Indiana Tribüne, Volume 20, Number 73, Indianapolis, Marion County, 29 November 1896 — Page 6
Herz und Welt. ' Von Cnst Wehrend. - ' Das war ein wunderselig Schreiten! Wir gingen schweigend Hand in Hand Auf schmalem Rain, zu beiden Seiten kDer schlanken Weizenhalme Wand. Wir spürten nichts vom Weltgetriebe, Der Alltag war uns fern gerückt. Das leise Werden uns'rer Liebe Welauschten zart wir und entzückt. i Nun fiel der Schwaden gold'ne h Menge. iUnd frei vor uns liegt Feld an Feld. Vs kehrt der Blick aus Herzensenge Zurück zur weiten Außenwelt. Welch reicher Wechsel von Gesichten Wogt hier vor uns'ren Augen hin! O schau die Fülle schwerer Pflichten Und auch den köstlichen Gewinn! ... So lab denn Hand in Hand uns schreiten Mit hellen Blicken durch die Welt! Das Leben hat an allen Seiten Gesetzestafeln ausgestellt. , Doch heilig bleibe stets uns beiden Der Tag der Weltvergessenheit: Mit Kraft zum Schaffen und zum Leiden &ci er die Herzen still geweiht. Leidend.
; Leidend! Nicht krank, nicht schwer, nicht lebensgefährlich krank, nur lei dend; ein Zustand, den man zwar beZdauernswerth findet, der jedoch einen nicht allzu großen Aufwand an Mitgefühl und Besorgniß beanspruchen darf. Eine wirkliche, gefährliche Krankcheit versetzt alle Familienangehörigen, ja den ganzen Freundes- und BekannSenkreis desBetroffenen in schmerzliche Aufregung; die Sorge um ein geliebtes, bedrohtes Leben erfüllt alle Herzen, und wenn die Gefahr gehoben ist. Dlt glück- und dankerfüllt begrüßt der Genesende die ihm neuverliehene Himmelsgabe der Gesundheit, wie freudig gibt er sich im Vollgefühl der wiedererwachten Thatkraft den Anforderungen und Pflichten hin, welche das Leben von ihm verlangt! Die Wonne des Genesens kennt der immer Kränkelnde nicht.. seinLeben spinnt sich ab zwischen kleinen Schwankungen des Besindens, jenem Auf und Nieder, wie es alle lange Leidende, chronische Kranke kenuen. Seine Umgebung ist längst daran gewöhnt, ihn schwach und hinsällig zu wissen; er ist ja nicht sehr krank, entbehrt ja auch nicht aller Daseinsfreude. er kann sich schonen, sein Zustand ist nach der Meinung der Gefunden ein ganz erträglicher; es war seit Jahren so und kann Jahre lang noch so bleiben. Daß er im steten Ringen seiner Geisteskraft gegen den unsichtbaren Feind, seine körperliche Schwäche, sich vergeblich abmüht, daß er von so vielen Freuden und Genüssen ausgeschlossen ist, die der Gesunde dank- und fragelos hinnimmt, daß er fast all' die schönen beglückendenUeberflüssigkeiten, die das Dasein schmücken und durchsonnen, entbehren muß. die zwar nicht unbedingt zum Leben erforderlich sind, wie das Athemholen, ohne welche es aber doch recht schal und farblos ist, das bemerken und fühlen nur Wenige. Der Leidende in der Familie wird in den meisten Fällen von Rücksicht. Güte und Zartgefühl umgeben sein, das hindert aber nicht, ! daß er sich unglücklich suhlt, yauptsachlich durch sein Unvermögen, etwas zu leisten, denen, die er liebt und denen er so viel dankt, etwaö mehr zu sein, als eine liebe Last. Das Einzige, was ihm für sie zu thun geblieben, ist. daß er durch Klagen und Ungeduld diese nicht noch schwerer macht, noch verschliminert, daß er. so gut es eben gehen will, sich mit seinem Loose abzusinden, es resignirt, ja heiter zu ertragen sucht. Durch sein Leiden, welches in den meisten Fällen starke Sinnes- und Gernüthseindrücke nicht verträgt, ist ihm eine vom Getriebe der Welt abgesonderte Stelle angewiesen, wodurch er allmählich dort fremd und fremder wird, wo sich die Gesunden heimisch fühlen. Der Verkehr mit Jemand, der weltfern lebt 'und dessen schwache Gefundheit steter Schonung bedarf, ist für Durchschnittsmenschen nicht leicht. Manche glauben, der Interessensphäre eines Leidenden am nächsten zu kominen, wenn sie Krankengeschichten erzählen, was eine Qual für den Zuhörer ist, die er geduldig über sich erge hen läßt, aber eigentlich ein Trost sein und ihm beweisen soll, daß sein Leiden gegen dasAnderer gar nicht so schlimm und ganz leicht zu ertragen ist. Andere loben aus Gutmüthigkeit und Mitgefühl sein gutes Aussehen (was in der That meistens gar nicht gut ist) und verheißen ihm darauf hin sichere, baldige Besserung, vielleicht gar Genesung. Der armeKranke l'achelt wehmüthig. Was soll er sonst thun? Er weiß es besser, aber er ist es müde, längst zur Genüge an diese tactlosen Trostversuche gewöhnt, sie immer auf's Neue zu widerlegen. O Ihr, hinter denen eine überstandene schwere Krankheil mit ihren Schmerzen wie ein böser Traum versinkt, aus dem erwacht. Ihr in's wirkliche Leben zurückkehrt, wie glücklich seid Ihr gegen Jene, die nicht krank und nicht gesund, die nur leidend sind und für die es wohl nur in den seltensien Fällen eine Genesung auf Erden gibt! . . ., Bewährte Unglückszahl. Gattin: Mir ist. als wären wir schon hundert Jahre verheiratet; ich kann mich gar nicht mekir b?sm?. fji tntl&tr C?)?lerter.hri rvr "NZ - ersten Male begegneten." lH-'.te: k Ich aber; es war in einer Gesellschaft . und es waren dreizehn Personen bei i Tischs
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Vildcr aus (papjm&ja. Der Hauptort 'des ganzen HereroStammes und der Sitz des von der deutschen Regierung anerkannten Oberhäuptlings Samuel Maharero ist Qkahandja. Die Hereros gehören nicht mehr zu den wilden Stämmen Afrika's, denn seit 50 Jahren' arbeiten unter ihnen trotz unendlicher Schwierigkeiten deutsche Missionare, die ca. 3300 Angehörige des Stammes zum Christenthum bekehrt haben. Eine Literatur in der Volkssprache ist geschaf. fen und die Kunst des Lesens ziemlich verbreitet; der Häuptling Maharero selbst ist aber noch ein Heide. Im Großen und' Ganzen hat bei dem Stamme ein gewisses Maß christlicher Cultur Eingang gefunden. Früher gingen die Leute sämmtlich in schmutzigen Fellkleidern und waren mit 'eisernen oder kupfernen Ringen behängt. Die Weiber hüllten sich in unansehnliche Ledermäntel und trugen auf den Köpfen unschöne Ledermützen mit wunderbaren Ohren" oder Zipfeln. Jetzt sieht man nicht nur viele Männer, Herren könnte man sagen, denn der Stamm kennt einen Geschlechtsadel, sondern auch Frauen, in anständiger europäischer Kleidung einhergehen. Im Uebvigen hat sich an der Lebensweise des Volkes wenig geändert. Ackerbau ist im Hererolande, welches zwischen dem wllstenähnli chen Küstenstrich und der Kalahari wüste liegt, nur an sehr wenigen Stellen möglich, deshalb waren und sind die Herero nur Viehzüchter. Sie besitzen Hunderttausende von Rindern Maharero mit Gefolge. von der langgehörnten, hochbeinigen südafrikanischen Rasse, mit denen sie von Weideplatz zu Weideplatz ziehen, je nachdem sich durch den Wechsel der Jahreszeit oder durch fallende Strichregen in einer Gegend besserer Graswuchs findet. Einige Hütten, die dem südafrikanischen Beduinen das Zelt ersetzen, sind schnell errichtet, denn an Ruthen, Gestrüpp und Gras fehlt ei auch in SUdwestafrika nirgends ganz. Für den Hausrath, der nur in wenigen Milchgefäßen, Kochtöpfen und Waffen besteht, ist darin genügend Raum, und gegen Sonnenbrand wie gegen 'Kälte der Nacht leisten sie gute Dienste, so daß die Eigenthümer au' der in der Hütte ausgebreiteten Matt das Mittagsschläfchen halten und di begehrte Nachtruhe finden könner Ueber Tags sitzt man gern unter der. Schatten eines Baumes oder. wenr. ein solcher fehlt, eines Strauches, an dem das Fleisch von geschlachteten Thieren oder von erlegtem Wild zum Trocknen aufgehängt wird. Auch finden hier wohl die Hörner schöner Ochsen eine Stätte; diese bildeten auch früher und bilden sie bei den heidnischen Herero noch heute den einzigen Schmuck der Gräber, über denen die Hörner der dem Verstorbenen geschlachteten Opferthiere häufig pyramidenartig aufgethürmt sind. t Die Knechte der reichen Herero sind die heidnischen Bergdamara. Diese Heloten sind der Farbe nach Neger, reden aber die Sprache ihrer früheren Herren, der Nama - Hottentotten. Sie Bergdamara. wohnen im Hererolande zerstreut oder suchen in unzugänglichen Felsennestern ein freies Leben zu führen. Jetzt hat die deutsche Oberherrschaft die Bergdamara von dem Sklavenjoch erlöst. In hohem Grade erschwert wurde anfänglich dieMissionsthätiakeit durch die beständigen Kriege zwischen den Herero und ihren seitwärts sitzenden Feinden. - den Nama Hottentotten. Hauptgrund für diese Kriege wav der Glaube der Nama. daß weiter im Norden ein Schlaraffenland zu finden sei, und daß alle schwarzen Stämme, welche den Zugang zu diesem gelobten Lande hinderten, als Komanitas vertilgt werden müßten. Bei Okahandja wurden zwei kleine HereroStämme gleich im Anfang des Krieges vollständig aufgerieben, und einige Hügel in der Nähe des Platzes erhielten den Namen Hügel dev Knochen" von den Gebeinen der Erschlagenen. Später (1863) haben andere Herero,' die den vereinsamten Platz wieder besiedelten, einen Angriff der Nama mit solchem Erfolge zurückgewiesen, daß zweihundert ihrer Feinde dasSchlachtfeld bedeckten. Die Missionare litten unter diesen Unruhen schwer wurden aber von beiden Parteien geschont und konnten wenigstens im Lande bleiben. Sie rietben stets zum Frieden, thaten Gutes dem Freunde und Feinde, pflegten die Verwundeten, ja begruben die "Gefallenen. Dabei hatten die Missionare schwer unter dem diebi, sehen Sinn der Leute zu leiden; die Arbeiter, welche sie M ihrem Hausbau brauchten, die Dienstjungen, die Köcyin. ja selbst die Häuptlingstochter stahlen ihnen Alles untev den Händen weg. Es heischte auch eine unglaub-
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liche Unrcinlichkeit bei Groß und Klein, bei Männern und Weibern. Das Volk stand unter dem Banne des thörichtsten und greulichsten Aberglaubens und lebte in echt heidnischer Sittenlosigkeit. Treulich thaten die Missionare ihre schwere Arbeit. Täglich beschäftigten sie Fürsorge für Bedürf-, tige ' und Kranke. Studium der Hütten der Eingeborenen. Sprache, Schuldienst und Predigt und das Erbauen von Häusern, Schulund Kirchgebäuden, und endlich konnten im Jahre 1872 die Erstlinge, dreizehn Erwachsene und drei Kinder, getauft werden. Seither ist es mit der Entwickelung der Station vorwärts gegangen. Gegenwärtig zählt die Hererogemeinde von Okahandja fast achthundert Glieder und die Missionsfchule wird dort täglich von hundertfünfundzwanzig Kindern besucht.' Die christlichen und auch die besser gestellten heidnischen Herero haben sich an diesem Orte vielfach kleine massive Häuschen aus Lehmziegeln erbaut, die mit ihren flachen Dächern eben keinen schönen Anblick bieten. Da sie aber den Ansprüchen der Eingeborenen genügen und innen sauber gehalten sind, stellen sie gegen die Hütten der früheren Zeit immerhin einen Fortschritt dar. Abgesehen von der Kirche ist die Kaserne der deutschenSchutztruppe das stattlichste Gebäude in Okahandja. Die Kaserne nebst den daran stoßenden Stallungen sind aus Luftziegeln aufgeführt und sehr zweckmäßig eingerichtet. Gegen die früheren Wohnungen, kleine, niedrige Häuschen aus Pfählen, Rohr und Lehm, oder gar gegen Zelte. 'in denen es in der heißen Zeit unerträglich warm ist, sind diese neuen Gebäude Paläste zu nennen. Die deutsche Schutztruppe in SüdWestafrika ist eine für Afrika imposante Macht. Sie hat sich bei Europäern und Eingeborenen Anerkennung erworben, durch Tüchtigkeit, Tapferkeit und Mannszucht und besonders auch durch die zähe Ausdauer, die sie in den schwierigen Kämpfen gegen Witboy bewiesen hat. Der Reiter der Schutztruppe sieht auch schmuck und Deutscher Reiter. kriegstllchtig aus. Man könnte ihn für einen südafrikanischen Buern halten, wenn nicht militärische Haltung, Bajonettgewehr und Koppel verriethen, daß wir einen deutschen Soldaten vov uns haben, denn derBuer liebt solche soldatische Attribute nicht. Nicht wenige von den deutschen Soldaten sind, nachdem ihre Dienstzeit abgelaufen war, als Viehzüchter und Händler im Lande geblieben und sinden als solche oft ein gutes Auskammen. Besonders ist hier von jeher der Viehhandel lohnend gewesen. Die Herero und andere nordwärts und ostwarts wohnende Stämme besitzen schönen Viehstivld, dessen Nachwuchs an Ochsen von ihnen ziemlich leicht verhandelt wird. Sie brauchen europäische Waaren. Pulver, Blei und Gewehre, Hemden, Hüte und starke Mannskleider aus englischem Leder und dergleichen Stoffen, Kattune für die Frauen. Auch Töpfe, 'Messer, Werkzeuge, wie Beile und Sägen, ja auch Wagen werden sehr geschätzt und begehrt; selbst Kaffee, Zucker und Mehl sind an reichere Eingeborene verkäuflich. Diese Sachen werden von den Händlern, die hier und da im Lande zerstreut wohnen, feilgehalten, Auf dem Viehmarkt. außerdem bieten sie wandernde Händler aus, die alljährlich mit ihren Ochfenwagen weite Reisen nach dem Ku-nene-und Okavangafluß oder nach dem Ngamisee unternehmen, sobald im Mai die trockene Jahreszeit ihren Anfang nimmt. Der Aufenthalt in der frischen Luft bei Tag und Nacht, daö Ausüben dev Jagd, dann wieder einträglicher Tauschhandel bei größeren Ortschaften, bringen dabei Abwechse lung. und wenn keine Krankheit die Menschen und keine Seuche das eingehandelte Vieh ergreift, bringt solche Reise, die man dort mtogt" nennt, reichen Gewinn.' Nach der Rückkehr wird das Vieh auf Viehmärkten umgesetzt. Jetzt bleibt es meist im Lande, denn die Verwaltung braucht Zug thiere und Schlachtvieh in Menge, früher verschickte man es auf die Märkte der Kapcolonie, auch selbst nach den Diamantfeldern. Der. Händler ruht sich dann wieder in seinem Heim aus.
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Die Handelsstätten wirken auf die Eingeborenen culturfördernd, , vorausgesetzt, daß die Händler gewissenhaft genug sind, um den leidigen Branntwein von ihrem Vertriebe auszuschließen; denn der Branntweinverkauf ist in Afrika nicht nur für einzelne Leute, sondern für ganze Stämme verhängnißvoll in seinen Folgen. Hinter dem Händlerhause ist die Küche eingerichtet, aber wir müssen annehmen, daß die auf unserem Bilde dargestellte Küche sich hinter einem Hause befindet, in welchem keine deutsche Hausfrau waltet. Nur Junggesellen können sich einMittagessen munden lassen, das an einem solchen Orte hergestellt ist; an dem ein Kudugehörn, alte Kisten und Bleche, Eimer und Töpfe in buntester Unordnung durcheinander stehen. Man denke sich, daß auf diesen Kisten Fleisch zerlegt und gewaschen wird, daß hier Teller und Tassen mit Hilfe von Tüchern gereinigt" werden, deren Farbe mit der Zeit undefinirbav geworden ist, und daß schließlich Alles von hier aus auf den Tisch des .Herrn" geschleppt wird. Was für Brot und welche Braten gibt In der Küche. es da manchmal, und wie ist der Kaffee bald zu dünn und bald zu stark, der Thee aber jedenfalls gekocht statt aufgebrüht! Was thut das den schwarzen Köchen? Ihnen geht es gut genug. Viel Anstrengung erfordert ihre Arbeit nicht, und das Schelten des Herrn, das sich von Zeit zu Zeit vom Tisch aus auf das Haupt des aufwartenden Boy entladet, wird mit dem größten Gleichmuth hingenommen. Weiß der Bursche doch, daß er so leicht nicht fortgejagt wird, weil seine Herren doch keine Aussicht haben, Köche oder Diener zu finden, die mehr vevstehen als er. Erhält er einst wirklich den Laufpaß, so zieht er einsam, aber getrosten Muthes der nächstgelegenen Herberge von deutschen oder englischen Junggesellen zu. Den armen verlassenen Junggesellen in Südafrika aber wünschen wir, daß bald deutsche Hausfrauen in ihren Küchen und Stuben Ordnung schaffen. Tic Trcirad-Troschkc. f Die unendliche Neihe der sich in der Berliner Straßen bewegenden Fahrzeuge ist durch eine originelle Fahrraddroschke vermehrte worden. Es war ein naheliegender Schritt, das bisher zum Tragen von Lasten benutzte Dreirad auch zur Beförderung von Menschen einzurichten. Der zum Sitzen dienende Ledersessel ruht in Federn auf der Hinterachse, das Fußbrett liegt beim Einsteigen auf dem Boden, wird aberbum Beginn der Fahrt durch einen einfachen Mechanismus gehoben. Das nur gegen schlechtes Wetter aufAuf der Fahrt. gespannte lederne Verdeck kann ebenso wie das Schutzleder zusammengeklappt werden und findet seinen Platz hinter der Rücklehne. der Fahrgast sitzt, wie die Abbildung erkennen läßt, rückwärts. Die Fahrgeschwindigkeit des Droschkendreirads beträgt beinahe das Doppelte der Leistungsfähigkeit einer Droschke ersterKlasse (etwa 250 Fards in der Minute). Der Fahrpreis ist ein äußerst geringer, für je angefangene 400 Meter sind 10 Pf. zu zahlen. die ' zurückgelegte Entfernung wird durch einen Taxameterapparat gemesfen. Das dem Erfinder, Dlrcctor Hoffman in Berlin, patentirte Fahrzeug wird sich ohne Zweifel auf dem Berliner Pflaster und Asphalt bald einbürgern. Einige zur Probe in Bcwegung gesetzte Dreirad-Taxameter-droschken erregten großes Aufsehen. JnderLiebehofft, in der Ehe fürchtet man stets zu viel. Ausrede. Sie: Nein, ich kann Sie nicht heirathen, Sie haben einen allzugroßen Fehler: Die Eitelkeit. Sie sehen zu oft in den Spiegel. Er: Aber das thue ich nur, weil ich mich ohne Frau so vereinsamt fühle, daß ich von Zeit zu Zeit ein bekanntes Gesieht sehen muß. JmHeirathsbureau. Auswärtiger Kunde: Gut. ich bin mit Ihrem Vorschlag einverstanden. Aber bis Ostern muß die Heirath perfekt sein. Heirathsagen! (früher Spediteur) :Jch liefere Ihnen die Dame bis 1. April franko Bahnstation exclusive Rollgeld. Allzu aufmerksam. Kbambreaarnili (bir von himr NUr thin im besten Schlafe geweckt wird): I Zum Donnerwetter, was wollen Sie denn? Lassen Sie Mich doch schlafen! . Wirthin: Ach. entschuldigen Sie nur. Herr Müller, ich wollte Ihnen nur sagen, daß heute Sonntag ist und daß Sie noch weiter schlafen können.
Elektricität im Haushalt. Die glänzenden Erfolge der Elektrokechnik auf dem Gebiet der Licht- und Krafterzeugung haben bis jetzt eine Arbeitsleistung des elektrischen Stromes in den Schatten gestellt, die eigentlich als die ursprünglichste Aeußerung dieser Kraft angesehen werden muß: die Wärmeentwicklung. Jeder elektrisch: Strom erzeugt Wärme, wenn er die Leitung durchfließt, und jeder Leitungsdraht kann durch einen
ElektrischeKü'che. genügend kräftigen galvanischenStrom zum Glühen gebracht werden. Die Erwärmung hängt von der Stromstärke und dem Widerstand des Leiters ab, und wir haben es in der Hand, nicht nur jeden Temperaturgrad, sondern auch eine beliebige Concentration der Wärmewirkung, wie es für Heizzwecke nothwendig ist, hervorzurufen. Die einfachste Form eines elektrischen Heizapparates besteht in einem spiralförmig aufgewundenen Neusilberdraht, der, auf einer isolirenden Platte von Porzellan oder Asbest befestigt, durch den Strom einer kräftigen Batterie oder Dynamomaschine erhitzt wird. Der erglühende Draht kann dann entweder direct zur Erwärmung oder Entzündung eines Körpers dienen, wie beim elektrischen Plätteisen, Cigarrenanzünder und ähnlichen Gegenständen im Haushalt, oder es kann die Uebertragung milderer Wärme durch die Jsolir- und Deckplatten erfolgen, wie dies insbesondere für Kochzwecke angemessen ist. An Stelle des Neusilberdrahtes verwendet man auch mit ganz feinen Platindrähten umwickelte Asbestschnur, die spiralförmig in einer Chamotteplatte eingelegt und mit einer Glimmerscheibe überdeckt wird, sodaß die zu erhitzenden Gefäße direct auf diese Platte gestellt werden können. Elektrische Plätterei. Will man größere Zimmeröfen construiren, so hat man den Draht, der bei zu heftiger Wärmeentwicklung schmelzen könnte, nur angemessen stark und lang zu wählen und ihn, in zahlreichen Spiralen aufgewickelt, in einem eisernen Mantel unterzubringen. Derartige Oefen sind in der That vielfach als transportable Heizapparate in England und Amerika, in jüngster Zeit auch in Deutschland hergestellt worden. Die elektrische Heizung ist also höchst einfach und bequem, und man fände fürwahr an diesem Heizsystem absolut nichts auszusetzen, denn die Erzeugung elektrischer Ströme geschieht nur durch Dynamomaschinen und diese werden fast ausschließlich durch Dampfkraft gelrieben. Aber nur reiche Leute können sich den Scherz leisten, mit einigen Centnern Kohle, die sie direct wt Heizung zahlreicher Oefen und Kochherde verwenden könnten, einen Kessel behufs Erzeugung von Wasserdampf anzuheizen, um mit diesem unter erheblichen Verlusten eine Maschine zu treiben, die wieder unter bedeutendem Kraftverlust eine Dynamomaschine zur Erzeugung elektrischer Wärme in Bewegung setzt. Anders liegt allerdings die Sache, wenn billige Kräfte, wie Wasser und Wind, zum Antrieb der Dynamomaschinen nutzbar gemacht werden, wie dies Zweifellos in Zukunft geschehen wird. Unter Umständen wird dann die elektrische Heizung billiger als Holz- und Kohlenfeuerung werden. Dies ist beElektrischeLeuchte. reits im großen Stile erprobt und zwar ist in der kanadischen Stadt Ottawa eine großartige elektrische Anage geschaffen, wobei die Verwerthung der Elektricität für Heizzwecke besondre Berücksichtigung fand. Die Wasserfälle des Flusses treiben drei Turbinen, von denen zwei ewe elektrische Bahn, die dritteden gesammten Heizapparat in Betrieb setzen. Die Kraftcentrale felbst wird durch drei unter dem Fußboden des Maschinenraumes angeordnete Heizapparate er wärmt. In der Stadt befinden sich zahlreiche Privathäuser mit elektrischen Heiz- und Kochapparaten, sowie verfchiedene Heizvorrichtungen für industrielle Betriebe. Auch die Heizung der Waggons der erwähnten Bahn erfolgt elektrisch. Ganz so günstig wie in Ottawa lie-
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gen die Verhältnisse allerdings selten. Nichtsdestoweniger darf man mit Sicherheit annehmen, daß man auch bei
uns. in absehbarer Zeit Mittel und , Wege zur Verbuugung der elektrischen Kraft finden wird. Bis dahin werden wir uns freilich mit weniger kostspieligen Annehmlichkeiten, die wir uns mit Hilfe der Elektrotechnik verschaffen können, begnügen müssen. Im Familienkreise erregen . heute schon einige kleine Vorrichtungen, die durch das galvanische Element eines Haustelegraphen in Betrieb gesetzt werden, eine gewisse Sensation. So verbindet man mit Vorliebe eine über der Wanduhr angeordnete Glühlampe mit der Leitung. um jederzeit durch einen Knopf bei Nacht oder während der Dämmerung das Zifferblatt beleuchten zu können. Einer großen Beliebtheit, namentlich in England, erfreuen sich transportable Leuchter und Lampen, welche schon mit Rücksicht auf die Feuersicherheit empfehlenswerth sind. In Häusern, die an das elektrische Straßennetz angeschlossen sind, wird man sich mit Rücksicht auf besondre Vortheile auch manch kostspieligeres Vergnügen leisten können. So wird die Hausfrau die Vorzüge eines elekirischen Plätteisens, das jederzeit durch ElektrischerZünder. Schließen des Stromes erhitzt und ebenso schnell wieder abgekühlt werden kann, Wohl zu schätzen wissen. Eine weitere, wenn auch noch ziemlich kostspielige Annehmlichkeit ist die elektrische Treppenbeleuchtung bei Nacht, die zetzt bisweilen automatisch durch Oeff nen der Hausthür in Betrieb gesetzt wird und so lang die Erhellung des Treppenhauses bewirkt, daß man beauem die Wohnung erreichen kann. Indessen sind die elektrischen Fernzünder für Gasflammen in jüngster Zeit so vervollkommnet worden, daß man sich dieselbe Annehmlichkeit mit ge ringeren Mitteln verschaffen kann. In Berlin construirt man u. A. einen Apparat, der bei einem Fingerdruck auf einen Knopf in beliebiger Entfernung eine oder mehrere Gasflammen entzündet und bei einem zweiten Druck wieder verlöscht unter gleichzeitigem Schließen des Gashahns. Bei weiterer Vervollkommnung dieses Systems wird man auch Gaskochund Heizapparate mit Fernzündern verbinden, sodaß z. B. die Hausfrau vom Schlafzimmer aus den schon Abends aufgestellten Kaffee oder Thee bereiten und die Wohnzimmer heizen kann, ohne die Hilfe eines Dienstboten in Anspruch nehmen zu müssen. Elektrische Brenscheere. Aber selbst in Häusern, vie keine elektrische Leitung besitzen, bedient man sich schon heute eines kleinen Fernzünders, mit dessen Hilfe selbst Kinder gefahrlos das Gas an Kronen und Ampeln anstecken' können. Es ist dies ein kleiner Apparat in Form einer leichten Metallstange oder Peitsche, in deren Griff ein kleines galvanisches Element untergebracht ist. Bei Berührung eines Druckknopfes springt aus der Spitze ein elektrischer Funke, der die Entzündung des Gases bewirkt. Alle diese mehr oder minder zweckmäßigen Vorrichtungen geben aber nur einen ungefähren Begriff davon, welche Rolle die Elektricität im Haushalt noch zu spielen berufen ist. In nicht allzulanger Zeit wird jedes Haus einer Großstadt an das elektrische Straßennetz angeschlossen sein, wird jeder Hausstand ebensogut Elektricität Elektrischer Ofen. geliefert erhalten, wie heute Gas und Wasser. Wir werden dann nickt allein I elektrisch heizen, kochen und braten, sondern auch elektrisch waschen, rollen ; und plätten, d. h. die heute schon gc.-. I brä'uMöen Waschmaschinen u. s. w.
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werden unter gleichzeitige: Anwendung von Wärme und Kraft in Betrieb gesetzt werden. Vermuthlich wird man dann auch das Nähen. Weben und Stricken im Hause elektrisch betreiben. Eelektrische Auszüge werden in jedem Hause Personen und Lasten ; befördern und die Treppen allenfalls als trauriger Nothbehelf gelten. Das Telephon wird so verbreitet sein wie beute die elektrische Glockenleitung und Jedermann reird sich der elektrischen Kraft bedienen wie seines Taschen seuerzeuges. Taö schwache Geschlecht.' 44 Ich glaube, meine Besorgnisse waren unbegründet; meine süße Ehehälfte scheint schon zu schlafen !" Nein, Dein armes Weiberl schlaft nicht. Du Tyrann! Du hast kein Herz für Dein verlasse nes, schwaches Weib! sCz Marsch, in's Bett!' WS?, iiis-'A . mmub. V"S i ! iii 'i m i Junge Frau (nach den Flitterwochen): Früher, ehe wir verheirathet Waren, rauchtest Du nie in meiner Gegenwart, Georg!" Gatte: Ganz recht! Früher zanktest Du auch nie in meiner Gegenwart!" Entdeckte Renommage. . Soff: Ich sage Dir, Brander, ich bin gestern mit einer Dame spazieren gefahren." Brander: Hab's gesehen! Sie und Du Ihr gingt daneben und daS Kind lag im Wagen!Lerschnappt. A.: Ihre Frau hat wunderhübsche, kleine Zähne!" -z- B.: Gewiß, viel zu klein jeden Morgen hat sie sie verlegt! Mißverstanden. Herr Commercienrath. ich preise mich glücklich, in Ihrer Tochter meine zukünftige Frau gefunden zu haben!" Ich glaub's, bei einem zzinderlohn von zweimalhunderttausend Mark! Zerstreut. Ein Professor sitzt in einem Gartenrestaurant, und die Hälfte des Tisches, an welchem er sitzt, ist von der Sonne beschienen.' Ach meinte er zur Kellnerin, sind Sie so freundlich und drehen Sie mir den Tisch herum !" W i e d i e A l t e n s u n g e n . . . Der kleine Fritz: Onkel, ich mochte mir gern Bonbons kaufen. Onkel: So, da möchtest Du wohl Geld von mir? Fritz: Nun, . von D.'r nicht; aber Du bist doch Makler und da. könntest Du mir viel? z"z rr.r.r TirS.tiz t'it ftn-cti;:! r.-i!?!ii:i
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