Indiana Tribüne, Volume 20, Number 38, Indianapolis, Marion County, 25 October 1896 — Page 6

Zßre erste Licve. Eine Skizze von A. 23 . - r-1 1 " l ' " ' ? MZ höhere Tochter hatte 'Frieda selbstverständlich ihren Clavierlehrer geliebt, war er doch das Ideal aller ihrer Mitschülerinnen gewesen, und jede von ihnen wetteiferte um dieGunst des zukünftigen Herrn Professors. Und Frieda glaubte sicher, daß er ein tieferes Interesse an ihr nehme, denn als er einmal zufällig aus ihrem Munde das Lob einer ihrer jüngeren Lehrerinnen erklingen hörte, beehrte er sie gleich mit einer Ansprache und verwickelte sie in ein längeres Gespräch, das den Neid ihrer trkuesten Freundinnen erweckte. Daß der Herr Professor sie auf geschickte Art über die besagte Lehrerin usholte. merkte Frieda in ihrer Glückseligkeit gar nicht, und die Augen gingen ihr nicht eher auf, als bis sie die gedruckte Vvlobungsanzeige der Beiden vor Augen sah. Du lieber Himmel! Dies ewig schüchterne, blasse sanfte Wesen, und er. ihr Halbgott es war einfach unglaublich. Und ebenso schnell wie tz" zum Halbgott avancirt war, sank er auch wieder zum gewohnlichen Menschen herab, ja Frieda stimmte sogar mit ein, wenn über ihn 'losgezogen" wurde. . Sie beschloß nun, so schnell wie möglich Ersatz für den leergewordenen Platz in ihrem 5zerzen zu besorgen. Und der Zusall war ihr günstig! Als sie mit ihrer Busenfreundin Emmy fcon einem Ausgang zurückkehrte, hatte sie das Unglück, vor einer Truppe Soldaten auszugleiten und wäre sicher mit. dem nicht allzu reinen Boden in unsanfte Berührung gekommen, wenn nicht, wie gewöhnlich in solchen Fällen, ein rettender Arm helfend eingegriffen hätte, so daß sie wieder auf feste Füße zu stehen kam. Verwirrt stammelte sie ihren Dank und verschwand, nicht ohne nochmals umzublicken, wobei sie denn gewahrte, daß der schneidige Herr Lieutenant ihr mit wohlgefälligui Älicken mchsah. Von da an sah sie ihn öfters, und sie schloß den Netter in der Noth tief in ihr Herz. ein. Da traf sie ein harter Schlag; sie ,'sollte nach Hause zurückkehren. Und dies, worauf sie sich so gefreut hatte, dünkte ihr jetzt die reinste Verbannung zu sein. Weinend beschwor sie Emmy, ihr Alles, aber auch jede Kleinigkeit, die sie über ihre erste" Liebe erfahren

würde, brieflich mitzutheilen. Dann reiste sie beruhigt ab . und erwartete mit Sehnsucht Nachricht von thum Lieutenant. Die sollte ihr denn auch bald wer den. Emmy berichtete eines Tages höchst entrüstet, der schneidige Herr Lieutenant habe sich mit der häßlichen. aber natürlich sehr reichen Tochter des Gutsbesitzers so und so verlobt. Der armen Frieda brach fast das Herz. Also er. dem sie insgeheim Treue bis über das Grab hinaus gelobt hatte, konnte sich so weit erniedrigen, sich für Geld zu verkaufen! Em Pfui über den Elenden, kein Gedanke durfte fortan mehr an ihn verschwendet werden! Uebrigens hatte sie auch vorläufig keine Zeit dazu, denn in kurzer Zeit sollte sie ihren ersten Ball besuchen. Was gab es da nicht alles für Sorgen und Fragen, vom Ballkleid bis zu den muthmaßlichen Tänzern. Denn das wäre doch geradezu gräßlich, wenn sie schimmeln" müßte.. Seit einiger Zeit war ein junger Arzt.un Städtchen, auf den Frieda in aller Unschuld ein Auge geworfen hatte. Wenn der den Ball besuchen würde und sie zum Tanze aufforderte; , oh, Frieda vermochte sich die Seligkeit nicht auszudenken! Und der denkwürdige Tag brach an! Und wie es so geht, Frieda hatte das Ballfieber, sie hatte kaum noch einen klaren Gedanken, und fand sich schließ lich wieder in ihrem Stübchen ein mit dem Bewußtsein.es sei entzückend schön gewesen. Und erst der Doctor! Wie himmlisch der tanzte, und wie gut sie sich mit ihm unterhalten hatte! So verging die Zeit! Im nächsten Winter ging Frieda wieder auf die Bälle und freute sich besonders auf den Beamtenball. wo sie ihren" Doctor sicher zu treffen hoffte. Und sie hatte sich nicht getäuscht. Er war zwar dort, aber d:n ganzen Abend sah man ihn bei einem neu erschienenen Stern", aus dessen Nähe er nicht wich und wankte. Frieda, die ihr glänzendes Luft schloß wieder zusammenbrechen sah, beschloß, den eingebildeten, kurzsichh gen Menschen zu strafen. Sie Hoffte ihm zu beweisen, daß sie sich garenichts aus ihm mache, und war diesen Abend doppelt liebenswürdig mit einem jun gen Collegen lhres Vaters. Sie mochte den überhaupt gut leiden, er war ein angenehmer, stiller, ' solider Mann und bei allen Vorgesetzten gut angeschrieben. Die Mütter Heirathsfähiger Töchter machen die li?benswürdigsten Anstrenaunoen. ihn in ihre Netze zu bekommen, aber bisher ir.mer vergebens. Und nun erlebten sie das Unglaubliche! Herr Hild entpuppte sich als ein liebenswürdiger ejelljcyaster und riskirte sogar mehrere Tänze mit Frieda, zum freudigsten Staunen von deren Eltern. Von diesem Taae an sah man ibn öfters in Frieda's Gesellschaft, und es wunderte Niemond, als die Beiden eines Tages als Verlobte verkündiqt wurden. Frieda berichtete strahlend an Emmy. daß ihr Ernst der liebste irno vene Mann auf Erden sei. freilich." so schloß sie ihren Bericht, er ist ja auch meine erste und einige, ImaI 0Ya " iVUlC -CiCVC. ' Zarter Wink. Fräulein: Sehen Sie die drei Eckfenster im zwei itn Stockwerk des Rathhauses? Herr: Jawohl nun? Fräulein: L)as ist das Standesamts

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dem Weltverkehre verschlossen gewesen, wie der deutsche Böhmerwald. Und doch kann sich dieses mit seltenen Naturreizen geschmückte Waldland, mit semer treu deutschen Bevölkerung, mit seinen berrlicken Sochseen. seinen duf tenden Tannen- und Fichtenwäldern kühn manch anderem uberschwengllq gelobten Eldorado des Touristen zur Seite stellen.Mit demAusbau derBahn Budweis-Salnau ist endlich dieses Ge biet den größeren Städten naher ge rückt und Touristen i kurzer Jeu erreichbar. Als Vorburg des südlichen BöhmerWaldes bearükt den Touristen die ausgedehnte Kreisstadt Budweis. Zahlreiche Fabriken bezeugen ihre hohe industrielle Entwickelung. Die Mitte Rathhaus in Budweis. des Ringplatzes ziert ein steinerner Brunnen mit der gewaltigen Figur des Slmson. der ein Raubthier zwischen seinen Fäusten erdrückt. Das RathHaus, das wir im Hintergrunde unseres Bildes erblicken, ist 1730 im Renaissancestil erbaut und gewährt mit seinen drei Thürmchen, Freskomalereien und gothischen Wasserspeiern einen hübschen Anblick. Am Zusammenslusse der Moldau und Maltsch gelegen, ist Budweis der Stapelplatz der Holzschwemmerei des Böhmerwaldes. Zu dieser Bedeutung wurde die Stadt insbesondere durch ihren Bürger Lanna gebracht, dessen Verdienste auch seine Vaterstadt durch ein wohlgelungenes Denkmal im schattigen Stadtpark gewürdigt hat. Unfern vonBudweis ist Frauenberz, der Wohnsitz des Fürsten von Schwarzenberg, gelegen. Das prächtige Schloß wurde im Jahre 1840 von dem Fürsten Johann Adolf auf Anregung seiner SchloßFrauenberg. kunstsinigen GemahlinEleonöre erbaut. Es ist eine Nachbildunq des Schlosses zu Windsor, im spätgothischen Stil gehalten.' Zahlreiche zinnengekrönte Thürme und Erker, eine schöne WaldUmgebung vereinen sich ?u einem äußerst malerischen Bilde. Das Innere dcsSchlosses ist jedermann zugänglich; der Beschauer findet daselbst manch interessante Kunstrarität vor. ' Bon Budweis führt die Eisenbahn Budweis - Salnau zur eigentlichen Hauptstadt des Böhmerwaldes, nach Krummau. Die alterthümliche Stadt ist auf Felsen erbaut, die der bräunlichen Moldau kaum den Durchgang zu gewähren scheinen. Das Schloß, nach dem Prager das größte Böhmens, erhebt sich auf einem gewaltigen Felsen, weithin die Gegend beberrschend. Es wurde von den Witikonen im 12.Jahrhundert begründet, fiel später dem Geschlechte der Rosenberger und Eggenberger zu. bis es im 18. Jahrhundert das Geschlecht der Schwarzenberge Passionsspielhaus in Horitz erbte, die auch den Titel Herzoge von Krummau" führen. Das Schloß umfaßt fünf Hofräume, besteht aus einer Reihe aus verschiedenen Zeitaltern stammender Gebäude, übt 'trotzdem mit seinem schönen, romanischen Schloßthurm, mit der zu seinen Füßen erbauten Kirche, mit den altersgrauen, sich eng an die Moldau anschmiegenden Häusern auf den Kunst- wie auf den Alterthumsfreund die gleiche Anziehungskraft. Den schönsten Anblick des Schlosses und der Stadt überhaupt bietet der im Südosten von Krummau belegene. mit eine: Kapelle gekrönte Kreuzberg. Dtr dunkle Plarrskerwald bildet hier den Hintergrund des stimmungsvollen Bildes. , Die Spitze dieses prächtigen Waldes krönt der Josephsthurm, ein auf einem Felsen massiv aus Steinen ausgeführter , runder' Aussichtsthurm. Von Ijfcr ms beherrscht das Auze eine

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perrliche Rundsicht, wie sie nur wenige Berge bieten. Ein lohnender Ausfluq von Krummau' ist der Besuch des Schlosses Ro-

nf i z.yr-jy LijC-y ÄfcrH .Ö2ä ' ITEj. 3if-xrzEijnr iUli VßMM TiWi: v i." 'JosephsthurmamSchöninger. senberg. Bis in das 13. Jahrhundert reichen die geschichtlichen Erinnerungen dieser Stainmburg des einst berühmten Geschlechtes der Rosenberge zurück. Im dreißigjährigen Kriege gelangte sie an das Geschlecht der Grafen von Luquoy. in derenBesitz sie bis zum Heu tigen Tage verblieben ist. Das alte Schloß, am rechten Ufer der Moldau, in waldreicher Umgebung gelegen, ent-hält-eine Reihe von Gemächern mit zahlreichen Erinnerungen an einstige prunkvolle, Zeiten. Hier wird dem Fremden unter anderem das Zimmer der unglücklichen Bertha von Rosenberg. der weißen Frau", gezeigt, die Grillparzer zum Vorwurf seiner Ahnfrau" nahm. Bei dem alten Schloß liegt mitetn in einem Ziergarten de Neubau", ein modernes Lustschloß, und der mit steilem, : moosbedecktem Ziegeldach gekrönte runde Jakobinerthurm. Dreisesselfelsen. Weiter führt von Krummau die Bahn nach dem freundlichen Marktflecken Äörik. in iünaster Äeit bekannt geworden durch die dort aufgeführten Passtonsspiele. Beranlaung zu diefen Spielen gab der für die Volkskunde des Böhmerwaldes unermüdlich - thätige Professor I. I. Ammann, der zuerst in verschiedenen Zeitschriften auf die Bühnenfähigkeit dieses von dem Höritzer Leineweber und Volkspoeten Paul Gröllhesl nach Eochems Das Leben Jesu" 1816 zusammengestellten geistlicheü Volks schauspieles hinwies und dasselbe auch bald auf Veranlassuna des Deutschen Vöhmerwaldbundes umarbeitete. Durch Unterstützung letztgenannten Vereines entjtano in kurzer 5Zeit in der Nähe von Höritz das Passionsspielhaus. Dasselbe liegt auf einer Anhohe, von der man emen yerrkicken Anblick der waldreichen Umgebung genießt. Es ist zum größten Theile aus Holz gebaut, elektrisch be leuchtet und faßt gegen 1500 Zu schauer. StadtthorinPrachatitz. Die nächstarößere Station ist Ober plan, der Geburtsort des Dichters Adalbert Stifter. Oberplan bildet den Ausgangspunkt zu einem Besuche des Plockensteinsces. Dieser rmgs von Tannen und Fichten in urwäldlichen Formen umgebene Hochsee liegt ca. 5000 Fuß über dem Meeresspiegel und . . r umsaht nahezu ca. au Acres, n inner erhabenen Ruhe und majestätischen Einsamkeit macht er auf den Zuschauer einen düsteren, träumerischen Eindruck. Stifter sagt von ihm: Auf diesem Anaer, an diesem Wasser ist der Herz schlag des Waldes ." Hoch über dem See. auf steiler Felswand, rag! zwischen kräftigen Tannen und Fichten ein Granitobelisk empor, Stifters Denkmal. Von hier erreicht man in zwei Stunden den ca. 4350 Fuß hohen Dreisessel bcra. Seine Spitze bildet eine male tische- Felsaruppe. Einer Sage- nach sollen einst die Regenten von Vöbmen. Bayern und Oesterreich die auf : der Platform sichtbaren eingemeißelten Vertiefungen als Sessel bei einer Berathuna benützt haben. Eine entzückcnde Fernsicht von der durch eine Sterntreppe leicht erreichbaren Plat form mag den Touristen für den etwas anstrengenden Ausstieg vom See ent lohnen. Von Oberplan führt der Weg an dem freundlichen Markte. Wallern vorbei nach Prachatltz. ' dem .Klein Nürnberg" des Böhmerwaldes.' Seine noch erhaltenen Baudenkmäler, die zahlreichen alterthumlichen Patrizierrennet mit ihren vorspringenden Gle i be!n und Erkern, die g:w altigen, wap

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pengezierten Basteien zahlen von ein stigen Tagen des Reichthums und Glückes. In der That war auch Prachatitz im Mittelalter als der Ausgangspunkt des güldenen Steiges", eines berühmten Handelsweges, der nach Passau führte, der Hauptort des Handels im

südwestlichen Böhmen. Im Hussitenkriege, dann im dreißigjährigen Kriege wurde der Stadt hart mitgespielt. Den Rmqplatz Ziert das über und über mit theils allegorischen, theils biblischen Freskobildern und Inschriften bemalte Rathhaus. Es t ein deut scher Renaissancebau und wurde 1571 an Stelle des Rosenberg'schen Schlos ses erbaut. Heute lst es der Sld von kaiserlichen Behörden. 9!ene Unruhen. Die Lage in Kreta ist noch immer nicht zufriedenstellend, trotzdem der Sultan bei Ernennung des neuen General - Gouverneurs Georgi Pascha Verowitsch die Wünsche der Mächte berücksichtigt hat. Dieser ist Albanese von Geburt, aus angesehener Familie ln Skutari stammend, christlicher Rellglon und hat sich als Fürst von Samos die Sympathien der dortigen griechischen Bevölkerung erworben. Nach Kreta kam . er zu Beginn des Aufstands, und obwohl er sich alle Georgi Pascha Verowitsch. Mühe gab, die Gegensätze zwischen Mohammedanern und Christen auszugleichen, wurden seine Bestrebungen durch die Einflüsse in Constantinopel lahmgelegt. Man hatte ihm einen Militargouverneur in der Person Abdullah Paschas zur Seite gestellt, der seinen Weisungen nicht gehorchte. Diese Zwitterstellung hört nach der neuen Verfassung auf. Für die Gensdarmerie hat man Montenegriner oder Albanesen in Aussicht genommen, als Officiere Europäer. KeinVergnügen. Commis: Herr Principal, ich komme mit meinem Gehalt nicht mehr aus. Principal: So, und wieviel geben Sie für Vergnügungen aus? Commis: Nichts, garnichts. Principal: Machen Sie mir doch nichts weis. Sie haben " ja gestern Abend noch Scat gespielt. ' Commis: Ja. nennen Sie denn das ein-Vergnügen, wenn man beständig verliert?! - Bescheiden. Frau: Aber Anna. Sie wissen doch, daß es heute Gansbraten giebt, und kochen dazu so wenig Kartoffel!" - Köchin: GmT Frau, wenn, ich genüg Gans hab', brauche ich keine Kartoffel und für'n gnä' Herrn und Sie reichen s' schon!" Zweideutige Antwort. Maler: Nicht wahr, dieses Bild ist mir vortrefflich gelungen sieh' nur den wilden Stier hinter dem Baume, wie er blutgierig zum Sprunge ausholt so natürlich, wie? Freund: Ja, man möchte gleich davonlaufen! .Mütterliche' Besorg n i ß. Tochter (Braut): Du Mama, Bruno hat mich gebeten, ihm nur ein nziges Mal - Modell zu sitzen. Mutter: Daß Du Dich nicht unterstehst er läßt Dich dann schließlich ein für alle Mal sitzen. Ein. kleiner Irrthum. Nachtwachter: Welcher Höllenscandal! Die Fenster zertrümmert, alles hier kurz und klein, hier hat eine Explosion stattgefunden, Sie sind Anarchisten. Bemmchcn: A ch nee. mei Kutster! Wir haben rni nur Ge Geburtstag gefeiert und da bin ich in's Fenster, August mit'n Tisch um und Wilhelm in'ö Bette gefallen!

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Aus Atschin. Schon seit mehr als zwanzig Iah-', ren liegen die Holländer im Kriege mit den Atchinesen, einer Völkerschaft im Norden Sumatra's, und noch immer ist es nicht gelungen, einen dauernden Friedenszustand herbeizuführen, ja seit einiger Zeit ist wieder heller Aufruhr im Lande, und dieser zwingt die holländische Regielung zu umfassenden militärischen Actionen. Es war im Jahre 1873, als auf Veranlassung der Engländer zuerst die Kriegsfackel von den Holländern entzündet wurde, um dem von den Atchinesen betriebenen See- und Menschenraub ein Ziel zu setzen. Als im Jahre darauf General van Swieten siegreich vorgegangen war, gelang es, -die Hauptstadt Kota Radscha einzunehmen und den Sultan

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,i. 'i ct trt a -l 1 ' W L "iV TT. T ,n ',T5fi r m 'rV i r c rrw v " . v& n. ? . w ' siVTLJ ifc" Fort bei Kota Radscha. zu vertreiben. So war denn zunächst die Kriegsfackel erloschen, aber unter der Asche glomm der Funke weiter, um von Zeit zu Zeit von Neuem wieder hell aufzuleuchten. Jahraus jahrein mußten die Holländer auf der Hut sein; überall im Lande legten sie BeFestigungen an. und namentlich Kota Radscha selbst wurde mit einer doppelten Kette von Forts (Bentengs) umgeben. Der holländische Staatssäckel mußte jährlich eine bedeutende Summe zum Unterhalt des Kampfes liefern, und, schlimmer noch als das, der Krieg forderte unausgesetzt schwere Opfer an blühenden Menschenleben. Nach und nach erlahmte wohl der Eifer der Holländer ein wenig, und man gewöhnte sich im Mutterlandc daran, die jährlichen Opfer zu entrichten erheischten doch auch in dem ausge dehnten Colonialbesitze ernstere Ereignisse ein energischeres. Vorgehen. So wurde denn in den letzten Jahren eine 6. M o s ch e e i n K o t a R a d s ch a. etwas lauere Politik betrieben, und man hielt es für richtig, die Hilfe des einflußreichen Häuptlings Tuku Umar für sich zu gewinnen. Ehren auf Ehren wurden auf das Haupt dieses schlauen Eingeborenen gehäuft, ' und man erlangte auch wirklich eine Zeit lang unleugbareVortheile und verhältnißmäßige Ruhe; doch die Stimmen, die längst schon vor der Arglist Tuku Umar's gewarnt hatten, sollten Recht behalten, denn neuerdings kam plötzlich die alarmirende Nachricht von dem frevelhaften Verrath des Häuptlings. Sofort machte man in Java ein Expeditionscorps mobil, das man unter den Befehl des Generals Vetter stellte, der vor Jahresfrist erst die Aufständischen in Lombock siegreich zu Boden geworfen hatte. Inzwischen - ist dieses Corps in Atschin gelandet und hat die kriegerischen Actionen begonnen; leider hat General Vetter durch einen Unfall einen Schlüsselbeinbruch erlitten. Die Atchinesen sind große, kräftige Gestalten, in ihrer Hautfarbe dunkler als die übrigen malaischen Bewohner Sumatra's. Ihr Gcsichtsausdruck ist, ihrem Charakter entsprechend, wild und verwegen. Eine weitere Eigenschaft der Atchinesen, die die Holländer oft genug erfahren haben, ist Heimtücke und Grausamkeit. Seitdem Kota Radscha sich in holländischem Besitz befindet, haben die Atchinesen keinen neuen Sultan gekrönt, da diese Ceremonie nach altem Brauch in der Hauptstadt selbst vorgenommen werden General Vetter.' muß.' Um sich vor Ueberfällen ihrer heimtückischen Feinde zu schützen, haben die Holländer Kota Radscha mit einer ganzen Anzahl von' Bentengs (Fort) umgeben, von denen ein jedes j eine Besatzung von 50 bis 150 Mann j hat. Die Umwallung besteht aus einer j Palllsadenmauer aus 4 Zoll dickem Eichenholz. . Jeder Bcnteng hat eiserne Bastionen die mit je einem Geschütz armirt .sind, " Die Mannschäftsräume liegen hart an der Pallisad,nmauer, so daß - - die Soldaten 'bei nächtlichen Ueberfällen sofort ihre 'Stellungen an derselben einnehmen können. RingS um denBenteng ist AlöeqraS gepflanzt.

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dessen außerordentlich starke Stacheln! an on Kanten und Svikm der WU ' " .' ; ' ., '

ter jede Annäherung unmöglich machen. Auch gelingt es infolge des großen Saftgchalts der Pflanze nicht, sie durch Feuer zu zerstören. Die'Holländer haben dieses Schutzmittel ihre, Festungen von den Atchinesen selbst übernommen. Der Verkehr zwischen den einzelnen Bentengs und Blockhäufern geschieht mittels einer von den Holländern gebauten Ringbahn; eben so. wie auch eine Eisenbahn Kota Radscha mit dem 5 englische Meilen ent fernten Hafenplatz Oleh-leh verbindet.

Ein neues Fahrrad. Auf der Schweizer National-Aus-stellung zu Genf hat der Erfinder Ch. Challand dem Publikum ein neues, eigenartiges Fahrrad vorgeführt, welches die zur Zeit im Gebrauch befindIichen Bicycles angeblich weit übertrifft. La Bicyclette Normale", wie der Erfinder seine Maschine nennt, soll dem Fahrer größere Sicherheit, vollLa Bicyclette. kommne Bequemlichkeit, gesunde Haltung und Entwickelung bedeutenderer Schnelligkeit ermöglichen, weil die Maschine mit einer Rückenlehne versehen ist, gegen welche gestützt man die Beinmuskeln mit voller Kraft auf die Pedale wirken lassen kann. Bei den gewöhnlichen Fahrrädern ist dies nicht möglich, da bei diesen nur das Körpergewicht des Fahrenden als Triebkraft wirkt. Zur Rettung Schiffbrüchiger. Dem Ingenieur Wm. F. James in Denton, Tex., ist ein eigenartiges Rettungsboot patentirt worden, von welchcm man sich in Seefahrerkreisen sehr viel verspricht. Der nach Art der Walrückendampfer construirte Rumpf des Bootes, welcher in fünf Wasserdichte Compartments getheilt wird, hat zu jeder Seite ein bootähnliches Floß, welches das Kentern absolut unmöglich macht. In dem mittelsten Compartment befindet sich die Dampf Maschine nebst den zugehörigen Kesseln I a m e s' B o o t. und die Triebkraft wird durch eine in demselben Raum aufgestellte Pumpe geliefert. Durch diese werden bedeutcnd? Wassermassen in Röhren eingesogen und, je nachdem das Boot sich vorwärts oder rückwärts bewegen soll, hinten oder vorn mit großer Kraft ausgestoßen. Andere Röhren führen nach den Seiten der Flöße und durch entsprechende Strahlen wird das Steuern und Wenden des Bootes ohne Ruder ermöglicht. Aus den Compartments führen Thürme, die mit drehbaren Luken versehen sind, . nach der erhöhten Platform des Bootes. . Der Unterschied. A.: Hier stelle ich Ihnen meinen Bruder vor, der Kerl ist gar nicht so dumm, wie er aussieht A. (ihn unterbrechend): Mem Herr, das. ist eben der. Unterschied zwischen uns Beiden! Täuschung. 1 PL Ort st err Vummeioeraer lver m einer fremden Stadt einem Sängerfeste beiwohnte): Ah, das muß ich sagen, praktisch sind die Großstädter sogar ein Sprachrohr haben s' über den Hotelbetten angebracht'Protzenausahrt. Parvenu (zur Gattin): Sarah, was läßt Du Deine Blicke über die Fußgänger schweifen?!??alscn verstanden. A.: Meine Frau ist schrecklich, bei jeder Gelegenheit hält sie mir ihre Mitgift vor. B.: Das ist doch nicht schrecklich. Meine Frau ist darin ganz anders, die hält . ihre Mitgift fest verschlossen.

- Das Cchisscrhauö in Wcck. ' Zu den größten Sehenswürdigkeilen der alten Hansastadt Lübeck gehört dis in der Breitestraße belegene, im Jal, 1535 erbaute Schifferhaus. Es zeichnet sich durch einen stattlichen Treppengiebel aus. der eine prächtige, eine altes Hansaschiff darstellende, stark vergoldete Windfahne trägt. Gegen das Eckgebäude an der schmalen, nach der Trave sehr steil abfallenden Engelsgrube stützt es sich durch drei kräftige Steinbogen, wie solche in Lübecks Querstraßen sehr häufig anzutreffen

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Das Schifferhaus. sind. Durch einen Windfang betritt man das Parterre des Hauses und erschrickt fast, denn man sieht sich unvermuthet einem Schiffsjungen gegenüber, welcher mit der linken Hand auf eine Sammelbüchse zum Besten. armer Schifferwittwen hinweist. Diese ganze Diele bildet einen großen Raum, dessen Wände in der unteren Hälfte getäfelt. in der oberen mit DecorationsMalereien aus der biblischen Geschichte verziert sind. Das lange Gebälk der Diele wird in der Mitte durch einen Unterzug getragen, der auf drei mit einfachem Schnitzwerk verzierten hälzernen Pfeilern ruht, welche die Iahreszahl 1535 aufweisen. Dem Eingange gegenüber, an der Fensterwand, ist der erhöhte Sitz der Aelterleute; von diesem aus sind drei Reihen langer Tische zu übersehen, welche aus starken eichenen Bohlen so fest gefügt sind, daß die Jahrhunderte an ihnen keine Spuren hinterlassen haben. Zu beiden Seiten der Tische stehen Bänke mit hoher, getäfelter Rückwand und Hervoragenden Ohrenlehnen, welche die geschnitzten Wappen der verschiedenen Schiffercollegien, wie Bergenfahrer, Schonenfahrer, Rigafahrer und so weiter in heraldischem Farbenschmuck zeigen. Am Gebälk und an den Pfeilern des Hauses hängen allelei Gegmstände, namentlich Schiffsmodelle älterer, mittlerer und neuerer Zeit, darunter die von vier Lübecker Kriegsschiffen. Am mittleren Pfeiler ist das auf Holz gemalt: Bild des letzten lübeck'schen Admiralschiffes Adler-, an gebracht, welches 37,500 lübecksche Mark kostete. 109 Ellen lang. 26 Ellen breit war und eine Größe von 1000 Lasten Salz hatte. Die Inschrift besagt, daß dieses Bild hierher gestiftet ist von der Schiffergesellschaft, einem Hochedlen Rath und Kaufleuten, so dieses Schiff bauen lassen, zum Andenken. 1566 .Aus den Planken dieses größten Kriegsschiffes der Lübecker sollen die vorher erwähnten siarken Tischplatten hergestellt sein. Schiffsmodelle. Auf die , ursprüngliche Bedeutung dieses Raumes als Versammlungsfiätte der Seeleute weisen zwei Statuttafeln hin. Die eine hängt, dem Sitz der Aelterleute gegenüber, unter einer Strebe, die in derbem Schnitzwerk eine Figur mit weit aus dem Munde gestreckter, tief gespaltener Zunge zeigt. Es ist die Tafel für Widerhaarige mit folgender Inschrift: Die Nachfolgende hebben die Hausse Broderschop bewilliget. Det disses Huses Gerechtichkeit nich will dohn ahne Kiwen, den schall man op disse Taffel schriwen unde schall dar so lang op stahn. dat he disses Huses Terechtichkeit hefft gedahn. Beer tappen schall men ehm hier nicht, so lange dat he sine Secke hefft maket schlicht. Anno 1580.- Dieses einfache, trotz des Ernstes sogar humorvoll in Versen abgefaßte Mittel dürfte vielen Vereinen zur Nachahmung zu empfehlen sein. Die Inschrift der andern Tafel trifft Anordnungen für die abendlichen Ver sammlungen und zeugt davon, daß schon vor Jahrhunderten dieser Raum im Schifferhause eine sehr beliebte uud von Fremden vielbesucht: Gäststube war. , i LeichteArbeit. Nun, was treibst Du jetzt. Müller? Jc" sammle! Was? Meine Geda ken. Da hast Du eine leichte Arbe . Du hast immer Schwein gehabt! Gesteigerte Leistur fähigkeit. Herr (zu einem.' ben, der jenem etwas vorrechnet' ' kannst ja schon recht tüchtig rech . Knabe: Ja,da sollten S' mich c' mal essen IHm . !