Indiana Tribüne, Volume 20, Number 45, Indianapolis, Marion County, 1 November 1896 — Page 2
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l. Aas Kleid. r"iftan braucht weder kleinlichen (3t yes. noch eitel oder putzsüchtig zu sein, um sich in geringerem, schlechtsitzendem, unmodischem Anzüge unter Bessergekleideten unbehaglich und gedrückt zu fühlen. Man soll durchaus nicht so hohen Werth auf das Kleid legen, doch auch seine Bedeutung nicht unterschätzen, fühl! man sich doch auch, wenn man sein Alltagsgewand ab- und sein Feierkleid angelegt hat, unwillkürlich gehoben, harmonischer, freier gestimmt. Ein hervorragender Schriftsteller sagt irgendwo: Es ist mir sei neswegs gleichgiltig, wie ich gekleidet bin, noch auch, was Andere von mewer Kleidung denken." Es 'gibt Frauen und junge Mädchen, welche, obgleich beschräntt in ihren Mitteln, durch Geschicklichkeit, Geschmack und Schönheitssinn für geringere Kosten sich stets anmuthig und modern zu kleiden verstehen, stets für das Auge Anderer einen freundlichen Anblick gewähren, andere, in ähnlicher Lage, aber dieses Talentes ermangelnd, werden sich unrner von ihrer Umgebung abstechend fühlen, sie werden fühlen, daß sie Blicke streifen, die sie verlegen machen, kurz, daß sie geringer geachter werden.
als sie es ihrer Lebensstellung nach verlangen konnten. Es ist geschmacklos und auffallend, allen Launen und Ausschreitungen der Mode in seiner Kleidung zu folgen, sie womöglich noch zu übertreiben, doch ebenso geschmacklos und noch auffallender ist es, vie herrschende Mode gar nicht zu beachten, sich bewußt und absichtlich unmodern zu tragen. Besonders auf Reisen, unter Fremden u. s. w. soll rnan möglichst mit genügend frischer, kleidsamer, wenn auch immerhin einfacher Toilette versehen sein, man soll nicht durch Zuviel, noch durch u wenig auffallen, wenn man sich emiermaßen wohl fühlen will. Man denke nicht, daß es nur recht beschränkt urtheilende Menschen oberflächlicher Natur sein müssen, an deren Umgang uns gar nichts liegen kann, die nach dem Kleid urtheilend, sich durch dieses angezogen oder abgestoßm fühlen, ehe sie noch den inneren Werth emes Men schen geprüft haben. Aber man- darf auch nicht vrgesscn, daß iin äußeren Menschen, feiner Tracht, sich mehr oder minder auch der innere Mensch wiederspiegelt, daher man diejenigen nicht so ganz verdammen kann, die uns nach dem Kleide beurtheilen. Ganz bedeutenden Leuten verzeiht man eine vernachlässigte Kleidung, dem Durchschnittsmenschen nicht. Ehren wir Nicht auch unsere Freunde, welche uns doch längst nach unserem inneren Werth schätzen und lieben, wenn wir in geschmackvollem Gewand, freundlich geschmückt ihre Schwelle überschreiten, mit dem Alltagskleid auch die kleinen Alltagsk'mmernisse hmter nns zurücklassend? Selbstverständlich soll nicht dem Luxus und Kleiderprnnk hier das Wort geredet werden, im Gegentheil ist saubere, kleidsame Einfachheit weit ele ganter und ansprechenderes eine kostbare überladene Toilette. Auffallend besser gekleidet zu sein als andere, mit denen wir uns zusammen befinden, ist noch peinlicher als das oben erwähnte Gegentheil. Die Hausfrau vor allem soll immer einfacher gekleidet sein als ihre Gäste, das junge Mädchen einfacher als die verheirathete Frau. Ein femes Taktgefühl wird hier immer das Richtige finden. Geschmack, Anmuth, Grazie, welche auch das unscheinbarste Kleid und dessen Trägerin verschönen und mit wohlgefälligem Reiz umhüllen, sind angeborene Gaben, die sich nicht erlernen lassen, doch Geschick läßt sich durch Uebung und Geduld erlernen und erwerben. Es sollte daher jedes junge Mädchen wenigstens so viel schneidern, wohl auch etwas Putz anfertigen lernen, um an ihrer Toilette zum mindesten nachhelfen, sie verbessern modern, kleidsam machen zu können, um doch nicht ganz von der Arbeit anderer abhängig zu seni. Sie wird, wie, auch ihreVerhältnisse Pch gestalten, sich dann stets in der Lage befinden, nicht nur-große Geldersparnisse zu machen, sie wird sich auch viel Aerger.Verdrctz, Kränkung ersparen. Sie wird den Vortheil haben, im Hause, in Gesellschaft, auf der Stra-ße, den Ihren und anderen nie einen unschönen, geschWacklosen Anblick zu bieten, sie wird um ihres Kleides willen nicht der 'Geringschätzung ausgesetzt sein -und sich dabei doch nicht einer Trllettenverschwendung schuldig machen. Für den Fall aber, daß sie sich eine solche sogar gestatten dürfte, wird sie ihr Schneiderin 'wenigstens ton dem Modernen das ihr 'individuell Kleidsamste angeben können, sie wrcd sich nicht dlindlingS der: Anordnungen fügen müssen. Mijschnlduge. Arzt: Wären Sie damit einverstanden, lotsn ich nicht zu Ihrer Bertt:ruhigung. sondern zu meiner Beruhigung einen College zu'Rkthe ziehen würde? Paiient (resignirt): Nehmen Sie so viel Mitschuldige, Herr Dokwr, als We wollen, wenn Sie meinen, daß dies ein Milderungsgrund für Sie ist. Der beste Beweis. Pic colo, haben Sie qute Cigarren?Jawohl!" Sind sie abev auch wirklich gut?" Das glaube ich ! Die raucht unser Herr Oöerkellner selbst!" Praktisch. Hast Du schon Fraulein Else zu ihrer Verlobung gra tulirt?" Ich habe ihr im vorhinein für alle ihre Verlobungen gratulirt!" Durchschaut. Dame deS Hauses (zum ruinirten Lebemann): ...Offen gestanden. Herr Baron, hin . ich mit Ihrer Bewerbung um dieHand meiner Schwester) nicht einverstanden., aber ich will Ihnen einen Rath geben; Versuchen Sie dock -:nmal Ihr Glück in her firiifriej ....
Sennor Hivson's Vache.
Skizze auNew Mexico von W. v. Schier brand. 1'. Im Gefängniß zu Trujillo lag schon seit über einem Jahre ein Amerikaner. der unter seinen mexikanischen Nachbarn allgemein als Sennor Gibson bekannt war. Der Theil von NeuMexico, in dem Trujillo liegt, ist fast Jiur von Greasers" bewobnt. wie der Spottname aller Mexikaner bei den Leuten angelsächsischer vtat lautet, und es hatte seiner Zeit große Verwunderung erregt, als Webster Gibson. der aus Connecticut gebürtig und das wahre Urbild eines Sankees war, sich unter den braunhäutigen, nur Spanisch sprechenden Bewohnern des Landes ansiedelte. Mit seiner hageren, langen, muskulösen Gestaltend dem blondenKinnbart stach er auch gar zu sehr ab gegen die Uebrigen., Man erfuhr bald, daß . Sennor Gibson in Mexico beim Goldwaschen ein ganz hübsches Vermögen erworben hatte, und als er sich eine Hacienda 20 Meilen von Trujillo kaufte, da bezahlte er mit baarem Gelde. Es dauerte indeß nicht lange, und man hatte erfahren, was den verhaßten Gringo", den Mann einer anderen, ketzerischen, übermllthigen Rasse, zum Ansiedeln gerade in jener Gegend bewogen hatte. Denn eines Tages erfuhr die ganze Nachdarschaft, daß Gibson eine Tochter des Landes gefreit und heimgeführt hatte. Niemand anders war's, als die schöne Manuela, die Tochter des Ramon Fturbid, eines gänzlich verarmten Edelmannes, der seit der Besitzergreifung des Landes durch die Yankees sein Hab und Gut eingebüßt hatte und allmählich ganz dem Müßiggang und der Armuth verfallen war. Also Mitgift, wie sonst unter Mexikanern gebräuchlich, brachte die schöne Manuelita nicht in die Ehe mit dem Ketzer, aber das war ja auch gar nicht nöthig, denn er hatte ja so viel Reichthum, daß es für das neue Paar sowohl wie für den ganzen ausgedehntenVerwandtenkreis der Braut reichte. Die Hochzeit wurde mit großem Glänze gefeiert, wenn auch der mexikanische Priester, der den ungleichen Bund einsegnete, dies nur mit großem Widerstreben that, trotz des fürstlichen Geschenkes von dem Bräutigam, und bei dem festlichen Mahle, das der Ceremonie folgte, es Jedem sagte, der es wissen wollte, daß eine solche Ehe mit einem Ungläubigen, einem Ketzer und Gringo", kein gutes Ende nehmen könne. Nach der Hochzeit ließ Sennor Gibson sein Haus, das schönste in Secorro County, noch vergrößern und verschönern, und seine Hacienda war bald berühmt wegen des schönen, gutgepflegten Viehstandes und der neumodischen Verbesserungen, die darauf angebracht wurden. Von weit und breit kamen die Verwandten der Braut und genossen die Gastfreundschaft des Sennor Gibson, und Don Ramon mit seiner ganzen Familie ließen sich dauernd nieder bei dem jungen Paare, und nun war Schmalhans nicht mehr Küchenmeiste? bei ihnen. Mit Don Ramon war auch Don Jos6 Saltillo gekommen. der Vetter Manuela's, ein vortrefflicher Gesellschafter, der alle Lie-bes-und Spottlieder, die vom Rio Grande bis zum Vovocatevetl oefun I gen werden, auswendig wußte und sich 1 Aitf V ru i I i . V. .. . r i uu vi l vyuuuiic uaiu Zll oeaikkren verstand. Kurzum, es war ein lustiges, bewegtes Leben und Treiben auf La Palud, der Hacienda des Sennor Gibson, und die schöne, junge Frau icyien mit iyrem silberhellen Lachen und ihrem lustigen Trällern von früh bis spät zu beweisen, dak Vadre ntonio. der finstere Priester, mit seiner Prophezeiung Unrecht gehabt, denn den Himmel ihres Eheglücks schien aucy rein ottazen zu verdüstern. 2. Da erfolate die Verbattun &m-nnr Gibson's mitten in der Nacht war er aus den Armen seines Weibes gerissen und -unter der Anschuldigung, einen Mord inMerico htaanatn m hn ben, über die steinige, staubige Llanos nacy ruzillo geschleppt worden. Und seitdem war, wie gesagt, mehr als em ayr vergangen. Gldson war unschul dia. und mit der toviscken tenrntnün 1tt der Amerikaner hatte er Anfangs dieGefahr unterschätzt, die ihm drohte. Bei den Verhören,, .die erfolgt waren. hatte er dargethan so glaubte er, daß er nichtsUnrechtes 'begangen hatte. Aber es lagen sch:inbar starke Beweise für 'feine Schuld üox, und Monat aus Monat war verflossen, ohne daß man ihm seine Freiheit wiedergab, wei fn);.. i i c "iin ucaiuugicn iyn oes Mor des. und ibre Allssaan, tanhhn r bestimmt und liefen so völlig überein soweit Ort und Zeit und Umstände in elang -vvaren. mit Venen des Angeschuldigten selbst, daß der Fall wirk?ich sehr Lchwarz gegen ihn aussah. Gibson fyJU vom Gesängnisse aus "wiederholt . Anstrmgnngl gemacht, t'tmn tüchtnien Anwalt Nck htm wrKn ounque kommen zu lassen, und auch on tn Gouverneur hatte er mehrere fnC-&vn.Vxrc-:ri , . ' vfctuvnvtujuicn gericyier, ao es erfolgte keine Antwort darauf. Im dreizehnten Monate seiner Haft endlich kam ih Licht in dieses DilNkel. Man stecktr zu ihm in dieselbe Zelle einen Mezraner, einen Wegel?gerer der niedrigsten Sorte, und obwohl anfänglich Gibson mit diesem Kerl nichts zu thun haben wollte, so siegte doch das Bedürfniß, etwas von der Außenwelt zu erfahren, über seinen Stolz, und so entspann sich denn bald eine Unterhaltung. Die schlimmsten Befürchtungen des Eingekerkerten wurden ihm da bestätigt. Zalada, der Wegelagerer, theilte ihm mit, daß er das Opfer eines ComplottS fei, das von dem Vetter dei wnaen xau, Don
Jos6. angezettelt worden sei und an m. i ! . . r
oem sicn nunmeyr cie ganze tfammc Manuela's betheilige, weil man die Nache des Getäuschten fürchtete, sobald er inFreiheit gesetzt sei. Don Josö sei, ohne daß Gibson dies geahnt, der Geliebte Manuela's gewesen vor ihrer Hochzeit, und um sich jetzt i den Besitz des Weibes zu setzen und zugleich der Familie das ganze, reiche Erbe des gehaßten Amerikaners zu verschaffen, war ein teuflischer Plan geschmiedet worden, ihn fälschlich des Mordes anzuklagen und ihn auf diese oder jene Weise unschädlich zu machen. Wie gut der Plan gelungen war, das wußte Niemand besser, als Gibson selbst, der jetzt zähneknirschend wie ein wildes Thier in seiner Zelle auf- und niederrannte und über Mittel und Wege nachdachte, um die Freiheit zu gewinnen. Daß feine Wärter, daß der Richter selbst und der Kerkermeister von dem Anstifter des Eomplotts, von Don Jos6 und seiner Familie, besiochen worden seien, um ihn im heißen, fieberschwangeren Gefängniß womöglich vermodern zu lassen, darüber hegte Gibson nun keine Zweifel mehr. So waren wohl auch die Briefe, die er geschrieben, unterschlagen und nie an ihre Adresse befördere worden. Hilfe von Außen war also nicht zu erwarten. Aber Gibson war entschlossen, seinen Feinden trotzdem ein Schnippchen zu schlagen und sich selbst Gerechtigkeit zu verschaffen. Schon wühlte das Fieber in seinem Gehirn und seine Glieder waren matt und sein Leib abgezehrt von Sorge und Kummer und schlechter, ungenügender Nahrung. Noch einige Wochen vielleicht, und man konnte wirklich seine Knochen in die Grube werfen. Es galt fofortiges Handeln. Durch reiche Versprechungen gewann der Betrogene seinen Mitgefangenen, um ihm seinen Beistand zu leihen, und am dritten Tage darauf war es den Beiden gelungen, sich einen unterirdischen Gang zu graben, der sie in die Freiheit, jenseits der dicken Mauer des Gefängnißhofes, führte. In der Nacht brachen sie aus, und Gibson verfolgte nun allein seinen Weg bis nach seiner schönen Hacienda La Palud. Wie würde er dieselbe wiedersehen? Wie konnte er am schnellsten und am sichersten seine Rache nehmen, ehe ihn die Häscher wieder einfingm? Diese Gedanken und die Erinnerung an sein pflichtvergessenes, falsches Weib, die schöne Manuela, quälten und peinigten ihn, als er in der kühlen Nachtluft sich mühsam den Weg bahnte, denn seine Glieder versagten häufig den Dienst, aller Anstrengungen durch die lange Haft ungerechnet, und er mußte sich häufig fetzen. Athem schöpfen und wieder nachdenken. 3. Am frühen Morgen, noch vor Sonnenaufgang. traf er auf La Palud ein. Wie ein Dieb schlich er sich in's Haus, in dem noch völlige Ruhe herrschte. Sein ungetreues Weib sehen den Verführer, jenen Teufel in Menschengestalt, dem er bis dahin nichts als Gutes erwiesen, bei der Kehte fassen und würgen, bis er ihm ein Geständniß seiner Schuld abgepreßt diese Gedanken standen flammenhell in feinem Hirn, als er die breite Veranda, die das Haus umqab. fachte mit katzenartigem Tritt dahinglitt. Jetzt hatte er das durch grüne Jalousien geschlossene Fenster des Schlafzimmers erreicht desselben Schlafzimmers, aus den man ihn jene Nacht aerissen. und. sich auf die Kniee lassend, lugte er ourcy die Spalten der Jalousien Fünf Minuten später erhob er sich wieder todtbleich, aber Grimm, der isnmm des Getauschten und Verra thenen. loderte in seinen Auaen. Vorsichtig tastete er seinen Weg bis zum Speisezimmer auf der anderen Seite des Hauses. Es war unver schlössen, und schnell glitt er durch die Thür hinein. Sein erster Griff war nach einer Wincbesterbüchse. die über dem kleinen Schranke an der Wand ymg. Er nahm das Gewehr herab, befühlte es wie eine Mutter ihr Kind, fand, daß. es geladen war, und nahm es in die Hand. Dann schlich er wieder zurück nach dem Fenster des Schlafzimmers, vor dem er schnell in die Kniee sank, denn er hörte Stimmen aus dem Zimmer dringen. Er horchte mit gespannter Aufmerksamkeit. Nein. Poörecita. dieser Mann, der sich vermaß. Dein Gatte zu werden, wird nie wieder das Tageslicht sehen." sprach die Stimme Don Josö's. denn es sind Vorkehrungen getroffen worden, um ihn so oder so aus dem Wege zu räumen. Da es mit der Haft und mit der Untersuchung nicht schnell genug geht, und zu befürchten ist. daß die Regierung in Washington oder die Freunde Gibson's im Orte sich in die Sache mengen konnten, so ist es mir gelungen, einen der Gefängnißwärter zu bewegen, dem Manne scheinbar bei seiner Flucht aus dem Gefängniß behilflich zu sein. Auf diese? Flucht, die m den nächsten Tagen vor sich gehen soll, wird der elende Gringo aber erschossm werden. Daö ist das Sicherste. Pobrecita." Ein Senfzer drang an das Ohr des Lauschenden. ; Ach, Geliebter, und dann werden wir uns ganz angehören!" In diesem Moment vernahm man ein eigenthümliches, scharrendes Ge räusch vom Fenster her. und Don JcsZ erhob sich, um nachzusehen. Carramba," murmelte er, w:r kann das sein?" Es war sein letztes Wort. Im nächsten Moment donnerte ein Schuß, und dann noch einer' Mitten iwi Rauch?, der ihn in blaukicken Wölkcken ur?.woate. stand her betrogene Ehemann Don Josö war 9 gefallen, wie er stand, aber weiter im
Innern deö Zimmers, mit Augen, die Schrecken und Schuld noch im Tode
verkündeten, lag Donna Manuenta, die schone, herzlose Verführerin. Gibson schulterte seine Winchesterbüchse und schritt schnell weg vomOrte der That. Bon den Mexikanern will ich mich wenigstens nicht zu Mincemeat machen lassen." flüsterte er vor sich hin, als er den Weg nach Norden einschlug. Man hat in Trujillo nie wieder etwas von Sennor Gibson gehört. Aber alljährlich empfängt der finstere Priester, Padre Antonio, der damals vor der ungleichen Ehe gewarnt, eine ansehnliche Summe von einem anonymen Geber, die er zu Seelenmessen für das ewige Heil der beiden Erschossenen verwenden soll. Socken und Schascr. Ein Geschichte! aus dem .Stoansteirischen von Peter Rozcgger. Der alte Gräderer kommt in'S Städtlein und besucht seinen Herrn Vetter. Anfangs, als er eingetreten, spricht er lauter ewige Wahrheiten: daß der Berg aufwärts schnaufen und abwärts knieschnappen" macht und daß der liebeGesund halt's Beste wäre! Allmählich geht er weiter, rückt heraus mit einem Geheimniß und er möchte den Herrn Vetter frei so viel gern um Rath fragen. Und duschelt ihm Eins hin. Was? Heirathen wollt ihr? schreit der Vetter zurück. Jetzt hab' ich gemeint, ihr hättet schon lange geheirathet!" Das wohl, das wohl. Ei freilich, geheirathet wohl. Aber auch schon lang' wieder gestorben. Weil ich das erstemal eine Alte hab' derwischt. Diesmal probir ich's mit einer Jungen. Gelt, jetzt schaut der Herr Vetter!" Dieser guckt dem Alten in das runzlige Gesicht und frägt: Wie steht's mit der Gesundheit?" Vergelts Gott. Soweit passabcl," antwortet der Gräder. Und schlecht hat's bei mir Keine. Müßt' wohl lügen, wenn ich thät sagen, daß es Eine bei mir schlecht hätt'. Alles kann sie haben, was ihr Herz verlangt. Wenn ich Eine einmal gern' hab', da laß' ich mich nicht spotten, ich! Also, was saqt der Herr Vetter dazu?" Der Vetter sagt: Thut Ihr gern Geschichten lesen? Ja? Nun also, dann nehmt einmal dieses Büchel mit." Er zieht aus der Tischlade ein braunes Bändchen hervor, thut ein wenig mit demselben um und steckt es dem Gräderer in den Rocksack. So. Unterwegs auf der Heimfahrt zum Zeitvertreib." Schön Dank. Und des Heirathens wegen?" Saat . der Vetter: Ist sckon recht. "' In solchen Sachen red' ich nichts drein." Gut ist's. Und auf der Heimreise, wie der Gräderer so hübsch bequem im Wagen sitzt und über die schöne Zeit nachdenkt, die jetzt anrücken soll, greift er um die Tabakspfeife in den Sack und ertappt das braune Büchlein. An einer bestimmten Stelle ist ein erklecklich großes Eselsohi eingebogen, und da steht gerade die Geschichte: Wie aus einem Paar Socken der Schäfer ist worden." Ein spaßiger Titel. Wird wieder einmal was Sauberes sein; hat lauter so Sachen, der Vetter. Die Brillen heraus. Werden wir's halt sehen. Und also stand's geschrieben: Ehemänner allesammt. kommt zu mir, ich will euch etwas sagen. Will euch ein gutes Beispiel zeigen, wie ihr Euch zu verhalten habt gegen Euere Ehegesponsinnen. Will euch erzählen vom Paul Pinagelbaum, so wie der müßt ihr's machen, so ist's recht, so haben es die Weiber gerne. Höret zu -imit Fleiß und Aufmerksamkeit. Der Paul hat ein junges, feines Weibsen gehabt. Sie ist etwas jünger gewesen als er, wofür Niemand verantwortllch gemacht werventann, sie hat das rechtzeitige Aufdieweltkommen versäumt um sechsundzwanzig Jahre, sonst könnte sie genau so alt sein als er. Und der Paul hat sein junges Trauderl ganz unmöglich lieb gehabt. Und natürlich sie ihn auch ganz unmogllcb lieb. Denn well er ihr jedesmal, so oft er vom Dorf oder vom Städtlein heimgekommen, etwas mitgebracht hat. etwas Schönes, oder etwas Gutes, oder beides nebeneinander. Sie hat es gar holdselig angencmmen und stets gesagt: Brav bist, Paul! So und jetzt kannst schon wieder gehen." Und daß die Sach' in guter Ordnung vorgebracht wird: Einmal geht der Paul auf den Jahrmarkt und bringt dem Weiblein weil der kalte Winter schon über die Berge pfeift em paar wollene Socken ye:m. Entzückt ruft die Trauderl: , nein! Aber so schöne Socken! diese Wolle! Diese blühweiße ' Brav bist. Paul!, Aber sag' mx wo bekommt man denn so ei"? .Aber :7n' dcrschöne Wolle? Davon ir . .' : gleich ein paar Pfund haben y. & schuhen, zu einfm Unterjöppel, zu b' nem Nachthäubil. Mein liebes Manncrl wärst wohk. wenn Du mir solche Wolle thätst brwgen." Werden haü trachten," sagt der Paul. Dann jeht er nachfragen bei der alten Strikerin, der er die Socken abgekauft, wcher sie die Woll' bezieht? Die nimmt sie beint Kaufmann. Er frägt beim Kaufmann. Der hat sie vom Judenl Er geht zum Juden, und der sagt es nicht, wo man die schöne wohlfeile Wolle kriegt. Drei Tage lang geht der Paul umher, da erfährt er schier zufällig denselbigen Schasstall, wo gerade wieder das weiße Schäfletn geschoren wird. Gleich kauft er die Wolle und eilt damit VÄler Freuden heim zu seiner Trauderl. Jesselas!" ruft sie aus. die
Liebste, die Herzige, eine solche Wolle! Wie druderlweich und wie seidenfein! Das gibt ein Strickzeug! Brav bist. Paul! Aber was hab ich dann, wenn diese Wolle verstrickt ist? Und die Socken wieder hin sind! Oder glaubst, die wcrden's alleweil halten? Ja, pfeifen werden sie was! Und was meinst, daß ich nachher mein Lebtag in den alten Hadernfetzen umzaschen soll? Dodel, Du alter! Geh sei so gut und heb' einmal Deinen alten Knochenschragen und schau, daß Du das Schaf heimbringst mit der Schur, und nit alleweil alles nur halb machen. Hast gehört?" Ist schon recht, Trauderl." sagt der Paul, sei nur gut. Schätzer!, ich will Dir auch das weiße Schäflein bringen." Schiebt sein Geldbeutlein in den Sack und geht, um das schöne feinwollige Schaf zu kaufen. Was ihm nicht einfällt? wird er angefchnautzt. die beste Gattung verkauft man nicht. Aber wenn er sie zwiefach zahlt! meint der Paul. Solle schauen, daß er weiterkommt, heißt es, die besten Schafe verkauft man micht. Weiterkommen! Gesagt ist es leicht. Wohin soll er denn gehen, der Paul? Heim zum lieben Trauderl? Wer's wagt. Er nicht. Sie hat Kochlöffel und Feuerzangen und Töpfe und Wasserkübel in der Küche, alte Schuhe und den Stiefelknecht in der Stube; das alles und was sonst noch da ist in
einem ordentlichen Haushalt, schickt sie ihm an den Kopf oder aus den Rucken, wenn er ohne Schäflein heimkommt. Den ganzen Tag schleift der Paul im Walde umher, im fchönen grünen Walde! Was nur die Leute dran ha bcn! Lauter kellerkalter Schatten überall. Die Aeste kratzen, im Ge strüpp lauert der Fuchs, aus den Wipseln krächzt der Geier. So irrt der Paul umher und aus der Ferne fchaut er hin auf sein Haus, wo über dem Schornstein still und lieblich der blaue Rauch in die Höhe steigt. Holzäpfel fucht er im Wald, sauer sind sie, aber immer noch süßer als die Trauderl, wenn er heimkommt ohne Schäflein. Nun fängt fachte auch der Waldschatten an und macht Geschichten. Zuerst spielt er sich auf das Düstere. dieses auf das Dunkeln und Dam mern, dieses auf die Finsterniß, und die Finsterniß spielt sich auf die kohlrabenschwarze Nacht. Nun, die Nacht Ware das Schlimmste noch immer nicht gewesen, in der schwarzen Nacht hätte der Paul möglicherweise auf das weiße Schäflein veraessen. Wie er nun aber im Moose ruht und anfangen will zu schlafen, da fängt die hautfalsche Finstcrniß an und wird wieder licht. Zuerst flimmert sie ein wenig, nachher steiat hinter den Bergen schwer und massig ein ganzes Gericht Gottes auf. Wetterleuchten, blitzen murren. donnern, krachen, schnazen öpfeln. schnürlen. gießen, hageln. Auch das Lüsterl wird strenger: Die Zweiglein fächeln, die Aeste rauschen und schlagen aufeinander wie Gassenbuben, die Wipfel Pfeifen, die Stämme brechen. Der arme Paul schauert und wimmert und denkt: Unangenehm ist es, aber für das liebe Weib leidet man alles gern. . Nun steht er aus einmal vor einer Hütte. Daneben der Schafstall mit dem weißen Schäflein. Auch gut, denkt sich der Paul, naß bin ich ohnehin schon, jetzt stehle ich das Schäflein. Das Gewitter ist so gut und macht Lärm, daß man des Thieres meckern den Hilferuf nicht hört und so macht sich's. Waschnaß bis auf die Haut r ' rt jt uno zer auagen ms aus Sie nocyen, so kommt er am Morgen mit dem Schäflein heim zu seinem Weib. Nun das hatte man sehen müssen. Dieses Gethu mit dem lieben Vieh! Gehalst und geküßt über und über dem armen Paul, die Zähne haben ihm aewässert. aber deren nur drei. mehr hat er nicht im Munde. Und wie er so am Bettstaffel lehnt, fährt ihn die Trauderl an: Was stehst denn Du noch da? Gehst denn Du heut' wieder nicht schlafen? Ich dlnk. Zeit wär's dazu um fünfi m der Früh! Diese Nachtfuchtlerei ist mir zuwider bis aus den Too. Morgen wenn es zum Arbeiten ist, wirst wieder stinkfaul sein. Und wie das Fletz ausschaut, Du heilige Sankt Katha rina! Fädelt nur grad so hinab, das Wasser, von Deinen Gewandsetzen Mar und Josef, so ein altes Manns bild!" Er bleibt noch stehen, streichelt den Bettstaffel und sagt: Trauderl, liebstes! Ein gutes Wortel, wenn Du mir wolltest sagen! Eins hätt' ich heut' wohl verdient. So!" sagt das Weib. So!" sagt sie. Es ist eine ungute Nacht gewest. Trauderl!" Ah, da schau man her!" lacht sie auf, das ist nicht schlecht. Des Schafleins wegen meinst Du Wohl! Weil Du mir das Vieh hast gebracht! Al1, Du! Wenn Dir Dein Gei rn; t ffe: aanz herausgeronnen r jicfc, "f1? körtest Du Dir's. d:ß Vtir.'i m vem Schäf- : 7.:.y. mn torifc i V - . - , . . n ;et;'i . n 1.5," gehen . Du! n. das vail..l: Soll ich es j ;i- I arme Thier? Hab' x ::)r.i. dabei sieh' und eö füittu i-r.t Was hilft mir das Sch r k; nen Schäfer hab? Wä?j. -T. mann, wie sich's gehört, , mir auch den Schäfer rn t, .n, ich ge? tt,!st t- ss .l daß Du iedt dastehst wie :a il1;: O-irn Scherben!" Aber Traudel, liebes:cö Ich bitt' Dich, laß' i.'.ii in Der Paul steht da, kratzt s. ;imc: den Ohren und sagt: I: ' bös auf Dich, Du schlimi"derl. Du!ich ;;. :au .Dummes Eselem, Du! ' einmal das Weibchen und einen Klatsch an die War gc i ( f r fUf VCTi .-ler
Klatsch er thut schier ein wenig
bremseln, aber es ist ein Llebestascherl acwest! Denkt sich der Vaul: o meine Trauderl, die liebeste . . . Und am andern Tage noch kaum ausgeschlafen hat er, der brave Paul, geht er hinaus in den Gau. Er ist verzagt und hochgemuth zugleich. Er sucht zum Schäflein das Zugehör. Und ietzt hat er Gluck er begegnet dem Schäfer. Der ist ein zunger, fester Kerl, geht in seinem stramm gespannten Beinkleid langsam daher und sagt, er suche em Schas. Em weißes Schaf hätte er verloren. Das ist eme wahre Schickung, denkt sich der brave Paul und sagt: Du, Schäferbua! Das Schas. das Du suchst, das weiß ich. Geh mit mir. ich führ' Dich, es geschieht Dir nichts. Kannst verbleiben bei mir. wenn Du willst, es wird Dir nichts fehlen." So gehen sie allzweibeide miteinand. Der Paul hat eine närrische Freud', daß er seiner Traudel. der liebesten, den Wunsch kann erfüllen. Weil sie halt gar so viel herzig ist! Sie kommen an's Haus, da sieht der Schäfer die Trauderl. Er schaut sie an sie ihn. Haben sich lang angeschaut und gesagt haben sie nichts. Du Schäfer!" sagt der Paul und deutet auf das Schaf, das im Gärtlein munter graset, da ist es. Die beiden schauen sich immer noch an. Als ob sich die Augen in einander verhackelt hätten, so s-:hen sie da. Und jetzt wird dem Paul auf einmal angst und bana. Schäfer!" sagt er. siehst es denn nickt! Das weiße Schaf!" Und wie das Thier jetzt blöckt. da hört es der Bursch und ruft aus: Da ist es ja! Das ist mir aestoblen worden! Wer hat denn das gethan?" Der da!" sagt die Trauderl und zeigt mit beiden Zeigefingern auf den Paul. Gut ist's!" sagt der Schäfer. Die Diebe muß man einsperren lassen! Eine Stunde drauf ist der Landknecht da. der packt den Paul, schließt ihm die Hände zusammen mit einem eisernen KettleM und treibt ihn davon. Da hebt die Trauderl, die liebeste. das Schürzlem auf bis zu den Augen und klagt: Meinen Alten treiben ste fort. Wen werde ich ietzt haben?' Und' thut weinen. Tritt ihr der Schäfer um einen Schritt näher und schaut sie wieder an. Und sie thut bitterlich weinen. Da tritt er noch näher, zwickt sie am Kinn, nimmt sie um den Hals, da thut sie schon ein klein Bissele lachen. Sehet und so so ist aus einem Paar Socken der Schäfer worden . . . Nämlich diese Geschichte hat der alte Gräderer, derBraungam gelesen. Da rauf hin auckt er eine Weile so etwas unsicher vor sich hin, trommelt mit dem Finger auf das Fensterglas und murmelt endlich: Ist doch ein vertrakter Schelm, der Herr Vetter." Vier Wochen spat?r. als Bater Gräderer mit seinem jungen Weibchen die Ringe tauscht, schreibt ihm der Vetter: Gratuliere zum hemgm Ehestand, welcher das Alter ehrt, indem er die grauen Haupter krönt. Reingefallen. Müller,, (ein aefilrchteter Schwätzer, faselt am Stammtisch wieder mal entsetzlich. Niemand kann ihn zum Schweigen brmaen. Besonders den dicken Schulz, der den Statutencntwurf des neu zu gründenden Vereins vorlesen möchte, ärgert dies scheußlich. Endlich komm ihm ein Gedanke, um den Schwätzer todt zu machen): Sie. Muller, unter bricht ev ihn Plötzlich, geheimnißvoll sich umblickend, können Sie schweigen? Wie das Grab am Busento! Na also, dann schweigen Sie endlich mal, damit ich den Herren die Statuten vorlesen kann! . , . ErstevGedanke. Schwe ster (die sich mit einem reichen Guts besitze? verlobt, zu ihrem Bruder): Na, Brüderchen, was sagst Du zu meiner Verlobuna? Bruder: Ach in der That ganz famos da habe ich doch wieder Einen, den ich ordentlich anpumpen kann! DerUnbestechliche. Bauer: Herr Actuar, Sie habenmir schon so viel Gutes erwiesen, hier bringe ich Ihnen eine kleine Anerkennung. Actuar: Was will Er, Er Elementskerl? Glaubt er denn, ich lasse mich bestechen? Her mit dem Schinken und dann 'naus mit ihm. ' Geschmackvoller Vergleich. Förster: Schau, schau. Stiegelbauer, Deine Marie ist abev eine blitzsaub're Dirn geworden. Stiegelbauer: Ja, das mein i wohl auch, und gar erst die jungen Mannsleut' wann die das Madle anschau'n, da wässert ihna das Maul wie a Dachtraufen! Kleiner Unterschied. Tante (liest): Jetzt schien der Mond hell ins Zimmer und versilberte die Bücher auf Brunos Schreibtisch . . . Studiosus: Na. siehst du Tante, und wenn ich mal ein paar Bücher dersilbere. dann geräthst Du gleich aus dem Häuschen." Ausgenützt. Aelteres Fraulein: Also, Sie übergeben den Brief und wenn er frägt, wer Sie schickt, sagen Sie nur. eine hübsche junge Dame, verstanden?" Dienstmann: Schon gut. Aber für die hübsche jungeDame" leaen Sie wohl noch zwanzig Pfennig zu?" ' " ' . Bedenkliche Auskunft. A.: Nun. wer hat denn den Preis bei der Vichausstelluna bekommen? Du oder Dein Onkel? B.: Keiner von Beiden.' ein fremder Ochse! ' Ein Aer.ni st er. Nun. bist Du mit Deiner Seirath zufrieden?" Ach. weißt Du meine Frau hält - , von sruy 015 Ipal aroinenprevlglei! j und die Schwiegermutter eckot." ! Modernausae drück t. ! Bewerber: Fräulein Ella, erlauben Sie. daß ich bei Ihrem Herrn Vater .im Sie bandle?" ?. r r. i m c ! . i '
Aas Zlmvcrsaünittcr. Wiener Humoreske von R. Wandel.
Serr Severin Schmerzenreich fühlte sich fürchterlich unwohl; er wußte nicht, was ihm eigentlich fehle, aber es l r. i. r;: :u Ovnt?T S,if r IUWU Ul UH UU)U jtvvm., v0 v . sich an der Schwelle des Todes befinde ' und der Knochenmann nur aus vas Anklopfen warte, um Herein!" zu rufen. Serr Schmerzenreich wollte indessen von einemArzte nichts wissen. er hatte eine eigenthumliche Abneigung aeaen Aerzte und deren Honorarrech nungen. Böse Menschen behaupteten auch, daß derMann eigentlich gar Nicht so krank sei. Eines Tages fand Frau Schmerzenreich im Hausflur ein bedrucktes Blatt Papier, dessen Inhalt in der Anprei. sung einer Universal-Medizin, der Anführung einer Anzahl von dadurch zu heilenden Krankheiten und der minutiösen Schilderung derSymptome derselben bestand. Sie brachte das Papier schleunigst ihremGatten, indem sie sagte: Severin, schau, da stehen alle menschenmöglichen Krankheiten d'rin, das les', da wirst vielleicht 'raussinden, was eigentli mit Dir los is. Das soll i lesen? rief Herr Schmerzenreich erregt aus. In so an Kaszettel soll mei' Krankheit d'rin b'schrieb'n sein? Dös gibt's nöt'. Uebrigens, fuhr er fort, meinetswegen kannst mir a paar Krankheiten vorlesen, vielleicht zerstreut mi das a bisserl. I selber bin z' schwach zum Lesen. Dabei lehnte er sich bequem in seinen Armstuhl zurück, indem er einen schweren Seufzer ausstieß. Jessas, Jessas, wie mir schlecht is. murmelte er noch, während seine Gattin ihre Vorlesung begann. Schmerzen imRücken und unter den Schulterblättern, häufiger Kopfschmerz, besonders über den Augen . Dös hob i, stöhnte HerrSchmerzenreich. Ja, das bist Du, hauchte seme liebevolle Gattin und suhr fort: Ein Gefühl der Gedrücktheit und Schwäche, Brennen der Handflächen und Sohlen . . . Dös bin wieder i, erklärte Herr Schmerzenreich. Abneigung gegen körperliche Anstrengung." Das bist auch Du! rief seine Frau aus. Du bist fürchterlich faul. Severin! Na. na, dös bin i nöt, remonstrikte der Patient, i bin nöt im Minbesten faul, aber mei' armer, schwacher Körper vertragt ka Arbeit nöt. O weh! O weh! rief er dann plötzlich aus.indem er aufsprang und seinen Kopf in beiden Händen begrub. Was is's denn, Severin? Was is's denn? rief erschreckt seine Gattin. Uijegerl. entgegnete der Vielgeplagte, jetzt hat's mir an Stich von der großenZehen bis in denKopf geb'n und jetzt geht's mir rundumadum in Kopf 'rum. Gibt's so a Krankheit. in Dein' Zed'l. Susi? Na. über dö Draherei steht nix d'rin. sagte die Frau etwas spitzig. Susi. rief nun Herr Schmerzenreich vorwurfsvoll, willst mi vielleicht frozzeln in an Moment, wo i mit an Fuaß in Grab steh'? Ja. ja. mit mir is 's aus. I wir glei' mei Testament machen; 's is freili kaum der Müh' werth In diesem Momente klingelte die Glocke der Wohnungsthür, Frau Schmerzenreich eilte hinaus und kam mit einem Briefe für ihren Gatten zurück. Dieser öffnete ihn langsam und begann ihn mit einer wahren Leichenbittermiene zu lesen. Doch kaum hatte er einige Worte gelesen, als er mit einem Sprunge mitten im Zimmer auf femen Fußen stand und eme Art indianischen Kriegstanzes auszuführen begann. Wa5 ist geschehen, Severin? rief ängstlich die Frau. WaS ist das schon wieder für ein neuartiger Anfall? Anfall? Teufel! erwiderte er. mit dem ganzen Gesichte. 'schmunzelnd. Was glaubst Du, was dieser Brief enthält? Unser alter Onkel Weinstein ist gestorben und hat uns zehntausend Gulden vermacht. Da schreibt mirs der Advokat. ' Was sagst Du? Zehntausend Gulden? Wie edel vom Onkel Weinstein, zu sterben, das heißt, uns so viel Geld zu huit"- Wie angenehm könnten i: . 'niteinander leben, wenn's 5 v schon zu spät wäre. Zu spät?. f u i denn zu spät? : Na, Du bii ; : zum Sterben. I? Ah frei. ' I hab' mei' Absicht g'ände l. Aber wie ka" ' 'n mit Deinen entsetzlichen . r ezistiren? fuhr die Fra .. . . -1 ihren Gedanken festhaltend Hol' der Henke, v. rief vergnügt ihr Gemah'. v -'end Gulden! Jetzt wird ctuH i-xm Alles auf Franfen geh!. . Und merkwürdig! .;:r: :ir.m Schmerzenreich war so'on cseinen Leiden geheilt. Ti1 t ':i . :M von nun an nicht mehr u :d klagen. Er war lustig u -tj ; :i:t Dinge, so lange die -: n.d Gulden reichten. Das'w.7 ' : -vt Krankheit, die Arbeitsscheu, ta; v tige Universalmittel. Billiger. Nur, ;' . rfällt Ihnen mein Junggeselle?! h';--Famos! Pompös eingerichtet. . was fehlt, drinn eine Fr . '. Pah! ist übrigens auch vo ' . ..n! Wie?! Ich glaubte doch.' ( ' seien ledig? Sie haben also schon eh: Frau? Jawohl, eine Scheuersrau, di kostet nicht lo viel!
