Indiana Tribüne, Volume 20, Number 52, Indianapolis, Marion County, 8 November 1896 — Page 3

tferfiofene KW. Erzählung von Henning van Horst. (2. Fortsetzung.) Zu erleben war freilich nicht viel auf den Fluren von Le Sablon, imb ich verzichte deshalb gern 'darauf, mit der Erzählung meiner eigenen Abenteuer hier fortzufahren. Um so merkwüroiger war das, was Petersen in derFolge im Hause Tailland begegnete, und 'da der Kamerad mir alles fo genau erzählt hat. daß es mir vor Augen steht, als wäre ich selbst dabei gewesen, ich einige der intimsten Stimmungen seiner Seele auch später seinem sorgfältig geführten Tagebuche entnehmen konnte, so möge.i 'die Schicksale des Freundes fortan in 'den Vordergrund treten und meine eigene Person nur mitsprechen, wenn sie, die von Natur etwas vorlaut beanlagt ist, sich emmal gerade nicht zu zügeln vermag. Ich hatte Petersen verlassen, als auch er sich der reinen Freude hingab, die-Briefe der Mutter zu lesen und immer wieder zu lesen. Er hstte keinen Vater mehr, um so zärtlicher hing er mit seinem ganzen Wesen an der Mutter. die ihn, den schönen, kräftigen

Jun!zling, den vlondoartrgen Germarien mit dem tiefen Gemüth, der ihr immer nur Freude gemacht hatte, geradezu vergötterte. Entsetzlich war rhre Sorge und Angst, als er in den Krieg zog, und doch 'war sie eine tapfere Frau, die in den Briefen an den Sohn stets einer heiteren Zuversicht Ausdruck verlieh. Sie wollte ihm wenigstens das Herz nicht schwer machen, wo das Leben ihn schon hart genug angepackt hatte. Man mußte aber auch cn ihm hangen. Mir mit meiner Neigung zur Windbeutelei ist. er viel mehr gewel'en als ein Freund, war er der getreue Eckhatd meines Lebens. Und bei allem Ernste war von Kopfhängerei keine Rede, er konnte unter Kameraden so fröhlich fern, wie einer. Dennoch wußte er in jeder Lage sein GleichgeWicht zu bewahren und glitt in ruyiger Sicherheit über die Klippen des Lcb:ns hmw?g. Einer Macht gegenüber war er freilich meines Wissens noch nicht auf die Probe gestellt worden: eine große Leidenschaft hatte er noch nicht kennen gelernt. Gerade der Umstand, daß er bei den jungen Damen allgemein beliebt war, daß es sich gleichsam von selbst verstand, wenn er jeder Schönen, 'die neu in seinen Kreis trat, gefiel, hatte ihn vielleicht dagegen gefeit. Eroberungen zu suchen; und mit einem Herzen zu spielen, davor dewahrten ihn seine ernsten Grundsatze. Gewiß, er war ein viel besserer Mensch als ich. Während er gerührt und dankbar all die Zärtlichkeit aus den Zeilen der Mutter in seine Seele strömen ließ, klopfte es an die Thür, erst ganz leise, dann etwas kräftiger. Petersen richtete sich aus und rief: Herein!" Zu seinem größten Erstaunen sohlen Marie Schmitt auf der Schwelle. Sie schloß die Thür und näherte sich dem Tische. an dem er saß. Das Mrttagslicht fiel voll auf des Mädchens Züge und zeigte sie außergewöhnlich erregt. Er hatte sich erhoben; sie reichte ihm die Hand, und ein Feuer, so mild, so unmuthig leuchtete au ihren Augen, wie er es noch nicht gekannt. Dann sprach sie: Ich gedachte eigentlich, Ihren Freund aufzusuchen, und höre mit Bedauern, daß er uns schon verlassen hat. Ich wollte ihn um Verzeihung bitten wegen der bitteren Worte, die ich gestern an ihn gerichtet, und ich bitte Sie, shm dies zu sagen. Pierre schreibt hier in diesen Zeilen, daß Herr Neumann sein doppelter Lebensretter sei. Als jener die Wisse aufhob, um ihn zu tödten. da hätte er als der Stärkere ihm leicht zuvorkommen können, statt dessen hat er Pierre entwaffnet und wie ein Kamera'ö zu ihm gesprochen. Als Pierre später auf dem Schnee, fast erstarrt vor Kälte, zu Jhrem Freund trat, hat er nicht nur die Karte für mich angenommen. sondern ihn auch mit 'dem letzten Tropfen aus seiner Flasche erquickt. dem Pierre die Aufrechterhalhing seiner Kräfte zuschreibt. Von dem allem aber Hatte Herr Neumann gar nichts erwähnt. Wie habe ich ihn &( kannt wie muß ich ihm im Gegentheil danken für dasjenige, was er an dem armen, besiegten Franzosen gethan hat!" Und an Ihrem Verlobten, mem Fräulein." versetzte Petersen lächelnd. Das Mädchen zuckte lercht zusam men. Ihr Blick nahm wieder den starren, düstern, halb geistesabwesenden Ausdruck an und senkte sich zu Boden. Mit einem Seufzer sagt sie leise: Ach ich weiß es nicht, er ist ein so guter Junge, und er betet mich an. Er wünscht mich zu heirathen. Er ist icr mögend, eine gute Partie. Darum sind auch mein Onkel und meine Tante dafür und betrachten die Sache als abgemacht. Und ich selbst ich weih 021 nicht, wie ich zu ihm siehe. Es ist eine so lange Geschichte, wollte ich Jh uen alles erzählen." Erst jetzt kam Petersen auf den Ge. danken, Fräulein Schmrtt einen Stuhl anzubieten, den sie unbefangm annahm. Dann fuhr sie fort:., Es ist so seltsam, und muß besonders auch Jhnen seltsam vorkommen., allein seit Pierres Brief habe ich ein solches Vertrauen zu Ihnen beiden gewonnen, zu oen Wilöfremdenden Vernden! Es ist. als spräche eine Stimme m mrr: sie könnten .tzich verstehen. Vielleicht fühlte ich das soucskern, urfd nur ein gewisser Stolz bäumte sich dagegen auf. thöricht. Denn das ist es ja im fühle ich mich so grenzensen, weil ich unter Menschen Lauter guten, vortrefflichen

Menschen die" miH nicht verstehen und nicht verstehen können. Da st meine Kousine L6oe, ein so liebes Mädchen; aber das einzige Ideal, das sie beherrscht, ist. einen jungen Mann

zu finden, der em hübsches Vermögen besitzt, und mit dem sie als Gattin nach Pans ziehen kann. Onkel und 2,ante kennen trotz aller Herzensgute kein anderes Interesse, als bei sorgen losem Leben lo viele Franken als moz lich zurückzulegen, und wie sie denken alle übrigen Leute in Ehatelard. O, wie undankoar muß ich Ihnen erschei nen. wenn Sie hören, daß der Onkel mir nurWohlchaten erwies, daß er der mittellosen Warze nach dem Tode des Vaters sein Haus geöffnet und sie hält, wie sein eigenes Kind. Aber der Mensch lebt docy nicht von Brod allein; und jenes andere, welches nicht Brod ist, das ist's a. was mir hier fehlt! Nun kam noch der Pierre üeblond mit seknen Antragen, und meme Verwand ten würden mich reif fürs Irrenhaus glauben, wenn ich ihn zurückwiese. Er ist auch ein braver Mensch, so dak sich gar kein Emwand gkgen rhn finden laßt nur dan er em echter Kleinbürger von Ehatelard ist. Nun, wenn tch rhn heirathe. so wird meine Hochzeit der Eintritt in ein lebenslängli,cyes viefangmk fein. Ach, ich bin naImenlos unglücklich!" Sich plötzlich erhebend, rief sie: .Doch, ich- muß Sie langweilen mit diesen Konfidenzen. was werden Sie nur von mir denken? Verzeihen Sie mir auch dies, es ist hohe Zeit, daß ich gehe." Damit streckte sie ihm don Neuem die Hand entgegen, die er in der seinigen festhielt; ihm war. als ob eine magische Wirkung fcon dieser Berührung ausgehe. Wie ein leichter Schlag zuckte es durch alle seine Nerven. Das junge Mädchen, wie es glühend vor Erregung vor ihm stand, erschien ihm nicht mehr bloß interessant fabelhaft interessant nein, überaus reizend und liebenswertb in ihrem Zutrauen und ihrer Offenheit. Mein Fräulein," sagte er mit ausrichtiger Wärme, ich lasse Sie nicht fort, wenn Sie nicht versprechen, mir aus Ihrem früheren Leben zu erzählen. Der Einblick, den Sie mich so UNerwartet, ich gestehe es, thun ließen, hat mich zu tief bewegt, als daß ich darauf verzichten könnte, mehr zu hören. Einst mußte über Ihrem Leden die Sonne heiterer und wärmer strahlen. als über der Gegenwart, und doch scheint es auch an tiefen Schatten nicht gefehlt zu haben, die zum Theil noch auf das Jetzt herüberfallen." Sie senkte einen Blick voll Dankbarkeit m sein Auge und machte sich los. Jetzt nicht, heute nicht, aber Sie sollen von mir hören, sollen alles erfahren." Und mit flüchtigem Schritt war sie enteilt. Lange und nachdenklich blickte mein Freund vor sich hin. bevor er imstande n?ar, weiter zu lesen, und auch jetzt trat immer wieder das Bild des merkwürdigen Mädchens vor sein Auge. Es hatte ihn wunderbar berührt, wie sie ihn so plötzlich mit rhrem Ver trauen überschüttete. Gewinnt doch nichts mehr, spricht doch nichts mehr zum Herzen, als die ruckhaltlose Mtttheilung wahrer, ungekünstelter Empfindung. Die nagende Sorge, die sie mit wenigen Worten vor ihm enthüllt hatte, war umwoben von eixem romantischen Zuge ihres Wesens, de? ihn mit eigenartigemZauber umstrickte. So wich sie ihm den ganzen Tag nicht aus dem Sinn, und selbst durch die Träume der Nacht schwebte leise ihr Bild. So tief hatte es seinem Empsinden sich einzuprägen gewußt. Am Tage darauf kam Herr Tailland zu Petersen, um ihn zu bitten, sortan täglich mit der Familie die Mahlzeiten einzunehmen; und da die ser das freundliche Anerbieten der Ein samkeit vorzog, es ihn auch nicht wenig interessirte, Marie Schmitt häuf!ger zu sehen und zu sprechen, gab er den ursprünglichen Entschluß auf und willigte ein. Es war das Diner am Abend, wo sie einander wiedersahen. Marie Schmut nickte thm freundlich zu, w:e einem alten Bekannten, und unterhielt sich zwanglos mit ihm über den Tisch hinweg. Alles verlief harmlos und heiter. und jeder hütete sich, die unter der Äsche schlummernden Gegensätze zu berühren und zu wecken. Frau Tailland' sprach von Pierre Leblond in einer Weise, als ob er der künstige Schwiegersohn des Hauses sei, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß bald Friede, sein und er danl wohlbehalten aus Deutschland zurückkehren möge. Er werde gewiß deutsch gelernt haben und das könne ihm als Geschäftsmann nur ;u gute kommen, besonders m seiner Branche; er handelte nämlich mit Wol len- und Baumwollenwaaren. Als hierbei Lonie Tailland einwarf, deutsch solle so furchtbar schwer zu lernen sem, glaubte Petersen dieser Meinung entgegentreten zu sollen und meinte, es käme nur auf die richtige Art des Unterrichts an. Das Gespräch drehte sich noch weiter um diesenPunkt. und man kam schließlich dahin, einen Versuch machen zu wollen, es wuroe für den nächsten Tag eine dienstfreie Stunde verabredet, und Petersen sollte den beiden jungen Damen die' Anfangsgründe der deutschen Sprache vortragen. Madame Tailland, die auch zu diesem halb scherzhaft, halb ernsthaft gemeinten Kursus aufgefordert wurde, meinte, 's sei .viel zu alt dazu und überlasse solches Kopfzerbrechen gerne der Jugend. So festen Grund hatte Karl Petersen also schon unter den Füßen, daß er mit den Damen des Hauses deutsche Sprache trieb, während ich da drau

ßen in'meinerFerm höchstens mit ein?m schmutzigen Bauernweibe schwanen konnte! Er war doch ein rechter Glückspilz, ich ein entsprechender Pechvogel. Kurz bevor die erste Lektion vor sich

gehen sollte, kam ich in die Stadt und suchte ihn auf, mit der stillen Hoffnung im Herzen, noch Jemand anders bei der Gelegenheit zu sehen. Karl erzählte mir getreulich alles, was sich seit meinem Fortgange zugetragen. Marie Schmitts Entschuldigungen waren mir natürlich äußerst schmeichelhaft, aber staunen mußte ich im Stillen über die Wärme, womit der 1 onst so kaltblütigeKarl von demMädel prach. Als ich von dem Unterrichts- : lan hörte, ward mir die Sache denn doch zu bunt, so daß ich rief: Und das hast Du wirklich ins Werk gesetzt, ohne Deines alten Kameraden, der da draußen nach Menschen verschmachtet, auch nur zu gedenken? ?lch meine, Du könntest mich recht gut' bei der Geschichte als Gehilfe gebrauchen; wenn Du die Schwarze nimmst, übernehme ich die Blonde,- der Major hat die Gnade gehabt, zu genehmigen, daß ich meine .dienstfreie Zeit m der Stadt zubringe, da läßt sich das sehr gut einrichten. An einer solltest Du Dir wirklich genügen lassen, sonst werde nur lieber gleich Muselmann, mem Herr Schulmeister." Karl lachte laut. Du bist unverbesserlich, 'Boß; wir haben hier ernste Studien verabredet und Du betrachtest das alles nur als Gelegenheit zur Courmacherei. Kaum hast Du sie erblickt, so hat Dir die niedliche L6onie auch schon den Kopf verdreht, und nun sinnst Du auf nichts anderes, als ihr Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Wenn Äu nur Glück damit haben wirst!" Der letzte Stich war etwas stark. Ich zuckte die Achseln und sagte: Wenn Du für die Poesie des Krieger lebens keinen Sinn hast, so will ich Dir seine Prosa gern überlassen: vom Hungern und Frieren, vom Schießen und Stechen habe ich längst genug. Aber ich glaube auch noch gar nicht an Dem Fischblut, wir wollen mal sehen. wie es um Dein Herz steht, wenn Du erst einige dieser dieser dieser allerliebsten Stunden gegeben hast. Es ist wirklich eine göttliche Idee, und ich trinke auf der nächsten Kneipe Dein Spezielles! Nur die Kleine ist mein in dem Punkt versiehe i ch keinen Spaß!" Du thust wirklich, als hätte Dil die junge Dame bereits ein Liebesgeständniß gemacht. Bruder Herz brecher," entgegnete Karl, aber hast Du auch bedacht, daß wir einmal wie der fort von hier müssen und daß Du dann so ein armes Wurm mit zermalmtem Herzen zurückläßt? Wäre das nicht ebenso unrecht wie grau sam!"C'est la guerre," versetzte ich. hier handelt es sich einfach um Kriegsrecht. Warum sollen wir uns nicht et was schadlos halten an diesen Fran zosen, nachdem sie uns so lange mit Strapazen und Elend aller Art ge pisackt? Nehmen wir uns nur ruhig diesen Antheil an der Kriegsbeute, fiii uns fällt doch weiter nichts ab. Und über so ein kleines Techtelmechtel knickt ein Mädchenherz noch nicht ein, das kannst Du mir glauben. Die schäkern ganz gerne auch ein bischen mit uns. das Amüsement 'beruht auf Gegenseitkgkeit. So ein kleines Verhältniß auf Zeit nehmen die ebenso gerne mit. wie wir, und daß es nicht ewig dauerr kann, wissen sie ganz genau. Stt langweilen sich beide tödtlich hier i? 'dem Nest, unter ihren Kommis, du jetzt noch dazu merstens als Modlotk herumlungern oder in irgend einet deutschen Festung stecken, warum so!len wir ihnen den Zeitvertreib nich! gönnen? Es wird ihnen wie uns eim hübsche Erinnerung sein, wenn nrii einmal über alle Berge sind; über der Abschied werden wir uns beiderseits zu trösten wissen. Wir haben aus Er den kein bleibend Quartier, könner treue Lieb nicht bewahren, singt schor der Herr von Schiller in einer wa'yr heitsgetreuen Dichtungen, die mar uns zur Lehr und Nachachtung U reits in Quarta auswendig lerner ließ Ich war darauf gefaßt, einen tüchtigen Wischer für so viel Frivolität zi kriegen, allein Karl sah schweigen und zerstreut vor sich hin. Ob er gai nicht zugehört hatte? Oder ob ihm dn Flurh meiner Argumente doch etn, leuchtete? Die schwarze Katze hatt, sie es ihm schon angethan? Endlich sagte er: ttomm, Robert wenn ich Dich nicht als einen so draden Kerl kennte, könnte ich wirkllck irre an Dir weiden nach den Reden die Du seit eininer Zeit führst. Ick verstehe Dich gar nicht. Was? Wir sollten zwei junge Damen gleichlam als Kriegsbeute unter uns theilen unter ,dem Dache erneS ehrenwerryen Hauses, das uns gastlich aus'geno-m-men? Aber das ist ja nicht DeinErnst! Komm jetzt mit. da kannst Du an 'ver Stunde theilnchmen." ; Ich' hütete mich, noch weiie? etwas zu sagen, ich hatte ja meinen Zwcck vollständig erreicht. L6onie war entzückend, alle gingen bereits auf me:nen Vorschlag ein. daß ich ihr in der einen Ecke des Salons. Karl aber Marie in der andern die erste Lektton geben solle. So s?hr hatten wir uns gleich von meinem Eintritt an AI alte Bekannte gefühlt, daß meine Theilnähme an den Stunden selbstverstündlich zu sein schien. Schon als ich das Haus betrat und das Ehepaar Tailland im Laden degrüßte diesen Ort verließen sie am Tage nie mit Ausnahme der Mahlzeiten war ich von ihnen aufs lie-

benswürdrgste eiirgeladen worden, den

Abend bei ihnen zu verbringen. Na tllrlich hatte ich mich darum nicht zweimal bitten lassen, und ich kann wohl sagen, so wahrhaft fidel bin ich selten gewesen, als an diesem Abende. Beim Aufbruch an den Ort meiner Verbannung gmg mir em solcher Wir bel von Empfindunaen im Kopfe her um, daß ich beinahe den Major üdersehen hätte, der auf der andern Seite der Hauptstraße mir begegnete. Ja, immerfort mit dieser kleinen Hexe, der Löonle, plaudern zu können, allmah lich. ganz allmählich mich in ihr Herz hlnemzustehlen. das war eine Versu chung, die mich bis ans Ende der Welt hätte führen können, die michHerkulesarbeiten zu verrichten reizen mußte. Und sollte das denn so schwierig fein? War tch nicht am Ende auch em Kerl, der sich sehen lassen durfte? Brauchte h Nicht eigentlich nur die Hand aus zustrecken, um die Nose zu pflücken, die mir am Wege erblüht war? Das waren die Gedanken, die mich rn meinem Vauernbette zu Le Sablon schließlich in Schlaf wiegten. Skrupel und Zweifel plagten mich nicht. Nicht einmal als ich am Morgen aus diesem süßen Rausch erwachte. So floß uns eine Reihe glückseliger Tage dahin. Die beiden Mädel hatten täglich ihre Stunde, sie wurden rmmer zutraulicher. Auch Herr und Frau Tailland würdigten uns offenbar ihres Vertrauens, wenigstens legten sie unserm Verkehr mit den jungen Damen nicht dre geringsten Schwierig keiten in den Weg. Es war eine idyllische Zeit, ein Lustwandeln auf arkadischen Fluren. Vom Krieg und Kriegsgeschrei vernahmen wir kaum etwas, aus dem Therle des Kriegs theaters, auf dem wir standen, schienen die Würsel entscheidend gefallen zu sein; man lauschte nur mit Spannung der Nachrichten von Paris, und ?m fernen Südosten schien der Bourbaki noch ein wenig zu rumoren. Doch das war weit. wert, und wir erfuhren das wenige Neue, das passirte. immer erst aus den deutschen Zeitungen. Mit Herrn Tailland über den Gang der Erergnisse zu sprechen, wurde vermte den. und dieser Diskretion hatten wir es zuzuschreiben, daß unsere Freundschaft eine dauernde blieb. Während ich den Ritter der schönen Löonie spielte, achtete ich kaum darauf, daß Karl sich immer ausschließlicher mit Marie Schmitt beschäftigte. Ich merkte wohl, daß sie ihre Studien ernster nahmen, als wir beide, und daß das Kousinchen wirklich Fortschritte machte im Erlernen des Deut schen; im übrigen war ich aber viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt, um mich für den Verkehr des andern Paares lebhafter zu interessiren. So kam es. daß ich ganz ahnungslos blieb, während jene beiden Zündstoff über Zündstoff gegeneinander häuften. Fünftes Kapitel. An einem der nächsten Tage blühte es mir, aus Wache zu kommen. Lonie fühlte sich infolge dessen vom Dienste dispensirt, und so kam es, daß Karl und Marie allein zur Stunde zusammentrafen. Karl, der unverbesserliche Kritiker, batic am Abend vorher sich einer Selbstprllfung unterzogen und war dabei zu Ergebnissen gelangt, die ihn überraschten, ja erschreckten. Er gewahrte, daß sein Sinnen und Denken von seltsamen Zauberfäden umstrickt war, daß ein schwarzes Mädchenhaupt hinter diesen Fäden stand und sie immer dichter und dichter spann, ein Mädchen mit ernsten, fast tragisch gemeißelten Zügen; und daß daneben ein anderes Bild täglich und stündlich mehr verblaßte, ein blondes, lächelndes, das ihn treu durch den gan zen Feldzug begleitet hatte, eines jener beiden, die ich ihm einst in der Wal lung des Unmuths vorgehalten bane. Was wollte das werden? Wie sollte daZ enden? War auch er auf dem Wege, sein Spiel zu treiben, oder trieb man sein Spiel mit ihm? War auch er einer kleinen flüchtigen Leidenschaft fähig, die, wenn sie zu Ende, keine Spur zurücklassen würde in seinem Herzen, wie ein See sich schnell wieder glättet, über dessen Spiegel ein leichte? Windhauch dahingezittert? Sp.ielte er ein wenig mit dem Feuer, oder stand er vor Tiefen und Abgründen, von denen seine Seele noch nicht! ahnte? Das waren Fragen, die ihn be stürmten, beunruhigten. Manchmal durchbebte es ihn wie ein erschütternder Schlag. Und dann sagte er sich wie der, daß er unmöglich in das Mädchen verliebt sein könne, daß ihm nichts ferner liege, als sie berücken zu wollen, daß er meine frivolen Grundsätze tn diesem Punkte verabscheuen würde, wenn er sie ernst nehmen könnte. Er würde sich als Mariens Todfeind erschienen sein. In halbem Fieber warf er sich auf seinem Lager hin und her und vermochte lange nicht zu schlafen. . Als er nun seiner Schülerin allein gegenüberstand, fühlte er sich verwirrt und verlegen. Er mußte sich gewaltsam zusammennehmen, um wenigstens den Anschein der Unbefangenheit zu wahren. Sie hatte heute etwas so Frisches und Strahlendes in ihrem Wesen, wt: er es noch nie an ihr gesehen, ihre Augen sprühten in fröhlichem Glanz. E: fand sie reizvoller als je. Herzlich reichte sie ihm die Hand und setzt: sich an die andere Seite des Tisches, den kleinen Leitfaden der deutschen Sprachlehre, der sich in dem Neste hatte auftreiben lassen, ihm zuschiebend, um sie zu überhören. Das geschah ganz mechanisch, dann gab er ihr ein neues Pensum auf. war aber kaum imstande, es vorher durchzusprechen. Sie aber ließ nicht nach, mit Fragen aller Art auf ihn einzudringen, bis eine geschlaoene Stunde lana von nichts als von

deutscher Grammatik geredet worden

war. Dann hielt er es nicht länger aus. . Fräulein Mari:.- sagte er. es läßt mtr keine Ruhe, tch vergehe vor Unge duld, Ihre Geschichte zu hören, die Sie mir versprochen. Wenn Sie wüßten, mit welcher Sehnsucht ich aus den Augenblick gewartet habe, mehr von Ihnen zu erfahren, wie lebhaften An theil ich an allem nehme, was Sie berührt. Sie wurden mich Ihres Ver trauens nicht für unwerth halten.Sie richtete ihre großen Augen mit offenem Blick auf ihn und entgegnen: Daß Sie mein Vertrauen besitzen, Herr Petrrsen, habe ich Ihnen gezeigt, aöer ich will Ihnen das wenige, was Sie über mein unbedeuten.des Leben noch nicht wissen, gerne erzählen.Nach einer kleinen Pause des Sinnens begann sie in tiefernster Stimmung: Es i wenig genug, was ich Ihnen berichten kann, es ist im Grunde nur die alte Geschichte, die eine, wie sie tausendmal passirt, immer passirt ist und sich immer wiederholen wird. Aber da ich bei Ihnen auf Theilnahme rechnen darf." hier traf im em Blick voll hin gebender Wärme, so fürchte ich nicht, daß Sie meiner spotten werden. Mein Vater war ein angeschener Advokat in Ehateau Salins, die Mutter habe ich frühe verloren, so daß ich mich ihrer kaum erinnere; mtt Hilfe von Bonnen und Gouvernanten üderwachte der Vater meine Erzichung al lein. Er war mem Ein und mein Alles. an ihm hing ich mit so unendlicher Liebe, daß ich Mich zu keinem andern Menschen hingezogen fühlte. Mein Va ter hatte ein großes, gutes Herz, das für alles Edle und Schöne in Begeisterung schlug. Er war glühender Pa triot, Frankreichs Größe und Ruhm war sein höchstes Ideal. Dabei verabscheute er die Tyrannei des Kaiserreichs, und das zog ihn leider in die Politik,' zu seinem Verderben. Es wurde ihm in Mandat für die Deputirtenkammer angeboten, er widerstand der Versuchung nicht und ließ sich wählen. Um mich nicht zu verlassen, gab er seine einträgliche Praxis auf, verkaufte sein Haus, und wir zogen nach Paris; unsere Mittel waren ausrerchenid, um dort descherden, aber anständig zu leben. Mein Vater ging ganz auf in den Arbeiten und Aufregungen seines neuen Berufs, er trat der äußersten Opposition im Parlamente bei und gchörte bald zu den Intimen Gambettas. Ich war damals gerade erwachsen, und anfänglich gad ich mich mit Leidenschaft den berauschenden Reizen der Großstadt hin. Jnsdesondere war es die Kunst, die alte wie die moderne, die mit ihren schier endlosen Schätzen mein Auge 'blendete, den Geist fesselte. Was ich bisher nur aus den Erzählungen des Vaters, aus Journalen r.nd Büchern kannte, das durfte ich setz: im Anschauen genießen. durfte seinen Zauber auf mich einströmen lassen, und der nahm mich immer Mhr gefangen. Auch den Besuch der Oper, des Theaters wußte mein guter Vater mir zu ermöglichen, und ich glaubte in den Wonnen des Paradieses zu schwelgen. Aber allmählich ward mein Glück, meine Freude am Pariser Aufenthalt beeinträchtigt durch die sich stetig verlängerrrde Abwesenheit meines Vaters vom Hause. Seine parlamentarischen und politischen Geschäfte wuchsen, immer mehr scth ich mich zum Alleinsein verurt'heilt. Ich liöbte unsere Literatur, und sie half mir über die Oede mancher Stunde hinweg; aber sie allein vermochte meinen Geist nicht auszufüllen, das Sehnen memes Herzens zu befriedigen. Kam mein Vater nach Hause, so war er abgespannt, geargert, ost in verzweifelter Stimmung, wenn er das Scheitern semer besten Pläne und Absichten erleben mußte. Auch ich hatte schwer unter solchen Stimmungen zu leiden und sah seiner Heimkehr aus der Kammer ost mit banger Erwartung entgegen. Das reine, schöne Zusammenleben, wie wir es in der lothringischen Heimath geführt, war unwtderdringlich dahin. ' Da fiel neuer Sonnenschein in unser verödetes Haus. Ein entfernter Verwandter meines Vaters, Gaston Magnin, kam nach Paris und schloß ich sehr an uns an. Er war ein tun ger Philosoph, der Fwei Jahre :n Deutschland studirt hatte und jetzt, seinen Aufenthalt in Paris nahm, um hier seine Studien zu vollenden, zugleich aber sich in lrterarischen Arbeiten zu veriuchen. Schon mtt seinen ersten Essays und Aufsätzen errang er .Beifall, und die Redaktionen unserer, vornehmsten Journale stellten, ihm ihre Spalten zur Verfugung. Gaston war unser tätlicher Gast, und .der Barer hatte seine ganze Freude an der UnterHaltung mit dem snnliinnigen, gewanoen, trotz semer zungen Jahre .schon grundgelehrten Jüngling. Ich kann kem größeres Vergnügen, als ihren Gesprächen zuzuhören, auch wenn ich den Mannern nicht immer zu folgen vermochte. Hochbeglückt fühlte ich mich. als Gaston pch der Fortentw:alun'z meiner Ausbildung annahm. Er ai mit mir unsere Klassiker und spä:er die griechischen Tragödien in Ued:rfetzung. Als ich an Gastons Sette durch die Säle desLouvre. des Luxemkourg wandelte, da erst ging mir d.is wahre Verständniß auf für das G:oße. das menschliches Genie geschaffen at. Er wußte mir alles so vortrefflich u erklaren und ließ es Mich zuglelü) empfinden, daß meine naidea Vemerkunqen dazu ihm erfreulich und angenehm waren. So wurden wir die desten Freunde, und diese FreundichaN verdichteee. steraerte sich bald zu einem andern Gefühl: wir liebten uns, lieb ten uns mit der Frliche einer ernen Liebe. Wir wußten es lange, ehe w.r es einander saaten, und auch :ne:n Vater öilliate nicht nur unser Ver-

hältniß, er segnete es aus vollem Herzen. Allein Gaston war ein e-gen-

l'humlicher Mensch, m mancher Hin sichte ein Pedant. Der formelle Ab schluß unserer Verlobung sollte erst stattfinden, so wünschte er, wenn er eine sichere Lebensstellung errungen. dann aber sollte auch die Hochzert un mittelbar folgen. Gerade diese Selbst entsagung war es, die meinem Vater gefiel, und um derentwillen er Gaston besonders schätzte. Mir war es recht, fühlte ich mich doch unendlich glücklich. mochte die Form metner Beziehungen zu demGeliebten sem, welche sie wollte. Gaston bewohnte ein bescheidenes Zimmer in der Straße, wo auch unsere Wohnung laa. Wenn er mcht arbeitete. kam er herüber, um sich mit mir oder mtt meinem Vater zu unterhalten Auch machten wir wete Spazierganige miteinander; war irgendwo eine Ausstellung, ein neues Kunstwerk zu sehen, so holte Gaston mich ab, denn er versicherte, er komme nicht zum wahren Genuß deö Betrachters ohne meine Gegenwart, und behauptete, mein Urtheil sei für ihn von großem Werthe. Er schrieb damals besonders ästhetische und kunstkritische Berichte für die Revue; er sprach alles vorher mit mir durch und las mit mir jedes Manuskript, bevor er es in Druck gab. Ich war nicht wenig stolz auf diese St:llung, die ich zu ihm einnahm. Waren wir zu Hause allein, so gestattete e? sich niemals jene Vertraulichkeiten, wie sie einem Bräutigam erlaubt sind, es widerstritt dies seinen Prinzipien, denen ich trotz 'der klopfenden Sehnsucht im Busen mich widerspruchslos fügte. Liebte ich ihn doch viel zu sehr, um mich seinem Willen nicht gänzlich unterzuordnen, und ich war namenlos glücklich in unserer Freundschaft, wenn ich auch zu ihm wie zu einem höheren Wesen emporblickte. So fügte es sich, daß über dieser innigenSeelen'gemeinschaft ein: gewisse kühle Atmosphäre schwebte, die aber unsere Liebe nicht beeinträchtigen konnte. Wohl kamen Augenblicke, Stunden, in denen es mir schwer genug war, das Feuer meines Temperaments zu zügeln, wo ich deutlich suhlte, daß ein Vulkan in mir unter derAsche schlummerte. Aber ich hatte Selbstbeherrj chung gelernt und erschauerte in der Wonne des Gedankens, daß der Tag nicht mehr fern fei, an dem Gaston mir den Verlobungskuß geben würde, und da sollte er sie kennen Uz nen, diese so lange verhaltene Gluth, die mein Inneres erfüllte. So ließ ich es hingehen, wenn er mich einstweilen wie eme Heilige verehrte. Da kam jener furchtbare Tag, über den ich rasch hinweggehen' will, da jede Faser in mir erbebt, wenn ich seiner gedenke. Gaston durchschritt den Voulevard Montmartre, als er unversehens in ein MeNschmknäuel gerieth. Es war ein Auflauf entstanden vor einem Eafö, in dem eine politische AerHaftung vorgenommen worden war. Bald war der Haufe so ineinander gekeilt, daß die Leute weder vorwärts noch rückwärts konnten. Ein Trupp Polizisten rückte heran, um freie Bahn zu schassen. "Circuiez, messieurs, circulezr schrieen sie immer wüthender, und als ihre wiederholten Aufforderungen nichts fruchteten, drunten sie auf die wehrlose Menge ein und hieben mit ihren bleiknöpsigen Todtschlägern zu Boden, was ihnen gegenüberstalrd.So kam es, daßGaston uns wie todt ins Haus getragen wur de, ihm war der Schädel über der Schläfe zerschmettert, eine Gehirnerschütterung -hatte ihm die Besinnung geraubt. Auf dem Bette meines Vaters hingestreckt, Lssnete er nur noch einmal d:e Augen, um sie für immer zu schue ßen. Fluch über die Schergen des zweiten Kaiserreichs!" (Fortsetzung folgt.) In Charkow wurdedie aus acht Personen bestehende Familie des reichen Kaufmanns Nowikow ermordet und das Haus inBrand gesteckt. Das Feuer wurde bald aeloscht. Es liegt Raubmord vor. Zwei des Mordes verdächtige Hausdiener sind flüchtig. In Weißenburg a. S. wurde die Familie Heß, die Mutter und der achtjährige Sohn, todt im Zimmer aufgefunden. Zweifelsohne wurde der Tod durch ausströmendes Leuchtgas herbeigeführt. Die Wallfahrtskirche auf dem Pöstlingberge bei Urfahr wurde ausgeplündert. - Der Werth der geraubten, meist von Wallfahrern gespendeten Gegenstände beläuft - sich aus viele Tausend Gulden. Bon den Thätern fehlt bisher jede Spur. Der Einbruch wurde Nachts verübt. De? am 15. Juni d. I. aus dem Zuchthause entlassene Arbei ter Schlaacke erschlug in Hohenkirch bei B kiesen den Katbner Temvlin. nahm der flüchtenden Frau des Templin 18 Mark ab, erschlug die Frau auf dem G)öft des Nachbarn Zabel und ermordete schließlich noch den Zabel. Schlaacke ist verhaftet. . . Das zehnjährige Kind e r m ä d ch e n de3 Oekonomen Leonhard Baur in Untermedlingen legte Feuer an die Scheuer ihres Dienstherrn. Das Gebäude brannte dollständig nieder. . Als Ursache gab das Mädchen 'an, daß ihr der Dienst nicht mehr gefallen und sie der Hoffnung sich hingab, durch einen Brand fortzukommen. i Von den MarquesasInseln kommt die Nachricht, daß unter den Eingeborenen eine Art Aussatz ausgebrochen ist; die Krankheit, die von den Inselbewohnern Faa genannt wird, hc?tte bereits mehr als den dritten Theil der Bevölkerung ergriffen.'so daß von Tauschgeschäften für die die Gruppe aufsuchenden Händler keine Rede sein konnte.

Kür die Küche. Weiße Zwiebelsuppe. Mehrere große Zwiebeln werden in Scheiben geschnitten, in Butter geschwitzt, mit Mehl bestaubt und mit Bouillon aufgefüllt. Man läßt die Suppe langsam kochen, entfernt das Fett und zieht die Suppe mit einigen Eigelben und einem halben Quart guten Rahms ab. Kartoffel geeicht. Bei de? Bereitung eines Bratens sorge man für reichliche Sauce (man kann vorher fchon etwas abgießen und zurückfiellen). Diese Sauce bringt man an einem anderen Tage zu Feuer und

schneidet so viel rohe geschälte Kartofeln hlnnn, wie man für den Mittagsisch 'gebraucht. Die Kartosfelstücke müssen etwa halb fo groß sein, als sonst, und von der Sauce bedeckt werden. Nöthigenfalls muß man etwas Wasser und Fleischextract dazu geben. Hierin lasse man die Kartoffeln gar kochen. Sie gebrauchen etwas länger Zeit, da Alles in seimiger Flüssigkeit nie so leicht gart, als im Wasser. Die Kartoffeln werden wundervoll mürbe, ohne zu zerkochen, und sehr schmack haft. Ist es erforderlich, so muß man die Sauce etwas verdicken. Zu diesem Gericht gibt man den Bratenrest. Je nach Geschmack des Hauses kann man den Braten kalt dazu reichen, oder man kann ihn in Scheiben schneiden, in eine Schüssel legen (die warm, gestellt war) und die kochendheiße Kartoffelmassc darüber gießen, die sich sehr lange heiß hält und dem Fleische genügend Hitze zutheilt. Man kann Salzgurken oder saure Gurken dazu reichen. Gespickte Zunge mit Rahm. Eine gepökelte, weichgekochte Ochsenzunge wird abgezogen, gespickt, in eine Kasserole gelegt, worin sich gut eingekochter Braise - Saft befindet. Dann stellt man sie in einen heißen Ofen, überzieht die Zunge mit Rahm und bestreut sie mit etwas geriebener Semmel. Man wiederholt das Begießen mit Rahm so lange und gibt auch noch geriebene Semmel hinzu, bis der Speck gelb geworden ist. Dann richtet man die Zunge mit der Sauce auf einer Schüssel an und bestreut dieselbe mit sein nudelig geschnittenen Citronenschalen. Man gibt in Butter geschwenkte kleine Kcxtoffeln dazu. Schweinefleisch wild gemacht. Vier Pfund Schweinefleisch werden vom Fett befreit, tüchtig geklopft und mit folgender erkalteter Brühe übergössen: ein halbes Pint Wein, ein halbes Pint Wasser, ein halbes Pint Essig kocht man mit Zwiebeln, Citronenscheiben, Wachholderbeeren, Pfeffer, Nelken und engli schem Gewürz gut auf, läßt sie erkalten und gibt sie über das Fleisch in ein vertieftes Gesäß, schließt es gut und läßt es zwei bis drei Tage stehen. Dann nimmt man das Fleisch schnell heraus, salzt es, spickt es nach Belieben und bratet es langsam unter fleißigem Begießen der Beize. Zuletz! seiht man den Saft, kocht ihn mit Rahm, in dem man etwas Mehl aufgequirlt, auf, schneidet das Fleisch in Stücke und gibt in Butter geröstete Semmelschnitten, belegt mit Citronenscheiden undKapern herum und bringt das Gericht zu Tisch. Gespickte Kalbsleber mit Sellerie - Püree. Die Lebei wird gespickt und im Ofen mit guter Jus gar gemacht und glasirt. Man kocht den Fond dann mit Weißwein und etwas braunerSauce los und gib! ihn über die Leber, welche mit Selle-rie-Püree garnirt wird. Schneekuchen mit Chocolade. Man schlägt einige Eiweiß zu Schn, mischt etwas Vanillenzucker darunter und füllt die Masse in eint mit Butter ausgestrichene Flammerieform. Man macht die Speise im Wasserbade gar, ohne sie kochen zu lassen. stürzt sie aus und gibt in Wasser aufgelöste Chocolade darüber. Heringsauce. Ein in Milch gewässerter Hering wird fein gehackt. Dann schwitzt man einige feingehackte Schalotten oder Zwiebeln in Butter, läßt darin einen bis zwei Löffel Mehl gelb werden und rührt so viel Wasser hinzu, daß es eine recht seimige Sauce wird. Diese Sauce läßt man mit etwas Pfeffer, einem Lorbeerblatt, zwei bis drei Citronenscheiben oder ein wenig Essig kochen und rührt sie mit etwas Fleischertract. einem bis zwei Eidottern und emem Stück roher Butter ab. Die Sauce wird zu Fisch und Fleisch servirt. Ein leicht und schnell gernachtes Dessert. daZ warm der kalt gegeben werden kann und sehr beliebt ist. Man bestreicht eine kleine, ebene Puddingform mit Butter. Sodann quirlt man eine kleine Oberwsse Milch mit einem Eßlöffel gestoßennn Zucker und zwei größer ganzen Eiern recht gut durch einander, röstet in einer - Messingpfanne einen Löffel voll gestoßenen Zucker mit zwei Löffeln Wasser und etwas frischer Butter gelbbraun, gießt eS rasch unten w de Form, schüttet die Eiermilch nach und stellt den Pudding in kochen des Wasser, bis die Masse dick geworden. was in einer starken Viertelstunde der Fall ist. Die Sauce, bildet sich von selbst. Diese Quantität genügt für 4 Personen. Gemischter Salat. Rothe Rüben, gute Salzgurken, weichgekochte Sellerie und in der Schale gekochte Kartoffeln, Alles zu gleichen Theilen, werden in Scheiben geschnitten und mit folgender Sauce vermischt: hartgekochte Eier werden mit Essig, Senf. Salz und ein wenig Zucker fein gerührt, dann Oel und dicke saure Sahne, auf je ein Ei etwa einen holzcrnen Küchenlöffel voll, hinzugefügt. Das geschätzte st e HauSihier ist doch das Schäfchen, das man in's Trockene gebracht hat.