Indiana Tribüne, Volume 20, Number 59, Indianapolis, Marion County, 15 November 1896 — Page 7

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LopWrnerzen. Der alte Stre"i über die Zunahme der Krankheiten' mit der fortschreitenden Entwickelung der Civilisation ist auch heute nM nicht als beendet anzu sehen, ist ja sicher, daß das scheinbartWachsthum von KrankheitsfällenZuin Theil in der gewissenhafteren Äegistrirung derselben seine Er'llärung findet. Andererseits aber kann es dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, daß allerdings gewisse krankhaste Zustände, von denen früher nur vereinzelte Fälle in die Oeffentlichkeit drangen, sich heute in auffallender Weise zu mehren beginnen, eine Erscheinung, die man bei aller Sympathie für die Fortschritte der Neuzeit doch nicht umhin kann, gerade als ein Produkt dieser hohen Culturstufe anzusehen. Nicht von den verderblichen Einflüssen der zunehmenden Genußsucht, nicht von den ausreibenden Folgen der modernen Jagd nach dem Glück Erscheinungen, wie sie im Alkoholismus. Morphinismus, bezw. in dem Allerweltsleiden Nervositätzu Tage treten, soll hier die Rede sein, vielmehr nur von einem Symptom, aber einem solchen, dessen Machtsphäre sich von Tag zu Tag weiter ausdehnt und das eine wahrhafte Geißel der Menschheit zu werden droht der Kopfschmerz. Wer leidet heutzutage nicht anKopfschmerzen? Der mit den verwickeltsten Problemen der Wissenschaft sich abmühende Gelehrte, der nach Reichthum und Ansehen lüsterne Finanzmann, der nach Ruhm und Ehre strebende Künstler, die ihreTage mit Nichligkeiten vertrödelnde Modedame nicht minder als der um das tägliche Brot sich abmühende Mann aus dem Volke und die geistig überbürdete und körperlich vernachlässigte Jugend sie alle sind mehr oder weniger von jenem qualvollen, die Daseinsfreude erheblich verkümmernden Uebel heimgesucht. Dasselbe ist indessen, wie schon angedeutet, in keinem Falle eine Krankheit für sich, obgleich die daran leidenden Personen nur zu leicht geneigt sind, eine solche Vollgültiakeit für ihren Plagegeist in Anspruch zu nehmen, sondern bildet eben nur das hervorstechendste Symptom einer ganzen Anzahl sehr verschiedenartig gestalteter Grundleiden. Der Kopfschmerz ist nicht immer nur ein Zeichen einer einfachen allgemeinen oder örtlichen körperlichen Störung, sondern er stellt zuweilen ein Symptom eines ernsten organischen Leidens dar. So findet er sich bei Gehirnerkrankungen aller Art, bei Geschwülsten innerhalb des Schädels und ähnlichen lebensgefährlichen Zuständen. Doch bilden diese eine Gruppe für sich, die aus unserer Betrachtung ausscheidet. Was man im gewöhnlichen Leben mit Kopfweh bezeichnet, ist dagegen in den allermeisten Fällen bedingt durch die dauernde Einwirkung ungünstiger hygieinischer Verhältnisse auf den menschlichen Körper, zum kleineren Theil auch durch gewisse verhältnißmäßig gefahrlose örtliche ErkranZungen einzelner Organe und Organtheile. Es giebt in der gesummten medicinischen Wissenschaft kein Symptom. das in gleichem Grade das Merkmal einer so großen Anzahl der versckiedenartigsten Krankheiten ist wie eben der Kopfschmerz. Eine der häufigsten Ursachen der Kopfschmerzen ist die Blutarmuth, beziehungsweise die Bleichsucht. Da diese Zustände sich vorzugsweise bei Frauen und Mädchen entwickeln, so leiden auch diese in erster Reihe an dieser Art Kopfweh. Aber auch das männliche Geschlecht liefert ein ansehnliches Contingent zu obigen krankhaften Blutveränderungen, und so mancher Kopsschmerz bei schwächlichen Jünglingen und früh alternden Männein, der auf alle möglichen Schädlichleiten bezogen wird, ist weiter nichts als der Ausdruck einer solchen anormalen Blutbeschaffenheit. Häufiger indessen ist diese Art Kopfschmerz bei allen ienen blassen weiblichen Personen, die auch sonst noch von einem Heer von Unpäßlichkeiten mannigfacher Art heimgesucht sind und deren fast ständigen Begleiter derselbe bildet. Er charakterisirt sicb durck ein lästiges Klopfen und Hämmern innerhalb des Schädels, oft verbunden mit Ohrensausen und Schwindelanfällen. Die letzte Ursache dafür kann nur die Blutleere des Gebirns sein, denn die Schmerzen verschwinden bald oder werden wenigstens erheblich gelindert, wenn htr Kons nikdri npXnntrk tairh mr v w v wvi y n"' 9 so daß mehr Blut nach demselben hinströmen kann (was zugleich als Unterscheidungsmerkmal gegenüber anders artigen Kopfschmerzen dienen kann). Mit diesem Leiden ursächlich ver wandt, auch in Bezug aus seine Borliebe für das weibliche Geschlecht, ist die vielgenannte und vielgefürchtete Migräne, die meist nur eine Kopfhälfte einnimmt, wodurch sie sich von allen ähnlichen Zustanden unterscheidet. Das Leiden gilt etwa wie . die Gicht, für eine vornehme" Krankheit, kommt aber thatsächlich bei Leuten jeden Standes vor. Es tritt anfallsweise auf, oft ohne jede Gelegenheitsursache, ist, aber auch ost deFolge von bestimm ten, dem Befallenen meist wohlbekannten Vorkommnissen. So stellt sich das Uebel bei vielen nach einem Diätfehler, einer körperlichen Anstrengung, einer heftigen Gemüthsbewegung (besonders Aerger). nach lebhaften Sinneseindrü6en (grelles Licht, schrilles Geräusch) und dergleichen ein Bei anderen hat der Besuch des Theaters, eines Conzerj tes. einer Abendgesellschaft dieselbe j Folge. Der Anfall selbst kündet sich, ' V.. AtrfT fTlrtrfrtfn Urititsj Vjl UUIU ytviv vjvtvvtkit utl. 4uiu und Mattigkeitsgefühl, Verstimmung, jrt i r 1 Cf L-i- .111 v ereizirzen, uypzuuiiunzi, vvr ei setzt gleich, meist morgens beim Erwachen, mit voller Heftigkeit ein. Die''ser Kopfschmerz kann gleichmäßig anZsauernv, oft, bis zur Unerträglichkeit

sich steigern, er ist dem Orte nach am häufigsten linksseitig, nimmt zuweilen aber auch beide Kopfhälften zugleich ein. Auf der Höhe des Anfalls, nach Stunden bis Tagen, tritt Erbrechen ein, wonach der Schmerz allmählich verschwindet und einem ruhigenSchlas Platz macht um nach längerer oder kürzerer Zeit von neuem sich einzustellen. Die Migräne ist eines der hartnackigsten Leiden, das nicht selten sogar durch das ganze Leben fortbesteht. Die gebräuchlichsten Mittel haben sich ihm gegenüber alle als für die Dauer wirkungslos erwiesen und nur von einer Umgestaltung der Lebensweise nach hygieinischen Principien ist noch Erfolg zu erhoffen. Im Gegensatz zu den bisher betrachteten beiden Arten von Kopfschmerzen, die mehr auf allgemeinen Ursachen beruhen, schließen sich andere an bestimmte krankhaste Störungen in einzelnen Organen an. Bekannt ist der Kopfschmerz bei verdorbenem Magen oder überhaupt bei Magen- und Darmleiden. Wie man neuerdings annehmen zu müssen glaubt, ist die Ur sache in diesen sfällen die Ausnahme gwisser giftiger Zersetzungsprodukte, die sich bei gestörter Verdauung bilden, in dasBlut, wodurch dieses eine krankhafte Veränderung erfährt, die sich neben anderen Erscheinungen auch im Kopfschmerz äußert. Aehnlich liegen die ursächlichen Beziehungen bei einer Reihe anderer Vergiftungen. Wir verweisen auf den Kopfschmerz nach reichlichem Alkohol- und Tabaksgenuß (Katzenjammer") und nach Einathmung von Chloroform. Kohlendunst (Bügler- undPlätterinnenkopfschmerz) und von Leuchtgas. Die Anwesenheit der beiden letzten in den Wohnräumen ist in vielen Fällen die Ursache anhaltender Kopfschmerzen der Bewohner, ohne daß diese die Quelle ihres Leidens ahnen. Nach Gebrauch von Opium, Morphium u. a. stellen sich gleichfalls leicht Schmerzen im Kopfe ein. Auch der Stubenhockerkopfschmerz, an dem alle Menschen leiden, die sich dauernd in geschlossenen Räumen aufhalten, gehört unter diese Rubrik. Es ist nämlich nicht, wie man bisher angenommen hat, die schlechte Luft an sich, die das Uebel erzeugt und unterhält, fondern das Einathmcn einer giftigen Substanz (Anthropotoxin, Menschengift"), die sich überall dort bildet, wo Menschen während längerer Zeit in geschlössen! Räumen verweilen. Eine mehr äußerliche Ursache bilden örtliche Erkältungen des Kopfes. Dieser sogenannte rheumatische Kopfschmerz der seinen Sitz in der Kopfhaut hat und sich bei Verschiebungen derselben verschlimmert, was ein Kennzeichen für ihn bildet, kommt indessen seltener vor, als man gewöhnlich annimmt. In neuester Zeit ist man auf gewisse Erkrankungen der Nasenhöhle, des Rachens, der Ohren und Augen aufmerksam geworden, die mit anhaltendem Kopfschmerz einherqehen, der dann aber mit der Besserung des ursprünglichen Leidens verschwindet. Bekannt ist ja, daß schon ein gewöhnlichcr, etwas hefter Schnupfen von starkem Stirnkopsschmerz begleitet sein kann. Daher darf es nicht vun der nehmen, daß auch andere Erkrankungen der Nase. Polypen und chronische Katarrhe aller Art. derartige schmerzhafte Empfindungen veranlassen. Die Ursache derselben ist eine Reizung der in der Nasenhöhle sich ausbreitenden feinen und äußerst empfindlich'en Nervenendigungen, was fchon in gelinden Fällen als unangenehmer Kitzel, bei stärkeren Angriffen aber als directer Schmerz sich dem Bewußtsein mittheilt. Diese Reizung wird nur veranlaßt durch Schwellung der Nasenschleimhaut, wobei die Nervenfädchen gedrückt und gezerrt werden. Dasselbe verursachen auch Polypen. Manche Personen, die seit Jahren an Stockschnupfen" leiden, bekommen bei jedem Umschlag der Witterung ihren ihnen nur zu bekannten Kopfschmerz, indem eben bei größerer Feuchtigkeit der Luft die Nasenschleimhaut mehr Wasser aus der Atmosphär? aufnimmt und damit stärker anschwillt. Und wie der Gichtiker. der Rheumatiker oder der mit Hühneraugen Behaftete aus den sich ankündenden, ziehenden Schmerzen einen Temperaturwechsel prophezeit, so bildet für manche Nasenleidende der sich bemerkbar machende Kopsschmerz ein Barometer von dielleicht untrüglicherer Zuverlässigkeit als ihr am Fenster hängendes Instrument. Von Erkrankungen der Augm sind es vorzugsweise die Sehstörungen infolge fehlerhafter Brechung der Lichtstrahlen Kurzund Weitsichtigkeit die namentlich bei Kindern häufig Kopfschmerzen verursachen. Eine ganze Anzahl von Fällen ist bekannt, wo Personen von ihrem jahrelangen derartigen Leiden dadurch befreit wurden, daß man iknen eine passende Brille verordnete. Allerdings muß dos Glas auch wirklieh passend sein; andernfalls werden nicht nur die Augen geschädigt, sondern wird gerade das erzeugt, was man vermeiden soll, bezw. beseitigen will, nämlich eben wieder Kopfschmer zen. Außer den bisher erwähnten giebt es nun noch eine Reihe von Fällen, in denen sich für den Kopfschmerz eine bestimmte Ursache nicht nachweisen läßt. Altem Herkommen gemäß nennt man diese Art nervöse" Kopfschmerzen' welcher Ausdruck aber nur als Lückenbüßer für unsere Unwissenheit aufgefaßt werden darf, insofern wir das Leiden nicht anders zu rubriziren vermögen. Der Laie allerdings ist nur zu sehr geneigt, jeden Kopfschmerz den er nicht auf Erkältung" zurückführt, als nervös" auszugeben. Der sögenannte nervöse Kopfschmerz entwickelt sich vorzugsweise bei aufreibender geistiger Thätigkeit, so namentlich bei Künstlern. Bllcheraelehrten, Schriftsiellern, Großkaufleuten, Finanzm'änncrn und ähnlichen Berufen. Er ist

das Symptom einer Ueberreizung der Gehirnnerven. Zum Schluß noch einige Andeutungen hinsichtlick der Behandlung der Kopfschmerzen Es ist selbstverständlich, daß man in allen Fällen zunächst nach einer Grundursache forschen und diese zu bekämpfen bemüht sein muß. Das ist indessen Sache des Arztes. Dem Kranken aber liegt es ob. zunächst einmal sich einer bezüglichen ärztlichen Untersuchung zu unterwersen, indem nach den oben entwickelten ursächlichen Beziehungen es in vielen Fällen vielleicht nur eines geringen ärztlichen Eingreifens bedarf, um den jahrelangen Quälgeist zu bannen. Leider aber beliebt es der großenMchrheit der Kopfkranken, sich einem unheilvollen Zuwarten hinzugeben, doppelt unheilvoll, einmal durch das Verharren in gesundheitswidrigen Lebensgewohnheiten und zweitens durch die Vorliebe für gewisse Mittel, die zwar den augenblicklichen Schmerz lindern bezw. beseitigen, aber infolge ihrer giftigen Eigenschaften nachtheilig auf den Körper einwirken. Und damit kommen wir zu der zweiten und dritten Aufgabe, die zu erfüllen dem Kranken obliegen: gesundheitsqemäße Lebensweise und strenge Vermeidung aller Nervenmittel." Das A und O der ersteren ist für Kopfleidende, die sitzende Lebensweise führen, reichliche Körperbewegung, bis ein reichlicher Schweißausbruch erfolgt. Ein böses Kapitel ist das von den verschiedenen, gegen den Kopfschmerz üblichen Medicamenten, vorzugsweise deshalb, weil dieselben meist ohne ärztliche Verordnung und ganz nach Belieben gebraucht werden. Die Haupterrungenschaft auf diefern Gebiet ist das Antipyrin. dessen überraschende Wirkung es zuwege gebracht hat, daß dasselbe seit geraumer Zeit allenthalben kritik- und verständnißlos gebraucht und mißbraucht wird. Indessen kann vor dem eigenmächtigen Gebrauch dieses trügerischen Mittels nicht dringend genug gewarnt werden. Der an Kopfschmerzen leidende Theil der Menschheit muß zu der Erkenntniß gelangen, daß sein Heil nicht in der Apotheke, sondern in einer nach hygieinischen Grundsätzen zu gestaltenden Lebensweise zu suchen ist. Nur auf diesem Wee ist ein Zurückdrängen des Feindes, der bereits übermächtig zu werden droht, noch zu erhoffen. Die orbcstimmtc. Von E. Rolland.

Ein Wanderer schritt langsam die Stufen des römischen Capitols hinunter. ; Rings sternenlose Nacht . . . über ihm ein dunkelblauer Himmel ... um ihn das leise Säuseln des FrühlingsWindes, der den Pinien und Cypressen in die Kronen fuhr und den Palmen die langgebogenen Blätter bewegte. Leise klang in das Rauschen desWindes das Geplätscher des alten Brunnens, der unter dem Senatovi:npalasi in ein riesiges Becken niedermurmelte. Zuweilen tönte neben ihm hinter unsichtbarem Gitter hervor der heisere Schrei einer Wölfin, die sorglich gewahrte Reminiscenz an die alte Fabel von Romulus und Remus. Er blieb am Geländer stehen, gerade unter der erhobenen Hand Cola di Rienzis. der geisterhaft in's Dunkel ragte. Die Laternen gaben hie und da Licht und warfen die Riesenschatten der Kolossalstatuen droben über Pflaster und Stufen. Dunkle Nacht sonst . . . nur fern über dem Forum ein flammender Reflex es war einer jener Abende, an dem das Colosseum auf Kosten des römischen Magistrats mit rothen, gelben und grünenFeuern erleuchtet wird; ein Magnet für sämmtliche Touristen der Stadt. Ihm hatte der Anblick nicht gefallen; das bengalische Spielwerk erschien ihm so kleinlich in der grandiosen Einfachheit dieser uralten, berllhmten Mauern. Die einsame Capitolstreppe fand weit mehr seinen Beifall. Da tauchten oberhalb der Treppe zwei weibliche Gestalten auf, die sich ein deutsches Gute Nacht" sagten, die Hände reichten und trennten. Die eine sprang leichtfüßig die Stufen herab, dicht an ihm vorbei. Er sah. daß es sich um ein jüngeres Wesen handelte. Wahrhaftig. Muth! dachte er Nachts so allein über die Capitolstreppe zu 'gehen . . . Da traf ihn ihr. Blick und in derselben Secunde wußte er es:' so sah diejenige aus, welche Ihm fiel ein Abend aus seiner J.lgend ein. Blitzes schnell zog es an ihm vorüber. Eine alteGutsbibliothek war's, droben im Märkischen! Er brachte alle seine freien Ferienstunden zwischen den bestaubten Regalen zu. Da schob ihm eines Tages der Zufall einer Uebersetzung des Talmud in die Hand und wie er sie aufschlug, fand er eine Stelle, dk ihm auf lange hinaus zu denken gab. Dort stand geschrieben, daß jedem Menschen auf Erden eine ihm vorbestimmte, andere Seele zuerkannt sei, die sein Glück auszumachen berufen war wenn er sie fand! Wenn er sie. fand! Das war's ... die meisten stolperten ungeschickt an ihr vorbei, paßten im geeigneten Augenblick nicht auf, hatten in der Schicksalstunde andere Dinge im Kopf Der Mensch ist ein so unvorsichtiges Geschöpf! Seitdem hatte er um jede Straßenecke herum nach jener, für ihn bestimmten Seele , ausgeschaut, mit jedem heransausenden Babnzua sie erwartet, die . verhängnißvolle Anmuthslinie jener ' Gestalt, die eigens um seinetwillen auf löroen wandelte. -. i Oft genug glaubte er zu finden aber schließlich war es immer Irrjhum gewesen. '. .

Dann vergaß er den Talmud über andern Büchern, über Pflichten und Schicksalen. Aber auf der dunklen Capitolstreppe fiel ihm mit einmal alles wieder ein . . . Aus der engen Gasse, die von der Jesuitenkirche zwischen hohen, weißen Häusern zum Capitol führt, tönten Fiakerrollen und ausgelassene Menschenstimmen. Das Mädchen zögerte einen Augenblick und blinzelte ungehalten zur Piazza hinab. Da stand er schon an ihrer Seite. Ob er sie geleiten dürfe? fragte er, seinen Hut lüftend. Hinterher wußte er nicht mehr, worüber sie sich zunächst eigentlich unterhalten hatten vermuthlich war eö etwas Triviales über die Colosseumsbeleuchtung. . . Ihm war so sonderbar zu Muth. Das Gefühl der Vereinsamung, das er durch Afrika und Sicilien trug, hatte einer reichen Lebensempfindung Platz gemacht, und alles so plötzlich! Aber plötzlich kamen die guten Eingebungen immer bei ihm. Ich führe Sie unbekannte Wege." sagte sie lächelnd aber wenn Sie mich geleiten wollen, müssen Sie mit zum Tartarughe-Brunnen in die Gegend gehör' ich." Zu welchem Brunnen?" , Zur reizendsten Fontana ' von Rom," sagte sie- aber die meisten Fremden gehen achtlos an ihr vorbei. Und doch sagt man, daß sie von Rasfaels Gnaden ist. Man hört schon ihr Geplätscher." Wirklich rauschte es aus unsichtbarer Ferne still und doch vernehmlich. Sie schloß eine Minute die Augen. Ich bin große Wagnerianerin," sagte sie. aber ein so melodisches Leitmotiv wie dies römische Brunnenrauschen, einen Klang, der so zu bezaubern vermag, hat selbst der Meister von Bayreüth nie erfunden." Sie traten auf die Piazza. Er starrte gedankenverloren die se?!same Broncegruppe an. jenes schön? Durcheinander von schlanken Gestalten, Delphinen und Schildkröten das Lied der Fontaine benahm ihn einen Augenblick. Da war es ihm, als ob Jemand neben ihm felice notte" sage und als er sich nach seiner Begleiterin umwandte, verschwand sie gerade im dunklen Thor eines alten Palazzo, aus dem eine Gestalt, von der er kaum die Umrisse erkannte, mit einer kleinen Blendlaterne eine halbe Minute lang herausleuchtete. Nach langem Sinnen ging er seiner Wege. Die Begegnung wiederholte sich nicht. Trotz seines Suchens blieb ihm ihre Spur verloren. Aber als er von Rom schied, hatte er das sonderbar traurige Gefühl, seine Borbestimmie" sei ihm dort einmal vorübergegangen vorüber, ohne daß er sie zu halten verstand . . . Einige Jahre später betrieb er Fachsiudien in Ober-Jtalien und gerieth der alten Mosaiken wegen nach Ravenna. An einem heißen Aprilmorgen fuhr er nach Classe hinaus, zu jenem melancholischen, verlassenen Hafenort von einst, von dem nichts übrig blieb als ein zwecklos gewordener Leuchtthurm, ein grauer Steinriese, der einsame Wacht hält neb: der uralten Basilika aus Theodorichs Zeit. Er trat in die Basilika. Ein alter Custode kauerte am Eingang. Fast eisig kühl wehte es aus dem Wunderbau. der unzerstörbar in ungeschwächtem Farbenglanz aus einem sagenhaftenJahrhundert herüberragte. Gedankenvoll schritt er zwischen den Säulen hin, an prachtvollen Sarkophagen vorbei. Und auf einem jener Sarkophage faß das Mädchen von damals und malte aufmerksam die schöne Säulenreihe gegenüber in ein großes Skizzenbuch hinein. Erst glaubte er sich zu täuschen. Dann trat er auf sie zu und stellte die alte Bekanntschaft fest, deren sie sich lächelnd erinnerte. Wieder zog das sonderbare Gefühl aus jener römischen Nacht ihm durch die Seele. Aber er war älter geworden seit jenem ersten Mal. Er hatte sich geändert Bande in der Heimath angeknüpft, die ihm andere Möglichkeiten eröffneten. Er gehörte jetzt zu den Männern, die entweder eine reiche Frau heirathen oder gar keine, die über geknickten Ju gendidealen das Banner des Realismus schwingen skrupellos, weil jeder Gesinnungsgenosse und um andere kümmern sie sich nicht ihnen Recht giebt. Sein Blick hielt sich diesmal nicht mehr einzig bei ihren Augen auf; er glitt über ihr abgenutztes Kleid, ihre primitiveAusrüstung, über den blauen Malschirm, der einen großen Riß hatte mittendurch ... Sie sprachen lange über Kunst und Italien. Dann trennten sie sich vor der Basilika. Er wollte nach Ravenna zurück; sie wollte noch in der Pineta malen, in jenem weiten, märchenhaften Pinienwalde, der an der Küste des adriatischen Meeres unvermuthet aus einem Flachland steigt, dem sonst der Tourist vorwirft, daß es zu unitalienisch" fei. Er sah sie, geleitet von einem braunen Jungen, der ihr dem Malschirm trug, auf der Landstraße davon wandern. Seltsam, daß der Zufall sie noch ein zweites Mal einander in den Weg ger ä mi

lernen yane: ... ! Er machte im Winter darauf eine .sogenannte glänzende Partie." ! In der ersten Zeit war er zufrieden; . dann fing diese Zufriedenheit an ihn zu langweilen und schließlich dachte er . nicht mehr über seine Ehe nach. 1 Er ging in seinen Arbeiten, in zäri-

Ncyer Fürsorge sur lerne Karriere unter ... Da fragte ihn viele Jahre später auf einem jener strahlenden Routs, die er mitzumachen .für seine Pflicht hielt, ein kunstenthusiastischer Freund, ob er schon Nora Lenz.- der berühmten Aquarellistin. von der jetzt alle Welt rede, vorgestellt sei? sie wäre soeben gekommen dort in jenem Menschenknäuel an der Thür stehe sie. Jung?" fragte er. Bei Talenten sind Altersgrenzen '.gal." sagte der Freund. Hübsch? In doppelter Weise." entgegnete der Gefragte erstens hübsch in der Form und dann hat sie jene gewisse geistige Grazie " Verheiratet?" Sie sind der reine Fragebogen! Verheirathet? Nein! .Aber dabei. Man spricht vom reichen R." Sie gingen auf den Menschenknäuel zu. Plötzlich sagte er zu dem Freund, daß er sich doch lieber nicht vorstellen lassen wolle er habe ohnehin so viele Verpflichtungen den Abend . . . Er ließ den andern stehen und trat in eine Nische. Von dort aus sah er sie noch deutlicher als in der ersten Minute des Wiedererkennens. Das also war aus ihr geworden! Etwas Bewundertes. Berühmtes. Besonderest aus der einfachen, unbefangenen Gestalt, die er das letzte Mal zu genial" gefunden und deren abgenutzte Kleidung ihn shokirt hatte. Und noch einmal fühlte er den elekirischen Schlag und nun trat es mit gewaltsamer Gewißheit vor seine Seele hin. Sie war doch die Vorbestimmte für ihn gewesen und er war an ihr vorbeigegangen unwiderruflich! Der reiche R. stand neben ihr. Sie sah ihn kühl und gelassen an. Es war zu spät ... Der MÜsnieljlcr.

(Münchener Gerichtsscene Wegen eines Vergehens der Veleidigung hatte sich der Hausmeister Sixtus X. zu verantworten und zwar wegen Beleidigung einer Dame, der Privatierswittwe Y., die ihm als Mietherin im gleichen Hause nach seiner Ansicht untergeben sein muß. .Hausmeister 5. ist ein sehr wortgewandter, großer und kräftiger Mann, der seine Bildung einem sechsjährigenKasernenleben verdankt und der von der Wichtigkeit und hohen Verantwortlichkeit seiner Stellung als Meister desHauses lebhaft durchdrungen ist. Der Richter hatte das persönliche Erscheinen der Streitstheile angeordnet und machte den üblichen Vergleichsvorschlag, die Klägerin bestand aber auf Bestrafung des Beklagten, zumal der Letztere durchaus nicht geneigt war, in Sack und Asche Abbitte zu leisten. Richter: HerrX.! Sie haben am 30. August 1896 die Frau I. mit den? Worten: FudeSauce, Bllchserlmadam. grüngelber Essighasen, Klapperschlange und so weiter imHausgange öffentlich beleidigt. Was war die Veranlassung? Beklagter: Die Veranlassung war a j Katz und zwar der g scheete Kater von der Frau dader. Die hat nämlich als ihre nächsten Anverwandten blos sieben Katzen und a jeds von denne Viccher hat sein eigenen Namen, sein extriges Schllsserl, a eigenes Halsbandl, und der g'scheete Kater tragt no' a Glökerl. da werden S' Eahna scho' auskenna, daß die Katz'n net zum ausfanga da fan, i glaub da woaß koane wia a Maus ausschaugt. Außerdem is' nach der Hausordnung 's Halten von Hund' und Katz'n strengstcns verboten und was d' Hausordnung vorschreibt dös geht mich an, den Hausmoaster und da gibt's nix mehrer. I hab dös der Frau A. scho' vom Anfang g'sagt: Die erste Katz, die im Hausgang oder imHof antroffen wird, die is' g'liefert. Was moan' S', daß mir die Person fagt? So was ham S' no net erlebt! An Thierschutzverein thuets mich anzeigen, wenn aner Katz was g'schieht. Hier fiel die Klägerin ein: Glei' werd' i Eahna a Person geb'n nacher! Er aa a Person! Mir wär's gnua von eahm a Person z' sein! Net a ma anreden mag i so an Menschen! Beklagter: Was für an Mensch'n? wooo's Mensch'n? Eahna geb' i an Menschen. Sie Ziweb'n, Sie verzukkerte überanand! - Wenn's mi no' a Mal so bagatellmäßig . an Mensch'n hoaß'n, nachher derschmeiß i a Mal eahna Boanerhäuferl. Für Eahna bin i alleweil der Herr Hausmoaster mit Respekt z'meld'n! Und für die Herren da heromet bin i der Herr Angeklagte und. ... Richter: Ruhig, sag ich! Herr X. Sie fahren fort, dann werden wir se hen, was weiter geschieht! Der Beklagte nahm seinen Hut und Schirm und wollte gehen. Der Richter fragte erstaunt, waö er wolle. Na furt fahr'n halt! Mit'n Tramwei fahr i alleweil naus bis in V Landsbergerstraß'n! Moan' S' z'weg'n den Zehnerl da lauf i?" Richter: Sie haben mich falsch verstanden! Weiter erzählen sollen Sie! Beklagter: Dös iö guet! Furtg'fahr'n is doch nix erzählt. Wenn i am Bahnhof kimm und wollt nach Landshuet oder Rosenheim um vierthalhe Mark! was zum erzähln, die bracht' d' Zwangsja'n und gebet'n mi' nach Giesing zur Beobachtung. O meine Leut! o meine Leut! san dos jetzt Zei-ten,-dös is a Welt! Schaugen S'die Klägerin dader und die schwäbische Ausgehersmadam im zwoat'n Stock die ham alleweil mitsammt g'speanzelt. Oahne is so a guete wie die Andere und i als der Hausmoaster leid' net, daß zwoa Parteien mitanand so guet frn weil gewöhnlich rmx Ver

drießlichkeiten rauskemma. I lag. wenn zwoa Weiber von anander Alles wissen, vom Taufschein an bis zu. die Liebschaften. G'vatterschaften etcedera und so weiter, nacher thuen sie sich blos deswegen z'kriegen, daß anander an Haufa G'meinheiten sagen können. Zum Beispiel der Schuester im Rückgebäud' hat erzählt, daß er beim Militär an Huefschlag kriegr hat und daß er mit Angst und Noth drei Markl Pension verwischt hat und sch' lang koan Schmerz'n mchrer g'spürt. Bald d'rauf kimmt er mit der g'schiegelt'n Büglerin in Konflikt und da hoaßt eahm die Person an Staatsschwindler". Vor vier Wocha find't a Bua im Haus ein Scheit Holz auf der Straß'n, fragt überall nach'n Eigenthümer herum, da sagen die braven Weiber: o mei! da machts lang so Sach'n! verbrennts d'ös Holz! und dös g'schiecht. Zwoa Tag d'rauf kimmt d' Haussuchung, weil a halbe Stund von uns weg aus an Holzlager a Wagen voll Nutzholz gestohl'n word'n is, und a so a Guete von die Unseligen hat g'sagt: Der Pazi von unsern Haus bringt alle Tag Holz hoam. so schwaar er is! So macht mer d' Leut schlecht! Richter: Kommen Sie zur Sache; wie sind Sie dazu gekommen, die Frau D. auf diese Weise zu besckimpfen? Beklagten Z'wegern g'schecketen Kater war's. Der is an dem Tag wieder im Stiegenhaus draußt und deswegen bin i naus und hab g'sagt: Eahna Rabenviech von aner Katz sitzt draußt und belästigt d' Leut! Augenblicklicb ein mit eahm oder i mach von dev Hausordnung Gebrauch. Wenn's net grad Sommer wär, nacher kunnten's was verleben, der Maurer im drentern Haus machet sich an guet'n Tag mit Eahnern ausg'suetterten Kater. Ueberhaupts, wie viel so Viecher loschiern denn bei Eahna? Da fangt die Andere an Riesenspektakl an: Nur oane von meine Mitzerl anrührn, sag i, nur krumv anschaug'n, sag i, sofort wird die Schandarmerie und der Bezirksinspektor g'holt, an Thierschutzverein zeig ich's an, zum Staatsanwalt gehn i und verarretir'n laß i Eahna z'sammt Weib und Kinder und absetzen laß i Eahna als Hausmeister! Ich will Eahna erzähl', was dös hoaßt, a arme kinderlose Wittwe, die bereits zwanz'g Jahr koan Mann mehr hat. zu kujoniren, Sie Barbar, Sie Türk. Sie Ritter vom Besenstiel und Hausknecht! I schaug wia a Schwalbl, so was is mir no net vorkemma, i bin ganz weg, und wenn i net so a herzensgueter Kerl wär, der a G'fühl hat, nacher hätt's a Schlacht geb'n und da wäv koane von die Katz'n mehr am Leben. Richter: Eine Widerklage erheben jS nicht wegen der beleidigenden Worte, welche die Klägerin gegen Sie gebrauchte? Beklagter: Na, Herr Stadtrichter ! Dös thua i net. Wia i der einag'fahr'n bin, dös war genügend. Wissen S' Unseroaner wenn a mal zum Red'n kimmt, dann hat's was. I mueß großartig ausg'schaugt ham bei meiner Entgegnung; mit die zwoa Fäust hab i aufzvg'n und hab ihr's Nothwendigere g'muckt, ' Sie is' hintern Tisch retirirt und ihre Katz'n fan durchanander g'faust wia bei aner Treibjagd. Erst wie's g'sagt hat: aus meiner Wohnung sag i und hat's no zwoamal wiederholt wie's im Strafgesetzbuch vorg'schriebcn - is' da bin i furt und hab' ihv v:rsprocha, daß i wieder kimm, wenn's nothwendig is! Nein! meinte die Klägerin, ham's eahm selber g'hört, bei mir war er no a bisl wilder und hat mi' no' grausli derschreckt; einspirr'n müessens eahm, sunst kimmt er wieder und i als kinderlose Wittwe, zwanz'g Jahr ohne Mann, kann miv net helfen. Vielleicht daß no' was Aergeres rauskimmt und dann hams wieder d'Arbeit mit eahm. Der Herr Hausmeister mußte sein Vorgehen mit zehn Mark Geldstrafe büßen, was der Klägerin so geringfügig erschien, daß sie selbst erklärte, gegen die milde Strafe Berufung einleaen zu wollen. Der Beurtheilte be-

dauerte, daß er auf eine Gegenklage verzichtet hatte und erklärte: enn i clsöausmeister nir mehrer fag'n darf, na' bin i scho' da! Da wird jetzt a mal mit'n Hausherrn g'fprocha, so geyls immer 'rum! Trochu und Lbernitz. Der Tod des französischen Generals Trochu klebt folgende Kriegserinnerung, die bisher nicht veröffentlicht worden ist: In den Schlachten von Villiers waren drei oder vier deutsche Offreiere in französische Gefangenschaft gerathen. Als dieselben dem General Trochu vorgeführt wurden, war gerade Vefehlsausgabe, sodaß eine stattliche Zahl französischer Officiere um den Befehlshaber von . Paris versammelt war. Beim Eintreten der deutschen Officiere wurde es plötzlich stille im Saale, und nachdem dem General Trochu diese Officiere übergeben, sagte der französische General mit lauter, allen vernehmbarer Stimme: .Meine Herren, ich habe vor dem deutschen Heer eine viel zu große Hochachtung, um Sie gefangen zuhalten. Sie sind hier keine Gefangenen; Sie sind frei." Obwohl die versammelten franzosischen Ofp eiere bei diesen Worten ihrem Unwll len durch Aufstoßen mit dem Säbe uno den Futzen Ausdruck gaben, blieb General Trochu nicht nur bei semer Anordnung, sondern veranlagte werter, daß die .Gefangenen" die Nacht über in seinem Quatier untergebracht und mit allem Nöthigen versehen wur den. Damit die Gefangenen sich völlig frei und ungestört bewegen konnten, erschien am andern Tage ein Schneider, der ihnen sofort bürgerliche Kleiduna flsMM Ctät CTNIa nilatAMA! Jy.tJi'üti VJUWittliJUl

erhielten zu ihrer Begleitung' in 'Paris einen Führer. Aber da die Gefange-

nen" trotzdem wohl an ihrem Aeußern, an Sprache und Gebärden als Deutsche erkannt und belästigt wurden. so baten sie den General Trochu, t doch als Gefangene zu behandeln und sie in einem Fort unterzubringen", weil auf diese Weise der für beide Theile peinlichen Lage am besten ein Ende gemacht würde. General Trochu wiederholte seine bei der. ersten Begegnung gesprochenen, Worte und fugte hinzu: Nun, meine Herren, ich sehe ein, daß Sie auch in bürgerlicher Kleiduna vor Belästigungen in Paris nicht sicher sind. Da lch aber einmal keine deutschen Officiere gefangen halten will, so werde ich Sie morgen zu Ihren Truppen führen lassen." Am andern Morgen erschienen diese Officiere unter dem Schutz emes Parlamentars Ui den deutschen Vorposten, von wo sie zum Hauptquartier des General-Lieu-tenants v. Obernitz gefuhrt wurden. Die Civilisten" gaben sich hier als aus Paris kommende deutsche Officiere zu erkennen, und der älteste derselben überreichte dem General v. Obernitz em Schreiben des Generals Trochu, rn welchem letzterer um Rücksendung einer gleichen Anzahl französischer gefangener Officiere erfuchte. General v. Obernitz kannte den General Trochu nicht persönlich, nur hatte er ihn anr 30. November 1870. Nachmittags, mit dem General Ducrort vor dem letzten Sturm auf den Park von Crenillv und auf Villiers die Gefechtslinie derFranzosen abreiten sehen, wobei der General v. Obernitz sich so dem Feuer aussetzte, daß der damalige Hauptmann v. Falkenstein den General wiederholt bat. sich nicht unnöthig in der vordersten Linie zu bewegen. General v. Obernitz konnte dem Ansuchen desGeneralsTrochu augenblicklich nicht nachkommen, weil die bei Villiers gefangenen Officiere bereits abgeführt waren. In der peinlichen Verlegenheit wandte er sich telegraphisch nach Versailles an den General - Quartiermeister v. Podbielsky, und von hier erging die Antwort, von den von Orleans Longwy berührenden Kriegsgefangenen die nöthigen Officiere zu nehmen, um dieselben dem General Trochu zuzuschicken". General v. Obernitz entsandte infolgedessen einen seiner Generalstabsofficiere nach Longwy. Nachdem dieser dem Führer des Begleitcommandos der französischen Gefangenen von seinem Auftrage Mittheijung gemacht, erging an die französischen Officiere die Aufforderung. es möchten sich drei oder vier zur 'Auswechslung gegen deutsche Offreiere nac5 Paris melden." Da die Aufforderung ohne Erfolg blieb, so ordnete der betreffende Generalstabsofficier an. daß das Los entscheide. Die auf diese Weise verlosten Officiere wurden dann an den Befehlshaber, in Paris. General Trochu. abgeliefert. Als General v. Obernitz im Jahre 1885. bei Gelegenheit der großen Herbssübungen des 14. Armeecorps, mit dem zu diesen abgesandten franzöfischen General L'Hotte bekannt geworden war und von diesem erfahren hatte, daß L'Hotte in TourS, wo General Trochu damals lebte, mit dem ehemaligen Oberbefehlshaber von Paris in Berührung komme, erzählte v. Obernik den Hergang der Begebenheit dem General L'Hotte mit der Bitte, dem General Trochu zu sagen, wie sehr es ihn gefreut habe, etwas von dem gegnerischen General zu hören, dem er seit der Belagerung von Paris die größte Hochachtung bewahrt habe. Modern. Mann: Warum hast Du Dich heut' so blaß geschminkt?" Frau: O. die Welt soll sehen, daß ich eine unglückliche Frau bin!" I n der höheren Töchterschule. Rosa: Unser neuer Klassenlehrer ist mein Ideal; so muß mein Zukünftiger aussehen! Kathi: Und ich schwärme für unseren alten Professor. Rosa: Ei, ei, was findest Du an dem Reizendes? Kathi: Oh. so wünscht' ich mir einen Schwiegerpapa! Aus einer Prüfung. Professor: Was können Sie mir über das Wesen und die verschiedenen Arten der Mitgift sagen? (Candidat schweigt.) Nun, gesetzt Sie heirathen, und Ihre Frau brächte Ihnen 20,000 Dollars mit, was wäre das? Candidat: .Jesses. das wär' mei' größt's Glück!" BeiProtzens. In Ihren Salons versammeln sich wohl h-rvor ragende Mitglieder der Gesellschaft, Herr Commercienrath?" Meist Millionencoryphäen!" Eine Nase. Pimpelberger : Warum riechts denn in der Nähe dieser Fabrik so abscheulich? Bvsheimer: Das ist das Eigenlob der Firma Hirsch und Compagnie. Höchste Anerkennung. Tochter des Hauses: Nun, Herr Doc. tor. wie hat Ihnen der Braten gemundet, ich habe ihn selbst bereitet."-Gast:. Gnadiges Fräulein, ich bitte umJhr Hand!- . ' ' ..