Indiana Tribüne, Volume 20, Number 31, Indianapolis, Marion County, 18 October 1896 — Page 7
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Eine Aauernyochzeit in 'Zlordmäßren. Von Franz Thiel. Die deutschen Bewohner Nordmährens bilden unter den Deutschen eigen: lich eine eigene Kraft, die sich durch Sprache, althergebrachte Sitten und Gebräuche von dem anderen deutschen Volke wesentlich unterscheidet. . Zäh und ausdauernd halten sie an dem von den Vorfahren Ueberkommenen fest. In keinem anderen Lande wird auch die Sage so cultivirt wie dort. In jenem gesegneten Landstriche, der einem großen, grünen Garten gleicht, wäre für Dichter und Schriftsteller ein reiches Feld der Thätigkeit. Die dortigen Bewohner sind als ehrliche. sparsame Menschen bekannt. Nur einmal im Leben weichen sie vom Wege der Sparsamkeit ab, bei Gelegenheit einer Hochzeit. In diesem Falle treibt der Bauer eine besondere Verschwendung, die nicht selten die Vermögensverhältnisse der Hochzeitqeber übersteigt. Viel Lärm und Gepränge bei einer Bauernhochzeit schmeichelt den geladenen Gästen und macht den Hochzeitern Ehre und erhöht ihr Ansehen; man sagt dann: Es war recht unterhaltlich! Früh Morgens wird es auf dem Hofe des Vaters der Braut schon lebendig. Man vernimmt nicht wie sonst den Lärm deö Werktages. Durch die Thüre des Kuhstalles lugt verstohlen die Magd, die schon in vollem Putze dasteht, und schaut nach dem Knechte aus. was der wohl zu ihrem sunkelnagelneuen Kattunanzuge fagen wird, den sie sich zur Feier des heutigen Tages eigens angeschafft hat? da dieser aber nirgends zu erspähen ist. zieht sie sich verdrossen wieder zurück. Der Knecht aber liegt in den Federn und hält, nachdem er die Pferde schon abgefüttert, hat. sein zweites Schläfchen, denn er ist erst spät Abends vom Markte aus der Stadt heimgekehrt, wohin er Getreide geführt hat, da der Bauer zum heutigen Tage Geld braucht. Die Sonne steigt eben hinter den . . . -In ! wt m ijcH empor, als oie ernen Zgocyzettsg'äste auf einem kleinen Steirerwägelchen angefahren kommen. Es ist eine Muhme der Braut Mahm im Volksausdruck mit Mann und Kindern. Sie ist mit einem tauschigen Nock aus grellfarbiger Seide angethan, den sie auch einstens als Braut trug. Anstatt der seinerzeit stark im Gebrauche gewesenen Bunthaube, einem Ungethllm aus feinem Drahtgeflecht : mit Seidenbändern und Goldborden aufgeputzt, trägt sie jetzt das viel kleidsamere Kopftuch. Nun wird es im Zimmer rege; die Bauersleute eilen heraus und geleiten die Ankommenden in die sogenannte gute Stube, die heute festlich geschmückt p.-angelsche, mit weißen Tüchern aus selbstgesponnenem Leinen bedeckt, stehen rings an den Wänden herum. Während sich nun die Verwandten begrüßen und nicht genug des Lobes voll über die Braut und denBräutigam sind, kommen all' die anderen Hoch zcitsg'äste successive angerückt. Nun erscheint die Braut, die bis jetzt den Augen der Anwesenden entrückt war. Ein Ah" derVewunderung geht von Mund zu Mund der Gäste bei ihrem Anblick. Ein schweres Seidenkleid, oft von bunter Farbe, umhüllt ihren vollen Körper, ein mächtiger Myrthenkranz, vom eigenen Bäumchen genommen, thront auf dem Haupte, überall Blumen, die arbeitsrauhen Hände sind in lederne Handschuhe von brauner oder grauer Farbe eingepreßt. Die Augen des Mädchens strahlen vor Vergnügen, und auf den Wangen liegt das schönste natürliche Roth der Gesundheit und der Freude. Doch wo bleibt der Bräutigam? Aengstlich schweift der Blick der Braut, über die Fenster die Dorfgasse hinunter da kommt er ja, begleitet von seinen Kran-zel-oder Brautführern, und winkt ihr schon von Weitem zu. Jetzt ist die Zahl der Betheiligten vollzählig. Berge von Kuchen werden aufgetragen und den Gästen dazu Kaffee vorgesetzt, das ist das Frühstück. Es ist unglaublich, welch' ungeheure Quantitäten davon vertilgt werden. Gar manche von den lieben Verwandin hungerten buchstäblich, um heute recht viel zu sick, nehmen zu können. Denn Hocbzeit ist nickt alle Tage und viel Essen ist eineEhrung der Hausfrau und gebört zum guten Ton. Das Frühstmbst- beinahe beendet, als vor den Fenstern plötzlich ein Höllenlärm beginnt z-eZrtont ein Pfeifen, untermischt. Mlt'fütchtbaren Trompe tenstöb., dazwischen hört man die n ?5ne der Elarinette. daß das ü ?n Gefahr geräth, zu zerX3Z sin' die Dorfmusikan&c 4hn und in ''. . arauf- .; . ' i . . , '"d Icho: l:.K:t' t Hoch:..i' . die Hochz., . ..rcke. . Mitunter. ? ein armer Teuoieser Gelegenheit ''.en will. Zu dier sich und Bande, das . den Weg ab. ,5 sich in diesem coschen loskaufen, ! wird. die zwilchm 9 stattfindet. Hesse oder, logend und ches Hochamt bis . zum 'Tigert Hand Gesellschaft
die Kirche und wird beim Ausgange von den unvermeidlichen Musikanten mit einem schmetternden Tusche empfangen, worauf es auf den Tanzboden geht, um dem Tanzvergnügen zu huldigen. Dies währt bis in den halben Nachmittag hinein. Nun wird der Heimweg angetreten, und es beginnt der große, der eigentliche Hochzeitschmaus; die Tafelmusik besorgt hierbei ebenso wie früher die Dorfkapelle, für welche abseits ebenfalls ein Tisch hergerichtet ist. an dem sich die Blechkünstler in den Zwischenpausen gütlich thun. Unter Essen. Trinken, schwulstigen, langen Toasten und manchmal auch etwas derben Witzen auf das Brautpaar bricht die Dämmerung herein. Um diese Zeit wird in etlichen Gegenden das sogenannte Ehespiel aufgeführt, zu dem vier Personen gehören. Sie stellen den Richter mit seinem Schreiber und ein Ehepaar vor. Letzteres bezichtigt einander der Untreue und erklärt, nicht mehr beisammen wohnen zu wollen, wobei der Richter seine ganze Beredtsamkeit aufwendet, um die Eheleute zu versöhnen. Die Frau zeigt sich whl geneigt, doch der Mann ist unerbittlich. Endlich geht die Gattin hinaus und kehrt nach etlichen Augenblicken mit einer Puppe auf dem Arme, die ein Kind vorstellen soll, zurück, küßt sie und legt sie mit scheinbarem Schluchzen dem Manne auf den Arm. Diese Handlung erweicht endlich sein Herz, er schließt sie versöhnend in die Arme. Dieses Spiel ist wohl einfach, aber, wenn insbesondere die Darsteller ihre Rollen gut spielen, von großer Wirkung auf die Zuhörer. Ist das Spiel beendet, so erhebt sich der -Brautvater und ermahnt die neuen Ehegatten, in Frieden und Einigkeit zu leben; sollten aber dennoch Zwistigkeiten vorkommen, es ebenso wie dieses Ehepaar zu machen. Nun gibt er das Zeichen zum Aufbruche, und' die Hochzeiter verfügen sich wieder in das Gasthaus zum Abend tanze, an dem Jedermann aus dem Dorfe theilnehmen kann. Jetzt wird erst recht getanzt, henn das Tanzen vom Vormittag bildete sozusagen nur eine Vorübung. Die fremden Burschen erhalten hierbei von der Braut und den Ehrenjungfrauen oder Brautjungfern ein Sträußchen mit bunten, seidenen Bändern in's Knopfloch gesteckt, waS sie erst zum Tanzen berechtigt. Diese Sträußchen hebt sich jeder Bursche als Andenken auf. Schreiber dieses hatte deren einunddreißig. Um die Mitternachtsstunde erscheint die Brautmutter mit einer Magd, die einen riesigen K?rb, gefüllt mit Fleisch und Backwerk, trägt, das nun unter die Anwesenden vertheilt wird. Haben die geistigen Getränle bei den meisten Anwesenden ihre Wirkung gethan und versagen schon die Beine den Dienst zum Tanzen und Gehen, dann ist es Zeit, sich auszuruhen. Die Mu sikanten steigen von ihrem Podium herab und eröffnen den Zug, der nicht mehr in ganz ordentlicher Verfassung ist. Die neuen Eheleute werden von den Gästen bis zu ihrem künftigen Heim begleitet, wobei die Musik Trauermärsche spielt vielleicht, um den Ehemann daran zu mahnen, daß die lustige Zeit für ihn vorüber ist. Vor der Behausung machen sie Halt, worauf die Musikanten die Melodie zu dem alten Volksliede, in das Alle mit ihren Stimmen einfallen, intoniren: Heraus, Bräutle, heraus. Heraus aus Vaters Haus! Wärst du bei dein' Vater g'blieb'n, Häst du gute Zeit erlied'n (erlitten)." Dann beginnt noch ein Abschiednehmen, Händedrücken und Beglückwün. schen derBraut, die ein paar Vergelt's Gott!" sagt und etliche pflichtschuldige Thränen vergießt, worauf Jeder seiner Wege geht. ' So verläuft eine Hochzeit unter den deutschen Bauern Nordmährens. Mei' Schatz ist q' Schreiber. Mei' Schatz ist a' Schreiber, A' Schreiber gar g'wandt; Er hat m'r verschrieb Sei' Herz und sei' Hand! Sei Herz und sei' Hand ja, Und i' ehm de mei'. Und fest ist der Handel, Ka' fester net sei'. . Ka' fester net sei', denn I' haun ehm zum Schluß Mei' Ringle zum Pfand gea. Als Draufgeld en' Kuß!
Modern. Mutter: Nun bist Du also Braut. Klärchen, und brauchst Dich nur noch nach einem Reservebräutigam umzusehen! Erster, Gedanke. Du, Mutter, da draußen haben sie eben ei- , nen arretirt!" Geschwind aebst 'naus .d schaust nach, ob's nicht der Vater " . - U Stellung. "Unter :i"'e eit haben Sie es in ,7. . . ', -,ß gebracht? Re i . . . iiui: j beimrathskö- , fr- , C-J . jD t x i e c . .)'-iissorm: ., nun brinat Es ist doch wirklich das dumme Mädchen lc'.'.d.r den Topf ohne Thee! Professor belehrend): Aber liebe Frau, das wäre ja ein Unding, das wäre ja ein Opf. Rangordnung. Werkmeister (zum neu eigetreten:üArb:iter. der ihm auf fein Niesen Prosit geantwortet hat): So. jetzt passen Sie auf. wie ich's mit dem Niesen gern gehalten hab': Zum Prinzipal sagt man: Zur Genesung!" zumWerkführer: G'sundheit!" zumArbiiter: Prosit!" und zum Lehrlmg: Halt's Maul!"
Mein Bekannter im toW Skizze aui dem Bade von Alfred Hannover. Mein Gott, wer ist er doch nur, der mich da eben gegrüßt hat? Ich kenne ihn ganz bestimmt! Wo habe ich ihn denn nur kennen gelernt? Was ist er doch? Ein hübscher Kerl, fesch gekleidet; ist er ein Studienfreund von mir? Ich überlegte und überlegte, filtrirte alle meine Erinnerungen, kam aber, nicht zu einem befriedigenden Schlüsse. Ob er wohl zur Kur hier in Kissingen ist? Er sieht durchaus gesund und kräftig aus. Wenn ich doch nicht so ein vorzügliches Physiognomiegedächtniß hätte! Es ist quälend, zu sehen, daß man von Jemandem, den man bestimmt kennt, erkannt wird und nun nicht weiß, aber wissen möchte, wer und was er ist. Vielleicht ist man vcrpflichtet, mit ihm zu verkehren? Vielleicht wäre es von hohem Nutzen, die alte Be kanntschaft zu erneuern, zumal für zwei ju ige Eavaliere in einem Weltbade? Ich überlegte fort und fort; umsonst, ich kannte ihn und wußte weiter nichts. Jeden Morgen um sieben Uhr stand er in der Racoczy-Halle, ließ sich ein GlaS Brunnen geben und beobachtete beim Trinken die Badegäste speziell die Damen, ganz speziell die hübschen jungen Damen. Wir begrüßten uns mehrere Tage hinter einander pünktlich um sieben Uhr durch einfaches, steifes Hut abziehen. Aus seinem Gruße war zu entnehmen, daß er meine Anrede erwartete. Die hübschen Damen schauten ihn gern und lange an, er sah wirklich delikat auS. Ich beneidete ihn. Was hatte er für schöne Augen, wie sanft und weich war sein Blick, die reinen Peluche-Augen, welche die Damen so sehr gern sehen! Und welche par distanceErs olge hatte er Morgens vom Brunnen aus! Ob er wohl Erfolge nur far distance hatte? Ich kam ganz in eine Nähe, um mir ein Glas Racoczy geben zu lassen. Ich grüße. Er er widert den Gruß mit den Worten:
Grüß Gott, Herr Doktor!" Aus dem Ton seiner Stimme glaubte ich schließen zu dürfen, daß er was Tüchtiges sei. Tarauf ich: Grüß Gott!- wie geht's?" Danke, ausgezeicknet! Wie geht's Ihnen?" Danke! Gut!" Sind Sie zur Kur hier?Nein! Sie?" Kur? Nein! Eour? Ja!" Aha! Sehr gut! Habe das übrigens schon bemerkt, habe Ihre Erfolge schon gesehen!" So? Na, es sind aber wirklich auch iu nette Käferchen hier, rein zum Anbeißen! Ich fühle mich hier sehr wohl!" Wir schüttelten einander die Hände. Wie sauber und elegant sah er heute wieder aus! Weißscidcne Cravatte schon Morgens um sieben Uhr! Tonnerwetter! war er also nicht der Graf X.. der damals Unparteiischer bei meiner Pistolenmensur war? Der trug ja auch stets und ständig weiße Cravatten, auch bei Nacht und Nebel. Aber nein, der hatte ja einen Mordsschmiß auf der lin ken Backe. Ich beobachtete jetzt meinen Bekannten auf Schmisse hm aber fand keine. Wenn er kein Studirter war, so ist er am Ende Offizier, dachte ich. Während ich eben meine psychologischen Betrachtungen über die Macht seiner langen Wimpern und schönen aroßen Augen auf Mädchenherzen anstellte, fragte er mich: Waren Sie bis jetzt in Würzbur?" Allerdings, ja. Habe eben mein Staatsexamen gemacht." Ah, gratulire! Sie waren ja stets so fleißig; haben gewiß ein brillantes Examen gemacht? Gehen Sie nochmals zurück nach Würzburg, wollen Sie da Assistent werden?" ,,Nein, ich gedenke, irgendwo meine Praxis zu eröffnen; eben grüßte er eine auffallend reizende, überaus gra ziöse Tarne, die in der Nähe vorüberging, dieselbe wie gestern, vorgestern uad vorvorgestern. Sie sah fürstlich als. Mein Bekannter verließ mich, als die Tame ihn scharf ansah, ging auf sie zu und begrüßte sie herzlich und mit kräftigem Händcdruck. Sie unterhielten sich sehr lebhaft. Währenddem gingen hohe bayerische Militärs mit ehrerbietigem Gruße an ihnen vorüber. Sie erwiderte diese Grüße steif und vornehm. Also er. ist ein Officier in Civil, ganz bestimmt ein Officier. sagte ich mir. Jetzt ging er mit der schönen Bachstelze prominiren, bald waren die Beiden nicht mehr für mich zu sehen. Ich sah den Bekannten an diesem Tage nicht wieder; überhaupt war er ja nur Morgens in aller Frühe sichtbar. Am nächsten Tage konnte ich zunächst die Frage, wer die wunderbar schöne, graziöse Tame von gestern gewesen sei, nicht unterdrücken. " ..Eine Gräfin Rasczykowska, eine Polin!" sagte er. Ein herrliches Weibchen!" sagte ich. Und verliebt bis in die Puppen!" sagte er. Kennen Sie sie denn schon von früher?" ' . . . ,. ,.,0 nein, ich kenne sie seit vier Tagen persönlich.. Ich machte ihre. Bekannt schaft durch Zufall. Ich traf sie kürzlich auf dem öudwigsthurm, aber wagte es nicht, sie anzusprechen, obwohl sie eigentlich durchaus nicht spröde that. Zufälligerweise ließ sie ein Buch von Prevoft aus dem hunne liegen, da? ich zu mir nahm und ihr übergab. Sik verstand kein Teutsch, bedankte sich au) Französisch, und nun folgte eine amüsante französische Unterhaltung, besonder über den Inhalt jenes Prcoostischcn Buchcs. Ich freute mich könig lich darüber, bau ich ein paar Jahre in Paris ge'.v:scn bin und gut französisch sprechen konnte. Sie sprach sehr pikant, seit Paris hatte ich so was nicht mehr gehört. Ein entzückendes Wnb!" Ist sie verheiratet?" ..Allc:dinas! Aber ihr Mann ist tt
alter Herr und sou ein hohes diplomati sches Amt bekleiden. Das scheint keine glückliche Ebe zu sein, sie will auch
möglichst lange hier in lsstngen olei den." Dann kann man Ihnen ja gratulircn! Warum sieht man Sie übrigens nie am Tage?" Ich widme mich den ganzen Tag der Gräfin; nur Abends bin ich frei, die Abende waren recht langweilig!" Meine Abende ebenfalls!" bemerkte ich. Ich war merkwürdigerweise recht unzufrieden über meine vereinsamte Stellung, deren Schattenseiten sich besonders Ak ends von acht Uhr an empfindlich gcltend machten, wo Kissingen mir wie ausgestorben vorkam. Daher erlaubte ich mir den Vorschlag zu machen, wir Beide wollten von heute an Abends zusammenkommen, unser Bier gemeinschaftlich trinken und eventuell Karten spielen. Mein Borschlag er freute ihn sichtlich. Wir verabredeten uns auf acht Uhr nach dem Frühlings garten. Eben ging Gräsin Rasczykowska vorüber. Wieder der intime Gruß bei derseitö! Ich zog auch den Hut, sie grüßte nochmals ein ganz bischen nach. Mir wurde das Herz schwer, als er Donnerwetter, ich hatte ja wieder ver gessen, nach seinem Namen und Beruf zu fragen! als er mit der entzücken den Gräsin abzog. Er hatte mich doch vorhin mehrfach mit meinem vollen Namen genannt? Er mußte mich genau kennen. Ich beschloß fest, heute Abend sofort die brennende Frage an ihn zu richten, um aus all den quälenden Ueberlcgungen herauszukommen. Er erschien pünktlich, that aber mir gegen über auffallend linkisch und untcrthänig. Was hatte das zu bedeuten? Saß er nicht fest in der Gunst der Gräsin? Ich faßte süße Hoffnungen, hatte sie mich doch mehrmals mit ihm gesehen. Ich sprach auch etwas Französisch, wenn auch nicht so gut wie Jener, vielleicht schon eifersüchtige ach so, ja! jetzt will ich ihn fragen, wie er heißt. Er kam mir aber mit den Worten zuvor: Das ist der erste und letzte Abend, den ich in Ihrer angenehmen Gesellschaft verbringen werde; wenn ich es nicht fest versprochen hätte, wäre ich schon heute nicht hier erschienen. Künftig werde ich auch die Abende mit der Gräfin ver leben. " Tas ist sür mich sehr bedauerlich, für Sie indessen kostbar!" Meine eben geborenen Hoffnungen waren schon wieder beerdigt. Die Gräfin", so suhr ich fort, hat scheinbar viele Bekannte hier, sie wurde vielfach von hohen Militärs gegrüßt " Allerdings! Ihr Mann ist ein gro ßer Diplomat, und die Herren bemühen sich um ihre Freundschaft. Sie hat nun aber eine große Antipathie gegen Alles, was Militär heißt!" Sind Sie denn nicht selbst Ossi' cier?" Ich, Herr Doctor? Ich Ofsicier? Warum solcher Sott?"' Er machte ein beleidigendes Gesicht und fuhr fort: Sie wissen wohl nicht, wer ich bin? Das sollte man nicht für möglich hal ten! Sie haben mich Jahre hindurch allabendlich beim Namen gerufen! Ich heiße Fritz"!" Mir wirbelte jetzt der Kopf. Warum nannte er nur feinen Bornamen? Ich fragte ihn:,, Wo lern ich Sie denn kennen?" Aber Herr Toctor! In Würzburg! Wissen Sie das denn wirklich rnchn Kennen Sie denn auch das Nürnberger Braustüb'l nicht mehr? Ta habe ick Ihnen manche Maaß angefahren, zu mal Sie ja ein flotter Trinker warcn!" Jetzt fielen mir die, Schuppen vor den Augen! Es wsr der Kellner Frij aus der Nürnberger Kneipe. Sakra ment! Was so eine Gräfin für Glüö haben kann! Muka is ka Zlcst. (Münchener Gerichtsscene). Schon dreimal wird mächtig an die Thüre des Sitzungssaales gepocht, während gerade in einer Beleikigungsklagesache ein Anwalt plaidirte und unmuthig rief der Aichter mit lauter Stimme Herein", da füllte die Riesengesalt des Gastwirthes Nikolaus N den Thürrahmen und allseitig wird der Koloß angestaunt. Richter: Was wünschen Sie, mein Herr? Wir sind gerade in einer VerHandlung." Der starke Mann vom Volumen des großen Christof am Oarmarkt rief mit dröhnendem Bierbaß: Mit Verlaub, Herr Staatsanwalt! Da steht's a schrieb' und druckt und g'stempelt, um halber Zehne kimm' i d'ran und wenn i net kimm nacher kost's dreißig Markerl und drei Tag und einag'führt kunnt i aa no' wer'n etcedera und so weiter.. Jetz'n is' halb Elfe und da herinet wird no' gar net dergleicha thuan und i möcht' ang'frier'n und vor Zorn dersticka. Moan's i will an gach'n Tod sterb'n und dahoam leid' 's G'schäft? Wo i net bin. geht nix'n z'samma, 's Bier wird net richti behandelt, d' Weißwurscht werden ver fott'n etcedera und so weiter. Jetz'n gehn i, wenn's net bald was wird und einaführ'n können S' mich, wenn 's Oan auf de? Welt gibt, der 's z'sammabringt. Der Nich.er mußte Herrn F. besser kennen und sagte höflich, aber entferne den: .Sie kommen zur nächsten VerHandlung und einstweilen nehmen Sie dort am Tische Vlaß. mein Herr. Herr Y. setzte sich an die Seite des seine Rede wieder aufnehmenden An waltes und verfolgte mit ungetheiltern Interesse die Ausführungen des Letz teren. Keckheit und Frechheit ist heutzutage bei unseren jungen halbwüchsigen Bürschchen . am hervorragendsten, und so war es im gegenwärtigen Fall. Gerade durch das vorlaute Benehmen dieses Jungen, des Klägers, wurde auf das Gemüth des Angeklaaten. der sonst ein seelenguter.
stiller V7ann ist, eine Rückwirkung erzeugt und diese äußerte sich darin,
daß er den 17iahngen Bengel bet den Ohren packte und ihm einige etwas derbe Ohrfeigen verabreichte. Das war die Quittung über die Aeußerung gegen meinen Klienten: Plattenberger alter Spieß, Nudlmeier! und deswegen beantrage ich kostenlose Freisprechung", rief der Anwalt. Herr F. erhob sich und rief ein Bravo! aus tiefster Brust. ' Respect. Herr Doctor! Der junge Grasteufel dader iö g'moant! Der hat schon so a freches G'schau! Der sollt an mich kemma sein, nacher wär' er erst z'sammabügelt word'n. Schaugen S' nur seine Löffl an, die san ja grad eing'richt zum Beuteln. Der Ander wird selbstverständlich freig'sprocha. Wenn's' no a G'setz und a Gerechtigkeit gibt auf der Welt! Mir wär's i...." Richter: Bitte, jede weitere Bemerkung zu unterlassen. Wo denken Sie denn hin, Herr Y.?" Das Gericht zog sich zurück und sprach darauf den Angeklagten wirklich frei, während CY (W CY I qgerr y. oen Anmair gieicn zur zeriretung seines eigenen Falles zu engagiren versuchte, was jedoch abgelehnt wurde. Richter: Hm N.. Sie sind beschuldigt, am 5. August Abends auf öffentlicher Straße durch lautesSchreien und Schimpfen, fowie Streiten mit einigen anderen Herren, ruhestorenden Lärm verübt zu haben. Was wollen Sie gegen diese Anschuldigung vorbringen?" Angeklagter: Erstens hab' i a recht guete Stimm', die mer namentlich Nachts a bisserl weiter hört; zweitens hab' i nur g'redt, aber net g'stritt'n und g'lärmt; drittens streit' Neambt mit mir, sunst wird er beim Flügel g'faßt und g'hört auf ja und naa zur Luftschiffer - Abtheilung. Dös, was mir Dreie ausg'macht ham. war eine Vertheidigung der Stadt Münka gegen zwoa Weaner, die g'sagt ham : d' Münchnerstadt wär' nimmer so grüebi', wia vor vierz'g Jahrln und gegen Wean wär's a Bauerndorf." Richter: Warum machen Sie diefes aber auf offener Straße ab und nicht in Ihrem Lokale?" Angeklagter: In mein Lokal moan S'? So was möcht i als a Münch'ter und a Gwachs wie zwoa solchene Springingerln a mal derleb'n! Bei mir im Haus da hüet sich Oaner so was z'sagen." Richter:' Also überlaut gestritten haben Sie, das steht fest." Angeklagter: Neambt steht fest! Glauben 's denn, i kann mir fo was g'fallen lassen? Die zwoa Fremden, nämlich a jeder Oesterreicher nennt sich an Weaner, reden von der Münchnerstadt und behaupten feit dem neuch'n Geld etcedera und so weiter wär' München wie umg'wandelt. Alles is' theueriger und schlechter, sogar 's Bier taugt nimmer viel, von a Grllebigkeit lst koa Spur mehr da und gegen Wean wär's nur a G'HLft. I war zwar nie in Wean, d'rum kann i nix davon sayen, aber die Ehr von unserer Hauptstadt hab' i fein ausbiss'n. Was! sag i, Münka soll a Nest sein? a Stadt mit fast aner halben Million Einwohner. und was für Leut sag i, a Jeder Aibt zwoa von enkere Krawotten, nacher san mer eigentlich mehrer wie ihr. Mit'n Elektrischen werden mer auf der Straßen und bei jeden Haferl Bier beleuchtet, mit'n Elektrischen wirst um in Zehnernickel durch die halbete ?tadt kutschirt. Um wanitia Markl kannst dich vom opf. bis zu mc Füey In jed'r Straß'n g'wand'n. Vor acht Tag kimm i zu meinSchuester und will meine neug'sohlten Schuah holen, derweil hat der Kerl nix g'arbeit't und möcht' mi' drei Tag vertrösten. I pack meine Schuh, geh in d' Schnellsohlerei an der Neuhauserstraß'n, setz mich nieder und nimm a Priserl, derweil thuats a paarmal Krickkrack und meine Stiefel warn fertig. Giebt's so was in an Bauerndorf? Zwanzigtausend Menschen haben dahoam ihr eigenes Reitpferd, dös no dazua nixn z'fress'n braucht; Weiba und Kinder radeln, und wo früher Jemand drei Tag mit der Postkutsch'n hinbraucht hat, da fahr'n's jetz'n in zwoa Stund ohne nur einzukehren; net a mal auf d' Eisenbahn wird mehr aufpaßt und bis in a paar Jahrln kann Oaner mit seine Verwandten in Amerika um a Zwanzgerl telephonisch sprecha. In unsere Wirthschaften kost't heut zu Tag' a Lamp'n mehrer wia früher beim Schleibinger 's ganze Inventar. Auf'nWend'lstoa wollen's mit'n Luftballon 'nauffahr'n und wenn S' no a paar Jahrln wart'n,' nacher wird a richtiger Bürgersmann in der Früh auf d. Zugspitz zum Fruahstuö'n fne g'n und um a Fufzgerl im Bodensee baden. Anders als wia durch d' Luft und in der Höch'n sahr'n ma bald nimmer. In die neuen Häuser gibt's koane Stieg'n mehr, nur lauter elekirische Aufzüg'. Vor vierz'g Jahr'n. wenn's brennt hat, na Haben's mit alle Glocken g'läut', von die Thürm' ganz grausli runter blas'n, d' Leut ham Feurjo brüllt und Wasserjo woll'n! Heut' wenn's brennt, na' schaug'n, die nächsten Nachbarn nimmer zum 'Fenster außa und d' Feuerwehr b'sorgt ' an Auszug gratis wenn d' Eommunemauer warm wird. ' Wenn d' Jsar so groß wird, daß a paar Gebirgsnester mitbringt, da g'spürn mer in der Stadt gar nix davon, so hammer's uns eing'richt, weil mer mit'n Wasser überhaupt net viel z'thuan haben mögen. So schsugt's bei uns am End vom Jahrhundert aus und da moanet a Ausländer, bei eahm dahoam wär's besser und schöner und d' Münchnerstadt that z'ruckbleiben. Net wahr is', hab i g'sagt. und richtige Leut, die , g'sund san, a. G'müth ham und g'stellt wia die alten-Deutsch' vor tausend Jahr'n, die trifft mer nur bei uns. Ueberhaupts die Ausländer kemma bei uns gar net so fort und g'rathen net so wie wir, dös Bierg'schmachl mueb in der Natur, lieg'n.
' Dös war also der ganze Dispütat und wenn so was a Mann erzählt wia i Oaner bin. sechs Fuß fünf Zoll hoch, a wengl unterwachsen, an eisernen Baß, und in die Arm liegt hent und drent a Doppelcentner, säh da schaugen's dös fremde Putzlwerk. da rühr'n sich kaum mehr die Ohrwatschl' und vorbei san's." Das Gericht nahm die mildere Auffassung in dieser Angelegenheit und erkannte auf 3 Mark Geldstrafe. Herr Y. meinte: Auf die drei Markl kimmt's zwar auch nimmer an, aber 's nächstemal gehn i über Land, wenn i Oan von Münka ' 'was erzähl. I glaub die ganze Welt is'. nervös, weil d' Leut an meiner Bruststimm erschrecken. Ter Schnupfen.
Von Tr. HanS Rotte. Die erste Ursache eines Schnupfens ist Mangel an frischer Lust. Warum ist leicht zu erkennen. Bis tief in die Luströhre hinab sitzen zahlose kleine haar, förmige Wimpern. Dies e winzigen Besen sind in einem fort amFegen, aber nm in einer Richtung nämlich nach dem Munde zu. So wird der Schleim, der, regelrecht abgesondert, dick und klebrig ist, um Staub und andere fremde Bestandtheilk festzuhalten, beständig die Luftröhre hin aufgetrieben, bis er ihr weiteres Ende er. reicht und leicht ausgcstoßen werden kann In reiner Luft bewegen sich diese Wimpcrn ohne Unterlaß und bürsten weit cm. siger, als irgend ein Zimmermädchen, jedes Stäubchcn hinaus, so daß alle un berechenbaren Luftdurchgänge hübsch sauber bleiben. Enthält aber die Luft ein wenn auch noch so geringes Uebermaß von Kohlensäure, dann erschlafft die Beweglichkeit der Wimpern, und wenn ihnen keine frische Luft zugeführt wird, so sterben sie größtentheils ab. In dicht verschlossenen WohnräumeU ist die Luft immer unrein, und wen darin , künstliches Licht, insbesonderk Gas, brennt, schadet auch die Trockenheit der Luft, indem sie den Schleim verdickt und so den geschwächten Wim pern die Bewegung erschwert. Die Blüthezeit der Erkältungen fällt gevöhnlich in die Nebel und Regen Mo nate, wo die Zimmer geheizt und die Fenster verriegelt werden. Es ist ein Wunder, wenn unter diesen Umständen irgend Jemand vom Schnupfen oder sonst einer Erkältung verschont bleibt, und thatsächlich trifft das auch nur sei ten zu. Jeder körperliche Zustand, der als krankhaft betrachtet werden darf, jede Unreinigkeit des Blutes erzeugt Geneigt, heit zum Schnupfen. Manche Leute schreiben ihn dem Umstände zu, daß sie aus einem warmen Raume ins Freie traten, während sie sich in Wirklichkeit schon drinnen m der dumpfen, unreinen Lust erkältet hatten. Daß der Schnupfen ansteckend ist. ist nicht wahrscheinlich. Jedenfalls sind die Keime der Ansteckung noch nicht ent deckt worden. Meistens vereinigen sich bei den Mitgliedern einer Familie dieselben Bedingungen, so daß aus diesem Grunde die Krankheit so häusig bei ihnen gleichzeitig auftritt. Briefträger, Locomotivführer und sonstige Personen, die aller Unbild des Wetters ausgesetzt sind, aber beständig in der frischen Luft verweilen, ziehen sich auffallend selten eine Erkältung zu. Der Schlüpfen meldet sich mit ver mehrter Schleimausscheidung aus den Augen oder der Nase oder aus beiden. verbunden mit Niesen. Dazu können Kopfweh, Müdigkeit, Schwäche, Unlust zum Essen und eine Entzündung des Schlundes kommen. Oft folgen auch Frösteln, leichtes Fieber, Schwelnaus bruch, Druck auf der Brust und Schmerzen m verschiedenen Körperthei len. Die Zunge ist weiß und belegt, die Haut trocken, der Pulsschlag hastig und die Körperwärme ungewöhnlich hoch. Alle diese Erscheinungen ver schlimmern sich bei Einbruch der Nacht. Außerdem sinkt die Schärfe der Sinne, ailsaenommi'n des Gefühls. Das Sprechen kostct Mühe und klingt heiser. Zur Heilung genügt in der Regel das En athmen reiner und frischer Luft, ein gkmächlicher Spaziergana in der besten Tageszeit und ein warmes Bad am Abend. Ten Blutandrang nach dem. Kopfe beseitigt ein Fußbad in heißem Scnfwasser; eine warme dünne Suppe vor dem Schlafengehen vermit telt einen wohlthätigen Schweiß. Die Fenster im Schlafzimmer lasse man. wenn trockene Witterung herrscht, ein wenig auf und decke sich nicht wärmer zu, als zum Wohlbcsinden nöthig ist. Arzneimittel sind geradezu nutzlos. Um und Aufschläge überflüssig. Den Durst löscht man am besten mit Früchten; auf regende Getränke sind thunlichst zu ver meiden, dagegen ist Unmäßigkeit im Ge nuß frischer, reiner Luft nur schenswerth.Born Erdboden ver schwunden sind mit der Zeit drei früher große Dörfer, die am Rande der Rominter Heide im Tollmingkehmer Kirchspiel in Ostpreußen lagen. ES . '. ' ' . . , rl . sind die Vvrser zalglrrenrunmaide), Molgirren(Lehmwald) und Moskau. Bon den beiden ersteren war schon Anfang des Jahrhunderts keine Spur mehr vorhanden, und nur noch in sehr alten Aufzeichnungen und Acten findet man Lage und Größe derselben angegeben. Das gleichfalls 'im vorigen Jahrhundert verschwundene Dorf Moskau lag auf einer Anhöhe am Rande der Forst an der großen Landstraße von Tollmingkehmen nach Rominten, in der Gegend des heutigen Dorfes Makuhnischken. Unter alten Leuten der Umgegend ging noch bis in unsere Zeit die Sag vom herrschsllchtigen und tyrannischen Amtmann v. Krafft. der die Bauern so hart b:- ' drückte, daß sie das Dorf anzünd:iin. f demErdboden gleich machten und dann : mit ihrer geringen Habe die Gegend verlieben. .
'HanS im Glück. Nicolaus Strampelbein war Radfahre? mit .Leib und Seele. Die Stunden, in denen ihn sein Beruf von feinem Bicycle fernhielt, , dünkten ihn verlorene zu fein, und nur die galten ihm als wirkliche verlebte , Stunden, die er auf seinem Zweirade zubrachte. Heute war er in vollster Seligkeit. Ein freier Sonntag, .ein herrliches Frühlingswetter was war. da natürlicher, als daß er eine Tourenfahrt
tT unternahm und weit hinaus in's Land radelte. Der Vormittag war auch in schönster, stiller Freudigkeit verlausen, da machte die Entdeckung, daß er sein Portemonnaie vergessen habe, ihm doch Fatalitätm. Denn sein Magen knurrte bedenklich und er besand sich hier in einer ihm sonst wildfremden Gegend. Ein Glück, daß er noch Cigarren genug bei sich trug. Im Uebrigen aber ritt er hungernd weiter. Da kommt er in eine Landstadt und gleich am Eingange derselben fährt er rath, los an einer Villa vorüber, aus deren geöffneten Fenstern ihm Gläserklirrm entgegentönt und ein würziger Bratengeruch feine Nafe kitzelt. Ganz erfüllt von dem Gedanken, daß Jene dort be haglich tafeln und daß er hungrig weiterfahren muß, achtet er nicht auf einen im Wege liegenden großen Stein. Mit voller Wucht fährt er gegen denselben an und schon schießt er kopfüber übe? die Lenkstange hinweg und o Wunder, mit einem riesigen Sattomortalt hinein in eines der gevffneten Parterrefenster. In der Luft sich noch überschlagend, ist er der Erreger eine? wahren Panik bei den Tafelnden. Mit jähem Aufschrei stürzen diese von ihren Sitzen empor und im nächsten Augenblick auch schon sitzt Nicolaus Strampelbein mitten auf der Tafel, zum Glück nicht im Suppennapf und nicht auf der bräunlich gebratenen Gans, zum ganz besonderen Glück auch nicht m den Scherben der bedrohten Weinflasche, sondern neben ihr, die unzerbrochen geblieben ist. Mit allen Zkichen des Entsetzens sind die Inhaber dieser köstlich besetzten Tafel entflohen mit allen Zeichen eines Hungrigen aber setzt sich Nicolaus Strampelbein an die verlassene Tafel, in hastigen Bissen seinen Hunger stillend und Glas auf Glas des funkelnden Weines leerend. Das nenn' ich Glück!- jubelt er im Stillen, auf's Neue den Teller sich füllend und sich ein frisches Glas vollschenkend. Der Schutzgeist aller ehrlichen Radler hat meinen stillen Wunsch erhört und mir das köstliche Mittagessen bescheert. Da tönten draußen die Stimmen der zurückkehrenden Geflohenen und nun heißt's: Fahr ab!" Mit einem Satze hockt er auf dem Fensterbrett, mit einem zweiten ist er draußen, mit einem dritten im Sattel und während ihm Wuthschreie aller Art nachtönen, fährt Nicolaus Strampelbein, köstlich gefättigt. triumphirend von dannen! I m H e i rat h s b ü r e a u. Ich wünsche, mich mit einer ehrbaren Dame zu verheirathen!- Wünschen der Herr Baron mehr Ehr' oder mchr Baar?" - j Unangenehmes Miß- ! Verständniß. Zu einem Missio- ! när sendet ein Negerstamm c'nen Bo- ' ten, mit der Nachricht, daß il)k 5)äuptling schwer erkrankt fei. Der mcni schenfreundliche Geistliche sckickt soscrl einen soeben angekommenen gen Arzt in das nicht sehr entfernte Regerdorf, damit er den Kranken untersucye und von seinem Leiden befreie. Nach vier Stunden kommt derselbeBote wieder zurück und meldet: der kranke Häuptling sei noch immer nicht gesund, obwohl er bereits den ganzen Dok tor aufgegessen; er bitte daher uni eine andere Arznei!
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