Indiana Tribüne, Volume 20, Number 59, Indianapolis, Marion County, 15 November 1896 — Page 6
Frinceton Zlnwcrstty.. Die amerikanischen Urnverfüchn erfreuen sich in der wissenschaftlichen Welt im Großen und Ganzen '.eines besonderen Ansehens, denn vieleSchulen, welche mit diesem stolz:n tarnen Paradiren, haben auf denselben ebensowenig ein Recht, wie die Mehrzahl der Colonels", .Judges" u. s. tt. auf ihre respectiven Titel. Unter der derhältnißmäßig kleinen Anzahl von Instituten, welche mit Fug und Recht Pslegestätten der Wissenschaft genannt werden können, nimmt die Universität von Princeton, welche dieser Tage das 150 - jährige Jubiläum ihrer Gründung gefeiert hat, einen so vervorragenden Rang ein, daß selbst namhafte Gelehrte aus der alten Welt an dieser .Feier theilgenommen habm, wie Prof. I. I. Thomson aus Cambridge, Bros. jtli Klein aus Göttingen, Prof. Ed-
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UniversZtyHall. ward Dowden aus Dublin, Prof. Anjbrero Seth aus Edinburgh, Prof. Karl Burgmann aus Leipzig und Prof. A. s. W. 5)ubrecht aus Utrecht. PrinceIon University" hat sich aus sehr kleinen Anfängen zu seiner jetzigen BeDeutung entwickelt, denn sie ist aus dem Log College", welches der aus Irland eingewanderte Presbyterianerprediger William Tennant im Jahre 1726 in Neshaminy, N. I., gründete, hervorgegangen. Als im Jahre 1746 das College von New Jersey", wie die Universität bis zu ihrem jüngst gefeierten Jubiläum osficiell hieß, seinen Charter erhielt, schaarten sich die Freunde und Gönner des Log College" um das neue Institut, für dessen Entwickelung sie bideutenoe Opfer brachten. Der zweite Charter des College von New Jersey," wurde das Grundgesetz für Princeton; derselbe wurde de Institut vom Gouverneur Welcher, welcher an der Spitz? der Verwaltung der damaligen Provinz New MmMäSmSi&& .csw-- ,.i-rrVi,Tyr-if M 1 Green-Gebäude. Jersey stand, am 14. September 1748 ertheilt und nach Erringung tx Unabhängigkeit von der Legislatur des Staates New Je,sey beststigt. (5rössnet wurde das College im Mai des Jahres 1747 zu Eli',abethtown mit Jonathan Dickson als Präsidenten und nach dem im August dcs nächsten Jahres erfolgten Tode dieses Mannes nach Newark verlegt, wo Aaron Aurr die Leitung übernahm. Im Jahre 1751 beschlossen die Verwaltunzsräth: in New Brunswick ein leues Collegegebäude zu errichten, falls dieser Ölt dem Institut $5000, 10 Acres geklärten Landes und 200 Acres Wald zum Geschenk machen würde. Während New Brunswick hinsichtlich dieses Anerbietens zu keinem Entschlüsse kommen konnte, erbot sich Princelo zu dieser Schenkung und die Folge davsn war, daß das neue College in letztenanntem Orte gebaut nuroe. Der Grundstein der historischen Nassau Hall wurde im September TA gelegt und das Gebäude im Jahre 1756 bezogen. Seit dem 22. Octoöcr dieses . , V: LjSXSS? imr2V .1 - - j I -i . rr r -w , jr v& r'T-''Si um uii'j . J':&f25ii ; -it'.i't ichMU Bibliothek. Jahres führt das Institut den ofsiciellen Namen Princeton University." Weit und breit in unserem Lande ist wohl kein Ort zu finden, ,x erkbendere patriotische Erinnerungen weckt, als das kleine Princeton. Selbst wenn Princeton nicht der Sitz der boch angesehenen Universität wäre, würoe sein Name einen vorzüglichen Klang haben, denn in demUnabhängigkeitskriege hat es wiederholt eine bedeutsame TioUt gespielt. Auch das dortige College hat in den düstersten Stunden jenes ZZrieges. in denen das Herz manches Patrivten von Wankelmuth ergriffen wurde, mit unerschütterlicher Trcue zur Sache der Freiheit gestanden. Diese patriotische Haltung der Anstalt war zum großen Theile auf den Ein fluß ihres damaligen Präsidenten Dr. Jobn Witherspoon, der zu den UnterZeichnern der Unabhängigkeitserklärung gehörte, zurückzuführen. Vreward und zwei andere Graduirte verfaßten die Resolutionen, in denen Leben, Vermögen und heilige Ehre" dem Dienste der Freiheit gewidmet wurden. Drei ehemalige Zöglinge von Princeton fungirten als Pastoren der Gemeinden, von denen die sogenannten Regulatoren" zur Bekämvfunz der Truppen des Generals Tryon entsandt wurden. Wiz der berühmte dtsche Pastor Mühlenberg so warf
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Rev. John Craighead. ein Mitglied der Classe des Jahres 1763, auf der Kattcl den Talar ab und präsentirte sich in der Uniform einesCapitäns, um seine Gemeinde zum Kampfe gegen oie Engländer anzufeuern. In Princeton
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Whig - Gesellschaft. war am 3. Januar 1777 die enischeidende Schlacht geschlagen worden, welche den Wendepunkt des Krieges zu Gunsten der Patrioten bedeutete. Aus Nassau Hall in Princeton wurden die Engländer durch die amerikanischeAr iillerie vertrieben und in diesem Gebäude war der Congreß der Conföderation in Sitzung, als die Nachricht von dom am 1. October 1783 zu Paris erfolgten Friedensschluß zwischen England und Amerika verkündet wurde. Bon den 469 Studenten, welche in jenen stürmischen Zeiten in Princeton graduirten, waren 114 Geistliche, einer. James Madison. war 8 Jahre Präsident der . Vereinigten Staaten, einer Vice - Präsident, sechs C a p e l l e. Mitglieder des Continental - Congreß, 20 wurden Bundessenatoren, 23 gehörten dem Repräsentantenhause an, 13 wurden Gouverneure. 3 Mitglieder des Ober - Bundesgerichts und über 20 dienten als Ossiciere im Unabhängigkeitskriege. Die Universitätsgebäude, welche einen imposanten Gesammteindruck machen und von denen einzelne sich durch architektonische Schönheit auszeichnen, liegen auf einem Areal von ca. 250 Acres verstreut. Der Coloirlalzeit gehörten die berühmte Nassau Hall und das Decanatshaus an, welche im Jahre 1756 errichtet wurde, aus dem Jahre 1803 stammen die College - Officegebäude und East College ist 63 Jahre alt. während West College um 3 Jahre jünger ist. Vier Gebäude entstanden im Jahre 1850 und 22 entstammen der neuesten Zeit. Ein herrlicher Platz ist der Campus" vor der ehrwürdigen Nassau Hall, der von alten Ulmen überschattet ist, während von dem Decanatshause sich zwei Sycamore erAthletischer Club. heben, die im Jahre 1765 zur Erinnerung an die Stempelacte gepflanzt wurden. Südlich von Nassau Hall liegt der hintere Campus, der von dem East und West College eingefaßt ist. Noch weiter südlich ist das Brokaw Memorial" belegen, das von Herrn I. V. Brokaw zur Erinnerung an seinen Sohn Frederick erbaut wurde, der bei dem Versuche, in Elberon. N. I.. das Leben eines Mädchens zu retten, selbst umkam. Marquard Chapel ist ein Geschenk des Herrn Henry G. Marquard von New Sork. Eines der imposantesten Gebäude verdankt seine Entstehung der Munificenz des Herrn John C. Green, der dasselbe im Jahre 1873 errichten ließ. Dasselbe ist in gothischem Stil aufgeführt und enthält Laboratorien, Hörsäle für Jngenieur-Wissen-schafen, Botanik und reichhaltige Sammlungen. Aus dem Jahre 1873 stammt auch das stattliche Vibliotheksgebäude. University Hall, die im Jahre 1876 gebaut wurde, diente Ursprunglich als Hotel, dessen Erträge zur Unterhaltung des Museums verwendet wurden; jetzt befinden sich in derselbe Schlafsäle. Besondere Erwähnung verdienen noch das Halstead Observatorium, Alexander Hall, das Kunstmuseum, das theologische Seminar und das Clubhaus, in dem die Atheleten der Universität sich i.hrem theoretischen Training unterziehen. Abgeblitzt. Geck: Mein Fräulein! Wollen Sie mich wirklich vm Narren macken? Dame: Durcb. aus nicht! Dieser Mühe hat mich, Gott sei Dank, schon die Natur enthoben. S i e hat recht! Lehrerin: Hannchen, sage mir. wi? ncnnt man die Zähne, die beim Menschen zuletzt kommen? Hannch:n (prompt): Die falschen Zähne. Fräulein! Schlecht entschuldigt. 5Iarl und Eduard haben sich in die Speisekammer geschlichen und verkleinern den dort hängenden Schinken. Mu!t:r (im Wohnzimmer rufend): Eduard, was machst Du denn? Eduard: Nichts. Mutter: Na. was macht denn Karl? Eduard: Der hilft mir.
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Stmlsund.
Inmitten weitschimmernder Seen, die sie von drei Seiten umgeben, während auf der vierten Seite die blaue Ostsee ihren Saum netzt, liegt die alte Stadt Stralsund wie eine natürliche Festung auf ihrer Insel da. Mögen auch seit 1873 die Festungswälle, die sie bis dahin umgaben, gefallen sein und ihr ein gut Theil ihres trutzigen Ansehens geraubt haben, selbst das Laienauge erkennt, wie diese isolirte Lage in früheren Zeiten, als es noch keine weittragenden Geschütze gab, nahezu die Stadt uneinnehmbar machen mußte. Jetzt ist das freilich anders geworden; die Neuzeit mit ihrer gänzlichen Umgestaltung des Geschützund Befestigungswesens hat der Stadt nicht zum Leidwesen ihrer Bürger, die Licht und Luft und Feld zum Aus Z v' nV Marienkirche. breiten gewonnen haben den Wallund Mauerkranz geraubt und ihr dafür herrlich schattige Promenaden geschaffen, die wie ein grüner Kranz sich um die Stadt ziehen. Freilich, an dem Innern der Stadt hat das Aufgeben der Festung nichts andern können, die Straßen sind eng und winkelig geblieben, aber das paßt zu den meist alterthllmlichen, etwas windschiefen und den Giebel nach der Straße zeigenden Häusern. Stralsund ist, wenn es auch von der früheren Höhe, wie die meisten Hansastädte an der Ostsee, hat herabsteigen müssen, doch noch immer eine stattliche Stadt von 28,000 Einwohnern und vor allen Dingen eine überaus reiche Stadt geblieben, die, was den Stadtsäckel anbelangt, die Entwickelung der Dinge ruhig mit ansehen kann. -Zs TCs Am alten Markt. ' Die größte Kirche der Stadt ist die Marienkirche, ein durch seine Größe und Einfachheit imponirender Bau, architektonisch schön und wirksam, und auch dadurch interessant, daß es eine der wenigen in Deutschland Vorhände-, nen Kreuzkirchen ist. Im Stadtbuche geschieht ihrer schon im Jahre 1290 Erwähnung. Am alten Markt belegen ist das Nathhaus, ein wahrhaft prächtiger Bau, der schon am Schluß des 13. Jahrhunderts stand, während seine nach dem alten Markt gelegene Hauptfassade dem 15. Jahrhundert angehört. Seitdem kunstverständige Männer es durchgesetzt habeü, daß die weiße Tünche, die ein barbarisch-geschmackloses Zeitalter darüber gestrichen, entfernt wurde, zeigt sich der Backsteinbau mit verglasten Ziegeln und goldenem Zierrath in einer Pracht, die lebhaft an das Lübecker Rathhaus gemahnt, ja in stilgerechter Durchführung dieses überragt. Der massive Unterbau bildet eine von achteckigen Pfeilern und SäuSemlowerThor. len getragene Halle, überwölbt von gothischen Bögen. In neun zierlichen Thurmspitzen soviel als das Wort Stralsund Buchstaben hat gipfelt das herrliche Gebäude. Dicht neben dem Rathhause steht die Nikolaikirck'e. Sie ist, wenn nicht das schönste, doch das interessanteste Gotteshaus der Stadt. Der Bau begann gleichzeitig mit dem des Nathhauses im ersten Jahrhundert der Stadt, also im dreizehnten der christlichen Zcitrechnung. Bon den Doppellhürmen ist nur der eine vollendet, der andere ab gestumpst. Bon den vielen SehensWürdigkeiten im Innern sei hier auf die in einer Capelle des südlichen Seitenschifses befindliche metallene Grabplatte. Denkmal des Bürgermeisters Albert Hovener (gestorben 1357). hingewiesen, sowie auf die köstliche Arbeit an der Thüre des Krämergestühls, aus der Renaissance-Epoche stammend. Sie zeigt eine aus Holz geschnitzte Figur, rie eine , Keule trägt, darunter den Reim: Dat ken kramer is. de bliv buten. Sünst schla ick em op de schnuten."
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In der nördlichen Tauscapelle befindet sich ebenfalls ein Kunstwerk ersten Ranges, aus dem 14. Jahrhundert stammend; eine plastische, leider stark mitgenommene Colossalgruppe der heiligen Anna mit der Maria und
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Fährstraße. dem Christuskind auf dem Schooße. Eine Stiftung aus dem Mittelalter ordnete dem seltenen Kunstwerke zwei immerwährende Wächter zu. Und hier ist noch eine historische Reliquie, das Epitaphium des heroischen Bürgermeisters Dr. Lambert Steinwich. Der Grabstein erzählt uns eine traurige Geschichte. Der mannhafte Bürgermeister starb ein Jahr nach der ihm vorzugsweise zu verdankenden Errettung der Stadt an der Pest, drei Tage darauf folgte ihm feine Ehefrau, zwei Jahre danach feine beiden Söhne, alle von derselben grausamen Krankheit hingerafft. Eigenartige, architektonisch bedeutende Schöpfungen des Mittelalters hat Stralsund nur wenige. Da ist das sogenannte Reimannsche Haus am Markt und eins oder zwei in der Semlower Straße und der Jakobi-Thurm-straße, sonst haben wir in dieser Bezrehung nicht viel zu bemerken und zu beschauen. Aber schön ist der Thurm der Jakobikirche; die zierlichen' Rosettenfriese von schwarz glasirten Steinen zwischen den beiden Geschossen des Thurmes, sowie die Fensterblenden an den Seiten jedes Geschosses, die auf gleiche Weise geschmückt sind, verdienen besondere Aufmerksamkeit. Durch das uralte Semlower Thor kommt man an den Hafen, in dem freilich nur wenig Leben herrscht. Dennoch bietet ein Blick über die hübschen Hafcnanlagen mit der Insel Rügen und dem kleineren Dänholm im Hintergründe ein anmuthiges und freundliches Bild. Durch das Fährthor gelangt man in die Stadt zurück durch die Fährstraße, wo der Freiheitskämpfer Schill am 31. Mai 1809 gefallen ist. Der Platz ist mit einem GedenkFischerboote bei den Wällen. siein bezeichnet und das Haus dahinter trägt das Brustbild des Helden in Medaillonform. Sein Leib ohne Kopf liegt auf dem Knieper Friedhof, denn seinen Kopf, auf den König 'Jerome von Westfalen cinen hohen Preis gesetzt hatte,' trennten die Holländer vom Rumpfe und brachten ihn nach Leyden, von wo er später nach Braunschweig kam. Seine Grabstätte durfte lange Zeit durch keinen Gedenkstein, keine Inschrift ausgezeichnet werden, es galt für eine Art Verbrechen, den Namen Schill mit Achtung oder gar Begeisterung zu nennen. Heute ziert sie ein acht Fuß hoher Gedenkstein aus schwedischem Granit. Unverbesserlich. i4 SAS J 1 k - kJCT5 WW' ..T; Gefängnißdirector (zu dem entlafsenen Sträsling): Jhr erster Gang wird wohl zu Ihrer Familie sein?'Sträfling: Natürlich! Vorher muß ich aber noch einige Kleinigkeiten stehlen, damit ich den Kindern wentgstens was mitbringen kann!" Doch ettoas. Wie sind Sie mit meinem Sohne, der setzt vier Wochen bei Ihnen ist. zufrieden. Herr Chef? O, der hat eine brillante Fertlgkelt im Nnesmarttnlcckcn! Deutlich. Dilettant (sehr zudringlich): Ich möchte an t für Ihr Blatt etwas schreiben! Richt wahr, das Papicr mu auf einer Seite leer bleiben?" Redacteur: Nein, auf bei den!" Gutberausaeredet. A. Sie gähnen? Meine Erzählung scheint Sie also zu lanaweuen. B.: (der thatsächlich aus Lanaeweile aäbnte Durchaus nicht, ich sperre nur Mund und Rase auf über daL, waö Sie mir erzählen.
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AicScykickrtttschcr. Im harten Kampfe aeqen die feind-
seligen Naturgewalten fristen die friesischne Strandfischer ihr Dasein. In kleinen, einzeln stehenden Häuschen Wohnen sie, um sich her ein Stückchen Kartoffel- und Gartenland. Oft nennen sie eine Kuh ihr eigen, gewöhnlich aber nimmt eine Ziege, die Kuh des armen Mannes", deren Stelle ein. Schweine, Hühner und Enten fehlen selten. Aeußerst mühsam ist das Gewerbe der Strandfischer, das dazu keineswegs den Reiz des an Gefahren reicheren und lohnenderen Hochseefischers bietet. An werthvollen Fischen liefern die Wattengewässer nur geringe Ausbeute, und da aus em regelmäßiges Erscheinen derselben nirgends gerechnet werden kann, so beschränkt man sich fast ausschließlich auf den Fang des den Dollart und den Jahdebusen.wie überhaupt die Küstengewasscr zu Milliarden bevölkernden Granats. Dieses scheerenlose. bis zur Große des kleinen Fmgers sich auswachsende, glasartige Krebschen, das Dangaster Fischerhaus. auch Garneele oder Conoette genannt wird, bietet namentlich m dem Fleisch seines Schwanzes einen vorzüglichen Leckerbissen. Man stellt dem Granat auf verschiedene Art nach. In Butjadingen sängt man ihn in engmaschigen Netzen, im Jeverlande meist mit kleinen FischHamen, Hoplade genannt, und am Vareler Geest, insbesondere auf der Halbinsel Dangast, in Körben. Die letztere Fangmethode, als die eigenartigste, soll hier kurz dargestellt werden. Die Fluth hat sich nahezu verlaufen. De stellt der Fischer einige aus Weidenruthen geflochtene Fangkörbe auf einen Schiebekarren und sucht auf schmalen Pfaden zwischen Deich und Düne den Strand zu erreichen. Dort liegt umgestürzt, um vor Regen gejützt zu werden, das eigenartige Fahrzeug, das ihm das Fortkommen über den schlammigen Schlick ermöglicht. Die Schlöpe" heißt es im Volksmunde und ist ein Mittelding 'äÄ S ch l ö p e n am Strande. zwischen Boot und Schlitten. Es sind Kasten, die etwa drei Fuß lang, halb so breit und etwa einen Fuß hoch sind. An dem etwas erhöhten Vorderbord sind sie mit einer aus Latten und Stangen gezimmerten Handhabe dersehen. Auf die Schlöpe werden nun die Körbe gesetzt und derFischer rutscht in das schlammige Element, in den Schlick, der mit dem Schmutz einer zerfahrenen und durch starke Regengüsse aufgeweichten Landstraße die größte Ähnlichkeit besitzt. Er ergreift die Seitenlehnen der Handhabe, kniet bei vorgebeugtem Körper mit dem einen Beine auf dem Hinterbord der Schlöpe und stößt mit dem freien Fuß ruderartig in den Schlamm. Indem er abwechselnd die Füße benutzt, schlittert" oder rutscht er vorwärts. Bald versinkt der Fuß des Rutschers nur bis an den Knöchel in den Schlick, bald taucht das Bein bis fast an's Knie in den Schlamm, aber der Mann ist in diesem Rutschen wohlgeübt und gleitet mit erstaunlicher Schnelligkeit auf der trüben Masse dahin. Zunächst Auf. der Ausfahrt. ' sucht er eine der Wasserrinnen, die .Tief" zu erreichen: dort ist sein Ru- , derboot verankert: er macht es flott.'nimmt seine Schlöpe in's Schlepptau und letzt nach ' dem .zenseitlgen Ufer über; dann rutscht er wieder überden Schlick, bis, er an einer für den Granatsang günstigen Stelle anlangt. Diese uegt gewöhnlich am Rand emer ,.T:es" oder bei einer Priel", der natürlichcn Abflußrinne bei der Ebbe. Her werden mm die Fanglörhe durch eingerammte Pfosten derart festgelegt, daß ibre offene Seite der Ebbe zugekehrt ist. Die Fangkörb: sind' Zegelförmig. nahezu sieben Fuß lang und mit einer 30 Zoll im Durchmesser Haltenden Oeffnung versehen und aus Haseloder Weidenruthen so geflochten, daß ein Raum von der Breite eines Bleistifts zwischen den einzelnen Stäben entsteht. Ein zweiter, einer Aalreuse ähnlicher, engerer Korb wird in den Äßeren. der ihm gleichsam als HAse dient, hineingeschoben. In der Reuse
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nun sammelt sich die Beute, nachdem ihr der größere Korb gewissermaßen die Directive gegeben". Mit der Fluth zu Milliarden den tieferen Stellen des Küstcnmeeres entsteigend, wird der Granat von der zurückgehenden Ebbeströmung zweimal täglich in die
GranatkörbeaneinerTief. Fangkörbe hineingetrieben. Der Fischer zieht den Fangkorb hervor, löst den in die Spitze gesteckten Pflock und schüttet die Granaten, zwischen denen sich vereinzelt auch wohl ein Aal. eine Butte, eine Seenadel, oder gar ein Katzenhai, immer aber ein paar Krabben aller Größen befinden, in die mitgebrachten Behälter und fchiebt dann die Körbe wieder ineinander, der nächsten Ebbe das rein selbstthätige Fangwerk vertrauensvoll überlassend. Auf dem Wege, den er kam, kehrt der Fischer vor der langsam steigenden Fluth zurück. Zur Nachtzeit, während welcher der Fang der kleinen Nachtthiere, denn das sind die Granaten wie alle Krebse, meist reicher ist, und bei nebligem Wetter zeigen ihm tief in den Schlick gesteckte Reiser den Heimweg an. Am Ufer bringt er feine Beute auf den Schiebekarren, reinigt in einem Tümpel seine Beine, welche immer aussehen, als seien sie in derTinte gewesen, vom Schlick und schiebt dann nach Hause. Sein Werk ist aber noch nicht beendet. Mit . weiblicher Hilfe werden die Granaten sogleich gesiebt und die größeren alsdann etwa zwei Minuten in Salzwasser gekocht, wobei sie eine schmutzig röthliche Farbe annehmen. Das ausgesiebte kleinere Zeug wird als Dünger verkauft oder wandert zur Darre, um zu Hühnerfutter oder zu Guano" verarbeitet zu werden, hingegen verschickt man in entsprechender Verpackung die frische, große Waare als billige Delicatesse nach den Städten der Gegend oder gar, gut conservirt, weit in's Inland. Der harten Mühe Lohn ist jedoch bei diesem Krebsfang nicht groß, denn der Jahresgewinn eines Fischers, der seine 30 bis 35 Fangkörbe hat, beläuft sich durchschnittlich nur auf 600 Mark. Eine Ehe aus Staatsraison. Reichlich über ein Jahr ist es her. da wurde die Gattin des Erb-Groß-Herzogs Friedrich August von Oldenbürg durch den Tod abberufen. Da die Verstorbene ihrem Gemahl nur eine Tochter, die jetzt 17 Jahre alte Herzogin Sophie' Charlotte, hinterlassen hatte, und auch der unvermählte jüngere BrudkT des Thronerben. Herzog Georg Ludwig, aller Voraussicht nach keine Ehe eingehen wird, machte die Staatsraison für den verwittweten DieNeuvermählten. Erb-Großherzog die Schließung einer zweiten Ehe nothwendig. Er hat sich jetzt zum zweiten Male vermählt und zwar mit der Herzogin Elisabeth von Mecklenburg-Schwerin, einer 27 Jahre alten Tochter des verstorbenen Groß Herzogs Friedrich Franz II. von Meck lenburg-Schwerin und dessen Gemah lin in dritter Ehe. Marie, geborenen Prinzessin von Schwarzburg - Rudol stadt. Der jetzt regierende Großherzoa von Mecklenburg-Schwerin ist ein Stiefbruder der Braut. Känsrcm's großcr Hag. Von F. Cchauenstein. In der freundlichen Fensternische zwischen üppig wuchernden Blattpflanzen und hell blühenden Blumen stand einsam eine junge . anmuthige Frau und starrte, die Stirn crn'die feuchten Scheiben gepreßt, sinnend und träumverloren hinaus in die. goldige Pracht des lachenden Frühlingsmorgens. Ab und zu ging ein leises Zittern der Erregung um' die Mundwinkel des zartgeschnittenen, jetzt von trübem Ernst beschatteten Antlitzes. ., . Leer war's in derStube; eine Fliege summte am Fenster und hob durch ihr Flügelgcrausch die tiefe, lautloseStille. Sonst freilich hatte es um dieseStunde schon gewaltig herumrumori in allen Ecken und Enden des traulichen Gemackies: während Mütterlein emsig ordnend schuf und hier die Decke noch' i I c c . i . . . r tr einmal glaneie uno oorr ausmernam sväh:nd das letzte Stäubchen von der spiegelblanken Eonsole entfernte, hatte Klein Hänslein den eben aufger'aumten Fußboden, sein alleiniges, unbesiritteneL Reiü. fckon wieder bestreut j gehabt mi! allerlei Geräthen sonder ; Zier und Gestalt: gebrochenen Peitschenfiielen, Bierwagen ohne Radern, Schaukelpferden ohne Köpfen, PapiereI nen, hölzernen und thönernen Soldaj ten, in deren Gestalten der grausame Krieg unter General Hans entletznaze Löcher gerissen, Locomotiven mit verbogenem Rauchfang und Bilderbüchern ohne Deckel. Noch gestern war daS gewesen, noch gestern Satte Mütter
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leins ununterbrochenes Mahnen und' Abwehren und Predigen den sonnigen, blanken Raum durchschallt und noch gestern war's trotzdem so traut und heimlich und lieb wie immer durch des kleinen Wildfangs Ungeborsam und Gepolter. und heute heute hatte der erste Schulgang mit gewichtigem Ernst in Hänslein's Leben gegriffen. Als kaum die Vöglein ihren ersten Morgengruß der hellerstrahlenden Sonne entgegengezwitschert, war die junge Mutter schon mit verweinten Augen und pochendem Herzen denDaunen entschlüpft und auf leisen Sohlen aus dem verdunkelten Schlafgemach gehuscht. Gab's ja in kurzer Zeit so Vieles zu ordnen. Hänslein's Toilette mußte noch einmal der gründlich-
sien Prüfung unterzogen, Stück für Stück auf den Sessel neben dem Bettchen gelegt, die Fältchen der Halskrause auf ihre Tadellosigkeit geprüft, der letzte Bürstenstrich an das funkelnagelneue Röckchen gemacht werden. Dann kam der Frllhstückstisch an die Reihe; so weiß wie heute war das Linnen gewiß noch nie gewesen, so hell hatte da blankgeputzte Brotkorbchen Wohl mmmer geglänzt, so appetitlich des kleinen Leckermauls Leibspeise, die lichtbraunen Honigbrötchen noch niemals gelockt; hernach war s m den Garten gegangen; dort hatten sich die ersten blühenden Frühlingsboten schon zum Abschiede bereitet vom neugewonnenen Heim. Sie wußten es ja. daß sie die großen Kinderaugen, welche all' Morgen gekommen waren, ihr Gedeihen neugierig zu begucken, auch heute erfreuen dürften, doch nicht mehr im Gärtlein. sondern als Strauß auf Hänschen's Frühstückstisch. Blumen dem Kinde! Wohl zitterten der zungen Mutter Hände, als die scharfe Scbeere die zarten Stenael entzweiIchnttt, wohl stel ihr Blick wie durch einen Schleier auf das entstehende Gewinde, tapfer aber preßte sie die rothen Lippen zusammen und drängte den in die Augen steigenden Kummer zurück in die Brust. Dann hatte helles Elockenläuten die siebente Stunde verkündet. Wie oft auch dieser Ton an ihr Ohr gedrungen, heute erst erkannte sie seine Bedeutung. Klein Hänschcn war ein großer Siebenschläfer; während es ihr aber sonst gegönnt war, mit sorgender Aengstlichkeit Alles vermeiden zu dürfen, was des Kindes Schlummer auch nur um eine Minute hätte verkürzen können, mußte sie dasselbe heute zum ersten Male wecken. Und wie sie ihren Hans nun betrachtete, immer und immer wieder und wie sie die kleine Blust so ruhig sich heben sah, den blonden Krauskopf tief in den weichen Pfühl vergraben, die Wänglein wie Aevfel glänzend im gesunden, festen Schlafe, schien ihr das grausam und hart. Mit raschem Entschluß preßte sie ihren Mund auf die halbgeöffneten Kirschenlippen des Kindes im langen, liebevollen Kusse, bis die großen, blauen.Guckäugen Hänschen's weit geöffnet sie betrachteten, erstaunt ob solch' ungewohnten Gebah-:ns. Hatte der kleine Schlingel sonst sich scöon selbstständig die Ordnung seiner Toilette besorgen müssen, heute waren der Mutter Hände geschäftig gewesen, ihn zu einem wahren Dandy zu gestalten. Geschniegelt und glatt vom sorgsam gekämmten Scheitel bis zu den wie Spiegel glänzenden Stiefelchen, ohne das kleinste Fleckchen im Rocke, ohne den geringsten Riß im Höschen, so hatte sich Hänslein zu den Honigbrötchen gesetzt und so munter geschmaust, als gäb's auf dieser Welt weder eine Schule noch irgend ein sonstiges Ungemach. Mit den Mienen eines Helden hatte er sich sonach das Bücherränzlein überschnallen lassen und dabei noch allerlei Fragen gethan, die klar bewiesen, daß eines kleinen Mannes Herz in Hänslein's Brust schlage. Als ihn dann die Mutter mit zitternderStimme gebeten, nur ja immer recht fleißig und folgsam und brav zu sein, damit Gottes Segen ihn nie verlasse, da hatte es doch begonnen, gar unruhig unter dem neuen Rocklein zu zucken. Hernach hat ten sie den Weg zur Scbule eingeschlagen, Hand in Hand. Während es aber schien, als ob der kleine Hans aufmerkfam den liebevollen Worten der Mut ter lauschte, hatte er anfangs gar seitsam mit den großen Augen gezwinkert und dann daran emsig gerieben, wobei die kleineBrust immer rascher athmete; und als nun das Schulgebäude vor ihnen gestanden und sie, sich berabbcugend, den ersten Trennungskuß auf ihres Kindes Lippen gedrückt, da hatte Hänslein laut aufschluchzend seine Arme um der Mutter Hals geschlungen und so bitterlich geweint, als gälte e . eine Trennung für's Leben. So zog Bild um Bild noch emma. Vor den Geist der jungen Frau, als si : regungslos und sinnend zum Fenster hinaussah in den duftigen, lachenden Frühlingsmorgen. Wie da die Blamen freundlich blühten und die Schmetterlinge lustig flatterten und die Voglein fröhlich zwitscherten! .Alles freute sich und jubilirte, nur ihr kle! rrer, lieber Hans.... Zwei große, schwere Tropfen rollten über ihreWan gen und durch den Schleier, den sie vor ihre Augen woben, erschienen ihr die weißen, flockigen Frühlingsbluthen da draußen plötzlich wie erster Schnee. A u cy ein e K van ke. Dienstmädchen: Ich bitt' Herr Doktor, ich hab' schon längere Zeit nimmer so viel Appetit wie früher! Doktor: Run, was haben Sie für Schmerzen?.Dienstmädchen: Schmerzen ' hah' ich Snerr nfinr" 3ntlnv ' W Vp VW ff0 warum wollen Sie dann , durcbauS nehv Appetit haben? Das see ich doch nicht ein!-. Dienstmädchen: .Ach. weil mich der Zorn halb umbringt, wmn ich schV wie's meine Gnädige freut, daß ich nimmer so viel ess' ii früher.. ''
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