Indiana Tribüne, Volume 20, Number 73, Indianapolis, Marion County, 29 November 1896 — Page 7
FNgrsne. Humoreske von V. W. Zel.. GZxt waren nun schon mehr als drei ZNonate verheirathet. Trotzdem erklärte Assessor Hartig jeden Tag, der dem glücklichen Paare heranzog, daß er ei gentlich tollköpfig verliebt in seine kleine Frau sei. mehr noch denn als Bräutigam falls dies überhaupt im Bereich der Möglichkeit läge! Sie war aber auch allzu lieb und süß, die blonde Hanna mit der zierlirhen Figur und dem feinen Kindergesichtchen. Und dabei so reizend srauenhast und mütterlich, wenn es vorläufig ja auch nur der Gatte war. den sie nuch Kräften verzog und verhätschelte. Wer hätte je gedacht, daß das verwöhnte Prinzeßchen so wirthschaftstüchtag sein und sich nicht nur eingehend um den Haushalt kümmern, sondern auch mit den kleinen Händen selber wacker zugreifen würde! Sogar das Kochen besorgte sie höchstselbst und erlaubte der Köchin nur, ihr dabei hilfreiche Hand zu leisten. Freilich warHanna's Hausfrauentugend auch zugleich ihre Schwäche. Gerade. weil sie ihre Pflichten so ernst nahm und stets die unfehlbare Herrin im Getriebe des Haushalts sein und bleiben wollte, gerieth sie häufig mit den Mädchen aneinander, die manches besser zu verstehen meinten als so ein junges Frauchen. Das aber vertrug die kleine Frau Assessorin nicht, und wo sie je auf dergleichen Rebellion stieß, kündigte sie dem Mädchen sofort. Und so geschah es, daß in den sechs Wochen eigener Wirthschaftsführung bereits das siebente Mädchen im Hause war. Das junge Ehepaar hatte noch keine Besuche gemacht, sondern bis jetzt ganz sich selber gelebt. Aber gerade als das achte Mädchen angezogen war und der junge Hausherr es mindestens etwas unbequem, wenn nicht gar peinlich emPfand, schon wieder eine polizeiliche Ab- und Anmeldung in doppelten Exemplaren ausfüllen zu müssen, erhielt er einen Brief seines Vetters Alfred, der eben von einer italienischen Reise heimkehrte, den Weg über Berlin nahm und darauf brannte" wie er schrieb das neue Väschen kennen zu lernen. Am liebsten wäre ich ja unangemeldet bei Euch eingeschneit und hätte h la fortune du pot einen Löffel Suppe mitgegessen. Aber eine so junge Hausfrau, wie Deine Hanna es ist, könnte das in Verlegenheit bringen. Da meine ich denn, es ist das Beste. Du besuchst mich heut erst im Hotel ReichsHof und meldest mich Deiner gewiß reizenden Hausehre für morgen feierlich an!" Tltin guter, lieber Fred!" sagte der Assessor ganz gerührt, nachdem tr dies Schreiben, wie alle nichtamtlichen, laut vorgelesen. Immer rücksichtsvoll, immer auf Alles bedacht " Frau Hanna aber zog ein Mäulchen. Es hätte mich aber ' garnicht in Verlegenheit gesetzt, wenn Dein Fred ungemeldet erschienen wäre," grollte sie. War unsere Kartoffelsuppe heut nicht ausgezeichnet und - das Filet auch?Aber selbstverständlich. Liebchen! Und doch ist's besser, er kam heut nicht; denke doch, das funkelnagelneue Mädchen, das mir übrigens nichts weniger als gewandt aussieht " Frauchen nickte seufzend. Und vielleicht kaum weiß, wie man einen Gast eintreten läßt und meldet" Da hast Du recht! Und was hätte Dein Vetter von mir und meiner Haushaltungsführung für einen Begriff bekommen, wenn das nicht Alles tadellos rerläust!" Run also.Herzlieb. Und darum ist's im besten, ich gehe heut noch einmal hin und Du benutzest die Zeit meiner Ubwesenheit, dem neuen Hausgeist ein u?enig auf den Zahn zu fühlen." Du kommst doch aber bald wieder, Heinz?" Natürlich. Zum Abendthee bin ich vieder da." Es ist das erste Mal. daß Du allein ausgehst, Schatz, ohne daß Dein Umt Dich ruft," sagte sie feierlich mahnend. Ja. Kind, einmal muß es doch das krste Mal sein." entgegnete er leichtfertig, küßte ihr alle ferneren Unheilsprophezeihungen von den rosigen Lippen und ging. Frau Hanna stand noch ein Weilchen, überlegte die Speisenfolge des morgenden Mittagessens und begab sich dann zur Küche, das neue Mädchen auf das große Ereigniß des ersten Gastes vorzubereiten. Kochen werde ich selber sagte sie wichtig. Damit haben Sie nichts zu thun wissen Sie aber auch, wie man kinen Gast einführt und meldet?" J&Ux gnädige Frau. Besuche kommen doch allerwegen," meinte Minna etwas beleidigt. Gewiß. Dennoch möchte ich Ihnen sagen und zeigen wie es in meinem. Hause damit gehalten wird. Da sehen' Sie einmal hier die silberne Schale aus der Spiegelkonsole im Vorflur ist dazu da, die Visitenkarte aufzunehmen, durch welche der Fremde sich melden läßt. Diese Karte bringen Sie mir, nachdem Sie den Gast sehr höflich gebeten haben, ein wenig zu verziehen. Dann führen Sie ihn, vorausgesetzt daß ich den Besuch annehme, in den Vorslur, schlichen sehr leise die Thür and sind beim Auskleiden behilflich." Beim Auskleiden?" Natürlich! Herren müssen doch den Paletot ablegen, bevor sie eintreten." Ach so. - eilich, Frau Assessor." Dann hl .1 Thür zum Empfangi;: ,r -k- wieder sehr hoflich. Icü u:A?ti: i :Uen." , Schön, gnädig: lnn I vxt nun?" Damit sind vorlaut Cc?i e-enheiten erfüllt und Sie ;t:n
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wenigstens morgen, schleunigst wieder in die Küche zu begeben, damit das Es' sen nicht inzwischen anbrennt." Hinter der brodelnden Theemaschine saß am zierlich gedeckten Tisch Frau Hanna und studirte eifrig das Kochbuch. Es war acht Uhr, Heinz mußte jeden Moment eintreten. Als sie sich eben in die Schöpfungsgeschichte eines 5ITltTTitVViiriT2 KTiifl krrH irfirrfl w v w l v Vl.tv yu.tl. i ein tönender Schlag der Uhr fi auf was, schon halb vitun und oer ont so pünktliche Gatte noch nicht da? Erregt blättert sie weiter und liest confuses Zeug durcheinander, ohne es zu verstehen wo er nur bleibt? Zehn Uhr! Sie liegt schluchzend im Sessel. Es mußte sicher ein Unglück passirt sein was kann in derGroß siadt nicht Alles geschehen? Ob man der Polizei Meldung machte? Sie rang die Hände in maßlosem Jammer; das, das schon nach drei Monate glücklichster Ehe! Elf! Nun hilft nichts mehr, sie muß hinaus in die Nacht, den Verschwundenen suchen. Am ganzen Leibe zitternd hüllt sie sich draußen im Vorflur in einen Mantel, zieht Kapuze und Schleier Lber's Gesicht, ganz wie sie das immer in Romanen gelesen, steckt den Hausschlüssel zu sich und wendet sich zur Thüre. Da was ist das? Draußen ein Schleifen, Tasten und Klirren am Thürschloß, als ob eine unsichere Hand sich vergeblich mühte, den Schlüssel an rechter Stelle einzuschieben eine freudige Ahnung durchzuckt sie Heinz! Sie reißt die Thür auf und wirft sich dem endlich Heimgekehrten mit einem unterdrückten Jubelschrei an den Hals. Der Anprall muß etwaS stürmisch gewesen sein, denn Heinz schwankt so bedenklich dabei, daß beide beinahe die Treppe hinabgeflogen waren. Geliebteste Engel!" stammelt der zärtliche Gatte. Ich fürchtete. Du Du würdest böse sein und nun dieser liebevolle Empfang " Hanna besinnt sich plötzlich auf sich selbst, mustert ihren Heinz mit kritifchen Blicken, zieht ihn dann schleunigst in's Zimmer hinein und schleudert ihm hier mit vernichtender Verachtung entgegen: Ich glaube gar, Du hast getrunken über den Durst getrunken, während sich Dein Weib in Todesangst um Dich fast verzehrte." Er sieht sie seelcnvergnügt, harmlos wie ein Neugeborener an. Natürlich haben wir getrunken auf Dein Wohl. Herz! vier cliquonischen Wittwen haben wir den Hals gebrochen alles auf Dein Wohl." Am nächsten Morgen ist der Assessor krank". Hanna muß infolgedessen die bereitgehalteneStrafpredigt verschieben und ist tiefunglücklich der Gatte krank, gerade heut, wo man den ersten Tischgast erwartet! Heinz tröstet sie mit schwacherStimme, indem er den schmerzenden Kopf in beide Hände stützt. Aengstige Dich nur nicht ich glaube, es ist nur bis Mittag wird es jedenfalls viel besser sein, wenn man etwas dagegen thut" Frau Hanna fährt plötzlich herum. Das ist ja ganz derselbe Zustand, den sie von Papa her kennt Herrgott, ihr lieber, süßer Heinz und ein ganz gemeiner Kater! Aber auch dies Verhängniß wird sie mit Heldengröße tragen. Heinz ich werde Dir eine ganz starke Tasse Kaffee machen Papa half das imm:r," sagte sie energisch. Er nickt ihr gerührt, verständnißinmg zu. Nein. Kaffee nicht mir nützt er nicht. Das ist bei Herren verschieden, weißt Du." Aber was hilft Dir?" Kraftbrühe. Kind, aber ganz starke, colossal starke hatte als Student immer Liebig auf der Bude." In meinem Haushalt ist alles N'öthige zu haben, selbst dieser Fleischertrakt," erklärte sie stolz und drei Minuten später duftete eine Tasse colossal" starker Brühe vor dem Leidenden." Ach das erquickt das belebt, jetzt noch eine Stunde Ruhe und ich bin gesund!" sagte er aufathmend, die kleinen Hände der Labung spendenden Samariterin an seine Lippen ziehend. Diese aber riß sich los und eilte zur Küche. Welche Aufgabe harrte heut ihrer das erste Mittagessen für einen Gajt herzurichten und zugleich die hohe Aufgabe zu erfüllen, nicht nur die eigene Ehre, sondern die aller jungen Hausfrauen zu retteil! Endlich war das große Werk vollbracht, alles stand fix und fertig da und nun saß sie erwartungsvoll im Salon. Heinz war noch nicht vom Amt zurück, mußte aber jeden Moment kommen. Da tönt die . Klingel- draußen Vetter Fred. Wenn nur Minna sich correkt benimmt das Mädchen hat einen so merkwürdig dummen Ausdruck in dem überrothen Gesicht! Es dauert lange, ehe die Salonthür geöffnet wird und der Gast erscheint aber nein, zuerst muß doch die Karte gebracht werden. Da endlich. Minna kommt eilig und reicht aus dem silbernen Teller ungeschickt die Karte, hin. Ein Lieutenant", flüstert sie dabei leise, fast aufgeregt. Es ist natürlich Vetter Fred, nur hatte Hanna nicht erwartet, daß tt auf der Reise in Uniform erscheinen werde. Ich lasse bitten." saat sie mit bobeitsvoller Rüde I und Minna hastet hinaus. Wieder eine . nr r . i & r im . - - '4!auie oann rauben Wortwechsel. Was ist das angstvoll lauscht die jnnge -Frau hinaus. .Herr Lieutenant müssen hier ablegen. gnädige Frau hat gesagt und ich muß dabei helfen," erttärtMinna energisch. Ein lustiges Lachen antwortet darauf. AberMenschenskind, ich habe nichts abzulegen! Sie sehen, ich bin ohne Paletot, soll ich mich Ihrer Gnädigen in Hemdsärmeln präsentiren?" Darauf näbern sich sporenklirrende Schritte der Thür, Minna eilt voraus, öffnet sie dem Gast und flüstert hastig
mit bedeutsamen AugenMnkern ihrer I Herrin zu: Er wollte durchaus nicht j ableaen. aesaat babe iaYs ihm drei !
Mal." Frau Hanna ist einer Ohnmacht nahe. ?lber Vetter Fred begrüßt sie so herzlich liebenswürdig, im selben Moment erscheint auch Heinz und sie sindet garnicht Zeit, über das Unerhörte nachzudenken. Bald darauf setzt man sich zum Mahl nieder und die junge Frau athmet auf. Nun ist ja die Gelegenheit da, dem Gaste zu zeigen, was sie kann und die Ungeschicklichkeit dieser dummen Minna wieder gut zu machen. Die Suppe wird qebracht. aber schon ihr wässeriges Aussehen erfüllt die ehrgeizige Hausfrau mit bangen Ahnungen, sollte die famose Köchin, sie nach eigenem Gutdünken verdünnt haben ? Man greift zum Löffel, aber fast entfällt dieser Hanna's bebenden Fingern, nachdem sie gekostet die Suppe ist thatsächlich fast ungenießbar. Aber Heinz und Fred löffeln sie unter angeregtester Unterhaltung aus und scheinen nichts zu merken. Dann kommt der Fisch, ein stattlicher schön garnirter Zauder nur erweist er sich als völlig ungesalzen und auch die schönste Trüffelsauce kann diesem Mangel nicht abhelfen. Hanna ist ganz verblüfft sie weiß doch genau, daß sie eine große Hand voll Salz darüber geschüttet hat! Vetter Fred macht da eben eine tiefsinnige Bemerkung vom Salz der Ehe soll das eine Anspielung sein? Aber nein, er sieht so harmlos lustig drein dielleicht liebt er eö sogar, Fisch ungesalzen zu essen, der Geschmack ist ja doch verschieden. Der Puter wird hereingetragen sein glänzend schwarzbraunes Aussehen verräth, daß Minna ihn richtig im letzten Moment noch hat verbrennen lassen. Frau Hanna ist außer sich, aber Heinz zerlegt das Prachtstück, ohne eine Miene zu verziehen und Fred langt tapfer zu, obgleich das Fleisch trocken, nüchtern, wie gedörrt schmeckt. Die junge Frau kommt wieder zu sich. Auch bleibt ja noch der Weinpuddina und das selbstbereitete Eiö, ihre Haus, frauenehre zu retten. Aber als sie den ersten Bissen Pudding im Munde hat, fliegt einSchauer über ihren Körper, Heinz sieht sehr er staunt aus und selbst Fred schneidet eine Grimasse, um dann gleich zu erklären, daß diese Speise vorzüglich sei und ordentlich erfrischend wirke. Hanna saß bleich und still da; sie wußte, daß der Pudding ungenießbar sei. sie sich in der Hast jedenfalls vergriffen und Essig. statt Wein dazu genommen haben müsse. Ganz verzweifelt ob all' dieses Mißgeschicks hoffte sie nun schon garnicht mehr, daß der Schneemann sie und ihr Mittagsmahl noch herausreißen werde und es war gut, daß sie nicht hoffte, denn es blieb ihr so noch die letzte Enttäuschung erspart. Langsam führte sie den ersten Löffel voll zum Munde richtig, ihre Unheilsahnung hatte nicht getrogen, denn das Salz, das dem. Fisch gefehlt, war von ihr dem Eis zugetheilt worden! Da aber des Assessors Tischwein gut war, blieben die Herren vergnügt wie bisher, und als man sich endlich vom Mahl erhob, erklärte Vetter Fred, der Hausfrau voll Begeisterung die Hand schüttelnd, noch nie so ausgezeichnet gespeist zu haben. .Ja sagte Heinz strahlend, und das Alles hat sie selber gekocht!" Aber als die Beiden im Rauchzimmer sich eine Cigarre anzündeten und Hanna wie gebrochen zurückblieb, hörte sie ganz deutlich, wie Fred zu ihrem Gatten sagte: Deine Frau ist süß. Heinz, anbetungswürdig hast eben colossales Glück gehabt, alter Junge! Nur laß sie um Himmelswillen nie in die KücheMensch, wie hältst Du es aus. derlei Zeug zu verdauen und dabei gesund zu bleiben?" Hanna hörte nur noch einenLaut des Staunens von ihres Gatten Lippen. Dann bekam sie plötzlich Migräne" und ließ das mit aufrichtigem Bedauern" den Herren vermelden. Schwaben in üußland. Von E. Eschricht. Wenige Nationen sind verstreut über den Erdboden gleich der deutschen; ihr ist der Wandertrieb angeboren, und wenn sie diesen Trieb unterdrücken muß, spinnt sie sich leicht in Phlegma und Philister ein; Träumer und Idealisten bescheiden, wo sie es nicht sein sollten und dürften, werden die Deutschen erst zu praktischen Arbeitern, wenn sie draußen sind und um ihre Selbstständigkeit kämpfen müssen das Herz voll innigen Heimwehs dafür sind sie eben Idealisten! ! Und weil sie nun so verstreut sind vom Nordpol bis zum Südpol,, so bleiben sie in beständigem Zusammenhang mit dem theuren Vaterlande denn wo ein Deutscher ist, da ist auch gleich noch Einer, und dann geht es an's Erzählen, und dann d?ß kann man sicher sein, haben sie irgend einen gemeinschaftlichen Bekannten und so schließt sich wieder der Ring der Brüderlichkeit; es ist darüber nicht zu disputiren, warum der Deutsche so gern seine Hütte außer Landes aufschlägt und doch schließlich, vom Heimweh getrieben, wieder in sein Nest zurückkriecht zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust!" Und unter dieser psychologisch, so merkwürdig charakteristischen Devise des alten Goethe trieb es auch deutsche Reisende, die, gesättigt von der heilU gen Pracht und der befremdlichen goldenen Enge der russischen Klöster und Kirchen, denRückm der baltischen Ostsee gekehrt hatten und nun sich den frischen Meereshauch deS Tschornoje More auf dem Boulevard der hochgeschürzten Meereskönigin Odessa um die Stirn wehen ließen. Dort steht man zwischen zwei Vaterlandsfeuern ' zur Linken, über den Peressvv bin-
weg. liegt eine deutsche Colonie al lerlei Deutsche aber zur Rechten, an der südwestlichen Küste, etwa 30 Werst entfernt, blüht und gedeiht noch immer die Württemberger Colonie. die. Katharina II. hierher berufen hatte. Diese Colonie will man nicht nur ansehen die muß man auch wirklich besuchen, einem Gemüthszwange folgend. Die breite Straße Preobrachenskaja entlang vom Teatralnaja Plostschad aus, geht es vorüber an den reichen Läden der Juweliere, an den offenen Kaufhallen der Armenier und Perser mit ihren köstlichen Waffen, Teppichen, Seidenwaaren; dazwischen mit ihrer farbenprächtigen Auslage, die bis an den Fußweg reicht, die Ge-müse-und Obsthändler. Hier hat die Krim ihr Füllhorn ausgeschüttet; neben den goldgelben Bündeln der Maiskolben leuchten die zinnoberrothen Liebesäpfel; dunkelblaue, hellaelbe und grünePflaumen, Aepfel und saftreiche Birnen; mit leuchtenden roth und gelben Streifen dieSchweizerbirne tiefgrün mit schwarzen Sprenkeln die Duchesse; Orangen und Melonen, Granatäpfel mit ihrer stumpfen rothen Farbe, ebenso glanzlos die graue Mispel, ein Segen von Weintrauben In allen Farben und NUancen, frische und getrocknete Oliven; sehr große, feinschalige Haselnüsse, frische Zeigen, auf Fäden gezogene kleine Pfefferschoten und vom grellen Esmeraldgrlln Nch hinauf schattirend durch orange Cadmium bis zum brennenden WerMillion, die große barbarische türkische Schote mit ihrer teuflischen Schärfe; eine kleine Bananenart aus Syrien, die aber außerordentlich süß und weit saftiger als die afrikanische ist. , Wer kennt die Namen aller dieser fremdläntischen Nüsse von der Kokosnuß bis zur kleinen weißschaligen Pistazie, eus der die Syrier eine vorzügliche Marmelade mit Honig bereiten. An der Straße liegen, auf Tischen ausgebreitet, die wunderbaren, verlockenden Haremssüßigkeiten; an allenStraßenecken und auf öffentlichen Plätzen stehen grün angestrichene, schlichte Holzbänke mit vier auswärtsstrebenden Beinen die eigentliche Küchenbank . an ihnen werden die Geldund Wechselgeschäfte gemacht, und folöen Bänken entstammt der großartige Segriff unserer heutigen Bank". Hier ist das Viertel der griechischen Händler, in ihren niedrigen Gebäuden, häufig mit Säulen geschmückt, mit wenigen und kleinen Fenstern versehen. Durch die Vorstadt Vorontzowska. vorbei an dem großen Marktplatz, aus dem die Wagenburg der Vorverkäufer Rad an Rad steht; von hier aus werden die Märkte und Läden gespeist; aeduldig liegen in langen Reihen vor ihren Wagen die podolischen Zugochsen; unter der breiten Stirn mit dem schön gewundenen, dunkel glänzenden Gehörn, blicken sie aus großen, traurigen Augen stumm-beredte Klagen über ihr trauriges Loos. Das Bild ändert sich, der Begriff Stadt ist nun zu Ende, und mit dem Eintritt in's Land berührt man wiederum die Oede der pontinischen Steppe. Verstreut liegen zur Rechten und Linken die Datschen, auf einem lehmfarbenen und sonnverbrannten Grundstück; es ist zu Ende mit den Akazienalleen, vorbei mit dem tiefen Grün des Nadelholzes dem einzigen Baum, den der Odessita mit unermüdlicher Geduld und mit schweren Kosten dem Kalksteinboden künstlich eingefügt und erhalten hat. Hier kann nicht mehr gesprengt und gegossen wer-
den. und der gnadenlose Steppenstaub erwürgt und erstickt jeden Lebenskeim, der etwa der brennenden Sommersonne entganzen ist. Längs des Weges trockene Gräben, blattloses, geisterbaftes Gestrüpp mit phantastischem Gezweige Allem ist der' Stempel einer ordnungslosen Verkommenheit aufgedrückt. Wie eine Oase ragt in dieserWüste ein kleines, grünes Eiland auf es ist das Grundstück eines deutschen Heuerbaas Namens Jakobsen; nach dem Vorbilde der prächtigen Hamburger Landhäuser hat der fleißige Mann, der es zu großem Reichthum gebracht hat. gebaut, und seine Datsche ist berühmt wegen ihrer Wasseranlage und dem vornehmen, wirklichen Garten. Weiterhin werden die Datschen volksthümlicher, niedriger und immer öder in ihrem Umkreise, der oft recht bedeutend ist; die Abgrenzung ist wohl nur den Betheiligten ganz klar und ersichtlich; der Fremdling muß staunen, wenn plötzlich auf weitem Felde ein hohes, schweres Portal, aus Kalkstein gehauen, einsam ragt; eine Strecke tiefer hinein liegt das Häuschen, von einer nach vorn offenen, weißen Mauer umschlossen, nicht höher, als daß man sich bequem darauf stützen kann, und sehr breit. Gewöhnlich sitzen darauf die zahlreichen Kinder; in ihrer Mitte lehnt das Elternpaar, er rauchend, sie ein Kind an der Brust, das zu allseitiger Bequemlichkeit auf der Mauer liegt. Es sind fast immer Griechen entzückende Kinder, schöne Männer. filc:, früh verblühte Frauen. Hüm; -. "d ab geht der Weg in i: i:it f. iiC , zt es wie em Schleier ei so fein ist, daß er nicht -scheint, nur in der g t;.? zUii die Conturen abschw.' , er en er. Die Pserve rajen dahin, als gel und würden nimmec geht es abwärts, und t gegen strömt ein bel '. Auf einer Anhohe zur : sich ein schlanker Phai;: schein Lichte. Gleich d .c grünen Kuppeln da: Groß Fontanka; es : 7 ? lülun entd : )em. :i hebt einen i V0N '.UgUst :r von efolge. ich in .er eine selben je ; iU' i! die Wallfahrtsstation U: ; Athos mit ihrem rnig;: rru Diesen heiligen Pilger: i Odessa dem Babnbo . "! herrliche Kirche erba. Platze ebenfalls . tr. ZtlxVMtt von t. I
großer Pracht, die mehrere Tausend Brüder aufnehmen kann. Alle diese Gebäude wie auch der Bahnhof selbst rw : t!-r' -- ''
inu ui gianoiojem grieaziillzen v?m, Von einer colossalen Ausdehnung und größter Vollkommenheit; die russische Regierung läßt alle öffentlichen Gebäude mit monumentaler Pracht im Lapidarstil herstellen. Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu thun; am Schluß gibt es viel Streit. Sorgen und Kummer, denn da heißt es: Anri sacra fanies; der Rest ist Schweigen. Der Weg führt nun steil abwärts, wie auch die ganze weiße Kalksteinküste sich senkrecht aus dem Meere hebt und nur einen schmalen Strand gewährt, der statt des weißen Sandes aus unablässig frisch angespültem, ganz kleinem, feinem Gestein besteht; man findet wenig Muscheln, und der Seetang ist dieselbe feine, harte Alge, die am Strande von Libau liegt und unserem harten, grauen Steinmoos ahnlich ist. Unten am Meere in einer höchst anmuthigen, kleimn Bucht, ist man Plötzlich gelöst von aller Cultur! Zu Füßen der Felsen und Klippen, vor sich diese tiefgrünenFluthen, auf denen ein schwarzer Gazeschleier zu ruhen scheint. Selbst auf hohem Meere war dieses Wasser durchscheinend in seiner grünen Klarheit, und man konnte noch in zehn Metern Tiefe den Grund des Meeres beobachten. In dem dielfarbig gestrichenen lustigen Boot führten Großvater und Enkel Ruder und Riemen zwei wunderschöne Griechen der Alte ehrwürdig und ernst wie ein Patriarch der junge Mensch schön wie ein Antonius. Später geleiteten sie uns in ihr weißes Kalksteinhaus, das um Thür und Fenster mit kornblumenblauen Strichen verziert war. Sie boten uns Milch und Früchte mit artigster und liebenswürdigster Gastfreundschaft. Geld nahmen sie nicht, aber wir mußten versprechen, wiederzukommen. Nun ein paar Werst über die Steppe schon dann und wann durchstreift mit gepflegtem Ackerboden. Hier ist bereits deutsches Element! Je näher dem Ziele der Colonie Lustdorf, je zusammengedrängter die Cultur. Links ab biegt man in die Dorfstraße; eine langweilige, schnurgerade Straße, rechts und links vom Fahvdamm die weiße Kalksteinmauer, etwa vier Fuß hoch und zwei Fuß dick, mit einer Oeffnung nach jedem Gehöft zu; die Häuser liegen in geringen Abständen ziemlich dicht hinter dieser Mauer, gleich entfernt von einander, mit den Giebeln nach derStraße zu, alle spitzen Schindeldächer gleich hoch und gleich lang; es mögen wohl achtzig bis hundert Häuser sein. Am Ende der Straße zuv Linken das Schulhaus und die Kirche. Zur Rechten im letzten Hause, kehrten wir ein. An der Thür stand Beck", freilich in russischen Buchstaben. Ein wunderschönes junges Mädchen erschien nun auf der Schwelle der bestürmten Hausthür, die fest verschlossen und verriegelt war in deutscher Ordnung und Tadellosigkeit. Sie führte uns in die Staatsstube ein ziemlich kleiner Raum mit sehr vielen Fenstern; weißer, gescheuerter; Fußboden mit Sand bestreut; ein Bett i rvt , rv;rr r i I mit einem Jtquxm von ien; lauicr sehr große Möbel, die Commoden an sckmale Fensterpfeilev gestellt, zu hoch und zu breit, daß man ganz yerum langen muß. wenn man ein Fenster offnen will, der richtige deutjche Bauer! Viele Fenster sind ja auch ein Besitz und groß müssen die Möbel wohlhabender Bauern immer sein! Die schöne Beöin kann sich gar nicht vorstellen, was wir eigentlich wollen; sie holt aus dem Nebenzimmer die ebenso schöne Schwester, daß sie die Verlegenheit mit ihv theilen möge. Nun finden auch die Reisenden ihre ernsthafte Contenanz wieder und sagen, daß sie nur gekommen sind als Deutsche zu den Deutschen." Die schönen Mädchen lachen über die hergelaufenen Fremden, ein gesundes, rollendes Lachen hinter herrlichen Zähnen. Da sagt die Eine: Ich werd gehn, den Voater holen!" Man hätte es ja denken müssen, aber es überraschte doch, wie nun der große, breitschultrige Alte kam, mit dem eigensinnig hochmüthlgen Bauerngesicht, edel und fest geschnitten: denn wie ste nun schwäbelten! Der Bauer setzte sich sofort an's Fenster und sagte: Setzet sich!" Mit seinem langen, dunkelblauen Rock, vorn offen über der SammetWeste, die weiten Leinenhosen in hohe Stiefel gesteckt, war er ein köstlicher Typus des aristokratischen, in. der Erbfolge wohlhabend gebliebenen Bauern. Er wav der Enkel jener Ansiedler, die man in Württemberg ausgewählt hatte, um die tartarischen Steppenhorden Ackerbau, Ordnung und Cultur zu lehren. Sie haben dann auch großartige Resultate mit Weinbau und Korn geliefert, sind Alle sehr wohlhabend und so äugenscheinlich zufrieden! Dev Alte, da nun Alle Platz genommen hatten, sate endlich: . Es freut mich sehr sah schon die Ekvipasche wußte freili nit, daß'S Deutsche woarn!" j Wir kamen bald auf das Thema der Ansiedelung in Lustdorf, welchen freundlichen Namen ihr Katharina selbst verliehen... . : Die Kaiserin erzählte der nun gesprächig werdende Bauer von ihr, ist mit unserem Herrn Herzog in Stuckert in Freundschaft gewesen; nach Holland verkauft mochten die Selben nit werden da griffen's zu und siedelten hier her, als die Frau Kaiserin eingeloaden hat. Es sind run 100 Joahr her. gleich nach'm Türkenkrieg ein Jedes hat sein gut Stücke! Land bekomme. Woas aber I ai am melden yergezogen ganz jrei zu sein von's Milidär! Ist uns
auch ällweg gut geganga und hoaben auf Ehr und Reputation gehalten. Nachher aber , gab's ein Unglück mit der Wehrpflicht, um '74 herum. Viele gingen fort; Anfangs der 80ger hoat's stch gemacht, daß auch mei' Bruder söhn' sellen dienen g'mußt un fort und nach Amerika! Und auch des Bruders Schwiegersohn war nit zu hoalten hat eine so schöne Ausstattung g'habt und 4000 Rubel baares Geld. In Amerika noa! Da hoaben's groad auf die arme Luders gelauert da war auch lang schon die gute Zeit vorüber und Alls schnappten's weg! Der Bruder hat sich zu Tod gegrämt, gar viele Familien sind elend worden! Und warum? Hat uns hier nit das Land Gut's gethan? Müssen's nit heuer in Wirtemberg Oalle Soldat werden? Worum denn nicht? Und mei Bruder ist gewesen noch dazu ein Aeltester!Er schwieg nun nachdenksam im Verlauf hörte man wohl, daß das Deutsche schon untermischt mit russischen Floskeln war aber auch das wurde geschwäbelt. Aus dem Hinterzimmer tönte das Schnurren einer Nähmaschine und auf die Frage, ob noch eine dritte Tochter da sei, erklärte das schöne Mädchen, auf die noch schönere Schwester mit einer pompösen Handbewegung zeigend: Sie ist nur unsere Nätherin, denn die Schwester wird heirathen einen Lährer, und sie kommt nach Adjessa; er hat aber auch Land!" Der Alte sagte nichts, aber er sah recht unzufrieden die Tochter an: daß sie noch solch' eine Mesalliance erzählen mochte! Er brach ' auch das unliebsame Thema mit einer Frage ab: Können's mir net sage, was ist ein Burgermeischter und was für ein Unterschied ist von Vurgomischr und Starosta?" Die Erklärung war ihm nicht ganz recht er selbst war Starosta . und wollte es dem deutschen Vurgomischr gern gleich thun; von diesem bäuerlichen Eigensinn und Stolz mochte es kommen, daß er solche Fragen überHaupt stellen konnte; er schloß auch die Auseinandersetzung über Stadt und Land mit der einfachen Bemerkung ab: Nu ja also doch immer von Hundert Einer!" Es wurde Milch und Brot für uns aufgetragen die Milch, wie hier überall, mit einem leichten und doch penetranten Salzgeschmack, das Brot ein echtes, gebeuteltes, kräftiges deutsches Graubrot! Anstandshalber mußte man wohl nach der Zeche fragen und der deutsche Bauer, zäh an der Ueberlieferung hangend, daß nur bezahlte Dinge einen Werth repräsentiren und darum geachtet werden, sagte mit seinem stolzen, ernsthaften Gesicht: Vierzig Kopeken!" Als wir aufbrachen, sank die Sonne schon; aber ihr letztes Feuer brannte im Westen nicht intensiver als ringsumher. Dke lebmsarbene pontinische Ebene lag flach wie ein Teller unter dev weiten 'Himmelsglocke, die, am Rande röthlich schimmernd, sich nach oben hin mit schwefligem Licht in einen gleichmäßigen grauen Ton verlief; keine dunkle Wolke, noch ein leuchtender Schimmer beängstigend in lautloser Stille, als läge hinter ihr brütend ein schweigendes Geheimniß. Ein Geheimniß, das sich plötzlich in der stillen Nacht aufmachte, um mit Sturmgeheul und Wogenschwall die Schläfer zu wecken. Hunderte von Menschen verloren in dieserSchreckensnacht längs der Küste das Leben!
Aus semen stillen Tiefen sprang das Tschornoja More, hob mit den weißen Schaumkronen die Schiffe empor und warf sie krachend gegen die harte Brust der Kalkfelsen, an denen sie wie Nußschalen zerschellten. Bruökai'S Identität. : Der Jongleur, Seiltänzer und gelegentlich auch Thierbändiger und Thierabrichter Nikolas Bruskai fand sich kürzlich aus der Post in Meaux ein, um einen Brief abzuholen. Da er sich darauf verließ, in ganz Europa" unter dem Namen Nikolas Bruskai bekannt zu sein, so war er sehr erstaunt, als ihn der Postbeamte fragte: Haben Sie vielleicht Papiere, die Ihre Jdentität beweisen können, eine Miethsquittung, einen Jagdschein, 'MilitärUrlaub oder dergleichen?" Nein", erwiderte er. In diesem Falle", erklärte der Beamte, kann ich J7i?n nichts geben." Genügt Ihn' - Reicht-, fragte nun Bruskai, J) Ihnen sage, von wo ich den 23i'':? :rvarte? Er muß aus Prag in Böhmen kommen." Der Beamte suchte in einem ganzen Pack Briefe; nach einer Welle besah ? einen Brief genau und sagte: In der That, da ist ein Brief mit dem Poststempel Prag und die Adresse an Herrn Nikolas Bruskai. Ich glaube gern, daß er fü'Sie bestimmt ist, aber ich kann Ihnen denselben nicht ausliefern, wenn Sie mir keine Bettxise liefern, daß Sie wirklich Herr Bruökai sind. Wer sagt, mir, daß Sie Bruskai hei ßen und nicht Durand? Der Brief ist nicht eingeschrieben, und ich will gern nicht die ganze Strenge der Vorschrift anwenden. Legen Sie mir irgend em Beweisstück vor oder bringen Sie mir einen Zeugen her; das wird genügen. Gut", sagte Bruskai, und entfernte sich. Nach Verlauf von etwa einer Stunde kam er wieder, mit einem verschmitzten Lächeln auf den Zügen. Er drückte sein Gesicht an das Gitter und rief in das Bureau hinein: Da bin ich wieder! Ich bins!" Ich? Wer Ich?" war d:e etwas schroffe Antwort des Postbeamten. Ich! Bruskai! Wis, sen Sie, ich komme wegen des Briefe? aus Prag!" Richtig", sagte der Beamte; nun, haben Sie sich daö Nöthige verschafft?" Ich denke, rn!' war die Antwort. Nun, so zeigen Sie
Ihre Beweisstücke vor!" Was heint"
erwiderte jetzt der Trapez - Künstler etwas zögernd, ich kann sie nicht hereindringen; das geht nicht. Auch habe ich zwei Zeugen. Aber es geht wohl gleichfalls nicht an, .dcin ich ste hereinbringe. Wollten Sie wohl die Güte haben, mit mir auf eine Minute hinauszugehen?Der Beamte war neugierig und gmz mit hinaus. Draußen stand ein Wägel chen mit einem Pony bespannt. Das stno meine Beweisstücke , sagte Bruskai; ich habe keine andern. Aber ich denke, sie werden genügen, denn hier auf dem Wägelchen sehen Sie mit großen weißen. Buchstaben meinen Namen gemalt: Nikolas Bruskai!" Es war in der That höchst wahrscheinlich, daß das Wägelchen dem gehörte, der den Brief ausPrag verlangte, und nicht etwa dem Prinzen von Wales. Trotzdem war der Postbeamte noch nicht überzeugt. Ich sehe wohl Ihre Papiere, die von Holz sind." sagte er; aber wo sind Ihre Zeugen?" Der Künstler öffnete einen Kasten des Wägelchens, streckte seinenArm hinein und brachte einen Papagei heraus, den er hoflich begrüßte. Bitte tausendmal um Vergebung, daß ichSie störe. Herr Papagei , sagte er, aber Sie würden mir einen großen Gefallen thun, wenn Sie mir sagen würden, mit wem Sie augenblicklich zu sprechen die Ehre haben." Codiern", kreischte der Papagei. Sie sind nicht höflich, mein Herr", fuhr der Künstler fort, aber angenommen, der Mann, mit dem Sie sprechen, sei ein Schwein, können Sie mir vielleicht sagen, wie dieses Schwein heißt?" Bruskai Nikolas", gurgelte jetzt der Vogel deutlich. Gut! Sehr gut! Sie können jetzt in JhrHaus zurückkehren." Der Papagei wanderte vieder in seinen Kasten. Dann wandte ich der Künstler zu dem Pony. Parik", so redete er den Vierfüßler an, bist Du nicht das Lieblinaspferd deS Kaisers von China?- Patrtt schüttelte energisch verneinend mit dem Kopfe. Man behauptet.Du gehörest einem gewissen NikolasBruskai; ist das wahr?" Patrik nickte gan-; entschieden mit dem Kopfe, was in der Geberdensprache der Pferde wie der Menschen Ja" bedeutet. Und dieses Fuhrwerk",. fragte bit Künstler weiter, gehört es vielleickt auch Herrn Bruskai?" Abermals er folgte ein entschiedenes Ja. Schwöre es!" gebot der Künstler. Das Pferdchen hob den rechten Vorderfuh hoch und nieste mit einer solchen Aufrichtigkeit, daß der hartnäckige Bureaukrat endlich überzeugt war! I' t)&nt hatt Unglück. I' hänt e' möhl e' Schminke ghätt Dös Schwinle is vertloffa. I' hänt' e' mohl e' Uehrli ghätt Dös Uehrli Hirn' V versoffa. I' hänt e' mohl e' Hllsli g'hätt Dös Hüsli is verbrunna. I' hänt e' mohl e' Röckli g'hätt Dös Röckli hänts mer g'numma. Un itzt, itzt hänt i' gar nix mihr Als n' zerrissinä Hose. Zu allen Unstirn un Malir Verlier i' a' no d' Dose. Un die Moral vo dere G'schicht? Guck uf die Schwinli ! ! Versuff ka Uehrli ! U' verliart ka Dösli macht. Spruch. ! Wer zu stolz ist.'um zu fragen, Soll sich nachher nicht beklagen. Wenn als Lohn dafür zum Schluß Er brav Lehrgeld zahlen muß. Vor einiger Zeit wurde in der in der Rue de Rivoli belegenen Pariser Filiale des Credit Lyonnais ein Diebstahl von 100.000 Francs unter folgenden Umständen begangen: Man hatte, um Zahlungen zu leisten, 500.000 Francs in Banknoten, in fünf Umschläge verpackt, nach dieser Filiale gebracht. Wenige Minuten nach der Deponirung derselben entdeckte der Hauptkastirer. daß eines der werthvollen Packete fehlte. Der Argwohn richtete sich gegen mehrere Angestellte. Einer wurde sogar verhaftet, aber bald wieder in Freiheit gesetzt, da seine Unschuld sich zweifellos herausgestellt hatte. Nach diesem Diebstahle wurde ein Buchhalter Namens Albert Audeband, der 150 Francs monatlich bezog, entlassen. Die Umstände, unter denen diese Entlassung erfolgte, lenkten die Aufmerksamkeit auf Audeband, um so mehr, als gleich nach dem Diebstahl der Verdacht gegen ihn rege geworden war. Man brachte bald in Erfahrung, daß der entlassene BuchHalter sich nach Royan begeben hatte und von dieser Stadt aus nach Monaco geeilt war. Schließlich kam er nach Paris zurück; er begab sich sofort zu einem Bankier, bei dem er für 76. 000 Francs dreiprocentige Rente, sowie verschiedene Actien kaufte. Hierauf kehrte er auf einem Zweirad nach der Place Daumesnil zurück. Während dieses Treibens ' war Audeband von zwei Criminalpolizisten beobachtet worden, die zu seiner Verhaftung schritten. Er erklärte, das Geld von einer dritten Person zur Abwicklung von Geschäften erhalten zu haben, was sich als Lüge erwies.' Es wurden in seiner Wohnung noch gegen 20.000 Francs gefunden, so daß von der gesammten entwendeten Summe nur 34000 Francs fehlen. Der Oberprotz. Arbeiter .Ja, ja, an de Händ' sieht man's, ob Einer was arbeit' oder net." Herr (seine schwielige Hand zeigend): Da schaun S' amal her!" Arbeiter: JesseS na! Was san denn Sie. a Scbmied oder so was?" Herr: .Gäng mer grad no' ab dös kimmt von Couponabschneid'n!" Smetana's. Verkauft' Braut" hat bei ihrer Erstaufführung im Hofoperntheater solchen Anklang gefunden, daß sie die Direction nun. mehr unter dem Titel: Die ausver. kaufte Braut" will auffuhren lassen.
