Indiana Tribüne, Volume 20, Number 45, Indianapolis, Marion County, 1 November 1896 — Page 7

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Ter Traum. WaS Ist bet Traum? Ein flüchtig Bild der Phantasie, Zur Wirklichkeit gehört er nie. Denn es entsteht und es vergeht Wie eitler Schaum Der schönste Traum. Es ist der Traum Ein grausam Truqaebilde oft. Der Mensch wieqt sich hinein und hofft. Tab einst erfüllt Und so gestillt Sein Sehnen werd' Auf dieser Erd'. Erweist der Traum Ihm aber sich als leerer Wahn, So ist geknickt sein Leben dann Und besser wär'. Hätt' niemals er Gegeben Naum Dem schönen Traum. Jedoch der Traum Ein Trost auch von dem Himmel ist. Der uns das Leben oft versüßt, Der uns beglückt Und uns entrückt Der Wirklichkeit Mit ihrem Leid. . Irancnkeöen in Japan. Das Studium der Frauen fällt dem Reisenden in Japan viel weniger schwer als in den meisten anderen Landein des Orients. In der Heimath des Islam werden die Frauen verborgen und strenge gehütet, so daß kein fremdes Männerauge sie erblicken kann; in Indien stecken sie in ihren Zenanas, in China hausen jene der besseren Klassen hinter den hohen Umsassungsmauern ihrer weitläufigen lZamilienwohnungen, in Korea bedecken sie sich bei der Annäherung eines fremden Mannes die Gesichter oder fliehen. Der Reisende kann also dort gewöhnlich nur die eine, männliche, Hälfte der Bevölkerung in ihrem Thun und Lassen c-'.ue? kennen lernen. Anders in . .-'7. Den Bewohnern des großen astuchen Jnselreiches sind Harems oder Zenanas unbekannt und die Frauen werden in der Freiheit ihrer Bewegung viel weniger beschränkt. Keine Kopftücher oder Schleier verhüllen ihre Gesichter, ja statt des Verbergens ihrer reizenden liebenswllrdigen Persönlichkeit findet oft das gerade Gegentheil statt eher ein zuviel als ein zuwenig. Die Sprache ist bei weitem nicht so schwierig, als jene anderer Völker, und auch in Bezug auf den Verkehr mit den Ausländern werden ihnen ebensowenig Beschränkungen auferlegt als wie mit ihren eigenen Landsleuten des starken Geschlechts. Selbst für denjenigen, der sich nicht die Mühe giebt, die klangvolle, sympathische Sprache der Japaner zu studiren, offenbart sich das Frauenleben bis in viele seiner interessantesten Einzelheiten. Nicht etwa deshalb, weil sich die Japaner in Bezug auf ihre Frauen oder gar diese selbst großer Mittheilsamkeit befleißigen würden. Im Gegentheil. Sie sind darin gerade so schweigsam wie andere orientalische Völker, aber dafür tritt das Familienleben in Japan in vieler Hinsicht ganz offen zu Tage. Im Straßenleben, bei Festlichkeiten, . . : ehäusern und Theatern, in ., uf Reisen spielen die Frau t eben so große Rolle wie di -c . : . und wer Japan im Son" )i, dem gewähren die tagsi ..' - r; V ti Itv'A ciescni imn n Reiz. kehrte Welt ! erscheinen die bessere Hälfte- ! wird dies auch , .'innern gewür- . ie zeitlebens beern zu dienen, ?Z Leben zu er- . ' ' Znern, willig sich d! Dort sind . di5 muntersten , m Töchter, die e besten Mütter, inben kann. . irde man derarinden tragen, sie t, und in ihrer - on der männli- : chatzung als un- ' zandelt und ihre s etwas ganz ngenommen! ' - Frau ihre devielleicht selbst :n wir sie näher! ;: :s, reizvollesWe.'c: - lt, mit winzigen .r und sorgfältig .-zem Haar; ihre ; .. . Madonna, ihr 1 -.. n, ihr Lächeln cen Geliebten vor - : ikhmen unsaqbar , ' ' 'liäV ihr Gesicht griffen entschieden t)t chen Japan ist Nirgends i Frouen so s wie hier, ab r so wenig vc digt. Und ' strebt, nur ihnen zu g' leichtern ur selbst dabe. die lieblich''.' Kinder, d' liebendsten -die man v: Im Ab iigc Fram verzärteln Heimath chen Welt ergeordn Aufopferi -SelbstverHat di; rnuthigen : verschuld ' Ein ungt ' sen von f.. ' Händen frisirtem. Augen f Herz tic! als würl ,: Augen hieinnehmen ' neef) rarn ' : hiibsÄ. 3 ::e ist zene der An iir:eii::; : m bic Htfarbe bei den - : . r Nassen unter d 'Mcke, . - y :j überhaupt ent- ' . .. 'richt mit sympar' Mir. einschmeichelnder - . ' ?rem Alter macht ..U- .ii!. Im Munde sitzen , , e!mas-ii;e weiße Zähne, die itz V:r5:irathunz . schwarz it sie keinem Manne mehr vergebliches Bemühen, denn nem Mund ist sie gerade U: d die Japanerinnen - 'Zur. geschlossen halten. :iß Äeschwäkiqkeit eine .suchen der Ehescheidung - n.;e Versönchen steckt in Düften zusammenge:cck von vermiedenen ' ; r ! " E' ' der du ein bun rfan knket "ti die Japanerin, so k : - i.der, und let ihren

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Körper auf ihre Fersen zurück. Liegt sie, so dient ein Holzklotz als ihr Nackenkissen, damit ihre sorgfältige Frisur nicht zu Schaden komme; geht sie, so thut sie das mit einwärts gewandten Füßen, wie die Enten, und neigt den Körper vor, als müsse sie bei jedem Schritt vorneüber fallen. Auf der Straße geht sie auf stelzenartigen Holzsandalen; niemals trägt sie einen Hut oder leg: Goldketten und Edelsteine um Hals und Arme; sie engt ihren Körper nicht durch Stahl- und Fischgrätenpanzer ein, denn je cylindrischer sie gewachsen ist, desto mehr gefällt sie den Männern. Begegnen ihr Bekannte, so verneigt sie sich mehreremale ceremoniös zur Erde, als wären es lauter Könige. Ihr ganzer gesellschaftlicher Verkehr wird durch die strengste Etikette geregelt;' sie trinkt nicht, spielt nicht, dafür raucht sie gerne bei jeder Gelegenheit ihr Pfeifchen, das sie immer nebst Tabaksbeutel und Zündhölzchn in den Aermelsäcken ihres schlafrockartigen Kimono trägt. Reinlichkeit ist eine ihrer schönsten Tugenden; um ihr zu fröhnen, opfert sie gerne eine andere Tugend, die Schamhaftigkeit. Sie nimmt täglich ein oder mehrere Bäder in oder außer Haus, allein oder in Gesellschaft, und zeigt dabei in ihrer naiven Unschuld aller Welt wie sie gewachsen ist. Sie ist aber entsetzt über die tief ausgeschnittenen Ballkleider unserer Damen. Besonders anregende Unterhaltung, geistige Genüsse, kann man von ihr nicht erwarten, denn sie lernt in ihrer Jugend wohl Singen. Tanzen. Samisen (die japanische Guitarre) spielen, sie lernt nothdürftig lesen und schreiben und das Hauswesen führen. Dafür versüßt sie den Männern daS Leben durch ihren Liebreiz, ihre Engelsgeduld, ihre Sanftmuth und Un terwürfigkeit. Sie versteht es vortrefflich, einen Blumenstrauß in künstlerischer Weise zu binden und ihrem Gatten die Kleider zu flicken. Sie zieht ihre Kinder groß, liett und verzärtelt sie und verbringt ihr eigenes Leben in Arbeit und Enttäuschungen. Ihre glücklichste Zeit ist ihre Kindheit. Einmal verheirathet. kann sie einen dicken Strich durch ihren Kalender machen. Mit sechzehn, siebzehn Jahren beginnt ihr Ehejoch, das sie schwer durch's ganze Leben trägt. Der Schlüssel zu ihrem ganzen Charakter ist Unterwürfigkeit, Gehorsam. Als Mädchen schuldet sie diesen dem Vater, als' Gattin dem Manne, als Wittwe ihrem ältesten Sohne. Was immer ihr befohlen wird, hat sie auszuführen, und sie wird einen ihr unsympathischen Gatten nehmen, ohne zu murren. Zieht sie als Hausfrau in die Wohnung ihres Gatten, so ist es nicht, um an seiner Seite dem Hause vorzustehen, sondern als seine erste Dienerin. Sie erscheint im öffentlichen Leben selten an seiner Seite, und zu Hause sitzt sie nicht an seinem Tische. Er nimmt die Mahlzeiten allein ein, sie hat ihn dabei zu bedienen. Seine Wünsche sind ihr Befehle, die sie willig und freundlich ausführen muß. Sie muß nicht nur seine Kleider nähen und waschen, sie muß ihm selbst auch beim An- und Auskleiden behilflich fein; ja häufig setzt sie sogar einen gewissen Stolz darauf, mit ihrer eigenen Hand Dienste zu leisten, welche sonst der Dienerschaft obliegen. Selbst die Kaiserin ist von diesen Pflichten des persönlichen Dienstes nicht befreit, snnW r '- ( j !. : :: --r i a--- :. asc .::. ' .Mv.iniic1 , -,zt toc '.! Htr .c le.i die großlen Crmedrigungen ertragen! Sie bleiben Kinder so lange, bis sie selbst Mütter werden, und dann wenden sie ihre ganze Liebe ihren eigenen Kindern zu. deren Scladen sie sozusagen werden: Niemals verschwindet das Lächeln von ihren Lippen: ein kindliches Lächeln so lange sie unter der Mutter Obhut sind, ein naiv - fröhliches Lächeln als Mädchen. ein bitteres Lächeln als Frauen. Auch daß es in Gegenwart ihres Gatten von ihrenLippen schwinden würde? Nein. Sie wissen, daß die Männer ihre unumschränkten Herren sind und daß sie von diesen nur so lange geduldet werden, als sie ihnen gehorchen und angenehm sind. Eisersuchtsscenen, Ungehorsam, Geschwätzigkeit sind hinreichende Gründe, sie aus dem Hause zu jagen. Der geringste Anlaß kann ats Scheidungsgrund gelten, und sie ntüssen dann unter Zurücklassung ihxtz Kinder enttäuscht in ihr Vaterhaus zurückkehren, ohne von, ihren geschiedenen Gatten auch nur den geringsten Beitrag zu ihrem ferneren Lebensun terhalt zu bekommen! Sie fallen dann wieder ihren Eltern und Brüdern zur Last, denn eigenes Vermogen besitzen Japanerinnen , niemals. Nur die Söhne sind erbberechtigt, und ist kein eigener Sohn vorhanden, , so Wird ein fremder adoptirt. Die Frauen besitzen nichts als ihre Kleider und ' einige Hausgeräthschaften, Erwerbszweige stehen ihnen keine offen, was bleibt ihnen also übrig, als zu leiden und zu dulden? Wenn all' ihre Mühen und Plagen für ihre Gatten von diesen nur durch Liebe und Zärtlichkeit vergolten wür den! Aber ebensowenig, wie von ihnen erwartet wird, daß sie dem Gatten, denen sie von ihren Eltern gegeben werden. Liebe entgegenbringen, ebensowenig werden sie auch von ihrenGatten wirklich geliebt. Und doch erscheinen diese kleinen herzigen zärtlichen Wesen, die hübschesten Mädchen, die geduldigsten grauen, die aufopferndsten Mütter, wie für die Liebe geschaffen! Ist es nicht wie im 5?luck. dan der öimmel diesem intelligenten und civilistrten Volke das ! herrlichste aller Gefühle, unsere Liebe versagt hat? Sogar der Kuß ist ihen unbekannt. Es erscheint ihnen als etwas Thierisches! Wenn die Frauen noch wenigstens

in ihrem Hause mit Gatten und den Kindern ihr Lebelang allein bleiben würden! Aber bald nach der Geburt des ersten Kindes entfremdet sich ihnen der Gatte nur zu häufig, und sie müssen es geduldig ertragen, daß er eine zweite Frau, vielleicht auch eine dritte, in's Haus nimmt, sie müssen lächeln, während er diesen seine Zärtlichkeit zuwendet, sie müssen schwei gen, während er sie fürderhin nicht mehr beachtet. Ihr ganzes Wesen sollte sich dagegen ausbäumen, aber die Japanerin hat von frühester Jugend an dulden und leiden gelernt, und sie leidet auch nicht in dem gleichen Maße, wie unsere Frauen, eben deshalb, weil sie die wahre Liebe in unserem Sinne nicht kennt. Wenn vorhin davon die Rede war, daß den Frauen Japans keine selbstständigen Erwerbsquellen offen stehen, so müssen doch einige Ausnahmen gemacht werden, die hauptsächlich für die Frauen der unteren Volksklassen gelten. Sehr zahlreich sind die Dienerinnen in Privathäusern, Hotels und Theehäusern, sowie jene, welche Terpsichore ihr Talent, und wenn auch nicht das, so doch ihre Jugend weihen. Die glücklichsten Frauen sind in Japan doch jene der ärmsten Volksklaffen und vornehmlich auf dem Lande. Die Männer haben nicht die Mittel, sich Nebenfrauen zu nehmen. Gemeinschaftlich begeben sich Mann und Frau zur Arbeit, gemeinschaftlich wird gegessen, sie theilen Freud und Leid miteinander, und die Frau ist mitunter statt Dienerin zu sein, selbst der herrschende Geist der ärmlichen Haushaltung. Bei dem geringen Ansehen, das die Frauen in Japan genießen, und bei der großen Freiheit der Männer, ihrer Herren, ist es ein wahrer Segen, daß die Japaner im allgemeinen so höflich, zuvorkommend und ruhig sind, selbst bis in die unteren Stände. Welches elende Los wäre den Frauen beschicken, wenn in den ersteren ebensoviel Rohheit und Rücksichtslosigkeit herrschen würde, wie in Ländern, die den unsrigen viel, viel näher liegen! Auf Auchthauswachc. Humoreske von Oito M!ye?.

W:? standen auf dem Kasernenhof, die Zuchthauswachc auf dem rechten Flügel, dann die Pulver'hauswache, die Schießstandswache, zuletzt die Käsernenwache. Die wachhabenden Unterofficiere gingen mit kritischen Gesichtern um ihre Leute herum und betrachteten sie noch' einmal von allen Seiten, ob auch kein Tadel an ihrem Anzug war. Nur um uns, die Zuchthauswache, kümmerte sich kein Mensch. Es war schon in zehn Minuten zwölf Uhr und wir hatten noch keinen Wachhabenden. Der Unterofficier Klebisch, der dazu commandirt gewesen war, wav plötzlich erkrankt und der Sergeant Putz, der für die Vertretung allein noch in Betracht kommen konnte, war nirgends aufzufinden gewesen, als wir antraten. Seine Eltern wohnten in der Stadt und ev hatte am Tage vorher die Hochzeit seiner Schwester mitgemacht. In Anbetracht dieses außerordentlichen Umstandes war sein Urlaub bis zwölf Uhr Mittags verlängert worden, und da er nicht hatte ahnen können, welches Vergnügen ihm noch bevorstand, so hatte er sich nicht beeilt, pünktlich in der Kaserne einzutreffen. Oben auf dem Korridor lief der Feldwebel wie ein Unsinniger auf und nieder und schickte einen Boten nach dem anderen ab, um den Säumigen aufzutreiben. Und unten im Hofe standen wir verwaist. Unsere Wache war 21 Mann stark, darunter 14 Einjährige, die zum erstenmal auf Wache zogen. Aengftlich schauten wir alle Augenblicke nach dem Zifferblatt der Kasernenuhr. auf welchem sich der große Zeiger mit unheimlicher Stetigkeit immer mehr der XII näherte. Passen Sie auf. heute passirt et-was-, sagte hintev mir im zweiten Gliede Kamerad Heischke, ein kleiner, aufgeregter Kerl, der überall bedeutsame Ereignisse witterte und den die Aussicht auf eine Wache im Zuchthaus mit abenteuerlichem Schaudern erfüllte. Da, drei Minuten vor voll, trat Sergeant Putz im Wachanzug aus der Thüre. Sein Gesicht war dunkelroth. Sonst war nichts auffälliges an ihm zu bemerken. Er überfloq die Wache mit einem prüfenden Blick und als er den Procentsatz von Einjährigen gewahrte, ging ein schmerzliches Lächeln über seineZüge. Aber es blieb ihm keine Zeit, seinen Gefühlen einen deutlicheren Ausdruck zu verleihen, denn schon betrat der Officiev du jour den Kasernenhof. Wie. durch ein Wunder wurden 'wir clle ohne Fehl befunden und nach wenigen Minuten gings zum Thor hinaus. Steif, als ob er einen Gewehrstock verschluckt hatte, ging Sergeant Putz am rechten Flügel der ersten Sektion. Nur zweimal kam er bedenklich aus dem Tritt, als wir der Pferdebahn auszuweichen gezwungen waren. Als wir an unserem Bestimmungsort angelangt, die alte Wache abgelöst und uns in der halb unterirdischen, kellerartigen Wachstube eingerichtet hatten, rief Sergeant Putz uns zusammen. Hört einmal zu!" sagte er vertraulicher, als wir es an ihm gewohnt waren. Habt Ihr schon einmal eine Hochzeit mitgemacht?Jawohl. Herr Sergeant." Die bis um fünf Uhr früh gedauert bat?" Jawohl. Herr Sergeant." Seid Ihr dann um 9 Uhr wiedev aufgestanden?" Wir schauten einander unsicher an. Jawohl. Herr Sergeant," schrie ein Einjähriger. Und von zehne an Frühschoppen in Bier?" . .

Jawohl, Herr Sergeant." Na, dann könnt fihr Euch vorstellen, wie mir jetzt zu Muthe ist. Wer ist dev Aelteste von Euch?" Ich meldete mich. Gut, ick übergebe Ihnen die Wa $c. Haben Sie mich verstanden?" Jawohl. Herr Sergeant." Mahlzeit!" Und damit ging er schwerfällig in das kleine Nebengelaß, warf sich lang auf seine Pritsche und mtschlicf augenblicklich. So war ich also Wachhabender. Der kleine Heischke ging nicht mehr ?on meiner Seite, und mit einem weh'eidigen Ton redete er unaufhörlich auf nich ein. Ach du lieber Himmel, was 'oll das werden? Sie haben ja keine llhnung. Sie müssen uns instruiren Sie müssen die Posten revidiren. Was machen Sie nun. wenn der Offiicr der Ronde kommt? Wissen Sie )enn. um wie' viel Uhr die Seitengevehre aufgepflanzt werden müssen?" Herrgott, lassen Sie mich in Frieen!" antwortete ich endlich ärgerlich. 'Sie machen ja einen ganz consus." Da ging er kopfschüttelnd zur Seite ,nd murmelte: Es passirt ganz gewiß :twas." Es passirte aber bis zum Abend garnichts. Der Sergeant schlief zwar noch, ibtx die alten Leute, die mit uns aufgezogen waren, wußten genau Bescheid znd nahmen sich der Neulinge an. Es zing alles ganz glatt. Allein das vermochte unseren kleinen Unglücksraben nicht zu beruhigen. Als es dunkel wurde, hatte er nirgends mehr Ruhe. Während die andern auf der Pritsche lagen oder um den Tisch saßen, lasen und Karten spielten, lief er unermüdlich auf und ab und declamirte die einzelnen Paragraphen der Wachinstruction vor sich hin. Wenn eine Ablösung bereinkam. bestürmte er sie mit Fragen: Ist nichts passirt? Haben Sie nichts Verdächtiges bemerkt?" Und dann erging er sich in der Ausmalung aller möglichen schrecklichen Eventualitäten. Wenn die Sträflinge redoltirten was dann? Wenn Feuer in der Anstalt ausbräche?" Zuerst lachten wir alle über ihn, dann schimpften wir, und da ihn das alles nicht störte, überließen wiv ihn zuletzt seiner Manie. Die Nacht rückte vor. Von elf bis ein Uhr stand ich Posten auf Hof 2. Es war eine merkwürdig warmeNacht und ich war so müde und schläfrig geworden, daß ich es wie eine Erlösung begrüßte, als ich endlich abgelöst wurde. Heischke trat an meine Stelle. Haben Sie etwas gemerkt?" flüsierte er aufgeregt, als ich ihm denRahmen mit den fünf scharfen Patronen übergab. Nein, seien Sie nur ruhig konnte ich gerade noch erwidern, da erscholl auch schon wieder das Eommando des aufführenden Gefreiten und wir marschirten weiter, die übrigen Posten abzulösen, durch die dunklen, schweigenden Höfe der Anstalt, in denen nur hier und da eine trübe Gaslaterne brannte. Als wir in die Wachstube zurückkehrten, war der Sergeant immer noch nicht erwacht. Die abgelösten Leute suchten schleunigst die Pritschen auf. Ich allein durfte nicht schlafen. . Ich fetzte mich an den Tisch und stützte den Kopf in die Hände, krampfhaft demüht, die Augen offen zu halten. Ich hatte noch nicht zehn Minuten gesessen, als die Klingel an der Thüre gezogen wurde. Aufschreckend, wie ein Alarmsignal klang der schrille Ton in die Stille der Wachstube hinein. Ich sprang auf, lief zur Thüre und öffnete. Eine dunkle Gestalt, von der ich nur das mit dem aufgepflanzten Seitengewehr hoch in die Luft ragende Gewehr unterscheiden konnte, stand . davor. Nanu?" fragte ich. Der Posten auf Hof 2 meldet, daß er einen verdächtigen Menschen über den Hof hat schleichen sehen, der auf Anrufen nicht stand. Der Posten denkt, daß ein Sträfling ausgebrochcn ist." Auf Hof 2? Das ist ja Heischke. Also doch?" Nun galt es, den Sergeanten zu wecken. Das war nicht leicht. Erst als wiv ihn fünf Minuten lang gerüttelt und geschüttelt hatten, schlug er langsam die Augen auf. Was ist denn los?" ?ch meldete. Er verstand nicht gleich. Ich mußte meine Meldung wiederholen. Da erhob er sich schwerfällig und ging zum Patronenkasten. Nehmen Sie Ihr Gewehr und kommenSie mit!" sagte er zu mir und reichte mir einenPatronenrahmen. Laden Sie!" Ich lud und wir. traten hinaus. Auf Hof 2 trafen wir den kleinen Heischke, der sich wie ein Verrückter gebärdete in dem Bestreben, uns seinErlebniß so anschaulich wie möglich zu schildern. Der Sergeant fuhr ihn grob an und befahl ihm zu schweigen, bis er gefragt würde. Wiv besahen zunächst die Oertlichkeit. Von Hos 2 führte ein etwa 5 Meter breiter Durchgang zwischen dem Verwaltungsgebäude und einem Gefangenenhaus hindurch nach Hof 3 hinüber. Nach oben war dieser.Durchgang durch einen eisernen Brückenbau abgeschlossen, welche? die beiden Häuser verband. Nun mußte Heischke erzählen. Er war auf seinem Hofe auf- und abpatroillirt. Da hatte er plötzlich, sich umdrehend, eine Gestalt gesehen, welche sich durch den Durchgang hindurch an der Wand entlang auf seinen Hof zuschlich. Er hatte sie angerufen. Da hatte sie gestutzt und Halt gemacht. Als er zum zweiten Mal gerufen, hatte sie im Trab ihren Weg fortgesetzt, wobei er ganz deutlich die Tritte auf dem Pflaster hatte klappern hören, und war dann um die Ecke des Verwaltungsgebäudes herum im Schatten verschwunden. Warum habenSie nicht geschossen?" fragte barsch der Sergeant. Heischke wurde sehr kleinlaut. Den Paragraphen der Wacktinstruction

hatte er mindestens zehnmal sich laut vordeklamirt und nun hatte seine Wissenschaft ihn doch im Stich gelassen. Wir betrachteten die Ecke, um welche die Gestalt verschwunden war, wir suchten die ganze im Schatten liegende Längswand des Verwaltungsgebäudes ab. aber wir fanden nirgends einen Menschen oder auch nur eine Thür, ein Fenster, einen Winkel, in welchem er hätte verschwinden können. Schließlich begaben wir uns zu dem Posten auf Hof 3 binübev. Dort stand der Einjährige Bleifuß. Seine Angaben stimmten im Wesentlichen mit denjcnigen Heischkes überein. Er hatte zuerst den Anruf Heischke's 'gehört und gelauscht. Beim zweiten Anruf war er dem Durchgang zugelaufen. Gesehen hatte er niemanden, wohl aber ganz deutlich die Tritte eines fliehenden Menschen vernommen. Am Durchgang hatte er dann Heischke getroffen und von ihm erfahren, worum es sich handelte. Da er aber seinen Hof nicht verlassen durfte, so hatte er weiter nichts thun können. Wir waren rathlos. Absuchen!" entschied zuletzt Sergeant Putz. Wir gingen zur Wachstube zurück, alarmirten die ganze Wache, bewaffneten alle Lcute mit scharfen Patronen und schickten sie zu drei und drei als Patrouillen ab mit dem Auftrag, alle Höfe auf das Sorgfältigste abzusuchen. Nach einer Stunde waren sämmtliche Patrouillen unverrichteter Sache zurückgekommen. Was nun? Sergeant Putz entschloß sich endlich, dem aufsichtführenden Jnspector der Anstalt das Vorkommniß mitzutheilen. Der zuckte ungläubig lächelnd die Achseln. Die Wächter auf den Eorridonn haben nichts bemerkt," sagte er. sonst wäre es mir gemeldet worden. Und wennSie nichts gefunden haben, dann kann ich jetzt auch nichts weiter thun. Dann müssen wir bis zum Morgen warten. Wenn dann die Sträflinge aus den Schlafsälen herausgelassen und zugleich gezählt werden, kann das Fehlen des einen oder anderen festgestellt werden." Damit mußten wir uns zufrieden geben. Wir saßen noch eine halbe Stunde in der Wachstube beisammen und besprachen den Fall. Dann legte sich einer nach dem andern wieder auf feine Pritsche. Nur der Sergeant wollte sich nicht beruhigen. Ev war mit einem Male ganz munter geworden. Als die Leute wieder schnarchten, winkte er mir, der ich allein ihm gegenüber sitzen geblieben war. Lassen Sie uns noch einmal hinausgehen." Wir kamen wieder zu Heischke und der Sergeant ließ sich die ganze Geschichte noch einmal erzählen. Kopfschüttelnd betrachteten wir aus einigev Entfernung den Durchgang. Und da, während wir noch so standen, tauchte plötzlich vor unseren Augen eine dunkle Gestalt an der matt beleuchteten Wand des Durchgangs auf und schlich sich daran entlang auf uns zu. Einen Augenblick waren wir vor Staunen gelähmt. Dann schrie Heischke: Halt!" Halt!" schrie der Sergeant. Halt!" heulte ich. Aber die Gestalt machte nicht Halt, sondern setzte sich in Trab, immer dicht an der Wand entlang. Laut klapperten die eiligen Tritte durch die Nacht, von den hoh'.n Wänden im Echo zurückgeworfen. Wir galoppirten auf den Durchgang zu, den Flüchtling, der uns entgegenkam, abzufassen. Als wir anlangten, war hart vor uns die Gestalt um die Ecke verschwunden wie ein Duft. Und drüben am anderen Eingang des Durchlasses stand schnaubend und pustend, das Gewehr schußfertig im Arm. der Einjährige Bleifaß. Sprachlos schauten wir einander an. Dann schritt der Sergeant, wie einer plötzlichen Eingebung folgend, eilig durch den Durchgang, warf einen Blick in den Hof 3 hinein und kam langsam wieder zurück. Er faßte unseren kleinen Heischke am Ohr und sagte leise: Wissen Sie. wer Ihr entsprungener Sträfling war" Nein." Da drüben steht er, der Einjährige Bleifuß." Aber Herv Sergeant " Oder wenigstens sein Schatten. Kommen Sie mal her! Einjähriger Bleifuß, wo standen Sie, als Sie den Anruf hörten?" Ich stand überhaupt nicht, ich patrouillirte." Sehr schön. Machen Sie das noch einmal, genau so wie vorher!" Wir traten naher, um ihn zu sehen. Im Hof 3 stand in einiger Entfernung von dem Durchgange auf einer ziemlich hohen Säule eine Gaslaterne, welche die eine Wand des Durchgangs beleuchtete, während die andere im tiefen Dunkel lag. Der Einjährige Bleifuß fing an, zwischen Laterne und Durchgang zu Patrouilliren, und sein Schatten erschien auf dev beleuchteten Fläche, sich' langsam fortbewegend. Halt!" rief der Sergeant. Der Einjährige stand,, der Schatten stutztet Nun laufen Sie hierher!" Der Einjährige lief, der Schatten huschte die Wand entlang und verschwand, sobald Bleifuß durch die vorspringende Ecke des Gefangenenhauses dem Lichtkreis der Laterne entronnen war. Nun?" wandte sich der Sergeant triumphirend an Heischke. Der wollte sich noch nicht gefangen geben. Aber die Tritte, Herr Sergeant, die ich unzweifelhaft gehört habe?" Haben Sie die jetzt eben nicht wieder gehört? Wenn der EinjährigeBleifuß läuft, müssen Sie natürlich seine Tritte hören." Aber Bleifuß selbst kann doch nicht seine eigenenTritte für diejenigen eines anderen gehalten haben. Ev hat den Flüchtling doch auch laufen hören." Sagen wir lieber: er hat irgend jemandea laufen hören. Und dieser ,roend jemand sind Sie gewesen. Sie sind doch auch nach Ihrem zweitenAnruf auf den Durchgang zugelaufen?" '

& - ,'aturllch. ,Na also! Die Sache klärt fö& dem-

nach einfach auf: Sie haben den Einjährigen Bleifuß und der Einjährige Bleifuß hat Sie für einen entsprungenen Sträfling gehalten." Das ist doch zu dumm." Noch lange nicht so dumm, als wenn Sie sich gegenseitig eins auf den Pelz gebrannt hätten. Das hätte sehr leicht geschehen können wenn Sie Ihre Jnstruction genau inne gehabt hätten." Heischke senkte beschämt den Kopf. Aber der Sergeant hatte es eigentlich anders gemeint. Da sahen Sie," fuhr er fort, wie gut es war. daß ich einen kleinen Kater hatte. Wer weiß, was sonst passirt wäre." Am Morgen kam der Inspektor, um dem Sergeanten mitzutheilen, daß keiner der Sträflinge fehle. Der Sergeant lächelte geheimnißvoll. Abev ein flehender Blick Heischke's bewog ihn zu schweigen. Er schüttelte also nur den Kopf und sagte einmal über das andere: .Räthselhaft! Räthielhaft!" In der Schule. Ein lustiger Schüleraufsatz macht in Kölner Lehrerkreisen die Runde. Das Thema lautete: In der Schule." Hier ist die Ausführung: Das Schulzimmer besteht aus der Wandtafel, den Bänken, den Tintenfässern, dem Stock und dem Lehrer. Die meisten Sachen in unserer Schule sind sehr alt, nur der Stock ist neu. Wer noch später wie der Lehrer in die Schule kommt, ist der größte Faulenzer und wird durch diesen bestraft. Auf der Wandkarte sind Flüsse und Städte gemalt, damit' wir sie auswendig lernen müssen. Der Lehrer hat mit dem Stock ein Loch in's gelobte Land gestoßen. Mit dem Globus macht er dieSonnenfinsterniß. In der Gesangstunde streicht der Lehrer den Bogen; auch schlägt er uns so lange den Takt, bis es klappt. Wir sinken do bis la; Einige können noch höher; der Lehrer kann es am tiefsten, aber der kommt nicht in die Höhe. In der Schule hängt auch ein Thermometer; mit diesem macht man uns im Sommer heiß, bis frei ist; der Lehrer sieht so lange darauf, bis es 20 Grad sind. In der Freiviertelstunde essen wir eine halbe Stunde lang unser Butterbrod. Der Schulinspektor lobt uns immer, aber der Lehrer ist doch froh, wenn er wieder fort ist. In der Turnstunde springen wir über den Bock; der Lehrer springt zuerst, daß es kracht, dann springen wir auch und stärken unsere Glieder. Der Lehrer macht uns zu ordentlichen Menschen; denn Fleiß bricht Eis. Wer Aepfel stiehlt, kommt einen herunter; wer sie aber dem Lehrer stiehlt, kommt zwei herunter. Wenn der Lehrer die Orgel spielt, treten wir ihm den Balg und singen zweistimmig dazu; wenn man ihm den Balg zu arg tritt, quietscht die Orgel.- Jetzt ist der Lehrer krank und hält keine Schule; wir wissen nicht.ob er wieder gut wird, aber wir hoffen das Beste." DerGenueserHandelsreisende Bolognini, der sich mit einem hübschen jungen Mädchen vermählt hatte, mußte bei Ausbruch des Krieges gegen Menelik als Militärpflichtiger nach Afrika ziehen. Bei der Belagerung von Kassala kam er zwar mit dem Leben davon, dagegen ereilte ihn ein Telegramm, worin ihm in dürren Worten mitgetheilt wurde, daß s'ine Gattin ihn todt gewähnt und aus Berzweiflung Selbstmord begangen habe. Nach dieser Trauernachricht zog es Bolognini nicht mehr so sehr n:ch der H:imath; als er nach einigen Monaten wieder italierusches Land unter die Füße bekam, ging er auch nicht uach Genua, seinem Wohnorte, sondern besuchte erst seine Eltern in Eagliari. um im väterlichen Hause das Geschehene zu vergessen. Geschäfte führten ihn aber schließlich doch nach Genua, und dort erfuhr er zufällig von einem Freunde, daß seine Frau officielle Nachricht von seinem in Kassala erfolgtenTode erhalten und bereits einen Anderen geheirathet habe. Bolognini setzte sofort Alles in Bewegung, um den Aufenthalt seiner Gattin zu erfahren, und es gelang ihm auch bald, sie im kleinen Orte Ealvizzano zu entdecken. Nun stellte es sich heraus, daß die Beiden dem Schurkenstreiche eines ehemaligen Verehrers der Frau zum Opfer gesallen waren. Dieser ließ der Frau eine gefälschte officielle Todesanzeige zugehen und sandte andererseits dem Gatten die falsche Anzeige 'vom Selbstmorde der Frau. Bald darauf gelang es ihm. die Wittwe" zu überreden, ihn zu heirathen. Der gewissenlose Jntriguant ergriff die Flucht, als er den ersten Mann in feinem Hause vorfand, während das wiedervereinigte Paar, voll des Glückes, nach Genua segelte. Ein trauriges Enoe nahm in Bremen ein alter,, PolizeiWachtmeister, aus Zwickau. Er traf dort mit, einem Gefangenen ein; da dieser ortskundig war, überließ er ihm die Führung nach' dem Polizeigefängniß. Der Gefangene wandte sich absichtlich einer anderen Gegend zu und entlief dem Beamten in einem Viertel mit engen Gassen. Da der Flüchtling nicht wieder dingfest gemacht werden konnte, erhängte sich der Wachtmeister. Zwei Töchter des Wiener Malers Ernst Koch, die elfjährige Gretha und die achtjährige Frieda sind in Aussee in Folge des Genusses von

j p,iftiqen Schwämmen gestorben. Die ' beiden Kinder hatten die . Schwämme im Walde gepflückt. , doch weigerte sich die Köchin, die Pilze, die ihr verdächl tig schienen, zu kochen. Die Gouvernante erklärte aber mit allerBeftimmtheit, daß die Schwämme genießbar seien, worauf sich die Köchin beschwichtigen ließ und die Pilze zubereitete. Die armen Mädchen, welche davon eßen, mußten dies mit ihrem Leben bezahlen. . . . .

Uever'SJahr.

Wenn roth im West die Berge glüh'rr, Der Mond beginnt den . Lauf, Dann steigt ein schmucker Jagdgcsell , Zur blonden Senn'rin auf. Und drunt' im Thal der Fische, Zieht Die schweren Netze ein Und gondelt mit der Fischerin Beim Mondenschein allein. ' So fand ich's. als ich vor 'nem Jahr ' Bereist das Alpenland. Die erste Nacht auf hoher Alm, Die zweite tief am Strand. Doch als ich Heuer abermals Besucht' das Doppelpaar, Fand ich sie zwar noch lieberglüht. Doch anders um ein Haar. Denn bei der Senn'rin sah ich siehn Den Fischer spat und fruah", Und dort im Kahn der Schifferin Saß keck der Jagerbua". A Brautregel. Kommt dir Einer kalt entgegen. Laß' ihn laufen ohne Scheu! Nur die Wärme bringt zuwegen Lenz und Liebe, Mai und Treu'. Ueber die heldenmü thige Aufopferung einer französischen Ansiedlerin wird aus Neu-Ca-ledonien berichtet: Ein Herr Nouel. der ein Anwesen auf der kleinen Insel Bailly besaß, schiffte sich mit zwei GeHilfen auf seinem 5 Tonnen großen Kutter ein, um nach , Neu-Caledonien überzusetzen. Die Hinreise ging auch ohne jeden Zwischenfall van statten, Herr Rouel machte in Nounna seine Einkäufe und trat alsdann wohlgemuth die Heimfahrt an. Schon war das Ziel in Sicht gekommen, als eine Sturzwelle das schwanke Fahrzeug zum Kentern brachte und die drei Infassen vor den Augen der am Ufer auf ihre Rückkehr wartenden Familie ihren Tod in den Wellen fanden. Um das Gräßliche der Lage noch zu erhöhen, traf es sich außerdem, daß die Familie im Augenblick der Katastrophe von Lebensmitteln nahezu entblößt war, da Alles, was Herr Rouel für den Unterhalt der Seinen in Neu-Caledo-nien beschafft hatte, mit dem Schiff verloren gegangen war. Man kann sich also die Verzweiflung der durch den jähen Verlust des Gatten ohnehin schon in die tiefste Trauer versetzten Wittwe denken. Nichtsdestoweniger verließ ihre Entschlossenheit sie nHt. Mit Hilfe ihrer zum Theil noch im zartesten Alter stehenden fünf Kinder machte sich die arme Frau daran, Signalstangcn zu errichten und ScheiterHaufen aufzuschichten, die bei Tag und Nacht die Aufmerksamkeit etwa vorüberpassircnder Fahrzeuge auf ihre schreckliche Lage lenken sollten. Umsonst. Elf bange Tage verstrichen, einer nach dem andern, und noch immer ließ die herbeigesehnte Hilfe auf sich warten. Die Noth der darbenden Kinder stieg auf's Höchste, sodaß die arme Mutter in ihrem Jammer fast den Verstand verlor. Da kam ihr der Gedanke, daß sie, wenn sie sich auf irgend einem schwimmendenGegenstande festbinden ließe, bei einigermaßen günstigem Winde vielleicht bis zu der Küste von Neu - Caledonien hingetrieben werden könne. Und dieser Gedanke ließ ihr keine Ruhe, sodaß sie, als sich nach einigen Tagen die Windrichtung änderte, sich von ihren in hellen Jammer ausbrechenden Kindern auf einen Tisch festbinden und nach rührendem Abschiede mit demselben in's Meer schieben ließ. Und das heroische Wagniß gelang! Fünf Viertelstunden trieb Frau Rouel auf den Wellen, da trugen sie dieselben bei dem an 20 Meilen nördlich von Nounna gelegenen Mont d'Or an's Land. Ihre erste Sorge waren nun die auf Bailly zurückgebliebenen Kinder. Es braucht aber wohl kaum hinzugefügt werden, daß sich alsbald wackere Leute fanden, die nach der Insel übersetzten und die schon dem Hungertode nahen Kleinen aus ihrer trostlosen Lage befreiten. Ein Ehebruchsdrama hat sich kürzlich in Berlin abgespielt. In der Familie eines in der Kesselstraße wohnenden Friseurs Koder verkehrte der 22jährige Student der Musik Oswald Flemming. Zwischen Flemming und der jungen Frau Koder entwickelte sich ein Liebesverhältniß. Da andererseits Frau Koder selbst ihren Mann der Treulosigkeit bezichtigte, reichte sie im Juni gegen ihn die Scheidungsklage ein, worauf auf den 24. September vor dem Gerichte am Molkenmarkt Termin anberäumt war. Zu gleicher Zeit verließ sie ihrenMann und zog zu ihrer Großmutter. Die Bitten des Ehemannes, zu ihm zurückzukehren, hatten bei der Frau keinen Erfolg, ebensowenig sein briefliches Verbot, mit Flemming weiter zu verkehren. Mehr als emmal kam es daher auf offener Straße' zu handgreiflichen Auftritten. Koder wußte, daß feine Frau mit Flemming viel bei einer Verwandten, einer Wittwe Kalliski m der Kesselsiraße verkehrte. , Dort lauerte er auf dem Hausflur, um das .Paar, wenn es die Wohnung verlasse, abzufassen. Seine Frau war jedoch nicht dort, sondern Flemming allein. Als dieser di Treppe herabkam, gab es sofort eine Scene. Es kam schließNch zu einem Ringkampfe, bei demFlemming unterlag. Dieser zog plötzlich, während Koder auf ihm kniete, einen Revolver aus der Tasche und jagte feinem Gegner eine Kugel in die linke Schläfe. Ein Schutzmann eilte hinzu und brachte die Kämpfenden auseinander. Flemming, der ebenso wie Koder noch am Bodm lag, richtete in der Erregung die noch mit drei Schüssen gcla dcne Waffe auch gegen den Beamten, wurde jedoch überwältigt, bevor er feuern konnte

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