeutungen darüber erfolgten, oaß bei der Grenzregulirung zwischen Deutschland und Frankreich darauf Bedacht zu nehmen sei, unser Vaterland militärisch derart zu sichern, daß künftig ein frivoler Ueberfall durch den unruhigen Nachbar ausgeschlossen sein würde, da wurden diese Andeutungen richtig dahin verstanden, daß nicht nur die Abtretung Straßburgs, sondern auch diejenige von Metz ins Auge gefaßt war. Natürlich wurde dies mit Jubel begrüßt, denn wir alle waren erfüllt von dem Verlangen, einen Siegespreis heimzubringen, der ein würdiger Lohn war für unser gewaltiges Ringen, unsere unerhörten Anstrengungen. Sollten aber die. augenblicklichen Machthaber verblendet genug sein, diese unsere gerechte Forderung abzulehnen nun, wir waren bereit! Als der 26. Februar heranrückte, ohne daß die Unterhandlungen in Versailles zum Abschluß zu kommen schienen, wurden alle Vorbereitungen getroffen, den Feldzug von Neuem zu eröffnen. Wir machten uns marschfertig. Die Patronen der Mannschaften wurden ergänzt. Bis ins kleinste wurden alle Dispositionen getroffen, um mit der Stunde des Ablaufs des Waffenstillstands den Vormarsch zu begmnen. Die äußerste Entrüstung . spiegelte sich in den Mienen und Reden derSoldaten. Sie. die so fest gehofft hatten, bald wieder am häuslichen Herde zu sitzen, kannten die Vorbereitungen zum Waffentanze nur zu gut. Eine dumpfe Wuth bemächtigte sich aller' selbst der Gutmüthigsten, eine finstere Entschlafsenheit, endlich einmal dieser leidenschaftlichen Nation zu zeigen, was es stuf sich habe mit dem bis zum Aeußerften gereizten germanischen Zorn. Mein Bursche Johann Möller war gar nicht wieder zu erkennen. Ich traf ihn im Garten, als sein Gewehr putztr und auf eigene Hand Zielübungen aupellte. Hen Feldwebel," sagte er. und die grauen Augen blitzten unheimlich unter den buschigen Brauen, wenn dat wedder losaeiht, denn schlag ik allens kort und klein. Dit Volk wi sünd vel tau god west gegen de Rackers! Se hebben noch nich naug. de Puckel juckt se wohl ümmer noch! Aewer laten's dat man blos wedder losgahn. de sallen uns kennen lihren. Wi hebben uns all dat Wort geben, gefangen nehmen dauhn wi keinen mehr, wer nich dod schaten ward, den schlahn wi den DLtz in mit'n Kolben. Un denn man ümmer Füer leggt an de Hüser. dat deFruenslüd ok mal anfangen tau. jammern, jetzt geiht dat up den Sommer, da lett sik dat Biwackiren woll uthollen. Ne. wat tau dull is, dat is tau dull!" . Ich hatte ihn reden lassen, dann entgegnete ich: Johann. Du und die andern, ihr werdcl thun, wozu ihr Ordre kriegt. Und wenn es, was der Himmel verhüten möge, wieder loS acht, so wird der Krieg genau so gefübrt wie bisher." Johann schoß seinen finstersten Blick auf mich, dann versetzte er: Je. Herr Sergeant Schulz hett ok seggt, wenn hei den Jan Becker tau faten kriegt. -denn will hei em bi de Bein uph'angrn un em bi lebendigem Litt? dat Fell Lwer de Ohren trecken." Ich muftt: mir da5 Lachen verbei-

ßen über dieses Projekt des Sergean-

ten Schulz und rief ihm im Fortgehen zu: Und ich verspreche Dir Johann, wenn Du den Gambetta fängst und mir lebendig bringst, bekommst Du meine goldene Uhr!" Er aber gab sich noch nicht, sondern antwortete, trotzig: JRt, Herr, dat dau ik nich. ik schlag em surts dod, un de Herr Feldwebel mag sin Klock minsWegs behollen. Auch im Verkehr mit unsernWirthsleuten machte sich die dumpfe Schwüle fühlbar, die alle Gemüther belastete. Von den Verlobten abgesehn, deschrankte sich der Verkehr auf em Mi nimum. Eingeladen wurden wir nicht mehr. Herr Tailland grüßte mit küh ler Miene, als ob wir nächstens die Säbel miteinander kreuzen sollten. seine Gattm kam mcht zum Vorschein. L6oniv begegnete mir einigemal aus der Treppe, sie war noch ganz die alte. Ich aber war zum Plaudern und Scherzen nicht aufgelegt, es that mir auch innerlich wohl, daß an dei Stellt des verweichlichenden Verkehrs mit den Damen der ausschließlich männlichi Umgang getreten war, und ich ver brachte meine dienstfreie Zelt tin Ka sino. Petersen freilich sah sich regelmäßig mit seiner Braut unter dem Vorwan de, sie Deutsch zu lehren. Aber Marii litt furchtbar unter den drohendenAn zeichen des von Neuem aussteigendev Gewitters, und auf Karl konnte diese, innere Konflikt des Mädchens nich! ohne Einwirkung bleiben. Das war gewiß, Marie liebte Karl mit der ganzen Leidenschaft ihresTemperamcnts, aber ebenso sehr liebte sik ihr Vaterland. Karl erwiderte diest Liebe Mit der Tiefe und Zähigkeit sei nes Volkscharakters. Dabei war tx deutscher Patriot vom Wirbel bis zu, Zehe. Beide vermieden es, die drohend Kriegsgefahr mltemanver zu erörtern Es war ihnen, als ob sie dicht neben einem Pulverfasse säßen, und da mußten sie jeden Funken erdrücken, der um, hersprühen mochte. Die Gerüchte, daß deutscherseits du Abtretung von Lothringen verlang! würd, hatten Marie bis in die Tiefer ihres Wesens aufgeregt. Em grauenvoller Zwiespalt klaffte in ihrer Brust Er Hütte immer bestanden, ade? die letzten Tage hatten ihn so verschärft. Ihr patriotisches Gewissen fühlte sich versetzt. Einem Feinde ihres VaterkandeZ knzugehören. ihn zu lieben, ihm folge? zu: wolle in sein ferne, im Grund, von ihr verachtetes HeimathlanÄr di5 erschien chr in Momenten fehlend Selbstbeherrschung als Verbrechen. Uni) nun wollten diese Deutschen rr der brutalen Uebermacht, zu der schnö.deVerrath stjnen verholfen, nun wollten sie gar rhr theures Geburtslav an dem sie mit Leidenschaft hing. vr Leibe, Frankreichs abreißen. Mußtt ihr das nicht nne ein Sakrileg ersches nen, wie die That roher Barbaren Und einem solchen Barbaren wollte st, folgen, sich ihm hingeben mit Leib mü Seele bis zum Ende ihres Lebens? Aber sie liebte ihn, sie war ei? schwaches Weib. Die Energie ihrm Ueberzeugung kämpfte vergeblich gegen ihr Herz. Sie erlag diese? Schwäche War sie allem oder sprach der On kel bei der Mahlzeit von den drohenden Wolken, die sich aufs Neue über dem Vaterlande emporthürmten, sc zitterte sie vor Erregung, sie fühlte sich versucht, Männerkleider anzulegen und sich unter die Freiwilligen Gambettas einreihen zn lassen. Saß sie dann wie der an Karls Seite, legte er zärtlich den Arm um ihren Nacken, so schmolz die Rinde ihres Herzens, da war sie wieder ganz Hingebung, ganz lieben? des Werb-, das die holde Blume des Augenblicks pflückte, unbekümmert un alles was kommen mochte in Gegenwart UNd Zukunft. (Fortsetzung folgt.) EPlUttr. Es ist leichter, die Zufriedenheit sei ner Vorgesetzten zu erringen, als hie der Untergebenen. Nichts ist thörichter, als Einem Vorwü.rfe zu machen, die er sich selbst macht. Oft legen wir einen Fehler erst' ab, wenn wir ihn an einem Andern bemerkt haben. Hundert schmeicheln lügend dir geschwind hin! Fünf die geben grob dir halbe Klarheit! Nur em Einziger sagt dir die Wahrheit Find' ihn! Wie erkennst du die Menschen am Besten oft? Wenn du gehst Und dich dann plötzlich ganz, unverhofft . Wieder drehst! Schminke verdirbt wemger den Teint, als den Charakter. Wer nie fremdm Undank kennen lernt, weiß nichts von sewW eigenen. Der größte Theil uuserer Sorgen kommt nur deshalb 7 schnell, weil wir ihnen die Hälfte des Weges entgegen gehen. JmmerrraBerus. Aater (Richter) : W das nicht der junge Refrerendar Krüger, der soeben das Haus verließ, als ich kam? Tochter: Jawohl, Papa! Vater: Aber ich habe sein Gesuch doch abschläglich beschieden. Tochter: Ja, aber er hat an eine höhere Instanz appellirt und Mama hat die Entscheidung des Vor, deuichterL aufgehoben

Für die Küche.' A u st e r n au rocher de Cancal. Man bereitet vorerst einen klaren Fleisch-Aspik. dem man durch wenig Essig und Citronensaft einen leicht säuerlichen Geschmack verleiht. Mit ihm gießt man den Boden einer Kuppelform mit weitem Cylinder messerrückendick aus und stellt sie nun in Eis. Frische Austern bricht man aus, entfernt den Bart, legt sie auf ein reines Tuch, tupft sie damit leicht ab und hält dann eine Auster nach der andern an einer Gabel in noch flüssigen, aber ja nicht warmen Aspik, um sie darauf kranzförmig nebeneinander einzulegen, bis die Form gefüllt ist, wobei man hin und wieder einige Löffel Aspik über die Austern gießt. Aus Weißbrot schneidet man, kurz vor dem Anrichten der Austern, die einige Stunden in Eis stehen müssen, einen Stöpsel, der Höhe und Weite des Cylinders der Form hat, worauf man diesen Stöpsel in Aspik taucht und bis zum Rand der Form den hohlen Raum damit ausfüllt, sowie man die Form auf einen Sockel gestürzt hat. Auf die Mitte des Brotstöpsels häuft man bergartig einige Löffel besten Astrachancaviars, der innere Rand wird mit rothen Krabben garnirt, und mitten in den Caviarberg ein Sträußchen Brunnenliesse gesteckt. Rings um den äußeren Rand der Schüssel legt man in Viertel geschnittene Citronen. Gänseleberpain auf Straßburger Art. Zwei schöne Gänselebern legt man einige Zeit in Milch, häutet sie und dünstet sie in einem halben Pfund Butter mit zwei Glas Madeira, Salz, wenig Pastetenpulver, einer gewiegten Trüffel und einer Zwiebel rasch weich, worauf man sie durchstreicht. Der Fond der Lebern wird mit 12 Eigelb vermischt, ebenfalls passirt und mit dem Leberbrei vermengt. Vier m Nothwein gedünstete Trüffeln schneidet man in Scheiben und legt dann eine glaite Form erst mit dünnen Specke und darauf mit den Trüffelscheiden aus. stellt sie in heißes Waffer in einen heißen Ofen, in dem der Pcmr gargemachr wird, ohne daß das Wasser kochen darf. Man stürzt d-Ir Speise, überfüllt sie mit dicker Trüffessauce, die mmt aus Abfällen der Trüf--sein bereites und garnirt sie mit Blät--terteigschnitlhen. Kalbsb'?ccte'7r?este verwendet' man folgendumaßen zu einem Mittagsgericht. Möglichst in einem Schmortopf läKt man ein gutes Stück Butter mit etwas-' Pfeffer, Senf und Citronensaft mrv einer kleinen geriebenen Zwiebel leicht' anbräunen. Pellkartoffeln, etwa ein halb Mal so viel, als man sonst KartoffeÄr zum Mittagsessen rechnet, werden in kleine Würfel geschnitten"oder gewiegelt, desgleichen das vom Knochen gelöste Fleisch, auch Reste" von- Suppenfleisch (aber nur Kalbfleffch)' kann man mit verwenden, und des' Ganze wird in den Topf gethan. Dirs nöthige Salz dazu gegeben und unter- xntweiligem Umrühren langsam geschmort. Bon dem Knochen kann man sich noch ein wenig Brühe kochen, dir man ebenfalls noch dran gibt, sowie -nach Geschmack Gewürz. Man servier' es auf einem Braten- oder Pfannentuchenteller mit Viertheilen von Citronen garnirt. Man gibt dazu Essiggurken Das Gericht trägt den schöneir-Namen Lapskaus". Poulette en Cocottfe-ä la Bordelaise. Nimm ein Huhn sorgfältig aus, binde es, lege es irr einen Steinguttopf und lasse es liicht in der heißen Butter anlaufen, schneide gleichzeitig Kartoffeln in kleine Würfel und Artischokenherzen, füge einige kleine Zwiebeln hinzu und lasse dies in einem anderenTopfe gelb werden. Wenn diese Gemüse zur Hälfte gekocht sind, garnire damit das Huhn nnd lasse daö Ganze bei schwachem-Feuer ungefähr eine halbe Stunde lang- dünsten, wenn es sich um ein Huhn mittlerer Größe handelt. Beim Auftragen streue einige Petersilienblätter, fein gehackt, darauf, und servire in dem Kochtopf. Man darf nicht vergessenem dem Huhn das Herz und die Leber-zir lassen. FranzLsischS Traubeng e l e e. HauptbedinFnng für diefe köstliche Nachspeise ist ein krystallklares Weingelee. Man weicht iz Unze weiße Gelatine kurze -Zeit' in kaltem Wasser, thut sie dann mit einem Viertel Quart Wasser und dem Saft von zwei Citronen in eine-Casserolle, stellt diese ixt: heißes Wasser und rührt die Gelatine., bis sie sich gelost yat. Dann gibt man I die ganz dümr-abgeschälte Schale einer' viertel bis halb'-n Citrone, zwei zu, Schaum geschlagene Eiweiß, die manmit einer Flasche-Rheinwein verbindet' und unter beständigem Schlagen der Gelatinemasse zusetzt, dazu, nimmt dieFlüssigkeit aus' dem Wasserbade, setzt sie auf's Feuer und schlägt sie, bis sieanfängt aufzuwallen, worauf man sie? einige Male aufkochen läßt und nun? eine Stunde geschlossen wieder in hei-, ßes Wasser stellt. In ein Porcellan-, gefätz- legt man 7 Unzen Zucker, läßt: das Gelee durch ein Filtrirtuch langsam darauf kaufen, wobei der Zucker sich völlig auflöst, und füllt nun vondiesem Gelee Halbfingerhoch in eine iTylinderform. Man lgt die Forrn: darauf zum dritten Theil mit reifen blauen, trockenen, frischen Weinbeeren aus. süM Gelee darüber, läßt es starren, ezibt nun ei?e Schicht weiß Traubenbeeren, wiederum Gelee, dcmn? noch einmal blaue Trauben hinein, gießt die Form bÄ zum Nandö m Weingelee aus und stellt sie bis zum Anrichten in E5. Anblick und Geschmück dieses Traubengelees sind un Mrttesflich.

Die Erinnerung i st ein Sonnenstrahl, der um so mehr keuch tet. je mehr Schatten uns umfängt.