Indiana Tribüne, Volume 20, Number 52, Indianapolis, Marion County, 8 November 1896 — Page 7
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Sa? alte Licd.
Von Heinrich Ceidel. Meine Mutter hat gesungen Ein altes, liebes Lied Das ist mir nachgeklungen Und liegt mir im Gemüth. Wie Freuden und wie Leiden, Wie Alles muß vergehn, Vom Scheiden und vom Meiden - Und frohem Wiedersehn. Ich war ein kleiner Knabe, Als mir das Lied erklang ' . Nun liegt sie längst im Grabe, Die jene Weise sang. Doch wenn das Heer der Sterne Am Abend aufwärts zieht, Da tönt es ganz von .ferne. Das alte, liebe. Lied. Zier ßlic-Sletschcr. Von Julian Weiß. -Niemandem ist die Welt recht und deshalb kann es auch Niemand der Welt recht machen. Ist ein junger Mann verheirathet, so fragt lman, warum er denn geheirathet habe, ist er ledig, so fragt man wieder, warum er denn nicht heirathe? Man zerbricht sich gegenseitig die Kopfe und obgleich es demzufolge an offenen Köpfen nicht mangelt, dennoch fällt selten etwas Vernünftiges heraus. Die Ehe ist das große Problem des alten Jahrhunderts, und ganz besonders alle alten Frauen (die das Jahrhundert bereits kannten, als dasselbe noch ganz jung war) sind unerschöpflich in Vermuthungen und Combinationen, um zu ergründen, warum die jungen Manuer in ihrem Laufe durch das Leben jetzt gar nirgends mehr anhalten wollen ? Die Einen behaupten, daß die vielen Eheskandale verheerend wir.ken und alle Liebespaare veranlassen, sich noch vor der Verlobung scheiden zu lassen, die Anderen, deren Herz viel geliebt hat (aber noch immer zu. . . . vergeben wäre), klagen, daß heutzutage die armen Mädchen schon als Wittwen geboren werden. Wohin man auch kommen mag, überall jammert man über die vielen klugen Jungfrauen, welche so gern thöricht wären, wenn nur der Erlöser in Gestalt eines Bräutigams sichtbar werden wollte. Früher waren die Freier in den Jugendjahren eines Mädchens so selbstverständlich, wie die Schafblattern, während jetzt eine junge Dame die wirklichen Blattern noch eher bekommt, als einen wirklichen Mann. Früher fand sich auch in jenen Familien, in welchen nur eine einzige Tochter zu verheirathen war, ein Epouseur ein, während man jetzt selbst in Familien, die mit zwölf heirathsfähigen Töchtern aufwarten können (die Aermsten können lange warten!), keinen lebenden Bräutigam entdecken kann, nicht einmal mit den bewaffneten Augen der Schwiegermutter, der platonischen Schwiegermutter sozusagen. Früher kamen auf jedes bessere Haus einige heirathslustige Männer, jetzt ereignet es sich, daß auf einen Ball, der von hundert Mädchen besucht wird, nicht einmal Ein heirathslustiger Mann kommt. Dabei muß noch hervorgehst den werden, daß die wenigen Männer, welche gegenwärtig in den Ehestand treten wollen, nicht heirathslustig, sondern heirathstraurig sind. Unter solchen Umständen ist es nur zu einleuchtend, daß Hunderttausende von eirathsfähigen Mädchen ihre Fähigkeiten nicht verwerthen können. Väter, Mütter. Tanten. Vettern. Brüder und Ehevermittler sind bei Tag und Nacht bestrebt, den Ursachen der allgemeinen Heirathsidiosynkrasie bei den Männern nachzuspüren, ohne daß diese Untersuchungen einen Erfolg hätten. Und doch liegt die Lösung des Räthsels auf der Hand: Die Männer heirathen jetzt so schwer, weil ihnen das Heirathcn so leicht gemacht wird. Jawohl, die Hast, mit welcher Verufene und Unberufene alle Hindernisse. die der Ehe eines Zungen Mannes im Wege stehen, fortschaffen, dient nur dazu, um eine Kluft zwischen ihm" und ihr" aufzureißen, die umso unüberbrückbare? wird, je eifriger man sich bemüht, die Heirath zu Stande, zu bringen. Di? Heirathsannonren in den Zeitungen, die Ehever-mittlungs-Bureaux, die verschiedenen alteren Damen der vornehm sein wol lenden Gesellschaft, sie haben den Ehecandidaten die Freude an jeder Hochzeit genommen, wie die verschiedenen vmisxtx. Sanften und Esel den Touristm d Freude an den schönen Bergen verkümmerten. Jetzt, wo neben jeder Braut einiae Freundinnen' stehen, die nur auf den Augenblick lauern, um das kleine Wesen m zwei zufällig ge öffnete Männerarme werfen zu kön nen. jetzt, wo zu jedem Gipfel Zahn radbabnen führen, die mit dicken Kom :r.tcj:;.K5ito überfüllt sind, welche i7-.it. o? vi:otlve um die Wette keuLin. i:-.i o:i: es keine cna.eneb.men nicr" 7'"hr. Daß die Mädchen rr.birr. innrer nock beiratben wollen. ist klüi öezieiflich, denn je ehescheuer d.5 Unner werden, desto mehr Muhe r. sey el rcr. Jungfrauen unter die ;rio: v.: 5c n:::cn. und diese Schwie::8ii;i iiiO es eben, welche einen verlockenden Sauber bessken. Die Ebelust des Mädchens nimmt daher zu.die des Manne jeooq in geometrischer Progression ab. und je mehr die Eine eilt, desto weiter entfernt sich der Andere von ihr. Es ist ein Wettrennen zwischen einer Schnecke und einem Hasen. Die Zufriedenheit muß errungen, die Liebe erobert - und da Olv.3, tx
kämpft sein. Die Ehe sollte wie ein
Meteor am Himmel leuchten und nicht wie ein Ziegelstein dem Erstbesten aus den Kopf fallen. Man hat einst über die bösen Schwiegermütrer geklagt und doch verliehen sie dem prosaischen Liebesleben in der modernen Gesellschaft einen gewissen poetischen Hauch. Der Bräutigam konnte sich in die märchenhafte Zeit zurückdenken, va jeder Schatz von einem alten Drachen aehutet wurde, den der iunge Ritter erst besiegen mußte. Doch die Schwiegermutter sind m unserer Zelt ungeheuer gut und ganz und gar nicht mehr ungeheuer böse (geschweige denn, böseUngeheuer); sie lächeln und lispeln und tragen jeden Menschen, der nur ein wenig zum Schwiegersohn inklinirt. auf den Händen, ja sogar auf der Zunge. Ehedem haßte die Schwiegermutter den Eidam, heute vergöttert sie ihn, und wenn es einst die größte Kunst für einen Schwiegersohn war, seine erbitterte Schwiegermama zu zähmen, so ist es jetzt die qrößte Kunst für den armen zukünftigen Tochtermann, nicht wud zu werden, wenn er sieht, wie seine Schwiegermutter von Süßigkeit trieft. Dornröschen wird heutzutage dem kühnen Helden ohne Stacheln prasentirt und die eiscrsuchtige Stiefmutter Schneewittchens ist bemüht, ihr Kind wenigstens einem der sieben Zwerge anzuhängen, just so wie die Verwandten Aschenbrödels Alles ausbieten, damit diese so rasch als nur möglich in den Pantoffel und irgend ein männliches Wesen unter denselben gelangt. Die Gesetze der Natur scheinen in der Jetztzeit auf den Kops gestellt zu fern, denn die Mutter ist kokett, die Tochter abweisend, die Mutter ' schwatzhaft, die Tochter schweigsam, die Mutter heiter, die Tochter mißvergnügt, die Mutter muthig, die Tochter ängstlich, die Mutter der kategrorische Imperativ, die Tochter die leidende Form, die Mutter zu jung und zu narnsch, die Tochter zu alt und zu vernünftig, die Mutter ein tönender Leierkasten, die Tochter eine verschlossene Orgel. Undovährend die Mutter immer umherhüpft bleibt die Tochter stets sitzen. 5 . Die Liebe verhält sich ungefähr zur Ehe wie der Blitz zum Donner. Zuerst kommt die Liebe mit ihrem hellen, grellen, ein wenig unheimlichen Licht und dann folgt die Ehe mit ihrem trauten, lauten und ganz heimlichen Donnerwetter. Liebe und Ehe gehen Hand in Hand und so bald die Liebe m den Herzen schwindet, können auch die Ehen nicht gedeihen. In einer Zeit, wie die gegenwärtige, wo es keine Heirathslust gibt, besteht selbstverständlich auch keine Liebeslust. Die Liebe reizt Nicht mehr, denn auch sie wohnt an breiten Landstraßen, in schönen Häufern mu offenen Thoren. Papa und Mama sehen es gern, wenn das Töchterchen liebt und geliebt wird, denn daraus kann leicht eine Ehe werden, bei welcher man sogar die Mitgift zu ersparen pflegt. Auch wilde Leidenschaften kommen vor, aber kluge Hände verpflanzen den jungen Baum m einen Winkel des sorgsam gehegten englischen Gartens, schneiden daran herum, damit die Aeste nicht in den siebenten Himmel wachsen, binden ihn in Stroh ein und beqießen ihn recht oft mit kaltem Wasser, kurz, sie okunren und veredeln solange, bis der Baum Früchte trägt aber selbstverständlich keine verbotenen. Einst gab es wohl leidenschaftliche Liebe. Adam ließ sich die Nippen einschlagen, um seine Eva zu bekommen. Der weise Salomo war klugr genug, bei einigen hundert Gattinnen die Liebe zu suchen, bis ihm endlich die Königin von Saba so viel Charaden der Liebe aufgab, daß dieselben beinahe zur Auflösung des jüdischen Königs geführt hätten. Weit genügsamer war der aus dem alten Testament.- bekannte Jakob eine bei Malern noch heute beliebte Brunnenfigur der auf Rahel sieben Jahre (daher offenbar der Name: böse Sieben) wartete, dann glückselig noch weitere sieben Jahre duldete, bis er sie heimsührte und schließlich mit dem üblichen alttestamentarischcn Segen, dem Kindersegen nämlich, erfreut wurde. Weniger Geduld legten die jungen Römer an den Tag, die jene Sabinerinnen, in welche sie verliebt waren, einfach raubten, die fchöne Beute aufs Pferd setzten und heimritten. Hier sieht man zum ersten Male deutlich denSport im Dienste der Liebe. Der Sport ist genau ge nommen nichts Anderes, als jene große Mühe, welche man sich selbst verursacht, um ein kleines Amüsement zu verbittern; er ist sozusagen das Mißvergnügen des 'Vergnügens. Doch diese Schwierigkeiten verleihen oft der banalsten Unterhaltung eine eigen thümliche Anziehungskraft. Es ist anzunehmen, daß die Sabinerinnen auch zu Fuß mitgegangen wären, aber hoch zu Roß machte ihnen die Entführung denn doch weit mehr Spaß. Eine schöne Leistung des Wassersports verdankt man Leander, der durch den Hellespont zu seiner geliebten Hero schwimmt, bis er schließlich im Meere die letzte Kühlung semer Leidenschaft findet. Einen schönen Beweis für die Entwicklung des Rudersports im Alterthum erbringt Jason mit der alten Vließritterin Medea. die er dann verabschiedet, um die liebliche Kreusa zu heirathcn. (Es war eine Liebesheirath, vergoldet durch eine schöne Mitgift.) Recht nett waren die Arbeiten der Kaiserin Theodor im Cirkussport, welche besonders die jüngeren Kunstfreunde im alten Byzanz entzückten und begeisterten, so zwar, daß . . - m . in l i n . die halbe Vauvkttavl (oit naricre Hälfte natürlich) in Theodor verliebt war, ohne daß man dies eine Unglückliche Liebe hätte nennen können. Jede Seite der Geschichte des Mittelalters itt überreich an Beispielen, daß der
Fechtsport dazu diente, die Liebenden zu vereinigen, und erst nach großen Plagen und Strapazen durfte Maneher auch im Geh- und Laufsport hervorragender Ritter seine Dame heimführen. (Der Kreuzritter gab stets Ruhe, sobald er sein Ritterkreuz daheim hatte, doch leider ließ ihn dieses selten in Ruhe.) Nicht unerwähnt darf die Thätigkeit Romeo's auf dem Gebiete des Turnsports bleiben, denn der junge Mann gab hübsche Proben seines Könnens auf der Strickleiter und seine Erfolge bei der reizenden Julia wären wohl ein Grund mehr, das Turnen in unseren Schulen mehr zu pflegen. Endlich sei auch noch des Hungersports in der Liebe gedacht, denn Ulrich von Lichtenstein erweichte erst das Herz seiner Angebeteten, als er ihr Waschwasser austrank. Wie man sieht, diente der Sport dazu, neue Hindernisse und neue Gefahren zu schaffen und Liebe und Ehe in der Vergangenheit mit neuen Reizen zu schmücken. Wer ehedem die Tochter des Friedensrichters heimführen woll te, mußte häufiger den Degen zur Hand nehmen, als Derjenige, welcher heutzutage die Tochter eines Fechtmeisters heirathen will. Früher schlug der Liebende unzählige Male sein Le ben in die , Schanze, jetzt schützen ihn alle männlichen und weiblichen Ver wandten, damit ihn, um Himmels Willen, kein Luftzug berühre. Einst ging der Liebende mit offenem Herzen durch die Welt, jetzt hüllt man ihn in Watte und legt ihn ins Bett. Ehedem verlor er vielleicht das Leben, jetzt verliert er sicher die Geduld. Wenn sich die Jmlglinge früher verliebten, so wurden sie beinahe toll, doch heute müssen sie schon toll sein, damit sie sich überHaupt verlieben. Nicht nur der Glaube, sondern auch die Liebe sollte ein Fels sein, auf welchen man bauen kann. Die Ehe aber müßte den schönsten Gletscher bilden, zu dem kein gepflegter Weg führt und den man erklimmen, ja, den man sich erobern muß. Leider hat die Gegenwart von allen Dingen den Glanz der Poesie genommen und bald wird man zu jedem Gletscher in einem Eisenbahncoupee hinauffahren können: ein Bild der modernen Liebe. Ehedem war die Liebe eine Lustreise, jetzt ist sie ein Lastzug, ehedem war sie ein wildes Fohlen, das nach eigenem Instinkt umhersprang, heute ist sie ein Maulthier, das vor dem Brodwagen einhertrottet. Ehedem stieg man den Berg empor, athmete die herrliche Lust und jauchzte auf, als der Gletscher erreicht war, von wo man einen wundersamenAusblick auf die herrlichsten Abstürze hatte, heute erstickt man in
der Atmosphäre des Waggons, erreicht den Gletscher (derEinen ungemein kalt läßt), findet die Gegend' vernebelt und sieht, daß man gar keine Aussicht hat. Das Leben hätte keinen Reiz, wenn es ohne Gefahr, das Dasein ki nen Zweck, wenn es ohne Kampf wäre. und die Ehe. die so wichtig und so pedeutungsvoll ist und so lange währt (fast immer länger als die Liebe) sollte Einem ins Haus geliefert werden können, wie ein eingeschriebener Brief ? Ein Tourist wird mit Bergschuhen, Eisstöcken und Leitern zum Gletscher emporsteigen, nicht aber in Pantoffeln, Schlafrock und mit Messer und Gabel bewaffnet im Speisewaggon hinaufrollen. Möglich, daß es sich auch der Tourist überlegt, noch ein zweites Mal in die Höhe zu klimmen, aber der Ei-senbahn-Passagier macht zweifellos von seinem Retourbillet Gebrauch und läßt in Zukunft den Gletscher links liegen. . . Liebe und Ehe sollen nicht in den Staub gezerrt werden, damit sie jede Hand (und jeder Fuß) erreichen kann, sondern sie sollen emporgetragen werden, damit man zu ihnen aufblicken muß, wie zu den ewigen Sternen; sie sollen nicht offenen Burgen mit willigen Fallbrücken, sondern starren Festungen mit kugelfesten Mauern gleichen ; sie sollen wieder ihren idealen poetischen Reiz erhalten. ihr hausbackenes prosaisches Wesen verlieren; sie sollen, statt auf denStraßen und Platzen liebäugelnd umherzu stehen, in die höchsten Regionen der Gletscher flüchten und sich dort suchen lassen, statt hier unten selbst zu suchen. Und wenn die Menschen die Liebe in den Himmel heben, dann ist es wohl möglich, daß die Ehen wieder einmal im Himmel geschlossen werden. Gefährliches Geschäft. Heirathsvermittler: Was, Sie glau ben mir nicht, daß ich schon viele Par tieen vermittelt habe? Ich kann Ihnen nur sagen, ich fürcht' mich ordentlich Nachts allein über die Straße zu gehen!" Naiv. Arzt (er Nachts aus dem Bett geschellt wird, ärgerlich): Leibschmerzen hat die gnädige Frau ' und deshalb kommen Sie Nachts um ein Uhr?" Mädchen: O, das macht nichts. Herr Doctor, ich war gerade noch aus. Zweierlei Gründe. A.: Was, Du suchst eine neue Wohnung? Warum ziehst Du denn schon wieder aus?" B.: Aus zweierlei Grun den: Erstens , spielt nämlich die Toch ter vom Hausherrn den ganzen Tag Klavier, und zweitens hat mich ihr Vater 'rausgeschmissen, weil ich den Zins nicht zahlen konnte! Bittere Replik. Eine Frau bemerkt, daß ihr Mann den Ehering Nicht am Finger tragt, sondern rn sei nem Portemonnaie aufbewahrt, und macht ihm deshalb Vorwurfe. Mann: Was willst Du denn? Dorthin gehört er auch! Du hast ja nicht mich, sondern nur mem Portemonnaie geheirathet! Au! Ella: Manu, haben denn die Kameele auch Weibchen!" Mut ter: Gewiß, mein Kind!" Ella : Die heißen dann wohl Kamelienda mm?"
Die Blindenschrift. Von Fred Hood Die Schrift ermöglicht es uns, unser
Wissen, d. h. alle unsere Wahrneh11 . - i v rr mungen. Erfahrungen uno cmuuc, die das Gehirn nicht in vollem Umfange dauernd zu bewahren vermag. zu flxiren und aufzuspeichern, um nc für uns oder andere Personen nach Belieben wieder nutzbar zu machen.Die Kenntniß des niedergeschriebenen Gedankens vermittelt uns das Auge für die Blinden ist das beschriebene Blatt Papier ein stummes Dokument. Und doch vermögen auch diese Unglücklichen.so sch'. ?? begreiflich uns dies zunächst erscheint, Sink der humanen Ve-strebuna?-. tr.ir.r Z-it, die Kunst des Lesens eivkl'Z , zu erlernen. Nach siiic : rürc:r :bc:Tüid;en Anstrengung :n ist zta d-lrch die ttt Ausbil dung des Sluftsinne?, der m:hr noch als das Gehör :cn: L'.:Z'?en zur Vermittelung i-rn 'oriiifcgf.i dient, gelun gen. Vo: Uir.U. :t Satjien beschäftigte sich ein Franzcse oi'er.trn Hauy mit dem damals noch . &t sonderbaren Plan, die Kenntniß der Literatur den blinden Kindern zugänglich zu machen. Er begründete im Jahre 1784 mit Hilfe der Philanthropischen Gesellschaft die erste Blindenanstalt zu Paris, welche 1791 in eine Staatsanstalt umgewandelt wurde. Hauy ließ große Metalltypen mit scharfen, gezähnten Eonturen anfertigen, die in dasPapier eingedrückt wurden und auf diefe Weise erhabeneBuchstaben erzeugten, welche mit Hilfe des feinen Tastgefühls von den Blinden gelesen werden konnten. In nicht zu langer Zeit lernten seine Zöglinge auch ihre Bücher selbst setzen und drucken. Zum Schreibunterricht bediente Hauy sich einesRahmenö mitDrähten.der zur Trennung der Zeilen über das Papier gespannt wurde. Bedeutende Anregungen verdankte er einer Wienerin, dem Fräulein Paradies, einerBlinden, die sich höchst sinnreiche Apparate zum Lesen, Schreiben und Notmsetzen selbst erdacht hatte. Unter anderm lernte Hauy von ihr für den geographischen Unterricht Landkarten verwenden, aus denen Gebirge, Flüsse. Städte und Landesgrenzen in so auffallend verschieden Stichmanier gestickt waren, daß sie die tastenden Fmaer der Zoglinge leicht unterscheiden konnten. Er führte sein System zunächst in seiner Anstalt zu Paris, später auch in den Blindenschulen zu Berlmund Petersburq ein. die nach seinen Angaben und Grundsätzen errichtet waren. Der Blindendruck wurde Mit der Zeit weiter vervollkommnet.und so entstand der heute allgemein bekannte Prägedruck, eine aus gleichmäßigen Haarstrichen bestehendeSchrift mit nur eckigen Formen, die von den Fingern der Lesenden leicht unterschieden wer den können. Um den Blinken das Verfolgen derZeilen zu erleichtern, vermeidet man die langen, über und unter der Zelle hervorragenden Buchstaben. Meist findet das modificirte lateinische Alphabet Verwendung. Um die Vervollkommnung der Typen für dieBlindenschrift hat sich besonders die New England Institution ern hohes Ver dienst erworben. Die Blinden vermochten die Schriftzüge, die ihre tastenden Finger wahrnehmen und unterscheiden konnten.auch bald nachzuschreiben, ebensogut wie sie feste, scharf conturirteKorper nachzeichnen lernten. Eine zweckmäßige Blindenschrift aber das hatte fchon Valentin Hauy erkannt mußte nicht nur ohne Hilfe des Auges schreibbar, lonvern auch lesbar sein; es galt also eine Reliefschrift zu erfinden, die es dem Blinden ermöglichte, völlig selbstständig das Resultat seiner Thätigkeit zu Papier zu onngen, vurchzulesen unv nacy Belieben zu corriairen. Die Handhabung der Hauy'schen rn.imi.i , ..f. zrtciuuiqpcn wai iiaiuruco viel zu UM ständlich, als daß sie zur schnellen Fi kirung irgend weZSer Gedanken aeeia net erscheinen konnten. Man schuf jetzt sogenannte Zeichenalphabete, deren Buchstaben ähnlich denjenigen der elektromagnetlschen Telearaphie aus Stri chen und Punkten bestanden und die sich die Blinden verhältnißmäßig leicht einzuprägen vermochten. Diesen Weg vekrat zuerst Charles Barbier .1830. Das Schreiben der Punktirschrift erfolgt mitHilfe eines über dieSckreibfläche gelegten, durchbrochenen Lineals, in welchem für jeden Buchstaben eine quadratische Oeffnung ausgespart ist. ..w :u.rn o .t r r. .. uhu miucii eine ayteiisormigen, pll gen Instrumentes durch daö die Ein drücke auf dem Papier hervorgebracht werven. )Oas Lineal wird dann von Zeile zu Zeile gerückt, sodaß sich die Buchstaben in Weihen arupviren. Das Lesen der Blindenschrift erfolgt mit dem Zeigefinger der rechten Hand, während der Zeigefinger der linken Hand am Anfang der Zeile ruhen cr.!l c r..rr i J . vleioi, um vas AUssmoen ver nächst folgenden zu erleichtern. Am bekann testen sind die von den Blinden selbst componirten ' Buchstabensysteme des Engländers Moon und des Franosen Braille. Die Zeichenalphabete vertheuern allerdings den Druck der Blindenschriften, da sie außerordentlick viel Raum beanspruchen, sodaß die Bucher volummos werden. Unter anderm um faßt die Bibel nach einem solchen, noch sehr verbreitetenZeichensystem 36 starke Bände, in normalem, amerikanischem Blindenalphabet aber nur acht Bände. Indessen erleichtert eme gute Zeichenschrift die Arbeit des Lesens so wesent lich, daß man sie auch für Druckschrift ten ietzt für unentbehrlich halt. In die sem Sinue empfahl der internationale Eongreß der Blindenlehrer zu Be?lin im Jahre 1879 die allgemeine Einführung der Braille'schen Punktirschrift als Weltschrift für Blinde. Sämmt'licke Sru:cblaute werden in diese:
Schrift durch Gruppen von Punkten bezeichnet, die sich auf drei parallele Linien vertheilen.
Der Blindendruck, dessen Schriftsatz wie der des Hebräischen von der Rechten zur Lmken erfolgt, wird meist nach Art des Relief- oder Prägedrucks hergestellt, d. h. das angefeuchtete Papier wird durch Platten mit vertieften Schriftzugen gebreitet und durch Einpressen der entsprechend geformten, erhabenen Matrize in die Vertiefungen die Reliesschrift erzeugt. Es sind jetzt in der Brailleschrift nicht allein Leseund Lehrbücher, sondern auch klassische Werke, wie Goethe's Hermann und Dorothea", Schiller's Wilhelm Tell" und Wallenstein", Scheffel's Trompeter vonSackmaen und andere Werke gedruckt. Seit 1888 erscheint in Berlin auch eine Monatsschrift in Brailledruck: Das Blinden-Daheim". In neuerer Zeit werden auch Gummitafeln mit Blindendruck hergestellt, welche ihrer geringen Abnutzung und leichten Reinigung wegen für den Unterricht besonders geeignet sind. er Nechenunterncht beschrankt sia, in den Blindenschulen auf das Kopfrechnen, doch dienen zur Veranschaulichung der Zahlenbegriffe hundert kleine Würfel. Es ist a bekannt, welche Uebung man im Kopfrechnen mit mnemotechnischen Mitteln erreichen kann, und gerade die Blinden, die auf dem Papier nicht zu rechnen vermögen, erlangen eine ungemeine Fertigkeit, die Löjungen mit Hufe einfacher VerstandesOperationen zu finden. Jedoch wird auch ein praktischer Rechenapparat, die sogenannte Taylor'sche Rechentafel, zum Unterricht verwendet. Diese Tafel ist mit vielen regelmäßigen, achteckigen Vertiefungen versehen, m welche vierkantigeMetallstäbchen derartig eingepaßt sind.daß jedes von ihnen in acht verschiedenen Richtungen angeordnet werden kann. Nun sind aber das Kopfund Fußende der Stäbchen verschieden-.ri-ri.l rcr c? ri c. r' uiiuj genau, Ivoay vie lastenoenHliiger der Blinden sechszehn verschiedene Typenstellungen wahrzunehmen vermögen. Wenn wir uns veraeaenwärtigen, daß wir selbst mit Hilfe von zehn Ziffern und einigen Zeichen die höchften Zahlenwerthe und kleinsten Bruchtheile, selbst negative Größen zu bestimmen vermögen, so ist es leicht begreiflich, daß auch die Blinden mit Hilfe dieser Typen schwierige Zahlencombinationen auszuführen vermögen, fofern den Stäbchen je nach ihrerStellung ein bestimmter Werth oder eine bestimmte Bedeutung beiaeleqt wirb Eine Zeitlang glauvte'man die Zoglinge in den Blindenanstalten vorzüglich zu Musikern ausbilden zu müssen, da die Blinden für diesen Buuf besondere Neigung und Befähigung zeigen. Indessen erwies sich die Bevorzugung der Musik als eme Maßregel von zweifelhaftem Werth, da es nur wenigen blinden Musikern glückte, eine gesicherte und eines Künstlers würdige Stellung zu erlangen, während das Gros derselben nur die Zahl der musicuenden Bettler vermehrte. Diese während eines Jahrhunderts in der Blindenfürsorge gewonnenen Erfahrungen haben denn auch zu einer Einschränkung des Musikunterrichts geführt und die Leiter und Forderer der Anstalten veranlaßt, sich mit um so größerem Eifer der Pflege des Handwerks, namentlich der Korbmacherei, Strohflechterei.Sei lerei und Burstenmacherei. zu widmui. Es geschah dies mit so aroßemErfolae. daß heute zweifellos kein Blinder, der in emer Anstalt seme Ausbildung erhielt, außer Stande ist, sich seinen Lebensunterhalt zu erwerben, es sei denn, daß er mit anderen körperlichen Fehlern behaftet ist.- Indessen wird in den Anstalten die Musik, . keineswegs vernachlässigt; nur dient sie heute weNiger Erwerbszwecken, als vielmehr zur Bildung des Gemüths und Verschonerung des hauslichen Lebens. Das Maß der Kenntnisse und Fertigkeiten, welche die Blinden zu erwerben im Stande sind, befähigt sie aber nicht nur zum Erwerbe ihres UnterHalts durch Ausführung technisch-me-chanischer Handarbeiten oder Ausübung der jtffiisii. In der That haben sich diele Blinde, sogar schon zu einer Zeit, da ihnen die erwähnten vortrefflichen Lehrmittel noch Nicht zur Vertugung standen, auch aus geistigem Gebiete ausgezeichnet. Zunächst will ich hervorheben, daß m den Blmdenschulen nicht selten blinde Lehrer thätig waren und heute noch' thätig sind.' Ich erinnere an die. Blinden Braille und Moon, welche die weit, verbreiteten Punktirschriften erfanden, an Frl. Paradies, der Valentin Hauy so bedeutsame Anregungen verdankte. Der blinde Saunderson wirkte als Professor der Mathematik in Cambridge und construirte mit Nadeln und Schnüren ein Rechen- und Meßbrett, vermittelst dessen er verwickelte mathematischeAufgaben zu lösen vermochte.' Der blinde Weißenburg in Mannheim, der sich gleichfalls mit mathematischen Arbeiten beschäftigte, erfand auch eine Leseund Schreibmaschine. Thomas Blacklose war Doktor der Theologie inEdinbürg und wurde von seinen Hörern als Prediger hochverehrt. John Metcalf In Manchester beaufsichtigte den Straßenbau und legte nach selbstständigen Plänen und Berechnungen mehrere Straßen an. Von einem Blinden wird erzählt, er habe die Erde umschifft, alle fünf Welttheile besucht und dann eine Beschreibung seiner Reise herausgege ben. Allerdings waren die Genannten sämmtlich hervorragende Talente; aber wenn man berücksichtigt, daß jene sich hauptsächlich autodidaktisch fortzubilden gezwungen waren, während wiheute eine ganz methodische BlindenerZiehung haben, die sich der vortrefflichen Lehrmittel bedient, so vermögen wir zu begreifen, daß nicht wenige blinde Zöglinge auch auf geistigem Gebiete zum Wettbewerb mit Vollsinn!gen befähigt und selbst mit ihrem Unglück ausgesöhnt werden. . .
St. Zlankralz.
Von C. Zoellner. Hasenfüße!" flüsterte der Zunge Ladelöwe wegwerfend, während er die Manschetten seines rosarothen Hemdes tiefer auf die wohlgepflegtenHande zieht und herausfordernd den blutjungen Lieutenant anblickt, der foeben eine gruselige Raubgeschichte aus der Zeitung zum Besten gegeben, um die Gesellschaft zum Aufbruch anzufeuern. Der iunge Batttlerssohn und der einundzwanzigjährige Krieger sind die mannliche Bedeckung der kleinen Kurgesellschaft, die eine Fußtour zum malerischen Thumsee gemacht hat und jetzt den Heimweg antritt. Meme Damen, wir kommen vor Dunkelwerde nicht nach Hause, wenn Sie darauf beharren überSt. Pankraz zu gehen," mahnt der Lieutenant. Der iunge Badelowe wendet sich und sieht spöttisch lächelnd dem Soldaten in die Augen. Man sollte wahrhaftig glauben. Sie fürchten sich, Nachts durch den Wald zu gehen, Lieutenant," meinte er herausfordernd und wirbelt die spärlichen Härchen des fast unsichtbaren Echnurrbarts. Der begnügte sich mit einem Achselzucken. Da würde es mir schlecht bei ver Rond des Nachts in meinem einsamen Walde ergehen." meinte er sehr ruhig. Daß von uns Männern dabei keine Rede sein kann, ist selbstverständlich. Sie mit Ihrer vielgerühmten Unerschrockenheit mögen aber nun auch die Verantwortung tragen, wenn die Damen sich schließlich unbehaglich fühlen. Ich wasche meine Hände in Unschuld." Pfinkraz forever!" heißt trotzdem das Feldgeschrei der geernten gegnerischen Partei. Man hat schon zwei Mal schweren Gewitters halber am Fuß der malerisch gelegexen Felskirche umkehren müssen. Man will sich nicht von der übrigen Hotelgesellschaft ob cines dritten Mißerfolges auslachen lassen. Die Damen sind sehr muthig, da noch die untergehende Sonne mit dunkelrothem Glanz die Wolken durchleuchtet. Sie erzählen sich während des Aufstieges über das wunderherrlich gelegene Thal alle möglichen Schauergeschichten, bei denen sie mehr oder weniger betheiligt waren. Der rosabrüstige Heldenjüngling gibt ein Abenteuer im Grunewald zum Besten, bei dem er durch Geistesgegenwart einer Schaar von Raubgesindel imponirte. Durch ein ungeladenes Kinder pistol so sagt er habe er die Bande in die Flucht geschlagen. Die ganze Gesellschaft schwelgt in Selbstbewunderung. Nur der Lieutenant fagt kein Wort und lächelt still vor sich hin. Die Sonne verblaßt. Lang streckt sich der Weg zur Höhe. Des schnell hereinbrechenden Herbstabends Dämmerung sinkt allmälig herab. Die Ermüdenden haben mehrere Male kurze Rastzeit auf den Aussichtsbänken verlangt. Vor ihnen aus herbstlicher Ahorn- und Buchenwaldung . steigen endlich nach mühsamem Marsch die beiden hohen Felskegel auf. die von der Burg Karlstein und deifdem Heiligen geweihten einsamen Kirche gekrönt sind. Hinauf!" ruft ein unternehmendes Fräulein im kanonischen Alter. Hinauf." echot der rosabrüstige Jüngling und trocknet sich denSchweiß von der heißen Stirn. Der schnelle Marsch hat ihn müde gemacht. Bei Leibe aber kein Eingeständniß. Eine zarte junge Frau bricht erschöpft auf einer Bank zu Füßen der 277stufigen Felstreppe zusammen und zieht ihr Töchterlen an ihre Seite. Ich kann nicht weiter," gesteht sie fast weinend. Lassen Sie mich nicht hier allein im Walde, ich ängstige mich zu Tode." flehte sie händeringend ihren Beschützer, den jungen Lieutenant, an. Der fetzt sich bereitwillig an ihre Seite und ihnen gesellt sich eine andere Uebermüdete. Unter Hohnlachen und spöttischen Zurufen tritt das ungleiche Paar ganz allein seine Höhenreise an. Sie klimmen und klettern athemlos, ohne Unterbrechung, mit schlagenden Herzen, fliegendem Athem, zitternden Pulsen, Stufe um Stufe, hinauf, hinauf! Keuchend erreichen sie schließlich die Spitze und sinken todtermattet, athemringend auf die nächste Bank. In den Ohren aellt es wie Kirchenglocken, von den Stirnen tropft der Schweiß. Ringsum Todesstille, Todeseinsam keit. Die Kirchenthüre ist verschlossen, keine athmende Seele so weit das Auge reicht und sie zwei wie abgeschiedene Geister im Halbdunkel über dieser schweigsamen Welt schwebend. Durch die vielfarbigen Baumkronen i t nrf. wiiv ..ti .t..:u:c. auni ver noenvwmv, acui ucucwiihik s Zolles Raunen und Rauschen. Zu ih ren Füßen ist eS still. Kein menschlt cker Laut, der hinauf dringt, kein Laut.der die da unten erreichen könnte. Horch, was ist das? Klipp, klapp, klivv. klapp, kommt's in schwerem Eilschritt die Felsstufen hinaufgeklettert. Welche chreaensgestail in vaueu scker Trackt! Welch verwildertes Ge sickt mir wüstem Bart und drohend funkelndem Augenpaar! Was will der unheimliche Gefell hier oben zur Abendzeit auf dem menschenverlassenen Felsplateau. Was sucht er hier an der verschlossenen Kirchenpforte? .Seine kraftstrotzende Gestalt zeich net sich silhouettenbM scharf jetzt auf der obmten Treppenstufe vom olatz I grünen Äbendhimmel ab, scheint un ! velmliÄ tzerauszutauaen aus oer m sierniß da unten. Sein Auge funkelt ! die einsamen Menschen an. da er lang- ' sam. langsam vorwärts kommt. Seine Hand 'greift rückwärts nach etwas, das er dort verborgen halten mag. ! Barmherziger Gott!" fchreit daö Fräulein auf in Todesangst: der Räuberseppel." Den Rosabrüstigen vackt's mit aräßlicher Furcht. Sein Haar sträubt sich. Angstschweiß rinnt fr . r. m 'J..C..sAU - loin von oer lirn. cr tfiuuucucv
p'el ist der entsprungene Raubmörder aus der Zeitung, der hier sein Wesen,
besser Unwesen, treiben soll. Der Rosabrüstige kennt nur einen Gedanken, eine Hoffnung noch: Flucht. Die Treppe ist fr gegeben. Der fürchterliche Mordgesell schreitet oben um die Kirche herum. Eme Sekunde noch, dann wird er sie erreicht haben. Unser Held kommt ihm mit blitzschneller Wendung zuvor, schießt an ihm vorüber, der Treppe zu, diese hinunter, hinunter m athemloser Angst, ohne einen jlick rückwärts, ohne einen Gedanken für die Verlassene, der er seinen Schutz versprochen. Schreiend jagt ihm das tapfere Fraulein nach und verdutzt stiert der Bauer den verruckten Stadtern nach. Verdutzt auch schauen die Zuruckgebliebenen den Beiden entgegen, die. wie von Furien gejagt, die Treppe hinabgehetzt kommen und durck ihre keuchend hervorgestoßene wilde Mär die übrige Gesellschaft in Allarm bringen. Vergeblich spricht derLieutenant beruhigend zu, vergeblich sucht er Ruhe und Vernunft zu predigen. Die Aufgestörten wollen nicht folgen, sie wollen fort, nur fort in besinnungsloser cr..jui JUIUJI. Aber umGotteswmen, meine Herrschaften, wir sirch ja zwei Männer gegen einen," will er einwerfen. Dagegen lehnt sich der Badelowe rn zitternder Furcht auf. Der schlägt ein halbes Dutzend von solchen, wie wir sind, zu Boden," stammelt er todesbleich. mit zitterden Lippen. Mit seinem Revolver, den er versteckt hielt, schießt er uns alle auf ein Mal nieder und raubt uns aus. Vorwärts, ich beschwöre Sie!" Und den Worten laßt er m wildem Lauf gleich die That folgen. Der iunge Offizier schreitet entschlössen, so lebhaft man protestirt, ihn beschwört, anfleht, die Stufen empor zu St. Pankraz. Wir wollen dem Graus mal auf den Leib rücken," ruft er im Hinauflaufen den Damen zu. die schleunigst von dannen fliehen. In athemoser Jagd wird derWald, weg, der malerisch-stille. durchquert. ohne daß ein Blick sich jetzt noch seiner saftiggrünen, purpurdurchwebten Pracht freut. Sie alle stürzen blindlings abwärts. bis das liebliche Thal sich Lffnet, sie umschließt mit Menschennähe, Menschenschutz und Sicherheit. Da unten faßten neMuth und warteten in zitternder Angst dessen, was sich rn der Hohe vollziehen mag; warten. bis seelenruhig der junge Krieger hinunter spazirt kommt und mit mot t et ' i . .. rt laniem wachem innen zurusi: Meine Herrschaften, derHerr Rauber läßt sich Ihnen ergebenst empfehlen. Hören Sie nur!" Und über ihnen, hoch oben im Felsenkirchlein des heiligen Pankraz, beginnt in diesem Moment in leisen Schwingungen, dann heller und lauter das eherne Zünglein der Abendglocke. das andachtsvoll Berg und Thal zur Ruhe läutet. Der wilde bäuerische Gesell bält denGlockenstrang in schwieligen, braunen Bauernhänden und verkündet der schlafmüden Welt den Abendfrieden. Und unten im That sieht der Lieutenant lachend den Rosabrüstigen an. Diesmal ist Ihre Angst ganz umsonst gewesen. Der Räuber auf St. Pankraz ist sicher kein anderer, als der Küster, der den Kirchenschlüssel aus seiner Tasche holen wollte, den Sie für eine versteckte Waffe hielten. Die Furcht gebiert Gespenster. Der Feige stirbt, nach Shakespeare, siebenfachen Tod Gedankensplitter. &nf rn fitoktt Mann nickt aucü kleine Seiten, es würde weniger von ihm geredet. Es gibt auch Wunderkinder des Glücks. Die beste Arznei ist das Vertrauen zum Arzt. V V Heuchler sind Falschmünze? des Ledens. Nicht gleich ein bös Gesicht gemacht, ' ?. . r r I Wenn dir etwas verieyri wiu ichwiciu Wer über Menschenthorheit lacht, Der braucht nicht über sie zu weinen! V V , Gemeinsames Unreckt ist ein starkerer Kitt unter Menschen, als ge. memsames echt. mir keraleicken uns aernt mit Denen. denen wir gleichen möchten. Beneide nicht den, der kutschiert mit Vieren. Vielleicht fährt er blos seine Sorgen spazieren! Die Sterne. Weit kersckwend'eriscker mit Ertbeilung von Orden als der jetzige Zar war Kaiser Nikolaus l. uinu woynic :r mit zahlreichem glänzenden Gesolge der Vorlesung eines berühmten fremven Astronomen bei. Der Vortraz langweilte ihn. und er wandte sich an seinen Günstling, den bissigen Menschikow: Ich finde den Mann ttineswegs außerordentlich", worauf der Fürst er--widerte: Geruhen Ew. Majestät seine Befangenheit zu verzeiyen. aetz cet Astronom muß ja den Kopf verlieren, denn er sieht hier so viele Sterne, von denen kaum einer an seinem richtigen Platze ist!" ... Zar Nikolaus hat sich über diese Antwort mehr unterhalten, Us über den ganzen Aortrag. Variante Wo man singt, dort Laß dich ruhig nieder Doch applaudire nicht. Sonst singt man wiedr.
