Indiana Tribüne, Volume 20, Number 38, Indianapolis, Marion County, 25 October 1896 — Page 3
äSSa&iC
Revanche! Von A5,5äkder ZZaron von lUßtxts.
i (15. Fortsetzung und Schluß.) Zeunns Tod vernichtete alle Plane Wahls. Fortan sollte die deutsche Chappseide in Paris geächtet bleiben. Deren Fabrikation wurde eingestellt, ein großer Theil dn Arbeiter mußte entlassen werden. Nur langsam und nach manchen vergeblichen Versuchen gelang es Wahl, für seine neuen Fabrikate neues Terrain zu erobern, und es war hart, zu sehen, wie der alte Herr sich abmühen mußte wie ein Anfänger in diesem scharfen Kampf um die Ehre und die Behäbigkeit des Daseins. Eine Zeitlang schwebte die Firma über dem Bankerott. Doch jetzt begann der Rauch aus den Essen der Fabrik wieder voller und zuversichtlicher zu quellen, und das schwindsüchtigte Keuchen der Maschinen ward wieder durch einen gesunderen und kräftigeren Athem ersetzt. Damit zog auch neue Lebenshoffnung durch die bange Stille der Mülhermer Villa. Auch Gertrud, die hier nebst Frau Zeuner ein Asyl gesucht und gefunden, begann endlich wieder aufzuleben. Die grauenhaften Schicksalsschläge hatten ihre Jugendblüthe geknickt, und ein langes Si:chthum, dem die Aerzte zumeist kopfschüttelnd geoenübertraten, nagte an ihrer Lebenskraft. Alle im Hause, und wer mit ihr in Berührung kam. wetteiferten in dem Bestreben, sie mit liebevoller So?ge und Duldung zu umgeben. Allen voran Frau Zeuner. Ihre starke und gesunde Natur hatte sich aufzurichten gewußt aus dem unsagbaren jähen Leid hatte sie doch keine Zeit; sich von dem eigenen Schmerze unterjochen zu lassen. Sie ging völlig in Gertruds Pflege auf. und man gewährte ihr neidloZ diesen Trost. Den beiden Frauen widmete Margret ihre rührmde Treue. Gehörte sie nicht zu ihnen? Es war fast köstlich zu sehen, wie sie sich zu verdoppeln schien in ihrem Eifer, damit keine der beiden, denen sie durch das ungeheure Schicksal für das Leben verbunden war, in dem Maß ihres aufopfernden Dienstes beeinträchtigt würde. , Nun, da Gertruds Wangen wieder zu blühen und die kindlich blauen Augen Frau Zeuners sich wieder Heller zu beleben anfingen, durfte sie einen Theil ihrer Unermüdlichkeit auch wieder der eigenen Häuslichkeit zuwenden. Ja. sie gewann sogar Zeit, ihrem Manne, dem früheren Jülicher Füsilier, der in der Fabrik beschäftigt war und sich dort zu einem Vertrauensposten aufgeschwungen hatte, mit einem zweiten Knäblein zu beschenken. Von Paris und den Franzosen, von der Nevanche kein: Silbe. Alle im Wahl'schen Hause wachten ängstlich darübe:. daß diese Worte nicht bis in die Nähe der beiden Frauen vordrängen, als wenn man selbst jetzt noch von dem leeren Hall ein Unheil befürchtete. Auch gelegentliche Besucher befleißigten sich dieser Vorsicht. So Sir Nowland. Er war gründlich von seiner Friedensmanie geheilt, reiste nicht mehr und verwendete den Rest seines Vermögens, den die Friedenspropaganda nicht verschlungen, zu wohlthätigen Zwecken. Doch mußte er sich für die grübelnde Unruhe seines Geistes Ablenkung verschasfen, und er begann sich auf die systematische Abfassung poli-tisch-sozialer Broschüren zu werfen, die auf dem Büchermarkt mit Achselzucken , beifeite geschoben wurden. Nur eine gewisse Broschüre weckte einiges Aufsehen, und ihr Auszug machte sogar die Nunde durch deutsche und ausländische Zeitungen. Sie war betitelt: Der Wagen" , und enthielt eine phantastische Beschreibung des berühmten indischen Dschagannaut-Fe-sks. auf den von politischen Leidenschaffen zerwühlten französischen Boden übertragen. Auf dem ungeheuerlichen fünfundzwanzig Meier hohen Wagen, der auf seinen sechzehn Rädern fortbewegt wird, sieht man an Stelle des indischen Riesengottes Dschagannaut den nationalen Modegötzen der Franzosen, die Revanche, thronen. Fort und fort strömen die vom Wahne des Götzenkultus erregten Pilger herbei, um an dem Magen des Allgewaltigen ziehen zu helfen und ihm die Verehrung und ihre Opaben darzubringen. Uebermäch "rt die Begeiste- , r r . i rung. lavaarn y oic sanan sche S2 'Zerren $y i s -l l t l. r i. , Jd l da i. 4. Bit , bkk Ja uch titflf Dsk i Wäsche Wu!,Xr. Er i jitt ä&uw (
MölciiB efntdjl.: Erzählung von Henning van Horst . Erstes Kapitel. ?
Sanfte Traumbilder ' umschwebten meinen Geist. Das Schönste und Aeste, das ich je gekannt, das Elternhaus, hatte mich aufgenommen. Die Mutter, . ,ri r n r . .1 vle 2tasniti, iie verzogen rnicg um die Wette, der Vater, der ernste und pflichttreue Kaufherr, wich nicht von meiner Seite, ließ meine Hand nicht aus der seinigen, obgleich die Stunde des Comptoirs längst geschlagen hatte. Ich aber erbebte vor Wonne und Entzücken, ich konnte es gar nicht fassen, all dieses Glück! Da ward ich zur rauhen Wirklichkeit geweckt durch ein leises Rütteln an der Schulter. Ich öffnete die Augen und bei dem Schein einer schlechten Kerze sah ich den langen 'Hansen über mich gebeugt, der mit seiner schnarrenden Stimme mir zurief: Dat is hoge Tied. De Klock is fief vörbi.Wohl wußte ich damit, daß die Eile so sehr groß noch nicht war. Der lange Hansen war der nervöseste Kerl , der ganzen Korporalschaft, und im Punkte des rechtzeitigen Kommens waren sie es doch alle mehr oder weniger. Hansen aber gehörte zu den wenigen, die so verständig gewesen waren, ihre Uhr mit ins Feld zu nehmen, und er machte einen wohlthätigen Gebrauch davon. Er war mein und meiner Leute lebendiger Wecker, wenn wir einmal das Glück hatten, in schauriger Winiernacht nicht auf Feldwache zu ziehen. Er trug stets Streichhölzer in der Ta sche. und wenn die Korporalschaft fchlief. in einer Scheune, einem Stall, auf dem backsteinbelegten Boden der Küche eines Bauernhauses, wie beispielsweise heute, so brannte er mindestens stündlich eins davon an. um nach der Uhr zu sehen und die Zeit nicht zu vergessen. t Da lagen sie wie die Heringe nebeneinander, die armen Kerle, auf den harten, mit spärlichem Stroh bedeckten Steinen, den Tornister unter dem Kopfe, mit den Füßen so nahe wie möglich an das noch glimmende Herdfeuer herangeschoben, daß man sich wunidern mußte, wenn das Stroh während der Nacht in Brand gerathen war.' Hunger und Erschöpfung infolge übermenschlicher Strapazen hatten sie in einen bleiernen Schlaf versenkt; dabei waren mehrere von ihnen fiederkrank, ganz wohl war keiner. Ans, auf!" hieß es jetzt, zum fröhlichen Jagen" auf Menschen, wie wir es waren, die uns persönlich nie etwas Böses gethan, die wie wir keinen sehnkicheren Wunsch im Herzen trugen, als den, mit uns in Frieden zu leven. Schnell war es lebendig geworden in dem engen Raume. Das Feuer wurde neu entfacht, einige-Feldkessel daran gestelll. um den Kaffee zu kochen, der mit den spärlichen Brodresten vom Tage zuvor unser Frühstück bilden sollte. Die Bewohner der elenden Hütte hatten uns auf die Frage nach Nahrungsmitteln ihr bekanntes "Oh Messieurs, rien du tour, du lout, du tour!" entgegenHejammert. und unsere besten Spürnasen hatten leider festgestellt, daß sie die Wahrheit sagten; ratzenkahl hatte der Krieg jene Gegend bereits gefressen, als unser niederdeutsches Regiment um die Iahreswende dort hindurchzog. Wie einen Trupp Nachtgespenster führte ich meine Leute an den Ausgang des Weilers. Präzise . um drei Viertel sechs Uhr stand die.Komvagnie dort versammelt, im 'Stockfrnstern zählte der Feldwebel seine Leute. Alle neunzig Mann waren richtig beisammen so viel hatten Ehassepotkugeln und Krankheiten, von den ursprünglichen zweihundertsünfziq übrig gelassen. Flüchttg schüttelte ich Freund Petersen die Hand, da erschien auch schon der Führer, Premierlieutenant N.. aus sei-! nem erbeuteten Schimmel, und die Truppe setzte sich in Marsch. In einer Viertelstunde stießen wir auf der gro ßen 'Straße zu den drei übrigen Kompagnien deS Bataillons, um tm Verein mit einer Schwadron Dragoner und einer Batterie als Seitendeckung der Division gegen die Stellung deZ Feindes vorzurücken. Der Morgen graute. Der feine. Re gen des FkstrigenTages, von dem un sere, Uniformen noch nicht getrocknet, toar stärker geworden, nicht lange dauerte es, so hatten wir keinen trockeeen Faden mehr am Leibe. Doch nun mußte wohl der Wind nach Norden herumgehen, denn es mischten sich Schneeflocken zwischen die Wassecfä. den. Bald nach Tagesanbruch ward es kalter und kälter, und wir marschirtcn im lustigsten Schneetreiben, während die Felder sich mit einer dichten weißen Decke, einem . ungeheuren LeiIchentuche. überzogen. Nur die Straße 'blieb zunächst noch kokhig, und aus meinen durchlöcherten Stieseln spritz.ten bei ftidem Schnitte kleine Schlamm,'fontänen hervor. i Kanonendonner zur Rechten unserer r 1 C . , v.i. . r i .' üustßc veilunoeie, vag man oorl oereits an den Feind heran war. Jetzt knatterten auch dicht vor uns Gewehrschösse. Ls wur gegen Mittag, wir hatten ununterbrochen marschirt. Wir kamen an ein erschossenes Dragonerpferd, das mit einer großen Blutlache den Schnee färbte; dann pfiffen auch uns die blauen Bohnen über die Köpfe hinweg, wahrend wir rm Schneezestö. ber nur undeutlich die Umrisse eines größeren DorseZ vor uns erkennen konnten. Wir machten Halt und nahmen Deckung, die an der Spitze marschirm pt Kompagnie schwärmte aus. Mer diel war nicht zu machen. Da klärte es sich auf, das Schneien ließ fast plotzlich nach, der Schnee lag schon fuß
hoch. Es war strenger Frost eingehe ten, und die "durchnäßten Kleider gefroren zu Panzern aus Eis. Unsere Artillerie machte sich den Umschwung des Wetters zu stütze und begann von einer Anhöhe aus Granaten in. das Dorf zu werfen. Wie aufgestörte Ameisen sahen wir die Franzosen es räumen, sie hatten es sehr eilig damit, um sich dann aber auf einem jenseits des Dorfes gelez;nen flachen Hügel hinter Hecken und Gräben festzusetzen. Vom Gros der Division scholl immer heftigerer Kanonendonner herüber. Wir gingen vor in den Ort hinein, zwischen den Häusern, hindurch und drangen in Schützenschwärmen gegen den Feind. ; Doch der prasselnde Hagel eines übermäßigen Ehafsepotfeuers brachte uns bald zum Stehen. Dazu schlugen uns vor Frost die Zähne zusammen, der Magen krumpfte sich, da wir seit Tagen nichts Ordentliches genossen hatten. Bald lagen wir auf dem Bauche im Schnee und hantirten mit den eingefrorenen Gewehrschlöffern, bis sie endlich loSgingen. Geradezu mörderisch wurde das Geknatter der Ehassepots, zischend furchten ihre Geschosse den .Schnee.- TacU" ging eö neben mir ein so eigenthümlich scharfer Ton, daß ich ihn nie vergesse; lautlos, mit durchbohrter Stirne war mein Nachbar zurückgesunken. Jetzt sprangen wir auf und stürmten vortoärts, um uns sogleich von neuem hinzuwerfen. Aber ehe das möglich toar ein zweiter unheimlicher Ton neben mir ein deutliches Buff!" und mit rasendem, gellendem Aufschrei drehte der lange Hansen sich um sich selbst und stürzte zusammen, die Spitzkugel war ihm durch den Unterleib gefahren. Wieder ging es vortoärts durch eine kleine Mulde, dann lagen wir von neuem platt am Boden. Das beiderseitige Feuern hielt an, wir hatten uns förmlich ineinander festgebissen, endlich ward uns Luft gemacht durch einen Seitenangriff von der DiVision her. der Feind räumte das Feld, im Abziehen noch, lebhaft von den Geschützen unsres Detachements mit Grarmten beworfen. die sausend über unsre Köpfe dahins'.'hren. Die Sonne ging zur Rüste, blutig und fahl. Ihre letztenStrahlen glitzerten über die Schneedecke, von der sich als dunkle, zerstreute Klumpen die Körper der Gefallenen abhoben. Nur aus der Ferne tönten noch vereinzelte Schüsse, ein . Gehöft zur Rechten brannte lichterloh. Wir waren auf die Straße zurückgekehrt, hatten die Gewehre zusammengesetzt und trampelten mit den Füßsn, um die Plutzirluiliation etwas anzuregen; glücklich, wer noch einen Tropfen Eognak in der Flasche fand! Ich empfand ein unendliches Ruhebedürfniß, Hunger verspürte ich nicht mehr. Dennoch erquickte ein Stück Schokolade mich sehr, das Karl Petersen mir zusteckte. Unser Bataillonskommandeur hielt wie eine Statue aus seinem Gaul. Da kam langsam der Divisionsgeneral mit seinem Adjutanten herangeritten und sprach eifrig in den Major hinein; ich sehe es noch, wie er mit der Hand einen Bogen beschrieb und dann nach Südosten wies, und gleich darauf setzte sich das Bataillon wieder in Marsch. Wir bogen von der am Waldrande entlang führenden Hauptstraße in einen Nebenweg ab. der fo schmal 'war, daß wir zu zweien nebeneinander laufen mußten. Der Weg schien nicht enden zu wollen. Die Dunkelheit brach herein und wir trippelten immer weiter. Der Himmel war klar, doch mondlos, die Sterne funkelten unheimlich, wie sie es bei grimmiger Kälte zu thun pflegen. In der Ferne zeugte der verglimmende Schein mehrerer Feuersbrünste von der Schreckensardeit des Tages. Jetzt ging es durch eine tiefe Schlucht, in welcher der Schnee sich angehäuft hatte, immer im Geschwindschritt. Als wir wieder auf ebenes Feld kamen, hoben sich vor uns in dunklen Umrissen die schwerfälligen Gebäude eines Dorfes vom Nachthimmel ab. Vorne ward .Halt!" kommandiri; wir bemerkten, daß der Major mit dem Hauptmann der ersten Kompagnie gegen das Dorf ritt. Gottlob, da kamen wir doch un-. ter Dach und Fach! In wenig Minuten kehrten die Offiziere zurück. Ganz leise hieß es: In Halbzüge aufmarfchiren! Die Fahne an' die Queue! Marsch! Der Befehl ward von Glied zu Glied weiter gesagt und hätte auf dem Exerzierplatze nicht exakter befolgt werdm können, als hier im Dunkeln vor dem Feind. Mit verhaltenem Athem stapf ten wir vorwärts. Da rief der Major mit Donnerstimme: Cente, das Dorf vor uns ist besetzt. Nehmen wir es heute Abend, so ist's morgen nicht mehr öchig. ZaM das Gewehr! Marsch n:arsch hurrah!" Unier dem Anschlagen der Tam bours erhoben wir ein Gebrüll, als hätte die Hölle vierhundeci Teufel auscespieen, und rannen in die Dorfftraße, wo die Franzosen in hellen Haufen standen. Die Feinde hatten ihre Gewehre zusammengesetzt und wurden gertfde zu Feldwachen abgetheilt. Wie geläbmt vor Schreck standen sie da. ohne lich zu regn. Wrr rannten ihre 1ewehrbocke über den Haufen, ehe sie danach greifen konnien, der voranschreitende Tambour schlug mit dem einen Trommelstock auf die Trommel, mit dem andern auf die Franzosen. Wir machten schließlich die ganze Gesellschaft zu Gefangenen, ohne daß, glaube ich, Blut vergossen wurde. Ein Bursche erhob gegen mich die Waffe; da packte ich ihn mit der Linken in der Rechten bielt ich das Gewehr fo derb an der Schulter, daß er sie fallen ließ, unld rieth ihm. solch' gefährliches Spielzeug lieber nicht mehr anzurühren. Er war offenbar ganz verwirrt, daß er auf fraruSsssch anaedonnert
wurde, und rief klagend: Ach, niein Herr, was wird aus uns werden?" Ihr werdet eine kleine Vergnügungsreise nach Deutschland machen." entgegnete ich lachend und schob ihn nach rückwärts. Es guckte gerade die Scheibe des Mondes über den Horizont und ließ mich die Gestchtszüge meines Gesängenen deutlich untersckeiden. Ju weiterer Rede war keine Zeit mehr. Wie wenn eine Reihe von Maurern sich Ziegelsieine zuwirft, so wurden die Gesängenen auf das geschwindeste nach der Oueue des Bataillons befördert, gleichsam von Mnnn zu Mann' weitergegdbhu Es vollzog sich der ganze Akt wie e'm Fastnachtsscherz, wie eine ein siudirte Sache. :' Aber der furchtbarste Ernst lauerte dicht dahinter.' Die von uns gestürmte kurze Dorfstraße mündete auf einen Platz, welcher dicht angefüllt war mit Feinden, die nach der ersten Panik sich zum Kampfc. ordneten. Sie zählten nach Tausenden. Eine Abtheilung ging gegen uns vor und überschüttete uns mit Ehassepotkugeln, die bei dem unsicheren Mondlicht ihr Ziel meistens verfehlten. Doch es war keine Zeit mehr zu verlieren. " .Der Major galoppirte zurück und ließ die beiden hinteren Komvagnien Kehrt machen, um im Geschwindschritt die zweihundert Gefangenen aus dem Gefecht zu führen, während mir übrigen - uns mit heftigem Bajonettangriff dem Feinde entgegenwarfen, um jenen Luft zu machen. Wiederum stürzten wir mit betäubendem Hurrah auf den Gegner, der an Zahl so weit überlegen war. Es war ein entsetzliches Ringen. ' Hier bohrte sich der, Stahl bis an's Heft in den Leib eines Feindes, dort sausten die Kolben hernieder, zerschmetterte Schädel erkrach ten. Bei dem allem unterhielt ein Theil der Franzosen ein wüthendes Gewehrfeuer, das war unser Glück, ward unsre Rettung. Denn die Feinde feuerten aufeinander. Die, mit denen wir zu ringen hatten, glaubten sich im Rücken angegriffen und gaben uns frei. Wir benutzten den Augenblick, Svandten uns, und es gelang, unsre Kameraden einzuholen. Man verfolgte uns nicht, da man unsre Zahl offenbar überschätzte. Aber die Hälfte der Leute ließen die beiden Kvmpagnien auf dem Kampsplatze zurück. So marschirten wir mit unsern Gefangenen den langen Weg zurück, durch die Schlucht,- am Waldrande vorbei bis an das Dorf, neben wclchem wir am Tage gefochten. Hier wurden die Gesanmen auf einer schneebedeckten Koppel in ein Knäuel zusammengetrieben, und wir bildeten um sie, daS Gewehr bei Fuß; einen lebendigen Zaun. In dumpfer Apathie harrten wir der , komntenden Dinge. Ob man uns zu essen und zu trinken bringen würde? Ob 'man uns vergessen hatte. 'uns stehen und frieren lassen würde in der bitterkalten Januarnacht? Es hatte den Anschein danach. Der Mond stand jetzt hoch am Himmel und versilberte, die , krystallschrm mernde Fläche. Es war den Leuten gelungen, etwas Holz zu finden und em Feuer anzuzünden, .um da5 wir , uns drängten, so weit es anging. Auch von den Gefangenen suchten sich einige dem Feuer zu nähern, doch. wurden sie zurückgejagt. Ich tauschte einige -resignir-te Worte Nlit Karl Petersen. meinem liebsten Kameraden, meinem treuen Freunde von der Schulbank her. über das Thema, wie lange , wir dies Leden wohl noch , würde.! aushalten können. Da vernahm ich die Stimme des jungen Menschen, oen ich bei der ersten Attacke zum Gefangenen gemacht hatte. Mein Herr," bat er, wenn Sie es möglich machen können, so bitte ich Sie, diese Kart: an die darauf geschri?bene Adresse zu befördern. Möge der Himmel es Ihnen lohnen." Dabei reichte er mir eine Visitenkarte und wollte zu seinen Genossen zurücktreten. Der arme Kerl dauerte mich, er zitterte am ganzen Leibe vor Kälte. Ich reichte ihm den kkinen Rest Kognak in meiner Flasche, den er annahm und austrank. Niemals im Leben hat mich ein so dankbarer Blick getroffen, wie aus den Augen dieses Gefangenen. Ich hielt die Karte ans Feuer, es stand darauf lithographirt: "Pierre Leblond," und daneben mit Bleistift geschrieben: "A rnaiicmoisclle Marie SSclimitt, Chatelard. Je snia priBonnier et je pars pour la Prasse." Es schlug drei Uhr vom Kirchthurm herab. Da kam eine Ordonnanz des Generals und überbrachte den Befehl: Weil wir uns wacker gehalten, sollten wir die Gefangenen in der Kirche einsperren, uns selbst aber im Dorfe Quartier suchen. .Ja. das war leicht gesagt: alle Hau ser waren dicht besetzt; dennoch gelang es, ein paar leere Keller zu finden und dort unterzukriechen. Der Bestand der Komvaanie war-
von neunzig auf funfundfünfzlgMann gesunken. Mit Anbruch des nächsten Tages ging es von Neuem u den Kampf. 45 war die letzte große Schlacht ans diesem Theile des Kriegsschauplatzes. Alles ins Große, -Maßlose übertragen, was wir Tags zuvor imKleinen durchgemacht.. Das, Gewehrfeuer so heftig, dafe man den einzelnen ; Knall rncht mehr unterschied, sondern nur ' einen auf- vno abwägenden Ton hörte, wie rollenden Donner. Dazwischen das widerwärtige Geknatter der Mitrailleusen, die dumpfen Detonationen der Marinegeschütze, vle General ' Ehanzy uns gegenü'be ausgefahren hatte, und deren Granaten uns über den Köpfen hinw?gheulten, wie Jagdhunde, die den Mond anbellen. Hie und da ein heiseres Hurrah beim Sturm auf nne feindliche Position. Tod. Blut, Jamwer, Verwüstung überall; man begriff nicht, wie es möglich sein sollte, mit heiler Haut aus dicsemHezenkessel wie-
der herauszukommen. Und doch hatte unser Truppentheil während der 'eigentlichen Schlacht nur unbedeutende Verluste, trotzdem die Stimmung der Leute sich vielfach m den Worten Luft machte: Wenn mi doch blot ne Kugel drapen wull, dat dat en End hado." und ein aus der Schützenlinie gurllckzetragener Verwundeter rief: Juchhe! Jk hew en Schuß int Been, ik kam na Hus!" Wohl war das der elementare Ausdruck einer verzweifelten Stimmung, aber keine Muthlosigkeit. Im Gegentheil, die furchtbare Spannung, die sich aller Nerven des Sosdaten in der Schlacht bemächtigt, erzeugt einen unwiderstehlichen Drang nach Vorwärts, dem Feinde entgegen, und eine Haupt ufgabe des Führers ist es, diesen Drang auszunutzen, ehe er der Phvsisehen Erschöpfung und mit ihr der völligen Gleichgiltigkeit gegen alles, was kommen kann, gewichen ist. Wir waren abermals Sieger geblieben, damit w:r der Feldzug zu unfern Gunsten entschieden. Der Sieg dedeutete zugleich eine Wendung , zum Besseren in der eigenen Lage: von nun an hatten die schier übermenschlichen Anstrerogungen ihr Ende erreicht, und die Verpflegung der Truppen konnte wieder auf eine gesicherte Grundlage gebracht werden. Wir vermochten unsere Feldflaschen wieder zu füllen und aßen täglich unser Stück Fleisch. So kam es, daß im Bataillon wieder alles zuversichtlicher in die Welt hinausblickte. Ein besonders günstiger Stern aber erstrahlte mir und Karl Petersen. Durch Regimentsbefehl wurden wir beide zu Vizefeldwe'bkln befördert und sollten fortan Offiziers dienste thun. Hei, da waren wir durch!. Keine Flinte. kein schwerer Tornister mehr; das allein war schon unsagbarer Gewinn. Sogar ein Bursche zur Verfügung, der mich bediente was wollte ich mehr? Es ließ sich immerhin aushalten für einen gebildeten Menschen, einen Krieg in Offiziersstellung mitzumachen aber als Gemeiner oder Unteroffizier mich schaudert noch heute, wenn ich daran denke! Dann kam der Befehl, daß die Diviston Kantonnements beziehen sollte, und unser Bataillon erhielt zur Garnison das in der Nähe der Loire gelegene Städtchen Chatelard. Chaielard ich mußte den Namen schon zrgend einmal gehört haben, doch ich vermochte mich nicht mehr darauf zu besinnen. Zweites Kapitel. Wegen unserer Fertigkeit im Französischsprechcn wurden Kamerad Petersen und ich vom Major zu Quartiermachern bestimmt, es ward ein Bauernwagen requirirt, und lustig rasselten wir auf dem von schellendeHangenen Pferden gezogenen . Fuhrwerk an einem sonnigen Tage durch die freundliche Landschaft, demBataillon seine Wohnstätte zu bereiten. Nach etwa fünfstündiger Fahrt zeigte der Kutscher uns aus der Ferne unfern Bestimmungsort, der sich anmuth?g im Thale zwischen Rebhügeln und waldumsäumten Höhen hinzog. Chatelard Chatelard sicher, derName war mir bekannt; was war's doch damit? Karl," sagte ich zu Petersen, der, wie so oft. traumversunken dasaß. was ist's doch nur mit Chatelard? Ich habe sicher davon sprechen hören ist dort irgend ein Zusammenstoß vorgekommen?" Schwerlich," entgenete mein Freund, das Stadtchen liegt ganz abseits von der großen Route; wir sind die ersten Preußen, die es besetzen, bisher ist es nur von Kavalleriepatrouillen durchritten worden. Du hast den Namen wohl in irgend einem französisch.'n Blatte gelesen oder Du bildest es Dir ein, davon gehört zu haben." Es ließ nrir . aber keine Ruhe, ich grübelte nach. Plötzlich schlug ich mich mit der Hand vor' die Stirne und rief: Ich hab's!" Dann zog ich mein Notizbuch hervor und entnahm ihm die ganz vergessene Karte meines Gefangenen vom Vorabend der großen Schlacht. Richtig, da stand es: UA MademoiselleSchmitt, Chatelard." Ich lachte laut auf und reichte dem Kameraden die Karte. Erinnerst Du Dich nicht der Nacht des ..ten Januar, wie mir der junge Franzose diese Karte gab? Ich finde nun die schönste Gelegenheit, sie an ihre Adresse zu befördern." Jetzt entsinne rch mich auch," sagte
Petersen zögernd, aber, Bob, nimm mir's nicht übel, es war doch unrecht von Dir, daß Du die Karte nicht gleich besorgt hast jetzt ist mehr als eine Woche darüber verstrichen. Fräulein Cchmitt ist doch gewiß die Braut " Na, höchstens doch die boime amie, w?e alle diese Franzosenjünglinge sie haben," .unterbrach ich leichtfertig, und was hatte ich groß für Verpflichtungen gegen diesen Mr. Leblond, mir noch Mühe zu machen mtt der Beförderung seiner Kittet donx; vielleicht kann aber die Sache für uns einen netten Spaß abgeben. Ich laufe nun fchon so lange auf diesem fränkisehen Boden herum, und noch nicht eine Gelegenheit bot sich, ein bissel die Cour zu machen." Mit Annahme der Karte hast Du Dich allerdings verpflichtet, für ihre ungesäumte Beförderung zu sorgen," entgegnete Karl mit der Miene des Sittenrichters, und wenn es einFemd war, der Dich um diesen kleinen Dienst bat. so gilt das nodlesse odli? nur in höherem Grade. Auch ist es unrecht, wenn Du Dir die junae Dame gleich l als geeignetes Objekt für Deinen Zerij vertreib vorstellst." I Aber Karl." sagte ich ein wenig . inl dignirt, Du bist ja wieder einmal der
refne Jean qui pleure -reoe Doch keinenUnsinn! Ich bin fest entschlossen, mich in Chatelard so gut zu amüsiren, als es nur irgend möglich ist, der Ort liegt reizend, und wenn die jungen Damen halten, was ich mir von ihnen verspreche, so wünsche ich nur, daß wir recht lange dort bleiben, um ihnen daS vae victis auf unsere Weise klar zu machen."
Peterson sagte nichts mehr, er sah gedankenvoll vor sich hm. Für mrch aber gewann der Ort vor uns durch das merkwürdige Zusammentreffen ein erhöhtes Interesse. Fräulein Marie Schmitt beschäftigte meine Phantasie. Sie mochte allerdings wohl die Braut jenes Mr Prerre LMond sein, darin dürfte Petersen recht haöen. Allein, warum sollte mich das hindern, tbr recht tüchtig den öof zu machen? Wozu waren wir denn Feinde und Sieger und galante junge Männer dazu? Hier fand sich endlich einmal fiir ein paar deutsche Studenten Gelegenheit, sich von ihrer liebenswürdigen Seite zu zeigen, und ich sollte mir solche Ideen aus dem Kopfe schlagen, weil Karl Petersen sich in de? Laune befand, sie nicht für passend zu erachten? Da sollte er mich doch besser ken nen! Auffallend war der deutsche Name rm Herzen Frankreichs; doch wie viele französisch klingende Namen fanden sich nicht auch bei uns! Ob sie niedlich war? Es stand bei mir bomvensest, sobald ich nach der Ankunft in Chatelard Zeit fand,- mich durch den Augenschein darüber zu vergewissern, indem ich der Kleinen" die Karte versönlich überbrachte. Ich war wirklich gespannt auf sie, auch neugierig, wie sie den ?08tiIIon d'amour aufnehmen würde. Vielleicht war auch die Liebe aus irgend einem Grunde eine unglückliche, wer konnte das wissen? Waren sie aber wirklich in allen Ehren verlobt, die beiden Leutchen, ,dann wollte ich ihnen meine Protektion ge währen und kam mir nicht wenig wür devoll vor in der Rolle des Beschützers; damit konnte ja auch Petersen zufrieden sein. Am Ende fiel doch für mich eine Kleinigkeit dabei ab! Auf dem Leiterwagen vor uns saßen der Sergeant und die Mattnschaften. Beim Einfahren in die Stadt spannten die Leute ihre Gewehre und hielten die Mündungen auf die Häuser gerichtet. Doch der Ort zeigte das friedlichste Aussehen. Nur wenige neugierige Köpfe zeigten sich an den Fenstern, und eine Schaar Kinder folgte uns bis auf den Marktplatz, vor die Mairie. Den Hut in der Hand, mit ernsten Mienen, traten uns der Matte und sein Schreiber entgegen. Sie waren voller Besorgniß für das Schicksal deß Ortes und schienen geradezu verblüfft, als wir ns auf die Liebenswürdigen hmausspielten, bedauerten, den Herren so viel Noth machen zu müssen, und schließlich die Hoffnung aussprachen. wir würden während unserer Garirisonszeit gute Nachbarschaft halten und dermaleinst als Freunde von einander scheiden. Trotz dieses Honigs mußte das kleine Nest einen harten Bissen hinunterschlucken. Die Leute sollten mit Verpflegung einquartirt werden.' und wir wußten, wie nöthig unsere braven Bursche es hatten, sich in dieser vom Kriege noch nicht ausgesogenen Gegend einmal ordentlich herauZzupflegen Nachdem der Stab und die Herren Kompagnieoffiziere gebührend untergebracht waren, ließen wir es daher unsere ganze Sorge sein, auch die Mannschaften gut zu logiren. Die Väter der Stadt hatten an Massenquartiere in Scheunen und Magazinen gedacht und namentlich die Häuser der Honoratioren freihalten wollen: al lein, da ward ihnen ein dicker Strich durch die Rechnung gezogen. Die Soldaten wurden gleichmäßig auf die Familien vertheilt und selbst Wittwen und MademoifelleS bekamen ihren Mann, sofern ein gewisser Wohlstand nicht abgeleugnet werden konnte. Es war eine schwierige Arbeit, und der Maire mußte sich zahlreiche Schreibkräfte .beigesellen, um die Billets bis zum nächsten Abend, an dem das Bataillon erwartet wurde, mOrdnung zu haben. , Ich fragte oen 'Werrerar nacy der Adresse des Herrn Schmitt. Der kleine, behende Mann schüttölte lebhaft den Kopf und versicherte, daß es einen Bürger dieses NamenS in Chatelard nicht gebe. Als ich ihm dann sagte, daß ich an Fräulein Marie Schmitt eine Bestellung auszurichten, habe, besann er sich aber, und wußte u berichten, daß die junge Dame sich im Hause ih--res Onkels, deS Herrn Tailland, in der Rue Napoleon- aufhalte, übrigenssei sie erst seit ariderthalb Jahren dort. Ich stellte sogleich fest, daß für das Haus ein Offizier nebst Burschen sowie ein Unteroffizier in Aussicht genommen waren, und schnell entschlossen ließ ich die bereits ausgefertigren Billets auf meinen und PeterseuZ Na-, men umschreiben, der mit dem Marre zu. einer Besichtigung in die Stadt gegangen war. Mir schien das ein famoser Spaß, mit dem ich Petersen üd:rraschen wollte, ich verrieth ihm dayer nichts, als wir gegen Abend nach ver harten Arbeit des Tages unser Quar tier aufsuchten. Herr TaAand, ein offenbar wohlhabender Mercier, trat uns als ein Mann von guten Manieren entgegen, der aber die größte Angst vor den Prussiens zu haben schien und ganz danach russah,'als habe er Silberzeug und Pendulen in Sicherheit gebracht. Er führte uns in den ersten Stock 'des Hauses, wo er uns einen hübschen kleinen Salon mit anstoßendem Schlafgemach überwies, während ein zwei tes Schlafzimmer auf der andern Seite des Korridors lag. Nach ein:: alten Gepflogenheit losten wir um die Kammern. und Vetersen etüielt diejenige
neben dem Salon. Der Wirth' wies dann auf die Glocke, bat uns, wenn wir Befehle hatten, zu schellen, und verließ uns mit tiefer Verbeugung. ' Mit wahrer Wollust betrachteten wir unser kleines Reich. Polstermöbel ein schwellendes Sofa ein großer Spiegelschrank ein Gestell mit Büchern, ein geschmackvoll dekorirter Kamin die Kammern äußerst komfortabel, ein riesiges Himmelbett mit schneeweißem Linnen? überzogen auch Petersen that vor Wonne einen Luftsprung. So fein wohnte ich kaum im Vaterhause! War es doch das erste menschenwürdige Quartier, das seit Ueberschreiten 'der Grenze in Frankreich uns winkte. A ich das Abendbrod, welches die Burschen uns bald hernach auftrugen, ließ nichts zu wünschen übrig, und wie die Gotter schliefen roh diese Nacht bis in den Hellen Tag hinein Von meiner Ueberraschung, meinem kleinen Hintergedanken hatte ich Peterson noch immer nichts gesagt; ich freute mich im Stillen auf sein ver. blüfftes Gesicht. Nachdem wir amVormittag einige dienstliche Wege gemacht, trat ich zu Herrn Tailland in den La, den, um mir ein Paar bequeme Schuhe zu erstehen. Die waren bald gefunden, doch als ich sie bezahlen wollte, leistete der viedere Mercier den heftig sten Widerstand, ich vermochte nicht, ihn zur Annahme von Geld zu bewegen. Er war offenbar aufs Höchste überrascht, daß ich über seine Waaren nicht wie über mein Eigenthum verfügte, und ebenso unverhohlen äußerte er sein Erstaunen darüber, daß mein Kamerad und ich so gut französisch sprächen. Nach einem kurzen Geplauder war es mir gelungen, seine Besorgnisse und Vorurtheile so ziemlich zu zerstreuen, er erkannte, daß er eS'mi! anständigen und gebildeten jungen Männern zu thun habe, und damir dieser Eindruck nicht entging, so bat ich ihn, mich auch Madrae Tailland vorzustellen, da wir doch Voraussichtlich gezwungen sein würden, die Gastfrcundschaft des Hauses für längere Zeit in Anspruch zu nehmen. Auf diese Wendung war HerrTailland allerdings nicht vorbereitet, . er ward anfänglich verlegen, führte mich dann aber die Treppe hinauf in ein zweites Wohnzimmer, das dem unsern gegenüber lag. und bat mich, ein wenig zu verziehen, er werde mich seiner Frau melden. Nach einer Viertelstunde erschien er wieder in Begleitung seiner Ehehälfte, einer kleinen, etwas starken Dame mit freundlichen Zügen und etwas ängstlichem Ausdruck, der aber noch schneller verschwand, als bei dem Manne, nachdem das Gespräch sich ein weng erwärmt und wir alle unsern Gefühlen über das Elend dieses Krieges Lust gemacht hatten. Während -der UnterHaltung ward mein nach sanfteren Abenteuern, cils ich sie bisher erlebt, dürstendes Gemüth in einige Erregung versetzt, denn plötzlich öffnete sich die Thür, in der Spalte erschien der reizendste dunkelblonde Lockenkopf,, den eine kühne Phantasie sich hätte traumen lassen, leider, um sofort wieder zn verschwinden; und schließlich mußte ich wohl oder übel wieder abziehen, ohne mehr gesehen zu haben, da ich die Visite doch nicht über das schickliche Maß ausdehnen durfte. Als Petersen nach Hause kam, trat ich ihm in fideler Stimmun'g entgegen. Du," sagte ich, hier haben wir wirklich das große Loos gezogen unsre Wirthe sind ganz famose Leute aber die Hauptfache: denke Dir, Mademoiselle Schmitt lebt hier im Hause, sie ist die Nichte der Tail- -lands. ich habe sie schon gesehen, ein entzückendes Geschöpf, sage ich Dir na, wenn die uns nicht beiden den Kopf verdreht, will ich nicht Robert Neumann heißen. (Fortsetzung folgt.) Lynchjustiz.
Nächtliche Stille lagerte über der weltabgeschiedenen Eolonie im wildesten Westen, nur dann und wann von dem schauerlichen, heisern Gebell der PrairieWölfe unterbrochen. Plölich sicl ciu Schuß und auf dieses anscheinend ver abredete Zeichen öffneten sich die Thüren rnehrer Blockhäuser; unheimliche, vermummte Gestalten traten heraus und rotteten sich zusammen. Ernst und schweigend setzten sie sich nach ihrem Ziel in Bewegung, einem Hause der Ansiedlung. dessen noch ganz neue Wände hell durch die Nacht leuchteten. Beim Thore angelangt, hielt der Zug. Eine dumpfe Stimme fragte: Ihr wißt, von den Richtern haben wir nichts zu erwarten. Seid Ihr alle entschlossen. Euch selbst Euer Recht zu wahren?"' Und ein einstimmige ,Yes" war die Antwort. llriktlAns'Werk!"' Blinkende Beile sausten wuchtig wi der das Thor, bald sprang es' auf und, indes lautes Wehklagen aus dun In nern erscholl, stürmten die Vermumm ten ins Haus. Die Bewohner flüchte ten und versteckten, sich, so gur sie könn ten; aber tbere!: there!"' die Eindring linge hatten bereits ihr wchrloses Opfer ereilt, einige Beilhiebe,, einige klagende, wimmernde, ctchzende Töe und das grause Merk war gethcm. Hohnlachend entfernten sich- die Missethäter, während die unglücklichen Bewohner des HauseS schluchzend und händeringend . das be dauernswcrte Opfer der Lynchjustiz umstanden, das Klavier, das des Ha ses Tochter täglich zur Verzweiflung eller Nachbarn zu malträtieren pflegte. Eine rathselhafte Un. terhaltung. Braut: Här mal, Karl, seit unsrer Verlobung bist Du mir geradezu ein Räthsel. Bräutigam: Du mx auch, aber ein unzeratbenes. Braut: Nun, dann könnten wir za. die AuilLsung bald folgen lassenj
